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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2.Saarka n.A.III 27
Ausgabe 31
Kronkurier
Seine allerdurchlauchtigste Majestät
Helos Aximistilios III., der König, läßt verkünden:
Höret! Höret Heligonier!
Im königlichen Thronsaal zu Escandra fanden sich am fünften des
2. Saarka 27 n.H.A.III. Fürst Bartha, Fürst Nial, Herzogin Walluma,
Prinz Anselm, Graf Waldemar, Prinz Leomar, Prinzessin Syria, Baronin Leabell
und Baronin Josephina ein. Dem Reichsritter von Heligonia, Finian Sonnenklinge,
wurde befohlen den Heliosbrief des Grafen von Drachenhain einzuziehen.
Dann wurde der Heliosbrief Graf Waldemars vom Berater des Königs,
des Heliosgeweihten Merit von Escandra, vor den Augen aller auf Geheiß
des Königs entzwei gerissen. Fürderhin darf sich der Herrscher
von Drachenhain Fürst nennen. Das alte Lehen als Grafschaft existiert
nicht mehr. Als Königsvasall hätte Drachenhain dieser Titel schon
lange zugestanden.
Somit lautet die offizielle Anrede Seine Durchlaucht Fürst Waldemar
von Drachenhain etc.
Der Orden der Hilariusiten hat wieder einen Superior
Lange nun hatten die Brüder und Schwestern der Hilariusiten warten
müssen, bis eine Entscheidung über die Besetzung des Amtes ihres
obersten Vertreters getroffen wurde. Die Zeit drängte, da nicht zuletzt
bis zur anstehenden Wahl des Erzprimus eine Einigung getroffen werden sollte.
Lange berieten die Äbte des Ordens auf einem Konzil in der Abtei Gunara,
wer die Nachfolge des verstorbenen Benedict Canesius antreten solle. Schließlich
kam man überein, daß der würdigste für dieses Amt
in Aftalun von Ostarien, dem Schüler und Freund des letzten Erzprimus
zu finden sei, denn keiner verfügte wie er gleichermaßen über
Frömmigkeit, Gelehrsamkeit und politisches Geschick. Einstimmig wurde
der Herzogssproß zum neuen Oberhaupt der Hilariusiten gewählt.
Darauf folgte der traditionelle, feierliche Schwur auf die heiligen Schriften.
Nun endlich konnte auch der Posten des Abtes von Gunara durch den neuen
Superior neu besetzt werden. Niemand hatte Einwände, als er sich selbst,
als nun vom Orden anerkannter Nachfolger seines Lehrmeisters und bisheriger
Prior der Abtei, zum Abt ernannte.
Es scheint also als ob die Hilariusiten wieder ins geregelte Ordensleben
zurückgekehrt sind. Doch wird dies reichen, um innerhalb der gesamten
ceridischen Kirche die Führungsposition zu erlangen? Die nächsten
Monde werden Licht in die Angelegenheit bringen.
Baronin Tamara am Leben - Prinz Anselm von Thal überbringt die frohe
Kunde
Wie nun ein jeder Heligonier weiß, ist Prinz Anselm von Thal nach
langer Zeit von der Suche nach seiner Verlobten, Baronin Tamara von Tlamana,
zurückgekehrt. In Tolens, während des Gelehrtenconventes, gab
er sich den
Adligen des Reiches zu erkennen. Mit sich trug er den Siegelring und
zwei Schreiben Baronin Tamaras, welche zum einen an den König und
zum anderen an ihre Familie in Mirain adressiert war und ihren Verzicht
des Thrones von Tlamana, zugunsten ihrer Schwester Leabell, zum Inhalt
hatte. Seine Hochgeboren Prinz Anselm und Regentin Leabell von Tlamana
reisten sodann umgehend zum König nach Escandra, um Seiner Allerdurchlauchtigsten
Majestät, die Botschaft von Baronin Tamara zu überbringen. Dort
wurde anhand des Ringes und der Schreiben der Anspruch Regentin Leabells
bestätigt und sie nun offiziell zur Baronin von Tlamana ernannt.
Schreiber Heron Krummbrecht
Proteste gegen die Telnaronischen Besatzer in Escandra
(Über den genauen Verlauf des Konfliktes lest den Artikel in der Herzöglich-Ostarischen-Hofgazette!)
Hunderte aufgebrachter Bürger Escandras versammelten sich am 9.
Tag des 2. Saarka vor der neueröffneten Botschaft Telnarons, um den
ausländischen Vertretern ihren Mißmut kundzutun. Erst einen
Tag vorher hatte sich nach dem Eintreffen eines Eilboten in Windeseile
die Nachricht über die Telnaronische Besetzung unserer aller Kronkolonie
“Herzog-Uriel II.-Atoll” verbreitet. Mit lauten Sprechchören
forderte die protestierende Menge den sofortigen Rückzug der Telnaronischen
Invasionsflotte aus dem Heligonischen Hoheitsgebiet. “Wir wollen keine
komischen, ausländischen Seeleute!”, “Geht nach Hause !” und
“Ihr täuscht uns nicht mit edlen Taten, wir kennen Euch Ihr Scheißpiraten!”
waren nicht die einzigen Parolen, welche an diesem Tag zu hören waren.
Sicherheitshalber sperrten einige Heliosgardisten den Zugang zum Botschaftsgelände
ab, jedoch blieb die Kundgebung die ganze Zeit über friedlicher Natur.
Ab Mitternacht wurde dann von einigen beherzten Bürgern eine permanente
Mahnwache eingerichtet, welche andauern soll, bis das Krondepartement von
den Aggressoren geräumt wurde.
Der Ogedenbund - ein Treppenwitz der heligonischen Geschichte
Eigentlich gehört dieser Beitrag ins Pergament. Aber ich will dem,
was ich zu sagen habe, wenigstens eine kleine Möglichkeit geben,
ernst genommen zu werden.
Was sich da über den Sommer hinweg abgespielt hat, ist unglaublich.
Von Verrat war die Rede, von Aufruhr und gar von Krieg. Und dann standen
sich wieder einmal Heere gegenüber, in Heligonia. Wieder einmal stand
das Land vor einem Bruderkrieg. Haben wir nichts gelernt? Doch noch viel
schlimmer ist der Hintergrund, vor dem sich diese lächerliche Farce
abspielte.
eingenistet hat. Und wenn man sich so anstellt... Eine Geburtstagsüberraschung
sollte das wohl werden, was Baron Leomar und Baronin Josephina da ausgeheckt
hatten. Es wurde die größte Blamage, die der Ogedenbund je erlebt
hat! Baron Leomar, wie immer rechtzeitig verschwunden, als es anfing, brenzlig
zu werden, ließ eine zutiefst verstörte Josephina zurück.
Graf Waldemar schrie in alle Welt „Verrat!“ , und ganz Heligonia fragte
sich, was im Namen aller verfügbaren Götter in Drachenhain los
sei. Der Graf rief zu den Waffen, um den Aufruhr niederzuschlagen, und
das Unfaßbare geschah: Die renommierten Mitglieder des Ogedenbundes
in Drachenhain, machten sich auf, um gegen die Sprecherin ihres Bundes
in den Kampf zu ziehen. Natürlich, sie mußten das tun. Schließlich
zweifelt niemand am Vorrang des Vasalleneides. Aber mußten sie das
tun, ohne nachzufragen, ohne zu forschen, was denn geschehen sei, ohne
sich mit ihrem Grafen zu einer Beratung zusammenzusetzen, ohne einen Versuch
zu machen, das Problem friedlich zu lösen? Ich zweifle nicht daran,
daß keines dieser Ogedenbundmitglieder an eine Schuld Josephinas
glaubte. Dennoch folgten sie ihrem Grafen blindlings. Bei der Gründung
des Ogedenbundes wurde beschlossen, daß kein Bundesmitglied gegen
ein anderes kämpft. Streitereien untereinander sollten auf Bundes-
oder Ratesebene beigelegt werden. Einer sollte für den anderen eintreten.
Die gegenseitige Hilfe und Unterstützung war der Kern des Bundes.
Er entstand aus der Furcht vor einem zunehmend restriktiven Ceridentum,
das den ogedischen Glauben zu bedrohen schien. Und jetzt? Ein Ceride hat
gerufen, und alle, alle Ogeden kamen. Jedenfalls seine Vasallen. Damit
hat sich der Ogedenbund selbst ad absurdum geführt. Doch er ist nicht
nur sinnlos, sondern Dank der Glanzleistung des Baron Leomar vollkommen
lächerlich geworden. Und was noch schlimmer ist: Der Bund wurde gegründet
unter Anrufung der vier ogedischen Götter. Damit ist nicht nur der
Bund lächerlich gemacht, sondern auch die Götter! Und ich hoffe
sehr, sie werden eine göttliche Watsche verteilen an diejenigen, die
das zu verantworten haben! Besser kann man den Ceriden nicht in die Hände
arbeiten. Mit Sicherheit werden sie darüber noch in hundert Jahren
lachen!
Doch das ist noch nicht alles. Irgend jemand muß ja auch Schuld
sein. Natürlich nicht diejenigen, die das Ganze angezettelt haben,
die armen Kinder, die es doch nur gut gemeint haben! Man braucht ein Bauernopfer.
Und das ist auch schon da. Es hat doch tatsächlich jemand gewagt,
seine Pflichten als Bundesmitglied wahrzunehmen. Es hat doch tatsächlich
jemand so sehr an die Unschuld Josephinas geglaubt, daß sie nicht
zögerte, ihre eigenen Mannen Josephina zu Hilfe zu schicken, um des
Bundes und vor allem auch um der Freundschaft willen. Dummerweise war da
noch eine Landesgrenze dazwischen. Ein kriegerischer Akt also. Stellt Euch
vor. Baronin Nimue von der Aue hat versucht, Drachenhain zu erobern! (Mit
Verlaub: Bei all der versammelten Dummheit hätte sie das bestimmt
geschafft, wenn sie es gewollt hätte!). Natürlich ist sie jetzt
die Böse. Sie hat nämlich versucht, zu helfen. Sie hat nach ihrem
Gewissen gehandelt. Und so etwas tut man nicht! Denn was man in Ostarien
nicht macht, darf man in Thal gleich zweimal nicht!
Trotzdem ist es gut so. Jetzt hat man nämlich jemanden, dem man
eins auf die Mütze geben kann. Und natürlich ist der Ogedenbund
entrüstet, wie diese verruchte Person, Baronin Nimue nämlich,
dazu kommt, ihren Bundespflichten nachzukommen. Daß es aus politischer
Sicht sehr ungeschickt und zudem gefährlich von Nimue war, Truppen
nach Drachenhain zu schicken, und das ohne Wissen und Zustimmung Fürst
Barthas, steht außer Frage. Aber das sind die Fehler des Herzens.
Und Herz ist ja schließlich nicht gefragt. Wer Herz zeigt, wird bestraft.
Wer sich benimmt wie ein Vollidiot, wird bemitleidet. Man sollte Baronin
Nimue aus dem Ogedenbund ausschließen. Man sollte einen Platz schaffen,
damit der Ogedenbund einen Dummkopf mehr aufnehmen kann.
Ich möchte mich bei all jenen entschuldigen, die das nicht betrifft.
Bei der Freigräfin von Sedomee und dem Baron von Welzen (bei dem ich
mich immer frage, wieso er immer noch hinter mir steht).Ich sehe jedoch
den Bund als Ganzes der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Unbeteiligten
Bundesmitglieder sind genauso blamiert wie die Beteiligten. Die Götter
sind blamiert. Was wollt Ihr mehr? Bedankt Euch bei Leomar und Josephina.
Ach ja: Falls jemand meinen Kopf will, stellt Euch bitte hinten an!
Marvenna von Drachenstein
Die Redaktion empfiehlt der Verfasserin : An jedem Redontag zur
achten Stund findet zur Weiterbildung für das einfache Volk in der
Empfangshalle der Universität zu Escandra eine Vorlesung zum Thema
Lehensrecht statt. Professor Prof. Dr.jur. Abromalius Dotterkern, Juristische
Fakultät, Institut für Lehensrecht erklärt anhand von einfachen
Exempeln vom Ursprung bis zur heutigen Zeit das Lehensrecht und seine Bedeutung.
Papyros des Südens
Sedomeesische Neuigkeiten
Sedomee steht der Krone im Telnaron-Konflikt bei
Abermals möchte ich mein Wort an Euch, werte Leserschaft, richten,
denn gar Unerhörtes ereignet sich vor der heligonischen Küste.
Der Rat der Drei zu Telnaron hat sich erkühnt, seine Hand nach heligonischem
Besitz auszustrecken.
Die hohen Häuser Heligonias stehen zusammen, um der Begierde der
Kapitäne aus den Wilden Landen Einhalt zu gebieten. Die Krone selbst,
Sedomee, Ostarien, Thal, Betis und auch Darian sind fest entschlossen,
zu bewahren, was heligonisch war, ist und sein wird!
Fünf Kriegsschiffe der Küstenwache wurden von ihrer Hochgeboren,
Freigräfin Arana von Sedomee, entsandt, um sich dem Königlichen
Heerbann anzuschließen und sich der fremdländischen Bedrohung
zu stellen.
Saarkas Segen ist mit uns!
Keshara, freie Berichterstatterin aus Marola
Der erste Dieb ist gerichtet
Dem Fluch der heiligen Mondkatze können die Schandtäter nicht
entrinnen. Am seedomesischen Ufer des Shiba, der die Grenze zwischen Calena
und Darian bildet, wurde nahe der darianischen Stadt Ravani im Sand ein
nackter toter Mann gefunden. Auf seinem Rücken war ein Abbild der
gestohlenen Katze mit bräunlichen, wie mit einem Skalpell gezogenen
Linien gleichsam in die Haut graviert. Seine Gesichtszüge waren friedlich,
als habe Poëna ihn zwar gezeichnet und gerichtet, aber im Tode seine
Tat verziehen.
Möge dies eine Mahnung an die Täter sein, daß es zum
Umkehr noch nicht zu spät ist und daß sie vor der Göttin
straffrei bleiben können, wenn sie bereuen und die Mondkatze zurück
ins prächtige Jalamanra zurückbringen. Zugleich warnt aber Poëna
mit diesem Zeichen: Widerstrebende Schuldige wird sie unbarmherzig bestrafen.
Der nächste der Frevler, der seine Untat sühnt, wird nicht mehr
lächeln!
Der Trommler
freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft Norrland-Brassach
Graf Waldemar in Norrland-Brassach erwartet!
Wie den Schreibern des Trommlers unlängst bekannt wurde, beabsichtigt
Graf Waldemar von Drachenhain nach Erledigung seiner Geschäfte am
Königshofe in Escandra die Markgrafschaft Norrland-Brassach zu besuchen.
An welchem Tag der dritten Saarka nun genau der drachenhainer Graf in Tarnam
ankommen wird, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Vorbereitungen
für die Bewirtung des hohen Gastes am Hofe in Norrland-Brassach sind
aber bereits voll im Gange. Wie Markgraf Kalveram gegenüber einem
Schreiber verlauten ließ, freut sich das Herrscherhaus Norrland-Brassach
über den Besuch des drachenhainer Grafen, der mit seiner Reise ein
gegebenes Versprechen erfüllt. Markgraf Kalveram ist es ein besonderes
Vergnügen, dem alten, drachenhainer ‚Strategen‘ seine speziellen Reisewünsche
zu erfüllen: So ist neben dem Besuch der Schlachtfelder des Ödlandkrieges
und des Bauortes der Templer-Ordensburg Daronsfeste auch ein Abstecher
an die Nordgrenze der Markgrafschaft geplant, wo Graf Waldemar sich ein
Bild über den Bau der Grenzbefestigungen machen will.
Erster Tag der zweiten Saarka neunzig nach der Erleuchtung
Norrland-Brassach ehrt gefallene Helden
Still ging es einher auf dem großen, unlängst angelegten Friedhof
ganz in der Nähe der alten brassachischen Stadt Brazfurt, als sich
der Großmeister der Templer zu Ankur, Markgraf Kalveram, von seinem
Platz erhob und auf die Gräber der Gefallenen ostarischen und brassachischen
Kämpfer zuging. Genau an dieser Stelle hatten sich die Verteidiger
im Ödlandkrieg unter der Führung Legon von Brazfurts verschanzt,
um die Stadt gegen den Ansturm der Wilden bis auf den letzten Mann zu verteidigen.
Und hier ruhten in einem Sammelgrab nun all die tapferen Mannen, die dem
brassachischen Militär die doch so nötige Zeit verschafft hatten,
um die südlicheren Städte besser zu befestigen und weitere Kräfte
zu sammeln. Nur wenige Schritte von dem Massengrab mit dem darüber
errichteten großen Holzkreuz entfernt lag ein einzelnes Grab. Dort
ruhten die Gebeine des Anführers der Verteidiger Brazfurts. Der Markgraf
stellte sich hinter den Grabstein des Edlen Legon und lobte in einer Dankesrede
den tapferen Einsatz der brassachischen Krieger und ihrer Verbündeten.
Heldenhaft seien sie für Heligonia, Ostarien und Brassach gefallen.
Und heute wolle man alle Gefallenen ehren, in dem man ihren Anführer
Legon mit der ‚Eisernen Daron-Medaille am Bande‘ schmücke. Als Kalveram
diese Worte sprach, entnahm Vestalin Telvin von Durendahl den Orden aus
einer mit weinrotem Samt ausgelegten Holzschatulle und reichte ihn seinem
Großmeister. Dieser legte ihn dann vorsichtig auf den Kopf des Grabsteines
und beendete seine Rede mit dem Satz, daß man Legon von Brazfurt,
seine Mannen und ihre tapfere, ja aufopfernde Tat niemals vergessen würde.
Mit diesen abschließenden Worten wurde somit am ersten Tage der zweiten
Saarka neunzig nach der Erleuchtung erstmals der von Markgräfin Lenia
und Markgraf Kalveram in Erinnerung an den ebenfalls im Ödlandkonflikt
gefallenen ‚brassachischen Landesvater‘ Daron von Brassach gestiftete Orden
einem aufrechten Streiter für König, Land und die Markgrafschaft
Norrland-Brassach verliehen. Die aus brassachischem Erz gefertigte ‚Eiserne
Daron-Medaille am Bande‘ wird das einzige Ehrenzeichen sein, mit dem das
Herrscherhaus Norrland-Brassach ‚Verdiente‘ auszeichnen wird.
Drachenhainer Herold
Das Wunder vom Weißen See
Wundersames und sonderbares geschieht dieser Tage in der Baronie Tatzelfels.
Ein See, der erst jüngst entstand, spricht zu uns und gibt uns Rätsel
auf. Was davon zu halten ist? Macht Euch selbst ein Bild. Am besten mag
einer berichten, der dabei gewesen ist, als es geschah... Hört nun
Michol Tubax, einen Händler aus Beridheim.
„Wacht auf, wacht auf, ihr Herren der Burg, wacht auf! Arika,
die Erwählte des Xurls schickt mich Euch allesamt zu holen. Xurl ist
ihr erschienen und schenkt ihr Visionen an denen ihr alle teilhaben sollt.
Eilt Euch, ihr Leute, die Zeit drängt! Wacht auf, wacht auf...“
Lichter erscheinen an den Fenstern und Schießscharten der Feste,
ein erbostes Stimmengewirr schmettert auf den Jüngling vor dem
Haupttor danieder „Verdammter Lümmel, das Fest ist vorbei!“ ...“Scher
dich davon!“... „Was hat er gesagt?“... „Hat denn keiner einen Bogen zur
Hand!?“... „Was will er denn?“ ...“Ruft doch einer den Hauptmann, wir wollen
schlafen!“... Mutig wiederholt der Junge sein Anliegen, jetzt öffnen
sich ihm die Tore....
Es ist mitten in der Nacht, Burg Aarhorst im Herzen der Baronie Tatzelfels
ist, bis auf einige Wachhabenden und manchen Unersättlichen, in tiefen
Schlaf gesunken. Heute ist ein aufregender Tag gewesen, unser Prinz Leomar
ist heimgekehrt von langer Fahrt. Erst sind seine Hochgeboren in der Leomark
auf Staatsbesuch gewesen, dann war er nach Escandra zum König und
zu seinem Vater gereist, danach eilte der Baron von Tatzelfels schnurstracks
zurück in sein Land. Mit sich führte er die überaus überraschende
Nachricht, von der Erhebung des Grafen Waldemar zum Fürsten. Feiernde
Menschen säumten seinen Weg. Auch auf der Aarhorst hat es einen prächtigen
Empfang gegeben. Fast die gesamte Tatzelfelser Ritterschaft stand Spalier.
