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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2. Helios n.A.III 27
Ausgabe 28
Kronkurier
Bürger Heligonias!
Mit dem heutigen Tage endet das alte Jahr! Ein Jahr der Sorgen, Nöte und Entbehrungen. Zweifelsohne das schwierigste Jahr der ruhmreichen Herrschaft seiner allerdurchlauchtigsten Majestät, König Helos Aximistilius Tertius. Ein Jahr, in dem sich vieles verändert hat und die wenigsten Dinge geblieben sind, wie sie einst waren.
Aus den bislang unbekannten Ödlanden fielen die Wilden über die Söhne Ostariens herein und vertrieben, insbesondere in Brassach, Familien aus ihrer angestammten Heimat, zerstörten die einzelnen Ortschaften und verwüsteten große Teile des Landes. Doch dem selbstlosen Einsatz vieler Heligonier und deren Streben nach Freiheit ist es zu verdanken, daß man gemeinsam eine schlimmere Katastrophe hatte vermeiden können. Unser besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang dem Großmeister der Templer zu Ankur, Markgraf Kalveram von Brassach, in dem wir, nach dem Verlust von Baron Daron, einen würdigen und königstreuen Regenten der neugegründeten Markgrafschaft gefunden haben. Wir möchten Euch auf diesem Wege nochmals den Dank seiner allerdurchlauchtigsten Majestät, König Helos Aximistilius Tertius, aussprechen und Euch versichern, daß Euch dieser Dank gewiss ist. Wir hoffen auch in Zukunft weiterhin auf Euch und Euren Ratschlag zählen zu können!
An dieser Stelle wollen wir aber auch eines anderen großen Heligoniers gedenken, den Gwon nach langer und schwerer Leidenszeit nun auf seinen Schwingen hinfortgetragen hat, Herzog Uriel II. von Ostarien. Sein Ableben ist für ganz Heligonia ein schwerer Verlust. Viele Jahre regierte er Ostarien mit größter Umsicht und Sorge. Stets war er eine Stütze seiner allerdurchlauchtigsten Majestät. Seinem Engagement ist es zu verdanken, daß Ostarien heute das ist, was es ist. Insbesondere Ankur blühte unter seiner Regentschaft zu noch nicht dagewesenem Glanz auf. Seine Regentschaft war geprägt von der Zufriedenheit der Ostarier, die in Sicherheit leben konnten. Erst als Herzog Uriel II. sich infolge seiner Erkrankung nicht mehr persönlich um die Angelegenheiten des Volkes kümmern und mit eiserner Faust durchgreifen konnte, begannen die Unruhen! Usurpatoren wie Teemon von Teemoranien und machtgierige Lehensleute wie Edmond de la Cruz suchten in diesen letzten Jahren aus seinem Leiden einen Vorteil zu erhaschen. Hinzu kamen zuletzt die Wilden aus den Ödlanden. Möge Helios sich seiner Seele annehmen und laßt uns hoffen, daß Herzogin Walluma auch in Zukunft auf ihren Berater und ihre Rechte Hand, Baron Jareck zu Jolberg, bauen kann, damit Ostarien wieder zu der Blühte gelangt, welche unter der Herrschaft Uriel II. bestand, auf daß der Herzog nun in Frieden ruhen könne.
Jedoch auch westlich Ostariens, am anderen Ufer des Jolborns konnten Bürger sich, nach Angliederung an Heligonia, ihres Lebens nicht mehr sicher sein. Denn ihr neuer Regent beglückte diese zum einen mit einer recht willkürlichen Gesetzgebung, zum anderen mit allzu erfreulichen Steuersätzen. Hinzu kam, daß Besagter sich mit den neu erworbenen Ländereien nicht zufrieden geben wollte und durch seine nächtlichen Übergriffe auf die Baronie Soltran in Ostarien seinen Teil zur "heligonischen Krise" beitrug. Als jener Drachenhainer Sohn seiner allerduchlauchtigste Majestät versicherte, ein solcher Fehltritt würde nicht wieder vorkommen, schenkte man diesem Glauben und hoffte, daß jenes Land nun künftig seinem Namen alle Ehre machen würde. In diesem Jahr wurde man bedauerlicherweise jedoch eines besseren belehrt. Denn die Truppen des Besagten besetzten in einer Nacht und Nebelaktion die Inseln im Delta des Brazach. So sah sich seine allerdurchlauchtigste Majestät, angesichts des erneuten Hochverrats, gezwungen entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Nach langen Gesprächen und Debatten kam König Helos Aximistilius Tertius in weiser Voraussicht, schließlich zu dem Entschluß, daß es in der Zukunft nicht mehr tragbar und unvereinbar sei, gemeinsam in einem Lande zu leben. Woraufhin jenes Lehen, jenseits des Jolborns, wieder seiner Eigenständigkeit überlassen wurde.
Vergessen wir, angesichts all dieser Unruhen, aber auch nicht, daß sich auch in kulturellen und wissenschaftlichen Zirkeln Heligonias einiges bewegt hat. So hatten nach Jahren der Mühen und Forschung viele Gelehrte nun endlich die Zeit gefunden, das Leben unseres Volkshelden Utzgolf in allen Einzelheiten und Details in einem einzigen großen Werk niederzuschreiben, auf daß jenes mit den Schilderungen der Heldentaten jenes Heroen der Nachwelt als strahlendes Beispiel für die kommenden Generationen dienen möge.
Wir wollen aber auch an jener Gelehrten gedenken, die die Arbeit nicht scheuten und scheuen, mehr Licht in die Vergangenheit Heligonias zu bringen und sich sehr um die Erforschung der heligonischen Geschichte, insbesondere der Heraldik, verdient gemacht haben.
Bevor wir enden, wollen wir jedoch auch an den erfreulichen, diesjährigen Adelstag erinnern, und der damit verbundenen Eheschließung zwischen dem Prinzen Leomar von Drachenhain und der Baronin Leabell von Tlamana. Möge Helios Antlitz auf ihrem weiteren Lebensweg über ihnen leuchten, sie behüten und ihnen den rechten Weg weisen.
So bleibt abschließend, eingedenk des zurückliegenden turbulenten Jahres, den Wunsch seiner allerdurchlauchtigsten Majestät, König Helos Aximistilius Tertius, zu äußern :
EINIGKEIT und FRIEDEN!
Denn wenn uns dieses Jahr der Entbehrungen etwas gelehrt haben sollte, dann doch die Tatsache, daß der eiserne Wille nach der Einigkeit des Landes stark macht und wir auf diesem Wege den Frieden Heligonias erhalten und wahren.
Gez. Im Auftrag seiner allerdurchlauchtigsten Majestät,
König Helos Aximistilius Tertius,
Finian Sonnenklinge von Thardanus,
Ratgeber seiner Majestät, Gründer der Tafelrunde, Reichsritter von Heligonia, Freiherr von Südescandra, Freiherr von Niederfranken
Geschätzter Heliosgeweihter Rawen Eilshorn,
mit besonderem Interesse haben wir Eure Ausführungen anläßlich der Gründung der "Ogeden für Heligonia" vernommen. Und so wollen wir es uns auch nicht nehmen lassen, Euch zu Euren "neuen" Ideen zu gratulieren. Wahrlich, Ihr seid ein Mann der "heutigen Zeit" und habt nun endlich erkannt, was so mancher Gläubige schon lange vor Euch sah. Aber woher haben denn unsere ceridischen Brüder diese Talente der Führung und Organisation? Solch eine Gabe kann doch nur durch den Einen gegeben sein! Vielleicht solltet Ihr Eure Scheuklappen, die anscheinend Eure Sicht beengen, ablegen und die Realität erkennen: So ist es doch nur EINER, der uns führt und lenkt! Wohingegen bei unseren ogedischen Freunden derer VIER wirken. Möge mir der Eine diesen "zählenden Vergleich" verzeihen, aber habt Ihr Euch schon einmal durch vier Pferde ziehen lassen, wo gar jedes Pferd doch letztendlich seine eigene Richtung einschlagen wollte? Nun frage ich mich als Streiter der Ulaken, ob es da nicht sinnvoller wäre, sich durch das besondere und stärkste Pferd tragen zu lassen, welches alle guten Eigenschaften in sich vereinigt? Sicherlich werdet Ihr nun anmerken, daß doch vier Pferde ausdauernder und wenn auch schwerer zu koordinieren seien. Aber lehrt uns in diesem besonderen Fall nicht die Realität, selbstverständlich auf Führung und Organisation bezogen, etwas anderes? Uns liegt es fern, Euch zu bekehren, aber bedenkt doch einmal unsere Worte.
Zur Erlangung der Markgrafenwürde, die unserem Herrn durch unseren weitsichtigen und großen König verliehen wurde und die Ihr unserem Großmeister offensichtlich mißgönnt, werden wir Euch, der von Verdunklung, Schmutz und Schatten spricht, dato lediglich eine Frage stellen: Wo wart Ihr, als sich der dunkle Schatten der Ödländer über den Norden Heligonias senkte und der kühle und faule Atem des Todes in Ostarien zu riechen war? Mögt Ihr uns stellvertretend für viele Eurer Glaubensbrüder eine Antwort auf diese Frage geben! Auch mahnen wir zur Vorsicht, denn Eure anscheinend unüberlegt daher gesprochenen Worte bezüglich der Entstehung der Markgrafschaft sind für uns schon Verrat an der Weisheit des Königs. Insbesondere als Heliosgeweihter, also als "Mann der Rechtsprechung", hättet Ihr Eure Worte doppelt bedenken sollen.
Froh sind wir in Norrland-Brassach, daß es in den Tagen der Not dennoch einige Ogeden gab, die mit uns Seite an Seite gegen die Wilden kämpften. Niemals werden wir diejenigen vergessen, die uns in der Stunde der größten Bedrängnis beistanden und tapfer mit unseren ceridischen Brüdern fielen, um auch Euer Leben zu retten! Unvergessen sei auch ihre Hilfe in nicht-militärischer Form.
Telvin von Durendahl, Vestalin der Templer zu Ankur
"Lest, Ihr Leut, gar Folgendes:" - ein Schrieb der Richtigstellung
Verehrte Leserschaft, erlaubt das ich Ihnen kurz vorstellig werde.
Meine Name ist Nial Lúc Roen de Coligny und ich bin meines Zeichens Abgesandter des Rates der Drei zu Telnaron in den wilden Landen.
Mit bedauern, sowie mit Verletzung meines Ehrgefühles mußte ich im Helios Boten Ausgabe 26, in der Herzöglichen Ostarischen Hofgazette lesen, wie dort ein einfacher Wachsoldat namens Thorvind, sich anmaßte, mit verleumderischer Art und mittels verdrehter Wahrheit, über uns, die Abgesandten aus Telnaron, sich auszulassen. Zwar erscheint sein Motiv edel, die braven Jolberger Wachen sowie sich selbst aus übler Nachrede zu befreien, doch kann ich seine gebrauchten Stilmittel nicht gutheißen. Darüber hinaus, daß ein einfacher Wachsoldat sich erdreistet in einer Hofgazette, Ehrenvolle und höchst angesehene Diplomaten als "komische ausländische Seeleute" zu betiteln und diese noch beschuldigt, mit falscher Wahrheit, ein Duell angezettelt zu haben, ist eine Frechheit sondergleichen.
Mit bedauern blicke ich aber auch auf das Ansehen des gar edlen Gastgebers, den Baron von Jolberg, der in dieser peinlichen Sache zwischen den Fronten steht. Ob der edle Baron von Jolberg über den genauen Wortlaut des Schriebes informiert war oder nicht, kann und will ich mich, zwecks Wahrung der Diplomatie nicht äußern. Faktum ist aber, daß wir, die Abgesandten des Rates der drei zu Telnaron, mit einem Schrieb des Heligonischen Königs, welcher uns zu den Adelstage auf Jolberg zwecks diplomatischer Beziehungen einlud, ohne Waffen in Jolberg erschienen. Dies sollte ein Zeichen für unser Vertrauens in die innere Sicherheit Heligonias sein, welche aber leider zu unserem Bedauern auf das tiefste Enttäuscht wurde. Die Etikette verbietet es ferner zu Verhandlungen und Diplomatischen Gesprächen Waffen zu tragen, da dadurch die Sicherheit des Gastgebers in Frage gestellt würde und dieser daran Anstoß nehmen könnte.
Unbewaffnet und Vertrauend auf Wahrung der Diplomatie, wurden wir von den Herrschaften aus Loghard, aufgrund einer Ethnologischen und Kulturellen Verschiedenheit, zu einem Duell gefordert. Wissend der Diplomatischen Wahrung, versuchten wir diesen peinlichen Zwischenfall selber friedlich zu lösen, doch zeigten sich die Herrschaften aus Loghard nicht einsichtig. So kam es, daß nach einem Unterhändler gefragt wurde, der gegebenenfalls rechtsprechen kann. Ein Unterhändler der von beiden Parteien angenommen wurde, ward in dem ehrenwerten Baron zu Buchenfels und Botschafter Ostariens gefunden, welcher dann auch diesen peinlichen Vorfall schlichtete.
Da Sie nun, verehrte Leserschaft der Wahrheit wissend sind, bitte ich den Baron von Jolberg gnädigste diese Verleumdung, gegenüber uns und somit gegen den Rat der Drei zu Telnaron, mittels einer Stellungnahme aus der Welt zu schaffen und damit ein Beweis unserer Unschuld darzulegen, auf das der verleumderische Leumund kein Boden mehr findet, seine Saat gegen den Rat der Drei zu Telnaron, auszusähen.
Meine Damen und Herren,
Da, wie jeder halbwegs gebildete Leser weiß, Seine Hochwohlgeboren Jareck von Jolberg ständig seinen äußerst wichtigen und zeitraubenden Pflichten nachgehen muß, welche ihm seine Ämter auferlegen, und da es die Herzöglich Ostarische Hofgazette für äußerst unhöflich befunden hätte, den Rat der Stadt Telnaron über Gebühr auf eine Antwort warten zu lassen, wurde ich mit der Aufgabe betraut, schon in dieser Ausgabe des Helios-Boten eine Stellungnahme, stellvertretend für den Generalzeugmeister Ostariens zu verfassen, denn schließlich geht es auch in diesem Fall um ein Vergehen wieder Sitte, Anstand und Moral.
Wenden wir uns also zuerst dem Wachsoldaten Thorvind zu. Sicherlich, so werdet Ihr sagen, verstößt es gegen die guten Sitten, die Gesandten eines anderen Staates zu diskreditieren. Jawohl, hier wurde eindeutig gepfuscht! Soweit hätte es nicht kommen brauchen, wenn der Hauptmann der Jolberger Wache aufgepaßt hätte! Aber, so sage ich, wissen wir doch alle, daß es dem einfachen Mann an den genehmen Umgangsformen fehlt und wie der Herr de Coligny selbst so treffend sagt, "sei sein Motiv edel". Ja wenn es nur das ist: Ein guter Wille auf unwissende Weise unschicklich dargebracht?
Nun ja, sagt Ihr, dem Thorvind ist zwar keine Schuld zuzuweisen, der wußte es nicht besser, aber die Herzöglich Ostarische Hofgazette hätte den Schrieb nicht veröffentlichen dürfen. Um dies etwas genauer zu durchleuchten, möchte ich mich nun dem genauen Wortlaut zuwenden, den der Herr de Coligny zitiert, womit ich zugleich den Versuch einer Gegendarstellung wage.
"Komische Ausländische Seeleute, hätten ein Duell angezettelt", heißt es an der entsprechenden Stelle. Nun ja, ich könnte jetzt schreiben, die Gesandten aus Telnaron seien keine Seeleute. Damit würde aber behauptet werden, sie verfügten nicht über seemännisches Können und darum, kann dies, wenn die guten Sitten gewahrt bleiben möchten nicht guten Gewissens behauptet werden. Auch kann nicht gesagt werden, daß die besagten Herren nicht ausländisch seien. Sind sie denn aus Heligonia? Ihr seht schon, es ist nicht einfach, in diesem Fall eine Gegendarstellung zu verfassen. Nun zu dem unglücklichen Wort "komisch". Das Gegenteil von "komisch" ist "ernst". Zu Beginn des letzten Adelstags konnte aber niemand annehmen, die Gesandtschaft aus Telnaron meine im Ernst, was sie da für Vorschläge an die durchaus ernsten Adligen Heligonias herantrugen. So wird berichtet, die feinen Herren, hätten gleich bei der Begrüßung, den Baron von Jolberg gefragt, ob Heligonia nicht bereit dazu sei, die Stadt Telnaron finanziell zu unterstützen, da man sonst nicht in der Lage sei die Schiffahrt Heligonias ausreichend zu schützen. Ich brauche dem Leser nicht zu erläutern, welches unschöne Wort man normalerweise für solche Forderungen verwendet. Wäre dies nun als ernst aufgefaßt worden, so hätten sich unsere drei Herren eines schweren Verstoßes gegen Anstand und Moral schuldig gemacht. Da wir aber niemals annehmen würden, das die ehrenwerten Gäste solches im Sinn gehabt hätten, kann von Ernsthaftigkeit sicherlich nicht die Rede sein. Das entsprechende Wort heißt nun mal "komisch".
Wie Ihr vielleicht schon bemerkt habt, gibt es jetzt zwei Möglichkeiten fortzufahren.
Da der Herr de Coligny für die Gesandten in Telnaron in Anspruch nimmt, keine "komischen ausländischen Seeleute" zu sein, können wir den ganzen Fall als nichtig betrachten, denn in diesem Fall ist im Schrieb des Thorvind nicht von eben jenen Herren die Rede. Es wurde also ein Duell angezettelt, aber von anderen Personen auf welche jene Beschreibung paßt.
Zu schreiben, es habe kein Duell gegeben, wie der Herr de Coligny sagt, ist nur von Nöten, wenn sich die Gesandtschaft aus Telnaron mit der besagten Titulatur zufrieden gibt, welches ich aus Anstandsgründen, wie ich oben erklärt habe, nahelegen möchte.
Zu entscheiden, wäre also zuerst, welcher Teil der Behauptung einer Gegen-darstellung bedarf, weshalb ich hier also, um nicht die Ehre der Gesandtschaft der Stadt Telnaron zu verletzen, darauf verzichten möchte, mit einer solchen fortzufahren.
Lang lebe Herzog Angilbert I.!
Amtsdirektor Egbert von Vogelberg
Herzöglich Ostarischer Rechnungshof Ankur
Freier Mitarbeiter der Herzöglich-Ostarischen Hofgazette
Ressort: Sitte, Anstand und Moral
Dulcius ex asperis - Süßer nach Schwierigkeiten!
Mit dem Wahlspruch Drachenbergs und der OfH in eine ogedische Zukunft!
Militante Ogeden auch in Nordligonii
Sowohl in Carajon, wie auch in der Baronie Escandra, kam es in den letzten Wochen zu häßlichen Vorfällen, bei denen unbescholtene Ceriden von militanten Ogeden beschimpft und teilweise mißhandelt wurden. So wurde einigen friedlichen Hilariusitenbrüdern, die auf dem Weg von Gunara in die Hauptstadt waren, von einer Gruppe mit Stöcken bewaffneter Passanten die Weiterreise verwehrt. Auf die Frage nach dem Warum antworteten die Störenfriede mit wüßten Drohungen und der Erklärung, die Ceriden sollten in den ihnen zugewiesenen Gebieten bleiben. Auch nachdem die Mönche auf die Religionsfreiheit verwiesen, konnten sie keinen Durchgang erwirken und so mußten sie unverrichteter Dinge wieder umkehren.
Nicht so unversehrt kam ein ceridischer Krämer aus Südcarajon davon, der nichtsahnend auf einem Maultier des Weges ritt. Plötzlich sprangen aus dem Gebüsch mehrere vermummte Gestalten und rissen ihn von seinem Tier, wonach sie ihn kurzerhand teerten und federten. So verunstaltet, wurde der Ärmste verkehrtherum auf sein Maultier gefesselt und mit den Worten "Viel Spaß, Ceridenschwein!" seinem Schicksal überlassen. Zum Glück wurde der Krämer bald darauf von einigen Gardisten des Barons gefunden und aus seiner mißlichen Lage befreit., die Täter jedoch konnten nicht gefaßt werden.
Unbekannt ist nun, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen gibt oder ob sogar irgendeine Organisation dahintersteckt. Sicher ist lediglich das in jüngerer Zeit vermehrt Angehörige der ceridischen Minderheit von ogedischer Seite schikaniert werden.
