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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2. Poëna n.A.III 26
Ausgabe 27
Kronkurier
Wohin gehen, was sehen, haben wollen
Ein Mann ging mal übern Jolborn, sah schönes Land da und hat es gekauft. Für Heligonia! Und für das Ceridentum. Und auch n bißchen für sich. Die Leute da waren allerdings bißchen merkwürdig drauf und das hat alles nicht so gut geklappt, ständig wurde über den Jolborn hin und her geschifft und geärgert und nachdem nur wenige hundert Leute tot waren, hat irgend jemand das Land dann doch wieder abgestoßen und die Leute in Ruhe ihren eigenen Rahm rühren lassen. Der Mann blieb mit da, weil er nicht mehr so beliebt war.
Ein anderer Mann ließ mal den Jolborn hochfahren, ließ da schönen Wald sehen und ließ ihn roden! Für Heligonia! Und für die Ceriden in seiner Baronie. Und auch n bißchen für sich. Die Leute, die da oben rumhopsten, waren aber bißchen merkwürdig drauf und das hat alles nicht so gut geklappt, sie griffen Ostarien an und auch seine Rodung und während dort nur wenige hundert Leute plötzlich tot waren, hat sich der Mann das ganze anders überlegt und ließ die Ceriden doch da, wo sie waren und hat die felligen Leute in Ruhe ihre eigenen Rinder melken lassen. Dieser Mann blieb, wo er war, weil er noch einigermaßen beliebt war.
Jetzt sehen wieder mal Männer irgendwo zwischen Brazach und Jolborn schöne Hügel und Wälder und schnappen sie sich, für Heligonia und wieder mal für Ceriden und auch n bißchen für sich. Da hängen zwar auch schon fellige Leute und anderes Getier rum, klappt auch nicht immer so gut, aber macht nix, sind bisher nur wenige Dutzend Leute gestorben und n paar davon nur erfroren, zählt ja nicht. Wer wo am Ende in welche Suppe spuckt und welcher Mann wo bleibt, kriegen wir mit etwas Dusel schon nach unter tausend weiteren Toten mit.
Halfnet, wo nicht darunter sein wird und gern blutige Nasen zählt
Ach ja: Freue mich schon auf: Ein Mann sieht schöne weiße Berge im Schlangenkamm... Eine Frau sieht schöne Wellen in der Jolsee... und so weiter und so...
Gründung der "Ogeden für Heligonia"
Wie erst jetzt bekannt wurde, hat sich in Betis Anfang des 3. Saarka 26 n.A. ein Zirkel strenggläubiger Ogeden gegründet: die OFH - "Ogeden für Heligonia”. Die Wortführer der Betiser Versammlung waren die Saarkageweihte Lara Saarnen und der Heliosgeweihte Rawen Eilshorn. Gerüchten zufolge hat der Zirkel bereits mehrere Hundert Mitglieder in ganz Heligonia. Die Ziele der OFH dürften einige Zitate aus der Gründungsrede am besten veranschaulichen.
"Das strahlende Licht Helios wird verdunkelt - merkt Ihr es nicht? Die blauen Quellen Xurls sind verschmutzt worden - fällt es Euch nicht auf. In Poënas Leib klaffen Wunden - ist es Euch nicht bewußt? Saarkas kalte Klarkeit wird getrübt - merkt Ihr es nicht? Merkt Ihr all das wirklich nicht??? Seht Ihr nicht, was für ein unglaublicher, ungläubiger Schatten über unser Land gefallen ist von nunmehr neunzig Jahren? Glaubt Ihr nicht, es wäre an der Zeit, dem mit all unserem Willen, unserem Verstand mit der vierfacher Faust unserer Götter entgegenzuschlagen?”
"Neue Baronien in Drachenhain - ceridisch. Eine neue Markgrafschaft, allein ihre Entstehung ein unerhörter Vorgang - ceridisch. Dagegen müssen wir einstehen - doppelt, dreimal, viermal ogedisch!!!”
"Was uns das Ceridentum voraushat, ist Organisation. Die ogedischen Barone haben versucht, sich zu organisieren - doch sind sie auf trostlosen Pfade abgewichen, aus einem starken Führer wurden sieche Sprecher... Was wir brauchen, ist Führung und nur ein Narr scheut, von seinem Feind zu lernen. Geben wir uns wahre Ordnung! Geben wir uns Führung! Führen wir Heligonia in eine ogedische Zukunft! Ogeden für Heligonia!!!”
(Aus der Rede des Rawen Eilshorn, Heliosgeweihter, zur Gründung der OFH)
Die Drachenhainer Familie und ihr Geheimnis
Großes Aufsehen gab es am 12. des 2. Mondes 89 n.d.E. als dem Heliosboten durch einen Königlichen Boten folgende Mitteilung gemacht wurde. In einem Dokument welches Graf Waldemar vor genau achtzehn Jahren in die Obhut seiner allerdurchlauchtigsten Majestät gab kann man entnehmen, daß der älteste Sohn Graf Waldemars Wolfram von Drachenhain nicht der leibliche Sohn des stolzen Grafen ist, sondern nur an Sohnesstatt angenommen wurde. Das Dokument, das im Laufe der Jahre stark dem Zerfall anheim gefallen ist und durch Feuchtigkeit beinahe zerstört wurde, weist jedoch die Signatur eines Herzogs Alberich auf. Jedoch ist nicht mehr zu erkennen, aus welchem Land jener Herzog kommt. Das brisante Dokument, in dem immer wieder der Name eines Prinzen Answin erwähnt wird, wurde in einem verwitterten Kästchen aufbewahrt, in dem auch eine goldenes Medaillon lag. Das Medaillon weißt ein Wappen auf, welches einen schwarzen Wolfsadler auf goldenem Grund zeigt. Auf Wunsch seiner durchlauchtigsten Exzellenz Edmond de la Cruz, Fürstbischof von Friedland, wurde das Dokument nach Friedland übersandt. Am 13. des 3. Mondes wurde der Heligonischen Schreibstube durch einen Friedländischen Emmisär mitgeteilt, daß seine Exzellenz Edmond de la Cruz, fortan auf den Titel und den Namen Prinz Wolfram von Drachenhain verzichtet, und verfügte, daß das Hauswappen des Prinzen Wolfram von Drachenhain aus dem Königlich-Heligonischen Wappenbuch gelöscht wurde.
Ich ziehe die Kappe ein zweites Mal, diesmal vor der Wahrheit.
Die Zeit ist reif, ans Licht zu bringen, was ich mein halbes Leben lang mit mir
herumtrug. Nun, da sich alles in eine Richtung entwickelt hat, die keiner von uns vorhersehen konnte, würde die weitere Geheimhaltung jener lang vergangenen Ereignisse für meinen Herrn eine größere Schmach bedeuten, als wenn ich meinen Bericht veröffentliche, mit dem ich nun offenlegen werde, was bisher nur vier Personen im ganzen Königreich bekannt war. Ich sehe dies als meine Pflicht und Schuldigkeit gegenüber dem Haus und der Linie Drachenhain an, dem ich gerade in dieser Stunde meine Treue beweisen muß, auch wenn ich mir dadurch den Zorn des Grafen einhandle.
Kaum einer wird sich an das, was ich zu erzählen habe, erinnern. Auch mein Name wird den meisten entfallen sein, denn es ist lange her. Was ihn betrifft, will ich es dabei belassen. Er soll im Folgenden ungenannt bleiben. Meine Geschichte jedoch, die werde ich nach bestem Wissen wiedergeben. Denn ich weiß, was an jenem Tag geschah als das Kind "kam".
Es geschah zu der Zeit, da mein Herr meiner noch nicht überdrüssig geworden war; als er mich zuweilen rufen ließ, um Zerstreuung und Kurzweil zu finden, um mir sein Leid zu klagen, oder um sich ablenken zu lassen von den Alltäglichkeiten der hohen Politik, die ihn oft in sorgenvolle Stimmung versetzten. Meine Antwort blieb meist die selbe: ich grinste und schnitt Grimassen - was hätte ich anderes tun sollen, ich war der Hofnarr. Einmal jedoch gingen meine Dienste über die Pflichten eines einfachen Possenreißers hinaus.
Eines Abends, ich erinnere mich gut, wollte es mir nicht gelingen, meinen Herrn in der gewohnten Art zu erfreuen. Wieder und wieder schlug ich weite Räder, äffte den Primus nach, doch mein Herr saß nur stumm da und sah mir gedankenverloren zu. Mir war bekannt, was ihn so sehr bedrückte. Ich konnte ihn in dieser Nacht nicht erfreuen, und das wußte ich. Ständig fuhr er sich durch den dichten Bart, rückte nervös sein Gewand zurecht. Das tat er immer so, wenn er wartete...
Endlich trat die Amme zu ihm, den Blick gesenkt. Er wandte sich von dem Fenster ab, durch das er lange in die stürmische Saarkanacht hinausgeblickt hatte, sah sie an und fragte schließlich: "Wieder nur eine grüne Frucht?"
"Ja, Herr." Ich glaube, sie wollte mehr sagen, doch sie schlug die Hände vors
Gesicht und verstummte.
Stille folgte, dann: "Danke, Du kannst gehen. Kümmere Dich um Deine Herrin!"
Er winkte mir, näher zu kommen. Wie üblich nahm ich zu seinen Füßen Platz.
Er war tief bedrückt, das sah ich. "Nun frage ich dich, Narr, was bringt die
Liebe, wenn sie unfruchtbar bleibt?"
Ich grinste und machte Augen wie der Kellermeister - die Grimasse gelang, dem Grafen war jedoch ebensowenig zum Lachen zumute wie mir. War es das, was er von mir erwartete?
Er stand mit dem Rücken zu mir, ich konnte sein Gesicht nicht sehen. "Ist dies die Strafe der Götter?" fuhr er fort. "Oder handelt es sich hier um die erste Prüfung des Einen, ob mein Glaube tief genug ist?"
Vorsichtig rasselte ich mit der Schelle. Ich dachte nach. Wenn ich mich heute
dieses Moments entsinne, dehnt er sich in meiner Erinnerung zu einer kleinen Ewigkeit aus.
Ich legte meine Narrenschelle zu Boden.
Ich legte meine Narrenkappe zu Boden, meinem Dienstherren zu Füßen.
"Euer Hochgeboren, es heißt doch: Wen die Götter lieben, den prüfen sie.
Vielleicht trifft das auch auf den Einen zu", sagte ich leise. Mein Herz pochte.
Ich hatte Angst, es würde bersten.
Es schien mir, als habe mein Herr die Worte gar nicht vernommen.
"Ach wie ersehne ich mir ein Ende der Zweifel herbei, die mich Tag und Nacht
verfolgen. Wird der Spaten meiner Sehnsucht zu dieser Frau meiner Linie das Grab ausheben? Hätte ich nicht um ihretwillen meinen Glauben verraten, wäre ich jetzt vielleicht nicht abermals eines Erben beraubt. Wie lange warte ich jetzt schon auf ein Kind? Der junge König erwartet Stabilität! Stabilität, die ich ihm ohne Nachfolge nicht bieten kann."
"Herr, was niemand weiß, das gibt es nicht. Soll nicht ein Kuckuck es sein, der das ersehnte Ei Euch ins Nest legt?" "Unseliger! Was verlangst du von meiner Frau! Der Ehebruch ist dem EINEN ein Greuel!" Ein Hieb der großen, kampferprobten Faust des Grafen ließ mich die schmerzende Wange halten. "Nein, nein lieber Herr, mein Bild war ungeschickt.
Hört mich an: Die Nachtigall, die das falsche Ei ausbrütet, legt es nicht selbst." Eine Idee nahm Gestalt in meinem Kopf an, meine Worte wurden fester.
"Erinnert Euch an Alberichs Boten, den Ihr neulich empfangen habt."
"Beim EINEN, das ist es! Der Tag sei gesegnet, an dem ich zum ersten Mal deine Schelle erklingen hörte! So soll es sein - und an dir, mein treuer Narr, ist ein Staatsmann verloren gegangen."
Der Handel wurde beschlossen. Zu früh, wie es sich herausstellte, denn der Eine meinte es schließlich doch noch gut mit meinem Herrn: Das erste Kind, Syria von Drachenhain, wurde uns noch vor jenem Kuckucksei geschenkt. Und auch nach der vereinbarten Adoption Wolframs empfing Richiles noch einen Nachkommen von ihrem Gemahl: Leomar.
Weil aber der Graf nunmehr sein eigen Fleisch und Blut in der Thronfolge sehen wollte, wurde bald offensichtlich, daß der damit unerwünschte Nachkomme wiederum anderweitig untergebracht werden mußte. Also wurde aus Dank für die Gnade, die dem Grafen durch den Einen widerfahren war, eben jenem der Sohn als Novize geschenkt.
Und Wolfram, auf alles Weltliche verzichtend, wurde einer der einflußreichsten Kirchenfürsten des Ceridentums.
Sein Name war fortan Edmond de la Cruz.
Jahrzehnte vergingen, nach dem tragischen Tod unserer geliebten Gräfin blieb das Geheimnis zwischen dem König, dem Grafen und mir - bis heute, bis jetzt.
Ich wünschte ich hätte mir die Zunge herausgeschnitten in jener Nacht, als ich die Schelle für einen kurzen Moment verstummen ließ und diesen unheilvollen Plan ersann. Doch wie hätte ich um das Unheil wissen können, das aus dieser Sache entstehen würde. Hochverrat, Unglück und Feindschaft waren die Ernte der Saat, die ich streute.
Möge der Eine mir gnädig sein.
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Helios Schein erleuchtet die Glaubenden! Saarkas Fackel verbrenne die Ungläubigen!
Ein starker Beschützer, ein unerbittlicher Gegner - was soll die OFH für DICH sein?
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Bericht über die entsandte Expedition der hohen königlichen Reichsbibliothek zum fernen Pailat.
Escandra, 3. Xurl des Jahres 26 nach Helos Aximistilius III.
Nachdem sich die gesamte Gelehrtenschaft von Universität und Bibliothek für einen Tag versammelt hatte, um über die Auswahl der geeigneten Kandidaten zur Teilnahme an der von Bibliotheksverweser Rolvanus Esgadran von Carajon angeordneten Expedition in die ferne Ordensburg des Pailat zu entscheiden, konnten spätabends 34 Freiwillige verpflichtet werden, die sich binnen einer Woche auf den Aufbruch vorbereiten sollten. Da es sich bekanntermaßen um ein gefährliches Unterfangen handeln würde - immerhin hatte man vor, in unbesiedeltem Gebiet am Rand der Ödlande entlang in ein entlegenes Hochtal vorzudringen - wurde eine Summe von 1200 Dukaten bereitgestellt, um in Ankur für die nötigen weiteren Informationen, Ausrüstung und Personal zu sorgen.
Ankur, 1. Saarka Rolvanus Esgadran hatte eigens seine Reiseroute zum heligonischen Adelstag über die prächtige ostarische Kapitale Ankur gewählt, um den Expeditionsteilnehmern zu helfen, die letzten Vorbereitungen zu treffen. Dank seines beträchtlichen Einflusses gelang es ihm, den ostarischen herzöglichen Hofchronisten Karlon vom Storcheneck zu gewinnen, der ihm bei der Ausrüstung der gelehrten Reisegruppe mit seinem Rat zur Seite stand, war er doch im Zuge des Feldzugs seiner Hochwohlgeboren, Baron Jareck von Jolberg selbst bis in die Nähe der Klosterfestung gelangt.
Leider stellte es sich heraus, daß die bereitgestellte Summe bei weitem nicht ausreichte, um das von Karlon vom Storcheneck empfohlene Personal nebst Ausrüstung zu stellen. Rolvanus Esgadran bestand jedoch dennoch auf der Entsendung der Expedition, die - nunmehr um 20 Söldner und vielerlei für gelehrtes Volk einigermaßen befremdlichen Gerätschaften bereichert - auf eines der neuen Brazachpostschiffe warteten, das die mutigen Schreiberlinge nach Brazfurt bringen sollte.
Yaldering, 3. Saarka
Einige Piraten-, Wegelagerer-, Wolfs-, Bären-, und Brazachkatzenangriffe später erreichte die auf insgesamt 38 Mitglieder zusammengeschrumpfte Delegation aus dem fernen Escandra das winterliche Armeelager. Obgleich freundlich begrüßt, stellten die gänzlich unerwarteten Besucher ein Problem dar: man war in keiner Weise auf ihre Unterbringung vorbereitet, die, wie die niedergeschlagenen Gelehrten hinnehmen mußten, mindestens solange vonnöten bleiben würde, wie die Vaitaschlucht unpassierbar sein würde.
Etwas Austausch und einige interessante Studien konnten dennoch in der von zwei Ordensleuten gehaltenen Klostervertretung in Yaldering betrieben werden.
Pailat, 1. Poëna
Zum frühstmöglichen Termin begannen die 20 verbliebenen Schreiber und Bibliothekare mit ihren zehn Maultieren (alle Söldner sollten auf Geheiß der Ordensleute in Yaldering verbleiben, ebenso alle Waffen und Rüstungen) den Aufstieg in das ungastliche Hochland, in dem immer noch Schneestürme und eisige Kälte herrschten. Doch dank der beiden Ordensleute, die zur Ablösung in die heimatliche Ordensburg zurückkehrten, erschien nach zwei Tagen des Suchens endlich die imposante Silhouette des Pailat vor den Besuchern. Angesichts der Entbehrungen der letzten Monate zu niedergeschlagen, um über das Erreichen des Ziels in Begeisterung zu verfallen, nehmen die Expeditionsteilnehmer die Ankunft gleichmütig hin. Die Delegation wurde im Pailat aufgenommen und bekam großzügige Räumlichkeiten in den unteren Geschossen des erstaunlich großen Hauses zugewiesen, die ihr bis zur Fertigstellung eines geplanten Gästehauses in Galtur zu ihrer Verfügung stehen. Die gefrorene Tinte, in einem der beheizten Räume des Pailat gelagert, wurde nach langen Wochen der Erstarrung wieder in einen verwendbaren, flüssigen Zustand versetzt damit bald möglichst mit dem gegenseitigen Wissensaustausch und dessen Archivierung begonnen werden kann. Den Schreibern und Bibliothekaren wurde dazu der Zugang zu verschiedenen Hallen der Ordensburg-Bibliothek gewährt. Die Sichtung der dort lagernden Werke und Schriftstücke wird voraussichtlich bis in das Jahr 27 andauern. Einige der entsandten Gelehrten versuchen die vielen Fragen zu beantworten, die die Ordensleute stellen und die mitgebrachten Schriften aufwerfen. Als Gegenleistung vermitteln die Ordensleute ihre bescheidenen Kenntnisse auf dem Gebiet der Alten Sprachen, die für das Verstehen vieler Schriften des Pailat von großer Wichtigkeit sind.