Wein und Meth flossen zuhauf. Ich selbst, war als Reisender nach Escandra
nur zufällig, oder wohl durch Fügung der Götter, an diesen
Ort gekommen, mein Pferd hatte ein Eisen verloren, was mich zum Halten
und Übernachten zwang. So nutzte ich die mir dargeboten Gelegenheit
und feierte ausgelassen bis in den nächsten Tag hinein, müde
und gesättigt sanken wir sehr spät in die Betten. Umso empörter
reagierten wir, als das unverschämte Geschrei des Jünglings,
uns alle aus unserem kurzen Schlaf riss. Glücklich waren wir als der
Hauptmann den Störenfried zu sich in die Wachstube nahm und wir endlich
unsere Ruhe hatten. Aber was geschah dann? Die Wachen und Bediensteten
der Burg wanderten eilends durch die Feste und weckten mich und die anderen
erneut. Wir alle sollten uns rasch anziehen und uns reisefertig machen,
der Prinz habe dies befohlen. Hastig befolgten wir die Anordnung und fanden
uns kurz darauf auf dem Innenhof der Aarhorst zusammen. Die Menschen sprachen
durcheinander, man verstand sein eigenes Wort nicht mehr. Mit einem Mal
erschien Prinz Leomar, umgeben von Rittern mit Fackeln auf dem Platz, die
Gespräche verstummten. „Hört mich an, geschätzte Gäste.
Arika die Erwählte des Xurl ruft uns alle zu sich, es hat sich unglaubliches
zugetragen. Dieser Jüngling hier wurde beauftragt uns zu holen, um
Zeuge zu sein, von einer Sache, die sicherlich keiner von uns jemals gesehen
oder gehört hat. Der weiße See der Vogtei Haydeck beginnt Arika
zu weissagen! Los Junge, wiederhole!“ Der Bursche trat unsicher aus dem
Schatten hinter dem Prinzen und wiederholte mit bebender Stimme, was Arika
ihm aufgetragen hatte: „ Höret, Arika, Erwählte des Xurls, spricht:
‘Der Feind regt sich! Tod und Verderben wird über die nördlichen
Gebiete der Baronie hereinbrechen. Gründet eine geeinte Macht, die
im Namen unserer Götter streitet, damit den wilden Horden Einhalt
geboten und das Voranschreiten in das Königreich verhindert werden
kann. Kommt zum Weißen See und hört die weiteren Visionen!“
Wild redeten die Leute, ob dieser Nachricht, durcheinander. Natürlich
wollte keiner zurückbleiben, also wurden Ochsenkarren herbeigeschafft,
damit tatsächlich jeder zum Weißen See gelangen konnte. Obwohl
wir uns beeilten, dämmerte bereits der Morgen, als wir endlich das
Dorf Siebenquell, unweit des Sees, erreichten. Eine Schar Dorfbewohner
erwartete uns bereits und wies uns den Weg zur Geweihten. Arika stand in
blauem Gewand am Ufer, im Rücken der See, der sich widernatürlich
in kleinen Wirbel kräuselte. Als alle endlich eingetroffen waren,
hob sie die Arme: „Seht!“ sagte sie und wies auf den See. Mit einem Mal
verstärkte sich das Kräuseln und die Bewegungen des Wassers nahmen
stetig zu, furchtsam traten manche einige Schritte zurück oder begangen
zu beten. Endlich hob sich der See leicht und gab auf mysteriöse Weise
das Spiegelbild einer fernen Gegend wieder. Felder waren zu sehen und Wälder,
dann Menschen auf Palisaden und plötzlich rennende Gestalten bewaffnet
mit gewaltigen Säbeln und Speeren - Ödländer. Dann sahen
wir brennende Wehrtürme und die Tatzelfelser und Rebenhainer Farben
im Dreck. Nebel kam auf, der See sank zurück in sein Bett und die
Vision war vorüber. Stille lag über uns allen. Arika war es,
die diese Stille des Entsetzen durchbrach: „Höret, die Vier werden
uns leiten, dass dem Feind Einhalt geboten werden kann. Seht!“ Wieder bewegte
sich der See und plötzlich brach aus seinem Innern eine Fontäne
hervor, hinein in eine Gruppe zerlumpter, Aussätzige wie es den Anschein
hatte und traf einen dieser Männer. Getroffen von dem Strahl weißen
Wassers, schlug es den Mann von den Beinen. Umherstehende eilen zu ihm,
um ihm wieder aufzuhelfen. Doch der Mann benötigte keine Hilfe, langsam
und zum Erstaunen aller, stand er auf, vollkommen gesund, ohne Mal und
Wunde. Er warf den Beutelstab und die kleine Glocke von sich, ein Raunen
ging durch die Reihen der Menschen. Arika trat zu ihm: „Seht, dies soll
der Meister Eures Ordens sein, des Ordens des Weißen Wassers!“Sie
ging zurück zum See und sprach erneut: „Nun hört, was die Götter
uns weissagen, damit Unheil von uns allen abgewandt sei! Eine Weisung habt
ihr gehört, hört nun mehr.“
2. „Nicht wenigen, sondern vielen ist wohlgetan, wenn drei und zwei,
die Macht erhalten“
3. „Die neuen Alten graben tiefer, als die alten Neuen Korn gesät
haben!“
4. „Ich weiß etwas: Es war einst groß, es ist trotz Tod
und Leben groß
geblieben und wird groß sein im Schatten und es wird Einläuten
in eine neue Zeit!“
5. „Nur ein Weg reicht an das bewegliche verrückte Ziel, das nicht
da ist -
ein Wagnis ist die Sehne, die Liebe der Pfeil, das Holz das Gewesene
und der Köcher bist Du!“
6. „Eine Mutter wird brechen und reißen entzwei, warum vergießt
der Sohn keine Tränen? Weil der Vater zu stark ist!“
7. „Das Haupt, das im Haupt für immer bleibt, kehrt mit
neuem Haupt zurück, um einem neuen Haupt den Weg zu ebnen.“
Als die Erwählte mit der letzte Weissagung geendet hatte, beruhigte
sich der See, es schien als ob niemals irgend etwas gewesen wäre.
Prinz Leomar nutzte die Stille und lud die Anwesenden nach Lukanor, um
dort über das Geschehene zu beraten. Neben seiner Hochgeboren ritt
der Mann, der durch Arika vom Orakel berufen wurde. Ich selbst wandte mich
nach Beridheim, um dort von diesem Ereignis zu berichten, bald jedoch,
werde ich mich wieder nach Lukanor begeben, um dort mein Scherflein zu
dieser Sache beizutragen...
Ritterschlag in Tatzelfels
Hiermit geben wir kund und zu wissen, daß wir, Prinz Leomar von Drachenhain,
Baron von Tatzelfels die Absicht haben, den Knappen Arandis von
Schwarzensteyn auf Grund seiner Gefolgschaft, seiner Tapferkeit und
seiner Fertigkeit mit der Waffe in den hohen Rang der Ritterschaft zu erheben.
Arandis von Schwarzensteyn soll Sporen, Schwert und Schild erhalten, auf
daß er seinem Baron folgen und die Baronie Tatzelfels beschützen
kann. Verbunden damit, erhält er das Recht ein eigenes Wappen zu tragen.
Im Namen der Vier, so sei es!
Prinz Leomar von Drachenhain, Baron von Tatzelfels
Ein Glaube ohne Tat ist ein Feld ohne Saat.
(Ogedisches Sprichwort)
Freifrau Jovana von Rabenweil, Vogtin von Distelwiel für tot erklärt
Die Frist ist nach 2 Jahren über Gebühr verstrichen. Solange
ist es nun her, da die Vogtin von Distelwiel auf Geheiß ihres Barons
Tatzelfels, Prinz Leomar von Drachenhain, mit einer Schar Bewaffneter über
Carajon gen Ödland auszog. Der Auftrag ihrer Hochwohlgeboren, war
es, eine alternative Route zum, damals noch unsicheren, Jolborn zu finden.
Die Expedition war dahingehend erfolgreich, daß Freifrau Jovana mit
ihren Getreuen die Leomark erreichte, jedoch seit dem letzten Angriff der
Ödländer dort von keinem Menschen mehr gesehene wurde . In Distelwiel
tritt nun auf Wunsch des Prinzen ihr Bruder, Ritter Leonidas von Rabenweil,
ihre Nachfolge als Vogt von Distelwiel an. Ganz Tatzelfels trauert um eine
besondere Frau, deren Kraft und Antrieb es zu verdanken ist, dass Tatzelfels
ist was es ist. Unsere besondere Anteilnahme gilt Freifrau Jovanas Tochter,
Gesegnete Juvena von Rabenweil, die derzeit in der Freigrafschaft Sedomee
weilt
.Tatzelfelser Hofchronist, Minhardt Balamus
Bericht über die Festlichkeitenanläßlich der Erhebung des
Grafen von Drachenhain zum Fürsten
Als mich Cawadoc mit der Nachricht Graf Waldemars nach Tolens zum Gelehrtenkonvent
schickte, ahnte ich wirklich nicht, wie brisant sie war. Eilig sei sie,
hatte Cawadoc gesagt. Prinz Leomar müsse sie unverzüglich erhalten.
Es ginge um die Zukunft der Grafschaft Drachenhain. Die Prinzessin Syria
Jaldis hatte wohl die gleich Nachricht erhalten, denn sie war am gleichen
Tag, an dem ich mich mit der Nachricht zu Prinz Leomar aufmachte, Richtung
Escandra abgereist.
Ich machte mir allerlei Gedanken über das Papier, das ich unter
meinem Hemd verwahrte, bis ich in Tolens ankam. Und als Prinz Leomar das
Siegel erbrach und die wenigen Zeilen las, die sein Vater ihm schickte,
wirkte er recht verstört. Licht ins Dunkel brachten Graf Waldemars
Worte nicht. Dort stand nur, Prinz Leomar solle unverzüglich nach
Escandra reisen. Er werde am Hofe des Königs erwartet, zusammen mit
seinem Vater.
Und so kam es, daß ich am nächsten Tag zusammen mit Prinz
Leomar unterwegs nach Escandra war. Mehr noch, wir waren unterwegs zum
Hofe des Königs. Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen
nicht vorzustellen gewagt.
Zwar bin ich in Südescandra aufgewachsen, aber in Escandra selbst
war ich zuvor erst ein einziges Mal. Und zwar vor einem Jahr als Begleitung
der Prinzessin Syria Jaldis zum damaligen Gelehrtenkonvent. Es war der
Gelehrtenkonvent, der mein ganzes Leben auf den Kopf stellte. Als Galamiel
mir diesen Trank verabreichte und ... Aber genug davon, das ist nicht das,
wovon ich berichten will. Auch von den Schönheiten Escandras will
ich hier nicht schwärmen, obwohl sie einige Zeilen wert wären
und ich genügend Zeit hatte, die Stadt zu bewundern, bis – ja, bis
zu dem Geschehnis, von dem ich berichten will. Und auch die Wunder des
Königshofes will ich aussparen, den ich mied, damit mir keine Fehler
unterlaufen können und da ich als einfacher Knappe ohnehin nicht viel
zu sehen bekam. Ich will mein Augenmerk ganz dem Ereignis widmen, weswegen
Graf Waldemar seine Kinder nach Escandra rief – die Erhebung des Grafen
von Drachenhein zum Fürsten.
Es war am 1. Tag des III. Saarka als die öffentliche Zeremonie
zur Erhebung Graf Waldemars in den Fürstenstand stattfand. Viele hochadelige
Gäste hatten sich in den Tagen davor in Escandra eingefunden. Einige
von ihnen hatte ich vor einem Jahr auf dem Adelstag in Jolberg schon kennen
gelernt – soweit ein Knappe solch hochherrschaftliche Leute kennen lernen
kann – , andere hatte ich noch nie gesehen.
Sie alle fanden sich an jenem Tag im Wappensaal des Königs ein,
zusammen mit einigen Bürgern und Adligen der Stadt Escandra. Von meinem
Platz ganz hinten im Saale konnte ich Josephina von Drachenhain Baronin
von Wolfenfeld, Baronin Leabell von Tlamana, Seine Durchlaucht Fürst
Nial von Angaheym, seine Hochgeboren Prinz Anselm von Thal und seine Durchlaucht
Fürst Barta von Thal erkennen. Sie alle waren schon seit einigen Tagen
in Escandra.
Die Wappen eines jeden Landes des Reiches hängen an den Wänden
des Wappensaals. An anderen Tagen wirken die Wappen oft stumpf und grau,
doch an diesem Tag schienen sie in einem unwirklichen Licht zu erstrahlen.
Der Saal funkelte im Licht der vielen Kerzen, das sich im Geschmeide und
den Juwelen der Herrschaften brach und die kostbaren Stoffe der Roben zum
Erglänzen brachte.
Ich habe die Worte, die bei der Zeremonie gesprochen wurden, nicht
verstanden. Auch die Gesichter der hochherrschaftlichen Gäste blieben
mir verborgen, die in den vordersten Reihen standen oder selbst am Geschehen
beteiligt waren. Doch die Worte, die am Ende durch den Saal schallten,
hallten im Saale wider wie Glocken und waren selbst in der hintersten Reihe
zu vernehmen: “Kniet nieder, Graf Waldemar von Drachenhain, und erhebt
Euch als Fürst Waldemar von Drachenhain!”
Es sind diese Worte und die Erhabenheit dieses Augenblicks, die sich
mir unwiderruflich eingeprägt haben. Denn ich fühlte, wie diese
einfachen Worte in den Herzen der Menschen, die anwesend waren, widerhallten
und vieltausendfach darin gebrochen wurden, wie ein Chor unzähliger
Stimmen. Fast glaube ich sogar, dass sie im ganzen Reiche widerhallten,
so überwältigend war die Resonanz der Gefühle in jenem Saale.
Danach gab es ein Fest, das seinesgleichen suchte. Noch nie in meinem
Leben habe ich eine solche Fülle von Köstlichkeiten gesehen.
Einige der Speisen wußte ich nicht einmal zu benennen. Bier, Wein
und Meth flossen in Strömen. Dazu gab es Gesang und Tanz, daß
all meine Sinne von diesem Reichtum wie betäubt waren und ich es kaum
wagte, Hand anzulegen an den wunderbar dekorierten Essensplatten und meinen
Becher zu füllen aus den immer vollen Krügen.
Doch in diesem Chaos der Sinne, in diesem Funkeln, Glitzern, Lachen
und Gewimmel konnte man nicht ewig atemlos bleiben, sonst wäre man
verloren gewesen. Irgendwann überwand ich mich und langte zu – und
konnte schließlich fast nicht mehr aufhören, von den fremden
Köstlichkeiten zu naschen, die kein Ende zu nehmen schienen, und dem
süßen Tatzelfelser Meth zuzusprechen, der stets meinen Becher
füllte, so oft ich daraus auch trank. Er machte mich übermütig
dieser Meth, so daß ich mich endlich sogar unter die Tänzer
mischte und in die Lieder einfiel, die angestimmt wurden.
Irgendwann war ich erschöpft von all dem Glanz, dem Tanz, dem
Essen und dem Meth und saß nur noch in einer Ecke und ließ
das Fest an mir vorüber treiben. Genoß ich nur noch den Augenblick
im Hier und Jetzt, aus Angst er könne, ach so bald, schon enden. Ich
sah nur noch und lauschte und schmeckte. Bemerkte anfangs hier und dort
noch bekannte Gesichter in dem Treiben, doch irgendwann vermischten sie
sich, gingen in der fröhlich feiernden Menge unter und wurden eins
mit dem Fest selbst – so wie ich selbst.
Wie das Ende jenes Festes dann schließlich aussah, daran erinnere
ich mich nicht mehr. Irgendwann am nächsten Morgen bin ich in meinem
Bett aufgewacht, – Die Götter mögen wissen, wie ich dorthin gefunden
habe! – mit nichts bekleidet als dem Geschmack des Meths auf meinen Lippen
und dem Klang der Musik in meinem Ohren. Und ich muß nur die Augen
schließen, um dieses Fest zurückzuholen: das Essen, den Glanz
und die Freude. Doch selbst das scheint schal im Vergleich zu der Erhabenheit
des Augenblicks, als die schicksalsträchtigen Worte durch den Wappensaal
hallten.
“Kniet nieder, Graf Waldemar von Drachenhain, und erhebt Euch als Fürst
Waldemar von Drachenhain!”
Mögen die Götter ihn und seine Regentschaft segnen! Und mögen
die Götter Prinz Leomar dafür danken, daß er mich teilhaben
ließ an diesem überwältigenden Ereignis!
Gezeichnet:Arandis von Schwarzensteyn
Knappe des Ersten Ritters Cawadoc
Baronie Tatzelfels, Burg Aarhorst am 10. Tag des III. Saarka
Mißglücktes Saarkafest in Sarniant
Mehr Menschen als sonst hatten sich zur Feier der längsten Nacht
des Jahres im Schrein zu Sarniant versammelt. Traditionsgemäß
nahm Baronin Josephina als Hochgeweihte des Xurl jedes Jahr an der Feier
teil, also wartete man neugierig auf ihr Erscheinen. Als die Geweihten
einzogen, sah man, daß sie ihr kostbares Festtagsgewand trugen, nur
die Baronin war in einfaches blaues Leinen gehüllt und trug keinerlei
Schmuck. Nachdem man das Feuer in der Schale auf dem Altarstein entzündet
und den Kreis mit Wasser gereinigt hatte, trat Josephina in die Mitte und
begrüßte die Gläubigen: “Das Fest der Saarka ist der Wendepunkt
des Winters und der Kälte. Von nun an werden die Tage wieder länger,
das Licht kehrt zurück und mit ihm der Frühling. Ebenso folgt
nach einer Zeit der Dunkelheit, der Verzweiflung und des Unglücks
wieder Lachen und Fröhlichkeit. Der vergangene Sommer hat vielen von
uns Trauer und Leid gebracht, und nur schwer ist der Wille der Götter
zu verstehen. Aber niemals würden sie uns Leid schicken, daß
wir nicht auch ertragen könnten. Und wenn es für uns auch manchmal
diesen Anschein haben mag, so senden sie uns unerwartet einen Freund, der
uns tröstet. Das Saarkafest erinnert uns aber auch an all die Freunde
und Verwandten, die wir verloren haben, deren Seelen vor uns zu Helios
gegangen sind und denen wir nachfolgen werden. Um an sie zu denken und
für uns selbst zu bitten, sind wir hier zusammengekommen. Besonders
aber wollen wir an die Menschen von Wiesensteig denken, die in jener schrecklichen
Nacht getötet wurden, friedlich schlafend und nicht das Böse
ahnend, daß sich in dunkler Nacht anschlich. Die Götter mögen
ihre Seelen aufnehmen und alle strafen, die ohne Grund, aus reiner Freude
unschuldige Menschen töten!” Im gleichen Augenblick fegte ein kräftiger
Windstoß durch die Steinsäulen und löschte das Feuer auf
dem Altar. Ein Raunen ging durch die Menschen, war das ein Zeichen? Das
Feuer wurde wieder entzündet, und man sprach die Gebete. Als die Opfergaben
niedergelegt wurden und die Baronin näher trat, um den Kelch mit Wasser
auf den Altar zu stellen, erhob sich wieder heftiger Wind und löschte
das Feuer ein zweites Mal. Verwirrung entstand. Bestürzt wich Josephina
zurück. Mit kalkweißem Gesicht bat sie die Xurlgeweihte Romena,
die Feier fortzusetzen, und verließ sichtlich verzweifelt den geheiligten
Kreis. Die Feier ging ohne weitere Störung zu Ende, doch fragten sich
alle, was das Mißfallen der Götter erregt haben könnte.
Es wurde der Wunsch laut, eine Bittprozession abzuhalten, um ihren Zorn
zu besänftigen. Die Menschen von Wolfenfeld machen sich Sorgen: Was,
wenn sich die Götter von Josephina abgewandt hätten? Wer würde
das Land dann vor Unheil bewahren?
Brennus Palimpsest
Die Reise in den hohen Norden Teil II.
