Helios - Bote

freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia 

Im 3. Poëna n.A.III 27

Ausgabe 33

Kronkurier

An Marvenna von Drachenstein

Der Drachenhain-Konflikt hat weite Kreise gezogen, was Taten und Worte angeht - beides wäre würdigeren Ereignissen angemessen gewesen. Das Thema geistert seit Monden durch den Boten und  es wird Zeit, daß das endet. 
Der Konflikt selbst entzündete sich an einem Verdacht, der ausgesprochen, aber nicht begründet wurde; dies mit Sicherheit ein Fehler. Ihr schreibt, daß die Drachenhainer Mitglieder des Ogedenbundes dem Ruf des Grafen folgen mußten, "schließlich zweifelt niemand am Vorrang des Vasalleneides". Das ist richtig. Ihr fahrt jedoch fort, "Mußten sie das tun, ohne nachzufragen, ohne zu forschen" und behauptet, "Dennoch folgten sie ihrem Grafen blindlings". Und das ist falsch. Wie Krator von Rebenhain Euch im letzten Boten in sehr harschen Worten vorwarf: Ihr leidet unter Informationsmangel, baut darauf aber Schlüsse auf.
In dieser Art Konflikt konnte es eigentlich nur Verlierer geben und eine Verliererin war zweifellos Nimue von der Aue. Sie wollte Josephina von Drachenhain helfen. Sie war nicht die einzige, sie hat aber dafür bluten müssen: Fürst Bartha ließ sie den Vasalleneid neu schwören. Ein persönlicher Konflikt mit dem Haus Drachenhain steht zu befürchten.
Ihr schreibt: "Daß es aus politischer Sicht sehr ungeschickt und zudem gefährlich von Nimue war, steht außer Frage." Warum wundert es Euch dann, daß Lord Angus als Vertreter des Ogedenbundes noch ein klärendes Gespräch mit Baronin Nimue führte? Er berichtete uns hernach, das Gespräch sei in angenehmem Rahmen verlaufen und seiner Ansicht nach sei die Situation für den Ogedenbund damit geklärt. Ein ganz normales Vorgehen. Warum behauptet Ihr ironisch "Irgend jemand muß ja auch schuld sein", warum fahrt Ihr fort, "Man braucht ein Bauernopfer"? Der Ogedenbund benötigte jedenfalls keines und die beteiligten Drachenhainer Barone auch nicht. "Bedankt Euch bei Leomar und Josephina."? Josephina war ein Opfer des Drachenhainer Konfliktes, Ihr macht aus ihr eine Täterin.
Schließlich folgert Ihr, der Bund habe sich lächerlich gemacht und die Götter gleich mit, klagt ihn an, er habe bestraft, wer Herz zeigte und bemitleidet, wer sich benahm "wie ein Vollidiot". Nochmals: Der Ogedenbund hat niemanden bestraft und hatte auch nicht die Absicht, es zu tun. Nochmals: Der Ogedenbund hat sich niemals selbst bemitleidet, sondern allenfalls Josephina von Drachenhain und die siebzig toten Wolfenfelder. Nochmals: Euch fehlen Hintergrundinformationen - womit ich nicht behaupte, daß ich alle Informationen besitze, jedoch besitze ich zweifellos mehr als Ihr.
Eure Anklage entspringt vermutlich dem Ärger über die Unannehmlichkeiten, die die Euch befreundete Nimue von der Aue erdulden mußte. Dies ehrt Euch ja, aber Ihr verfallt in die gleichen Mechanismen, die Ihr anprangert. Ihr sucht ein Bauernopfer für diese Unannehmlichkeiten und den Konflikt mit dem Hause Drachenhain und findet es im Ogedenbund - aber nicht der Ogedenbund hat die Unannehmlichkeiten hervorgerufen und der Ogedenbund ist nicht das Haus Drachenhain. Ihr klagt den Ogedenbund an, die Götter lächerlich zu machen - Euer Artikel zielt auf den Bund, trifft aber ebenso das Ogedentum und die Götter und arbeitet den Ceriden in die Hände. Es geht mir nicht darum, einer Bardin das freie Wort zu verbieten. Ich hätte von Euch lediglich eine durchdachtere Argumentation erwartet, nicht die eines Sängers von geringerer Bildung.
Dies wird mein einziger Artikel zu diesem Thema im Helios-Boten bleiben. Wenn Ihr diese Zeilen beantworten wollt, tut dies bitte in einem privaten Brief an mich - ich werde antworten. Weitere Beiträge im Boten hingegen dürften weder dem Ogedentum noch dem Bund, weder Nimue von der Aue noch Josephina von Drachenhain, weder Euch noch mir Nutzen bringen, sondern allenfalls schaden. Wie bereits erwähnt: Von den Beteiligten kann in diesem Konflikt keiner irgendeinen Gewinn erwarten. 
Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar


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Offizier der Herzöglich-Ostarischen Marine

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- eine erstklassige Ausbildung in der neuen Marineakademie des Stützpunktes "Herzog-Uriel II.-Atoll"
- Dienst auf einem der modernen Schiffe unserer vier Flotten, welche mit der  Ausweitung des Operationgebietes auf die Jolsee jetzt auf allen großen Gewässern Heligonias präsent sind.
-eine gesicherte Rente nach Beendigung der Dienstzeit
-eine modische Uniform 

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Das Fernrohr

Ein Blick über die Grenzen Heligonias

Galeeren aus dem Dunklen Reich abgewehrt!

Mit vereinten Kräften ist es der Süd-Hanse gelungen, zu verhindern, daß ein Kriegshafen des Dunklen Reiches an unseren Küsten errichtet wird. Ein Flottenverband des Dunklen Reiches bewegte sich in Richtung der Westküste des Südmeeres. Unbestätigten Berichten zufolge bestand ihre Absicht darin, einen Kriegshafen an der Küste Süd-Dysterthors zu errichten, um somit einen Brückenkopf in das Herz der Allianz des Lichtes schlagen zu können. Doch die-se finsteren Pläne wurden durch die rasche Entschlußkraft der Süd-Hanse zu Nichte gemacht. Es kann im Seehoheitsgebiet des Staatenbundes nicht geduldet werden, daß dunkle Mächte sich breit machen! Diesen Umtrieben muß gnadenlos Einhalt gewährt werden. Die Handels-wege sind nun wieder sicher und Frieden und Wohlstand können ungestört weiter blühen.
aus dem Aturianischen Tageblatt, 54. Jahrgang, Nr. 268

Frieden in Aturien

Der mehrere Monde in Aturien wütende Krieg ist nun beendet. Eine dunkle Macht hatte sich schon Süd-Dysterthor unterworfen und wollte nun weiter in den Süden vordringen. Nach 80 Jahren des Friedens gelang es König Alboin I. von Aturien, sein Volk geeint gegen die feindlichen Heerscharen zu stellen. Durch die Einheit des Landes gelang schließlich auch die Beendigung des Krieges. Der Prinzregent führte in der Schlacht in den Drachenbergen die aturianische Armee an, welche die letzte Schlacht im Kampf um die Heimat war. Hier kapitulierten die Gegner mit all ihren Streitkräften zu Lande wie zu Wasser. Der Prinzregent wurde daraufhin in den Rang des Fürsten des neuen Protektorates Thorlande erhoben. 
nachzulesen im Aturianischen Tageblatt, 54. Jahrgang, Nr. 261-268

Fürstlicher Thaler Hofchronist

Was geschieht im fürstlichen Park von Hochanthen?

