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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2. Xurl 26 Helios n.A.III
Ausgabe 24
Kronkurier
Fürstbischof von Friedland zum König zitiert
Wie die Schreibstube bekannt gab, wurde dieser Tage der Fürstbischof von Friedland vom König zu einer Unterredung geladen. Ebenfalls anwesend waren unter anderem auch Lord Angus McPhee, Baron zu Tagil und Finian Sonnenklinge, der oberste Reichsritter. Über den Inhalt des Gespräches wurde nichts verlautbart, doch steht fest, daß es sich um eine Staatsangelegenheit von höchster Prägnanz handelt. Der Helios-Bote hofft, den Lesern in der nächsten Ausgabe detailliertere Angaben machen zu können.
Falschmeldung entlarvt!
Die Schreibstube des Heliosboten stellt ohne Bedauern fest, einer Falschmeldung aufgesessen zu sein. Es handelt sich hierbei um das angebliche Siechtum des Lord Angus am Hofe seiner Allerdurchlauchtigsten Majestät in Escandra.
Der werte Lord McPhee lag die letzten Monate mitnichten in seinen Gemächern und litt an einem schlimmen Magengeschwür. Ein jeder, welcher ihn am Beginn des 1. Xurl zu Gesicht bekam, sah keineswegs den Anblick eines Kranken. Vielmehr blickte man in ein vom Wetter und Entbehrung gezeichnetes Gesicht. Wie konnte es geschehen sein, daß uns dies entgangen sei?
Auf unsere vorsichtige Anfrage auf eine Audienz erhielt Osgard Schwarzfinger, einer unserer tapfersten und fronterfahrensten Kriegsberichterstatter, auch sofort Gehör. Bei dem anschließenden Gespräch stellte er erfreut fest, daß er auf seine Kettenrüstung hätte verzichten können. Denn der Lord war nicht nur freundlich, sondern auch für einen Hochländer überraschend redseelig. Somit scheinen sich die Gerüchte über die leichte Reizbarkeit des Lords, bis hin zum Kampfesrausch, wohl nicht zu bewahrheiten.
Bei Nacht und Nebel verließ Lord Angus und 21 erfahrene Offiziere der Kriegerakademie von Escandra am 12. Tage des ersten Poëna selbiges und zog gen Norden. Nachdem die Kämpen den Parimawald an seiner Ostflanke umgangen hatten, trafen sie weiter nordwestlich auf zwei Hundertschaften der hervorragenden Greifensteiner Bogenschützen aus Allerland und zehn Hundertschaften schwergerüsteter Nuremburger Krieger, welche sich aus dem Norden zu dem geheimen Treffpunkt aufgemacht hatten.
Das war also der Grund für die strenge Geheimhaltung der Abreise des Lords und seines Kommandostabes. Die Ödländer, welche beständig unsere Nordgrenze angriffen und immer sehr gut über Truppenbewegungen informiert zu sein schienen, hatten nun unerwarteter Weise eine schlagkräftige Armee in ihrem Rücken. Durch diese Überraschung gelang es den unseren einen Teil des Nachschubes der Ödländer abzuschneiden, indem sie ein kleines, aber strategisch wichtiges Gebiet am Jolborn einnahmen. Dadurch ist es gelungen, den Jolborn zubefrieden und wieder schiffbar zu machen. Doch hat sich für die Truppen des Lords ein seltsames Problem ergeben: Schon nach wenigen Meilen tiefer in das Ödland hinein, war es nicht mehr möglich, exakt die Richtung zu bestimmen, in die sie vordrangen, denn blickte man nur einmal nach unten und versuchte sich dann wieder am Stand der Sonne oder der Sterne zu orientieren, dann waren diese Navigationszeichen plötzlich wo ganz anders, als sie noch vor wenigen Augenblicken waren. Dies führte stets dazu, daß bei jedem Versuch tiefer vorzudringen die Späher fast wieder an ihrem Ausgangspunkt angekommen sind. Zudem gab es kleine, eher unbedeutende Überfälle vereinzelter Ödländer, die keine echte Gefahr waren, es dennoch aber notwendig machten, die eingenommenen Gebiete zu bewachen, wollte man sie nicht sofort wieder verlieren. Es wurde demnach eine kleine Fortifikation errichtet, die auch mit wenigen Mann gehalten werden kann.
Allein durch diese Tat ward es den regulären südlichen Truppen möglich, wieder den Jolborn sicher zu befahren und die Ödländer ein Stück zurück zu schlagen. Nachdem dies geschehen war, wurde der Großteil des Heeres wieder entlassen. Wir werden es den Herrschern von Allerland und Nuremburg niemals vergessen, daß sie uns in einer Zeit der ärgsten Not Beistand gegeben haben.
Am Ende des Gespräches bestand Lord Angus darauf, daß es nicht unerwähnt bliebe, daß es sich nicht um ein Husarenstück nach Hochländer Art handle, wie es wohl von einigen gesehen würde, sondern um einen gemeinsamen Schlag, den die zivilisierten Völker wider die wilden Barbaren des Ödlandes führten. Seine Rolle sei einzig in der Vermittlung zwischen Heligonia, Nuremburg und Allerland, sowie der Führung des Heeres gelegen. Doch gekämpft, geblutet und gestorben wurde im Norden, wie im Süden an der Grenze Brazachs. Es liege ihm besonders am Herzen, daß nicht diejenigen heroisch verklärt umjubelt würden, welche das Glück und Saarkas Segen hatten, diesen Feldzug zu überleben, sondern daß vielmehr der unzähligen Toten und Verwundeten gedenkt werden solle, die ihr Leben und Blut dafür gegeben haben, damit das zivilisierte Heligonia nicht von den wilden Horden aus den Ödlanden überrannt wurde. Ihnen zum Andenken solle in ganz Heligonia in der Nacht zum ersten Saarka eine Kerze in den Schnee hinaus gestellt werden, auf daß ihr flackerndes und verlöschendes Licht uns alle an die Flüchtigkeit und Verletzbarkeit menschlichen Lebens erinnere.
Oswald Schwarzfinger,
unerschrockener Kriegsberichterstatter
des freien und unabhängigen Heliosboten.
Bekanntmachungen der königlichen Tafelrunde
Auszeichnungen
Hiermit verleihen wir im Namen seiner allerdurchlauchtigsten Majestät, König Helos Aximistilius Tertius, die Velan Ehrenbrosche an seine Hochwohlgeboren Baron Koldewaiht von Hautzensteyn zu Luchnar sowie an ihre Hochwohlgeboren Baronin Nimue von Aue. Wir überreichen diese Auszeichnung angesichts ihrer unermüdlichen Bemühungen und der schnellen Hilfe, die sie den Opfern des teemooranischen Krieges persönlich hatten zukommen lassen. Möge sich Heligonia an ihrem uneigennützigen Handeln ein Beispiel nehmen. So hoffen und bauen wir inständig auch künftig auf Eure großzügige Unterstützung.
Söhne des Lichts kehren größtenteils in ihre Garnisonen zurück
Angesichts der Beendigung des ostarischen Bruderkrieges und der günstigen Entwicklungen an der brassachischen Front gegen die Ödländer werden nach eingehender Beratung der Tafelrunde Teile der Söhne des Lichts wieder in ihre Garnisonen zurückgezogen. Die meisten unter ihnen kehren zu ihren Familien zurück, um eine geregelte Einfuhr der Ernte zu gewährleisten.
Verkauf und Besitz von Ameryll verboten
Angesichts der jüngsten Ereignisse während des Gelehrtenkonvents in Escandra und nach Absprache mit Vertretern des Nexus Corenae sowie seiner allerdurchlauchtigsten Majestät, König Helos Aximistilius Tertius, wird mit sofortiger Wirkung der Handel, wie auch der Besitz von Ameryll verboten. Wir entziehen daher der Familie Amer den Heliosbrief, der es ihr gestattet Ameryll zum An- und Verkauf feilzubieten. Wir sehen es als erwiesen an, daß bei zu häufigem Kontakt mit jenem Material schwere Krankheiten auftreten können. So bitten wir die Bevölkerung Heligonias die Söhne des Lichts bei der Sicherstellung des Amerylls in ganz Heligonia zu unterstützen. Zuwiderhandlungen werden mit der Kerkerstrafe geahndet!
Im Auftrag der Tafelrunde, Finian Sonnenklinge von Thardanus,
Ratgeber seiner Majestät, Gründer der Tafelrunde, Reichsritter
von Heligonia, Freiherr von Südescandra und Niederfranken
Finian Sonnenklinge von Thardanus neuer Freiherr in Niederfranken
Seit dem XI. Tage des III. Helios herrscht in der Provinz Niederfranken ein neuer Freiherr. Tags zuvor hatten Ritter Wolfrik von Niederwerrn und Gemahlin Freifrau Elora von Niederfranken abgedankt und nach kurzen Verhandlungen die Provinz dem Reichsritter Finian Sonnenklinge von Thardanus übereignet. Über den Preis wurde allerdings nichts bekannt. Doch dem hochzufriedenem Gesichtsausdruck des neuen Herrschers nach zu urteilen, konnte es sich um keine allzu hohe Summe gehandelt haben. So ließ der Reichsritter seiner Majestät nach Abreise Ritter Wolfriks und seiner Gemahlin ein großes Fest in Karlsburg feiern zu dem alle Bürger Niederfrankens eingeladen waren. Dort kündigte dieser zur großen Freude der Bevölkerung eine Senkung der Steuern auf den zehnten Teil ihrer Erträge an und versprach zugleich entscheidende Reformen in Niederfranken.
Reformen in Niederfranken
Hiermit sei kundgetan, daß fortan die Steuersätze in Niederfranken auf den zehnten Teil des Ertrages der Bevölkerung gesenkt werden. Ferner sei die Rechtssprechung in der Provinz künftig der königlich heligonischen Halsgerichtsordnung angeglichen. Ebenso gelte künftig nur noch die heligonische Währung in Niederfranken. Desweiteren wird hiermit der Bau des Cromtempels abgebrochen, sowie der Anthtempel geschlossen und zu einer ceridischen Kapelle umgebaut.
Finian Sonnenklinge von Thardanus, Ratgeber seiner Majestät,
Gründer der Tafelrunde, Reichsritter von Heligonia,
Freiherr von Südescandra und von Niederfranken
Schloßbau in Südescandra wird fortgesetzt
Nachdem der Schloßbau kurz nach der Grundsteinlegung vor einem halben Jahr abgebrochen worden war, ließ der Freiherr von Südescandra die Bauarbeiten nun wider aller Erwartungen fortsetzen. Nach einer feierlichen Ansprache machte er höchstpersönlich den "ersten" Spatenstich. Warum der Bau des Prunkschlosses nun doch fortgeführt wird ist jedoch unklar. Doch in der Bevölkerung munkelt man, die Erwerbung der Provinz Niederfranken sei dank des Verhandlungsgeschicks des Freiherrn so günstig gewesen, daß dem Bau nichts mehr im Wege stünde. Wie dem auch sei, der Architekt Leonordo da Pinchi wird sich freuen, sein Meisterwerk zu vollenden.
Auch der Lauenburger Hafen wird nun weiter ausgebaut
Will man die Hauptstadt Escandra über den Brazach hinweg erreichen, so führt der Weg unweigerlich über die Stadt Lauenburg. Doch dies ist in letzter Zeit kein allzu schöner Anblick. Von der einstigen Pracht im Hafen ist derzeit nicht viel zu sehen. Denn überall in Lauenburg wird am Wasser gebaut. Der Freiherr von Südescandra scheint fest entschlossen, die Ausbauarbeiten noch vor Einbruch des Winters abzuschließen. So wurden nach dem Ausbau der Werften weitere Hafenarbeiter hinzugezogen, die die Erweiterung des Lauenburger Hafens noch schneller vorantreiben sollen, und etliche Fuhrwerke dazu abgestellt, die großen Mengen in Niederfranken geschlagener Parimaeiche zu holen.
Explosionen in Südescandra
Am XII. Tage des I. Xurl war es wieder einmal soweit. Labor und Haus des in Südescandra viel belächelten Erfinders Murphy regneten sich in 15 Momenten lang andauernden Explosionen über dem nordöstlichen Teil Südescandras vor der Hauptstadt nieder. So lautstark und farbenfroh, daß selbst die Mitglieder und Gäste des Nexus Corenae ihre Sitzungen unterbrachen, um das sehenswehrte Spectaculum zu bestaunen. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden, denn seit dem letzten Unglück ist man vorsichtig geworden. Zum einen hatte man die Erfindergilde fernab jeglicher Zivilisation aufgebaut, zum anderen konnten Murphy's Lehrlinge noch rechtzeitig die Flucht ergreifen. Nun ziert anstelle des hübschen, kleinen, grünen Hügels, auf dem das Gildenhaus beinahe stolze fünf Jahre stand, ein weiterer Krater die Landschaft Südescandras. Bleibt abzuwarten, wo die neue Gilde errichtet wird und vor allem, was der Freiherr von Südescandra bei seiner Rückkehr aus der Hauptstadt für die Sicherheit der Bevölkerung unternehmen wird.
Die Baronie Brassach und die Baronie Wolfenfeld geben bekannt,
daß aufgrund ihrer freundschaftlichen Beziehungen ein Vertrag geschlossen wurde, der beiden Glaubensrichtungen Vorteile bringen soll. Baron Kalveram von Brassach gestattet die Errichtung eines Xurl-Schreines am Ufer des Brazach, der seiner ogedischen Bevölkerung die Möglichkeit gibt, Ihren Glauben in angemessenem Rahmen auszuüben. Im Gegenzug bauen die Templer zu Ankur in Wolfenfeld ein kleines Ordenshaus, das als Unterkunft für ceridische Reisende auf dem Helos- Weg dienen soll. Die Zweigstelle wird nicht nur Betten und Mahlzeiten bieten, sondern auch medizinische Hilfe und die Möglichkeit zum Gebet. Die Bauarbeiten zu beiden Einrichtungen haben bereits begonnen und werden voraussichtlich im 3. Saarka beendet sein. Die Vertragspartner hoffen auf eine freundliche Annahme in der Bevölkerung und ein friedliches Zusammenleben der Glaubensgemeinschaften.
Aufruf an alle Geweihten und Hochgeweihten Heligonias
Anläßlich der Fertigstellung zweier Ogedenheiligtümer lädt die Baronie Flaitney alle ogedischen Geweihten und Hochgeweihten Heligonias ein, um an der Festivität teilzuhaben und die Heiligtümer einzuweihen und zu segnen. Tag des Festes wird der letzte Tag im dritten Xurl sein. Anläßlich dieser Feier sind alle ogedischen Gläubigen Heligonias zu einem großen Festbankett geladen, das am selben Abend diesen denkwürdigen Tag beschließen soll. Wir, seine Hochwohlgeboren Foranan Mc Donough würde sich freuen, möglichst viele ogedischen Gläubigen an diesem Tage in Croithno´na begrüßen zu dürfen.
Peinlicher Vorfall auf dem Gelehrtenkonvent in Escandra
Sehr erbost zeigte sich die Leiterin der Schreibstube Talimee, als sie in den Empfangsräumen der Unversität Escandra mehrere Exemplare des "Pergaments" offen ausliegen sah. Da nur der Erwerb dieses skandalösen Machwerkes strafbar ist, scheint es, als ob die Verfasser dasselbe kostenlos vertreiben. Trotz großer Anstrengungen die Urheber der schändlichen Schrift ausfindig zu machen, gibt es derzeit noch keine konkreten Hinweise.
