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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 1. Poëna n.A.III 27
Ausgabe 32
Kronkurier
Hochgeschätzter Fürst Waldemar von Drachenhain,
stellvertretend für den gesamten Adel unserer, dem König unterstellten
Ländereien gratuliert der Hochadel Heligonias feierlich zur Erhebung
Eurer Durchlaucht in den wohlverdienten Stand eines Fürsten.
Herzog Angilbert I. von Ostarien
Freigräfin Arana von Sedomee
Fürst Bartha von Thal Graf Dedekien von
Darian
Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach
Liebe Schreibstubenredaktion!
Es tut mir so leid! Es ist natürlich ganz und gar mein Fehler! Wie
konnte ich so leichtsinnig sein und den Satz: "Schließlich zweifelt
niemand am Vorrang des Vasalleneides" unterstreichen, in einer anderen
Farbe schreiben und dick einrahmen sollen. Schließlich weiß
ich ja aus unserer jüngsten Geschichte, was passieren kann, wenn man
das nicht tut.
Ich bedaure also zutiefst, nicht deutlicher hervorgehoben zu haben,
daß ich selbstverständlich hinter den Gesetzen dieses Landes
stehe und nicht die Absicht habe, in irgendeiner Form das herrschende Lehnsrecht
in Frage zu stellen. Allerdings darf ich ohne Standesdünkel vielleicht
nachfragen, ob es solche von Dir erwähnten Veranstaltungen auch für
Leute gibt, die nicht dem einfachen Volk angehören, denn mein Vater
war ein Drackensteiger Ritter, und es wäre ihm sicher nicht recht
gewesen, wenn ich zu einer solchen Veranstaltung für das einfache
Volk gehe. (Mir persönlich wäre das natürlich wurscht, weil
das einfache Volk, wie man ja hier sehen kann, immer einen Weg findet,
um zu kommunizieren, was offenbar ja beim Hochadel nicht so gut klappt).
Aber als Anregung: Vielleicht würde der Herr Professor ja auch mal
so was für Barden machen. Ich würde gerne kommen, und Halfnet
sicher auch. Mit Sicherheit könnten wir da alle viel lernen!
Also, nichts für ungut und ganz liebe Grüße von Deiner
Marvenna
Höre, dummes Weib, das auf den verruchten Namen Marvenna von Drachenstein
hört!
Bisher habe ich dich und deine Künste geschätzt, aber was du
jetzt getan hast, stellt jegliche bisher gesehene Dummheit in den Schatten!
Du erdreistest dich im Helios-Boten, über mich und andere zu richten,
ohne auch nur einen der betroffenen zu befragen: Wenn in einem Gerichtsfalle
ein Richter dergestalt vorginge, würde er sofort seines Amtes enthoben!
Woher willst du Unwissende wissen, wer was mit wem nicht besprochen hatte,
und wer tatsächlich bereit gewesen wäre, das Schwert ohne vorheriges
Verhandeln gegen Schwester oder Bruder zu ziehen?
Du nennst mich dumm, du ekler Wurm, aber hast in deiner engstirnigen
Arroganz es dir angemaßt, über mich zu richten: Dafür fordere
ich dich vor meine Klinge, wenn in dir noch ein letzter Rest deines Standes
geblieben ist.
Glaubst du blödes Gör wirklich, jedes Gespräch, jede
Unterhandlung (stell dir vor, es könnte ja auch geheime gegeben haben,
von denen du als gänzlich Unbeteiligte nichts erfahren hast und auch
nie erfahren wirst) würde - am besten wortwörtlich wiedergegeben
- im Boten erscheinen? Stellen wir uns vor, es wären tatsächlich
welche unter den Vasallen von Graf Waldemar zum
Ungehorsam bereit gewesen, meinst du in deiner unfaßbaren Dummheit,
diese hätten dies gleich im Boten veröffentlichen sollen?
Jedes Huhn in einem Rebenhainer Hühnerstall denkt mehr beim Eierlegen
als du beim schreiben. Und nicht jedermann veröffentlicht seine Gedanken
sogleich öffentlich im Boten und gibt sich somit - wie du das ja gerade
getan hast - als völlig verblödet zu erkennen.
Hättest du doch nur weiter gereimte Sträuße gebunden,
als beschissene Prosa zu eruptieren. Ich betrauere den Tod der Marvenna
von Drachenstein, die ich einst kannte.
Gegeben am 29. Tage des 2. Saarka von
Krator von Rebenhain
Offener Brief an den Adel Heligonias
Geschätzte Adelige,
für das teilweise unhöfsche Verhalten, welches wir am letzten
Adelstag zeitweise an den Tag legten, möchten wir uns in aller Form
entschuldigen.
Insbesondere bei seiner Hochwohlgeboren Krator von Rebenhain, welcher
sich in seiner Ehre als Gastgeber gekränkt fühlen könnte.
Des Weiteren möchten wir ihre Hochwohlgeboren Liskar von Arnach,
für einige unserer Reden um Verzeihung bitten. Die Bemerkungen welche
wir aussprachen waren, wie oben schon gesagt, unhöfisch und wir versprechen
Euch, nie wieder Worte wie an besagten Tag an Euch zu richten.
Wir hoffen das die Adeligen dieses Reiches, insbesondere die oben angeführten
Persönlichkeiten, unsere Entschuldigung annehmen.
Thioderik von Wälsung
Baron zu Buchenfels
Ritter und Herr von Wälsung
Botschafter Ostariens
Drachenhainer Herold
Höret höret,
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu
wissen, dass auf die Erhebung des Landes Drachenhain zum Fürstentum
nun eine Änderung des Landes- und Familienwappens folget. So fiel
die Wahl auf das alte Halmarwappen, das Hoheitszeichen des ruhmreichen
Stammesvaters der Drachenhainer Familie. Graf Halmar, genannt der Drachenprinz,
gründete 466 v. A.III das Land. Bis zum heutigen Tage wird Drachenhain
von Halmars direkten Nachfahren regiert.
An dieser Stelle soll auf eine detaillierte heraldische Erklärung
verzichtet werden, anstelle von Worten soll ein Bildnis des Wappens stehen,
damit es sich auch der einfache Gemeine einprägen und künftig
erkennen kann.
Schillwunk "die Feder" Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter
Ein neues Wappen
Ein neues Wappen soll ich aufhängen, haben die Herrschaften mir befohlen.
Viele Wappen habe ich hier schon auf- und abgehängt im Wappensaal
von Escandra. Sogar einige ganz Neue sind hinzugekommen im Laufe meiner
Dienstzeit, und die währt schon ziemlich lange. Wieder andere sind
verschwunden, ohne Ersatz. Das Wappen hier soll ich abhängen und gegen
ein neues austauschen, hat man mir gesagt.
Ich kenne das alte Wappen gut. Es war schon immer eines meiner liebsten.
Es ist das Wappen der Grafschaft Drachenhain. Kennt Ihr es? Es zeigt einen
gehörnten, goldenen Drachen auf schwarzem Grund. Ich mag es deswegen
so, weil mir die Legende, die dazu gehört, so gut gefällt. Die
Legende, die besagt, dass Graf Halmar, der Gründer von Drachenhein,
einst jenen Drachen in einer langen, blutigen Schlacht geschlagen hat.
Ganz allein stellte er sich dem fürchterliche Drachen gegenüber,
nachdem dieser die Stadt Jolbruck zerstört hatte und tötete ihn.
Blutüberströmt und mit den Hörnern des Drachen in der Hand
trat er seinen Männern dann wieder gegenüber und ließ an
der Stelle die Feste Drachenzahn erbauen.
Ja, so erzählt es die Legende. Und deshalb ist Jolbruck zwar die
Hauptstadt der Grafschaft Drachenhain, aber der Regierungssitz ist die
Feste Drachenzahn.
Aber Drachenhain ist ja jetzt keine Grafschaft mehr. Der König
hat den guten Grafen Waldemar nämlich vor ein paar Wochen zum Fürsten
erhoben. Wegen seiner großen Verdienste und weil es gerecht ist,
sagen die Herrschaften.
Ich weiß nicht, ob sie damit recht haben. Ich bin ja nur ein
einfacher Diener. Wer fragt mich schon nach seiner Meinung? Aber ich denke
mir immer, dass es so große Helden wie früher in den Legenden
wohl nicht mehr gibt. Und manchmal frage ich mich dann, ob es sie wirklich
gegeben hat. Aber das muss es wohl, denn sonst würde man sich die
Geschichten nicht erzählen. Und den Graf Halmar, den hat es bestimmt
gegeben. Ihn und den Drachen, den er erschlagen hat. Und der Graf Waldemar,
der ja ein Nachfahre von ihm ist, ist ein guter Mann, deshalb ist es bestimmt
recht, wenn er nun Fürst ist.
Deswegen bin ich jetzt auch hier, um das Wappen auszutauschen. Etwas
blass ist es ja schon geworden über die Jahre, das alte Wappen. Das
Schwarz ist schon angegraut, ist stumpf geworden und brüchig wie der
Stoff. Und das Gold des Drachenkopfs glänzt nicht mehr so richtig,
wenn der Drache auch recht edel aussieht in seiner alten Goldpatina. Doch
etwas mehr Glanz würde ihm schon gut zu Gesicht stehen. Da bin ich
aber gespannt, wie das neue Wappen aussieht. Hoffentlich ist der Drachenkopf
noch drauf.
Ja, da ist es. Wie der Drache glänzt, keine Patina mehr. Ganz
neu und funkelnd ist er. Und kein Kopf mehr sondern ein ganzer Drachenleib
ist jetzt auf dem Wappen, mit einem Schwanz, der sich unten ringelt und
Schwingen, die sich nach rechts in die Luft recken.
Mit furchterregenden Klauen, die mit blutigroten Krallen nach links
zeigen. Ach, und der Kopf mit dem finsteren Blick schaut nach rechts über
die Schwingen und speit sogar Feuer, so rot wie die blutigen Krallen. Das
ist ein Drachen! Und wie der Hintergrund auf dem neuen Wappen wieder so
richtig samtschwarz ist! Schön ist das!
Armes altes Wappen! Dagegen kommst du nicht an, nicht wahr? So lange
hast du deine treuen Dienste geleistet und nun hängt man dich einfach
ab. Jetzt gehörst du zum alten Eisen. Man wird dich vielleicht gar
wegwerfen. Leid tut mir der Gedanken schon. Wie gern habe ich immer hoch
geblickt. Nun muss ich mich an einen neuen Drachen gewöhnen, der da
oben hängt. Auch wenn er neu ist und schön, werd ich dich doch
vermissen. Warst mir doch lieb geworden über die Zeit.
Ob mich wohl auch jemand vermissen wird, wenn jemand anders hier die
Wappen austauscht? Wenn ich eines Tages gegen einen Neuen und Jüngeren
ausgetauscht werde? Weil ich die Leiter nicht mehr so gut erklimmen kann
oder wenn ich gar wirr im Kopf geworden bin. Der Gedanke tut schon weh.
Irgendwann mal ebenso zum alten Eisen zu gehören wie das alte Wappen
hier in meinen Händen. Da wünsche ich mir, ich hätte ein
bißchen vom Mut des Grafen Halmar in mir. Dass ich ebenso kühn
und wohlgemut dem Tod ins Auge lachen könnte wie er damals dem Drachen.
Aber vielleicht ist das ja zuviel verlangt von den Göttern. Vielleicht
genügt es ja, wenn ich meine Ablösung hinnehme so wie all die
Wappen, die ich hier schon abgehängt habe: mit Würde und mit
stiller Duldung, in der Hoffnung, dass etwas Besseres nach mir kommen mag.
So mag ich es halten. Das wäre mehr, als ich erhoffen kann. Und wenn
eine der Herrschaften hier sich an mich erinnern würde, so wie an
eines der alten Wappen, dann wäre das doch schon der Gnade genug.
Nicht wahr?
Erste Kriegsvorbereitungen in Rebenhain
Nachdem die Ödländer jetzt die schwachen neuen Reichsgebiete
im Norden am Jolborn angreifen, werden in Rebenhain Kriegsvorbereitungen
getroffen. Der Winter behindert sofortiges Losschlagen. Im schlimmsten
Falle muß gewartet werden, bis das Frühlingshochwasser abgeebbt
und der Fluß schiffbar sicher ist.
Bis dahin ergreift seine Hochwohlgeboren folgende Maßnahmen:
1. Späher werden zu Land und zu Wasser ausgeschickt, um
den Feind ausfindig zu machen und ihn auszukundschaften.
2. 150 Mann bekommen bis Ende des Frühjahrshochwassers die
Gelegenheit, sich zum eigenen und zum Ruhme Rebenhains, zur Aufbesserung
des eigenen Beutels und der Kriegskasse an der Suche nach Theo Franzler
beteiligen.
3. Die Bewaffnung wird kriegsmäßig in die Lagerhäuser
am Jolborn verbracht.
4. Schiffe zum Transport der Krieger werden gesammelt und bereitgestellt.
Trink Traubenblut aus Rebenhain,
dann wird das Denken besser sein!
Sehr verehrter Vogt und Ritter Leonidas von Rabenweil!
Verzeiht bitte, dass ich mich wegen dieser Angelegenheit an Euch wende,
aber die Sache ist einfach zu wichtig, um weiter aufgeschoben zu werden.
Und da unser Kloster doch in Eurer werten Vogtei liegt, da ist es doch
auch an Euch, sich um uns zu kümmern - wir, Eure ceridischen Nachbarn.
Auch wenn Ihr selbst Ogede seid.
So sehe ich das jedenfalls.
Es ist ja nicht so, dass uns Mönchen in unserem Kloster eine Gefahr
an Leib und Leben drohen würde. Bewahre! Ich möchte keine falschen
Befürchtungen in Euch wecken. Doch die Nöte, die uns quälen,
sind schlimm genug, dass sie dem Geisteszustand einiger Brüder abkömmlich
sind. Das Schlimmste ist zu befürchten in dieser Hinsicht, zumal ja
keine echte Bedrohung zu finden ist. Wir haben uns da schon in der Nähe
und auch im Kloster selbst genauestens umgesehen. Wir
wollten uns schließlich nicht von Euch vorwerfen lassen, wir
wären der Angelegenheit nicht gewissenhaft nachgegangen, bevor wir
uns um Hilfe an Euch wenden. Doch nach eingehender Prüfung der Örtlichkeiten
und nach fortschreitender Pein meiner Mitbrüder scheint es mir nun
geradezu meine Pflicht, Euch um Eure werte Unterstützung zu bitten.
Und mir will scheinen, dass es ebenso Eure werte Pflicht ist, uns diese
zu gewähren.
Doch ich will nicht vorgreifen. Hört Euch erst die Schilderung
der spektakulären Vorfälle an, die uns das Leben im Kloster seit
einiger Zeit so erschweren, dass es uns inzwischen fast unmöglich
geworden ist, auch nur einen erholsamen Schlaf zu finden. Diese Vorfälle,
die inzwischen fast jede Meditation oder inniges Gebet unmöglich gemacht
haben. Die einige meiner Brüder in stumpfe Teilnahmslosigkeit verfallen
ließ. Andere dagegen zu Exzessen der Selbstgeißelung trieben,
da sie ihren eigenen sündhaften Geist für die Bilder in ihren
Köpfen verantwortlich machten. Bis zu jenem Einen, der sogar danach
trachtete, das Werkzeug seiner Schandtaten, blutig entfernen zu müssen.
