Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 1. Saarka n.A.III 26
Ausgabe 25



Kronkurier

Friedland aus der Lehenpflicht entlassen!

Endlich ist es uns jetzt möglich, dem Leser Details über die Vorgänge bei der Vorladung des friedländischen Fürstbischofs Edmond de la Cruz bei Seiner Allerdurchlauchtigsten Majestät zu präsentieren. Wie sich herausstellte, war der Grund der Gespräche die zunehmende Unverträglichkeit der friedländischen Politik mit der Integrität des Reiches. Darüber hinaus ließen sich die Aufwendungen, die für die Sanierung des Fürstbistums nötig gewesen wären, nicht mehr vom Staatssäckel tragen. Unser König, in seiner Weisheit, entschied, daß die Ausgrenzung Friedlands aus Heligonia der einzig gangbare Weg für unser Land sei. Verhandlungen über eine Abfindung für den bisher entstandenen Schaden sind noch im Gange. Selbstverständlich sei hingegen, daß jegliche Lehen des Fürstbischofs, die ihm von der Ceridischen Kirche Heligonias oder irgendeinem anderen Heligonischen Lehensgeber anvertraut wurden, an diese umgehend zurückfallen. Da auch durch die Trennung sämtliche Heliosbriefe verfallen, dürfen friedländische Geistliche in Zukunft keine Missionsarbeit mehr innerhalb der heligonischen Grenzen vollführen. Jeder Friedländer wird von nun an eine Einreisegenehmigung in unser Reich benötigen, wie es für andere Reiche schon immer gilt. Jegliche unerlaubte, bewaffnete Einreise wird als Kriegsakt angesehen, der nicht ohne Folgen bleiben soll. Für den Jolborn, soweit er entlang der friedländischen Gebiete fließt, gelte fortan als Grenzlinie die Mitte des Flusses. Für Schiffe gelten die selben Einreiseregelungen wie oben erwähnt.

Sarg des heiligen Hilarius entwendet!

Nur für vermeintlichen Schrecken hat ein nichtsdestotrotz bestürzender Vorfall in der Abteikirche von Gunara gesorgt. Voller Entsetzen mußten die Kirchendiener des Morgens feststellen, daß jemand in der Nacht den Sarg des heiligen Hilarius entwendet hat. Sich mit Gewalt Eintritt zu verschaffen war nicht notwendig gewesen, denn das Haus des Einen wird den Gläubigen und Hilfesuchenden stets offengehalten. Zudem wird die große Halle für gewöhnlich nicht bewacht, da niemand je erwartet hätte, daß irgend jemand so unverfroren und würdelos gewesen wäre, diesen Ort der Ehre und der Würde eine solche Entgleisung angedeihen zu lassen. Der Glaube in das Gute im Menschen ist es nun, der die Suche nach den Verbrechern behindert, denn unter diesen Umständen liegen kaum Hinweise vor. Terroristische oder erpresserische Absichten können nicht vollständig ausgeschlossen werden, doch werden diese kaum fruchten, denn, Ironie des Schicksals, just in dieser Nacht war der Sarg leer gewesen. Zu Zwecken der Konservierung hatten die Kirchendiener am Tag zuvor die Knochen des heiligen Hilarius entnommen, zwar sollte dies schon Tage zuvor stattfinden und bis zur Nacht des schändlichen Diebstahls schon längst abgeschlossen sein, doch wurde Restaurateur Bruder "Grünspan” Barnardus, der diese Arbeit traditionsgemäß und meisterlich erfüllt, überraschend von schweren Fieberanfällen geschüttelt. Inzwischen ist Barnardus wieder gesundet und von besonderem Frohsinn erfüllt, daß er selbst sozusagen teilhaben konnte, an der schicksalsträchtigen Verhinderung des Diebstahls. Wir berichten weiter über die Ermittlungen.

Das Königliche Lehensrecht

Seit jeher wird die Verwaltung und der Aufbau unseres Reiches durch ein umfassendes Werk geregelt, welches von Königen gegeben und von anderen Königen bis zum heutigen Tag überarbeitet wurde: Das Königlich Heligonische Lehensrecht. Da das Original jedoch von äußerst komplexer Natur und ob seiner altertümlichen Sprache schwer verständlich ist, gab es in jüngerer Zeit immer wieder Mißverständnisse, die in schwersten Verstößen gegen die königlichen Vorschriften gipfelten. Nun ist es natürlich Aufgabe jedes einzelnen Adeligen, sich vor dem Lehenseid ausgiebig über seine Rechte und Pflichten zu informieren. Dies zu ermöglichen war meine Absicht und so verfaßte ich diesen kleinen Leitfaden zum Lehensrecht, der, wie ich hoffe in leicht verständlicher Art verfaßt ist:

Herrschaft über ein Land ist nie gleichbedeutend mit dem Eigentum, denn wer kann schon Poenas Leib besitzen, gehört er doch nur ihr selbst. Allerdings ist es nötig ein Land zu pflegen und im Namen der Götter zu verwalten, um die Göttergewollte Ordnung aufrechtzuerhalten. Verwalter des ganzen Reiches ist somit der König allein und seine Weisungen müssen von allen Bewohnern des Reiches getreulich befolgt werden.
Da jedoch ein Mensch allein niemals in der Lage sein kann, das ganze Reichsgebiet alleine zu pflegen und zu verwalten, setzt der König Vertreter ein, denen er sein Vetrauen schenkt, indem er ihnen seine eigenen Pflichten über ein Gebiet überträgt. Diese Kronvasallen wiederum tun dasselbe in den ihnen als vernünftig erscheinenden Maßen. Kein Vasall ist verpflichtet wiederum Vasallen zu vereidigen. Jeder Lehensnehmer ist jedoch dem Lehensgeber und dessen Lehensgebern bis hinauf zum König zum Gehorsam verpflichtet, jedoch nicht einem beliebigen höherrangigen Adligen.

Daraus leiten sich folgende Regeln ab:

Ein Lehensgeber kann jederzeit in Lehenstrukturen untergeordneter Lehen eingreifen.

Das aber heißt, ein Lehensgeber kann jederzeit Vasallen ernennen oder entlassen, wobei unter normalen Umständen erwünscht ist einen Erben des früheren Vasallen zum neuen Vasallen zu ernennen.
Ein Lehensnehmer darf nur ihm untergeordnete Lehensstrukturen verändern.

Das aber heißt, ein Lehensnehmer darf sein Lehen nicht in mehere Lehen von vorheriger hierarchischer Ordnung aufteilen, wohl aber in mehrere untergeordnete Provinzen. Auch darf ein Lehensnehmer seinem Lehen keinen höheren Rang geben.

Ein Lehensgeber kann jederzeit Grenzen von untergeordneten Lehen verändern.

Das aber heißt, er darf Provinzen seines Lehens beliebig aufteilen und verändern.

Ein Lehensnehmer darf nur Grenzen von untergeordneten Lehen verändern.

Das aber heißt, es ist auch nicht erlaubt zwei Lehen, die unter eigener Verwaltung stehen zu einem zu vereinigen. Und: Auch eine Heirat führt nicht zur Verschmelzung der Lehen der Ehepartner. Lehensnehmer bleibt immer derjenige, welcher es vor der Eheschließung war. Der Ehepartner kann jedoch für die Zeit der Ehe als Vertretung im eigenen Lehen eingesetzt werden. Auch dürfen für die Zeit der Ehe die Titel des Ehepartners getragen werden. Es ist nicht gestattet, daß ein Erbe Lehensnehmer der Lehen beider Elternteile wird. Soll dennoch ein Solches geschehen ist die Erlaubnis des Lehensherrn unabdinglich.

Ein Lehensnehmer ist verpflichtet ihm übergeordneten Lehensgebern in anderen, sein Lehen betreffenden Dingen Gehorsam zu leisten.
Das aber heißt, er muß seinem Lehensherrn in militärischen, wirtschaftlichen, territorialen und die Verwaltung betreffenden Dingen Gefolgschaft leisten und ist ihm in diesen Dingen verantwortlich. So ist es untersagt einen anderen Vasallen des Reiches miltärisch anzugreifen, es sei denn es geschieht über das Federecht, welches in der Halsgerichtsordnung verwurzelt ist.

Die Lehensvergabe geschieht durch die Ausstellung des Heliosbriefes durch den Lehensgeber. In diesem Dokument sind auch Ausnahmen zum allgemeinen Lehensrecht verzeichnet.

Ausnahmen zu den obigen Regeln müssen immer vom König genehmigt werden.
Absichtliche Verstöße wieder das Lehensrecht werden im Normalfall als Hochverrat betrachtet und genauso geahndet.
Helidor, Sohn des Helios, Escandra

Allem Volke Heligonias zum Gehöre und zu Wissen!

Diese Worte schreibt Euch seine Hochwohlgeboren Krator von Rebenhain höchstpersönlich!

Volk von Heligonia, Adelige und Einfache!
Ich will Euch allen berichten von den ungeheuerlichen Vorkommnissen in Friedland:
Es begab sich am Abend des 21. Tages des 3. Xurl, daß sich das Fürstbistum Friedland von Heligonia lossagte. Dies geschah am Vorabend einer Bärenjagd, zu der Eduard de Lyreo geladen hatte, und zu der viel adeliges Volk anwesend war. Zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß dies eine von langer Hand geplante Verschwörung war, da alle anwesenden friedländischen Adeligen die Proclamatio für gut hießen. Nur ich als einziger der friedländischen Lehensnehmer stand gegen die züngelnde Natter im Gewande eines Fürstbischofs. So hoffe ich nun darauf, daß sich schnell ein Heer einfindet, die Abtrünnigen niederzuwerfen, gefangenzusetzen und hinzurichten.