Herzöglich-Ostarische Hofgazette
Landmeister Herban von Huldrig tödlich verunglückt
Am achtzehnten Tage des dritten Helios verstarb der Landmeister Darian der Templer zu Ankur bei einem Kutschunglück in der Nähe der Stadt Duneburg in der Hochballei der Templer zu Ankur. Herban von Huldrig war auf dem Weg nach Perzstein, als bei voller Fahrt in einer Kurve nach Passieren der oraneckischen Grenze das vordere, linke Rad der vierspannigen Ordenskutsche brach und sich die Kutsche mehrfach überschlug. Mit ihm gingen zwei Templerbrüder in den Tod. Lediglich der Kutschmeister, der die Zügel der Pferde in den Hände hielt, überlebte die Todesfahrt mit schmerzenden Knochenbrüchen, da ihn die Pferde, durch den Unfall von der Last der Kutsche befreit, vom Kutschbock rissen. Nachdem sich der Überlebende von dem Schock des Unfalls einigermaßen erholt hatte, berichtete er einer Untersuchungskommission, daß er die Räder noch vor Antritt der Fahrt überprüft und für tadellos befunden hatte. Sabotage sei deshalb auszuschließen. Vielmehr sei der Fehler in der schlechten Qualität der Straße zu suchen. Am zwanzigsten Tag des dritten Helios wurde ein Trauergottesdienst in der Hochballei der Templer zu Ankur begangen, in dessen Anschluß, der Leichnam auf dem Ordensfriedhof in Wieselsteig beigesetzt wurde. Die sengende Hitze in weiten Teilen Ostariens erforderte eine zügige, aber dennoch standesgemäße Beerdigung seiner Hochwohlgeboren, bei der der Großmeister Kalveram vom Norrland und der Ordensmarschall Hadebrand von Grauburg, die eiligst vomdritten ceridischen Kirchenkonvent im nahegelegenen Ankur angereist waren, dem Toten die letzte Ehre erwiesen. Eine Trauerdepesche wurde unverzüglich an Ludmilla von Huldrig verschickt, um sie über den Tod ihres Vaters in Kenntnis zu setzen. Die Entscheidung über eine mögliche Neubesetzung des Posten ist noch nicht gefallen. Mitunter sieht der Großmeister auch keinen Sinn in einer Neubelebung des Landmeisterposten Darians, da es nun eben nur äußerst wenige Ceriden, wenn überhaupt, in Darian gibt.
Ausführlicher Bericht über den Vorstoß des ostarischen Expeditionsheers in die unbekannten Ödlande
seit der Versammlung der Obersten im 3.Helios bis zum heutigen Tage, abgefaßt von dem herzöglichen Hofchronisten Karlon vom Storcheneck (Auszug)
Tag 14
Seit vier Tagen nun haben wir uns von den Heeresteilen unter Kalveram vom Norrland getrennt und dringen, unserem königlichen Auftrag gemäß, am Fuß des Nordmassivs westwärts immer tiefer in die Ödlande vor, ohne bisher auf Widerstand gestoßen zu sein. In jedem von uns sind die Ereignisse der letzten Wochen und Monate noch lebendig - umso gespenstischer wirkt die Szenerie jetzt auf uns. Keiner von uns hatte sich die Ödlande so still vorgestellt. Wälder, Berge, die weiten Heidegebiete und Torfmoorhügel im Norden sind gänzlich ausgefüllt, gleichwie durchdrungen von dieser beängstigenden, allumfassenden und doch nicht greifbaren Stille. Und so läßt auch der Generalzeugmeister Baron Jareck von Jolberg, ohnehin bekannt für seine Vorsicht, immer noch doppelte Nachtschichten über unseren Schlaf wachen und das Gebiet um unseren Troß im Umkreis von 20 Wegstunden durch Spähtrupps absichern.
Tag 15
Abermals hat es heute den Anschein, als würden wir in den nächsten Wochen einen unheilvollen Begleiter bekommen: Von den mit Eis und Schnee bedeckten Berggipfeln her hat der Winter begonnen, sich in die Vorberge herabzusenken. Manche denken offen über eine Umkehr nach - Baron Jareck von Jolberg will davon jedoch nichts wissen.
Tag 16
Unser Vorhaben, in den Wäldern am Fuß der Vorberge zu marschieren, kann nicht weitergeführt werden: Späher berichten, daß eine uns unüberwindliche Schlucht den Weg versperrt. Wir waren in den letzten Tagen des öfteren zu komplizierten Flußüberquerungen gezwungen, und so hat Baron Jareck von Jolberg widerstrebend beschlossen, in dem offeneren Gelände weiter nördlich zu marschieren.
Tag 17
Wieder sind zwei der Wachen im Morgengrauen erfroren aufgefunden worden.
Tag 18
Große Aufregung herrschte heute im Offizierszelt: Eine abgeschlagene Gruppe von Ödlandkriegern wurde von unseren Kundschaftern eine Tagesreise entfernt nordwestlich gesichtet. Der Baron befahl sogleich, sie zu verfolgen und zu stellen; er erwartet sich positive Auswirkungen auf die Moral seiner Armee.
Tag 19
Die Ödländer wurden gestellt: Fünfzig Gefangene konnten gemacht werden, der Rest des Trupps war zu verwundet um weiterzukommen und wurde sich selbst überlassen.
Tag 20
Die gefangenen Ödländer haben sich in einem unehrenhaften Akt der Feigheit allesamt umgebracht. Die Überreste des Gemetzels wurden nicht weiter untersucht; andere Ereignisse beschäftigten den Baron heute in viel größerem Maß: Im Westen tut sich ein weites Tal auf. Die Kartographen erwarten, in etwa zwei Wochen den Jolborn zu erreichen. Das würde uns die Rückkehr nach Ostarien noch vor dem Wintereinbruch garantieren. Wenn jedoch das Tal nicht nördlich umgangen sondern erkundet wird, würde dabei natürlich Zeit verlorengehen.
Tag 21
Die Entscheidung über die weitere Route wird heute getroffen. Eine Gruppe von sieben hochrangigen Offizieren, die sich schon seit längerem für eine Umkehr einsetzten, brachte ihr Anliegen zu dieser Gelegenheit offen vor und verlangten den Abbruch der Expedition. Baron Jareck von Jolberg, der fest entschlossen ist, die Expedition zu einem ruhmreichen Ende zu bringen, war sehr aufgebracht. Er befahl, sofort den Weg in das Tal zu nehmen und enthob außerdem zwei der Aufrührer (er bezeichnete sie als "Meuterer"!) ihres Amtes und setzte sie vorläufig fest.
Tag 22
Wir beginnen, in das zu beiden Seiten von schneebedeckten Bergen gesäumte Tal aufzusteigen.
Tag 23
Die Nacht war ausnehmend kalt. Einer unserer Kundschafter hat sie nicht lebend überstanden. Zu unserer Überraschung stoßen wir am Spätnachmittag auf einen völlig überwucherten Weg. Wir folgen ihm westwärts.
Tag 24
Es hat geschneit in der Nacht. Sogar der Baron denkt über eine Umkehr nach, doch nicht für lange: Die Kundschafter berichten abends über eine Ruinenstadt talaufwärts. Wir werden sie morgen nachmittag erreichen.
Tag 25
Um die Mittagszeit erreichen wir die Ruinenstadt bei strömendem Regen. Sofort befiehlt der Baron, das Gelände zu sichern und außerhalb der Stadt ein Lager zu errichten. Gegen Abend geht der Regen in Schnee über.
Tag 26
Das Wetter ist etwas besser. Heute hatten wir endlich Gelegenheit, die Ruinenstadt zu erkunden. Sie ist zu zwei Seiten von einem Fluß, zu einer Seite von einem See und zu einer Seite von einer Landzunge begrenzt. Von den meisten Häusern sind nur noch die Grundmauern erhalten. Wir vermuten, daß einstmals über 1000 Bewohner hier gelebt haben mögen. Die Stadt muß über aufwendige Verteidigungsanlagen verfügt haben, wohl um die vielen Herrschaftshäuser zu schützen, die offensichtlich in der Stadtmitte gestanden haben müssen.
Um die Mittagszeit befiehlt der Baron, die Überreste der Stadtmauer zu sichern, um eventuelle Angriffe von dort zurückzuschlagen. In einigen wenigen erhaltenen Kellerausschachtungen wird nach Hinterlassenschaften der Bewohner gesucht, außerdem wurden Spähtrupps ausgeschickt, um die Region in einem Umkreis von fünf Tagesreisen zu erforschen und zu sichern.
Tag 27
Wir haben einige hochinteressante Entdeckungen gemacht: Einer der noch erhaltenen Keller enthält unter anderem Schriftrollenfragmente, die in uns verständlicher Sprache abgefaßt sind.
1. Rollenfragment:
"... Seht die Bäume,
wie große Kraft in ihnen wohnt!
Sie binden die Mächtigen:
Poena, die in der Erde wohnt
Dort ihre Wurzeln ruhen
Helios, der in der Sonne wohnt
Dort ihr Blattwerk sich reckt
Xurl, der in den Wassern wohnt
Dort ihre Gestalt sich füllt
Saarka, die in den Winden wohnt
Dort ihre Zweige sich wiegen
Seht die Bäume, wie sie erstarken!
..."
2. Rollenfragment: "... damit sie ein Haus haben in dem wohl gesorgt werden soll für ihre angenommenen Gefährten des neuen Bundes und auch die viel mangen Schriften, deren Hut und Hege ihnen gegeben wird ... aufdaß sie alsbald genennet sey Galtur Stadt unter der Hand des Königs von der Sommersonnwent an ... in der gewiesen sein soll der Stätte Geschick, ob Wohl oder Wehe, in allen Tagen bis zum tausendsten Jahr."
3. Rollenfragment: "... auf daß der tapfre Utzgalf sie auslöse aus der Gefangenschaft, denn ein Pfeiler ist er, auf dem sie sich bald stützen mögen in ihrer Not. In seiner Hand liegt ihr Leben wohl behütet wie uns selbst ein steinern Haus bewahret vor der Nacht..."
Beeindruckt von den Funden befiehlt der Baron unseren Pioniertruppen, im Wald Holz für Lagerbaracken zu schlagen. Er ist von dem Gedanken eingenommen, das Kulturerbe der Stadt im Namen unseres Königs Helos Aximistilius des III. für Ostarien in Besitz zu nehmen.
Tag 28
Schneesturm! Wir alle mußten den ganzen Tag in den Zelten ausharren.
Tag 29
Die Pioniere, Kundschafter, Wachen und Suchtrupps gehen ihrer Arbeit nach - es gibt nichts zu berichten.
Tag 30
Das Wetter bleibt ungewöhnlich kalt aber stabil. Der Winter hat sich in die Vorgebirge zurückgezogen. Die ersten Kundschafter kommen zurück: Östlich der Stadt führt ein völlig überwucherter Pfad durch die Wälder an einen noch unbekannten Ort. Südlich gibt es nur eine Lücke in den unüberwindlichen Felswänden: Eine Schlucht, die in die Berge hinaufführt. In ihr ein Pfad, der in deutlich besserem Zustand ist wie der östlich verlaufende. Im Westen steigt das Tal steil an, im Norden senkt sich der Gebirgszug langsam nach Nordosten hin ab. Auf der gegenüberliegenden Seite treten kuriose Salzquellen zutage.
Tag 31
Aufgrund der Erkenntnis, daß der von uns bezogene Landstrich offensichtlich zwar durchaus an die Ödlande grenzt, ihnen jedoch nicht direkt zugerechnet werden kann, weil er allem Anschein nach Reste heligonischer Besiedlung aufweist, hat der Baron im Einvernehmen mit seinen Offizieren den Entschluß gefaßt, die Ruinenstadt für die Vier, den Einen, Heligonia, Ostarien, usw. als nördlichsten ostarischen Außenposten einzunehmen. Sie soll vorläufig - entsprechend dem gefundenen Rollenfragment - Galtur genannt sein. Das von Ostarien beauftragte Söldnerheer hat die Stadt den Winter über zu halten, worauf sie im Frühling zur Besiedlung durch ostarische Bürger freigegeben wird. Zur Belohnung für den ausgezeichneten Dienst der Söldner werden diese bei der Freigabe der Ländereien bevorzugt behandelt; sie sollen eine einmalige Beihilfe in Form von Werkzeugen und Geld bekommen. Die Hilfsgüter werden zusammen mit ihren Angehörigen im Frühling mit einem bewaffneten Versorgungstroß überführt. Das ostarische Heer wird in zwölf Tagen den Rückweg antreten, da das Tal im Westen Galturs in einem für berittene Truppen unpassierbaren Geröllfeld zu einem bereits schneebedecktem Paß ansteigt und der Rückweg daher über Brassach genommen werden muß. Bis zur Abreise wird der Großteil der Streitmacht zu Pionierarbeit herangezogen, um den Söldnern das Überwintern zu ermöglichen. Da der Rückweg über die weiten Ebenen im Norden genommen werden soll (Jareck von Jolberg möchte den vollständigen Rückzug der Ödlandstreitkräfte sicherstellen), rechnen die Geographen damit, bis zum 3. Xurl wieder in heimischen Gefilden einzutreffen.
Krieg auf dem Jolborn ? - Die Rache für das "Jolberger Wettschießen"
Es war eine tiefdunkle, stürmische Nacht, als auf der Friedländischen Festung Widdenblick, am Trisselbacher Ufer des Jolborns, das Alarmzeichen erklang, die Trommel, die ruhende Besatzung wachrief, und ein jeder - Befehlshaber wie Soldat - seinen Posten auf den Mauern einnahm. Das alles dauerte wenige Minuten, nur wenige hatten Möglichkeit zu fragen, was denn überhaupt los sei. Es hieß man habe zwei, sich einander in offensichtlich kriegerischer Absicht nähernden Schiffe auf dem Fluß ausmachen können. Eines unter Ostarischen, eines unter den eigenen, den Friedländischen Farben. Man wolle nun schauen was geschehe und, wenn nötig, nach Kräften Beistand leisten.
Die Wellen des Jolborn gingen hoch, und oft spritze kalter Schaum den fröstelnden Friedländern über die Brüstungsmauern ins Gesicht. Scharf blies der Wind von Nordost, von Ostarien herüber, und jeder dachte sich im Stillen, daß aus dieser Richtung nichts Gutes kommen konnte. Mit einem Mal vernahm man deutlich durch das Brausen und Getöse des Gewitters fernes Schlachtengeschrei, welches nur von Destima, einer kleinen Insel inmitten des Flusses herkommen konnte. Dort befand sich eine kleine Landungsstelle, die einem jedem in Not geratenen Schiff als Rettung von je her offenstand. Die Sicht wurde schlechter. Feurige Lichtblitze, offenbar Flammengeschosse, waren nur für Sekundenbruchteile zu sehen, der Wind führte jetzt beißenden Rauchgeruch mit sich.
Sollte dies nun tatsächlich die erste ernsthafte Schlacht zwischen den beiden konkurrierenden Ländern Friedland und Ostarien sein? Entlud sich das gegenseitige Reizen und das Streben um die Vorherrschaft auf dem Fluss jetzt letzten Endes in einem furchtbaren Seekrieg?
Aufmerksam lauschten auf den Mauern von Festung Widdenblick besorgt Befehlshaber und Soldaten. Ein Eingreifen war ihnen, aufgrund des Unwetters und der damit verbundenen fehlenden Sicht mit nichten möglich. Gegenseitig teilten sie sich ihre Mutmaßungen und vagen Beobachtungen mit. Der eine wollte das Friedländische Schiff das Ostarische entern sehen, der andere schwor die Ostarier behielten die Oberhand. So vergingen einige Stunden, bis sich gegen drei Uhr der Wind langsam legte, und auch die Soldaten schwiegen, es herrschte Totenstille. Leichter Nebel kam auf und zog sanft über den Fluß. Einige Augenblicke nach drei Uhr flammte plötzlich von Flußseiten her ein loderndes Feuer auf. Man vernahm lautes Krachen und eindeutig die Geräusche eines sinkenden Schiffes, gefolgt von lautem Jubelgeschrei. Das Gefecht schien einen Sieger gefunden zu haben. Obgleich die Besatzung der Festung noch lange harrte und lauschte, vernahm sie fortan doch keinen Laut mehr.