Die Opfer wenden sich in ihrer Not vor allem an den Ogedenbund, von dem sie hoffen, daß dieser in der Lage ist, diesen ogedischen Entgleisungen Einhalt zu gebieten.
Frohlocken in Tlamana und Drachenhain - Regentin Leabell in anderen Umständen
"Schlechte Nachrichten sind die schnellsten Reiter!" - dieses alte Sprichwort
widerlegten dieser Tage die Menschen in Tlamana hundertfach. Land auf, Land ab, wußte binnen weniger Tage jedes Kind von der frohen Kunde: Regentin Leabells Leib ist von Poëna gesegnet!
Gewisse undichte Stellen in der nächsten Umgebung ihrer Hochwohlgeboren, gaben dem Helios Boten darüber eindeutige Auskunft. Tabruk selbst wollte die Nachricht weder bestätigen, noch dementieren. Bereits jetzt führte die Frage, ob das erwartete Kind nun die Drachenhainer oder die Tlamaner Thronfolge antreten würde, unter dem Volk zu frohem Streit.
Schreiber Heron Krummbrecht
Für Uisge oder Schädelspalter
bist du stets im rechten Alter!
Der Stadtrat von Quellstedt behauptet: Teemon ist unschuldig !
Wie in den letzten beiden Boten bekannt wurde, ist Baron Teemon von Teemooranien für die in seinem Namen angerichteten Taten nicht verantwortlich. Er wurde von einem Doppelgänger ersetzt. Aus diesem Grunde fordern wir, die Bürger der freien Reichsstadt Quellstedt, daß Baron Teemon all seine Ämter und Ländereien, bis auf die Stadt Quellstedt, wieder zugesprochen bekommt.
Eine Schande ist, daß die eigentlichen Schuldigen noch nicht abgeurteilt wurden. Baronin Angharad darf sogar wieder frei in den Straßen von Wasserau herumlaufen und ihr Lügengift verbreiten. Als Meisterin der Niedertracht ist es ihr schon öfter gelungen, auf die Tränendrüsen der Sedomeesen zu drücken.
Alfons Hagedorn: "Betis - Schande für den Stand der freien Reichsstädte !"
Mit der Erklärung "Die Stadt Betis ist eine Schande für den Stand der freien Reichsstädte" äußerte sich der Stadtratsvorsitzende Alfons Hagedorn zu den Anschuldigungen der Reichsstadt Betis. Er wies mit Nachdruck daraufhin, daß die freie Reichsstadt Quellstedt sich nicht von anderen Duckmäuserstädten sagen ließe, wie sie mit ihren Bürger (Theo Franzler) zu verfahren habe. Weiter erklärte er, da ja wohl in Quellstedt die uneingeschränkte Meinungsfreiheit gelte, werde der Stadtratälteste Theo Franzler nicht angeklagt. Nur im Falle, er hätte auch gegen den König etwas gesagt, würde er seiner Meinung nach des Verrates beschuldigt werden.
OfH auf dem Vormarsch
Erfreut können wir bekannt geben, daß die Organisation der OfH gut voranschreitet. In fast allen Grafschaften, Herzog- und Fürstentümern haben sich bereits Untergruppen konstituiert. Endlich ist das Ogedentum wieder auf dem richtigen Weg - Ogeden für Heligonia!!!
Lara Saarnen, Geweihte der Saarka, OfH-Führerin Heligonia und Drachenhain
Rawen Eilshorn, Geweihter des Helios, OfH-Führer Heligonia und Thal
Baron Ferouz vom Felsenmeer, Geweihter des Xurl, OfH-Führer Darian
Mark von Solodgia, Geweihter des Helios, OfH-Führer Ligonii
Jinderak Garstson, Geweihter des Xurl, OfH-Führer Ostarien
Heliane Rakesh, Geweihte der Poëna, OfH-Führerin Sedomee
Große Trauer erfüllt die ceridische Kirche, alle Gläubigen und Anhänger des Hilarius und Uns, Baron Herian von Carajon
ob des Verlustes eines großen Mannes, der die Lehre des Einen so inbrünstig verkündet hat.
Abt Benedict Canesius von Gunara
ist
am 25.Tage
des 1.Mondes
des Jahres 90 n.d.E .
für immer von uns gegangen.
Tief klafft die Wunde in unserer Mitte, die nur schwerlich zu schließen ist. Doch wird ihn der Eine gnädig an seiner Seite aufnehmen und ihn für seine frommen Taten belohnen
Stolz erfüllt Unser Herz, daß der Abt von Gunara des öfteren als Gast in Unserem Hause verweilte, obgleich sein Alter ihn schon beugte.
Nicht nur als geistiges Oberhaupt unserer geliebten Ceridischen Kirche, sondern auch als Freund und Berater wird er Uns in der Erinnerung stets begleiten.
Fürstlicher Thaler
Hofchronist
Die Garde von Anthan gibt bekannt :
"Schreiber nach Bericht im Helios-Boten verhaftet !"
Im Helios-Boten 27 wurde auf Seite 21 ein schändlicher Bericht abgedruckt, welcher ehrabschneidende Kommentare über die Gardisten und ihre Offiziere beinhaltet. Nach einer kurzen, aber sehr intensiven Suchaktion, welche sofort nach entdecken des Artikels in die Wege geleitet wurde, konnte der Verfassers von Leutnant Reershemius aufgegriffen werden. Er wird zur Stunde nach Hochanthen gebracht, wo der Kerker auf ihn wartet.
i.A. Hartmut Hohlbein, Schreiber der Garde von Anthan
Halfnet verhaftet ???
Laßt mich berichten, was vor kurzem in der Lormark vor sich ging :
Ich war dort mit einem fahrenden Barden unterwegs, der sich mir als Halfnet vorgestellt hatte. Er war ein lustiger Geselle, der immer zu einem Scherz aufgelegt war. Wir hatten gerade den Brassach überquert, um auf der Thaler Seite dieses großen Stroms in Richtung Süden zu wandern. Als es Abend wurde, errichteten wir unser Nachtlager in der Nähe des Ufers. Wir entfachten ein Lagerfeuer, um es später warm zu haben. Der Frühling war zwar schon zu spüren, aber des Nachts wurde es dann doch immer noch merklich kühl. Nachdem wir noch eine Weile beisammen gesessen hatten, um ein wenig zu plaudern, machten wir es uns für die Nacht bereit. Plötzlich bemerkten wir, daß sich ein Schiff auf dem Brassach näherte. Wir gingen zum Ufer, um zu sehen, wer zu dieser Zeit noch unterwegs war. Wir erkannten, daß es sich um ein Thaler Schiff handelte, war doch die Galionsfigur eine Eule. Als das Schiff auf unserer Höhe war, wurden zwei Beibote zu Wasser gelassen, welche dann auf uns zuhielten. Ohne ein Wort zu sprechen gingen sie unweit von uns an Land und kamen auf uns zu. Als sie bei uns ankamen, war endlich zu erkennen, wer diese Menschen waren. Es mußte sich um Gardisten handeln, ihr Waffenrock trug das offizielle Wappen derer zu Thal. "Wer von euch beiden ist Halfnet !" durchbrach man endlich das Schweigen. "Das bin ich !" antwortete Halfnet ihnen. "Was wünscht ihr von mir ?" "Ihr seid verhaftet !" kam die barsche Antwort. Sogleich wurde er gefesselt und auf das große Schiff gebracht, welches wendete um Kurs nach Hochanthen zu nehmen.
Gilbert, ein fahrender Barde
Neues aus Bärenlaichingen
Nicht nur aus großen Teilen Thals, auch aus anderen Teilen Heligonias haben sich in den letzten Wochen viele Geweihte auf den Weg nach Tolens gemacht, nachdem im letzten Boten über die Entdeckung eines alten Xurlheiligtums nahe des Dorfes Bärenlaichingen berichtet wurde.
Der großen Aufregung und überschwenglichen Freude über den Fund wegen ist unserem Berichterstatter in der letzten Ausgabe leider ein Fehler unterlaufen: Natürlich wurde das Heiligtum am Ufer der Krottenquell, eines Seitenarmes des Jolborn, und nicht (wie fälschlich berichtet) am Brassach entdeckt. Wir bitten die verehrte Leserschaft, dieses Mißgeschick zu entschuldigen. Aber zurück zum Geschehen. Neuen Berichten zufolge soll es sich um einen Xurl-Schrein handeln, dessen Abmessungen größer als bisher angenommen sind. Die Geweihten, denen bisher das alleinige Zutrittsrecht vergönnt war, hatten schwere Arbeit zu verrichten, bis die alten Gemäuer größtenteils freigelegt waren. Meist waren sie derart bewachsen und überwuchert, daß Befürchtungen laut wurden, die heiligen Mauern könnten beim Freilegen beschädigt werden. Dies läßt schon auf das sehr hohe Alter des Anwesens schließen. Nachforschungen in der Bibliothek zu Felsenbrand haben ergeben, daß schon vor langer Zeit die Geweihten im nördlichen Teil der Baronie davon zu berichten wußten, daß in Gegenden, "in denen kein Fluß oder Bächlein fließt, doch Pflanzen von solcher Art hervorgehen, die sonst nur in Ufernähe vorkommen. Dies ist ein gutes Zeichen Xurls". Die Gelehrten aus Felsenbrand und Waldroden vermuten nun, daß aufgrund dieser Tatsache am nächstliegenden Gewässer die Mauern errichtet wurden.
Aufgrund des aufsehenerregenden Fundes wurde indes zwischen Xurl-Hochgeweihten und seiner Hochwohlgeboren, Baron Sihran von Tolens, vereinbart, daß der Fluß von nun an den Namen "Bärenquell" erhalten solle, da das Heiligtum nahe des Ortes Bärenlaichingen gefunden wurde. In den nächsten Wochen soll das Heiligtum auch von gläubigen Ogeden betreten werden können.
Die Flut der Opfergaben, die von den Fischern und Bauern aus der Umgebung dargebracht werden, will nicht enden. Noch immer strömen Massen von Menschen in die Umgebung des Fundortes, um an der Bärenquell ihre Körbe niederzulegen und zu beten.
Jarok Felsenkunder, Berichterstatter aus Waldroden
Bekanntmachung an das Volk der Baronie Güldental
Höret! Höret, ihr Leut'!
Nachdem nun schon über ein Jahr währenden Ausbleiben unseres geliebten Prinzen Anselm, Baron von Güldental, Freiherr von Jaredon, hat Fürst Bartha von Thal darselbst Folgendes verfügt:
Freiherr Ludwig von Blaustein übernimmt bis zur sehnlichst erwarteten Rückkehr des Prinzen die Regierungsgeschäfte der Baronie Güldental. Ebenso die Vertretung für die Provinz Jaredon wie selbstverständlicherweise die der Gemarkung Blaustein und der Stadt Jarun. Er erhält Schlüssel und Schwert aus den Händen des Edlen Femah von Grünaue, der bisher die Baronie im Auftrage Fürst Barthas führte. Für seine großartigen Leistungen als Interim sei ihm der Dank des Fürsten hiermit ausgesprochen. Die fürstliche Camarilla freut sich somit, ein neues Mitglied ihrerselbst in Hochanthen aufnehmen zu dürfen. Ritinus Federschwinger
Hofschreiber zu Hochanthen
Attempto - Ich wags! Mit dem Wahlspruch von Tatzelfels und der OfH in eine ogedische Zukunft!
Dreister Überfall Adveris in Güldental!
Zwischen dem 18. und 20. Tag des 1. Helios trafen in Jarun zahlreiche aufgebrachte Reisende ein, die von Süden auf dem Helos-Weg gekommen waren, und erzählten eine unglaubliche Geschichte: Sie berichteten von einer Zollstation inmitten Güldentals, an der eine Gebühr für die Einreise ins "Großherzogtum Beridhan" erhoben werde. Anfangs hielt man das Ganze für den schlechten Scherz einiger Witzbolde und schickte einen Trupp Soldaten los, die nach dem Rechten sehen sollten. Als diese jedoch nicht zurückkehrten, entschied Freiherr Ludwig von Blaustein, momentan Vertreter des Barones von Güldental, zwanzig schwerbewaffnete Soldaten zu der kleinen Garnison brazachabwärts zu entsenden. Als diese dort ankamen, bot sich ein Bild des Schreckens: Die Gebäude standen in hellen Flammen und vom Tor herab hingen vier übel zugerichtete Tote. Die überlebenden Güldentaler Soldaten konnten mit Hilferufen auf sich aufmerksam machen und wurden noch rechtzeitig befreit, bevor sie bei lebendigem Leibe verbrannt wären. Ersten Ermittlungen zufolge handelte es sich bei dem Überfall tatsächlich um eine Aktion Adveris, womit sich nun auch das friedliche Güldental zu den Opfern dieses Wahnsinnigen zählen muß.
Unserem Schreiber gelang es, einen der überlebenden Soldaten über den Hergang zu befragen: "Ja also, ich kann eigentlich noch gar nicht glauben, daß ich noch lebe. Es heißt ja immer, daß man die Begegnung mit diesem Verrückten als braver Mensch kaum überlebt... Ja, wir haben geschlafen, es war ja Nacht, nicht? Da weckt uns plötzlich lautes Geschrei auf, viele Leut sind im Zimmer und richten Waffen auf uns, wir werden raus auf den Hof gebracht und durchsucht, da sehn wir dann auch das Tor offen, und noch mehr Leut´ rumlaufen. Ja, und dann liegen da die zwei von uns, die eigentlich Wach gehabt hätten, und jetz haben sie zwei Pfeile im Hals stecken gehabt... Ja, und dann steht da so ein Weibsbild da, ganz in schwarz, und schafft an, und sagt, daß man unsere Sachen plündern darf, und hat das Schwert und die Abzeichen von unserem Kommandanten in der Hand. Der fängt gleich das Schimpfen an, was das überhaupt soll, wer sie sind, und daß das alles nicht rechtens sei, da winkt sie bloß drei von den Kerlen, die darauf unseren armen Kommandanten schlimm zusammenschlagen, so daß er immer noch nicht richtig gehen kann, ja!
Am Morgen gehen dann ein paar von denen weg. Und Mittag ist plötzlich Aufregung, da reiten sechs Leut durch das Tor, alle bewaffnet, und einer davon ist ein feiner Herr gewesen und hat sich ganz genau umgesehen, und alle haben geschrien " Lang lebe der Großherzog!" und da haben wir endlich gewußt, was los war. Das Weibsbild hat dem Herrn dann die Sachen von unserem Kommandanten übergeben, und beide sind dann in der Kommandantur verschwunden. Wir wurden alle auf eine Stube gesperrt und bewacht, aber wir konnten durch das kleine Fenster ja gut in den Hof sehen. Deshalb haben wir auch alles mitgekriegt.
Am nächsten Tag bringen ein paar Kerle einen Wagen voller Ledersachen in den Hof, der gehörte einem Händler. Wir haben irgendwas von Zollgebühren gehört, die er nicht zahlen wollte, haben uns aber nicht damit ausgekannt. Da läßt dieser Adveri dem seine Waren beschlagnahmen und schenkts seinen Leuten. Der Händler fängt natürlich das Schreien an und sagt zu ihm solche Sachen wie "Hochverräter" und "Mörder" und "Wegelagerer"! Wir haben uns alle gedacht, das kann nicht gut ausgehen, so mit einem Verrückten zu reden, und da nickt der auch schon dem Weibsbild zu, und plötzlich liegt der Händler tot da, zwischen all den johlenden Kerlen, die sich um die Beute gerauft haben. Am Abend wurden dann die fünf Soldaten zu uns in die Stube gesperrt, die man zuerst von Jarun geschickt hatte um nach dem Rechten zu sehen. Einer davon war ein Hauptmann, der gemeint hat, es wär unsere Pflicht, einen Fluchtversuch zu machen, und er hatte auch einen guten Plan. Nur haben die draußen gut aufgepaßt, wir konnten zwar zwei von diesen Kerlen zu Gwon schicken, aber da waren dann plötzlich diese vielen Pfeile, die auf uns gezielt haben. Ja, wir wurden also wieder eingesperrt, nur der tapfere Hauptmann nicht, der wurde "exekutiert", wie sie dazu gesagt haben, diese Mörder!
Am dritten Tag dann hatten sie's plötzlich eilig, da packten sie alles zusammen, was sie geplündert hatten, hängten die sechs armen Toten am Tor auf und zündeten das Haus und den Turm an. Dann haben sie sich aus dem Staub gemacht. Bald darauf sind unsere Leut aus Jarun gekommen und haben uns grad noch rechtzeitig rauslassen können. Wir haben eh schon fast keine Luft mehr gekriegt..."
Soweit der Bericht eines Überlebenden. Bleibt zu hoffen, daß die Angelegenheit schnellstmöglich von den zuständigen Stellen vollständig aufgeklärt wird. Es wird Zeit, daß diesem Verbrecher und Hochverräter, der in Heligonia offenbar tun und lassen kann, was er will, endlich das Handwerk gelegt wird, bevor noch mehr Unschuldige ihr Leben verlieren!
Orakel der Tochter des Xurl
Baronin Josephina von Drachenhain, Baronin von Wolfenfeld, Hochgeweihte des Xurl hat in einer göttlichen Stunde ein Orakulum von Xurl darselbst erhalten. Sie hörte seine göttliche Stimme und sah dabei die Stadt Jarun in der Nachbarbaronie Güldental, jenseits des Brazach. Deshalb ist ihre Hochwohlgeboren sich sicher, daß diese Botschaft für Güldental bestimmt ist und sandt die Botschaft unverzüglich nach Hochanthen an den Fürstenhof. Hiermit soll nun allen kundgetan sein, was wohl auch aller Leben betreffen wird. Was Xurl uns genau sagen will, liegt noch im Dunkel der Zeit wohl verborgen. Einen kleinen Lichtblick in die unendlichen Verzweigungen des Schicksals gewährte er uns. Doch eines steht fest, daß Schlimmes am Horizont auszumachen ist, wenn nicht sogar schon längst über uns hereingebrochen. Doch wie auf den Regen, Sonnenschein folgt, wird mit der göttlichen Hilfe der Vier auch dies zu bewältigen sein.
Ritinus Federschwinger, Hofschreiber zu Hochanthen
An das Volk von Thal!
In seiner großen Gnade schenkte der Herr der Wasser mir, seiner unwürdigen Dienerin, dieses Gesicht, auf daß die Prophezeiung dem Volk von Thal bekannt gemacht werden solle:
Weinen und Klagen hörte ich
Blut und Feuer sah ich
Grenzen, wo keine sind
Wachen, wo keiner ist
Macht ohne Erbarmen
Singen und Lachen hörte ich
Tanz und Freude sah ich
Verlorenes findet ihr
Vergessenes erinnert ihr
Leben kehrt zurück
Bringt Xurl ein Opfer und danket ihm für seine Gnade! Josephina von Drachenhain Hochgeweihte des Xurl
Die Reise nach Norrland-Brassach
Am frühen Morgen des 3. Tages der dritten Poëna ging es in Hochanthen, der Hauptstadt Anthans, zu wie in einem Bienenstock. Bedienstete rannten hin und her, Wagen wurden beladen, Pferde und andere Lasttiere herbeigeschafft, berittene Gardisten machten sich bereit.
Das ganze Chaos löste sich jedoch recht schnell auf, und bereits wenig später verließ eine wohlgeordnete kleine Karawane mit einigen Wagen, Pferden und einer berittenen Garde vorneweg Anthan.
Ziel der Reisegesellschaft war die Markgrafschaft Norrland-Brassach: Prinzessin Celia von Thal folgte mit diesem Besuch einer Einladung des Markgrafen Kalveram. Da die Einladung zu diesem Besuch dem Herrscherhaus von Thal persönlich galt, reiste die Prinzessin nur mit einer kleinen Gefolgschaft einiger enger Vertrauter und ihrer Leibgarde. In der noch immer andauernden Abwesenheit ihres Bruders war diese Aufgabe von ihrem Vater an sie übertragen worden, da der Fürst selbst aufgrund dringender Geschäfte unabkömmlich war, den Besuch ob der ihm beigemessenen Wichtigkeit jedoch nicht aufschieben wollte.
Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach und das Herrscherhaus von Thal hoffen, mit diesem Staatsbesuch die Beziehungen zwischen Thal und Norrland-Brassach zu festigen und für beide Seiten neue Handelsmärkte zu erschließen.
Prinzessin Celia hatte die nicht leichte Aufgabe, unter den vielen Antragstellern, die sich der Karawane gerne angeschlossen hätten, ihre Reisebegleiter auszuwählen, denn natürlich war der Andrang groß: schließlich bietet eine solche Reise für viele eine willkommene Abwechslung und gleichzeitig die Möglichkeit, im Schutz einer Gruppe zu reisen.
