Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 1. Xurl n.A.III 27
Ausgabe 29



Kronkurier

Der Ogedenbund distanziert sich hiermit offiziell von den Handlungen und Veröffentlichungen der OfH. Unser oberstes Ziel ist Frieden in Heligonia und die freie Ausübung des Glaubens für jedermann. Wir achten das Toleranzgebot Seiner Majestät, werden aber jede Art von Übergriffen auf Ogedische Gläubige unnachgiebig verfolgen. In diesem Rahmen haben wir bereits zahlreiche Unternehmungen wie Hilfeleistungen in Teemoranien und Welzen oder die Errichtung mehrerer Schreine in Ostarien erfolgreich abgeschlossen. In Kürze wird eine Armenküche in Betis eingerichtet und das Siechenhaus in der Alten Stadt erneuert werden. An dieser Stelle bedanken wir uns auch im Namen aller bedürftigen Gläubigen bei den Bürgern von Quellstedt für ihre großzügige Spende. Wir werden das Geld in diesem Sinne verwenden und es weiterhin in Not geratenen Ogeden zukommen lassen.
Der Ogedenbund

Der Vestalin Telvin von Durendahl

Wenn Ihr auch versucht, Eure Worte wohl zu setzen, der Inhalt wird dadurch weder eingängiger noch klarer. Euer Pferde-Vergleich lahmt doch stark - bei uns pflegt man diese Tiere einzusetzen, wie es am günstigsten ist: manche Aufgaben verlangen ein Pferd, manche viere und manche noch mehr. Wer sich mit diesen Tieren auskennt, wird sie entsprechend bändigen, wer sich nicht auskennt, hat schon an einem Pferd zu viel. Mit dem Glauben hat all das nichts zu tun - es sei denn, Eure Inquisition mißbraucht Pferde dazu, ogedische Gläubige oder unbotmäßige Bürger zu vierteilen, was erklären könnte, warum in Ankur vier Pferde stets in vier verschiedene Richtungen laufen.
Zu Eurer Frage bezüglich des Ödländer-Problems: In einem Landstrich, wo kaum Ogeden wohnen, werden natürlich im Krisenfall weniger Ogeden aktiv sein als Ceriden, das liegt in der Natur der Sache. Bei einem Konflikt in Sedomee würden mit Sicherheit mehr Ogeden als Ceriden Hilfe leisten und mehr Sedomeesen als Ostarier. Dies wäre kein Grund für Vorwürfe, sondern einfach normal. Ihr gebt ja selbst zu, daß Ihr ogedische Unterstützung sowohl in militärischer als auch in religiöser und sonstiger Hinsicht hattet. Um noch effektiver eingreifen zu können, wenn es nötig ist, sind wir ja dabei, uns bessere Organisation zu geben - Jinderak Garstson ist als OfH-Führer Ostariens ausgesprochen tätig und ideenreich. Also seid zufrieden. Schließlich greift Ihr mich als Helios-Geweihten noch beruflich und persönlich an, wahrscheinlich wißt Ihr es als Vestalin nicht besser. Zu Euren Zweifeln an meiner Königstreue: Solche Worte stehen Ceriden sehr schlecht an, waren es doch in den letzten Jahren nicht Ogeden, sondern geistlich und weltlich höchstrangigen Ceriden samt ihrer Gefolgschaft, deren mangelnde Königstreue Heligonia in die verschiedensten Katastrophen stürzte. Seid beruhigt, die gesamte OfH steht unverbrüchlich hinter dem König. Seid außerdem versichert, daß ich - vielleicht im Gegensatz zu Euch - meine Worte sehr wohl mehrfach überdacht habe und überdenke. Eine Antwort Laara Saarnens, der OfH-Führerin Heligonia und Drachenhain, wäre ganz anders ausgefallen.
Rawen Eilshorn, Geweihter des Helios, OfH-Führer Heligonia und Thal

Ausgangssperre verhängt

Um für Sicherheit und Ordnung in der Stadt Quellstedt zu sorgen, wurde eine Ausgangssperre von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang verhängt. Zuwiderhandlungen werden hart bestraft. Notwendigkeit der OfH-Gründung eindrucksvoll bestätigt.
Es ist uns offenbar gelungen, ein im ganzen Land latent vorhandenes Gefühl zu erspüren und die richtigen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Ogeden haben in den letzten Monden in verschiedenen Gegenden ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Dies zeigt, wie nötig es ist, das Ogedentum wieder dem ihm zukommenden Rang entgegen zu führen. Nur so lassen sich weitere Gewalttaten verhindern, die wir ablehnen, die aber ein eindeutiges Zeichen dafür sind, daß das Ogedentum in seiner natürlichen Friedlichkeit bedrängt und beengt wird. Dem werden entgegenwirken.
Lara Saarnen, Geweihte der Saarka, OfH-Führerin Heligonia und Drachenhain
Rawen Eilshorn, Geweihter des Helios, OfH-Führer Heligonia und Thal

Offizielle Einladung

Sehr geehrtes Scriptorium,
meine Wenigkeit möchte sich hiermit als der offizielle Botschafter Telnarons vorstellen. Mein Name ist Marquis Conseilleur Emilio Francisco Gioseppe dela Rossa. Meine erste offizielle Amtshandlung möge darin Bestehen allen heligonischen Adeligen zum 300 jährigen Bestehen unseres Stadtstaates nach Telnaron einzuladen. Das große Fest wird im nächsten Jahr Ende des zweiten Monats (3.Saarka n.A.III 27) stattfinden und Marquis Protecteur de Satre fühlt sich geehrt, seinen Landsitz für die offizielle Feierlichkeit zur Verfügung stellen zu dürfen. Der Rat der Drei zu Telnaron hofft mit dieser Einladung, den heligonischen Adeligen die zarte Seite der "Wilden Lande" darlegen zu dürfen.
An diesem höchst denkwürdigen Termin sollen ferner auch die Verhandlungen und Verträge zur Südhanse ratifiziert werden. Des weiteren hoffe ich persönlich, daß durch diese Einladung das freundschaftliche Miteinander zwischen unseren Staaten, die persönliche Beziehungen der Adeligen untereinander vertieft und daß die herrschenden Vorurteile über Telnaron denn beseitigt werden mögen.
In diesem Sinne hofft der Rat der Drei auf ein zahlreiches erscheinen, welches als Geste des guten Willens gewertet werden soll.
Hochachtungsvoll und in tiefer Verehrung für dieses wunderbare heligonische Land.
Marquis Conseilleur Emilio Francisco Gioseppe dela Rossa
Botschafter Telnarons in Escandra
Am 6. Tages des neunten Monats des mittelländischen Jahres 1199

Professor vermißt

Die Universität zu Escandra sucht seit einigen Wochen ein Gelehrter namens Cyriacus Indelfuss. Der aus Tlamana stammende, hochgewachsene Mann war mit einer Abgesandtschaft zu Ausgrabungen in Sedomee unterwegs. Am Morgen des 29. Tages im 3. Helios war der Professor in Allgemeinwissen und Botanik aus seinem Zimmer im Gasthaus "Zum geschwätzigen Mannsbild" verschwunden. Ein paar Augenzeugen wollen ihn noch am selben Tag in einer Schenke am Hafen von Marola gesehen haben.
Für Hinweise, die der Auffindung des Gelehrten führen könnten, ist eine Belohnung von 10 Dukaten festgesetzt. Schriftliche Zusendungen bitte an die Universität zu Escandra, Esop Tagwinder, stellvertretender Leiter der Fakultät Allgemeinwissen.
Wendelin Rothfeiler, stellvertretender Hofschreiber zu Escandra

Botschaftseröffnung in Escandra

Mitte des 3. Helios wurde in Escandra durch die Gesandten des Rates der Drei zu Telnaron in den Wilden Landen, in einem feierlichen Festakt, die telnaronsche Botschaft in Heligonia eröffnet. Dem Festakt waren in den vorherigen Wochen eine Audienz bei unserem König Aximistilius III. vorausgegangen. Bei diesem Anlaß gab es auch eine offizielle und förmliche Entschuldigung durch Marquis de Satre und Abgesandter de Coligny für die Vorkommnisse, die aus den Ereignissen am heligonischen Adelstag resultierten. Marquis de Satre bestand allerdings auf die Tatsache, daß man ihn und die Absichten des Rates durchaus ernst nehmen müßte und daß die Behauptung, man habe versucht Heligonia zu erpressen, lediglich aus der falschen Wahl der Worte resultierte. Er entschuldigte sich auch dafür, bat jedoch um Nachsicht, da an dem Adelstag auch eine Religionsgemeinschaft zugegen war, die mit falschen Anschuldigungen das Ohr des Baron von Jolberg bedrängten, so daß dieser jedes Wort in die Goldschale legte. Der Marquis zeigte sich jedoch nachsichtig und wollte hiermit die Fehde beilegen, in der Hoffnung das auch der Baron von Jolberg sein Groll beiseite legen möge.
Ende des 3, Helios soll ein offiziell ernannte Botschafter Telnarons in Escandra seinen Dienst aufnehmen und für ein besseres Verständnis zwischen den beiden Nationen sorge tragen.

Stadtrat von Quellstedt in Untersuchungshaft

Aufgrund der desolaten politischen Entscheidungen des Stadtrates (Theo Franzler), welche die neu erworbenen Rechte und Freiheiten der Stadt gefährdet haben, ließ das Ratsmitglied Kelvin von Algorn zusammen mit dem obersten Richter der Stadt die anderen Mitglieder des Stadtrates in Haft nehmen. Theo Franzler konnte sich jedoch mit Hilfe einiger Sympathisanten der Verhaftung entziehen und floh aus der Stadt. Die Aufgaben des Stadtrates werden kommissarisch durch Kelvin von Algorn ausgeübt.

Baron Teemon in Quellstedt ?

Mehrere Augenzeugen aus Quellstedt haben berichtet, Baron Teemon nach Sonnenuntergang in der Stadt gesehen zu haben. Eine Nennung der Personen ist nicht möglich, da diese gegen das Ausgangsverbot verstoßen haben. Für diese Hinweise spricht, daß das Rathaus weiträumig abgesperrt wurde.

Heligonischer Pressebericht oder "Der Blick über den Gartenzaun"

Wie wir aus sicherer Quelle erfahren haben, wendet sich Thorvind, Jolberger Wachsoldat, nun an die Tagespresse in Telnaron, um die entstandenen Verwirrungen um seinen Artikel "Lest, ihr Leut, gar Folgendes” ein für allemal zu bereinigen. In einem gar offenen Brief, der in der "Telnaronschen Gerüchtekontrolle” hoffentlich unzensiert veröffentlicht werden wird, wird er sich bei den gekränkten komischen ausländischen Seeleuten, die beim heligonischen Adelstag zu Jolberg ein offensichtlich streng geheimes Duell angezettelt hatten, entschuldigen:

"Liebe Leute.
Es hat ja nun viel Federlesens gegeben wegen dem, was ich da geschrieben habe nach dem Adelstag und mein Baron ärgert sich wegen der ganzen Aufregung weil er findet, Aufregungen sind nie gut. Und ich finde das auch schade und entschuldige mich hiermit von ganzem Herzen bei allen Leuten, die sich beleidigt fühlen könnten durch meinen Artikel, seien sie nun aus dem Ausland oder aus dem Hochland oder von sonstwo her. Ich habe keinen unserer durchweg netten Gäste beleidigen wollen und habe auch nicht "komische ausländische Seeleute” sagen wollen sondern eigentlich "telnaronische ausnehmende Edel-Leute” (weil sie so ausnehmend edel gekleidet waren), und das ist mir halt so rausgerutscht. Und natürlich haben sie sich auch nicht erdreistet, ein Duell anzuzetteln, sondern nur nett und angenehm Konversation getrieben mit den ganzen anderen netten und angenehmen adligen Leuten, die zufällig auch da waren und ich habe das halt nicht verstanden, weil ich bin halt nur ein einfacher Mann, der sich aufs Spalten von Holz und Ödländerschädeln versteht und vielleicht selber auch aus zu grobem Holz geschnitzt ist, um mit so feinen Leuten – also wie den Gästen halt und natürlich den ehrenwerten Leuten aus Telnaron, die es bestimmt auch nur gut gemeint haben – Umgang zu pflegen. Und wie gesagt, es tut mir leid und ich war betrunken und nicht im Dienst und warum die ganze Aufregung.
Schöne Grüße
Thorvind, Jolberger Wachsoldat"

Soweit der letzte Streich des Thorvind. Wir sind gespannt und bleiben dran.
Wendelin Rothfeiler, stellvertretender Hofschreiber zu Escandra

Über die "Wildheit" der wilden Lande

Verehrtes Scriptitorium,
zur Förderung der allgemeinen Völkerverständigung und zur objektiven Darstellung der Lebensweise in unserer schönen Stadt Telnaron, ist der Zweck dieses Schriebes.
Erlaubt mir, daß ich Ihnen, verehrtes Scriptitorium, erst einmal vorstellig werde.
Meine Name ist Novalis Farinell de Versace und ich bin meines Zeichen der Erste der Gemeinschaft zum Wohle der schönen Künste in Telnaron. Dieser Gemeinschaft liegt die Förderung der schönen Künste in Telnaron am Herzen, welche bislang eher in den rauhen Gassen unserer schönen Stadt, geschmäht denn gefördert wurden.

Telnaron in den wilden Landen und die schönen Künste, das war bislang immer ein Widerspruch. Doch seit Neuestem gilt es bei den Hohen Telnarons als chic, Lyrik und prosaische Stücke zu lesen und das Theater zu besuchen. So kommt es, daß Schriftsteller und Schauspieler zur Zeit hoch angesehen sind. Auch versucht sich jeder, der des Schreibens mächtig ist und auch nur etwas Tinte besitzt, an Lyrik und Prosa. Die Feder hat nun in Telnaron, den Degen als meist gebrauchtester Gegenstand abgelöst. Denn da wo man früher mit unsittlichen Verhalten prahlte, da philosophiert man heuer über Protagonisten aus diversen Erzählungen und Theaterstücken.
Besondere Erwähnung sollte hier Whil Ian S. Beer, ein junger aufsteigender Schriftsteller für prosaische Erzählungen und Theater, finden. Seine Werke erfreuen sich der größter Beliebtheit, besitzen sie doch heitere bis tragische Elemente und erzählen Geschichten aus dem Leben hoher Persönlichkeiten. Sein Erstlingswerk "Lärm um viel Nichts" war nach seinen Erscheinen so beliebt, daß man den Anfragen gar nicht nachkommen konnte.
Sein neuestes Werk "Amlet; Des Königs Sohn" hat ebenfalls eine Welle der Begeisterung und Entzückung hervorgerufen, so daß nun der noch junge Schriftsteller Whil Ian S. Beer, sich vor Verehrungen seiner weiblichen Leserschaft und von Belobigungen von Seiten des Rates der Drei zu Telnaron, nicht mehr erretten kann.
Gespannt wird sein nächstes Werk erwartet, welches diesmal nicht, so verriet er uns, vom Leben der Aristokraten, sondern von einem hohen Offizier namens "Otherro" handeln wird. Wir hoffen, daß dieses Werk ein weiterer Meilenstein in der telnaronschen Literatur wird.
Merklich spürt man den Fortschritt und die Veränderungen in Telnaron, so daß der Weg in eine glorreiche Zukunft gesichert ist.