"Nun, was haltet Ihr davon, Griseldus?" fragte Oberst Rommian von Ulmensuhl, der Kommandant von Widdenblick, einen seiner Offiziere. Der Angeredete, ein älterer, dürrer Mann mit grauem Haar und Bart, über und über mit Narben bedeckt, stand bis jetzt ein wenig abseits von seinen Kameraden an der Brüstung gelehnt. Er trat achselzuckend näher: "Oberst fragt mich nicht danach, was hier geschehen ist. Beim Einen, ich möchte nicht darüber nachdenken, was diese Schlacht für Heligonia bedeutet!". "Pah, alter Narr! Pack Dich und gesell Dich zu den Weibern!" erwiderte von Ulmensuhl verächtlich "Endlich geschieht etwas und Du fängst das Jammern an! Doch was nur ist geschehen - wir müssen es herausfinden! Wer nun auch immer tot auf dem Grund des Flusses sitzt, er weiß, was die Stunde geschlagen hat!" Hart bellte der drahtige Mittzwanziger zwei Befehle und ein kleiner Trupp Bewaffneter setzte sich auf sein Geheiß in Richtung des Jolborns in Bewegung. Der Himmel hellte auf, ein neuer Tag wurde geboren, als die Männer keuchend zurückkehrten, um ihrem Herrn Meldung zu machen. Der stand noch immer da, wo er den Befehl vor Stunden erteilt hatte. Seine langen, dunklen Gewänder wogten sanft mit dem leichten Wind. Er hörte sich, starr den Fluß fixierend, an, was ihm seine Untergebenen zu sagen hatten. Dies schien ihm nicht zu gefallen, denn während ihres Berichtes krallten sich Rommians Finger immer krampfhafter in den kalten, klammen Stein. "So!" unterbrach er die ängstlich vorgebrachten Ergebnisse, seine Stimme zitterte, "Dann war das alles nur ein einfaches Manöver der Ostarier? Quasi ein Witz, dies alles vor unseren Augen durchzuführen, ja?" "Ja, ja. Und dieser Kielholer war auch dabei!" bemerkte der Fähnrich verhalten mit dem Kopf nickend und vervollständigte eingeschüchtert seinen Bericht: "Ja Herr, außerdem war noch die Admiralin Agatha von Ognitz-Garstfelden da. Sie hatte wohl das Kommando über das Ganze. Als wir jedenfalls an die ostarischen Zelte kamen, erklärte sie uns alles, daß man lediglich die neuen Speergeschosse ausprobieren wollte und dazu eben ein geeignetes Modell benötigte. Nun, äh nämlich..." ein anderer wurde mit dem Ellebogen gestoßen, dieser versuchte nun vorsichtig den Kommandanten das weitere schonend zu berichten - der Versuch mißlang: "Waaas? Sie haben eine Nachbildung unserer `Wolfram von Drachenhain` gebaut und darauf geschossen? Davon muß Baron Karr erfahren! Diese Frechheit darf nicht ungesühnt bleiben!" - die jungen Männer pflichteten ihm mittels heftigem Kopfnicken bei, doch Rommian von Ulmensuhl beachtete sie nicht mehr - er verfolgte ganz andere Gedanken...
N. B.
Heliosritter Maligor von Thardanus als Verwalter Hohenfohringens eingesetzt
Es sei kundgetan, daß Heliosritter Maligor von Thardanus von der Ödlandfront zurückgekehrt ist und vom heutigen Tage an als Verwalter Hohenfohringens eingesetzt wird. Seine Aufgabe wird es sein, den Aufbau der Provinz voranzutreiben und das Land wieder in seine einstige Blüte zu führen. Hierbei trägt Heliosritter Maligor die volle Verantwortung und Entscheidungsbefugnis über das Lehens. Der bisherige Verwalter, Reichsritter Markwardt von Steinach, dem wir neben dem schnellen Eingreifen in Teemooranien ferner den Beginn der Aufbauarbeiten in der Provinz verdanken, wurde an den Hof seiner allerdurchlauchtigsten Majestät zurückberufen. Eine Ausnahme hierbei bildet die Stadt Quellstett, die aufgrund ihrer wichtigen Schlüsselrolle im ehemaligen Teemooranien den Status einer freien Reichsstadt erhält und somit dem König direkt unterstellt ist. Die Verwaltung der Stadt obliegt dem dortigen Stadtrat.
Leserbrief: "Wenn Edmond de la Cruz das wenigstens angemeldet hätte..."
Meine Damen und Herren,
Ich möchte hiermit meine Sorge um die fortschreitende Verrohung der Sitten in Heligonia zum Ausdruck bringen. Es geschehen heutzutage Dinge, an die nur zu denken unsere Vorfahren vor Scham hätte erröten lassen. Und zu allem Überdruß wird dabei auch noch ständig der übliche Amtsweg nicht beachtet! Als Beispiel möchte ich einen Vorfall nennen, der letzten Monat in unserer schönen Herzogsstadt geschehen ist und der ohne das Eingreifen Ihrer Erlaucht Herzogin Wallumas leicht den guten Ruf Ostariens hätte kosten können.
Wie jeder weiß, weilt schon seit geraumer Zeit der Fürstbischof von Friedland in Ankur, angeblich weil er eine Wunde auskurieren muß. Meiner Meinung nach brauchte der hohe Herr allerdings nur eine Ausrede, um nicht gegenüber seinen Vasallen zugeben zu müssen, daß er Friedland nicht ausstehen kann. Stattdessen muß der Ostarische Steuerzahler seinen Aufenthalt hier finanzieren. Und die Medici, die ständig Scheinbehandlungen durchführen sind natürlich auch nicht billig. Also, wenn mir die Aufgabe zukäme dort einmal die Rechnungsbücher zu prüfen, hätten diese "sauberen" Herrschaften bald ein Gerichtsverfahren am Hals.
Doch nun zum eigentlichen Kern des Geschehens:
Was vielleicht nicht alle wissen ist, daß mit Edmond de la Cruz außer 11 Ödländern auch vierhundert nicht registrierte Kriegsgefangene aus Dunkelnau nach Ankur kamen. Es handelte sich um jene Reichsverräter, die am 20. Tag des 1.Xurl im Jahr 25 n.A.III. die freie Republik Auenfeld ausgerufen hatten. Ihre Anwesenheit wurde toleriert, denn was hätte man mit ihnen machen sollen, etwa in den Brazach werfen? Auch wollte man die gewohnte diplomatische Feinfühligkeit walten lassen. Wie der Leser später noch merken wird, gibt es Individuen, die vollständig entgegengesetzt zu diesen Prämissen vorgehen. Nun wie dem auch sei, man schwieg zu dem Vorfall und ließ die Friedländer gewähren in der Hoffnung, daß die "Kriegsbeute" bald den Weg ins Fürstbistum nehmen würde.
Doch wie sich herausstellte, weit gefehlt: Nach dem üblichen Mittagsschlaf erwachten die braven Bürger Ankurs, von grauenvollen Schreien geweckt, und bemerkten einen unausstehlichen Gestank, der aus Richtung des Nordtors kam und sich in der ganzen Stadt verbreitete. Ich verzichte auf eine genaue Beschreibung dessen, was die Herbeieilenden auf dem Platz am Tor vorfanden, aus Rücksicht auf die feinfühligen unter den Lesern. Umringt von einer großen Menschenmenge, bewachten fürstbischöfliche Soldaten eine grausige Szenerie: Die Dunkelnauer und ihre Ödländischen Leidensgenossen waren auf äußerst qualvolle Weise hingerichtet worden. Während also ihre teilweise nicht mehr erkennbaren Körper dort lagen und fürchterlich stanken, hielt Edmond de la Cruz eine Rede über den Triumph Friedlands und Ostariens über die Ödlander und alle anderen Feinde Heligonias.
Ich weiß nicht, was sich die Stadtwache gedacht hatte, daß sie nicht sofort eingeschritten war. Mir scheint als wäre ein Personalwechsel dort dringend von Nöten. Schließlich hatte wohl doch noch jemand bei höherer Stelle Meldung erstattet, denn bald darauf, aber eben leider zu spät, kam ein Bevollmächtigter der Herzogin und beendete nach einer erhitzten Diskussion mit dem Fürstbischof die ganze Vorstellung, worauf die Friedländer begannen vor den Toren der Stadt Ein großes Grab auszuheben und dort hinein die vierhundertundelf Leichen zu werfen.
Meine Damen und Herren, ich habe noch selten zuvor ein solches Ausmaß an Rücksichtslosigkeit erlebt. Hier wurde gegen zahlreiche Verordnungen, wie die amtliche Anmeldung von Hinrichtungen und öffentlichen Reden, verstoßen. Außerdem ist es bis heute nicht gelungen den Platz am Nordtor wieder in seinen ursprünglich sauberen Zustand zu versetzen. Die Anwohner leiden noch immer unter dem Gestank. Ostarien ist doch nicht der Abfallplatz für die Opfer friedländischer Exekutionslust.
Und was hat der Edmond de la Cruz nun überhaupt damit erreicht. Soviel ich weiß nur, daß Ihre Erlaucht, die Herzogin, vorerst einmal alle Gespräche und Treffen mit dem Fürstbischof oder friedländischen Offiziellen abgesagt hat.
Versteht Ihr jetzt was ich meine, wenn ich von schlechtem Benehmen und Verrohung der Sitten rede? Tut etwas dagegen und fangt bei Euren eigenen Kindern an.
Lang lebe Herzog Uriel II.
Amtsdirektor Egbert von Vogelberg
Herzöglich Ostarischer Rechnungshof Ankur
Richtigstellung:
In dem im Boten 23 erschienenen Artikel: "Gott mit uns und dann auf nach Dunkelstein Teil-2" war von 600 Ödländischen Kriegsgefangenen die Rede. Dies erschien seltsam, da es bis dahin nicht gelungen war eine größere Menge Ödländer lebend gefangenzunehmen. Unsere Ermittlungen ergaben, daß es sich bei den Kriegsgefangenen nicht um Ödländer, sondern um eben jene Reichsverräter aus Dunkelnau handelte, von denen im Leserbrief des Herrn von Vogelberg die Rede ist. Ob es sich hier um eine gezielte Fehlinformation oder ein einfaches Mißverständnis gehandelt hat ist unbekannt.
Die Redaktion
Frohe Kunde aus der Baronie Brassach und dem Norrland
Minutenlang läuteten alle Glocken in Brassach und im Norrland als am einundzwanzigsten Tage des dritten Helios des Jahres neunundachtzig nach der Erleuchtung eine neue Generation derer von Norrland-Brassach auf Burg Tarnam das Licht der Welt erblickte. Vorhergegangen war die Anweisung Hagen von Grauburgs unverzüglich nach der Niederkunft der Baronin von Brassach in allen Kirchen und Amtshäusern die Glocken sowie in allen Dörfern und Siedlungen die Sturmglocken zu läuten, um dem Volke im Norrland und in Brassach die frohe Kunde kundzutun. Berittene der Templer und der norrland-brassachischen Reiterei eilten durch die Ländereien und brachten die glückliche Kunde von der Geburt eines Stammhalters und seiner jüngeren Schwester auch an den herzöglich-ostarischen Hof und zur königlichen Schreibstube in Escandra. Die Geburt der Zwillinge, so der Bote, verlief unkompliziert und die Baronin, zwar noch geschwächt, erfreut sich bester Gesundheit. Kalveram vom Norrland, tagelang auf dem Kirchenkonvent in Ankur sichtlich von einer gewissen Unruhe geplagt und rechtzeitig in Wieselsteig von der bevorstehenden Geburt in Kenntnis gesetzt, eilte nach Tarnam und ließ nach der Niederkunft mehrere Fässer Wein und Schädelspalter anstechen und sechs Norrland-Bullen schlachten. Der Abend des einundzwanzigsten Tages endete in einer großen Feier auf Burg Brassach.
Die Entscheidung über die Namen der Kinder ist bereits im Vorfeld gefallen: So wird der Erstgeborene und Stammhalter den Namen seines Großvaters Daron tragen, der tapfer im Kampfe gegen die Ödländer fiel. Die jüngere Tochter wird auf den Namen der Großmutter Kalverams, Kara, getauft werden. Das Tauffest wird aufgrund der nötigen Vorbereitungen erst im zweiten Xurl stattfinden, zudem viele befreundete Adlige aus den anderen Landesteilen Heligonias geladen werden.
Emaranisches Kneipengespräch
Auf einer Wanderung, die mich durch das vom Kriege heimgesuchte Emarania führte, machte ich Rast im Einhorn in Wasserau. Die Stadt wimmelt nur so von Drachenhainern und Heliosgardisten, aber die Bewohner scheint das nicht weiter zu kümmern. Sie gehen ihrem Tagwerk nach wie eh und je, als wäre nichts gewesen. Es scheint ein Menschenschlag zu sein, den Nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Und dach - unter der stillen Oberfläche brodelt es...
Bei einem Bier am Abend wurde ich unfreiwillig Zeuge eines Gespräches dreier Emaranier, die ungeachtet ihres unterschiedlichen Standes an einem Tisch saßen und philosophierten. Der Eine war ein Schmied, der Zweite ein Bauer, der auf dem Markt gewesen war, und der Dritte ein nicht ganz unvermögend scheinender Bürger von Wasserau...
Schmied: Ja, ja...
Bauer: Häh?
Schmied: Jetzt sitzt unser Mädel schon so lange auf der Burg fest und kann nichts tun, als zum Fenster rausschauen. Und was sieht sie?
Bürger: Fremde! Nichts als Fremde!
Schmied: Ja, ja...
Bauer: Ich hab von Anfang an nichts davon gehalten.
Bürger: Wovon?
Bauer: Von dieser Heirat und dem ganzen Teemooranien.
Schmied: Wieso?
Bauer: Ach, die Lodenburger sind doch kleinkariert, und die Hohenforinger, die sollen mal hübsch auf ihrer Seite vom See bleiben! Fischfresser!
Bürger: Fisch ist gesund.
Bauer: Papperlapapp! Gemüse ist gesund, und unsere Erdäpfel, aber toter Fisch aus kaltem Wasser...
Schmied: Als ich damls nach dem Tod von Baron Winfried im Untergrund....
Bürger: Je, ja! Da trugen die Mäuse noch Säbel! Winfried ist tot, der hilft unserem Mädel auch nicht. Eine Ungerechtigkeit ist das. Was kann sie denn dafür, daß der Alte durchknallt! Kaiser! Ha! Auslachen hätten sie ihn sollen, dann wäre gar nichts passiert.
Bauer: Sie hat ihn geheiratet. DAS reicht für den Strick! (Er nimmt einen großen Schluck aus dem Bierkrug) Aber nicht mit mir, sage ich Euch, nicht mit mir! So einfach lassen wir uns unser Mädel nicht wegnehmen!
Schmied: Und jetzt rennen überall die Blauröcke herum, mit ihrem großspurigen Getue. Soldaten des Königs! Daß ich nicht lache!
Bauer/Bürger: PSSSST!!!
Schmied: Ach hört doch auf! Solange sie regiert hat, konnte jeder sagen, was er dachte, und allen ging es gut dabei. Und wenn es was gab, ist man aufs Schloß gegangen und sie hat sich drum gekümmert. Ja wohl, gekümmert hat sie sich, und zwar um jeden, der was gebraucht hat! Die Drachenheiner sind ja schon recht, aber sie sind...
Bürger: Fremde!
Schmied: Die haben doch keine Ahnung, wie das hier läuft!
Bauer: Traurig ist sie. Meine Frau kommt ab und zu ins Schloß, mit Gemüse. Die Wachen haben gesagt, daß sie ihr Zimmer nicht verlassen hat, seit die Soldaten gekommen sind. Und sie sitzt nur am Fenster und starrt auf den See.
Bürger: Was soll sie denn auch machen? Als Teemon aus den Ödlanden zurück war - wer hat ihn eigentlich auf so ein Himmelfahrtskommando geschickt? Sieht ja fast aus, als hätte man ihn loswerden wollen, also wir haben schon einen ziemlichen Schwund an Baronen in Ostarien! - Also, als er zurück war, hat sie sich ja ziemlich ins Zeug gelegt, um noch was zu retten. Aber passiert ist nichts. Vielleicht hat es keiner geglaubt. Jetzt stehen plötzlich alle da und winken mit den Mehlsäcken. Und lauter Ogeden. Wo ist denn ihr feiner Bruder, der Fähnchen-in-den-Wind-Hänger Fürstbischof? Und dann noch die Fehlgeburt...
