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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2. Helios n.A.III 28
Ausgabe 34
Kronkurier
Die Ceridische Kirche hat ein neues Oberhaupt
Das lange Warten hat ein Ende. Am 7. Tag des Wonnemondes im Jahre 90 n.d.E.
wählten die neun Prälaten des heiligen Konvents im Kloster Gregorsruh
einen neuen Primus aus ihrer Mitte. Nicht ganz überraschend ging dabei
Aftalun von Ostarien, Abt von Gunara und Superior der Hilariusiten, als
Sieger hervor und trat somit auch in diesem Amt unter dem Namen Pacellus
die Nachfolge des Benedict Canesius an.
Offenbarung in Gregorsruh
"Mein Name ist Paul, und bin glaub ich so 11 Jahre alt. Ich bin von Pater
Gregor, der aber nicht mein Papa ist, in Altmühl aufgezogen. Das ist
das Dörfchen, in dem ich wohne. Keiner weiß, wer meine Eltern
sind, aber Gregor hat immer gesagt, dass ich ihm als Geschenk des Einen
für seine Kirchentür gelegt wurde. Gregor war sehr gut zu mir
und er konnte mir immer alles so erklären, dass ich es verstanden
habe. Ich bin zwar nicht so schlau, wie die anderen, aber man ist immer
nur dann dumm, wenn man Dummes tut. Das hat Gregor mir immer gesagt. Er
hat mir viel erzählt vom Einen und von dem was Hilarius gesagt und
getan hat. Er hat fast immer Zeit für mich gehabt, und ich habe ihm
geholfen, wenn ich es konnte. Beim Essenausteilen oder wenn er Kranke verpflegt
hat. Er fehlt mir. Seit der schrecklichen Nacht, wo die Kirche gebrannt
hat und er nicht mehr aus dem Feuer rauskam. Ich weiß noch, dass
mir Ismael, der Kirchendiener immer wieder sagen musste, dass Gregor nie
wieder zurückkommen wird. Ich war oft stundenlang an dem Platz, wo
Gregor immer gesessen ist. Er hat immer gesagt, hier findet er Frieden
und Ruhe zum Nachdenken. Ganz oben über dem Dorf, an dem alten Ceridengrab
war das. Unser liebster Ausguck auf das ganze Tal. Die Geschichte des alten
Grabes kennt hier jeder in der Gegend. Schließlich war das ja der
erste Ceride hier. So wie Gregor immer erzählt hat, haben ihn böse
Menschen erschlagen und einfach liegen lassen. Die Menschen, die ihn gefunden
haben, haben aber seinen Namen nicht gewußt. Da hat er eben eine
steinerne Tafel mit einer Inschrift bekommen, von der ich aber gar nicht
weiß, was eigentlich darauf steht. Lesen und Schreiben kann ich nämlich
nicht, obwohl Gregor mir es immer beibringen wollte. Aber jetzt ist er
ja beim Einen und wacht von dort über mich, sagt auf jeden Fall der
Ismael. Er kümmert sich seit dem Tag um mich. Er kann mir zwar nicht
alles so gut erklären, wie es Gregor konnte, aber er ist auch sehr
nett zu mir. In der letzten Zeit ist so viel passiert, daß ich noch
Zeit brauche, um alles zu verstehen. Da waren so viele Leute da. Hohe Herren,
sagt Ismael. Und dann haben die mich befragt und ich wusste doch nicht
was sie wollten. Und dann hat so eine Frau mir was geschenkt und gesagt,
ich soll nichts sagen. Und dann haben die hohen Herren gesagt, ich soll
schon was sagen, weil das nicht richtig ist und auf einmal waren alle dann
so verwandelt und lieb und haben den Einen gepriesen, mehr weiß ich
nicht..."
"... Und so blieb ich, Prosperian, Prätor der Heiligen Miliz, im
Kloster, um dafür zu sorgen, daß nichts und niemand Ihro Heiligkeit
in der Ausführung seiner Gebete störte, während die
meisten anderen Konzilsgäste das Grab des Unbekannten untersuchten.
Ich nützte die Zeit, um mit Baron Adalbert von Torpstein darüber
zu disputieren, um wen es sich bei dem Bestatteten handeln könnte,
der laut einer Legende aus dieser Gegend vor mindestens achtzig Jahren
ums Leben gekommen war. Sollte es möglich sein, daß es sich
um einen unbekannten Jünger des Hilarius handelte? Draußen war
mittlerweile ein Unwetter im Gange und wir sorgten uns schon um die Suchenden,
als diese einer nach dem anderen vom Regen durchnäßt aber mit
froher Mine den Concilssaal betraten und ihre Laternen löschten. Mit
sich führten sie den Grabstein des Unbekannten, der von zwei Klosterbrüdern
auf den Ratstisch gelegt wurde. Sofort begannen Abt Sabrizius von Gregorsruh
und sein Bruder Prior mit der eingehenden Untersuchung des Objektes, in
welches unser Glaubenssymbol eingeritzt war. In den Zwischenräumen
war das Gebet des Lebens zu lesen, was an und für sich nicht ungewöhnlich
war. Außerdem entdeckten wir am unteren Rand der Tafel, schon beinahe
unleserlich von der langen Zeit, welche die Lettern unter der Erde verbracht
hatten, folgende Worte: "Auf dem anderen Pfad der Zeilen wandelt, wer die
Insignie zur Hilfe nimmt. Das Gebet an den Einen, gesprochen von den Gläubigen,
wird erhört werden." Schweren Herzens, von den anderen Brüdern
gedrängt, entschloß ich mich, Ihro Heiligkeit bei seinen Gebeten
zu stören, damit die heilige Insignie, die ich die vergangenen Tage
aufbewahrt hatte, examiniert werden konnte. Als ich aber die Kapelle betrat,
winkte Pacellus nur huldvoll und deutete auf die Schatulle, in welcher
das Zeichen des Primus verwahrt wird, ohne im geringsten in seinen Gebeten
innezuhalten. Es war ganz als ob er bereits gewußt hätte, was
in der Nacht des 7. Tages im Wonnemond des Jahres 90 nach der Erleuchtung
noch geschehen sollte.
Auf der Insignie befanden sich weitere Worte aus dem Gebet des Lebens
und es stellte sich heraus, daß wir es mit einer Anleitung zur Neuordnung
unseres wichtigsten Gebetes zu tun hatten. Wie konnte nur in der ganzen
bisherigen Geschichte unseres Glaubens verborgen geblieben sein, daß
sich in unseren heiligen Schriften noch weitere Texte verbergen? Wie dem
auch sei, als die neue Ordnung hergestellt war, versammelten sich alle
Gläubigen zum Gottesdienst, welcher vom Prior des Klosters abgehalten
wurde. Voller Inbrunst und Demut beteten wir das Gebet, welches uns der
EINE heute in seiner Weisheit geschenkt hatte. Jeglicher Zweifel, den die
Ereignisse der letzten Tage bei mir hinterlassen hatten, verließ
mich und voller Verzückung des Glaubens sank ich darnieder, als ich
überall in mir und um mich herum eine allmächtige Stimme vernahm
und es war die Stimme des EINEN die da sprach:
Fürchtet Euch nicht, denn ich bin der Eine, der keinen Namen
braucht.
Ihr habt mein Wort erbeten. So höret nun mein Wort:
Ihr habt das Grab des Aspitanius gefunden.
Ihr habt das Gebet der Offenbarung erhalten.
Nun ist die Zeit gekommen.
Einst führte ich Mentirius und Aspitanius auf den rechten Weg,
so daß sie den Menschen die Weisheit lehren sollten.
Nicht immer hat mir gefallen, wie die Weisheit angewandt wird.
Darum gebe ich Euch eine Aufgabe, um zu wissen, daß Ihr würdig
seid.
Und so soll Eure Aufgabe lauten:
Gehet hin und suchet das Tor der Unschuld.
In seiner Obhut liegt das Rad des Schicksals.
Das Wiederentdeckte wird Euch auf den rechten Weg führen.
Doch sei dies Warnung genug:
Der Unwissende stürzt alle ins Verderben.
Das Für und das Wider dürfen nicht vermischt werden.
Und bedenkt:
Das Rad des Schicksals dreht sich nicht nur in einer Achse.
Weisheit wächst mit der Zeit.
Nur langsam kamen alle wieder zu sich und ein jeder war begierig seine
Erfahrung den Anderen mitzuteilen und da stellte sich heraus, daß
nur zum Priester geweihten Brüdern und Schwestern die Offenbarung
zuteil geworden war. Und sogleich wußten wir, welches unsere Aufgabe
sein sollte von nun an: Wir würden in ganz Heligonia die Worte verkünden,
damit ein jeder wahre Gläubige sich auf die Suche mache nach dem Rad
des Schicksals, welches zu finden unsere Bestimmung ist. ..."
"...Auserwählte sind all jene, die die Worte dieser Offenbarung
vernommen haben. Auserwählt im Angesicht des Namenlosen, auserwählt
aus der Gemeinschaft der Ceriden. Auch ich bin dem Ruf nach Gregorsruh
gefolgt; Valerianus ist mein Name, dem heiligen Orden der Bannkreuzler
diene ich, Probst zu Bornstein bin ich und als Prälat war ich als
einer von Neun entsandt worden, der Kirche den Erzprimus zu wählen.
Obgleich dieses Ereignis vor der Dimension der Geschehnisse um die Offenbarung
an Bedeutsamkeit verlieren mag, hat doch der heilige Convent der ceridischen
Kirche in der Person des neuen Erzprimus Pacellus einen Wendepunkt gebracht.
Bald schon nach der Wahl empfing er seine Weihe nach alter Sitte in einem
kalten, klaren Quellbach unweit des Klosters. Ergriffen und voller Hoffnung
wohnten wir der bescheidenen und doch feierlichen Zeremonie bei.
Kaum daß der frühere Prinz Aftalun von Ostarien uns seinen
neuen Namen genannt hatte, ging er seine Aufgabe an. Mir selbst - lange
habe ich der Inquisition gedient, allzu lange unter unserem Großinquisitor
geschwiegen, wenn ich hätte sprechen sollen - war seine erste Amtshandlung
die Erfüllung eines alten Traums: Brennend hielt ich den Hexenhammer
in meiner Hand; ich sah, wie das Feuer ihn verzehrte, ihn und viele seiner
Abschriften, denn Pacellus hatte befohlen, daß jenes verderbte Buch,
das soviel Leid über die Menschen in Heligonia gebracht hatte, endlich
selbst den reinigenden Flammen des Scheiterhaufens überantwortet werden
möge. Noch heute besinne ich mich zu Zeiten, wie leicht der Rauch
in den Himmel hinaufstieg... ein kleines Feuer nur hatten wir entfacht,
das viele Papier drohte, die Flammen zu ersticken - Bücher brennen
schwer und langsam, und doch war am Abend nichts von den Schriften des
Großinquisitors übriggeblieben, als das Unwetter nahte, uns
ein letztes Mal den Weg zum Grab des Aspitanius zu hindern - vergebens!"