Der Rat gibt Zukunft.
Novalis Farinell de Versace
Kulturattaché und Erster der Gemeinschaft
zum Wohle der schönen Künste in Telnaron

Große Trauer in Tlamana und Drachenhain
Regentin Leabell verlor ihr Kind

Der Schmerz stand den Menschen der Grafschaft und der Baronie ins Gesicht geschrieben. Nur kurze Zeit nach Erscheinen des letzten Helios-Boten wurden Gerüchte zur Gewißheit, Hoffnung zu Wehmut. Das Kind von Regentin Leabell von Tlamana und von Prinz Leomar von Drachenhain kam allzu früh ans Tageslicht und verstarb, trotz aller Bemühungen der Heiler, da es des Lebens auf der Erdenscheibe noch nicht fähig war. In aller Stille wurde der Leichnam Wedegos zu Grabe getragen. Besonders tragisch ist überdies die Abwesenheit Leomars. Seine Hochgeboren weiß noch nichts von diesem Unglück. Er war vor wenigen Monden frohgemut zur Leomark gereist.
Den Göttern sei Dank, hat Regentin Leabell die Geburt ohne Schaden überstanden, schon bald widmete sie sich wieder den Staatsgeschäften, vermutlich um hier Ablenkung und Zerstreuung zu finden.
Unterdessen kocht in der Baronie der Volkszorn, steht gemeinhin doch das verhaßte Carajon und seine ständigen Anfeindungen gegenüber Leabell als Hauptgrund für diese neuerliche Bürde des Tlamanischen Herrscherhauses fest.
Schreiber Heron Krummbrecht

Papyros des Südens

Sedomeesische Neuigkeiten

Sensationelle Entdeckungen nun auch in Sedomee

Rein zufällig entdeckten Perltaucher vor wenigen Wochen eine gepflasterte Straße. Nun mag der weise Leser sich fragen, was so besonderes an dieser Entdeckung sein mag. Doch das Erstaunliche kommt noch: Der entdeckte Teil der Straße liegt bisher gänzlich unter dem Meeresspiegel. Der Fund wurde begünstigt durch die starke Tide, welche Perltaucher und Fischer weiter vom Ufer entfernt ihre Tätigkeiten ausführen ließ.
Bisher gab es nur Spekulationen über Herkunft und Alter der Straße. Demnach mag es möglicherweise eine Straße sein, welche die Redonskinder erbaut hatten, als sie noch regen Handel und Austausch mit den Menschen trieben.
Genauere Untersuchungen werden stattfinden, sobald die Wissenschaftlerinnen aus Sedomee ihre Arbeit an der neuen Tauchglocke vollendet haben, um damit länger unter dem Meer forschen können.
Keshara, freie Berichterstatterin aus Marola

Der Trommler

freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft Norrland-Brassach

Walluma von Ostarien besucht die Markgrafschaft

Stolz wehten die am höchsten Mast befestigten, herzöglich-ostarischen Banner im Winde als die "Herzog Uriel II.", das Flaggschiff der ostarischen Marine, und zwei Begleitschiffe in den frühen Morgenstunden des fünfundzwanzigsten Tages des ersten Helios neunzig nach der Erleuchtung in den Hafen von Tarnam einliefen. Als sich nun zuerst der hölzerne Schiffsleib der "Herzog Uriel II." an die Steinwand des Hafenbeckens schob und ordentlich vertaut wurde, entwich die Anspannung aus dem Gesicht des Markgrafen, der an der Pier die Ankunft der drei Schiffe erwartet hatte. Nun war die Regentin von Ostarien also da. Tags zuvor ging es im größten Hafen der Markgrafschaft noch hektisch einher: Kisten wurden penibel gestapelt, Seite und Taue ordentlich zusammengelegt, umherstehenden Fässer in Lagerhallen gerollt. Gardisten verscheuchten Bettler und Tagelöhner aus dem Hafengebiet, wiesen die Flußfischer an, mit ihren Booten, das Hafenbecken zu verlassen und an den Ufern des Brazachs zu ankern. Lediglich die Kriegskoggen der norrland-brassachischen Seestreitkräfte behielten ihren Liegeplatz im Hafen. Handlanger fegten im Auftrage des Hafenmeisters die Pier und die Zufahrtswege zum Hafen. Soldaten zogen vielerorts norrland-brassachische Flaggen auf. Und über der Hauptanlegestelle flatterten nebeneinander auf feiner Seide das Schlangenwappen Ostariens und das große Wappen der Markgrafschaft im kühlen Morgenwind. Alles sollte aufgeräumt und sauber wirken, wenn der für den fünfundzwanzigsten Tag angekündigte Besuch aus dem Herzogtum Ostarien ankommen würde.

Die Anlegemanöver der Begleitschiffe "Daron von Brassach" und "Legon von Brazfurt" blieben nahezu unbeachtet, da nach dem Festmachen der "Herzog Uriel II." Soldaten der Markgrafschaft und des Herzogtums Ostarien neben dem großen Schiff Aufstellung nahmen. Als nun Herzogin Walluma in Begleitung einiger Adliger des Herzogtums auf dem Oberdeck erschien und sich anschickte, das Boot über eine hölzerne Schwenkbrücke zu verlassen, ging ihr Markgraf Kalveram schnellen Schrittes entgehen. In angemessener und freundschaftlicher Form begrüßte Kalveram seine ehemalige Herrin. Walluma von Ostarien erwiderte den Gruß ihres einstigen Vasallen ebenso freundlich. Nachdem nun noch verschiedene Adlige einander vorgestellt wurden, machten sich die hohen Herrschaften in einer Kutsche auf den Weg zur Burg Brassach. Die Bevölkerung, die die Straßen säumte, empfingen die Regentin Ostariens mit lauten Jubelrufen und winkten den Adligen zu.

Auf Burg Brassach angekommen nutzten die beiden Hochadligen den angebrochenen Frohntag und die beiden folgenden Tage, um über verschiedene Themen zu beraten. Neben dem Ausbau der bestehenden Handelsbeziehungen war auch das gemeinsame Sichern der nördlichen Grenze Heligonias gegen die Ödländer Teil der Beratungen, die sich oftmals bis tief in die Nacht hinzogen. Kalveram berichtete der Regentin, daß man an der nördlichen Grenze der Markgrafschaft mit dem Bau eines Verteidigungsbollwerkes am norrland-brassachischen Ufer der Ostra begonnen hatte, um einen neuerlichen Einfall der ödländischen Horden zu verhindern. Die Gesamtbauzeit der Verteidigungsanlage, die aus Gräben und zum Schutz vor Feuer mit Mörtel bestrichenen Holzpallisaden sowie einigen aus Stein gebauten Festungen bestehen soll, wird sich über viele Monate erstrecken. Nach dem Tode Herzog Uriels war auch die Zukunft der Templer zu Ankur in Ostarien ein Thema der ausgiebigen Besprechungen. Walluma von Ostarien versicherte dem Waffenbruder ihres verstorbenen Mannes, daß sich nichts an der Situation der Templer zu Ankur im Herzogtum Ostarien ändern würde. Vielmehr erfreue sie die nahezu bedingungslose Unterstützung des Großmeisters und seiner Truppen. Auch die durch ein Gerichtsurteil veranlaßte "Neueinsetzung" Angharad Elanors als Baronin von Emarania war Inhalt einer allabendlichen Sitzung. Denn insbesondere bei der einfachen Bevölkerung in den Landesteilen, die früher zur Baronie Brassach zählten und dessen Familien durch das Fehlen der teemooranischen Verbände bei der Verteidigung Ostariens gegen die Ödländer viele tapfere Männer und Frauen verloren, löste das Gerichtsverfahren und sein Urteil Unverständnis aus.

Mit einem großen Festmahl beendete man am Mittag des siebenundzwanzigsten Tages den ersten Staatsbesuch eines Mitgliedes der ostarischen Herrscherfamilie in der Markgrafschaft Norrland-Brassach. Als Markgraf Kalveram am frühen Nachmittag die ostarische Regentin im Hafen von Tarnam verabschiedete, holten ostarische Seemänner auf der "Daron von Brassach" und der "Legon von Brazfurt" die ostarische Flaggen ein. Die Kapitäne und die Mannschaften verließen ihre Schiffe und begaben sich ebenfalls an Bord der "Herzog Uriel II.". Nachdem das Flaggschiff der ostarischen Marine den Hafen verlassen hatte, besetzten Kapitäne und Mannschaften der norrland-brassachischen Seestreitkräfte die beiden ehemaligen ostarischen Schiffe und setzten die Fahne der Markgrafschaft Norrland-Brassach am Hauptmast. Am Schiffsbug entfernten Zimmerleute sorgfältig die alten Galionsfiguren und befestigten große geschnitzte Stierköpfe am Steven beider Schiffe. Die zwei Schiffe der Herzog Uriel-Klasse, die ihren jeweiligen Taufnamen selbstverständlich behalten werden, waren nun gemäß der Jolberger Verträge Kriegsschiffe der norrland-brassachischen Seeverteidigung.

Die Einnahme Caronburgs

Seit nun mehr sechzehn Wochen belagerten die Truppen des Markgrafen die einzige Stadt, die sich noch in den Händen des Verräters Anholt von Brassach und seiner Helfershelfer befand: Caronburg. Die Hauptstadt der Provinz Caronia bot am siebzehnten Tage des zweiten Helios des Jahres neunundachtzig nach der Erleuchtung nicht mehr das Bild, welches sie einem Betrachter noch vor vier Wochen gezeigt hatte. Denn nach fast dreißig Tagen begann man mit der Beschießung der Stadt, nachdem klar geworden war, daß der Gegner sich wohl niemals ergeben würde. Jeder zusätzliche Tag der Belagerung würde nur das Leben weiterer Stadtbewohner kosten, da die Kornspeicher im Frühjahr, als die Stadttore auf Anordnung Anholts geschlossen wurden, noch nicht sonderlich voll waren. So entschloß man sich also, Gewalt anzuwenden, um den Umsturzversuch Anholts bei Caronburg endgültig zu beenden. Mißfallend nahm man hierbei auch den Tod Unschuldiger in Kauf, aber es galt, ein eindeutiges Zeichen zu setzen. Viele Häuser waren alsbald durch Brandgeschosse bis auf die Grundmauern niedergebrannt, Teile der Mauerzinnen waren herausgebrochen worden, um sie von den Mauern herab auf die Köpfe der markgräflichen Truppen zu werfen, die immer wieder die Stadt angriffen. Die mächtigen Mauern selbst wiesen auch etliche Schäden auf. "Wunden", die ihnen die schweren Wurfladungen der Katapulte zugefügt hatten. Der Westturm der Stadt war nach gezielten Minenarbeiten brassachischer Bergleute zwar eingestürzt, aber leider fielen die Trümmer des Gebäudes so unglücklich, daß auch hier ein Erstürmen der Stadt keinen Erfolg zeigen wollte. Wenn sich die Angreifer durch den Schutt vorgearbeitet hatten, trafen sie auf eine Innenmauer der Stadt, von der sie der Gegner gezielt unter Armbrustfeuer nahm, ohne das er selbst ein Ziel für die markgräflichen Schützen bot. Auch das Einreißen der Stadttore mit großen Rammen wollte keinen Erfolg zeigen, da die Verteidiger die Tore immer wieder mit vielen Balken und Steinen gestützt hatten. Versuche, die Tore mit Feuer zu öffnen, nahm man erst gar nicht in Angriff, da die Tore der Stadt durch Wasser, welches Wasserräder aus naheliegende Brunnen bis hinauf in die massiv gemauerten Torhäuser fördern konnten, benetzt werden konnten.

Obwohl die Markgräflichen einige Versuche unternommen hatten, ward es ihnen bis zum siebzehnten Tage des zweiten Helios nicht gelungen, die Mauern der Stadt zu überwinden und die letzte Zuflucht der Putschisten zu erstürmen. Nun aber waren die beiden Belagerungstürme vor Ort, die norrland-brassachische Handwerker in den letzten Wochen gebaut hatten. Sie sollten die Eroberung der Stadt ermöglichen. Zeitgleich begann in den Mittagsstunden des siebzehnten Tages der Angriff von der Nord- und Südseite her. Grauburger Bogenschützen hatten die auf den Mauern postierten Armbrustschützen der "Verteidiger" in den letzten Wochen weitgehendst dezimiert, so daß die hölzernen, mit nassen Fellen bespannten Türme, die die Festungsmauern der Stadt um einige Ellen überragten, nahezu unbehelligt von norrländischen Ochsen bis an die Mauern gezogen werden konnten. Hinter den Türmen verweilte in ausreichendem Abstand die Infanterie. Sie sollte nach dem Herunterlassen hölzerner Brücken, die die Kluft zwischen Turm und Stadtmauer überbrücken würden, die Holzstufen und Leitern der Türme erklimmen, um dann über das verräterische Gesindel herzufallen. Als nun die Türme ihre Brücken herunterließen und die im Turm versteckten, gepanzerten Mannen der norrland-brassischen Gardejäger unter Deckung der eigenen Bogenschützen die Mauerkrone erstürmten, wehrte sich der Gegner im Kampf Mann gegen Mann. Die Gardejäger verschafften der Infanterie die nötige Zeit, um nachzurücken. Immer mehr norrland-brassachischen Truppen erstürmten die Mauern Caronburgs. Markgraf Kalveram, der zusammen mit den grauburger Brüdern Hagen und Hadebrand sowie Gilbert von Dachsrode von einem Hügel vor Caronburg den Sturm der Stadt beobachtete, ließ vor Beginn des Kampfes verkünden, daß er denjenigen Soldaten, der Anholt von Brassach überwältigt, in den Stand eines Ritter heben würde. Nachdem immer mehr loyale Einheiten über die Mauer hinweg in die Stadt eindrangen, entzog sich der Kampf dem Auge des außenstehenden Betrachters.

In den Nachmittagsstunden wehten dann wieder die Flaggen der Markgrafschaft Norrland-Brassach im Wind. Obwohl der Verteidigungswille der aufständischen Soldaten und Söldner durch fehlende Versorgung und Verstärkung nach vier Belagerungsmonaten nahezu gebrochen war, starben dennoch einige tapfere Mannen bei der Erstürmung der Stadt. Die markgräflichen Soldaten und die Einwohner Caronburgs, die sich größtenteils über das Ende des Schreckens freuten, begannen noch am Abend mit dem Ausschachten von Gräbern, um den Gefallenen ein angemessenes Begräbnis zukommen zu lassen. Drei Tage später trat auf dem Markplatz von Caronburg ein Gericht zusammen. Die festgesetzten Anführer der Söldner und der verräterischen caronischen und thalionischen Garden wurden nach einem Prozeß gemäß Kapitel Zwei, Artikel Zwei der Halsgerichtsordnung verurteilt und hingerichtet. Obwohl man die ganze Stadt über Tage hinweg gründlich durchsuchte, konnte man den Anführer der Putschisten nichts dingfest machen. Vermutlich nutzte er die Wirren der Schlacht, um sich abzusetzen. In den Gemächern Anholts fand man indessen leere Geldsäcke, die das Wappen der Baronie Carajon trugen. Diese könnten vielleicht ein Anhaltspunkt für ein Fluchtziel sein.