Bauer: Fehlgeburt?
(Er beugt sich zu den anderen vor)
Ich muß Euch was erzählen.. .Also, nach dieser ,,Fehlgeburt" kam am späten Abend ein Mann zu uns auf den Hof. Ihr wißt ja, die Straße nach Tagil geht bei mir vorbei. Er kam mir irgendwie bekannt vor. Er kam und bat um warme Milch. Meine Frau ist mit ihm rausgegangen und sie sagte, er habe zwei ganz kleine Kinder dabei gehabt. Und sie hat ihn auch erkannt, weil sie ja aufs Schloß kommt. Es war Oberst Valerian, und er hatte es ziemlich eilig. Von wegen Fehlgeburt!
Bürger: Je, ja, man sagt ja, der Oberst und unser Mädel - aber lassen wir das, sie hat genug Schwierigkeiten.
Schmied: (vertraulich) Er war hier, auf dem Schloß. Weiß der Eine, wie er reingekommen ist, aber er war da. Und es heißt, seither lächelt sie wieder...
Bürger: Ist auch ein schneidiger Bursche, der Oberst. Ja, wo sind denn dann jetzt die Kinder?
Bauer: Keine Ahnung. Aber auf jeden Fall hat sie sie vor diesem Monster in Sicherheit gebracht.
Schmied: Er war kein Monster. Nicht, bevor er in die Ödlande gezogen ist. Ein Hohenforinger halt, aber kein Monster.
Bürger: Sie hätte jeden haben können. Aber sie hat Angst gehabt. Der Bürger-meister hat erzählt, sie habe ihm gesagt, sie müsse um jeden Preis verhindern, daß er Emarania angreift. Das war, bevor sie nach Carajon gereist ist.
Schmied: Da wäre sie mal lieber zu Hause geblieben. Mit dem wären wir schon fertig geworden. Und den Jolbarger hat sie damit auch vergrault. Das wäre so ein Netter gewesen...
Bauer: Ja, ja...
Ich mußte leider gehen. Aber eines ist klar. Die Emaranier sorgen sich um ihr ,,Mädel". Und ich glaube, sie werden sie nicht im Stich lassen.
Dernhelm vom See, wandernder Barde.
Neuigkeiten aus Drackensteig
Aufgrund der großen Verluste an Soldaten und Material während des Ödlandkrieges, wurden in allen 7 Lehen in Drackensteig neue Truppen ausgehoben.
Um diese Soldaten auszubilden und in den Waffengängen zu schulen wurden zum Ende des Mondes Herbstmanöver angesetzt. Zu diesem Zwecke wurden auch eine ausgesuchte Anzahl von Watzgensteiner und Caspelbrunner Truppen eingeladen. Die Manöver werden auf dem Truppenübungsplatz nahe Zollfels abgehalten.
Die erschöpften Drackensteiger Soldaten, die ja nun schon seit Beginn dieses Krieges in Brassach unter dem Befehl von Freiherr Belgarion heldenhaft kämpften, ziehen nach hause.
Freiherr Belgarion beschloß die Truppen nach hause zu befehlen. Diese Entscheidung fällte Freiherr Belgarion schweren Herzens , doch sind die Truppen in solch einen desolaten Zustand, daß sie bei den Kämpfen an der Front keine Hilfe mehr sind. Die abgekämpften Helden werden mit Schiffen, die freundlicherweise von dem Händler Pervai Amer zur Verfügung gestellt werden, nach Hause gebrach.
Lediglich ein Banner mit 50 Mann unter dem Befehl des Freiherrn Stark von Ostringen erweist den gefallenen Caspelbrunner und Watzgensteiner Recken das letzte Geleit nach Hause. Verdienterweise wird damit diesen tapferen Männern, die für die Verteidigung eines für sie fremden Landes starben, die Ehrung die sie sich erstritten, zuteil.
Auch hat Freiherr Alrik von Ostringen die Anweisung, das ruhmvolle Banner Caspelbrunns, das nie in den Staub fiel, ihrer Hochwohlgeboren Isabeau de Fénelon zu überreichen.
Horatio Erster Berichterstatter Drackensteigs
Baronie Brassach und Provinz Norrland zur Markgrafschaft Norrland-Brassach vereint
Am vierzehnten Tage des zweiten Xurls des Jahres neunundachtzig nach der Erleuchtung trafen sich im Stadtpalais von Tarnam in der Baronie Brassach ihre Erlaucht Herzogin Walluma von Ostarien, der königliche Sonderbeauftragte und Kartograph Denkwill von Nauhen und seine Hochwohlgeboren Kalveram vom Norrland, Baron von Brassach und Herr vom Norrland, um über die endgültige Zukunft der Baronie Brassach und des Norrlandes zu verhandeln und zu entscheiden. Diesem Treffen waren, wie nun im Nachhinein zu erfahren war, mehrere geheime Zusammenkünfte zwischen dem ostarischen Generalzeugmeister, Jareck von Jolberg, und dem Baron von Brassach sowie verschiedener ligoniischer Beamten und Kalveram vom Norrland vorausgegangen. Auch wird der letzte Besuch des Norrländers am königlichen Hof in Escandra mit dieser neuerlichen Zusammenkunft hoher ostarischer und ligoniischer Würdenträger in Zusammenhang gebracht. An eben diesem vierzehnten Tage sollten nun endgültig alle Voraussetzungen definiert werden, um den Baron von Brassach am zwölften Tage der ersten Saarka aus der Vasallenpflicht gegenüber dem ostarischen Herzoghaus zu entbinden. Fortan wird Kalveram vom Norrland die Geschicke der ihm durch Ausstellung eines erweiterten königlichen Heliosbriefes zugesprochenen Ländereien, die aus sämtlichen Provinzen der Baronie Brassach, der Provinz Norrland und neu eroberten Gebieten im Ödland bestehen, als Markgraf von Norrland-Brassach bestimmen. Die Markgrafschaft im Nordosten Ostariens und im Nordwesten Ligoniis wird ab dem diesjährigen Adelstage nur noch dem König unterstellt sein und erlangt somit den gleichen Status wie Ostarien, Ligonii, Drachenhain und die sonstigen heligonischen Teilstaaten. Die Ehre des Titels 'Markgraf' wurde Kalveram vom Norrland zu teil, da er sich während des Ödlandkonfliktes, unter dem insbesondere die Baronie Brassach doch arg litt, als tapferer Streiter für die Sicherheit des Nordens Heligonias verdient gemacht hatte und den Wilden des Nordens einen tieferen Einfall in das zivilisierte Heligonia durch Aufbietung aller Kräfte verwehrte, sie gar wieder zurück ins Ödland trieb.
Erstmalig und wohl einmalig in der traditionsreichen Geschichte Ostariens entlassen nun die Herrscher des Herzogtums einen Vasallen samt der ihm verbrieften Ländereien in die Lehensunabhängigkeit. Die Unabhängigkeit der Baronie Brassach vom Herzogtum Ostarien soll aber nicht ohne Bedingungen vollzogen werden. So wurden Herzogin Walluma von Ostarien und ihrem Gatten als Ausgleich für die nun für Ostarien verlorengegangenen Gebiete neue Ländereien nördlich Dunkelsteins und westlich der Markgrafschaft Norrland-Brassach vom König zugesprochen, die auf der neuen Karte unter dem Namen 'Kendas Pailat' Einzug halten werden. Weiterhin, so munkelt man, soll es besondere Verträge und Abkommen zwischen Herzogin Walluma von Ostarien und Kalveram vom Norrland geben, in denen Kalveram seiner ehemaligen Lehnsherrin allem Anschein nach besondere Vorrechte zusichert. Inhalte dieser bis dato geheimgehaltenen Vertragspapiere konnten nicht in Erfahrung gebracht werden, aber Gerüchten zufolge sollen die endgültigen Dokumente auf dem Adelstag zur Unterschrift kommen. Sicherlich mag auch folgender Umstand zur Souveränität Norrland-Brassachs beigetragen haben: Seine Erlaucht Herzog Uriel II. und Kalveram vom Norrland leisten seit vielen Jahren als Templer zu Ankur gemeinsam Dienst an der guten Sache der militärischen Stützung des Ceridentums, auch wenn Herzog Uriel in den letzten Jahren durch seine Krankheit in der Ausübung der freiwillig erwählten Pflichten behindert wurde. So war es auch Herzog Uriel II., der als Landmeister Ostariens, den Norrländer als neuen Großmeister der Templer zu Ankur vorschlug, als der Orden Conrad von Lodenburg, den damals amtierenden Großmeister, dazu 'bewegte', das Amt zu Gunsten seines toleranteren Nachfolgers aufzugeben.
Um die Neugier der Leser der herzöglich-ostarischen Hofgazette und des Heliosboten zu einem Teil zu befriedigen, stellte Denkwill von Nauhen den durch den Aufbruch der hohen Persönlichkeiten nach Tarnam hin aufgeweckten Schreibstubenmitarbeitern im Namen des Königs eine Kopie der obigen Karte zur Verfügung, aufdaß sich jeder Adlige und Gebildete Heligonias ein Bild von der neuen Lage im erforschten Norden Heligonias machen könne.
Die Hilfsaktionen des Ogedenbundes im ehemaligen Teemoranien Versuch einer Chronik, Teil 2
(Anmerkung der Redaktion: Als der Bote seit der letzten Ausgabe in verschiedene Sparten aufgeteilt wurde und sich die Redaktion in regionale Redaktionen aufteilte, wurde der Artikel zur Hilfsaktion im letzten Boten versehentlich im Drachenhainer Teil abgedruckt. Diesen kleinen Fehler bitten wir zu entschuldigen. Die zahlreichen Diskussionen, die zwischen dem Drachenhainer und dem Ostarischen Redaktionsführer durchgeführt wurden, wie denn so etwas passieren konnte, haben dem Ursprung des Fehlers nicht auf den Grund gehen können. Falls erneut ein solcher Fehler auftauchen sollte, bitten wir, diesen einfach zu übersehen, da der Besprechungsraum noch immer verwüstet ist.)
17.Tag des 2. Helios - Von Lodenburg nach Hohenforingen - Nordemeran
Die Fakten: Die Rede an das Volk hält Brian McPhee.
Der Kommentar: Hohenforingen als Teemons Heimatbaronie galt als schwierigster Teil der Mission. Nordemeran war dabei das harmloseste Pflaster; dennoch: Brian McPhee gleich im ersten Ort ans Redepult zu schicken, zeugte von Vertrauen in den jungen Tagiler. Zu Beginn etwas nervös, erledigte er seine Sache gut.
18.Tag des 2. Helios - Quellstedt
Die Fakten: Quellstedt ist Durchreisestation ohne längeren Aufenthalt. Die Reaktion der Bewohner auf den Anblick der Ogeden ist ausgesprochen frostig. Ein nobel gekleideter Mann überreicht Irmgard von Ilmenau einen Brief.
Der Kommentar: Quellstedt war von Teemon verhätscheltes wirtschaftliches Zentrum Hohenforingens. Noch heute regiert dort Wohlstand, gar Luxus. Ogeden finden sich keine. Es ist anzunehmen, daß nur die bewaffneten Begleiter der Barone und scharfe Ermahnung durch die ostarische Übergangsverwaltung Übergriffe verhinderten. Entsprechend wird Teemburg Ex-Hauptstadt Teemoraniens und Stammsitz Teemons, nicht aufgesucht.
19. Tag des 2. Helios - Torpstein
Die Fakten: Zwei junge Männer machen Irmgard von Ilmenau ihre Aufwartung und beminnen sie. Nimue von Aue verhindert, daß Irmgard den beiden aus dem Lager folgt.
Der Kommentar: Es ist wahrscheinlich, daß es sich bei den Männern um Söhne des Hohenforinger Landadels handelte; von einem der beiden stammte wohl der Brief von Quellstedt. Nimue von Aue hat sich über das Minnen sicher amüsiert und schritt erst ein, als es nötig wurde. In Zusammenhang mit den folgenden Ereignissen erscheint auch der Versuch einer Entführung Irmgards möglich.
20. Tag des 2. Helios - Angriff von Räubern
Die Fakten: Eine Bande von Räubern greift die Angehörigen der Hilfsaktion aus dem Hinterhalt an. Die Abwehr gelingt, doch erbeuten die Räuber Waren. Die Hilfsaktion kehrt nach Torpstein zurück, um auf Warennachschub und Soldaten aus Vorberg zu warten.
Der Kommentar: Die Räuber hatten es klar auf die Waren abgesehen; ihr Vorteil war es, daß die Krieger vor allem die Geweihten schützen mußten. Brian McPhee griff ebenfalls zur Waffe, auch Koldewaiht von Hautzensteyn - ein seltener Fall. In Torpstein führten die beiden ein langes Gespräch miteinander, in dem es laut Aussage einiger der Begleiter der beiden auch um Irmgard ging.Ein Gespräch von Rivalen? Drachenhain darf gespannt sein.
24. Tag des 2. Helios - Vliss
Die Fakten: Mit mehreren Tagen Verspätung wird Vliss erreicht. Die Heiler unter den Geweihten kümmern sich um die Opfer eines Fiebers, das in Vliss umgeht.
Der Kommentar: Die Hilfe angesichts eines akuten Problems brachte dem Ogedenbund hier, in fast rein ceridischem Land, mehr Sympathien als es reine Warenlieferungen oder gar Reden getan hätten. Obwohl die Geweihten eher mehr im Vordergrund standen als sonst, erntete die Hilfsaktion zum ersten und einzigen Mal in Hohenforingen Jubel.
25. Tag des 2. Helios - Angriff von Teemon-Anhängern.
Die Fakten: Versprengte Teemon-Anhänger versuchen einen Angriff, werden aber abgewehrt.
Der Kommentar: Der Weg zwischen Quellstedt und Vliss brachte der Hilfsaktion kein Glück. Daß der zweite Angriff abgewehrt wurde, war vor allem den aufmerksamen Lormarker Bogenschützen zu verdanken, dennoch gab es drei Tote auf Seiten der Hilfskation zu beklagen, darunter ein Lormarker und ein Luchner.
26. Tag des 2. Helios - Von Hohenforingen nach Emarania
Die Fakten: Die Teilnehmer an der Hilfsaktion schiffen sich in Quellstedt nach Oberau ein
Der Kommentar: Die Bevölkerung verhielt sich ähnlich feindselig wie zuvor und der Nieselregen paßte genauso dazu wie die Miene Nimues, als die Seekrankheit in ihr aufstieg.
28. Tag des 2. Helios - Oberau
Die Fakten: In Oberau macht die Hilfsaktion nach den offiziellen Feierlichkeiten noch zwei Tage Pause
Der Kommentar: Nachdem der schwierigste Teil der Reise überstanden war, wollten sich die beteiligten Adligen wohl noch etwas Ruhe gönnen. Wer Koldewaiht von Hautzensteyn und Nimue von Aue gemütlich am See angeln sah (für den luchnarer Baron wohl eine Premiere), hätte die beiden sicher nicht mit offiziellen Unternehmungen in Verbindung gebracht.
1. Tag des 3. Helios - Niederau
Keine besonderen Vorkommnisse
3. Tag des 3. Helios - Schlußzeremonie in Vorberg.
Die Fakten: Bei der Schlußzeremonie standen die religiösen Aspekte ganz im Vordergrund
Der Kommentar: Hier hatte die offizielle Reise durch Ex-Teemoranien mit Gütersichtung und Weihung eines Xurl-Heiligtums begonnen. Die Adligen schienen der Geweihten gerne das Feld zu überlassen, auch Nimue von Aue, selbst Geweihte, hielt sich sehr zurück. Wahrscheinlich waren sie froh, daß die anstrengende Hilfsaktion zu Ende ging. Nimue von Aue unterhielt sich längere Zeit mit einem hochgewachsenem, blonden, attraktiven Mann in einem dunkelblauem Gewand mit silberner Borte. Es ließ sich nur herausfinden, daß dieser Mann die Hilfsaktion mit vorbereitet hat und aus Emarania stammt.