- Prinz Leomar von Drachenhain auf Staatsbesuch
in Kratorpolis und der Leomark -
Baronie Rebenhain und Tatzelfels vergrößern gemeinsam die Grenzen
ihrer nördlichen Enklaven. Der geneigte Leser mag sich an den ersten
Part des Berichtes um die Reise des Prinzen von Drachenhain, Baron Leomar
von Tatzelfels, in die nördlichen Lande, die Leomark und Kratorpolis,
aus der Hand des drachenhainer Hofberichterstatters Schillwunk Radeweyd
erinnern (HB28,S.52). Lest nun, wie sich die Geschichte dieser langen Reise
weiterspann.
Tatzelfelser Hofchronist, Minhardt Balamus
Escandra, am 30. Tag des II. Saarka n.A.III.27
Liebster Minhardt,
Zahlreiche Monde sind seit unserem Aufbruch vergangen, ja fast ein
halbes Jahr ist verstrichen, da wir Tarnam hinter uns ließen. Allzu
gerne hätten wir den leichteren Weg, per Schiff den Jolborn hinauf,
genommen, doch leider vermochten wir dies aufgrund des enormen Hochwassers
nicht. So dass uns lediglich der beschwerliche Landweg am Fluss entlang
übrig blieb. Beschwerlich war die Reise durch das wilde Land entlang
des Flusses, hoch oben in dem Gebiet, das zwischen Vjoshaven und Ostarien
liegt, führwahr, wo weder Weg noch Steg einem Erleichterung schenkt.
Meilenweit entfernt von Aximistiliusstraße und Heliosweg, plagten
wir uns also durch pfadlose Wildnis, durch dornige Hecken und dichte Wälder,
wo für unsere Pferde teilweise kaum ein vorankommen war. Wo das Landesinnere
uneben hügelig ist, und man oft auf losem Grund ins Stolpern gerät.
Dazu lauerten mannigfaltige Gefahren auf unsere müde, von Stacheln
arg geplagte, Schar, die vor lauter Müdigkeit kaum vermochte Schwert
und Schild zu halten. Riesenhafte Bären, die den Menschen noch nicht
scheuen, trachteten nach unserem Leben. Drei Mannen und vier Pferde starben
unter, der mit wuchtigen Schlägen gepaarte Umarmung, der starken Tatzen.
Zwar lagen die Untiere bald darauf selbst im eigenen Blute, doch die Angst
vor der todbringenden Liebkosung steckte einem jedem im Gebein. Selbst
seine Hochgeboren trug einmal von solch einem Gefecht eine tiefe Wunde
am Bein davon. Einem Wunder gleich schien es uns dann, als die dichte Wildnis
sich zu einer weiten Rodung öffnete, und wir, eingebettet in ein liebliches
Tal am Ufer des großen Jolborn, eine trutzige Ortschaft sahen, umfast
von wohlbestellten Feldern, auf denen zahlreiche Bauern emsig arbeiteten.
Man mag uns die Freudentränen nachsehen, die darob über manche
Wangen perlten, endlich waren wir nach langen Tagen beschwerlichen Rittes
und Nächten ohne jegliche Ruh an unserem Ziel angelangt - Kratorpolis.
Der von Baron Krator von Rebenhain hier eingesetzte Verwalter der Siedlung,
Ritter Trajan von Sarras, empfing uns sehr freundlich, wohl aber auch ein
wenig überrascht, schließlich hatte seine Hochwohlgeboren unser
Kommen viel eher und uns auch nicht in einem derartig zerschundenen Zustand
erwartet. Die ersten Tage wurden wir gehegt und gepflegt, es mangelte uns
an nichts und so kehrten unsere Kräfte mit jedem Tag ein wenig mehr
zurück. Bald schon nahmen wir diese Enklave der Baronie Rebenhain
neugierig in Augenschein, die zusammen mit der Leomark (Tatzelfels), die
sich ein wenig weiter im Norden befindet, seit Jahren fernab vom Königreich,
derart trefflich hatte entwickeln können. Obwohl den beiden Enklaven
in der jüngsten Vergangenheit beinahe ein trauriges Ende beschert
gewesen wäre, (HB23, S.20) als die Ödländer in großer
Anzahl angegriffen und die Heligonier nur mit Mühe dem Anrennen hatten
standhalten können. Der Feind war sodann zurück gen Osten geflohen.
Viel war zerstört worden an Leben und Bauwerken, doch die Siedler
der Orte Kratorpolis und Xurl-Saleenia in der Leomark, ließen sich
nicht beirren. Sie waren fleißig und ließen nicht nach, das
Land zu roden und zu bestellen. Etliche Leute, zumeist Rebenhainer, sind
seitdem hinzugezogen, um sich im Schatten der Wehrtürme ein Heim zu
bauen. Auch muss man nicht länger einen Weg in pfadlose Wildnis suchen,
wenn man von einem Ort in den anderen gelangen möchte, führt
doch mittlerweile eine prächtige Landstraße durch das Hügelland
- zwar nicht der Heliosweg, aber dennoch eine Straße! Auch Prinz
Leomar schickte sich baldigst an, mit Ritter Trajan von Sarras lange Gespräche
zu führen, die beiden Orte zu besuchen und sich das Leid und den Kummer
der Leute anzuhören, die hier oben, fern von all dem Luxus und dem
leichten Leben des Südens, in harter Arbeit und bedrückender
Enge ihr Dasein fristen. Tagelang schenkte Prinz Leomar den Menschen Gehör
und lobte sie, ob ihres Fleißes und ihrer Ausdauer. Der Thronfolger
Drachenhains versprach
schnelle Hilfe und eine baldige Verbesserungen ihrer Lage. Dass seine
Hochgeboren dies bald tätigen würden, daran hegte keiner
Zweifel, dass alles aber dann derart schnell vonstatten ging, das hätte
keiner auch nur im entferntesten zu hoffen gewagt. Denn bereits nach dem
ersten Monat wurden Karten der bisher erkundeten Gegend ausgelegt, über
denen mit Ritter Cawadoc Gwar U‘Mad und Ritter Erendil von Baxentor, dem
Kommandanten der Leomark, noch weiter namhaften Köpfe brüteten.
Große Truppenverbände wurden ausgehoben und gerüstet. Bald
schon war die Neuigkeit Lager auf, Lager ab bekannt: Ein geeintes Rebenhainer
und Tatzelfelser Heer, werde die Grenzen
für die beiden befreundeten Orte in Richtung Ödland vergrößern.
Ich selbst hütete leider wegen eines verstauchten Fußes das
Lager, so dass ich von den darauffolgenden Geschehnissen nur aus zweiter
Hand Bericht erstatten kann.
Demnach stellten sich dem geeinten Heer, von einzelnen ödländischen
Jägern abgesehen, kaum Gegner in den Weg. Das hügelige, waldlose
Land war größtenteils unbewohnt, nur mancherorts wurden verlassene
primitive Behausungen der Ödländer dem Erdboden gleichgemacht.
Übergriffe vonseiten des Feindes hat es - den Vieren zum Dank - nicht
gegeben. Die Wilden schienen sich, nach ihrer letzten Niederlage, aus diesem
Teil des Landes zurückgezogen zu haben. Dennoch ordneten Prinz Leomar
und Ritter von Sarras an, die Grenzen zum Feind, mittels Wehranlagen und
Palisaden, zu sichern und Wachsoldaten dort fest zu stationieren. Alsdann
machte sich unsere Schar, angeführt von
Prinz Leomar und Ritter Cawadoc, diesmal per Schiffen, auf den langersehnten
Heimweg. Die Fahrt verlief höchst ereignislos und erwies sich somit,
als weit angenehmer, als der Beginn unserer Reise. An den wir uns, mit
Schaudern erfüllt, immer zurück erinnerten, wenn wir den Blick
links über das undurchdringliche Grün und Schwarz der Wildnis
schweifen ließen. Zuhause in Heligonia war, nach einzelnen Halts
zur Proviantaufnahme, die Stadt Jolbruck in Jolbenstein unser erstes Ziel.
Denn dort erwartete uns Regentin Leabell von Tlamana in den erwürdigen
Hallen des Drachenhainer Regierungsresidenz. Schlechte Kunde brachten uns
die Tlamaner, so erfuhren wir vom Tod ihres und Leomars Sohnes und vom
Streit zwischen Onkel und Nichte und dessen seltsamen Ende. Sodann trennten
sich die Weg zwischen mir und meinem Herrn Leomar, da ich mich zusammen
mit der einen Reisegesellschaft, angeführt von Cawadoc, zurück
nach Tatzelfels begab, während seine Hochgeboren zusammen mit seiner
Gemahlin zum Ogedenbundtreffen nach Tolens reiste. Dort auf Burg Aarhorst,
fand sich noch in derselben Woche unserer Ankunft, ein Bote des Grafen
ein, der seinen Sohn zu sich nach Escandra rief, wo der Herr von Drachenhain
seit Ende des unseligen Konfliktes weilte. Ich selbst sandte den Boten
weiter gen Tolens, während ich mich entgegengesetzt nach Escandra
aufmachte - denn mein Interesse war geweckt. Wenige Tage darauf sollte
ich dann auch wieder mit Prinz Leomar in der Hauptstadt zusammentreffen,
der der Weisung seines Vaters folgend, hierher gereist war. Der eigentlich
Grund für des Grafen Geheiß, blieb mir bis zur Stunde unbekannt,
so dass ich hierüber leider keine Auskunft geben kann. Prinz Leomar
jedoch nutzte sogleich die Gelegenheit, bei seinem höchsten Lehnsherrn
zu sein und berichtete Seiner Allerdurchlauchtigsten Majestät von
der Landnahme Tatzelfels und Rebenhains im Norden zur Vergrößerung
deren Enklaven. Der König billigte erfreut diese Tat und verbriefte
Prinz Leomar und Baron Krator sogleich den Besitz dieses Landes, so dass
es von nun an dem Königreich Heligonia eingegliedert ist. Erst jetzt,
da vom König besiegelt, durfte, auf Befehl der Barone hin, diese Nachricht
verbreitet werden. Mit dieser hocherfreulichen Botschaft möchte ich
meinen Bericht um die Reise in den hohen Norden schließen und verbleibe
mit den besten Grüßen.
Schillwunk Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter
Wahl des Ogedenbundes
Zur Sitzung des Ogedenbundes in Grünwalden hatten sich dieses Jahr
viele Mitglieder entschuldigt, so daß man nur knapp abstimmungsfähig
war. Sprecherin Josephina von Drachenhain bedauerte das offensichtlich
mangelnde Interesse der Mitglieder, etwas bewegen zu wollen. In ihrem Bericht
faßte sie die Aktivitäten des vergangenen Jahres zusammen, wie
die Aufnahme von zwei neuen Mitgliedern, die Einführung eines Bundes-Symbols,
Unterstützung bei der Bekämpfung der Flaitneyer Schafseuche,
verschiedene Zollvergünstigungen und die Verwendung von Spenden. So
wurde in Betis das heruntergekommene Armenhaus in der Neuen Stadt gekauft
und erweitert und wird in Kürze seiner Bestimmung übergeben,
auch richtete man mit großzügiger Hilfe der Familie Esteban
eine Armenküche in der Alten Stadt ein.
Am Ende der Sitzung fand die Wahl statt, wobei folgende Personen in
den Rat gewählt wurden: Arana von Sedomee, Leomar von Tatzelfels,
Josephina von Drachenhain, Foranan Mc Donough, Koldewaiht von Hautzensteyn,
Krator von Rebenhain und Fendra von Aueneck als Vormund des Barons von
Tolens.
Als Sprecherin des Bundes wurde Josephina von Drachenhain bestätigt.
Man kam überein, den Wahlturnus auf zwei Jahre zu verlängern,
so daß die nächste Wahl in den Saarkamonden des Jahres 29 stattfinden
wird.
Offener Brief an Nimue von der Aue
Liebe Nimue!
Deinen harten Worten entnehme ich, daß Du offenbar mit der Familie
Drachenhain nichts mehr zu tun haben willst. Deshalb möchte ich Dich
auch nicht mit meinem Besuch oder einem Boten belästigen, sondern
wähle diesen Weg, um mein Unverständnis auszudrücken. Das
Unverständnis eben, warum Du immer noch an ein Versagen des Bundes
glaubst. So könntest Du wohl denken, wenn ich den Ogedenbund um Hilfe
gebeten hätte (was ich laut Satzung beanspruchen hätte können),
und seine Mitglieder sich geweigert hätten. Aber das habe ich nicht,
denn was wäre dann wohl geschehen? Sämtliche ceridischen Armeen
hätten sich ebenfalls auf den Weg gemacht! Glaube mir, ich habe lange
mit dieser Entscheidung gehadert, denn ich wollte so einen Glaubenskrieg
um jeden Preis verhindern.
Du sagst, die Bundesmitglieder wären gezwungen gewesen, sich für
eine Seite zu entscheiden. Niemand mußte sich entscheiden, denn jedem
Baron war klar, daß er seinem Lehensherrn gehorchen muß. In
der Satzung des Bundes ist fest verankert, daß der Lehenseid IMMER
über dem Bundeseid steht, sonst hätte er gar nicht gegründet
werden dürfen!!
Nun willst Du also den Bund verlassen. Warum? Niemand hatte dich gebeten,
im Namen des Bundes einzugreifen. Auch ich habe dich damals gewarnt, dich
in diese Sache einzumischen. Als Antwort kamst du herüber in meine
Burg und hast meinen Kopf in eine Schüssel kaltes Wasser gesteckt.
Soll ich nun dasselbe bei Dir versuchen?? Du hast einen Fehler gemacht,
und Nial hat auch einen Fehler gemacht. Ihr beide habt euch bei den betroffenen
Leuten entschuldigt, und die Entschuldigungen wurden angenommen. Warum
also immer noch Streit, Schuldzuweisungen, kleinliche Rechtfertigungsversuche...?
Oder ist das alles nur ein Vorwand?
Du willst den Bund verlassen. Wenn auch ich Dich nicht davon abbringen
kann, soll es sein. Aber erinnere Dich: Du hast vor den Göttern einen
Schwur geleistet, ihn kannst Du nicht lösen. Und wir müssen deinen
Austritt bestätigen. Das werden wir aber nicht tun, solange Du uns
deine Gründe nicht persönlich erklärst. Bis dahin bist Du
weiterhin ein Mitglied des Ogedenbundes.
Wenn Du aber am Sinn zweifelst, so denk an eine Burg: Wenn Frieden
herrscht, ist es oft kalt und ungemütlich darin, doch wenn man angegriffen
wird, weiß man, warum man in einer Festung wohnt!
Liebe Freundin,die Du wie ich im Herzen hoffe, immer noch bist, verzeih
mir diese klaren und offenen Worte, die nun auch die Öffentlichkeit
erfährt. Aber nur so kann ich sicher sein, daß sie Deine Ohren
auf irgendeinem Weg erreichen werden. Sonst muß ich wohl oder übel
dieses Mal DEINEN Torwächter zusammenbrüllen, stell also für
alle Fälle kaltes Wasser bereit...
Es grüßt Dich in Freundschaft Deine Josephina
Der Wettstreit
-Ein schlechter Tausch -
17. Tag des 3. Xurl: Wäre ich doch nur in Betis geblieben,
dort in der Stadt der „tausend Geheimnisse“ wäre mir das nie und nimmer
passiert, und die paar Schläge , hätte ich durchaus verkraftet.
Warum nur habe ich auf diesen dämlichen Schwätzer Riccos gehört:
„Fahr doch für die Saarkamonde auf`s Land in die Provinz - Tatzelfels
beispielsweise und warte bis sich hier die Wogen geglättet haben.
Meister Waldurs Arm wird soweit nicht reichen!“ So tat ich`s nun ja dummerweise
auch. Jetzt bin ich schlauer, es war ein schlecher Tausch, denn das, was
mich hier traf, war schlimmer noch als tausend Schläge eines gehörnten
Ehemannes: trostlose Einfallslosigkeit! So sehr ich mich auch anstrengte,
keine Idee, kein Motiv vermag in meine Kopf Gestalt anzunehmen. So sitze
ich hier in meiner kleinen düstren Stube und starre die Wand an, abends
spiele ich den Herrschaften auf, nachts und in Stunden des Tages zermartere
ich mir erfolglos das Hirn nach neuen Melodien, Reimen und Geschichten
- es ist zum aus der Haut fahren. In Betis wäre das anders, da hätte
ich mich einfach in die nächstbeste Spelunke begeben, hätte ein
Bier bestellt und die Leute belauscht und schon wäre das Problem erledigt
gewesen. Aber hier, in der tristen Tatzelfelser Abgeschiedenheit, verkommt
allmählich mein Talent. So ist das Landvolk mit der spärlichen
Kost auch noch zufrieden, die ich ihr vor's Maul werfe - es ist erbärmlich
- sie preisen es gar an, als hätte ich ihnen eine echte Delikatesse
aufgetischt. Und dabei wiederhole ich inzwischen schon zum zweitenmal mein
Repertoire, hat`s einer bemerkt? Perlen vor die Säue geworfen sage
ich da nur! Doch halt, wieso versuch ich nicht es ebenso wie in Betis zu
halten? Zwar ist hier wenig Volk auf der Burg anwesend. Die Herrin der
Burg, Syria Jaldis heißt sie glaube ich, beschäftigt nur wenig
Personal und sie selbst ist auch nur selten irgendwo in der Burg anzutreffen.
Aber gut, ich werde mein Glück versuchen. Auf die Jagd nach Inspiration
- 19. Tag des 3. Xurl. Den Göttern sei dank - mein Plan funktioniert
auch hier! Heute ist überraschend ein Bote Karr des Jägers auf
Burg Tatzelfels eingetroffen, um ein treffen zwischen seinem Herrn und
Syria Jaldis zu vereinbaren. Das hört sich doch vielversprechend an...
Der Wettstreit zwischen Syria Jaldis und Karr dem Xurl Meine Erwartungen
sind wahrhaftig noch übertroffen worden. Hier auf Burg Tatzelfels
hat eine Sache ihren Anfang genommen, wovon sicherlich noch allenthalben
in Heligonia zu hören sein wird! Einen äußerst günstigen
Lauschplatz, direkt vor der Türe des Audienzraumes, habe ich mein
Wissen zu verdanken. Leider konnte ich nur Bruchstücke des Gespräches,
oder besser des Streites, verstehen, der sich in diesem Zimmer abspielte.
So verlangte Karr wohl Kenntnisse um eine verschollen Burg, Thalwacht glaube
ich hieß sie, die er unbedingt finden müsse und weswegen er
überhaupt seine Baronie vor einem Jahr verlassen und all diese Hindernisse
auf sich genommen hatte. Syria habe, beim Gelehrtentreffen in Escandra
doch sicherlich Hinweise zu diesem Thema bekommen, behauptete er. Syria
Jaldis bestätigte dies, bezweifelte aber, dass Burg Thalwacht „ohne
weiteres“ wiederzufinden sei, worauf Karr verärgert verkündete,
der Eine werde ihn leiten und ihn zum Erfolg führen. Syria erwiderte
hierauf recht erregt, dass das mit Glauben nichts zu tun habe, sondern
lediglich mit Realität und deshalb werde ohne Anwendung von Magie
nicht weit zu kommen sein. Darüber geriet Karr in noch größeren
Zorn, er schrie, er habe ja gewusst, dass er von der „Drachenhainer Hex´“
nichts anderes hatte erwarten können, und dass er dennoch versuchen
werde, die Burg wiederzufinden, sie und ihre Zaubererbrut werde schon sehen.
Syria laute freudlos auf diese Worte hin. „Ja, wir werden schon sehen,
wie weit und wohin, ihr kommen mögt. Doch ich fürchte, ihr werdet
euren Namen `Jäger` niemals ablegen können, denn eure Mission
ist von vornherein zum Scheitern verurteilt!“ Ich hörte Karr nun förmlich
rasen: „ Also dann, das wollen wir doch erste einmal sehen. Ihr mit eurem
Blendwerk gegen mich mit der Wahrhaftigkeit des Einen auf meiner Seite.
Wer wird Burg Thalwacht als erstes betreten und seine geläuterten
Gefangenen die Freiheit schenken. Ihr oder ich.“ „Wie nett, eine Wette.