Drei bedeutungsvolle Tage im Wonnemond 90 nach der Erleuchtung
Nahezu zwei volle Monate sind vergangen, seitdem sich die Hohe Geistlichkeit
der Heiligen Ceridischen Kirche in den ersten Tagen des Wonnemondes des
Jahres neunzig nach der Erleuchtung ein neues Oberhaupt erwählt hat:
Pacellus, nun im Amte des Erzprimus der Heiligen Ceridischen Kirche, vielen
sicherlich noch als Prinz Aftalun von Ostarien bekannt. Aber erst heute
erlaubt es mir mein Amt, die Ereignisse um das Kirchenkonzil und die Wahl
des Nachfolgers unserer geschätzten Heiligkeit, dem verstorbenen Erzprimus
Benedikt Canesius, für die, die uns folgen werden, in diesem Ordensskriptum
niederzuschreiben. Hier in der Ballei Silverhorn finde ich nun endlich
die Ruhe, die Geschehnisse mit Tinte und Feder auf meinem Papier zu binden,
so wie ich sie, ein Templersoldat der Ceridischen Kirche, dato noch in
Erinnerung habe. Ich versuche mich im Nachfolgenden auf das Wesentliche
zu konzentrieren. Die Ergebnisse der Untersuchung der "Störungen"
im geregelten Ablauf des Konzils wird der gelehrte Leser an anderer Stelle
niedergeschrieben finden. Möge man mir es nachsehen, sofern ich so
manches Detail dieser ereignisreichen Tage vergessen habe oder unerwähnt
lasse.
Derfried von Wenten, Landkomtur der Ballei Silverhorn,
am 29. Tage des Mondes der Erleuchtung im Jahre 91 nach der Erleuchtung
"Als wir in den frühen Abendstunden des fünften Tages des
Wonnemondes das Dorf Altmühl in Carajon mit unserem kleinen Troß
erreichten und uns anschickten die Abtei Gregorsruh über den ‚Gregorsweg'
zu erreichen, fanden wir das Kloster für den Besuch der verschiedenen
Delegation der ceridischen Orden gut vorbereitet. Abt Sabrizius hatte wahrlich
alle erdenklichen Vorbereitungen getroffen, um die hohe Geistlichkeit angemessen
zu empfangen. Alle seine Bediensteten leisteten gute Arbeit, um den Reisenden
den Aufenthalt im Kloster Gregorsruh so angenehm wie möglich zu gestalten.
Nachdem unser Troß, bestehend aus äußerst fähigen
Soldaten unseres Ordens unter der Führung des Bruders Hauptspittler
Benedikt Honorius und meiner Person, Quartier gefaßt hatten, nahmen
wir im Beisein der wichtigsten ceridischen Würdenträger unser
erstes gemeinsames Mahl ein. Feierlich war schon am Abend die Stimmung
der versammelten Ordensmänner, so sollten doch die folgenden drei
Tage eine neue Ära in der Geschichte der Heiligen Ceridischen Kirche
einläuten. Schon als die Ordensmänner das erste Mal aufeinander
trafen, begannen sie sogleich mit der Diskussion der verschiedensten Kirchenthemen
an deren Ende letztendlich die Wahl eines neuen Erzprimus stehen sollte.
Neun Wahlmänner wurden zu diesem Zwecke berufen, den Führer der
Heiligen Ceridischen Kirche zu wählen. Diese ‚Neun', die alle Orden
der Ceridischen Kirche repräsentierten, will ich hier namentlich vorstellen:
Für die Hilariusiten seine Hochgeboren Prinz Aftalun von Ostarien,
der ehrwürdige Abt Heribert von Rodi sowie der ehrwürdige Abt
Sabrizius von Gregorsruh. Für die Bannkreuzer der ehrwürdige
Abt Flavius van Orb, der ehrwürdige Abt Falkonius und seine Exzellenz
Valerianus, seines Zeichens Inquisitor mit ‚ruhendem Amte'. Für die
Pretoriusaner der ehrwürdige, mit hohem Alter gesegnete Abt Ceridan
Egidio von Sankt Aluin und der Prior Lupus von Lindfurt als Vertreter des
ehrwürdigen Abtes Ditonius. Für die Templer zu Ankur der Bruder
Hauptspittler Benedikt Honorius als Vertreter unseres Großmeisters
Kalveram von Norrland-Brassach, der ob der Gefahr eines neuerlichen ödländischen
Angriffes die Reise nach Carajon nicht anzutreten vermochte.
In vielen Gesprächen und sogar beim Essen vertieften sich die hohen
Herren fortan in die wichtigsten Themen der Heiligen Ceridischen Kirche
und Heligonias. Über Reformen, Anpassungen und einschneidende Veränderungen
wurde gesprochen. An so manchem Gespräch durfte ich als Landkomtur
teilnehmen, aber manchmal ward es auch mir nicht vergönnt, ein jedes
Wort, welches die neun hohen Herren äußersten, zu hören.
So fand doch die eine oder andere Sitzung der Wahlmänner hinter verschlossenen
Türen statt. Wer nun denkt, daß diese Beratungen in der Ruhe
stattfanden, die hinter Klostermauern herrschen sollte, der irrt. Immer
wieder wurden die Sitzungen der Berufenen durch sonderbare Dinge unterbrochen.
So entdeckte man beim Essen in mehreren Brotlaiben Blut, welches sich im
Nachhinein aber als das Blut eines geschlachteten Huhnes herausstellte.
Dann wurde eine Sitzung durch die Sichtung einer bleichhäutigen Gestalt
an dem Fenster zum Hofe unterbrochen. Immer wieder wurden die Gespräche
der ‚Neun' behindert. Und so wies der Bruder Hauptspittler, der diese ‚Störungen'
als Versuch wertete, die Wahl des Erzprimus zu verzögern oder gar
zu sabotieren, unsere Soldaten an, die Vorfälle peinlichst genau zu
untersuchen.
Doch ich will mich nun wieder auf das Wesentliche konzentrieren, denn
in der Tat war die Wahl des Erzprimus das Ereignis auf das alle Anwesenden
hinfieberten. Schon die Bekanntgabe der sich zur Wahl stellenden Geistlichen
sorgte für Aufregung in der Abtei. Lediglich zwei der ‚Neun' stellten
sich zur Wahl: Seine Hochgeboren Prinz Aftalun von Ostarien, seines Zeichens
Superior der Hilariusiten und Abt von Gunara, und Benedikt Honorius, seines
Zeichens Hauptspittler der Templer zu Ankur. Die Bannkreuzer, mit deren
Kandidatur man allerorts gerechnet hatte, so strebten sie doch über
Jahre hinweg nach dem Amte des Erzprimus, verzichteten zur Überraschung
der versammelten Geistlichkeit auf die Aufbietung eines Kandidaten. So
gab der Abt Falkonius zu bedenken, daß der Orden im Umbruch sei und
man die Bürde dieses hohen Amtes nicht in dieser Stunde auf sich nehmen
könne. Diese Handlung überraschte unseren Bruder Hauptspittler
so sehr, daß er sich für einige Stunden in die Stille seine
Kammer zurückzog. Als nun am Abend die Wahlmänner erneut zusammentrafen,
um schlußendlich den zukünftigen Erzprimus zu wählen, zog
Benedikt Honorius seine Kandidatur zurück. Über Proteste von
Seiten der Pretoriusaner, Prior Lupus von Lindfurt bezeichnete die Wahl
nun als Farce, setzte er sich mit den Worten hinweg, daß es ihm als
Mitglied des Ordens der Templer zu Ankur nicht zu stünde, im ‚direkten
Zweikampf' gegen den Sohn des Ordensgründers, dem verstorbenen Herzog
Uriel II. von Ostarien, anzutreten. Somit bewarb sich lediglich seine Hochgeboren
Prinz Aftalun von Ostarien, Superior der Hilariusiten und Abt von Gunara,
um das hohe Amt des geistlichen Führers der ceridischen Kirche. Als
nun die Wahlmänner unter sich offen über Aftalun abstimmten,
stellte sich eine imposante Mehrheit für den Sohn Ostariens ein. Ohne
Gegenstimmen, bei wenigen Enthaltungen, wählten die neun Wahlmänner
den Superior der Hilariusiten zum Erzprimus der Heiligen Ceridischen Kirche!
So spektakulär wie die Wahl verlief, war auch die erste Amtstat unseres
neuen Erzprimus: Unverzüglich ordnete Pacellus die Verbrennung des
Dunkelsteines Hexenhammers an! Möge die Ceridische Kirche unter seiner
Führung in ein neues Zeitalter aufbrechen!"
Das Fernrohr
Ein Blick über die Grenzen Heligonias
Drachenhain nimmt Beziehungen zu Falkenhain auf
Das Fürstentum Drachenhain hat offizielle Beziehungen zur Baronie
Falkenhain aufgenommen. Dieses westlich von Heligonia gelegene Herrschaftsgebiet
wurde vor vier Jahren durch einen Zusammenschluß der Baronien Falkenhain
ob des Waldes und Ehrenfeld gegründet. Der neu ernannte Botschafter
Drachenhains, Koldewaiht von Hautzensteyn, kam auf seiner damaligen Studienreise
just zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses durch Falkenhain und lernte das
junge, damals neu eingesetzte Herrscherpaar persönlich kennen, deshalb
erschien es Fürst Waldemar angemessen, als erste Aufgabe seines Botschafters
diese private Verbindung auch zu einer offiziellen zu machen.
Der offizielle Bericht liegt dem heligonischen Boten nicht vor, jedoch
traten in Falkenhain während des Botschafterbesuches ohnehin Ereignisse
auf, die die Politik zeitweilig in den Hintergrund treten ließen.
Es gelang, den Bericht eines Augenzeugen zu erhalten. (siehe "Der Magus
wars!")
"Der Magus wars!"
"Eigentlich hätte es ja einer Feier sein sollen, Sommerfest oder so.
Gab auch eine schöne Begrüßung. Da haben zwar ein
paar Bauern schon komische Sachen erzählt, aber da habe ich gar nicht
so drauf geachtet, der Met war auch ziemlich gut. Und dann kamen sie plötzlich
angewackelt. Es waren wohl Untote, aber das habe ich erst später begriffen.
Jedenfalls sprangen die Krieger plötzlich alle davon, auch die Baronstafel
war fast leer und... naja, dann kamen sie wieder, aber die Stimmung war
schlechter als vorher, die Orks haben angefangen, mit der Garde zu raufen,
manche Gäste verzogen sich... Ich habe dann besser die Ohren aufgemacht
und gehört, wie der Baron Navarre immer abwiegelte und gar nicht drüber
sprechen wollte, während der Magus meinte, wenn er seine Magie richtig
ausüben dürfte, wäre das rasch vorbei mit den Untoten. Genau,
da habe ichs zum ersten Mal gehört. Ich bin dann ins Bett. Am nächsten
Tag ging eigentlich das Fest gemütlich los, wie geplant - dann hieß
es plötzlich, die Baronin Isabeau ist entführt! Die wurde dann
wieder gefunden mit einer Warnung, "Haut ab!" oder so und als wir das nicht
taten, gabs plötzlich wieder einen Angriff, diesmal hab ichs gesehen,
Gestalten mit komischen Totenköpfen! Es gab viele Verletzte, richtig
schwer, zum Beispiel einer von den Ausländern mit Rock. Ja, die Ausländer
haben auch gekämpft. Sogar der ausländische Baron, der bis dahin
die ganze Zeit mit unseren beiden Baroninnen herumgepusselt hatte, der
hat sich vor sie gestellt und mußte kämpfen. Der hatte aber
keinen Rock an. Überhaupt alle die ein Schwert an hatten, mußten
kämpfen. Danach dachte ich, ich geh besser heim, aber die Garde meinte,
das geht nicht wegen der Gefahren im Wald... Da wußte ich, was abgeht.