Bekanntmachung der hohen königlichen Reichsbibliothek zu Escandra
Mit Erlaubnis des Vorstehers der Ordensburg zu Pailat wird die hohe königliche Reichsbibliothek zu Escandra im 1. Helios des Jahres 27 nach Helos Aximistilius des III. mit dem Bau einer ständigen Vertretung in der Stadt Galtur zu beginnen.
Wagemutige Baumeister, Handwerker und Helfer werden daher gebeten sich bei der Reichsbibliothek zu Escandra zu melden. Die Entlohnung für den Bau der Vertretung wird den Umständen entsprechend berechnet.
An alle freien und organisierten Gelehrten im Reiche!
die Fakultät zur Beobachtung und Deutung der Gestirne und ihrer Bewegungen nimmt hiermit ihre Tätigkeit auf. Alle Interessierten sind hiermit gebeten, Beiträge und Anregungen zu der Forschungstätigkeit zu leisten oder sich zu Zwecken des Unterrichts zu melden.
Interessierte melden sich bitte bei der Universität zu Escandra, der Heligonischen Schreibstube oder direkt bei dem Institut. Die Meldungen werden dann an die zuständige Stelle weitergeleitet. gez. Rasmus Adastrasus
(Marc Gebauer, Schmiedstr. 5, 72820 Sonnenbühl, 07128/2941 Rasmus.Adastrasus@gmx.de bzw. Marc.Gebauer@Student.FH–Reutlingen.DE)
Betiser Tribüne
Ausrufung der Stadtratswahlen
Hiermit werden, traditionell ein halbes Jahr vor dem betreffenden Tage, die Stadtratswahlen zu Betis am 26.Tage des 1.Xurl n.A.III 27 ausgerufen. Wahlberechtigt soll ein jeder freier Bürger der Stadt Betis sein, welcher vorweisen kann, ohn' jeglich Schulden zu sein und nicht wider die göttlich' heligonische Halsgerichtsordnung in einem schweren Falle verstoßen zu haben.
Gewählt werden sollen die Mitglieder des Großen Rats zu Betis aus den Reihen der edlen Mitglieder der Liliengilde. Der gewählte Rat soll seine Gültigkeit behalten bis nach zwei Jahren erneute Wahlen erfolgen. In der Gilde der Lilie sind vertreten die edelsten Familien der freien Reichsstadt Betis, mit Namen genannt:
- als momentane Mitglieder des Hohen Rates
die Familie Amer
die Familie Mahonn
die Familie Corvese
die Familie Petterson
die Familie Stäubesand
die Familie Montbars
die Familie Quintanilla
die Familie Vermeer
die Familie Esteban
- mit Sitz im Großen Rat
die Familie Seferin
die Familie Remberdt
die Familie Raphlecia
die Familie Fiedrischinger
Eine Jegliche Familie, die der Gilde der Lilie bis zum 1.Tage des 1.Xurl n.A.III 27 beigetreten ist, soll gleichfalls gewählt werden können von den Bürgern Betis'.
Nach dem Anteil der ihnen zugedachten Stimmen werden die Familien die Mitglieder des Großen Rates stellen. Diese wiederum wählen aus den Vertretern einer jeglichen Familie mit Sitz im Großen Rate die neun Mitglieder des Hohen Rates, von welchen derjenige, auf den die höchste Zahl der Stimmen entfällt, der Vorsitzende des Stadtrates zu Betis sein soll und damit die Stadt für die nächsten zwei Jahre führen wird. Welcher jedoch an Stimmen die zweithöchste Menge bekommt, soll dessen Stellvertreter sein. Zu diesen Neunen im Hohen Rate wird der Baron von Welzen, seine hochwohlgeboren Baron Beorric von Wulfenstein als zehntes Mitglied vertreten sein.
Neue Spielzeit des Betiser Theaters feierlich eröffnet
Am 21.Tage des 1.Poëna wurde in aller Feierlichkeit die Spielzeit des Jahres 28 n.A.III mit einem großartigen Fest, welches sich über ganz Betis erstreckte, eröffnet. Diese beginnt ganz nach Tradition in den ersten warmen Tagen nach dem Winter des sich zum Ende neigenden Jahres, also noch im Jahre 27 n.A.III, und wurde vom Ehrengast der Feierlichkeiten, Baron Herian von Carajon, mit folgenden Worten eröffnet: " Das neue Betiser Theaterjahr mag uns das bringen, was es auch in den vergangenen Jahren so einzigartig gemacht hat: Eine Herzlichkeit, mit der wir empfangen werden, ein Vergnügen, das es uns bereitet und vor allem die Geschichten des Lebens, die in unsere Herzen getragen werden. So sei die Spielzeit des Betiser Theaters im Jahre 28 n.A.III hiermit eröffnet und uns aufs feinste willkommen.”
So stellte die große Eröffnungsgala mit der vielgefeierten Premiere des Stückes "Tod eines Darianischen Händlers” zwar das Herzstück der Feierlichkeiten zu Betis dar, war aber noch lange nicht alles, was in der Stadt am Brazach-Delta geboten wurde. Dank der ersten warmen Tage nach dem Winter konnte so auch im Betiser Stadion ein großartiger Wettkampf mit vielerlei Pferde- und Wagenrennen stattfinden. Vom Helos-Platz aus machte sich ein prachtvoller Zug buntgeschmückter und maskierter Menschen auf den Weg durch die gesamte Stadt, um schließlich mit den am Theater Feiernden zusammenzutreffen.
Ein erstes Willkommen für den neuen Herrn von Lindfurt
Wenige Tage nach der Aufteilung der Baronie Jolbenstein in mehrere Provinzen und die daraufhin folgende Ernennung der neuen Herrscher besuchte Pater Savinio Mantegnus, vertretend für die Familie Corvese aus Betis, den Herrn der Abtei Lindfurt, Abt Ditonius von Lindfurt. Es wurde verlautbart, die Familie Corvese freue sich über die friedliche Beilegung des Konfliktes in Jolbenstein und begrüße in aller Form den neuen Nachbarn Betis' am Brazach-Delta. Als Begrüßung zur Amtsübernahme überreichte Pater Mantegnus dem Abt ein altes Gemälde welches vom Anbeginn des Ceridentums in Heligonia stammen soll. Nach den Worten des Paters soll dieses Gemälde den Dom zu Lindfurt schmücken, welchen die Familie Corvese mittels einer großzügigen Spende wiederaufzubauen helfen wolle.
Eine Schande für den Stand der Reichsstadt
Trotz der nur zurecht geschehenen Unleserlichmachung der Rede des Stadtratsältesten zu Quellstedt im letzten Helios-Boten, verbreitete sich der Unsinn den dieser Vertreter Quellstedts verfocht in ganz Heligonia und kam so auch uns, dem Stadtrat zu Betis zu Ohren. Und so möchten wir auch gar nicht auf die ganzen anderen unverzeihlichen Fehler des neuen Stadtrates aufmerksam machen, hat uns diese Last doch Amtsdirektor Egbert von Vogelberg schon im letzten Boten abgenommen, wofür wir ihm herzlich danken möchten.
Nein, vielmehr wollen wir hiermit zum Ausdruck bringen, daß der Stadtratsälteste, mit seiner ohne Zweifel von kindlicher Logik bestechenden Hetzrede, keinesfalls mit der Zustimmung des Stadtrates von Betis rechnen sollte. Er mißbrauchte den von Quellstedt erworbenen Rang als freie Reichsstadt schändlichst und ist wohl der Meinung er könne sich nun Dinge erlauben, für die Andere, zurecht, aufgeknüpft werden. Es ist bemerkenswert welche Gedanken wohl im Kopf des Stadtratsältesten vor sich gingen, so ist er anscheinend der Meinung, Quellstedt unterstehe nun auch nicht mehr der heligonischen Halsgerichtsordnung, was ihn gleich dazu veranlaßte, gegen dieses göttliche Recht aufs Schlimmste zu verstoßen. Wir erlauben es uns, an dieser Stelle nicht die einzelnen Punkte der Rede zu diskutieren in Anbetracht der Lächerlichkeit derselben in ihrer Gesamtheit. Es verwundert wie ein solcher Mann in den Stadtrat gewählt werden konnte, bedenkt man seine offenkundige Abneigung gegen sämtliches heligonisches Recht, welche höchstwahrscheinlich nicht erst seit diesen Tagen besteht. So macht es Angst, da in diesem Rat noch weitere neunzehn Mitglieder sitzen, die von gleicher Überzeugung sein könnten, wovon uns der Eine bewahren möge. Doch möchten wir dies nicht beschreien, nein, wir sollten unsere Hoffnungen in sie setzen, es endlich zu schaffen, ihr verfluchtes teemooranisches Erbe von Bord zu werfen, und der Würde, die der Stand einer freien Reichsstadt verlangt, auch gerecht zu werden.
Was wir velangen, ist ein Zeichen des Stadtrates zu Quellstedt, einen Schritt in diese Richtung zu machen und deshalb den Stadtratsältesten Theo Franzler unverzüglich sämtlicher Ämter zu entheben und ihn gemäß Kapitel 2, Artikel 8 der heligonischen Halsgerichtsordung anzuklagen. Die edlen Damen und Herren Heligonias mögen verzeihen was im Namen einer freien Reichsstadt angerichtet wurde und in ihrer Weisheit die törichte Rede als das beurteilen, was sie ist: die Meinung eines Verräters, der in der rebellischen und jedes göttlichen Rechtes verachtenden Tradition Teemooraniens steht und deshalb unverzüglichst seine gerechte Strafe erfahren sollte.
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
Was sich schickt
-Georg am Armis Elchslederkollektion
-Bernsteinketten
-Statuetten fliegender Burais -Kriegsheimkehrer
-Gedichtbände und Geschichtensammlungen
-Botenbeiträge bezahlen
und was nicht
-friedländische Reliquien
-extremistische Glaubensgemeinschaften
-Buraileder
-Prinzensuche
-verschollene Familienschriftstücke
-rebellische Stadträte
Der Handelsprophet
Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 7 Kreuzer
Elchsleder 1 m² 1 Dukaten
Ameryll 1 kg 1 Dukaten und 5 Groschen
Schaf (hochländisch) 5 Dukaten und 6 Groschen
Schaf (tiefländisch) 8 Dukaten und 7 Groschen
Met 1 Flasche 6 Kreuzer
Wein (Rebenhainer) 4 Kreuzer
Bernstein 1 gr. geschliffen 4 Dukaten und 6 Groschen
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Wir treffen uns in BETIS, wo die hohe Kultur zuhause ist
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Stadtgeschehen
Viel Aufsehen erregte Georg am Armis Präsentation der neuen Poëna-kollektion. Experten sprechen von einer Revolution der Modewelt.
Die Betiser Händlerfamilie Pasdrigosa überrascht den Markt mit sensationellen Umsätzen im Stoff- und Lederhandel. Nach der Absage des Utzganspiels in der letzten Woche waren leichte Ausschreitungen im Hafenviertel zu verzeichnen. Sprecher der Garde ließen verlautbaren, daß zu keiner Zeit eine Gefahr der Ausweitung der Gewalt bestand.
Wunderkind Bonifazio verzauberte die kritischen Zuhörer am vergangenen Frontag mit geradezu fliegenden Fingern, die seiner Flöte gar göttliche Töne entlockten.
Die Lotsengilde forderte in einer Ansprache auf dem Helos-Platz als Anerkennung ihrer Arbeit eine Erhöhung der Mindestentlohnungen für Personentransporte nach der sechsten Stunde.
Angaheymer Rufhorn
Mysteriöse Vorfälle in Angaheym
Am Vormittag des 28. Tages der 1. Poëna erreichte ein Bote aus Angaheym die Burg zu Sarniant, kurz darauf ließ die Baronin mit ernster Miene ihr Pferd Satteln (das erste Mal seit ihrem schweren Unfall) und brach in größter Eile nach Angaheym auf, nur von Grarim, dem Hauptmann ihrer Leibwache, begleitet.
Erst am späten Abend kehrten die beiden zurück. Tiefe Sorgenfalten hatten sich in Grarims Stirn eingegraben, die Baronin dagegen verlangte mit tränenverschleierten Augen nach einer Flasche Ischgi und schloß sich damit in ihren Gemächern ein.
Einigen vorsichtigen Recherchen zufolge erfreuen sich die beiden Angaheymer Großerltern Josephinas nach wie vor bester Gesundheit, ebenso ich Vetter Leif Stahlschulter. Was ist also geschehen? Ich hoffe, dem geneigten Leser baldmöglichst neue Erkenntnisse bieten zu können.
Brennus Palimpsest
Fürstlicher Thaler Hofchronist
Poëna Feierlichkeiten in ganz Thal
Nachdem nun Saarka beschwichtigt wurde, und sich zufrieden über den vergangenen Winter in den Schlangekamm zurückzog, sind nun die Felder und Menschen Thals voller Vorfreude auf das erwartete Kommen Poënas. Dieser Winter war wirklich mehr als Kalt, sogar Teile des Koronflusses in Güldental waren zeitweise so fest gefroren, dass man darüber auf das andere Ufer laufen konnte. Was den Winter für die Menschen in Thal noch betrüblicher und kälter machte, ist auch die Tatsache, daß das letzte Lebenszeichen des Prinzen von Thal nun schon mehrere Monate zurückliegt. Jeder denkt an das Unausweichliche, welches so klar vor Augen steht, und doch hofft man zusammen mit der fürstlichen Familie.
So fielen auch die Frühlingsfeierlichkeiten zur Begrüßung Poënas dieses Jahr gedämpfter aus, obwohl sie sich bereits früh ankündigte und der erste Sommerweizen bereits gesäht ist, damit die Felder rechtzeitig zur zweiten Saat wieder abgeerntet werden können. Die Poëna Hochgeweihte sprach im Beisen des Hochadels des Landes ihren Segen für Mensch, Land und Tier, wie in jedem Jahr.
Leider, oder viel mehr verständlicherweise, blieb alles ohne den gewissen Glanz der sonst Hochanthan erfüllt, wenn sich die Barone Thals treffen, um das kommende Jahr zu besprechen, und um den Segen und die Weisheit der Götter zu bitten. Ein Schatten lag über dem Land, den die Sonne mit ihren ersten warmen Strahlen etwas mildern konnte.
Ritinus Federschwinger, Hofchronist zu Hochanthan
Bericht über die Hilfsaktion des Ogedenbundes in der Baronie Welzen
Bericht zur vorgefundenen Lage
Vom 30. Tag des 3. Xurlmondes bis zum 18. Tag des 1. Saarkamondes im Jahre 26 n.A.III hielt ich mich mit meinem Knappen Arandis anläßlich der geplanten Hilfsaktion des Ogedenbundes zum ersten Mal in der Baronie Welzen auf. Wie wir feststellen konnte, hatte Baron Beorric von Welzen die Flüchtlingssituation schon im Griff. Die Handwerker hatten schon ausreichende Unterkünfte für die heimatlos Gewordenen errichtet, wo sie vor den Unbilden des Winters Schutz finden konnten. Auch die Verpflegungslage ließ keinen Grund zur Sorge erkennen. Nur bei der Sicherung der Grenzen ruhte eine Last auf Baron Beorric von Wulfensteins Schultern, die wir versuchten, ihm wenigstens teilweise abzunehmen. Zudem sollten strategisch günstige Stellen für Wehrburgen gefunden werden, um fürderhin jegwelche Übergiffe leichter beantworten zu können. Unser Patrouillenritt konnte die beschriebene Lage und die daraus resultierenden Planungen Baron Beorrics voll und ganz bestätigen. Nach unserer Rückkehr vom Adelstag gingen wir daran, die gefaßten Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Tag 1
Nach erfolgter Genesung habe ich am ersten Tag meiner Rückkehr in der Baronie Welzen sofort die Arbeiten wieder aufgenommen. Baron Beorric hat mir einen Trupp von 50 Mann unterstellt, den ich umgehend inspiziert habe. Nach eingehender Prüfung der Fähigkeiten der mir überstellten Männer habe ich die Soldaten in 5 Trupps á zehn Mann aufgeteilt. Den Rest des Tages haben mein Knappe Arandis und ich mit dem Studium der Karten der Baronie verbracht, um uns einen Überblick über die zu sichernden Gebiete zu verschaffen.
Tag 2
Nach reiflichen Überlegungen werden zwei der Trupps zur Sicherung des Flußdeltas eingesetzt, während ein dritter die Grenze südlich des Deltas überwacht. Die Reiter sind umgehend von Wulfenstein aufgebrochen. Die restlichen beiden Trupps habe ich als Reserve zurückgehalten. Wir sind Baron von Wulfenstein vorstellig geworden und haben ihm vorgeschlagen, an der Südspitze des Flußdeltas die erste Wehrburg zu errichten. Dort soll vorerst ein provisorisches Lager für die Grenzpatrouillen errichtet werden. Die eigentlichen Bauarbeiten an der Wehrburg sollen baldmöglichst im Frühjahr beginnen. Baron Beorric hat dem Standort nahe des Dorfes Hirschsprung zugestimmt und mir ein Schreiben übergeben, das die Bewohner des Dorfes zur uneingeschränkten Hilfeleistung anhält.
Wie haben Proviant für einige Wochen aufgenommen und unumgängliches Werkzeug auf Packtiere verladen. Ein Meldereiter ist unterwegs nach Betis, um dort die Verflößung des notwendigen Baumaterials zu veranlassen. Wir sind mit am Nachmittag mit den restlichen beiden Trupps und den Packtieren aufgebrochen und haben am Abend Lager am Fluß bezogen.
Tag 4
Wir sind heute in Hirschsprung angekommen und haben mit den Herrichten des Bauplatzes für das zukünftige Lager begonnen. Der Dorfvorsteher Geron Haferstett ist von unserem Erscheinen nicht wirklich erfreut, aber er hat uns Unterstützung zugesichert. Bis zur Fertigstellung der Unterkünfte hat Haferstett für alle Soldaten für ein warmes Lager gesorgt.
Tag 8
Heute ist das Baumaterial aus Betis angekommen. Der Trupp, der das nördliche Deltateil sicherte, ist ebenfalls eingetroffen und an seiner statt ist der zweite Trupp aus dem Südteil des Deltas in den Norden gewandert, während der Trupp entlang des Flusses nun den südlichen Deltateil sichert. Ich habe Arandis mit einem der Reservetrupps südlich des Deltas geschickt, damit er sich vor Ort ein Bild von der Lage machen kann. Wir werden diesen Wechsel dreitägig vornehmen, so daß ein Trupp immer neun Tage auf Patrouille und anschließend sechs Tage im Lager verbringen kann.