Ich nehme an!“ erwiderte Syria spöttisch. Also war der Wettstreit
beschlossen und besiegelt. Karr der Jäger begab sich eilends wieder
zurück auf sein Schiff, seither habe ich von ihm nichts mehr gehört,
auch Syria Jaldis war in den folgenden Wochen wenig zu sehen. Alsdann,
kehrte ich nun nach zwei Monden bittren Tatzelfelser Exils wieder nach
Betis zurück, wo ich jetzt und heute schaue, wie diese seltsame Geschichte
am besten zu vergolden ist - ich bin gespannt.
Ein Barde
schöner leben Teil 2:
Wie man mißliebige Vor- und Nebenfahren los wird
Jeder hat mißliebige Verwandte. Das habe ich irgendwann ja schon
mal geschrieben. Neulich ist mir da aber eine ganz komische Art die los
zu werden, übern Weg gelaufen. Kannte ich noch gar nicht –also schilder
ich noch mal ein Beispiel, da geht es um einen Vater und eine Base.
1) Dieser Vater ist schon alt und ziemlich starrköpfig und jähzornig,
macht sonst aber gar keine Anstalten, sich allmählich unter die Erde
oder sonstwohin zurückzuziehen und Dir das Erbe zu hinterlassen.
2) Diese Base stand mal in Wettbewerb mit Dir um das Erbe Deines Vaters,
manche denken immer noch, sie hätts eigentlich auch verdient, wenn
Du erbst, kriegt sie wohl auch ihren Teil, schließlich hat der Alte
sie großgezogen, starrköpfig ist sie auch... kurz und gut, Du
fühlst Dich sicherer und wohler ohne sie.
3) Dein Vater hat irgendeinen runden Geburtstag oder so. Du sagst Deiner
Base, man könnte ihm eigentlich was schenken. Spielen wir das Beispiel
mal im großen Stil durch: Ihr richtet auf dem Hof der Base ihm ein
schönes Zimmer ein oder sogar ein Häuschen, mit einer Privatmagd
oder so. Deine Base sagt natürlich ja, um sich beim Alten einzuschleimen.
4) Damit sich der Alte wohl fühlt, richtet Ihr im das Häuschen
mit ein paar von seinen Lieblingssachen ein. Er ist so verkalkt, das merkt
er nicht, sagst Du der Base.
5) Leider mußt Du gerade jetzt woandershin schaffen gehen. Du
hast aber alles für die liebe Base und den lieben Vadder vorbereitet:
Euer Oberknecht hat Kohle erhalten, damit er beim Transport hilft... und
ein anderer Knecht hat auch noch Kohle erhalten, was Bäslein aber
nicht weiß.
6) Du weißt natürlich genau, daß Vadder gar so verkalkt
doch noch nicht ist. Früher oder später merkt er, daß was
fehlt. Wer könnte das nur gewesen sein? Oder anders gefragt, wer könnte
ihm sagen, wer das war? Nun, da gibt es ja noch diesen anderen Knecht,
der es einmal sehr gut bei Dir haben wird...
7) Dein Alter rauscht wutschnaubend zu Bäslein und putzt sie völlig
runter, ohne ihr zu sagen, worum es geht, enterbt sie und dampft wieder
ab. Bäslein steht starr.
8) Der Knecht, der es einmal sehr, sehr gut bei Dir haben wird, geht
zur für Deinen Vater vorgesehenen Privatmagd, macht irgend etwas Unschönes
mit ihr und setzt sich ab. Bäslein denkt natürlich, der böhse
Onkel hat ihn geschickt und steht noch starrer.
9) Von nun an gibt’s verschiedene Wege. Dein Alter gerät mit Bäsleins
hitzigem Verlobten aneinander und sie stechen sich ab. Oder sie verstreiten
sich so endgültig, daß zumindest Bäsleins Erbteil bei Dir
landen wird. Oder der Alte brennt ihre Hütte ab und wandert in den
Bau. Vielleicht trifft ihn auch der Schlag.
10) Falls Deine Frau sich dusselig verplappert, könnte natürlich
herauskommen, daß es tatsächlich um ein Geschenk ging. Schade
drum – aber noch ist nicht alles verloren. Wenn Dein Alter sieht, daß
er Riesenblödsinn gebaut hat, zieht er sich vielleicht freiwillig
zurück und überläßt Dir jetzt schon das Erbteil. Wär
ja auch nicht schlecht.
Hätte ich Sohnemann gar nicht zugetraut. Aber wer den Bruder kennt...
Viel Spaß noch beim schöner leben wünscht
Halfnet, wo gespannt wartet, ob der Trick sich nachher
gelohnt hat
Die luchnischen Druidh ratlos!
Nachdem Koldewaiht von Hautzensteyn nach Luchnar zurückgekehrt war,
begab er sich sofort zu den Hoch-Druidh. Nach tagelanger Untersuchung des
Fluches kamen die Druidh zu dem folgenden Ergebnis:
Die Art der gewirkten Magie, ist uns vollkommen unbekannt. Es lassen
sich Muster der Druidh- und Alfarmagie darin erkennen.
Der Zeitpunkt, wann die Magie ausbricht ist bis dato gleichfalls unbekannt.
Wer Rowaine ist, das Wesen, welches die Magie wirkte, bleibt ebenso
unbekannt. Insbesondere, warum sie Magie mit der Stärke eines Hoch-Druidh
wirken kann und woher die Alfarmagie kommt, bleibt gänzlich
rätselhaft.
Der Baron wurde dazu angehalten, Luchnar nicht zu verlassen.
Die luchnische Bevölkerung steht mehr denn je hinter Koldewaiht
von Hautzensteyn!
Hagmor, der Hochdruidh des Quét Laméf berichtete nach
seiner Rückkehr vom Gelehrtenkonvent in Tolens, die Ereignisse wurden
mit einer schockierten Haltung aufgenommen. Doch eines begeisterte die
luchnische Bevölkerung trotz alledem, es war nur eine Aussage des
Barons. „Sagt Du, wie es sich für einen Hochländer ziemt“, das
freute die Clans. Zudem herrschte allgemeine Übereinstimmung, daß
der Baron seinem Bruder die einzige richtige Antwort gegeben hat, da ein
“Oish”, ein ehrenhafter Zweikampf nicht in Frage kam.
Koldewaiht von Hautzensteyn, was auch kommen mag,
wir stehen hinter dir!
Wir werden unsere gemeinsamen Feinde zusammen bekämpfen!
Die Clansoberhäupter aller luchnischen Clans
Cederric von Hautzensteyn fortan U´Mad!
Hiermit wird verkündet, daß Cederric von Hautzensteyn seinen
Fuß nicht mehr auf luchnischen Boden setzen darf! Sollte er dennoch
den Versuch wagen, nach Luchnar zurückzukehren, wird er mit Waffengewalt
des Landes verwiesen, sollte er sich weigern, wird er sofort niedergestreckt.
Dies ist die Konsequenz der Ereignisse auf dem Gelehrtenkonvent in Tolens.
Cederric von Hautzensteyn hat sich dort offiziell zum Ceridentum bekannt.
Zudem beleidigte er Foranan McDonough, Baron von Flaitney, unter dem Vorwand
eines Friedensgespräches und hält weiterhin Kontakt zu Cawadoc
Gwar U´Mad. All dies gab den Ausschlag für diese Maßnahme.
Cederric U´Mad, sei gewiß,
daß wir keine Gnade kennen werden!
Wir begehen diesen Weg ohne Zögern, da sich hiermit ein dunkles
Gesicht unserer Druidh zum Teil erfüllt hat! Den Nicht-Luchnern, die
anmerken mögen, daß die Familie Hautzensteyn keinem Clan angehört,
sei gesagt, daß “Mad” auch Familie bedeutet.
Die Clansoberhäupter aller luchnischen Clans
Friedensschluß im Hochland
Die hochländischen Clans aus Flaitney und Luchnar, darunter als Hauptbeteiligte
der flaitneysche Burathy-Clan und der luchnische Clan der MadRuadh sind
mit sofortiger Wirkung aus Vor-Waffenstand und Waffenstand zurückgetreten.
Zwei Streitpunkte hatten im Mittelpunkt des Konflikts gestanden. Zum einen
war ein an der Schafseuche verendete Flaitneyer Schaf absichtlich auf luchnischen
Boden geschleift worden, zum anderen hatten Mörder Mitglieder einer
flaitneyschen Grenzpatrouille mit dem Schwert getötet; bei den Opfern
fanden sich luchnische Kleidungsreste. Beide Vorfälle konnten nicht
geklärt werden, doch entdeckten die Clans auch keine Hinweise auf
eine Schuld der jeweils anderen Seite.
In den Verhandlungen war es bereits zu Annäherungen gekommen;
insbesondere nahmen die Luchnarer Druidh den Clanstreit weit wichtiger
als erwartet und mahnten zum Frieden. Jedoch wollte kein Clan den ersten
Schritt machen. Nach erneuten Gesprächen von Foranan McDonough und
Koldewaiht von Hautzensteyn mit den Clanchefs und den Druidh wurde schließlich
ein gemeinschaftliches Vorgehen vereinbart. Auf dem Gelehrtenkonvent in
Tolens räumten die beiden Barone die letzten Probleme aus dem Weg.
Wenige Tage nach der Rückkehr der beiden fand an der Grenze nahe der
Q1 der gemeinsame Rücktritt aller Clans aus Vor-Waffenstand und Waffenstand
statt, wobei die Barone, sämtliche Clanoberhäupter sowie Geweihte
beider Seiten und ein Ard Druidh (Hochdruidh) anwesend waren. Die tiefländischen
Gelehrten Belgabor und Rasmus Astradamus durften ebenfalls beiwohnen. Diese
Ehre erfuhren sie als Gäste Koldewaihts von Hautzensteyn und der Druidh,
da sie dem unter einem Fluch stehenden Baron während seiner Heimreise
von Tolens auf Bitte des Hochdruidhs Hagmor magischen Schutz boten.
Der Hochlandkonflikt muß eine Komponente besessen haben, die
über Streit und Politik hinausging, da es ganz ungewöhnlich ist,
daß Druidh sich derart in weltliche Händel einmischen – eine
Vision der Hochdruidh soll hierbei eine Rolle gespielt haben. Der genaue
Grund bleibt vorerst rätselhaft.
Gebet des Hoch-Druidh Hagmor des Quét des Laméf
POËNA, du hast uns geboren aus deinem Leib!
POËNA, alles Getier und alle Wesenheiten sind Diener deiner selbst!
POËNA, du hast in Weisheit Zeiten gesetzt für Leben und Tod!
POËNA, Sommer, Herbst, Winter und Frühling, alles zeigt von
deiner Macht!
POËNA, du versorgst uns mit den Früchten aus deinem Leib!
POËNA, Ehre sei Dir! Poëna sei Ehre!
Göttin, unser Land unterliegt einer schweren Prüfung! Wir
sind dem Willen der Götter untergeordnet, doch bitten wir DICH, uns
unser Land zu erhalten. HERRIN dein Wille sei der unsere. Doch hilf uns
in den Zeiten der Not! Bestrafe jeden, der sich den GÖTTERN abwendet
und gib uns die Weisheit, richtig zu entscheiden. Laß das Feuer über
jeden einzelnen brennen, damit er erkennt, welche Macht dir inne wohnt!
Befreie Koldewaiht von Hautzensteyn von diesem Schatten auf seiner Seele
und gib ihm eine neue Kraft, welche ihn mit Weisheit in seiner Funktion
als unser Barons unterstützt.
POËNA, wir beugen uns schwermütig deinem Willen!
Letzte Meldung
„Sie sind wieder da! Ödländer wohin man blickt. Sie töten,
schänden, schleifen was sie sehen, die neuen Gebiete sind verloren.
Doch das Stammland werden sie nicht einnehmen! Mein Wort darauf. „ Ritter
Erendel von Baxentor, Verwalter der Leomark.
Dieser Tage überschlagen sich wahrhaftig die Ereignisse. So erhielten
wir soeben diese Botschaft vom Prinzen von Drachenhain, der das nämliche
Dokument, das nicht mehr als ein Fetzen Pergament war, mittels einer Brieftaube
aus der Leomark zugesandt bekommen hatte. Also hat das Orakel vom Weissen
Wasser doch recht behalten. Ob die anderen Weissagungen auch zutreffend
sind? Die Vier mögen dies verhindern...
Angaheymer Rufhorn
Werter Angus!
Nehmt meine Entschuldigung für den unerklärlichen Fehler im Bericht
über den 20.3.Helios im Angaheymer Rufhorn des Heligonischen Boten
30. Auf gar keinen Fall wollte ich eure Truppen schmähen. Hiermit
erkläre ich für die heligonische Öffentlichkeit, dass es
sich bei besagten festgesetzten Truppen unter Tagils Banner nicht um 200,
sondern um nur 100 Krieger handelte. Ich habe meinen Schreiber zur Verantwortung
gezogen und er wird sich selbst äussern müssen.
Nial Felsenhammer,
Stammesfürst von Angaheym,
Sippenvorstand von Maerach,
Freund von Doromanosch
Rechtfertigung
In der Geschichte von Nials Erzählung habe ich wohl was falsches gesagt.
Vielleicht hat aber auch damals der Wolfenfelder Späher doppelt gesehen.
Naja egal. Ich hab 100 gemeint, und darauf kommts doch an, oder? Aber ich
hab das mit meinen Spezln nochmal durchgedacht und es würde uns halt
schon interessieren, warum die Tagiler da von den anderen abgehauen sind
und sich im Wald versteckt haben. Wahrscheinlich hatten sie keine Lust
mehr. Aber jetzt hör ich besser wieder auf, sonst wird Nial böse.
Asker, wo ein Fan von Halfnet ist
Herzögliche Ostarische Hofgazette
Die Kolonialkrise – Droht ein Krieg mit Telnaron?
Nach der erfolgreichen und äußerst korrekten Inbesitznahme des
Krondepartementes “Herzog-Uriel II.-Atoll” für Heligonia durch den
Beauftragten Herzogs Angilbert I. von Ostarien wurde im Herzogtum eifrigst
die Landung einer Kolonialflotte und die Errichtung eines permanenten Stützpunktes
vorbereitet. Schon im 2. Xurl wurde der große Entdecker des Atolls,
Kapitän Jens-Hendrik Nilsson, von Ihrer Erlaucht der Regentin zum
Ritter Ostariens geschlagen und schließlich am 2.Tag des 1.Saarka
zum Gouverneur des Krondepartementes ernannt. Schon zwei Tage später
lief die neugründete Kolonialflotte mit den Kriegskoggen Xurliana
(Flaggschiff; Kommandant: Kapitän Umbold von Nieda), Ambrosia (Kommandantin:
Kapitän Wynfreda von Bautzingen-Dunkelstein), Redon (Kommandantin:
Kapitän Alfhild Starkarm) und Dellana (Kommandant: Kapitän Bjarni
Jormundsen) unter dem Kommando von Admiral Hinrich von Harkenberg,
welcher auch als Kommandant des Stützpunktes “Herzog-Uriel II.-Atoll”
vorgesehen ist, aus. Gouverneur Nilsson hatte die Ehre, die Flotte als
Navigator zu begleiten. Mit großer Eile verließ man Ostarien,
da man Nachricht erhalten hatte, daß der Rat der Drei zu Telnaron
Ansprüche auf das neuentdeckte Land geltend gemacht habe, weswegen
Regentin Walluma gleichzeitig Ihren Botschafter Thioderik von Wälsung,
den Baron zu Buchenfels, entsandte, um in Telnaron für die Erhaltung
des Friedens zu sorgen und den Status des Atolls auf diplomatischem Wege
zu klären. Am 8. Tag des 1. Saarka machten die Ostarischen Schiffe
in Betis halt, um zwei Kompanien Betiser freiwilliger Seesoldaten mit an
Bord zu nehmen. Diese stachen durch ihre äußerst modischen Uniformen
hervor und waren voller Tatendrang.
Weiter ging die Reise, den Jolborn abwärts, aufs Meer hinaus.
Schließlich, am 25. Tag des 1. Saarka, sichtete man die Insel am
Horizont und näherte sich erwartungsvoll . Doch welch ein Graus! Die
werten Nachbarn aus Telnaron schienen nicht ebenso wie Heligonia am Frieden
zwischen den Völkern interessiert zu sein. Eine Flotte von zehn Schiffen,
Barken und Pinassen, hatten einen undurchdringlichen Sperrgürtel um
die Insel gebildet und so einen ungeheuerlichen Akt der Aggression begangen.
Schon begann man um das Schicksal des Ostarischen Botschafters zu bangen
und große Unruhe war unter den Seesoldaten aus Betis. Doch waren
die Order, welche Admiral von Harkenberg vom Ersten Seeherrn erhalten hatte,
eindeutig: “Tut alles, um die Wiederherstellung des Friedens zu fördern.
Gebt keinen Schuß ab, bevor nicht die Sache vom Botschafter selbst
verloren gegeben wurde!” Und so belauerte man sich gegenseitig, und
kein Kommandant auf beiden Seiten wagte es den Feuerbefehl zu geben. Schon
bald wurde Nachricht ans Festland gegeben und im ganzen Reich war man sich
einig, daß durch die Besetzung Heligonischen Reichsgebietes eine
unverzeihliche kriegerische Handlung begangen wurde. Jedoch waren sich
auch alle darin einig, daß man bis zuletzt dem Verhandlungsgeschick
Thioderiks von Wälsung vertrauen solle. Zu viele Kriege hatte
Heligonia in den letzten Jahren erleiden müssen und zu viele tapfere
Heligonier hatten für ihr Vaterland ihr Leben geopfert!
Doch da man nicht wußte, ob der Gegner ebenso dachte, wollte
man Ostarien in seinem heldenhaften Kampf nicht ohne Unterstützung
lassen. Am 10. Tag des 2. Saarka traf eine Darianische Flotille aus zwei
Darborkoggen und zwei Schebekken, von denen eine von dem gefürchteten
ehemaligen Piratenkönig Renzo kommandiert wurde ein. Es war offensichtlich,
daß sich Graf Dedekien einen Telnaronischen Stützpunkt vor der
Darianischen Küste nicht bieten lassen wollte. Nach der Ankunft zweier
Kriegschiffe aus Thal, erreichte ein erneuter Beweis Betiser Heldentums
die bis dahin schon kräftig angewachsene heligonische Flotte: Drei
Koggen (Betiser Bauart) und eine Schebecke hatte der Rat der Stadt unter
der Führung von Lionel Cesante entsandt. Am 24. Tag des 2. Saarka,
kurz vor Erscheinen dieser Ausgabe der Herzöglich-Ostarischen-Hofgazette,
gelangten dann auch zwei königliche Koggen aus Escandra sowie fünf
Kriegschiffe der Seedomeesischen Küstenwache an den Schauplatz, so
daß nunmehr eine Flotte von insgesamt 21 Schiffen unter Admiral von
Harkenberg das Reich vor den Übergriffen komischer ausländischer
Seeleute beschützt.
Doch noch immer hoffen wir auf Frieden und fordern die Besatzer auf:
Zieht euch zurück und Heligonia wird Euch vergeben!
Warum der Schwan das Wappentier von Arnach bleibt
Seit Alters her führt die Familie derer zu Arnach eine einfaches
und doch ungewöhnliches Tier in ihrem Wappen: Den Schwan.
Dies mag wohl so manchen Reisenden schon verwundert haben. In Arnstein,
der Residenz der Herren der Baronie jedoch, stellt keiner diese Frage.
Denn der Volksmund weiß wohl, von welcher Art die Schwäne in
Arnach sind und er weiß auch von deren Verbindung zur Linie des Adelsgeschlechts.
Es steht deren Burg am Rande der Stadt, am Beginn der Stockstraße,
die durch Arnstein hindurch und weiter zu den Dörfern im Süden
führt. Ein stiller Weiher schließt sich an die rückwärtige
Außenmauer des Herrenhauses. Nicht allzu groß ist er, und doch
sind auf dem Gewässer, von dem man sich erzählt, daß es
nie austrockne, zu allen Zeiten anmutige Schwäne zu bestaunen gewesen.
Verzaubertes Feenvolk seien sie, so wissen die Alten zu berichten; und
in der Tat zeugt keiner Chronik Bericht davon, daß der Weiher des
Winters einmal von Eis bedeckt gewesen sei.