Geheimnisvolle und teilweise widersprüchliche Informationen kursieren derzeit darüber, was im fürstlichen Garten des Hochanthener Schlosses geschieht. Doch muss ich am Anfang beginnen. Kurz vor der Verlobung von Baronin Tamara von Tlamana und Prinz Anselm von Thal wurden die hektischen Bautätigkeiten im großen Garten der fürstlichen Residenz abgeschlossen. In der Nähe des Zuflusses zum großen Schwanensee der vom Wasser des Brazach gespeist wird, entstanden so um einen großen zentralen Kuppelbau herum mehrere größere und kleinere, prächtige Gebäude, wobei besonders eine große reich geschmückte Halle hervorzuheben ist, die die Anlage zum Fluß hin begrenzt. 
Im Inneren der Gebäude ergießt sich weißer Stuck in allen Formen wie Zuckerguß über Decken und Wände und nimmt so allen Kanten und Ecken ihre Härte und läßt alle Gebäude in einer harmonischen Leichtigkeit und Beschwingtheit ineinander übergehen. Selbst die Ausstattung, die feinen Möbel und das hölzerne Inventar ist ganz in fließenden runden Formen gehalten. Feinste marmorne Figuren mit lebensechten Zügen und Formen lassen erahnen wer sich hier wohlfühlen sollte. Wie der Helios-Bote in Erfahrung bringen konnte gehen die Pläne des Baus auf Prinz Anselm zurück. Welchem Zweck diese Bauwerke dienen sollten, bevor Prinz Anselm daraus ein Kleinod der heligonischen Baukunst für Baronin Tamara schuf ist unklar. Es ließ sich rekonstruieren, dass wohl mehrere Briefe mit Anweisungen nach der Verlobung Richtung Hochanthen geschickt wurden. Doch was hat dies alles mit heute, mehr als zwei Jahre nach der Verlobung des Paares zu tun?
Kürzlich erfuhren wir in Hammerbach, der Handwerkerstadt von Hochanthen wo die meisten der Bauleute die für die fürstliche Familie arbeiten, leben, daß sich in den Gebäuden am Schwanensee wieder etwas tut. Allem Anschein nach, hat Prinz Anselm bereits kurz nach seiner Rückkehr wieder Briefe nach Hochanthen geschickt. Leider ist es uns nicht geglückt den Inhalt zu erfahren. Es war jedoch zu beobachten, das durch die seit zwei Jahren ungeöffneten Tore der Schwanensee-Anlage körbeweise vertrocknete rote Rosen herausgeschafft wurden, sowie ein Teil des Mobiliars. Der kostbare Boden aus Blausteiner Marmor wurde abgedeckt und Bretter darüber gelegt. In der großen Halle und im Kuppelbau wurden die Marmorplatten gar ganz entfernt und außerhalb vorsichtig aufgestapelt. Es soll aber trotzdem schon wieder eine Ladung Marmor nach Hochanthen unterwegs sein. Schubkarren um Schubkarren wird Erde aus dem Inneren der Anlage nach Draußen gebracht und dann über den Fluß weggeschafft. Was dort drinnen genau geschieht ist unklar.
Klar ist bisher nur folgendes. Der ursprüngliche Bau geht auf Prinz Anselm zurück, wofür er dies bauen lies ist wiederum unklar. Dann kam der zweite Bauabschnitt. Nach der Verlobung mit Baronin Tamara ließ der Prinz die Anlage zu einem Lustschloß ausbauen. Jetzt beobachten wir gerade den dritten Bauabschnitt, bzw. den zweiten Umbau. Wir werden sehen was daraus wird.
Sechs Wochen sind seit dem verstrichen. Die Bautätigkeiten an der prächtigen Schwanensee-Anlage von Prinz Anselm sind in dieser Zeit fortgesetzt worden. Wir haben natürlich aufmerksam beobachtet was dort alles geschieht. Inzwischen ist der endlose Strom der Schubkarren aus dem Inneren der Gebäude versiegt und Richtung Fluß verlegt worden. Ein Graben zog sich nun von dort bis zu den Gebäuden. In diesem wurden Rohre versenkt die in den Keller der Anlage gehen. Danach wurden diese wieder zugeschüttet und Rasen angepflanzt. Langsam verschwindet auch  der Berg der Marmorplatten wieder im Inneren der Gebäude, die vorher dort ausgebaut worden waren. Allerdings kam noch einmal ein beträchtlicher Teil neuer Platten hinzu, die ebenfalls verbaut wurden. Zumindest sind diese bisher noch nicht wieder aus dem Inneren der Anlage aufgetaucht. 
Steinmetze machen sich ebenfalls seit geraumer Zeit an die Arbeit. Das Ergebnis ihres Schaffens ist jedoch etwas befremdlich. Anstatt wie gewohnt herrliche plastische Figuren zu meißeln, von Mensch und Tier in Bewegung, sind es flache Platten, mit lediglich den Köpfen von Menschen und Tieren. Doch sind diese gar nicht lieblich anzuschauen. Zumeist sind es Fratzen mit weit aufgerissenen Mündern, als wollten sie einen auf der Stelle verschlingen. Auffällig viele Xurl-Symbole entstehen unter den Hämmern und Meißeln. Fische, Krebse und anderes Getier aus Meer und Fluß entstehen aus dem Stein. Und auch ein paar sehr hübsche Wasserelfen und Nixen. Auch Bänke und Stühle werden aus dem blau schimmernden Marmor gefertigt, anstatt die bestehenden aus Holz gemachten zu belassen. Läßt Prinz Anselm im fürstlichen Garten von Hochanthen einen der größten Xurl-Tempel Heligonias bauen?
 

Der Erwählten der Saarka, Maline Vogtin zu Mahanel

Dia dhuit, verehrte Erwählte,
Für mein Verhalten Euch gegenüber auf dem Gelehrtenkonvent möchte ich mich entschuldigen - nicht vielmals, sondern einmal, aber das von ganzem Herzen. Zwar wurde ich in Tolens auf eine harte Probe gestellt, doch hätte ich niemals übersehen dürfen, wer da vor mir stand und wen ich ungewollt beleidigte.
Ich beuge mich Eurem Ratschluß und werde Euch meine Hand zu jeder Arbeit reichen. Jedoch bitte ich um einen Aufschub. Angesichts der Ereignisse in Luchnar, insbesondere des rätselhaften Fluches, der seit eben jenem Gelehrtenkonvent über mir schwebt, raten mir die Druidh dringend davon ab, mich längere Zeit außerhalb Luchnars aufzuhalten. Ihrem Rat als dem von Vertretern Poënas und der Vier im Gesamten möchte ich nicht zuwiderhandeln. Jedoch scheint es, daß sie sich der Lösung des Rätsels nähern. Ich bitte Euch deshalb noch um einen geringen Aufschub. Sollte Aufhebung der Fluches oder ausreichender Schutz davor nicht rechtzeitig zur Aussaat gelungen sein, werde ich während der Aufzucht der Saat oder spätestens zum Beginn der Ernte in Mahanel eintreffen. Ich hoffe darauf, daß Ihr diese Bitte versteht, die nicht meinem, sondern dem Wunsch der Druidh entspringt.
Meine jüngste Schwester Vylaine Roswiht richtet ebenfalls eine Bitte an Euch: Sie würde mich gerne begleiten, um Mahanel zu sehen und sich gleichermaßen nützlich zu machen.
Slan leadh, Erwählte
Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar

Die Garde von Thal gibt bekannt :

Nachtkauz wieder im Flottenstützpunkt / Leichte Beschädigung am Rumpf

Nachdem die Patrouille am "Herzog-Uriel-II-Atoll" abgeschlossen werden konnte kehrte Korporal Albrecht Krumbargen mit seiner Kriegskogge Nachtkauz wieder zum Flottenstützpunkt Roggenhain zurück. Hier ein Auszug des Reiseberichts.