Tag 13
Fortgang der Bauarbeiten
Tag 16
Ein Bote von Arandis´ Trupp gegen Mittag ins Lager und hat mir berichtet, daß des nächtens ein Feuer gesehen wurde. Als man der Spur an diesem Morgen nachging, traf man auf einen Trupp Friedländer, der der Patrouille an Zahl nicht nachstand. Ich bin sofort mit den beiden Reservetrupps aufgebrochen und hieß den Boten, uns den Weg zu weisen.
Gegen Nachmittag haben wir unsere Patrouille gefunden und uns um die drei Verwundeten gekümmert. Arandis, dessen blutige Stirn mir verhieß, aus erster Hand etwas über die Verwundung welzener Soldaten zu erfahren, hat mir Bericht erstattet.
Es war wohl so, daß der Patrouillenführer Tuchfühlung mit den Friedländern halten wollte, diese seine Absicht jedoch bemerkten. Die Unwegsamkeit des Deltas sich zunutze machend, wurde ein Hinterhalt gelegt, dem die beiden führenden Reiter zum Opfer fielen. Auf meine Frage, weshalb er dann verletzt wurde, gestand Arandis, daß er den Befehl des Patrouillenführers mißachtend den beiden wohl etwas ungestüm zu Hilfe eilte. Es gelang jedoch in dem darauffolgenden Scharmützel, die Verwundeten zu bergen und den Trupp in sichere Entfernung zu bringen.
Es erschien mir geboten, mit allen mir zur Verfügung stehenden kampffähigen Männern diese Angelegenheit schnell und endgültig zu klären. Als das Dutzend Friedländer der Übermacht gewahr wurde, kamen wir sehr schnell zu einer Übereinkunft. Die Friedländer ließen sich entwaffnen und ihre beiden Verwundeten gemäß ogedischer Nächstenliebe versorgen.
Die Patrouille wurde angewiesen, die Friedländer in ihre Heimat zu geleiten, der nicht mehr reitfähige verwundete Soldat kam mit uns zurück ins Lager.
Tag 17
Die überfallene Patrouille ist heute zurückgekehrt und wußte von keinen weiteren Vorfällen zu berichten.
Tag 20
Der Patrouillenführer der heute mit seinem Trupp zurückgekehrt ist, hat mir von einer Handvoll Friedländer berichtet, die sich bereitwillig über die Grenze zurückzogen, als er sie auf ihre Verfehlung aufmerksam machte.
Tag 23
Die Holzunterkünfte wurden heute fertiggstellt. Zur Feier des Tages erhielten die Anwesenden eine Ration Branntwein. Mir scheint, daß Arandis einige Kontakte zu den Dorfbewohnern geknüpft hat.
Tag 25
Arandis hat mir berichtet, daß es im Dorf einige Engpässe an Nahrungsmitteln gibt. Da wir überreichen Vorrat an Proviant haben, werde ich einen Teil davon an das Dorf abgeben lassen. Ich verspreche mir dadurch eine Verbesserung des Umgangs miteinander. Die ersten Reaktionen scheinen mir recht zu geben.
Tag 26
Die heute zurückkehrende Patrouille hat mir von einigen Friedländern Kunde gegeben, die sie jedoch ohne große Probleme auf ihre Seite des Jolborns verweisen konnten. Arandis hat sich dem ausrückenden Reservetrupp angeschlossen.
Tag 29
Auch heute wußte der Patrouillenführer von friedländischen Flüchtlingen zu berichten, die man wieder über die Grenze geleitet hat. Die Häufigkeit der Grenzverletzungen lassen mich zu dem Schluß kommen, daß es angeraten ist, dem entgegen zu wirken. Ich habe einen Reservetrupp angewiesen, Schilder entlang der Grenze aufzustellen, die die Friedländer auf ihre Verfehlung hinweisen sollen.
Tag 32
Der am heutigen Tage von der Patrouille zurückkehrende Trupp wußte zu berichten, daß die Zahl der Grenzübertritte eher zu- als abnimmt. Nun ja, vielleicht müssen wir den Schildern mehr Zeit einräumen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
Tag 35
Heute kam Arandis mit der Patrouille zurück. Die Wirkungslosigkeit der Schilder ist mir nun klar. Nach seiner recht ausführlichen Schilderung war keiner der angetroffenen Friedländer des Lesens mächtig. Den meisten schien es nicht einmal klar zu sein, daß sie eine Grenze überschritten hatten. Ich habe daraufhin Auftrag gegeben, Grenzsteine mit unmißverständlicher Symbolik zuhauen zu lassen.
Tag 37
Es scheint mir, daß ich meinem Knappen Arandis bisher zu wenige Aufgaben zugeteilt habe. Er hat heute einen Goldhirsch erlegt. Ich habe ihn getadelt und das Wildbret sehr genossen.
Tag 38
Es gibt außer den obligatorischen Grenzübertritten der Friedländer nichts neues.
Ritter Leonidas von Rabenweil
Anmerkung: Der zweite Teil des Berichts wird im nächsten Helios-Boten erscheinen.
Ich wär auch gern Thaler Soldat
Da schau her, die Thaler.
"Nach seiner Rückkehr vom Adelstag auf Burg Jolberg erließ Hauptmann Kilian Weizenkeim folgenden Befehl”
So, da hat der Hauptmann in Jolberg wohl was gelernt. Schön. Was befiehlt er denn?
"'Wie halte ich mich fit' wird gestrichen, dafür gibt's nun 'Koordination von Körperbewegungen'”.
Das versteht kein Mensch und schon gar kein Soldat und ich glaube kaum, daß der gute Jareck so was seinen Gästen verzählt. Der Häuptling muß was anderes gelernt haben und er will nicht gleich sagen, was.
"Das Ziel dieser Übungen soll sein: Kennenlernen des eigenen Körpers; Bessere Körperbeherrschung, Erlernen von Bewegungsabläufen, Steigerung der eigenen Einsatzfähigkeit”
Komisch, da fällt mir n altes Lied ein: 'Mein Onkel kommt aus Ankur, Ankur ist ein Bor...' - das ist vielleicht bißchen voreilig, aber so langsam wird mir klar, was nicht bloß Soldaten in Jolberg-Ställen lernen...
Kennenlernen des eigenen Körpers erinnert bißchen an einsame Jugendzeit, die Bewegungsabläufe konnte man aber erst zweisam richtig lernen, was bei lustigem Üben zu besserer Körperbeherrschung führt - und damit die Einsatzfähigkeit ganz schön steigert. Alles freut sich, auch der Soldat. Und wie wird's gemacht?
"Dies soll erreicht werden durch Vorlesungen zu Lehre des Körpers, Praktika zur Körperbeherrschung, Spielerisches Erlernen von bestimmten Bewegungsabläufen (u.a. Hupfgummi).”
Alles klar Jungs. Der Häuptling liest saftige Geschichten vor, alles samt bei Praktika, die dürften besonders beliebt sein und die Hupf- und Zupfgummis kennt auch jeder.
Und sowas läßt der Bartfürst zu?
Natürlich. Der ist nämlich schlau. Auf der nächsten Seite liest man, daß gerade der Hauptmann dieser Schweinetruppe den Prinzen suchen soll. Die Thaler Oberfüchse haben sich endlich überlegt, wo ihr Prinz wohl abgeblieben ist - da wohin schon andere Männer abgehauen sind, wenns mit der Hochzeit nicht geklappt hat. Und jetzt ist bald ne Spezialtruppe unterwegs, die immer früh zu Bette steigen wird, bis einmal Barthas Söhnchen drin liegt. Das darf natürlich nicht jeder wissen, deshalb dieses leere Gefasel drumrum.
Prinz Anselm kommt in Ankur...
Halfnet, wo einsieht, daß Vater und Sohn Thal ganz schön schlau sind
Die Garde von Anthan gibt bekannt :
" Überraschender Fund bei Suche nach Prinz Anselm !"
Vor wenigen Tagen erreichte uns eine Nachricht von Hauptmann Weizenkeim, welcher die Ermittlungen zu Prinz Anselm leitet :
" Nach mehreren Wochen erschwerlicher Arbeit war die Stimmung der Truppe auf ihr niedrigstes Niveau gefallen. Die Hoffnung, den Thronfolger doch noch lebend zu finden, wurde in keinster Weise bestätigt. Jeder noch so kleinen Spur wurde intensiv nachgegangen. Doch blieb der Erfolg meist aus. Es war zum Verzweifeln. Sollten sich die Gerüchte um Prinz Anselms Ableben doch bewahrheiten ? Ein gar schauerlicher Gedanke !
Doch gab es jüngst einen Hoffnungsschimmer. Ein Ereignis, welches das Lächeln zurück auf unsere Gesichter brachte.
Er muß hier gewesen sein. Man spürte fast schon seine Präsenz. In dieser Hütte hat er einige Zeit verbracht. Daran besteht kein Zweifel. Doch fanden wir nicht nur eine Spur von Ihm, sondern auch einige andere Gegenstände, deren Fund uns in Erstaunen versetzte. In einem der Nebenräume standen einige Truhen, in denen sich Relikte des Thaler Bernsteinzimmers befanden. Sie konnten noch nicht lange hier sein, war doch kein Staub auf ihnen zu sehen. Doch welche Verbindung hat dieser Fund zu Prinz Anselm ? Dieses Rätsel wird seine Lösung hoffentlich bald finden.”
Anmerkung : Bei den Relikten handelt es sich um einen beachtlichen Teil der Wandvertäfelung. Dies stellt den bedeutendsten Fund des Bernsteinzimmer seit dessen Verschwinden dar. Der Fundort wird aus Ermittlungsgründen geheim gehalten.
i.A. Hartmut Hohlbein, Schreiber der Garde von Anthan
Dieses Gemälde zeigt, wie das Bernsteinzimmer ausgesehen haben soll
Lawinenunglück in den Camspitzer Bergen
Da nun allmählich der Frühling in Heligonia Einzug hält, denken nur noch wenige Menschen an das Schneeinferno der vergangenen Wochen und Monate. Diejenigen, die aber durch die Katastrophen Hab und Gut verloren haben, werden noch lange an diesen Winter zurückdenken.
Viele der Mitglieder der kleinen Handelskarawane, die auf der Alten Handelsstraße zwischen Dabor über Sethnara nach Hochwalden unterwegs waren, hätten sicher auch nicht gedacht, daß sie an jenem kalten und schneereichen Tag nicht mehr zu ihren Familien zurückkehren würden.
Überlebende berichteten später in Sethnara, daß sie auf dem Paß, in Höhe der Camspitze plötzlich von einem lauten Krachen und Beben aufgeschreckt worden waren. Sekunden später waren nur noch brodelnde Schneemassen um die Menschen und Tiere, die verzweifelt versuchten, diesen Urgewalten zu entkommen.
Für etwa 20 Menschen und viele Lastentiere kam jede Hilfe zu spät. Auch die eilig zusammengestellten Rettungstrupps, die Überlebende des Unglücks aus der Feste Berath und einer nahen Karawanserei herbeiriefen, konnten nur noch die toten Körper aus den Schneemassen bergen.
Der Paß über die Camspitzberge ist wegen weiterer Lawinengefahr vorerst nicht passierbar.
Da die Alten Handelsstraße eine wichtige Handelsroute ist, bleibt zu hoffen, daß die Strahlen des Helios auch die Höhen der Camspitze erreichen und dort den Schnee verschwinden lassen.
Den Familien und Freunden der Opfer gilt unsere Anteilnahme und die Toten werden wir in ehrenvoller Erinnerung behalten und uns bewußt machen, wie schnell doch ein Menschenleben zu Ende sein kann.
Berengar Abelaerd, Berichterstatter aus Hochanthen
Altes Xurlheiligtum in Tolens gefunden
Nach der Schneeschmelze wurden nahe des Brazach-Ufers im nördlichen Teil der Baronie Tolens Ruinen freigelegt. Einige Bauern, die zum Hausbau auf Materialsuche unterwegs waren, entdeckten schöne, behauene Steine im seichten Wasser. Bei der Bergung bemerkten sie in der Uferböschung einen halbeingestürzten Eingang. In den Portalsteinen erkannten die Bauern die Zeichen Xurls. Ehrfürchtig ließen sie alle Fundstücke unberührt und eilten nach Waldroden, um die örtlichen Geweihten in Kenntnis zu setzen. In dem kleinen Dorf Bärenlachingen und der näheren Umgebung wurde rasch ein kleines Fest vorbereitet, da die Bevölkerung glaubt, eine Heimstatt der Kinder Xurls entdeckt zu haben. Die Nachricht hat sich schon in ganz Tolens und in Bereichen Welzens herumgesprochen und ein wahres Xurlfieber entfacht. Fischer und Bauern, die auf das Wohl Xurls angewiesen sind, schicken ihre Söhne und Töchter mit Köstlichkeiten nach Bärenlachingen, um diese als Opfergaben in Körben ans Ufer zu bringen. Doch nur Geweihten ist bisher der Zutritt in die Ruinen gestattet. Wir hoffen, in der nächsten Ausgabe dem Leser genaueres über den Fund berichten zu können. Answin Krottenfurter, Berichterstatter aus Waldroden
Bazaar Darians
Besonders aktuelle Zeitung aus allen Regionen Darians
Graf Dedekien stellt ceridischen Reisenden eine Andachtsstätte zur Verfügung
Um den Durchreisenden, die sich zum ceridischen Glauben bekennen, die Möglichkeit zum Gebet zu geben, hat nun der Graf ein Gebäude zur Verfügung gestellt. Völlig selbstlos und natürlich ohne Erheben eines Mietzins hat der darianische Landesherr ein Haus auf einer der Handelsstraßen nach Thal dazu ausersehen den Ceriden einen Ort der Andacht zu schaffen. Obgleich kein Darianer ceridischen Glaubens ist, so wird dennoch ein reges Interesse seitens cerdischer Händel aus Ostarien, Drachenhain und Ligonii erwartet. Hier möchte der Graf ein Zeichen der Toleranz und der Versöhnung setzen.
Neues von den Ausgrabungen im Schlagenkamm
Die letzten Tagebucheinträge des Illustrators Halim-el-Adaph:
Noch bin ich in der Lage die Feder zu führen, um die Erlebnisse der vergangenen Tage aufzuzeichnen. Ich weiß, daß Gwon bereits seine Kreise über mir zieht, um meine unsterbliche Seele hinauf zu tragen. Seit gestern kann ich mein Lager nicht mehr verlassen und mein Haupt wiegt schwer vor Schmerz. Immer kürzer werden die wachen Perioden; immer häufiger und länger falle ich in einen schweren Fieberschlaf, der von schrecklichen Träumen begleitet wird. Hustenkrämpfe schütteln meinen ausgemergelten Leib. Dabei nahm alles einen so guten Anfang:
Eines morgens im letzten Saarkamond klopfte eine junge Frau an meine Tür und stellte sich als Hasriella vor. Sie sei Berichterstatterin und suche noch einen guten Zeichner, der ihr bei einem wichtigen Fund im Schlangenkamm behilflich sein solle. Ohne lange zu überlegen, packte ich die wichtigsten Dinge zusammen und ging mit ihr. Vor dem Höhleneingang wurden mir die Augen verbunden und ich wurde in das Höhleninnere geführt. Erst in der Grabkammer wurde mir die Augenbinde wieder abgenommen. Trotz der spärlichen Beleuchtung war ich vollkommen vom Glanz der prächtigen Grabkammer geblendet. Hauchzarte Aurazithornamente rahmten die Abbildungen an den Wänden ein. Bilder, wie ich sie bis dahin noch nie gesehen hatte, so leuchtend in den Farben, als seien sie erst gestern gemalt worden. Völlig unversehrt, bis auf den Riß in einer der Wände, durch den wir ins Grab gelangten, waren viele Details zu erkennen. Offensichtlich zeigten sie die Verstorbenen, wie sie zu ihren Lebzeiten aussahen. Ich beschloß, sofort alles ganz genau so auf dem Papier festzuhalten, wie es sich mir darbot. In der Mitte des Raumes stand eine gewaltige Statue eines Nech-Burai, dem sagenhaften, geflügelten Burai. Seine mächtigen Schwingen legten sich schützend über die beiden Steinsärge. Die Deckel der beiden Särge zierten die Abbilder der Toten. Schnell fertigte ich ein paar Skizzen an, während die anwesenden Gelehrten damit begannen, die Steindeckel der Särge zur Seite zu rücken. Neugierig und gespannt warteten alle darauf, einen Blick in die Särge werfen zu können. Ein Raunen ging beim Anblick der Toten durch den Raum. Die Skelette waren noch mit Gewändern bedeckt, die aber binnen weniger Augenblicke zu Staub zerfielen. Zurück blieben nur noch die Gebeine, die reichlich mit Schmuck bedeckt waren. Es wurde beschlossen, die Ruhe der Toten nicht weiter zu stören und der Sargdeckel wurde wieder zugeschoben. Ich bekam den Auftrag, alles detailliert abzuzeichnen. Was für eine Ehre für mich! Meine Zeichnungen sollen den Gelehrten des ganzen Königreiches vorgelegt werden. Womöglich noch in vielen Jahren wird man meinen Namen kennen. Begierig machte ich mich die darauffolgenden Tage an die Arbeit und ich zeichnete unermüdlich. Einmal am Tag wurde einer der Särge für mich geöffnet, damit ich die Schmuckstücke skizzieren konnte. Trotz meines Eifers strengte mich die Arbeit von Tag zu Tag mehr an. Die Hand flog nicht mehr leicht über das Papier und meine Augen begannen zu brennen. Die trockene Luft reizte mich immer häufiger zum Husten und mein Kopf pochte vor Schmerz, bis ich ohnmächtig zusammenbrach.
Jetzt versuche ich noch so viel wie möglich aus meinem Gedächtnis zu zeichnen, um allen Menschen die Schönheiten einer vergangenen Epoche zu zeigen...
Anmerkung der Redaktion: Wie bekannt wurde, ist Halim-el-Adaph aus seinem letzten Fieberschlaf nicht mehr erwacht.
Buraileder verkauft wie bled
Gibts nicht, hasch Du gsagt, ha, wenn I sag verkauft, isch au verkauft. Nix bloß ein Leder, paß fei auf, was sagsch! Ganzes Leder von die abgeschlachtete Buraiherde von letschde Jahr. Alles weg. Wared so komische Leut beim Scheffe, so zwielichtige Geschtalten mit piekschene Kleider, net so Fetzen wie Du. Vom Feilschen ham die aber nix verstanden. Vielleicht war des au weil se nix verstehe von darianische Sprach und Gscheft. Scheffe Amduamud hätt jeden Satz zweimal sage müsse. Aber Scheffe isch schlau und hat jedesmal sein Preis verändert. Ham se aber nix gmerkt. Wared wohl net oft in Darian, weil die nicht mal gwußt ham, daß Burai heißt soviel wie des Viech wo ein Hügel aufm Buckel hat.