Gilbert von Dachsrode zum Baron ernannt

"Am achtzehnten Tag des zweiten Helios nach der Erleuchtung fand in einem Feldlager, einen halben Tagesmarsch von Caronburg entfernt, meine Ernennung zum Baron statt. Anläßlich dieses besonderen Tages und der Tatsache, daß Markgraf Kalveram heute höchstpersönlich mein Ehrengast sein würde, hatte ich den Befehl erteilt, die provisorische Unterkunft, da Caronburg ja erst vor kurzem zurückerobert wurde und somit für solch einen Anlaß zur Zeit leider nicht geeignet war, bestmöglich auf dieses Ereignis vorzubereiten. Ich ließ fünfzehn Fässer des erlesenen Tatzelfelser Honigmeths aus den Vorräten des tharagonischen Kellermeisters Gieselbrant holen und wies meine Leibköche an, nur die dicksten Wildschweine des ganzen Landes zu servieren. Außerdem beauftragte ich mehrere Reiter mit Kutschen in die Stadt zu fahren, um mit den hübschesten Frauen zurückzukehren, deren Anblick meine adligen Gäste und meine Kampfgefährten erfreuen sollten.
Als die Sonne im Zenit stand, ließ ich erneut den zunfthöchsten Schneider kommen, um mein fertiggestelltes Festtagsgewand anzulegen. Es stellte sich heraus, daß das Versehen des schwarzen Brokats mit meinem Wappen, dem silbernen Dachs, eine Meisterleistung war. Auf dem Rückenteil, den Enden der beiden Ärmeln und an den Knöpfen war der Dachs zu erkennen.
Der Schauplatz der Zeremonie, eine etwa 50 mal 50 Schritt große Fläche, war bereits abgesperrt worden, damit niemand aus dem Volk den Festakt stören würde. Am Kopfende dieser Fläche waren drei lange Tische in U-Form aufgestellt worden, wobei der Markgraf Kalveram und ich in der Mitte des mittleren Tisches sitzen würden. Neben uns waren für Baron Hagen von Grauburg und seinen Bruder Hadebrand, der Ordensmarschall der Templer zu Ankur, Plätze reserviert. In unserem Sichtfeld würden dann die Veranstaltungen am Besten zu sehen sein. So sollten doch schließlich Gaukler, Musiker und Tänzerinnen ihr Können demonstrieren.
Als ich gerade Männer auswählte, die später meine Ernennung zum Baron der westlichen Ländereien Norrland-Brassachs in ganz Heligonia verkünden sollten, kündigten mir Fanfaren die Ankunft des Markgrafen an. Ich eilte ihm und seinem Troß entgegen und sank ehrfürchtig auf die Knie. Die Fläche um den Schauplatz herum füllte sich schnell bis zum Bersten mit Schaulustigen, so daß der Markgraf seine Stimme erheben mußte, als er meinen dargebotenen Gruß erwiderte. Ich erhob mich und folgte ihm zu dem eigens errichteten Podest am Fußende des Platzes. Dort kniete ich erneut nieder und vernahm gespannt seine gut gewählten Worte. Nachdem ich den Lehenseid als Baron der westlichsten Baronie der Markgrafschaft Norrland-Brassach geschworen hatte, durfte ich mich wieder erheben. Als ich nun aufstand, war ich der Baron von Dachsrode!
Nach dieser Zeremonie bat ich zu Tisch. Auch die Rangobersten der Stadt und angrenzenden Baronien waren eingeladen, die sich nun mit den anderen hohen Gästen über das Festtagsmenü hermachten. Zu später Stunde lockten in unserer Mitte die Mädchen zum Tanz.... "

Ein persönlicher Eintrag Baron Gilberts von Dachsrode
in der Chronik der Familie Dachsrode

Drachenhainer Herold

Hochverrat in Drachenhain - der Aufstand der Baronie Wolfenfeld

Ihr, der geneigte Leser, werdet in den folgenden Zeilen Antworten suchen. Antworten auf Fragen, die sich auf die letzte Ausgabe des Helios-Boten beziehen, genauer auf den Beitrag mit dem Titel: "Letzte Meldung". Hier war von großer Schuld die Rede, von Komplott und von bewaffnetem Widerstand. Alles Dinge und Umstände die eigentlich näherer Erklärung bedürften. Leider wird es uns auch jetzt nicht möglich sein, die genauen Hintergründe dieses Konfliktes zu offenbaren, Eure Fragen bleiben offen. Seine Hochgeboren Graf Waldemar von Drachenhain hält wachsam seine Hand über sämtliche Erklärungen. Denn eine allzu große Gefahr für die Grafschaft birgt im Augenblick jegliche Bekanntmachung.
Deshalb werden hier und jetzt nur getreulich die bloßen Fakten wiedergegeben - was im Grunde zu wenig ist, um wesentliche Aufklärung zu betreiben, was auf der anderen Seite aber viel zu viel ist, um verschwiegen zu werden.
Schreiber Vilpo Deldinger, gegeben am 19. Tag des III. Helios

Die Zeittafel der Ereignisse:

27. Tag des 1. Helios n. A.III 27
Graf Waldemar befiehlt seine Vasallen auf die Drachentrutz. Seine Hochgeboren klagt öffentlich Baronin Josephina des Hochverrates an, enthebt sie aller Ämter und fordert sie auf, sich am 20. Tag des III. Helios, vor der Stadt Sarniant dem Drachenhainer Heer zu stellen. Alle Handlungen des Ogedenbundes, wessen Haupt sie derzeit ist, werden auf Drachenhainer Boden untersagt.

4. Tag des 2. Helios n. A.III 27
Der Graf von Drachenhain warnt die direkten Nachbarn Wolfenfelds vor einer möglichen Flucht seiner Nichte und rät vor jeglicher Hilfeleistung, Josephina gegenüber, ab.

7. Tag des 2. Helios n.A.III 27
Graf Waldemar bittet Baronin Angharad Elanor von Emarania, die in ihrem Land stationierten und kurz vor ihrer Rückführung zurück in die Grafschaft stehenden, Wolfenfelder Soldaten, für die Dauer des Konfliktes in ihrem Land zurückzuhalten.

10. Tag des 2. Helios n.A.III.27
Lord Angus McPhee trifft auf der Drachentrutz ein. Graf Waldemar macht den Baron von Tagil zu seinem Schwertführer für die Zeit bis Prinz Leomar wieder zurück ist.

18. Tag - 27.Tag des 2. Helios n.A.III.27
Nach und nach treffen die Drachenhainer Vasallen auf der Feste Drachentrutz ein.

11. Tag des 3. Helios n. A.III. 27 Ein furchtbarer Zwischenfall: Der Edle Khadan, ein Vetter Baron Jagons von Hochaskenstein
, zieht auf eigene Faust und ohne jegliche Order mit seinen Soldaten, über St. Aluin und Lindfurt, auf dem Brazach nach Wolfenfeld und greift dort die kleine Ortschaft Wiesensteig im Lande Korvall an. Nach geringer Gegenwehr wird das Dorf vollständig niedergebrannt, zahlreiche Menschen kommen ums Leben. Plötzlich jedoch verdunkelt sich das Antlitz Helios, starker Nebel kommt auf, die anschwellende Flüsse zwingen die Angreifer zur Umkehr. Man flüchtet zurück auf die Schiffe in Richtung Hochaskenstein. Während dessen wird die Wolfenfelder Wehr mobilisiert, auch Angaheymer Truppen eilen zu Hilfe. Die in der Eile zurückgelassene Vorhut Khadans, wird vernichtend geschlagen. In Sarniant legen zur gleichen Zeit Angaheymer und Wolfenfelder Schiffe ab und verfolgen eilends die Angreifer. 12. Tag des 3. Helios n.A.III 27

Im letzten Augenblick erreichen die flüchtenden Hochaskensteiner Lindfurt, wo sie von den
Stadtoberen aufgenommen werden. Die Verfolger fahren mißmutig wieder zurück. Als man von dem Angriff auf das Dorf Wiesensteig erfährt, nehmen die Lindfurter Truppen die Schuldigen in Gewahrsam. Khadan von Hochaskenstein entzieht sich feige seiner Strafe, indem er sich in einem unbewachten Augenblick in den Brazach wirft.
Karr der Jäger nutzt inzwischen die Gelegenheit. Er bedient sich einer List und passiert mit seinen Schiffen die Sarnianter Enge.

15. Tag des 3. Helios n.A.III. 27
Baron Jagon von Hochaskenstein muß sich für die Taten seines Vetters verantworten. Seine Hochwohlgeboren sagt aus, sein Verwandter habe offenbar versucht für das große Drachenhainer Heer eine Bresche ins Wolfenfelder Land zu schlagen, um somit seinem Herrn taktische Vorteile zu verschaffen.
Seine Hochgeboren verurteilt den Angriff der Hochaskensteiner zutiefst. Die Baronie wird zu hohen Reparationszahlungen verurteilt und muß das zerstörte Dorf komplett neu aufbauen, weiterhin muß Hochaskenstein künftig die Schwarze Sonne als Wappenzeichen tragen. Nach Khadan soll im gesamten Königreich gefahndet werden.
Obwohl sich die kritischen Stimmen gegenüber Graf Waldemar mehren, weicht dieser nicht von seinen Ansichten.

Am 20. Tag des 3. Helios n. A.III. 27 wird das Drachenhainer Heer gen Sarniant
ziehen, dort muß Josephina ihrem Onkel Rede und Antwort stehen.

Sequere aut secede – Folge oder weiche!
Mit dem Wahlspruch von Wolfenfeld und der OfH in eine ogedische Zukunft. ___________________________________________________________________________

Der Konflikt geht weiter!

Nachdem der Redaktion des Heligonischen Boten zuteil wurde, daß der Verfasser des Berichts "Brüderzwist in Hautzensteyn..." im Kerker sitzt, konnten wir eine Stellungnahme von Cederric von Hautzensteyn erhalten.
Diese Stellungnahme hätte eigentlich bereits im Boten 27 erscheinen sollen. Es ist unklar, wer ihr Erscheinen verzögert hat.
" Es ist wohl wahr, daß Koldewaith und ich uns zu Zeit nicht sehr wohl gesonnen sind, aber daß wir uns seit dem Adelstage nur gestritten haben, ist eine Lüge. Koldewaith und ich haben nur keinen Weg gefunden, unsere Meinungen auf einen Nenner zu bringen, doch seitdem ich erfahren habe, daß mein geliebter Bruder meine Studien auf der Akademie zu Escandra anzweifelt, kann ich nicht mehr von einem gemeinsamen Bemühen ausgehen. Aus meiner Sicht möchte ich gerne wissen, was uns beide so weit auseinander gebracht hat. Ich verstehe zum Teil die Welt nicht mehr. Habe ich nur einen falschen Traum oder ist dies die Realität....
Koldewaith hat sich so stark verändert seit meiner Zeit auf der Akademie. Koldewaith, was ist wirklich in Luchnar geschehen? Ich vermisse meinen Bruder, den ich so sehr geschätzt habe. Und außerdem, wie kann seine Hochwohlgeboren zu Luchnar Freundschaft haben mit Leomar? Ist Leomars erster Ritter nicht Cawadoc Gwar U'Mad, welcher der Auslöser war, daß ich Luchnar verlassen mußte! ..."

Karr von Trisselbach auf dem Weg nach Escandra

Als die Wolfenfelder Truppen nach Süden zogen, um die Heimat zu verteidigen, und Tallrim Stabschwinger mit mehreren Schiffen ebenfalls nach Korval aufbrach und den Sarnianter Hafen verließ, nahm Karr von Trisselbach die Gelegenheit wahr, mit seinen Schiffen durch die Enge zu verschwinden. Dort wurde er zwar von Jareck von Jolberg und einem Teil der Ostarischen Flotte in Empfang genommen, befindet sich aber nun dennoch mit einem starken Heer auf dem Weg zur Hauptstadt. Er konnte die Bedingungen des Flottenvertrages zwar umgehen, indem er die Schiffe einzeln und im Abstand von mehreren Stunden die Brücke passieren ließ, wird aber Dank der Ostarischen Flotte große Mühe haben, seine Streitmacht wieder zu vereinigen. Die wenigen im Hafen verbliebenen Wolfenfelder Soldaten mußten den Triumph des Hexenjägers wutentbrannt mitansehen, konnten ihn aber nicht verhindern. Wie wird Seine Majestät auf diese ausländische Privatarmee in Heligonischen Gewässern reagieren? Besteht eine Bedrohung für die Hauptstadt? Nun liegt der Ausgang der Sache in den Händen Jolbergs und der Ostarischen Flotte.

Richtigstellung zum Heliosboten 26: Helos-Weg eröffnet

Diese Stellungnahme war datiert auf den 1. Poëna n.A.III 26 und hätte somit im Boten 27 erscheinen müssen. Jedoch wurde sie erst jetzt in der Gürteltasche eines jungen Mannes gefunden, der wohl einem Hinterhalt zum Opfer gefallen ist. Warum der Nachrichtenbringer, der sich auf dem Weg von Drachenhain nach Escandra befand, ermordet wurde, kann nur spekuliert werden. Auch ist nicht klar, ob die Nachrichten, die bei ihm gefunden wurden, vollzählig waren. Zumindest haben sich die Täter nicht für seinen Münzbeutel interessiert, welchen er noch an seinem Gürtel trug.
Hier nun die Nachricht, die jetzt vielleicht etwas aus dem Zusammenhang fällt.

Der Schreiberling, der behauptet, auf dem Meilenstein in Escandra stehe nur ,,Helos-Weg", gehörte wohl nicht zu den Frühaufstehern! Anders ist es kaum erklärbar, warum der vollständige Name unterschlagen wurde. Richtig muß es nämlich heißen: Der Helos Aximistilius-Weg wurde eröffnet. Das hängt mit dem Bau einer gewissen Al von Drachentrutz nach Escandra zusammen, die zu zwei Dritteln auf der Trasse verläuft. Diese mündet nämlich in Tatzelfels in den alten Helos-Weg ein, der (immer noch) unter diesem Namen nach Süden führt. Um den alten und den neuen Namen zu verbinden, wählte man für die Teilstrecke Escandra-Tatzelfels den Namen "Helos Aximistilius-Weg". Besagter Schreiber hat also entweder den Bau der Al verschlafen oder gehört zur Partei der alten Beridhaner, die den Namen Helos-Weg wohl gerne wiederhaben würden.
Josephina von Drachenhain
Baronin von Wolfenfeld

Was man aus einem Hochwasser Erstaunliches schließen kann

Heftige Regenfälle führten kürzlich wieder zu einer viertägigen Sperrung des Brazach in der Sarnianter Enge. Die üblichen Maßnahmen wurden getroffen, um mögliche Schäden in Grenzen zu halten: Die Flußkrebszüchter verpacken ihr Kapital in Käfigen, der Feldsalat wird aus dem Gemüsegarten gerettet und die Hühner werden zum höhergelegenen Nachbarn gebracht. Was für die Menschen am Brazach lästige Notwendigkeit ist, schien aber gewisse Besucher aus dem Ausland unangenehm zu überraschen, und so kam es in Sarniant doch noch zu einiger Aufregung: Herr Karr von Trisselbach (von wo??), der zur Zeit mit einigen Schiffen vor der Stadt ankert, wurde von den Wassermassen gänzlich überrascht und sah sich ungewohnten Problemen gegenüber. Die starke Strömung drohte die Schiffe abzutreiben, und erst durch langwierige Arbeit konnten sie mit weiteren Trossen an Land gesichert werden. Die Mühe hätte man sich jedoch sparen können, wenn dem schnell steigenden Wasserpegel mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre. Daraus jedoch ein Drama an schwarzen Künsten zu machen, deutet wohl auf langsam blankliegende Nerven hin: Nebel ist ganz normal, wenn die erste Flutwelle kommt, Donner übrigens auch, schließlich ist die Brücke im Weg und da staubts und krachts eben ein wenig. Daß kurz darauf ein heftiger Hagelschauer niederging, war Zufall, kommt aber auch hin und wieder vor. Beides ist für erfahrene Seeleute höchstens ärgerlich, aber nicht gefährlich, doch hat man seit längerer Zeit den Eindruck, daß sich solche nicht unter Herrn Karrs Leuten befinden. Die Behauptung, Herr Karr dürfe sein Schiff nicht verlassen, kann leicht widerlegt werden: Eine Nachfrage bei der Stadtwache ergab, daß kein Befehl dieser Art vorliegt, einen Landgang seinerseits zu verhindern. Zudem ist bei genauerer Betrachtung die Entscheidung Josephinas durchaus einleuchtend: Schließlich handelt es sich um eine ansehnliche ausländische Streitmacht, die von wer weiß wo kommt und Richtung Escandra will. Vermutlich liegt keine königliche Einladung an Herrn Karr vor, sonst wurde man ihn passieren lassen. Vor wenigen Tagen traf Baron Jareck mit dem Flaggschiff der Ostarischen Flotte in Sarniant ein, sicher ebenfalls ein Zeichen für die angespannte Lage und das Mißtrauen, das man auch in Ostarien Herrn Karr und seiner Privatarmee entgegenbringt.
Brennus Palimpsest