"Voller Freude erfuhren wir die friedliche Beendigung der Kolonialkriese. Hatten doch alle gehofft, einen Kampfvermeiden zu können. Unsere Freude wurde jedoch gedämpft, als wir den Befehl des Flottenkommandos erhielten, die unmittelbare Umgebung des Atolls zu patrouillieren, während der Großteil der gesamt-heligonischen Flotte den Heimweg antreten durfte. Mit Wehmut blickte man den Segeln hinterher, die in Richtung Festland steuerten, während die Nachtkauz Kurs auf die offene See hielt. (...)
Große Aufregung gab es, als Seekadett Arnhofer in der Takelage den Halt verlor und nach unten stürzte. Zwar wurde sein Sturz durch die an Deck liegenden Proviantsäcke etwas gemildert, jedoch konnten sie nicht verhindern, das sich Arnhofer das recht Bein brach. Der Bord-Medicus konnte die Wunde verbinden und verordnete dem Seekadett bis zur Rückkehr strenge Bettruhe. (...)
Einige Tage kreuzte man nun schon durch die nördliche Jolsee. Kein Schiff hatte unseren Weg gekreuzt, keine Insel war in unser Sichtfeld gelangt. Immerhin schien das Wetter einige Abwechslung zu bringen. Nachdem die letzten zwei Wochen unentwegt die Sonne geschienen hatte, kamen nun von Osten her einige dicke Wolken auf uns zu. Ich ließ das Schiff gegen den Wind drehen und sämtliche Segel einholen. Und tatsächlich, der Wind frischte deutlich auf, und die ersten Regentropfen platschten auf das Deck. Nur sollte es nicht bei diesem leichten Plätschern bleiben. Als uns die schwarze Nacht umgab, entwickelte sich der Regenschauer zu einem ausgewachsenem Sturm. Unsere Kriegskogge wurde zum Spielball der Gewalten. Wir mußten, wollten wir uns von einem Platz zum anderen Bewegen, um jeden Schritt kämpfen. Kaum war man etwas nach Vorne gekommen, rutschte man das Doppelte wieder rückwärts. Plötzlich ging ein gewaltiger Ruck durch die Nachtkauz, der gesamte Rumpf ächzte. Nur langsam wich die anfängliche Verwirrung, die uns befallen hatte. Waren wir wirklich auf Grund gelaufen ? Der Ausguck konnte wegen der schlechten Wetterverhältnisse nichts ausmachen. Selbst die Sturmbeleuchtung konnte nicht genügend Helligkeit erzeugen, um den dichten Regen zu durchdringen. Immerhin hatte sich der Wassereinbruch in Grenzen gehalten. Nur zwei Planken am Bug waren eingerissen, die Stellen konnten schnell abgedichtet werden. (...)
Endlich hatte sich der Sturm gelegt, und die runde Helios-Scheibe kroch langsam über den Horizont. Nach dem Frühstück wurden die Beiboote zu Wasser gelassen, um den Grund für unser Festsitzen zu untersuchen. Sogleich kam dann auch die erhoffte Meldung : "Wie sitzen nicht auf einem Riff, sondern auf einer Sandbank.". Blieb nur noch die Frage, wie man davon wieder herunter kommt. Doch hatten wir schnell einen Plan ausgeheckt, wie wir unsere Nachtkauz wieder seetüchtig bekommen. Zuerst wurden mehrere Taue am Heck der Kogge befestigt. Mit Hilfe der Beiboote konnte nun das Heck seitlich in den Wind gedreht werden. Anschließend wurde das Vorsegel gesetzt, um auf diesem Wege seitlich von der Sandbank herunter zu rutschen. Nach einer knappen Stunde war dieses ungewöhnliche Manöver erfolgreich Abgeschlossen. Daraufhin wurde ein kleines Freudenfest veranstaltet, was aber wegen den Ereignissen der letzten Nacht sehr klein ausfiel. Am Nachmittag setzten wir die Segel und nahmen Kurs Richtung heligonisches Festland. (...)"
 

Erdbeben in Hochwalden

Sethnara, den 17. Tag der 2. Poëna
Voller Furcht schreckten die Bewohner der Provinz Hochwalden aus ihrem Schlaf, als in den frühen Morgenstunden die Erde unter ihren Füßen zu beben begann. Viele rannte schreiend nach draußen, flüchteten in Panik auf die Straße, damit sie nicht von ihren eigenen Häusern erschlagen werden. Die Erdstöße hatten jedoch eine geringe Stärke und waren nur von kurzer Dauer, so daß kaum irgendwelche Schäden zu vermelden waren. Hier und da war eine Fensterscheibe zu Bruch gegangen, ein Bild von der Wand gefallen. Der größte Schaden, welcher gemeldet wurde, war der Einsturz einer alten Holzscheune, welche jedoch aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr benutzt wurde. Gegen Mittag hatte sich die allgemeine Unruhe jedoch wieder gelegt und jeder ging seinem Tagesgeschäft nach.
 

Der Trommler

freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft Norrland-Brassach

Ein trauriges Jubiläum

Am siebzehnten Tage der zweiten Poëna im Jahre neunzig nach der Erleuchtung jährt sich nun mehr zum fünfundzwanzigsten Male ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Familie derer von Grauburg. Genau fünfundzwanzig Jahre sind ins Land gezogen, seitdem Felgor, Fridor und Desno von Grauburg, drei Mitglieder des regierenden Geschlechtes in Grauwiel, Verrat am Baron von Brassach übten und mit ihren Mannen in den Krieg gen Tarnam zogen. Das damalige Familienoberhaupt Fangard von Grauburg, ein treuer Vasall Baron Darons von Brassach, entdeckte den Verrat seiner beiden Brüder und seines Onkels rechtzeitig und stellte seine abtrünnigen Verwandten noch bevor diese das grauburger Lehen verlassen konnten. Am achtzehnten Tage der zweiten Poëna besiegte Fangard die Verräter in der ‚Feldschlacht von Einbrück'. Der Sieger trug Sorge dafür, daß keiner der Verräter den Kampf überlebte, um jeden Zweifel an der Loyalität der Grauburger auszuräumen und die Familienehre wieder herzustellen. Fangard, der danach dennoch selbstlos die volle Verantwortung für die Taten seiner Verwandten übernahm, trat noch am gleichen Tage zu Gunsten seines Sohnes Granward ab. Mit dieser Tat wollte er für den Baron von Brassach, seine Lehensnachbarn und auch für seine eigene Familie einen Neubeginn sichtbar machen. Vierundzwanzig Jahre lang stand das Geschlecht derer von Grauburg als Ritter und Herren der südlichsten Provinz der Baronie Brassach bedingungslos an der Seite des Barons von Brassach. Und als Hagen von Grauburg, der Enkel Fangards, am ersten Tag der zweiten Saarka neunundachtzig nach der Erleuchtung von Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach in den Stand eines Barons erhoben wurde, wurden die Grauburger für ihre jahrzehntelange Treue und Freundschaft belohnt und geehrt. 

In drei Monaten, genau am siebzehnten Tag des zweiten Helios neunzig nach der Erleuchtung, wird sich zum ersten Mal der Tag jähren, an dem die Markgräflichen mit dem Sturm und der Einnahme der Stadt Caronburg den Putsch Anholts von Brassach beendeten, der sich vier Monate zuvor gegen den rechtmäßigen Herrscher von Norrland-Brassach erhoben hatten. Auch in diesem Konflikt stand Grauburg, diesmal als Baronie, tapfer an der Seite des Rechts und wiederum floß grauburger Blut, um die von seiner Majestät Helos Aximistilius III. gegebene Ordnung aufrecht zu halten. Auch wenn dato noch nicht alle Verantwortlichen für diesen Umsturz gefaßt werden konnten, Anholt von Brassach und Berkan sind trotz eines hohen Kopfgeldes noch immer nicht dingfest gemacht worden, zeigt die Geschichte wohl, daß die Ländereien Norrland-Brassachs kein guter Spukort für das Gespenst "Verrat und Umsturz" sind. Zu stark sind hier wohl die Bande von Freundschaft und Loyalität.
 

Betiser Tribüne

Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks

Was sich schickt
-Fürst Waldemar
-Rebenhainer Hühner
-stabile Utzganscheiben
-Höchstpreis erzielende Tatzelfelser Gardisten
-Fünfsonnenhotels
Und was nicht
-Absprachen beim Wettessen
-ekle Würmer
-Niedrigstpreis erzielende Tatzelfelser Gardisten
-gottverdammte Bienenfresser
 

Stadtgespräch

Volle Straßen gab es bei der Ankunft Fürst Waldemars in Betis. Die Menge bereitete ihm ein feierliches Willkommen in der Stadt.
Musikliebhaber sind gespannt auf einen möglicherweise bevorstehenden Auftritt des Wunderkindes Bonifazio. Ort und Zeitpunkt sind allerdings noch nicht bekannt geworden.
Arl von Lagerfels kündigte an, die kommende Sommermode bestünde aus (wörtlich): "Einem Nichts , verfeinert mit Seide und Thaler Bärenfell." Die Modewelt diskutiert zur Zeit intensiv über diese Äußerung und deren Bedeutung.
Bürger des Monats 
Die Ehrung zum Bürger des Monats fiel in diesen Tagen auf Fürst Waldemar von Drachenhain. Da seine Durchlaucht unsere schöne Stadt mit einem solch erfreulich ausgedehnten Besuch beehrte und die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Betis und dem Fürstentum noch weiter augebaut wurden. 

Der Handelsprophet

Tageskurse
Aurazith
Met
Salz
Rindleder
Kreide
1 heligonische Unze
1 Flasche
1 kg
1 m2
1 kg
1 Dukaten und 6 Kreuzer
6 Kreuzer
1 Dukaten und 2 Kreuzer
7 Groschen und 8 Kreuzer
1 Groschen und 1 Kreuzer

Das Tatzelfelser Metfest war zumindest für die Honig und Metherstellende Wirtschaft ein voller Erfolg. Der gesteigerten Nachfrage entsprechend stieg der Metpreis an.
 