Am jenseitigen Ufer des kleinen Sees verbergen uralte Weiden eine Mühle,
die schon seit langer Zeit in der Nachbarschaft des herrschaftlichen Hauses
steht. Seit Jahrhunderten halten die Bäume den Damm für das Wasser,
das seit ebenso langer Zeit den Mahlstein des Müllers rührt.
Still und friedvoll verschließt dieses Bild sein Geheimnis vor
dem Betrachter, dem nur der schwatzhafte Volksmund von der Tragödie
zu künden vermag, die hier vor vielen Generationen stattgefunden hat
und sich doch tief im Andenken der Edlen und allem Volk verwurzelt findet:
Dereinst lebte - wie heute - ein Baron im Herrenhaus zu Arnstein. Die
Zeiten waren anders damals: Voll Gram war sein Herz, denn er war verblendet
und dem Ogedentum verfallen wie noch so mancher Fehlgeleitete in jenen
fernen Tagen. Im Glauben an die Viere war er aufgewachsen und erzogen und
hatte doch zusehen müssen, wie sich bald alle um ihn der wahren Lehre
zuwandten. Sogar seine Frau hatte er weder durch sein Flehen noch durch
ernste Worte davon abbringen können, den Göttern zu entsagen,
um sich taufen zu lassen und hernach nur mehr dem Einen Gott zu dienen,
der keinen Namen hat. Gesegneten Leibes war sie damals und der unwissende
Baron fürchtete um das Kind, denn seine Frau war fest entschlossen,
es im rechten Glauben an den Einen zu erziehen.
Es kam ein Krieg über das Land, und der getreue Baron mußte
sich dem Heerbann seines Herren anschließen. Er streitete wohl für
viele Jahre, und als er zurückkehrte, war seine geliebte Frau fort,
sie war gestorben, schon vor langer Zeit, im Wochenbett. Eine Tochter hatte
sie ihm geschenkt, und als der ergraute Recke geschlagen nach Hause kam,
erwartete ihn sein Kind, denn es hatte nie Mutter und Vater gesehen und
war doch selbst schon bald eine Frau.
Es fügte sich, daß der Sohn des Müllers die junge Baroness
begehrte. Heimlich hatten sich die beiden getroffen, doch es wollte nicht
lange dauern, da ahnte der gealterte Vater die junge Liebe. Voll Zorn verbot
er seinem Kind den Umgang mit dem Niederen. Noch am selben Abend ging er
zu dem Müller und drohte ihm mit dem Schwert, auf daß auch er
seinem Sohne die heimlichen Treffen ausrede.
Die Angst des Vaters um seine Tochter war groß. Er rief sie zu
sich und stritt mit ihr bis in die Nacht, denn er ahnte, daß er sie
an einen Niederen verlieren würde; einen Ungläubigen gar - das
war der Müllerssohn in seinen Augen. Nach dem Tod der Mutter hatte
der kleine Hofstaat aus Angst vor dem Zorn des Barons die Tochter ungetauft
gelassen, und nun fürchtete der alte Mann, auch noch sein Kostbarstes
an den Einen Gott zu verlieren, denn damit hatte ihm sein Kind gedroht.
Kaum daß der nächste Tag gegangen war, kam es, daß
der Baron den Liebenden auflauerte und sie stellte, hinter dem Schloß,
unter den Weiden, am Wasser. Abermals zog er sein Schwert, willens, den
Müllerssohn vor den Augen der Tochter zu töten. Ungehört
blieben Bitten und Flehen der Baroness, nur die Schwäne kamen herbei,
und sie sahen, wie die Kinder vor dem Zorn des Landesherrn zum Ufer hin
wichen.
Das Kind stellte sich zwischen Vater und Geliebten. Laut, doch mit
zitternder Stimme rief sie: “Wenn du ihn schlägst, schlägst du
mich!”
Doch der Unglückselige, von Sinn und Verstand verlassen, trieb
die Liebenden ins Wasser. So groß war seine Raserei.
Die Tochter schwor dem Vater, sich dem Müllerssohn zu versprechen.
Doch er blieb unnachgiebig, und so tat sie es.
Sie schwor ihm, den Vieren zu entsagen und sich selbst zu taufen. Doch
er blieb unnachgiebig, und so tat sie es.
Und sie schwor ihm, mit ihrem Geliebten ins Wasser zu gehen. Doch er
blieb unnachgiebig, und so tat sie es.
Die Liebenden wichen in den See, wurden von den Schwänen umringt
und waren nie mehr gesehen.
Jetzt erst erkannte der greise Baron, was er getan hatte. Alles schien
ihm verloren. Mit gebrochenem Herzen schloß er sich in seinen Gemächern
ein und ging alsbald an seinem Gram zugrunde.
Und es heißt, daß die Liebenden von den Schwänen in
ihrem Feenreich aufgenommen wurden. Nie ist seither ein Schwan durch die
Hand eines Menschen zu Tode gekommen in Arnach, und zur Erinnerung führt
die Herrscherfamilie noch heute einen Schwan in ihrem Wappen.
Dies alles ist vor vielen Jahren in Tat und Wahrheit geschehen, und
heute noch erzählt man sich diese Geschichte in den Häusern der
Edlen und den Katen des Bauernvolkes gleichermaßen.
Niedergeschrieben in Arnstein am 23. Tag des 1. Saarka im Jahre 90
n.d.E.
Kilian vom Ebersbrunn
Amtlicher Bericht.
In meiner Eigenschaft als ostarischer herzöglicher Hofchronist und
somit höchstgestellter zur Verfügung stehender ostarischer Beamter
lege ich Zeugnis ab über die jüngsten Entwicklungen in der Nordmark.
Offenkundigste Veränderung für den Fremden dürfte der
Name des Baronats sein. Viel Streiterei hat es um ihn gegeben in den letzten
Monden, und doch hat sich ungeachtet dessen - vielleicht aber auch gerade
deswegen -die Benennung “Nordmark” im Sprachgebrauch der ostarischen
und markgräflichen Bevölkerung verbürgerlicht, weswegen
er von Regentin Walluma folgerichtig als gebräuchlich angesehen wurde.
Den Diskussionen um die Benennung des Lehens ist damit ein Ende gesetzt.
Es gibt gleichwohl noch Weiteres, über das ich Bericht ablegen
will:
I. Der Erlaß vom 2. Helios.
Der von mir im 2. Helios des Jahres 27 nach Helos Aximistilius dem
III. in Abwesenheit Ihrer Erlaucht, der Regentin verfügte Erlaß
wurde von Ihr selbst im 1. Xurl in allen Punkten bestätigt. Das Urteil
über die schändlichen Umstürzler ist von der Landesherrin
rückwirkend für rechtskräftig erklärt worden.
Zu den weiteren Punkten des Erlasses sind folgende Zeugnisse abzulegen:
- Hag Malderpot wurde gegründet und seine Einwohner ordentlich
vereidigt. Orell Trunhag steht als Browden in der Schuld des Markwarts,
das Wehrdorf verteidigungsfähig zu halten.
- Hag Leiana wurde gegründet und seine Einwohner ordentlich vereidigt.
Elen Konilara Valdenbrook steht als Hagsmeisterin in der Schuld des Markwarts,
das Wehrdorf verteidigungsfähig zu halten.
- Die Stadt Yaldering hat die Stadtrolle erhalten. Galbart Wagenmeister,
gebürtig aus Terreck/Lodenburg wurde als Vogt eingesetzt.
II. Zur Wehrfähigkeit.
Zum Schutz vor böslichen Angriffen aus den verderbten Ödlanden
wurde das Kommando über die in Waffen bereit stehenden Truppen sowie
über die wehrpflichtige Bürgerschaft von herzöglicher Seite
bestimmt:
- Obrist Sebald Roth, erfahrener ostarischer Söldnerführer
soll als Oberbefehlshaber jeglichen in der Nordmark berufenen Heerbann
befehligen.
- Markwart Ristan vom Fahlfeldt, langgedienter Offizier der Administration
in der ostarischen Admiralität wird als Sicherheitsinspektor Organisation,
Verwaltung und Überwachung der Grenzsicherung garantieren.
III. Erkundungen.
Der junge Ritter Roland von Welheim, uns in dankenswerter Weise von
seiner Hochwohlgeboren, Thioderik von Wälsung, Baron von Buchenfels
zur Verfügung gestellt, konnte das Tal westlich von Yaldering bis
auf eine Distanz von fünf Tagesreisen erkunden.
Das sehr unwegsame Gelände steigt zunächst steil an, um dann
als von Geröll erfülltes Hochtal zwischen dem Bergkamm im Norden
und dem Ödlandmassiv im Süden weit nach Westen hin zu führen.
Der tapfere Roland erkundete das Tal bis an seine höchste Stelle,
an der sich das viele Wegstunden messende Geröllfeld in drei Täler
neigt: Im Osten hinunter nach Yaldering, im Westen vermutlich gen Jolborn
und im Süden nach Dunkelstein hin. Dort müssen dereinst die verderbten
Ödlandbarbaren hingegangen sein, als sie kamen, um Dunkelstein heimzusuchen.
Doch sind die Täler insgesamt als Verkehrsweg nur bedingt nutzbar,
weil sie dem Huf eines Pferds kaum Halt zu bieten vermögen und nur
zu Fuß und unter großer Mühe und Anstrengung begangen
werden können.
Dem Bergkamm im Norden entsteigen zu allen Zeiten rätselhafte
Rauchschwaden. Die derzeit auf dem Pailat versammelten Gelehrten sind informiert
und halten Rat über dieses kuriose Zeichen. Daß der Berg in
Flammen stehe und gleichsam abbrenne, in einer gigantischen Lohe, die auch
für Yaldering gefährlich sei, sei unwahrscheinlich. Vielmehr
sei dieses Phänomen als Zeichen der Götter zu verstehen. Ein
Teil der Bevölkerung hingegen hält an der Vermutung fest, daß
ein unheiliger Stiefsohn des ogedischen Helios als Flammenhalbgott in diesem
Berge sein Unwesen triebe. Möglich ist auch, daß die Legenden
über das kleine Volk doch wahr sind und sie in eben jenem Berg hausen.
Ich selbst gehe schlicht davon aus, daß es ein Zeichen des Einen
ist, daß wir uns auf dem rechten Weg befinden. Mit mir fühlen
auch die meisten anderen Ceriden.
Nun, fürderhin und schlußendlich ist es einem jungen Abenteurer
aus Yaldering im 3. Helios dieses Jahres gelungen, von Arnach her über
einen in Vergessenheit geratenen Gebirgspaß ins Hochtal von Galtur
und durch die Vaitaschlucht nach Yaldering zu kommen. Er hat damit bewiesen,
daß es auch möglich ist, von Ostarien her nach Yaldering zu
kommen. Er berichtete des weiteren, an den bewaldeten Südhängen
des Ödlandmassivs durch einige Weiler gekommen zu sein, die ohne Wissen
des ostarischen Herzogshauses dort errichtet sind. Da sie auf dem Hoheitsgebiet
des Pailat liegen, wurden sie durch Atladar Oremon, den Abt des Klosters,
im 3. Xurl dieses Jahres förmlich der Herrschaft des Baronats zugefügt.
IV. Über die errichteten Bauten.
Die Lagerbauten vom Xurl des Jahres 26 wurden wie vom Generalzeugmeister
empfohlen erweitert. Es konnten manche weitere Blockhäuser als Wohnstätten
für die Familien erreichtet werden, am jenseitigen Ufer des Flusses
sind einige Bauernhäuser hinzugekommen, die jedoch, als Stadtteil
Höfen benannt, außerhalb der Befestigung liegen. Es wurde des
weiteren eine befestigte Brücke über den schmalen, aber reißenden
Fluß errichtet, mit steinernen Brückenhäusern. Das dritte
Langhaus ist zur Kaserne umgebaut und mit einem hohen Wachturm versehen
worden, von dem man die gesamte Talweitung bis zur Rodung von Leiana hin
überblicken kann.
Item wurden aber noch vier weitere steinerne Bauwerke in Yaldering
errichtet.
- Die Schildmauer. Sie deckt die von Land zugänglichen Seiten
der Stadt, hat zwei befestigte Torhäuser.
- Das Stadthaus. Sitz des Vogts, des Rats und der Ostarischen Administration.
- Das Ordenshaus. Sitz der Vertretung des Pailat.
- Das Gildenhaus. Sitz der Handwerkerzünfte, des Handelskontors
und Gästeunterkunft.
Es sei weiterhin erwähnt, daß das von der königlichen
Reichsbibliothek zu Escandra errichtete Gästehaus in der Stadt Galtur
am Fuße des Pailat am 5. Helios des Jahres fertiggestellt wurde.
Abschließend will ich mitteilen, daß es uns gelungen ist,
den Norden dauerhaft zu besiedeln. Die ersten Vorboten Saarkas bedecken
schon unsere Häuser und Felder, und doch sehen wir ihren drei Monden
voller Zuversicht entgegen, nicht der Schnee und nicht die Dunkelheit können
uns vertreiben. Ist nicht die Jagd im Winter ein Leichtes? Und auch der
Wolfskälte haben wir nun einige Fässer des guten Schädelspalters
und unsere weitaus komfortableren Unterkünfte entgegenzusetzen, so
daß wir in dies Jahr kaum ein Opfer zu beklagen haben werden.
Gegeben zu Yaldering am 20. Tag des 3. Xurl
im Jahr 27 der Herrschaft Helos Aximistilius des III.
Karlon vom Storcheneck, Ostarischer Herzöglicher
Hofchronist
Neues aus Schloß Seeburg
In der Mitte des dritten Herbstmondes gab es einige Aufregung in der Hauptstadt
Emaranias, Wasserau. Denn ein stattlicher Trupp von Jolberger Seesoldaten
durchquerte die Stadt auf dem Wege nach Schloß Seeburg.
Die Jolberger begleiteten offensichtlich eine geschlossene Kutsche,
deren Fenster ebenfalls verhängt waren, so daß niemand in der
Stadt sehen konnte, wer oder was sich darin befand. Doch sofort waren die
wildesten Gerüchte im Umlauf. Auf halbem Weg zum Schloß kam
den Jolbergern Ritter Valerian mit den Mannen seiner Garde entgegen. Man
hatte also auf dem Schloß bereits erfahren, was vor sich ging. Die
Anführer der beiden Scharen begrüßten sich recht herzlich,
und nach einer kurzen Unterhaltung öffnete man die Tür der Kutsche,
und Valerian warf einen Blick hinein. Er sei blaß geworden, heißt
es, und habe mühsam um Fassung gerungen. Der Jolberger legte dem sichtlich
Bewegten den Arm um die Schulter, und gemeinsam machten sich beide Trupps
auf den Weg zum Schloß, wo die Baronin ihre Ankunft bereits mit Spannung
erwartete. Denn noch immer wußte niemand, was die Jolberger da im
Gepäck hatten. Als alle im Hof waren, ließ Valerian die Tore
schließen. Auf den fragenden Blick der Baronin winkte er ab.
Jetzt endlich öffnete sich die Tür der Kutsche, und eine
junge Frau stieg heraus, wandte sich um und hob erst ein kleines Mädchen,
dann einen Knaben aus dem Wagen. Sie waren etwa 2 Jahre alt, blaß
und verschüchtert. Um den Hals des Knaben hing ein kleines goldenes
Kreuz. Ein Sonnenstrahl fiel auf diesen bewegenden Moment und ließ
es kurz aufleuchten. Die Baronin sagte zunächst gar nichts. Sie stand
nur da, und die Tränen liefen ihr aus den Augen. Manches Taschentuch
wurde in diesem Augenblick gezückt, und kein Emaranier und kein Jolberger
schämte sich seiner Rührung. Als die Baronin auf die beiden Kinder
zuging und ihnen die Hände entgegenstreckte, wichen sie hinter die
Röcke der jungen Frau zurück, die offenbar eine Poënageweihte
war. Diese lächelte und schob die beiden nach vorne. Sie flüsterte
dem Knaben etwas zu, worauf er den Kopf schüttelte und sich wieder
versteckte. Das kleine Mädchen brachte vorsichtshalber seinen Daumen
in Sicherheit. Und wo wäre so ein Kinderdaumen besser aufgehoben,
als im Mund. Die Geweihte meinte: “Das wird ein bißchen dauern, bis
sie sich wieder an Euch gewöhnt haben:” Angharad wandte kein Auge
von ihren Kindern.
Später erstattete der Jolberger Offizier Bericht und erzählte,
wie man die Kinder gefunden hatte. Es heißt, sowohl Valerian wie
auch die Baronin seien sehr erzürnt gewesen. Weshalb jedoch, erfuhr
niemand.
Am anderen Tag gab es ein Fest für alle, und danach reisten die
Jolberger wieder nach Hause. Die Poënageweihte blieb auf Schloß
Seeburg, damit die Kinder noch jemanden hätten, den sie kannten.
Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in ganz Emarania,
und überall jubelte und feierte das Volk.
Anselm von Rabenstein reiste sofort nach Schloß Seeburg, und
man sagt, seit er dort sei, habe er kein Glas mehr angerührt. Es scheint,
daß er die Großvaterrolle übernommen hat und sich darin
sehr wohlfühlt.
Einige Tage nach der Ankunft der Kinder zeigte sich Angharad Elanor
mit den Kindern, Valerian, Anselm und der Poënageweihten auf dem Balkon
des Schlosses. Zum ersten Mal seit langem winkte sie ihrem Volk wieder
fröhlich zu.
Ereignisse in Drackensteig seit dem Tod Sirium Silverhorns.
Durch einen Erlaß, den Baron Sirium Silverhorn schon einige Zeit
vor seinem Tod verfaßte, bestätigte er seiner Halbschwester
Shathana zu deren 18. Geburtstag die Mitgliedschaft in der Familie. Gleichzeitig
wurde sie darin zu seiner späteren Nachfolgerin bestimmt.
Nach dem Ableben des Barons und der Überführung seines Leichnams
nach Drackensteig übernahm Javen Silverhorn bis zur Vereidigung seiner
Halbschwester übergangsweise die Regierungsgeschäfte der Baronie.
Die Aussicht, fortan von einer Frau regiert zu werden, führte
bei einigen der streng ceridischgläubigen Freiherrn zu Unmut. Als
Gerüchte auftraten, daß man den Baron lebend gesehen habe und
man daraufhin gar feststellte, daß der Leichnam aus der Familiengruft
verschwunden war, herrschte helle Aufregung. Die Untersuchungsergebnisse
um den Mord wurden dadurch in Frage gestellt; dachte man bis Dato doch,
dass der Baron von Lyc dem Werwolf getötet wurde, aber nicht gebissen.
Da allerdings weder Tote entdeckt wurden noch in der darauffolgenden
Zeit Personen als vermißt gemeldet waren, ging man eher von einem
schändlichen Leichendiebstahl aus. Als dann nach den Vasalleneid Shathana
Silverhorns gegenüber Herzogin Walluma von Ostarien die Gerüchte
um den noch - oder wieder - lebenden Baron und die daraus resultierende
Unrechtmäßigkeit ihrer Baronswürde auch aus den Adelskreis
nicht verstummen wollten, ließ sich die verärgerte neue Baronin
zu einer im Ansatz nicht ganz unbedenklichen Aussage hinreißen:
„Rechtmäßig oder Unrechtmäßig, die Lehenstreue
ist geschworen und angenommen worden, Wir werden auf Ehr und Gewissen Heligonia
und Ostarien in Loyalität bis zum Tode dienen, wie es zuvor schon
mein Bruder tat.“
Kaum zurück in Drackensteig, zitierte sie alle Freiherren zu sich
nach Wingen, wo sie ihren Lehenseid erneuern konnten. Zu ihrer Überraschung
und ihrem erneutem Ärger kamen nur zwei der geladenen Freiherren.
Zwei weitere ließen sich mit der Begründung, sie seien ans Siechenbett
gefesselt, entschuldigen. Der Rest ließ nichts von sich hören.