Der Magus sagte, er kümmert sich um die Probleme, der Baron
Navarre versuchte immer noch zu beschwichtigen und rief derweil das Utzgan-Turnier
aus, Das war auch hübsch, aber ich war doch sehr angespannt, ich wußte,
das geht nicht ewig gut und abends, als es dunkel wurde, wurde es dann
richtig ernst, also noch ernster. Wieder diese komischen Halblebigen, immer
mehr und wir flüchteten in die Kapelle. Da war zum Glück ein
Priester, der konnte Waffen weihen. Die Krieger sind dann wieder raus und
kämpften und ich bin mit, obwohl ich gar nicht mutig bin und plötzlich
standen wir uns in Reihen gegenüber und der Magus mit auf der anderen
Seite. Der Magus wars! Der wurde beschimpft, grinste aber nur frech und
sagte, wärt ihr halt abgehauen. Es kam dann zur Schlacht und als wir
gewonnen hatten, war der Magier gar nicht mehr da, sondern in der Ruine!
Der hat gar nicht mitgekämpft, der Lümmel! Wir sind dann auch
hoch, war aber alles verdammt magisch und wir hattens schwer überhaupt
hochzukommen. Oben hat der Magus irgendwelche komischen Zauber gemacht
und sein Gehilfe hat derweil eine unsichtbare Wand gehext! Wir hatten aber
auch Magier , die haben die Wand schließlich zerbrochen, dann kam
aber noch eine Wand, da mußten wir uns außenrumsetzen und irgendwie
die Kräfte bündeln, der Magus drin im Kreis hat einen nach dem
andern ohnmächtig werden lassen. Ich dacht schon, das klappt nicht
mehr. Dann ist der Magier plötzlich selbst ohnmächtig geworden
und dann haben wir ihn geschnappt und wir hatten gewonnen! Nachher wurde
er dann geköpft. Aber ich war trotzdem schlechter Laune, ein ausländischer
Krieger mit 3 Schwertern ist richtig gestorben. Naja, ich hab dann
noch was getrunken, s'war dann eigentlich aus die Aufregung, aber ich hab
trotzdem die ganze Nacht nicht geschlafen..."
Der Trommler
freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft Norrland-Brassach
Baronin Leabell von Tlamana zu Gast in der Markgrafschaft
Zahllose Augenpaare blickten gespannt aus den Rundfenstern und von den
Mauerstegen der buntgeschmückten Burg Brassach auf die geöffneten
Tore der Stadt Tarnam hinab. Alle verfolgten die Anreise der bereits sehnlichst
erwarteten tlamanischen Gäste, die mit drei Schiffen angereist, jedoch
zuerst im Hafen der Stadt hatten ankommen müssen. Stunden nahm das
mühsame Entladen in Anspruch. Doch was waren Stunden, wenn bereits
seit Tagen Burg und Stadt großen tatzelfelser Bienenstöcken
glichen, so geschäftig und lebhaft war das Treiben, wollte man dem
hohen Gast aus dem Süden des Kronlands Ligonii doch ein möglichst
angemessenes Bild vermitteln. Umso größer war die Freude und
der Jubel als endlich das Gefolge der Baronin Leabell von Tlamana in Sichtweite
war. Ein imposanter Aufmarsch war das, die Wappenröcke und Farben
waren gänzlich in tlamanischem Gold und Schwarz gehalten. Dergleichen
hatte man in der ehrwürdigen Hauptstadt des jüngsten heligonischen
Reiches seither lange nicht mehr gesehen. Schon von der Ferne, vom Fluss
aus, hatte man am frühen Morgen die funkelnden Rüstungen der
Leichten Tlamanischen Reiterei auf den vorbeifahrenden Schiffen blinken
sehen. Jetzt, in nächster Nähe, konnte man sogar die bunten Fähnchen,
die in den Farben der Markgrafschaft und der Baronie einträchtig nebeneinander
auf den Lanzen der Reiter gesteckt worden waren, erblicken. Inmitten des
Trosses bahnte sich eine prächtige Prunkkutsche ihren Weg hinauf zur
Burg, doch wer geglaubt hatte, die Herrin von Tlamana säße auf
weichem Kissen darin, wurde wahrhaftig eines besseren belehrt, findige
Augen entdeckten bald ihre Hochwohlgeboren hoch zu Ross, ihre Reisegesellschaft
selbst anführend. An der einen behandschuhten Hand führte Baronin
Leabell die Zügel des eigenen, an der anderen, die eines reiterlosen,
höchst edlen Pferdes, dessen prächtiger Sattel nebst Zaumzeug
aus glänzendem Leder gefertigt war. Der Hengst hatte wohl ein Stockmaß
von etwas weniger als sechs Ellen. Ein eleganter, sich nach oben verjüngender
Hals, trug ein edles Haupt mit großen, wachen Augen. Das Gebäude
des Tieres war mittellang und kräftig und wies einen beachtlichen
Rippenbogen auf. Die Beine waren sichtbar hart und röhrenförmig
- ein prachtvolles Geschöpf mit Namen „Velan“.
Unter zahllosen Hochrufen zog das Gefolge aus der Stadt, und kurz darauf
endlich in die nahe Feste Brassach ein. Dort wurden die Gäste bereits
im Burghof von Markgraf Kalveram und seiner Gemahlin Markgräfin Lenia
herzlich in Empfang genommen. Man umarmten sich und zeigte sich in Freundschaft
eng verbunden. So stand dem Gastgeber auch die Freude ins Gesicht geschrieben,
als die Herrin von Tlamana dem Markgrafen das edle Pferd Velan als Gastgeschenk
darreichte. Baronin Leabell ließ verlauten, der Hengst sei der erste
Ardeluner aus ihrer Zucht, der das Land Tlamana verlasse, die Aufzucht
habe sich „Poena-sei-Dank-und-Ehr´“ als äußerst erfolgreich
erwiesen.
Dies alles ist nun Wochen her, inzwischen ist die Baronin zurück
gen Tlamana gereist, doch ihren Aufenthalt in Norrland-Brassach nicht genutzt
zu haben, das kann man ihrer Hochwohlgeboren nicht vorwerfen. So besuchte
sie bereits in der ersten Woche das Schlachtfeld der Kesselschlacht von
Brazfurt, wo die große Heligonische Offensive unter der Führung
des Markgrafen Kalveram und des Generalzeugmeisters von Ostarien, Baron
Jareck von Jolberg - dem Cousin Baronin Leabells - vor zwei Jahren ihr
glückliches und ruhmvolles Ende fand. Auch der Besuch des Grabes von
Legon von Brazfurt und des Sammelgrabs der anderen heldenhaft gegen die
Ödländer Gefallenen, stand auf dem Plan. In Ahrenburg, der ehemaligen
Caronburg, wurde gemeinsam dem abscheulichen Umsturzversuch der beiden
Verräter und Umstürzler Anholt und Rhoderich gedacht. An Ort
und Stelle sicherte ihre Hochwohlgeboren die sofortige Hilfe Tlamanas zu,
falls wieder einmal solches Ungemach geschehen sollte. In wahrhaftiges
Verzücken versetzte den Gast die Besichtigung der neuen Befestigungsanlagen
an der Ostra. An ein Durchkommen der verhassten Ödländer sei
hier wahrhaftig nicht mehr zu denken. Ebenfalls beeindruckt zeigte sich
die Herrin von Tlamana nach Sichtung der brassachischen Erzgruben. Lobende
Worte fand Baronin Leabell ob der doch sehr ansprechenden Qualität
des Stahls und der sehr ergiebigen Steinkohle. Im stillen Gebet nahm sie
auch an Andachten des einzigen ogedischen Tempel des Landes teil. Da Xurl
geweiht, mochte sie hier für eine sichere Heimreise gebetet haben.
Ein weiterer Höhepunkt sollte das Wiedersehen Leabells mit ihrem Patenkind
Kara, der Tochter des Markgrafenpaares, Kalveram und Lenia, sein. Innigst
hielt die Baronin das zweijährige Kind in ihrem Arm, gerade so, als
wollte sie Kara nie mehr hergeben. So wurde das Kind, und auch ihr Bruder
Daron, mit sehr wertvollen Geschenken bedacht. Die Kinder erhielten gemeinsam
sogar einen wohlerzogenen Purpurfelder Hirtenhund, ein für seine unbestechliche
Treue und sprichwörtliche Wachsamkeit weithin gerühmtes Tier.
Erfreut stellte Baronin Leabell auch fest, dass die im letzten Jahr verschenkte
Ardeluner Pfaue, trotz der fremden Umgebung vortrefflich gediehen und sich
in den Gärten Burg Brassach sichtbar wohlfühlten. Gegen Ende
ihres Besuches wurde ihre Hochwohlgeboren auch auf der Daronsfeste in Hohentor,
der Heimstatt des Ordens der Templer von Ankur, höchst respektvoll
empfangen. Mit wohlwollenden Worten würdigte Baronin Leabell von Tlamana
die Verdienste der Templer um das Königreich und Norrland-Brassach,
ohne ihre standhafte Gegenwehr wider den Wilden aus dem Norden, würden
man heute „auf ein anderes Heligonia blicken“. In einer langen Rede wünschte
sie den in der Vergangenheit durch Krieg, Hass und Missgunst so sehr gebeutelten
Menschen der Markgrafschaft Norrland-Brassach, von Herzen eine glänzende
und friedvolle Zukunft, bar jeder Not und Gefahr. Ihre Hochwohlgeboren
bemerkte darüber hinaus, dass sich die Baronie Tlamana zu der Markgrafschaft
in inniger Freundschaft verbunden fühle, da das Land zu wahrhaft unsicheren
und gefahrvollen Zeiten, so treu hinter ihr und ihrer Baronie gestanden
habe.
Tags darauf folgte die Verabschiedung des Gastes im Morgengrauen eines
herrlichen Sommertages, herzlich sagte man einander Lebewohl, nicht ohne
einen Gegenbesuch des Markgrafen und seiner Gemahlin nach Tlamana vereinbart
zu haben.
Wie angenehm, dass unter manchen Nobeln des Königreiches der unterschiedliche
Glaube nicht länger Hinderungsgrund einmütiger Freundschaften
und getreuer Verbundenheit ist!