Gunst und Kunst

Was die Heligonier am liebsten hören
1(1)
2(10)
3(3)
4(-)
5(8)
6(2)
7(-)
8(4)
9(6)
10(7)
Findabair Spinnentöter (begleitet vom Emeranseeflottenchor) - "Pfefferinselreggae"
Wunderkind Bonifazio - "Oh, Du mein Einer"
Ostarische Utzgan-Nationalmannschaft - "Utzgan ist unser Leben!"
Heiser Hochanthen - "Hurra, Hurra, der Anselm der ist wieder da"
Die Wüstenlerchen - "Bärte"
Salah ben Anwar nur ed'Din - "Burai Breath"
Die Ödländlichen - "Shugalaga"
Pavo Rothner - "Scheiße in die hohle Hand"
Cestric van Kenn-Dallir - "Karr der Jäger"
Betiser Gassenpfeiffer - "Wir lieben die Frauen mit zweifelhaftem Ruf"

Drachenhainer Herold

"Slán leadh, Lhirmon Ard-Druidh!"

Luchnar trauert um Hochdruidh Lhirmon

Seit über einem Mond lag Lhirmon, Hochdruidh des Quét Deer, des Elements Erde bereits in schwerer Krankheit darnieder. Jung hat Poëna ihn bestellt zum Wächter zwischen Tartaruth und Sómniare, zwischen Dieswelt und Anderswelt und jung für einen Hochdruidh sandte sie nun Gwon, um ihn zu sich in ihren Garten zu holen. Eine Stätte im  Herzen Luchnars und eine Stätte im Herzen der Luchner bleiben verwaist.
Sein Leib wurde dem Land zurückgegeben, doch Lhirmon selbst wird unvergessen bleiben, denn das Vergessen ist der Tod der Toten. Singt von ihm an den Feuern, erzählt von ihm auf den Märkten, denkt an ihn in Wald, Heide und Hügeln. 
    Die Hochdruidh und Druidh für die Luchner

Bouchard Vergenthiel ist der Größte ...

Eines Tages ich weiß nicht mehr genau wann und wo das war, kam ein Mann zu mir an meinem Marktstand. Er stellte sich mir als Bouchard Vergenthiel vor. Ich wußte nicht, was ich von diesem Mann halten sollte, er hatte so einen verschlagenen Gesichtsausdruck. Er erzählte mir von der Verschwundenen Burg Talwacht, Karr, dem Hexenjäger und von Syria Jaldis, die er als "Hexenweib" bezeichnete. Auch sagte er etwas von einer Wette, die Karr mit dieser Hexe eingegangen sei. Es ginge darum, wer von beiden die verschwundene Burg Talwacht als erstes finde. Er fragte mich, ob ich nicht dabei behilflich sein wolle, Karr zu unterstützen. Ich fragte Bouchard, was für mich dabei herausspringe. Ich bekam sogleich die trockene Antwort : "Unfälle passieren, Stände gehen in Flammen auf ...".
So kam es dazu, daß ich, zusammen mit anderen "Bouchard-Händlern", auf dem Markttag in Tatzelfels meinen Stand eröffnete. Bouchard hatte sich um alles gekümmert - er hatte die Standgebühr bezahlt, für unsere Bewaffnung gesorgt und er hatte den Marktleiter Albin Johach entführen lassen, um an seiner Stelle den Markt in seinem Sinne zu leiten. Bouchard machte seine Sache wirklich ausgezeichnet, besser als er Karr jemals hätte tun können. Einmal sagte er selber zu uns : "Karr ist eigentlich ein Schwächling ! Er sitzt nur herum und hofft, das Talwacht ihm in den Schoß fällt. Doch ich bin ein Mann der Tat. Zusammen mit euch werde ich Syria Jaldis der Hexerei überführen und einen Großen Sieg erringen !"
Leider kam es nicht zu unserem erhofften Sieg. Als Bouchard mutig vor sie trat und sie öffentlich der Hexerei anklagte, versteckte sich das feige Weib hinter ihrer Leibgarde. "Wieso versteckst du Dich, du Hexe ?" rief ihr Bouchard entgegen. "Karr ist zu schwach, um sich mit Dir zu messen, aber ich bin stark. Ich, Bouchard Vergenthiel, werde es mit dir Aufnehmen, du Hexenweib. Ich werde einen großen Sieg erringen und Dich als der schwarzen Magie überführen. Karr legt nur die Hände in den Schoß, doch ich werde Dich nicht davonkommen lassen." Als Syria Jaldis es nicht für nötig hielt, sich zu rechtfertigen, ergriff Bouchard die Initiative : "Dann eben mit Gewalt." So kam es zu einer erbitterten Schlacht, bei der viele von Bouchards Anhängern ihr Leben ließen. Nur wenige, darunter auch ich, konnten eine Möglichkeit zu Flucht ergreifen, um unsere Haut zu retten.
Karr, wenn Ihr das hier lest, so seid Euch gewiß : Auch wenn Bouchard Vergenthiel keinen Auftrag von Euch hatte, so ist er dennoch für Euch gestorben.
Anonym