Nieder mit Friedland!
Sieg für Heligonia
gezeichnet: Krator von Rebenhain

Letzte Meldung:

Mobilmachung in Trisselbach - zieht Baron Karr ins Feld?
Wie verschiedene sichere Stellen in Friedland melden, hat sie Baron Karr - auch der Hexenjäger genannt - mit großem Heeresaufgebot von Pottenprudds aus auf den Jolborn begeben. Augenzeugen berichten, es hätte Tage beansprucht, die zahlreichen Schiffe zu bemannen und mit Proviant zu beladen. Weiter heißt es, daß sich fremde, finstre Gesellen dem Barone angeschlossen hätten. Leider bleibt das genaue Ziel dieser Streitmacht im Ungewissen, hierüber konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Doch wir erinnern uns: Es ist nicht allzulange her, als seine Hochwohlgeboren, ebenfalls von dieser Stadt aus seinen erfolgreichen Schlag gegen Teemooranien einleitete! Droht in Heligonia wieder Krieg? - weitere Berichte hierzu folgen.

Drachenhainer Herold

Aufstand in Jolbenstein nach wenigen Tagen niedergerungen

- Graf Waldemar teilt nach seinem energischen Einschreiten die Baronie -

Wie im letztmaligen Helios-Boten unter den Letzten Meldungen zu lesen war, lag im Lande Jolbenstein zwischenzeitlich so manches im Argen. Die Ursache hierfür ist wohl bei der Rede des Baron Rodar von Jolbenstein zu suchen. Denn, im Gegensatz zu seinen ogedischen Untertanen, brachte diese Ansprache bei den Ceriden in Jolbenstein wenig Frohlocken hervor. Kein Ceride wollte die weitreichende Beschneidung seines Glaubens tatenlos hinnehmen. "Kein Tempel soll von nun an höher sein als der jeweilig hiesige Heliostempel”, hieß es. Für den eiligen Leser mag dies kein erklärbarer Grund eines solchen Aufhebens zu sein, doch bei näherem Nachdenken mögen dem einen oder anderen, die in Jolbenstein zahlreichen, und wunderschönen Glockentürme in den Sinn kommen, die nun - nach Erlaß - alle niedergerissen zu werden drohten. So sind die Reaktion in gewisser weise schon verständlich, wenngleich dieses Ausmaß des Protestes über die Maßen zu verurteilen ist! So eskalierte in den Städten Lindfurt, Trekloch und Askapur gar der Streit und es kam zwischen aufgebrachten Ceriden und Jolbensteiner Soldaten zu hitzigen und zum Teil leider blutigen Auseinandersetzungen. Eilends wurde sodann nach dem Landesherren, Baron Rodar, gesandt. Da jedoch er als alleiniger Grund und Anlaß für den Tumult galt, schürte sein Kommen in den Städten den Volkszorn nur noch mehr an. Niemand wollte den wohlfeilen Worten des Friedens und der Mäßigung glauben schenken - ja sie hörten ihm nicht einmal zu. Zu sehr war man wohl nach den Jahren der Förderung und Liebe, seitens des Barons, von dessen plötzlichen Sinneswandel enttäuscht und überrascht worden. So spitzte sich die Lage zusehends zu, als die Städte Trekloch und Lindfurt gar die Tore vor ihrem Herrn verschlossen hielten und ihm den Einlaß verwehrten. Doch noch bevor seine Hochwohlgeboren das durch den Teemooranienkrieg stark dezimierte Jolbensteiner Heer ausrücken ließ, verständigte man den Lehnsherren auf der Drachentrutz. Seine Hochgeboren Graf Waldemar reiste ohne Verzug, und mit großem Heeresaufgebot an. Ohne großes Federlesen belagerte er nun im unmittelbaren Anschluß die Städte. Überraschender weise sandten diese unabhängig voneinander, noch am selbigen Tage Unterhändler aus. Man hatte wohl die Ausweglosigkeit dieses Unterfangens erkannt und hoffte auf günstige Verhandlungen und ein mildes Urteil des Grafen. Dieser zeigte sich Gesprächen nicht abgeneigt und so trafen sich die Parteien wenige Tage später, inmitten der Baronie Jolbenstein, auf der Feste Drachenhorst. Nur wenige Stunden dauerten die Gespräche an, gespannt wartete das Volk das Ergebnis, oder besser das Urteil, ab. Dann gegen Abend hatte das Warten endlich ein Ende; Graf Waldemar trat allselbst vor die große Menge und tat den anwesenden Bürgern seinen Willen kund. "Höre Volk von Drachenhain, dein Graf und Lehnsherr richtet das Wort an dich! Es soll die Baronie Jolbenstein, da sie unfähig ist sich zu einigen, ab dem heutigen Tage an in vier Provinzen aufgeteilt werden." An dieser Stelle ging ein Raunen durch die Menge, damit hatte keiner gerechnet. Unbeirrt sprach der Graf jedoch weiter: "Dies soll aber keiner als Strafe deuten, denn es geschieht auf den ausdrücklichen Wunsch des Baron Rodar hin. Vielmehr teile ich jetzt nur das Land, das in sich zersplittert vor mir liegt. Seine Hochwohlgeboren hat die Lage einzig richtig eingeschätzt, er verwaltet nach wie vor, die nun um den Süden verkleinerte Baronie Jolbenstein. Die anderen drei südlichen Provinzen, um die Städte Lindfurt, Trekloch und Askapur gelegen, sollen zu eigenständigen Baronien erhoben werden. Die feinen Stadtherren aber...", bei diesen Worten verdüsterte sich das gütige Antlitz des Grafen, "...werden für zehn Jahre ihre Heimat Drachenhain im Banne verlassen. Sollten es jene dennoch wagen, während dieser Zeit dies Land zu betreten, so sollen sie am Halse aufgehängt werden, bis der Tod eintritt."
Mit diesen Worten verschwand der Graf wieder ins Innere der Burg und war für den Rest des Tages nicht mehr gesehen. Draußen stand die Menge, wort- und regungslos, es hatte den Anschein, als wüßten keiner, Ceride und Ogede nicht, ob er nun Anlaß zur Freude, oder zum Trauern habe. Aus beiden Lagern vernahm man Stimmen, daß man dies so nicht gewollt habe. Zu spät, selten daß Graf Waldemar sein Wort revidierte.

"Der Jolbensteiner Markttagkrieg":

- Eine kurze Chronik der Ereignisse:
4. Tag des 2. Xurl:
Baron Rodars Rede zum Jolbrucker Markttag
Baron Rodar hält anläßlich seiner Gesundung am Jolbrucker Markttag eine Rede, worin er den ceridischen Glauben in Jolbenstein in seinen Rechten beschneidet. Der ogedische Norden jubelt, der ceridische Süden nicht ...

6. Tag des 2. Xurl:
Aufruhr in Lindfurt
Das zum Großteil ceridische Lindfurt reagiert mit Aufruhr auf die Rede. Stadtrat Bouchard Vergenthiel tut sich als Rädelsführer hervor.

8. Tag des 2. Xurl:
Ebenfalls Aufruhr in Trekloch und Askapur - blutiges Zusammentreffen in Lindfurt
In Trekloch und Askapur kommt es ebenfalls zu Tumulten.
In Lindfurt jedoch bilden die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Soldaten des Barons und Bürger den traurigen Höhepunkt des Konfliktes.

9. - 14. Tag des 2. Xurl:
Baron Rodar bereist die aufständischen Städte - Trekloch und Askapur versagen ihm den Einlaß

Baron Rodar schreitet ein und bereist die Städte Lindfurt, Trekloch und Askapur.

Er bietet den rebellischen Stadträten Gespräche zur Klärung der Lage an. In Lindfurt wird er abgewiesen, in Trekloch und Askapur werden vor ihm sogar die Tore der Stadt verschlossen.

14. Tag des 2.Xurl:
Eilige Botschaft zur Drachentrutz
Baron Rodar beschließt noch vor den Toren der Stadt Askapur, Graf Waldemar um Hilfe zu rufen, zusätzlich läßt er das Jolbensteiner Heer mobilisieren.

16. Tag des 2. Xurl:
Graf Waldemar reist an - sofortige Belagerung der Städte
Der Graf reist sofort mit großem Heeresaufgebot in Jolbenstein an und läßt die aufrührerischen Städte umgehend belagern. Noch am selben Tag bitten die Stadträte den Grafen Waldemar um Verhandlungen. Dieser willigt ein und ein Treffen auf der Feste Drachenhorst inmitten der Baronie wird vereinbart.

19. Tag des 2. Xurl:
Treffen der Parteien auf der Feste Drachenhorst - die Teilung der Baronie
Nach nur wenigen Stunden des Verhandelns, tut Graf Waldemar seinen Willen in einer Rede kund und teilt das Land Jolbenstein in vier eigenständige Baronien. Die Rädelsführer des Aufruhrs werden mit zehnjähriger Verbannung bestraft.
Berichterstatter aus Jolbenstein, Oddo Schultrig

Handelskontor eröffnet

Die Baronie Flaitney hat, wie vor kurzem erst bekannt geworden, in Betis ein Handelskontor eröffnet. Nun sind also auch in Betis die so sehr geschätzten Hochlandprodukte zu erhalten. Unter anderem werden angeboten:
- Schafwolle
- Wollsocken u. a. Kleidungsstücke
- Schafskäse, Schafsmilch
- Schafwurst, Schaffleisch
- Schafe und Ponys
- Torf
- Sackpfeifen aller Art
- Flöten, Schalmeyen und Krummhörner
- Drehleiern
und seit kurzem auch die neue Spezialität in Flaitney - "Schafsköttl”
Jegliche Bestellung wird dankend angenommen.