Sei's drum, hab I gschleppt wie Ahmed wo immer macht Buraidung weg. Hab I aber gmacht gutes Gscheft weil die Frau hat mir gschdeckt in mei Hose no a paar Dukaten, weil I so schön gschwitzt hab. Woher hat die bloß gwußt, daß mei Unterhose hat Täschchen eingnäht? Hab I mi doch so zsamgrissen, daß I net mei Geld zähl. Hoffmer, daß bald wieder stirbt eine Mutter von Frau von meim Scheffe Amduamud, daß wieder werden gschlachtet alte Burai. Mahmud war scho ganz neidisch, wo er war da mit seim Scheffe Faramud wo se ham mitgfeiert bis in darianische Nacht nei. Des war ein Feschd. Der Mahmud hat da verzehlt Gschichten des glaubsch net! Paß fei auf, was sagsch. Der Mahmud hat an großen Bruder, den hol I glei, um drei am Utzganfeld! I weiß fei wo Dei Burai steht. Hasch wohl noch nie Buraidung im Maul ghabt? ...
Unser Berichterstatter konnte sich nach der Befragung des Buraitreibers Chasim gerade noch in Sicherheit bringen, bevor der Hagel der Beschimpfungen zu einem Hagel von Buraidung wurde. Wer die mysteriösen Käufer waren, konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden.
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Immer nur Sand in den Hosen? Schon lange keinen feuchten Traum mehr gehabt?
Dann wird es Zeit, in See zu stechen.
Die Handelskogge "Redonsflosse" nimmt Dich gern mit zu fernen Ufern,
neuen Stränden und fremden Schätzen, die nie ein Darianer zuvor gesehen hat.
Interessenten melden sich bitte am Hafen von Darbor
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Der Trommler
freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft
Norrland-Brassach
Warum die Arnacher Flugbriefdrachen an allem schuld sind
Es lief alles sehr gut. Die Burg war unter ihrer Kontrolle. Alle, die etwas gesehen haben konnten, waren tot oder in Gewahrsam genommen worden. Der Putsch war perfekt organisiert und ausgeführt.
Anfangs war niemand mißtrauisch, als einen Tag nach der Ankunft der vielen Fremden und sogenannten Flüchtlingen auf der Eichenburg in der Baronie Grauburg andere Fahnen und Wappen als die der Grauburger Garnison auf den Türmen wehten. Die Thalioner hatten die Burg übernommen. Leise und unbemerkt von allen war es in der Nacht geschehen. Die Aussage, die Grauburger seien überraschend abgezogen worden, glaubten fast alle und sie fühlen sich unter dem Schutz der Thalioner Gardisten sicher. Und die Putschisten fühlten sich ebenso sicher, schließlich hatten sie und Rhoderich alles unter Kontrolle. Leutnant Thodolf war durch seinen Bruder Berkan ersetzt worden und überall auf der Burg hielten sich unbemerkt und verdeckt teemoranische Söldner auf, die im Ernstfall eingreifen würden. Der Sohn Erminas, ebenso Leutnant Thodolf waren in sicherem Gewahrsam und Hauptmann Belwenton war, wie alle Grauburger Gardisten, tot.
Leider lief doch nicht alles so glatt, wie es sich Rhoderich und seine Mannen erhofft hatten. Der Stallmeister, der zusammen mit dem Sohn in Thalion Stadt gewesen war, schaffte es bis zur Burg. Schwerverwundet überlebte er nicht, aber es reichte, um die vielen Anwesenden, vor allem die Krieger und Ritterorden mißtrauisch werden zu lassen. Schließlich war es schon der zweite Tote innerhalb weniger Stunden.
Als dann auch noch die Herrin Ermina ihr bis dahin andauerndes Schweigen brach und erzählte, daß sie ihren Sohn in höchster Gefahr glaubte, begann das Mißtrauen ebenso wie die Spannung auf der Eichenburg zu wachsen. Bei der Suche nach dem Sohn Erminas "stolperten” die Fremden über Thodolf, der von Thalioner Gardisten im Wald festgehalten worden war. Berkan wollte persönlich Rache an seinem Bruder nehmen und hatte ihn deshalb als einzigen in jener Nacht am Leben gelassen. Dies erwies sich nun leider als verhängnisvoll.
Denn Thodolf klagte seinen Bruder und alle, die bei ihm waren des Hochverrats, Putschversuches und Mordes an Erminas Sohn und den Grauburger Gardisten an. Die Thalioner hatten jedoch den ganzen Tag dazu genutzt, ihre Position zu festigen. Die Anklagen konnten bis zuletzt nicht bewiesen werden und viele der anwesenden Abenteurer und Krieger standen sogar auf der Seite der Thalioner und Rhoderichs. Die Anschuldigungen flogen hin und her, wurden verworfen, widerlegt und wiederum ausgesprochen. Ein Ende der Debatte schien nicht in Sicht. Auf beiden Seiten standen die Kämpfer dicht an dicht. Jeder wußte, nur ein Funke und es würde zum Kampf kommen. Wie die alles entscheidende Schlacht letztendlich begann, weiß wohl niemand mehr zu sagen. Schilde prallten aufeinander und auf die Schwerter. Pfeile flogen von einer Seite zur anderen wie wüste Beschimpfungen. Zunächst schienen beide Seiten gleich stark zu sein. Hierbei muß ich meine Hochachtung vor den Thalionern aussprechen. Sie waren ihren Gegnern fünf zu eins unterlegen und hielten trotzdem Stand.
Auch hatten sie ihren Platz strategisch so gewählt, daß sie nach einigen heftigen Attacken der Gegenseite durch das Außentor der Burg stürmen konnten. Das Tor wurde verriegelt und verrammelt. Mit lauten Siegesrufen feierten die Thalioner und die Söldner ihren Erfolg. Ihre Gegner waren in der Burg gefangen!
Pläne wurden geschmiedet, sowohl in der Burg als auch vor den Toren. Die Thalioner und ihre Verbündeten planten, die Burg zu belagern, abzubrennen oder die Zugbrücke zu zerstören und inzwischen durch Boten Verstärkung herbeizuholen und damit die Macht im Lande endgültig zu übernehmen. Rhoderich triumphierte und auch Berkan hatte einen Erfolg zu feiern, schließlich hatte er seinen Bruder Thodolf eigenhändig mit der Armbrust erschossen. In der Burg wurde ebenfalls heiß debattiert und man besann sich nach kurzer Zeit auf ein kleines, unbedeutendes Tierchen. Die Arnacher Flugbriefdrachen. Diese bis dato wohl nur wenigen bekannten Tiere waren wie Brieftauben in der Lage, Nachrichten blitzschnell von einem Ort zum anderen zu fliegen. Und vor allem können sie, im Gegensatz zu ihren gefiederten Kollegen auch bei stockfinsterer Nacht zum Einsatz gebracht werden. Ein solcher Drache wurde eilends mit einer Botschaft versehen losgeschickt und kaum eine Stunde später - welch wundersames Flugwesen - war ein anderer mit einer Nachricht des Barons von Grauburg zurück. Es handelte sich um das Todesurteil für alle Thalioner Gardisten, die an dem Putsch beteiligt waren, ebenso für den falschen Leutnant, Ritter Rhoderich und seine Helfer. Dergleichen instruiert und von der Obrigkeit abgesegnet, wagten die eingesperrten Ritter und Krieger einen Ausfall und stürmten mit aller Macht gegen die Thalioner und ihre Kameraden vor, die mit einem so schnellen Angriff nicht gerechnet hatten. Sie wehrten sich tapfer, aber gegen eine solche Übermacht kommen selbst die besten Kämpfer nicht an.
Ein Hoch auf die Helden! Welch eine heroische Tat, mit 50 oder gar mehr Kriegern eine kleine, erschöpfte und zum Großteil verwundete Schar von Söldnern und Gardisten, die völlig überrascht waren, abzuschlachten!
Und ein Hoch auf die verdammten Arnacher Flugdrachen, ohne die das Leben in Grauburg nicht mehr so wäre, wie es jetzt ist. Ich für meinen Teil werde jedes dieser Biester abschießen, wenn ich eines sehe. Und ich kann jedem, der einen Putsch plant, nur raten, vorher sicherzustellen, daß keine solchen Tiere in der Nähe sind!
Ein Augenzeuge
Caronia und Thalion brechen ihren Vasalleneid!
"Verrat, Verrat!”, rief der berittene Bote, als er sein Pferd in wildem Galopp nach Passieren der großen Außenpforte über den Hof von Burg Brassach peitschte. Flink glitt er aus dem Sattel, warf die Zügel seines schweißgebadeten Pferdes einem Wachposten zu und lief eiligst die Treppe zur Hauptburg hinauf, wobei er jede zweite Stufe übersprang. Die Wachen, die in ihm einen der ihren erkannten, ließen ihn ohne Behelligung passieren. Erst vor dem Speisesaal der Burg gebot ihm Hagen von Grauburg, der sich aufgrund des Lärms im Hofe und auf Geheiß des Markgrafen von der Abendtafel erhoben hatte und sich nun anschickte den Boten abzufangen, Halt: "Haltet ein, Gerbron und berichtet rasch!”. "Zum Markgrafen! ... Es eilt, mein Baron! ... Herr, bitte!”, keuchte der Reiter knapp. Der Baron von Grauburg führte seinen Untergebenen in den Speisesaal, wo Markgraf Kalveram samt Gattin und verschiedener Adliger und Gäste aus Tlamana in den frühen Abendstunden des dreizehnten Tages der ersten Poëna ein Mahl einzunehmen gedachten. Die wenigen Schritte zum großen Saal nutzte der Bote, um ordentlich Luft zu schnappen. Als Gerbron seinen Herrn erblickte, fiel er demütig auf die Knie. Bevor der Markgraf ihn auffordern konnte, mit seinem Bericht zu beginnen, durchbrach die Stimme Kahra von Breitfurts, die Botschafterin der ligoniischen Baronie Tlamana, die Stille im Raum. "Sollen wir uns entfernen?”, fragte sie mit fester Stimme den Herrn des Hause. "Nein, bleibt.”, entgegnete der Markgraf knapp und befahl dem Boten mit einem Fingerzeig, sich zu erheben. "Mein hochwohlgeborener Herr, verzeiht uns unser Auftreten,”, begann der Bote seinen Bericht und blickte dabei kurz auf seinen schweißnassen Wams und seine mit Dreck befleckten Stiefel und Beinlinge herab, " aber wir reiten seit vielen Stunden, um Euch äußerst wichtige Kunde zu überbringen. Uns schickt untertänigst Aagel, der Herr von Ahgram, um Euch über Unruhen und Aufstände im Westen Eurer Markgrafschaft zu unterrichten ... Anholt von Brassach, der Baron zu Caronia und Großcousin Eurer Gemahlin, sowie Rhoderich von Thalion haben das Schwert gegen Euch erhoben und ihre eigenen Truppen gegen die Unseren ins Feld geführt! Die Provinz Tharagonien wurde von den Mannen Rhoderichs und Söldnertruppen, die offensichtlich einen teemooranischen Dialekt sprechen, überrannt. Die feine Stadt Tharagon fiel ohne offensichtliche Gegenwehr in der Nacht. Und in Bastien, Herrach und Damas, Eurer Sommerresidenz, wehte am Morgen des heutigen Tages das Wappen Anholts im Wind, nachdem man nächtens in einer feigen Tat die Wachen überwältigt hatte. Euer Großcousin, hochgeschätzte Markgräfin, hat seine Truppen über die Landesgrenzen der Baronie Caronia geführt und es gewagt, Teile der Provinz Brassach zu besetzen. Auch von der Eichenburg kam keine Nachricht mehr via Ahgram zur Kommandantur in Grauwiel. Lediglich ein reiterloses Pferd, eben das Pferd des Botenreiters der Strecke Grauwiel – Eichenburg, fand trottend seinen Weg zurück in die Stallungen von Ahgram. Vom Reiter selbst fehlte jede Spur. Der alte Herr Aagel schickte daraufhin selbst Reiter und Späher aus und sammelte die nun Euch vorgetragenen Informationen, um Euch durch meine bescheidene Person, ausgiebig in Kenntnis setzen zu können. Folglich läßt er Euch zudem untertänigst unterrichten, daß viele der Mannen, die zu den Waffen gegriffen haben und gegen Euch ins Feld rücken, nicht die Wappenröcke Thalions oder Caronias tragen. Kein Wappen oder Feldzeichen ward auf ihren Röcken zu erkennen. Vielmehr wirkten sie in ihrem Aussehen doch eher wie willkürlich rekrutierte Söldnerhaufen. Anholt rückt nun mit seinen Mannen über die brassachische Senke gen Tarnam vor, nahezu alle seine Ritter begleiten ihn. Einzig das Wappen des Ritters von Dachsrode ward nicht in seinem Aufgebot zu erkennen. Der Vormarsch Rhoderichs scheint aber aus nicht offensichtlichen Gründen zum Erliegen gekommen zu sein. Dies, so will Euch Herr Aagel berichten, lasse sich nicht erklären, aber es sei zu äußern, daß dies eindeutig nicht aufgrund einer Intervention Eurer Getreuen geschah. Aagel bittet Euch inständig, ihm Hilfe zu schicken, denn mit den wenigen Mannen aus Ahgram und einigen Templern, die sich auf den Weg in die neue Ballei im Norden befanden und von ihm zur Verteidigung Eurer Herrschaft ‚rekrutiert' wurden, vermag er eine vereinte Streitmacht Anholts und Rhoderichs nicht lange aufzuhalten. Denn allem Anschein nach ist es die Strategie Eurer Feinde, sich östlich des Damas-Sees zu einem großen Heer zu vereinigen: Anholt vom Nordwesten kommend und Rhoderich aus dem Südwesten!”. Nachdem Gerbron seinen Bericht beendet hatte und wieder auf die Knie sank, herrschte für wenige Augenblicke betretenes Schweigen im großen Saal. "Nun, Anholt und Rhoderich”, durchbrach Kalveram die Stille und richtete seine Worte an die nicht anwesenden Umstürzler, "zeigt Ihr Eure wahren Gelüste!”. Der Markgraf schaute nacheinander in die Gesichter der umstehenden adligen Herren, die ihm wortlos zunickten. "Gut, trommelt alle verfügbaren Mannen zusammen! Wir brechen so schnell wie möglich auf!” Hagen von Grauburg nahm als erster sein Schwert von der Bank an der Tür und verließ eiligen Schrittes den Saal. Schwach vernahm man auf dem Flur noch folgenden Satz aus dem Munde des Barons von Grauburg: "Kein Verrat von grauburger Boden aus! Niemals wieder!”
Noch in den späten Abendstunden des dreizehnten Tages der ersten Poëna setzte sich das eilig zusammengestellte Heer Kalverams in Bewegung, um die Verräter nach Möglichkeit schon weit vor Tarnam zu stellen. Die brassachische Infanterie, verstärkt durch Fußeinheiten der Templer zu Ankur, wählte ihre Route durch den Gebirgszug Hohenmark, währenddessen die Reiterei die Hohenmark südlich bei Charo umging. Der Baron von Grauburg eilte indes in die Hauptstadt der Provinz Grauburg, um dort alle verfügbaren Recken zu einer weiteren Armee zusammenzufassen. Kurz nachdem der junge Baron die "graue Burg” erreicht hatte, übergab ihm der Hauptmann der Hofgarde eine Botschaft Freifrau Erminas von Eichenburg, die erst vor wenigen Augenblicken angekommen war. Die Herrin der Eichenburg, in deren thalioner Heimstatt die grauburger Autoritäten eine Garnison einrichten durften, um somit den Anspruch Hagens auf die nun zur Baronie Grauburg gehörenden Provinz Thalion zu festigen, ließ ihren Baron mittels eines darianischen Pterollion wissen, daß sich Rhoderich widerrechtlich in den Besitz der Eichenburg gebracht hatte, indem er seine verräterischen Mannen in der Nacht vom zwölften auf den dreizehnten Tage der ersten Poëna die noch im Aufbau befindliche grauburger Garnison unter dem Befehl Hauptmann Belwentons von Einbrück überfallen und die Besatzung der Burg bei der gewaltsamen Übernahme töten ließ. Dem Lehnseid ihres im Ödlandkrieg gefallenen Mannes verpflichtet informierte die wackere Freifrau ihren Lehnsherren darüber, daß es ihr gelungen war, eine stattliche Anzahl Reisender und Gäste der Eichenburg, darunter viele Kämpfer und auch Abordnungen zweier ausländischer Ritterorden, die in der "leeren” Vorburg eine Zuflucht und Herberge gefunden hatten, auf die rechtschaffende Seite zu ziehen und Rhoderich entgegenzutreten. Dieser Übermacht ward es am Abend gelungen, den Putschisten samt seiner Helfershelfer aus der Burg hinaus zu treiben. Während Hagen nun seine Armee aufstellen ließ, diktierte er einem Schreiber eine entsprechende Antwort auf die Botschaft Erminas, die von einer weiteren Flugechse zurück zur Eichenburg befördert wurde. Hagen erteilte der Freiherrin in einem kurzen Schreiben die Anweisung, Rhoderich nochmals zu stellen und vernichtend zu schlagen. Dann schwang sich Hagen selbst auf sein Streitroß und führte das Heer der südlichsten Baronie Norrland-Brassachs, bestehend aus Reiterei und den gefürchteten grauburger Bogenschützen, durch das westliche Stadttor Grauwiels. Bevor er sich nun anschickte, sich mit dem Heer Kalverams westlich der Hohenmark zu einer schlagkräftigen Armee zu vereinen, entsandte er noch einen Boten zu seinem Bruder Hadebrand in den hohen Norden der Markgrafschaft.