Als Reaktion auf diese Unerhörtheit zog sie von allen nicht erschienen
Freiherren die Heliosbriefe ein. Des weiteren erklärte sie, sollten
sie nicht bis spätestens nach dem Adelstag in Rebenhain ihren Lehenseid
erneuert haben, so würden die jeweiligen Provinzen neu vergeben. Ein
paar Tage später war dann die Überraschung groß, als der
Herold plötzlich ankündigte:
„Reichsgraf Sirium Silverhorn von Drackensteig aus dem Königreiche
Lyrien mit Gefolge!“ Es erschien tatsächlich der verschwundene „Baron“
und die zuvor nicht entschuldigten Freiherren. Aus einer sofort anberaumten
geheimen Sitzung konnte bisher nur soviel in Erfahrung gebracht werden,
daß im Königreich Lyrien ebenfalls das Adelsgeschlecht derer
von Drackensteig existiert. Durch ungeklärte Umstände blieb dieser
Zweig des Stammbaums aber ohne Erben, so daß unserem ehemaligen Baron
die Reichsgrafenwürde angetragen wurde. Die Freiherren in seinen Gefolge
legten den Lehenseid nicht mehr neu ab, sondern folgten ihm nach Lyrien.
Über die genauen Umstände seines ungeklärten Verschwindens
und seiner noch mysteriöseren Wiederbelebung konnte ich nichts offiziell
Bestätigtes erfahren. Da bleiben wieder nur Gerüchte.
Dem Einen zum Grusse
Bruder Corbinian aus der Abtei Canice
Darstellung der Tatsachen betreffend des “Herzog-Uriel II -Atolls”
Verehrtes Scriptorium,
bevor Spekulationen und falsche Gerüchte entstehen, die die Beziehung
unserer beiden Länder gefährden könnten, möchte wir
als Botschafter Telnarons, objektiv die Position Telnarons zum “HU2-Atolls”
darstellen.
Als erstes möchten wir mitteilen, daß die Entsendung von
Kriegsschiffen durch die ostarische Kolonialflotte als kriegerischer Akt
zur Einnahme des Telnaronschen Besitzes “Cyprès-Atoll” gewertet
wird. In einem Schreiben der Regentin Walluma, welches uns bereits zu Beginn
des zwölften Monats erreichte, wurde bereits betont, daß Telnaron
sich nicht wagen solle, das von Ostarien annektierte Eiland zurückzufordern.
Nun, der Rat hatte jedoch nie bekannt gegeben, daß es sich bei
dieser Insel um einen Stützpunkt und den Besitz Telnarons handelt.
Stellt sich die Frage, woher wußte die Regentin und ihre Untertanen,
daß dieses Eiland, laut Annektierungsprotokoll besitzerlos und unbewohnt,
den Ansprüchen unseres Stadtstaates untersteht? Das läßt
schlußfolgern, daß es sich um einen Akt großer Schlamperei
oder um eine absichtliche Provokation unseres friedliebenden Stadtstaates
handeln muß. Für das Argument der Schlamperei spricht, daß
unsere eindeutigen Hoheitszeichen bei eine korrekten Inlandnahme aufgefallen
wären. Für die Provokation hingegen spricht, daß der Rat
angeschrieben wurde, obwohl es angeblich keine Spuren von den Besitzern
gab. Gleichzeitig wurde vor einer Anfechtung der Inbesitznahme gewarnt
und mit einem Krieg gedroht. Auszug aus dem Brief: “Reich und Herzogtum
wären aber in jedem Fall dazu bereit [...] zu kämpfen.” Diese
unverhohlene Drohung alarmierte den Rat der Drei so sehr, daß er
sich genötigt sah, Präventivmaßnahmen zum Schutze Telnaronschen
Besitzes zu ergreifen. Diese Maßnahmen äußern sich darin,
daß zehn Schiffe zu dem “Cyprès-Atoll” entsandt wurden,
um dieses vor den Aggressoren zu schützen. Unsere Kapitäne haben
daher die defensive Aufgabe, eine Seeblockade zu errichten. Diese soll
solange bestehen bleiben, bis der Besitzanspruch Telnarons auch von ostarischer
Seite anerkannt wird.
Marquis Conseilleur Emilio Francisco Gioseppe dela Rossa
Botschafter Telnarons in Escandra
Am 12. Tages des ersten Monats des mittelländischen Jahres 1200
bazaar darians
Besonders aktuelle Zeitung aus allen Regionen Darians
Rede gegen die Telnaronischen Besatzer des Grafen Dedekien an sein
Volk, gehalten auf dem Redonsplatz zu Darbor am 4. Tag des 2. Saarka des
27. Jahres der weisen Herrschaft Helos Aximistilius des III.
(Über den genauen Verlauf des Konfliktes lest den Artikel in der
Herzöglich-Ostarischen-Hofgazette!)
“Mein geliebtes Volk!
Schon seit vielen Jahrhunderten nährt und versorgt das Meer und seine
Inseln die Valmeranische Kultur und seit jeher sind wir die Herren über
diese Gestade. Doch nun kamen aus dem fernen Telnaron Piraten der schlimmsten
Sorte, um Uns Unser Eigentum und damit die Grundlage Unseres Reichtums
zu nehmen. Doch nicht genug damit, daß Telnaron erwartet, daß
Wir solch einen dreisten Überfall einfach hinnehmen! Nicht jeder erinnert
sich wohl an die eigentliche Herkunft des dreisten Stadtstaates. Hier in
diesen Urkunden aber steht die ganze Wahrheit geschrieben. So handelt es
sich bei Telnaron um eine Strafkolonie, in welche die Valmeranischen Herzöge
vor vielen hundert Jahren, diejenigen Verbrecher sandten, die so hoffnungslos
waren, daß ihre Anwesenheit in Heligonia nicht mehr geduldet werden
konnte. Keinesfalls dürften solche Subjekte Ansprüche auf Unser
Territorium geltend machen. Sollen wir uns also diese Frechheit, diese
Anmaßung gefallen lassen, noch dazu, wenn sie von solch einem unwürdigen
Abschaum wie jenen Abtrünnigen kommt?”
Das Volk, außer sich vor Freude, jubelte seinem Herrscher zu.
Huldvoll winkend, gebot er ihnen schließlich, wieder zu schweigen.
“Doch verzagt nicht!”
Schon mit diesen Worten erreichte den Grafen ein nicht enden wollender
Applaus.
“Die Rettung ist nah! Wir werden noch in diesen Tagen eine mächtige
Flotte entsenden, welche für Unsere Freiheit streiten und die komischen
ausländischen Seeleute von Unseren Küsten vertreiben wird. Dabei
wird Uns niemand geringeres als der gefürchtete ehemalige Piratenkönig
Renzo zur Seite stehen, welcher unlängst als reuiger Sünder zu
Uns kam und Uns anflehte in den Diensten Darians für das Recht zu
kämpfen und wenn nötig auch zu sterben. In Unserer unendlichen
Gnade gewährten Wir diesem großen Kapitän Unsere Vergebung
und ernannten ihn zum Kommandanten eines Unserer prächtigen Kriegsschiffe.
Darum also verzage nicht, mein Volk! Niemandem soll es verwehrt bleiben,
seinen Beitrag in Unserem Freiheitskampf zu leisten. Es sollen genügend
Plätze auf Unseren Schiffen für alle Heimatliebenden vorhanden
sein!”
Das Ende der Rede des Grafen konnte wegen der überschwenglichen
Sympathiebekundungen seiner Untertanen leider nicht dokumentiert werden
und wird für die Geschichtsschreiber somit für immer verloren
bleiben. Der Rest jedoch wurde noch am selben Tag von den Verkündigungstürmen
in der ganzen Grafschaft verbreitet.
So viel Blut lang nix g‘seha
Lang isch’s no net her, wo Hassan und Rajet send g‘sessa in de Turm wega
haba Schuld zum knüpfa Teppich für Grafa von Darian. Hassan nix
wisse, warum sitze in Turm, haba doch nix g‘machet, haba bloß g‘holfa
in Stammspelunke meine Freund Mehmet zom bescheißa dia Dumme, dia
komme, um zu verliera ihra ganza Kreuzer beim Spiela mit de Karta, und
wer bscheißt do net, hä? Hassan sich jetzt aber nemma uffrega,
weil hot troffa in Turm de Rajet, wo komme von de hohe See, und er sitzt
in Turm mit Hassan weil er hot g‘holfa de Renzo, seine Chefe.
Renzo isch de Chefe von alle Pirate in de Jolsee ond Hassan habe schon
viel gehert von dene Pirate in de Jolsee weil alle Leut habe Angst vor
dene Pirate weil viele Leut send scho umbrocht worde von dene Pirate und
Hassan habe gehert, dass dia Pirate haba g’macht viele viele Dukate in
ihre Beutezüg. Und en de Turm Rajet habe versproche Hassan, dass wenn
beide komme raus aus de Turm in 15 Tag, Rajet wolle nemma mit de Hassan
zum Renzo damit Hassan ao kenne macha viele viele Dukaten auf Beutezüg.
Hassan immer hot scho wella komma an Kreuzer für wenig Gschäft,
weil Hassan immer hot scho wella sei an de frische Seeluft, mo soll sei
g’sund und mo soll macha munter und wenn Hassan isch munter, er kann vielleicht
ao sei besser in Etablissement als leschte Mal, und wer will des net, hä?
So, dann sind gewesa die 15 Tag rum und Hassan isch zusamma mit de
Rajet gekomma raus aus de Turm wega haba Schuld zum knüpfa Teppich
für Grafa von Darian und sind dann gegange in Hafaspelunke nach Al
Safani. Hassan ware sehr erstaunt, dass Rajet kenne so viele Leut, weil
wo Hassan ond Rajet sind gekomme rein, gleich sind zwanzig Leut gekomme
auf uns zu zum freua, umarma und schittla de Hassan die Händ. Kurz
drauf mir sind geganga auf a große Schiff mit großa Segel und
wo hat kenna richtig fahre auf de Jolsee, auch wenn Wella sind gekomma,
wo habe gehoba des Schiff und dann des Schiff isch wieder gesunka ond wieder
rauf und runder, so dass Hassan werde ganz schnell grün und gelb in
de Gsicht und Hassan hat müsse springe ganz schnell an de Rand von
de Schiff und hat müsse raushänge Kopf und hat den gute Haferbrei
vom Morga wieder rausgspuckt um zu füttere die Fisch in de Jolsee.
Als gewesa sind ein paar Tag rum, des Schiff isch gekomma an de Insel wo
heißt Pagar, wo soll sei de Chefe, und auf dera Insel ma hat schon
vom Schiff aus geseha, daß da isch a ganz große Festung auf
welche isch de Chefe von dene Pirata, zu dene Hassan jetzt auch gehert.
Als wir sind dann angekomme auf dere Insel wo heißt Pagar, wir zuerscht
sind gekomme in die Festung von de Chefe zum zeiga Beute, was habe gemacht
die Pirate noch ohne Hassan und Rajet. Chefe zuerscht hat genomme schenste
Stücke für sich und hat dann gelasse de Rest für die Pirate.
Dann Chefe habe g’sagt, dass Pirate müsse sein sehr sehr vorsichtig
und müsse aufpasse ab sofort auf Festung, weil er habe gehert, dass
die alte Chefe von de Pirate, die Schwarze Kilikia, soll sein ausgebrocha
aus de Kerker von Darian, zusamme mit andere Pirate, Erk oder so, hä?
Renzo jetzt glaube, dass wenn Schwarze Kilikia habe geholt ihre alte Schatz,
sie wird komme zu räche sich an ihm, weil er jetzt sitzt auf Platz
von Schwarze Kilikia. Dann wir sind gegange wieder um aufzupasse auf de
Festung von de Chefe.
Doch wo net mal drei Tag send verganga, Hassan hat gehert laute Schläg
aus Richtung von de Jolsee. Kurz drauf er hot gehert Alarm von dene Pirate
ond sogar de Chefe persönlich isch gegang auf eine Schiff, auf des
Hassan jetzt auch geganga ischd. Vor de Insel, wo heißt Pagar, send
gewesa mindestens fünf Schiffe, wo nix geherat zu dene von Chefe.
Hassan isch gestande nebe Chefe, wo sich g’wundert hat, wo denn komme her
so viele Schiffe für Schwarze Kilikia. Chefe nämlich habe gerade
mal vier Schiffe hier an Insel. Hassan hat g’merkt, dass sind komme die
feindliche Schiffe immer näher und näher und Schiffe von Chefe
sind direkt gegange auf se zu. Hassan hat bekomme Angst und hot genomme
großes Schwert, wo er hot bekomme von Rajan. Dann sind gekomme Pirate
von andere Schiff auf unsere Schiff und habe geschlage und geschrien und
dann Hassan wurde schwarz vor Auge und habe gesehe die Sterne und das wenn
stehe die Sonn am Himmel. Als Hassan wieder isch gestande auf, er hat geseha
viele blutverschmierte Pirate wo sind verletzt und auch Pirate wo sind
tot. Hassan lang nix g’seha so viel Blut. Chefe isch gestanda da, Insel
war schon weg und Chefe hat gesagt zu Hassan, dass er habe verlore die
Schlacht und die andere drei Schiffe und dass die meiste Pirate seie tot,
auch Rajet, meine beste Freund, und dass die Schwarze Kilikia habe jetzt
eingenomme die Insel Pagar. Aber Chefe habe weiter gesagt, dass er werde
sich wieder räche an Kilikia und dass er werde zurückkomme, sobald
er habe wieder gefunde neue Leut, wo mache mit. Doch Hassan hat überlegt
gut und hat entschlosse sich, lieber wieder Mehmet zu helfe beim bescheiße
de Dumme beim Spiela mit de Karte weil isch nix so gefährlich. Hassan
habe genug von Blut und bekomme eine auf de Kopf und sehe nur noch Sterne
obwohl stehe Sonn am Himmel.
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Auflösung von Große Preisfrag!
RAUSCHKRAUT - das bedeute RAUSCHKRAUT!
Runderneuerte
Alt
Utzgan
SCHeiben
Karawan
Rettete
Auch
Unser
Turnier!
Sieger bekomme neue oder runderneuert Utzganscheib zugeschickt, überbracht
oder zugeworf.
Immer da, wenn brauch – RAUSCH-Karawan!
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Fürstlicher Thaler Hofchronist
Prinz Anselm von Thal zurück!
Der Matrose im Betiser Hafen kann also doch noch seinen Augen trauen, als
er dachte er hätte Prinz Anselm selbst von einem der Schiffe steigen
sehen. (Anm.d.Red. Der Bote berichtete in Nr.30) Wie sich dann herausstellte
hatte der Prinz in Betis vom Gelehrtenconvent in Tolens erfahren und das
seine Schwester Prinzessin Celia von Thal ebenso wie die Schwester seiner
Verlobten, Leabel von Ardelun, sowie weitere hohe heligonische Adelige
sich dort aufhielten. Allerdings war es schon eine kleine Meisterleistung
des Matrosen den Prinzen am Hafen zu erkennen, denn wie Augenzeugen berichten
sah der Sohn des Fürsten bei seiner Ankunft in Tolens auf Burg Tannenstein
wenig prinzlich aus. Als tlamanischer Bote getarnt lies er Baronin Leabel
aus einer Gelehrtenvorlesung holen. Er beauftragte damit den Hauptmann
der Thaler Garde Kilian Weizenkeim, der wegen Prinzessin Celia von Thal,
sich persönlich um den Schutz der Burg kümmerte. Sogar dieser
erkannte den Prinzen nicht auf Anhieb, er soll sich nur über das komische
Grinsen des Fremden gewundert haben, als dieser ihn mit einem tlamanischen
Akzent ansprach. Als Leabel von Ardelun zu dem Boten gebracht wurde gab
sich dieser als Anselm zu erkennen. Die Tarnung als tlamanischer Bote war
so weit gar nicht hergeholt, denn ein Bote war er ja in der Hinsicht, als
des er den Herrscherring von Tlamana und ein Schreiben von Tamara überbrachte.
So war er zwar kein Bote wie erwartet aus Tlamana, jedoch für Tlamana.
Sofort wurde nach Prinzessin Celia von Thal geschickt, die nach dem ersten
Anblick des zurückgekehrten Bruders ebenso wie Leabel noch an der
wahren Identität dieses Anselms zweifelte. Derjenige der jetzt vor
ihr stand, sah ihrem Bruder zum verwechseln ähnlich, doch hatten diese
zwei Jahre der Reise ihn stark verändert. Er kam ihr noch etwas größer
vor als in ihrer Erinnerung, auch war etwas drahtiger, kräftiger und
kantiger geworden. Auch sah er im Moment nicht nach dem gewohnten Bruder
aus, der sonst ebenso wie sie ein Fürstentum in seiner ganzen Pracht
und Glanz präsentieren soll. Aber in folgendem Punkt glich dieser
“Bote” eher dem Bruder, den die Prinzessin aus ihrer Kindheit kannte. Der
kleine Wilde, der voller Tatendrang auf jeden Baum und jede Statue im Park
von Hochanthen kletterte, nur um dann herunterzufallen, sich dreckig zu
machen, die Kleider zu zerreißen und sich Schürfwunden zu holen.
Diesem Bild glich auch dieser “Bote”. In vor Schmutz und Strassenstaub
starrendem Leinen gehüllt, das grobe Hemd an mehreren Stellen zerrissen
und darunter das Dunkel von geronnenem Blut, das mehrere Schürf und
zwei Schnittwunden bedeckte. So stand ihr großer Bruder, wieder als
ganz kleiner Bruder vor ihr und da erkannte sie ihn. Celia und Anselm,
Prinz und Prinzessin, Bruder und Schwester wieder vereint. Beide fielen
sich in die Arme und drückten sich lange.
Auch Hauptmann Kilian Weizenkeim, Vertrauter der fürstlichen Familie,
stand nicht zurück. Sich des vorigen faux paux wohl vor Augen, gab
seiner Freude Ausdruck. Leabel wollte schon die anderen anwesenden Adligen
die sich eben zu einer Sitzung des Ogedenbundes zusammengefunden hatten
holen lassen, doch Prinzessin Celia entschied erst ein mal die Zofen und
Kammerdiener zu rufen und ihrem Bruder ein warmes Bad herrichten zu lassen.
Wie ein Bienenstock begann es auf der sonst abgeschiedenen Burg Tannenstein
zu summen und zu arbeiten. Fleißig wurde Holz herbeigeschafft und
Wasser erwärmt. Schnell wie der Wind ging nun auch die Kunde um in
der Burg, dass Anselm von Thal, oder viele Thaler sagen auch einfach nur
“unser Prinz” ist wieder da sei.
Die Bemühungen der Kammerdiener wirkten Wunder. Frisch gewaschen,
die Wunden gereinigt und verbunden, gut versteckt unter einem weiten, samtenen
Gewand konnte Prinz Anselm seiner Schwester und Leabel von seiner Reise
berichten. Boten wurden sofort mit der Meldung in alle Richtungen entsandt,
aber am glücklichsten wurde diese wahrscheinlich in Hochanthen aufgenommen.
Im Ogedenbund, der immer noch konferierte brach ungläubiges Staunen
über die Meldung aus, dass Anselm auf der Burg sein sollte. Sofort
nach Beendigung der Sitzung machten sich alle Adligen auf ihn zu begrüßen.
Fürst Nial von Angaheym, Baronin Josephina von Wolfenfeld, Freigräfin
Arana von Sedomee, Baronin Nadyma von Sebur, Baron Foranan McDonough, Baron
Krator von Rebenhain, Baron Koldewaiht von Hautzenstein, Baronesse Odina
von Soltran, Freifrau Roxana und die Edle Fendra von Aueneck. Alle kamen
und die Überraschten machten aus dem Rückkehrer auch einen Überraschten,
denn mit diesem herzlichen Empfang hatte er nicht gerechnet. Mit einem
Fest wurde der Abend gefeiert. Am nächsten Tag machten sich Prinzessin
Celia, Prinz Anselm und Freifrau Roxana auf nach Hochanthen.
Bereits vor Hammerbach, der Handwerkervorstadt von Hochanthen hatte
das fürstliche Ritterheer ein kleines Lager errichtet. Wohl an die
siebenhundert Thaler Soldaten bildeten einen langen Spalier, der dem Troß
der Fürstenkinder zujubelte. Der Spalier führte bis an das prunkvolle
Heereszelt des Fürsten, über dem die Thaler Eule aufgeregt im
Wind flatterte. Die blinkenden Panzer der fürstlichen Ehrenrittergarde
reflektierten wie Spiegel das Sonnenlicht und ließen Prinzessin Celia
und Anselm von Thal in einem goldenen Lichte erstrahlen. Beide betraten
das fürstliche Zelt. Nur kurz sah man darin Fürst Bartha und
Fürstin Genovefa die beim Eintreten ihrer Kinder freudig aufsprangen
und auf die Ankömmlinge zuschritten. Dann ließen die beiden
Ehrenritter, die links und rechts den Zelteingang offen gehalten hatten,
den schweren Zeltstoff wieder zufallen. Des jubelnden Heeres wegen drang
auch kein vernehmbarer Laut nach Draußen.