Wie es ging auf dem Ogedentag

Unaufhaltsam rückten sie näher, die Tage an denen unser bescheidener Gutshof zum Mittelpunkt des politischen Interesses werden sollte. Noch wie heute sehen wir den Boten unseres hochwohlgeborenen Barons, wie er eilends ritt, um uns die Nachricht unseres Lehnsherrn zu überbringen. Stolz waren wir, jawohl, daß gerade wir vom Clan der Mad'Uaine dazu auserwählt wurden den hohen Gästen des Barons Obdach zu bieten. Sogleich begannen wir mit den Vorbereitungen, denn es gab wahrlich viel zu tun, nicht wahr? Das Haus sollte glänzen und sauber sein bis in die letzten Ritzen. Betten mußten herangeschafft werden. Sogar Bettzeug ließ der Baron überbringen, damit die Gäste jede Bequemlichkeit haben. Einige der Geladenen sind auch das rauhe Klima, das in dieser Jahreszeit vom Hauch Saarkas geprägt ist nicht gewöhnt. Holz wurde geschlagen, um tüchtig einzuheizen. Viel heißes Wasser wird von Nöten sein, wenn sich die hohen Herrschaften den Staub der Reise abwaschen wollen. Gisred, der Jäger unseres Nioch erlegte einen kapitalen Hirsch in den umliegenden Wäldern. Das war ein prächtiges Tier, nicht wahr? Der würde den Gästen unseres Herrn wohl munden. Schon Tage vor dem Mahl haben wir das Fleisch in eine Beize gelegt, deren Zusammensetzung ein altes Familiengeheimnis der Mad'Uaine ist. Auch wir wollten nicht schäbig aussehen, nicht wahr Haggis? All unsere Familienmitglieder, die sehr zahlreich sind, wurden in neue, saubere Gewänder gehüllt. Gut sahen wir darin aus, in der Tat. Dann war es endlich soweit. Unser Baron, Koldewaiht von Hautzensteyn traf schon am frühen Mittag des 20. Tages des dritten Xurlmondes ein, um die nach und nach eintreffenden Herrschaften willkommen zu heißen. Was für ein prächtiger Anblick, der sich da uns bot, wahrlich. Die Hochgeborenen und Hochwohlgeborenen fuhren in ihren Kutschen vor. Einige hatten Mühe ihre Pferde voranzutreiben, da der Schnee selbst für unsere Verhältnisse recht früh und reichlich gefallen war, ist es nicht so? Doch am Abend waren alle am großen Tisch versammelt und genossen unsere weithin bekannte luchnische, vegetable Suppe. Eine wahrlich großartige Suppe. Nur ein Platz blieb leer und zwar der des Barons von Tagil. Besorgt war der Blick unseres Lehnsherrn, doch seine Bedenken erwiesen sich als grundlos. Zu später Stund traf Lord Angus McPhee mit Eiszapfen in seinem wahrlich prächtigen roten Haar ein. Sein Pferd war gestrauchelt und in etwa tausend Schritt Entfernung mit samt dem Reiter zu Boden gegangen. Unsere wahrlich rühmliche Gastfreundschaft ließ ihn sogleich sein Mißgeschick vergessen. Er reihte sich in die Schlange der Gäste ein, die unserem Baron die Aufwartung machen wollten. Bis tief in die Nacht wurde getagt, gewartet, geredet und getrunken. Oh Haggis, was waren wir müde, als wir endlich auf unser Lager fielen. Viel zu müde für meinen Geschmack.
Nächsten Morgen ging das Reden weiter. Für uns ging die Arbeit weiter. Lauren, meines Haggis Bruder, zog in aller Bälde los, um das Pferd des Lords zu suchen. Tief unter dem Schnee vergraben lag es da, und wahrlich er hat es gefunden.
In der Küche ging es derweil hoch her, denn wir mußte uns eilen, um das Festmahl rechtzeitig fertigzustellen. Da haben wir ordentlich geschwitzt, trotz der saarkaverdammtkalten Witterung. Doch wir haben es geschafft, nicht wahr Haggis? Endlich waren alle satt und hatten wieder Kraft zum Weiterreden. Irgendwann am Abend wurde dann verlautbart, daß Josephina von Drachenhain, Baronin zu Wolfenfeld, die neue Führerin des Ogedenbundes ist. Doch zu dieser Zeit waren wir bereits in unser Kartenspiel vertieft. Nial Felsenhammer hatte trotz der langatmigen Gespräche noch genügend Luft, um die Sackpfeife zu spielen. Das war eine Musik ganz nach unserem Geschmack. Wir tanzten zu seinen Weisen und vergnügten uns nach luchnischer Art. Ein gelungener Abend, wie ich meine. Gekrönt wurde er noch durch eine Lesung aus dem neuen Utzgolfbuch, welche der Baron darselbst vortrug. Unser Herr hat doch so eine Art, die Menschen zum Zuhören zu bewegen, wie es nur ein Luchner kann, in der Tat.
Am nächsten Morgen wurden schon bald die Kutschen beladen und Abschied genommen.
Wahrlich interessant war, daß Baron Jareck von Jolberg zusammen mit Kleinfürst Nial von Angaheym ihren guten Uisge in den Schnee schütteten, um diesen zu essen. Lauren probiert gerade, ob es nicht sinnvoller wäre, Schnee in ein Horn mit Uisge zu füllen, zu schütteln und dann zu trinken. Doch mir kommt die Idee eher suspekt vor und ich darf dann danach schauen, wie Lauren und mein Haggis wieder auf die Beine kommen, wenn ich nicht den ganzen Ziegenkram allein machen will.
Moogie Mad'Uaine

Jahrestreffen des Ogedenbundes im 3 Xurl 26 n.A.

Das dritte Jahrestreffen des ogedischen Bundes fand am 20. und 21. Tag des 3. Xurlmondes im Jahre 26 n.A.III auf dem Sciborhwan in Luchnar statt. Folgende Beschlüsse dürften für die Öffentlichkeit von Interesse sein:

n Neue Sprecherin des ogedischen Bundes ist Josephina von Drachenhain, Baronin zu Wolfenfeld. Vertreterin ist Freigräfin Arana von Sedomee. Der Titel Sprecher / Sprecherin wird auch in Zukunft beibehalten.

n Der neue Ogedenrat hat folgende Mitglieder:
Josephina von Drachenhain, Baronin zu Wolfenfeld
Freigräfin Arana von Sedomee
Prinz Leomar von Drachenhai, Baron zu Tatzelfels
Lord Angus McPhee, Baron zu Tagil
Foranan McDonough, Baron zu Flaitney
Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar
Nimue von Aue, Baronin der Lormark

Nimue von Aue ersetzt damit Beorric von Wulfenstein, Baron zu Welzen als Ratsmitglied

n Baron Sihran von Tolens wurde in den Bund aufgenommen. Bis zu seiner Volljährigkeit vertritt ihn die Edle Fendra von Aueneck.
Mitglieder des Bundes sind damit neben den oben genannten Ratsmitgliedern:

Beorric von Wulfenstein, Baron zu Welzen
Baron Krator von Rebenhain
Nial Felsenhammer, Fürst zu Angaheym
Nadyma von Sedomee, Baronin von Sebur
Valera von Sedomee, Baronin von Calena
Sihran Baron von Tolens
Eylhard Vogt von Esclarmond
Falkenur von Schwarzenbing, Vogt zu Erkenay

n Eine endgültige Satzung wurde erstellt und verabschiedet. Insbesondere sind damit folgende stirttige Punkte geklärt: Finanzen, Handel, Wissenschaft.

n Der Ogedenbund spricht sich für eine stärkere öffentliche Verfolgung des Rebellen Adveri aus.

Schafseuche in Flaitney weitet sich aus

Die vor ein paar Monaten in Flaitney ausgebrochene Schafseuche zieht immer weitere Kreise. Waren es bis vor kurzem nur ein paar vereinzelte Fälle, sterben in den letzten Tagen immer mehr der Pelzträger. Nach den letzten Schätzungen sind bisher schon zirka 200 Schafe verendet. Da der Ursprung der Krankheit in Zusammenhang mit dem Bau der Q1 vermutet wird, hat Foranan McDonough bis auf weiteres jegliches Benutzen der Straße für Vieh aller Art untersagt. Auch die Grenzen nach Tagil und Luchnar wurden für Schafe gesperrt. Während Baron Koldewaiht von Hautzensteyn, Lord Angus McPhee und Freigräfin Arana von Sedomee Baron Foranan McDonough ihre Unterstützung zugesichert haben, wird in Flaitney selbst bereits fieberhaft nach der Ursache geforscht, wie diese unbekannte Krankheit ausbrechen konnte und sie einzudämmen ist. Sollte jedoch in den nächsten Wochen und Monaten keine eindeutigen Fortschritte gemacht werden, sieht es für Flaitneys Schafzucht sehr düster aus.

Angaheymer Rufhorn

Felsbach/Drachentrutz

Nial Felsenhammer, Stammesfürst von Angaheym und Sippenvorstand von Maerach, freut sich, die Verleihung der Halmar Schildbrosche am Band an Grarim Eisenfaust bekanntgeben zu dürfen.
Wie berichtet, war es der Anführer der Angaheymer Leibgarde der Baronin Josephina von Drachenhain, der diese nach ihrem schweren Jagdunfall aus dem Wald zurück nach Sarniant brachte und somit die Baronin vor dem tragischen Schicksal ihres Vaters bewahren konnte.
Aus diesem Anlaß folgte der Onkel des Stammesfürsten vor wenigen Tagen der Einladung des Grafen Waldemar von Drachenhain zur Feste Drachentrutz, wo im kleinen Rahmen die Verleihung stattfand. Während der Verleihungszeremonie betonte der Graf in einer kleinen Ansprache, daß ihn der tragische Tod seines Bruders Wunjo nach wie vor sehr beschäftige, wie sehr er sich darüber freue, seine Nichte in sicherer Umgebung zu wissen.
Laut einem Bericht von Chronisten der Grafschaft Drachenhain war dies die erste Drachenhainer Auszeichnung seit Jahrzehnten, die an einen Angaheymer ging.

Herzögliche Ostarische Hofgazette

Teemon immer noch für Überraschungen gut.

Wie jetzt von offizieller Stelle bekanntgegeben wurde, befand es der Nexus Corenae für nötig, den seit knapp einem halben Jahr in Ankur inhaftierten, ehemaligen Baron von Teemooranien genauer zu beobachten und auf magische Phänomene hin zu untersuchen. Grund war der Versuch des Gefangenen seinen Körper mit seltsamen Symbolen zu versehen, wie sie oft bei Ödländern beobachtet wurden. Was der Nexus bisher herausfinden konnte, ist erstaunlich: Teemon scheint in der Lage zu sein, Magie, ähnlich der von Ödländischen Priestern gebrauchten, zu wirken. Näheres wollte man uns noch nicht mitteilen, es wurde uns jedoch versichert, daß es bald genauere Ergebnisse gäbe. Wir wollen uns hier nicht mit Spekulationen abgeben, denn wir sind sicher, daß wir in der nächsten Ausgabe dem Leser weitere Details anbieten können, die möglicherweise dazu führen werden, daß man den ganzen Teemooranienkonflikt unter einem vollständig neuen Blickwinkel betrachten muß.