Am frühen Morgen des vierzehnten Tages der ersten Poëna, die Sonne ward erst gerade am Horizont erschienen, erreichten die beiden loyalen Heere den vereinbarten Punkt in gutes Stück westlich des Damas-Sees. Von einer Streitmacht des Feindes ward allerdings weit und breit nichts zu sehen. Lediglich einige vorgeschobene Posten der Aufständischen konnten ausgemacht werden, die sich aber nicht auf eine Konfrontation mit den Mannen unter der Führung des Markgrafen einließen. Vielmehr zogen sie sich schleunigst Richtung Caronburg, Thalion-Stadt und Tharagon zurück. Der Markgraf ließ Späher ausschicken, die nach einiger Zeit unversehrt zurückkehrten. Die Kundschafter berichteten, daß man Spuren eines größeren Trosses gefunden hätte, allerdings endeten die Spuren wenige heligonische Meilen westwärts in einer großen Kehrtwendung und führten zurück in Richtung Caronburg. Spuren, die aus Thalion in die brassachische Ebene führten, waren erst gar nicht auszumachen. Der Feind hatte anscheinend von einem Angriff auf Tarnam abgesehen, nachdem Rhoderich wohl nicht wie geplant zum Heer Anholts gestoßen war. Die Markgräflichen teilten sich nun ihrerseits auf: Kalveram führte seine Mannen, die durch dazu gestoßene Templer-Reiterei aus der nördlichen Ballei verstärkt wurden, Richtung Caronburg. Hagen ließ seinen Troß gen Damas marschieren. Als man nun die Stadt am See erreichte, wurden die Stadttore sofort geöffnet und die Bürger der Stadt empfingen unter Jubel die markgräflichen Truppen. Vom Feinde fehlte jede Spur. "Die Mannen Rhoderichs haben sich im Schutz der Nacht einfach davongemacht!”, erklärten die Einwohner der kleinen Stadt erleichtert den grauburger Verbänden. Welcher Umstand sie dazu gebracht hatte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Jedenfalls zogen sich die Umstürzler mißgelaunt in ‚ihre' Provinz zurück, nachdem sie am späten Abend des dreizehnten Tages eine Nachricht, vermutlich aus der Eichenburg, erhalten hatten. Folglich marschierte der Heerzug Hagens dann auf der Suche nach den abtrünnigen Soldaten weiter auf Thalion-Stadt und Tharagon zu.
Der leichten brassachischen Reiterei, die als Vorhut für Kalverams Hauptstreitmacht im Norden fungierte, gelang es vor Herrach einige versprengte Mannen der Aufständischen aufzuspüren. Als die Umstürzler ihrerseits die Reiter entdeckten, legten sie unverzüglich ihre Waffen nieder, mit der Bitte, sie doch zu verschonen. "Ob Eurer ‚Bitte' entsprochen werden kann, entscheidet seine Hochwohlgeboren, der Markgraf! Wir nehmen lediglich Eure Kapitulation entgegen, Verräter!”, entgegnete ihnen der Hauptmann der Reiterei knapp und ließ die Gefangenen unverzüglich abführen. In einem Verhör berichteten die gefaßten Verräter, daß der Baron zu Caronia in der Ebene vergeblich mehrere Stunden auf die Ankunft Rhoderichs und eines ehemaligen teemooranischen Heerführers gewartet hatten. Rhoderich selbst, so hatte man später von sich nach Norden absetzenden thalionischen Soldaten unter Führung eines gewissen Berkan erfahren, sei auf der Eichenburg gefangengesetzt worden und hatte sich mit einem versteckten Dolch im Kerker selbst gerichtet, um sich dem Zorn des Markgrafen zu entziehen. Rhoderichs Mannen waren durch den Verlust ihres Herren derart unentschlossen und geschockt, daß es den einzelnen Anführern der verschiedenen Abteilungen nicht gelang, die Truppenteile wieder zu ordnen, um wie vereinbart zum Heer Anholts zu stoßen. Anholt hatte somit keine andere Wahl, als sich zurückzuziehen. Ohne die Unterstützung der thalionischen Verbände und der angeworbenen Söldner wäre eine Feldschlacht gegen die jetzt sicherlich in Überzahl vorrückenden Mannen des Markgrafen eine Schlacht, die man nur verlieren könne. Alsdann ließ Anholt seine Ritter kehrt machen: Mißgelaunt machte man sich auf den Weg zurück nach Caronia, um sich in der Caronburg zu verschanzen.
In Herrach, welches das Gros der norrland-brassachischen Streitkräfte auf seinem Zug gen Westen nach kurzer Zeit erreichte, wehten bereits wieder die Flaggen Norrland-Brassachs, die die Stadtbewohner nach Abzug der Umstürzler wieder aufgezogen hatten, im Wind. Unbehelligt setzte die nördliche Armee alsdann ihren Weg nach Caronburg fort, um Anholt zu stellen. Als man nun endlich in den Mittagsstunden des vierzehnten Tages der ersten Poëna die Hauptstadt der Baronie Caronia erreichte, waren die mächtigen Tore der stark befestigten Stadt verschlossen. Auf der Burgmauer konnte man die Soldaten Anholts ausmachen, die eiligst Steine, vermutlich aus abgerissenen Häusern der inneren Stadt, auf die hohe Außenmauer schleppten. Der "Baron” selbst zeigte sich nicht. Ein ähnliches Bild bot sich Hagen im Süden: Die Tore Thalion-Stadts und Tharagons blieben den grauburger Mannen verschlossen. Auf den höchsten Gebäuden der beiden Städte konnte man das Wappen Rhoderichs ausmachen. Die rechtmäßigen Herrscher Norrland-Brassachs waren somit gezwungen, die durch die Aufständischen besetzten Städte zu belagern und nach ausgiebiger Beschießung mittels Ballisten und Katapulte und durch den anschließenden Sturm der geschlagenen Breschen innerhalb der Stadtmauern einzunehmen. Wieder strömten Boten durch ganz Norrland-Brassach, um Befehle zu überbringen, auf daß das schwere Gerät in den Westen verbracht werden solle. So begann am Nachmittag des vierzehnten Tages des ersten Poëna-Monats die Belagerung der drei sich in Verräterhand befindlichen Städte in der Hoffnung diesem Schrecken ein endgültiges Ende zu bereiten. Auf die Gnade des Markgrafen konnte wohl niemand der Aufständischen hoffen. [...]
Im Feldlager vor Caronburg
Erst wenige Stunden alt, aber dennoch relativ geordnet, zeigte sich das Feldlager vor Caronburg dem Betrachter im Licht des anbrechenden Morgens des fünfzehnten Tages der ersten Poëna. Wenn man genauer hinsah, konnte man erkennen, daß sich das Lager in den letzten Zügen seines Aufbaus befand. So arbeiteten nachwievor herbeigerufene Bauern und Landarbeiter an den Schanzungen, um das Lager bei einem möglichen Ausfall der eingeschlossenen caronischen und thalionischen Verräter verteidigen zu können. Wie bei Brazachkatzen, die man in die Enge getrieben hatte, mußte man bei den in den Mauern der großen Stadt eingeschlossenen Umstürzler mit allem rechnen. Im Zentrum der vielen bunten Zelte der unterschiedlichsten Truppenteile Norrland-Brassachs und der Templer, die sich an die Seite ihres Großmeister gestellt hatten, stand das große blau-weiße Zelt der brassachischen Gardejäger, in dem der Markgraf selbst sein Lager eingerichtet hatte. Von hier aus befehligte er seine Truppen, die den Ring um die Stadt herum nun gänzlich geschlossen hatten, und wartete auf die Ankunft der Ballisten und Katapulte, die man aus den verschiedenen brassachischen Städten angefordert hatte. Wut und Trauer erfaßt seine Hochgeboren bei dem Gedanken, seine eigenen Städte beschießen und vermutlich im Sturm nehmen lassen zu müssen. Viele tapfere Mannen würden hierbei ihr Leben lassen und Glanz und Anmut der zu erstürmenden Städte würden mit jedem Schuß der Belagerungsgeräte mehr und mehr verblassen. Ein Bote riß ihn aus seinen Gedanken, in dem er die Ankunft einer gewissen Gräfin Jenina von Bern zu Wittich mit ihrem Gefolge meldete: Die Gräfin, zugleich Freifrau zu Mariental, Sir Garion von Lichtenberg, Baron zu Lichtenberg und Reichsprotektor zu Wittich, und der Baron zu Kalthausen, Sir Truz von Bern, erster Ritter der Bern baten um eine Audienz beim Markgrafen, die prompt gewährt wurde, so sich doch Ermina, die Freifrau der Eichenburg, und der mittlerweile als Wenzgert von Worden identifizierte und in Ketten gelegte ehemalige teemooranische Heerführer, der seine Söldnertruppen auf Seiten der Umstürzler gegen den Markgrafen ins Gefecht geführt hatte, in ihrem Reisetroß befanden. Bei einer für die Bescheidenheit eines Feldlagers doch recht ordentlichen Bewirtung der hochrangigen ausländischen Gäste nutzte man die Gelegenheit, ausgiebig über die Vorkommnisse auf der thalionischen Eichenburg zu sprechen. So erhielt neben der von den schrecklichen Ereignissen auf der Eichenburg gezeichneten Freifrau Ermina auch Sir Garion von Lichtenberg die Gelegenheit, um aus seiner persönlichen Sicht zu berichten. Sir Garion setzte sich im Anschluß seiner Schilderungen für das Leben Wenzgerts von Worden ein und bat seine Hochwohlgeboren ihn doch in die Verbannung zu schicken. Er würde sich seiner annehmen, so hatte sich doch gerade dieser Mann, auch wenn er auf der anderen Seite stand, in seinen Augen auf dem Felde als fairer Streiter, im Gegensatz zu manch anderem Recken, erwiesen. So gerne der Markgraf auch dem Wunsch des Barons entsprochen hätte, der sich neben anderen Rittern und Gästen der Eichenburg fürsorglich um Freifrau Ermina gekümmert hatte, so mußte er dem Ehrenmann dennoch eine Absage erteilen: "Verrat sei nun mal Verrat und dieser würde in der Markgrafschaft Norrland-Brassach bis aufs Äußerste geahndet werden!”. Selbstverständlich ging es dem Markgrafen auch darum, ein klares und unmißverständliches Signal in Richtung "Ex-Teemooranien” zu schicken, dessen Adlige und sogenannte "Stadträte”, wenn nun auch in einer anderen "territorialen Zusammensetzung”, nachwievor versuchen den Markgrafen in Mißkredit zu bringen und dessen boshafte Absichten nun anscheinend auch militärische Ausmaße angenommen haben. Sir Garion, folglich in Kenntnis aller Fakten, zog seine Bitte zurück. Kalveram von Norrland-Brassach erließ nun seinerseits Befehl, alles für die Verurteilung und die öffentliche Hinrichtung des Söldnerführers vorbereiten zu lassen. Und so begann man am Mittag des Mondtages mit dem Bau eines Schafotts, auf dem beim nächsten Sonnenaufgang Wenzgert von Worden sein Leben durch Abtrennung des Kopfes vom Leibe nach erfolgter Aburteilung gemäß der königlichen Halsgerichtsordnung verlieren würde.
Pflichtbewußtsein und Loyalität
"Ich, Torel Tekin, möchte Euch verehrte Leser über die Geschehnisse des fünfzehnten Tages der ersten Poëna weit im Norden Heligonias berichten:
Es war schon fast dunkel, es nieselte ein wenig und doch herrschte auf dem Zeltplatz geschäftiges Treiben. Um einige Feuerstellen herum saßen auf dem im Zentrum liegenden Platz einige Soldaten unter Zelttüchern, schutzsuchend vor dem Regen, um Ihre Mahlzeiten einzunehmen. Im großen Versorgungszelt wurde das Essen ausgegeben, einige Pferde der gerade erst zurückgekehrten Patrouille wurden abgezäumt und versorgt. Im hinteren Teil des Zeltplatzes vernahm man das Hämmern des Schmiedes, welcher wohl noch kein Ende seiner Arbeit finden wollte. Trotz dieses Treibens aber tauchte die anbrechende Nacht die kleine Zeltstadt in eine gewisse Ruhe und Zufriedenheit. Viele Zelte lagen im Dunkeln und deren Bewohner hielten nach den Mühen des Tages ihren verdienten Schlaf.
Nur ein Zelt war hell erleuchtet. Es war das größte Zelt und stand am Rand des Zeltplatzes. Man erkannte das Wappen meines Herrn, dem Ordensmarschall der Templer zu Ankur, Hadebrand von Grauburg, welches den Eingang des Zeltes schmückte. Von außen erkannte man im Inneren des Zeltes die Umrisse einer größeren Anzahl Menschen. Vor dem Zelteingang standen vier Wachen, die im Schein der Fackeln jedem Fremden den Zugang verwehren würden. Erst beim Näherkommen vernahm man die laute Stimme meines Herrn aus dem Inneren des Zeltes. Ich zog meine Kapuze vom Kopf, um mich den Wachen zu erkennen zu geben und trat in das Zelt. Das grelle Licht der Fackeln blendete mich im ersten Augenblick und erst als ich wieder richtig sehen konnte, erkannte ich um einen behelfsmäßig zusammen gebauten Tisch eine Anzahl Männer, in deren Mitte meinen Herrn.
Er sprach mich an: "Schön das Ihr endlich kommt, Tekin, was hat Euch aufgehalten? Seid Ihr nicht schon seit einer Stunde im Lager und hatte ich Euch nicht ausrichten lassen, daß wir auf Euch warten?”. In seiner Stimme lag ein harter Ton der Verstimmung. Er sah mich vorwurfsvoll an und ich wußte auch, daß er Recht hatte. Nichts haßte mein Herr mehr als Unpünktlichkeit, wenn man mal von Unloyalität absah. Schon zu oft hatte ich meinen Herrn während meiner Ausbildung bei ihm mit meiner Unpünktlichkeit verärgert, aber diesmal hatte ich ihn nicht alleine warten lassen. "Verzeiht ... die lange Reise von Escandra und das schlechte Wetter ... Ich mußte mich erst umkleiden, Herr.”, war meine Antwort. Mein Herr entgegnete daraufhin: "So, umkleiden?! Ich denke eher, Ihr wolltet Eurer Neugierde nicht mit durchweichten Kleidern frönen! Nun gut, darüber reden wir noch! Und wo sind nun endlich die Karten des Kartographen des Königs Denkwill von Nauhen? Wir warten immer noch!”. Ich gab ihm eine Lederrolle. Wie immer hatte mein Herr Recht gehabt, denn die Möglichkeit an dieser Besprechung teilzunehmen wollte ich mir nicht nehmen lassen. Mit durchweichten Kleidern hätte er mich sofort weggeschickt.
Mein Herr übergab die Rolle an einen der neben ihm stehenden Vestaline. Dieser öffnete die Lederrolle und entfernte die vielen Schutzleder. Eine Karte aus Papier wurde auf dem Tisch ausgebreitet und zwei große Kerzenleuchter näher herangezogen, woraufhin die anwesenden Vestaline der Templer und Hauptmänner der Grauburger und Amiener Truppenteile enger an den Tisch rückten. Ich hingegen trat lieber einen Schritt zurück, um meiner Neugierde nicht so offensichtlich Nachdruck zu geben. Mit einem wohlwollenden kurzen Blick registrierte mein Herr dieses Tun. Allzu oft hatte er sich schon meiner schämen müssen. Mein Herr Hadebrand von Grauburg ergriff das Wort: "So, so, dafür das wir eigentlich noch nicht allzuviel über dieses neue Land wissen, ist diese Karte wirklich bewundernswert genau! Wieder eine sehr gelungene Arbeit! ... Dann wollen wir mal sehen, wo wir uns zur Zeit befinden ...”. Er beugte sich vor, einige Vestaline wichen ein wenig zurück, um ihm mehr Platz zu machen. Mit einem kleinen Dolch wies er auf einen Punkt der Karte: "Hier, meine Herren, im äußersten Norden der Markgrafschaft, am Zusammenfluß der Ostra und des Brassachs, da befindet sich unser Lager.”. Er richtete sich auf und sprach weiter: "Jetzt, da wir seit Wochen keine Ödländer mehr gesichtet haben, endet endlich die Zeit der Waffen und beginnt die mühsame, aber sinnvolle Zeit des Aufbaus eines neuen Landes. Für meine Vestaline und Euch, Hauptmänner, bedeutet es viel Arbeit, die neuen Landesteile Heligonias aufzubauen und gegen Übergriffe Fremder zu sichern. Hierzu wird es nötig sein, verschiedene Grenzbefestigungen zu errichten.”. Mein Herr wies mit seinem Dolch auf einige markante Stellen auf der Karte. "Darüber hinaus muß zwischen diesen Befestigungen eine regelmäßige Grenzpatrouille gewährleistet werden. Ich selber werde in den nächsten Tagen mit dem Aufbau der zentralen Balleibefestigungsanlagen von Daronsfeste, dem Sitz der neuen Balleiverwaltung, beginnen. Dazu werde ich ...”.
Mein Herr hielt plötzlich inne. Da es nun still im Zelt war, hörte man den offensichtlichen Grund seiner Unterbrechung. Vor dem Zelt wurde laut und wild gesprochen. Sichtlich verärgert, in seiner Rede unterbrochen worden zu sein, rief er aus: "Was soll das zu so später Stunde bedeuten?!”. Ich wollte gerade aus dem Zelt gehen, um für Ruhe zu sorgen, da schritt mein Herr bereits an mir vorbei Richtung Zeltausgang. Seine Zuhörer im Zelt folgten ihm schweigend.
Mein Herr trat auf den Vorplatz des Zeltes. Eine größere Anzahl von Soldaten hatte sich bereits versammelt, um dem Schauspiel beizuwohnen. Während die Hauptmänner und Vestaline unter dem Vorzelt verweilten, trat mein Herr, begleitet von einer Wache mit Fackel, näher zum Ausgangspunkt der nächtlichen Ruhestörung: Zwei Männer, in Höhe des Versorgungszeltes, standen sich wutentbrannt und drohend gegenüber, laut sich wilde Beschimpfungen entgegenwerfend. Was die beiden an Beschimpfungen äußerten, verbietet meine Erziehung hier, verehrte Leser, wiederzugeben. Nur soviel sei verraten, in den Gesichtern der anwesenden Schaulustigen war oftmals der Ausdruck des Erstaunens zu erkennen. Entweder weil sie niemals den einen oder anderen Begriff ausgesprochen hätten oder teilweise solche wüsten Beschimpfungen noch gar nicht kannten.
Offenbar unbemerkt von den beiden in ihren Streit vertieften Soldaten, hatte sich mein Herr genähert und stand nun unmittelbar vor den Streithähne. Es schien auch nicht so, daß irgendeiner der Beiden Anstalten machen würde, den Streit beenden zu wollen. Einen kleinen Augenblick verfolgte mein Herr das Schauspiel, bis er seine Stimme erhob und schrie: "Was ist hier eigentlich los?!!” Beide Soldaten hielten sofort inne und schauten starr und wie geblendete Hasen auf meinen Herrn. Mit fester, ernster und forscher Stimme fuhr mein Herr fort: "Was soll ich davon halten? Gibt es einen vernünftigen Grund, sich derart zu benehmen?.