Schreiber Heron Krummbrecht aus Tlamana
Drachenhainer Herold
Bekanntmachung:
Im Namen der Vier. Krator, durch Helios geneigte Huld Baron von Rebenhain,
ewig Mehrer des Reiches und gesegneter Lichtbringer seines Volkes.
Wenn Wir aus der Aufgabe unserer Freigebigkeit heraus Edlen etwas übertragen
und die Not des Volkes durch unsere Hilfe lindern und sie durch Ermahnung
schützen, so wird Uns das, wie Wir fest Glauben, helfen, sowohl das
sterbliche Leben in weltlicher Hinsicht zu überstehen als auch das
Jenseitige glücklich zu erlangen. Deshalb sollen alle Unsere Getreuen,
die gegenwärtigen wie die künftigen, wissen, daß Wir um
der Ruhe unserer poenagefälligen Vorgänger willen, zur Mehrung
Unseres Ruhmes, sowie zugunsten Unserer geliebten Untertanen dem edlen
Rasekorn vom Schinderteich die Vogtei zu Störenweiler übertragen
haben. Hierzu gehören die Dörfer Tennstedt und Großenerich
, mit Häusern, Gebäuden, Feldern, Äckern, Wiesen, Weiden,
bewohnten und unbewohnten Wäldern, Gewässern und Wasserläufen,
Wegen und Unwegen, Zugängen und Angrenzungen, Ausgängen und Rückwegen
und was sonst per iurem et legem zu den genannten Dörfern gehört,
so daß vom heutigen Tage an der Vogt für alle Zeiten und in
allen Dingen Unsere freie Vollmacht besitzt.
Er soll von nun an das Recht haben, ein angemessenes Wappen zu tragen,
ferner soll er Zutritt zu den Ratsversammlungen haben und in all Unseren
Herrschaften als Autorität des Rechtes gemäß der Halsgerichtsordnung,
nur Uns selbst, Unseren Lehnsherren und den Göttern verpflichtet,
anerkannt werden. Auch soll er Ehrenvorsitzender des Rebenhainer Wein-
und Brauchtumsvereins sein, und so die Leitung der Jury bei der alljährlichen
Prämierung der Rebenhainer Sprachkunst gewissenhaft übernehmen.
Die Kelterei von Pogelsweiler wird hiermit angewiesen, dem edlen Vogte
Rasekorn vom Schinderteich jährlich 12 Fässer neuen Traubenblutes
zuzustellen, wie es seinem Stand gebührt.
Falls aber irgendeiner Unserer Nachfolger, was, wie Wir glauben, keineswegs
geschehen wird, versuchen wird, diese Unsere Translatio zu brechen, und
sich entschließt, das, was hier per scriptum über die von Uns
gewährte Immunität und Wahl festgehalten wird, zu verletzen,
so besteht kein Zweifel, daß ihn der Zorn der Götter ereilen
wird, und ihm soll keineswegs unbekannt bleiben, daß er über
das Wissen der üblen Versuchung vor Helios Antlitz darüber zitternd
wird Rechenschaft ablegen müssen. Und damit diese Unsere Translatio
fester beachtet und für alle künftigen Zeiten von Unseren Getreuen
besser bewahrt und für wahrer beachtet wird, bestätigen Wir sie
unten mit eigener Hand und ordnen an, sie mit dem Aufdruck Unseres Ringes
zu siegeln.
Ich, Wolfher, habe es als Kanzler in Vertretung des Erzkanzlers
geprüft und unterschrieben.
Gegeben am XV. Tage im III. Saarka im XXVII. Regierungsjahre des erlauchtesten
Königs Helos Axistimilius III.
Werte Prinzessin Syria Jaldis!
Bitte laßt mich Euch auf diesem Wege noch einmal mein tiefstes Bedauern
über den Unbill, den Ihr auf dem Methfest erleiden mußtest,
ausdrücken.
Es ist gelungen, etwas mehr Licht in diese uns alle bedrückenden
Vorkommnisse zu bringen. Die Identität des Rädelsführers
dieser Banditen, die sich erdreisteten, ihre Hand gegen Euch und Eure Begleitung
zu erheben, ist zweifelsohne geklärt.
Der Name des Toten ist Bouchard Vergenthiel, und er sprach die Wahrheit,
als er sagte, den Tod nicht zu fürchten. Er war beteiligt an den Jolbensteiner
Aufständen und Euer Vater, Fürst Waldemar, verhängte ein
zehnjähriges Exil über ihn. Wären wir uns seiner Person
gewahr geworden, so hätte der Strang seinem verruchten Leben ein Ende
bereitet.
Vergenthiel ist verantwortlich für den Tod des echten Markaufsehers,
und durch Einnahme seiner Position war es ihm möglich, einige seiner
Getreuen unerkannt auf den Markt zu bringen. Die Echtheit deren Heliosbriefe
kann nicht angezweifelt werden, doch liegt ihre Herkunft noch im Ungewissen.
Ein Gefangener konnte gemacht werden; wir hoffen mehr aus seinem Munde
zu erfahren. Doch eines steht schon fest: Alle Streitfälle auf dem
Markt und die Überfälle auf Euch können diesem Gesindel
zur Last gelegt werden.
Euer Augenmerk möchte ich jedoch besonders auf eines lenken. Vergenthiel
wird eine gewisse Nähe zum "Hexenjäger" Karr nachgesagt. Wie
sich diese Nähe gestaltet hat oder ob sie je wirklich existierte,
läßt sich mit meinen bescheidenen Mitteln nicht besser klären.
Doch bin ich sicher, Ihr vermögt hier mehr zu erreichen.
Bitte vernehmt noch einmal meine Entschuldigung, daß Euch dies
alles auf Burg Rabenhag zustoßen mußte.
Ritter Leonidas von Rabenweil, Vogt von Distelwiel
Verehrter Konkurrent!
Ich habe Euch als einen recht impulsiven und konsequenten Mann kennenlernen
dürfen. Dachte ich jedoch anfangs noch, in Euch einen ehrlichen oder
zumindest ehrenhaften Streiter gefunden zu haben, haben mich Eure letzten
Taten eines Besseren belehrt. Mir will scheinen, Ihr habt den Sinn einer
Wette nicht richtig verstanden. Der Grundgedanke einer Wette ist ein fairer
Wettstreit mit einem hehren Ziel. Doch liegt Euch der Begriff Ehre wohl
weniger am Herzen als der Ehrgeiz, als Erster jenes Ziel zu erreichen.
.Da Euch anscheinend jedes Mittel für den Sieg recht ist, sehe
ich mich nun genötigt, mich den neuen Wettstreitbedingungen anzupassen.
Ich fasse daher zusammen, welche Bedingungen Ihr neu ins Feld geführt
habt, nämlich zum Einen unseren gemeinsamen Glauben, um mir das Anwerben
von Abenteurern und Mitstreitern zu erschweren. Eine nette Intrige fürwahr
und so geschickt eingefädelt. Meine Ehrerbietung.
Leider habt Ihr dadurch das größte und schönste Fest
der Baronie Tatzelfels empfindlich gestört und viele Personen dadurch
vergrätzt. Ein kluger Mann weiß, wann er zu kämpfen und
wann er zu ruhen hat. Ihr habt über Euren fanatischen Gedanken, mich
zu schädigen, vergessen, daß Ihr Euren Kampf auf den Schultern
des Volkes ausgetragen habt. Ihr habt etwas gestört, was noch nie
von bösen Machenschaften überschattet wurde - das Methfest. Freunde
schafft man sich dadurch bestimmt nicht. Aber, vielleicht unterschätze
ich Euch, und Ihr habt doch noch etwas mit dem Unbill des Volkes vor, der
sich nun gegen Euch gerichtet hat.
Nun, ich war gerade dabei aufzuführen, welche neuen Mittel Ihr
ins feld geführt habt. So fahre ich fort. Ich schätze Anschläge,
die auf meine Person gerichtet sind, nicht im Mindesten. Sie sind störend
und könnten zudem andere verletzen. Aber wenn Ihr mich schon als Euer
bevorzugtes Ziel ausgesucht habt, dann bitte ich Euch auch darum, es dabei
zu belassen. Denn ich weiß mich zu schützen. Andere Personen
aus meinem Umfeld laßt jedoch bitte aus dem Spiel. Sie haben nichts
mit unserer Wette zu tun. Doch werde ich mich, wenn Ihr dies in Zukunft
nicht unterlaßt, an jenen Punkt der neuen Wettstreitbedingungen gerne
anpassen.
Es sollte Euch zu Denken geben, daß es einer eurer Männer
ist, der Euch diesen Brief überreicht. Ihr solltet ihn ebenso unversehrt
zu mir zurücksenden und hoffen, daß ich mich nicht doch dazu
entschließe, sofort und mit den gleichen Mitteln auf Bourchards unverschämten
Aufwiegelungsversuch auf Burg Rabenhag zu antworten, wie Ihr und Eure Handlanger
es eigentlich verdient hätten.
Wahrscheinlich wollt Ihr mir jetzt beteuern, daß Bouchard auf
eigene Verantwortung handelte und Ihr mit den Vorfällen auf Burg Rabenhag
nichts zu schaffen hattet. Vielleicht entspricht dies sogar tatsächlich
der Wahrheit. Doch ist Bourchard Euer Mann, und Ihr tragt damit auch die
Verantwortung über sein Handeln. Vielleicht solltet Ihr Euch in Zukunft
die Personen genauer ansehen, die Ihr in Euer Vertrauen zieht.
Eigentlich hätte ich gerne Bourchard mit dieser Botschaft an Euch
gesendet, doch ist dies leider nicht mehr möglich. Sicherlich war
Euch bekannt, daß Bourchard in diesem Land ein gesuchter Verbrecher
war. Man hatte ihn des Landes verwiesen und sollte er zurückkehren
... Ich erspare Euch lieber die Einzelheiten.Ich habe für Bourchards
Seele gebetet. Dafür, daß der Eine ihm seine Missetaten vergeben
und ihn in sein Reich aufnehmen möge.
Syria Jaldis
.
Irritationen in Hochaskenstein
Nach dem Auszug des Edlen Cederic aus dem Lande seiner Väter - der
Baronie Luchnar - fand der junge Von Hautzensteyn in der Baronie Hochaskenstein
offenbar nicht nur eine neue Heimat...
Gleichwohl trug die Annährung zwischen Cederic und Alia, Tochter
Baron Jagons, allerdings erstmals recht ärgerliche Früchte. War
man anfangs erfreut über das enge Einvernehmen zu einer der hehrsten
Drachenhainer Adelssippe, nahm diese willkommene Beziehung im letzten Mond
doch eine handfeste Wendung, als seine Hochwohlgeboren Cederic zum Methfest
gen Tatzelfels reiste, wohin ihn allerdings die Edle Alia ungefragt und
geheim nachfolgte. Sie tat dies nicht ohne ihren Eltern ein Schreiben zu
hinterlassen, dass wohl mit Fug und Recht auch als ein Brief zum endgültigen
Abschiede hätte missdeuten werden können. Erschüttert und
besorgt entsandte Baron Jagon eine Schar Soldaten zur Baronie des Prinzen
von Drachenhain, um der offenbar entführten Tochter wieder habhaft
zu werden. Man wurde fündig und überführte die Tochter des
Barons, nebst dem scheinbare Schurken Cederic, zurück nach Hochaskenstein,
wo den beiden ein großes Donnerwetter drohte. Den heftigen Worten
des Streits folgten Worte der Erklärung und Mäßigung, worauf
die Herrschaften doch noch zur Einsicht, ob des Missverständnisses
gelangten und sich wieder vertrugen. Unbestätigte Gerüchte besagen,
der Baron soll Cederic gar das "Du" angeboten haben!
