Das Land Heligonia Kontakt Archiv Termine Arcanes Kurzregeln Heligonia in den Medien Galerie Fernblicke

Drachenhainer Herold

Drachenhainer Hoftag abgesagt

Erleichtertes Aufatmen des gesamten Drachentrutzer Hofes, sowie der Eingang allerhand Bezeugungen tiefempfundenen Dankes. Solcherlei Regungen bewirkt nicht eben oft eine offene Verlautbarung des guten Drachenhainer Kanzlers, Giselher von Mühlenheim.
Am 1. Tag des I. Xurl war es indes wieder einmal soweit, als seine Hochwohlgeboren dem Willen seines Fürsten nachkam und den Aufruf zum bereits anberaumten II. Drachenhainer Hoftag (Helios-Bote 72 berichtete), zurücknahm. Als Grund dafür wurden die Fülle kommender Großereignisse im Land – namentlich der heligonische Adelstag in Wolfenfeld, sowie die drachenhainer Bischofskür - und die damit verbundene allseitige Zeitnot angeführt. Glücklicherweise waren ja noch keine konkreten Einladungen entsandt worden. Kanzler Giselher wurde jedoch nicht müde zu bekräftigen, dass damit der Hoftag lediglich aufgeschoben und nicht etwa aufgehoben sei.
Die Verantwortlichen des Drachentrutzer Hofes, in erster Linie der frischgebackene Burgvogt Kerstan von Tuachall, werden diese Worte sicherlich als Fingerzeig verstanden und das Hofgut Lindenrast eilends vom Keller bis zum Dachgeschoss auf Hochglanz und somit bezugsfertig zur hochnoblen Gasterei arrangiert haben.
Drachenhainer Hofberichterstatter, Ruland vom Kerbelgehr, im 1. Xurlmond, 39 n.A.III

Prinzessin Lenia tritt Nachfolge ihrer Mutter an – Ardelun neuerlich in zarter Kinderhand

Das drittgeborenes Kind von Baronin Leabell und Fürst Leomar, Prinzessin Lenia Orwyn Sarava von Tlamana-Drachenhain mit Namen, wurde anlässlich ihres ersten Geburtstages feierlich zur Freifrau von Ardelun erhoben.
Was Menschen außerhalb der tlamanischen Gemarkungen ab und an verwundern mag, ist innerhalb der Baronie zumeist, ob uralter Traditionen und althergebrachtem Zeremoniell, Gang und Gäbe.
So nahm es am 28. Tag des I. Helios ,39 n.A.III auch keinen Tlamaner Wunder, dass Baronin Leabell zum Ehrentag ihrer jüngsten Tochter, zu deren Gunsten auf Titel und auf Amt einer Herrin von Ardelun verzichtete. Nach alter Väter Sitte steht diese Mark stets jenen tlamanischen Herrschersprösslingen zu, die einmal aufgrund ihrer Rangfolge keine oder wenig Aussichten auf eine Empfehlung als Landesoberhaupt in Escandra haben werden. Als Drittgeborene nach Prinz Halmer Arwell und Prinzessin Alessia Velana ist dies der Prinzessin freilich in die Wiege gelegt.
Dass Baronin Leabell als Kind selbst auch das Lehen erhielt - heute jedoch nicht in Solodgia-zwischen-Baum-und-Feld, sondern in Tabruk, bzw. Mirain, herrscht - liegt bekanntlich im Verlust ihres ältesten Bruders Arwe, sowie im Thronverzicht ihrer älteren Schwester Tamara begründet.
Selbstredend wird die Provinz bis zur Volljährigkeit Prinzessin Lenias von einem Verwalter betreut. Mit der Dame Ambrosiata ist dies dieselbe Person, die dies Amt schon seit der Erhebung Baronin Leabells ausfüllt. Für die Ardeluner Untertanen bleibt also für die nächsten Jahrzehnte alles beim Alten.

Freie Schreiber, Heron Krumbrecht, im II. Helios ,39 n.A.III

Das Fernrohr

Dies sind die Aufzeichnungen von Feinsliebchen Orella, Tochter des Hopfenschneiders Bertollo aus Lanum aus dem Lande Corenia.