Wovon wir ihn jedoch, dem Einen sei es gedankt, im letzten Moment abhalten
konnten. Und traurigstes Schicksal, das jenem vorbehalten war, der der
entsetzlichen Prüfung nicht gewachsen war und aus unseren Reihen ausschied,
weil er glaubte, der Eine habe ihn verlassen.
So furchtbare und grauenhafte Dinge haben sich in den letzten Wochen
in unseren Mauern zugetragen, dass ich eigentlich nicht darüber reden
möchte.
Unschicklich scheint es mir, Euch mit diesen Dingen zu belästigen
und noch unschicklicher, sie einem Ogeden gegenüber überhaupt
zu erwähnen. Und doch kann ich nicht anders, ist es ja gerade mein
Gewissen, das mich dazu zwingt, endlich einzuschreiten und dem Leiden meiner
Mitbrüder damit vielleicht ein Ende zu machen. So der Eine es will
und Ihr in Eurer Großmut dazu in der Lage seid.
Ihr müsst diesem Treiben einfach ein Ende setzen, werter Vogt!
Das gebietet Euer Adel und Euer Stand. Niemand wie Ihr kann einfach zusehen,
wie Mitmenschen in seiner Nähe derart gequält und gefoltert werden
- durch die Träume, die ihnen aufgezwungen werden. Ja, aufgezwungen,
sage ich! Niemals kann ich glauben, dass diese Träume - Fast sträubt
es mich, dieses Wort für die fürchterlichen Szenen, die sich
da auch während meines Schlafes in mir abgespielt haben, zu gebrauchen;
so obszön und widerlich waren sie! - aus unseren eigenen Seelen stammen.
Etwas, oder sollte ich besser sagen, jemand anders muss sie uns beschert
haben. Anders kann es nicht sein, sonst müsste ich meinen Glauben
an den Einen verlieren. Und das kann ich einfach nicht hinnehmen.
Und so bleibt mir nur ein Gedanke: Dass es Hexen sind, die in der Nähe
des Klosters ihre teuflischen Tänze aufführen, die uns zu derlei
widerwärtigen Gedanken verführen. Die uns ihre wohllüstigen
Leiber im Schlafe vorgaukeln, ihre wippenden, üppigen Brüste,
die runden, gespreizten Schenkel mit der Verlockung des weichen, behaarten
Hügels der Scham dazwischen, der darauf wartet, mein williges Werkzeug
des Vergnügens in sich aufzunehmen, so dass ich es manchmal lieber
verdorrt oder gar abgeschnitten sehen möchte wie jener Bruder, der
Hand an sich selbst anlegen wollte.
Ich bitte Euch inniglich! Helft uns! Macht diesem Treiben ein Ende!
Ich beschwöre Euch! Niemand kann diesem Begehren auf die Dauer standhalten.
Schon jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, merke ich schon wieder, wie
der Stachel in mir wächst und anschwillt, dass ich kaum noch meine
Hand dazu bewegen kann, diese Worte zu beenden, ohne dass es mich zerreißt
und der mühsam geschnürte Knoten platzt. Schweiß steht
schon auf meiner Stirn bei dem Gedanken, was ich tun soll, da ich diese
Feder niederlege. Denn dann hat meine Hand nichts mehr, woran sie sich
festhalten kann. Dann ist es allein mein Glaube, der mich noch retten kann.
Und Ihr, werter Herr Leonidas! Deshalb dieses Schreiben, das mich mehr
gequält hat, als Ihr vielleicht je vermuten könnt. Das mich mehr
Blut und Schweiß gekostet hat, als jede andere Prüfung, die
der Eine mir bisher auferlegt hat. Möge Der Eine Euch Euer Opfer lohnen
und Euch segnen für Eure Hilfe!
In aufrichtiger Wertschätzung und mit inniglicher Bitte!
Bruder Salbfried vom Kloster Hirschenau
Der Wettlauf um Burg Talwacht
Syria Jaldis von Drachenhain wider Karr dem Jäger, Freiherr
von Talwacht
Die Gerüchte haben sich nun tatsächlich bewahrheitet. Ihre Hochgeboren
Syria Jaldis von Drachenhain und Freiherr Karr von Talwacht, genannt der
Jäger, bestreiten gegeneinander eine Wette zum Ziele der Wiedererlangung
der seit Jahren verschollenen Burg Talwacht. Wer diese - mit seinen Mitteln
- zuerst betrete, gewinne, heißt es.
Was nach einem Spiel klingt, ist tatsächlich bitterer Ernst, denn
bereits seit Wochen werden von Seiten des Freiherrn zahlreiche Truppen
Freiwilliger und Söldner ausgehoben, ausgerüstet und, wie es
an entsprechender Stelle heißt: "Auf den Weg gebracht". Gleichzeitig
schließen sich nun nach und nach auch namhafte Adlige und Reiche
Heligonias dieser Abenteuer ins Ungewisse an.
Der Heliosbote wird sich in den kommenden Wochen und Monden befleißigen,
seinen Lesern ein "Status quo" der beiden Parteien anbieten zu können,
in dem Näheres zum "Wer, Wie, Wann, Wo und vor allem Warum" zu erfahren
sein wird. Aus diesen Zeilen ist unschwer zu entnehmen, wie sehr Ihre Hochgeboren
Syria Jaldis und seine Hochwohlgeboren Karr uns hierin derzeit noch im
Dunkeln tappen lässt. Eine jeweilige Erklärung der Noblen wäre
daher recht hilfreich und bliebe zu Wünschen, da ja auch sie Gewinn
daran haben, wenn unsererseits das Auge der Öffentlichkeit auf jeweils
ihre Sache gerichtet wird! Gerüchten zu Folge, soll zumindest einer
der beiden Rivalen bereits mit dem Bau eines Lagers, unweit des Parimawaldes,
begonnen haben. Baldigst wird mehr zu berichten sein und es bleibt zu hoffen,
das die Pfade der Redlichkeit von keiner Seite verlassen werden wird!
Teren Skirgalen, freier Schreiber des Helios Boten
Trink Traubenblut aus Rebenhain,
da schlägst du gleich viel besser drein!
Wesen aus der Anderswelt lassen sich um die Feste Hautzensteyn blicken
Die Hirten, die rund um die Feste Hautzensteyn leben, überwiegend
vom Clan der MadUaine, munkeln in den letzten Wochen, daß sich die
Anderswelt ganz ungewöhnlich aktiv zeige. Moosmutzelchen und Dryaden
sollen in den Wäldern umherstreifen, Dornlinge die Schafe verletzen,
Kobolde gar den Hühnerstall der Feste selbst geplündert haben.
Mehrere Hirten wollen Alfar, die Feenwesen Luchnars gesehen haben, und
das sogar bei Tageslicht. Vermutlich hängt dies mit der schweren Erkrankung
des Hochdruidh vom Quét Deer, dem Element Erde, zusammen. Dennoch
ist die Gegend der Feste für derartige Besuche aus der Anderswelt
ein ganz unüblicher Ort. Es wird allgemein erwartet, daß die
Druidh spätestens nach ihrem Jahrestreffen eingreifen, das noch in
diesem Mond stattfinden wird.
Das Haus Drachenhain wider die Baronin der Lormark
Eure Hochwohlgeboren Nimue von der Aue, erklärt Euch!
Das leidige Thema "Lormark" nimmt und nimmt für Drachenhain kein
Ende. Neuerliche Attacke war die, im letzten Helios Boten veröffentlichten,
Schmähschrift des Lorburger Hofberichterstatters Meriadoc ap Fychan
"Noblesse oblige", wonach sich das Fürstenhaus nun erstmals genötigt
sieht, auch öffentlich seinen Standpunkt zu wahren. Hofberichterstatter
Meriadoc ap Fychan erging sich in unsachlichen
Äußerungen, Beleidigungen gegenüber dem Hause Drachenhain
und schweifte in abstrusen Anschuldigungen vom Eigentlichen ab. Allein,
die Baronin der Lormark ist jedoch für die Taten und Worte ihrer Untergebenen
verantwortlich, auch wenn die unbotmäßigen Worte des Artikels
nicht aus ihrem Kopfe entsprangen, trägt Nimue von der Aue doch Mitschuld
und Verantwortung, da sie solches hätte verhindern müssen!
Geboren aus dem Wunsch nach Frieden, aber auch der Klarheit im beidseitigen
Verhältnis, wünscht das Haus Drachenhain im folgenden offenen
Brief, von Seiten der Lormark eine eindeutige Stellungnahme.
Schillwunk "die Feder" Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter
Feste Drachentrutz, Burg Tatzelfels und Sarniant, 2. Tag des 1. Poena
n.A.III 27
An Ihre Hochwohlgeboren Nimue von der Aue, Baronin der Lormark
Der Botenartikel Eures Hofberichterstatters Meriadoc ap Fychan "Noblesse
oblige" stellt einen Affront gegen das Haus Drachenhain dar. Wir sind nicht
gewillt dies ohne weiteres hinzunehmen. Dementsprechend fordern wir Euch
auf,
zum einen die dafür verantwortlichen Personen angemessen zu bestrafen
und des weiteren eine, im Helios Boten zu erscheinende, Stellungnahme Eurerseits,
im Sinne einer Gegendarstellung, vorzunehmen.
Im Augenblick betrachten wir unser beider Verhältnis als geklärt.
Erfahren wir in unseren Ansinnen Eurerseits Ablehnung, betrachten wir die
Äußerungen und Standpunkte Eures Hofberichterstatters als die
Euren. Das Haus Drachenhain wird dann, in Absprache mit Eurem Lehnsherrn
Fürst Bartha, seine Konsequenzen aus diesem neuerlichen Vorfall ziehen.
Prinz Leomar von Drachenhain
Baron von Tatzelfels
Fürst Waldemar von
Drachenhain
Prinzessin Syria Jaldis
von Drachenhain
Vogtin von Tatzelfels
Erwählte des Xurls
Josephina von Drachenhain
Baronin von Wolfenfeld
Weiterbau der Stadtmauer
Baronin Josephina von Wolfenfeld rief kürzlich die Bevölkerung
von Sarniant auf, den Bau der neuen Stadtmauer voranzutreiben. Die Arbeiten
waren durch die Ereignisse des Sommers zum Erliegen gekommen und sollen
nun verstärkt fortgeführt werden. Die Baronin erinnerte daran,
wie wichtig eine starke Befestigung für eine wohlhabende Stadt sein
muß und bat die Bürger um Mitarbeit oder Geldspenden. Besonders
die ceridischen Bewohner Wolfenfelds sollten sich am Bau beteiligen. Schließlich
hätten ihre Glaubensgenossen solche Maßnahmen erst notwendig
gemacht, da sei es recht und billig, wenn sie einen verstärkten Beitrag
zur Verteidigung ihrer Heimat leisten müssten. Zudem würden gerade
Überlegungen angestellt, den Brazach noch besser zu sichern und vermehrt
Schiffe zu kontrollieren. Es zeige sich immer wieder, daß vom Fluß
her die größte Gefahr drohe, so daß eine gemeinsame Vorgehensweise
aller Flußanlieger Drachenhains unumgänglich werden wird.
Herzöglich Ostarische Hofgazette
Abschließender Bericht über die 1. Ostarische Lautverschiebung
Nicht ohne Stolz gibt das Herzögliche Ostarische Amt Für Schrift-
Und Sprachangelegenheiten (HOAFS&Sa) in diesen Tagen bekannt, daß
die letzten Schritte zur Durchsetzung der 1. Ostarischen Lautverschiebung
erfolgreich getan werden konnten und der in der Vergangenheit oft schwer
zu verstehende ostarische Dialekt somit nunmehr entscheidend der heligonischen
Hochsprache angeglichen wurde. Der alte, stark mit sog. Ö-Lauten durchsetzte
und entwicklungsgeschichtlich dem Altligoniiwelschen entwachsene Taurische
Dialekt (ein bekanntes, charakteristisches Beispiel ist in der Encyclopediæ
Heligoniæ, S. 106 dokumentiert: “Wirr bögrrüßön
allö Ödölleutö aus Södomöö!”) wurde
entsprechend bereinigt, nicht zuletzt, weil auch in der Herzöglichen
Ostarischen Rechtschreibverordnung eine größtmögliche Übereinstimmung
von Wort und Schrift vorgesehen ist.
Hier ein kurzer Auszug aus der Reformverordnung:
“§ 14a (...) so daß in allen Fällen, in denen bisher
abweichend vom Hochheligonischen ein Ö-Laut gesprochen, nicht aber
geschrieben wurde, ein solcher nicht mehr anzuwenden ist; hingegen aber
in allen Fällen, in denen ein Ö-Laut einvernehmlich mit den Regeln
der Herzöglichen Ostarischen Rechtschreibverordnung und den Usancen
der Heligonischen Hochsprache gesprochen wurde, er auch weiterhin so ausgesprochen
werden soll.”
(...)
“§ 32 Ebendso ist die Substitution von i durch y, wie sie zu Zeiten
des Edmond de la Cruz (“...der vom Eynen geleytet sey...”) üblich
wurde, als ungehörig anzusehen und nicht länger anzuwenden.”
Das HOAFS&Sa gibt zu bedenken, daß die in letzter Zeit an
Wichtigkeit zunehmenden Kontakte ins inner- und außerheligonische
Ausland die bessere Verständlichkeit unserer Sprache zu einer Angelegenheit
von äußerster Dringlichkeit machen und bittet daher die Bevölkerung
um die Einhaltung der Verordnung. Grobe Fälle von Nichtbeachtung der
Lautverschiebung werden als Ordnungswidrigkeit geahndet.
Amtsdirektor Honorius Morgenroth II.
Die Ernennung des Adalbert von Torpstein zum neuen Baron von Hohenforingen
und wie der ehemalige Vogt von und zu Torpstein und darnach von Teemon
Vertriebene nach langwierigen Kämpfen schließlich die Baronswürde
erlanget hat
Es soll nun gesagt sein, daß es zumalen eine Überraschung
sei, wenn Hohenforingen zu solch baldiger Zeit einen neuen Baron erhalten
sollt. Auf der anderen Seite nimmt es niemanden Wunder, daß ausgerechnet
der frühere Vogt von Torpstein diese Würde innehalte.
Ist dieser Mann doch nicht nur von keinem geringen Adel, sondern auch
bestens bewandert in der Politik und Verwaltung der Ländereien. Saß
er nunmehr fast vier Jahre auf dem Sessel des Vogtes, so kann angenommen
werden, daß er sich dorten eine gewisse Kenntnis erworben hat. Und
seine Absetzung wegen des Todes des ehrenwerten Rates und geschätzten
Mitbürgers Friedrich Mercator, dessen Ableben wir in stiller Trauer
gedenken, wurde von vielen seiner Clienten, denen er wohl ein guter Regent
war, als ungerecht empfunden.