So verließ also eine kleine Gefolgschaft die Hauptstadt, bestehend aus der Prinzessin von Thal in Begleitung der Freifrau Roxana von Beraht, einigen weiteren engen Vertrauten und ihrer Leibgarde, sowie einigen Kaufleuten und Händlern, die sich ebenfalls dem Schutz der Gardisten anvertraut hatten und nur einen Teil der Reise in den Norden Heligonias mitmachen werden, um in den großen Städten entlang der Route ihre Waren feilzubieten. Die Reise verlief ohne Zwischenfälle, und am 15. Tage der dritten Poëna traf die traf die Gesandtschaft in Tarnam ein. Der Markgraf begrüßte die Prinzessin und ihre Begleiter aufs Höflichste und ließ zunächst ein großes Abendessen ausrichten, in dessen Verlauf Gelegenheit zu Gesprächen und Austausch war. Die Stimmung war sehr gut - nicht nur die Prinzessin und der Markgraf unterhielten sich angeregt und in bester Laune.
In den folgenden Tagen standen neben politischen Verhandlungen und Gesprächen einige Besichtigungen und Ausflüge auf dem Programm, mit denen der Markgraf seinen Gästen die Kultur und Schönheit seines Landes näherzubringen wußte und gleichzeitig einen Einblick in Handwerk und Wirtschaft der Region ermöglichte.
In Abwesenheit des Markgrafen, dem immer noch einige Folgen des Putschversuches, insbesondere die Belagerung der Stadt Caronburg,, wertvolle Zeit stahlen, kümmerte sich die Markgräfin Lenia um die hochrangigen adligen Gäste aus dem Fürstentum Thal.
Beim Abschied lud Prinzessin Celia den Markgrafen von Norrland-Brassach und seine Gattin im Namen ihres Vaters zu einem Besuch in Hochanthen ein, um die geknüpfte Beziehung weiter zu vertiefen und sich somit für die erbrachte Gastfreundschaft der markgräflichen Familie in angemessener Form zu bedanken.
Letzte Meldung:
In letzter Minute erreichte die Redaktion ein Brief Fürst Barthas, der gleichzeitig an den Grafen Dedekien von Darian geht. Ob der Dringlichkeit und Brisanz der Lage wurde der Brief hier unverändert abgedruckt.
Werter Graf Dedekien. Lange und ruhmreich möge Eure Regentschaft in Darian sein. Der Grund Unseres Schreibens ist, wie Ihr sicher bereits vermutet habt, das ebenso glückliche wie unerwartete Wiederauffinden eines leider nur geringen Teils des lange verschollen geglaubten Bernsteinzimmers. Über seine Echtheit wird derzeit noch immer unter unseren besten Gelehrten gestritten. Deshalb ist es Uns nun ein großes Anliegen, weitere Gelehrte an Unserem Hof zu sammeln. Eine erneute Untersuchung zusammen mit zahlreichen Gelehrten der Universität zu Escandra soll endgültige Klärung schaffen. Ziel soll es jedoch nicht nur sein, die fragliche Identität vollends zu klären, sondern auch mögliche weitere Bruchstücke des Zimmers ausfindig zu machen, um deren Erhalt für die Zukunft zu sichern, handelt es sich dabei doch um ein einzigartiges Zeugnis einer blühenden Epoche in der Geschichte Heligonias, das somit selbst über das Reich hinaus von Bedeutung ist.
Es wäre Uns nun eine große Ehre, Euch in der ersten Woche des 2. Helios am Hofe zu Hochanthen begrüßen zu dürfen, wo im Beisein Gelehrter der Universität Escandra der derzeitige Stand der Ermittlungen bezüglich des Bernsteinzimmers diskutiert werden soll.
In Erwartung Eurer baldigen Antwort
Mit heligonischen Grüßen Fürst Bartha von Thal
Der Trommler
freies Nachrichtenblatt
der Markgrafschaft
Norrland-Brassach
Thalion-Stadt hat kapituliert!
Sechs Tage nachdem sich Anholt von Brassach und Rhoderich von Thalion gegen die Herrschaft des Markgrafen aufgelehnt hatten, haben Rhoderichs Mannen in Thalion-Stadt auf Anweisung seiner Tochter die Waffen gestreckt! Rhodanthe von Thalion, nach der Selbstrichtung ihres Vaters im Kerker der Eichenburg die Letzte aus dem Geschlecht derer von Thalion, entsandte einen Parlamentär, um den Baron von Grauburg die Kapitulation der Stadt am See anzubieten und somit dem "Verrat ihres Vaters" ein Ende zu bereiten. Sie bat Hagen von Grauburg, den "Aufständischen", die doch eigentlich auf direkten Befehl ihres Vaters gehandelt hatten, einen fairen Prozeß zu bereiten. Seine Hochwohlgeboren akzeptierte die Bitte der Edelfrau. Daraufhin legten die thalionischen Milizen und Garden unverzüglich ihre Waffen und Banner nieder, öffneten die Stadttore und begaben sich in Gefangenschaft. Erstaunlicherweise befanden sich unter den Inhaftierten, die man nun erst einmal in große Scheunen einsperrte, nur äußerst wenige Ritter und Anführer. In der nachwievor unter Kriegsrecht stehenden Provinz regiert seit dem achtzehnten Tag der ersten Poëna ein grauburger Kommandant. Rhodanthe von Thalion wurde bis auf weiteres mit einem Hausarrest belegt und darf ihr Domizil in der Hauptstadt der Provinz nicht verlassen.
Die Markgrafschaft trauert um Herzog Uriel II.
Mit aufrichtiger Anteilnahme hat man in der Markgrafschaft Norrland-Brassach den Tod Herzog Uriels von Ostarien, dem ehemaligen Lehnsherren der alten Baronie Brassach, schmerzlich bedauert. Seine Hochgeboren, der Großmeister der Templer zu Ankur, Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach entsandte seinen Bruder Larn, der unlängst erst aus Tlamana zurückgekehrt war, nach Ankur, um der herzöglichen Familie in aller Form das Beileid der markgräflichen Familie, der Templer zu Ankur und des norrland-brassachischen Volkes kund zu tun. Im Feldlager vor dem aufrührerischen Caronburg, wo neben norrland-brassachischen Einheiten viele Templer-Waffenbrüder Herzog Uriels die Stadt belagern, ließ der Großmeister nach Kenntnisnahme der Abberufung des Landmeisters von Ostarien an die Seite des Einen von der Geistlichkeit des Ordens eine Messe für den "Vater aller Templer" und "Großen Mann Ostariens" lesen.
Die Baronie Norrland-Brassach erhält einen Xurl-Schrein
In Ufernähe des großen Brazachs, wenige Meilen südlich von Tarnam, wurde am zwanzigsten Tag der ersten Poëna ein Xurl-Schrein eingeweiht. Der kleine Schrein bietet der überschaubaren, ogedischen Minderheit der Markgrafschaft, die sich mehrheitlich zu Xurl bekennt, die Möglichkeit hier in angemessener Form ihrem Glauben nachgehen zu können. Auch Reisenden aus anderen Landesteilen Heligonias soll die Pforte des Hauses am Fluß jederzeit offenstehen. Aufgrund der besonderen Umstände, die derweil in Norrland-Brassach als Folge des Umsturzversuches einiger Verräter vorherrschen, wurde auf ein großes Einweihungsfest verzichtet. Der Markgraf entsandte einen Vertreter aus seinem Hofstaat, der an der Feier teilnahm. Die Baronin von Wolfenfeld, Hochgeweihte des Xurls, wurde durch einen Eilboten vorsichtshalber ausgeladen, da man ihr Leben nicht gefährden wollte. Für ihre Unversehrtheit konnte man nicht garantieren, solange die Situation im Lande noch derart unüberschaubar war. Mit Freuden würde man sie aber zu einem späteren Zeitpunkt in der Markgrafschaft begrüßen wollen. Somit oblag es dem Geweihten Elborn den Schrein am Flußufer für die markgräflichen Ogeden mit einer bescheidenen Zeremonie zu eröffnen. Elborn ist ein Ogede Brassachs, der nach langer Zeit in Ligonii wieder in seine alte Heimat zurückgekehrt ist, um sich seiner neuen Aufgabe, der Leitung des Schreins, zu stellen.
Tharagon befreit sich von der Geißel der Besatzer!
Obwohl die Stadt Thalion bereits vor drei Wochen kapituliert und sich der Gnade des Markgrafen unterworfen hatte, hielten die angeheuerten Söldnertruppen unter der Führung einzelner Ritter Anholts und Rhoderichs die Stadt Tharagon nachwievor in ihrer festen Hand. Als Soldaten, die für Geld in die Schlacht ziehen, feige in der Nacht Städte und Garnisonen überfielen und ihre Einwohner und Besatzungen brutal niederstreckten, würde ihnen eine Schonung durch die Streitkräfte Norrland-Brassachs vermutlich versagt bleiben. Sicherlich würden es gerade sie sein, an denen sich der Volkszorn in mannigfaltiger Art und Weise entladen würde. Somit harrte man also in der Stadt aus und preßte die Einwohner der Stadt dazu, sich den "Wünschen" der Söldner zu fügen. Doch in der Nacht vom neunten auf den zehnten Tag der zweiten Poëna sollte hier alles anders werden. In einer geheimen Sitzung der Gildemeister Tharagons im dunklen Weinkeller des Kellermeisters Gieselbrant beschlossen die Handwerker der Stadt sich auf ihre Art gegen die Zwangsherrschaft der Besatzer zu wehren. Und so vereinbarten die Meister in eben dieser Nacht alle Handwerker, Meister, Gesellen und Burschen, zu bewaffnen und in einem Handstreich mit dem Vorteil der Überraschung die aufgestellten Torwachen der Söldner zu überwältigen, auf daß die Tore der Stadt geöffnet werden und die vor den Stadtmauern aufmarschierten grauburger Soldaten die Stadt betreten und das Söldnerpack schlagen können. Mit den markgräflichen Belagerern vereinbarte man alsdann mittels einer Botschaft, die den Plan der Handwerker ausgiebig schilderte und im Dunkeln der Nacht über die Brüstung hinweg an einem Pfeil mitten in das Lager der Loyalisten geschossen wurde, daß man bei Sonnenaufgang auf ein lautes Signal der Grauburger wartete, um dann von Innen heraus loszuschlagen.
Im Schutz der dunklen Nacht, der Mond war durch eine dicke Wolkendecke verhangen, schlichen sich nun die tapferen Bäcker, Kürschner, Sattler, Brauer, Metzger, Schuster, Schuhmacher, Schmiede, Schneider, Fischer und anderen Handwerker mit ihren Werkzeugen und Waffen an ihre jeweiligen Positionen in der Nähe des West-, Ost und Nordtores der Provinzhauptstadt Tharagoniens, um nach Ertönen des ausgemachten Signals aus dem Lager der grauburger Belagerer die Wachen niederzumachen. Die Wirte der Stadt wurden am Vorabend angewiesen, Wein und Bier freigiebig auszuschenken, um so manchen Söldner durch den Alkohol zu einem leichteren Gegner zu machen. Um die Effektivität der Getränke zu erhöhen, gab man in jedes Bier einen ordentlichen Schuß scharfgebrannten Schnaps. Als nun endlich das laute Rufen eines Horns die Stille der weichenden Nacht durchbrach, schlugen die Handwerker an den drei Stadttoren nahezu zeitgleich zu. Am Ost- und Nordtor der Stadt gelang es ihnen binnen weniger Augenblicke, die angetrunkenen Wachen auszuschalten und die Tore zu öffnen. Laut hallten die beschlagenen Hufe der brassachischen Reiterei, die unverzüglich in die Stadt peitschte, in den engen Gassen wieder. Hinter ihnen schwappte wie eine große Welle auf dem Brazach die grauburger Infanterie in die Stadt. Nach ein paar Minuten war der Kampf entschieden und viele Teile der Stadt fielen wieder in die Hand der Loyalisten. Lediglich am Westtor gelang es den Aufrührern und käuflichen Schurken den vorstürmenden Grauburgern eine längere Zeit Gegenwehr zu leisten, nachdem es den Schneidern, Bäckern und Hufschmieden nicht gelungen war, die Besatzer zu überraschen. Unter hohen Verlusten mußten sich die wackeren Handwerker den besser bewaffneten Söldnern stellen, die ihren "Aufmarsch" leider frühzeitig bemerkt hatten. Dennoch gelang es der grauburger Infanterie bald, auch hier den Widerstand zu brechen. Die Suche nach einzelnen, versprengten, sich in jeder Nische versteckenden Feinden der Markgrafschaft hielt noch die ganze Nacht an. Nahezu die ganze Stadt war auf den Füßen und beteiligte sich am Aufspüren der Verräter. Hierbei entluden sich oftmals die Emotionen der zuvor drangsalierten Stadtbevölkerung, die so manche Schikane durch die Besatzer erleiden mußten. Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß nur wenige Umstürzler lebend dem grauburger Heerführer Hadebrand von Grauburg, der mit seinen Mannen aus der neuen Templer-Ballei im Norden der Markgrafschaft herunter geeilt war, vorgeführt werden konnten, unter ihnen keinerlei Anführer. Die Hauptleute und Ritter der Putschisten fand man später erschlagen in den Straßen und Gassen der Stadt. Am Morgen des zehnten Tages der zweiten Poëna wehte wieder das Wappen Tharagons in der kühlen Morgenluft. Nachdem nun auch die Hauptstadt Tharagoniens aus den Händen der Umstürzler befreit worden war, befand sich lediglich noch die Hauptstadt der Provinz Caronia, Caronburg, in Feindeshand [...]
Grauburg setzt Belohnung auf den Kopf Berkans aus
Einhundert Dukaten Belohnung setzte der erst vor gut vier Wochen eingesetzte grauburger Stadtkommandant von Thalion-Stadt auf die Ergreifung Berkans, Sohn des Tendil aus Mühldorf, Hauptmann der nun aufgelösten Thalionischen Wehr, aus. Dem Gesuchten wird Landesverrat, Eidbruch, Mord in mehreren Fällen und verräterischer Aufruhr zur Last gelegt. Der flüchtige Berkan hält sich mutmaßlich in den nördlicheren Landesteilen der Markgrafschaft versteckt. Die Auszahlung des Betrages erfolgt gegen Übergabe des Brudermörders, tot oder lebendig, an norrland-brassachische Autoritäten.
Norrland-Brassach verstärkt Grenze zum ostarischen Arnach
Nachdem am fünfzehnten Tag des ersten Xurls des Jahres achtundachtzig nach der Erleuchtung die beiden Baronien Arnach und Brassach in einem Vertrag einen leichteren Grenzübertritt und eine vereinfachte Zollabwicklung zwischen den Ländereien der beiden ostarischen Vasallen beschlossen hatten (der Helios-Bote 16 berichtete auf zwei Seiten ausführlich), erklärte Markgraf Kalveram nach fast neunzehn Monaten nahezu reibungsloser Zusammenarbeit die getroffenen Vereinbarungen für überholt. Mit der Entlassung der Baronie Brassach aus der Lehnspflicht gegenüber dem Herzogtum Ostarien und der daraus folgenden Ausrufung der Markgrafschaft Norrland-Brassach verlor das Vertragswerk aufgrund der doch wesentlichen Veränderungen im bisherigen Lehnsgefüge in den Augen des norrland-brassachischen Herrschers seine Grundlage. Die damaligen gemeinsamen Beschlüsse, die Reduzierung der Grenzer und das gemeinsame Patrouillieren arnacher und brassachischer Truppen entlang der Grenze, wurden mit dem Beginn des fünfundzwanzigsten Tages der zweiten Poëna des Jahres neunundachtzig nach der Erleuchtung aufgehoben. Ab diesem Tage werden die für lange Zeit hochgestellten Schlagbäume an der Grenze zum ostarischen Arnach wieder heruntergelassen, die Grenzstationen fortan wieder vollständig bemannt und jeder Händler hat seine Waren an der Grenze zur Markgrafschaft Norrland-Brassach ordnungsgemäß anzumelden und zu verzollen. Neben der Erlangung der Markgrafenwürde als Begründung für die Aufhebung der getroffenen Vereinbarungen wird unter der Hand auch eingeräumt, daß es den teemooranischen Söldnern vermutlich über die "schwache" Grenze zur Baronie Arnach gelungen war, in die Markgrafschaft Norrland-Brassach einzusickern. Auch wenn nun die Grenze zur Baronie Arnach ihre vorrangige Stellung verliert und fortan wie jede andere Grenze behandelt wird, hofft man in Tarnam doch, daß man die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zum ostarischen Nachbarn weiterhin aufrecht erhalten kann.
Kundschafter entdecken den Herrn von Dachsrode
Am einunddreißigsten Tag der dritten Poëna stellten vom Markgrafen ausgeschickte Späher, deren primäre Aufgabe es war, nach versprengten Einheiten der Umstürzler in den westlichen Gebirgszügen des Nordmassives auf Höhe der Siedlungen Stocken und Schwarzgrund Ausschau zu halten, fünf heligonische Meilen vor Stocken eine Handvoll abgekämpfter und verdreckter Mannen, die sich mit einem Ochsenkarren auf den Weg gen Süd-Osten befanden. Als sich die dreiköpfige, berittene Spähertruppe dem verwahrlost wirkenden Haufen näherte, sprangen die Gestalten plötzlich von ihrem Wagen, rissen sich ihre verdreckten Gewänder vom Leibe, zogen ihre Schwerter und schickten sich mit dem Ausruf "Für Gilbert von Dachsrode" an, die Reiter anzugreifen. Erst im letzten Augenblick, als sie die punzierten Wappen Norrland-Brassachs auf den Lederrüstungen der drei Markgräflichen erkannten, hielten sie inne und verschonten die völlig überraschten Kundschafter, die offensichtlich in die Falle der "Unbekannten" getappt waren. In eben diesem Moment erkannten auch die drei Reiter die zuvor verborgenen Wappenröcke der "Angreifer": Auf Schwarz glänzte der silberne Dachs des Herren von Dachsrode!
Die Reiter berichteten dem Herren von Dachsrode, der mit zahlreichen Verletzungen nachwievor auf dem Karren gebettet war, daß man den Putschversuch niedergeschlagen hatte, Rhoderich von Thalion und vieler seiner Getreuen gefallen waren und sich der "Baron zu Caronia", der Verräter Anholt von Brassach, in Caronburg verschanzt hatte, welches nun bereits seit mehreren Wochen von den Truppen Kalverams belagert wird.
Der angeschlagene Gilbert von Dachsrode erzählte nun von seiner Flucht aus Caronburg, wo Anholt von Brassach zu Beginn des Putsches versucht hatte, alle seine Ritter auf ihn als neuen Markgrafen von Norrland-Brassach einzuschwören und gegen den "Norrländer" vorzugehen. Gilbert, der sich weigerte an diesem Verrat teilzunehmen, mußte sich seinen Weg aus Caronburg freikämpfen und flüchtete mit wenigen Mannen in die Berge im Westen. Viele seiner Gefährten ließen bei dieser abenteuerlichen Flucht ihr Leben. Die wenigen Überlebenden fanden Schutz in einer abgelegenen Höhle, wo sie sich gut zehn Wochen bei äußerst widrigen Bedingungen und mangelnder Verpflegung versteckt hielten. Nun wagten sie einen ersten Schritt Richtung Südosten, da ihnen endgültig die Lebensmittel ausgegangen waren und kaum noch Wild in ihrer Nähe zu fangen war. Mit ihrer Verkleidung als Bauern hofften sie, Feinde zu überraschen und sich deren Pferde und Verpflegung anzueignen. Während ihres Zwangsaufenthaltes in den kargen Gebirgszügen hatten man mehrfach den Versuch unternommen, seinen Hochgeboren über den Verrat Anholts zu informieren, aber keiner der ausgeschickten Boten kehrte jemals zurück und auch keine Hilfe von außerhalb, ein Zeichen dafür, daß ein Bote seine Mission erfüllen konnte, drang zu ihnen durch.
Nachdem Gilbert den Spähern seine Erlebnisse geschildert hatte, machte sich nun ein Berittener auf den Weg ins Feldlager vor Caronburg, um seinen Hochgeboren, Markgraf Kalveram, über das Auffinden des Ritters von Dachsrode in der Nähe der Siedlung Stocken in Kenntnis zu setzen. Die beiden verbliebenen Reiter eskortierten nun Gilbert und seine Mannen auf dem Karren ebenfalls Richtung Osten.