Ab 4. Tag des 3. Helios - Heimreise
Die Fakten: Die Beteiligten treten ihre unterschiedlichen Heimwege an.
Der Kommentar: Die Hilfsaktion war alles in allem ein Erfolg; zumindest im ehemaligen Teemoranien hat der Ogedenbund von sich reden gemacht. Ob dies sich auf die Zukunft des Bundes auswirkt und ob sich das Verhältnis der Beteiligten dadurch geändert hat, wird sich zeigen. Der Kommentator ist besonders auf die Zukunft Irmgards von Ilmenau gespannt.
Fürstlicher Thaler Hofchronist
Schmuggler in Sethnara gefaßt!
In den frühen Morgenstunden des 5. Tages des 2. Xurl gelang der Stadtgarde in Sethnara ein großer Schlag gegen die Schmuggler, die schon lange in Unwesen in der Provinz und den angrenzenden Gebieten treiben. Mit der Hilfe einer Sondereinheit der Thaler Garde, der "Schmugglerwehr" wurde schon vor vielen Monaten ein weitläufige Informationsnsetz aufgebaut, dessen Erfolg sich nun zeigte.
Die Schmuggler wurden auf frischer Tat gestellt, als sie sich mit ihren Boten auf dem Lewarach Richtung Darian fliehen wollten. Die verhafteten Personen wurden sofort nach Hochanthen gebracht, wo sie sich vor einem Gericht für ihre Taten zu verantworten haben. Bei den geschmuggelten Gegenständen handelt es sich hauptsächlich um Kunstschätze, wie Gemälde, Statuen und wertvolle Schnitzereien.
Bei einer genaueren Untersuchung wurde eine Sensation entdeckt: Einige der sichergestellten Wertsachen stammen mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem berühmten und vor langer Zeit verschwundenen Bernsteizimmer. Die Gegenstände werden ebenfalls zur genaueren Untersuchung an den Hof von Thal gebracht. Dort soll geklärt werden, woher sie stammen. Vielleicht sind sie ein erster Hinweis darauf, daß das Bernsteinzimmer doch nicht für immer verloren ist. Trotz der noch offenen Fragen ist die "Schmugglerwehr" wie auch die Stadtgarde von Sethnara zufrieden mit ihrer Arbeit.
Roxana von Beraht, Freifrau von Hochwalden lobte den erfolgreichen Einsatz und versprach, die Truppe auch weiterhin mit allen Mitteln zu unterstützen und weiterhin hart gegen Schmuggler in der Provinz vorzugehen.
Thorkell Garin, Berichterstatter der Stadtwache von Sethnara
Hochverehrtes Fürstenpaar, Euer Durchlaucht Fürst Bartha von Thal Euer Durchlaucht Fürstin Genovefa von Thal,
(Anm.d.Red.: Titel wurden korrekt ergänzt)
Mein Name ist Dorneth und ich bin mit Leib und Seele seit langen Jahren Priester. Weder das Ogedentum, noch das Ceridentum ist mir sonderlich bekannt, denn in unserer Gegend, die nicht einmal eine gemeinsam Grenze zu dem Lande Heligonia hat, gehören wir einem anderen Gotte als ihr den Euren. Dies alles zu erklären, hieße die große Schriftrolle Ranra zu zitieren, doch würde dies diesen Rahmen sprengen. Ich bin ein einfacher Mensch doch des Schreibens und Lesens mächtig. Zu meinen Aufgaben gehören Tätigkeiten, die zu guten und schönen, aber auch zu traurigen und schmerzlichen Tagen in meinem Leben führen. Jedoch danke ich meinem Gotte für jeden Tag und das heißt, auch die schmerzlichen Tage lieben und mit aller Kraft leben. Zu welchen Tagen die folgenden gehörten, mögt ihr selbst entscheiden.
Zu einer meiner ständigen Aufgaben gehört auch die seelische Betreuung der Gefangenen in der Burg unseres gefürchteten Herrschers, besonders in dem Trakt, den der Volksmund gemeinhin als "kalte Gruft" oder einfach nur den "Todestrakt" nennt. Hier wird das übelste Gesindel, dafür hält sie zumindest der größte Teil der Leute, eingesperrt. Aus diesen Zellen kommt man ohne großen Prozeß nur durch eine einzige Tür wieder hinaus. Durch diese kleine, eichene, eisenbeschlagene Tür am Ende des Zellenganges kommt man zu einer nach oben führenden Wendeltreppe, die in das Wachhaus mündet und von dort direkt auf den Marktplatz geht, wo dann das Schafott bereits wartet. Ich habe irgendwann aufgehört, zu zählen, wie viele ich schon auf diesem letzten Weg begleitet habe.
Doch bei einem dieser Besuche in den Zellen, traf ich auf jemanden der so ganz andersartig war. Nicht seines Äußern, sondern seiner Art und Gedanken wegen unterschied er sich von den anderen Gefangenen. Er war ein großer, kräftiger, zotteliger Kerl, mit langem verfilzten Haaren, die notdürftig zu Zöpfen geflochten waren. Bitte denkt Euch nichts dabei, aber dort unten sieht nach kurzer Zeit jeder erbarmungswürdig aus. Denn sonst niemand kümmert sich um diese armen Kreaturen. Von der Verpflegung möchte ich erst gar nicht zu sprechen wagen. An die drei Monde soll dieser Kerl schon hier eingekerkert sein, versicherten die anderen Gefangenen mir, die mich erst auf ihn aufmerksam machten. In dieser Zeit war ich bestimmt schon ein gutes halbes Dutzend mal dort gewesen. Sein Mitgefangener Simon war mir schon eher bekannt gewesen. Zuerst schien der Vergessene nur sehr schüchtern, doch bald merkte ich, daß er etwas zu verbergen hatte. Von anderen Gefangenen erfuhr ich, daß er unter ihnen Fragen über mich stellte, ob ich vielleicht ein Spion sei, um doch noch etwas mehr über einen Gefangenen zu erfahren, als man mit der Folter aus ihm herauspressen konnte. So bemühte ich mich um sein Vertrauen. Anfänglich wies er mich schroff ab. Doch mit der Zeit wurde sein Umgang, ich möchte fast sagen höflicher, so dachte ich zumindest damals. Heute ist mir sein zunächst abweisendes Verhalten verständlich.
Langsam begann er sich zu öffnen, sein Innerstes einen Spalt breit aufzutun. Wir führten viele Gespräche und meine Aufenthalte dort im Kerker wurden häufiger als je zuvor. Es waren tiefschürfende Argumentationen über Glaube und Philosophie, und die vielen Dinge des Lebens, die es bedeutend für uns machen. Wenigstens vom blauen Himmel zu sprechen ist bereits ein Lichtblick für einen Gefangenen in einem Loch vierzig Fuß unter der Erde. In diesen Gesprächen öffnete sich nicht nur seine Seele, sondern auch meine Seele blühte auf. Es war eine tiefe, aufrichtige Ehrlichkeit in jedem von unseren Worten, und dies war es wahrscheinlich auch, warum er mir dann alles enthüllte - alles, was er mühsam hinter einer kargen Felswand vorgetäuschter kalter Gemütshaltung verbarg. Sein richtiger Name ist nicht Guthwulf, den er hier im Kerker benutzte, sondern Anselm von Thal, und er kommt aus dem fernen Lande Heligonia. Er erzählte mir von seiner Queste, die er blind so Hals über Kopf begann, als er von der Entführung seiner Verlobten erfuhr, von der langen Reise und all den seltsamen Ereignissen, die Simon und er erlebt hatten.
Eines Tages bat er mich ein wenig Papyr, Dinte und einen Federkiel mitzubringen. Ich hatte keine Ahnung was er genau damit vorhatte, außer vielleicht ein paar Kritzeleien, aber ich suchte alles in kleinstem Formate zusammen, ein Minidintenfässchen und eine kleine Daunenfeder, und schmuggelte alles an den schlafenden Wachen vorbei. Was er damit machte, war mir unbekannt, aber ich vertraute ihm und brachte immer wieder Papyr und Dinte mit.
Ich erfuhr erst am folgenden Tage, den ich euch nun schildern will, was mit diesen Sachen geschehen war. Es mochte eineinhalb Monde seit unserer ersten Begegnung vergangen sein. Als ich den Korridor des Kerkers betrat, herrschte dort ein heilloses Stimmengewirr und Durcheinander. Erst nach einigem Nachfragen konnte ich mir zusammenreimen, was hier vorging. Ich hatte von den Leuten draußen auf dem Markte schon von den Gerüchten über ein kleines Grenzscharmützel gehört. Es hieß, daß Wilderer von der anderen Seite der Grenze einiges an Reh und Hirsch getötet hätten. Unter der Hand sagte man aber, sie hätten Kettenhemden und Waffenröcke getragen. Mehr als ungewöhnlich für einfache Wilddiebe. Offenbar war unser Herrscher mehr als nur sehr ungehalten darüber, was dort geschehen war, aber offiziell, so hörte man, habe man sich mit dem Nachbarreiche geeinigt und Reparationen erhalten.
Verzeiht mir, wenn ich hier nicht schreibe, welcher Herrscher uns regiert und welche Länder hier aneinander gerieten, aber Anselm möchte seinen "Aufenthalt" niemandem preisgeben. Auch weiß ich nicht, in welche Hände dieser Brief auf seiner Reise nach Thal gerät. Vielleicht in die Hände eines Schreiberlings dieses Helios-Boten, von dem Anselm erzählte. Und wenn dann von diesem Blatte mein Brief abgedruckt würde, könnten die Entführer der Baronin Rückschlüsse ziehen.
Die Aufregung im Kerker rührte von der Bekanntgabe des Herolds her, der eben den Kerker wieder verließ, als ich eintrat. Von dem Herolde sei bekanntgegeben worden, daß man sich Freiwillig als Soldat melden könne. Man solle sich bei den Wachen melden und Morgen früh werde man abgeholt.
Ich ging zur Zelle Anselms und Simons. Keiner sprach ein Wort, als ich hineinging. Sie hatte ihre Entscheidung schon getroffen. Ein Blick der beiden hatte wohl genügt, um sich zu verständigen und auch ich verstand sofort. Sie würden sich melden. Ich versuchte, sie umzustimmen, sie sollten noch warten, ich sagte ich sei nah dran, herauszufinden, was denn nun gegen sie vorläge, dann könnte man noch versuchen, um Gnade zu bitten. Ich selbst wußte am Besten, was für eine schwache Hoffnung das war, aber es war die einzige, die mir zu Gebote stand. Sie umzustimmen würde schwierig werden, dessen war ich mir bewußt, vor allem mit diesem doch eher schwachen Hoffnungsschimmer. Anselm schien mir gar nicht zuzuhören. Nachdem ich geendet, drehte er sich langsam zu mir. Noch nie sah ich solches in den Augen eines Menschen. Verzweiflung und doch unbändigen Lebenswillen, vernichtetes Vertrauen und doch Stolz, hin und her gerissen zwischen Leben und Tod. Wie in Trance vernahm ich die folgenden Worte von ihm. Mit unendlicher Trägheit lief die ganze Szene vor mir ab. "Wir wissen jetzt, warum wir hier festgehalten werden", begann Anselm. "Simon und ich sollen das Gehöft niedergebrannt und die Familie aus reiner Lust an der Grausamkeit ermordet haben. Kaltblütigkeit wirft man uns vor, daß wir die Leichen begruben und ihnen Gräber errichteten, soll reines Alibi gewesen sein. Noch schlimmer, in einem diabolischen Ritual sollen wir die Seelen der Kinder dem Einen verkauft haben, um uns von unseren eigenen Sünden freizukaufen. Nicht ein Wort, nicht eine Geste, nicht ein Nicken und nicht ein Abwenden unseres Hauptes gewährte man uns. Wir waren dazu verdammt, teilnahmslos zuzuhören, wie über unser Leben entschieden wurde, als sei es der Prozeß eines anderen. Man ließ uns keine Möglichkeit auch nur anzudeuten, wie löcherig, lächerlich und falsch ihre Anklage gegen uns war."
"So werdet ihr also dies Angebot annehmen, als Grenzsoldat gegen die Anderen zu kämpfen?", brachte ich mit zitternder Stimme hervor.
"Ja. Besser, dort zu kämpfen und für die Liebe zu sterben, als unter dem Hohn und Spott eines blutlüsternen Pöbels in der Fremde hingerichtet zu werden."
"Aber was unser Herrscher vorhat, ist ein Himmelfahrtskommando. Wenn es zu einer größeren Konfrontation kommen sollte, wird man euch und euresgleichen in die vorderste Front stellen. Keiner wird lebend zurückkommen." So drang ich auf ihn ein, um ihn von diesem Vorhaben abzubringen.
Doch Anselm sah mir fest in die Augen, entschlossen zu gehen. "Ich folge der Liebe meines Lebens, die mir von Schändlichen geraubt wurde. Ich glaubte, ich allein könne ihrer Spur folgen, indem ich unerkannt bis zuletzt mich auf die Fährte der Entführer heftete. Trotz aller Anstrengungen, die ich unternommen habe, ist meine Kraft zu gering, die Liebste den ruchlosen Klauen dieser Bastarde zu entwinden. Im Vertrauen auf die Götter, die mit Sicherheit nicht für mich, so doch für das höchste Gut, die Liebe zweier Menschen zueinander, sonst heftig stritten und kämpften, unternahmen diesmal nichts. So hoffte ich auf ihre Unterstützung meiner schwachen Kräfte. Doch hat es nun den Anschein, als ob die Götter uns verließen und die Liebe nichts mehr würdig ist. Es scheint, als hätten sie sich abgewendet von uns Menschen. Wenn sie nicht einmal mehr dafür bereit sind, sich einzusetzen, für was dann? Wenn schon die Götter resignierten, was soll dann aus unserer geliebten Poëna, unserer Erde werden? Doch Simon und ich geben nicht auf. Wir nehmen das Angebot an und ziehen morgen los. Dazu sind Simon und ich fest entschlossen. Wenigstens wir werden noch kämpfen, wofür wir glauben und uns nicht durch einen einfachen, schnellen Tode auf dem Schafott aus diesem Leben stehlen. Versucht nicht, uns umzustimmen, es ist unsere letzte Möglichkeit, die uns bleibt, uns zu bewähren. Ich finde Trost in dem Gedanken, meinen letzten Kampf meiner Verlobten Tamara zu widmen. Wenn auch meine Bemühungen nicht zum Ziel führten, ihr ihre innig geliebte Freiheit wiederzugeben, so ist mein Leben verwirkt und es bleibt mir nur mein Leben für ihres zu opfern, um die Götter durch diesen Beweis der Liebe doch noch umzustimmen und aufzurütteln, ihre gleichgültige Haltung zu brechen. Wenn auch dadurch unsere Herzen bis ans Ende der Zeit getrennt bleiben."
Schweigen hatte sich ausgebreitet und den ganzen Kerker erfaßt. Gebannt hatten alle Häftlinge gelauscht, und die Münder standen vor gespannter Anstrengung des Lauschens offen wie Froschmäuler, als ob sie dadurch ein drittes Ohr bekämen. Doch kaum hatte Anselm geendet füllte sich der Kerker bereits wieder mit Stimmengewirr. Es meldeten sich auch Stimmen, die vorher heftig gegen das Angebot wetterten, nun mit ganz anderen Tönen zu Worte. Man solle gehen, vielleicht überlebe man ja, wenn man gut genug kämpfe und bekäme für seine Verdienste dann seine Freiheit wieder.
Ich dankte Anselm für die vielen schönen Gespräche, die wir geführt hatten und suchte nach Worten angesichts des bevorstehenden Abschiedes. Er erhob sich und holte hinter einem losen Stein ein kleines Bündel Papyr hervor. Er übergab es mir mit dem Auftrage, es seiner Familie irgendwie zukommen zu lassen. Es waren ein Tagebuch und diverse Essays über die verschiedensten Themen. Und am schwerwiegendsten von allen, Abschiedsbriefe an seinen Vater, seine Mutter und seine geliebte Schwester, von der er mir viel erzählt hatte. Auch Simon Arden hatte Anselm zwei Briefe diktiert, die ich ebenso mitnahm. Also das hatte er mit dem Papyr gemacht. Die Namen der Empfänger kunstvoll in kleinster und schöngeschwungener Schrift auf den Umschlägen. Wir drei verabschiedeten uns herzlichst voneinander. Ich versuchte noch einige Worte des Trostes zu finden, doch Anselm legte mir seine Hand auf die Schulter.