Der grauburger Gardist fand zuerst seine Stimme wieder: "Herr, ich habe eine wichtige Botschaft von meinem Herrn, Eurem Bruder Hagen von Grauburg, für Euch und dieser Templer wollte mich nicht vorlassen!”. " Dieser grauburger Gardist hat nichts von einer Nachricht gesagt! Unabhängig davon kann niemand einfach beim Ordenmarschall vorstellig werden, ohne sich entsprechend anzumelden!”, entgegnete der Andere lautstark. Beide verfielen wieder in ihren Streit, offensichtlich unbeeindruckt dessen, wer denn da eigentlich vor ihnen stand und zwischenzeitlich keinen freundlichen Gesichtsausdruck mehr hatte. Tobend vor Wut und die beiden übertönend schrie mein Herr: "Das ist ja wohl eine Unverschämtheit! Ich komme mir vor wie im Waisenhaus von Tarnam! Seid Ihr denn von einem wilden Norrland-Bullen gebissen?! Ihr werdet Euren Streit jetzt unverzüglich beenden und Euch Eure Strafe bei den jeweiligen Vorgesetzten abholen! Und jetzt her mit der Nachricht oder habt Ihr Eure Aufgaben jetzt gänzlich vergessen?”. Der grauburger Gardist übergab mit gesenkten Haupt eine Schriftrolle und zog sich sofort zurück.
Die Wache hinter meinem Herrn kam mit seiner Fackel näher, als mein Herr noch auf dem Platz die Schriftrolle vom Siegel seines Bruders befreite und durchlas. Obwohl sein Gesicht wegen des Vorfalls nicht gerade als freundlich zu bezeichnen war, verfinsterte es sich merklich mit jedem Wort, das er las. Mein Herr hob seinen Kopf und verweilte in Gedanken versunken, bevor er schnelleren Schrittes wieder Richtung Zelt und den wartenden Hauptmännern und Vestalinen ging. "Ich habe mich geirrt! Noch ist die Zeit der Waffen nicht vorbei! Verrat gegen unseren Markgrafen und Großmeister! Und wieder von Grauburger Boden!”, waren die Worte die er den wartenden Männern entgegen warf, "Hoffentlich ist es nicht schon zu spät?”.
Die Kunde vom Verrat gegen unseren Markgrafen wurde im Lager mit Entrüstung aufgenommen. Von dieser Minute an war es mit der Ruhe im Lager vorbei. Das Lager wurde aufgelöst, alle Soldaten mußten sich unverzüglich zum Abmarsch bereitmachen. Mir wurde aufgetragen, die Waffen und die Ausrüstung meines Herrn vorzubereiten und sie auf das Pferd zu packen. Mein Herr brach noch in der Nacht gen Grauburg auf, begleitet von 50 berittenen Recken. Alles was eine schnelle Reise verhindern würde, sollte mit dem Großteil der Truppen wieder Richtung Süden nach Daronsfeste ziehen, sich mit den dortigen Templertruppen vereinen und meinem Herrn folgen. Verbleiben sollte nur eine geringe Notbesetzung zur Grenzverteidigung ... Hier enden zunächst einmal meine Aufzeichnungen des fünfzehnten Tages der ersten Poëna des Jahres neunundachtzig nach der Erleuchtung.”
Torel Tekin, Knappe und persönlicher Sekretär
des Herrn Hadebrand von Grauburg
Drachenhainer Herold
Tatzelfelser Ritter von Flußpiraten überfallen
Am Abend des neunten Tag des ersten Saarka wurden der Tatzelfelser Ritter Leonidas von Rabenweil und sein Knappe Arandis von Schwarzensteyn auf dem Weg zum Adelstag von Flußpiraten überfallen. Das einsetzende Schneetreiben hatte verhindert, daß die beiden Männer vor der hereinbrechenden Nacht ihr vorgesehenes Nachtquartier im nächsten Dorf erreichen konnten. Die Flußpiraten müssen die Opfer des Überfalls für harmlose Reisende gehalten haben, anders läßt sich der dreiste Überfall nicht erklären. Von Rabenweil und sein Knappe waren gerade dabei, ihr Nachtlager zu bereiten, als sie die Piraten ausmachten, die sich ihrer Lagerstätte näherten. Im letzten Augenblick konnten die beiden Männer ihre Pferde besteigen, um den Räubern hoch zu Roß mit ihren Schwertern entgegenzutreten. Fünf der Piraten fielen Ritter und Knappe recht schnell zum Opfer, bis einer der Räuber heimtückisch das Streitroß von Herrn Rabenweil mit einem Pfeil erschoß. Das Pferd stürzte und begrub den Ritter unter sich, der, nun eingeklemmt unter dem toten Roß und mit gebrochenem Bein, nicht mehr in der Position war, sich zu verteidigen. Zwar kämpfte von Rabenweil auch in dieser mißlichen Lage unverzagt weiter und wurde von seinem Knappen tapfer verteidigt, doch das Ende schien unabwendbar. Völlig überraschend brachen die Räuber jedoch ihren Überfall ab und zogen sich auf ihr Schiff zurück, um zu flüchten. Doch zu spät! Zwei Ruderkampfschiffe der Ostarischen Jolbornflotte, die von Veitsburg in Soltran kamen, näherten sich in rascher Fahrt und brachten das Flußschiff der Piraten in der Mitte des Flusses auf. Das Piratenschiff wurde in kurzer Zeit geentert. Ein halbes Dutzend überlebender Räuber wurde in Ketten gelegt und harrt seiner Verurteilung.
Zum Unglück für von Rabenweil und von Schwarzensteyn waren sie im dichten Schneetreiben von den ostarischen Ruderkampfschiffen nicht auszumachen. So mußte der ebenfalls verletzte Knappe seinem Herrn eine Trage bereiten und ihn mühselig mit dem verbliebenem Pferd ins nächste Dorf bringen, wo sich eine Kräuterkundige seiner bereitwillig annahm.
Erst spät am Abend des elften Tages des ersten Saarka kam der arg geschundene Knappe auf Burg Jolberg an, um von dem Geschehen Kunde zu geben und das Ausbleiben seines Herrn gegenüber seinem Lehnsherrn Prinz Leomar von Drachenhain zu entschuldigen. Baron Jareck von Jolberg ließ daraufhin sofort Nachforschungen durch die Herzögliche Ostarische Marine tätigen, um zu klären, wo die Piraten herkamen.
Wir hoffen bald von ersten Ergebnissen berichten zu dürfen. Mit Freude können wir jedoch schon mitteilen, daß der Ritter Leonidas von Rabenweil und auch sein Knappe inzwischen wieder vollständig genesen sind.
Clankrieg im Hochland?!
Aufgrund der Ereignisse an der Landesgrenze von Flaitney zu Luchnar und die daraufhin folgende Bewaffnung der Luchnarer Hochländer, hat wie zu erwarten dazu geführt, daß sich die Flaitneyer Clans ebenfalls in den Waffenstand erhoben haben. Wie auch Baron Koldewaith von Hautzenstein, billigte Baron Foranan Mc Donough dies auch. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den zwei Baronen sei durch diese doch erschreckende Entwicklung noch nicht gestört zu sein.
Dennoch wird befürchtet, daß die schon fast vergessenen Streitigkeiten der Clans wieder aufleben, und ein neuer großer Clankrieg bevorsteht. Dies wissen die zwei Barone hoffentlich zu verhindern.
Hochland versinkt im Schnee
Schwere Zeiten scheinen dem Hochland bevorzustehen. Wurde doch erst vor kurzem bekannt, daß in Flaitney die schwersten Schneefälle der letzten 50 Jahre gefallen seien. Als ob die Bevölkerung dort oben nicht schon genug Probleme durch die Schafseuche hätte, sind jetzt auch sämtliche Straßen unpassierbar. Wenigstens haben wir gut vorgesorgt, so Baron Foranan Mc Donough. Da die letzten Winter etwas milder ausfielen konnte man auf ein paar Notreserven zurückgreifen, die sich noch in den Vorratslagern befanden. Da durch die stark verschneiten und vereisten Wegen und Straßen ein Transport von Waren nahezu unmöglich macht,
schickte der Baron in der Hoffnung auf eine Besserung der Lage eine Karavane nach Darian, um von dort Darianischen Streusand einzukaufen.
Doch die Hoffnung darauf wehrte nur kurz. Saarka scheint dem Hochländichen Baron dieses Jahr wirklich nicht wohlgesonnen zu sein, denn während die Karavane schon auf halben Weg zurück unterwegs war, und den einzigen freien Gebirgspaß durch Hochwalden nehmen wollte, wurde diese von einer großen Lawine überrascht und zum größten Teil verschüttet. So konnte nur ein Teil des in Flaitney so dringend benötigten Darianischen Streusands in Flaitney abgeliefert werden. Wenigstens konnten mit dem Rest des Streusandes ein paar Straßen wieder einigermaßen passierbar gemacht werden. Vom Schicksal so gebeutelt, wird gemunkelt, daß Baron Foranan Mc Donough täglich mehrere Stunden in seinen Heiligtümern um Besserung betet.
Schafseuche eingedämmt?
Seit neuesten Berichten, sind keine neuen Fälle der Schafseuche in Flaitney aufgetaucht. Da dies erst der Fall war, nachdem keine Tiere mehr der Q1 nähern durften und durch die starken Schneefälle das passieren jener Straße nahezu unmöglich macht, keine Schafe diese benutzen konnten, gilt es jetzt als nahezu sicher, daß der Ausbruch der Seuche etwas mit der Q1 zu tun haben muß. Da sämtliche Tiere in Herden zusammen in den Pferchen überwintern, ist es sehr verwunderlich, daß noch keine der Tiere von anderen erkrankten angesteckt wurden. Sämtliche Gelehrten, die sich mit dem Problem befassen stehen vor einem Rätsel.Erst wenn der Schnee abgetaut ist, so denkt man, kann man mit den weiteren Untersuchungen an der Q1 beginnen. Baron Foranan Mc Donough kann seine Dankbarkeit nicht groß genug zum Ausdruck bringen die ihm die ganzen Adeligen der Baronien wie Tatzelfels, Luchnar, Tagil, Tlamana, Wolfenfeld u.v.a.und die Grafschaft Sedomee entgegenbringen. Der Baron bittet alle oben nicht genannten Baronien oder Ländereien um Entschuldigung, die ihm auch Unterstützung zukommen ließen oder lassen. Foranan Mc Donough hofft auf Grund der vielen Hilfe alsbald zu einer Lösung zu kommen. So kann man nur hoffen, daß diese Tragödie bald zu einem Ende findet.
Geneigte Leser, werte Waidleute und Schreiberlinge,
Es ist mein Auftrag, Euch in Kenntnis zu setzen von dem Vorhaben der hochnoblen Herren Graf Waldemar von Drachenhain, Prinz Leomar von Drachenhain und Baron Jareck von Jolberg, ein Brevier herauszugeben über das Waidwerk, dessen Ausübung und ebenso anverwandte Themen. Es sollen in diesem Werk lehrreiche Tatsachen,
andenkenswürdige Ereignisse und kuriose Anekdoten gleichermaßen beschrieben werden, weswegen sich die Herren Herausgeber um aller Autoren Berichte bemühen wollen, derer sie habhaft werden können, ob es nun die Erlebnisse einfacher Waldbauern auf der Pelztierjagd sein mögen oder die Erfahrungen des Hochwildjägers in Ausübung seines edlen Handwerks.
Erwünscht sind spannende oder lehrreiche Jagdgeschichten, Berichte über Jagdmethoden oder spezielle Wildtiere sowie Zubereitung von Wildbret in den verschiedenen Regionen Heligonias. Auch ungewöhnliche Formen der Jagd sowie Jägerlieder sind willkommen.
Anlaß zur Herausgabe dieses Buches ist die Aufnahme Baron Jareck von Jolbergs als Jagdritter in den Orden der goldenen Bärentatze durch seine Hochgeboren, Graf Waldemar, da sich der Herr Jareck durch die Vervollkommnung der Garstbockjagd in herausragender Art hervorgetan hat.
Mit großer Freude erwarten wir die Einsendungen, die wir bis zum Jahreswechsel, spätestens jedoch bis zum 2. Helios entgegennehmen.
Meister Schillwunk Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter
Herzögliche Ostarische Hofgazette
Neues aus Emarania
Befreiungsversuch gescheitert
In den ersten Tagen des letzten Wintermondes wurde von bisher unbekannten Personen der Versuch unternommen, die ehemalige Baronin von Emarania, Angharad Elanor von Emarania, entweder zu befreien oder aber zu entführen.
Der Versuch scheiterte an der heftigen Gegenwehr Angharads, wobei anscheinend einer der Täter verletzt wurde.
Nach den Gründen für ihre Gegenwehr befragt, sagte Angharad Elanor, sie habe nichts getan, weswegen sie aus Emarania oder Ostarien fliehen müsse. Es gebe keinen Grund für sie, irgendwelche Konsequenzen ihrer Taten fürchten zu müssen.
Wie zudem bekannt wurde, ist es der ehemaligen Baronin seit einiger Zeit gestattet, sich in Wasserau aufzuhalten, wo sie es übernommen hat, in einem Lazarett bei den Opfern des Krieges Hilfe zu leisten.
Wo ist Anselm von Rabenstein?
Seit einiger Zeit ist der Freiherr von Vorberg, Anselm von Rabenstein, ein enger Vertrauter Angharad Elanors, nicht mehr gesehen worden. Es kann angenommen werden, daß er das Land nicht verlassen hat. Wer etwas über seinen Verbleib sagen kann, möge sich an Oberst Valerian wenden.
Danksagung
Zum ersten Mal seit langer Zeit erhebt die ehemalige Baronin von Emarania, Angharad Elanor, die Stimme im heligonischen Boten:
"Nachdem ich nun endlich wieder die Möglichkeit habe, eine offizielle Verlautbarung im heligonischen Boten zu veröffentlichen, möchte ich die Gelegenheit dazu nutzen, all jenen zu danken, die in einer schweren und unübersehbaren Zeit dem Lande Emarania geholfen haben, die alte Freundschaft nicht vergessen haben und deren Herzen nicht so verbittert waren, daß sie das Leid des Volkes nicht mehr gesehen hätten. Ganz besonders danke ich Baronin Nimue und Baron Koldewaith für ihren Einsatz in ganz Teemooranien und ganz besonders auch für ihren Besuch bei mir, den ich zu dieser Zeit kaum im rechten Maße zu würdigen wußte. Und ich danke meinem Bruder Leomar für seinen unermüdlichen Einsatz in Emarania und für seinen Trost in dunkler Stunde. Ebenso danke ich meiner Cousine Josephina, die nicht aufgehört hat, mir den Kopf zurechtzusetzen.
Und mein Dank gilt all jenen, die in den Zeiten der Pustelplag und des Chaos in Teemooranien in irgendeiner Weise Hilfe geleistet haben, ganz besonders dem Lande Sedomee.
Ich entschuldige mich bei allen, deren Leistung ich nicht genügend gewürdigt habe und ich bin froh, daß sie dennoch gebracht wurde.
Möge nun der Friede erhalten bleiben, und mögen all jene, die glauben, sich zu etwas Besonderem aufschwingen zu müssen, lernen, daß manche Dinge gottgegeben sind und daß ein Geburtsrecht nicht mit Blumenkästen an einer Stadtmauer oder üblen Verleumdungen abgekauft werden kann.”
Eine Baronin für Drackensteig
Wie jüngst bekanntgegeben, ist die Zeit für klare Verhältnisse in Drackensteig ein Jahr nach Sirium Silverhorns Tod auf Fhein nun endlich gekommen. Allgemein hatte die Öffentlichkeit angenommen, daß der Bruder des Gefallenen bald die Macht in der Baronie übernehmen würde. Nur die Silverhorns wußten, daß der Wille Siriums ein anderer war: Bereits vor knapp einem Jahr wurde sein Testament eröffnet und darin war zu lesen, daß niemand anderes als seine jüngere Schwester Shanthana Silverhorn sein Erbe antreten solle - etwas ungewöhnlich in einer ceridischen Familie -, was von niemandem angezweifelt wurde, denn hoch ist das Ansehen des Gefallenen auch bei seinen Angehörigen. Nun wollte die edle Dame sich aber noch auf ihre Aufgabe vorbereiten. So knüpfte sie zum Beispiel auf dem Adelstag Kontakte und beließ die Regierungsgeschäfte erst einmal in den Händen der treuen Berater Siriums. Beim Vasallentreffen, welches kürzlich anläßlich des Todes Herzog Uriels II. abgehalten wurde, war die Zeit für den Amtsantritt gekommen, und Shanthana Silverhorn schwor vor Regentin Walluma von Ostarien dem jungen Herzog den Lehenseid. Ganz Ostarien ist gespannt, wie sie ihre Aufgabe meistern wird und was die Zukunft für Drackensteig bringen wird.
Herzog Uriel II. von Ostarien ist tot!
Die letzte Schlacht des großen ostarischen Landesherren ist geschlagen. Seine Erlaucht, Herzog Uriel der II. von Ostarien, geliebter, väterlicher Landesherr des ostarischen Volkes, weiser Begründer und ostarischer Landmeister der Templer zu Ankur, glorreicher Führer der siegreichen ostarischen Armee, ist in den ersten Tagen der steigenden Poënasonne des bisher so glorreichen 89. Jahres nach der Erleuchtung vor seinen Schöpfer getreten.
In einem letzten agonischen Aufbäumen gegen sein Schicksal ließ der vom Kampf mit daimonischen Mächten schwer gezeichnete alte Recke nach seinen engsten Vertrauten rufen. Erst in dieser Stunde war es ihm vergönnt, von der Zerschlagung der Teemooranischen Aufständischen, vom glorreichen Sieg über die der verderbten Ödländer und der Ausweitung seines Herzogtums nach Norden hin zu erafhren. Stolz leuchtete in seinen halbblinden Augen, als sein als verloren geglaubter Nachkomme, Aftalun von Ostarien, an sein Lager trat und ihm seine größte Sorge nahm: Den Fortbestand des Hauses. Mit ruhiger Stimme setzte er gemeinsam mit dem herzöglichen ostarischen Hofchronisten sein Testament auf, um hernach die letzte Ölung aus der Hand des ehrwürdigen Vaters, Erzkaplan Falkonius von Regart, dem Abt des Klosters Hurtenau und Beichtvater der herzöglichen Familie zu empfangen.
Die sterbliche Hülle des Herzogs wurde im Kreis seiner engsten Vertrauten in der Familiengruft auf der Feste Brazenberg beigesetzt.