BETIS, wo Brazach und Jolborn sich treffen!
Mysteriöser Fremder auf Baronie Grauburg
Unbestätigten Meldungen zufolge schlich sich auf der Eichenburg in der Baronie Grauburg ein bisher unerkannter Fremder ein. In den Tagen, in denen Ritter Rhoderich aus dem ehemaligen Thalion die Eichenburg besetzte, tauchte demzufolge ein mysteriöser Bettler auf. Auf Fragen, wer er sei, und woher er komme, antwortete er den Flüchtlingen und Durchreisenden "..ich bin so arm, daß ich mir keinen Namen leisten kann.." und "..ich war schon immer hier..". Aufmerksam wurden Durchreisende, unter denen er Parolen Adveris verbreitete. Sie verständigten daraufhin den Grauburger Leutnant Thodolf, welcher aber erst beunruhigt war, als der 'Bettler' sich plötzlich sehr für die Eichenburger Bibliothek interessierte, und er nach der Befreiung der Burg mit seinem erbettelten Vermögen prahlte.
Der Sache wird nun keine größere Beachtung mehr geschenkt, da der Bettler nach einer Verfolgung bis an die Norrländisch-Brassachischen Grenze verschwand.
Dank an den unbekannten Dichter
Im Augenblick größter Trauer und Verzweiflung erreichten wohlgesinnte Worte uns und unser Herz. Wir wissen leider nicht wer still Anteil nahm an unserm Schmerz, wer imstande war in Worte zu fassen all unser Leid. Wird er sich uns zu erkennen geben? Gleichwohl vielfach Dank zu sprechen wollen wir ihm aus dem Tal der Tränen, in dessen Nebel seine Hand tröstend griff, Dank tausendmal.
Freifrau Ermina von Eichenburg
Abordnung der betiser Händlerfamilie Corvese zu Besuch in Tarnam
In den frühen Morgenstunden des siebten Tages des ersten Helios neunzig nach der Erleuchtung zogen vier edle Pferde eine prächtige Kutsche, an deren Seitentüren das Wappen der Händlerfamilie Corvese auszumachen war, durch die Straßen der Stadt Tarnam. Der Kutscher lenkte sein Gefährt gekonnt über die steile Straße hinauf zur großen Pforte der Burg Brassach. Nach einem kurzen Halt, man wurde offensichtlich erwartet, wurden die Gäste aus Betis in das Innere der Burg vorgelassen. Wie später in Erfahrung gebracht werden konnte, nahm ein Mitglied der Familie Corvese eine Audienz beim Markgrafen war, die der brassachische Händler Fedor Asgild, der vor wenigen Wochen für ein paar Tage Gast im Hause Coverse in Betis war, eingefädelt hatte. Paligo Corvese, der älteste Sohn von Niccolo Corvese, verweilte für einige Tage als Gast am markgräflichen Hofe in Norrland-Brassach.
Aus Hofkreisen ward alsbald zu erfahren, daß Paligo Corvese am ersten Tag des zweiten Helios den Vasalleneid gegenüber Markgraf Kalveram schwören und fortan die Führung der bis dato unbenannten Vogtei, östlich der Provinz Bastien gelegen, übernehmen wird. Die Vogtei wird in den Karten mit dem Namen "Corvesa" beschriftet werden. Weiterhin wird Paligo Corvese am selben Tage Sina Asgild, die älteste Tochter Fedors, zu seiner Frau nehmen. Die Hochzeit wurde auf besonderem Wunsch des Markgrafen arrangiert, der durch diese Verbindung engere Bande zwischen der Händlerfamilie aus Betis und der brassachischen Händlerfamilie knüpfen will. Braut und Bräutigam sind einander noch nicht bekannt, aber sowohl Paligo als auch Fedor sehen keinerlei Probleme in der Verbindung beider ceridischen Familien durch eine Heirat.
Herzögliche Ostarische
Hofgazette
Bekanntmachung der Ostarischen Herzöglichen Handelsmarine
Große Jungfernfahrt
der neugegründeten
Brazach-Postschifflinie
im 3. Xurl des Jahres 27 der allerweisesten Herrschaft unseres geliebten Königs
Helos Aximistilius des III.!
Die Ostarische Handelsmarine richtet gemeinsam mit den brassach-norrländischen Handelsschiffern und der Hafenverwaltung von Escandra eine Postschifflinie auf dem oberen
Brazach ein. Das im Rahmen der Jolberger Verträge beschlossene Projekt bezweckt eine bessere Versorgungssituation der neuen Grenzlande im Norden.
Der Transport von Waren und Personen wird ebenso verbilligt angeboten wie der Transport von Nachrichten. Ein zollermäßigtes Transitverfahren in die ostarische Enklave Kendhas-Pailat ist geplant. Vorläufig sind die im folgenden genannten Städte als Anlaufstellen eingerichtet:
Ankur - Escandra - Gahrne - Brazenberg - Grauwiel - Tarnam - Den-Cadain - Legonsfall (ehem. Brazfurt)
Interessenten mögen sich in den Niederlassungen der Brazach-Postschifflinie in den oben genannten Ortschaften melden.
Wir wollen unseren Zugriff erweitern: Vorschläge zur Erschließung der nur mit Flachkähnen befahrbaren Gewässer Hochbrazach-Ostra sind willkommen!
Leserbrief
Vor nunmehr einem Jahr verlor ich einen guten Freund: Baron Sirium Silverhorn von Drackensteig. Er war mein Freund, obwohl er Ceride war und ich bekanntermaßen von wenigen Ausnahmen abgesehen, Ceriden nicht mag. Sie haben immer so ein Durcheinander! Barone verschwinden, tauchen wieder auf, drehen durch und ernennen sich zum Kaiser (typischer Fall von ceridischer Titelsucht), aber eigentlich sind sie es dann gar nicht. Ceridische Freifrauen müssen auf ceridischen Burgen von Ogeden vor ihren ceridischen Glaubensgenossen beschützt werden, damit man sie nicht massakriert. Ceridische Söhne sind plötzlich keine mehr, weil ein zerfleddertes Dokument auftaucht (in welchem Zustand ist eigentlich die königliche Bibliothek in Escandra???), aber um diesen Ceriden ist es sowieso nicht schade.
Aber um Baron Sirium ist es schade, denn wenn alle Ceriden so wären, wäre es um diesen Glauben anders bestellt!
Nun ist aber in Friedland ein Mann aufgetaucht, der behauptet, Sirium zu sein. Ich kann das nicht nachprüfen, ich habe mir in Friedland keine Freunde gemacht und will dort auch aus bekannten Gründen keine haben. Wenn nun dieser Mann ein Betrüger ist, dann gehört er bestraft, hier wie dort, weil er das Andenken eines aufrechten Mannes in den Schmutz zieht. Wenn er es aber ist, dann ist doch Einiges zu bedenken ! Hat das eigentlich mal jemand überprüft? Es muß doch für die Gelehrten ein Leichtes sein, das herauszufinden. Denn wenn Sirium noch lebt - oder wieder lebt, wie auch immer - wie war das? Die Wege des Einen sind unerforschlich??? - dann geschieht ihm Unrecht. Dann ist das Testament nichtig, Vasalleneid hin oder her. Will man ihn vielleicht einfach totschweigen, weil er ein Streiter für die Schwachen und Hilflosen war und vielleicht dadurch auch unbequem? Ist es dann nur ein Schachzug ceridischer Politik, für ogedische Gehirne nicht nachvollziehbar? Ist er dann nur das Opfer seines eigenen Glaubens?
Vielleicht ist er nur zurückgekommen, weil an der Seite des Einen schon alle Plätze belegt sind mit aufrechten Ceriden - die müssen ja alle schon dort sein, weil es hier kaum welche gibt!
Wie gesagt - ich mag Ceriden nicht sonderlich, und es liegt nicht in meiner Macht, den Wahrheitsgehalt dieser Sache zu prüfen. Aber Sirium war mein Freund, oder ist mein Freund, und ich werde nicht schweigen, wenn ihm Unrecht getan wird. Und ich bin sicher, andere werden sich in dieser Sache hinter mich stellen, denn Sirium hatte viele Freunde. Ich will auch niemanden angreifen. Ich will nur, daß über Recht und Unrecht nachgedacht wird. Und vielleicht ein bißchen über Freundschaft und wie wir Menschen miteinander umgehen, ganz gleich, ob wir Ogeden oder Ceriden sind.
Und Ihr, Sirium Silverhorn von Drackensteig, wenn Ihr es denn seid, so könnt Ihr meiner Freundschaft und Loyalität sicher sein. Und wenn nicht - nun ja, wir werden sehen!
Marvenna von Drachenstein, Hofbardin zu Welzen
Dieser Leserbrief erreichte die Hofgazette kurz vor Redaktionsschluß. Wir lehnen jegliche Verantwortung über seinen Inhalt ab.
Es ist an der Zeit, daß im südlichen Ostarien mal einer berichtet, was im Norden wirklich geschehen ist im letzten Saarka. Ich, Rutbrecht Linnenberger, bin vor einigen Tagen hier nach Ankur gekommen und mußte darüber staunen, wie wenig die Leute doch wissen über uns in der Vernmark und wie es uns dort ergeht mit den Gelbröcken.
Also wahrscheinlich wundern sich jetzt schon wieder alle was das ist. Die Vernmark. Das ist leicht gesagt: Es ist unser Land, das wir vor Jahresfrist erobert haben zusammen mit dem Ostarischen Generalzeugmeister Baron Jareck von Jolberg. Wir haben es den grausamen Ödländern aus ihren gierigen Klauen, ja, gar direkt aus ihren geifernden Fängen entrissen, um es für uns, für Ostarien, für Heligonia, für den Einen und von mir aus auch die Vier in Besitz zu nehmen, und wir mußten wahrlich mit unserem Schweiß und unserem Blut und oft genug auch mit unseren Tränen und mit unserem Leben bezahlen, was wir als kargen Lohn für unser mutiges Streiten erhalten sollten.
Man hat zu uns gesagt, daß wir in dem eroberten Land siedeln dürfen; daß wir uns als im Kampf bewährte Söldner jeder eine Parzelle Ackerland nehmen können, um es zu bewirtschaften und es als wehrhaftes Grenzland gegen den Feind zu verteidigen. Es ward uns das Recht zugesprochen, über unser Schicksal selbst zu bestimmen; Waffen zu tragen, verminderte Steuern zu entrichten und die Ehre und Unversehrtheit von Ostarien und Heligonia zu wahren. Doch was ist geschehen? Wir werden von einem Haufen Ogedenmönchen regiert, die faul sind und von uns Steuern verlangen! Sie wollen, daß wir uns ihren Weisungen fügen und schreiben uns vor, was uns erlaubt und verboten sei. Somit klagen wir an: Sieht so das Versprechen aus, das man uns gegeben hat?
Nach allem, was wir für Ostarien und Heligonia erlitten haben, haben wir nun selber beschlossen, was wichtig ist für uns. Und das ist einen Tag vor meiner Abreise gewesen, und deswegen hat man gesagt, daß ich Euch davon künden soll, daß wir den Pailat Pailat sein lassen und damit anfangen, unsere Entscheidungen allein und unabhängig zu treffen. Darum haben wir nun gesagt, daß Iklan Jhulym uns gerne vertreten darf, aber nur in Angelegenheiten, die uns nicht direkt betreffen oder mit seinem Kloster zu tun haben. Ansonsten soll er seine Sachen mit uns besprechen, denn wenn er uns nicht hätte, könnte er seine saubere Baronie ja sowieso gleich ganz vergessen. Dann haben wir noch beschlossen, daß wir nur noch Steuern zahlen, wenn wir einsehen, warum und wozu man die Dukaten ausgeben will. Ich meine, was sollen wir denn ogedische Heiligtümer bezahlen, wenn wir alle Ceriden sind und uns das egal ist und wir unsere Kirche sowieso selber bezahlt und gebaut haben?
Überhaupt können wir ja froh sein, daß wir in Kalveram von Norrland so einen netten und großzügigen Nachbarherrscher haben. Als in der Wolfskälte unser Priester erfroren ist, mußten wir wochenlang ausharren, bis Kalveram von Norrland uns schließlich einen Templermönch geschickt hat, damit wir endlich wieder geistlichen Beistand haben. Den Gelbröcken vom Pailat ist das ja egal, sie sind ohnehin an ihren Büchern viel mehr interessiert als an den Seelen ihrer Untertanen. Einen besseren Weg sollen wir bauen die Schlucht hinauf zu ihrem Kloster, dabei gibt es aber noch nicht einmal einen Pfad nach Brassach oder auch nur zu den vielversprechenden, kuriosen Salzquellen, die an den Gebirgshängen im Nordwesten zutage treten, und wo wir vielleicht endlich einmal etwas profitträchtiges abbauen könnten.
Stattdessen werden unsere Ziegen regelmäßig von den Wölfen, unsere Holzfäller von Bären und die Reisenden von riesigen Brazachkatzen angegriffen, schon manch ein tapferer Mann mußte sein Leben lassen deswegen. Aber das ist den Ogedenmönchen egal, sie haben es ja warm und sicher in ihrer Ordensburg und lassen sich von allen möglichen wissensdurstigen Gelehrten besuchen und bauen jetzt sogar ein herrschaftliches Gästehaus von einer Größe, von der wir uns hier in Yaldering nicht träumen lassen können - finanziert von der königlichen Reichsbibliothek zu Escandra.
Ja, ihr Leute von Ankur, so ist es bestellt um uns. Darum haben wir eines Tages nach dem Gottesdienst in der Stabkirche bei einer Versammlung auf dem Weidenhubel (selbstverständlich mußten wir die Kirche außerhalb des Orts errichten...) beschlossen, daß es genug ist und daß wir mit dem Iklan verhandeln müssen, wie das alles weitergeht. Unser Pfarrer hat acht Thesen der Freiheit an das hölzerne Portal der Stabkirche geheftet. Ich erinnere mich nicht mehr an jede einzelne, insgesamt haben sie etwa dieselben Inhalte zum Gegenstand wie mein Brief hier, möge er von vielen gelesen werden.
Der Eine halte seine Hand über Euch!
Große Trauereier für Herzog Uriel II.
Von nah und fern waren die edlen Heligonias in großer Zahl herbeigereist, um dem Herzog Ostariens, Uriel II., die letzte Ehre zu erweisen. Gar prächtig, wie es Ansehen und Stand des Verstorbenen gebührte, geschah der Einzug der Trauergemeinde in den Augustinusdom zu Ankur. Der Herzog war schon im 1.Poëna in der Familiengruft derer von Ostarien auf der Feste Brazenberg beigesetzt worden. Um aber möglichst vielen Gästen ein Kommen zu ermöglichen, war der Termin dieser großen Trauerfeier so spät gelegt worden.
Von der Beisetzung bis zum Tag der Messe, hatte eine Abteilung der Templer zu Ankur Rund um die Uhr die Ruhe ihres bisherigen Landmeister Ostarien an seinem Sarg bewacht. Vom heutigen Tag aber an, sollte die Gruft endgültig verschlossen werden.
Vor dem Trauerzug her schritten zehn verdiente Offiziere der Herzöglichen Garde und der Herzöglich Ostarischen Marine, welche das große ostarische Schlangenbanner zwischen sich hertrugen. Danach folgte die trauernde Gemahlin Walluma, ganz in schwarz gekleidet, mit der Herzogskrone in den Händen, der Generalzeugmeister, Jareck von Jolberg mit dem Herzogsschwert, welches der Verstorbene so oft gegen die Feinde des Reiches geschwungen hatte und der Großmeister der Templer von Ankur, Kalveram vom Norrland, mit dem Feldzeichen, welches Uriel II. als Landmeister mit sich geführt hatte.
Es folgten die weiteren Angehörigen des Verstorbenen, Prinz Aftalun, Prior von Gunara, der seinen Sohn, den jungen Herzog Angilbert auf dem Arm trug, welcher trotz seines zarten Alters bereits mit Ernst und Würde dreinblickte. Hinter ihnen schritten die Barone Ostariens und danach die weiteren Verwandten Uriels. Aber erst jetzt begann sich die erfurchtgebietende Halle so richtig zu füllen, denn nun kamen die hohen, adligen Gäste aus ganz Heligonia herbei, um einen ganzen Flügel der Kirche zu füllen. Ein Weiterer füllte sich im Nu, als eine gewaltige Abordnung der Templer zu Ankur einzog, welcher der Ordensmarschall Hadebrand von Grauburg selbst voranschritt. Unter den übrigen Gästen hervorzuheben, wären noch zahlreiche hohe Mitglieder der anderen ceridischen Orden, und einige Admiräle und Kapitäne der Ostarischen Flotte, welche in Ihren Galauniformen ein glanzvolles Bild abgaben. Um es kurz zu sagen: Alles was in Ostarien und darüber hinaus Rang und Namen hat, war hier versammelt und füllte den ehrwürdigen Dom auf gar prächtige Weise aus.
Als sich nun alle gesetzt hatten, begann Erzkaplan Falkonius von Regart damit, die Totenmesse abzuhalten. Weiterhin gedachte er der Verdienste des Verstorbenen und der Rolle, die er für Ostarien und das Reich gespielt hatte. Nach einer eindrücklichen Predigt, schwieg die gesamte Gemeinde für eine lange Zeit, und jeder gedachte im Stillen der Rolle, die der Verstorbene für ihn gespielt hatte. Nach dem Segen verließ die ganze große Gesellschaft unter feierlichem Glockengeläut den Dom, um im Herzöglichen Palast das Totenmahl einzunehmen. So mancher ließ es sich nicht nehmen, während des Essens aufzustehen und Lobreden oder Gedenkworte für den Toten vorzutragen. Lange wurde so geredet und getafelt. Erst tief in der Nacht zogen sich die Gäste in ihre Quartiere oder Stadthäuser zurück. So mancher kehrte gleich am nächsten Morgen in seine Heimat zurück, doch so bedeutendend war Herzog Uriel II. für Heligonia, daß kaum einer nicht dazu bereit gewesen war, für ein paar Tage seine Aufgaben und Pflichten zurückzustellen, und seien sie noch so wichtig gewesen, um den alten Kämpen auf dem allerletzten Stück seines Weges im Diesseits begleiten zu können.
Die Reise nach Escandra
Zu Beginn des ersten Helios im Jahre 90 n.d.E. verließ eines Morgens ein schwerer, stabiler Pferdewagen Wasserau in Emarania und schlug den Weg in Richtung Corwall ein. Eskortiert wurde das Gefährt von einer Hundertschaft Heliosgardisten, welche zügig ausschritten. Der Passagier in der Kutsche, war eine Frau die seit langer Zeit auf ihr Schicksal gewartet hatte, und nun sollte es sich entscheiden, zum Guten oder zum Schlechten. Aus Sicherheitsgründen war es der Dame untersagt worden, während der Reise ihr Gesicht offen am Fenster zu zeigen, zu sehr fürchtete man, daß irgend jemand einen Anschlag auf sie verüben könne. Hinter dem Stadttor von Wasserau trat ein Mann in einem Emaranischen Waffenrock auf den Kommandanten der Heliosgardisten zu und sprach: "Ich und meine Männer werden mit nach Escandra gehen, Ich möchte auf keinen Fall, daß der Dame Angharad Elanor auf dem Weg etwas zustößt." Nach einer kurzen Diskussion, schlossen sich der Eskorte weitere fünfzig Bewaffnete an. Es handelte sich hierbei um die selbsternannte Leibgarde der Dame, welche allerdings, da sie im Teemooranienkonflikt nicht auf Seiten Teemons gekämpft hatte und den Ruf hatte sehr diszipliniert zu sein, von Drachenhainern und Ostariern als Unterstützung bei der Aufrechterhaltung der Ordnung in Emarania toleriert wurde. Man einigte sich darauf, während der Reise durch Ostarien keine Emaranischen Farben zu zeigen, denn so konnte verhindert werden, daß jeder Passant sofort auf die Identität des Passagiers schließen konnte. Die ehemalige Baronin von Emarania und später von Teemooranien, ließ während der Reise noch einmal ihre eigene Geschichte Revue passieren. Oft hatte sie sich gefragt was sie alles hätte anders machen können, war dann aber zu dem Schluß gekommen, daß genau das eben ihr Weg war, den der Eine ihr bestimmt hatte und jetzt würde zumindest die große Ungewißheit ein Ende haben. Und außerdem, würde sicherlich alles mit Rechten Dingen zugehen, dafür würde Oberst Valerian schon sorgen.