Der Orden der Templer zu Ankur im Umbruch

Neue Kunde vom dritten Konzil der Heiligen Mutter Kirche, welches nun seit dem ersten Tage des dritten Helios in Ankur tagt, erreichte vor wenigen Tagen die königliche Schreibstube. Neben dringend zu besprechenden Angelegenheiten der ceridischen Kirche nutze insbesondere der Orden der Templer zu Ankur die Zusammenkunft, um ordensinterne Dinge besprechen und zu regeln. Hierzu kamen während der ersten Tage der ersten Saarka in einem separaten Trakt der Konzilstätte alle Ordensoberen und die Landmeister der verschiedenen Teilstaaten Heligonias zu einem Treffen zusammen. Inhalte dieses Tagung waren die vom Großmeister Kalveram vom Norrland geplanten Reformen innerhalb des Ordens und der Ordensstruktur. Genauere Information über die gefaßten Beschlüsse konnten nicht in Erfahrung gebracht werden, da alle Beratungen und Abstimmungen hinter verschlossenen Türen erfolgten. Allem Anschein nach kam es allerdings bei einer wichtigen Beratung zu einem Streit zwischen dem Landmeister von Drachenhain, Edmond de la Cruz, und dem Großmeister des Ordens, Kalveram vom Norrland.
Der Fürstbischof von Friedland verließ daraufhin in Begleitung des Barons von Watzgenstein das Konzil. Gerüchten zufolge, die allerdings schon fast unter´s Volk gestreut wurden, soll es in der Auseinandersetzung um die Nicht-Neubesetzung des Posten des Landmeisters von Darian gegangen sein, der vor wenigen Wochen bei einem tragischen Unglück verschied. Da hier anscheinend keine Einigung mehr zu erzielen war, legte der Fürstbischof von Friedland, Edmond de la Cruz, der für die Neubesetzung plädierte, sein Amt als Landmeister von Drachenhain nieder. Wie auch der Landmeister von Friedland, Eduard de Lyroe, war der Fürstbischof nicht bereit, dem Großmeister weiterhin zu folgen. Der Großmeister verfügte daraufhin, daß sich alle Templerbrüder bis zum Ende der dritten Saarka aus Friedland zurückzuziehen haben.

Ausführlicher Bericht über den Vorstoß des ostarischen Expeditionsheers

in die unbekannten Ödlande Teil II
Seit der Entdeckung und Annexion der antiken Stadt Galtur gemäß unseres hochherrschaftlichen Auftrags, abgefaßt von dem ostarischen herzöglichen Hofchronisten Karlon vom Storcheneck (Auszug)

Tag 32
Das etwa 8 Wegstunden messende Tal hallt wider von den Axthieben der Holzfäller und dem Hämmern der Pioniere. Da das Wetter stabil bleibt, wird überall versucht, die Lagerbauten so schnell wie möglich voranzutreiben. Ausnahmslos alle Männer und Frauen der Armee - sogar der Generalzeugmeister Baron Jareck von Jolberg und seine Offiziere - sinken am Abend des arbeitsreichen Tages erschöpft in ihre Nachtlager.

Tag 33
Aufgrund der hohen Belastung sehen unsere Soldaten offenbar schon Trugbilder: Zwei gelbgekleidete Männer sollen heute im Morgengrauen auf der gegenüberliegenden Seeseite gesichtet worden sein. Ein Suchtrupp, obgleich schnell zur Stelle, fand jedoch keine Spuren. Der Baron hat in seiner vorsichtigen Art sogleich für den morgigen Tag die Erforschung der Schlucht auf der gegenüberliegenden Talseite angeordnet.
Die Lagerbauten verlaufen nach Plan.

Tag 34
Baron Jareck von Jolberg selbst ist heute morgen mit einem 100 Mann starken Stoßtrupp in die unbekannte Schlucht eingestiegen. Er will den Pfad erkunden, der sich am Grund der engen Schlucht in die Berge windet und nach möglichen Spuren der beiden Gelbgekleideten vom Vortag suchen. Die Offiziere des Barons versuchten, ihn bei seinem Aufbruch davon abzubringen, die Leitung der Expedition selbst zu übernehmen und schlugen vor, das Kommando wegen der möglichen Gefahren besser an einem anderen Führer zu übertragen, doch der normalerweise für seine Umsichtigkeit bekannte Baron wollte davon nichts wissen.

Tag 35
In leichtem Nieselregen arbeiten wir den ganzen Tag weiter. Um die Mittagszeit können die ersten Winterbaracken bezogen werden, was abends mit einer kleinen Zusammenkunft gefeiert wird.

Tag 36
Ein nebliger, wolkenverhangener Tag ohne besondere Vorkommnisse.

Tag 37
Als sich die Morgennebel lichten, dringen hell und warm die Sonnenstrahlen in unser Tal. Der Offiziersrat beschließt, die Arbeit für einen halben Tag ruhen zu lassen.

Tag 38
Das gute Wetter hält an. Der Tag bringt ein erfreuliches Ereignis: Richtfest in der Ceridischen Kirche. In Ermangelung eines Kirchenbaumeisters und anderen Baumaterialien als Holz wurde der Hauptraum völlig neuartig einem umgekehrten Schiff gleich an acht Pfählen aufgerichtet. Die Kirche soll mit Schindeln verkleidet und mit Teer abgedichtet werden. Diese sogenannte Stabkirche wird in Zukunft nicht nur als Andachts- und Gebetsraum, sondern auch als Versammlungs- und Gemeindezentrum der Ceriden dienen.

Tag 39
Eilends tritt nach Sonnenuntergang der Offiziersrat zusammen: Ein Teil des vor fünf Tagen aufgebrochenen Stoßtrupps kommt ohne den Baron zurück! Vor zwei Tagen, so berichten die verzweifelten Kundschafter, sei eine Kleingruppe, zu der auch der Baron gehörte, im dichten Schneetreiben der Berge verlorengegangen. Zwar wurde eine Gruppe zurückgeschickt, die den Zurückgebliebenen zu Hilfe kommen sollte, doch fehlt von den zwölf Männern und Frauen jede Spur. Sofort wird ein Suchtrupp gebildet, der die Vermißten finden und zurückbringen soll.
Um dem weiteren Verlauf dieser bedenklichen Entwicklung besser folgen zu können, beschließe ich, an der Suchexpedition teilzunehmen.

Tag 40
Noch in der Nacht brechen wir auf. Das Tal verengt sich schnell zu einer Schlucht, die nach einigen Wegstunden als Klamm steil ansteigt. Der schmale, aber erstaunlich gut erhaltene Pfad teilt sich den oft nur wenige Fuß breiten Grund der Schlucht mit einem wilden Bergbach, der uns mit viel Getöse entgegenkommt.
Im Morgengrauen steigt der Weg noch steiler an und führt schließlich aus der Schlucht heraus, die talaufwärts nach links abbiegt und sich soweit verengt, daß dort wohl kein Pfad mehr durchführen kann. Zu unserer Rechten liegt auf einer Felsnase eine kleine Burgruine - wie geschaffen, das Tal von oben her vor Angreifern zu schützen. Wir machen uns Sorgen...
Vormittags setzt leichter Schneefall ein. Der Weg führt jetzt in östlicher Richtung talaufwärts, das Gelände wird langsam offener, der Schneefall nimmt zu. Spätnachmittags treffen wir bei dichtem Schneetreiben den von der Expedition zurückgeschickten Suchtrupp in einem niedrigen, windigen Birkenwäldchen an. Drei Tage lang sind die zwölf Männer und Frauen erfolglos durch den Schnee gestapft. Erschöpft und niedergeschlagen errichten wir in dem Wäldchen unser Lager.

Tag 41
Lange vor Sonnenaufgang bauen wir das Lager ab, um im Morgengrauen schon aufbrechen zu können. Bald kommen wir entsprechend den Schilderungen der Expeditionsteilnehmer in ein weites, baumloses Hochtal, wo wir uns aufteilen und mit der Suche beginnen. Schon am Mittag finden wir drei Zelte mit zwei toten und sieben halb erfrorenen Soldaten, die zu den Versprengten gehören, die mit Jareck von Jolberg vor nunmehr vier Tagen getrennt wurden. Die teils im Fieberwahn irre Redenden berichteten, daß der Baron in seiner unvergleichlich tatkräftigen Art Feuerholz gesammelt haben und vor vielen Stunden aufgebrochen sein soll, um nach jagbarem Wild Ausschau zu halten. Sofort wird das ganze Gelände weiträumig durchsucht, doch von dem Generalzeugmeister fehlt noch immer jede Spur. Enttäuscht und besorgt schlagen wir am späten Abend unser Lager auf.
Nachts setzt bei großer Kälte ein Schneesturm ein.

Tag 42
Morgens ist einer der gestern wieder aufgefundenen Expeditionsteilnehmer gestorben.
Nachdem der Schneesturm bis Mittags nicht nachläßt, beschließen wir schweren Herzens, die Suche nach dem Baron abzubrechen, da auch uns sonst der Erfrierungstod droht. Erschöpft beginnen wir den langen Rückweg durch die Schlucht. Wir sind verärgert, nach dem langen und höchst erfolgreichen Ödlandfeldzug mit all seinen Wagnissen, Gefahren und Abenteuern nun unseren obersten Kommandanten an einen Schneesturm zu verlieren. Es soll uns nun also nicht einmal gestattet sein, um seinen heldenhaften Untergang zu wissen oder seine sterbliche Hülle in Poënas Garten zu geleiten!
Abends kommen wir in der Ruinenstadt an, wo unsere Berichte mit großer Bestürzung aufgenommen werden. Morgen wird der Offiziersrat zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Ein Teil der Offiziere sieht in dem ganzen Vorfall ein Zeichen Saarkas und spricht sich dafür aus, das Unternehmen ganz abzubrechen und mit der ganzen Streitmacht ins heimatliche Ostarien zurückzuziehen. In jedem Fall wird im Morgengrauen nochmals eine Expedition in die Berge starten, um weiter nach unserem Baron zu suchen.