So nutzte er aber dennoch sein Exil im Ehlerwald, in dem er vor den
Schergen des Teemon Zuflucht gefunden hatte, um dort Verbindung zu den
Herren der umliegenden Baronate zu suchen und diese in ihrem Vorhaben,
dem Treiben des Teemon ein Ende zu bereiten, zu unterstützen. So zeigte
er sich nicht nur der Krone Heligonias im allgemeinen und des Herzogtums
Ostarien und des nun verstorbenen Herzogs Uriel, der uns allen als geliebter
Landesvater in Erinnerung bleiben wird, sowie seiner Gattin Walluma, die
das Herzogtum jetzt leitet, im besonderen als Ostarischer und Heligonischer
Patriot, er bewies in gelegentlichen Scharmützeln mit Anhängern
des Teemon seine Fähigkeit Leute anzuführen, dies auch im Kampfe.
So wurde Adalbert von Torpstein, nun Baron von Hohenforingen, als der
geeignete Mann gesehen, das Land wieder aufzubauen und als Gegner des Teemon
die Gegend von dessen Anhängern zu befreien. Zur Stunde erwarten die
Bürger und Leute der Städte Torpstein und Teemburg die Rückkehr
aus Ankur, wo Adalbert in seine neue Würde investiert wurde und der
Herzogin seine Aufwartung machte. Der bis dato als Vogt aller Ländereien
eingesetzte Reichsritter, der werte Maligor von Thardanus, wurde ebenfalls
in Ankur zur gleichen Zeit von seiner Vogtschaft retiriert und wird nun
für unseren König, seine allerdurchlauchtigste Majestät
Helos Aximistilius III., wieder andere Aufgaben für das Reich wahrnehmen.
Gerüchten zufolge will Adalbert, selbst Ceride, im Norden Hohenforingens
bei Vliss eine neue Abtei stiften, um dem Einen für seine Ernennung
und sein Glück zu danken.
Telnaron zieht Streitkräfte zurück - Kolonialkrise friedlich
beendet !
Wir erinnern uns: Die gesamtheligonische Flotte unter der Führung
von Admiral Hinrich von Harkenberg und die Telnaronischen Blockadeschiffe
standen sich in den Gewässern um das Herzog-Uriel II.-Atoll gegenüber
und belauerten sich. Jedoch wollte keine der beiden Seiten einen Schuß
abgeben, bevor nicht die Mittel der Diplomatie vollends ausgereizt wären.
Denn währenddessen verhandelte der Ostarische Botschafter, Thioderik
von Wälsung, unermüdlich mit dem Rat der Drei in Telnaron. Es
war sein höchstes Bestreben den Tod vieler Seeleute und Soldaten zu
verhindern und so bemühte der Baron sich darum eine Lösung zu
finden, die für beide Seiten akzeptabel wäre. Doch war dies in
der "Höhle des Löwen" ein schwieriges Unterfangen und es ist
als großer Erfolg zu werten, daß Seine Hochwohlgeboren den
Rat schließlich dazu überreden konnte, das Aushandeln der Sache
auf den Heligonischen Adelstag zu verschieben, zu dem auch diesmal wieder
eine Gesandtschaft aus Telnaron kommen sollte.
Schließlich, nach einigen Wochen trafen sich auf der Freudenfeste
zu Rebenhain jene Gesandte mit den politischen Befehlshabern der verschiedenen
Heligonischen Flottenteile. Da sich Seine Allerdurchlauchtigste Majestät
nun aber selbst der Sache angenommen hatte, waren dazu der Direktor des
Königlich Heligonischen Liegenschaftsamtes, Amtsdirektor Winkelbrecht,
sowie Talimee, Leiterin der königlichen Schreibstube bei den Gesprächen
zugegen.
Eben jenem Herrn Winkelbrecht sind wir zu großem Dank verpflichtet,
denn er war es, der durch seine ausgezeichneten Kenntnisse unseres Rechtssystems
den edlen Gesandten in kürzester Zeit die Lage der Dinge begreiflich
machen konnte: Das Herzog-Uriel II.-Atoll liegt schon seit der Reichsgründung
in Heligonischem Hoheitsgebiet und wenn Telnaron dieses Eiland bisher angelaufen
hatte, so war dies geschehen, ohne Seine Majestät um Erlaubnis zu
fragen. So sahen die Gesandten des Stadtstaates schnell ein, daß
ein Telnaronischer Anspruch nicht zu halten wäre. Jedoch einigte man
sich darauf in Bälde über die Verpachtung von Land auf der Insel
zu verhandeln.
Nach Beendigung der Gespräche atmeten alle auf, denn soeben war
ein Krieg verhindert worden, der schreckliche Opfer gefordert hätte
und man konnte sich nun endlich auch den ausländischen Gästen
gegenüber ungezwungener zeigen - für das Gelingen des anschließenden
Festes eine wichtige Voraussetzung.
Es scheint als ob die Herren Gesandten schließlich auch den Rat
der Drei überzeugen konnten, denn einige Wochen später verschwanden
die Barken und Pinassen der Seefahrer des östlichen Stadtstaates genauso
schnell aus den Heligonischen Gewässern, wie sie zu Beginn der Wintermonde
aufgetaucht waren.
Da nun also keine Gefahr mehr drohte kehrten die meisten Teile der
großen Flotte nach Hause zurück. Nur die Kolonialflotte Ostariens
und einige der Schiffe aus Thal und Betis blieben vor Ort und bereiteten
sich auf die Landung vor, welche auch ohne Schwierigkeiten durchgeführt
werden konnte.
Die Insel scheint tatsächlich unbewohnt zu sein ganz wie es Jens-Henrik
Nilsson und Leutnant Güldentaler berichtet hatten.
Während nun die Mannen des Herzogtums gemeinsam mit Thaler Seeleuten
einen provisorischen Hafen, sowie einfache Unterkünfte errichten,
haben die Betiser Expeditionsmitglieder schon das Fundament für das
von ihnen geplante Fünfsonnenhotel gelegt. Bis Gouverneur Nilsson
allerdings seinen Palast beziehen kann, wird es wohl noch einige Zeit dauern.
Widmest dem Einen Du Dein Leben, wirst Du Glückseligkeit erstreben
Der Kolonialvertrag - Ostarien und Thal beschließen Zusammenarbeit
Ebenfalls zu Rebenhain verhandelten Prinz Anselm von Thal als Vertreter
Fürst Barthas mit Generalzeugmeister Jareck von Jolberg, welcher in
dieser Sache von Regentin Walluma bevollmächtigt war, über die
genauen Modalitäten einer gemeinsamen Kolonialpolitik. Was Ihre Erlaucht
scheinbar schon Monate zuvor dem Fürsten von Thal vorgeschlagen hatte
und auf einer schon seit langem erfolgreich betriebenen Kooperation in
Sachen Flotte fußt, ist nun beschlossene Sache:
Zu gleichen Teilen werden Thal und Ostarien das neubesiedelte Herzog-Uriel
II.-Atoll, den dortigen Flottenstützpunkt nutzen und durch Kriegsschiffe
schützen sowie gemeinsam über zukünftige Bauvorhaben entscheiden
und sie finanzieren. Weiterhin soll eine Schule für Seeoffiziere errichtet
werden, die von erfahrenen Seeleuten aus Herzog- und Fürstentum geleitet
werden wird.
Die zweite Maßnahme ist die Gründung einer Compagnie, welche
die Erschließung des Handels von Kolonialgütern für das
Heligonische Mutterland zur Aufgabe haben wird. Zahlreiche Niederlassungen
sollen demnächst in verschiedenen Häfen Heligonias gegründet
werden. Der Name und die genaue Organisation der Gesellschaft konnte bisher
von uns nicht in Erfahrung gebracht werden.
Regentin Walluma ehrt Friedrich Bartolomäus Sigur von Ilmenau
Daß Großzügigkeit zu den Charakterzügen Ihrer Erlaucht
gehört, bewies die Regentin Ostariens dieser Tage durch Ihre Entscheidungen
bezüglich der Lehenszugehörigkeit des als "Herzog-Uriel II.-Atoll"
bekannten Eilands. Obwohl die Belehnung des Herzogs als Verweser des Krondepartementes
schon verbrieft war, ließ Ihre Erlaucht die Berichte der Expeditionsteilnehmer
jener Reise, welche schließlich zur Entdeckung besagter Insel führte,
noch einmal prüfen. Ein Vergleich der Aussagen Gouverneur Nilssons
und des Barons der Niederlormark ergaben zwar keine Klarheit in den Frage,
ob das Land, welches vom Ostarischen Bevollmächtigten in Besitz genommen
wurde mit der "Pfefferinsel" des Herrn der Niederlormark identisch ist,
allerdings wurde offenbar, daß die Entdeckung des Herzog-Uriel II.-Atolls
zum großen Teil der Entschlossenheit Friedrichs von Ilmenau zu verdanken
war, ja daß es ohne seine Risikobereitschaft nie zu jener Fahrt gekommen
wäre. Auch wenn also die Insel aus rein rechtlicher Sicht Ostarisches
Lehen sein müßte, - so erklärte Regentin Walluma - wäre
es ein Zeichen von Engstirnigkeit und übermäßigem Bürokratismus,
solchen Heldenmut nicht in angemessener Weise zu belohnen.
So kam es, daß die Herrin Ostariens folgenden Vorschlag nach
Escandra sandte, und daß alsbald mit dem Einverständnis Seiner
Majestät vom königlich Heligonischen Liegenschaftsamt ein neuer
Heliosbrief für das erst jüngst entstandene Koloniallehen, ausgestellt
wurde:
Die Insel wird zu Ehren des großen Ostarischen Herzogs die geographische
Bezeichnung "Herzog-Uriel II.-Atoll" behalten. Das dazugehörige Lehen
allerdings, verliert seinen Status als Ostarisches Krondepartement und
ist von nun an eine Provinz der Baronie Niederlormark, gehört damit
zu Thal und erhält zu Ehren des Entdeckers den Namen "Friedrich-Bartolomäus-Atoll".
Der Baron der Niederlormark selbst wird sich von nun an Freiherr des Friedrich-Bartolomäus-Atolls
nennen dürfen. Die Verwaltung vor Ort übernimmt der bereits ernannte
Gouverneur Jens-Hendrik Nilsson, da ja auch er entscheidend zur Entdeckung
der Insel beigetragen hatte. Außerdem handelt es sich im Gegensatz
zum Thaler Ogeden Friedrich von Ilmenau bei Nilsson um einen Ostarischen,
ceridischen Ritter, was den Gesamtheligonischen Charakter der Kolonie unterstreichen
sowie die Voraussetzung für die zukünftige Kooperation Ostariens
und Thals schaffen soll.
So hat sich von Ilmenau auch in allen seinen Entscheidungen an den
in obigem Artikel erwähnten Kolonialvertrag zu halten, der Regentin
Walluma und Fürst Bartha jeweils auch ein Vetorecht gegen alle Entscheidungen
der Inselverwaltung einräumt.
Bleibt abzuwarten, ob der bisher nur in der Schiffsführung erfahrene
Gouverneur Nilsson, die Erwartungen der Regentin erfüllen kann. Fehlende
Motivation kann man dem Amtsneuling in keinem Fall nachsagen. Mit großer
Begeisterung beaufsichtigt er bereits die derzeitigen Bauvorhaben auf "seiner"
Insel.
Frommheit, Treue und Liebe vertreiben unzüchtige Triebe
Soltran im Ogedenbund
Der Ogedenbund freut sich mitteilen zu können, daß Baronesse
Odina von Soltran als siebzehntes Mitglied aufgenommen wurde. Die Baronesse
stellte, auch im Namen ihres Vaters, im Rahmen des Adelstages zu Rebenhain
den Aufnahmeantrag, dem noch am selben Tage einstimmig entsprochen wurde.
Soltran ist damit die erste ostarische Baronie im Ogedenbund.
Eine Volkssage aus Hohenforingen
Auf meinen Reisen war es mir immer ein besonderes Anliegen gewesen, dem
Volksmund jene einfachen Geschichten zu entlocken, die uns doch soviel
erzählen über das Leben der Menschen in Heligonia heute und zu
vergangenen Zeiten. Vieler Länder Märchen, Sagen und Legenden
habe ich im Laufe der Jahre zusammengetragen und diesmal soll es eine noch
recht junge Volkssage aus Hohenforingen sein, die ich dem geneigten Leser
als Lektüre anempfehlen will. Zu Zeiten Teemons verboten, unter der
Herrschaft des neuen Barons Adalbart von Torpstein zu einer oft erzählten
Geschichte avanciert, wird sie nun abends den Kindern erzählt, die
zu jung sind, sich an die kurze Zeit des verderbten Kaiserreichs zu erinnern.
Obwohl sie sich auf die jüngsten Ereignisse um die Herrschaft des
Teemon bezieht, verfügt sie doch über alle Merkmale einer klassischen
Volkssage: Autor unbekannt...
Karlon vom Storcheneck
Der Teufel und der Vogt
Es war in jenen schlechten, unseligen Jahren, da gab es einen Vogt, und
er war von Teemon eingesetzt. Einer von der allerschlimmsten Sorte war
er, ein rechter Leuteschinder, von den Bürgern gemieden und von den
Bauern verhaßt; und eines Tages bekam er Besuch vom Teufel selbst,
der zu ihm sprach:
"Nie höre ich anderes von den Leuten als: ´Unsern Vogt,
den soll der Teufel holen!´ Und weil es nun an der Zeit ist, mußt
du mit mir kommen!"
"Ja, wenn du auf alles hören willst, was die Leute sagen, dann
mußt du wohl hinter mehr herjagen, als du aushalten kannst", entgegnete
verschlagen der Vogt. "Wenn du aber ein gerechter Teufel bist, der auf
das Bitten der Leute hört, dann könnte ich diesmal vielleicht
noch frei ausgehen!"
Und es gelang dem Vogt, den Teufel herumzukriegen, denn der war wirklich
gutmütig. Sie kamen überein, eine Strecke weiterzugehen, der
erste Mensch aber, der ausrufen würde: "Dich soll doch der Teufel
holen!", der solle dem Teufel verfallen. Der Vogt aber sollte dann frei
sein.
"Aber so recht von Herzen muß es schon kommen,", meinte der Teufel
noch.
Zuerst kamen sie an eine Hütte; davor stand die Hausfrau beim Butterstoßen.
Als sie Fremde daherkommen sah, mußte sie sich umwenden, um zu sehen,
wer es sei. Indessen watschelte das Stubenferkel heran, schnüffelte
gemächlich am Butterfaß herum und steckte seinen Rüssel
in die Buttermilch. Da fiel das Butterfaß um, und das Ferkel schleckte
schmatzend die Sahne auf.
"Gibt es wohl ein dummeres Vieh als so ein Schwein?" rief die Frau.
"Dich soll doch der Teufel holen!"
"Nimm das Ferkel!" sagte sogleich der Vogt zum Teufel.
"Meinst du, sie gönnt mir das Schweinefleisch?", wollte der Teufel
wissen. "Was hätte sie dann noch im Winter zum Festtagsschmaus? Nein,
das kam nicht von Herzen."
Sie gingen weiter und kamen bald an einer anderen Hütte vorbei.
Hier hatte der kleine Junge sich schlecht aufgeführt.