Die offizielle Trauerfeier wird am 25. Tag der 2. Poëna im Augustinusdom zu Ankur stattfinden. Alle Barone des Herzogtums werden dann dem Verstorbenen den letzten Gruß entbieten. Selbstverständlich ist der ganze Adel und Klerus des Königreichs zu diesem Ereignis geladen.
Die Suche nach dem echten Teemon hat jetzt begonnen
Nachdem die Nachforschungen des Nexus Corenae ergeben hatten, daß es sich bei dem gefangenen Teemon keineswegs um den echten gehandelt haben kann, stellte man weitere Nachforschungen an und stieß so auf den Bericht einer kleinen Gruppe von Personen, welcher zuerst als unglaubwürdig eingestuft worden war. Jene schrägen Vögel waren im letzten Jahr am Südrand der Ödlande aufgelesen worden und hatten behauptet, eine Nielsonsfahrt durch verschiedene unterirdische Ödländertempel hinter sich zu haben, außerdem hätten sie den noch lebenden aber wie tot daliegenden Körper des Teemon gesehen, wären aber unglücklicherweise nicht in der Lage gewesen ihn mitzunehmen, da auf die Entdeckung Gefangennahme und Flucht folgten. Verständlicherweise hegte man zuerst Zweifel an dieser unglaublichen Geschichte, doch nach den neuen Erkenntnissen ist man jetzt anderer Meinung. So ließen seine Majestät und die Regentin von Ostarien gemeinsam eine Expedition ausrüsten, welche aus speziell in Rettungseinsätzen geschulten, bewaffneten Kräften besteht. Diese sind bereits aufgebrochen, um nach Teemon von Hohenforingen zu suchen und wir werden den Leser darüber informieren, sobald es Neuigkeiten gibt.
Lodenstadt zum Herzöglich Ostarischen Marinestützpunkt ernannt
In den letzten Tagen des 3.Saarka war es endlich soweit: Mit der Indienststellung des Ersten Geschwaders der neuen Emaranseeflotte wurde das dritte große Ostarische Gewässer dem Sicherheitsstandard von Jolborn und Brazach angepaßt. Das Geschwader besteht aus drei ausgebesserten Lodenburger Fischerreifahrzeugen, die mit reichlich Geschützen bestückt wurden. Stationiert sind die Streitkräfte im neuen Kriegshafen von Lodenstadt, der von Baron Norwin von Lodenburg und Angehörigen der Admiralität am 27.Tag des 3.Saarka feierlich eingeweiht wurde. Bereits im Bau ist ein Schiff der Herzog-Uriel-Klasse, welches nach Fertigstellung der Flotte als Flaggschiff dienen soll. Zum Kommandanten der Emaranseeflotte wurde Admiral Regulan vom Forchtenberg bestellt, welcher auch gleichzeitig als Komandant des Ersten Geschwaders fungieren wird. Stützpunktkommandant in Lodenstadt ist der altgediente frühere Kapitän der "Erzmark", Hengiss von Dernhorst. Das momentane Flaggschiff "Kaiserschreck" wird von Kapitän Elian Sander, die "Emaranperle" von Marinehauptmann Steinhart von Garstfelden und die "Fibi" von Marinehauptmann Joost Van Goov kommandiert. Letzteres Schiff erhielt seinen Namen auf Wunsch des frischbeförderten jungen Hauptmanns, welcher früher als erster Offizier unter Kapitän Xurlsen Kielholer diente und sich jetzt bei seinem ersten Kommando bewähren soll.
Zusammenkunft der Vasallen Ostariens in Ankur
Direkt nach dem Tode ihres Gemahls hatte Herzogin Walluma die Barone Ostariens ersucht, sich am 28. Tag des ersten Poëna in Ankur zu versammeln. So reisten denn alle in die Ostarische Capitale, und so manches schmucke Stadthaus sah seit langer Zeit wieder einmal seinen Besitzer.
Nachdem sich dann all die Adligen im Herzöglichen Palast eingefunden hatten, eröffnete Ihre Erlaucht und der überraschend zurückgekehrte Prinz Aftalun den Anwesenden, wie die Zukunft des Herzogshauses aussehe. Alle, die den Prinzen früher gekannt hatten, waren erstaunt, welche Veränderung mit ihm vorgegangen war, denn aus dem verunsicherten ziellosen Jüngling war ein ernster entschlossener Mann von großer Frömmigkeit geworden, und noch unerwarteter war die Offenbarung, daß der bisherige Ostarische Thronfolger ein enger Vertrauter des Erzprimus geworden und erst vor kurzer Zeit zum Prior von Gunara ernannt worden war.
Der Prinz hatte während seiner Abwesenheit eine Dame aus der Familie von Lodenburg geheiratet und mit ihr einen Sohn gezeugt. Tragischerweise verstarb die Gemahlin bereits im Kindbett. Hiernach trat Prinz Aftalun dem Hilariusitenorden bei, und stieg Dank seines großen Eifers bis in seine jetzige Position auf.
Zustimmung bei den Vasallen fand der Entschluß des Erbprinzen, für seine Kirchenlaufbahn auf den Herzogsthron zu verzichten. Er werde jedoch weiterhin den Titel eines Prinzen von Ostarien führen.
Hiernach stellte die Herzogsfamilie den Baronen den neuen Herzog Ostariens, Angilbert Uriel von Ostarien, Sohn der verstorbenen Evanna von Lodenburg, vor. Der dreijährige Sohn Aftaluns, Abkömmling der verloren gegangenen Linie des Hauses Lodenburg, soll in Ankur aufwachsen, um später die Regierungsgeschäfte des Herzogtums zu übernehmen. Walluma von Ostarien wird weiterhin bis zum sechzehnten Geburtstag Angilberts die Geschicke des Herzogtums leiten. Sie ist bis dahin Regentin Ostariens und wird zeitlebens Erzvogtin von Ankur bleiben.
Groß war das Gemeinschaftsgefühl unter den Ostarischen Adeligen, nach den gemeinsam überstandenen harten Zeiten, und so zweifelte niemand die Entscheidungen der Herzogsfamilie an, und alle Barone schworen dem jungen Herzog die Treue, welcher das ganze Treiben wahrscheinlich nicht ganz verstand, es aber mit neugierigen Augen beobachtete.
Nun wurde noch lange beraten und einen ganzen weiteren Tag wurden Pläne für die Zukunft geschmiedet und Verträge geschlossen. Schließlich trat so mancher die Heimreise an, um in einem Monat wieder nach Ankur zu kommen und dem alten Herzog das letzte Geleit zu geben, während andere noch bis zur Trauerfeier in ihren Stadthäusern verweilen werden.
Die Rückkehr - Teil 2
Ich war todmüde, als ich noch vor dem Morgengrauen zum Holzmarkt ritt, wo ich mich mit Harkenfels und seinen Männern verabredet hatte. Zwei Tage zuvor, an jenem Abend im "Schlüssel”, hatte ich mich noch lange mit ihm unterhalten; Todje Harkenfels war ein Mann, der sich gerne reden hörte und Neuigkeiten gab es schließlich genug in Yaldering. Zwar hatten sich seine Gefährten – Burgwart Lonstett, der alte Yarrol Bergmann, Ian Turlachen, ein schweigsamer Sonderling aus Luchar; allesamt ehemalige Söldner im Dienste Ostariens – kaum an der Unterhaltung beteiligt, doch waren mir Todjes Geschichten Unterhaltung genug, wenn auch manche Berichte eher Anlaß zur Sorge gaben. So schien mir etwa das wiederholte Aufbegehren einiger weniger Hitzköpfe gegen die Oberherrschaft des Pailat in Anbetracht der anstehenden ebenso entbehrungsreichen wie arbeitsamen Poënamonde ein gewisses Problem zu sein.
Noch vor zwei Tagen hätte ich nicht im Traum daran gedacht, heute in den Norden aufzubrechen. Jetzt aber saß ich, nach zwei ereignisreichen und viel zu kurzen Tagen, völlig übernächtigt und fröstelnd auf meinem Pferd. Ich hatte bis spät in die Nacht gearbeitet, da dies ja nun die letzte Gelegenheit gewesen war, die Vorbereitungen zur Entsendung des Versorgungszuges nach Yaldering zu treffen und konnte mich nun, zu dieser Stunde, nicht so recht an dem lange ersehnten Aufbruchstermin freuen.
Die wärmenden Sonnenstrahlen der beginnenden Poëna-Monde hatten uns in Ankur den vorangegangenen, ausgesprochen harten Winter jenes Jahres allenfalls um die Mittagszeit vergessen lassen; frierend kam ich nach kurzer Zeit vor dem Morgengrauen zu unserem vereinbarten Treffpunkt.
Nur das regelmäßige Schnauben meines Pferdes stob in die kalte Morgenluft. Vielleicht warteten die Reisenden am unteren Ende des Platzes. Hoffentlich.
Der Holzmarkt ist eine lange, durch den Abriß einer einst abgebrannten Häuserreihe entstandene Freifläche, die sich zwischen mittlerer und äußerer Stadtmauer in dem entstandenen Zwischenraum erstreckt. Wöchentlich werden dort Brennholz, Holzkohle aber auch Rohmaterialien für die dort ansässigen Handwerker gehandelt. Wie so vieles in Ankur hat sich auch diese Kuriosität im Laufe der Jahre völlig ohne das Zutun der Stadtoberen einfach ergeben, um dann von den Bürgern zunehmend benutzt zu werden und sich schließlich als eine althergebrachte Institution zu etablieren.
Nun, im Moment freilich befand ich mich auf einem langen, leicht abschüssigen, gepflasterten Platz - einem völlig leeren Platz, auf dem die Hufe meines Pferdes in einer Lautstärke klapperten, die eher auf ein Kavallerieregiment schließen lassen sollten als auf einen einzelnen Reiter (der es noch nicht einmal besonders eilig hatte). Wie auf ein Zeichen begann irgendwo ein Hund zu bellen. Ich überlegte, ob es mir etwas ausmachte, die halbe Anwohnerschaft aus dem Schlaf zu reißen, doch bin ich frühmorgens nicht gerade für meine Umgänglichkeit bekannt.
Endlich gewahrte ich am unteren Ende des Platzes eine Laterne. Im beginnenden Morgengrauen schien ihr gelb flackerndes Licht in der zwischen grauen Dunstschleiern und fahlen Umrissen aufsteigenden Dämmerung seltsam unwirklich. Nur vage waren die fünf Gestalten zu erkennen, die ich erst im letzten Moment aus dem Schatten der Stadtmauer treten sah.
Wir begrüßten uns knapp. Ian und Burgwart begannen, unser Gepäck auf die drei Packpferde zu verteilen, die anderen warteten schweigend. Ich trat von einem Bein auf das andere, um die Kälte zu vertreiben.
Als die drei Packpferde beinahe fertig waren, wandte sich Burgwart zu mir um.
"Eine Tasche werdet ihr wohl doch auf eurem Pferd mitnehmen müssen.” Er reichte mir eine meiner Packtaschen.
Offensichtlich hatten die Reisenden einiges an Gepäck dabei. Ich nickte kurz und begann mit klammen Fingern, die Tasche wieder an meinem Sattel zu befestigen.
"Warum seid ihr zu fünft?” fragte ich. Bisher hatte ich vier Reisende erwartet.
Der Fremde antwortete selbst.
"Mein Name ist Lara, Todje und ich kennen uns schon lange. Ich werde Euch nach Thalion begleiten.”
Nicht ganz zufriedengestellt beschloß ich, mich bei passenderer Gelegenheit mit Harkenfels über die Art der Geschäfte zu unterhalten, die er in Brassach abzuschließen hatte...
Kurz vor dem Eintreffen der Morgenwache erreichten wir das Nordtor der Stadt. Glücklicherweise erkannte mich einer der drei Nachtwächter, so daß wir die beiden Tore passieren konnten. Als wir den Graben hinter uns ließen und sich die dunklen, von rauhreifbedeckten Hagebuttensträuchern gesäumten Äcker vor uns ausbreiteten, rötete sich der Himmel über den Nebelschwaden auf dem Brazach. Bald würde die aufgehende Sonne die Kälte in unseren Gliedern vertreiben. Todje Harkenfels, der bisher vorausgeritten war, lenkte sein Pferd neben das meine. "Und? Hast du deine Besorgungen gemacht?” fragte er munter. "Ich meine, naja, es hörte sich nach einer ganzen Menge Arbeit an...”
Bereitwillig informierte ich ihn über unser Vorhaben. Er schien nicht unbedingt interessiert, eher mißtrauisch. "Was wird uns das Ostarienhaus bringen?”, fragte er schließlich, "etwa noch mehr Verwalter und Vertreter, die uns sagen, was wir zu tun haben?”
"Wir wollen euch nicht regieren”, entgegnete ich, "ihr werdet aber Hilfe brauchen, bei allem, was noch gebaut, angelegt, errichtet und gegründet werden muß in Yaldering.” "Ah. Was, wenn wir gar nicht wollen, daß uns jemand hilft, viele Schreibstuben einzurichten, um damit viele herrschaftliche Dekrete zu hüten?”
"Darum geht es nicht, das weißt du”, erwiderte ich ausweichend. "Es sind einige Dinge, die das Ostarienhaus nötig machen. Nehmen wir die Grenzlage: Es ist nicht möglich, von Ankur nach Yaldering zu gelangen, ohne dabei das Herzogtum zu verlassen. In gewisser Hinsicht entzieht sich die Baronie unserer Einflußnahme. Dennoch ist es gerade diese Baronie, die die neue ostarische, ja heligonische Grenzmarke gegen die Ödländer darstellt. Ohne unsere Hilfe seid ihr nicht stark genug, einem ernstgemeinten Angriff standzuhalten. Wir müssen euch unterstützen; gerade jetzt, in der Anfangszeit.”
"Bis wir uns an die Abhängigkeit gewöhnt haben”, murmelte Harkenfels düster.
Lara hatte mit ihrem Pferd zu uns aufgeschlossen. "Wie´s aussieht, werden wir in der vor Jahresfrist von der Herzogin versprochenen Freiheit ohnehin nicht die Last irgendeiner Verantwortung zu tragen haben.” Sie gab sich kaum Mühe, den Sarkasmus in ihrer Stimme zu verbergen. Ich wurde langsam ärgerlich. "Da hast du wohl recht”, brummte Harkenfels, "und was diese ogedischen Ordensbrüder vom Regieren verstehen, kann man sich ja denken. Wer sich jahrhundertelang vor den Ödländern versteckt...”
"...sollte sich nicht von heute auf morgen so wichtig nehmen”, schnaubte Lara verächtlich.
Ich unterbrach sie. "Gemäß dem heligonischen Lehensrecht ist die Herrschaft über Kendhas Pailat als Wehr- und Grenzmark zu den Ödlanden an die Ordensburg gegeben worden; kein leichtes Amt, das gebe ich zu. Doch Baron Jareck von Jolberg hält viel von den Ordensleuten, und seit der Audienz des Iklan Jhulym bei der Herzogin scheint auch sie von der Weisheit der Herren des Pailat überzeugt. Der Iklan als Delegierter des Pailat ist legitimer Baron des Landes. Das ist heligonisches Recht. Habt ihr geglaubt, ohne einen Baron als Lehensnehmer, also ohne Führung zu bleiben? Davon abgesehen scheint mir euer zukünftiger Herr ein vernünftiger und verständnisvoller Mann zu sein.”
"Er ist Baronatsverwalter im Auftrag des Ordens, vergiß das nicht. Und wir sind mit dieser Führung nicht einverstanden”, sie schaute mich an. "Ob man uns fragt oder nicht!”
Harkenfels schaute uns belustigt zu, als ich sie abermals zu überzeugen versuchte. "Wie dem auch sei, die oberste Dienstherrin des Heerführers -unsere Regentin- Herzogin Walluma von Ostarien, hat die Verfügung über Kendhas Pailat in die Hände des Ordens gelegt. Das drückt allein schon die Benennung aus. Zweifelst du an ihrer Entscheidung? Was hätte sie anderes tun sollen?”
"Tja, was hätte sie auch anderes tun sollen. Sie hat ja nicht gesehen, was wir gesehen haben. Wir haben unter den Ödländern gelitten, wir haben gegen sie gekämpft, und wir sind es, die gesiegt haben, nicht der Pailat. Diese Kreaturen wollten uns alles nehmen. Rauben. Morden. Plündern. Brandschatzen.” Ihre Stimme wurde leiser, sie wandte sich ab.
"Jetzt sollen sie zahlen. An uns.”
Mißmutig beobachtete ich die Nebelschwaden auf dem Brazach, über denen gerade die Sonne aufging. Ich beschloß, das Thema zu wechseln. "Wo werden wir denn nun Station machen? Bisher weiß ich nur, daß wir nach Thalion in Grauburg unterwegs sind.”
"Wir werden über Wieselsteig und Alt-Amien nach Thalion zur Eichenburg reisen. Ich hoffe, dort jemanden zu treffen, der mir - mir und Lara”, er wies mit dem Kopf in ihre Richtung, "etwas schuldig ist. Danach”, er beeilte sich, fortzufahren, "werden wir über Brazfurt und Dachsrode in Caronia in das Wildland östlich von Yaldering kommen. Wie lange wir dann noch brauchen werden, kann ich nicht genau sagen.” Er schaute mich abschätzend an. "Es gibt keine Straßen dort”, fügte er hinzu und führte sein Pferd wieder an die Spitze unserer Gruppe.
Ich war gespannt, welches Bild uns der Fluß bieten würde. Meist verabschieden sich die Saarkamonde Jahr für Jahr mit großzügigen Überschwemmungen von den märkischen Bauern, im Laufe der Jahrhunderte wurden deshalb die Dörfer in den am Fluß gelegenen Landstrichen zunehmend auf eigens aufgeschütteten Erhebungen errichtet. Und tatsächlich: Als der Weg später für eine Stunde am Ufer des Stroms entlangführte, war die Wasserlinie bereits deutlich angestiegen.
Wir ritten den Brazach entlang nach Gahrne, bogen schließlich westlich ab und machten Abends in einer kleinen, heruntergekommenen Herberge nahe Wieselsteig Halt. Zu müde, um meinen Unmut über die zweifelhafte Unterbringung zu äußern, fiel ich nach einer kurzen Abendmahlzeit auf meine Schlafmatte. Ich hätte in einer der mit Sicherheit komfortableren Unterkünfte der alten Wehrfeste der Großmeister der Templer ohnehin kaum besser geschlafen.