Tag 42, Spätabend/Nacht
Kurz vor Mitternacht schlagen die Wachen Alarm. Am gegenüberliegenden Seeufer werden zwei Laternen gesichtet. Sofort sind die Barrikaden besetzt, doch einer der Laternenträger entpuppt sich als oberster Kommandant unserer Armee, Baron Jareck von Jolberg! In seiner Begleitung befindet sich ein wunderlicher, gelbgekleideter Mann jüngeren Alters. Offensichtlich wurden unsere Wachen an jenem Morgen doch nicht durch Trugbilder getäuscht...
Große Aufregung und Erleichterung herrschte im Lager, als der Generalzeugmeister unverzüglich anordnete, alle Männer und Frauen hätten sich umgehend bei der Kirche zu versammeln. Was er uns zu sagen hatte, erstaunte ausnahmslos alle.
Nachdem er die neun Versprengten mit Brennholz versorgt hatte, verließ er die Zelte erneut, um nach jagbarem Wild Ausschau zu halten. Nach kurzer Zeit jedoch hatte er wegen des dichten Schneetreibens den Rückweg aus den Augen verloren. Sogleich begann er, nach einem Unterschlupf für sich selbst zu suchen, doch fand er in dem leicht welligen Grund des Hochtals nicht einmal einen Baum. Erst Stunden später konnte er im nachlassenden Schneetreiben die Umrisse einiger verstreut liegender Ruinen ausmachen, die jedoch als Unterschlupf nicht genügt hätten. Bald jedoch machte er in einiger Entfernung einen schemenhaften, einzeln stehenden Berg aus. Er ging auf ihn zu. Umso näher er dem Felsrücken kam, ließ der Schneefall zusehends nach, bis er schließlich ganz aufhörte. Um den rötlichen Fels herum schien das Wetter ruhiger zu sein.
Als er einige Zeit auf den Fels zugewandert war, erkannte der Baron ein riesenhaftes Bauwerk auf seinem Rücken. Es glich einer Festung, war jedoch anders gebaut als die ihm vertrauten Befestigungsanlagen in anderen Teilen Heligonias. Er musterte gerade die breite Treppe, die steil zum Haupttor hinaufführte, als er drei gelbgekleidete Männer mit wunderlichen Mützen entdeckte, die ihm winkend entgegenkamen. Der Baron, für seinen gesunden Menschenverstand bekannt, glaubte zwar erst an eine Vision oder ein Trugbild, überzeugte sich dann aber doch von der Echtheit der drei Fremden, als diese näherkamen und ihn mit sonderbarer Sprache willkommen hießen und in ihr Haus einluden.
Innerhalb der Festung tauchten noch mehr der sonderbaren Gelbgekleideten auf, die ihm einen seltsamen Tee aus Gewürzen, Milch, Butter und Honig anboten. Sie gaben sich als Mönche eines in Vergessenheit geratenen Ogedenordens zu erkennen und klärten ihn über die Existenz ihrer Klosterfestung auf, die einst mit den anderen Ruinen in der Umgebung in Verbindung gestanden hatte und erklärten ihm außerdem, daß die Schneestürme der vergangenen Tage auf einen Saarkafluch zurückzuführen sind, der sie und den Süden Heligonias vor den Ödlandbarbaren (wie sie die Ödländer nannten) schützen sollte. Danach führten sie ihn kurz durch die Klosterfestung und wiesen dem hungrigen und todmüden Baron nach einem kurzen Mahl eine Schlafkammer mit warmen Decken zu.
Nachdem Jareck von Jolberg, ansonsten für seine unermüdliche Art bekannt, am folgenden Morgen zum ersten Mal seit langem den Sonnenaufgang verschlafen hatte, frühstückten er und ein Ordensmann namens Iklan Iondral zusammen. Iondral erzählte von der Geschichte des Ordens und führte den Baron durch den Pailat, wie die Ordensburg von den Mönchen genannt wird. Danach konferierte der Baron lange mit Avtladar Oremon, dem Abt der Gemeinschaft. Abends inspizierte er die umfassende Klosterbibliothek, von der er übrigens mit großer Begeisterung erzählt, daß sie für Heligonia von außerordentlichem geschichtlichem Interesse sei. Hier macht der Baron eine Anmerkung: Galtur, so sagte er, sei der Name einer alten, untergegangenen Stadt am Fuß des Klosterberges. Die von uns wiedergegründete Siedlung hingegen sei als Yaldering bekannt gewesen.
Heute morgen schließlich machte er sich zusammen mit Iklan Jhulim auf den langen Rückweg in unser Lager. Da sich die Schneestürme mit unserem Abstieg vollends verzogen hatten, konnten sie die Strecke in einem Tag schaffen.
Für den nächsten Tag ordnete er den ohnehin vor zwölf Tagen von ihm befohlenen, unverzüglichen Aufbruch derjenigen Truppenteile an, die mit ihm zurück nach Ostarien sollen.

Tag 43
Frühmorgens sind die Vorbereitungen zum Aufbruch beendet. Der ostarische Generalzeugmeister Baron Jareck von Jolberg, für seine rastlose Art bekannt, macht sich mit dem Gesandten des Klosters und den zur Rückreise bereitstehenden Truppenteilen alsbald auf den langen Weg ins heimatliche Jolberg.

Tag 44
Ein ganz gewöhnlicher Reisetag auf einer uns bekannten Route.

Tag 45
Wir biegen von der alten Route ab: Entsprechend dem Beschluß des Barons werden wir auf unserem Rückweg einige Tagesreisen nördlich der Wälder in den weiten, offenen Grasflächen der Ebenen unterwegs sein, um diese zu erkunden und zu sichern.

Tag 47
Die Berge sind in einige Entfernung gerückt. Es ist sehr still hier, oft neblig, aber nicht mehr regnerisch wie in Yaldering. Das Licht ist sehr diffus, wir wissen nicht genau, wo die Sonne steht. Einzig die Berge sind immer wieder zu sehen und bieten uns Orientierungspunkte.

Tag 48
Der ganze Tag gleicht dem vorhergehenden genau. Wir haben nicht das Gefühl, voranzukommen, sind jedoch, das bestätigen uns die Geographen anhand der sichtbaren Bergumrisse im Süden, gut vorangekommen.

Tag 49
Keine besonderen Ereignisse. Ich beschließe, ab sofort nur noch besondere Vorkommnisse in den Reisebericht einzutragen, da wir ohnehin in einer guten Woche wieder besiedelte Gebiete erreichen.
Karlon vom Storcheneck, ostarischer herzöglicher Hofchronist

Quellstedt nun freie Reichsstadt

Am 1.Tage des 2. Xurl 26 n.A.III wurde dem Sheriff von Quellstedt im Auftrage des Königs der Heliosbrief und der Schlüssel für die freie Reichsstadt feierlich übergeben. Von diesem Zeitpunkt an untersteht die freie Reichsstadt Quellstedt nur noch dem König von Heligonia.
Nach der feierlichen Zeremonie trat der Sheriff von seinem Posten zurück und übergab dem neuen Stadtrat die Amtsgeschäfte. Der neue Stadtrat setzt sich aus den zwanzig reichsten und nobelsten Bürgern der Stadt zusammen.

Erste Tagung des neuen Stadtrates der freien Reichsstadt Quellstedt

Am 3.Tage des 2. Xurl 26 n.A.III hielt der neue Stadtrat seine erste Tagung, bei der auch sofort neue Stadtgesetze erlassen wurden, die den Beginn des Endes der Leibeigenschaft in Heligonia bedeuten könnten. Folgendes wurde erlassen und verkündet:
1. Stadtluft macht frei – Jeder, ob bisher frei oder unfrei, erhält in Quellstedt die vollen und gleichen Bürgerrechte und genießt den Schutz der Stadt.
2. Jeder Bürger Quellstedts darf sich seinen eigenen Glauben wählen. Er darf aufgrund seines Glaubens nicht diskriminiert werden.
3. Zum Schutze und Wohle der Stadt muß jeder Bürger an sieben Tagen im Jahr den freiwilligen Stadtdienst ableisten.
4. Glaubenssteuern dürfen innerhalb der Stadt nicht mehr eingetrieben werden. Einzig unser geliebter König erhält Steuerzahlungen aus der Stadt.
5. Jeder Bürger hat das Recht seine Sorgen in Form einer Depeche dem Stadtrat vorzubringen.
6. Der Bau des Doms von Quellstedt wird eingestellt. Stattdessen wird die schon vorhandene ceridische Kirche renoviert. Zudem setzt sich der Stadtrat dafür ein, daß für die ogedischen Mitbürger ein Heiligtum in der Stadt errichtet wird.
7. Aufgrund des enormen Wachstums der Stadt muß eine zweite Stadtmauer errichtet werden.

Neue Stadtgarde vereidigt und ausgerüstet Die neue Stadtgarde Quellstedts hat ihren Dienst aufgenommen. Sie setzt sich zum größten Teil aus den bestausgebildeten Kriegsveteranen Ex–Teemooraniens zusammen. Traditionell wird immer noch ein roter Waffenrock zur Rüstung getragen.
Die Garde untersteht nur dem Stadtrat als Vertreter der Bürger und dem König.

Mordanschlag auf Stadtratmitglied vereitelt Täter belastet Adeligen

Auf den ersten Vorsitzenden des Quellstedter Stadtrates, Alfons Hagedorn, wurde beim abendlichen Spaziergang entlang der Quellstedter Stadtmauer ein Attentat verübt. Dank der Aufmerksamkeit seiner Begleiter konnte dieses aber vereitelt werden. Die Täter wurden nach einer mehrstündigen Verfolgungsjagd gestellt.
Es kam zum Kampf, wobei die Täter alle erschlagen wurden. Kurz vor seinem Tod gestand aber noch einer von ihnen, daß sie im Auftrag eines derzeit populären Adeligen aus dem Norden Ostariens und Ligonii gehandelt haben. Ob diese Anschuldigung der Wahrheit entspricht, kann leider nicht nachgewiesen werden, jedoch spricht einiges dafür, war dieser Adelige schon immer ein Feind des hohenforingischen und später teemooranischen Volkes. Es wird vermutet, daß durch den Anschlag die Einweihung des Denkmals für die Familie des Hauses Hohenforingen vereitelt werden sollte.