Die Reise dauerte eineinhalb Wochen und führte die stattliche Reisegesellschaft über Corwall und Fail Arbeil nach Wälsung, dem Stammsitz des Herrn von Buchenfels. Von dort aus ging es in die Erzmark und über Frendenburg und Markingen nach Ankur. Dort verweilte man nicht lange und bestieg sodann ein königliches Ruderschiff, welches den Radovan-Hafen gen Escandra verließ. Nur kurz konnte man dem ernsten Blick Angharads begegnen, da stieg sie auch schon unter Deck und war nicht mehr zu sehen. Ein weiteres, größeres Schiff unter Ostarischer Flagge, lief kurz danach ebenfalls mit ruhigen, kräftigen Ruderschlägen aus dem Hafen aus und legte zusammen mit dem Fährschiff im Hafen von Escandra an. Die Dame betrat die Kutsche, welche an der Mole wartete. Sobald diese losgefahren war, verließ ein Herr in ostarischer Admiralsuniform gemeinsam mit einigen Seesoldaten das Herzögliche Schiff und trat grüßend auf Oberst Valerian zu, welcher sich verbeugte und ebenfalls grüßte. Die beiden wechselten ein paar Worte. Dann eilte Oberst Valerian der Kutsche nach, während der andere auf sein Kriegsschiff zurückkehrte.
Während der nächsten Woche passierte nicht viel. Angharad Elanor verweilte in den ihr zugewiesenen Gemächern, welche luxuriös aber dennoch ein Gefängnis waren. Ein paarmal bekam sie von verschiedenen Personen Besuch, welche ihr Fragen stellten. Einige hochrangige Reisende erreichten Escandra, obwohl das in der Königsstadt nun wirklich nichts besonderes darstellt. Alles in allem deutete nicht viel darauf hin, das bald etwas recht Bedeutsames geschehen sollte.
Schließlich, am 18. Tag des ersten Helios war es soweit: Die Gerichtsverhandlung, bei der über Schuld oder Unschuld Angharad Elanors entschieden werden sollte, wurde eröffnet. Das Gremium der Richter des Königlichen Gerichtshofes bestand aus vier Helioshochgeweihten und drei hohen ceridischen Geistlichen aus den Orden der Bannkreuzler, Hilariusiten und Pretorusianer. Die Anklagepunkte wurden vom Ersten Reichsritter, Finian Sonnenklinge, im Namen des Königreiches verlesen.
Der erste Teil der Schrift, bezog sich auf die Zeit nach der Entführung Baron Teemons, in welcher chaotische Zustände in Teemooranien herrschten, da die Luchtenwalder Pustelplag ausbrach. In dieser Zeit, etwa Anfang des Jahres 88 n.d.E. wurde die letzte Saarkageweihte Teemooraniens verhaftet und ein Haufen aufgebrachter Ceriden hatte Terrek in Lodenburg überfallen und Hunderte der Ogedischen Bürger umgebracht.
Im zweiten Teil war vom Verrat Teemooraniens die Rede, wie Angharad gemeinsam mit dem vermeintlichen Teemoon auf den Balkon trat, und danach das Kaiserreich proklamiert wurde.
In beiden Fällen würde zu klären sein, inwieweit Angharad Elanor Schuld an den Ereignissen traf oder inwiefern das Geschehene durch sie gebilligt wurde. Alle wußten, daß das Urteil auf Hochverrat lauten könnten und die Strafe hierfür wäre der Tod.
Die Angeklagte selbst im dunkelblauen hochgeschlossenen Kleid und ohne Schmuck wirkte während der gesamten Verhandlung gefaßt, obwohl man merkte, daß diese Fassung mit sehr viel Anstrengung verbunden war. Immer wenn ihr von den Richtern Fragen gestellt wurden stand sie auf und antwortete nach bestem Gewissen. Nur wenn die Fragen ihre Ehe zu Teemon betrafen, wirkte sie eher zurückhaltend.
Schließlich wurden viele verschiedene Zeugen gehört und einige Beweisstücke vorgelegt und es sollen hier nur die Wichtigsten vorgestellt werden, damit ein Bild von der Situation entsteht und klar wird, warum die Richter Ihre Entscheidung so und nicht anders fällten.
Ihre Erlaucht, Regentin Walluma von Ostarien, immer noch im schwarzen Trauergewand, sprach, und man merkte, daß sie immer noch Zorn wegen des Verrats Teemooraniens am Herzogshaus fühlte. So hörte man viel bitteres aus ihrem Munde und so manches, was zu Ungunsten der Angeklagten ausgelegt werden konnte, wurde von der hohen Dame, welche ihr vor langer Zeit einmal günstig gesonnen war, vorgebracht.
Graf Waldemar von Drachenhain, welcher als Hauptleumundszeuge seiner Ziehtochter vorgeladen war, ging nun in väterlicher Weise ganz auf die Rolle Angharads als Baronin von Emarania ein. Zunächst habe sie doch in äußerst fähiger Weise Emarania befreit und regiert und es ging dem Land stetig besser. Ja, Angharad habe in dieser Zeit ihr Können als Baronin bewiesen und war damals als eine der Stützen Ostarischer Ordnung bekannt. Es würde hier nichts darauf hinweisen, daß seine Tochter irgendwie zu einem Verrat in der Lage sei. Überfordert sei sie erst gewesen, als sie alleine und in Erwartung ihres Nachwuchses das große Teemooranien habe regieren müssen.
Valerian, nun endlich wieder im Blau-Silber des Emaranischen Waffenrocks, beantwortete die an ihn gerichteten Fragen mit ruhiger, manchmal etwas kühler Stimme. Seine Antworten waren nie ausufernd und beschränkten sich immer auf das Allernötigste. Auf die Frage, warum Angharad seiner Meinung nach Teemon geheiratet habe, antwortete er, soviel er wisse, sei der Teemon, den seine Herrin geheiratet habe, ein loyaler Vasall des Herzogs von Ostarien gewesen und sie habe ihn geliebt. Angharad habe von früher Jugend auf kein anderes Ziel gehabt, als nach Emarania zurückzukehren und die Herrschaft dieser Sekte zu beenden, die ihren Vater ermordet hatte, und Emarania wieder zu dem zu machen, was es vorher war.
Anselm von Rabenstein, Freiherr zu Vorberg, der unter Angharad Kanzler von Emarania gewesen war, tauchte überraschender Weise während der Verhandlung, geführt von zwei Dienern, ebenfalls im Gerichtssaal auf. Von einer Vernehmung wurde allerdings abgesehen, da der schwer gezeichnete Mann wegen einer Krankheit nur mühsam sprechen konnte und außerdem kaum in der Lage war zu stehen, geschweige denn zu laufen, denn er schwankte immerzu auf beängstigende Weise.
Zuletzt soll noch von zwei überraschenden Beweisstücken die Rede sein, von denen das eine von unerwarteter Seite zu den Richtern gelangte und sehr zu Ungunsten der Angeklagten wirkte. Das andere jedoch trat wie zufällig zu Tage und war kein Gegenstand im eigentlich Sinne. Jedoch erbrachte es eine Günstige Wendung im Verfahren.
Das erste Ding war ein Brief, welcher von einem Boten während der Sitzung an den Richtertisch getragen wurde. Es handelte sich um eine Nachricht Karr des Jägers, welcher zur Zeit nach Teemons Verschwinden, Sheriff in Vliss gewesen war. Dieser sandte seine Grüße und ein Schreiben vom 10. Tage des dritten Helios 88 n.d.E. von Angharad an ihn, in welchem sie ihm ihr Einverständnis für die Verhaftung der Saarkageweihten gab und meinte "es sei zu wünschen, daß diese Brut der Hölle ausgerottet und vernichtet werde". Der Brief trug Unterschrift und Siegel von Angharad Elanor. Dies führte selbstverständlich zu einiger Empörung im Saal und auch die Richter schauten sehr ernst drein.
Das zweite Beweisstück war nun der Idee eines Mitglieds des Nexus Corenae entsprungen und es ist schwer verständlich warum vorher noch niemand darauf gekommen war. Dieser rüstige ältere Mann stand plötzlich auf lief zu den Richtern und wandte sich flüsternd an sie. Diese nickten, worauf der Gelehrte sich an die Angklagte wandte. Er wolle, so sagte er, die Dame auf arkane Einwirkungen hin überprüfen und brauche dafür ihr Einverständnis. Angharad meinte daraufhin, daß sie zwar nicht wisse, was das für einen Nutzen haben solle, da es aber wohl auch keinen Schaden bringen könne, solle er mit der Prozedur beginnen. Der Alte schloß die Augen und machte einige seltsame Handbewegungen. Schließlich verkündete er, er sehe an der Angeklagten Restspuren einer Verzauberung, wie sie zur Kontrolle des Geistes verwandt wird. Außerdem sei das Muster des Zaubers Ödländischer Natur. Dies nun führte wiederum zu lautem Gemurmel beim Publikum das anhielt, bis die Richter um Ruhe baten. Der Gelehrte erklärte auf weitere Fragen der Richter hin, daß dies möglicherweise bedeuten könne, der Ödländer, welcher sich als Teemon ausgegeben habe, habe die Angeklagte auf magische Weise kontrolliert und sie so dazu gebracht während der Kaiserproklamation gefügig mit auf den Balkon zu treten und sich im Folgenden auch nicht gegen den Verräter aufzulehnen. Eine nochmalige Befragung Angharads, bekräftigte jenen Verdacht und so sah das hohe Gericht die Zeit gekommen, sich zur Beratung zurückzuziehen.
Schließlich wurde folgendes verkündet: Die Beweislast in Bezug auf die Beteiligung der Angeklagten beim Verrat Teemooraaniens reiche nun, da die Machenschaften des verderbten Ödländers aufgedeckt wären nicht aus, um Angharad hier eine Schuld nachzuweisen. In der Zeit davor, habe sie sich zu Schulde kommen lassen, einige der Dinge, die damals geschahen befürwortet, zugelassen oder zumindest nicht verhindert zu haben, doch müsse in Betracht gezogen werden, daß es mit ihrem körperlichen und geistigen Zustand aus all den bekannten Gründen damals nicht zum Besten stand, sie also schlichtweg überfordert und nicht Herrin ihrer selbst gewesen sei. Solange sie allerdings Emarania alleine regiert habe, war nichts dergleichen geschehen. Weiterhin habe sie in jüngster Zeit ihren guten Willen bewiesen, indem sie sich in der Krankenpflege betätigt und sogar einen Befreiungsversuch durch unbkannte Eindringlinge selbst vereitelt habe. Darum habe das Gericht entschieden Angharad Elanor von der Anklage des Hochverrats freizusprechen. Wegen der anderen Punkte, würden mildernde Umstände eintreten, so daß hier von einer Bestrafung abzusehen sei. Außerdem gebe das Gericht der Regentin von Ostarien die Empfehlung, Angharad Elanor, aufgrund ihrer Beliebtheit beim Volke, die Baronie Emarania wieder zum Lehen zu geben, auf daß sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen mag. Fernerhin sei verfügt, daß es ihr nicht erlaubt sein soll, jemals wieder die Regierungsgewalt in ihrem eigenen Lehen an eine andere Person zu übertragen, sprich: Angharad Elanor soll während der Zeit ihrer Lehensnahme alleine das Baronsamt in Emarania innehaben.
Nun, so sprachen die Richter, und alle beugten sich dem Spruch, denn niemand wagte es je, die Entscheidungen dieses Gerichts in Zweifel zu ziehen. Voller Erleichterung bat die nun freie Angharad um das Wort und alle lauschten gebannt. Sie bedankte sich bei den Richtern, bei ihren Fürsprechern aber auch bei ihren Anklägern, denn Dank ihnen, habe die Sache so gründlich durchleuchtet werden können. Schließlich dankte sie auch noch allen, die ihr während der vergangenen schweren Zeiten geholfen hatten, wobei nicht zu erkennen war, ob sie dies nun ironisch meinte oder nicht. Schließlich verließ sie mit ihren Getreuen den Saal, wobei ihr so mancher herzlich gratulierte.
Was sich danach ereignete soll nun noch in Kürze berichtet werden: Sobald das Urteil vom König bestätigt worden war, reiste Angharad Elanor von Emarania nach Ankur. Regentin Walluma beugte sich dem Spruch des Gerichts und ließ die Dame erneut den Lehenseid auf Herzog Angilbert I. schwören. Dennoch war noch nichts von der alten Freundschaft zu spüren, welche vor Jahren einmal zwischen Herzogin und Baronin geherrscht hatte. Dementsprechend verordnete die Regentin auch strenge Auflagen welche vorerst für Emarania gelten sollen: Die Neueingesetzte Baronin solle nur über eine Leibwache von fünfzig Mann befehlen, alle anderen Truppen, welche in Emarania stationiert sein werden, sollen direkt herzöglicher Befehlsgewalt unterstehen, außerdem möge die Baronin über ihre Regierungsgeschäfte einem von der Regentin entsandten hohen herzöglichen Beamten Rechenschaft ablegen. Die Zeit allein wird zeigen, ob sich die Herrin von Emarania mit der Zeit das Vertrauen und die Freundschaft der Herrin von Ostarien zurückgewinnen kann. Währenddessen ist man wieder auf dem Weg zurück in die Heimat, denn mit der Amtsübernahme steht der Abzug der Drachenhainer aus Emarania bevor. Die Mannen des Oberst Valerian werden dann wieder offiziell ihren Platz als Leibgarde der Baronin und Emaranische Soldaten einnehmen. Und ab und zu können sie ihr neues Glück mit einem Schluck aus einem Faß begießen, welches ihnen nach der Gerichtsverhandlung von einem Ostarier in Admiralsuniform überreicht wurde.
Ausgrabungen auf der Dombauinsel
Möglicherweise erwarten uns bald viele neue Erkenntnisse über die Völker, welche in Frühheligonischer Zeit das Reichsgebiet besiedelten, denn nun sind einige Gelehrte des Forschungskreises zur Untersuchung Altheligonischer Völkerschaften, welcher vor knapp einem Jahr gemeinsam von den Baronien Buchenfels, Luchnar und Jolberg ins Leben gerufen wurde, und viele Arbeiter aufgebrochen, um einen Fundort aufzusuchen, welcher auch ohne seine archäologische Bedeutung von außerordentlicher Brisanz wäre.
Es begann alles mit dem Gastgeschenk des Prinzen Leomar, welches er dem Baron Jareck von Jolberg auf dem Adelstag als antike Gewandspange überreichte. Mit fachkundigem Blick identifizierte Hochwohlgeboren das Fundstück als altpruzzisch und erkundigte sich nach der Herkunft der Kostbarkeit.
Es stellte sich heraus, daß Herr Leomar auf der Anreise über den Jolborn auf einer Insel Rast gemacht hatte und dort auf das Kleinod gestoßen war. Diese Insel war nun genau jene vor dem Soltraner Ufer, auf welcher der ehemalige Baron von Trisselbach damit begonnen hatte, einen ceridischen Dom zu bauen, wobei er dann aber von der Abtrennung Friedlands von Heligonia unterbrochen wurde, da seit dem die Baustelle säuberlich von der Reichsgrenze in zwei Teile geteilt wird.
Die bisherigen Bauarbeiten reichten aber aus, um so einiges ans Tageslicht zu fördern, und nun soll diese Gelegenheit genutzt werden, um auf der heligonischen Seite der Insel weiter nach interessanten Relikten unserer Vergangenheit zu forschen. Wir sind gespannt, was für Überraschungen man hier noch erleben kann.
Die Rückkehr - Teil 2 ½
Als ich bemerkte, daß sich die Sonne stetig dem Horizont näherte und die Wipfel der Bäume am nahen Waldrand zu dunklen Schatten vor dem in hellem Rosa erstrahlenden Himmel wurden, fiel mir auf, daß wir immer noch keinem Menschen begegnet waren. Wir hatten einen kleinen Bach überquert, der sich in einem schmalen, engen Tal nach Osten zum Fluß schlängelte. Staubig und völlig heruntergekommen wand sich vor uns der Weg, eine niedrige Bodenwelle erklimmend, unserem heutigen Tagesziel entgegen: Brazfurt. Seit dem frühen Nachmittag erwarteten wir, die Stadt am Horizont zu erspähen.
Doch es wurde Abend; noch immer lag das Land wie tot um uns, Nebelschwaden stiegen vom Fluß auf und die bewaldeten Bergketten jenseits der flachen, brach liegenden Talweitung färbten sich golden. Ich war mit dem alten Ian Turlachen etwas zurückgeblieben, wir unterhielten uns leise. Lustlos und etwas hölzern ritten wir hinter den Anderen her; mein Sitzfleisch schmerzte abermals, in zwei weiteren Tagen scharfen Ritts hatten wir den Damas-See und das Kernland der früheren ostarischen Baronie Brassach durchquert. Auch die Wälder und Hügel der Hohenmark hatten wir hinter uns gelassen, die Siedlungen waren zunehmend kleiner, verstreuter und seltener geworden. Immer häufiger und deutlicher tauchten am Wegesrand die Spuren des Krieges auf: Verlassene Gehöfte, zerstörte Dörfer, Brandruinen. Oft erblickten wir jene flachen, schmalen Erdhügel; jeder Einzelne das Zeugnis eines toten Soldaten, der hier seine junge, im heißen Feuersturm des Krieges schmelzende Kerze aushauchen mußte, um - meist nur notdürftig verscharrt - ein seines Schicksals unwürdiges, namenloses Grab zu finden. Mit beißendem Spott klagte der alte Ian Turlachen um ihr Leid, das sie hatten erdulden müssen in diesem Krieg. Für ihn waren alle Opfer, die er von ihnen verlangt hatte, umsonst gegeben. Unerbittlich nagten seine Worte an den prächtigen Bildern des heroischen und ehrenvollen Kampfes; sie verkehrten die kunstvollen Gemälde der großen Heerführer, so daß sie kopfunter erschienen, um in ironisch verkehrter Gestalt von der Trauer des Luchners zu künden. Er hatte einst seinen Bruder im Krieg verloren.
Mit einer beiläufigen Geste wies sein hagerer Arm auf einen der Erdhügel.
"Man wird den tausendfachen Tod der Gefallenen bald vergessen haben und mit ihm ihr Leben. Umsonst sind sie nicht gestorben, nichts ist umsonst gewesen in diesem grausamen Krieg, ha! Als man den Ödländern ihr Land abgerungen hat, ist das Blut unserer Soldaten geflossen, heligonisches Blut, Blut des Landes, allzu großzügig ist es verschüttet worden; doch nicht umsonst!
Wo waren die starken Arme im Poëna, als die Äcker gepflügt werden sollten? Wo sind die Hände, die in diesen Tagen die Aussaat zuende bringen müßten? Die Felder liegen brach und auch ihre entgangene Ernte wird einst kaum umsonst sein für die Landesherren! Nicht umsonst, vergeblich werden viele Taten sein, verstehst du?
Vergeblich werden die Mühen der Mütter sein, deren Kinder hier liegen. Vergeblich ist ihr Hoffen, steht man vor diesen Gräbern. Vergeben ist das Werben der Mädchen, Vergeben sind Lob und Tadel, Liebe und Mißgunst, nur Erinnerung und Ungewißheit bleiben den Lebenden in der Ferne. Ist es nicht so?"
Auf der Höhe der Bodenwelle, die wir nun fast erreicht hatten, warteten die anderen auf uns. Lara hatte sich in ihrem Sattel aufgerichtet und blickte angestrengt in die Senke jenseits des Hügels.
Seit unserem eiligen Aufbruch in Thalion waren nur wenige Tage vergangen. Ich hatte sie oft beobachtet in den langen Stunden unserer nicht endenwollenden Reisetage. Sie hatte uns getrieben, wie es vor den Ereignissen auf der Eichenburg Todjes Art gewesen war, vielleicht sogar noch mehr. Manchmal hatte sie mich von der Seite angesehen; mit einem Gesichtsausdruck, den ich zwar nicht deuten konnte, der mir aber mehr und mehr unheimlich wurde. Nachdenklich schien sie, vielleicht mitleidig. Ich hatte nie den Mut gefaßt, mich ernsthaft mit ihr zu unterhalten, obwohl meine Neugier von Tag zu Tag wuchs.
Die dünne, senkrechte Falte zwischen ihren Augenbrauen hatte ihrem Gesicht stets einen Zug von gespannter Gefaßtheit und Mißtrauen, manchmal auch Unnachgiebigkeit verliehen. Jetzt war sie zu einer tiefen Furche gewachsen. Ian und ich schlossen auf, erreichten die anderen und schauten ebenfalls mit ungutem Gefühl nach vorn.