"Nein, ich mag dich gar nicht mehr!" rief die Frau. "Die ganze Zeit
muß ich hinter dir Schmutzfink her und putzen und waschen. Dich soll
doch der Teufel holen!"
"Nimm den Jungen", sagte abermals der Vogt zum Teufel.
"Wenn eine Mutter über ihr Kind loszieht, das kommt sicher nicht
von Herzen", erwiderte der Teufel.
Sie gingen also weiter, da begegneten ihnen zwei Bauern.
"Siehst du dort unseren Vogt?" fragte der eine.
"Der Leuteschinder! Den soll doch gleich der Teufel bei lebendigem
Leibe holen!" rief der andere.
"Das kam von Herzen. Her mit dir!" sagte der gutmütige Teufel.
Und dem Vogt half kein Bitten und kein Betteln, er mußte mit und
ward nimmer gesehen.
Der nächste Vogt, vom neuen Baron Adalbert von Torpstein eingesetzt,
war menschenfreundlicher.
Betiser Tribüne
Unerwartete Reaktion auf den Mord an Guillaume Montbars
In der Nacht zum 17. Tag des 1. Saarka wurde Guillaume Montbars, der seit
den letzten Stadtratswahlen für die ogedische Familie Montbars im
Großen Rat saß, ermordet aufgefunden. So stand es im letzten
Heligonischen Boten zu lesen. Wie erst jetzt bekannt wurde, fanden die
vier ceridischen Familien, die im großen Rat vertreten sind (die
Familien Corvese, Raphlecia, Pasdrigosa und Remberdt ) wenige Tage später
zweierlei Dinge. Zum einen war jeweils an einer Mauer ihrer Stadthäuser
ein riesiges zerbrochenes Kreuz aus Holz angebracht. Zum anderen war zu
Fuß des Kreuzes eine Botschaft niedergelegt, deren Inhalt nun dem
Heligonischen Boten bekannt wurde:
"Ein Ogede ist gestorben - seid froh, Ihr Glaubensabtrünnigen
im Rate, daß nicht vier Ceriden dafür bluten müssen. Noch
nicht. Denn sollte ein weiteres der ogedischen Ratsmitglieder zu Tode bekommen
- oder einen Unfall haben - oder auch nur einen Schnupfen bekommen, der
länger als sieben Tage währt, so wissen wir, an wen wir uns halten
werden.
OfH"
Auch die Familie Montbars soll eine Botschaft der OfH erhalten haben,
über die allerdings nichts bekannt ist. In der Umgebung des Rates
wird behauptet, ein Satz darin laute: " Wer aber zum Ceridentum übertritt,
dessen Leben ist verwirkt." Doch muß dies bisher als haltloses Gerücht
gelten.
Enthaltsamkeit ist der beste Weg zur Erleuchtung durch den Einen
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
Was sich schickt
-Befreiung des Herzog-Uriel II.-Atolls
-Wetteifern
-das große Heligonia-Quiz
-folkloristische Hochlandlieder
-bärtige Sänger und Sängerinnen
-Pfefferinselmitsinghymnen
-Weiterbildung im Lehensrecht
|
Und was nicht
-unentschuldigtes Fehlen auf dem Adelstag
-arme, harmlose Raubkatzen verprügeln
-ostarische Würdenträger welche sich im
(hoffentlich) angeheiterten Zustand an
verheiratete Baroninnen heranmachen
-Kritik am König
-Missionierung per Klage vor dem Hohen
Gericht |
Theater von Betis eröffnet neue Saison
Es war einmal wieder soweit: Am 19.Tag des 1.Poena, als vom Winter langsam
aber sicher Abschied genommen werden konnte, wurde in Betis die Theater-Spielzeit
des Jahres 28 n.A.III eröffnet. In diesem Jahr war der Ehrengast,
welcher die Saison eröffnete, kein geringerer alsPrinz Anselm von
Thal. Seine Rede zu dem denkwürdigen Anlaß offenbarte dem Betiser
Publikum eine bisher viel zu wenig gewürdigte Seite des Prinzen: Fachkundig
ließ er das vergangene Theaterjahr revue passieren und wagte dann,
bestens informiert, eine Prognose für die kommende Spielzeit. Er beeindruckte
die Menschen mit diesem Wissen, vor allem vor dem Hintergrund seiner langen
Abwesenheit. Als er mit feierlichen Worten seine Rede beendete und damit
die Spielzeit 28 n.A.III eröffnete, war wohl in ganz Betis nur noch
Jubel zu vernehmen.
Wie in jedem Jahr gab es auch wieder einen bunten Umzug der Menschen
durch die Stadt, sodaß ein jeder wußte was es zu Feiern gab.
Das abschließende Fest am Theater war dann in diesem Jahr wohl so
groß, prächtig und erfolgreich wie selten zuvor. Dies lag sicherlich
auch daran, daß Prinz Anselm seit seiner Rückkehr nun zum ersten
Mal wieder die Stadt offiziell besuchte.
Bürger des Monats (1.Poena n.A.III 27)
Der Titel Bürger des Monats wurde dieses Mal Amtsdirektor Winkelbrecht
vom königlich heligonischen Liegenschaftsamt verliehen. Seine profunden
Kenntnisse des heligonischen Rechts halfen entscheidend die Streitfrage
um das Herzog-Uriel II.-Atoll friedlich und gerecht zu lösen. Um ihm
den Titel zu verleihen und als weitere Anerkennung seiner Taten wurde er
fürderhin in den Stand des "Betiser Bürger im Sonderstatus" erhoben.
Die Ehrungwurde im Großen Rat der Stadt vollzogen.
Der Handelsprophet
Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 7 Kreuzer
Schaf (Hochland als auch spez. Luchnar) 8 Dukaten und 1
Kreuzer
Ziegenleder 1m² 6 Groschen und 2
Kreuzer
Sumpfgas 1l 2 Dukaten und 9 Groschen
Der Friedensschluss im Hochland brachte auch den Schafpreis endgültig
wieder auf einen respektablen Kurs. So hat sich nun auch der Preis der
Schafe speziell luchnischer Herkunft wieder dem Kurs der Waren des restlichen
Hochlands angeglichen. Dieser leichte Preisverfall geht aber wohl auch
auf die Ungewissheit über die auf den Baron gewirkte Magie zurück.
Karr der Jäger in Betis
Zu Beginn des 1.Poena war Karr der Jäger zu Gesprächen in Betis
bei der Familie Corvese. Diese Nachricht, welche sich in der Stadt in Windeseile
herumsprach, bestätigte Vincent Corvese mit der Erklärung, man
habe über eine Mithilfe der Familie in dem inzwischen bekanntgewordenen
Wettstreit zwischen Karr dem Jäger und Syria Jaldis diskutiert. So
werde die Familie Corvese in der nächsten Zeit noch genauer ausloten
wie sie Karr am besten unterstützen könne.
Liebe geht durch den Magen - also faste für den Einen
Fürst Waldemar wird erwartet
Ein Sprecher des Großen Rates zu Betis kündigte nach dem herzlich
gefeierten Besuch des Prinzen von Thal nun einen weiteren hohen Gast in
der Stadt an. So soll in den ersten Wochen des 2.Poena der aus Norrland-Brassach
zurückgekehrte Fürst Waldemar von Drachenhain nach Betis kommen
und die Stadt besichtigen, welche er schon seit längerer Zeit nicht
mehr besucht hatte. Der Doge persönlich, so der Sprecher, habe sich
um diesen Besuch des Fürsten bemüht.
Stadtgeschehen
Aberkannt wurde Hagen Wehteich der Rekord "Schnellster Verzehr des halben
Schweins". Unter dem Tisch half ein luchnischer Schäferhund die Fleischmasse
zu vertilgen.
Kurz nach Bekanntgabe der Befreiung des Herzog-Uriel II.-Atolls fand
eine Verlosung von Berechtigungen zur Teilnahme an der Versteigerung von
Reisen auf das Atoll statt. Obwohl der Zeitpunkt der Reisen noch nicht
bekannt ist, gab es rege Teilnahme an der Verlosung.
Teile des "Redon-Bades" konnten wegen Renovierungsarbeiten mehrere
Tage nicht in Anspruch genommen werden. Nun steht es wieder mit all seiner
Schönheit zum Besuch bereit.
In der Taverne "Brazach-Eck" gab es einen handfesten Streit zwischen
Verehrern des Wunderkindes Bonifazio und einer Gruppe von Kritikern desselben,
welche am echten Talent des Künstlers zweifelten. Das Erscheinen der
Stadtwache beendete den Zwist vorerst.
Kleinanzeigen
Kunstsammler und Raubtierliebhaber sucht stetig neue Stücke für
sein privates Museum der Bildhauerei. Kontakt: Am ersten Gwontag jedes
Mondes in der "Mausefalle" am Hafen.
Wollt Ihr auch im Trauerfall oder bei einem Einbruch chic und geschmackvoll
gekleidet sein oder einfach nur im angemessenen Stil das Betiser Nachtleben
genießen? Das Ganze noch dazu zu günstigen Preisen? Dann kommt
jetzt und kauft bei SCHWARTZ!
Ladislaus Schwartz, Verkauf von schwarzen Waren aller Art,
400 Quadratellen Verkaufsfläche, 8000 verschiedene schwarze Kleidungsstücke
auf Lager, Reichhaltige Auswahl an Militärkleidung, auch An- und Verkauf
von bereits gebrauchten Stücken. Knochengasse 666, Betis. Laden öffnet
nach Einbruch der Dunkelheit und schließt vor Sonnenaufgang.
Erlösung durch den Einen erlangt, wer ihm für seine Gaben
dankt
Schlägerei im Blauen Eber
Am 10. Tag der 1. Poena wurde die Beitser Stadtwache wieder einmal spätabends
ins Hafenviertel gerufen: Im berüchtigten "Blauen Eber" sei eine Prügelei
im Gange, die Nachtruhe der Anwohner werde dadurch empfindlich gestört.
Der eintreffenden Wache bot sich ein chaotisches Bild, zahlreiche Möbel
waren zertrümmert, auch lagen noch einige Beteiligte herum. Die Ermittlungen
gestalteten sich schwierig, da durchwegs zu hören war, es handle sich
nur um ein paar Betrunkene, außerdem sei man müde und wolle
in Ruhe weiterschlafen. Der Wirt räumte ein, es sei eben etwas lustig
gewesen, der Schaden werde schon geregelt. Da die Hauptschuldigen, ein
Kapitän, eine Frau und mehrere zwielichtige Seeleute, den Schauplatz
offenbar rechtzeitig verlassen hatten, konnte die Wache den Wirt lediglich
verwarnen und mußte sich mit der sicheren Verwahrung der übrigen
"Betrunkenen" begnügen. Gerüchten zufolge handelte es sich um
Mitglieder zweier Mannschaften, die sich aus unbekannten Gründen zuerst
Beleidigungen und dann Stühle an den Kopf warfen. Dem Gesindel nach
zu urteilen, das für gewöhnlich im "Blauen Eber" verkehrt, könnte
es sich um verfeindete Piraten gehandelt haben.
Der Trommler
Freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft Norrland-Brassach
Die 'Wacht' an der Ostra
Mit großer Anteilnahme hat das Volk der Markgrafschaft Norrland-Brassach
die traurige Kunde vom Angriff der Ödländer auf die nördlichsten
Landesteile des Fürstentumes Drachenhain, Kratorpolis und die Leomark,
vernommen. Obwohl nun schon einige Monate ins Land gezogen sind, seitdem
die einstige ostarische Baronie Brassach überraschend überfallen
wurde, sieht man vielerorts Sorge und auch Angst in den Gesichtern der
einfachen Leute. Auch der Adel zeigt sich von dem erneuten Auftauchen dieser
schrecklichen Gefahr äußerst betroffen. Allerorts unvergessen
sind die grausamen Taten der Wilden in den Landesteilen der Markgrafschaft,
die früher zur Baronie Brassach gehörten. An eine Aufhebung des
Kriegsrechtes, welches am vierundzwanzigsten Tag der dritten Poëna
im Jahre siebenundachtzig nach der Erleuchtung in der Baronie Brassach
verhängt wurde und über dessen Außerkraftsetzung man in
den letzten Wochen bereits sprach, denkt heute niemand mehr.
Schwebt nun in den ersten Tagen der dritten Saarka neunzig nach der
Erleuchtung erneut die Gefahr eines Angriffes der grausamen Wilden wie
ein Schatten über die erst vierzehn Monate junge Markgrafschaft Norrland-Brassach?
Kundschafter und Späher, die auf der norrland-brassachischen Seite
der Ostra patrouillieren oder das ungastliche Nordufer der Ostra von den
bereits gebauten Türmen der Grenzbefestigungen überschauen, konnten
keine aufmarschierenden Heere ausmachen. Zwar läßt die ‚Unwirklichkeit'
der anderen Seite eine genaue Überwachung nur schwerlich zu, das Land
nördlich des Flusses ist ständig mit einem mysteriösen Nebelschleier
verhangen, aber dennoch bemüht man sich redlich, jede Veränderung
wahrzunehmen. Auf das gegenüberliegende Ufer wagt sich niemand freiwillig,
denn dort vergeht die Zeit nach anderen Gesetzen. Zu groß ist vielen
die Gefahr sich bereits nach wenigen Schritten im zunehmenden Nebel zu
verirren und dann auf ewig verloren zu sein. So wie die Norrländer
seit Zeiten den Parimawald meiden, so sehen alle Bewohner des westlichen
Brazachufers davon ab, die Ostra in nördlicher Richtung zu überqueren.
Obwohl man in den letzten Monaten vorrangig und mit aller Kraft an
der Sicherung der Nordgrenze der Markgrafschaft gearbeitet hat (HB26 und
spätere Boten berichteten), ist die Befestigungslinie am Ostraufer
nicht an allen Stellen fertig. Einige Verteidigungsstellungen, Wehranlagen
und Türme sind noch zu bauen und auch der zum Schutz vor Feuer mit
Mörtel bestrichene Palisadenzaun, auf dem Südufer wenige Schritte
vom eigentlichen Flußlauf entfernt gebaut, weist an so mancher Stelle
noch eine Lücke auf. Viele Bäume sind in den letzten Monaten
dem Bau zum Opfer gefallen und weitere grenznahe Wälder werden alsbald
mit der Säge und der Axt Bekanntschaft machen. Gleichwohl man bei
der Befestigung der Nordgrenze jede Mulde oder Senke aber auch jeden Hügel
oder Wall mit einbezieht, sind zudem noch etliche Gräben auszuheben,
die nach Fertigstellung mit Wasser zu füllen sind. Hierbei leistet
jeder seinen Beitrag: Die Schwerter, Lanzen, Armbrüste und Bögen
der Krieger wurden gegen Hämmer, Sägen, Äxte und Schaufeln
‚eingetauscht'. Soldaten der Templer und des norrland-brassachischen Heeres
arbeiten Hand in Hand mit den Bauern und Handwerker, die entsprechend der
norrland-brassachischen Militärstatuten zum Arbeitseinsatz gerufen
wurden. Auch die Frauen und Kinder der Templertruppen, die der Ordensmarschall
Hadebrand von Grauburg in der großen Templer-Ballei Hohentor angesiedelt
hat, helfen bei der Sicherung ihrer neuen Heimat, indem sie für die
‚Arbeiter' kochen und waschen. Die Geistlichen des Templer-Ordens unter
der Führung ihres Hauptspittlers Benedikt Honorius tragen zum Gelingen
bei, indem sie sich um das Seelenheil kümmern und beim Bau erlittene
Verletzung versorgen.