Verräterischer Angriff auf Wolfenfeld

Entgegen allen gräflichen Zusagen griffen am 11. Tag des 3. Helios Teile der Drachenhainer Truppen die Baronie Wolfenfeld an. In der Nacht landeten mehrere hundert Bewaffnete am Ufer des Brazach im Korvaler Land. Die Einwohner des kleinen Dorfes Wiesensteig wurden im Schlaf überrascht und brutal niedergemacht, 65 Menschen starben, nur sieben gelang die Flucht in die Nacht. Das Feuer der brennenden Hütten wurde bis nach Korval gesichtet, Arianne Lomont schickte sofort ein Fähnlein Soldaten zu Hilfe, da der Grund für das Unglück nicht ersichtlich war. Erst als man Kampfgeräusche vernahm, wurden Boten nach Sarniant entsandt. Dort reagierte man zutieftst bestürzt auf den hinterhältigen Wortbruch des Grafen, hatte er doch einen Waffenstillstand bis zum Ablauf des Ultimatums am 20. des Mondes zugesichert. Kurz darauf schwärmten mehrere Reiter aus und Schwertrat Tallrim eilte zum Hafen hinunter, um die Schebecke und einen der Angaheymer Drachen zu bemannen. Drei Stunden später lief er mit einer kleinen Flotte flußabwärts aus. In der Zwischenzeit waren die Abordnungen von Berom Luchs und Bogenschützen aus Eberwildern unter der Führung von Eril Griebenstein eingetroffen, so daß sich ein Zug von 180 Fußsoldaten ebenfalls nach Korval aufmachte. Ich schloß mich den Heilern an, um bei den weiteren Ereignissen dabei zu sein. Durch Späher erfuhren wir, daß es sich bei den Angreifern um Soldaten des Barons von Hochaskenstein handelte, die auf Lindfurter Schiffen den Brazach aufwärts gekommen waren, und daß sich eine Vorhut von 35 Mann auf uns zu bewegte. Unsere Baronin befahl Kampfbereitschaft, als plötzlich erschrockene Stimmen laut wurden: Ein finsterer Schatten jagte über das Land, hüllte uns ein und warf alles in nächtliche Dunkelheit. Viele von uns fielen vor Entsetzen auf ihre Knie und flehten zu Helios, er möge sein Angesicht wieder enthüllen und uns sein Licht schenken. Erst nach bangen Augenblicken verschwand der Schatten, es wurde wieder Tag, nichts deutete mehr auf den vergangenen Schrecken hin. Verwirrt und voller Angst standen wir alle und suchten nach Erklärungen für den Zorn der Götter. Da sahen wir, daß in der Senke von Wiesensteig dichter Nebel lag und der Hirschbach über die Ufer getreten war. Wir blickten zu Josephina, der Hochgeweihten, doch diese rief nur wütend "Die Götter sind auf unserer Seite! Tod den Ceriden!"
und preschte los, mitten hinein in die feindliche Vorhut. Grarim Eisenfaust fluchte und gab das Zeichen zum Angriff. Nach kurzem, aber heftigem Kampf war von den Hochaskensteiner Soldaten keiner mehr am Leben, die Verluste bei uns waren nur gering. Im selben Augenblick traf ein 200 Mann starkes Heer aus Angaheym unter der Führung von Leif Stahlschulter, dem Vetter Josephinas, ein. Wir alle, einschließlich der Baronin, waren überrascht von der unerwarteten Hilfe unserer Nachbarn. Leif äußerte sich in höchst unziemlicher Weise über den Grafen und sicherte weitere Unterstützung zu. Darüber waren wir sehr erleichtert, denn niemand kannte die genaue Zahl der Feinde. Wir näherten uns der Nebelwand, die Wiesensteig umgab, doch niemand wagte sich hinein. Es war offensichtlich, daß die übrige Drachenhainer Streitmacht bereits die Flucht ergriffen hatte, als sich Helios vor Zorn über ihre Schandtat verdunkelte. Graf Waldemar hatte mit einem Angriff gedroht, wenn von Wolfenfeld eine kriegerische Handlung ausginge. Daß aber der Graf selbst sein Wort brechen würde, hatte niemand zu denken gewagt. Eine friedliche Lösung dieses Konfliktes am Tag des Ultimatums ist nun wohl in weite Ferne gerückt...
Brennus Palimpsest

Der Konflikt geht weiter (2)

Der Artikel meines Bruders wurde mir vor dem Erscheinen in diesem Helios-Boten bekannt; deshalb dieser prompte Kommentar. Ich möchte betonen, daß ich nicht für die Verzögerung des Erscheinens verantwortlich bin. Dennoch halte ich es nicht für sinnvoll, Hautzensteyner Diskussionen über den Boten in die Öffentlichkeit zu tragen. Cederric hat die passende Antwort erhalten.
KvH.

—— Hochland —— Letzte Meldungen ——

Bisher weder Krieg noch Frieden im Hochland - die Clans nach wie vor im Waffenstand -Foranan Mc Donough und Koldewaiht von Hautzensteyn nebst etlichen Kriegern durch Konflikt um Josephina von Drachenhain abgelenkt - vermutlich deshalb immer noch status quo - keine Aufklärung der Todesfälle - luchnarer Druidh bezeichnen Hochlandkonflikt als nicht von den Göttern gewollt - steht erstmals direktes eingreifen der Druidh bevor? Cederric von Hautzensteyn hat Luchnar verlassen - will sich anscheinend mit Foranan Mc Donough Baron zu Flaitney treffen - es ist unklar, ob der bekannte Zwist mit seinem Bruder, die bisher vergeblichen Schlichtungsversuche im Hochlandkonflikt oder das Wolfenfeld-Problem Hauptgrund hierfür sind.

Angaheymer Rufhorn

Allthing

Einen Tag vor dem letzten Vollmond waren Läufer in ganz Angaheym unterwegs. Leif Stahlschulter hatte nach langer Zeit das Allthing berufen.

Bei Anbruch der Dämmerung strömten alle Wehrfähigen und auch die Alten Angaheyms zum Thingplatz in den Bergausläufern. Fackeln erleuchteten den Weg und ein großes Feuer brannte auf der Stätte der Gerichtsbarkeit. Die, die ankamen, riefen ihrem Sippenvorstand ihren Namen, jene, welche bereits dort waren, tranken vom Ischgi oder zogen an ihrer Pfeife. Jeder hatte Schild und Schwert vor sich liegen und wartete mit Spannung auf den Beginn des Things.
Sorge, Gram und vielleicht ein wenig Zorn schien den Sippenoberhäuptern in die vom Feuerschein erleuchteten Gesichter geschrieben.
Ein Allthing bedurfte immer besonderen Geschehnissen. Und solche gab es wahrlich zu berichten. Nachdem sich alle versammelt hatten, eröffnete Thorkar Mauerbrecher, Oberhaupt von Aithil die Versammlung, hob das Horn und bat Leif Stahlschulter auf den Felsen. Dieser begann von den Ereignissen:

"Freunde aus Aithil und Lairg, Brüder aus Skagen und Maerach! Angaheymer!
Hört die Ereignisse aus unserer Nachbarschaft. Waldemar, der alte Graf, hat Josephina, Mitglied meiner Sippe und Baronin von Wolfenfeld ihrer Titel enthoben und des Hochverrats bezichtigt. Er unterstellt ihr den bewaffneten Aufstand und steht mit einem großen Drachenhainer Heer bei Drachentrutz. Und er hat es gewagt, sowohl meine Base als auch deren Mutter und damit meine gute, verstorbene Tante Gwendolyn, die Tochter eines unserer alten Fürsten zu beleidigen.
Auch hat er sich erhoben, unserem derzeitigen Thingsprecher Thorkar zu drohen. Ein Graf! Er scheint zu wissen, daß Nial nicht unter uns weilt und nun wird er alte Mann dreist. Er hat uns gewarnt, Josephina zu unterstützen.
Aber sie stammt aus Angaheym. Und wenn sie in ihrer Heimat Zuflucht suchen wird, so sage ich, daß der, der ihr diese verwehrt, kein Angaheymer sein kann!"
Sofort brach Unruhe über die Nachricht aus und keiner, der nicht lauthals, die Zornesröte im Gesicht, seine Zustimmung bekundete. Auf ein Zeichen des Redners beruhigten sich die Aufgebrachten langsam wieder:
"Aber der alte Sturschädel wird sich wundern. Thorkar und ich haben bereits Boten entsandt. Asker ist bereits auf dem Weg nach Drachentrutz, um Waldemar vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Hierbei komme ich auf Nial zurück:
Sonia aus Wildpirsch und einer unserer Grubenzwerge, nämlich Grimbold Großaxt sind auf dem Weg zu ihm. Ins Herz des legendären Zwergenreiches von Doromanosch."

Gemurmel und Geklirre machte sich unter den Anwesenden breit.
"Dorthin brach unser Fürst vor drei Monden auf um den Zwergen in deren derzeitiger Lage zur Hand zu gehen. Aufgrund eines über 400 Jahren alten Vertrages zwischen Zwergen und Pruzzen war er verpflichtet, als Oberster der verbliebenen Pruzzen dem kleinen Volk zur Hand zu gehen. Ich denke, daß ich im Namen aller spreche, wenn ich hoffe, daß das alte Band unserer Völker erneuert werden kann!"
Die Krieger sprangen auf, Jubel wurde laut, die Waffen schlugen aneinander, Hörner wurden in die Nacht erhoben und die Alten nickten wissend im Schein des Feuers. Die Sippenvorstände blickten sich zufrieden an.
Thorkar erhob sich nach einer Weile und gebat Ruhe.
"Angaheymer! Dies ist unsere momentane Lage: Der alte Graf schien vergessen zu haben, daß der Waffenmeister von Wolfenfeld ein Angaheymer ist. Daher spreche ich folgendes: Die Schlucht wird sofort verstärkt. Alle Wehrfähigen befinden sich ab jetzt in Bereitschaft. Wir werden diesem Drachenhainer beibringen, was es heißt, die Ehre Angaheyms durch den Dreck zu ziehen!"
Das Feuer loderte auf, Funken stoben in die Nacht und Sackpfeifen und Trommeln stimmten einen Kriegsgesang an, daß der Talkessel erbebte. Waldemar würde seine Lehre erhalten... !

Der alte Mann, der das Thing erlebte

Herzögliche Ostarische Hofgazette

Ehrenvoller Abzug der Drachenhainer Truppen aus Emarania

Seit Ende des Teemooranienkonfliktes waren es Drachenhainer Soldaten, die im Auftrage des Ostarischen Herzoghauses in der Baronie Emarania für Ruhe und Ordnung gesorgt hatten, was der königlichen Armee erlaubt hatte, ihre Bemühungen ganz auf Hohenforingen und Lodenburg zu konzentrieren. Aber damit nicht genug: Die Drachenhainer sorgten dafür, daß das vom Krieg in Mitleidenschaft gezogene Straßennetz wieder instandgesetzt und sogar erweitert wurde. Darüberhinaus wurde unter der Leitung des Grafen Waldemars und seines Sohnes Leomar dafür gesorgt, daß die Bevölkerung von Emarania sich trotz der ungewissen Zukunft eifrig um das Einbringen der Ernte kümmerte und es so nicht zu einer katastrophalen Hungersnot kam.
Wie es in den Abmachungen mit Regentin Walluma von Ostarien festgelegt worden war, ist die Zeit der Drachenhainischen Verwaltung mit der Einsetzung Angharad Elanors als regulärer Baronin nun zu Ende. Voller Dank für die uneigennützige Unterstützung eines Ostarischen Landesteils in den Zeiten der Not veranlaßte die Herrin Ostariens die Verabschiedung der Mannen Graf Waldemars in Form von ausgiebigen Feierlichkeiten zu begehen. Ein herzöglicher Abgesandter sprach besonders den Drachenhainer Baronen, die ihre Truppen zur Verfügung gestellt hatten, den außerordentlichen Dank Herzog Angilbert I. aus.
Die Drachenhainer Einheiten werden, gemäß den herzöglichen Auflagen für Emarania, durch Soldaten ersetzt, welche direkt dem Generalzeugmeister unterstellt sind. Vorerst fünfzig Mann Leibwache stehen unter dem Befehl der Baronin. Die ostarischen Verwalter, welche bisher den Drachenhainern zur Seite gestellt waren, werden vorerst auch weiterhin im Lande bleiben und ein Auge auf das Geschehen in Emarania werfen.

Bekanntmachung über die Inbesitznahme des Herzog-Uriel II.-Atolls

Jüngst erreichte die unter dem Kommando eines ostarischen Kapitäns stehende Darborkogge Ubena von Marola eine bis dahin nicht ausdrücklich in heligonischem Besitz stehende Insel, gelegen in der Jolsee vor der Küste Darians.
Der im Auftrag des Herzogs mitreisende Jorkil Güldentaler (in der Mannschaftsliste unter "Leutnant der Seesoldaten" aufgeführt), als einziger mit der notwendigen Handhabe zur ordentlichen Landnahme gemäß KHSg (Königlich Heligonisches Seegesetz) agierend, nahm das Eiland unter Zuprotokollgebung folgender Einzelheiten für Ostarien in Besitz:

Rechtsvorgang: Inbesitznahme einer Insel
Durchführender: Jorkil Güldentaler (Bevollmächtigter)
Zeugen: Kapitän (der hier nicht näher genannt werden darf); Haakon, Schiffsarzt; McBrain, Profos
Rechtsmittel: Handlungsvollmacht des ostarischen Herzogs

Ort: Der Durchführende hielt das Zeremoniell auf der Ubena von Marola ab, was gemäß Art. XII des Königlich-Heligonischen Kolonialgesetzes (Eigenschaft ostarischer Boden) als räumliche Berechtigung zur Landnahme gilt (Sichtbarkeit vom eigenen Herrschaftsgebiet).

Datum: 30. Tag des 3. Helios des Jahres 27 nach Helos Aximistilius des III.

Zeremoniell: Berufung der Zeugen
Ansprache des Kapitäns
Inbesitznahme durch den Bevollmächtigten
Getränk: Schädelspalter (Jolberger)

Nach der Rückkunft wurde das Eiland im Einvernehmen mit Regentin Walluma als "Herzog-Uriel II.-Atoll" im Königlich Heligonischen Liegenschaftsamt zu Escandra als ostarisches Lehen dem Heligonischen Besitz zugefügt. Die Auflassung durch seine Majestät erfolgte zum 1. Xurl des Jahres 27 nach H. A. III. Der Direktor des Liegenschaftsamtes lobte die durchführenden Personen und hob die vorbildliche und in allen Punkten juristisch korrekte Vorgehensweise des Bevollmächtigten hervor. Dies sei, so der Direktor, die erste rechtlich tadellose Landnahme seit der Eroberung von Brazfurt in den Nordlanden vor nunmehr 400 Jahren.
Über ihre weiteren Pläne mit der Insel gibt die Herzogsfamilie noch keine näheren Auskünfte. Es sei vorerst als ostarisches Krondepardtement dem Herzogshaus direkt unterstellt und soll in Bälde möglicherweise von einem noch zu benennenden Gouverneur verwaltet werden.
Die Fläche der Insel übertrifft die Größe des Stadtgebiets von Ankur gering. Es findet sich eine Erhebung im Süden, die Küste fällt im Südosten steil ins Meer ab, das Klima ist feuchtwarm. Die Insel ist gänzlich bewaldet, besondere Rohstoffe wurden nicht gefunden, es gibt keine Eingeborenen. Im Nordwesten bildet der Uferverlauf eine flache Bucht, die als Hafen benutzt werden könnte.