Und dann, im scheidenden Licht der untergehenden Sonne, sahen wir Brazfurt.
Oder besser, was davon übrig war. Wir sahen, was bleibt, wenn tausende Menschen und Ödländer an einem Tag zum Einen oder den Vieren fahren und nur ihre modernden Leiber zurücklassen, die erstochen, erschlagen, erwürgt, in den Flammen erstickt oder verblutet liegenbleiben, um zuerst von den Ratten und hernach von den Würmern gefressen zu werden und trotzdem auch nach einem Jahr noch unverrückt an dem Ort ihres Verderbens zu liegen; stinkende, faulende Kadaver in rostenden Blechpanzern und gebleichten Lederrüstungen.
Wir sahen, was bleibt nach einer Schlacht mit den Ödländern.
Karlon vom Storcheneck
Drachenhainer Herold
Sorgen in Wolfenfeld
Wie bereits berichtet, schienen die geheimnisvollen Vorgänge in Angaheym Baronin Josephina sehr getroffen zu haben. Seit Wochen nun hat sie sich nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt und sämtliche Verpflichtungen abgesagt. Sogar zu den Trauerfeierlichkeiten für ihren Onkel Herzog Uriel ist sie nicht erschienen. Gerüchten zufolge soll sie Graf Waldemar sogar um die Entlassung aus ihren Ämtern gebeten haben. Die Gründe dafür dürften nicht nur im Verschwinden Nial Felsenhammers liegen, für den die Baronin Zuneigung empfinden soll, sondern vor allem in dem Skandal um den Erstgeborenen des Grafen, der zur Zeit das Haus Drachenhain erschüttert. Auch der andauernde Spannungszustand mit Baron Karr von Trisselbach, der mit seinem Heer Sarniant gleichsam belagert, das Entstehen dreier ceridischer Baronien in Drachenhain und die Gründung der radikalen OfH dürften am Zustand der Baronin Schuld tragen. Zwar trifft wöchentlich ein Bote aus Betis auf der Burg ein, doch blieb bisher geheim, um welche Beziehungen es sich hier handelt. Spricht man die Bewohner der Burg derzeit auf die Baronin an, so stößt man nur auf eisiges Schweigen. Die älteren Wolfenfelder schütteln nur sorgenvoll die Köpfe, denn die Erinnerung an Josephinas Vater Wunjo macht sich langsam breit: War doch von ihm bekannt, daß er zu übermäßigem Ischgigenuß neigte und tagelang nicht ansprechbar war. Soll nun der vielversprechende Beginn der Herrschaft seiner Tochter an diesem alten Laster aufs Neue zugrunde gehen? Was kann das Volk tun außer beten? Die Familie Drachenhain verhält sich still, man ist das Problem anscheinend gewöhnt. Doch wo bleiben die sogenannten Freunde?
Brennus Palimpsest
Schöner leben: Wie man mißliebige Nachkommen los wird
Jeder hat mißliebige Verwandte. Das können Onkels sein oder Töchter oder Vettern oder sonst was. Es gibt verschiedene Mittel, die loszuwerden. Besonders geschickt geht das bei Nachkommen - ich schilder mal ein Beispiel, da geht es um einen Sohn und Bruder.
1) Dieser Sohn und Bruder hat in den letzten Jahren durch bösartige, schwachsinnige und sonstige schändliche Taten den Ruf Deiner Familie fast überall versaut und Du wärst ganz dankbar, wenn er nix mehr mit Euch zu tun hätte.
2) Du schreibst auf altes Pergament irgendeinen Brief, wo man glauben könnte, dieser Sohn und Bruder gehört gar nicht zur Familie, sondern ein Findelkind oder eine andere Familie wollte ihn loswerden oder so. Die Unterschrift muß groß und schön und völlig nichtssagend sein.
3) Den Brief legst Du ein paar Monate in eine Höhle zum Modern, bis er ungefähr so alt aussieht wie der mißratene Sohn und Bruder. Prüfe immer wieder, ob man die wichtigen Stellen auch noch lesen kann.
4) Du hast Geld. Nein? Dann hast Du bestimmt jemanden, den Du erpressen kannst. Auch nicht? Aber es ist Dir wer noch was schuldig. Auch nicht?. Na, wenn Du so ein guter Mensch bist, dann ist Dir wenigstens wer besonders verbunden. Irgendwas wird schon zutreffen. Du kaufst, nötigst oder bittest also wen, Dir einen Gefallen zu tun.
5) Dieser Jemand verkündet laut oder erzählt unter der Hand oder schreibt irgendwo, wo es jeder liest, daß Dein Sohn und Bruder gar nicht Deiner ist, sondern... (so, wies im Brief steht).
6) Du darfst nicht freudig zustimmen, sondern mußt etwas widerwillig oder zähneknirschend das angebliche Familiengeheimnis bekennen. Falls Deine Umgebung die Geburt damals nicht genau mitgekriegt hat, geht das leicht, ansonsten sagst Du, das echte Kind ist in den ersten Monaten gestorben und wurde dann ausgetauscht.
7) Mit einer Geste Jetzt ist es auch egal zeigst Du den Brief.
8) Du behandelst Deinen Sohn und Bruder jetzt so, als wäre er tatsächlich kein Familienmitglied mehr. Weil er ja ohnehin eine Napfnase ist, werden alle froh drüber sein und mitmachen.
9) Wenn Du Glück hast, ist es dem Sohn und Bruder gerade recht und er macht sich vom Acker. Ach, ich vergaß, Du bist ein raffinierter Hund und hat ihn bestimmt schon so geschickt mies behandelt, daß er eh längst wegceritten ist. Jetzt hast Du auch seinen Schatten, wo immer noch auf Deiner Familie lag, rausgekehrt.
10) Herrlichen Glückwunsch! Du stolzierst wieder fleckenlos und trutzig durch Haus und Hain. Alle haben Dir geglaubt. Eine gewaldige Leistung!
Naja, fast alle. Aber netter Versuch. Viel Spaß noch beim schöner leben, auch für Eddie wünscht
Halfnet, wo sich fragt, ob seine Familie das liest
Baron auf Zeit - Ritter Naum von Morogas zu Prinz Leomars Vertreter in Tatzelfels ernannt
Am 19. Tag des I. Helios n.A.III 27, zum Ausklang seines Staatsbesuches in der Markgrafschaft Norrland-Brassach, ernannte seine Hochgeboren Prinz Leomar von Drachenhain, Ritter Naum von Morogas, für die Zeit seiner Abwesenheit, zum Regenten der Baronie Tatzelfels. Voller Demut nahm der, in Norrland-Brassach gegen die Ödländer eingesetzte, Edle Naum dieses hohe Amt entgegen. Mit dieser Ernennung ehrt der Drachenhainer Thronfolger einen seiner dienstältesten und fähigsten Edelmannen, der ja bereits seit der Gründung der Baronie, im Jahre 23 n.A.III, treu an seiner Hochgeboren Seite stand. Erst als die Ödlandhorden drohten über Heligonia hereinzubrechen, verließ der Ritter seinen Platz in Tatzelfels und erstritt sich im Kriege gegen die Wilden, großen Respekt und Anerkennung des Markgrafen Kalveram, der, wie es hieß, Naum von Morogas nur allzu gerne da behalten hätte.
In Tatzelfels angekommen, kam es auf Burg Tatzelfels sogleich zur ersten Amtshandlung, da ihre Hochgeboren Prinzessin Syria Jaldis zu einem Treffen lud.Mir der Ernennung des Ritter Naum von Morogas bestätigte Prinz Leomar längst bestehende Gerüchte um die Favoritenrolle des Ritters hinsichtlich des Posten als Baron von Tatzelfels.
Tatzelfelser Hofchronist, Minhardt Balamus
Berichtigung einer Unterstellung
Ich nutze die Gelegenheit, mir über eine Veröffentlichung im Heliosboten Gehör zu verschaffen, äußerst selten, da ich der Meinung bin, es ist besser, seine Angelegenheiten persönlich oder durch nichtöffentliche Briefe zu regeln. Doch möchte ich mich an dieser Stelle für einen guten Freund meiner Person einsetzen, dem im Heliosboten Nr.26 fälschlicherweise unterstellt wurde, er hätte ein Duell angezettelt. Ich zitiere hier den Schrieb eines Jolberger Wachsoldaten, der unter der Rubrik "Herzögliche Ostarische Hofgazette" und dem Titel "Lest, ihr Leut, gar folgendes" zu finden war. Ich selbst gebe nicht viel auf Gerüchte solcher Art, doch liegt Nial Lùc Roen de Coligny, dem Dritten Gesandten des Rates der Drei zu Telnaron, der hier fälschlicherweise als der Urheber bezeichnet wird, viel daran, daß sein Ruf in Heligonia untadelig bleibt. So kann ich, die ich anwesend war, als der Streit begann, allen versichern, daß er nicht von den Gesandten aus
Telnaron ausging. Auch den Gerüchten, Nial Lùc Roen de Coligny habe der Lady Cissley von Druckanstieg gegenüber ein falsches Benehmen an den Tag gelegt, kann ich keinen Glauben schenken. In meiner Gegenwart erwies er sich stets als wahrer Edelmann und sein Benehmen war weitaus besser als das manch anderer anwesender Edelleute, deren Namen hier nichts zur Sache tut, die sich aber beispielsweise weigerten, dem Brautpaar zu Ehren ein Poëna- Sträußchen anzustecken, nur weil dieser Brauch einem anderen Glauben entspringt als dem Ihrigen. Ich hoffe mit meinem Schreiben bei der Beilegung einiger Mißverständnisse geholfen zu haben.
Arianne Lomont, Landrätin zu Korval, Baronie Wolfenfeld
Erster Heligonischer Tunnelbau in Planung
Vor kurzer Zeit wurde uns bekannt, daß ein Tunnel zwischen Flaitney und Ostarien geplant ist. Da die Gebirgsstraßen zunehmend gefährlicher werden, sei es zum einen wegen Räuberbanden, die sich dort in den Felsen verstecken, oder auch wegen der Zeitaufwendigen Reise durch die unbegehbaren Paßstraßen, hat sich Baron Foranan Mc Donough dazu entschlossen, einen Tunnel unter dem Gebirge hindurchzugraben. Die Vermessungsarbeiten seien weitgehend abgeschlossen, sagte der Baron. Nun geht es nur noch um die benötigten Rohmaterialien. Hochwaldener Bauholz und Angaheymer Bergwerkszeug sollen den Tunnel schnell und sicher machen. Baron Foranan Mc Donough zeigt sich zuversichtlich, daß mit den Grabungen bis zum 1. Helios begonnen werden kann. Foranan Mc Donough hofft zudem, daß durch den Tunnelbau mehr Güter durch Flaitney transportiert werden.
Euer Hochwohlgeboren Baron Leomar,
Ich hoffe, Ihr seht es nicht als vermessen an, wenn ich mich als einfache Frau, noch dazu eine Ceridin, an Euch wende, doch mir liegt es am Herzen, einem Eurer Untertanen großen Dank zu sagen. Leider weiß ich nur, daß es sich um einen Knappen in Euren Diensten handelt, aber ich bin sicher, Ihr könnt herausfinden, von wem ich spreche. Sicher habt Ihr schon von den Unruhen in Thalion in Brassach gehört, und was dort alles geschehen ist. Vielleicht wißt Ihr auch, was auf unserer Eichenburg passiert ist, daß wir in der Nacht damals überfallen wurden und alle Wachen getötet und in den Fluß geworfen wurden. Ach, es fällt mir immer noch schwer, darüber zu sprechen. Es waren ja nur noch wir Frauen auf der Burg und die vielen Fremden, die wir nicht kannten. Doch dieser Knappe, der Eine möge ihn schützen, hat sich um uns gekümmert, er hat versucht, für uns Freunde zu gewinnen, und weil ich so unvorsichtig war, wurde er so schrecklich von diesen Verrätern zusammengeschlagen, aber er hat keinen Laut von sich gegeben! Ich hatte solche Angst, daß er mit der gebrochenen Hand nie mehr Ritter werden kann, was er sich doch so sehr wünscht. Ich hoffe, daß es ihm wieder gut geht und er sein Ziel erreichen wird! Eigentlich viel zu wenig, und deshalb schreibe ich Euch davon, damit Ihr erfahrt, was er für ein tapferen jungen Mann Ihr bei Euch habt, denn ich bin sicher, daß er zu bescheiden ist, selbst davon zu berichten. Und wenn Ihr auch nicht wißt, wovon ich rede, so fragt ihn vielleicht selbst danach, aber tut immer doppelt so viel Mut dazu, wie er berichtet!
Bitte laßt ihn bald sein Ziel erreichen, denn er ist wirklich dazu würdig und kann Euch nur Ehre bereiten!
Es grüßt Euch in höchster Ehrerbietung
Kaira, Major Domus der Eichenburg in Thalion
Bienen und Schafe ernähren den Mann im Schlafe!
Drachenhainer Sprichwort
Mörderisches Hexenwerk auf dem Brazach - Was an der Sarnianter Enge geschah
von Hauptmann Lugol Beizebart
Manche werden mich einen Lügner oder gar einen Verleumder nennen und doch glaube ich nicht, daß einer jener Spötter dabei war, als es geschah. Deshalb, ihr aufrechten Ceriden Heligonias, glaubt ihnen nicht, sie führen Euch hinter das Licht...
Von Mißbrauch und von üblem Hexenwerk wird im Folgenden die Rede sein, todbringender und verfluchter gar noch, als damals die Machenschaften der verderbten Hexe von Quellstedt, bei deren Austreibung wir das Privileg hatten mitzuwirken. Wir, die Mannen Karr des Hexenjägers, haben also im Laufe unserer Reisen und Fahrten mit unserem Herrn schon so manches Mal mit den schändlich Werken und Taten des Bösen zu kämpfen gehabt. Zahllos, die Hexen und Schwarzzauberer, die wir sahen und die Heligonia mit ihrer bloßen Anwesenheit beschmutzten und den Einen verspotteten. Und ich sage euch, nichts war das, verglichen mit dem, was wir in der Sarnianter Enge erlebten.
Der eine weiß es, der andere nicht, die "Enge", das ist eine der Stellen des
großen Stromes Brazach, an der sich die beiden Flußufer besonders nahe gegenüberstehen. Dadurch entstehen gefährliche Strudel im Fluß, die eine Passage für Kahn wie Schiff sehr schwierig machen. Bereits sehr früh von geschäftstüchtigen Adligen als unerschöpfliche Geldeinnahme erkannt, wurde diese Enge zusätzlich zum wahren Nadelöhr ausgebaut, nur um dort braven Flußfahrern auf der Fahrt zwischen Betis und Escandra die hart erarbeiteten Kreuzer aus den Taschen zu ziehen. Eigens zu diesem Zweck wurde dort gar eine ebenso schmucke wie wehrhafte Ortschaft errichtet - die Stadt Sarniant.
Doch nun zu den Geschehnissen, die mich dazu bewogen haben, jetzt und heut das Wort zu erheben. Im Grunde begann alles damit, daß man uns Reisenden aus aberwitzigen Gründen dort zu Sarniant die Weiterfahrt nach Hause verwehrte. Dies ausgerechnet jetzt, da unsere Frauen und Kinder nach Jahren sehnlichst das Kommen ihrer Gatten und Väter erwarten. Doch alles Flehen half nichts, die Herrin der Stadt, eine gewisse Baronin Josefina von Wolfenfeld, zeigte sich hart und unerbittlich. Herr Karr vermutete den Grund für dieses absonderliche Verhalten in der besonderen Abneigung der Baronin gegen seine Person, die sie als Sprecherin des Ogedenbundes, bereits so viele Male offenkundig machte - doch ich schweife ab.
Es half also alles nichts, wir mußten uns der Gewalt fügen und ankerten also vor den Anlegestellen des pompös verschwenderischen Stadthafens. Von nun an verbrachten wir Wochen des Wartens, nur unterbrochen von einigen widersprüchliche Briefen von Seiten der Baronin. Beharrlich warteten wir dies ab, bis auch uns allmählich der Geduldsfaden riß. So diktierte Herr Karr unserem neuen Schreiber einen deftigen Beschwerdebrief, da ihm selbst das Betreten des Wolfenfelder Bodens leider untersagt blieb, adressiert an ihre Hochwohlgeboren.
Lange warteten wir auf Antwort, unsere Vorräte gingen inzwischen zur Neige, da erhielten wir wieder einen jener seltsamen Briefe, der uns, wie wir dachten, jedoch nur zu weiterem zermürbenden Warten verurteilte - wir fügten uns. Was dann aber am nächsten Morgen geschah, ist nur schwer in Worte zu fassen. Zuvörderst kam dieser seltsame gelb-rauchige Nebel, er hüllte unsere Kähne derart ein, daß wir nicht mehr die Hand vor Augen sahen. Man roch deutlich Schwefel und noch andere Ingredienzen der Anbeter des Bösen. Der Nebel umwallte nun vollends unsre Boote und legte sich schließlich auch in unseren Köpfen lähmend nieder, alles pestete er ein. Donner war zu hören und mit einem Mal war ein wahrhaft daimonisches Lachen einer hohen sowie einer tiefen Stimme zu hören. Fremdartig klirrende Geräusche hallten über den Fluß. Und dann kam das Wasser... Es begann mit leichtem, allerdings ständig stärker werdendem, Seegang. Der Fluß schwoll bedrohlich an, überflutete gar die Gestade und ertränkte ganze Hafenbaracken unter sich. Dem folgte der plötzliche Wind, der unnormal stoßweise an den Bündeln unseren eingeholten Segel riß. Vom Unwetter überraschte Wanderer und Hafenarbeiter am Kai wurden erbarmungslos zu Boden oder gar in den tödlichen Fluß geschleudert. Laut hörten wir Dächer und Bauten zerbarsten. Zusehends gerieten nun auch unsere sechs Boote ins Schwanken. Fässer, Bänke und ganze Planken rutschten wie wild kreuz und quer über das Deck. Dann kam dieser unglaubliche Hagel. Steine, groß und rund wie Kinderköpfe gingen auf uns hernieder. Nun war es offenkundig: hier war dunkelste Hexerei am Werk. Große Verwirrung machte sich unter uns breit, einige knieten zu Boden und schickten inbrünstig Stoßgebete an den Einen, andere zogen ihre Schwerter und lachten verächtlich in die Regenflut.
Mit einem Mal ließ man plötzlich von uns. Der Nebel lichtete sich und diese unheilige Witterung nahm immer mehr ab - der Wassergötze hatte wohl seine Kraft verbraucht...
Es dauerte Tage, bis wir alle Schäden behoben und wieder etwas Ordnung an Bord eingekehrt war.
Bis heute haben wir nichts von Seiten der Baronin gehört. Dennoch, wir geben nicht klein bei, sie kann uns nicht ewig Festhalten. Außerdem, was kann jetzt noch kommen?
Schafseuche fast aufgeklärt
Vor kurzem erhielten wir gute Kunde aus Flaitney. Die Ursache der Seuche wäre gefunden worden. Seit Monaten versuchten viele Gelehrte aus allen Ecken Heligonias der Schafseuche Herr zu werden und ihre Ursache zu finden, doch bis dato erfolglos. Die rettende Kunde kam aus Angaheym. Fürst Nial Felsenhammer schickte Thilo Faßstürzer, Enkel des Theodo Faßstürzer nach Flaitney, der folgendes berichten konnte:
Vor ca. 80 Jahren ereignete sich in Angaheym ähnliches. Die Schafe verendeten und niemand wußte warum. Bis man darauf kam, daß sie vielleicht etwas gefressen haben, was ihnen nicht bekommen ist. Was sich damals in Angaheym auch bewahrheitete.
Um was für ein Mittel es sich dabei handelt, ist uns bis jetzt noch nicht
bekannt. Da die Gespräche aber mit Thilo Faßstürzer noch andauern, ist zu erwarten, daß in Kürze näheres darüber bekannt wird. Sicher ist nur eins: die Schafe verendeten an einem für sie giftigen Nahrungsmittel. Bleibt nur die Frage offen, wer dieses Gift ausgelegt hat und warum. Sollte es womöglich etwas mit dem sich anbahnenden Clankriegen im Hochland zu tun haben?