Hochaskensteiner Hofberichterstatter Wolfger Trimühl
Bouchard der einzig Schuldige der Vorfälle auf Burg Rabenhag
Die Redaktion kommt trotz der obskuren Herkunft der folgenden Schrift
nicht umhin, diese Zeilen zu veröffentlichen, da sie sich genötigt
fühlt, die absurden Gedankengänge des Verfassers aufzuzeigen.
Zudem wird hier auch neues Licht auf die Vorgänge auf Burg Rabenhag
geworfen, bei denen die Prinzessin Syria Jaldis aufs Gröbste beleidigt
wurde.
Auszug aus einer Schrift, die ein Unbekannter dem Heliosboten zugespielt
hat:
...
Der Delinquent, der auf Burg Rabenhag gefangen genommen wurde, zeigt
sich noch immer verstockt. Auf Anraten meines Herrn werde ich nun mit der
Befragung beginnen. Als Beginn einer selbigen hat sich bisher die Behandlung
Nummero 12 stets als erfolgreich erwiesen. Auch dieses üble Subjekt
wird hiernach sein Schweigen brechen. Davon bin ich überzeugt.
...
Die Kreatur hat mich beschimpft und bespuckt. Wie ich, ein Ceride mit
einem ceridischen Herrn, ihn derart unwürdig behandeln könne.
Sei er doch auch Ceride und wir somit alle Diener des Einen. Wie könne
sich da ein Glaubensmitglied erdreisten über den anderen zu Gericht
zu sitzen. Das dürfe nur der Eine.
Mein Herr sagt, er sei der Arm des Einen. Man dürfe nicht zulassen,
dass Subjekte wie der Delinquent gegen die Ogeden, und seien es auch Zauberer
oder Schlimmeres, vorgehen. Da dies ein denkbar schlechtes uns falsches
Licht auf uns Ceriden werfen würde. Sind wir doch diejenigen, die
Verzeihung üben und Gerechtigkeit walten lassen.
So wie ich an meinem Delinquenten, den ich mit des Einen Hilfe dazu
bringen werde, die Wahrheit zu sagen, auf dass der Eine ihm vergeben kann.
...
Ich habe nunmehr Objekt Nummero 5 anwenden müssen. Eigentlich
tue ich das nur ungern, da die meisten Delinquenten recht bald danach versterben.
Aber um der Seele des armen Mannes willen muss ich es tun. Wenn er seine
Untaten nicht bekennt und den wahren Schuldigen nicht preisgibt, dann wird
auch der Eine ihn nicht mehr retten können.
...
Der Delinquent bleibt bei seiner Behauptung, dass Bouchard derjenige
gewesen ist, der ihn zu den üblen Machenschaften auf Burg Rabenhag
angestiftet hat. Von einem Karr wisse er nichts, mit einem Mann dieses
Namens habe er nie zu tun gehabt. Selbst die Beschreibung, die er mir gegeben
hat, stimmt. Sie passt auf Bouchard.
Nachdem ich nun auch Objekt Nummero 23 angewandt habe, ist fast jeder
Zweifel ausgeschlossen, dass der Delinquent lügt. Doch mein Herr sagt
immer, man müsse mit Genauigkeit vorgehen und stets jedes Bekenntnis
mit Härte prüfen. Es ist immerhin nur zum Seelenheil des Delinquenten.
...
Nachdem ich zur Überprüfung des Bekenntnisses Objekt Nummero
3 angewendet habe, ist aus dem Delinquenten kein vernünftiges Wort
mehr herauszukriegen. Er lallt nur noch und ruft nach dem Einen, dass er
ihn von seiner Pein erlöse. Mir scheint, er weiß wirklich nichts
von Karr.
Doch aufgrund seiner Reden komme ich zu dem Schluss, dass er mit dem
Widersacher des Einen in Verbindung stehen muss. Anders kann ich mir seinen
Wunsch nach dem Tode nicht erklären. Denn nur, dass der Widersacher
ihm die Macht gegeben hat, dem Tod auf widernatürlich Art und Weise
zu trotzen, kann seine mangelnde Angst vor demselbigen erklären. Ich
muss mich mit meinem Herrn deswegen beraten.
...
Der Delinquent starrt nur noch dumpf vor sich hin. Ich habe ihm geholfen,
sein Geständnis zu unterschreiben, da er mit den zerquetschten und
gebrochenen Fingern kaum noch die Feder halten konnte. Nun hat mein Herr
es schwarz auf weiß, dass der Herr Karr nichts mit den Geschehnissen
auf Burg Rabenhag zu schaffen hatte, sondern allein Bouchard die Fäden
dort in der Hand hielt. Wobei jedoch immer noch nicht klar ist, ob Bouchard
und seine Helfershelfer nicht doch mit dem Widersacher des Einen in Verbindung
standen. Dies muss noch geklärt werden.
Als ich dem Delinquenten daraufhin sagte, dass ein Gottesurteil entscheiden
soll, ob er mit dem Widersacher des Einen einen Pakt geschlossen habe,
hat er gelächelt und gesagt, der Eine habe ihn endlich erhört.
Er ist wirklich gar verstockt. Warum gibt er denn nicht zu, dass der Widersacher
des Einen sein Herr ist? Dann müsste er sich doch nur bekehren lassen,
und seine Seele wäre gerettet.
...
Das Gottesurteil Nummero 2 hat zu einem überraschenden Ergebnis
geführt. Wider Erwarten ist der Delinquent in den Fluten ersoffen.
Also hat er doch nicht mit dem Widersacher des Einen in Verbindung gestanden,
sondern war ein gläubiger Anhänger des Einen. Doch bin ich nun
sicher, dass der Eine sich gnädig seiner Seele annehmen wird, da seine
Unschuld nun bewiesen und er ein unterschriebenes Geständnis abgegeben
hat.
Es erfreut mein Herz jedes Mal, wenn das Ende einer Befragung ein solch
gutes Ergebnis zeitigt. Auch mein Herr war darob sehr zufrieden und hat
mich aufs höchste gelobt. Er fände es außerordentlich schade,
dass nach der Verbrennung des Hexenhammers Leute meines Formats nicht mehr
von der ceridischen Kirche gebraucht würden. Doch auch er wisse meine
Talente zu schätzen und würde mich auch in Zukunft gerne mit
derlei Arbeiten betrauen.
Mir scheint, ich habe einen feinen Herrn gefunden, der mich gut aushalten
wird und ein Auge für meine Arbeit hat. Was kann sich ein einfacher
Mann wie ich mehr wünschen?
...
Sehr geehrter Baron Leomar!
Wie ich Euch schon in meinem letzten Brief andeutete, ist das Vordringen
des Moors nun endgültig zum Erliegen gekommen. Den Ratschlägen
der Geweihten folgend, habe ich endlich die Verantwortung auf mich genommen
und bin ins Herz des Moors gewandert, um mich derjenigen zu stellen, die
mich und das Land derartig gestraft hat. Sie - die einige Moorfee nennen
würden, die ich aber lieber als Versuchung bezeichne - erschien tatsächlich
und hörte mich an. Ich bat sie in den artigsten Worten um Verzeihung
für mein Verhalten und überzeugte sie davon, dass sie weniger
mich als vielmehr die Menschen in der Vogtei Schattenau mit ihrem Handeln
bestrafte. Menschen also, die nichts mit ihrem Leid zu tun hatten. Sie
zeigte Einsicht und versprach, dem Moor Einhalt zu gebieten. Sogar die
Urbarmachung und den Verkauf des Moors billigte sie mir zu - so wir einen
kleinen Teil davon in alle Zukunft unberührt lassen würden. Welcher
das sei, würde sie uns Menschen wissen lassen. Ich sagte sofort zu,
in Eurem Namen, und hoffe sehr, dass Ihr mit meinem Handeln einverstanden
seid. Eine weitere Bedingung betraf nur mich, soll also an dieser Stelle
nicht weiter erörtert werden.
Da ich nun alles getan habe, um den Menschen in der Vogtei Schattenau
endlich wieder zu einem besseren Leben zu verhelfen, möchte ich auch
in die Tat umsetzen, was ich Euch schon vor einiger Zeit angedeutet habe.
Ich lege mein Amt als Vogt von Schattenau nieder. Die Schuld, die ich auf
mich geladen habe, verlangt ein solches Vorgehen von mir. Alles andere
wäre unredlich.
Wie ich von Euch erfahren habe, habt Ihr Euch schon für eine Nachfolgerin
entschieden: die Freifrau Yolande von Schwarzensteyn. Ich kann Euch zu
dieser Wahl nur beglückwünschen. Die Freifrau wird von ihren
Leuten heiß und innig geliebt, sie würden ohne zu zögern
für sie durchs Feuer gehen. Ihre Ländereien werden von ihr vorbildlich
verwaltet, und den Menschen geht es dort so gut wie nirgendwo sonst in
der Vogtei. Da mag man über einige Eigenheiten der Freifrau schon
hinwegsehen, wie z.B. dass sie angeblich nur Männerkleidung trägt,
mit einer Waffe umzugehen vermag und mindestens schon sechs verschiedene
Ehemänner an ihrer Seite hatte. Weniger nachsehen mag man, dass sie
angeblich mit ihren Bediensteten um die Wette trinkt, flucht wie ein Fuhrmann
und soviel von höfischer Etikette versteht wie ein Esel vom Schreiben.
Sicherlich fühle ich mich auch dazu in der Lage, der Dame dieses
undamenhafte Verhalten auszutreiben. Wenn Ihr glaubt, dazu wäre eine
Poena-Ehe vonnöten, so bin ich gerne bereit, als Freundschaftsdienst
an Euch auf diesen Vorschlag einzugehen - sofern die Freifrau in den Handel
einwilligt. Jedoch muss ich eine wie auch immer geartete Fortführung
meiner Pflichten als Vogt ablehnen - aus genannten Gründen, die ich
eingangs schon andeutete. Sollte die Freifrau Yolande von Schwarzensteyn
also in die Ehe einwilligen, so steht von meiner Seite aus, der von Euch
angestrebten Verbindung nichts im Wege.