Es dauerte noch zwei weitere Tage, bis wir die Eichenburg erreichten. Wir ritten durch den Grauforst und den Grauburger Wall nach Alt-Amien. Die mit dem nahenden Frühling erstarkenden Sonnenstrahlen hatten die Schneereste in die schattigen Wälder und engen Täler zurückgedrängt, deren es im Norden Grauburgs allerdings viele gab. Des Nachts war man mit dem schweren, wollenen Umhang noch immer am besten gekleidet.
Die Leute in Grauburg nutzten die regenarme Zeit, um in ihre Häuser zurückzukehren, die während der Kriegszeit brach gelegenen Felder nun erstmals wieder zu pflügen und für die Aussaat vorzubereiten, sie werkelten an ihren Unterkünften und verhandelten mit den vielen Rittern, Ordensmännern und Freien, die in diesen Tagen mit großer Eile von Ort zu Ort zogen, um in durch Kriegswirren und Neuordnung der jungen Markgrafschaft entstandenen Fragen zu gebieten. Viele der nunmehr heimatlosen Flüchtlinge aus dem Norden halfen bereitwillig, liegengebliebene Arbeit zu beenden und neue Aufgaben anzugehen. Am Grauburger Wall wurde ein aufwendiges Bewässerungssystem eingerichtet. Mit großer Verwunderung vernahm ich, daß man vorhabe, Weinreben auf den breiten Terassen anzubauen. Ich überlegte, daß der eifrige Ordensmarschall der Templer zu Ankur, der für seine Tüchtigkeit bekannte Landkomtur Hadebrand von Grauburg, eine Reise nach dem fernen Rebenhain anstrengen sollte, um sich dort Rat und Hilfe für dieses Projekt geben zu lassen. Immerhin sollten angehende Winzer zumindest um die Vorliebe der Reben für trockenen Untergrund wissen...
In Alt-Amien schließlich übernachteten wir nach dem zweiten Reisetag abermals im Hinterhaus einer eher bescheidenen Schenke im Schatten der zwar erst seit kurzer Zeit bestehenden, aber dennoch bereits beeindrucken Dombaustelle in der Stadtmitte zwischen Kirche und Kloster.
Meiner Frage nach den Gründen für die in meinen Augen übertrieben einfache Unterbringung unserer Reisegruppe wich Harkenfels aus. Er wolle kein Aufsehen erregen, erklärte er.
Nachdem wir frühmorgens aufgestanden und zeitig losgeritten waren, um den ganzen Tag in strengem Tempo durch die weniger dicht besiedelten Provinzen Tharagonien und Thalion zu reiten, hatten wir uns bei Sonnenuntergang der Eichenburg bis auf Sichtweite genähert. Harkenfels trieb uns zur Eile an. Mein Sitzfleisch schmerzte.
Als wir über den schwindelerregend tiefen Burggraben ritten, erkannte ich, daß es nicht übertrieben war, was wir über die Uneinnehmbarkeit der Burg gehört hatten. Auch ihre Größe überraschte mich, obwohl wir schnell feststellten, daß die Unterkünfte überbelegt waren. Wir bekamen eine niedrige, zugige Kammer ohne Feuerplatz hoch über dem Burggraben zugewiesen; angesichts der drangvollen Enge auf der Burg hatten wir damit jedoch sogar Glück. Flüchtlinge, Reisende, Wachen, Händler, Waldläufer und natürlich die Burgherrschaft teilten sich den wenigen Platz, sogar ein ausländischer Ritterorden hatte Unterkunft in der abgelegenen Behausung genommen.
Ian, Burgwart und Yarrol Bergmann legten sich gleich auf ihre Schlafstellen, Lara und Harkenfels verschwanden, um irgendwelche Bekannten zu treffen. Ich wusch mir den Staub der heruntergekommenen Grauburger Straßen ab; es war offensichtlich, daß die hiesige Obrigkeit in letzter Zeit ihr Augenmerk weniger auf ein intaktes Straßennetz hatte richten können. Als ich meine Packtaschen ordnete, gewahrte ich auf der Zugbrücke Todje Harkenfels und Lara, die dort mit zwei Fremden verhandelten. Sie mußten die Wachen weggeschickt haben, es war sonst niemand auf der Brücke zu sehen. Ich beschloß, bei passender Gelegenheit den wachhabenden Offizier von diesem sträflichen Schlendrian in Kenntnis zu setzen.
Die Erkenntnis, daß einer der Fremden wie mein Bruder aussah, ließ mich erschrocken zusammenzucken.
Ungläubig starrte ich aus der engen Maueröffnung. Ich löschte die Laterne, um besser sehen zu können. Ich war mir nicht sicher; unter der weiten Kapuze des Umhangs war das Gesicht der Gestalt nur schwer zu erkennen. Ich hatte meinen Bruder in einer der letzten Scharmützel des Teemooranienfeldzugs zum letzten Mal gesehen; er war damals verschwunden; ich hatte angenommen, er sei in der Schlacht gefallen. Wieder schaute ich hinunter auf die Brücke. Die zweite Gestalt, in nicht zu erkennendem Ordenshabit gekleidet, deutete auf den Wald und schien die anderen zu beschwichtigen. Ich beschloß, zum Burgtor zu eilen.
In den verwinkelten Gängen der Burg war reges Treiben, so daß ich erst einige Zeit später das Burgtor erreichte. Unterwegs hatte ich aus den Augenwinkeln die Wachsoldaten erblickt: Sie feierten mit ihrem Offizier in der Burgschenke. Anscheinend fühlte man sich sicher. Nun, ich war jedenfalls froh, die Ödländer weit zurückgedrängt zu wissen.
Die Zugbrücke war leer, als ich sie erreichte. Eine einsame Laterne brannte gerade aus, als ich sie erreichte; es wurde völlig dunkel und sehr still.
Resigniert ging ich in die Burg zurück. Unterwegs begegnete ich zwei Wachsoldaten, die offensichtlich gerade ihren Dienst an der Zugbrücke antraten. Ich schüttelte den Kopf und ging, viel zu aufgeregt, mich zur Ruhe zu begeben, in die Burgschenke, wo ich einen Knappen aus Tatzelfels traf, der mich prompt überredete, mit ihm einen Humpen Honigmeth zu leeren. Ich hatte nichts dagegen einzuwenden und hörte mir die interessante Neuigkeit an, von der er zu berichten wußte: Ein lange erwarteter Bote war am Waldrand mit einem Pfeil in der Brust tot aufgefunden worden...
In jener Nacht schlief ich kaum. Die Burg wollte nicht zur Ruhe kommen. Unsere beiden Gefährten blieben verschwunden.
Ich stand kurz nach Sonnenaufgang auf. Etwa zu der Zeit, als man die toten Grauburger Wachen aus dem Burggraben barg und wegbrachte.
Wir machten uns auf die Suche nach unseren Reisegefährten. Lara hatte niemand gesehen, von Harkenfels erzählte man uns, daß er mit einigen anderen Burggästen in den Wald gegangen sei.
Als wir über den Innenhof zu unserer Unterkunft zurückwollten, wurden wir von einer der neuen Burgwachen zurückgedrängt. Die im Vergleich zu den Grauburgern ausgesprochen ruppige Mannschaft hatte in der letzten Nacht anscheinend eine Wachablösung der besonderen Art durchgeführt. Wir mußten warten, bis der Burgherr, Ritter Rhoderich von Thalion, den Burghof passiert hatte.
Vor Jahren hatte ich den gealterten Recken schon einmal gesehen. Man erzählt sich, daß er seit seiner Erhebung in den Ritterstand aus jeder Schlacht siegreich hervorging und stets erbarmungslos gegen eigene und fremde Untergebene sein Ziel immer zu erreichen wußte. Das viele Streiten war nicht spurlos an ihm vorübergegangen: Mit verbitterter Miene inspizierte der Graugesichtige seine Untergebenen, allesamt waffenstarrende Kämpen, um schließlich mit der Burgherrin in den Rittersaal zu entschwinden.
Im Zuge der Änderungen, die Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach in seinem Lehenswesen vornahm, mußte Rhoderich, erster Ritter von Thalion, sein Knie vor dem jungen Hadebrand von Grauburg beugen. Es war ein leichtes, das Verschwinden der Grauburger Wachen, das Auftauchen der fremden Wachen und die Anwesenheit Rhoderichs zusammenzureimen. Ich fragte den alten Yarrol Bergmann, was er davon halten würde, Lara und Harkenfels zu suchen und schnellstmöglich nach Brazfurt aufzubrechen.
Er grinste mich an, stoppelbärtig und mit durchbrochener Zahnreihe. "Wir sollten bis morgen warten. Uns passiert schon nichts, mach dir keine Sorgen.”
Als ich ihn fragend ansah, verschwand das Lächeln. Er sah aus dem Fenster und fügte hinzu: "Weiß der Schinder, was heute noch geschieht. Wir haben nichts mit dem Streit hier zu tun, glaub mir. Entweder wir werden Harkenfels und die Kleine morgen wiedersehen und nach Yaldering aufbrechen oder die beiden können sich einsalzen lassen und wir reisen allein. Und du”, er blickte mich nachdenklich an, "fragst besser nicht zuviel, manchmal ist es gut, nichts zu wissen. Hier spielt Macht ihr altes Spiel, und es ist das Spiel des Kriegs, der nach Krieg schreit; der Rhoderich kennt es allzu gut. Hast du ihn gesehen?” Ich nickte. "Das Leben in Frieden ist sich selbst genug, das Leben, das hinter Rhoderich liegt, nicht. Verstehst du?” Er ging zum Fenster und deutete hinaus. Bis an die Zähne bewaffnete Soldaten der unterschiedlichsten Herrschaften standen auf der Brücke, gingen ein und aus, tauschten finstere Blicke. Was ist eine Burg wert, wenn sie nach innen verteidigt werden muß?
In der Burg regte sich indes Widerstand. Nachmittags rottete sich eine dem Baron von Grauburg treue Gruppe zusammen, bis zum Abend war sie beträchtlich angewachsen. Wir blieben auf Yarrol Bergmanns Rat in unserer Kammer. Man schickte sich an, Roderich wieder hinauszugeleiten, schließlich kam es vor dem Graben zur offenen Konfrontation. Ich erkannte Harkenfels, auf der Seite der Verteidiger (oder Angreifer?) stehend. Hatte er seinen Schwertarm Grauburg versprochen? Yarrol schien erstaunt, sagte jedoch nichts.
Ich hatte diese Situation oft genug miterlebt, um ahnen zu können, was nun geschehen würde: Anschuldigungen, Widerworte, Beschimpfungen. Irgendwann der erste Pfeil, darauf erste Angriffe auf die vorderen Reihen, schließlich wildes Schlachtgetümmel. Nur im letzten Punkt sollte ich mich irren: Aufgrund der herrschenden Enge war die vordere Reihe sehr kurz und klar umrissen. Der Kampf war ausgesprochen verlustreich, vor allem auf Grauburger Seite. Da aber Rhoderich stark in der Minderheit war, zeichnete sich der Ausgang bereits ab. Plötzlich griffen hinter der Grauburger Linie einige der Kämpfer eigene Kameraden an. Ich erschrak, als ich bemerkte, daß Todje Harkenfels, mit einer Streitaxt bewaffnet, zwei, drei, vier der Grauburger Mannen höchst unehrenhaft von hinten angriff. Yarrol grinste schadenfroh. Mit ungläubigem Erstaunen stellte ich fest, daß Harkenfels erst nach dem vierten Opfer gestellt wurde. Verzweifelt trat er die Flucht über die Front an und wurde kurioserweise erst hier von Rhoderichs Männern versehentlich leicht verletzt.
Die Grauburger hatten einen Weg gefunden, den Feinden in den Rücken zu fallen. Aus einer Tür im Rücken Rhoderichs traten schwerbewaffnete Kämpen des ausländischen Ritterordens. Rhoderich überlegte. Mit dünnen, blutleeren Lippen sah er seine Schlachtreihe zusammenbrechen. Endlich befahl er den verlustreichen Ausfall über das nahe Burgtor. Harkenfels wurde von einer Saarka-Kriegerin gedeckt; furchtbar wütete ihr Schwert unter den Grauburgern. Kannte ich sie vom Ödlandfeldzug? Der Kampf entzog sich unserem Blickfeld.
Spätabends tauchte Lara in unserer Kammer auf, sie überredete uns, den schwerverwundeten Harkenfels von der Zugbrücke zu bergen. Wir brachten den stöhnenden Waldläufer zum Waldrand, wo in der Dunkelheit ein Wagen wartete. Wir ließen den Verwundeten auf der Pritsche und gingen zur Burg zurück.
"Morgen vor Tagesanbruch werden wir aufbrechen”, sagte Lara.
Karlon vom Storcheneck
Der Tanzbär
Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias
Liebe Heligonier!
Endlich ist es soweit! Die Angaheymer spielen am Donnerstag, den 15.4.99 um 20.30 Uhr auf dem Festival für Alte Musik in München. Wo genau? Im Spectaculum Mundi, Graubündener Straße 100 (U3 Fürstenried - West). Die Bewunderer ihrer Kunst können sich dort in passender Gewandung einfinden. Da uns die Angaheymer schon viele Stunden des Tanz- und Hörvergnügens geschenkt haben, wäre es schön, wenn wir ihnen mit zahlreichem Erscheinen und lauthalsem Jubel die heligonische Unterstützung geben können, die sie bei diesem ihrem ersten "Großen Auftritt” stärken wird.
Zweite Auflage des Utzgolf-Buches erhältlich
Erfreulicherweise war die erste Auflage der Geschichtensammlung um den heligonischen Helden schon kurz nach Erscheinen restlos ausverkauft. Der Baron zu Luchnar, Koldewaiht von Hautzensteyn, leitete daher die Erstellung der zweiten Auflage rasch in die Wege, so daß das Werk ab sofort wieder erhältlich ist. Bestellungen nimmt die Schreibstube gegen einen Unkostenbeitrag von 10,— DM entgegen.
ein spruch halfnet und tschüß
Du sagsch im Dorf die Leit
Kennsch Du scho lange
Na wird es höckschte Zeit
Zom Weidergange
Beim Tod Ermons von Eichenburg, Sohn Eckberts
und Erminas von Eichenburg
Oh Einer, Deiner Weisheit Lauf
Ist schwer oft zu verstehen
Du bürdest uns manch Wege auf
Die wir nicht gerne gehen
Der Du uns manche Wonne schenkst
Bescherst uns auch die Trauer
Der Du unser Schiff durch Schatten lenkst
Mach, daß sie nicht von Dauer Freud ohne Leid kann es nicht geben
Das heißt es zu leben
Oh Herr, sieh diese Mutter an
Ihr Herze schreit zu Dir Warum, was sie durch Dich gewann
Sie früh, so früh verlier?
Uns allen liegt auf unserm Gang
In der Wiege schon die Bahre
Die Hummel fliegt einen Sommer lang
Die Lerche singt fünf Jahre
Was Du an Zeit uns willst auch geben
Es ist ein ganzes Leben
Oh Herr, ein ganzes Leben heißt
Es ist noch nicht vorbei
Wenn Du uns dieser Welt entreißt
Erstehn wir bei Dir neu
Die Prüfung liegt auf dieser Seit
Der Lohn liegt auf der andern
Wir erleben irdisch Leid und Freud
Er darf schon mit Dir wandern
Wollest Du auch uns diese Erfüllung geben
Denn das heißt leben
Das Hohe Poëna-Lied des Varnio
Lob dir, Poëna!
Die sprach mit ihrem Munde, und es entstanden
die Seienden, Menschen und Götter,
Herden und jegliche Wildtiere zusammen,
alles, was auffliegt und niederschwebt.
Du hast Festländer und Inseln geschaffen,
mit Städten besiedelt,
und die fruchtbaren Äcker, vom Wasser geschwängert,
um danach zu gebären -
Gutes, unendlich viel, zum Unterhalt der Lebenden.
Du bist stark als Hirtin, sie zu behüten
für immer und ewig.
Die Leiber sind voll von deiner Schönheit,
die Augen, sie sehen durch dich;
Furcht vor dir ist bei jedermann,
ihre Herzen sind dir zugewandt.
Schön bist du zu jeder Stunde,
die Menschheit lebt von deinem Anblick.
Jedermann sagt: "Dir gehören wir!”
Starke und Schwache allzumal,
Reich und Arme mit einem Mund,
und jegliches Ding desgleichen.
Deine Süße ist in ihrer aller Herzen,
kein Leib ist deiner Schönheit bar.
Die Reichen prahlen mit deiner Schönheit,
die Gesichter der Armen sind auf dich gerichtet;
der Gefangene wendet sich an dich,
der Kranke ruft nach dir.
Jedermann wendet sich an dich, um dich anzuflehen.
Deine Ohren stehen offen, sie zu hören
und ihren Wunsch zu erfüllen.
Deine Gaben erfreuen die Menschen,
sie schenken Heilung und Wohlergehen.
Deine Schönheit senkt sich in die Herzen
und erfüllt sie mit Ruhe und Freude.
Überreich ist deine Gestalt zu unserem Wohl!
Termine
02.07. – 04.07.99 Helicon 10 – Darianische Nächte (Rockenbach)
29.08. – 31.08.99 Koggenfahrt von Bremerhaven nach Helgoland
17.09. – 19.09.99 Helicon 11 – Markt in Betis (JH Rothenburg o.d.T.)
26.11. – 28.11.99 Helicon 12 – Gelehrtenkonvent (Burg Hornberg bei Tübingen)
14.01. – 16.01.00 4. Heligonischer Adelstag auf Burg Spalt/Wernfels
24.03. – 26.03.00 Helicon 13 – Markt in Tatzelfels (Burg Wildenstein)
Mai/Juni 2000 Helicon 14
28.07. – 30.07.00 Helicon 15 – am Karlsbrunnen
Photo-CD in Vorbereitung
Marc Gebauer hat sich bereit erklärt, keine Mühen zu scheuen, um uns eine CD zu fertigen, die viele schöne Photos von den Helicons zeigen soll. Um diese umfangreich gestalten zu können, ist er auf die Mithilfe aller Besitzer von Bildern angewiesen. Wer also Photos hat, die anderen nicht vorenthalten werden sollten, dann schickt diese bitte an Marc Gebauer, Schmiedstr. 5 in 72820 Sonnenbühl. Nachdem er sie gescannt hat, wird er sie euch wieder zurückschicken. Vielen Dank im voraus für Eure Mithilfe!
© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés Balluff, Marc Hermann
Berichte von Inés Balluff, Axel Baune, Guido Brand, Arnulf Breuer, Ulrike Clauss, Julia Fischer, Henning Frank, Marc Gebauer, Deborah Gläser, Marc Hermann, Andreas Hils, Andreas K., Oliver Kraus, Daniela Lochner, Benjamin Rampp, Michael Rausch, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger und Markus Spree
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