Nach etwas über einer Stunde trat die fürstliche Familie
hinaus in die Sonne und wurde bejubelt. Dann zog der ganze Heerbann über
die Hochanthener Prachtstrasse Richtung Schloß. Auf allen Strassen,
Balkonen, Dächern und Türmen der Stadt hatten sich Menschen versammelt.
“Vivat Thal!” Rufe waren überall zu hören. Die Menschen tanzten
und feierten die Rückkehr Anselms. Sieben Tage währte die Feier
im Schloß und im Land. Sieben Tage während denen sich der heligonische
Adel in Hochanthen die Klinke in die Hand gab, Bote um Bote Geschenke und
Glückwünsche brachten aus allen Teilen des Reiches. Sieben Tage
voller Musik und Tanz, in denen die besten Barden und Gaukler des Landes
ihre Kunst zeigten. Sieben Tage in den sich Thal wandelte. Aus eine trüben
Wintersonne wurde ein strahlender Tag. Der Frost Saarkas der alles Leben
zu ersticken schien, lastete nicht mehr so schwer. Die Menschen gingen
nicht mehr mürrisch, über dies oder jenes schimpfend aneinander
vorbei, sondern grüßten sich freundlich in alter Thaler Manier.
Sieben Tage in denen auch die fürstliche Familie wieder aufblühte.
Hatte man bei der Einweihung der Brazachfest Fürst Bartha sein hohes
Alter in Ehren angesehen, so kehrte in dieser kurzen Zeit seine alte Lebensfreude
und Kraft zurück. Landesmutter Genofeva die seit längerem von
seltsamen Hustenanfällen gepeinigt wurde, erholte sich zusehends und
am Morgen des dritten Tages waren sie zur Gänze verschwunden.
Doch nach diesen sieben Tagen im ersten Saarka begann wieder das regieren.
Prinz Anselm wurde von seinem Sekretär über alle Ereignisse in
seiner Abwesenheit informiert. Allerdings blieb nicht lange Zeit. Drei
Tage später war man in Güldental, der Baronie des Prinzen. Dort
zeigte sich die fürstliche Familie dem Jaruner Volk. Freiherr Ludwig
von Blaustein, der die Baronie für Prinz Anselm führte wurde
zu seinem persönlichen Berater ernannt. Er hatte seine Sache sehr
gut gemacht. Doch schon fünf Tage später machte man sich auf
den Weg nach Escandra. Nicht nur Prinz Anselm sollte dort in einer Audienz
dem König über alles berichten, auch Fürst Bartha wird dort,
wie man hört in einer dringlichen Sache erwartet.
Ritinus Federschwinger
Fürstlicher Hofschreyber zu Hochanthen
(Anm.d.Red. Im nächsten Boten hoffen wir der werten Leserschaft
die Mitschrift einer Audienz mit Prinz Anselm abdrucken zu können.
Dort werden sie lesen, was er auf seiner Reise erlebt hat, was mit seiner
Verlobten Tamara von Tlamana geschehen ist und wie er sie fand.)
Lormark erklärt den Austritt aus dem Ogedenbund
Nach längeren Überlegungen und Beratungen mit ihren Edelingen
entschloss sich Baronin Nimue von der Aue, nicht nur ihr Amt als Mitglied
des Ogedenrates niederzulegen, sondern den Bund gleich ganz zu verlassen.
Mit diesem Entschluss zieht sie die Konsequenzen aus der unglücklichen
Verflechtung mit den jüngsten Ereignissen in Wolfenfeld. Auf dem Treffen
des Ogedenbundes ließ Baronin Nimue einen Brief verlesen, der diese
Entscheidung sowie deren Gründe dem Ogedenbund mitteilte. Wie sie
in einem Brief an Fürst Bartha schrieb, möchte die Baronin nicht
in die Zwangslage geraten, eines Tages zwischen dem Lehnseid und dem Bundeseid
wählen zu müssen, denn dadurch müsste sie in einer kritischen
Lage immer jemanden verraten, dem sie Treue geschworen habe.
Damit verliert der Ogedenbund zu ersten Mal ein Mitglied und zudem
ein Mitglied, das Verantwortungsgefühl zeigte und bewies, dass Ehre
und Treue nicht nur eine bloße Ansammlung von Buchstaben sind. Schade
ist, dass dies der Fall ist, und schade ist es auch, dass es auf diese
Weise geschieht, denn die wahren Verantwortlichen für diese Krise
des Bundes sitzen noch weiterhin im Bund und sogar im Rat.
“Noblesse oblige” oder “der Drachenhainer Scherbenhaufen”
Baron Leomar hat mit seinem “Geburtstagsgeschenk” eine Glanzleistung politischer
Kompetenz und diplomatischen Geschicks erbracht. Baronin Josephina hat
versucht zu retten, was noch zu retten sein sollte, und damit die Angelegenheit
noch schlimmer gemacht. Dilletantismus behielt die Oberhand bei einer Kette
von Verstrickungen und Vewirrungen, die beinahe einen Krieg ausgelöst
hätten.
Die Lormark hat dazu gelernt.
Wohl nie wieder wird die Baronin schnell ihrem Herzen folgen und bereit
sein, die Ehre einer Person zu verteidigen, die nicht lormarkischen Blutes
ist. Baron Leomar hat sich des fürstlichen Geschenkes, das er zu seiner
Hochzeit erhielt - eines Lormarker Langbogens -, nicht würdig erwiesen,
wollen wir hoffen, dass sein Vater sich des königlichen Geschenks,
das ihm von der Baronin als Wiedergutmachung angeboten wurde - einer Jagd
auf die Purpurgams -, würdig erweist. Die zur Versöhnung ausgestreckte
Hand hat er ergriffen.
Wie auch immer, bei dieser Angelegenheit sind nicht nur die Beziehungen
zwischen dem Grafen von Drachenhain und etlichen seiner Vasallen auf einem
Tiefpunkt angekommen, auch in der Lormark wird die Familie derer von Drachenhain
bis auf weiteres nicht allzu willkommen sein. Leomar wird sich auf einen
frostigen Empfang und keine Hilfe gefasst machen müssen, falls er
auf dem Weg von Tatzelfels nach Tlamana oder umgekehrt die Baronie durchqueren
will.
Man könnte darüber lachen, wenn nicht soviele Scherben herumliegen
würden.
Ich bin neugierig, wer sie aufkehren und wieder kitten wird.
Meriadoc ap Fychan, Hofberichterstatter zu Lorburg
Er ist wieder da...”
Anselms Rückkehr aus den Augen eines Gardisten.
Zuerst dachte man, er sei ein Bettler. Zerlumpt und völlig verdreckt
betrat er die Tannenburg. Natürlich fragte sich ein jeder der Anwesenden,
was er hier will. Hier, wo sich die Gelehrten und Adligen des Reiches zusammengefunden
hatten, um die Zukunft Heligonias zu beraten. Keiner von uns ließ
ihn aus den Augen. Als er dann gezielt nach der Baronin Leabell von Tlamana
fragte, steigerte das unser Mißtrauen um so mehr. Hauptmann Weizenkeim
begleitete die Beiden sogleich in einen separaten Raum im Obergeschoß,
wo sie ungestört waren.
So...
Was soll man jetzt als einfacher Gardist davon halten : Eine Baronin,
ein Offizier und ein Bettler wollen ungestört in einem separaten Raum
sein. Ich fragte meinen Kollegen, Gartsfeld, was er davon hallte. Er lachte
nur kopfschüttelnd : “tja...ich weiß nicht.” Ich wußte
es auch nicht. Die Verwirrung wurde um so größer, als die Baronin
aus dem Raum nach unten Richtung Konferenzraum stürzte.
Garstfeld und ich schauten uns an : “Was hat jetzt die ? ” fragte er.
Doch die Antwort kam sogleich wie von selbst. Die Baronin kam wieder
nach oben, Prinzessin Celia von Thal im Schlepptau.
Jetzt waren wir wirklich total baff. Was kann an einem einfachen Bettler
so interessant sein, das sich eine Prinzessin, eine Baronin und ein Offizier
so brennend dafür interessieren. Zum Glück kam sogleich Oberleutnant
Gentz vorbei, von dem wir ein paar klärende Antworten bekamen. Der
Bettler war niemand anderer als seine Hochgeboren Prinz Anselm von Thal,
welcher endlich von seiner Odyssee zurückgekehrt war.
Blöderweise hatte er sich einen unpassenden Zeitpunkt ausgewählt,
um zurückzukehren. Hätte er nicht einfach noch ein paar Tage
warten können ? Denn jetzt war Garstfeld‘s und meine Aufgabe, den
Prinzen vor den Angriffen wildgewordener Halbdämonen und vermummten
Kriegern zu bewahren. Die Offiziere Weizenkeim und Gentz hatten sich nämlich
schon zu Bette begeben.
Aber mutig, wie Thaler Gardisten nun mal sind, stürzten wir uns
voller Eifer in die Schlacht...
... und gewannen.
Humbrecht Roggentau
Weitere Festlichkeiten in Hochanthen
Hochanthen und ganz Thal hat in den letzten Tagen und Wochen allen Grund
zum Feiern.
Die Rückkehr von Prinz Anselm gab Anlaß zu Empfängen,
Banketten und vielen Tagen und Nächten der Freude. Verwandte, Bekannte,
Adlige und Nichtadlige kamen nach Hochanthen um mit der Fürstenfamilie
zu feiern. In Thal werden Feste eben gefeiert, wie sie fallen. Am 22. Tage
des 1. Saarka gab es einen weiteren Anlaß für ein kleines Fest
am Hof.
Es wurde die Verlobung von
Beorric von Wulfenstein
&
Roxana von Beraht
Baron von Welzen
Freifrau von Hochwalden
bekanntgegeben.
Sowohl die Fürstenfamilie, die bereits von der bevorstehenden Hochzeit
gewußt hatten,
als auch adlige Gäste aus Welzen, Anthan und anderen Baronien
zeigten sich erfreut über diese Verbindung.
Die Hochzeitsfeierlichkeiten sollen am 11. Tage der 1. Poëna auf
Burg Wulfenstein in Welzen abgehalten werden.
Berengar Abaelard, Schreiber, Hochanthen
Neuer Freiherr von Hochwalden
Aufgrund der baldigen Hochzeit von Baron Beorric von Wulfenstein und Freifrau
Roxana von Beraht und dem damit verbundenen Umzug der Freifrau nach Wulfenstein
in Welzen gibt sie die Verwaltung der Provinz Hochwalden in andere Hände
ab. Roxana hat ihren jüngeren Bruder Ansgar von Beraht selbst in die
Regierungsgeschäfte eingearbeitet und ihn Fürst Bartha als Verwalter
der Provinz vorgeschlagen.
Den Titel “Freiherr von Hochwalden“ wird Ansgar erhalten, sobald er
Fürst Bartha
den Lehnseid geschworen hat.
Berengar Abaelard, Schreiber, Sethnara
Sensation – Xurl-Schrein entpuppt sich als wahres Xurl-Heiligtum!
Spektakuläre Neuigkeiten aus Bärenlaichingen. Vor einiger Zeit
wurde an der Bärenquell nahe dem Dorf Bärenlaichingen in Tolens
der Eingang zu einem Xurl-Schrein entdeckt (der Helios-Bote berichtete).
Dieser Schrein, so stellte sich nach kurzer Zeit heraus, war doch größer
als bisher angenommen (der Helios-Bote berichtete). Neben diesem Schrein
wurde bei den Ausgrabungen auch Teile zweier Orakelkreise und eines Badehauses
entdeckt. Die Geweihten vor Ort versuchen derzeit, diese Heiligtümer
freizulegen. Da diese Stelle aber in den letzten Jahren von Bäumen,
Sträuchern und Gräsern überwuchert wurde, muss dabei sehr
vorsichtig vorgegangen werden, um diese wichtigen Funde nicht zu zerstören.
Wissenschaftler aus Felsenbrand und Ogedengeweihte diskutieren jedoch
immer noch um das Alter dieses sensationellen Fundes. Die Wissenschaftler
wollen herausgefunden haben, dass dieses Xurl-Heiligtum ungefähr 950
Jahre alt sein soll. Das würde aber heißen, dass er präheliotisch
wäre. An vielen Stellen des Heiligtums wurden die Zeichen Xurls eindeutig
identifiziert. Das Ogedentum soll aber erst so alt sein wie unser geliebtes
Land Heligonia.
Sobald es neue Erkenntnisse geben soll, wird die verehrte Leserschaft
selbstverständlich umgehend informiert.
Jarok Felsenkunder, Berichterstatter aus Waldroden
Was geschah auf Burg Tannenstein?
Meine Herrin, die Edle Fendra von Aueneck, ist entsetzt!
Da kommt doch so ein Prior des Nexus Corenae, Atharan sein Name, und
schlägt ihr vor, das diesjährige Gelehrtentreffen und damit verbundene
Ogedenbundtreffen auf der Burg Tannenstein in Tolens stattfinden zu lassen.
Er meinte, dass der König selbst über den Nexus seinen Untertanen
etwas berichten möchte. Selbstverständlich willigte daraufhin
meine Herrin ein. Auf Burg Tannenstein ist sie allerdings schon lange nicht
mehr gewesen. Die Burg liegt vollkommen abgelegen im Wald im Osten von
Tolens. Sie war also der perfekte Ort für zwei solch wichtige Treffen,
an dem sowohl die Gelehrten als auch die Ogedenbundmitglieder in aller
Ruhe ungestört diskutieren könnten – das glaubte sie zumindest!
Doch dem war leider nicht so.
Am ersten Abend hielt der Prior seinen Vortrag. Dabei wurden die seltsamsten
Geschehnisse Heligonias der vergangenen Jahre nochmals in das Gedächtnis
jedes einzelnen gerufen. Am Ende dieses Vortrags wurde berichtet, dass
der Nexus geheime Forschungen betrieben hatte. Der Gelehrte Alfonso, der
diese Forschungen betrieb, wollte seine Erkenntnisse den Zuhörern
berichten, er brach allerdings während seines Vortrags zusammen und
war auf der Stelle tot. Meine Herrin, die Edle Fendra von Aueneck war empört,
als sie erfuhr, dass sich die Auswirkungen dieser Experimente auf Burg
Tannenstein besonders stark zeigen. Diese Umstände waren dem Prior
Atharan bereits bekannt, als er meine Herrin um ihre Gastfreundschaft für
viele wichtige adelige Persönlichkeiten aus Heligonia bat. Doch zurück
zum Vortrag des Gelehrten Alfonso. Als dieser vor den Augen aller tot zusammengebrochen
war, flüchtete ein maskierter Mann unerkannt.
Am nächsten Tag versuchte meine Herrin, etwas über diese
Experimente, die auf der Burg stattfanden, herauszufinden. Im Labor Alfonsos
konnte man aber nur den Apparatus, der diese Experimente aufzeichnen sollte,
entdecken. Dieser funktionierte allerdings nicht mehr. Dann gab es Gelehrte,
die ohne ihr Wissen immer noch Versuche durchführten. Meine Herrin
tobte natürlich, denn mit diesen Versuchen wurde jeder Gast auf dieser
Burg in große Gefahr gebracht. Ein mysteriöser rotgesichtiger
aggressiver Krieger tauchte durch die Experimente des Nexus auf. Dieser
Krieger versuchte mehrmals Burg Tannenstein anzugreifen, dabei wurden sogar
einige Adelige schwer verletzt. Nach diesen Vorfällen sandte die Edle
Fendra von Aueneck ihren Neffen, den Baronen Sihran von Tolens, zurück
nach Waldroden, um ihn nicht weiter der großen Gefahr auszusetzen,
die von dieser Burg ausging. Meine Herrin versuchte mit allen ihr zu Gebote
stehenden Mitteln ihre Gäste zu schützen, da der Krieger noch
nicht besiegt werden konnte.
In diesem mysteriösen Labor wurden allerdings weiterhin geheime
Experimente betrieben. Experimente, welche der Nexus weder verstand noch
unter Kontrolle hatte. So brachte dieser unter der Federführung von
Prior Atharan alle Anwesenden, einschliesslich der hohen adligen Gäste
völlig unnötig in Gefahr. Außerdem verloren einige Bewohner
offensichtlich den klaren Verstand und redeten Wirr. Den Göttern sei
Dank, dass diese Krankheit, die mit der Abreise des Priors verschwand nicht
die hohen Gäste befiel.
Hinzu kam, dass erst des Nächtens bei einem neuerlichen Angriff
der Krieger endgültig unschädlich gemacht werden konnte. Dazu
wurden alle auf der Burg verfügbaren Schwerter geschärft. Wachsoldat
und einfacher Reisender standen neben Baron oder gar Kleinfürst
und kämpften Seite an Seite. Für die unheimlichen Vorgänge
auf der Burg wurde der Prior von den Bewohnern verantwortlich gemacht,
der nur unter Geleitschutz die Burg verlassen konnte. Nur seine Stellung,
als Gesandter des Königs bewahrte ihn vor Schlimmerem.
Strapazierten nicht nur die Vorfälle um den Prior und seinen Experimenten
die Kräfte meiner Herrin aufs Äußerste, sondern auch noch
weitere wichtige Ereignisse.
Kaum hatte das Ogedenbundtreffen begonnen, kam es auch noch zu einem
Streit zwischen Baron Koldewaiht von Hautzenstein und seinem Bruder Cederric
von Hautzenstein. Schon lange brodelte es zwischen den Beiden, wie jeder
weiß. Der Siedepunkt des Streites war erreicht, als sich Cederric
auf der Burg ceridisch taufen lassen wollte. Koldewaiht konnte die Taufzeremonie
im letzten Moment verhindern, als sein Bruder bereits Poëna widersagen
wollte. Cederric ward seit dem auf der Burg nicht mehr gesehen. Baron Koldewaiht
von Hautzenstein konnte verständlicherweise nur schwer wieder beruhigt
werden.
Und zuletzt noch die gute Nachricht. Thal hat seinen Sohn wieder. Prinz
Anselm von Thal ist zurückgekehrt! Seine Schwester, Prinzessin Celia
von Thal, konnte ihren Bruder mit Tränen in den Augen wieder in ihre
Arme schließen. Der Verschollene überbrachte auch einen Brief
und Nachricht über den Verbleib der Baronin Tamara von Tlamana. Deren
Schwester, Leabell von Tlamana, war ebenfalls anwesend um die Interessen
ihres Mannes Prinz Leomar von Drachenhain im Ogedenbund zu vertreten. Mit
großer Freude und Aufmerksamkeit lauschten die beiden Damen, den
Erzählungen des Prinzen Anselm. Noch am Abend fand ein rauschendes
Fest zu Ehren des Zurückgekehrten statt.
So nahmen die Schrecken noch ein gutes Ende. Hätte Prior Athanan
vom Nexus meiner Herrin bereits bei der Bitte um ihre Gastfreundschaft
alles offengelegt, was er da bereits wusste, hätte die Edle Fendra
von Aueneck einem Ogedenbund- und Gelehrtentreffen niemals zugestimmt.
Sie entschuldigt sich in aller Form bei den Gästen für die Vorfälle
und hat bereits einen dicken Beschwerdebrief an den König gesandt.
Da Athanan ein Gesandter des Königs war, stand es ihr ja nicht zu
über ihn sofort zu entscheiden.
Mögen die Anwesenden Tolens nicht in allzu schlimmer Erinnerung
bewahren. Ein Jeder sei im wunderschönen und sonst ruhigen Tolens
ein gern gesehener Gast.