"Versuch uns nicht Mut zu machen. Ich habe meinen Trost gefunden, wenn ich nur an meine Verlobte denke. Es gibt hier unten andere, die deiner viel mehr bedürfen, als wir es tun. Geh nun, mein Freund, und kümmere dich um sie. Nie werden wir dich vergessen und das, was du für uns getan hast. Du bist der Lichtschimmer dieses Kerkers der ewigen Nacht. Sei dies auch für andere, wie du es für uns warst. Und nimm dir ein Beispiel an der Mutter des Lichtes, der Sonne. Auch wenn sie, fest geheftet an den Helios-Wagen, jeden Tag untergehen muß. So findet sie doch jeden Tag wieder die Kraft, von neuem zu strahlen, und verwandelt die Nacht in einen neuen Morgen, so wie du Verzweiflung in Hoffnung wandeltest. Lebe wohl mein Freund." Mit diesen Worten nahmen wir Abschied.
Am nächsten Morgen verließ eine lange Kolonne die Kerker der Verdammten. Bleich wie Maden, ob der ewigen Dunkelheit der Zellen, verließen sie die steinerne Burg wie fauliges graues Fleisch. Alle hatten sich entschieden zu gehen. Nur den Kranken und Schwachen verwehrte man dies. Es würde ein harter Marsch bis zu Grenze.
Acht Tage später gingen die ersten Gerüchte über schwerere Scharmützel an der Grenze um. Offenbar ein vorsichtiges Abtasten der Gegner, wie gut ihre Waldläufer und Späher auf Zack sind. Als sich die Gerüchte verdichteten, daß ein Heer in der Grothe-Ebene zusammengezogen würde, machte ich mich dorthin auf. Die Kerker waren leer und meine "Schützlinge" jetzt alle dort. Vielleicht konnte ich doch noch etwas für sie tun. So suchte ich Proviant zusammen, sattelte mein Maultier und ritt los zur Grothe-Ebene.
Ich beeilte mich und verlangte meinem treuen Grauen eigentlich zu viel ab. Bereits am dritten Tage, als die Sonne schon etwas an Höhe gewonnen hatte, erreichte ich den letzen Hügel über der Grothe-Ebene, den es zu überwinden galt. Ich war am Ziel. Von meiner erhöhten Position aus konnte ich die ganze Ebene überblicken. Vor mir lag unser Heerlager. Es befand sich in heller Aufruhr, als ob man in einen Ameisenhaufen gestochen hätte. Ich mußte erkennen, daß ich zu spät kam, um noch etwas für sie tun zu können. Die letzten Vorbereitungen zur Schlacht liefen, man würde mich nicht mehr in das Lager einlassen. Die Reihen bezogen Aufstellung. Ich strengte meine alten Augen an, ob ich jemanden erkennen könnte. Und siehe da, die vordersten zwei Reihen der Fußsoldaten bildeten die Häftlinge aus den Kerkern. Manche hatten sich sogar zusammenketten lassen um ihren Kampfeswillen zu steigern. Und dort in vorderster Reihe erkannte ich Simon und Anselm. Wenn man sie vorschickte würden diese zwei Reihen als erste fallen, sie waren nur zum verheizen da. Auf der anderen Seite hatte das gegnerische Heer seine Aufstellung beendet. Auf beiden Seiten erschallten die Hörner und Trommeln. Der Boden erbebte als sich unzählige Männer, Pferde und Kriegsgerät stampfend in Bewegung setzten. Der süßlich-saure Geruch des Angstschweißes der vielen Männer und Pferde wehte mit dem heißen Wind von der Ebene zu mir hinauf. Immer schneller wurden die Fußsoldaten aufeinander zugetrieben. Von schnellem Gehen in einen Laufschritt und schließlich, von immer schnellerem Trommelwirbel und der Reiterei, die drohte, sie niederzureiten, wenn sie nicht schnell genug liefen, in blindes Rennen. Wie rasend stießen die beiden Heere aufeinander. Eine Kakophonie aus Trommeln, Schreien, Klirren von Metall, Aufheulen von Verwundeten, Splittern von Holz, Gewieher und unerbittlich geschriehenen Befehlen erreichte meine Ohren. Ich heftete meine Augen auf Anselm, ob seiner Größe stach er doch wenigstens etwas aus dem Haufen heraus. Er schwang sein Klinge, wurde gestoßen, strauchelte, fiel nieder und stand nicht mehr auf. In diesem Durcheinander der lebenden und toten Leiber verlor ich ihn wenige Augenblicke später vollständig aus den Augen. Tief hatten sich die beiden Heere durchdrungen und von überall erscholl Kampfeslärm. Die vorderen Reihen der Häftlinge waren kurze Zeit nach dem Aufeinanderprallen der Heere vollständig aufgerieben worden. Keiner der vorderen Fußsoldaten kam davon, auch wenn unsere Seite letztendlich siegte. Voll Grauen wandte ich mich ab. Mögen ihre Seelen Ruhe finden.
Dorneth, Priester der Schriftrolle Ranra
Höret, Höret!
Barden, Musikanten und Fahrende Sänger Heligonias!
Wieder ist ein Jahr verstrichen und die Zeit des Lormarker Bardenwettstreites naht mit großen Schritten. Auch wenn die Stelle des Hauptes des Gesanges von Lormark inzwischen vergeben ist, harren doch die Baronin, die Edlen und das Volk von Lormark der Darbietungen der Barden und Musikanten Heligonias und anderer Länder im edlen Wettstreite, auf daß der Beste unter ihnen mit dem Lorbeer des Sieges gekrönt und zum Haupt des Bardenwettstreites ernannt werde.
Auch in diesem Jahr geruht unsere edle Baronin, die vier besten Barden des Bardenwettstreites als Gäste über den Winter auf der Lorburg willkommen zu heißen.
Deshalb kommet zuhauf und erfreuet unsere Baronin, unsere Edlen und das Volk von Lormark mit Euren Darbietungen, auf daß reichlich Handgeklapper und großzügige Belohnung Eurer Sanges- und Musizierkunst Eure Mühsal versüßen.
Wisset, daß die Zeit des Bardenwettstreites heuer auf die Woche vom 24. bis zum 31. Tag des 2. Xurl fällt und daß verschiedenerlei Ergötzlichkeiten und eine Vielzahl von Speis und Trank der Besucher harren.
Hofkanzlei Ihrer Hochwohlgeboren, Nimue von der Aue, Baronin von Lormark
Bernsteinzimmer wieder aufgetaucht?!
Zu der Zeit, als der Fürstensitz noch Betis war, gab es im Schloß der Herrscherfamilie, der Fliehburg auf dem betiser Fluchtberg, einen besonderen Empfangssaal aus Bernstein, das sogenannte Bernsteinzimmer, Entsprechend dem alten Namen von Betis, Beihysan, was soviel bedeutet wir die Schöne, die Große, war dieser Saal sehr pompös und prunkvoll eingerichtet. Die Wandtäfelungen waren reichlich mit Bernstein verziert, die Möbel waren aus Edelhölzern schnitzt. Kostbare Gemälde von großen Künstlern vervollständigten den Eindruck, den dieser Empfangsaal auf seinen Betrachter ausübte. Man sagte, daß wer einmal in diesem Raum gewesen, ein neues Verständnis von Pracht und Herrlichkeit entwickelt hätte.
Als Fürst Rarl von Thal den Sitz der Fürstenfamilie von Betis nach Hochanthen verlegte, veranlaßte sein Bruder, Prinz Hehnloon von Tha/, ein Schöngeist und Künstler, das gesamte Bernsteinzimmer aus der Fliehburg in das neue Schloß in Hochanthen zu transportieren. So wurden die gesamten Gemälde und Möbel sorgfältig verpackt, die Wandtäfelungen vorsichtig von den Wänden abgenommen, und die gesamte teure Fracht auf mehrere Ochsenkarren verladen, um sie auf diese Art und Weise auf ihre lange Reise zu schicken.
Die Route des Bernsteinzimmers, welche Prinz Hehnloon lange geheim gehalten hatte, führte direkt am Brazach entlang, um so eine Verpflegung der Reisegemeinschaft mit dem Schiff zu ermöglichen. So wurde jeden abend eine festgelegten Stelle am Ufer des Brazach angesteuert, wo man vom Schiff aus mit Nahrung versorgt wurde. Als man jedoch nur noch eine Tagesreise von Hochanthen entfernt war, erschien die Gruppe mit dem Bernsteinzimmer nicht an dem vereinbarten Punkt. Eine sofort angelegte große Suchaktion blieb ohne Erfolg. Seither fehlte von ihm jede Spur, so daß es allmählich in Vergessenheit geriet
Vor kurzem wurde jedoch bei der Festnahme mehrerer Schmuggler in Sethnara in der Provinz Hochwalden eines der Gemälde gefunden, welche sich im Bernsteinzimmer befanden. Das sichergestellte Gemälde, welches von dem Künstler Friedwatt Eichkorn gemalt wurde, zeigt eine Stilleben mit einer Obstschale auf einem Tisch innerhalb eines alten Bauernhauses. Eine Befragung der Festgenommenen ergab nur den wagen Hinweis darauf, daß sich Teile des Bernsteinzimmers in der Mark Bergfurt innerhalb der Baronie Niederlormark befinden sollen. Eine Untersuchung in diese Richtung soll demnächst in Angriff genommen werden. Wer weitere Hinweise auf den Verbleib auf Teile des Bernsteinzimmers hat, möge diese uns zukommen lassen.
Hartmut Hohlbein Schreiber der Garde zu Anthan
Herr Ragabun,
nunmehr ist es ja über die Maßen erfreulich, daß wir beide Einigung erzielt haben. Der Stand der Dinge - und was ich von Anfang an gesagt habe - ist: Eine Hochzeit wäre schön!
Daß der Großteil des heligonische Adels Hochzeiten auch schön findet, steht für mich außer Frage - wer tut das nicht? Ich werde mich hüten und werde weder vorsätzlich noch nachsätzlich behaupten, Eure hochrangigen Adligen würden eine Hochzeit nicht schön finden. Noch stelle ich Eure recht kühne Behauptung in Frage, wirklich die Meinung der gesamten heligonischen Bevölkerung, mittels einer "Umfrage" eingeholt zu haben (wobei ich bemerken möchte, daß mich, und auch meinen Lehrmeister, keiner gefragt hat) und glaube gern, daß auch die meisten Heligonier Hochzeiten schön finden. Man mag sich bei diesem Stand der Dinge fragen, weshalb es nun aber keine Hochzeit zwischen den betreffenden Personen gibt? Die Antwort liegt auf der Hand, weder der eine noch der andere potentielle Ehepartner fände offensichtlich eine Hochzeit miteinander schön - die von Euch erwähnten heligonische Persönlichkeiten, Ihr und der Großteil des restlichen Heligonias, müssen sich dieser Tatsache stellen!
Ohnehin wäre es von Seiten Thals ein kapitaler Fauxpas gewesen, auf Versprochenes auch nach Wechsel der Umstände zu pochen. Hierzu ein Auszug aus dem Heliosboten Nummer 3 ( "Der Rebell Adveri", vierte Seite, Zeile achtundzwanzig):
...Um die Wogen zu glätten, erklärte der alte Fürst von Thal Khelvan, daß Adveri nicht mehr als Verbrecher gelten solle. Er versprach ihm, ihn als Baron in seiner alten Heimat einzusetzen, um so der Feindschaft und den Unruhen ein Ende zu bereiten.
Dieses Versprechen jedoch war aber nur eine politische Finte und war nur mündlich geschehen. Der unfähige Baron Windjon, der Adveris Vorgänger hätte sein sollen, verstarb unglücklich bei einem bisher noch nicht ganz geklärten Jagdunfall. Khelvan mußte nun seinen kurzsichtigen Worten Taten folgen lassen. Sein groben Fehler einsehend, dankte er an seinen Sohn Utran ab. Der neue Fürst von Thal ließ den nur mündlich vereinbarten Vertrag nicht gelten und vertröstete Adveri auf bessere Zeiten. ...
Mit freundlichen Grüßen, ein stiller Beobachter.
P.S.: So Ihr unseren fröhlichen Meinungsaustausch weiter fortführen möchtet, würde ich einen Wechsel des Terrains, sprich das Portal, gutheißen!
Handelsreise nach Flaitney
Am 18. Tage des 1. Xurl verließ eine kleine Handelskarawane die Hauptstadt Anthans, Hochanthen. Sie führt Waren aus Hochwalden, Uhlenstein, Hochanthen und anderen Regionen Thals mit sich. Das Ziel der Reise ist Croithno'na, die Hauptstadt der in Drachenhain gelegenen Baronie Flaitney. Roxana von Beraht, Freifrau von Hochwalden und Vasallin Ihrer Hochgeboren Prinzessin Celia von Thal, folgt damit einer Einladung des Barons von Flaitney. Die Baronien Anthan und Flaitney wollen dadurch die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern weiter ausbauen und auch in Zukunft einen weiteren Warenaustausch anregen.
Die Karawane, mit der auch ein Händler sowie ein Holzschnitzer aus Sethnara reist, möchte bis zum großen Thaler Herbstmarkt Ende des 2. Xurls wieder in Hochanthen sein. Dort sollen die mitgebrachten Waren, vor allem Wolle, Felle und Schafprodukte aus der Hochlandbaronie, feilgeboten werden.
Berengar Abaelard, Schreiber aus Hochanthen
Drachenhainer Herold
Baronin Josephina auf der Jagd schwer verletzt
Das Unglück ereignete sich bei einem Jagdausflug, den die Baronin w Ehren des Besuchs ihres Cousins Edmond de la Cruz veranstaltete. Die Gesellschaft hatte bereits zwei Sauen zur Strecke gebracht, als die Hunde erneut anschlugen. Sofort trieb die Baronin ihr Pferd an und setzte den Hunden nach. Die überraschten Begleiter verloren die vom Jagdfieber gepackte Marschallin schnell aus den Augen und blieben zurück. Ein gellender Schrei und das wütende Schnauben eines Keilers ließen plötzlich das Schlimmste befürchten. Allein der erfahrene Grarim Eisenfaust, langjähriger Anführer der Leibwache, konnte der Spur folgen und fand Baronin Josephina mit schweren Wunden an Oberschenkel und Hüfte auf dem Boden liegend, ein Stück entfernt den von den Hunden gestellten Keiler. Offensichtlich hatte das Pferd vor dem angreifenden Eber gescheut und die Baronin abgeworfen. Diese wollte sich daraufhin mit dem Sauspieß verteidigen, wurde aber von dem Tier überrannt. Man brachte die Marschallin auf einer Trage nach Sarniant, wo sie von der Poënageweihten Svenja erwartet wurde. Der besorgte Fürstbischof wachte mehrere Stunden am Bett seiner Cousine, bis sie aus ihrer Bewußtlosigkeit erwacht war. Auch Grarim machte sich schwere Vorwürfe, da der Vater Josephinas vor Jahren auf ähnliche Weise ums Leben gekommen war, und er sich geschworen hatte, nicht noch einmal einen toten Herrscher nach Sarniant zurückzubringen. Diesmal jedoch waren die Folgen des Drachenhainer Temperaments noch einmal glimpflich verlaufen. Die Baronin ist bereits auf dem Weg der Besserung, wird aber noch viele Tage das Bett hüten müssen.