Hochachtungsvoll, Helior von Lutzenau
Werter Baron Leomar,
dass Ihr mir das Amt der Vogtin von Schattenau antragt, lässt mich
frohlocken. Denn damit wird endlich der Stellung meiner Familie als altes
Beridhaner Adelsgeschlecht in Eurer Baronie Rechnung getragen. Ich versichere
Euch, dass Ihr damit keinen Fehler begehen werdet und viele Leute Euch
dies hoch anrechnen werden. Ich sage das nicht, weil es meinem Hochmut
schmeichelt, Vogtin zu werden. Ich sage Euch das als treue Vasallin, die
schon lange erkannt hat, dass es einigen Menschen in der Baronie zu viele
„Auswärtige“ gibt, die die Ämter bekleiden, die man in den Händen
von Beridhanern sehen möchte. Wobei ich sagen muss, dass Helior von
Lutzenau sein Amt bisher hervorragend ausgefüllt hat - sieht man einmal
großzügig über seine Weibergeschichten hinweg.
Nichtsdestotrotz brauche ich ihn nicht an meiner Seite, damit er mir
ein Handwerk beibringt, das ich schon lange beherrsche. Noch mehr nimmt
es mich Wunder, dass Ihr mir zur Bedingung stellt, ihn zu ehelichen, auch
wenn dies nur auf ein Jahr sein sollte. Wie Ihr sicherlich wisst, ist der
Mann der größte Weiberheld des Fürstentums Drachenhain.
Was also erhofft Ihr Euch durch diese Heirat?
Ich kann nur annehmen, dass es Euch um politische Ausgewogenheit geht.
Insofern mag ich Eure Bedingung annehmen und dieser Heirat zustimmen. Allerdings
nur, wenn Ihr nicht von mir den Vollzug der Ehe erwartet. Denn einer solchen
Bedingung würde ich mich niemals beugen. Dessen seid gewiss! So gewiss,
wie ich Euch meine volle Meinung niemals vorenthalten würde.
So mag denn unter dieser Voraussetzung die Ehe geschlossen werden -
sofern auch der Herr von Lutzenau Eurem Ansinnen entspricht.
In Erwartung Eurer Antwort,
Yolande von Schwarzensteyn
Neue Vogtin und Hochzeit in Schattenau
Nachdem das Vordringen des Moors in der Vogtei Schattenau durch die persönlichen
Bemühungen des Vogtes Helior von Lutzenau endlich aufgehalten werden
konnte, legt der ehemalige Tatzelfelser Ritter sein Amt als Vogt nieder.
Als Nachfolgerin hat Baron Leomar die Freifrau Yolande von Schwarzensteyn
bestimmt. Sie ist die einzige Tochter des toten Freiherrn Aarhus von Schwarzensteyn,
und verwaltet seit dem tragischen Tod ihres Vaters vor dreiundzwanzig Jahren
die Ländereien der Burg Wehrklamm mit großem Geschick. Kein
Anderer wäre wohl derartig gut dazu geeignet, das Amt des Vogtes auszufüllen,
wie die Freifrau aus dem Hause Schwarzensteyn.
Um des weiteren ein Zeichen zu setzen und ein Bündnis zu schmieden
zwischen dem Hause Drachenhain und den alten Beridhaner Adelsgeschlechtern,
werden Helior von Lutzenau und Yolande von Schwarzensteyn am Tage des Amtsantritts
der neuen Vogtin den Poena-Bund eingehen. So hoffen wir, dass als Zeichen
der Verbundenheit aus dieser Ehe ein Sproß erwachsen werde, um zum
Symbol der Zukunft von Tatzelfels zu werden. Möge Poena den Bund segnen
und reiche Frucht tragen lassen!
Die Feierlichkeiten werden am 1. Tag des 1. Heliosmondes zum Neujahrestag
stattfinden. Alle Tatzelfelser Adligen sind herzlich dazu eingeladen. Mit
gleichem Tag wird auch die Burg Wehrklamm wieder Zentrum der Vogtei Schattenau,
so wie es den Ansässigen aus alten Zeiten noch bekannt sein dürfte.
Für das Volk wird anlässlich der Ereignisse ein Fest ausgerichtet
mit Freibier, Meth und Spanferkel, auf dass sich die Menschen der Vogtei
noch recht lange an diesen freudenreichen Tag erinnern mögen! Die
neue Vogtin freut sich über jeden Gast, mag er auch noch so arm und
hungrig sein.
Prinzessin Syria Jaldis auf der Feste Hautzensteyn
Die Tochter des Fürsten von Drachenhain, Prinzessin Syria Jaldis erwies
Luchnar und seinem Baron die Ehre, im letzten Mond des Jahres mehrere Tage
auf der Feste zu verweilen. Gründe hierfür sind wohl zum einen
die seit dem Baronientausch und dem Bau der A1 enger gewordenen Verbindungen
zwischen Tatzelfels und Luchnar, zum anderen die seltsamen Erscheinungen
von Wesen aus der Anderswelt um Hautzensteyn. Gegen Ende des Mondes
reiste die Prinzessin weiter auf die nahegelegene Drachentrutz, Residenzsitz
ihres Vaters. Der Baron folgte ihr pünktlich zum Neujahrfest nach.
Ein seltsamer Gast auf Burg Hautzenstein
Das Methfest auf Burg Rabenhag war für mich ja trotz der unglückseligen
Vorfälle um Bouchard und Prinzessin Syria Jaldis - Der Mann hat sich
doch tatsächlich erdreistet, die Prinzessin als Hexe zu beschimpfen
und anzugreifen! Ungeheuerlich! - äußerst erfreulich. Habe ich
dort doch zum Einen einen unglaublichen Erfolg mit meinem Lustspiel „Die
Prinzessin, Karr und die Wette“ errungen und zum Anderen dort meinen lieben
Hanosch gefunden und geheiratet. Ja, ich weiß, was man sich über
ihn erzählt: dass er ein Heiratsschwindler wäre. Meine Freundin
Svenja hat mir sogar erzählt, dass sie ihm Geld gegeben hätte,
das sie nie wiedergesehen habe. Aber nunja, das war Svenja! Mit mir wird
Hanosch das nicht machen, denn wir lieben uns ja.
Also jedenfalls habe ich nach dem riesigen Erfolg meines Lustspiels
beschlossen, damit noch ein bisschen durch das Fürstentum Drachenhain
zu wandern und bin schließlich mit meinem Hanosch und meiner Truppe
auf Burg Hautzenstein in Luchnar gelandet. Auch den Luchnern hat das Stück
gut gefallen, und Baron Koldewaith hat uns sehr dafür gelobt. Der
Mann hat Geschmack! Nicht umsonst hat er einen Gedichtband herausgebracht.
So wie auch die Prinzessin mein Stück sehr gelobt hat, die es auf
dem Methfest gesehen hat, aber davon will ich ja gar nicht berichten.
Jedenfalls geschah es also mitten in der Nacht nach der Aufführung
- Ich war gerade mit meinem Hanosch etwas auf den Wehrgängen flanieren
- dass jemand stürmisch ans Tor klopfte und Einlass verlangte. Als
ich vorsichtig über den Rand der Brüstung lugte, konnte ich zwei
Reiter erblicken. Einer der beiden war eindeutig ein Luchner, der andere
derartig vermummt, dass ich ihn nicht erkennen konnte. Es war jedoch ersichtlich,
dass der zweite Reiter schwer verletzt sein musste, denn die Wachen, die
die beiden hineinließen, mussten den Mann vom Pferd heben und in
die Burg tragen.
Mein Hanosch und ich wollten ja eigentlich sofort hinterhereilen, um
herauszufinden, wer denn da so spät angekommen war, aber der wenig
respektierliche Anblick unserer Gewandung hielt uns davon ab. So hörten
wir uns denn in der Nacht nur noch etwas bei den Wachen und Dienern um
und konnten folgendes herausfinden:
Bei dem Luchner handelte es sich um Llelvin Mad'Ruad, genau jenen Luchner,
der seit dem Methfeste als Leibwache der Prinzessin dient. Er kam wohl
direkt von Burg Aarhorst in der Baronie Tatzelfels, und so wie er aussah,
muss er sich auf einem Eilritt befunden haben und das trotz des Verletzten,
den er bei sich hatte.
Das war ja nun sehr mysteriös! So beschloss ich, mich noch etwas
weiter umzuhören, wenn auch mein Hanosch meinte, ich würde mich
mit meiner Neugier noch in Teufels Küche bringen. Aber schließlich
bin ich Bardin und Gauklerin, und da ist man auf neue Nachrichten angewiesen,
wenn man Geld machen will. Und so schaffte ich es doch tatsächlich,
das Bruchstück eines Gesprächs zwischen dem ehrenwerten Baron
Koldewaith und jenem Llelvin zu ergattern:
Der Verletzte war der Ritter Arandis von Schwarzensteyn! Der erste
Ritter der Tatzelfelser Ritterschaft, Cawadoc, hatte ihn zum Duell gefordert,
weil Arandis sich seinem Befehl widersetzt hatte. Llelvin gab sich die
Schuld an dem Vorfall, weil er Arandis dazu angestiftet habe, die Prinzessin
trotz Cawadocs Verbot zum Ceridenkonvent zu begleiten. Die beiden hatten
wohl Angst gehabt, dass Karr seine Männer auf die Prinzessin hetzt.
Na, das waren ja Neuigkeiten! Aber es ging noch weiter. Eine mächtige
Magieentladung hätte es gegeben, als Cawadoc Arandis niedergeschlagen
hatte. Llelvin erzählte irgendetwas von einem Amulett, dass Cawadoc
dem Unglückseligen beim Kampf abgerissen hatte. Jedenfalls lag der
Erste Ritter danach da wie tot. Da war Llelvin klug genug gewesen, seinen
ebenfalls bewußtlosen Freund Arandis nach Luchnar in Sicherheit zu
bringen.
Der Baron war über diese Eröffnungen sehr aufgebracht, er
benutzte Schimpfworte gegenüber Cawadoc, die ich noch nie zuvor gehört
habe bei einem Mann seines Ranges. Überhaupt war er sofort bereit,
Arandis bei sich aufzunehmen und zeigte sich sehr besorgt um ihn. Letzteres
nicht zu Unrecht, wie mir scheinen wollte. Denn so oft, wie der Heiler
in der Kammer weilte, in die man den Verletzten gebracht hatte, musste
es ihm sehr schlecht gehen. Auch Llelvin und der Baron waren abwechselnd
fast die ganze Zeit dort zu finden.
Aber nicht genug der Sonderbarkeiten! Wenige Tage später kam sogar
Ihre Hochwohlgeboren die Prinzessin Syria Jaldis höchstselbst auf
der Burg an. Man erzählte sich, sie wäre hier, um dem seltsamen
Tor zur Anderwelt auf den Grund zu gehen. Das mag ja seine Richtigkeit
haben, aber ich frage mich, warum die Prinzessin dann als erstes in jene
Kammer eilte und dort lange Stunden verbrachte? Ich will ja keine voreiligen
Schlüsse ziehen, aber ich denke, dass es für den Besuch wohl
noch andere Gründe gab.
Ja, und dann hörte ich die Neuigkeiten aus der Baronie Tatzelfels:
Cawadoc hat den jungen Arandis in Abwesenheit geächtet und ihm sogar
die Ritterwürde aberkannt. Er glaubt, dass Arandis die Magie absichtlich
gegen ihn eingesetzt hat. Wörtlich soll Cawadoc gesagt haben, dass
er den ehrlosen Hund umbringt, wenn er ihn in je auf Tatzelfelser Boden
in die Finger bekommen sollte.