Jarok Felsenkunder, Berichterstatter aus Waldroden
Die Garde von Thal gibt bekannt
Hochanthen am 2. Tag des 2. Saarka
Nachdem die Nachricht über den “kriegerischen Akt” in Hochanthen
eintraf, wurde sofort die gesamte Fürstliche Flotte in erhöhte
Alarmbereitschaft versetzt, der Generalstab der Thaler Armee am Fürstenhof
einberufen. Zwei Kriegsschiffe liefen sofort vom Flottenstützpunkt
Roggenhain in Richtung des “Herzog-Uriel II.-Atoll” aus. Es handelt sich
hierbei um das Flaggschiff der Thaler Flotte, die Silberpfeil unter dem
Kommando von Admiral-Leutnant Ardelan von Aichfelden ,sowie um die Kriegskogge
Nachtkauz unter dem Kommando von Korporal Albrecht Krumbargen. Man will
der Ostarische Flotte helfend zur Seite stehen, jedoch hofft man auch in
Hochanthen, die Situation friedlich zu lösen.
Admiral-Leutnant erhielt den Befehl, sich mit seinen Schiffen Admiral
Hinrich von Harkenberg anzuschließen und seinen Anweisungen zu folgen.
Die fürstliche Thaler Flotte untersteht nur dem direkten Befehl von
Fürst Bartha, da es sich hier aber um eine besonders dringliche Situation
handelt und um Interessen die ganz Heligonia betreffen, hat Fürst
Bartha alle Vollmachten dem Generalstab übertragen, da er selbst im
Moment in Escandra bei seiner allerdurchlauchtigsten Majestät unabkömmlich
ist. Alle hoffen auf einen friedlichen Ausgang, da Heligonia nicht erneut
einen schrecklichen Krieg erleiden will.
i.A. Hartmut Hohlbein, Schreiber der Fürstlichen
Garde von Thal
Der Vestalin Telvin von Duhrendahl
Meinen Glückwunsch! Seit Eurem ersten Artikel habt Ihr anscheinend
erheblich dazu gelernt oder Euch Rat bei wortverdrehenden Glaubensgenossen
geholt. Immerhin beherrscht Ihr schon die polemischen Anführungszeichen
und glaubt zu wissen, daß man sich in Gegenartikeln auf einzelne
Sätze stürzen soll, unbequeme Argumente am besten ignoriert,
dafür aber auf andere eingeht, die der Gegenüber gar nicht anführte.
Schließlich streue man noch ein paar Beleidigungen ein, zeihe den
Kontrahenten verschiedener Verbrechen und maße sich schließlich
an, im Namen des Königs zu sprechen. Wie gesagt, meinen Glückwunsch.
In einem allerdings habt Ihr tatsächlich recht: Weitere Boten-Artikel
sind sinnlos. Zum einen werde ich mich nicht auf Euer Halbniveau herabbegeben,
zum anderen wären Eure Hintermänner und ich sicher in der Lage,
diesen Disput weiter fortzuführen, doch dürfte dies eher ein
fruchtloses Spielchen bedeuten.
Euren letzten Zeilen nach nehmt Ihr meine Person offenbar so wichtig,
daß Ihr mir unbedingt einmal begegnen wollt. Dies beruht zwar nicht
auf Gegenseitigkeit, doch werde ich einer solchen Begegnung nicht ausweichen,
sie allerdings ebensowenig herbeiführen.
Rawen Eilshorn, Geweihter des Helios, OfH-Führer
Heligonia und Thal
Betiser Tribüne
Betis greift in den Streit um das Herzog-Uriel II.-Atoll ein
Vor wenigen Monaten erst wurde das Herzog-Uriel II.-Atoll, in der Jolsee
gelegen, dem Heligonischen Königreich angegliedert, und schon gibt
es einen handfesten Streit darum. Der Stadtstaat Telnaron läßt
mit mehreren Schiffen den Zugang zu dem Eiland blockieren, um eigene Herrschaftsansprüche
geltend zu machen.
Am 8.Tag des 1.Saarka erreichte eine Flotte aus Ostarien Betis. Diese
hatte den Auftrag, das unter ostarischer Verwaltung stehende Atoll für
die Besiedlung vorzubereiten. In der freien Reichsstadt wurden einhundert
freiwillige Betiser Seesoldaten an Bord genommen, erpicht darauf, auch
für Betis an dieser anspruchsvollen Aufgabe ihren Teil beizutragen.
Als diese Schiffe dann allerdings an ihrem Ziel ankamen, mußten sie
die schon beschriebene Überraschung erleben, Telnaron blockierte den
Zugang zum Atoll. Zu einem militärischen Zwischenfall kam es glücklicherweise
nicht, beide Seiten blieben besonnen. Am 4.Tag des 2.Saarka liefen dann,
der Stadtrat war inzwischen von der unheilvollen Nachricht in Kenntnis
gesetzt, drei Betiser Kriegskoggen sowie eine Schebecke aus,
um das Herzogtum Ostarien in dem Streit um das Atoll zu stärken. Die
Betiser Schiffe werden von dem erfahrenen Kapitän Lionel Cesante kommandiert.
Inzwischen steht auf beiden Seiten eine größere Flotte bereit,
um den Streit für sich zu entscheiden. Vorerst werden allerdings diplomatische
Verhandlungen abgewartet um ein unnötiges Blutvergießen zu vermeiden.
Jedoch warnte Stadtrat Berthold Seferin in einer öffentlichen Ansprache
im Rathaus die Telnaronischen Machthaber eindringlich, die Gutmütigkeit
des Königreiches Heligonia nicht zu sehr zu strapazieren. “Seine Allerdurchlauchtigste
Majestät Helos Aximistilius Tertius in von göttlichen Gnaden
auserwählter Herrscher über das Herzog-Uriel II.-Atoll. Niemand,
auch nicht der ausländische Stadtstaat Telnaron, sollte dies bestreiten.
Die freie Reichsstadt Betis wird, wenn nötig, alles in ihrer Macht
stehende tun, um dem göttlichen Recht Geltung zu verschaffen.”
Entwicklung Quellstedts begrüßt
Der Doge von Betis begrüßte in einer Rede im Großen Rat
die in Quellstedt vonstatten gehende Entwicklung. “Die Einsetzung eines
Bürgermeisters,” so Niccolo Corvese, “beendet nun auch offiziell endgültig
die Ära des verbrecherischen Stadtrates. Auch die Anstrengungen,
um den Hochverräter Franzler zu ergreifen, lassen auf eine ordentliche
Bewältigung dieses schwer lastenden Erbes vertrauen.” In der weiteren
Rede drückte er die Hoffnung aus, Quellstedt werde eines Tages auch
wieder einen Stadtrat mit der Aufgabe, wichtige Entscheidungen zu treffen,
betrauen. Es sei jedoch verständlich, daß nach diesen schweren
Zeiten das Vertrauen in einen Rat nur sehr begrenzt vorhanden sein könne,
und daher ein Bürgermeister, wie Kelvin von Algorn es verkörpert,
wohl die beste Lösung sei. Fürderhin betonte der Doge, daß
nun, angesichts der tiefgreifenden Veränderungen in Quellstedt, der
Zwist zwischen den Städten eine vergangene Sache sei, “welche es erfordert,
von einer besseren Zukunft vergessen gemacht zu werden.”
Familie Corvese erhält Schürfrechte in Carajon
Gabriel Farnberg, Sprecher der Familie Corvese, erklärte am 3.Tag
des 2.Saarka, Niccolo Corvese habe einen Vertrag mit seiner Hochwohlgeboren
Baron Herian von Carajon abgeschlossen, welcher der Familie Schürfrechte
für die Septhonit-Minen der Baronie verleihe. Durch die gute Verbindung
der Familie zu den Weiterverarbeitern und zum Markt sei damit eine Erhöhung
des Gesamtertrages der Minen zu erhoffen. Über die genauen Modalitäten
des Vertragswerkes gab Farnberg selbstverständlich keine Auskunft.
Wir sehen uns im Herzen Heligonias - BETIS!
Der Handelsprophet
Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 6 Kreuzer
Schaf (Hochland, spez. Luchnar) 8 Dukaten, 2 Groschen und 1Kreuzer
Schaf (Hochland) 7 Dukaten und 6 Groschen
Quecksilber 10gr 6 Dukaten, 8 Groschen und 3 Kreuzer
Tabak 1kg 5 Groschen und 2 Kreuzer
Die leicht steigende Wertung des Hochland-Schafes ist wohl der endgültigen
Klärung der Schafseuche in Flaitney zu verdanken. Trotz allem bleibt
der Preis unter dem gewohnten Niveau, was auf den noch immer schwelenden
Hochlandkonflikt zurückzuführen ist, welcher auch den Preis der
Hochlandschafe speziell luchnischer Herkunft beeinträchtigte.
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
Was sich schickt
- Prinz Anselms Rückkehr
- die Kolonialflotte
- Kelvin von Algorn
- Friede in Drachenhain |
Und was nicht
- Besetzung des Herzog-Uriel II Atolls
- törichte Mißverständnisse
- unechter Schmuck
- zweispännige Kutschen |
Werte Quellstedter!
Wir sind ja schon einiges von euch gewohnt. Es ist ja auch löblich,
daß ihr euch bemüht, Theo Frantzler der Gerechtigkeit zuzuführen.
Aber ein Kopfgeld von 25000 Dukaten (in Worten: fünfundzwanzigtausend!)
auszusetzen, übersteigt jede Vorstellung einfacher Bürger. Ich
bezweifle ja, daß ein Großteil eurer Einwohner überhaupt
schon eine Münze solcher Art gesehen hat. Was könnte man damit
nicht alles machen: Vernünftige Straßen bauen zum Beispiel,
da die nach so einem Krieg selten noch zu gebrauchen sind. Oder neue Handwerker
ansiedeln, eine kleine Handelsflotte bauen, eine Menge Vorräte für
den nächsten Krieg anlegen... Auf eines dürft ihr euch jedenfalls
freuen: Demnächst werden ein paar hundert Kopfgeldjäger aus dem
In- und Ausland eure schöne Stadt aufsuchen, mit ein paar hundert
gut verschnürten Theo Frantzlers im Gepäck. Dann werden wenigstens
die Kneipenwirte mal Gewinn machen.
Was mich traurig macht, ist die Tatsache, daß sich nicht noch
mehr Leute zu einem solch großzügigen Schritt aufraffen. Dann
würden nämlich Verbrecher wie Adveri, Kadhan von Hochaskenstein
oder die Schwarze Kilikia schon längst am höchsten Galgen baumeln.
Severa Esteban, Mitglied des Hohen
Mord in Betis
In der Nacht zum 17.Tag des 1.Saarka wurden im Anwesen der ogedischen Familie
Montbars, direkt am Gildenkanal gelegen, ein Mord verübt. Guillaume
Montbars, welcher seit den Stadtratswahlen die Familie im Großen
Rate vertrat, wurde am Morgen von den Hausbediensteten tot im Bette aufgefunden.
Erst nach den letzten Wahlen im 1.Xurl trat er die Nachfolge seines Vaters
im Rat an. Laut der Garde wurde dem Opfer im Schlafe die Kehle aufgeschlitzt,
über mögliche Täter oder einen genaueren Hergang des Mordes
herrscht jedoch noch Unklarheit. Oscar Montbars, Vater des Opfers, bekundete,
noch angeschlagen von dem Schock und kaum fähig die Worte flüssig
zu formen, er habe dieses Zeichen verstanden. Auf die Frage was er damit
meine antwortete er: “Das wissen die Götter und der Eine.” Ob diese
Aussagen bei der Suche nach dem Täter helfen kann scheint fragwürdig,
die Garde kündigte jedoch an, alle nötigen Schritte zu unternehmen,
um diese Schreckenstat aufzuklären.
Noch am selben Tag wurde im Großen Rat von Betis eine Trauerfeier
für den Dahingeschiedenen abgehalten. Dessen Nachfolge im Rat wird
, so verlautbarte die Familie Montbars, seine jüngere Schwester Anna
Montbars antreten.
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BETIS, weshalb ist es nicht überall so schön wie hier?
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Bürger des Monats (2.Saarka n.A.III 27)
Die Ehrung zum Bürger des Monats fiel in diesen Tagen auf den Kapitän
Lionel Cesante, unter dessen Kommando mehrere Schiffe zu Beginn des zweiten
Saarka den Hafen von Betis verließen, um für Recht und Ordnung
in dem Streit um das Herzog-Uriel II.-Atoll zu sorgen. Er wird damit auch
stellvertretend für all die Betiser Seeleute und Soldaten geehrt,
welche sich gegen die Telnaronische Aggression engagieren. Der erfahrene
Stratege Cesante sei sich bewußt, welche Verantwortung auf ihm laste,
so Stadtrat Berthold Seferin, aber er werde die Aufgabe sicherlich excellent
zu lösen wissen. Ordentlich verliehen kann ihm die Auszeichnung allerdings
erst bei seiner Rückkehr werden, welche, so hoffen wir alle, nicht
zu lange auf sich warten läßt.
Stadtgeschehen
Entzückt sind die Betiser Bürger über die Aussicht in Bälde
Reisen auf das Herzog-Uriel II.-Atoll zu unternehmen. Die Nachricht von
deren Besetzung durch Telnaronische Streitkräfte hingegen führte
zu lautstarken Protesten auf dem Helosplatz.
Gesundet zeigte sich das Wunderkind Bonifazio beim ersten Konzert nach
der Zwangspause, die Zuhörer gaben ihr Wohlgefallen durch stehende
Ovationen kund.
Begeisterung in der Modewelt löste die Vorstellung der neuen Uniformen
der Betiser Seesoldaten, gefertigt von Georg am Armi, aus. “Mit diesen
Uniformen,” so der Künstler, “sind die zukünftigen Kämpfe
der Truppe schon halb gewonnen.”
Einen neuen Rekord stellte Hagen Wehteich auf: Er schaffte es, das
legendäre “halbe Schwein” im Gasthaus “Goldene Taube” innerhalb
von etwas mehr als einer halben Stunde zu verzehren.
Schnell machte es die Runde, daß der in Betis allseits beliebte
ostarische Amtsdirektor Egbert von Vogelberg zu einem Besuch in die Stadt
kommen solle. Diese Nachricht stellte sich leider auch genauso schnell
wieder als eine Falschmeldung heraus.
Der Tanzbär
Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias
Offener Brief an Halfnet
Halfnet, Halfnet, Ihr seid ein Rüpel! Nicht nur, daß Ihr daherkommt
wie ein Landstreicher, nein, Ihr schafft es auch, ein fröhliches Fest
zu einem traurigen Ereignis werden zu lassen. Wie Ihr Euch beim Lormarker
Bardenwettstreit benommen habt, war wirklich jenseits jeglichen guten Geschmacks.
Aber daß die Baronin Euch laufen ließ, liegt einfach daran,
daß Ihr Recht habt. Aber dazu später. Ihr seid kein Barde. Ihr
seid kein Poet. Und ich schätze, daß ich Euch damit nicht beleidigen
kann, weil Ihr das selbst wißt. (Es ist fraglich, ob man Euch überhaupt
beleidigen kann.) Was seid Ihr dann? Ihr seid das Schwert in der Hand des
Toren, ungeübt geschwungen und doch von großer Treffsicherheit.
Ihr seid der Stachel im Fleisch, nicht zu entfernen, Ihr seid eine Pest,
zieht vorbei, infiziert die Leute und verschwindet wieder. Ihr habt kein
Benehmen, keinen Geschmack, keinen Stil. Aber Ihr habt Recht, und darauf
kommt es an. Eure Worte treffen tiefer, als ich es jemals zuvor erlebt
habe. In Euren Händen wird die Wahrheit zu Gift, in Eurem Munde das
Wort zu Feuer. Aber Euer Herz, Halfnet, ist düster und leer. Nicht
für das, was Ihr anprangert, schreit Ihr um Hilfe, sondern für
Euch selbst. Ich sehe einen Löwen, der brüllt, weil er Magenschmerzen
hat. Man hört sein Gebrüll und fürchtet sich. Den Schmerz
kann man nicht sehen. Ist es dieses Land, das Euch diesen Schmerz zufügt?
Ist es die zunehmende Lieblosigkeit und Dummheit? Ist es das, daß
jeder sein eigenes Süppchen kocht, ungeachtet der Folgen? Warum sonst
hättet Ihr gerade in der Lormark so laut brüllen sollen, am Hofe
eines Opfers der Dummheit? Ist das Eure Art, sich mit der Gerechtigkeit
solidarisch zu erklären, daß Ihr da seid, wo Unrecht geschieht?
Ich würde gerne einmal persönlich mit Euch streiten, Halfnet.
Vielleicht findet sich ein Weg? Bis dahin: Laßt nicht nach in Eurem
Bemühen, hört nicht auf Euer Gift zu versprühen, schärft
Eure Klinge weiter an den Seelen der Herzlosen. Dieses Land braucht Euch.
Und ich bin nicht mehr allein.
Marvenna von Drachenstein
Ich wär gern Adlig in Luchnar
Ich wäre gerne ein Hautzensteyner,
von diesem Adelssitz in einem luchnichen Weiler
Ich würde Hof und alles aufgeben,
mich nach Escandra zu begeben!
Dort würde ich lernen die Schauspielerei
und ernährte mich nur von Spiegelei.
Ich wäre gerne ein Hautzensteyner,
so wäre ein Adelstitel meiner.
Ich würde zurückkommen
und mein Spiel vervollkommnen!
Und alles anstellen, was in meiner Macht
damit es zu Hause richtig kracht!
Ich wäre gerne ein Hautzensteyner,
so wäre dann ein schlechter Ruf meiner.
Ich würde bei meinem Bruder für Haarausfall sorgen
und ihm dann ein paar meiner borgen.
Danach würde ich in meinem Bette liegen
und mit mir selber spielen!
Ich wäre gerne ein Hautzensteyner,
meine Intrigen würden immer feiner.
Ich wäre schuld an einem Streit,
denn mit Flatney und grinste breit.
Denn mein Bruder grinst seitdem nicht mehr,
doch dafür ich noch mehr!
Ich wäre gerne ein Hautzensteyner,
ohne mich wäre Luchnar reiner!
Das Leben ohne mich in der Feste,
würde zum reinsten Feste.
Nicht der erst, nicht die zweit geborene,
sondern ich wäre Cerderric, der dritt geborene!
Thalion Barden, ein junger heligonischer Barde. Er würde vor 25
Jahren, als einzigster Sohn einer Bardenfamilie geboren, sein Leben verbrachte
er bis dato damit in Heligonia herumzureisen um auf neue Inspirationen
zukommen.
Termine
24.03. – 26.03.00 Helicon 13 – Markt in Tatzelfels (Burg Wildenstein)
05.05. – 07.05.00 Helicon 14 – Ceridisches Konzil an der Hoppelmühle
21.07. – 23.07.00 Helicon 15 – Hochlandcon am Karlsbrunnen
06.10. – 08.10.00 Helicon 16 – Gelehrtenkonvent auf Schloß
Ebersberg
Dezember 00 5. Heligonischer Adelstag
Verehrte Leserschaft
Seit dem letzten Adelstage sind sechs Helios-Boten erschienen, deren Umfang
erfreulicherweise reges Interesse widerspiegelt. Um unsere Arbeit erfolgreich
weiterführen zu können, bitten wir um den alljährlichen
Obulus von fünfeinhalb Silberlingen für die Botenlohnkasse der
Schreibstube.
Der nächste Bote wird Ende des ersten Poëna-Mondes erscheinen.
Wer bis dato den Botenlohn entrichtet hat, dem wird er auch wieder für
ein Jahr lang zugestellt werden.
Mit besonderem Stolz dürfen wir hier das Erscheinen des ersten
heligonischen Gedichtbandes verkünden. Dieser wurde herausgegeben
von Koldewaiht von Hautzensteyn und bietet dem Leser einen Streifzug durch
die zeitgenössische heligonische Dichtkunst. Das 200 Seiten starke
Werk enthält 100 Gedichte von 30 verschiedenen Poeten und ist zum
Preis von 15 Silberlingen bei der Schreibstube erhältlich.
Mit heligonischen Grüßen, Talimee
© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés Balluff,
Marc Hermann
Berichte von Susanne Arbogast, Bert auf dem Keller, Guido Brand, Jochen
Brenner, Arnulf Breuer, Ulrike Clauss, Julia Fischer, Henning Frank,
Oliver Friese, Deborah Gläser, Thorsten Hess, Andreas Hils, Petra
Jörns, Dirk Kammler, Christian Klauss, Oliver Kraus, Heike Kettner,
Markus Krieger, Daniela Lochner, Johannes Pilz, Benjamin Rampp, Andreas
Reicke, Andreas Riedlinger, Markus Spree, Melanie Walker, Ellen Weiß

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