Mit Hochdruck arbeitet man also weiterhin an der Fertigstellung des
Bollwerks, denn die noch milden Tage des anscheinend spät einsetzenden
Winters in der Markgrafschaft sollen nicht ungenutzt verstreichen. Aber
schon jetzt wäre man auf einen möglichen Angriff besser vorbereitet
als dies in den Poëna-Monaten des Jahres siebenundachtzig nach der
Erleuchtung je der Fall war. Nicht noch einmal würde es den Ödländer
gelingen, ihre Füße auf den Boden zu setzen, den seine allerdurchlauchtigste
Majestät dem Markgrafen unmittelbar als Erblehen anvertraut hatte.
Niemals wieder soll es dem unerbittlichen Feind gelingen, Frucht und Schrecken
auf nun markgräflichen Boden zu tragen. Der Vorteil der Überraschung
ist dem Gegner allemal genommen worden. Vielerorts sind die Truppen seiner
Hochgeboren postiert: Ob es nun die ‚Eigenen', die Mannen des Barons von
Dachsrode, des Barons von Grauburg oder die Templersoldaten unter der Führung
ihres Ordensmarschalls sind, allesamt bilden sie eine Einheit, die nur
schwerlich zu schlagen ist. Sollte es ein Gegner wagen, unerlaubt die norrland-brassachische
Nordgrenze zu übertreten, würde man ihn bereits auf der Ostra
von den Türmen herab mit Pfeilen und Bolzen eindecken. Die ebenfalls
dort postierten Melder würden indessen durch Flaggen- und Sturmglockensignale
den jeweiligen ‚Grenzkommandeur' informieren, der daraufhin die Truppen
in Bewegung setzen würde. Die Reiterei kann sodann binnen kurzer Zeit
in das Kampfgebiet preschen. Fußtruppen würden zielgenau folgen,
um dem Gegner vollends Einhalt zu gebieten. An strategisch günstigen
Stellen einige Meilen hinter der Grenze errichtet man zudem Vorratslager,
um Material für die kämpfende Truppe zu horten und somit den
Nachschub für die Front zu sichern.
Nein, es wäre überaus töricht, in der Markgrafschaft
Norrland-Brassach einen Angriff zu wagen! Sicherlich wird keine heligonische
Grenze so gut bewacht und kontrolliert, wie die Nordgrenze der Markgrafschaft
Norrland-Brassach von Dachsrode bis Ostramünd. Vielleicht traf deshalb
auch der jüngste Angriff der barbarischen Ödländer die Leomark
und Kratorpolis ...
Ein Versprechen wird eingelöst
Am zwanzigsten Tage der dritten Saarka war es nun also soweit. Eben an
jenem Heliostag erreichte der stattliche Troß des Fürsten von
Drachenhain die südliche Landesgrenze der Markgrafschaft Norrland-Brassach.
Und somit erfüllte sich ein vor einigen Monaten gegebenes Versprechen
Waldemars, die Markgrafschaft zu besuchen. Da der Fürst ein wenig
Zeit mitgebracht hatte, sollte sein Besuch wesentlich länger ausfallen
als der Aufenthalt Prinz Leomars in der Markgrafschaft vor einigen Monaten.
Markgraf Kalveram beauftragte den Baron Hagen von Grauburg, dem Fürsten
entgegen zu reiten und ihn mit einer Ehreneskorte gleich an der Grenze,
ein paar Meilen südlich von Bogenfeld, im Namen seiner Hochgeboren
herzlich zu begrüßen. Im Troß Waldemars reiste auch der
Baron von Tagil, der mit einer Einheit tagiler Mannen eigens angereist
war, um den Zug des Fürsten zu verstärken, nachdem sich die Kunde
über den Angriff der Ödländer auf die Leomark und Kratorpolis
verbreitet hatte. Über diese Verstärkung herrschte etwas Verwirrung.
Hatte man etwa vergessen, daß durch die allgegenwärtige Präsenz
der Templer zu Ankur und der markgräflichen Einheiten der Anteil der
Soldaten an der Bevölkerung der Markgrafschaft wesentlich höher
war, als dies in anderen Teilreichen Heligonias der Fall war? Immerhin
sichert man doch die Nordgrenze des zivilisierten Teiles des Königreiches
und ward allzeit bereit, gegen Feinde loszuschlagen. Da diese Verstärkung
des Trosses vermutlich wohl alleine aus Sorge um den Fürsten geschah,
ein ehrenwertes Motiv, ging man in Norrland-Brassach über diesen Vorfall
ohne eine Bemerkung hinweg.
Baron Hagen von Grauburg geleitete sodann den Herren der Drachentrutz
nach Tarnam, wo Markgraf Kalveram, Baron Gilbert von Dachsrode und Hadebrand
von Grauburg, der Ordensmarschall der Templer zu Ankur, bereits auf den
hohen Gast warteten. In den folgenden Tagen und Wochen nutzten die hohen
Herren die Zeit für intensive Gespräche, Jagdausflüge oder
kleine Reisen, um dem Fürsten die Markgrafschaft zu zeigen. Da der
Fürst besonderes Interesse an den neuen Landesteilen zeigte, verbrachten
die Herren letztendlich mehr Zeit in Feldlagern im Norden als etwa auf
Burg Brassach. Mit großer Aufmerksamkeit beobachtete der Landesherr
von Drachenhain auch die Arbeit des Ordens der Templer zu Ankur, der in
der Markgrafschaft seine Heimat gefunden hatten. Der Aufbau der Templer-Ballei
Hohentor und der Burg Daronsfeste schienen den alten Strategen besonders
zu interessieren, denn hier wurden die neuesten Erkenntnisse des Festungsbaus
umgesetzt. Als Waldemar anschließend die Grenzbefestigungen an der
Ostra in Augenschein nahm, zeigte sich der Fürst sichtlich beeindruckt.
Zu seinen Begleitern sagte er wörtlich: "Meine Hochachtung, Markgraf
Kalveram! Das ist der Weg, den auch wir zu gehen haben, um die Leomark
und Kratorpolis dauerhaft für Drachenhain und unseren König in
Besitz zu nehmen!".
Während der Ausflüge und Besichtigungen erörterten die
beiden Hochadligen die verschiedensten heligonischen Angelegenheiten. Auch
der Drachenhain-Konflikt war ein Thema, über das man sprach. Nachvollziehbar
sei sein Handeln gewesen, versicherte Markgraf Kalveram, der sich noch
gut an den Umsturzversuch des ehemaligen Barons zu Caronia, Anholt von
Brassach, erinnern kann, dem Fürsten. Auch wenn die Situation in Drachenhain,
dem Einen sei Dank, im nachhinein vollkommen anders zu bewerten sei als
die in Norrland-Brassach, so zeigen dennoch beide Situationen, daß
es Momente gibt, in denen man handeln muß, ohne alle Fakten zu kennen
und die königliche Ordnung über familiäre Bande zu stellen
hat. Nicht unerwähnt blieb auch die Verwicklung der Lormark in diesen
unglücklichen Vorfall. Auch wenn die Lormark im Ödlandkrieg der
Baronie Brassach mit der Entsendung von Spähern ausgeholfen hatte,
sieht sich der Markgraf in diesem Fall außerstande eine Lanze für
Nimue von Aue zu brechen. Eine Außerachtlassen des königlich-heligonischen
Vasallenrechtes, aus welchen Gründen auch immer, kann nicht toleriert
werden.
Als Fürst Waldemar nach fast fünf Wochen wieder zur Drachentrutz
aufbrach, trennte man sich in aller Freundschaft. Nach einer erneut ausgesprochenen
Einladung durch den Fürsten versprach Markgraf Kalveram alsbald für
einen Gegenbesuch nach Drachenhain zu reisen.
Der Orden der Templer zu Ankur sichert Karr seine Unterstützung zu
Die Schreiber des Trommlers konnten unlängst in Erfahrung bringen,
daß der Großmeister der Templer zu Ankur, Markgraf Kalveram,
dem Freiherren Karr zu Talwacht, seines Zeichens Großkreuzritter
der Templer, bei seiner Suche nach den vermißten Mitgliedern der
Familie von Celvar und der verschwundenen Feste Talwacht Hilfe zugesichert
hat. Nach einer dringlichen schriftlichen Bitte Karrs, ihm bei seinem Vorhaben
zur Seite zu stehen, war es dem Markgrafen ein besonderes Anliegen, den
Freiherren bei seiner Suche nach den ligoniischen Adligen, die man zudem
persönlich kannte, zu unterstützen. Unverzüglich ließ
seine Hochgeboren in der norrländischen Stadt Rahl ein Lager für
Karrs Mannen errichten. Da man in Anbetracht einer neuerlichen ödländischen
Gefahr keinen eigenen Mann entbehren möchte, unterstützt man
den Freiherren und seine Mannen bei ihrer ehrenvollen Suche mit Waffen,
Proviant, Lasttieren und anderen hilfreichen Dingen. Lediglich ein Priester,
der sich um das Seelenheil der an der Mission beteiligten Mannen kümmern
soll, wird die Expedition begleiten.
Folge dem Pfad der Tugend, das erhält Dir die innere Jugend
Bazaar Darians
Besonders aktuelle Zeitung aus allen Regionen Darians
Er hatte sie liebgewonnen, die allmonatlichen Ansprachen an seine
Bevölkerung. Graf Dedekien - mächtiger Herrscher über ein
prächtiges Volk von Darianern - stand auch heute wieder zufrieden
auf dem Mittagsbalkon seines Schlosses am Redonsplatz in Darbor, mit halbgeschlossenen
Augen die nicht enden wollenden Beifallsbekundungen entgegennehmend. Selbst
die begeisterten Betiser Bürger, dachte er im stillen, würden
kaum zu einer so überschwenglichen Huldigung imstande sein...
Minuten später öffnete er die Augen und erhob die Arme, um
so dem Applaus Einhalt zu gebieten und sein Wort an die Menge richten zu
können:
Rede des Grafen Dedekien an sein Volk, gehalten auf dem Redonsplatz
zu Darbor am 14. Tag des 1. Poëna des 27. Jahres der weisen Herrschaft
Helos Aximistilius des III.
"Geliebtes Volk!"
(Die Menge war außer sich)
"Ist es nicht das größte Glück, das einem Heligonier
widerfahren kann, das in unseren Händen liegt: Das Glück, unter
der Sonne Darians geboren zu sein? Kaum ein Schatten trübt unser Angesicht,
und wir verbringen unsere Tage in Wohlstand und Prosperität!"
(Tosender Applaus)
"Doch Neid und Mißgunst sind es, die dieser Reichtum in den Augen
der Anderen erregt! Der kluge Kaufmann hütet seinen Besitz, auf daß
nicht die Katze des Nachbarn den getrockneten Fisch von der Stange stiehlt!
So heißt es bei den Händlern. Geliebtes Volk, ich schaue auf
Euch herab und ich sehe in die Augen ehrenwerter Geschäftsleute. Doch
scheint es unter uns einige Fehlgeleitete zu geben, deren Freude es ist,
sich an Besitz zu vergreifen, der ihnen verboten ist!"
(erstauntes Raunen in der Menge)
"Jedermann weiß, daß es mein Liebstes war, das Prächtigste,
mein Augenstern. Viele Namen hatte sie, doch bekannt ist sie als Luneyka,
die vom Mond behütete. Jemandem hat es gefallen, sie mir zu nehmen!"
(Empörte Zwischenrufe)
"Und eines, meine geliebten Untertanen, kann ich Euch auf die Hand
versprechen: Ich werde nicht eher ruhen, bis mein Lieblingsburai wieder
sicher und wohlbehalten in meinem Stall steht! Die Strafe für diese
schändliche Tat wird so groß sein wie mein Zorn auf die Täter,
mit meinem Grimm will ich sie strafen, auf daß sie erfahren, wer
Herr ist in Darian!
Doch wenn sich unter Euch jemand befinden sollte, der dem Verbrechen
tatenlos zugesehen hat oder gar daran beteiligt war, so will ich ihm dies
eine sagen: Mitgefangen soll er sein, doch nicht mitgehangen, wenn er mir
bei der Ergreifung der Schuldigen behilflich ist. Ich biete ihm Straffreiheit
und ein treffliches Sümmchen zur Belohnung obendrein. Und ihr, geliebte
Untertanen, wisset: Es soll auch Euer Schaden nicht sein, wenn Ihr mir
in dieser traurigen Stunde Eure Treue beweist und mir bei der Ergreifung
der unseligen Strauchdiebe zur Seite steht! Denjenigen, denen ich nach
der Rückkehr des einzigartigen weißen Burais meinen Dank aussprechen
kann, biete ich die Wahl zwischen einer Erholungsreise zu einer Urlaubsinsel
in der Jolsee, einem von der jährlichen Gebühr befreiten Marktstand
im Bazaar oder einem Platz an meiner Tafel bei dem alljährlichen exklusiven
Festbankett zu meinem Geburtstag!"
Das Ende der Rede des Grafen konnte wegen der überschwenglichen
Sympathiebekundungen seiner Untertanen leider nicht dokumentiert werden
und wird für die Geschichtsschreiber somit für immer verloren
bleiben. Der Rest jedoch wurde noch am selben Tag von den Verkündigungstürmen
in der ganzen Grafschaft verbreitet.
Höret Höret!
Zum diesjährigen Tatzelfelser Methfest lädt herzlich Vogt Leonidas
von Distelwiel alle Menschen von Nah und Fern auf Burg Rabenhag ein. Erscheinet
zahlreich und erlebt Fest und Markt von höchster Güte. Wettkampf,
Spiel rund um Honig und Meth, erwarten Euch. Labt Euch am Honigwein und
laßt`s Euch wohl ergehen. Besonders willkommen sind Spielleut´,
Gaukler und Possenreißer. Spielet auf zum Singen, Tanzen, Lachen,
Lustigsein. Euch Marktleuten und Händlern aus aller Länder ist
die Möglichkeit geboten, Eure Waren und Eure Kunst auf dem größten
und buntesten Markt der Baronie Tatzelfels feilzubieten. Errichtet Eure
Stände und verkauft reichlich.
Fürstlicher Thaler Hofchronist
Hochverehrte Leserschaft des Heliosboten,
zwischen den vielen Verpflichtungen die allem Anschein nach nur auf die
Rückkehr von Prinz Anselm gewartete um ihm nun all seine Zeit zu rauben,
gelang es uns doch ihn höchstpersönlich zu treffen. In der Magna
Bibliotheca von Betis gewährte uns der Prinz eine Audienz, die wir
hier getreu wiedergeben möchten.
Helios-Bote: "Euer Hochgebohren, wir freuen uns, Euch wieder wohlbehalten
in Heligonia zu wissen. Nach Eurer Rückkehr, spürte man förmlich,
wie das Volk zusammen mit der Thaler Fürstenfamilie aufatmete. Ihr
wurdet mit nicht gekanntem Jubel und spontanen Freudenfesten wieder in
der Heimat begrüßt."