Brennus Palimpsest
Ogedenheiligtümer fast fertiggestellt
Endlich ist es soweit. Der Bau der zwei Ogedenheiligtümer in Flaitney ist fast beendet. Vorrausichtlich Mitte des dritten Xurl werden die beiden Heiligtümer, ein Xurl- und ein Poënaheiligtum fertiggestellt sein. Leider verzögerte sich der Bau aufgrund der Ödlandkonflikte und der Absicherung der Grenze nach Ostarien hin etwas, da jeder Mann zur möglichen Verteidigung gebraucht wurde. Um so mehr freut sich Foranan Mc Donough, daß in seiner Baronie bald die zwei Heiligtümer für jeden ogedischen Gläubigen zur Verfügung stehen. Anläßlich dieses großen Ereignisses in Flaitney, wird zu Ehren der Vier Götter ein großes Festbankett nach der Weihung der Heiligtümer gehalten.
Botschaft an Schillwunk "Die Feder" Radeweyd
Dem liebsten Schillwunk möchte ich zur Ernennung zum Gesellen gratulieren! Ich freue mich schon lange an Euren gelungenen Artikeln! Seid Ihr nur mit der Feder so geschickt oder auch... in anderer Hinsicht?
Eine heimliche Bewundererin
Prinz Leomar bereitet Reise in die Leomark vor
Zum ersten Male reist Baron Leomar in sein fernes Land, das erst vor kurzem noch zusammen mit Ostarier, Rebenhainer und gräflichen Soldaten Seit' an Seit', dem gewaltigen Ansturm der Ödländer trotzte (H.B.23 berichtete). Seine Hochgeboren wolle dieser Tatzelfelser Enklave nun endlich die Ehre eines Besuches erweisen und sich gleichzeitig von der Hauptsiedlung Xurl-Saleenia, sowie der näheren Umgebung ein Bild machen. Hinzukommend hieß es, werde sich Prinz Leomar bei den wehrhaften Streiter wider des Ödländerangriffs bedanken und diese für ihre hervorragenden Dienste auszeichnen.
Möge seine Hochgeboren eine angenehme Reise, eine angenehme Zeit in der Mark und eine treffliche, sichere Rückreise haben.
Dem Leser ergebenster Diener, der Tatzelfelser Hofchronist,
Schillwunk, "Die Feder", Radeweyd, Gesell des Schreibmeisters und Archivars zu Burg und Land Tatzelfels Jeremias
Überraschungsgast zum Jolbrucker Markttag -
Baron Rodar meldet sich zu Wort
Kaum einer hätte es noch für möglich gehalten, aber es ist wahr: Baron Rodar ist vom Sterbebette auferstanden und richtete anläßlich des Jolbrucker Marktages an sein Volk eine flammende Rede. Kein Ogede vermochte sich dem Inhalt der Worte zu entziehen und so hallten die "Oh Helios" - Rufe durch die Straßen und Arkadenhöfe der alterwürdigen Stadt.
Hier nun einige Stimmen zum Geschehen:
..."Sag wirklich, auf einem Rosse kam er angeritten? Du flunkerst doch Werfelmund!" "Nein, nein Frau Wirtin, ich sage euch die Wahrheit. Alleine auf einem schwarzen Hengst ritt er die Marktstände entlang, und gut sah er aus, wie zu seinen besten Tagen - hat mein Vater gesagt." "Hätte man das für möglich gehalten - der Alte wieder unter uns. Tja, die Klageweiber werden sie wieder abbestellen müssen!"...
... "Nein, nein Lehrling. Er sagte nicht `Herr`, er sagte `Landesvater`, der Unterschied ist doch frapierend! Ich frage mich, wie Du solch einen Fehler machen konntest, die Skizzen sind doch eindeutig!" "Entschuldigt oh Meister es wird nicht wieder vorkommen, das verspreche ich. Manchesmal habe ich das Gefühl, ich würde es nie erlernen!" " Doch, doch mein Sohn, die Kunst der Rhetorik will nur genau und lange Zeit studiert sein, Du befindest Dich bereits auf dem richten Weg! Zugeben, ich zähle die vorliegende Markttagsrede zu den weniger einfachen. Trotzdem weiter, wir sollten keine Zeit vertrödeln!"...
..."Und was tat Rodar dann, sprich doch Werfelmund. Was geschah dann, nachdem seine Hochwohlgeboren vom Pferde abgestiegen, in das Rathaus gegangen und auf den Balkon getreten war?" "Nun, ich glaube er räusperte sich, ja genau und dann begann er mit seiner Rede!" "Ja, einer Rede, gut gut. Und wovon redete er?" "Äh, Frau Wirtin, nun da fragt ihr wahrlich den Falschen. Von solchen Dingen verstehe ich doch nichts!"...
..."Meister, oh Meister schaut doch nur, ich habe sie fertiggestellt. Nichts fehlt, nichts ist falsch, ihr könnt euch davon überzeugen, schaut!" "Ja ja, ich sehe schon, da hast du wirklich gute Arbeit geleistet. Das sieht alles sehr gut aus. Ich glaube so kann das an den Helios -Boten weitergereicht werden. Setze noch deinen und meinen Namen darunter, und fertig!"
...Meine Kinder, mancher von Euch mag sich fragen, was nur dieser alte, zottige Greis hier will. Nun, all jenen will ich sagen, daß ich Rodar bin, Euer Baron und Landesvater. Ich liege mit nichten im Sterben. Ich bin soweit gesund, dennoch war ich Gwon's Schwingen so nah, daß ich deren Luftzug über mein Gesicht streichen spürte. Und so kam es, daß Vater Helios in seiner Pracht mir erschien. Er blendete meinen Körper und meinen Geist. Durch göttliche Worte erhielt ich eine Botschaft, nach der ich mich in Zukunft richten werde, denn Vater Helios ist groß und so soll ab dem heutigen Tage an, kein Bauwerk größer, als der jeweilige Heliostempel der Gegend sein, würde doch ansonsten der Götterfürst buchstäblich in den Schatten gestellt. Natürlich gilt dies nicht für Burgen und Wehrtürme, ansonsten ist dieser Erlaß von nun an bindend. Überall soll Vater Helios Einzug erhalten, ansonsten mißbillige ich in Jolbenstein die Huldigung an einen anderen Gott!
Gehabt Euch wohl meine Kinder, gehabt Euch wohl!
Erfaßt und dem Helios-Boten zur freien Verfügung gestellt,
Meister Zistel und Lehrling Rohn
Unbekannte Krankheit in Flaitney ausgebrochen
Erst seit kurzem wurde bekannt, daß in Flaitney mehrere Schafe an einer unbekannten Krankheit erkrankt sind. Anfangs nahm man diese Vorfälle nicht ernst, da man vermutete, daß es die bereits bekannte und völlig harmlose Blökhusten wäre. Als es dann aber die ersten Todesfälle gab, wurden Flaitneys´ Schafzüchter aufmerksam. Die Schafzüchter und Fachärzte sind machtlos, denn keiner weiß, woher die Krankheit kommt und wie sie zu stoppen ist. Eins scheint allerdings sicher: Schafprodukte von erkrankten Tieren, sei es Milch, Käse oder Fleischprodukte sind für den Menschen ungefährlich. Die ersten Fälle dieser Krankheit wurden kurz nach Beginn der Bauarbeiten der Q1 bekannt. Ob ein Zusammenhang damit besteht, ist noch unbekannt. Da die Krankheit bis jetzt immer tödlich endete, kann man nur hoffen, daß schnell ein Mittel gegen diese Krankheit gefunden wird, da es sonst für Flaitneys Schafzüchter schwarz aussieht.
Cederic von Hautzensteyn kehrt zu einem ungünstigen
Zeitpunkt nach Luchnar zurück
Sechs Jahre nachdem Cederic von Hautzensteyn im Streit mit seinem Vater Eckwald die Baronie Luchnar verließ, betrat er zum ersten Mal wieder die heimatliche Feste. Sein Bruder Koldewaiht hieß ihm im Namen der ganzen Familie willkommen und alle freuten sich auf das abendliche Festmahl und das erstaunte Gesicht des Vaters, der an diesem Tag zurück erwartet wurde. Am Abend aber kam die Nachricht vom gewaltsamen Tod Eckwalds an den Grenzen von Flaitney.
Die Familie Hautzensteyn und die Baronie Luchnar trauern um
Eckwald von Hautzensteyn
geboren im Jahre 43 v.A.III
gestorben im Jahre 26 n.A.III
Baron zu Luchnar 11 v.A.III - 20 n.A.III
Eckwald von Hautzensteyn starb am 23. Tag des 1. Xurls von der Hand eines unbekannten Mörders, als er aus der Baronie Flaitney kommend heimatlichen luchnischen Boden betrat. Sein Körper wurde nach luchnischer Sitte dem Land zurückgegeben. Möge seine Seele auf ewig in Poënas Garten wandeln.
Koldewaiht von Hautzensteyn
Isarma von Hautzensteyn
Cederic von Hautzensteyn
Carroch Berenold von Hautzensteyn
Vylaine Roswiht von Hautzensteyn
Alles Leben beginnt mit dem Tod
Wie es scheint, hat es den Göttern gefallen, einen weiteren meiner sieben Söhne als Stern am Himmelszelt aufzunehmen. Nachdem es itzo vier Wochen sind, daß er von der Mission im Auftrage der Heliosgarde nicht zurückkehrte, gilt sein Tod nunmehr als sicher.
Da mir und dem Rest der Familie nicht einmal sein toter Leib verblieb, um von ihm Abschied nehmen zu können, ist dies wohl der einzige Weg, der uns geblieben ist, dieses zu tun.
So hört und laßt Euch sagen, daß die Familie der Schwarzensteyns den Tod von
Wolf von Schwarzensteyn
betrauert und Helios um die Aufnahme seiner Seele bittet.
Er war ein Sohn, auf den ein Vater stolz sein kann, und ein Bruder, der von all seinen Geschwistern geliebt wurde. Er starb in Erfüllung seiner Pflicht als Heliosritter und Diener des Königs und als aufrechter Kämpfer. Möge die Erinnerung an ihn in unseren Herzen nie verblassen.
Ich tue Euch dies kund im Namen meiner Frau Iriel und meiner Söhne Ilvian, Darek, Thorgrimm, Thalian und Arandis sowie meiner Stieftochter Melisande.
In tiefer Trauer
Erond von Schwarzensteyn
Letzte Meldung: Jolbensteiner Ceriden in Aufruhr
Die Rede Baron Rodars scheint auf die ceriden aus Jolbenstein einen sehr schlechten Eindruck hinterlassen zu haben, wie uns kurz vor Redaktionsschluß noch bekannt wurde. Nach diesen neuesten Nachrichten verschließen die Städte Lindfurt, Trekloch und askapur vor ihrem Herrn sogar die Tore. Genaueres darüber und über das Ausrücken des Jolbensteiner Heeres werden wir im nächsten Boten berichten.
Angaheym erhält Hammermühle
Mit einer Schar Handwerker, Packpferden, Pergamentrollen unter dem Arm und einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen traf Baronin Josephina von Wolfenfeld kürzlich in Angaheym ein. Dem verdutzten Nial Felsenhammer wurde erklärt, man wolle den Angaheymern, insbesondere ihm selbst, ein kleines Geschenk machen und müsse dafür am Abfluß des Buntsteinsees einige Bauarbeiten vornehmen. Verwundert gab der Stammesfürst seine Zustimmung und beobachtete mißtrauisch die Maßnahmen: Das Wehr wurde vergrößert, ein breiter Graben angelegt und befestigt und die Fundamente für ein Gebäude errichtet. Nach mehreren Tagen Arbeit stand eine sauber gedeckte Hütte am Perlbach, aus der immer noch rätselhaftes Hämmern und Sägen erklang. Scharenweise Kinder und Bauersleute standen davor und zerbrachen sich den Kopf Zuerst hielt man es für eine gewöhnliche Mühle, besonders als am sechsten Tag ein großes Wasserrad angebracht wurde.
Dann schließlich wurde zur Eröffnung geladen. Argwöhnisch begutachtete man die verwirrende Anzahl von Zahnrädern, Holzbalken und Rädern. In einer kurzen Ansprache erklärte die Baronin, daß der Codex De Viribus Aquae, den sie als Geschenk von Freigräfin Arana von Sedomee bekommen habe, viele interessante Dinge über die Kraft des Wassers enthalte, unter anderem eine Vorrichtung, die es erlaubt, mit Wasser einen großen Schmiedehammer zu bewegen. Dieser könne zwar nicht die Arbeit am gewöhnlichen Amboß ersetzen, aber doch den groben Teil des Schmiedens wesentlich erleichtern. Daraufhin koppelte sie mit einem Schwungrad eine Übersetzung an das sich schnell drehende Wasserrad draußen an, mit lautem Knarren setzte sich die Maschine in Gang und der schwere Hammer fiel gleichmäßig auf den Amboß.
Nach anfänglicher Skepsis war Nial Felsenhammer doch schnell von der Effizienz der Anlage begeistert (,, Hrn.. .soso.. .aha.. . öha! Ja do schau her!!") und hätte am liebsten sofort angefangen. Zuvor aber dankte man noch den Göttern für das Gelingen und den Arbeitern für ihren Fleiß, dann zapfte man ein paar Fässer Emmerbier an und feierte bis in den frühen Morgen hinein den Fortschritt. Übrigens dürfte nur wenigen aufgefallen sein, daß sich Nial Felsenhammer bereits kurz nach Mitternacht zur Mühle davonschlich...
Bazaar Darians
Besonders aktuelle Zeitung aus allen Regionen Darians
Offener Brief an Seine Eminenz, Edmond de la Cruz, Fürstbischof von Friedland, Abt von Dunkelstein
Euer Eminenz!
Uns ist zu unserem großen Bedauern zu Ohren gekommen, daß Ihr haltlose Gerüchte und verleumderische Beschuldigungen wider das Bank- und Handelshaus van der Brugg in Umlauf gesetzt habt.
Solcherley geschäftsschädigendes Gebaren hinzunehmen sehen wir uns außerstande.
Aus ebendiesem Grunde sind wir nicht mehr in der Lage, die zwischen Euer Eminenz und unserem Hause bestehende Geschäftsverbindung weiterhin aufrecht zu erhalten.
Wir werden daher die von Euch bei unserem Hause eröffneten Konten zum 30. Tag des 1. Xurl dieses Jahres abrechnen. Allfällige Guthaben könnt Ihr ab diesem Termin in unserem Stammhaus in Guldenstein/Darian abholen lassen. Gefahrenübergang ist der 30. Tag des 1. Xurl, ab diesem Datum betrachtet sich das Bank- und Handelshaus van der Brugg als für die hinterlegten Gelder nicht mehr verantwortlich.
Mit darianischen Grüßen
Siljanta und Silvanus van der Brugg
Guldenstein/Darian
Das Burai entwickelt sich zu wichtigem Handelsgut
Bei der Zusammenkunft der Gilden in Darbor wurde eine überraschende Entwicklung auf dem darianischen Markt beobachtet. Das Burai, das seither eine eher bescheidene Rolle als Wirtscchaftsfaktor inne hatte, erlebt einen nie da gewesenen Aufschwung. Gesalzenes Buraifleisch wird in großen Mengen in die Hungergebiete im Nordens des Königreiches verkauft. Doch am zweifellos bemerkenswertesten ist, daß die sonst nur in Darian gebräuchlichen Burai-Stiefel in allen Teilen Heligonias ein begehrtes Gut geworden sind. Zum einen liegt es an der überaus guten Qualität der Schuhe und zum anderen stellen sie einen adäquaten Ersatz für Elchslederstiefel dar. Die Halter von Burai-Herden werden daher angehalten die Zucht voranzutreiben. Der Führer der Händlergilde, Mermud Ay Beythan, konnte sogar vom Grafen die Zusage erwirken, daß für jedes neu geborene Burai eine Zuwendung von fünf Groschen an den Züchter ausbezahlt wird.