An Seine Hochwohlgeboren Baron Angus McPhee von Tagil,

im Namen der gesamten Herzöglich-Ostarischen Jolbornflotte möchten wir Euch von Herzen zu Eurem triumphalen Sieg gegen die nördlichen Ödlandtruppen gratulieren. Heligonia kann sich glücklich schätzen, Vasallen solcher Art ihr eigen nennen zu können.
Endlich ist der Jolborn wieder in voller Länge, auch durch die unzivilisierten Gebiete, bis nach Vjoshaven schiffbar. Es muß wohl Fügung sein, daß wir gleichzeitig und vollkommen ohne Absprache voneinander - zwar aus verschiedenen Richtungen - erfolgreich für dasselbe Ziel stritten. Ihr nahmt den Wilden den Jolborn von Vjoshaven bis zur Leomark ab, und wir befreiten den südlichen Fluss. Als Zeichen des Respekts gegenüber Eurer hervorragenden Seemannschaft möchten wir Euch den Titel eines Ehrenkapitäns der Gesamtostarischen Flotte verleihen.
Großadmiralin Agatha von Oggnitz-Garstfelden
Oberfefehlshaberin der Herzöglich Ostarischen Marine

Fürstlicher Thaler Hofchronist

Der fürstliche Thaler Hof zu Hochanthen gibt folgendes bekannt:

Seine Durchlaucht Fürst Bartha von Thal,
und Ihro Durchlaucht Fürstin Genovefa von Thal,

bedanken sich in aller Öffentlichkeit für die vielfältige Unterstützung die durch befreundete Monarchen, heligonische Adlige und vom thaler Volk der Fürstenfamilie bei der Suche nach Prinz Anselm zu teil wurde. Auch wenn diese Bemühungen bisher leider ohne konkretes Ergebnis geblieben sind. So sich auch die Anzeichen für eine Reise des Prinzen mit dem Göttervogel Gwon verdichten, gibt die fürstliche Familie ihre Hoffnung nicht auf. Solange kein sicherer Beweis für den Tod des Prinzen existiert wird die unermüdliche Suche fortgesetzt. Hierzu ist jedermann aufgefordert, der sich berufen fühlt. Er soll sich bei einer der Zeugkammern melden und erhält gemäß seines Könnens eine adäquate Ausrüstung für die Suche. Wer sich nicht auf die Suche macht möge den Prinzen in seine Gebete einschließen, auf daß Helios ihn schützen möge.

Voller Hoffnung, die fürstliche Familie.

Lorburg, am 5. Tag des 3. Xurl im Jahre 26 n. A. III

Baronin von Lormark schwer erkrankt

Großes Unheil ist über die Baronie Lormark hereingebrochen. Baronin Nimue von der Aue ist von einer schweren Krankheit niedergeworfen worden. Am Wochenende hielt die Baronin noch Hof und feierte mit dem Volk das Zwetschgenfest und den Bardenwettstreit, doch klagte sie bereits abends über Kopfschmerzen. Am folgenden Tag erschien sie recht blaß und abgespannt in der Halle, verabschiedete aber sehr aufmerksam den abreisenden Baron von Tatzelfels und antwortete auf seine besorgte Frage lächelnd, sie habe schlecht geschlafen, aber das würde bestimmt am Vollmond liegen. Ob Baron Leomar wohl wußte, daß erst in der jetzigen Nacht Vollmond war? Bei der nachmittäglichen Ratssitzung dann entschuldigte sich Baronin Nimue plötzlich mit Unwohlsein, wollte den Saal verlassen und ... brach ohnmächtig zusammen. Der Thane trug sie rasch in ihre Kemenate und ließ den Leibarzt holen. Alle wurden sehr aufgeregt, es erinnerte mich an einen Bienenstock, dem die Königin abhanden gekommen ist.
Das weitere mußte ich aus den Wachen herausquetschen, da der Arzt sich in hartnäckiges Schweigen hüllte und der Thane ein Gesicht machte, mit dem er normalerweise überführte Schwerverbrecher zu "beglücken” pflegt. Da war die Rede von "man weiß nichts Genaues”, "hohes Fieber”, "Schlimm ist das, sage ich, sehr schlimm!”, "Viel Ruhe und kein Besuch!” und noch weitere Gerüchte.
Gestern konnte ich endlich mehr erfahren. Die Baronin habe hohes Fieber, klage über Schmerzen in der Brust und Atemnot, sei sehr erschöpft und könne keinen Besuch empfangen. Außer Ailron Langbogen und dem Leibarzt habe niemand Zutritt. Der Zustand sei ernst.
Am Abend hörte ich, wie einige Edelinge, sich unterhielten: "Und was ist mit dem Ogedenbundtreffen?” - "Das wird ohne die Baronin stattfinden müssen. Es geht ihr viel zu schlecht, um bis dahin wieder auf den Beinen sein zu können. Wer weiß, ob sie überhaupt zum Adelstag gehen kann. Die Reise nach Jolberg ist sehr weit und anstrengend.” - "Daran war bestimmt diese Reise durch Teemooranien schuld. Wer weiß, was sich Nimue da eingefangen hat.” - "Blödsinn! Sie war danach zwar abgespannt, aber sehr munter und gut gelaunt. Vielleicht hat sie eine Erkältung.” - "Eine Lungenentzündung, sage ich, eine Lungenentzündung! An so etwas ist mein Oheim gestorben.” - "Wirst du wohl den Mund halten! Oder willst du mit Ailrons Schwert Bekanntschaft machen? Du weißt, wie er zur Baronin steht. Ohhhh, ohhh, wenn man vom Deibel spricht..... Sei gegrüßt, Ailron, wie geht es Nimue?” .... An dieser Stelle hielt ich es für geraten, mich höflich zu empfehlen , besonders, als Ailrons Blick auf mich fiel. Eines ist zumindest sicher. Die Baronin von Lormark ist zu krank, um am Treffen des Ogedenbundes teilzunehmen, und es ist keineswegs sicher, ob sie bis zum Adelstag soweit wiederhergestellt sein wird, daß sie die weite Reise nach Jolberg auf sich nehmen kann.
Bis zur Genesung der Baronin wird der Thane von Lormark, Ailron Langbogen, die Regierungsgeschäfte der Baronie führen.

Hoffen wir, daß die Götter unserer Baronin baldige Genesung senden!

Meriadoc ap Fychan,persönlicher Schreiber Ihrer Hochwohlgeboren,
Baronin Nimue von der Aue,Baronin der Lormark

Werter Herr Fürstbischof,

Es freut mich sehr zu hören, daß in Eurer Hofkanzlei eine solch große Zahl von Briefen zu Eurer Genesung eingegangen ist.
Was mich in diesem Zusammenhang jedoch erstaunt hat, ist, daß Eure Hofbeamten genügend Zeit haben, über - ich zitiere - 8 Millionen Briefe zu zählen. Da mir dies etwas abwegig erschien, kam ich letztendlich zu dem Schluß, daß es sich bei den von Eurer Kanzlei gemachten Angaben ("8-8-4-7-0-0-0") wohl um eine Auflistung handeln muß, die sich auf die Zahl der eingegangenen Briefe an den jeweilig aufgelisteten Tagen in der entsprechenden Reihenfolge bezieht. Demnach wären an den ersten beiden Tagen jeweils acht, am dritten Tag vier, am vierten Tag sieben und an den drei darauffolgenden Tagen jeweils kein Brief bei Euch eingegangen, was in Betrachtung der Umstände wohl die plausiblere Erklärung sein dürfte.
Dennoch möchte ich Euch meinen tiefsten Respekt angesichts dieser Flut von Briefen aussprechen, die den Ausdruck der "Überschüttung" der Hofkanzlei als durchaus gerechtfertigt erscheinen lassen.

Mit freundlichen Grüßen und ebenfalls den besten Genesungswünschen,
Taghold Leander, Gelehrter aus Hochanthen

In der ersten Woche des dritten Xurlmondes im Jahre 26 n. A. III

Gedanken über ein Fest, das nicht ganz so glanzvoll wurde, wie es hätte sein sollen