Prinz Anselm von Thal: "Ja, das stimmt. Wir hatten nie mit einer derartigen
Welle der Begeisterung ob unserer Rückkehr gerechnet. Völlig
gerührt waren wir von dem prachtvollen Empfang, den uns die Thaler
in Hammerbach, Hochanthen, Jarun oder wo auch immer wir waren bereiteten.
Ein außerordentlich herzlichen Empfang war es auch, als wir völlig
unerwartet auf Burg Tannenstein nicht nur unsere Schwester Prinzessin Celia,
sondern auch viele andere befreundete Adlige dort antrafen.
Nach so langer Zeit der Abwesenheit vermuteten wir eher, das wir in
Vergessen geraten wären und man bereits für unsere Seele betete,
doch war dem nicht so. Es ist ermutigend zu sehen, wie viel Hoffnung nicht
nur die Thaler hatten, und wie unerschütterlich der Glaube an den
Willen der Götter, die schützend ihre Hände über uns
alle halten.
Was das Vergessenheit angeht, haben da allem Anschein nach eher einige
Dichter, die unsere volle Anerkennung verdienen, ihre Hand und Schreibfeder
im Spiel gehabt, als die Viere."
Helios-Bote: "Eine Frage die uns alle brennend interessiert ist natürlich
ob Ihr Eure Verlobte, Baronin Tamara von Tlamana gefunden habt."
Prinz Anselm von Thal: "Um es gleich vorwegzunehmen, ja wir haben sie
gefunden, unsere Suche war erfolgreich. Baronin Tamara geht es gut und
sie ist bei bester Gesundheit. Ihren momentanen Aufenthaltsort möchte
sie in Ruhe genießen. Sollte es jedoch ein mal notwendig sein, so
wissen ihre Schwester und ich, wo wir sie finden können. Sollte ihr
geliebtes Tlamana einmal in Gefahr sein, so wird sie gewiss keine Sekunde
zögern um ihm zu helfen. Baronin Tamara gab mir auch den Siegelring
derer von Tlamana und ein Schreiben mit, damit ihre Schwester Leabell ihre
rechtmäßige Nachfolgerin wird."
Helios-Bote: "Soweit zur politischen Seite, doch was wurde aus der Verlobung?"
Prinz Anselm von Thal: "Baronin Tamara war ohne ihr Wissen oder Zutun
an viel ältere Gelübde gebunden. Der Urheber dieser Gelübde
war ihr Vater gewesen und die Entführung diente, wie wir später
erfuhren gewissermaßen zur Erinnerung an diese Gelübde. Doch
ihr Vater hatte ihr aus irgendeinem Grund nie davon erzählt.
Die Suche dauerte über ein Jahr, bevor wir sie fanden. Sie lebt
in einem Land und bei einer Familie, die sie hoch achtet und schätzt.
Der älteste Sohn und zukünftige Stammesführer des Landes
hatte sie in dieser Zeit schon mehrfach zur Heirat gedrängt. Doch
wie sollte Baronin Tamara zwischen uns beiden wählen? Auf der einen
Seite die Gelübde ihres Vaters die sie banden und nach dieser langen
Zeit auch eine gewisse nicht zu leugnende Zuneigung zu diesem neuen Land
und den dortigen Menschen und auf der anderen Seite unsere Liebe und Verlobung
und die Ungewissheit uns je wiederzusehen.
Als wir Baronin Tamara endlich fanden, hatten wir den langen und harten
Winter über viel Zeit über all die Dinge zu sprechen die inzwischen
vorgefallen waren. Sie hatte sich in diesem neuen Land und bei diesen Menschen
neu eingelebt und ihr Leben in die Bahnen lenken können, in die sie
wollte, es aber als Baronin ob ihrer Pflichten nie hätte tun können.
Meinerseits hatte ich mich durch die Reise und der Erlebnisse dieser Reise
ebenfalls verändert. Denn es war keine Reise wie viele zuvor, da wir
als Fürstensohn in einer Kutsche oder auf unserem Lieblingsfuchs umgeben
von Garde nach einem anderen Hofe oder einer Burg reisten um dann die Nacht
im Schutze befreundeter Mauern zu verbringen. Auf dieser Reise war ich
kein Fürstensohn, sondern ein Wanderer unter vielen. Dies versuchte
ich als Tarnung zu nutzen, um die vermeintlichen Entführer in Sicherheit
zu wiegen das niemand ihnen folge. Doch barg dieser Weg manche Überraschung
und Gefahr.
Beide, Tamara und ich merkten, dass wir nicht mehr die Gleichen waren
die sich auf dem Adelstage in Welzen verlobten. Durch die Befreiung von
unseren Pflichten für eine gewisse Zeit, konnten in uns andere, neue
Gedanken reifen. Vielleicht gerade wegen unserer Liebe, verstanden wir
einander und verstanden den anderen bald besser als jeder sich selbst.
Und schließlich gaben wir uns frei. Wir lösten unsere Verlobung.
Sie blieb bei ihrer neuen Sippe wo sie nun hingehört und glücklich
ist. Ich kehrte wieder dorthin zurück wo ich hingehöre."
Helios-Bote: "Wie war Eure Reise, Euer Hochgebohren?"
Prinz Anselm von Thal: "Mit einem Wort, beschwerlich. Aber wir haben
uns nicht zu beschweren, denn während unserer Reise lernten wir viel
Neues kennen. Orte und Menschen, die uns lieb und teuer geworden sind.
Erfahrungen und Erinnerungen haben wir von dieser Reise mitgebracht, die
wir nicht mehr missen möchten. Was wir jedoch teilweise erlebten möchten
wir freiwillig nicht noch ein mal mitmachen müssen, und wüschen
wir auch keinem anderen, das er dies durchmachen muß. Was wir jedoch
erlebten hat uns stark beeinflusst. Das Leben selbst ist eben immer noch
der beste Lehrmeister."
Helios-Bote: "Euer Hochgebohren sei Dank für dieses Gespräch.
Es war uns eine Ehre und Freude. Möge Helios seine gütigen Hände
über Euch halten."
Prinz Anselm von Thal: "Die Freude war ganz meinerseits. Möge Saarkas
Weisheit auch in Zukunft aus den Zeilen des Boten sprechen."
Ansgar von Berath schwört Lehnseid
Auf dem diesjährigen Adelstag wurde Ansgar von Berath offiziell zum
"Freiherr von Hochwalden" ernannt. Den Lehnseid schwor Ansgar vor aller
Augen Prinz Anselm von Thal im Rahmen einer Festrede. Er tritt damit die
Nachfolge seiner Schwester Roxana von Berath an, welche Baron Beoric von
Welzen ehelicht und somit den Titel "Baronin von Welzen" führen darf.
Nach Ansgars Rückkehr nach Hochwalden feierte man ein rauschendes
Fest, um den neuen Freiherrn gebührend zu empfangen.
Rauschkraut im Dienst
Es sei mir fern, die Entscheidungen meiner Dienstherrn in Frage stellen
zu wollen, doch scheint es mir notwendig, die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen
auf einen Mißstand zu lenken, der schwer genug wiegt, die Einsatzfähigkeit
der Anthaner Garde zu beeinträchtigen - richtig, ich spreche von dem
Verbot des Rauchkrautgenusses zu Dienstzeiten. Das Verbot gründet
sich einerseits auf die angebliche Ablenkung, die durch die Beschäftigung
mit Pfeife oder Krautröllchen entsteht. Dies brauche ich wohl nicht
weiter zu widerlegen, denn jedem verständigen Menschen muß es
doch offensichtlich sein, daß so ein Utensil im Ernstfall jederzeit
einfach fallengelassen werden kann. Weiter gründet das Verbot auf
dem lächerlichen, von gewissenlosen, profilierungssüchtigen Quacksalbern
in die Welt gesetzten Gerücht, der Genuß von Rauchkraut sei
der Gesundheit abträglich. Neueste Forschungen escandrischer Gelehrter
haben ergeben, daß das Gegenteil der Fall ist. Als Beleg meiner Feststellung
möchte ich hier den hervorragenden Aufsatz des Medicus Eisenbart zitieren,
der als erster den medizinischen Nutzen des Pfeifenkrauts (von ihm "Toback"
genannt) erkannt und erforscht hat. Seine Orthographie mag etwas ungewöhnlich
sein, was jedoch nichts über seine Qualifikation aussagt, da er ja
Medicus ist und nicht Schreiber.
"Was seinen innerlichen Gebrauch anlanget/ hat der Toback eine zertheilende
Krafft/ dahero der Toback-Safft und Syrup in Keichen und schwerem Athem/
in Seiten Stechen/ in Lungen- und Schwindsucht innerlich zu gebrauchen
recommendiret wird. Ingleichen das Decoctum von frischen Blättern
in desperaten Brust-Geschwüren und in dem Husten/ wenn er schon auch
zur Lungen Sucht incliniret(...) Der Syrup hilfft auch die Würme tödten
und abführen. Nächst dem hilfft auch der ordentlich gebrauchte
Toback dem aufgeschwollenen Zahn-Fleisch/ und hebet den davon entstehenden
Schmertz. Nicht weniger hat er seinen Nutzen im Reissen und Flüssen
an Ohren/ in Brust-Beschwerungen/ im Husten/ im schmertzhafften Reissen
der Glieder/ Podagra, Gonagra, Chinagra etc.(...) Toback mit der Pfeiffen
getruncken dienet denjenigen/ so viel Schleim im Haupte/ um die Lunge/
Hertz/ Leber/ Miltz/ Nieren und am Magen haben/ heilet die Geschwüre
der Lungen/ und stillet den alten Husten/ benimmt den Leuten/ so überaus
fett sind/ die schäd- und hinderliche Feuchtigkeit/ wehret den Flüssen/
verwahret vor Schwindel und böse Kranckheit. Es wird hiernächst
der durch ein Rohr ins Ohr gelassene Rauch als ein Mittel des verlornen
Gehörs gelobet. Ingleichen soll auch der in die Nase oder in den Mund
gelassene Rauch diejenigen ermuntern/ so die schwere Not haben. Zu geschweigen
des sonst äuserlich applicirten Rauchs vor nächtliches Harnen
und wider die Mutter Beschwerungen."
Letzteres betrifft Gardisten zwar weniger, aber zur Verhütung
der übrigen genannten Krankheiten (Lungengeschwüre et al.) wäre
eine regelmäßige Einnahme von Rauchkraut, wie wir gesehen haben,
überaus geeignet. Weiter wurde beobachtet, daß ein Gardist,
der seine Pfeife gewohnt ist, deutliche Leistungsabfälle zeigt, wenn
er längere Zeit darauf verzichten muß - er wird reizbar, was
die Moral in der Truppe schädigt, und seine Hände zittern, was
der Schwertführung nicht gerade dienlich ist. Daher, um zu einem Ende
zu gelangen, meine Conclusio: Legalisiert Rauchkraut im Dienst!
Die Garde von Thal gibt bekannt
Alarmbereitschaft aufgehoben / Kriegsschiffe bleiben vor Ort
Hochanthen am 5. Tag des 3. Saarka
"Es war schon vorbei, bevor es richtig angefangen hatte. ... Das Atoll
ist und bleibt heligonisch ." Mit diesen Worten berichtete Hauptmann Kilian
Weizenkeim dem Thaler Generalstab von der Sitzung bezüglich des "Herzog-Uriel
II.-Atoll".
Aufgrund dieser neuen Entwicklung konnte die erhöhte Alarmbereitschaft
der Fürstlichen Flotte aufgehoben werden, der Generalstab konnte wieder
zum Tagesgeschäft übergehen. Dennoch verbleiben die beiden Thaler
Kriegsschiffe zunächst beim Atoll. Während die Kriegskogge Nachtkauz
unter dem Komando von Korporal Albrecht Krumbargen die nähere Umgebung
patrouillieren wird, geht das Flaggschiff der Thaler Flotte, die Silberpfeil
unter dem Komande von Admiral-Leutnant Ardelan von Aichfelden direkt beim
Atoll vor Anker. Um auf dem Atoll zusammen mit der herzöglichen Ostarischen
Flotte eine Gemeinsame Ausbildungsstätte für See-Offiziere zu
errichten, wird das gesamte Areal komplett vermessen.
Wie lande die Patrouille der Nachtkauz noch aufrechterhalten wird,
kann zur Zeit noch nicht vorhergesehen werden, da noch mit der Ankunft
mehrerer Friedländischer Schiffe am Atoll gerechnet werden muß.
i.A. Hartmut Hohlbein
Schreiber der Fürstlichen Garde von Thal
Hochzeitsfeier in Welzen
Am 11. Tage der 1. Poena brach für Wulfenstein der Tag an, auf den
sich die ganze Stadt bereits wochenlang vorbereitet hatte. Die Hochzeit
zwischen
Baron Beorric von Wulfenstein &
Freifrau Roxana von Beraht
sollte für alle Gäste eine unvergessliches Fest werden.
Für die Wulfensteiner und für ganz Welzen war es eine Überraschung,
daß ihr als zurückhaltend bekannte Baron Beorric von Wulfenstein
nun doch noch eine Frau gefunden hatte. Das Ereignis der Hochzeitsfeier
lockte daher auch viele Bewohner des Landes in die Hauptstadt Welzens,
die sich für diesen großen Tag besonders geschmückt und
festlich gestimmt hatte.
Zunächst schien es, als wolle Helios seine Strahlen noch hinter
dichten Wolken verstecken, aber zu Mittagszeit war es trotz der frühen
Jahreszeit warm genug, die Vermählung auf dem großen Platz der
Stadt abzuhalten. Auf Wunsch des Brautpaares leitete Nimue von Aue, die
Baronin der Lormark und Geweihte der Poena, die Hochzeitszeremonien.
Der schier endlose Zug der Freunde, Gäste und Verwandten
des Paares, die alle den beiden frisch Vermählten ihr Glückwünsche
und Geschenke überbrachten, verzögerte die zeitliche Planung
ein wenig. Aber das störte an einem solchen Tag niemand. Das Bankett
mit anschließendem Tanz dauerte bis in den nächsten Morgen und
die ganze Stadt feierte mit. Auch noch, nachdem sich das Brautpaar und
die adligen Gäste längst in die Burg zurückgezogen hatten.
An den folgenden Tagen schien das Feiern kein Ende nehmen zu wollen.
Zunächst fanden Turniere und Wettkämpfe statt. Dann eine große
Falkenjagd statt, bei der Roxana mit ihren Jagdfalken, einem Geschenk von
Beorric, so manchen Hasen erbeuten konnte. Im Gegenzug führte der
Baron die Jagdgesellschaft am nächsten Tag auf einem prächtigen
Roß an, dem Geschenk Roxana`s aus der Zucht des Gestütes von
Anthan.
Nach den Tagen der Festlichkeiten kehrte in Wulfenstein bald wieder
der Alltag ein. Die Bewohner der Stadt wünschen ihrer neuen Landesherrin,
daß sie sich bald in Welzen zuhause fühlt und dem Paar weiterhin
glückliche Tage und den Segen der Götter.