Das Tatzelfelser Methfest - Manfreda und die falschen Händler

Von den denkwürdigen Begebenheiten, die auf Rabenhag anlässlich des großen Tatzelfelser Methfestes vonstatten gingen, davon mag nun am besten jemand künden, der selbst dabei gewesen ist: Manfreda Grieskrämer, Handelsfrau aus Beridheim. Ihre Angaben sollen uns als Augenzeugenbericht dienen. Von ihrem erlittenen Schaden und wie es wundersam weiterging, will sie Euch nun berichten. 
"Mein Name ist Manfreda Grieskrämer, seit genau fünf Jahren leite ich nun das große und allseits bekannte Handelshaus "Grieskrämers Allerley" (Beridheim: nah am Paigorbrunnen - nicht zu verfehlen!) in unserer schönen Hauptstadt Beridheim. Und seit dieser Zeit besuche ich nun das große Tatzelfelser Methfest. Doch was heuer auf dem Markte geschah, habe ich in all den Jahren nicht erlebt und soll deshalb nicht verschwiegen werden! Der eine oder andere mag mich gesehen haben, grün und blau geschlagen, mit zerrissenem Rock, dass ich überhaupt leibhaftig beim Feste ankam und nun auch diesen Bericht abgeben kann, das habe ich einzig und allein dem jungen Ritter Arandis von Schwarzensteyn zu verdanken, jawohl! Doch will ich von Vorn beginnen: Wie jedes Jahr machte ich mich auch heuer frohgemut auf, meine Waren zum Markt des Methfestes zu tragen und dort zur Freude aller feilzubieten. Das ganze Jahr hatte ich bereits auf diese frohen Tage hingearbeitet. Habe mir weder Rast noch Ruhe gegönnt, bis alles beisammen und fertiggestellt war. So machte ich mich also, heiter und beschwingt, auf den Weg. 
Seit jeher treffe ich mich dort auf dem Markte mit meiner Base Hilda Laubenbusch, die wie ich, allerdings in Lukanor, einen Laden samt Kontor betreibt ("Hilda Labenbuschs Nutzwerk aus Holz und Ton", Luckanor: Ecke Südtor, ebenfalls nicht zu verfehlen!). Es war bereits sehr spät, als ich endlich mit meinem Karren in die Nähe der Burg kam, und so eilte ich mich. In der Ferne konnte ich schon die Fackeln der Torwachen sehen, als ich im Dunkeln neben mir am Wegesrand sechs bis acht Gestalten kauern sah. Als die Gruppe meiner gewahr wurde, kamen sie auf mich zu. Ich sah bald, dass sie verhüllt waren. Bedrohlich bauten sich einige Männer sich vor mir auf und befahlen mir still zu bleiben, während andere meine Waren begutachteten. Mir war von Anfang an bewusst, dass es sich hierbei nicht um eine Kontrolle der Tatzelfelser Wachen handelte - die sind viel netter - sondern um einen schmutzigen Überfall. Dies wurde umso deutlicher, als einer am Wagen, nachdem er alles durchstöbert hatte, den anderen zurief: "Honigwaren und Wachslichter hier. Den Krempel nehmen wir, das ist perfekt!" Das war doch wohl eine bodenlose Frechheit! Meine guten Waren Krempel? Da hatten sich die Herrschaften mit der Falschen angelegt, denn wie es meine Gewohnheit ist, verberge ich stets einen Dolch unter meinen Röcken, den ich nun just, den Herren entgegen hielt. Ich befahl ihnen sich schleunigst aus dem Staube zu machen, doch bin ich leider kein Mann und noch weniger Soldat und so geschah schneller noch, als ich schauen konnte, dass sich eines meiner "Opfer" schnellen Schrittes außer Reichweite meines Hiebes gebracht hatte, mich im nächsten Moment am Handgelenk packte und mir die Hand so lange drehte, bis die Waffe darin, gefahrlos auf den Boden fiel. Hernach schlugen die Männer auf mich ein, so dass ich Sternlein sah. Bestimmt hätten sie mich zu Tode geprügelt, doch wie aus dem Nichts, vernahm ich auf einmal das Schlagen von Pferdehufen, das sich stetig näherte. Ich erkannte die Gelegenheit und schrie aus Leibeskräften um Hilfe. Nur ein kurzer Schrei gelang mir, dann hielt man mir den Mund zu. Doch den Göttern Lob und Preis, hatte dieser flüchtige Laut ausgereicht, um den wachen Reiter aufzuschrecken und stutzig zu machen. Kurze Zeit verging, in der kaum ein Laut an unser Ohr trat und dann kam hoch zu Ross, mit wütendem Gesicht und gezogenem Schwert dieser Ritter über meine Peiniger. Er schrie zornentbrannt den Räubern entgegen sie sollten mich in Frieden lassen, wenn sie nicht sein Schwert spüren wollten. Dieses hatten die feigen Hunde wohl nicht im Sinn, denn sie verschwanden hastig im Dickicht. Ich war gerettet. Ich sah mich um, doch leider war nirgends mein Karren zu sehen, wahrscheinlich hatten die Gauner ihn schon fortgebracht "Sei`s drum" dachte ich mir, "Hauptsache, dein Leben ist gerettet" und so dankte ich dem fremden Reiter. Ich muss schlimm ausgesehen haben, jedenfalls senkte sich dieser zu mir herunter, er strich mir den Schmutz aus den Haaren und da geschah es: gleich einem dunklen Blitz schnellte aus der Dunkelheit ein Bolzen in den Körper meines Retters und blieb dort stecken. "Verdammte Hunde!" entfuhr es ihm - dies stellte wohl den Abschiedsgruß der Lumpen dar. Bevor noch mehr Bolzen geflogen kamen, hob mich der Kämpe schnell in seinen Sattel und wir ritten in hoher Geschwindigkeit zur Burg, wo ich, trotz aller Widrigkeiten, dennoch die nächsten Tage verbringen wollte. Schließlich hatte ich doch meiner Base mein Kommen versprochen und so suchte ich sie, um eben ihr beim morgigen Verkauf der Waren behilflich zu sein. In tiefer Dankbarkeit verabschiedete ich mich sodann von meinem Retter, dessen Namen, wie ich jetzt erfuhr, Ritter Arandis von Schwarzensteyn lautet. Noch einmal bedankte ich mich für seine selbstlose Tat - ohne ihn wäre es mir wahrlich schlimm ergangen! 
Ritter Arandis erstattete dem Herrn der Burg, seiner Hochwohlgeboren, Vogt Leonidas von Distelwiel, schnellen Bericht. Der Vogt sandte sofort eine große Zahl Mannen aus, um meines schönen Karrens samt Räuber habhaft zu werden, doch wie sich später herausstellen sollte, natürlich umsonst. Es war, als habe der Erdboden sie verschluckt, und so kamen die Suchenden bald wieder zurück. Wer hätte damals wissen können, dass die Halunken gar nicht weit entfernt waren? 
Glücklicherweise traf ich bald darauf meine Base Hilda, die entsetzt meinem Bericht lauschte, jedoch hocherfreut über mein Angebot zur Hilfe war: "Na, dann hat die Sache wenigstens ein Gutes!" sagte sie...
Am Abend saßen wir dann noch mit den anderen Marktbeschickern in der Taverne beisammen, eigentlich wollten wir alte Freunde treffen, doch erstaunt stellten wir fest, dass wir nur eine Handvoll kannten und die anderen scheinbar mit uns nur wenig zu tun haben wollen. Also verließen wir bald die Taverne, denn erstmals wurde ein Theaterstück zum besten gegeben. Es handelte sich um eine Komödie über diese Wette ihrer Hochgeboren Prinzessin Syria Jaldis von Drachenhain und diesem Karr dem Jäger, den ich bereits damals - vor all dem - verabscheute. Das treffliche Stück erwies sich als äußerst kurzweilig und spaßhaft, was mich des öfteren zum lauten Lachen anregte und mich mein Leid vergessen ließ. Bald nach dem Ende des Stückes gingen Hilda und ich zu Bett, der nächste Tag versprach anstrengend zu werden. Wir standen mit den anderen Händlern recht früh auf und kümmerten uns um unseren Stand. Bald darauf kamen auch die ersten Kunden herbei. Bei den Göttern, was hätte ich heuer für ein Geschäft gemacht, aus aller Herren Länder waren die Menschen angereist. Und so klingelte nur Hildas Kassen. Nachdem uns die ogedischen Handelsschwüre abgenommen wurden, nutzte ich ab und an die Zeit und verließ die geschäftige Base, um nachzuschauen, was denn die anderen Händler so anpriesen. Da sah ich einen Rüstschmied, Kräuterhändler, Lederwaren, Schmuckstände, gar einen Stand Rauchwaren aus Darbor, die Hirschenauer Vogelfänger mit einem Schießstand und vieles vieles mehr. Umrahmt wurde der Markt von den traditionellen Wettkämpfen, wie der Eremitenmarkt, dem Utzganturnier, einem Wettessen, dem Silberner Stich, der Wahl der Methkönigin und auch dem Freibitten. Als ich dann gegen Mittag die hinteren Stände besah, hätte es mir beinahe den Atem verschlagen, denn was glaubt ihr musste ich dort sehen? Frech wie ein Darianer bot da einer meine gestohlenen Waren an und grinste mich unverschämt an, als er mich staunen sah. Natürlich machte ich meinem Ärger sofort Luft, was einige umstehende Reisende wohl hörten und mich darauf höchst interessiert ansprachen. Auch dem Marktaufseher berichtete ich von meinen Beobachtungen, aber zu meinem Ärger ließ ihn das vollkommen unberührt! Daraufhin setzte ich mich verärgert in die Taverne und schluckte meinen Zorn mit reichlich Meth hinunter. Der Tag plätscherte dann so vor sich hin und es begann zu Dunkeln - es scherte mich nicht. Später, noch nicht ganz mit der Welt versöhnt, wollte ich mich wieder zu Hilda gesellen. Doch was sah ich im Burghof? Eine Schar Bewaffneter hatte sich um Vogt Leonidas und einer mir Unbekannten (später erfuhr ich, dass es sich um Prinzessin Syria Jaldis höchstpersönlich handelte) gruppiert um diese vor dem Marktaufseher und einiger bewaffneter Schergen zu beschützen. Ich verstand nun gar nichts mehr und musste mich erst einmal setzten. So hörte ich den Marktaufseher wie wild schreien und schimpfen. Den Inhalt möchte ich hier lieber nicht wiedergeben, aber es waren schlimme Worte, die sich meist gegen die Prinzessin richteten. Er schimpfte sie eine Hexe und wolle sie brennen sehen! Kann man sich so etwas vorstellen? Was dann geschah, raubte mir wahrhaftig den Atem. In seinem offensichtlichen Wahnsinn schoss der Marktaufseher einen Bolzen auf ihre Hochgeboren ab, der allerdings geistesgegenwärtig von einem tapferen Recken mittels eines Schildes abgefangen wurde. Dies sollte das Signal zum Angriff sein. Jetzt endlich wurde mir klar, wer diese vielen fremden Marktleute gewesen waren. Sie alle erhoben nun die Schwerter gegen die Herrschaften der Burg - es steckte also ein Plan dahinter! Sie alle waren unter der Maskerade Händler zu sein, in böser Absicht in die Burg geschmuggelt worden - hat es so etwas schon einmal gegeben? Es war ein kurzer, aber übler Kampf. Kaum einer der falschen Händler überlebte und die wenigen, die davonkamen wurden sogleich abgeführt. 
Wahrlich, so hatte ich mir den Markt heuer nicht vorgestellt, nur gut, wenn wir das nächste mal wieder in Hundertsingen feiern, da wo der Markt hingehört, jawohl!" 
 