Jetzt ist der heurige Bardenwettstreit von Lormark also wieder einmal vorbei. Schade, obwohl diesmal keine so rechte Stimmung unter den versammelten Gästen und dem Volk aufkommen wollte.
An den Darbietungen der Barden und Musikanten kann es nicht gelegen haben, gaben sie sich doch alle Mühe, das Fest zu einem Höhepunkt im lormarkischen Jahreskreis werden zu lassen.
Aber Xurl stehe uns bei! Was Du mit uns angestellt hast, war wirklich genug. Irgendwann ist auch jedes Maß, ach was sage ich, jede Regentonne, jede Zisterne bis an den Rand gefüllt und muß überlaufen. Mußtest Du uns denn da noch weiter reichlich mit Deiner Großzügigkeit bedenken? In den Auen des Kleinen Brazach stand das Wasser bald mannshoch, an den Palisaden unserer Stadt leckten bereits die Wellen des Brazach, in den Straßen Lorburgs mußten wir Stege legen, damit man im Schlamm nicht ertrank, und Du ließest noch weiter Wasser vom Himmel regnen! E hätte nicht viel gefehlt und ich hätte in meiner Harfe die Schallöcher verstopft und ein Boot daraus gebaut!
Und damit nicht genug. Saarka ließ noch ihren kalten Atem über das Land wehen, so daß alle Leute sich im Freien nur eiligen Schritts fortbewegen mochten. Wie sollte da Freude auf das Zwetschgenfest aufkommen?
Glücklicherweise war in der Halle der Lorburg ein großes Feuer angezündet worden, so daß die Barden im Warmen ihre Kunstfertigkeit beweisen konnten und keiner Frostbeulen an den Fingern bekam. Aber der Bogenschießwettkampf fiel buchstäblich ins Wasser, da sich die Gaidin kategorisch weigerten, auf Barsche oder Karpfen zu schießen. Als einer der Bogenschützen spaßhalber anregte, doch stattdessen einen Angelwettbewerb von der Palisade aus zu veranstalten, erntete er einen so unterkühlten Blick von der Baronin, daß er sofort verstummte.
Überhaupt war das heuer eine trübselige Gesellschaft auf der Burg. Wo waren die geladenen Adligen? Außer Baron Leomar von Tatzelfels ließ sich keiner blicken. Und das, obwohl die Hauptstraße zwischen Lorburg und Tabruck, irgendeine A nochmalwas, eingeweiht werden sollte. Hätte da nicht die hochwohlgeborene Baronin von Tlamana anwesend sein sollen? Hat sie nicht maßgeblich an diesem Straßenbau mitgewirkt? Ach, sie hatte sich entschuldigt, sie hatte etwas anderes vor.
So mußte also die Baronin von Lormark diese neue Straße - so neu ist die doch gar nicht, die gibt es doch schon seit über hundert Jahren - alleine einweihen. Wenigstens stand ihr Ailron Langbogen bei, und Baron Leomar war auch anwesend, wenn er auch mit seinen Gedanken überall war, nur nicht beim Fest. Ob er bereits in Gedanken unterwegs in die Leomark war? Das habe ich mit viel Mühe aus einem Wachposten herausbekommen. Die ganze edle Gesellschaft des letzten Festes war fortgeblieben. Baronin Josephina hatte sich mit einem kapitalen Keiler auf eine Kraftprobe eingelassen und lag verwundet darnieder. Der Bruder der Baronin schwieg hartnäckig seit mehreren Monaten, aus Sedomee war bereits seit einem Jahr keine Botschaft mehr gekommen, - wie behandeln diese ganzen "Edlen” unsere Baronin?
"Dann eben nicht. Wer nicht will, hat gehabt!” sagte sie und beschloß, mit ihren Lormarkern zu feiern. Aber ich merkte, daß sie doch manchmal traurig war, auch wenn sie lachte und scherzte. Trotzdem hat die Baronin Stil und Format. Sie ließ nicht zu, daß irgendjemand unter ihrer Traurigkeit litt, sondern behandelte alle Leute, die zu ihr kamen, aufs Äußerste zuvorkommend und höflich, so daß selbst der einfachste Häusler das Gefühl hatte, etwas Besonderes zu sein. Über Leukos alte, schon hundertmal gehörte Geschichten lachte sie, als höre sie diese zum ersten Mal und den Musikanten lauschte sie mit großer Hingabe.
So wurde der Bardenwettstreit, auch wenn er dieses Mal ein echtes "Volksfest” war, trotz des schlechten Wetters und der mäßigen Beteiligung der Geladenen ein Erfolg. Shiobhan ní Rhuach, freie wandernde Harfnerin

Thaler Herbstmarkt in Hochanthen

Der große Thaler Herbstmarkt erfreut sich seit Jahren schon größter Beliebtheit. Und auch in diesem Jahr wird er wieder Händler, Kaufleute, Gaukler und allerlei Volks nach Hochanthen locken.
Vom 21.Tage bis zum 30. Tage des 2. Xurl wird sich der Große Platz der Hauptstadt Anthans wieder in einen bunten Markt verwandeln.
Feilgeboten werden vor allem Waren aus den verschiedenen Regionen Thals so etwa edle Holzschnitzereien aus Anthan, das berühmte handgeschöpfte Papier aus Hochanthen, Tuche und Stoffe, Lederarbeiten, Schuhwerk, Edelholz sowie Bauholz aus Hochwalden. Natürlich werden auch die Gaumenfreuden nicht fehlen, neben dem beliebten Thaler Bärenschinken wird sicher auch Obst aus der Lormark viele Abnehmer finden.

Hiermit ergeht ein Aufruf an alle, die bei diesem Markt mitwirken wollen. Seien es Händler, Kaufleute, Gaukler, Spielleut' oder andere, die zur Gestaltung und zum Gelingen des Marktes beitragen.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß es sinnvoll ist, sich rechtzeitig um einen Platz für seinen Marktstand und eine Übernachtungsmöglichkeit zu bemühen. Anfragen nimmt die Schreibstube in Hochanthen entgegen.

Berengar Abaelard, Schreiber Ihrer Hochgeboren Prinzessin Celia von Thal

Der Trommler

freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft Norrland-Brassach

Aufbauarbeiten in der Ballei Amien

Da sich nunmehr die Wirren der Auseinandersetzung mit den wilden Ödlandhorden auf kleinere, vereinzelte Übergriffe außerhalb der Landesgrenzen des zivilisierten Teil Heligionias beschränken, kehrt die Ruhe in die Ländereien der neuen Markgrafschaft Norrland-Brassach wieder ein. Vielerorts beginnen die Menschen ihr Leben neu zu ordnen, liegengebliebene Arbeit wird beendet, neue Aufgaben werden angegangen.

Auch in der Ballei Amien werden die Menschen von diesem neuen Lebensgeist beflügelt, welcher nicht zuletzt durch die Veränderungen im Land hin zur Markgrafschaft noch verstärkt wird. Auch die vielen Kriegsflüchtlinge aus den nördlichen Teilen Brassachs, welche noch nicht in ihre zerstörten Heimatsiedlungen im Norden zurückkehren wollen, beteiligen sich an dieser Aufbauarbeit.

Ritter Hadebrand von Grauburg, der seine Aufgaben als Landkomtur der Ballei seinen Verpflichtungen im Krieg als Ordensmarschal der Templer zu Ankur unterordnen mußte, nutzt die vorherrschende Aufbruchstimmung für die jetzt notwendigen Schritte und Veränderungen.

Erste Vorbereitungen zum Dombau in Alt-Amien

Wie die Schreibstube aus verläßlicher Quelle erfahren hat, mußte schweren Herzens der Landkomtur Hadebrand von Grauburg seine ergeizigen Dombaupläne auf die derzeitigen Möglichkeiten seiner Ballei zurücknehmen. Zum einen fehlt das Geld, um seiner Glaubenseinstellung ein solches Denkmal zu setzen, zum anderen ist ihm die Stärkung und Ausweitung des Handels zur Zeit wichtiger.

Zum Wohle der ihm anvertrauten Bevölkerung wurden die Baupläne dahingehend verändert, daß ein "schrittweiser” Ausbau der Stadtkirche und des angrenzenden Stadtklosters möglich wird. Somit wird sich der Bau der neuen Heimstädte der Templer zu Ankur wohl über Jahre hinziehen. Sollte sich die Situation der Ballei in den nächsten Jahren verbessern, so hofft der Landkomtur, könnten die Baubemühungen verstärkt werden.

Nun wurden am zwanzigsten Tage des dritten Xurls die ersten Schritte eingeleitet. Unter Einsatz von Freiwilligen wurden einige Hinterhofgebäude, welche sich zwischen Kirche und Stadtkloster befanden, abgerissen. Das Abbruchmaterial wurde getrennt und wird seine erneute Verwendung im Fundament des neuen Domseitenschiffes finden.

Weinanbau an den Hängen des Grauburger Walls
Stärker werden zur Zeit die Bemühungen des Landkomturs vorangetrieben, auf den ungenutzten Hängen des Grauburger Walls den Weinanbau einzuführen. Es ist zwar zu vermuten, daß die als nur bedingt fruchtbaren bekannten Hänge wohl niemals große Mengen Wein hervorbringen werden, aber dieses ungenutzte Stück Land nutzbar zu machen, war ein erklärtes Ziel des Landkomturs bei Einführung in sein Amt.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden schon seit einiger Zeit die Hänge von Steinbrocken befreit und das Erdreich auf eine Bepflanzung vorbereitet. Hierzu bedient sich der Landkomtur neben der heimischen Bevölkerung auch der Flüchtlinge, welche sonst ohne Beschäftigung wären. Eine aufwendige Bewässerungsanlage wurde angefertigt, gespeißt von den unzähligen kleineren Wasserläufen des Grauburger Wall-Massivs.

Da die kleine, nördliche Ballei nur über einige widerstandsfähige Wildweinsorten verfügt, welche keinen guten Wein erhoffen lassen, hat der Landkomtur mit anderen Baronien und Provinzen Heligonias Kontakt aufgenommen, in denen der Weinanbau beheimatet ist. Durch den Import bereits erprobter Rebenplanzen und die Kreuzung mit den vorhandenen Wildweinsorten, sollte eine Ansiedlung des Weinanbaus im Norden Heligonias möglich sein. Die Verhandlungen über diesen Import, so war zu erfahren, dauern noch an. Es wird damit gerechnet, daß es wohl noch einige Jahre dauern wird, bis ein Weinkenner einen Wein aus Alt-Amien genießen kann.

Wir verfolgen die weiteren Geschehnisse in der Ballei Amien und werden den verehrten Leser zu gegebener Zeit weiter berichten.
Torel Tekin, freier Berichterstatter des Trommlers