Lang lebe Herzog Angilbert I.!
Amtsrat Norrbarth Kesselflicker
Herzöglich-Ostarischer Marinekurierdienst
Amt für öffentliche Information

Amtliche Bekanntmachung

In meiner Eigenschaft als ostarischer herzöglicher Hofchronist und somit höchstgestellter zur Verfügung stehender ostarischer Beamter habe ich aufgrund der andauernden Unruhen in der Provinz Kendhas-Pailat in Abwesenheit der Regentin Walluma und des Baronatsverwalters Iklan Jhulym folgenden vorläufigen Erlaß verfügt:

1. Alle von den schändlichen Umstürzlern im Rahmen ihrer verurteilenswerten Revolte gegen die Obrigkeit unternommenen Handlungen verstoßen gegen Heligonisches Lehensrecht und Ostarische Rechtsprechung gleichermaßen und sind von mir in diesem Sinne mit sofortiger Wirkung als nichtig erklärt. Den Verantwortlichen wird gemäß der Ostarischen Heeresurkunde der Prozeß gemacht.
Die Verantwortlichen werden mit sofortiger Wirkung festgesetzt und ihres Besitzes und aller Bürgerrechte enthoben. Drei der Anführer haben sich des Verrats auf Herzöglicher und Baronatsebene in Tat und Wahrheit hauptverantwortlich schuldig gemacht und sollen mit sofortiger Wirkung auf dem Blutgerüst zu Yaldering vom Leben zum Tod gebracht werden. Die übrigen werden nach Ankur gebracht, wo sie sich im Frohndienst der Herzogsfamilie an ihrem Leben verdient machen dürfen.
2. Das gesamte Lehen soll umbenannt werden. Die Bezeichnungen Kendhas Pailat, Vernmark oder Neuburg sind aufgehoben. Ab dem 3. Xurl soll es mit einem Namen benannt werden, den der Pailat im Einvernehmen mit dem Stadtrat von Yaldering bestimmen wird.
3. Diejenigen Siedler, die sich unter dem Heerbann des ostarischen Generalfeldzeugmeisters Jareck von Jolberg im Jahr 26 nach Helos Aximistiliux des III. für die Eroberung der damals "Ödlandberge" genannten Landstriche verdient gemacht haben, werden mit ihren Familien die von Herzöglicher Seite erteilte unveräußerliche Erlaubnis erhalten, innerhalb der Grenzen des Lehens Siedlungen zu gründen, die unter dem Recht der Haga Steuerfreiheit und innere Selbstverwaltung genießen werden.
Neugegründete Haga erhalten zum 2. Xurl die Freibriefe, die die genauen Regulierungen zum Inhalt haben werden. In jedem Fall werden sie als Wehrdörfer dauerhaft zur Verteidigungspflicht herangezogen.
4. Yaldering wird zur Freistadt erhoben werden. Damit genießt sie verminderte Steuerpflicht gegenüber dem Pailat, nicht aber dem Herzogshaus und sie wird fürderhin das Recht erhalten, sich nach innen in noch zu verfügendem ordentlichen Maße selbst zu verwalten. Des weiteren ist es der Freistadt Pflicht und Schuldigkeit, ihren dem Herzogshaus verbrieften Wehrauftrag gegen die böslichen Angriffe aus den verderbten Ödlanden treu mit Leib und Leben zu erfüllen. Auch dies wird im einzelnen noch bestimmet werden.
Die Stadt erhält zum 2. Xurl die Stadtrolle, die die genauen Regulierungen zum Inhalt haben wird.
5. Die gesamten Hochlande nebst der Stadt Galtur und dem Ort Kamar, ebenso die Vaitaschlucht und die Südhänge nach Arnach hin gehen in den direkten Besitz des Pailat.
6. Alle freien Bewohner des Lehens, ob Hochgestellte oder Bauern, Männer oder Frauen haben nicht nur das Recht, Waffen zu tragen, sondern auch die Pflicht, sie außerhalb der Siedlungen mit sich zu führen und die Bürgerschuld, sich nach rechtem Maß in ihrer Anwendung zu üben.
Von diesem Erlaß ausgenommen sind die Bewohner der Hochlande. Ihnen wie jedem Reisenden, der sie betreten will, ist es verboten, Waffen mit sich zu führen. Handlungen wider diese Regel werden strengstens geahndet.
7. Es herrscht die Freiheit des Glaubens. Die Baronatsverwaltung braucht keiner Glaubensgemeinschaft Zugeständisse jedweder Art zu machen. Es gibt folgende Sonderregelungen:
- In den dem Pailat direkt unterstellten Ländereien wird nur die Ausübung des ogedischen Glaubens geduldet. Dieser wird selbstverständlich durch die Ordensburg finanziert.
- Yaldering hat in ihrer Eigenschaft als eigenständige Provinzhauptstadt die Pflicht, alle im Stadtrat vertretenen Religionsgemeinschaften zu dulden und deren Angehörige in Fragen der Ausübung des Glaubens zu unterstützen.
- Die Haga haben sich in religiösen Dingen selbst zu organisieren.
8. Die Verteidigung des Baronats wird vom Herzogshaus verfügt und stellt die erste Pflicht jedes Bürgers dar.

Dieser Erlaß wird auf schnellstem Weg nach Ankur überstellt, um von der Regentin Walluma von Ostarien verbindlich befohlen zu werden. Er soll am ersten Tag des 2. Xurl in Kraft treten.
Außerdem soll der junge Ritter Roland Welheim, uns in dankenswerter Weise von seiner Hochwohlgeboren, Thioderik von Wälsung, Baron von Buchenfels, zur Verfügung gestellt, das weitere Umland erkunden und kartographieren. Namentlich das Hochland um den Pailat und die Stadt Galtur, die Vaitaschlucht samt Nebenschluchten und das noch vollends unbekannte Kallerfeld sollen von ihm erforscht werden. Sein Ziel ist es, unsere Kenntnis des weiteren Umlands bis an die Grenzen der Ödlande zu vergrößern und hernach mögliche Standorte für zwei neue Siedlungen im Osten und im Norden, namentlich Leiana und Malderpot, ausfindig zu machen.

Möge der Eine in seiner Gnade unsere Häuser segnen und alles, was darinnen ist!
Gegeben zu Yaldering, 2. Helios des 27 nach Helos Aximistilius III.

Karlon vom Storcheneck

Neues aus Emarania

Nach ihrer Rückkehr aus Escandra und Ankur hat Baronin Angharad Elanor ihre Regierungsgeschäfte wieder aufgenommen. Es gab keine Feierlichkeiten, lediglich ein Dankgottesdienst wurde in der Kathedrale von Wasserau abgehalten, in dessen Verlauf Oberst Valerian zum Ritter geschlagen wurde und die kleine Stadt Oberau mit dem inzwischen fertiggestellten Hafen zum Lehen erhielt.
Die drachenhainer Truppen haben mit dem Abzug aus Emarania begonnen, wobei die Abteilung der Wolfenfelder, die aus 50 Mann besteht, von Baronin Angharad nach Wasserau eingeladen wurde - zum Dank für die Hilfe Wolfenfelds in den vergangenen Jahren, wie man im Schloß verlauten ließ. Die Wolfenfelder folgten dieser Einladung freudig.

bazaar darians

Besonders aktuelle Zeitung aus allen Regionen Darians

OFH haben nix zu tun mit OfH

Gibt sich Leut wo fragen mich in letzte Monde, was ihr jetzt immer so komisch Sprüch in Helios-Bote? Musse sage: Sind nicht wir die da sprech und Onkel Faisals Helde sein gewesen da vor Ogede fon Heligonia - niemand Utzgan-Mannschaft so alt wie Onkel Faisals Helde. OFH-Spieler nix müsse sein Cerid oder Oged, OFH-Spieler müsse spiele gut oder zahle gut.

Issahg Ibn Trit An'Gehkna,
früher Spielführer von OFH, jetzt Führer von RAUSCH-Karawan
(Runderneuerte-Alt-Utzgan-SCHeiben)

OFH-Ersatz bei Turnier in Darian nur Dritter

Die ruhmreichen OFH hatten für das Turnier von Bar'Okklem nicht gemeldet. Da Onkel Faisal, der große Darianer aber persönlich zusah, stellte der einzige anwesende Spieler von Onkel Faithals Helden, Lavas, Sohn des berühmten Händlers Faramud, kurzerhand eine Ersatz-Truppe zusammen. Diese bestand vor allem aus Gelegenheitsspielern und erreichte unter dem Namen "Onkel Faisals Lieblinge” den 3. Platz.
Onkel Faisal bemerkte hierzu weise: " Hoher Einsatz auf Spielfeld und trotzdem verlieren – keine Schande für Darianer. Schande für Darianer ist, hoher Einsatz verlieren bei Wetten auf Spiel.”

Gestohlenes Kulturgut gerettet

Nachdem, wie im letzten Boten berichtet, eine der gestohlenen Mumien wieder aufgetaucht war, konnte anhand der Hinweise der Verbleib der anderen Mumie ausgemacht werden. Eine Spur führte nach Bahr Okkem, ein kleiner Ort nahe der Thaler Grenze. Vom Königshofe in Escandra wurde bereits ein Heliosritter entsandt, der das gestohlene Kulturerbe dort aufspürte, sicherstellte und für den König in Gewahrsam nahm.
Hasriella, Berichterstatterin zu Darbor

Schwarze Kilikia auf spektakuläre Weise entkommen

Entsetzen am Hofe von Darbor. Die berühmt berüchtigte Schwarze Kilikia, die blutrünstigste und gefährlichste Piratenkönigin aller Zeiten, die im Jahre 20 n. A. III bei einem ihrer Beutezüge von darianer Soldaten festgenommen wurde, hat es geschafft, auf spektakuläre Weise aus der gut bewachten Kerkerhaft in Darbor zu entkommen.
Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, wurde diese Flucht bis auf das kleinste Detail geplant. Berichten zufolge soll ihr ein Pirat namens Erk, der auch in Kerkerhaft gefangen war, zur Flucht verholfen haben. Dieser hatte sich mit Hilfe eines Mittels totgestellt. Eine leere Flasche mit Resten dieses Giftes wurde in seiner Zelle entdeckt. Ihm war es dann gelungen, auf dem Weg zum Poënagarten den Fuhrmann zu überwältigen. Als Wache verkleidet - aus der Rüstkammer wurde eine Brünne sowie Helm und Wappen der Garde entwendet - konnte er wohl bis zu ihrem Kerker vordringen. Die Wachhabenden an diesem Abend können sich aber an nichts mehr erinnern, allerdings rochen sie noch sehr stark nach Schädelspalter, als man sie am nächsten Morgen verhörte. Außerdem wurde festgestellt, dass dem Henker ein schwarzer Kopfsack fehlte, der dazu verwendet wird, die zum Tode verurteilten zur Hinrichtungsstätte zu bringen. So konnte sie unerkannt durch die gut bewachte Festung geführt werden.
Wachen bemerkten sie zwar bei ihrer Flucht über die Dächer von Darbor und versuchten sie zu verfolgen, jedoch verloren sie die beiden aus den Augen.
Seitdem fehlt von dem Piratenpärchen jegliche Spur, es wird aber angenommen, dass die Schwarze Kilikia ihren legendären Schatz, der auf einer unbekannten Insel im Kurihadi-Atoll versteckt sein soll, holen will. Vermutlich werden sie versuchen, ein Schiff unter ihre Gewalt zu bringen, um zu dieser Insel zu gelangen, die nur sie alleine kennt. Es seien hiermit alle Schiffskapitäne vorgewarnt, sich vor diesem sehr gefährlichen Pärchen in Acht zu nehmen und alles Ungewöhnliche unverzüglich in der Hafenmeisterei von Darbor zu melden. Jeder, der der verruchten Schwarzen Kilikia und ihrem Spießgesellen Unterschlupf, Nahrung, Kredit oder sonstige Hilfe gewährt, wird hart bestraft. Es sei hiermit ein Kopfgeld von Einhundert Dukaten auf die Schwarze Kilikia und ein Kopfgeld von Fünfzig Dukaten auf den Piraten Erk ausgesetzt.
Erkennungsmerkmale sind folgende:
Die Schwarze Kilikia dürfte wohl allen noch gut in lebhafter Erinnerung sein. Erk, der Pirat, ist ein guter Navigator und Steuermann und wird demnach wahrscheinlich auch als solcher versuchen, auf einem Schiff anzuheuern. Beide sind sehr gefährlich und bewaffnet.