Fürst Waldemar folgt Einladung zum Staatsbesuch nach Betis

Seine Durchlaucht, Fürst Waldemar von Drachenhain, haben offensichtlich am Reisen durch die heligonischen Lande Geschmack gefunden. So ging der Fürst nach der Markgrafschaft Norrland-Brassach, nun auf direktem Wege einer Einladung gen Betis nach. Nach beschwerlicher Fahrt, erreichte seine Durchlaucht die freie Reichsstadt am späten Abend. Dennoch führte Fürst Waldemar - nach einer kurzen erholsamen Ruhepause - sogleich hinter verschlossener Tür intensive Gespräche mit dem Dogen. Es heißt, engere wirtschaftliche Zusammenarbeit und wohl auch die Rolle der Templer von Ankur am Brazach, sollen Themen gewesen sein. Tatsächlich war seine Durchlaucht beim nächsttätigen Empfang voll der Ruhmesworte ob des ceridischen Ordens. 
Was bei diesem Treffen jedoch tatsächlich gesprochen wurde, darüber wurde von beide Seiten Stillschweigen gewahrt. Seine Durchlaucht logieren für die Dauer seines Aufenthalts, man spricht von mindestens einem Mond, im Drachenhainer Stadthaus. Die Regierung des Fürstenhauses übergab seine Durchlaucht für die Zeit seiner Absenz seinem Sohn Prinz Leomar. 
Gerüchten zufolge würde Fürst Waldemar gerne noch weitere Länder des Königreiches, beispielsweise die Freigrafschaft Sedomee, bereisen. 
Drachenhainer Hofchronist, Schillwunk "die Feder" Radeweyd

Neuer Stern am Heliporn-Himmel

Schon lang hat das Heliporn einen Schreiber gesucht, wo den dunklen Löchern der Lust nochn bißchen mehr Ruch und Saft verleiht. Der Meister ist jetzt gefunden, n echter Recke der Blut&Hoden-Idiologie. Er erfüllt alle Wünsche, von stramm: "einfach zusehen, wie Mitmenschen in seiner Nähe gequält und gefoltert werden" bis zart: "ihre wippenden, üppigen Brüste, die runden gespreizten Schenkel mit der Verlockung des weichen, behaarten Hügels der Scham dazwischen..." 
Man merkt gleich, da weiß einer aus ganz vielfacher Anschauung, was da für Spangen prangen. Und aus gleich vielfacher Anfühlung weiß er auch, wohin der Brüder Stangen drangen: "merke ich schon wieder, wie der Stachel in mir wächst und anschwillt, daß ich kaum noch meine Hand dazu bewegen kann, diese Worte zu beenden..." So muß ein Lustschreiber sein: bringt seine Ergüsse und die von andern direkt aufs Pergament. 
Nur eine, eigentlich die einfachste Übung hat er scheints noch nicht gelernt: "Schweiß steht schon auf meiner Stirn bei dem Gedanken, was ich tun soll, da ich diese Feder niederlege, denn dann hat meine Hand nichts mehr, woran sie sich festhalten kann." Warum an den fernen Schweifen?  Sieh, das Gute hängt so nah!
Aber das lernt er sicher noch beim Heliporn, der Bruder Salbfried aus Hirschenau, wo noch so manchen friedlich salben wird, allerdings nicht
Halfnet, wo sich fragt, wer eigentlich im Nonnenstift die Beichte abnimmt

Herzögliche Ostarische Hofgazette

Erste Ergebnisse bei der "Pruzzenausgrabung"

Nun endlich ist es soweit: Der Forschungskreis für Altheligonische Völkerschaften veröffentlichte den ersten Zwischenbericht über den bisherigen Verlauf und die Ergebnisse der Grabung "Dombauinsel".  Dieser ist ab jetzt für alle interessierten Gelehrten in der Universität zu Escandra zugängig. Zusammenfassend sei zu sagen, daß die Archäologen, nachdem sie das Fundament der Bauruine abgetragen hatten, auf einige Mauerreste stießen - wohl die Überreste eines Wohnhauses. Weiterhin fanden sich dort einige Metallartefakte (Axtblatt, Trinkhornbeschläge, Schmuck), die eindeutig dem pruzzischen Kulturkreis zugeordnet werden können. Weiterhin interessant dürften die Überreste eines Walls zum heligonischen Jolbornufer hin sein. Die Tatsache, daß sich an den anderen Inselufern keine dementsprechende Struktur auffinden läßt, legt die Schlußfolgerung nahe, bei der Dombauinsel habe es sich ursprünglich um eine Halbinsel gehandelt, welche später durch den Jolborn vom Festland abgetrennt wurde. In diesem Falle hätte der Wall als "Schildmauer" die Siedlung gegen Angriffe vom Land her geschützt. Das meiste ist allerdings noch ungeklärt: Handelte es sich bei der Siedlung um eine Burg, einen Handelsposten oder um einen Wehrbauernhof? Waren die Bewohner tatsächlich Pruzzen oder entstammten sie einem Volk, welches lediglich Handelsbeziehungen zu den Pruzzen hatte? Auch über das Alter der Fundstücke ist man sich noch nicht im Klaren, jedoch wurden einige Fundstücke an den Nexus Corenae weitergegeben, wo bereits an einer Methode zur genauen Datierung gearbeitet wird. Viel Interessantes wird wohl in Zukunft noch zum Vorschein kommen. So wird spekuliert, daß man in Bälde auf einen Hafen und eine Kultstätte stoßen könnte. Wir werden in jedem Falle von Neuigkeiten berichten.
 

Papyros des Südens

Sedomeesische Neuigkeiten

Der dritte Dieb bekennt seine Schuld

Einer der Schurken, die Jalamanras Katzentempel schändeten, ist zurückgekehrt an den Ort seiner Tat. Unter heißen Tränen bekannte er, aus Armut der Verlockung, nie wieder hungern zu müssen, nachgegeben zu haben. Doch das Schicksal seiner Genossen brachte ihn zur Einsicht, daß er zu hoch gegriffen hat, daß er sich mit dem Eigentum der Göttin selbst eingelassen hat. Aus Darian gebürtig, konnte er in dessen unterentwickelten Küstenlandstrichen sein Leben nur durch kärglichen Fischfang fristen, die Sorgen um den nächsten Tag stets im  eigenen Magen spürend. Wir unterwarfen ihn Poënas Probe im Tempel der Mondkatze selbst. Und die Göttin entschied, daß seine Reue ehrlich ist, daß er leben soll und ihr dienen für einen Mond und ein Jahr und nach dieser Zeit wird sie entscheiden, ob er fähig ist,  treu zu dienen und würdig, auch den Rest seines Lebens im schönen Sedomee zu verbringen.
Der vierte und letzte Übeltäter, ein Ceride, langjähriger Halunke und Erzbetrüger aber ist verstockt und will anscheinend versuchen, die Mondkatze in Betis, Jolbruck oder Escandra zu verkaufen . So ist denn dahin seine letzte Möglichkeit, Gnade zu erlangen. Wehe ihm - wehe aber auch jedem, der das Kleinod kaufen will, denn auch ihm ist der Zorn der Göttin gewiß!
 

Der Tanzbär

Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias

"Wo kommst du her ?"
"Aus einem Kaff."
"Aus einem Kaff ?"
"Aus einem Kaff !"

"Es ist nichts los,
es geht nichts ab.
Es gibt einen Bäcker,
einen Krämer,
ein Wirtshaus.
Einen kleinen Fluß,
in dem sich Fische tummeln.
Die Postkutsche kommt einmal in der Woche.
Kein Theater,
keine Universität,
nichts."

"Wo kommst du her ?"
"Aus einem Kaff."
"Aus einem Kaff."
"Aus einem Kaff ?"

"Gibt es einen Ort auf dieser Welt,
den du besser kennst als diesen ?
Gibt es eine Straße auf dieser Welt,
die dir vertrauter ist als diese ?
Gibt es ein Haus auf dieser Welt,
in das du so oft zurückkehren wirst,
wie in dieses ?"

"Ja, es ist ein Kaff.
Aber dafür ist es MEINS !!!"

- Loki -

Nicht an, sondern für Baron Krator von Rebenhain

Geschätzter Herr von Rebenhain,
Hochwohlgeborener Baron,
Ihr wolltet von mir einen Reim,
Nun wohlan, hier ist er schon.