Alles begann als eines Tages die Fremden auftauchten. Aus Heligonia seien sie. Oder aus Darian. Heute weiß ich wohl, daß Darian ein Teil Heligonias ist, so wie meine Heimat Lanum ein Teil Corenias ist.
Sie waren uns einigermaßen ähnlich, doch sie brachten viel Lärm und gar so viel Gerät und überhaupt mehr glänzendes Metall als ich zuvor je gesehen hatte. Nichtmal der Sohn des Vormanns klimpert so wie diese Gesandschaft es tat.
Wir begannen blad mit ihnen Waren zu tauschen, wie es unsere Art ist. Mein Vater warnte mich, ich solle mich nicht anbiedern bei den Fremdlingen. Aber bei ihnen war doch ein Sohn des Xurls, so mussten es doch anständige Leute sein!
Und ihr Treyben war alle Zeit so geschäftig und sie fragten uns zu Dingen, die sie den Maulwürfen gleich aus der Erde gruben. Ich fand dies alles so wundersam und so suchte ich ihre Gesellschaft, die mir so seltsam verheißungsvoll schien. Nichts ahnte ich damals von dem, was mich erwarten sollte!
Einer der klugen Herrschaften des Trosses war Walid Ibn Shaffir von der Academia Rocorion in Darian, so sagte er. Und was für ein anständiger Herr ist er! Er erzählte mir von seinem Land, ewig unter dem Gesichte Helios', so wie uns Xurl allseits gegenwärtig ist. Und er hörte auch mir zu, wie ich über die Lebensweise der Lanumer sprach. -- Obwohl ich heute fürchte, dass ich so manchem Unrecht tat, nicht nur meiner geliebten Heimat sondern auch meinem armen Vater.
Hätte er von den langen Spaziergängen gewusst, die Walid und ich fortan fast jede Nacht nur unter den Augen der Ahnen unternahmen -- Doch die Spaziergänge sind vergangen wie der Regen, genauso wie mein Vater.
Walid sagte mir eines Tages, er müsse wieder Heim über das große Meer, um den Seinen von unserem Land zu berichten. Zum Abschied gab er mir einen Fetzen öliges Leder mit den Worten, wenn ich ihm nachfolgen wollte, so sei dies meine Fahrkarte nach Heligonia. Ich verstand es nicht, doch ich glaubte ihm.
Diejenigen Fremden, die noch geblieben waren, begannen über die folgenden Wochen bald seltsam toll zu werden und schienen aus irgendeinem Grund sich angezogen zu fühlen vom Trüben Land.
O weh! Welches Unglück sie da über uns alle brachten! Doch auf uns hörten sie nun nicht mehr.
Ich kann kaum beschreiben was daraufhin passierte, da ich vieles davon nicht verstand.
Nachdem ich Walid getroffen hatte, war die Welt für mich anders geworden. Zur selben Zeit größer und doch kleiner. Weit weg gab es ferne Länder über die fremde Ahnen wachten?
Die Heligonier gerieten bald in Streit mit uns und mit einander. Mein Vater versuchte umso heftiger mir einzureden, daß meine von ihm arrangierte Heirat mit Vormannssohn Trygve eine gute Wahl war. Kurzum, alles schien schrecklich unruhig gleich einer Laune Xurls.
Wir hielten uns letztlich von den Heligoniern fern und es stellte sich zu unserem großen Entsetzen heraus, daß sie zwangsläufig Böses im Trüben Land geweckt hatten. Eines schrecklichen Abends wurden wir gar von furchtbaren Schreckensgestalten belauert, als wir grad bei Tante Orla und Kusine Haunild Zuflucht gesucht hatten!
Entsetzt flohen wir zum Marktflecken, wo die übrigen Heligonier alle samt und sonders tot waren!
Nach wochenlanger Reise waren aber just neuerlich weitere Heligonier angekommen, die sofort sich daran machten das Lager zu untersuchen, welches sich inzwischen auf unserem Marktflecken befand.
Walid war nicht unter ihnen und so beschloß ich unter den Neuankömmlingen herumzufragen nach jemand, der ihn kennen würde und der mir vielleicht Nachricht von ihm geben könnte.
Einerseits um mein eigenes Herz zu beruhigen, aber auch andererseits um meinen Vater zu überzeugen, der immerzu davon sprach Walid wäre nicht ehrlich gewesen. Mir war schon etwas mulmig, zumal auch Herr Sandbart Robbenhaar sehr aufgebracht war gegen die Heligonier, welche ja allesamt dieses Unglück über uns gebracht hatten.
Ich fand niemanden, der Walid kannte oder eine Nachricht für mich hatte. Mein Vater und ich entbrannten in einen bedauernswerten Streit um die ganze Angelegenheit und erregten damit die Aufmerksamkeit eines reisenden Herrn namens Robert Huth, der sich meine Geschichte geduldig anhörte. Schließlich gab er mir ein paar glänzende Scheiben im Tausch für Walids Lederfetzen und erklärte mir recht höflich, wie ich die Scheiben in eine Überfahrt eintauschen sollte. Er warnte mich aber vor der Gier der Darianer und sagte, wenn ich nicht fahren wollte, so wollte er sich bereiterklären Walid von mir eine Nachricht zu bringen. Ich glaubte an dieses Zeichen des Schicksals und ging den Handel ein, unter den entsetzten Augen meines armen Vaters.