Rowen Carim, Berichterstatter aus Wulfenstein
Von Barden, Feen und Zwetschgamännla
der Bardenwettstreit in der Lormark
Liebe Leute, glaubt ihr an Kobolde? Glaubt ihr, dass es in der Lormark
Kobolde gibt? Wenn ihr einem Lormarker erzählt, dass ihr in seiner
Heimat einen Kobold getroffen habt, wird er euch fragen, ob der Most zu
stark war. Aber es gibt dort welche! Kobolde, meine ich.
Gleich am Abend des 29. Tages im 2. Xurl dieses Jahres bekamen wir
es mit welchen zu tun, als wir mit einer rußenden Laterne auf dem
Weg zur Lorburg waren. Den Göttern sei Dank, sie verschonten uns mit
dem üblichen Koboldunsinn und hexten uns keinen Buckel und auch keine
Klumpfüße an, sie waren nur unglaublich albern. Mit der Hartnäckigkeit
ihrer Art sangen sie uns einen Vers auf, den wir auswendig lernen sollten,
und verdrehten ihn so, dass sie ihn am Ende selbst kaum mehr zustande brachten.
Von Flöten, Melodien und goldenen Nüssen war darin die Rede,
und, schwupps!, zeigten sie ein solches Kleinod her und schenkten es der
Katze, die von den lästigen Wichten so begeistert war. Stirnrunzelnd
gingen wir dann weiter zur Burg und wurden dort mit Brot, Salz und Dörrzwetschgen
willkommen geheißen. In der Halle war bereits verschiedenes Volk
eingetroffen und tat sich am Abendessen gütlich, und auch wir stellten
fest, dass unsere Mägen unverschämt laut knurrten. Ein älterer
Mann fiel mir durch seine laute Rede auf. Mit Inbrunst sprach er von den
Vorzügen der Eichelmast, die seinen Schweinen so pralle Schinken beschere
und "Gell, Frau Baronin, Euch schmecket se doch au, die Schinka." Frau
Baronin? Das war die Frau, die Chadoum und seine Begleiter für eine
Kräuterfrau gehalten hatten? Oh, wie peinlich! Aber sie lächelte
und war nicht im geringsten böse. Aber ich war wegen dem Bardenwettstreit
und dem Zwetschgenfest hier und nicht wegen der Eichelmast von Grim Eichenland.
Als ich gerade ins Bett gehen wollte, gab es eine große Unruhe, doch
davon habe ich ja schon erzählt, also werde ich es euch ersparen,
die Geschichte von der Gefangennahme und Hinrichtung Lykarion Lasalles
noch einmal hören zu müssen. Obwohl mir immer noch ein Schaudern
über den Rücken rinnt, wenn ich an die verzerrte Fratze des Werwolfs
denke.
Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, der erste Abend. Ich traute meinen
Ohren nicht, als mir am nächsten Morgen jemand erzählte, er habe
einen merkwürdigen Traum gehabt. "Aber sag es keinem weiter! Wer träumt
denn schon nachts von Zwetschgamännla." Von Zwetschgamännla???
War der Schnaps doch zu stark gewesen? Aber da gab es noch mehr Leute,
die von Zwetschgamännla geträumt hatten. Sehr merkwürdig.
Aber es war keine Zeit, sich zu lange damit zu beschäftigen, geschweige
denn die Zwetschgamännla auf dem Kaminsims der Lorburg zu untersuchen
(es waren auch nur Zwetschgamännla), denn man traf sich vor der Burg
zur Poenazeremonie, um der Göttin Dank zu sagen für ihren reichen
Erntesegen. Helios war uns auch gewogen und lachte vom Himmel herab. Der
Tag fing also sehr gut an und ich war ebenfalls sehr gut gelaunt, denn
es warteten viel Vergnügen, gutes Essen und noch bessere Unterhaltung
auf mich. Die begann schon, als einige Recken sich ihre Waffen von der
Baronin segnen ließen und danach eifrig nach Blumenbeeten Ausschau
hielten, die sie umgraben wollten. Beim Bogenschießen gab es viel
zu sehen. Die schießen ja auf Schweinsblasen! Gut, dass ich nicht
mit dem Bogen umgehen kann, ich hätte meine Pfeile nie wieder gefunden.
Jetzt glaube ich allmählich auch das Gerücht, dass die Gaidin
nachts einer Eule das Auge ausschießen, wenn die auf 40 Schritt Entfernung
Schweinsblasen kaputtschießen. Ich schwöre es bei der Seele
meiner Großmutter, der Gaidin Jack hat es getan. Also mit der Leibgarde
der Baronin möchte ich da keinen Streit haben. Für seinen Schuss
bekam er abends von der Baronin einen schönen Zinnbecher überreicht.
Eigentlich hätte er das Turnier gewonnen, aber die Gaidin schießen
immer ohne Konkurrenz mit, und so wurde Arnulf, der Magierlehrling, Sieger
des Wettbewerbs und bekam ein Paar Armschienen für Bogenschützen.
Ob er wohl wusste, was für ein Talent in ihm schlummert? Ja, dann
wurde der Spaß rüde mit dem Auftauchen dieses Wichts unterbrochen,
ihr wisst schon, wen ich meine. Aber glücklicherweise konnte er gefasst
und hingerichtet werden. Dem Fortgang des Bardenwettstreits stand also
nichts mehr im Weg.
Und das war in der Tat ein Bardenwettstreit! Unter den aufmerksamen
Blicken der Baronin, Baron Koldewaihts, des Hauptes des Gesanges, Logris'
und Lady Rowenas trugen die Barden ihre Lieder, Gedichte, Balladen und
Tänze vor, dass mir vor lauter Musik der Kopf schwamm und die Beine
zuckten. Meister Cordovan Rabensang begeisterte durch ein schwungvolles
Liedgedicht, Tarnor trug ein flugs verfasstes Lied über das Ende des
Werwolfs vor und erntete begeisterten Applaus, und Marvenna... Marvenna
war überglücklich, dass ihr Schwur, den sie vor zwei Jahren getan
hatte, nun aufgehoben war und sie wieder Harfe spielen konnte. So war sie
kurz nach der Hinrichtung des Werwolfs mit den Worten "Ich muss üben!"
in die Halle der Lorburg gestürmt, um die dort vorhandene Harfe zu
stimmen und zu üben. So vieles gäbe es zu berichten über
die Vorträge der anderen Barden: Cestric, Thalianna vom Silberwald,
Reinher zu Lammstein, dessen Pfeil Lyk Lasalle die Verderben bringende
Wunde zugefügt hatte, und Kalina, die als Lehrling bei Schneeflöckchen
lernt, doch dies würde alle Rahmen sprengen. Alle trugen zu einer
Stimmung bei, die keinen Zuhörer ruhig auf seinem Platz hielt, es
wechselten sich ernste, künstlerisch anspruchsvolle und heitere Stücke
ab, und ein Höhepunkt der Heiterkeit war erreicht, als die Baronin
mit ungläubiger Stimme Grim Eichenland, den Schweinehirten der Lormark,
als Teilnehmer am Bardenwettstreit vorlas. Es war ganz offensichtlich,
dass sie bis dato keinerlei Kenntnis von dem Vorhaben ihres Schweinehirten
hatte. Wortreich erklärte Grim seine Kühnheit, in so erlauchter
Runde aufzutreten, und er bat so inständig, sein "Schlaflied für
die Schweinchen" vortragen zu dürfen, dass die Baronin ihm dies mit
einem Lächeln gewährte. Aber welcher Angriff auf unsere Lachmuskeln
wurde da gestartet. Selbst die Baronin kämpfte vergeblich gegen den
Lachkrampf an, und das nicht, weil Grim nicht etwa nicht singen konnte,
im Gegenteil, er konnte es sehr gut, sondern weil das Lied so komisch vorgetragen
wurde, und Marvenna begleitete Grim auf der Harfe. Dem Applaus nach hätte
ihm die Ehre des ersten Platzes gebührt, doch stellte das Schiedsgericht
andere und hehrere Ansprüche.
Solchermaßen bestens unterhaltend nahm der Wettstreit seinen
Fortgang, doch wurde die Stimmung empfindlich getrübt, als die Wache
einen Gast ankündigte, der sich nicht angemeldet hatte: Halfnet aus
Brazfurt. Er kam hereinspaziert und kümmerte sich wie üblich
weniger um Umgangsformen als darum, dem Adel die Meinung zu sagen. Er gab
Dinge zum Besten, die ihn anderswo wohl den Kopf hätten kosten
können, doch in der Lormark gilt für Barden das Freie Wort und
so gewährte die Baronin ihm dieses, obgleich Halfnet kein Barde ist
und sie nicht erfreut war über seine Art der Darstellung. Mit den
Worten "Ihr seid eine Geißel, Halfnet, aber eine Geißel, die
dieses Land wohl braucht. Es gehört Mut dazu, immer die Wahrheit zu
sagen, und es gehört noch mehr Mut dazu, sie den Adligen offen ins
Gesicht zu sagen. Deshalb lasse ich euch unbehelligt Eurer Wege ziehen,
aber geht schnell und mit einer Eskorte, damit Euch nicht jemand auf meinem
Boden ermordet." ließ sie ihn gehen. Die entrüsteten Barden
bemühten sich nach Kräften, die heitere Stimmung wieder herzustellen,
was ihnen auch gelang. Als alles wieder fröhlich war, bat das Schiedsgericht
die Gäste, etwas Luft zu schnappen, derweil man sich beraten wolle.
Und während sich das Schiedsgericht der schweren Aufgabe hingab,
die vier besten Barden aus so vielen guten herauszufinden, spielte sich
im Hof der Lorburg und vor derselben Unglaubliches ab. Alle Barden, die
am Bardenwettstreit teilgenommen hatten, gingen einer nach dem anderen,
allmählich zum Burgtor hinaus und kehrten nicht wieder!
Liebe Leute, stellt euch die Aufregung vor, als wir nachsahen, was
los war, und vor der Burg ein Tor entdeckten, das hell strahlte und aus
dem geheimnisumwitterte Musik erklang. Natürlich sagten wir sofort
in der Burg Bescheid, alle kamen heraus und die Gaidin erkannten in dem
Gebilde ein Feentor. Anscheinend gibt es in der Lormark einige davon, aber
normalerweise sind sie für sterbliche Augen unsichtbar und fest verschlossen.
Das war dieses auch, wie wir feststellen mussten. Frederik warf sich mehrmals
dagegen, aber er hatte keinen Erfolg damit, nur eine geprellte Schulter.
Als wir alle mit der Baronin ratlos davor herumstanden und überlegten,
wie man die verschwundenen Barden da wieder rausholen könne, hörten
wir plötzlich eine laute Stimme rufen: "Nein! Ich will nichts mehr
von Eichelmast hören!!" und es kam einer Hals über Kopf herausgeflogen.
Ihr könnt es euch denken, wer es war. Grim Eichenland, auf beiden
Backen kauend und in der Hand ein Stück Schinken. Den hatten die Feen
wohl nicht haben wollen, obwohl es ihm um die Schweine der Feenwelt leid
tat.
Die Leute zogen sich in die Burg zurück, um dort den Schweinehirten
auszufragen und über einen Weg nachzudenken. Einige Zeit später
ließ sich wieder jemand ankündigen. Diesmal war es ein Herold
des Feenvolkes. Die Baronin stellte sich dem Hauptmann der Feengarde entgegen
und fragte ihn, welch ein Spiel die Feen hier zu spielen wünschten,
ob ihnen der Sinn nach Krieg stehe, doch der Hauptmann lehnte lachend ab.
Es ginge in der Tat um ein Spiel und wenn die Sterblichen sich darin bewähren
würden, würden ihnen die Barden zurückgegeben werden. Zähneknirschend
ging die Baronin darauf ein, wohl wissend, dass der Feenherold alle Trümpfe
in der Hand hatte. Und prompt stellte er die erste Aufgabe: "Verschafft
uns einen eingefangenen Sonnenuntergang! Ihr habt Zeit bis morgen." und
ging wieder. Nach kurzer Denkpause stellte sich diese Herausforderung als
nicht sehr schwer heraus, eine Gruppe begab sich auf die Suche nach Farben,
eine andere begab sich in die Gefilde der hohen Poesie, um den Sonnenuntergang
in Verse einzufangen. Tatsächlich, man war fest entschlossen, es diesen
Feen zu zeigen.
Am nächsten Morgen spielte sich wieder Unglaubliches ab. Eben
noch war man gemütlich beim Frühstück gesessen, verspürte
in dem warmen Sonnenschein ein gar großes Behagen und gab dem Bedürfnis
nach einem kleinen Nickerchen an der warmen Burgmauer nach, da wachte man
wieder auf und stellte fest, dass mehr Zeit verstrichen war als angenommen,
dass die Gefährten, mit denen man sich zur Siesta begeben hatte, fort
waren und dass man die Burg nicht verlassen konnte, besser gesagt, man
konnte schon, aber egal, wohin man seine Schritte lenkte, nach dem vierten
Teil einer Stunde stand man wieder vor dem Burgtor. Diese verflixten Feen!
Eine Durchsuchung der Burg ergab, dass gegen sechs Gäste fehlten,
darunter die Katze und der Knappe aus Tatzelfels, und auch die Baronin
war nicht da, aber die war nach Auskunft der Gaidin bereits in den frühen
Morgenstunden ins Dorf gegangen, um einem Kind auf die Welt zu helfen.
Wenn wir also schon nicht aus der Burg heraus konnten und auch keine Barden
da waren, konnten wir uns wenigstens um die Träume kümmern. Ja,
ich hatte auch einen. Von Zwetschgamännla, die um Hilfe baten. Zuckt
da etwa in Eurem Gesicht ein Lachmuskel? Es wird noch besser! Allmählich
gelang es uns in der Burg, das Rätsel der Kobolde zu lösen, die
drei Teile der Melodie zu finden, die drei Teile der Flöte aufzutreiben
- mir tun noch immer die Ohren weh, wenn ich an das Getröte des Stallwichtels
denke, und als er den Pudding mit Sahne haben wollte.... - und die drei
goldenen Nüsse zu finden. Aber eine war ja mit der Katze verschwunden.
Aber was damit machen??? Mit der Flöte die Melodie spielen? Das schien
eindeutig zu sein, aber was weiter? Und welche Rolle spielten die zwei
Zwetschgamännla vom Kaminsims, bei denen man inzwischen eine magische
Aura festgestellt hatte, und die sich nicht zerlegen ließen?
Jemand vom Gesinde knackte aus Versehen eine der goldenen Nüsse und
laut war das Geschrei, aber nichts geschah, außer dass ein kleiner
Zettel heraus fiel, auf dem ein Teil eines Satzes stand.
Flugs knackten wir die zweite Nuss und fanden einen weiteren Zettel.
Aber wie ja bereits gesagt, die Katze mit der dritten Nuss fehlte. Dann
endlich gegen Nachmittag kehrten die Verschwundenen in Begleitung einiger
Waldläufer zurück. Was die zu erzählen hatten, war noch
viel unglaublicher als unsere Abenteuer. Sie seien im Wald aufgewacht,
fern von der Burg, und hätten geglaubt, in die Feenwelt entführt
worden zu sein. Dann hätten sie von dem Feenherold weitere Aufgaben
gestellt bekommen. Da war von Erdbeeren (was denn, um diese Jahreszeit?),
Eichhörnchen und Kobolden die Rede. Die hatten die Karte für
den Weg nur herausgeben wollen, wenn jeder einen Handstand machte. Und
dann brachten die Wichte die Karte in Gestalt einer Torte an. Ihr haltet
das für blödsinnig? Ich dachte ebenso und lachte alle aus. Besonders
das mit den frischen Erdbeeren wollte ich nicht glauben, bis ich mit eigenen
Augen die Beere sah, die Sir Henry für die Baronin aufgehoben hatte.