Tauffest in Tarnam

Am vierundzwanzigsten Tage des zweiten Xurls trafen sich Verwandte und Freunde derer von Norrland-Brassach im festlich geschmückten Dom zu Tarnam, um gemeinsam mit dem versammelten Klerus, Hochadel und Adel Ostariens das heilige, ceridische Sakrament der Taufe für Daron und Kara, den Kindern Kalveram und Lenia von Brassachs, zu feiern. Ranghohe Personen des ligoniischen und drachenhainer Adels zählten ebenfalls zu den geladenen Gästen. Vor der heiligen Zeremonie läuteten minutenlang die Glocken des Doms, um allen Gläubigen den bevorstehenden Festakt kundzutun und um die Gäste freundlich aber dennoch bestimmend auf die für sie vorgesehenen Plätze zu bitten.
Auf der ersten Bank des mittleren Segments des Dom-Hauptschiffes hatten Lenia von Brassach und Kalveram vom Norrland, auf ihren Schößen Kara und Daron, Platz genommen. Zu Seiten Lenias saßen die Taufpaten Karas: Der erste Ritter der Provinz Grauburg, Hagen von Grauburg, und die Baronin von Tlamana, Leabell von Ardelun. Zu Rechten Kalverams hatten ihre Erlaucht Herzogin Walluma von Ostarien und der ostarische Generalzeugmeister, Baron Jareck von Jolberg, die für die Paten Darons vorgesehenen Plätze eingenommen. Direkt hinter dem zukünftigen Markgraf von Norrland-Brassach, seiner Gemahlin und den hochrangigen Taufpaten nahmen die Familienmitglieder deren von Norrland-Brassach und die anderen Adligen aus den Provinzen Brassachs und dem Norrland samt ihrer Familien auf den mittleren Bänken des Hauptschiffes Platz: Talen und Larn vom Norrland, Anholt von Brassach, und nahezu alle Ritter Norrland-Brassachs hatten sich zu diesem festlichen und wichtigen Ereignis im Leben eines jungen Ceriden versammelt. Lediglich Rhoderich von Thalion, Herr von Thalion, blieb der Festivität aus gesundheitlichen Gründen fern und schickte indessen seine Tochter Rhodanthe in Begleitung eines Hauptmanns der Thalioner Wehr.
Das komplette rechte Banksegment des Hauptschiffes war über und über mit roten und schwarzen Gewändern übersät, die in ihrer Uniformität einen deutlichen Kontrast zu den vielen verschiedenfarbigen Gewändern des Hochadels und des Adels bildeten: Hohe Offiziere und Mitglieder der Priesterschaft der Templer zu Ankur hatten hier unter Führung des Ordensmarschalls Hadebrand von Grauburg und der anderen Ordensoberen ihren Platz gefunden, um an der Zeremonie teilnehmen zu können. Die geladenen adligen Gäste, vorwiegend aus Ostarien und Ligonii sowie Naum von Morogas, der auf Wunsch Prinz Leomars von Drachenhain in Norrland-Brassach verweilt und nochmals ausdrücklich die Glückwünsche seiner Hochgeboren Waldemar von Drachenhain und seines Sohnes Leomars übermittelte, füllten die linken Bänke des Mittelschiffes. Der ceridische Klerus Heligonias bildete einen separaten Block innerhalb der Adligen.
In den beiden Seitenschiffen des Domes verfolgte der versammelte niedere Adel Norrland-Brassachs dichtgedrängt den weiteren Verlauf der Zeremonie.

Wenige Augenblicke nach dem Verstummen der Kirchenglocken betrat der Abt von Tarnam, seine Ehrwürden Sebastian Vanius, in Begleitung von Bruder Gisberus, dem Beichtvater derer von Norrland-Brassach, den opulent ausgestalteten Altarbereich. Den versammelten gläubigen Ceriden war dies ein Zeichen, sich von ihren Sitzen zu erheben. Aber auch die versammelten ogedischen Gäste erhoben sich aus Respekt und Toleranz gegenüber den Andersgläubigen. Nach einer auch für Norrland-Brassach sehr gemäßigten Predigt, wohl aus Rücksicht auf die ogedischen Gäste, und verschiedenen ceridischen Lob- und Fürbitt-Gesängen ließ Sebastian Vanius Kalveram und Lenia mit den Taufkindern und den Paten vortreten. Entsprechend den ceridischen Traditionen taufte nun der Abt von Tarnam zusammen mit seinem Glaubensbruder Gisberus zuerst den Stammhalter der Markgrafschaft Norrland-Brassach auf den Namen Daron. Nachdem der kleine Kinderkopf mit geweihtem Wasser übergossen wurde, hielt Kalveram seinen schreienden Sohn hoch in die Luft und zeigte ihn der Menge, die diese Geste mit Applaus würdigte. Als dann die Zweitgeborene auf den Namen Kara getauft wurde, wiederholte sich dieses Schauspiel. Nachdem nun beide Kinder ceridisch getauft und von den versammelten Gläubigen Willkommen geheißen wurden, verließ die Festgemeinde unter der Führung des Abtes und des Beichtvaters und den Kindern auf den Armen ihrer Eltern den Dom durch das Hauptportal, um draußen an der kühlen Xurl-Luft vom versammelten Volk bejubelt zu werden ...

Anmerkungen zum Artikel ‚Ludmilla von Huldig ist tot'

(Fürstbischöflicher Hofkurier, Heliosbote 24)
Der oben genannte Spielzug ist zu ignorieren und gilt als nicht gespielt. Entgegen dem üblichen Vorgehen des gemeinsamen Abstimmens eines zu spielenden Events wurde der Artikel im friedländischen Teil des Boten gegen den ausdrücklichen Willen des betroffenen Spielers dennoch willkürlich abgedruckt. Dieser Umstand fiel leider erst nach der Verteilung des Botens auf, da die Friedland-SL der Spielleitung Heligonias gegenüber mitgeteilt hatte, der Spielzug wäre abgestimmt gewesen. Dies war eindeutig nicht der Fall! (MSp)

Der Tanzbär

Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias

Kein Weib bei der Nacht

In der Schenken. Was soll man auch tun in der Stadt
Wo man grade nur was zu erledigen hat
Gegenüber am Tisch ein Mann und ein Weib
Nie gesehen. Schwätzen zum Zeitvertreib
Kommt ein anderes Weib. "Isch der Platz da no frei?"
"Frei ischs schon. Setz di her. Bloß sag i dir glei
Ischs ums Geld, no hosch bei mir falsch gedacht
Weil I brauch nämlich
kein Weib bei der Nacht.

Beleidigt ists net und sie setzt sich zu mir
"Zahlsch mir wenigstens so a ganz kleines Bier?”
"Scho recht. Hol dei Bier. Aber na isch a Ruh!”
Und sie winkt dem Wirt und lächelt mir zu
Und wir schwätzen mit die anderen zwei
Aber mehr miteinand und trinken dabei.
Von ihrm Kind, von meim Gschäft, doch mir bleibt der Verdacht
Sie glaubt net, i brauch
kein Weib bei der Nacht.

Die andern zwei tanzen. Wir tanzen halt auch.
Mei Hand auf ihrm Ärschel, ihr Bauch auf meim Bauch.
Weiter oben druckt sie mir warm in die Rippen.
Des beeindruckt mi net. Auch net ihre Lippen
In Fahrt kommt man trotzdem und schwitzt auch dabei
Also geh i and Theke, bestell noch mal zwei
"Aber die zahlsch fei selber!” Sie nickt und sie lacht
Obwohls merkt, i brauch
kein Weib bei der Nacht.

S'wird später und später, die Schenke ist leer
Unsre Krüge sinds auch und mein Kopf ist mir schwer
"S'war schön, aber jetz gang i hoch in mei Kammer
Gut Nacht!” Schaut mi an: "Horch zu, s'isch an Jammer
I trau mi so spät net ufd Gaß hier am Hafen
Kann I net bei Dir in Deim Kämmerle schlafen?”
Was sagen? "Na gut, doch s'isch abgemacht
Mir wissen, I brauch
kein Weib bei der Nacht”

Der Wirt hält die Hand auf, i leg ihm was nei
I zahl eh schon zuviel, bloß jetzt simmer halt zwei
Die Stiegen hinauf. Das Bett ist arg schmal
Und zwischen zwei Leut paßt da net mal ein Aal
I leg mi schon hin und sie schlupft aus ihrm Hemd
Was mei B'herrschung schier über die Bettkanten schwemmt
Zwar dreh i mi um und halt an mi mit Macht
Doch i weiß schon, s'wird nix mit
kein Weib bei der Nacht

Denn jetzt legt sie mei Hand auf ihrn Bauch, was noch geht
bloß dann schiebts sie nach unten und dann ists halt z'spät
Drum schnapp i sie mir und net bloß mit der Hand
Und wir wuhlen und jagen im Bett umeinand
Daß der Geldsack von Wirt nimmer schlafen kann
Dann glaubt sie, das wars. Da fangs Küssen i an
An em Ort, wo des macht, daß sie schreit, hupft und lacht
Des brauchts halt manchmal
ein Weib bei der Nacht

Und dann schlafen wir ein und dann wachen wir auf
Und draußen, da nimmt schon die Sonn ihren Lauf
Und drinnen das Leben. I pack, es wird spät
Und sie liegt da und schaut, wie man schaut, wenn wer geht
I streichel sie nochmal und küß sie und sag
"I komm wieder ind Stadt in genau dreißig Tag
Wennd magst, na wartst in der Schenken ab acht
Aber weißt ja, i brauch
kein Weib bei der Nacht!”

(Gruß von Halfnet. Weißt schon, gell.)

Die Utzgolf-Sammlung ist fertig!

Seit Monden angekündigt wird das Projekt einer Sammlung der schönsten Geschichten des heligonischen Helden Utzgolf. Der Herausgeber Koldewaiht von Hautzensteyn hat nun 30 Geschichten zusammengestellt und mit einer Nachbetrachtung versehen. Auf dem diesjährigen Adelstag soll das Werk erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wer eine Ausgabe erwerben möchte, möge sich an die Hofschreiberin Talimee der königlichen Schreibstube, an Schillwunk Radeweyd aus der Tatzelfelser Schreibstube oder an den Herausgeber selbst wenden. Der Preis für die 130 Seiten ist uns noch unbekannt; er soll aber nicht über 10 Silberlingen liegen.

Termine

11.12. - 13.12.98 3. Heligonischer Adelstag auf Burg Wernfels
12.02. - 14.02.99 SL und NSC Treffen am Karlshof
12.03. - 14.03.99 Helicon 9 auf Burg Wildenstein
02.07. - 04.07.99 Helicon 10 im Landschlößchen Rockenbach
29.08. - 31.08.99 Koggenfahrt von Bremerhaven nach Helgoland
17.09. - 19.09.99 Helicon 11 in der JH Rothenburg o.d.T.
26.11. - 28.11.99 Helicon 12 auf Burg Hornberg bei Tübingen

Verehrte Leserschaft

Seit dem letzten Adelstage sind sieben Helios-Boten erschienen, deren Umfang erfreulicherweise reges Interesse widerspiegelt. Um unsere Arbeit erfolgreich weiterführen zu können, bitten wir um den alljährlichen Obulus von fünfeinhalb Silberlingen für die Botenlohnkasse der Schreibstube. Mit heligonischen Grüßen, Talimee

Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés Balluff, Marc Hermann
Berichte von Susanne Arbogast, Inés Balluff, Guido Brandt, Arnulf Breuer, Julia Fischer, Oliver Friese, Deborah Gläser, Steffen Heiß, Marc Hermann, Andreas Hils, Oliver Kraus, Johannes Pilz, Stefan Rampp, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger, Eike Simon, Markus Spree, Ellen Weiß