Die Hafenkommandantur von Darbor

Wie aus einem hungrigen Burai ein brünftiger Elch wird

Ja, was soll ich sagen? Wieder einmal schien es, als ob es das Schicksal gut mit uns meint - zumindest am Anfang. Nun, da freuen wir uns schon auf das große Familientreffen der Ay-Bytans. Eine wahrhaft große Sippe, die über weitreichende Verzweigungen quer durch unser schönes Darian verfügt. Einzig der Ort, an dem unser Wiedersehen stattfinden soll, war noch nicht gefunden. Doch unsere Zuversicht auch dieses Hindernis noch aus dem Weg zu räumen, erwies sich als berechtigt. Am ersten Tage des zweiten Helios-Mond klopften wir an die Tür des Gasthauses "Zum hungrigen Burai". Kaum berührten wir die Tür, so ging sie mit einem lauten Knarren auf. Vorsichtig taten wir einen Schritt in die Eingangshalle und riefen nach den Besitzern. Kein Antwort, einzig ein paar kleine Kätzchen huschen aus der nun geöffneten Tür. Sollten etwa ein solch prächtiges Gasthaus unbewohnt sein? Den Eindruck hatte schon das ganze Dorf hinterlassen. Die Fensterläden geschlossen - die Türen verriegelt - keine Menschenseele, die uns Fremde neugierig angaffen. Hier mußte eindeutig ein Geheimnis gelüftet werden und zwar von uns, den unerschrockenen Mitgliedern der Familie Ay-Bytan. Zuerst muß natürlich überprüft werden, ob wirklich keiner da ist, damit man die Kasse, die sich auf dem Empfangstisch befindet, als Fundstück deklarieren kann. Zuerst warfen wir einen Blick in die Küche und erschauderten. Auf dem Boden lag die Leiche einer Frau, deren Gesichtsausdruck zu einer schrecklichen Maske verzerrt war. Ein solches Entsetzen packte uns, daß wir beinahe auf und davon gerannt wären. Aber eben nur beinahe, denn es war auf einen Blick zu erkennen, daß diese Frau zwar kein Blut vergossen hatte, aber dennoch keines natürlichen Todes gestorben sein konnte. Bei der weiteren Erkundung des Gasthauses fanden wir noch vier weitere Leichen, deren Antlitz ebenso entstellt war. Plötzlich war ein Geräusch aus einer der Dachkammern zu vernehmen. Mutig wagten wir uns hinein und entdeckten in einer Ecke kauernd einen Mann, der uns mit glasigem Blick anstarrte. Zitternd vor Angst drückte er sich an die Wand, während er unverständliches Zeug stammelte. Wir fragten nach seinem Namen, doch er zuckte nur mit den Schultern. Keiner unserer Fragen konnte er beantworten. Diesem Mann mußte geholfen werden, das war klar. Der Kleidung nach (und auch am schweren Beutel zu erkennen, der an seinem Gürtel hing) war es eindeutig der Wirt dieses Gasthofes. Doch in diesem Zustand konnte er doch das wunderbare Haus nicht mehr führen. Völlig selbstlos und ohne jeglichen Eigennutz beschlossen wir die Geschäfte in die Hand zu nehmen. Zuerst mußten die Leichen vergraben werden - wahrlich kein angenehmes Unterfangen. Danach gaben wir dem ehemaligen Wirt einen Namen, damit er auch hört, wenn wir nach ihm rufen. Hasan, so hieß er von da an, machte sich sogleich mal in der Küche nützlich, damit für die eintreffenden Gäste ein Mahl bereitstand. Flugs änderten wir das Schild am Eingang, denn wer will denn in einem Gasthaus einkehren, das "Zum hungrigen Burai" heißt? Kaum waren die nötigsten Handgriffe getan, so klopften auch schon die ersten Durchreisenden an die Tür. Wir fanden gerade noch Zeit einen Boten zu Zaak ay Bytan zu schicken, um ihm zu berichten, daß nun endlich ein Ort gefunden ward, der einem Familientreffen würdig ist. Von nun an ging alles ziemlich schnell. Immer mehr Gäste füllten das Haus, die Betten waren sogar doppelt belegt. Hier an der Grenze war doch mehr los, als wir dachten, denn selbst die Soldaten des Grafen nahmen bei uns Quartier. Sie seien zum Schutz gegen Übergriffe aus Thal hier. Weniger beruhigend war aber, daß Hasan immer wieder dumme Fragen bezüglich seiner Person stellte. Als sich ein arbeitsreicher Tag dem Ende neigte, waren wir reiche Leute, denn es hatte den Anschein, als ob halb Darian sich auf den Weg zu uns macht. Freudig begrüßten wir Brüderchen Zaak und all die anderen lieben Verwandten, die wir gleich mal an unserem Glück teilnehmen ließen. Untergebracht haben wir sie aber lieber in ihren Zelten außerhalb des Dorfes, denn die Betten waren eh schon gefüllt von zahlenden Gästen. Yussuf, Yeshima und Ranjaban aus LasSogaz eröffneten im oberen Teil des Hauses eine Vergnügungsstube - gegen ein Entgelt versteht sich. Muscatella und Mustardo gesellten sich hinzu und unterhielten die anderen Gäste mit neuen Spielen. Ja, so läßt es sich leben. Das Glück schien gar kein Ende zu nehmen, sogar ein Küchenjunge namens Habsalam meldete sich, um uns zur Hand zu gehen. Todmüde, aber sehr zufrieden gingen wir an diesem Abend zu Bette. Am nächsten Morgen klagten einige der Gäste über Alpträume, doch das interessierte uns nicht weiter. Gute Geschäfte begannen sich zu entwickeln, die unsere ganze Aufmerksamkeit erforderten. Flugs wurde noch ein Utzganspiel anberaumt, damit neben dem Spaß am Spiel auch noch Wetten angenommen werden konnten. Obwohl die Heliosscheibe, wie immer um diese Jahreszeit in Darian, gar unbarmherzig auf die Spieler herab brannte, gab jeder sein Bestes und das Spiel war spannend, wenn auch fast unblutig. Der Tag neigte sich für uns schnell dem Ende zu. Ab und an bemerkten wir schon, daß seltsame Dinge vor sich gingen, daß die Gäste tuschelten oder sich heimlich Gegenstände zuschoben, doch das ist hier im Süden nichts Außergewöhnliches. Wirklich Sorgen machte ich mir erst, als Habsalam völlig orientierungslos aus der Besenkammer kam. Jeden, den ich beauftragte dort etwas zu erledigen, verließ die Kammer mit stierem Blick. Seltsam war auch, daß eine vornehm gekleidete Dame mittels eines wirklich kleinen Bestechungsgeldes versuchte in die Kammer zu gelangen. Schon wollte ich mit Haimamud der Sache selbst auf den Grund gehen, da kam ein Landsmann, der Große, ohne den so schönen darianischen Dialekt auf uns zu, drückte uns einen Dukaten in die Hand und verlangte, daß wir ihm die Besenkammer mitsamt dem davorliegenden Gang dafür überlassen. Ja, wer kann denn da ablehnen. Einige der Gäste wollte unbedingt in die Kammer - andere wollten dies verhindern. Das war ein Durcheinander! Und genau in diesen Tumult platzt dann noch ein Ceridenpriester namens Baldomer, der seine Kapelle sucht. Er soll bei einem gewissen Ejub al' Erftan vorsprechen, der den Schlüssel für seine neuen Räumlichkeiten verwalten soll. Nun, war uns klar, was das für ein Raum auf dem Dach ist! Das ist also die zukünftige ceridische Gebetstätte, die unser Graf so großzügig zur Verfügung gestellt hat! Jetzt drohte alles außer Kontrolle zu geraten. Hasan, unser Küchenjunge hörte den Namen Ejub al' Erftan und horchte sofort auf. Um dem drohenden Unheil zu entgehen, schoben wir ihn in die Küche, um ihn dort zur Ablenkung arbeiten zu lassen. Doch als dann noch einer der Umherstehenden rief, es sei eine Mumie in der Besenkammer, da leuchteten Hasans Augen auf und es begann ihm zu dämmern, wer er ist. Als habe sich alles auf dieser Erdenscheibe gegen uns verschworen tauchte auch noch ein Heliosritter auf, der sich mit seinem eindrucksvollen Auftreten Zutritt zur Besenkammer verschaffte. Drinnen wurde eine Weile verhandelt und draußen standen Haimamud und ich vor dem etwas verstimmten Ejub, der die Herausgabe seines Geldes und die Übergabe seines Hauses forderte. Der Heliosritter verließ Bahr Okkem mit einer alten, vertrockneten Mumie und wir mußten bleiben, mit einem übelgelaunten Wirt. Ja, es ging sogar soweit, daß wir von Ejub gezwungen wurden, für ihn zu arbeiten. Als Entschädigung für unseren Betrug meinte er. Dieser undankbare Grobian nennt unsere völlig selbstlose und aufopferungsvolle Tat aus Nächstenliebe Betrug.
Nach mehreren Wochen endloser Schufterei gelang es mir endlich aus Ejubs Gasthaus zu entfliehen. Haimamud schrubbt dort immer noch den Küchenboden, doch ich habe ihm versprochen bald zurückzukehren und ihn freizukaufen.
Das wird sicher auch kein Problem sein, denn ich habe Arbeit als Schiffskoch gefunden. Nein, fürs Kochen gibt es nicht so viele Dukaten. Aber ich weiß aus sicheren Kreisen der weit verzweigten Familie, daß auf dieser Kogge so mancher Mitreisende über viel Geld und noch mehr Geheimnisse verfügt. Außerdem läßt vielleicht der Baron der Niederlormark, der das Schiff ausgerüstet hat, den einen oder anderen wertvollen Gegenstand leichtsinnig herumliegen.

Pecunia ay Bytan

___________________________________________________________________________
Große Preisfrag!
RAUSCHKRAUT - was bedeute RAUSCHKRAUT?
Gewinne neue oder runderneuert Utzgan-Scheib!
___________________________________________________________________________

Neues Etablissement in LaSogaz eröffnet

Am l. Tag des 3. Helios konnte man in der Wüstenstadt erstmals ein neues Etablissement besuchen, das den vielsagenden Namen "Phönix" trägt. In den letzten Wochen wurde das seit längerem leerstehende Lokal "Zum glücklichen Shayedi" umfassend renoviert und umgestaltet. Nun findet man dort ein luxuriös ausgestattetes Vergnügungslokal, in dem nicht nur die beliebtesten Glücksspiele sowie Musik und Tanz angeboten werden, sondern auch ein ausgezeichneter Vorrat an erlesenen Getränken verkostet werden kann. Schöne Damen aus exotischen Ländern stehen an den Spieltischen und machen das Verlieren zu einem Vergnügen, kostbare Teppiche liegen auf dem Boden und unzählige Lichter tauchen die wertvollen Möbel in sanften Schimmer. Die Geschäftsführer Mustardo und Muskatella begrüßten jeden Gast persönlich mit einem Glas Wein. und wünschten einen angenehmen Aufenthalt in ihrem Haus. Leider bedauerten sie die Abwesenheit des Besitzers, der durch dringende Verpflichtungen abgehalten werde, der Eröffnungsfeier beizuwohnen. Über seine Identität konnte leider nichts Genaueres erfahren werden. Der "Phönix" lädt alle zu einem Besuch ein, die anregendes Glücksspiel in luxuriöser Atmosphäre oder auch nur eine gepflegte Abendunterhaltung mit Freunden genießen wollen.

Letzte Utzgan-Ergebnisse

"Burai-Breath" führt derzeit unangefochten die darianische Liga an. Doch ist immer noch unklar, wieso die "Ay Bytan Allstars" sie nicht von der Spitze verdrängen konnten. Es wird gemunkelt, daß hohe Wetten der Grund für eine absichtliche Niederlage im letzten Spiel gewesen seien. Wacker geschlagen haben sich auch "Onkel Faysals Helden". Völlig abgeschlagen vom Feld ist der letztjährige Favorit die "Darbor Doggen". Die Mannschaft ist bei der Endrunde in Bahr Okkem nicht einmal angetreten. Gerüchten zufolge soll ihr bester Mann, Ärkan Kusul, in einem Schuldturm in LaSogaz sitzen und Teppiche knüpfen.

Fürstlicher Thaler Hofchronist

Feierliche Einweihung der Brazachfeste durch Fürst Bartha von Thal

Fürst Bartha von Thal übergibt den ersten fertiggestellten Teil der Brazachfeste am Zusammenfluss von Brazach und Jolborn seiner Bestimmung. Feierlich und mit würdevoller Mine durchschnitt Fürst Bartha mit einer goldenen Schere das Seidenband, welches die Einfahrt des Hafens der neuen Brazachfeste überspannte. Doch allzu deutlich sah man ihm das Alter an. Der kräftige Rücken leicht gebeugt, das Haar nicht mehr grau meliert, sondern nun schloh weiss, der prächtige Fürstenmantel schien mehr um die Gestalt des Fürsten gehüllt, als diese den Mantel wie gewohnt mit Kraft ausfüllend. Er hatte gehofft, dass sein Sohn dies Seidenband zerschneiden würde. Doch seine Stimme verriet nichts von alledem, was nur das geübte Auge aus der Nähe sah. Mit fester Stimme sprach er: "Mit der Hilfe Xurls, haben wir diese Burg dem Sumpfe abgetrotzt. Noch nie wart auch nur annähernd Ähnliches von Göttern und Mensch gemeinsam erschaffen worden. Möge die Brazachfeste nie wanken und allen Reisenden, Händlern und Ware, Schiff und Besatzung ein sicherer Hafen sein."
Großer Jubel und "Vivat Thal!" Rufe erfüllten die Luft. Eine imposante Parade der prächtigsten Schiffe, die auf das vortrefflichste geschmückt waren fuhr an der Fürstlichen Jacht vorbei. Dahinter wie ein schlanker weisser Finger der große Turm der Brazachfeste vor dem blauen Himmel. Auf der fürstlichen Jacht waren neben Fürst Bartha selbst, die Fürstin und Landesmutter in schwarzem Trauerflor und die Tochter und wahrscheinliche Thronerbin Prinzessin Celia von Thal. Der Zeremonie wohnten auch Baron Beoric von Welzen und der Stadtrat von Betis bei, der dieser Einladung vor der nächsten Wahl im 1. Xurl 27.n.A.III. natürlich noch ein mal gern zur Selbstpräsentation nutzte. Mit einem rauschen Fest, welches seinen Höhepunkt in einem farbenprächtigen Maskenball fand wurden die letzten Einweihungs- und Segnungszeremonien beendet. Nun in voller Stärke besetzt und Dienstbereit verabschiedete am darauffolgenden Mittag die Brazachfeste ihren Dienstherren Fürst Bartha, dem sie direkt unterstellt ist. Mit Musik und unter Jubelrufe segelte ein großer Konvoi von Schiffen, allen voraus die Fürstliche Jacht, Richtung Betis.

Ritinus Federschwinger
Hofschreyber des Fürsten zu Thal

Die Garde von Anthan gibt bekannt:

"Barde wieder auf freiem Fuß - Leutnant Reershemius degradiert"

1]
Halfnet, der wandernde Barde, welcher auf Grund seines Artikels im Helios-Boten 27 kurzerhand verhaftet wurde, ist wieder auf freiem Fuß.
Kurz nach seiner Ankunft in Hochanthen wurde er offiziell verwarnt und bis auf weiteres des Landes verwiesen.

2]
Ferner wurde Leutnant Reershemius, welcher fuer die Verhaftung Halfnets verantwortlich war, mit sofortiger Wirkung zum Hauptfeldwebel degradiert. Weiterhin wurde gegen den Offizier ebenfalls eine offizielle Verwarnung ausgesprochen, zuzüglich eines Vermerks in der Dienstakte. Zur Begründung wurden Handeln ohne direkten Befehl und der Mißbrauch des Dienstgrades angeführt.

i.A. Hartmut Hohlbein
Schreiber der Garde von Anthan

___________________________________________________________________________
Audaces fortuna juvat - Den Wagemutigen hilft das Glück!
Mit dem Wahlspruch von Welzen und der OfH in eine ogedische Zukunft
___________________________________________________________________________