Also ich muss sagen, dass ich höchst erschüttert bin über
all diese Vorfälle. Ich habe ja den jungen Arandis auf dem Methfest
kennengelernt. Er ist ein netter und ruhiger, junger Mann, von dem ich
niemals glauben kann, dass er so ehrlos handeln würde. Aber auch der
Ritter Cawadoc ist höchst respektierlich, immerhin hat er Hanoschs
und meine Trauung bezeugt. Ich weiß ja, dass es mich nichts angeht,
was die hohen Herrschaften so beschließen. Schon gar nicht steht
es mir an, mich in irgendwelche Ehrenhändel einzumischen. Aber so
wie ich das alles vernommen habe, muss da ein ganz fürchterliches
Missverständnis vorliegen, das es zu beheben gilt. Und genau das ist
auch der Grund, warum ich es wage, all diese Dinge in so schonungsloser
Form darzulegen.
Ich bin nur eine einfache Frau, aber dennoch hoffe ich sehnlichst,
dass diese Zeilen vielleicht Licht ins Dunkel zu bringen vermögen.
Auch wenn mein Hanosch sagt, ich solle es besser bleiben lassen, da die
Leute es mir nur übelnehmen würden. Doch nehme ich mir das Recht
der Barden und Gaukler heraus, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie nicht
genehm ist. Oder Mißstände aufzudecken, so ich sie entdecke.
Und ich wüsste keinen übleren Mißstand, als wenn ein Mann
zu Unrecht oder aufgrund eines Missverständnisses so Schlimmes erdulden
muss wie der arme Arandis von Schwarzensteyn.
So mag man mich nun schimpfen oder dumm nennen! Ich hoffe dennoch,
dass ich mit diesem Bericht etwas bewirken kann - und wenn er nur einige
Personen zum Nachdenken bringen mag. Das würde mir genügen.
Carina Jännert
Der Fluch über Baron Koldewaiht - ein Tor zur Anderswelt
Die Druidh haben mit ihrem hartnäckigem Bemühen endlich Licht
ins Dunkel gebracht. Es gelang ihnen, zwei der überreichlich über
Luchnar hereingebrochenen Rätsel zu verknüpfen und großenteils
zu lösen: den Fluch, der seit dem Ogedenbundtreffen bzw dem Gelehrtenkonvent
über Koldewaiht von Hautzensteyn schwebt und die Schwemme von Wesen
aus der Anderswelt im Gebiet der Feste Hautzensteyn.
Nahe der Feste hat sich offenbar ein neuer Cearn gebildet, eine Zone,
in der die Grenzen zur Anderswelt sehr dünn sind und ein Übertritt
den Alfar und anderen Wesen leicht fällt. Dies geschieht in der Regel
beim Tod eines Druidhs. Ungewöhnlich ist der Manifestationsort des
Cearns, denn die Feste Hautzensteyn liegt in einer Gegend, in der die Grenzen
zur Anderswelt eigentlich als sehr dicht galten, fast so dicht wie an den
Außengrenzen Luchnars. Die Druidhs fanden heraus, daß der Cearn
räumlich nicht eindeutig gebunden ist, sondern vielmehr an eine Person
geknüpft - nämlich an den Baron des Landes, an Koldewaiht von
Hautzensteyn. Eben darin besteht sein Fluch, der sich, wie damals angedroht,
nach Monden manifestiert hat. Die Auswirkungen zeigten sich natürlich
vor allem um den häufigsten Aufenthaltsort des Barons, um seine Feste.
Genaue Untersuchungen erbrachten , daß der Fluch sich kaum auswirkt,
wenn der Baron außerhalb Luchnars weilt. Der Cearn überschreitet
die Landesgrenzen nicht; sondern kehrt dann in die Gegend um die Feste
zurück, ist jedoch fast inaktiv.
Unklar ist noch, auf welche Weise eine solche Wirkung zustande kommen
konnte. Schon in Tolens erkannte der Hochdruidh Hagmore, daß dem
Fluch der rätselhaften Rowaine Alfar- und Druidhmagie innewohnt. Das
Geheimnis um diese Frau ist ungelöst. Dem Baron selbst sind mit keinen
Mitteln mehr Spuren des Fluches anzumerken. Die einzige Verknüpfung
scheint die nur innerhalb des Landes bestehende Verbindung mit dem Cearn
zu sein, weshalb die Druidh nun - entgegen ihrer vorherigen Meinung - die
Empfehlung aussprachen, Luchnar vorerst nicht mehr zu betreten. Es ist
eine Ironie des Schicksals, daß sich der Baron damit fast in der
selben Lage befindet wie sein Bruder Cederric.
Wolfenfeld für ein Jahr vom Zehnt befreit
Die Arbeiten an der Stadtmauer zu Sarniant schreiten fort, und die Bruchsteine
aus Eberwildern treffen täglich mit dem Ochsenkarren auf der Baustelle
ein. Der Aufruf Baronin Josephinas scheint jedoch ungehört verhallt
zu sein: Bisher hat sich kein Einwohner ceridischen Glaubens dazu bereit
gezeigt, den Bau mit seiner Arbeitskraft oder einer Geldspende zu unterstützen.
Deshalb ließ Ihre Hochwohlgeboren wenige Tage nach den Neujahrsfeiern
eine Anordnung verlesen: Alle arbeitsfähigen ceridischen Einwohner
Sarniants würden nochmals aufgefordert, drei Tage lang an der Stadtmauer
ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Dazu gebe es die Möglichkeit,
diesen Dienst durch die Zahlung von sechs Groschen pro Person abzuleisten.
Alle Einwohner seien dazu angehalten, etwas für die Sicherheit der
Stadt zu tun. Da die Maßnahmen zur Wehrfähigkeit von Sarniant
auch von Fürstlicher Seite erwünscht seien, habe Landesherr Waldemar
von Drachenhain beschlossen, auf den Zehnt Wolfenfelds für das
Jahr 28 zu verzichten und das Geld für weitere Vorkehrungen zur Landesverteidigung
zu verwenden. Überall nahmen die Menschen diese Mitteilung mit Verwunderung
auf, verhaltener Beifall war zu hören. Kaum jemand wagte es, offen
seine Zustimmung zu zeigen, doch hörte man in Gassen und Schenken
zahlreiche Gerüchte über das sonderbare Verhalten der Baronin
und ihre ungewöhnliche Härte.
Brennus Palimpsest
Neujahrsfeier auf der Drachentrutz
Menschen, die schon zu Lebzeiten der Gräfin Richilda auf der Drachentrutz
- besser gesagt, der damaligen Feste Drachenzahn - weilten, mochten sich
heuer zum Neujahrsfest wie von Zauberhand in jene glückliche Zeit
zurückversetzt gefühlt haben. Der Klang von Lachen, Gesang, Musik
und Tollerei hallte durch die Arkadengassen und erfüllte auch noch
den dunkelsten Winkel der altehrwürdigen Feste mit erfrischendem Leben.
Die Straßen waren von Fackeln und Lampen hell erleuchtet und verschwenderisch
mit bunten Blumen und farbigen Bändern geschmückt. Der Duft von
Lavendel und Jasmin hing angenehm in der Luft und beflügelte die Sinne,
dass das Herz frohlockte. Regelrecht die ganze Feste war bereit, das neue
Jahr, nebst den heraneilenden Sommer, mit dieser rauschenden Feier zu begrüßen.
Seit Jahren ließ man erstmals wieder die Feuerräder aus Heu
und Holz zu Ehren Helios den steilen Abhang entlang des Bergmassivs, auf
dem die Drachentrutz thront, mit Juchhauzen und Gelächter herunterrollen.
Während man zugleich die hellen Glocken der Richilesruh-Kirche ertönen
ließ. In der wiedereröffneten Taverne "Zum Goldenen Stechapfel"
sammelte sich das gemeine Volk, um sich mit freiem Bier, Wein und Meth
zu verköstigen und nicht zuletzt war auch für das leibliche Wohl
vortrefflich gesorgt. Auf dem Großen Marktplatz stieß man nach
der langen Rede des Fürsten auf die Gesundheit des "neuen Drachenhains"
an, das dort oben im engen Kreis, fast komplett beisammen stand , einzig
die Nichte des Fürsten, Baronin Josephina von Wolfenfeld, hatte wegen
dringenden Staatsgeschäften ihr Kommen absagen müssen.
Von einer Balustrade aus beobachtete Fürst Waldemar und seine
beiden Kinder, nebst einem weiteren Gast, Baron Koldewaiht, beseligt das
bunte Festtreiben. Auf Prinz Leomars Lippen spielte ein leichtes Lächeln,
er schien zufrieden.
Doch nicht allein zum Festen, waren die noblen Herrschaften früh
am Tag vor dem Fest zusammengekommen, es galt auch eine bedeutsame Angelegenheiten
zu beschließen, wurde doch Baron Koldewaiht von Hautzensteyn feierlich
zum Botschafter des Fürstentums Drachenhain ernannt. Der Herr von
Luchnar erhielt Würdering, nebst Heliosbrief, nach Beendigung der
huldvollen Zeremonie und nach Besiegelung des Amtsantrittes mit dem Vasallenkuss.
Anzumerken ist, dass damit Prinz Leomar nun auch das letzte der drei Drachenhainer
Erzämter aufgab, da bekanntlich seine Cousine, Baronin Josephina von
Wolfenfeld, den Posten des Marschalls und Lord Angus McPhee, Baron von
Tagil, den des Schwertführer des Landes, inne haben. Als weitere Neuerung
wurde den drei Haltern dieser hohen Ämter Räumlichkeiten auf
der Feste Drachentrutz eingerichtet, auf dass einer möglichst häufigen
Präsenz der Drei am Hofe nichts im Wege steht. Noch am selben Abend
bezog Baron Koldewaiht, neuer Botschafter des Fürstentums Drachenhain,
sogleich die Zimmer nahe der Bibliothek, die ehedem der Familie zu Studienzwecken
gedient haben.
Hernach waren Fürst Waldemar und seine Gäste, wie berichtet,
auf die Brüstung, hoch über dem großen Marktplatz getreten.
Dort hielt seine Durchlaucht eine, an all seine Untertanen gerichtete Rede,
in der zum einen, der neue Botschafter vorgestellt wurde, und zum anderen
allen Menschen im Land für das neue Jahr froher Mut zugesprochen wurde.
Solch schlimme Dinge wie im vergangenen Jahr, sollte im Neuen der Vergangenheit
angehören. Fürst Waldemar sprach: "...Dergleichen Ungemach soll
es heuer nicht mehr geben, dafür bete ich! So ist es mir eine Freude
mein treues Drachenhainer Volk zu loben und zu preisen, wie tüchtig
und redlich es doch ist. Keinen Tag bereue ich seinem Wohl und Segen mein
Leben verschrieben zu haben. Und darum: Mit Sporn und Schneid in eine neue
Zeit!"