Clankrieg steht kurz bevor
Die Clanstreitigkeiten zwischen Flaitney und Luchnar scheinen zu eskalieren. An der Grenze zu Luchnar wurden vor ein paar Tagen eine vermißte Grenzpatrouille tot aufgefunden. Die tödlichen Verletzungen stammen, wie uns bekannt wurde, von Breitschwertern, wie sie im Hochland getragen werden. Zudem wurden bei den toten Hochländern Fetzen von Kleidung gefunden, welche die Luchnarer Farben tragen. Nach diesem Fund sammelte sich der komplette Burathy-Clan und zog Richtung Luchnar. Nur die Leibgarde von Baron Foranan Mc Donough und der Baron selbst, konnten die zu allem bereiten Hochländer noch einmal zurückhalten. Aber der Haß, der in den Clans gegen Luchnar wächst, wird zunehmend zur Bedrohung. Bleibt nur zu hoffen, daß Baron Foranan Mc Donough und Baron Koldewaiht von Hautzenstein kühlen Kopf bewahren und die Sache zu einem guten Ende wenden können.
Neues aus Tatzelfels:
Hirschenau wieder ceridisches Kloster - die einziehenden Mönche erhalten unangenehmen Willkommensgruß
Ein Augenzeuge berichtet: ...Die Stadt Hirschenau, ein kleiner Ort am Rande der Tatzelfelser Vogtei Distelwiel, nahe der Grenze zu Erkenay. Am frühen Abend schreckt mich stetig lauter werdendes Geschrei, von den
Stadtmauern her, aus meinen Gedanken. Ich strecke meinen Hals, kann aber den Quell des Lärms nicht ausmachen. Da, plötzlich kann ich sie erkennen. Gut zwanzig Männer in braunen Kutten, die sichtbar außer sich, vom Stadttor in Richtung Stadtmitte eilen. Ihren hoch beladenen Ochsenkarren lassen sie auf einmal einfach stehen. Hinter ihnen, ein sie verfolgender bunter Haufen Hirschenauer Einheimische, die wüst schimpfen und schreien und Dreck und Abfall auf die Flüchtenden werfen. Sätze wie: "...elende Kuttenböcke, macht euch fort, wir wollen euch nicht!..." sind zu hören. Ein älterer Mönch kann nicht mehr laufen, stolpert und stürzt mit dem Gesicht in eine Lache dunklen Wassers. Hohngelächter von Seiten der Verfolger, die anderen helfen ihrem Bruder hastig auf. Nur langsam nähern sie sich ihrem Ziel. Angst ist in den Augen der Männer zu sehen; in denen der Städter: Geifer und Hass. Endlich erreichen die Mönche die heimischen Klostertüren. Ein junger Hagerer zerrt einen Bund großer Schlüssel aus seinem Gewand. Er schaut auf, da sieht er dieses, an den Eingang, angenagelte Schriftstück und reißt es ab. Erstarrt blickt er auf das Geschriebene, Augenblicke vergehen. Die anderen wollen nicht warten, nehmen ihm die Schlüssel aus der Hand, öffnen die schweren Tore und schieben ihn, der immer noch bewegungslos auf das Papier in seinen Händen glotzt, mit sich ins Innere des Gebäudes. Ein letzter wütender Sturzregen von Schmutz prasselt auf sie nieder, dann fällt das Tor schwer ins Schloß und wird für einige Tage auch nicht einen Spalt geöffnet. Was nur ist geschehen? ...
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Tatzelfels die Nachricht. Nach Jahren der Ablehnung öffnete in der Baronie nun wieder das ceridisches Kloster Hirschenau seine Pforten. Das Kloster, in der Vogtei Distelwiel gelegen, war im Zuge, der von Prinz Leomar verhängten Absage an das Ceridentum, vor nunmehr drei Sommern, zusammen mit dem Schattenauer Kloster, geschlossen worden. Die Jahre zogen jedoch ins Land und die Aussöhnung zwischen den Ogeden und Ceriden ging in Tatzelfels stetig voran. So war es im Grunde nicht weiter verwunderlich, daß in Anbetracht, der an den Kriegsopfern geleisteten Dienste und dem Wunsch nach einem friedlichen Nebeneinander, seine Hochgeboren Prinz Leomar, Stadt und Klosteranlagen zu Hirschenau dem Orden des Heiligen Pretorius übertrug. Gleichwohl unterschätzte der neue Herr des Klosters, Abt William, ein geborener Tatzelfelser, aber den Unmut der Hirschenauer Bevölkerung, was sich beim Einzug der Mönche zeigte. Es entlud sich der Volkszorn, die Ceriden wurden von aufgebrachtem Gesindel, alles andere als herzlich begrüßt. Bereits vor den Mauern Hirschenaus empfing die Pretoriusianer ein, Unrat werfend und unflätig auf sie dreinschimpfender Mob. Eiligen Schrittes machten sie, daß sie in das Innere der Klostermauer in Sicherheit kamen. Zuvor entdeckten die Mönche, eine an die Tore ihrer neuen Heimstatt geschlagene Botschaft, die sich als üble Hetzschrift erwies und mit den Lettern: O F H unterzeichnet war. Den Wortlaut dieses schändlichen Schriftstückes werden wir an dieser Stelle allerdings nicht wiedergeben. Von Abt William angeforderte Wachen standen samt Beamteten umgehend zur Stelle. Aus der Distelwieler Hauptstadt Willfurt wurde inzwischen verlautbart, man bedaure diesen beschämenden Vorfall aufs Äußerste und werde alle Maßnahmen treffen, um der hierfür Verantwortlichen habhaft zu werden.
Alev Gerrit, Schreiber aus Distelwiel
Die Stadt der tausend Brücken , BETIS!
Prinz Leomar von Drachenhain bereist nach langer Vorbereitungszeit die Leomark - die Berufung des Ritters Naum von Morogas zum Tatzelfelser Vertreter
... Doch bevor wir uns dieser und anderer lesenswerter Neuigkeit widmen, möchte ich zum folgenden Botenbericht ein paar erklärende Worte vorausschicken. Der Artikel stellt eine Chronik und eine kurze Beschreibung der Reise seiner Hochgeboren Prinz Leomar von Drachenhain, zur Leomark hin, dar und stammt aus einem, gerade zu diesem Zwecke angedachten, Briefwechsel zwischen dem Drachenhainer Hofberichterstatter Schillwunk Radeweyd und mir, seinem Gefährten, Minhardt Balamus, dem neuen Tatzelfelser Hofchronisten. Da die Übermittlung der Botschaften mittels Brieftauben von der Reisegesellschaft aus vonstatten geht, ist dies im Grunde kein Briefwechsel im eigentlichen Sinn, weshalb es auch auf weitere Mitteilungen, keine Antworten meinerseits gegeben wird.
Nun, genug der lange Vorrede, erteilen wir Schillwunk Radeweyd das Wort, oder besser gesagt, "die Feder"...
Tatzelfelser Hofchronist, Minhardt Balamus
Aarhorst, Ende 3. Poëna n.A. III 26
Die Abreise
Ei Minhardt, das wäre etwas für Dich gewesen. In aller Frühe setzten sich auf ein Zeichen hin unsere vielen Ochsen- und Pferdekarren gemächlich in Bewegung. Das ganze Land lag in Nebel eingehüllt, die Morgenkühle ließ unsere Körper und unseren Atem dampfen. Wir Hinteren im Glied konnten die Spitze unserer Reisegesellschaft kaum erkennen, nur erahnen ließ sich das farbige Banner der Baronie, neben dessen Träger, seine Hochgeboren Prinz Leomar von Drachenhain, Baron von Tatzelfels, und sein Erster Ritter, der Edle Cawadoc Gwar U´Mad, gemeinsam ritten. Neben mir ritt nur der alte Ivo, unser Pferdeknecht. Spärlichen Trost bot mir seine, nie zur Neige gehen wollende, Sammlung Branntmeth, starken Verdruß hingegen bot mir seine, nie zur Neige gehen wollende, Sammlung Geschichten über die Abenteuer und Gefahren eines braven Pferdeknechten. Darüber hinaus ritt ich mich bereits nach wenigen Tagen derart wund, daß ich nicht mehr wußte, wie ich sitzen sollte. Ansonsten verlief die Reise aber ereignislos. Nur selten trafen wir Reisende an. Das neue Jahr begrüßten wir in vereinter Runde auf einem kleinen ostarischen Gehöft. Obwohl wir uns Zeit ließen und mehr Rast und Schlaf hielten, als zu fahren, trafen wir um Tage früher, als ich erwartet hätte, in Escandra ein. Leider war in der Hauptstadt für uns kein Aufenthalt vorgesehen. Also bewegte sich der ganze Troß, vom Helosweg herunter, auf holprigem Wege, gen Tarnam, dem ersten Ziel unserer langen Reise entgegen.
Tarnam, 18. Tag des 1.Helios n.A. III 27
Ankunft in Tarnam
Geschäftig geht es alle Zeit zu in Tarnam. Wir wagten deshalb erst am Abend die Stadt am Brazach zu betreten, unmöglich auf Burg Brassach hindurch zu gelangen, ohne voneinander getrennt zu werden. Die Reise durch die engen Gassen und steilen Wege war höchst beschwerlich und so war es dunkel, da Markgraf Kalveram uns endlich willkommen hieß. Seine Hochgeboren und Prinz Leomar führten während unseres Aufenthaltes bis tief in die Nacht Gespräche, unterbrochen nur von den Feierlichkeiten, anläßlich meines Herrn Geburtstag am Redontag. Ein sehr gelungenes Bankett wurde Prinz Leomar zu Ehren abgehalten, zum Geschenk erhielt seine Hochgeboren eine leichte Grauburger Ballista überreicht, die, laut seines neuen Besitzers, in der Leomark postiert, in Zukunft die Menschen wirkungsvoller vor den Angriffen der Ödländern verteidigen soll. Hat diese Waffe doch bereits hierzulande die Feinde vielfach das Fürchten gelehrt. Weiterer Höhepunkt des Festes war die Ernennung des Edlen Naum von Morogas zu Prinz Leomars Vertreter in Tatzelfels. Der Tatzelfelser Ritter befand sich seid Ausbruch des Ödlandkrieges in Brassach und half in der damals prekären Lage das Land gegen die einfallenden Horden zu verteidigen. Seine befristete Einsetzung in diese Pflicht kam allerdings nicht vollkommen unerwartet. Seine Hochgeboren, Prinz Leomar, gab doch allenthalben offen Auskünfte über die aussichtsreichsten Kandidaten um das Amt des Barons von Tatzelfels, welches er nach Erlangen der Grafenwürde, abzugeben gedenkt. Im weiteren Kreis der Favoriten bewegte sich bisher die Gesegnete Tochter der Poëna, Juvena von Rabenweil, die sich jedoch derzeit im Lande Sedomee, am Hofe Freigräfin Aranas, befindet. Viele wollen von einem Bruch zwischen seiner Hochgeboren und der Tochter der Vogtin von Distelwiel wissen, was ich allerdings nicht glaube...
Ritter Naum von Morogas, verabschiedete sich am Abend ausgiebig bei den norrland-brassachischen Freunden und Waffengefährten und sprach dem Markgrafen in einer Rede für die geleistete Gastfreundschaft "...und für vieles mehr..." großen Dank aus. Bereits am nächsten Morgen machte sich Naum in aller Frühe dann nach Tatzelfels auf, wo Amt und Würden ihn erwarteten. Erst am Mondtag wird unser Aufbruch sein, dann heißt es wieder zurück ins Glied, neben Ivo und auf den groben Sattel - doch bis dahin werde ich es mir noch gut gehen lassen...
Dem Leser ergebenster Diener,
Schillwunk Radeweyd, Drachhainer Hofberichterstatter auf Reisen
Letzte Meldung:
Hochverrat in Drachenhain - Josefina von Drachenhain, Baronin von Wolfenfeld all ihrer Ämter enthoben, Graf Waldemar ruft die Vasallen zu den Waffen
Nur so viel ist der Heliosbote ermächtigt zu verkünden:
Die Erwählte des Xurl, Josefina von Drachenhain, Baronin von Wolfenfeld,
Sprecherin des Ogedenbundes und Nichte des Grafen, lud schwerste Schuld auf sich. Aus unverständlichen Gründen ließ sie sich dazu irreführen, gegen ihren Grafen und Onkel ein Komplott, eindeutig mit dem Ziele eines Umsturzes, anzuzetteln. Zahlreiche Beweise sprechen gegen sie. Es heißt, es sei sogar mit bewaffnetem Widerstand zu rechnen. Aus Gründen der Vorsicht erklärte Graf Waldemar deshalb alle Handlungen des Ogedenbundes in Drachenhain bis auf weiteres für verboten. Darüber hinaus ist sogar von einem gänzlichen Interdikt dieses Bündnisses die Rede.
Laßt uns hoffen, daß die Verräterin ihre aussichtslose Lage erkennt und sich, ohne die Waffen zu erheben, der Gnade ihres Grafen anvertraut.
Betiser Tribüne
Paligo Corvese wird Vogt in der Markgrafschaft Norrland-Brassach
In einer Ansprache im großen Rat zu Betis verlautbarte ein Sprecher der Familie Corvese, Paligo Corvese, der älteste Sohn Niccolo Corveses, dem Familienoberhaupt der bekannten Betiser Händlerfamilie, werde am ersten Tag des zweiten Helios von Markgraf Kalveram zum Herren der Vogtei östlich der Provinz Bastien in der Markgrafschaft ernannt. Die Vogtei werde in Anlehnung an den Familiennamen ‚Corvesa' genannt werden. Die Verbindung mit der Markgrafschaft werde nach Angaben aus Familienkreisen außerdem durch die Heirat Paligos mit der Tochter des brassachischen Händlers Fedor Asgild, mit Namen Sina Asgild, gefestigt.
Die Pläne der Familie seien zu Beginn wohl hauptsächlich darauf ausgerichtet, eine Hauptstadt in der Vogtei zu errichten. Diese solle ‚die Schönheit Betis auch im Norden unseres Königreiches widerspiegeln' so der Sprecher der Familie. Ein Name stehe noch nicht fest, sei wohl aber auch noch verfrüht, ob der vielen noch bevorstehenden Arbeit.
Es wurde erläutert, die Vogtei werde ein wichtiger Standort für die Familie Corvese werden, besonders durch ihre zentrale Lage in der Markgrafschaft, und die Möglichkeiten die sich nun auch im äußersten Norden des Landes ergeben werden.
Auf Fragen nach Details des Abkommens, wie zum Beispiel das Militär der Vogtei aufgebaut sein werde und ob auch anderen Händlerfamilien aus Betis die Möglichkeit gegeben werde sich in ‚Corvesa' anzusiedeln, nahm der Sprecher der Familie ‚zu diesem Zeitpunkt' noch keine Stellung.
Wir treffen uns in BETIS, wo die hohe Kultur zuhause ist!
Neustrukturierung im Hause Amer
Nach neuesten Angaben der Familie Amer wird Pervai Amer im Falle einer Wiederwahl der Familie in den Hohen Rat den Sitz nicht persönlich in Anspruch nehmen. Nach Einschätzungen von Experten wird diese Aufgabe dann wohl entweder Viastan oder Thalesa Amer zuteil werden.
Pervai Amer selbst, dem am vergangenen Adelstag in Jolbenstein die Erlaubnis gegeben wurde, um ihre hochwohlgeboren Baronin Shathana Silverhorn von Drackensteig zu werben, wurde überraschend zum obersten Handels- und Wirtschaftsberater der ostarischen Baronie ernannt. Dies erklärt wohl auch seinen Verzicht auf den äußerst wahrscheinlichen Sitz der Familie im Hohen Rat nach den nächsten Stadtratswahlen. Außerdem wird er sich wohl mehr den Geschäften der Handelsniederlassungen in Ostarien, Drachenhain und Ligonii zuwenden. Diese Arbeit wird er von der Drackensteiger Stadt Wasserburg aus erledigen.
Thalesa Amer wird der Familie zufolge in Zukunft die Geschäfte im Süden Heligonias, sprich Thal, Darian und Sedomee leiten. Diese Geschäfte werden jedoch im Gegensatz zu Pervais zukünftiger Tätigkeit direkt aus der freien Reichsstadt koordiniert werden. Viastan Amer wird gleichfalls in Betis bleiben und sich dort auf die Politik im Stadtrat und der allgemeinen Überwachung der Handelstätigkeiten der Familie konzentrieren.
Mit der Mitteilung über die Neustrukturierung, so nehmen Eingeweihte an, wollte sich die Familie Amer vor Spekulationen schützen, die Amers würden sich von der Stadt am Brazach-Delta politisch wie auch persönlich entfernen. Mit der offenen Erklärung über ihre Pläne in der Zukunft verhinderten sie solche Gerüchte jedoch wirkungsvoll. Außerdem ist nun wohl auch geklärt, wer die Ansprechpartner in der Familie für welche Geschäftsbeziehungen sind.
Der Bürger des Monats (1.Helios n.A.III 26)
Zum Bürger des Monats wurde der hochgeachtete Betiser Waffenschmied Paralos Ehrgrecht ernannt. Seine mehr als nebensächliche Beschäftigung mit dem Theater, so begründete die Jury, mache ihn zu einem besonders wichtigen Bürger der Stadt, welcher das hiesige Lebensgefühl verkörpere wie kaum ein Zweiter. Der aktuelle Anlaß seiner Wahl sind sicherlich seine überzeugenden Auftritte in dem beliebten Stück "Tod eines Darianischen Händlers". Ehrgrecht zeige, so führte die Jury weiter aus, daß in Betis die Kultur allgegenwärtig sei und alle Bürger sich am kulturellen Leben der Stadt beteiligen könnten.
Der Waffenschmied freute sich über die Wahl zum Bürger des Monats und ließ verlauten, dies sei eine Bestätigung für ihn, sich auch als Laie an der großen Kunst versuchen zu können.
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
Was sich schickt
- Amtsdirektor Egbert von Vogelberg
- Ausgrabungen
- Nummernkonto in Tikon
- Orakelsprüche
- Statuetten fliegender Burais
- die Emaranseeflotte
Und was nicht
- Kriegsheimkehrer
- Juup Cannals Elchslederkollektion
- Ameryll
- Clanstreitigkeiten im Hochland
- Ausschreitungen von ogedischen Fanatikern gegen ceridische Mitbürger
Gewaltverbrechen gegen Ceriden
Schreckliche Dinge gibt es aus dem sogenannten ‚Ghetto', der Wohnstätte vieler Ceriden in Betis zu berichten. Eine große Anzahl von haßerfüllten ogedischen Fanatikern griff in der Nacht vom 16. auf den 17.Tag des 1.Helios ceridische Bürger an und versuchte deren Häuser in Brand zu stecken. Bilanz der Gewaltnacht sind drei Tote und mehrere Verletzte, sowie einige hundert Dukaten Sachschaden. Die Stadtgarde konnte einen Teil der Gewalttäter festnehmen. Auf sie wartet nun ein Verfahren nach der heligonischen Halsgerichtsordnung, in welchem sie ‚keine Nachsicht oder gar Gnade zu erwarten haben', so ein Sprecher des Stadtrates zu Betis. Am 19.Tag des 1.Helios fand eine Trauerfeier auf dem Ceridischen Friedhof statt, zu welcher auch ein Großteil der Stadträte erschien. Als Zeichen der Trauer und des Entsetzens wurden an diesem Tag sämtliche Theateraufführungen und Pferderennen ausgesetzt und während der Beisetzung der Leichname jegliche Geschäftstätigkeit unterlassen.
Stadtgeschehen
Die in ganz Betis bekannte Mamma Nelli forderte über ein Rundschreiben, welches jedes Stadtratsmitglied in den letzten Tagen erreichte, die Verlängerung der Sperrstunde, was doch allen, den Besuchern als auch der Betreiberin der Taverne zugute kommen würde. Reaktionen sind jedoch bisher ausgeblieben.
‚Wundervoll' war wohl eines der am meisten gebrauchten Worte, als am sechsten Tag des 1.Helios im großen Saal der Ratshalle eine Vernissage von Betis' wohl begabtestem Künstler Jantiff Gilvenlohe eröffnet wurde. Waren zur Eröffnung nur hohe Gäste geladen, so können die gemeinen Bürger der Reichsstadt die Ausstellung noch bis zum 18.Tag des 2.Helios besuchen.
Aufsehen gab es auch auf politischer Ebene in Betis. Am 21.Tag des 1.Helios wurde die, in letzter Zeit vor allem durch große Gewinne im Stoff- und Lederhandel aufgefallene, Händlerfamilie Pasdrigosa in die ehrenvolle Reihe der Mitglieder der Liliengilde aufgenommen.