Hab ich Euch so sehr verletzt,
Daß Ihr schon das Messer wetzt?
Nicht würdig ist Euch dieser Ton - 
Verzeiht diesen Tadel am Anfang schon.

Und ich erinnere mich zu keiner Stunde,
Daß wir wären in solch trautem Bunde,
Daß zu solch vertrautem Du
Stünde Euch das Recht schon zu!

Im Zorne sehe ich entflammt
Was in Euch edel ist und gut.
Doch fürchte ich, daß Ihr Euch selbst ins Herze rammt
Was Euch so wehe tut.

Ich weiß, Ihr seid ein Mann von schnellem Zorn
Und dieser ist womöglich Eurer Kräfte Born.
Doch ein Unrecht Wort, im Zorn geschrieen
Ist nicht allzu leicht verziehen.

Doch sorgt Euch nicht, ich bin nicht böse
Und gebe zu, ich gab mir diese Blöße
Aus demselben Grund heraus
Wie Ihr jetzt schrieet in die Welt hinaus.

Im Zorne war auch ich entbrannt,
Ob der Dinge im Drachenhainer Land.
Ihr kennt mich und wißt, ich kann es nicht haben
Wenn Unrecht und Dummheit an denen sich laben,

die ich ins Herz geschlossen habe - 
und an deren Leid ich ebenso trage.
Und sieht man nicht schon der Götter Schluß,
Wenn die heilige Flamme verlöschen muß?

Ich will mich Euch ein wenig erklären
Um zu mildern des Zornes zehrende Schwären,
doch glaubt mir, ob Verse oder nicht - 
das ändert meine Meinung nicht.

Es ist der Barden verbürgte Freiheit,
Die sie sagen läßt zu jeder Zeit
Was sie denken und was sie wollen - 
Und andere ihrer Meinung nach sollen.

In diesem Sinne nahm ich mein Recht
Zu sagen, was da geschah, war schlecht.
Vielleicht fand ich die falschen Worte
In meines Zornes finstrem Horte.

Und wir kenne uns schon lange
Haben Seit an Seit gekämpft im Waffengange.
Mußten gegen gemeinsame Feinde bestehn
Sollte das um eines Wortes willen vergehn?

Natürlich war ich nicht dabei
Bei Beratung mancherlei.
Doch schien es mir - ich mag mich irren - 
Dies alle nur mehr zu verwirren.

Und niemals, Krator, wiederum,
Bezeichne ich Euch je als dumm!
Und noch dazu muß ich Euch loben,
denn Ihr allein habt Euch erhoben

um Eure Meinung kundzutun
Dies festiget nur Euren Ruhm!
Ach, wenn nur dieser Ton nicht wäre!
So gar nicht Euer Stil und Ehre!

Es ist mir gleich, wer was im Boten schreibt.
Und gleich ist mir, wer im Verborgnen Untat treibt.
Doch füllt mich Zorn und Traurigkeit,
Wenn ich den Scherben seh, der bleibt.

Denn wer hat irgendwas gewonnen?
Wohl ist der Krieg zu nichts zerronnen,
Doch es sind Tote zu beklagen,
Wer könnte da zu schweigen wagen?

Was mich unendlich traurig macht,
ist der Zerfall der alten Macht
Von Edelmut und Heldentum,
Glaubt mir, das treibt mich täglich um!

Und hätt ich nicht noch Freunde dort
An bald jedem Drachenhainer Ort,
Könnte es doch gleich mir sein
Und schlimmer nicht als saurer  Wein.

Doch ist es so, ich sag es frei,
Ich sorge mich um mancherlei
Und nicht zuletzt um alle jene
Die ich in Gefahren wähne.

Und Gefahr für Leib und Leben
War in Drachenhain gegeben
Auch für Euer Leben, Krator,
Und das wißt Ihr, denn Ihr seid kein Tor!

Und wofür? Für weniger als nichts!
Und was sagt Ihr angesichts
Jenes klaren Götterzeichens?
Wollt Ihr denen auch nicht weichen?

Mag sein, ich trag mein Herz stets auf der Zunge.
Mag sein, ich schrei mit lauter Lunge.
Mag sein, ich bin ein dummes Huhn
Und trotzdem würd ich's wieder tun.

Ich hab mich nicht verändert, bin nicht tot
Doch leid ich unter andrer Leute Not.
Noch vielmehr, wenn sie Freunde sind.
Ist es das, was Ihr so schrecklich findt?

Wohlan, wenn ich Euch gekränkt, verletzt,
Und Ihr nach meinem Blute lechzt,
dann sollt Ihrs haben,
Wenn Ihr Euch daran freuen könnt und laben.

Ist's Euer Wunsch, so komme ich nach Rebenhein
Und Ihr schlagt mit dem Schwerte drein.
Mein Wunsch ist's nicht, ich zöge Frieden und auch Freundschaft vor.
Doch wenn Ihr wollt, dann nehmt das Blut von einem ruhelosen Tor!

Dann mögt als weitres Opfer dieses Krieges
Marvenna Ihr beklagen.
Und Euer sei der Ruhm des Sieges
Ihr werdet es in Eurem Namen tragen

Daß Ihr die Schmach gerächt, an Drachenhain begangen
Und um des freien Wortes Willen
Jene getötet habt, an deren Liedern Ihr gehangen
Für Euch allein und ganz im Stillen.

Euer Herz ist es, das Ihr zerreißt
Nicht meines, das Gerechtigkeit nur weiß.
Einst kämpften wir um Sängers Ruhm-
Erinnert Euch, Ihr zeigtet wahres Bardentum.

Doch sag ich Euch: Mein Leben nicht und auch mein Tod
Kann verändern jene Not
Um deretwillen jedes Wort ich schrieb
Ich schleiche nicht von dannen wie bei Nacht ein Dieb.

Wenn Ihr mich tötet, Herr von Rebenhain
Dann müßt Ihr es künftig sein,
Der den Schwachen spricht das Recht
Denn sonst wär mein Opfer schlecht!

Marvenna

Termine

21.07. - 23.07.00  Helicon 15 - Zeltcon am Karlsbrunnen
06.10. - 08.10.00  Helicon 16 - Gelehrtenkonvent auf Schloß Ebersberg
12.01. - 14.01.01   5. Heligonischer Adelstag auf Burg Wernfels 
23.03. - 25.03.01  Helicon 17 (Burg Wildenstein)



© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés & Marc Hermann

Berichte von Guido Brand, Arnulf Breuer, Ulrike Clauss, Julia Fischer, Henning Frank, Tobias M., Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Amdreas Riedlinger,  Markus Spree
 

Letzte Nachrichten 

Beilage zum Helios-Boten 33
Da uns, kurz nachdem der Bote fertiggestellt war, noch einige Artikel erreicht hatten, wurde kurzerhand beschlossen, ein Zusatzblatt dem Boten beizufügen, um den Lesern die Berichte nicht vorzuenthalten. Dies soll jedoch nicht zur Gewohnheit werden und wir bitten daher, Botenberichte immer möglichst frühzeitig uns zuzusenden, sodaß uns genug Zeit bleibt, die Boten in unserer Schreibstube vervielfältigen zu lassen. Berichte von Arnulf Breuer, Petra Jörns, Heike Kettner und Andreas Hils.
 

Luchnar: Alfar auf Hautzensteyn

Vor zwei Monden waren die Berichte über zunehmende Aktivität von Wesen aus der Anderswelt rund um die Feste Hautzensteyn nur wenig mehr als Gerüchte. Inzwischen muß aber von einem echten Leck in den Weltgrenzen ausgegangen werden. Alfar wurde nicht nur in den Wäldern, sondern sogar im Speisesaal der Feste gesehen; Nachtalben fliegen über die Türme der Feste, Dryaden haben sich gar durchreisenden Tiefländern gezeigt. Die Druidh arbeiten fieberhaft an der Klärung des Problems, auch ihre Anwesenheitsrate auf Hautzensteyn ist sprunghaft angestiegen... Gegen ihren Rat ist Baron Koldewaiht von Hautzensteyn zu  einem Kurzbesuch nach Anthan aufgebrochen, wo er sich allerdings nur zwei Tage aufhalten will. Zum Glück nahm die Unruhe zwischen den Welten nach seiner Abreise nicht zu. In den letzten Tagen ist eher ein wenig Ruhe eingekehrt.
 