Und den Schleier aus einem gesponnenen Sonnenuntergang, den der Hauptmann
der Feengarde der Katze geschenkt hatte und in den sie sich ganz stolz
eingewickelt hatte.
Apropos Katze! Die Nuss! Eifrig knackten wir die letzte goldene Nuss
und konnten das Puzzle zusammensetzen: "Sechsmal sechs zur sechsten
Stund
Sollen stehen in des Burghofes Rund!"
Die sechste Stund sollte bald anbrechen, also noch rasch die Leute
zusammenholen und durchzählen. Oh weh, es waren zu wenig! Nun kam
die Phantasie ins Spiel, denn alle wollten unbedingt bei der Erlösung
der Zwetschgamännla dabei sein. Es war ja nur die Zahl und die Uhrzeit
festgelegt, aber nicht die Art der Zeugen, also holte man rasch ein Schaf
und zählte die Zwetschgamännla dazu. Und wie von einer höheren
Macht geschickt, kamen in genau diesem Augenblick einige verspätete
Barden an, die die Zahl exakt voll machten. Es schlug sechs Uhr, einer
der Anwesenden hob die geheimnisvolle Flöte und begann die Melodie
zu spielen.....
Wie durch Zauberei spielte die Melodie von selbst weiter, Nebel stieg
auf, die Zwetschgamännla, vordem kleine Puppen, wurden groß
wie Menschen und begannen plötzlich, sich zu bewegen. Das Weible ließ
seinen Besen fallen und besah sich die Hände, das Männle warf
seinen Wanderstab fort und dann begannen sie, die schwarze, runzlige Haut
der Zwetschgen von sich zu reißen, die Kleider fielen zu Boden und
ganz allmählich kam ihre wahre Gestalt zum Vorschein: ein Feenpaar
von unbeschreiblicher Schönheit stand vor uns! Als die Beiden sich
erblickten, sank der Mann auf ein Knie und schloss die Frau in die Arme.
Reglos verharrten sie für einige Augenblicke in dieser Haltung, dann
begannen sie selbstvergessen zu tanzen, nur um langsam zur Burg hinauszugehen,
als die Musik verklang. Alle Anwesenden waren von diesem Erlebnis so verzaubert,
dass nicht einer auf den Gedanken kam, den Feen zu folgen.
Keiner dachte in diesem Augenblick an die entführten Barden. Doch
nach einiger Zeit erklang vom Tor her Fanfarenklang und es bot sich ein
phantastischer Anblick: herein kamen die beiden Feen, deren Verwandlung
wir eben beobachtet hatten, mit Hofstaat und dahinter folgten alle Barden,
die ins Feenreich entführt worden waren. Wie groß war unser
Erstaunen, als wir erfuhren, dass es sich bei den Verwandelten um das Prinzenpaar
des Feenvolkes handelte, das nun voll Dankbarkeit seinen Rettern gegenüber
war, denn hätte der Fluch, der auf ihnen lag, nicht gelöst werden
können, wären sie auf ewig in der Gestalt der Zwetschgamännla
gefangen gewesen.
Die Baronin lud die neuen Gäste zur Feier und besonders zum zweiten
Durchgang des Bardenwettstreits ein, denn jetzt sollte das Haupt des Gesanges
des Bardenwettstreits ermittelt werden. Als die vier Besten hatten sich
qualifiziert: Marwenna von Drachenstein, Kalina, Tarnor und Cordovan Rabensang.
Wieder war die Spannung groß, die Beiträge ausgezeichnet, aber
diesmal fiel die Entscheidung rasch (wohl auch zugunsten des Festmahls):
Tarnor aus Tagil erhielt den Siegerkranz für seine ausgezeichnete
Leistung, innerhalb kürzester Zeit ein Lied über die Verwandlung
des Feenprinzenpaares und die Rückkehr der Barden zu verfassen und
es trotz einer schweren Erkältung vorzutragen.
Alle vier Barden erhielten gemäß der Tradition eine Einladung,
den Winter auf der Lorburg zu verbringen, und außer Marwenna nahmen
alle mit Freuden an. Marwennas Platz wurde an Cestric weitergegeben, der
vor Freude ganz rot wurde. Besonders groß war der Jubel bei den Barden,
als sie erfuhren, dass der Koch der Baronin auch auf der Burg bleiben werde,
denn der hatte sie mit seinen Kochkünsten in seinen Bann geschlagen
- oder lag es am Liebreiz seiner Töchter?
Der weitere Abend wurde zu dem Fest, das es am Abend zuvor hätte
werden sollen, es wurde gegessen, getrunken, gesungen, gelacht und gefeiert,
gefeiert, gefeiert... Gegen Mitternacht verabschiedeten sich die Feengäste
von der Baronin und bedankten sich bei allen Anwesenden mit einer zaubrischen
Feennuss. Mir scheint sie Glück zu bringen, die Nuss, denn als ich
im Morgengrauen ins Bett taumelte, fiel ich keine Treppe hinunter, stieß
mir auch nicht den Kopf an irgendwelchen Balken an und hatte, als ich wieder
aufwachte, keinen Kater, obwohl ich mit einer ganzen Affenhorde schlafen
gegangen war.
Nun will ich Euch nicht länger langweilen. Wenn Ihr aber dasVerlangen
verspüren solltet, beim nächsten Bardenwettstreit dabei zu sein,
kann ich es Euch nur empfehlen, obwohl Ihr vielleicht nicht so viel Aufregung
wie dieses Mal haben werdet. Gehabt Euch wohl!
Einer, der beim Bardenwettstreit dabei war und viel Spaß daran
hatte.
Werter Baron Koldewaith von Hautzensteyn,
zwar ist der Gelehrtenkonvent zu Burg Tannenstein schon ein paar Monde
her, doch seid Ihr mir noch in lebhafter Erinnerung geblieben. Ob es Euch
ebenso ergeht kann ich nicht nachvollziehen, doch sei Eurem Gedächtnis
etwas nachgeholfen: Ich bin die Frau, vor der ihr lauthals brüllend
Euren Metbecher auf dem Boden geworfen habt. Heute schätze ich mich
glücklich, daß ich ob des Burgfriedens nicht sofort mein Schwert
gegen Euch gezogen habe, denn dies wäre eine Handlung gegen Euch im
Zorne gewesen und hätte schlimme Folgen haben können. Erst am
nächsten Morgen habe ich den Grund Eures Grolls erfahren und konnte
dann ein gewisses Verständnis für Euch aufbringen. Jedoch kann
ich will ich die Beleidigung gegen meine Person nicht so einfach hinnehmen.
Da ihr bereits mit Flüchen verschiedenster Art belegt seid, erscheint
es mir nicht sinnvoll, einen weiteren hinzuzufügen. Daher habe ich
im Kreise meiner Schwestern Rat gehalten und wir sind zu folgendem Entschluß
gekommen:
Nun, da die Monde der Poëna anbrechen und damit die Zeit der Aussaat
beginnt, werden wir jede helfende Hand brauchen. Seid Ihr also nicht nur
ein Mann der gewaltigen Worte, sondern auch der Tat, dann beweist es uns,
indem Ihr uns für einige Wochen in Mahanel bei den schweren Arbeiten
behilflich seid. Solltet Ihr dazu bereit sein, so sei Euch verziehen und
die Gunst der Saarkani sei Euch sicher.
Eure Antwort in Ungeduld erwartend
Maline, Erwählte der Saarka, Vogtin zu Mahanel
Keuschheit ist die schönste Zier des Weibes
Papyros des Süden
Sedomeesische Neuigkeiten
Der zweite Dieb ist gerichtet
Fliehet nicht, Übeltäter, sondern bringt die Mondkatze zurück
oder einen nach dem anderen von Euch wird der Fluch ereilen! Die zweite
der Schurken wurde an den Ufern Welzens gefunden und auch auf ihrem Rücken
fand sich das Abbild der heiligen Katze, diesmal aber nicht in bräunlichen
Linien, sondern gezeichnet mit feinen Blutergüssen, wie mit einem
winzigen Hämmerchen und die Haut getrieben. Nicht friedlich war ihr
Gesicht, wie das des ersten Diebes, sondern verzerrt vor Angst und zu spät
erkannter Schuld - Poënas Mitleid hat ein Ende.
Dennoch flehen wir zu Poëna, daß sie jedem mildtätig
vergeben möge, der die Katze zurück ins prächtige Jalamanra
bringt und die Göttin wird wahre Reue erkennen. Wer aber weiter den
Dukaten hinterhergeifert, die er für die heilige Mondkatze zu erlangen
glaubt, kann keine Gnade mehr erhoffen. Wenn die Göttin ihn richtet,
wird seine Pein ihm nicht nur ins Gesicht geschrieben stehen!
Der Tanzbär
Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias
Ein neues Lustspiel über die Ereignisse in Luchnar!
Hauptpersonen:
Ceride-rik in Hautzensteyn
Holde Maid in Hautzensteyn
Voran McDonald in Flaitney
C: Ich werde jetzt nach Flaitney gehen, lieber Bruder, denn du
bist ja so mit deinem Gedichtsband beschäftigt und ich werde dich
dort in allen Tönen loben! Hilft dir das?
H: Oh vielen Dank, Ceride-rik!
Ceride-rik wandert ein lustiges Liedchen pfeifend nach Flaitney. Unterwegs
findet er die Amsel von Thal, was er gleich wieder vergißt, da er
seinem Bruder helfen will!
C: Seid gegrüßt, Voran McDonald, ich möchte euch nur
sagen, daß Holde Maid sehr beschäftigt mit seinem Gedichtsband
ist und deswegen komme ich.
V: Oh, ich verstehe, es ist viel Arbeit und ich werde meine Clankrieger
zurückziehen, damit er sich endlich Holde Maid in Flaitney nennen
kann.
C: Der Eine sei euch gnädig gestimmt und mein Bruder wird gerne
auch noch Flaitney übernehmen, denn er hat in mir ja eine so große
Hilfe! Gehabt euch wohl, ich werde meinem geliebten Bruder sofort Bericht
erstatten.
Ceride-rik ist wieder pfeifend unterwegs nach Luchnar und trifft unterwegs
KannDoch Quarz Uhr´mach, welchen er sofort zu einem Tee auf die Feste
Hautzensteyn einlädt, da die dortige Uhr kaputt ist.
C: Holde Maid in Hautzensteyn, mein geliebter, verehrter, geschätzter
und sehr beschäftigter Bruder. Deine Arbeit wird noch mehr, denn Voran
McDonald hat dir Flaitney geschenkt.
H: Scheiße, ich glaube, mein Leben ist verflucht, noch mehr Arbeit!
Aber ich habe ja dich!
C: Richtig!!!!
Ceride-rik dreht sich weg und klopft mit seinem Zeigefinger an die rechte
Schläfe, was Holde Maid sieht.
H: Ceride-rik, was fällt dir ein!
C: Ich wollte nur, daß wir uns wieder streiten, denn dann macht
unsere Schwester Ist Ärmer in Hautzensteyn wieder ihren leckeren Kuchen!
H: Ja, mir läuft schon wieder das Wasser im Munde zusammen. Aber
wie kannst du KannDoch Quarz Uhr´mach mitbringen, du weißt
doch, er ist so teuer und deswegen soll er Luchnar nicht mehr betreten!
Fortsetzung folgt!!
Thalion Barden
Gunst und Kunst
Was die Heligonier am liebsten hören
1(1) Findabair Spinnentöter (begleitet vom Emaranseeflottenchor)
– „Pfefferinselreggae“
2(3) Salah ben Anwar Nur ed’Din– „Burai Breath“
3(7) Ostarische Utzgan-Nationalmannschaft – „Utzgan ist unser Leben!“
4(2) Pavo Rothner – „Scheiße in die hohle Hand“
5(-) Die Güldenen Thaler Minnesänger – „Der hohen Frouwe“
6(5) Cestric van Kenn-Dallir – „Karr der Jäger“
7(-) Betiser Gassenpfeiffer – „Wir lieben die Frauen mit zweifelhaftem
Ruf“
8(10) Die Wüstenlerchen – „Bärte“
9(4) Die Jolbornschiffer – „Redonslob“
10(-) Wunderkind Bonifazio – „Oh, Du mein Einer“
*ermittelt von der HEMA (Heligonische Musiker Assoziation)
Adelstag
Spät nachts komm ich heim
Weit war ich fort
bin wieder allein
an einem herrlichen Ort.
Meine Hütte ist dunkel
Gegen der Kerzen Gefunkel
kalt ist der Herd
ist der Kienspan nichts wert.
Still ist es wieder
Gespräche und Lieder
es rauscht nur der Bach
und ich lach:
Gedanken fliegen wie Schwalben
Soviel Applaus meinethalben
und segeln hin und her
für mich so große Ehr!
Am alten Holztisch ich nun sitz
Der festlichen Tafel silber Geblitz
in meinem alten, geflickten Hemd
teure Gewänder, für mich so fremd.
Das große Buch in meiner Hand
Das beste Lied ich, scheints, erfand
in meinem Herzen Stolz und Dank
ich werd noch träumen nächtelang...
Spät nachts kam ich heim
Weit war ich fort
bin wieder allein
an einem herrlichen Ort.
Termine
24.03. - 26.03.00 Helicon 13 - Markt in Tatzelfels (Burg Wildenstein)
05.05. - 07.05.00 Helicon 14 - Ceridisches Konzil an der Hoppelmühle
21.07. - 23.07.00 Helicon 15 - Zeltcon am Karlsbrunnen
06.10. - 08.10.00 Helicon 16 - Gelehrtenkonvent auf Schloß
Ebersberg
12.01. - 14.01.01 5. Heligonischer Adelstag auf Burg Wernfels
Schon bei den Pruzzen bekannt und geliebt wurde dieser Sport bis
in die heutige Zeit überliefert.
Utzgan
-der Nationalsport Heligonias-
Jetzt gibt es die neuen Utzgan-Sammelbilder zum sammeln und tauschen!
Bei allen guten Utzganhändlern in Heligonia zu erwerben. Und damit
der Sammler sie noch besser aufbewahren kann, gibt es jetzt dazu das neue
Utzgan-Sammelalbum!
Das alles und noch mehr zu Utzgan gibt es auch auf dem Tatzelfelser
Methfest
exklusiv am Utzgan-Stand
© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés &
Marc Hermann
Berichte von Guido Brand, Arnulf Breuer, Ulrike Clauss, Julia Fischer,
Henning Frank, Deborah Gläser, Steffen Heiß, Inés &
Marc Hermann, Thorsten Hess, Andreas Hils, Petra Jörns, Thomas Kessler,
Niklas Konzen, Lars Malcher, Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger,
Markus Spree und Ellen Weiß

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