Der schon gescheytert geglaubte Bau der Brazachfeste

Zuerst glaubte niemand, dass die ehrgeizigen Pläne Fürst Barthas ein feste steinerne Burg im sumpfigen Brazachdelta zu errichten überhaupt realisierbar seien. Wieviel Probleme verursachten schon die hölzernen Wehrtürme in der Nähe von Betis. Die Türme knickten einfach um, oder die Pfosten versackten im sumpfigen Grund. Wieviele Männer kamen schon um, als einer der hölzernen Turmpfeiler plötzlich nachgab, die Wache den Sturz ins Wasser zwar überlebte, dann aber ertrank, da sie das Verbot ein Kettenhemd auf dem Turm zu tragen aus Gewohnheit oder Angst missachtete. Im großen Betiser Hafenregister sind zwar all diese Unglücke verzeichnet, doch noch niemand machte sich bisher die Mühe alle zu zählen. Nach Auskunft des Hafenmeisters verschwindet auf diese Weise jedes Jahr Holz von der Menge eines kleinen Waldes an Pfosten, Piers, Brücken, Pfeilern und nicht zuletzt Signal-, Wach- und Wehrtürmen im Brazachdelta.
Und vor diesem Hintergrund gab Fürst Bartha den Befehl eine steinerne Burg zu bauen. Zwar wurde eine kleine Inseln mitten im Delta wo sich die großen Wasserstrassen von Brazach und Jolborn treffen ausgewählt und von den Mangroflanen Wäldern gerodet, doch wagte keiner der Bauarbeiter auf der Inseln länger als nötig zu verweilen, aus Angst vom Sumpfe geschluckt zu werden. Es gibt keine größeren Bäume dort, denn haben diese ein gewisses Alter und Ausmass erreicht, dann versinken sie im Morast der Inseln. Alles Baumaterial und Verpflegung wurde per Lastkahn herangeschafft. Geschlafen wurde des Nachts auf den Schiffen, ständig eine Cytruslampe brennend zum Schutze gegen alles umherfliegende und blutsaugende Getier. Bald erwies sich, die Theorie, dass der Sumpfe eine endliche Tiefe habe und man nur genügend lange Pfähle machen müsse, indem man Baumstamm über Baumstamm staple als falsch. Keinen Halt fanden sie in den nun erwiesener Maßen unendlichen Tiefen unserer Sumenschale. Der längste Pfeiler wurde am Ende gar richtig in die Tiefe gerissen, vermutlich durchstach er die Schale und fiel auf der Unterseite ins Nichts.
Schon wollte man den Prestigebau aufgeben und alle Pläne begraben, als ein junger Gelehrter der Architekturerey und Bryckenbaus aus Tolens seine Pläne dem Fürsten vorlegte. Wie und durch welche Konstruktion die Burg nun über dem Sumpfe gehalten wird ist streng vertraulich. Auch wurden Arbeiter nie länger als drei Tage an einer Stelle gelassen, damit niemand die Principis des Fundamentes herausfinden konnte. Auch verlangte der mit dem neuen Baumeyster aus Tolens gekommene Capo einen ständigen Xurlpriester bei der Burg. Wahrscheinlich ist durch die Anwesenheit des Priesters, der eine feste Behausung in der Burg hat und einen Xurltempel errichtet, der Bau nun endlich in der benötigten göttlichen Gnade, die ihm die Festigkeit zum Trutze gegen den tückischen Sumpf gibt.
Nachdem nun der mächtige Signal- und Wachturm schon über ein Jahr ohne die kleinste Verschiebung, Verkippung oder auch nur einen Riss, der auch schon bei einer Burg auf festem Grunde häufig vorkommt, steht, haben alle dort Tätigen sogar ihre Schlafplätze in das Innere des Turmes verlegt. Nachdem auch die ersten Wehrmauern und der noch kleine Hafen fertig sind, konnte die Burg ihrer Bestimmung als Zoll-, Signal-, Grenz-, Wehr- und Schutzburg des Hauses Thal ihren Dienst aufnehmen. Sie ist direkt dem Fürstenhaus unterstellt, arbeitet aber eng mit den Wachen von Betis und der Baronie Welzen zusammen.
Der erste und wichtigste Teil des Burgbaus ist zwar fertiggestellt, doch sind schon weitere Teile und Erweiterungen der bisherigen Anlage in Planung und auch schon in Bau. Zu nennen sind hier die Vergrößerung des Hafens, in dem einmal zehn Schiffe der Herzog Uriel Klasse Platz finden und gleichzeitig ankern sollen, sowie die Hafenwehranlagen und der Bau eines angemessenen Palas.
Dies soll eyn kurzer Überblick über die über Jahre gehende Planungs- und Bauphase der Brazachfeste und ihrer wichtigsten Ereignisse gewesen sein. Selbstverständlich führt der Baumeyster ein eigenes Bauregister mit allen Details des Tages und jedes Bauabschnittes und füllt täglich eine Seite des inzwischen ansehnlichen Folianten mit seyner kräftigen Handschrift, deren Umfang den Leser nur ermüden und den Boten sprengen würde.
Ritinus Federschwinger
Hofschreyber des Fürsten zu Thal

___________________________________________________________________________
Die Stadt der tausend Brücken , Betis!
___________________________________________________________________________

Erste Ergebnisse zum Überfall Adveris in Güldental

Die genauen Nachforschungen zum Überfall Adveris auf die Garnison in Güldental haben bisher folgende Ergebnisse erbracht: Aufgrund der Beschreibungen ist inzwischen gesichert, daß es sich bei den Ausführenden tatsächlich um den als Hochverräter gesuchten Adveri und seine rechte Hand, die Krähe, handelte. Die "kleine Streitmacht" von ca. 25 Kämpfern und 10 Bogenschützen näherte sich auf dem Landweg in mehreren Gruppen der Garnison, schaltete in den frühen Morgenstunden die beiden Wachen aus und gelangte so unbehelligt in das Gebäude.
Bei dem getöteten Händler handelt es sich um Francus Berthold, einen Sattlermeister aus Jarun. Er hinterläßt eine Frau und drei Kinder.
In einer Entfernung von 2 HM in beiden Richtungen des Helos-Weges wurden Grenzsteine mit der Beschriftung "Großherzogtum Beridhan" entdeckt, die offensichtlich als Legitimation für die Erhebung von Zollgebühren dienten.
Da die Spuren der Streitmacht am Brazachufer enden, darf angenommen werden, daß der Rückzug mit einem Schiff erfolgte. Eine sofortige Kontrolle sämtlicher geeigneter Schiffe und Boote auf dem Fluß von Jarun bis Hochanthen verlief jedoch ergebnislos. Die Ermittlungen werden fortgesetzt.

Wissenschaftliche Arbeiten am Bernsteinzimmer abgeschlossen

Hohe politische Wogen schlug die Entdeckung des Bernsteinzimmers zwischen Darian und Thal, vor allem das Säbelrasseln aus dem Süden war unüberhörbar. Angesichts dieser brisanten Lage machten sich unverzüglich Gelehrte aus Escandra, Darian und Thal an die Arbeit, die entdeckten Bernsteinplatten zu untersuchen. Wenig ist es was man über das legendäre Kleinod aus Walmerischer Zeit weiß und doch gibt es Anhaltspunkte um Original von Nachbildung zu unterscheiden. So konnte an Hand der Verbundtechnik der einzelnen Bernsteinstücke die auf mit Gold gerahmten Holztafeln befestigt sind, sowie der Art des Schliffes des Bernsteins herausgefunden werden, daß moderne Materialien und Techniken, die erst vor wenigen Jahren in der Handwerksstadt Hammerbach in Anthan erfunden wurden, benutzt wurden. Von den insgesamt sechzehn Tafeln konnte bei fünfzehn eindeutig ein künstlerischer, jedoch kein historischer Wert festgestellt werden. Diese Tafeln sind eindeutig neueren Ursprungs und garantiert keine Teile des Bernsteinzimmers. Bei der letzten Tafel konnte man sich nicht so sicher sein, was allerdings daran lag, daß diese durch Wasser und Schmutz stark beschädigt war.
Allerdings sind diese Bernsteintafeln so gut gemacht, daß sie selbst für Experten nur schwer als Fälschungen erkennbar sind. Die Fälscher müssen eine Vorlage in irgendeiner Art und Weise gehabt haben. Sollten es echte Platten oder ein Plan des Zimmers gewesen sein? Nachdem sich herausstellte, daß die Bernsteinplatten nicht echt waren, reiste die Darianische Gelehrtendelegation unverzüglich ab. Vielleicht sind diese falschen Bernsteinplatten eine Spur zum echten Bernsteinzimmer?
Handor Endol, Gelehrter der Academia ad Jarunam

Fürstliche Garde von Thal im Manöver

Es ist wieder soweit. Die Thaler Garde vollzieht ihr alljährliches Manöver. Wie immer beteiligten sich auch zahlreiche Schiffe der Thaler Marine. Eines der Ziele dieser Waffenübung ist es, die Schlagfertigkeit der neu erworbenen Balisten zu testen. (Für den Laien : Eine Baliste ist eine übergroße Armbrust, welche auf einem Stativ gelagert, mobil oder fest auf einem Schiff installiert, Bolzen einer Länge von bis zu zweieinhalb Spann verschießen kann.) Auch sollen neue Angriffstaktiken erprobt werden. Für das gesamte Manöver hat man sich zwei Wochen Zeit genommen. Auf eine Anfrage von uns, ob diese Übung eine Vorbereitung auf einen möglichen Krieg sei, wurde uns folgende Stellungnahme zugesandt :

" Das Manöver der Fürstlichen Thaler Garde ist die alljährliche Erprobung der Schlagfertigkeit von Heer und Marine. Sie stellt keine Vorbereitung auf einen möglichen Militärschlag dar. Des weiteren besteht keinerlei Zusammenhang mit der politischen Entwicklung zwischen Thal und Darian. Auch soll dies keine Provokation Graf Dedekiens sein.
Gez. Major Kammerbauer
Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit

Wollen wir alle hoffen, daß dies Graf Dedekien auch so sieht.
Adebard Kornvogel, Berichterstatter des Thaler Hofchronisten

Auf zu neuen Ufern!

Eigentlich waren alle ein wenig mißtrauisch; damals, als Jens-Hendrik Nilsson "der Rote" den Thronsaal des Barons betrat. Doch was er zu berichten wußte, ließ sein etwas abgenutzt wirkendes Äußeres in den Hintergrund treten. Nachdem er, zunächst leicht verwirrt von dem letzten Gelehrtenkonvent in Escandra berichtete (bei dem er offensichtlich auch selbst einen Vortrag gehalten hatte), kam er schließlich zur Sache und erzählte von einer überaus mißglückten Schiffsreise, die ihn allerdings in einer wahren Odyssee auf ein entferntes Inselarchipel geführt hatte, das zu entdecken er nun wiederum das Glück hatte.
Er war vor Jahresfrist mit der Holk "Stolz von Wiesloch" am Oberlauf des Jolborn aufgebrochen, um eine Ladung Brennholz flußabwärts nach Darian zu bringen. Sehr zu seinem Unglück verlor er allerdings bald die Orientierung, nahm versehentlich Kurs auf die hohe See, um dort jedoch in einen Sturm zu geraten und sein Schiff in der allgemeinen Verwirrung schließlich auf ein Korallenriff zu setzen. Der Holk war leckgeschlagen und sank auf der Stelle, die Männer konnten sich mit knapper Not ans Ufer retten.
Dort angekommen, stellten sie fest, daß sie vom Regen in die Traufe gekommen waren: Die Insel war von schrecklichen Menschenfressern bewohnt, deren Haut vermutlich durch eine geheimnisvolle Feuerzeremonie wie verbrannt und daher gänzlich schwarz ist. Diese Menschen haben - so der ehemalige Kapitän - lange, scharfe Zähne und stechende Augen. Sie sind wild und tragen absonderliche Kleidung.
Aber das wunderlichste an der Insel sind ihre Pflanzen und Tiere. Es gibt dort hohe Bäume mit Blättern, die groß und lang sind. Auf ihnen wachsen seltsame Knollen, die harte, braune Kerne haben. Man kann, so Nilsson, diese Kerne aufschlagen. Darin findet sich Schnee, der jedoch nicht kalt ist, sondern süß. Außerdem sind sie mit einem besonderen Saft gefüllt, der so köstlich ist, wie es nicht einmal echt Jolberger Schädelspalter zu sein vermag. Aber das allerbesonderste seien diese Körner (nun holt er ein kleines, durchsichtiges Fläschchen, bis an den Rand gefüllt mit Hasenkötteln hervor. Nachdem das schallendes Gelächter Ihrer Hochwohlgeboren verklungen ist, öffnet er es und reicht ihm einige Körner). Sie hätten einen unnachahmlich scharfen Geschmack und auf den Pfefferinseln (das habe er mit eigenen Augen gesehen) benutzen es die Inselbewohner für Heilungszwecke und um ihre Speisen zu würzen. Angeblich hilft es gegen Zahnschmerzen, Erkältungen im Hals, Vergiftungen und sei sogar gut für die Manneskraft und vieles mehr. Es verbreite im Körper ein Feuer, das sicher auch für Soldaten von Nutzen sein könnte, wenn sie im Winterlager unter großer Kälte zu leiden hätten: Sie bräuchten einfach nur einige Körner zu essen, um sich wieder aufgewärmt zu fühlen. Anfangs wollte der Baron dem wunderlichen Kauz sein Seemannsgarn zwar nicht abnehmen, doch der Vorkoster bekommt nach dem Genuß einer einzigen Handvoll der seltsamen Körner Schweißausbrüche und scheint tatsächlich auch ein kurioses Feuer im Hals zu verspüren, das er kurzerhand mit dem Wasser aus einem nahestehenden Blumentopf zu löschen versucht. Das allerbesonderste sei jedoch, daß auf jenen Inseln ein ungeheurer Reichtum auf den Entdecker warte: In den Tempeln und Palästen der Insulaner fänden sich zuhauf Gegenstände, die nicht nur oberflächlich mit Aurazith verziert sind, sondern gar gänzlich aus dem edlen Metall gemacht sind!
Er, so führte der Ostarier mit mittlerweile glühenden Augen weiter aus, sei der einzige, der dazu in der Lage ist, jenen zauberischen Ort ein weiteres Mal aufzufinden, da alle Mitglieder seiner Mannschaft von den grausamen Inselbewohnern ermordet und hernach verspeist wurden. Er selbst sei ohnehin nur aufgrund eines glücklichen Zufalls auf einem selbstgezimmerten Floß entkommen.
Mit traurigem Blick führt Nilsson weiter aus, daß er zwar dieses Wissen habe, ihm aber die Mittel fehlten, ein weiteres Mal mit einer ordentlichen Expedition jenen sagenhaften Ort aufzusuchen. Aus diesem Grund würde er nun versuchen, den Baron und andere Herrschaften als Sponsoren zu gewinnen, um dann das beste Angebot anzunehmen und eine Expedition durchführen zu können.
Nun war es an unserem mutigen Baron, ihm ein Angebot zu machen. Ohne nutzlose Zeit mit Nachdenken zu vergeuden, wies Friedrich von Ilmenau seinen Herold, Gero Vogtländer an, die notwendigen Vorbereitungen in die Wege zu leiten. Schon bald sollte die "Ubena" im Hafen von Marola fertig zum Aufbruch in die ungewissen Weiten der Jolsee sein.
Keiner der Einwände seiner Berater und Familienangehörigen konnten den Baron von seinem Vorhaben abbringen, selbst der Reise beizuwohnen. Der Mut und die Abenteuerlust ließen ihn alle Gefahren vergessen, die selbst einen erfahrenen Seemann hätten zögern lassen. Noch nie zuvor hatte ein Mann den brausenden Wogen der Jolsee zu unerschrocken ins Angesicht geblickt. Seine Tatenkraft war nicht zu bremsen, schon vor dem Auslaufen ließ er sich die Mannschaft vorstellen. Diese war nicht nur vom Liebreiz der Baroness Irmgard von Ilmenau hingerissen, sondern auch von der Erhabenheit des Barons. Bei ungewöhnlich stürmischer See wurde in der der fünften Morgenstund des ersten Tages im ersten Xurlmond Anker gelichtet. Saarkas Hauch blies in die Segel und lies die "Ubena" über die Wellen fliegen. Anerkennend beobachtete der schmucke Offizier Sembelquast die Seetüchtigkeit des Barons, denn selbst der sturmerprobte Seebär kämpfte gegen die Übelkeit an. Immer wieder während der Reise wurde ihm flau im Magen, so daß er seinen Mageninhalt den Fischen zur Speisung anbot. Viele Tage und Nächte segelte die Kogge in der Jolsee umher, ohne daß Land gesichtet werden konnte. Dennoch war die gute Laune und der Frohmut des Barons beispielhaft für die Mannschaft. Selbst bei starkem Seegang genoß er die Reise so sehr, daß er auf Deck ein Tänzlein wagte. Der Schiffsmedicus äußerte mehrmals sein Erstaunen über diesen einmaligen Mann, denn noch nie zuvor hatte jemand den Tanz der Wellen zu seinem Tanze gemacht.
In jeder freien Minute ließ sich Baron Friedrich von der Führungsmannschaft die Handhabung und den Gebrauch der Navigationshilfen erklären. Doch einmal wurde sein Wissensdurst jäh unterbrochen, als aus den schäumenden Wellen ein riesenhaftes Seeungeheuer auftauchte. Schrecklich anzusehen und mit einem Maul voller messerscharfer Zähne schwamm es mit enormer Geschwindigkeit auf das Schiff zu. Geistesgegenwärtig zückte der Baron sein Schwert und ohne auch nur einen Schritt zurückzuweichen reckte er es der schuppigen, nassen Kreatur entgegen. Stieß es voller Kraft und Entschlossenheit in das aufgerissene, stinkende Maul des Ungeheuers und erlegte es so mit einem einzigen Streich. Der Jubel der Mannschaft wollte nicht enden, denn noch nie zuvor wurde ein solch widerliche und gefährliche Ausgeburt des Schreckens erlegt.
Endlich war es soweit - Land in Sicht! Baron Friedrich stand stolz an Deck, während der Bootsmannsmaat auf dem Dudelsack eine Hymne spielte. Der Baron sprang an Land mit den Worten: "Ein kleiner Schritt für die Niederlormark, doch ein großes Ereignis für Heligonia." Noch nie zuvor hatte ein Mann passendere Worte für einen so ergreifenden Augenblick gefunden. Ohne auf die Gefahren zu achten, die dies fremde, wilde Eiland in sich birgt, drängte er zur Erforschung desselben. Schon bald stellte sich heraus, daß Kapitän Nilsson nicht übertrieben hatte, was das Aussehen und die Gefährlichkeit der Eingeborenen betrifft. Horden von schwarzen, riesenhaften Menschen mit scharfen Zähnen und mordlüsternden Augen stellten sich dem Baron in den Weg. Stinkend und ungewaschen waren sie, ihnen wuchsen ob ihrer Unreinlichkeit sogar Gräser aus den Ohren. Der Baron wußte sich in diesem Augenblick tödlicher Bedrohung zu helfen, wie noch keiner vor ihm. Unverzagt enthüllte er vor den Augen der Menschenfresser das abgeschlagene Haupt des Seeungeheuers und bot es ihnen zum Geschenke an. Ehrfürchtig nahmen die Wilden es an und warfen sich angesichts einer solchen Trophäe zu Füßen des Barons in den Staub.
Nun konnte sich der Baron vom Reichtum der Insel selbst überzeugen. Nach kurzer Suche hatte man schon so viele der geheimnisvollen Körner sammeln können, daß das Säckchen des Barons gefüllt war. Feierlich wurden die Inseln nach ihrem Entdecker benannt und in die Seekarte als "Friedrichs-Atoll" eingetragen.
Somit ward Baron Friedrich von Ilmenau in die Reihe der großen Entdecker Heligonias mit aufgenommen.