Nur kurze Zeit darauf und noch am selben Tag begann dieser etwas schwächlich zu werden und ich fürchtete schon den Zorn Xurls für meine Widerspenstigkeit. Doch es stellte sich alsbald heraus, daß auch ich und die meisten anderen Lanumer krank wurden. Es war zum Fürchten. Die Heligonier mieden uns, sagten uns aber doch es sei „ein ganz normaler Schnupfen". Sie gaben uns einen Trank und wir genasen langsam.
Als ich mich dann außer Seh- und Hörweite meines Vaters wähnte, sprach ich den Kapitän Hamid Al'Safani (das ist der Vormann des Schiffes) an und erhandelte mir eine Überfahrt. Ich vertraute darauf, daß ich ein Zeichen finden würde, welches mir verriet, wie ich dies meinem armen Vater beibringen sollte.
Die Heligonier indes waren so geschäftig wie eh und je und baten mich um Hilfe bei einer großen Näharbeit, für die sie mir mehr Metallscheiben versprachen, obwohl ich lieber gegen etwas anderes getauscht hätte.
Siehe da! Sie hatten nochmehr ölige Lederfetzen gefunden ähnlich dem, den mir Walid gegeben hatte und den ich an Robert Huth verkauft hatte. Und sie begonnen sie alle zu einem großen Rund zusammenzunähen, welchs ein Abbild der Ahnen am Nachthimmel ergab.
Bei dieser Arbeit sah ich meinen Vater zum letzten Mal, als er mich fragte, ob ich mich schonwieder anbiedere weil ich den Heligoniern half.
Ich vertiefte mich darauf eine ganze Weile in diese Arbeit, doch als ich auch zum gemeinsamen Abendessen meinen Vater nicht finden konnte, machte ich mir Sorgen.
Herr Robbenhaar nahm mich daraufhin beiseite und sagte mir, man habe meinen armen Vater Bertollo den Hopfenschneider tot in der Nähe des Trüben Landes aufgefunden!
Ich wollte das alles nicht glauben und es fällt mir jetzt noch schwer. Ich erfuhr später, dass man glaubte, er müsse von einer niederträchtigen und kriegerischen barbarischen Truppe verschleppt und dann im Trüben Land ihrem Götzen geopfert worden sein. So einen Schrecken vermag ich nicht zu begreifen!
Es schmerzt mich sehr, daß mein Vater und ich keinen Frieden hatten. Ich war ganz und gar furchtbar zu ihm in diesen Tagen und ungehorsam noch dazu.
Doch Xurl ist launisch und so weiß ich bis heute nicht, ob es eine Strafe für mich war – so war es die grausamste! – oder ein weiteres Schicksalszeichen, um mich diese Überfahrt antreten zu lassen. Auch Herr Robbenhaar konnte es mir in den folgenden Tagen nicht sagen. Jedenfalls konnte mich nun niemand mehr in Lanum halten.
Als das große runde Tuch endlich fertig genäht worden war und der Tumult rund um den Marktflecken sich immernoch nicht legte, bat Herr Robbenhaar alle von uns, die mit Zeichen Xurls gesegnet waren bei einer Anrufung Xurls und der Ahnen zu helfen so wie Xurl es uns leibhaftig früher am Tag offenbart hatte.
Ich war noch von Sinnen und in tiefer Trauer, doch es war mir eine Ehre, daß auch ich teilhaben sollte.
So riefen wir die Ahnen an und ich meinen Vater in der Hoffnung, er habe bereits seinen Platz unter ihnen eingenommen. Ich bat ihn um Vergebung und um Fürsprache bei den Ahnen-Vormännern damit sie uns gegen das Übel beistehen mögen. Stundenlang, so schien es mir, beteten und flehten wir, während um uns herum der schlecklichste Schlachtenlärm tobte, welchen ich sicher mein Lebtag nicht vergessen werde. Die Ahnen allein wissen, mit welch Übel wir es zu tun hatten.
Das Werk gelang und Xurl und die Ahnen standen uns bei. Wir sanken erschöpft auf den Boden und versprüten eine grenzenlose Ruhe und Geborgenheit in den Armen Xurls. Ich dankte meinem Vater für seine Vergebung. In diesem Moment stand mein Entschluß endlich fest.
Meine Erinnerungen verschwimmen fortan ein wenig denn die Tage vor meiner Abreise schienen mir wie ein Traum.
Ich sollte Näherin auf dem Schiff sein und mit dem Segeltuch helfen. Offensichtlich, weil ich meine Geschicktheit beim Nähen des Ahnenzelts bewiesen hatte. Ich packte Proviant soviel ich tragen konnte und Nüsse, die die Lanumer Kinder für mich gesammelt hatten. Sonst nahm ich nichts mit mir als die Kleider und den Schmuck an meinem Leib.
Vom Abschied und von der Überfahrt möchte ich nichts hier erzählen, denn manche Dinge sind besser vergessen. Doch ich machte auf dem Schiff Bekanntschaft mit Amira Safwani, der Schreiberin des Kapitäns und sie war es auch, die mir half mich in Gesellschaft der derben Seeleute zurechtzufinden und endlich auch diesen Bericht niederzuschreiben, wofür ich ihr dankbar bin.
Nun betrete ich über Xurls Ozean kommend und mit Redons Hilfe diese neue, alte Welt namens Heligonia und dieses Land Darian, das ewig von Helios beschaut wird.
Wie klingen noch in meinen Ohren meines Vaters Worte: wolle ich in fremde Lande segeln, so würde er ewig zwischen den Ahnen her meinen Taten folgen!
Walid versprach mir eine ganze Welt und ich will sehen, was ich finden kann.



(zurück)