Kaum wahrgenommen in der Modewelt wurde Juup Cannals Elchslederkollektion, die er als ‚schöner, prächtiger und teurer als alles bisher Dagewesene' angekündigt hatte. Die wenigen Gäste bei der Präsentation wurden jedoch durch billige ‚am Armi' Plagiate enttäuscht.
Für den Liebhaber des erlesenen Geschmackes
Die Elchslederkollektion von am Armi
Der Handelsprophet
Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 6 Kreuzer
Ameryll 1 kg 1 Dukaten und 4 Groschen
Arnacher Flugbriefdrache 48 Dukaten
Schaf (hochländisch) 6 Dukaten und 9 Groschen
Schaf (tiefländisch) 8 Dukaten und 3 Groschen
Eisen 1kg 6 Groschen und 8 Kreuzer
Unverrückbarkeiten
Zu verkaufen in Betis:Fachwerkhaus in der Neuen Stadt, nähe Zoll-Kanal,
zweistöckig, 6 Zimmer 930 D.
Steinhaus auf der Insel, nahe Rennbahn, zweistöckig, 9 Zimmer 1320 D.
Zu vermieten in Betis:
Wohnung in der Alten Stadt, nähe Anthaner Tor,
3 Zimmer, renoviert 1 D. 9 Gr. mtl.Kontor im Händlerviertel, nähe Tuchmarkt,
mit Wohnräumen 3 D. 5 Gr. mtl.
Wohnung im Hafenviertel, nähe Zoll-Kanal, 2 Zimmer 6 Gr. mtl.
Familie Donna Severa Esteban
Wir wollen DICH!
Bist du von dem Wunsch beseelt, deine Heimat zu schützen? Bist du schon immer an einer schmucken Uniform und an einem Posten auf einem Kriegschiff der Emaranseeflotte interessiert? Dann schreibe dich jetzt in die Listen der Herzöglich Ostarischen Marine ein!
Die Admiralität der Herzöglich Ostarischen Marine
Angaheymer Rufhorn
Neuigkeiten Über mysteriöse Vorfälle
Trotz aufwendiger Bemühungen gelang es mir bisher nicht, Neuigkeiten über die neuesten Vorkommnisse in Angaheym zu erfahren. Aber offensichtlich gibt es einen triftigen Grund für die in Angaheym und Teilen Wolfenfelds andauernde Besorgnis.Nial Felsenhammer, Sippenvorstand von Maerach und Stammesfürst von Angaheym ist seit dem 28. Tag der 1. Poëna verschwunden. Aus dem Verhalten der anderen Sippenvorstände von Skagen, Aithil und Lairg geht jedoch hervor, daß nicht gänzlich Unklarheit über Nials Verbleib herrscht. Außerhalb Angaheyms scheint allein Baronin Josephina von Wolfenfeld von Nial Felsenhammers dezeitigen Tätigkeiten bescheid zu wissen. Aber keiner wagt es sie in letzter Zeit darauf anzusprechen. Neuigkeiten erwartet man sich vom Thing in Angaheym, zu dem sogar die Baronin geladen ist.
Brennus Palimpsest, freier Berichterstatter
Tut auch das Land im Meer versinken,
Schädelspalter sollst du trinken!
bazaar darians
Besonders aktuelle Zeitung aus allen Regionen Darians
Neujahrsrede des Grafen Dedekien an sein Volk, gehalten auf dem Redonsplatz zu Darbor am 1. Helios des 27. Jahres der weisen Herrschaft Helos Aximistilius des III.
"Mein geliebtes Volk!Ein Jahr voll Ruhm und Stolz liegt hinter uns. Das gewaltige Erdbeben, das einiger weniger Untertanen Behausungen vernichtet hat, war ein Zeichen der Götter! Denn mit dieser Zerstörung wurden wundersame Zeugnisse unserer großen Geschichte an Helios´ Licht der Wahrheit gebracht, die Darian und Heligonia von der Pracht und Herrlichkeit künden, für die Unsere Grafschaft dereinst wie heute bekannt ist im ganzen Königreich.
Ein Wölkchen ist es nur, ein kleiner Schatten, ein einzelner Tropfen des Wermuts, der uns die Freude über die jüngsten Ereignisse trübt. Ich will Euch an diesem Tag mit lachenden Gesichtern durch die Straßen des Landes ziehen sehen, ich will in dieser Rede nicht den Stachel erwähnen, der mein Herz bluten läßt auch an diesem glücklichen Tag.
Und doch würde ich gegen meine landesväterliche Pflicht verstoßen, würde ich euch die jüngsten außenpolitischen Ereignisse vorenthalten. Vernehmt also aus dem Mund meines Herolds die Worte, mit denen ich mich in wenigen Tagen an den Fürsten von Thal wenden werde!"
Ein prächtig gekleideter Herold kam auf den Balkon; der Graf, von seinen Untertanen umjubelt, trat beiseite, um ihm das Wort zu lassen:
"Während Wir uns in den letzten Monden noch in dem Glauben wähnten, daß sich in der leidigen Angelegenheit bezüglich der Übergabe des Bernsteinzimmers schlußendlich die Vernunft durchsetzen würde, mußten Wir uns nun mit der Tatsache abfinden, daß Wir von Thaler Seite keinerlei Entgegenkommen zu erwarten haben. Daher ist es zur Wahrung Darianischer Interessen unerläßlich, nun Unsere Forderungen in aller Deutlichstkeit zum Ausdruck zu bringen:
Thal möge innerhalb eines Mondes sämtliche Fundstücke des Bernsteinzimmers wieder unter die Verfügung der gräflichen Familie stellen, da es sich hierbei um altes Valmeranisches Kulturerbe handelt, welches Wir Unserem Volke nicht vorenthalten dürfen.
Sollte das Fürstenhaus von Thal dieser Forderung nicht nachkommen, so sehen Wir Uns gezwungen Unser Recht mit allen Uns zur Verfügung stehenden Mitteln durchzusetzen."
Das Volk, außer sich vor Freude, jubelte seinem Herrscher zu. Huldvoll winkend, gebot er ihnen schließlich, wieder zu schweigen.
"Volk von Darian!"
Schon mit diesen Worten erreichte den Grafen ein nicht enden wollender Applaus.
"Nicht genug damit! Noch zur Stunde sollen die 100 schlimmsten Steuerhinterzieher, Betrüger und Diebe mit sofortiger Wirkung begnadigt sein unter der einen Bedingung, daß sie sich im Konflikt mit unseren habgierigen Nachbarn an ihrem Herrscher verdient machen und sich ihrer darianischen Herkunft würdig erweisen!"
Das Ende der Rede des Grafen konnte wegen der überschwenglichen Sympathiebekundungen seiner Untertanen leider nicht dokumentiert werden und wird für die Geschichtsschreiber somit für immer verloren bleiben. Der Rest jedoch wurde noch am selben Tag von den Verkündigungstürmen in der ganzen Grafschaft verbreitet.
Hohe Abgesandtschaft aus Telnaron
Am frühen Morgen des 15. Tages des 1. Helios im Jahre 27 n.A.III erreichte eine hohe Gesandtschaft aus Telnaron die Gestade der Stadt Darbor. Das Volk in Darbor bewunderte das reich geschmückte und verzierte Schiff und dessen ungewöhnliche Bauart. Als bekannt wurde, daß es sich um reiche Telnaronsche Abgesandte handelte, feierte das Volk begeistert die Ankunft der hohen Herren. Diese zeigten sich äußerst großzügig und bahnten sich ihren Weg durch die Menschenmasse, indem sie Münzen in die Menge warfen. Die Marquis befinden sich in Darian, um diplomatische Beziehungen aufzunehmen und ein Handelskontor in Darbor zu gründen. Graf Dedekien empfing sie gebührend und beherbergte sie für die Dauer der Gespräche im Palast. Die Abgesandten baten den Grafen, einen Vortrag des viel gerühmten Barden Salah ben Anwar Nur'Eddin hören zu dürfen, welcher auf dem Heligonischen Adelstag ihr Ohr bereits erfreute. Erst aufgrund seines Liedes wurden die Gesandten aus Telnaron auf die viel gepriesene Schönheit ihres Nachbarlandes Darian aufmerksam und wollten diese mit eigenen Augen bewundern.
So kam es, daß sie nach Abschluß der Gespräche noch den prächtigen Basar der Stadt Darbor besichtigten. Dabei ließen sie unsere besten Spezialitäten zu hauf an Bord ihres Schiffes mit den klangvollen Namen "Isabella Marie de Mare" bringen.
Nun befinden sie sich auf den Weg nach Escandra, wo sie eine Audienz beim König bekommen sollen. Zweck ihres Besuches dort ist die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen, Abschlüsse von Handelsverträgen und die Errichtung einer dauerhaften diplomatischen Vertretung in Escandra. Wir wünschen ihnen gute Reise und mögen sie uns alsbald wieder mit ihrer Anwesenheit und ihrem Aurazith beglücken.
Ruchloser Raub bei den Ausgrabungen im Schlangenkamm
Mit lähmendem Entsetzen starrten die Gelehrten am Morgen des 20. Tages im 1. Heliosmond in die leeren Sarkophage, in denen noch tags zuvor die beiden mumifizierten Leichname ihre letzte Ruhestätte hatten. Doch dem nicht genug. Die ganze Grabkammer wurde ausgeräumt. Einzig die für den Abtransport zu schweren Gegenstände wie die Nech-Burai-Statue und die Sarkophage selbst blieben zurück. Die Statue ist glücklicherweise unbeschädigt, obwohl sie von ihrem ursprünglichen Standort leicht weggeschoben wurde. Bei genaueren Untersuchungen ergab sich für die Gelehrten jedoch noch eine freudige Überraschung: unter der Statue scheint sich eine Art geheimer Gang zu befinden, deren Zugangsfalltür nur durch deren Verschieben entdeckt wurde. Derzeit wird noch versucht, den Geheimgang freizulegen. Glücklicherweise konnten die Diebe nicht genug Kraft aufwenden und hatten wohl auch zu wenig Zeit, um dort möglicherweise weitere bedeutende Funde und Schätze zu entwenden.Bedauerlicherweise ist dieses einzigartige Grabmal, das ob der sorgfältigen Arbeit unserer Vorfahren bisher nicht den Grabräubern anheimgefallen ist, nun doch auf so schändliche Weise geplündert wurde. Letzte Meldungen:Der weibliche Leichnam aus dem Schlangenkamm-Grab ist wieder aufgetaucht! Sandobar ben Irfmud, ein bekannter darianischer Händler, entdeckte zufällig beim Besuch eines Marktes in Al-Safani den eingewickelten Körper. Da er einen gelehrten Freund bei den Ausgrabungen hat, war ihm sofort klar, was ihm hier für eine heiße Ware angeboten wurde. Er mußte rasch handeln und so feilschte er mit dem zwielichtigen Halunken. Den Preis wollte Sandobar nicht preisgeben, doch wurde der Leichnam erst einmal zurück zur inzwischen gutbewachten Ausgrabungsstätte gebracht, um dort von den Gelehrten weiter untersucht zu werden.Graf Dedekien wird seine geplante Reise in die neue Markgrafschaft Norrland-Brassach nun doch nicht antreten. Als Grund hierfür wurde die brisante politische Lage und der Raub im Schlangenkamm angegeben. Dieser Tage erreichte ein Brief aus Thal das Herrscherhaus, der auf eine Verschleierungs- und Verzögerungstaktik der Thaler schließen läßt. Der Graf hofft, daß der Teil der Delegation, welcher bereits unterwegs ist, vom Markgrafen dennoch gastfreundschaftlich empfangen und bewirtet wird.
Der Tanzbär
Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias
Ein gaaaanz dickes Dankeschön an alle Heligonier!
Für die tolle Stimmung, die bereits herrschte, als wir noch gar nicht auf der Bühne waren (Kilians Schuld?), für das laute Begrüßungsgekreisch, als wir dann endlich doch auf die Bühne kamen, für das noch lautere Klatschen, die flatternden Fähnchen, bei deren Anblick wir sämtliches Lampenfieber vergaßen, Eure bewundernswerte Ausdauer bis halb ein Uhr morgens (trotz Glatteis und Schneesturm), die Verlängerung unseres Programms mit einem Pizzaservice-Prospekt, die lautstarke Unterstützung des übrigen Publikums, den positiven Eindruck bei unseren Eltern ;-) und und und...
Also nochmals Danke an Euch alle!!! Vorsicht, wir werden uns revanchieren....
Die Angaheymer
Was beschäftigt den Barden von heute - was bewegt uns Heligonier?
Die heligonische Kultur bedeutet uns Heligoniern etwas, sowohl den Adligen als auch dem Volk. Dies konne ich im vergangenen Jahr bei der Herausgabe der Utzgolf-Anthologie erfreut feststellen. Nachdem damals Sagen und Mythen als Wurzeln Heligonias im Mittelpunkt standen, möchte ich mich diesmal um die frischen, sich öffnenden Blüten kümmern. Die Barden von heute besingen, was sie und uns heute Beschäftigt. Was ist es, was Heligonia heute, jetzt beschäftigt und bewegt? Ich wende mich deshalb an alle Heligonier, insbesondere alle Barden - seien sie adelig oder aus dem Volk. Welche Gedichte haben in den letzten Jahren Barden gerühmt gemacht, welche Lieder sind selbst berühmt geworden?
Sammelt - und übermittelt solche Lieder und Gedichte, möglichst mit Angabe des Verfassers auf die Feste Hautzensteyn.
Aus alten Wurzeln wächst der Baum Heligonia und treibt jeden Tag neue Blüten und Blätter. Es liegt an jedem Einzelnen, diese Blüten allen sichtbar werden zu lassen.Weiter möchte ich an ein ähnliches Vorhaben erinnern: Graf Waldemar und Prinz Leomar von Drachenhain sowie Baron Jareck von Jolberg sammeln Geschichten, Lieder, Anekdoten, Berichte und Rezepte rund um die Jagd.
Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar
Sweet Home Alhambra
Refrain:
Sweet home Alhambra
wo die Dünen sandig sind
sweet home Alhambra
die Palmen wiegen sanft im Wind
Die Karawanen ziehen südwärts
bringen mich in das schöne Land
die Sonne brennt so heiß herunter
und alles ist hier voller Sand
Ich reite durch ein Meer von Dünen
Mein altes Burai röhrt und schwankt
meine Farbe nähert sich dem Grünen
wann bin ich endlich angelangt?
Refrain:
In Darbor herrscht der Graf Dedekien
er macht die Abgaben zur Pflicht
er will sich seine Steuern nehmen
doch wir geben sie ihm nicht
Refrain
Am Abend füllt sich die Spelunke
und der Basar wird dicht gemacht
beim Darok plündern wir die Fremden
so schön ist Darian bei Nacht
Salah ben Anwar Nur ed'Din
Das Jagdbuch - ein neuerlicher Aufruf –
die Entgegennahme der Einsendungen bis zum 1. Saarkamond verschoben
Geneigter Leser, werte Waidleute und Schreiberlinge
Die Jagd ist wahrhaftig eine Angelegenheit, die große Geduld und große Ausdauer erfordert. Deshalb komme ich nicht umhin, mich selbst für meine dieser Tage gegangene Mißachtung dieser beiden Tugenden zu tadeln. Der Zeitpunkt, an dem alle Beiträge zu diesem umfassenden Werk hätten eingegangen sein sollen, war von mir wahrhaftig zu früh gewählt und hat vermutlich so manchen willigen Schreiber abgeschreckt. Deshalb wurde in Absprache mit seiner Hochgeboren, Graf Waldemar, der Stichtag zur Abgabe aller Beiträge zum 1. Tag des 1. Saarkamondes n.A.III. 27 angesetzt.
Nochmals zur Erinnerung: Die Hochnoblen Herren Graf Waldemar von Drachenhain, Prinz Leomar von Drachenhain und Baron Jareck von Jolberg, beabsichtigen ein Brevier herauszugeben über das Waidwerk, dessen Ausübung und ebenso anverwandte Themen. Es sollen in diesem Werk lehrreiche Tatsachen, andenkenswürdigwe Ereignisse und kuriose Anekdoten gleichermaßen beschrieben werden, weswegen sich die Herren Herausgeber um aller Autoren Berichte bemühen wollen, deren sie habhaft werden können, ob es nun die Erlebnisse einfacher Waldbauern auf der Pelztierjagd sein mögen oder die Erfahrungen des Hochwildjägers in Ausübung seines edlen Handwerks. Erwünscht sind spannende oder lehrreiche Jagdgeschichten,
Berichte über Jagdmethoden oder spezielle Wildtiere sowie Zubereitung von Wildbret in den verschiedenen Regionen Heligonias, auch ungewöhnliche Formen der Jagd sowie Jagdlieder sind willkommen. Anlaß zur Herausgabe dieses Buches ist die Aufnahme Baron Jareck von Jolberg als Jagdritter in den Orden der goldenen Bärentatze durch seine Hochgeboren Graf Waldemar von Drachenhain, da sich der Herr Jareck durch die Vervollkommnung der Garstbockjagd in herausragender Art hervorgetan hat. Mit großer Freude erwarten wir die Einsendungen.
Meister Schillwunk Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter
Worauf der Jäger stets soll achten,
daß keiner nach seinem Kopf mag trachten
(alte Jägerweisheit)
Skandal um Anselm
In Thal, da steht ein Fürstenhaus,
da hielt´s der Anselm nicht mehr aus.
Es konnte ihn dort nichts mehr binden,
Er wollte die Tlamana finden !
So zog er aus mit viel Getöse;
Der Bartha wurde mächtig böse,
er schickte Späher hintendrein,
doch konnten die ihn nicht erspein !
Und draußen vor der großen Stadt
Sucht der Weizenkeim sich die Füße platt !
Skandal im Fürstenhaus,
Skandal im Fürstenhaus,
Skandal im Fürstenhaus,
Skandal um Anselm !
Der Anselm ist bis heute weg,
und niemand weiß, wo er denn steckt.
Man sagt, er sei im Bernsteinzimmer.
Das ganze wird ja immer schlimmer !
Mit Bernsteinpower durch die Lande,
Anselm außer Rand und Bande :
Burg Thalwacht hat gewartet schon,
Mit ihr fliegt er in Formation
Und draußen vor der großen Stadt
Sucht der Weizenkeim sich die Füße platt !
Skandal im Fürstenhaus,
Skandal im Fürstenhaus,
Skandal im Fürstenhaus,
Skandal um Anselm !
Für den Tanzbär
Loki, ein wandernder Barde
Termine
29.08. - 31.08.99 Koggenfahrt von Bremerhaven nach Helgoland
17.09. - 19.09.99 Helicon 11 - Markt in Betis (JH Rothenburg o.d.T.)
26.11. - 28.11.99 Helicon 12 - Gelehrtenkonvent (Burg Hornberg)
14.01. - 16.01.00 4. Heligonischer Adelstag auf Burg Spalt/Wernfels
24.03. - 26.03.00 Helicon 13 - Markt in Tatzelfels (Burg Wildenstein)
Mai/Juni 2000 Helicon 14
28.07. - 30.07.00 Helicon 15 - am Karlsbrunnen
Angaheym-Auftritte
19.06.-20.06.1999 Arnstorf/Ndb.
23.07.-25.07.1999 Schloß Hexenagger/Altmühltal
18.09.-19.09.1999 Keltisches Bierfest Landau a.d.Isar (DER Angaheymer Emmer!)
Konzerttermine
08.07.1999 Corvus Corax auf der Wäscherburg in Wäschenbeuren
14.07.1999 In Extremo auf dem Marktplatz in Schwäbisch Gmünd
22.07.1999 In Extremo auf der Wäscherburg in Wäschenbeuren
25.07.1999 Fiddler's Green in Rothenburg o.d.T.
13.08.1999 Fiddler's Green in Diespeck bei Neustadt/AitschMarkttermine
17./18.07.1999 Kramer Zunft & Kurzweyl in Schwäbisch Gmünd
14./15.08.1999 Kramer Zunft & Kurzweyl in Abenberg
(c) Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés Balluff, Marc Hermann
Berichte von Susanne Arbogast, Bert auf dem Keller, Inés Balluff, Arnulf Breuer, Ulrike Clauss, Thilo Döring, Henning Frank, Oliver Friese, Deborah Gläser, Andreas Hils, Dirk Kammler, Thomas Kessler, Yvonne Kirmess, Christian Klauss, Oliver Kraus, Daniela Lochner, Thomas Meyer, Johannes Pilz, Alexander Pilz, Benjamin Rampp, Andreas Reicke,Eike Simon, Markus Spree, Melanie Walker
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