Mitdokumentiert von Cyriacus Indelfuss

Betiser Tribüne

Hochland-Schafschau auf dem Viehmarkt

Im letzten Mond drängten sich auf dem Betiser Viehmarkt so viele Schafe wie nie zuvor - die Schafabteilung mußte auf Kosten des Ziegen - und des Schweinemarktes vergrößert werden. Luchnarer Hirten aller drei Clans, der Mad'Ruadh, Mad'Uaine und Mad'Glas hatten Mutterschafe, Böcke und Lämmer der vier Luchnarer Schafsrassen auf den Markt getrieben, nebst einigen Exemplaren aus Tagil und Flaitney. Um die Gatter reihten sich Stände mit Lammsalami, Crodh-Käse und anderen Köstlichkeiten, von denen die Schäfer öffentlich große Mengen selbst verzehrten, um zu beweisen, daß man Hochlandprodukte nach wie vor gefahrlos genießen kann. Vor allem die jungen Zuschauer erfreuten sich am täglichen Lammswurstschnappen, Knöchelwerfen, Nell'Oish-Spiel und am großzügig ausgeschenkten Or-Bân, der vergorenen und gewürzten Schafsmilch Luchnars.
Rechmond von Soilach, Bruder des Vogtes Gisrod von Soilach war über eine Woche lang ebenfalls anwesend und erwarb ein großes Stadthaus, das auch anderen Adligen offenstehen soll.

Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks

Was sich schickt
- Suche nach Brudermörder Berkan
- Die Brazzach-Postschifflinie
- Salah Ben Anwar Nur'Eddin
- Die Darianoper
- Zur Stadtratswahl zu gehen

und was sich nicht schickt
- Hochverrat in Drachenhain
- Verleumdungen gegen Fremde
- Bevorstehende Klankriege
- Halfnets Verhaftung

Kurz vor der Wahl

Nun ist es soweit, der Tag, der das politische Geschehen der freien Reichsstadt Betis für die nächsten zwei Jahre bestimmen wird, die Stadtratswahl am 26. Tag des 1. Xurl n.A.III 27, steht kurz bevor. Die Straßen waren in den letzten Wochen voll von engagierten Kampfreden der Kandidaten und ihrer Unterstützer. Und auch so manches von den Patrizierfamilien veranstaltetes Fest wird wohl noch in vielen Jahren gesprächsstoff für die Bürger der Stadt bieten.
In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich so klare Spitzenkandidaten herauskristallisiert. So wird dem neuen Liliengildenmitglied, der Familie Pastrigosa durchaus zugetraut, einige Stimmen auf sich vereinen zu können, wenn sie auch in der Frage nach den neuen Ratsvorsitzenden kaum eine Rolle spielen wird. Diese Entscheidung wird nach Expertenmeinungen wohl hauptsächlich zwischen den drei Familien Amer, Corvese und Petterson fallen, wenn auch die drittgenannte schon etwas abgeschlagen scheint. Doch die endgültige Auflösung der Frage von höchster Politischer Wichtigkeit, für Betis, aber auch für das gesamte Königreich, kann und wird erst am 26. Tage des 1.Xurl möglich sein, wenn die Bürger der Stadt ihrer Pflicht nachgegangen sind und ihre Stimmen abgegeben haben.
Die Vereidigung des neuen Vorsitzenden des neuen Rats zu Betis wird dann am 24. Tag des 2. Xurl auf dem Helosplatz stattfinden, wozu auch sehr viel Prominenz aus Heligonia erwartet wird.
Die Vereidigung wird, so wie es traditionell seit der Erhebung zur freien Reichsstadt ist, seine durchlauchtigste Majestät Helos Aximistilius III gemeinsam mit seiner Durchlaucht Fürst Bartha von Thal und seiner Hochwohlgeboren Baron Beorric von Wulfenstein durchführen. Der Helosplatz als Ort der Vereidigung soll den Gewählten daran erinnern, vor wem er sich zu verantworten hat, nämlich einerseits den Göttern, die hier als Statuen auf dem Platz dargestellt sind und andererseits vor all den Bürgern, die an diesem Tag sicherlich den Platz füllen werden. Am folgenden Mondtag, dem 25, Tag des 2. Xurl wird der neugewählte Stadtrat dann seine erste Sitzung abhalten.
Darianoper auf dem Vormarsch
Großer Beliebtheit erfreut sich in letzter Zeit das musikalische Singspiel mit südländischer Thematik: die Darianoper. Nach den beiden Werken von Wolgrimm Aramantus Mordshart aus Ankur, "Die Entführung aus dem Bernsteinzimmer" und "Die Hochzeit des Onkel Faisal" wollte nun auch der renommierteste Komponist unserer Stadt, Luitbert von Bebdorfen nicht zurückstehen und brachte am 5. Tag des 3.Helios das opulente Schauspiel "Der Buraitreiber von Lasogaz" zur Uraufführung. Das Libretto wurde von dem allseitsbeliebten Komödienschreiber Fedrig Sillar verfaßt und verspricht so dem Kenner ein Vergnügen der anspruchsvollen Art. Besonders die deftige Arie "Scheiße in der hohlen Hand" überzeugte die Kritiker, doch dazu trug wohl auch die unvergeßliche Stimme von Pavo Rothner bei, der die Rolle des Mahmud überzeugend ausfüllte. Am beeindruckendsten ist aber wohl das Bühnenbild. So folgt eine atemberaubende Wüstenkulisse der nächsten. Vor allem aber die Rekonstruktion eines 10 Schritt hohen Nech-Burai setzte die Zuhörer in Erstaunen. Die meisten ließen es sich dann auch nicht nehmen, direkt nach der Vorstellung eine der geflügelten Buraistatuetten zu erstehen, welche vor dem Opernhaus verkauft wurden und angeblich von echten Buraitreibern gefertigt worden waren.

Der Tanzbär

Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias

Letzter Aufruf

Die an der Universität zu Escandra stattfinden Studien zur Heraldik Heligonias treten in ihre letzte Phase. Ich bitte noch nicht eingesandte Beiträge so bald wie möglich zur Universität zu senden.
[ Henning Frank, Edelsheimstr. 6, 76131 Karlsruhe, e-mail : henning.frank@stud.uni-karlsruhe.de ]
Locutus Junghans
Schriftgelehrter aus Thal

Für den Jungen Zärtlichkeit

Geboren zum Lieben
Leben im Leid
Hände zum Schaffen
Straßengescheit
Körper aus Wärme
Haare aus Heu
Mund voller Worte
Hand ohne Scheu
Augen aus Wasser
Herz für das Licht
Lächeln aus Erde
Trauere nicht
Träum und vergiß die
Vergangenheit
Brauchst Du mich einmal
Habe ich Zeit

Graue Bardin

Burai Breath

Hörst Du die Burai schnaufen
die haben Burai Breath
sie sind schon weit gelaufen
mit ihrem Burai Breath
die Burai-Treiber raufen
wer mache weg de Scheiß
und Burai musse schnaufe
und Atem wird ganz heiß
das ise Burai Breath

Wenn Chefe Knoblauch esse
dann habe Burai Breath
und stinke stark aus Fresse
das ise Burai Breath
die Frau von Chefe laufe
wenn riech wie Burai Dreck
dann Chefe muß was saufe
sonsch ise Frau no weg
das ise Burai Breath

Salah ben Anwar Nur ed'Din & Salis Alba

Es gibt keine Narren mehr

Es gibt keine Narren mehr, die ihnen den Spiegel vorhalten.
Es gibt keine Narren mehr, die sie zu Sitte und Anstand anhalten.
Es gibt keine Narren mehr, die sagen: Gebt acht,
daß Ihr Euch nicht selbst zum Narren macht!

Es gibt nur noch Barden, die Unrecht zu nennen wagen.
Es gibt nur noch Barden, die offen die Meinung sagen.
Es gibt nur noch Barden, die sprechen: Hört auf,
sonst nimmt die Sache einen bösen Verlauf!

Über den Narren, da wurde gelacht.
Dem Barden, dem wird ein Prozeß gemacht.

Spiegel gibt es viele im Land,
doch sind sie alle in falscher Hand:
Ihr selbst, ihr Herren, tragt sie umher,
doch werden sie Euch auf die Dauer zu schwer,
und ist DANN der Platz Eures Trägers leer,
gibt es auch keine Barden mehr!

Findabair Spinnentöter, die wo hofft, daß dem Freund nix passiert

Mein Onkel aus Ankur

Mein Onkel kommt aus Ankur
Ankur ist ein Bordell
Und im Konvikt die Nächte
Vergehen immer schnell

Mein Onkel kommt aus Ankur
Ankur ist nur ein Puff
Man lebt dort ganze Wochen
Im Bette und im Suff

Mein Onkel kommt aus Ankur
Ankur ist Po und Bauch
Er ist dort Abt seid Jahren
Drum komm ich dorthin auch
Drum komm ich dort jetzt auch!

(um 25 vA III. In Escandra verbreitetes Spottlied, nachdem Fehltritte einiger ceridischer Geistlicher aus Ankur bekannt wurden)

Ja so wars die Anselm-Gschicht

Anselm war ein edler Prinz
Jeden hat er angegrinst
fand Tamara dann als Braut
Lang hat er sie angeschaut

Doch dann kam der große Schreck
Plötzlich war das Fräulein weg
Anselm hat sich sehr geschunden
Hat sie aber nicht gefunden

Lange zog er über Land
Doch Tamara er nicht fand
Das Ländchen Thal steckt jetzt im Dreck
Denn nun ist er selber weg

Zwanzig Prinzen komm'n gelaufen
Wollen um die Krone raufen
Groß ist hier nun das Geschrei
Anselm war wohl nicht dabei

Alle rufen nach ihm lange
Die Verwandtschaft ist schon bange
Suchen weiter unter Kosten
Frei ist hier der Prinzenposten

Salah ben Anwar Nur ed'Din

Sweet Home Alhambra

Refrain:
Sweet home Alhambra
wo die Dünen sandig sind
sweet home Alhambra
die Palmen wiegen sanft im Wind

Die Karawanen ziehen südwaerts
bringen mich in das schöne Land
die Sonne brennt so hei"s herunter
und alles ist hier voller Sand

Ich reite durch ein Meer von Dünen
Mein altes Burai röhrt und schwankt
meine Farbe nähert sich dem Grünen
wann bin ich endlich angelangt?

Refrain

In Darbor herrscht der Graf Dedekien
er macht die Abgaben zur Pflicht
er will sich seine Steuern nehmen
doch wir geben sie ihm nicht

Refrain

Am Abend füllt sich die Spelunke
und der Bazaar wird dicht gemacht
beim Darok plündern wir die Fremden
so schön ist Darian bei Nacht

Salah ben Anwar Nur ed'Din

In Memoriam Prinz Anselm

Als er es hörte, da schien es wie ein Feuerwerk,
Man hatte seine Liebste entführt.
Er zog aus, Sie zu suchen, doch er wußte nicht wo.
Er fand sie einfach nicht !

Als man hörte, daß Anselm gegangen war,
Da wurden Späher zur Suche gesandt.
Sie zogen aus, Ihn zu suchen, doch sie wußten nicht wo.
Sie fanden Ihn nicht !

Je länger Anselm weg war, desto mehr vermißte man ihn;
Seinen Körper, seine Stimme, sein Gesicht.
Es gibt Dinge, die man trotz der besten Verstecke entdeckt,
Aber Anselm entdeckte man nicht.

Als man hörte, daß Anselm gestorben sein soll,
Brach die Trauer aus über dem Land.
Seinen Leichnam zu bergen, war seines Vaters Begehr;
Doch sie fanden Ihn nicht !

Ooooh...
Es gibt so viel zu finden, wenn man zu Suchen bereit,
Aber bei Anselm herrscht Ungewißheit.

Wenn Ihr dies Lied hört, dann macht Euch zum Suchen bereit;
Denn Prinz Anselm, der ist gar nicht tot !
Er lebt weiter in unseren Gedanken und Träumen.
Dort finden wir Ihn !

Für den Tanzbär
Loki, ein wandernder Barde

ein spruch halfnet und tschüß

Du sagsch, des Friedland hätt an Nutz
Wärs no heligonisch?
Der Fried war doch nur della Cruz
Onds Land war nur drakonisch

Termine

26.11. – 28.11.99 Helicon 12 – Gelehrtenkonvent (Burg Hornberg)
14.01. – 16.01.00 4. Heligonischer Adelstag auf Burg Spalt/Wernfels
24.03. – 26.03.00 Helicon 13 – Markt in Tatzelfels (Burg Wildenstein)
Mai/Juni 2000 Helicon 14
21.07. – 23.07.00 Helicon 15 – Hochlandcon am Karlsbrunnen
___________________________________________________________________________

Seemannsgarn

Das ultimative Koggenbüchlein - jetzt in zweiter Auflage bei der heligonischen Schreibstube erhältlich. Das 60 Seiten starke DinA5-Heft enthält Geschichten und Lieder zum Thema Seefahrt und wurde den wackeren Helden gewidmet, die mit uns auf hoher See gefahren sind (Helicon Deluxe II). Wer ein Seemannsgarn erwerben möchte, schickt 5,50 DM in Briefmarken an:
Inés Balluff und Marc Hermann
Griesfeldstr. 23
73432 Aalen-Waldhausen
Das Büchlein kann auch, wie das Herba Heligonia oder andere DinA5-Publikationen auf jedem Helicon erworben werden. Dann kostet es nur 3,- DM, da es nicht verschickt werden muß.
___________________________________________________________________________

© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés Balluff, Marc Hermann
Berichte von Susanne Arbogast, Bert auf dem Keller, Inés Balluff, Arnulf Breuer, Ulrike Clauss, Julia Fischer, Henning Frank, Oliver Friese, Marc Hermann, Andreas Hils, Thomas Kessler, Christian Klauss, Carsten Lewe, Daniela Lochner, Johannes Pilz, Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger, Eike Simon, Markus Spree, Melanie Walker