Sensationelle Entdeckung im Schlangenkamm
Zu Beginn des ersten Xurl-Mondes erschütterte ein leichtes Beben die Region um den Schlangenkamm. Da keinerlei Mensch oder Tier zu Schaden kam, dankten die Bewohner der Göttin Poëna für ihre Gnade und feierten drei Tage und drei Nächte lang ein umschweifendes Fest. Zwar wäre ein eintägiges Fest auch ausreichend gewesen, doch die Poëna-Hochgeweihte Verdana wollte weiteren Erschütterungen vorbeugen, indem der Göttin vorsorglich ein hohes Maß an Ehre gezollt wurde. Als denn nach Beenden der Feierlichkeiten und einer anschließenden Zeit der Erholung die Bergleute ihre Arbeit in den Kupferbingen wieder aufnehmen konnten, fanden sie eine Überraschung vor. Durch die Erdbewegungen haben sich in den Stollen bisher unbekannte Durchgänge geöffnet. Teilweise mußten diese noch vom Geröll befreit werden, doch sind die Öffnungen so groß, daß ein Mensch gut hindurchkriechen kann. Nachdem einige mutige Bergleute die Erkundung der neu entdeckten Gänge vornahmen, berichteten sie von seltsamen Räumen, die von gewundenen Säulen getragen werden. Da die Bingenarbeiter die Bedeutung dieser Entdeckung als sehr wichtig erachteten, legten sie sofort die Arbeit nieder, um die weitere Erforschung den Gelehrten zu überlassen. Die Minen wurden geschlossen und ein Bote nach Darbor entsandt. Einige Gelehrte der Academica Rocorion forschen nun seit Anfang des zweiten Xurl-Mondes in den Bingen. Die verschütteten Gänge konnten weitgehend geräumt werden und man konnte sich Zugang zu weitläufigen, hohen Höhlenräumen verschaffen. Nach neuesten Angaben sind Fundstücke zur Universität nach Escandra unterwegs. Der dortige Experte für präheliotische Siedlungsreste sei bereits auf dem Weg, um die Funde in Augenschein zu nehmen.
Neue Hinweise über den Verbleib des Bernsteinzimmers?
Seit vielen Generationen ist der Schatz des ehemaligen Herzogtums Valmera spurlos verschwunden und war immer Anlaß zu Streitigkeiten zwischen den Grafschaften Darian und Sedomee. JederVerdacht jedoch, die Vertäfelung des Zimmers an sich genommen zu haben, wurde von beiden Seiten bestritten. So begibt es sich nun nach langer Zeit der Zwietracht, daß aller Wahrscheinlichkeit nach weder Sedomee noch Darian im Besitz desselben sind. In jüngster Zeit verdichten sich die Hinweise, daß der Bernsteinschatz einst vom Thaler Fürstenhaus unrechtmäßig erworben wurde. Graf Dedekien gibt sich ob dieser Nachricht recht zuversichtlich. Nach eigenen Angaben hält er Fürst Bartha für einen ehrlichen und aufrechten Menschen, der wohl weiß, daß man gestohlenes Gut nicht behalten kann., sondern seinem rechtmäßigen Besitzer, also ihm, zurückgeben muß.
Fürstbischöflicher Hofkurier Friedländische Reichsnachrichten
Glorreiche Siegesfeier in Ankur
Zu einer glorreichen Siegesfeier kam es am 17. des 9. Mondes 89 n.d.E. in Ankur. Seine durchlauchtigste Eminenz Fürstbischof Edmond de la Cruz hielt vor hohen Friedländischen und Ostarischen Adligen im Schloßhof des Erzprinzenpalais Harnischheim eine flammende Rede über den Sieg der Friedländer und Ostarier im Krieg gegen Teemoranien und die Ödländer. Der Schloßplatz war überfüllt Menschenleiber drängten sich dicht aneinander und aus tausenden kehlen wurde gerufen " Der Eyne schütze unseren Fürstbischof". Ein kleines blondgelocktes Mädchen mit tränen der freude in den Augen, gekleidet in der bescheidenen märkischen tracht überbrachte dann unserem gütigen allergnädigsten Landesfürsten einen Strauß schöner Königslilien. Unser allseitsgeliebter Fürstbischof Edmond de la Cruz nahm dann jenes kleine Mädchen und hob es hoch, dann sprach er mit seiner ach so engelsgleichen Stimme die weisen Worte : "sehet Bürger Ostariens dafür haben wir gekämpft und gesiegt". Daraufhin brach tosendes Jubelgeschrei aus und die riesige Menschenmenge drängte in richtung der festlich geschmückten Freitreppe des Schloßes wo seine Durchlauchtigste Eminenz stand. Die Schildwache wurde zurückgedrängt. Dann sah man wie einige Ankurer Bürger seine Eminenz auf ihre Schultern hoben und durch die Stadt trugen und immer wieder hörte man aus tausenden von Kehlen " Der Eyne schütze unseren Fürstbischof". Am späten Abend wurden dann die 11000 gefangenen Ödländer und die 4 Reichsverräter aus Dunkelstein die so vermessen waren eine Bauernrepublik auszurufen hingerrichtet. Die Begeisterung der Ankurer und ihrer Erlaucht Herzogin Walluma über dieses herrrliche Schauspiel war grenzenlos, es ist schön zu wissen mit welch großer freude und Liebe das Ostarische Volk unsererm vom Eynen gesegneten allergütigsten ach so gnädigen Landeshern begegnete.
Kronvogtei Welmerena besetzt
Nach der Absetzung des ehemaligen Kronvogtes von Welmerena, Siegbert von Aalbang, marschierten gegen Ende des achten Mondes Truppen aus verschiedenen Baronien Friedlands gegen das aufrührerische Welmerena. Dabei waren 300 Mann leichte Reiterei aus Trisselbach die berühmten "Wolfsdragoner"des Baron Karr und 280 Clankrieger aus dem Jarltum Loghard, die trotz persönlicher Differenzen der beiden Landesherrn zum Wohle Friedlands unter dem stolzen Banner Caspelbrunns marschierten. Bereits als Vorhut waren zwei Wochen zuvor 300 Mann schwere Reiterei der legendären" Eisernen Cavaliere" aus Caspelbrunn mit etlichen Watzgensteiner Offizieren und 150 Mann aus Drackensteig nach Welmerena aufgebrochen. Das Oberkommando über die Strafexpedition hatte Colonel Jean de Bretagne, der Anführer der burggräflichen Leibwache in Caspelbrunn. Da der ehemalige Kronvogt sich seiner Verhaftung durch die Flucht nach Norden entzogen hatte, fanden die ankommenden Soldaten keinen nennenswerten Widerstand vor. Die Bevölkerung verhielt sich ruhig. Auf Anordnung der Erzkanzlerin Friedlands, Isabeau De Fénelon, übernahm Jean de Bretagne die Verwaltung Welmerenas als Generalstatthalter, bis Seine durchlauchtigste Eminenz, der Fürstbischof zurück ist und eine angemessene Lösung gefunden werden kann.
Um die Bevölkerung Welmerenas nicht unnötig zu belasten, werden die dort stationierten Truppen mit Proviant aus Caspelbrunn versorgt.
Colonel Jean de Bretagne verkündete in Welmerena den Landfrieden und verfügte eine nächtliche Ausgangssperre.
Die Erzkanzlerin demonstrierte mit dieser Unternehmung nicht nur ihre persönliche Macht, sondern auch den unbedingten Willen, in Friedland für Recht und Ordnung sorgen.
Die Fürstbischöfliche Hofkanzlei mit Briefen überschüttet
Immer wieder erreichen die Fürstbischöfliche Hofkanzlei Briefe deren Inhalt meist Genesungswünsche an seine durchlauchtigste Eminenz Fürstbischof Edmond de la Cruz sind welcher in der Entscheidungschlacht im Ödlandkrieg, so schwer verwundet wurde. Nach neusten Zählungen wurde bekannt das sage und schreibe 8847000 solcher Briefe von Heligonischen Untertanen an seine durchlauchtigste Eminenz gerrichtet wurden. Selbst der Häuptling der Angaheymer Nial Felsenjammer sandte eine große Anzahl an Geschenken, so einige sehr kunstvoll im präheliotischen Stil bemalte Tongefäße, besonders gut gearbeitete Steinbeile dazu eine liebevoll geflochtene Krone aus Heideblümchen und ein niedliches Baströckchen aus Brazzacher Schilfgras wie sie die Angaheymer Häuptlinge von ihren Medizinmännern bei ihrer Krönung überreicht bekommen.
Friedländische Auslandsmeldungen
Das Königreich Allerland eröffnet Botschaft in Bornburg
Dank des großen großen Diplomatischen Geschicks unseres geliebten vom Eynen so verwöhnten Landesherrn hat das Freie Fürstbistum Friedland Diplomatische Beziehungen zum Königreich Allerland aufgenommen. Nach Aussage der Erzkanzlerin von Friedland ihro Gnaden Isabeau de Fénelon soll die Allerländische Botschaft nicht in Bornburg errichtet werden sondern soll ihren Sitz in einer prächtigen Stadtvilla in Caspelbrunn erhalten. Oh, welch großer Sieg ceridisch - Friedländischer Diplomatie.
Das Königreich Beilstein schenkt Ländereien an die Kirche
Der Brüderliche Hochgeborene Freund unseres allergnädigsten Landesfürsten seyne Königliche Majestät Hector I., durchlauchtigster Herzog von Kronenburg, vermachte in seyner großen Güte mehrere Tausend morgen Land an die Heilige Mutter Kirche. Ebenso soll die Kirche eine Stadt als Lehen welche fortan Sitz des neuen Erzbischofs und Präfekten der Heiligen Ceridischen Kirche in Beilstein werden soll.
Ceridische Missionare im Herzogtum Burgund
Auch im Freien Herzogtum Burgund wünscht man sich den tröstenden Arm der Heiligen Mutter Kirche. So entsprach unser geliebter Landesherrr dem Wunsch der Burgunder und entsandte zwei Priester des Ordens der Bannkreuzer in Begleitung eines Banners Heiliger Miliz in das schöne aber Heidnische Herzogtum Burgund.
Volks- und Bürger-Feuilleton
Ludmilla von Huldrig ist Tot. Die freie Berichterstatterin und Tochter des Mitte des 9. Mondes bei einem Kutschunfall verunglückten Landmeisters der Templer von Ankur, Herban von Huldrig wurde auf grausame Weise getötet. Eindeutige Indizien weisen daraufhin das Frau von Huldrig Opfer eines abscheulichen Mordes wurde. Gerüchten zufolge soll der derzeitige Großmeister der Templer Kalveram von Norrland mit dem scheußlichen Mord in Zusammenhang stehen auch soll es sich bei dem Kutschunfall des Landmeisters um keinen Unfall handeln sondern um ein fein säuberlich geplantes Verbrechen. Nach Aussage der Fürstbischöflichen Evidenzkammer die mit der Aufklärung des Verbrechens beauftragt wurde, wurde bei der Toten ein Dokument gefunden welches auf die geplante Ermordung aller anderen Landmeister der Templer von Ankur hinweist. Die Dokumente sollen unlängst, seyner Heiligkeit dem Patriarchen der Heiligen Ceridischen Kirche vorgelegt werden.
Skandal um Ersten Reichsritter Heligonias. Die Königliche Halsgerichtsordnung scheint in Heligonia wohl nicht für alle zu gelten. So wurde unlängst bekannt, daß der Hexer Tiberius Mitglied der berüchtigten Mordbrennerbande der Roten Drachen auf dem vermeintlichen Heligonischen Gelehrtenkonvent in Escandra anwesend war. Die Roten Drachen machten sich in Heligonia einen besonderen Namen indem sie den gesamten Staatsschatz der Drachenhainer Baronie Jolbenstein raubten und damit die Ehre der Drachenhainer Familie besudelten. Beweise deuten daraufhin das auch der Erste Reichsritter Heligonias auf dem Gelehrtenkonvent anwesend war und bewußt nichts gegen den verruchten Mordbuben Tiberius unternahm da dieser wohl einer seiner persönlichen Freunde ist. Auf solche Reichsritter kann Heligonia verzichten, Männer, die ihre Vertrauensstellung bei ihrer Majestät schamlos ausnutzen um persönliche Vorteile daraus zu ziehen. Schande über euch Finian Sonnenklinge, Einem Mann wie euch kann man nur ins Gesicht speien und euch wie einen gemeinen Hühnerdieb aus dem Lande jagen
Der Eyne schütze den Kaiser. Zu einem großen Spektakulum kam es am 22. des 8. Mondes 89 n.d.E. . Seyne Hochwohlgeboren Sir Gunther, ehemaliger Baron von Lodenburg und Freiherr von Lodenstadt, traf an jenem Tage in Bornburg ein. In Seyner Begleitung der Volksheld und enge Vertraute des Kaisers, General Egbert von Papelau und Oberst von Zitzewitz sowie das 7. Kaiserlichen Kavallerieregiment aus Kreuzstadt. Seyne Hochwohlgeboren, der Großmarschall von Friedland Poldeus von Windischkrez hieß die Helden aus Teemoranien im Namen seyner durchlauchtigsten Eminenz willkommen. Gegen Mittag kam es zu einer geheimen Unterredung des Barons von Lodenburg mit Herrn von Windischkrez im Amtssitz des Großmarschalls. Gegen Abend wurde im Schein von tausend Fackeln auf dem Bornburger Marktplatz eine prächtige Parade abgehalten an der auch das Erste Fürstbischöfliche Garderegiment Rothfels teilnahm. In einer Rede die von Windischkrez nach der zweistündigen Parade anschließend hielt, würdigte er das tapfere verhalten der Teemoranischen Soldaten und sprach allen Teemoraniern seyne Anerkennung aus, desweiteren verlieh er nach dem Singen der Teemoranischen Kaiserhymne dem tapferen Oberst von Zitzewitz die Velan Ehrenbrosche.
Baronin Josephina von Wolfenfeld Bewahrerin des Friedens. Auf Wunsch der Friedländischen Untertanen wurde in der Burggrafschaft Salzach ein Spital eröffnet in dem künftig Xurl und Poëna Geweihte und Heilkundige der Ceridischen Priesterschaft gemeinsam zum Wohle der Armen und Bedürftigen des Landes wirken sollen. Das im Hafenviertel liegende geräumige Stadthaus soll dazu noch einen Xurl - Schrein und eine ceridische Kapelle erhalten. Das Spital wird, auf ausdrücklichen Wunsch seiner durchlauchtigsten Eminenz den klangvollen Namen Josephineum tragen. Vor dem Spital wurde auf Anordnung unseres geliebten Landesherrn eine zwanzig Fuß hohe Bronze - Statue der Baronin Josephina von Wolfenfeld errichtet. Die Inschrift auf dem aus Feuermarmor errichteten Sockel lautet. Baronin Josephina Bewahrerin des Friedens zwischen Ogeden und Ceriden.
Heligonia und Friedland gehen nun eigene Wege
Die Spielleitungen von Heligonia und Friedland haben sich vor einigen Wochen getroffen und über die weitere Entwicklung des Ceridentums gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, daß sich unsere Vorstellungen mit den friedländischen Ideen nicht decken. Wir wollen eine stark ans Mittelalter angelehnte, dem Christentum ähnliche Religion behalten, wie wir sie seit Jahren spielen. Außerdem möchten wir die Rolle des Erzprimus, oder gar des Patriarchen nur bei unserer Spielleitung lassen, um die Interessen aller ceridischen Spieler zu wahren.
Friedland wird sich dann auch im Spiel von Heligonia lösen und wird in Zukunft wie ein anderes ausländisches Reich behandelt. Die friedländische Spielleitung wird das Ceridentum neu gestalten, neu benennen und nach ihrem Geschmack spielen. Es wurde uns zugesichert, daß dies ohne Verwendung unseres beschriebenen und bereits bespielten Hintergrundes stattfinden wird. Somit sind die Urheberrechte aller Texte und Zeichnungen des bisher veröffentlichten Hintergrundmaterials der einzelnen Spieler gesichert. Wir hoffen, daß wir im Interesse unserer Spieler gehandelt haben.
Stefan, Tony, Marc und Inés
(c) Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés Balluff, Marc Hermann
Berichte von Susanne Arbogast, Arnulf Breuer, Ulrike Clauss, Julia Fischer, Henning Frank, Oliver Friese, Debora Gläser, Thorsten Hess, Petra Joerns, Andreas K., Oliver Kraus, Daniela Lochner, Thomas Meyer, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger, Markus Spree
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