Drachenhain

Lieber Bruder!
Nachdem ich euch alle verlassen habe, um auf Abenteuer zu gehen, wollte ich mich mal bei euch melden, damit ihr wisst, dass es mir gut geht. Ich war die Tage auf dem Methfest in der Baronie Tatzelfels. Und ob du es glaubst oder nicht, ich habe meinen ersten Kampf hinter mich gebracht und habe mich gar ruhmreich geschlagen. Aber ich will es dir der Reihe nach erzählen.
Als ich am Freitag Abend auf Burg Rabenhag ankam, wo die Feierlichkeiten stattfanden, war Vogt Leonidas von Rabenweil gerade dabei, Gäste anzuwerben als Hüter der Flamme. Vielleicht kennst du den Brauch ja nicht, deshalb will ich ihn dir schnell erklären. Baron Leomar hat ihn wieder eingeführt. Es geht darum, dass außerhalb der Burg zu Beginn der Feierlichkeiten ein Feuer entzündet und von ogedischen Geweihten gesegnet wird. Solange die Feierlichkeiten am Laufen sind, darf dieses Feuer nicht erlöschen.
Ich überlegte gerade, ob ich mich den Hütern der Flamme anschließen wollte, müde von dem langen Tagesmarsch wollte ich keine rechte Lust dazu empfinden, als mich der Vogt ansprach. Leonidas selbst! Was sagst du nun? Ob ein so prächtiger junger Mann wie ich denn nicht Lust hätte, sich diesem Brauch anzuschließen. Das hat er mich gefragt. Konnte ich da noch nein sagen? Sicher nicht.
So saß ich also wenig später mit vielen anderen draußen am Feuer und wartete darauf, dass die Nacht vorüberging. Bruder, ich sage dir, eine Nacht kann verdammt lange werden, wenn du sie durchwachen musst. Insbesondere wenn deine Füße schmerzen vom Marsch, wenn dein Kopf umnebelt ist vom Starkbier und du dir nichts sehnlicher wünscht als ein Bett. Ich muss nicht erwähnen, dass die ersten Hüter schon recht bald aufgaben und sich in die Burg verzogen. Wenn auch die Zurückbleibenden mit Fortschreiten der nacht den Weichenden sehnsüchtig hinterher sahen, so blieben doch einige unentwegte übrig. Und ich war dabei!
Mir wollten schon die Augen zufallen, trotz der unbequemen Lage, als plötzlich ein Mann auftauchte und fragte, ob es sich wohl zu uns gesellen dürfe. Natürlich haben wir ihm die Bitte gewährt. Aber der Kerl saß kaum bei uns, als er auch schon begann, uns alle der Reihe nach madig zu machen. Er schimpfte auf die Feier, auf den Vogt und den Baron. Insgesamt war er so unverschämt, dass wir ihn schließlich baten zu gehen. Da wagte er sogar, uns zu drohen, der unverschämte Wicht! Wir würden dies noch bereuen.
Wir hatten den unangenehmen Gast gerade verdaut, als wir den Hilferuf einer Frau vernahmen. Sofort eilten ein paar der Hüter der Flamme in die Nacht, um der Unbekannten beizustehen. Doch sie waren kaum gegangen, als wir überfallen wurden. Acht bis zehn Männer griffen uns wenigen Verbliebenen an und trachteten danach, die Flammen auszutreten. Fast hätten sie es auch geschafft, als unsere geleimten Kameraden zurückkehrten und uns beistanden.
Bruder, du hättest es erleben sollen. Der Kampf wogte hin und her. Keinen Fuß Boden gaben wir kampflos preis. Das Schwert unseres Vaters sang nur so in meinen Händen. Ich habe gekämpft wie ein Löwe. Du wärst stolz auf mich gewesen. Warte nur ein Weilchen, dann werden die Barden Lieder über mich singen. Jedenfalls haben wir sie alle überwältigt. Einer nach dem anderen fielen sie unter unseren Waffen, und das Feuer war gerettet.
Ach, immer wenn ich an diesen Moment zurückdenke, an die Erschöpfung und den Stolz, dann weiß ich, dass dies nicht mein letzter Kampf gewesen sein wird. Ich bin zu höherem berufen. Glaub es mir! Du wirst schon sehen, oder besser davon hören, wenn die Barden ihre ersten Lieder über mich singen.
Ich wünsche euch alles Gute! Grüß Mutter von mir und sag ihr, sie braucht sich keine Sorgen um mich zu machen und dass der Mantel warm genug ist, so dass ich auch sicherlich keinen Schnupfen bekommen werde.
Es grüsst dich!
Dein Hendric
 

Neues aus Dunkelstein

Die Ziegenhirtin Lene Wiesenblum aus Finsterdorf, Arnach gab Ende des dritten Wintermonats im Jahr 90 nach der Erleuchtung in der Stadtschreiberei Dunkelnau folgendes zu Protokoll:

"Es war um die ärgste Winterzeit, da habe ich die Ziegenherde in die Stadt hinuntertreiben müssen, weil der Schnee, der ist ja heuer bis ins Tal heruntergekommen, und da hatte ich Angst, daß mir die Ziegen erfrieren, wissen Sie, die gehören ja nicht mir, sondern den Bauern von Finsterdorf und wenn mir so ein Stück stirbt, dann bin ich das dem Bauern schuldig und das wäre furchtbar, weil, wissen Sie, ich bin ja nur eine einfache Frau und ich kann nicht so einfach eine Ziege ersetzen. Ja, und mittags, als ich mit der Herde am Berge Golinat vorbeikomme, wissen Sie, wo die Burg Niederwerrn steht, oder stand, und da, wo auch die Herren von der Niederwerrner Garde sind, oder waren, da wurde es ganz schlimm mit dem Schneien und ich hatte wirklich Angst, daß mir ein Stück Vieh erfriert bei dem Wintersturm, aber was glauben Sie, nicht genug damit, es hat auch noch geblitzt und gedonnert, so daß ich geglaubt habe, das Totenheer sei hinter mir her und mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Zum Abend hin wurde es dann aber besser mit dem Wetter und ich konnte mit den Ziegen weiter ins Tal hinunter. Dem Einen zum Dank durfte ich mit meinen Ziegen bei Verwandten in Dunkelnau die Nacht im Stall verbringen.
Tags darauf war es dann wieder warm und sonnig und ich konnte mit der Herde wieder hinauf und zur anderen Seite des Bergs Golinat, wo ich meine Kate habe, die gehört eigentlich meinen Verwandten in Dunkelnau, wissen sie, aber ich darf sie benutzen, wenn ich im Frühjahr und Herbst ein rechtes Stück Käse und jeden Winter ein Hühnchen aufbringe, ja, und bei der Kate, da hat es gute Weiden, und das ist ja auch nicht weit von der Stadt und nicht weit von Finsterdorf, und wissen Sie, es wird ja auch selten so kalt im Winter und das war noch nie so in meinem ganzen Leben nicht, weil die Berge halten ja den Winter und den Schnee und alles von uns ab aber heuer haben sie das nicht und deswegen heißt es bei uns einfachem Volk auch, daß es ein Zeichen des Einen war mit dem Schnee, und sowieso, wenn es im Winter gewittert, und auch schneit, dann ist es das sicherlich, aber jetzt geben Sie Obacht, was ich entdeckt habe! Es ist ja nun wieder wärmer und ich steige mit den Ziegen im Frühjahr manchmal auf den Berg Golinat, weil da kriegen sie immer so frisches junges Gras, da wird der Käse ganz besonders, vielleicht wollen Sie mal..."

(Die Zeugin verläßt den Zusammenhang)

"Na, also, wie wir dann auf dem Berg hoch droben ankommen, da seh´ ich, und ich glaub meinen Augen nicht, daß die Burg, die da immer gestanden hat, wissen Sie, die Burg von den Niederwerrner Herren, ja, die stand da also nicht mehr, weil sie war wohl bei dem Blitzschlag angebrannt und dann abgebrannt und jetzt, ja, jetzt steht sie nicht mehr, und ich weiß auch nicht, aber ich glaube, daß der Eine schon gewußt hat, warum er das macht, aber jetzt rede ich lieber nicht weiter, da sollen sich die Herren Bannkreuzler selber ein Bild machen, wenn sie die Ruine examinieren und da brauchts wohl auch mehr Verstand dazu, als so ein einfaches Weib wie ich es bin, aufbringen kann."

Das war alles, was die Zeugin Lene Wiesenblum zu Protokoll geben konnte. Eine Abordnung des Hauptklosters Dunkelstein wird die Ruine in Bälde einer Examination unterziehen.

Waldrat Helgefels, Stadtschreiber