Unter Hochrufen erwiderte das Volk den alten Gruß und wer jetzt
noch nicht ausgelassen feierte, der tat es nimmermehr!
Dem Leser ergebenster Diener,
Schillwunk Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter
Große Freude beim Neujahrsfest in Wolfenfeld
Zahlreiche Überraschungen gab es dieses Jahr beim Neujahrsfest in
Wolfenfeld, und die Freude war groß: So ließ Baronin Josephina
in allen Orten des Baronie verkünden, dass von heute an die Dörfer
Rêlony, Korval, Findling, Wolfenfeld und Eberwildern zu Märkten
erhoben seien. Die damit verbundenen Rechte würden unter anderem Wochen
und Jahrmärkte beinhalten, sowie auch den Bau von Palisaden rund um
den Ort und die Vergrößerung der Wachmannschaften. Weiterhin
würden folgende Personen in die Freibauernschaft entlassen: Aus dem
Land Wolfenfeld die Bauern Ahlan Derbinger und Peter Uhlenvogel, aus Eberwildern
Bern vom Tannenhof und Erlan Fudelbacher und aus Korval Quintus Ulsamer
und Georg vom Moosbach. Der Jubel war groß über diese unerwarteten
Ereignisse und die Menschen liefen in den frischgebackenen Märkten
zusammen und begannen ausgelassen zu feiern.
Bei den Feierlichkeiten im Schrein zu Sarniant war die Baronin zwar
anwesend, wiederum in schlichtes Leinen gekleidet, nahm aber nur als Zuschauerin
außerhalb des Steinkreises an den Handlungen teil, was zu neuerlichen
Gerüchten in der Bevölkerung Anlaß gab.
Am Vormittag des neuen Tages trafen die vier Landräte auf der
Burg ein. Ihre Hochwohlgeboren überreichte die Markturkunden und sprach
mit jedem von ihnen längere Zeit hinter verschlossenen Türen.
Diese etwas formlose Übergabe scheint wiederum darauf hinzuweisen,
dass die Baronin größere Auftritte in der Öffentlichkeit
vermeiden will. Man sah sie lange Zeit nicht mehr zur Jagd reiten, auch
die Reise nach Anthan wurde in einem Wagen mit geschlossenen Vorhängen
unternommen. Fast täglich arbeitet sie jedoch im Schrein und im Siechenhaus.
Als ich es dort wagte, sie anzusprechen, gab sie mir nur eine ausweichende
Antwort und wandte sich wieder den Kräuterkörben zu. Nur manchmal
konnte ich ein müdes Lächeln sehen, wenn sie mit Kranken sprach,
die sie aber häufig wegen ihres schlichten Gewandes gar nicht erkannten.
Am Nachmittag des Neujahrstages wurde in der Burg gepackt, Pferde und
Wagen standen bereit. Der Maior Domus teilte mit, dass die Baronin einer
Einladung Leabells von Tlamana folgte und einige Tage zu den heißen
Quellen von Tlamana reisen werde. Ob sie dort nur Erholung sucht oder etwas
anderes dahintersteckt, bleibt abzuwarten.
Brennus Palimpsest
Belohnung
Baronin Josephina von Wolfenfeld setzt für die Ergreifung des Hochverräters
Kadhan von Hochaskenstein eine Belohnung von 1000 Dukaten aus. Unter seinem
Befehl wurde im 3. Helios des Jahres 27 auf Wolfenfeld ein Überfall
verübt und das Dorf Wiesensteig ausgelöscht. 35 Einwohner wurden
dabei im Schlaf überrascht und getötet. Kadhan ist seitdem untergetaucht.
Die Baronin bittet um lebendige Auslieferung, da der Mörder öffentlich
seiner gerechten Strafe zugeführt werden soll.
Gab es tatsächlich einen vierten luchnischen Clan?
In den Sumpfgegenden Luchnars finden sich uralte Zivilisationssspuren -
wenige und verstreute Spuren zwar, jedoch deuten sie auf eine ehemalige
Besiedlung dieser gänzlich unwirtlichen Landstriche hin. Sagen berichten
von einem vierten Clan, der in den Sümpfen lebte. Obwohl oder gerade
deshalb, weil sich die Druidh in den letzten Monden häufig mit unüblichen
Aufgaben beschäftigen mußten, untersuchen sie die Siedlungsspuren
jetzt neu. Baron Koldewaiht von Hautzensteyn bot Unterstützung durch
seine Verbindungen zum heligonischen Altertums-Arbeitszirkel an; es ist
noch unklar, ob die Druidh das Angebot annehmen werden.
Meine Ehre für Ylvis verschwundenes Kind - meine Ehre für den
gefundenen verwirrten Mann
Ich bin Fanyan Mad'Ruadh und ich spreche und schreibe an dieser Stelle
für meine Schwester Ylvi und meinen ganzen Clan. Mein Neffe ist verschwunden.
Das Kind meiner Schwester ist einfach verschwunden. Das Kind, dessen Vater
Thyrwald Ragnarsson ist, Statthalter irgendwo in Tlamana. Thyrwald, wenn
Du es warst, der seinen Sohn entführt hat, dann wird Poëna kein
Mitleid kennen! Schlimmer: Wir werden kein Mitleid kennen! Aber ich
glaube nicht, daß Du es warst. Wölfe, wenn Ihr es wart, die
Ihr meinen Neffen holtet: Cauthesh co nai Cauthesh bringe Euch zur Strecke
und Cuatha Orn, Eure Ahnmutter, spucke auf Eure Gebeine! Aber ich glaube
nicht, daß Ihr es wart. Es ist nicht Eure Jahreszeit. Außerdem,
Ihr Wölfe heutzutage hinterlaßt Spuren.
Welche Bande auch immer dahinter steckt: Ich und Ylvi werden Euch finden.
Kindra wird Euch verfolgen. Und Tulberlate wird Euch den Hals umdrehen,
auch wenn er grade im Norden Utzgan spielt.
Es kann sein, daß Poëna bereits einen von Eurer Bande gestraft
hat. Ein paar Meilen weiter wurde ein Mann im Wald gefunden, verwirrt,
gut 20 Jahre alt und nackt. Er erinnert sich an gar nichts. Allerdings
spricht er luchnisch, doch wir kennen ihn nicht. Und die Luchner kennen
alle Luchner. Falls er zu Euch gehört, so hat Poëna ihn gezeichnet
und gesegnet, denn sie hat ihm unsere Sprache gegeben und zu einem von
uns gemacht. Falls nicht, muß das Land ihn uns gegeben haben. Wir
werden ihn umsorgen und pflegen.
Aber Ihr werdet so billig nicht davonkommen!!!
Höret höret,
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu
wissen, dass der als "Schlächter von Wiesensteig" bekannte Kadhan
von Hochaskenstein für vogelfrei erklärt wird. Überdies
wird auf seine Ergreifung und Überführung zur Feste Drachentrutz
bei lebendigem Leibe eine Belohnung von 1000 Dukaten ausgesetzt, während
500 Dukaten dem Überbringer seines Leichnams ausbezahlt werden wird.
Den Schurken und Landesfeind hat man zuletzt nahe des Parimawaldes,
Höhe Brazfurt in den Nordlanden, gesichtet. Dort wurde Kadhan bei
dem Versuch bei Freiherr Karr von Talwacht unter falschen Namen anzuheuern,
von selbigen als Mörder von Wiesensteig erkannt und festgesetzt. Allerdings
konnte der Hochaskensteiner einmal mehr seinen vom Fürsten entsendeten
Häschern entkommen, wobei man ihm aber schwere Verletzungen zufügte.
20. Tag im Mond der Erleuchtung 91 n.d.E.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von Drachenhain
Höret höret,
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu
wissen, dass Prinzessin Syria Jaldis von Drachenhain, ab dem heutigen Tage
an, neue Herrin der Baronie Tatzelfels ist. Die Tochter des Fürsten
von Drachenhain tritt die Nachfolge ihres Bruders Prinz Leomar an, der
sich fürderhin auf der Drachentrutz auf das Amt des Fürsten von
Drachenhain vorbereiten wird.
Hoch, Baronin Syria Jaldis von Tatzelfels! Der Eine möge seine
Hand über Euch halten und Euch eine lange und segensreiche Regierungszeit
schenken.
1. Tag im Heumond 91 n.d.E.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von Drachenhain
Gedanken einer Prinzessin
Es war ein ganz anderes nach Hause kommen.
Burg Tatzelfels lag hoch oben auf dem Felsen, eine Silhouette vor der
sinkenden Sonne. Die Mauern sprachen von einer neuen Zeit, die anbrechen
würde, einer neuen Zeit, die nun sie gestalten würde.
Die Kutsche rumpelte über die Straße hinauf zur Burg und
der sich schließende Wald verbarg sie für einige Zeit vor ihrem
Blick. Die Prinzessin lehnte sich in die Kissen zurück und starrte
gedankenverloren hinaus auf die vorbeiziehenden Bäume.
Sie hörte wieder den Jubel der Menschen von Beridheim, als ihre
Kutsche in der Begleitung der Gardisten durch die Hauptstadt von Tatzelfels
gefahren war. Es war alles so schnell gegangen. So schrecklich schnell.
Vor wenigen Wochen war sie Gast auf dem Ceridenconzil in Altmühl
gewesen und hatte von Leomars Idee noch nichts geahnt. Nachdem ihr Cousin
Aftalun von Ostarien an die Spitze der Ceridischen Kirche gewählt
worden war, war sie zurück auf Burg Tatzelfels gereist, um sich auf
die Ereignisse der kommenden Zeit vorzubereiten. Es war natürlich
alles anderes gekommen, wie sie es geplant hatte.
Die Vorbereitungen für die Expedition in den Parimawald kamen
nachhaltig zum Stillstand.
Prinzessin Syria Jaldis ballte ihre Hand zu einer Faust, als sie sich
daran erinnerte, wie zornig Cavadoc zu ihr gekommen war, alle Regeln der
Etikette vergessend. Er war einfach auf ihre Gemächer gestürmt
und hatte sie selbst in ihrer Person zur Rede stellte. Sie fühlte
die Wut wieder heiß in sich emporkochen, als sie sich daran erinnerte.
Schwarz und bedrohlich hatte er sich vor ihr aufgebaut und sie zur
Rechenschaft ziehen wollen. Viele Personen, nein sehr viele Personen, wären
augenblicklich in Ohnmacht gefallen oder hätten ihr Heil in der Flucht
gesucht, wenn sie derart mit Cavadoc konfrontiert worden wären. Aber
nicht die Prinzessin.
Cavadoc hatte sie erbost gefragt, ob es ihre Idee gewesen war, Ritter
Arandis, einen Ogeden, mit auf das Konzil der Ceriden zu nehmen, und sie
hatte ihm kühl geantwortet, daß sie es nach den Ceridischen
Übergriffen auf ihre Person auf dem Methfest durchaus in Betracht
gezogen hatte, einen Ogeden an ihrer Seite zu wissen. Dann hatte sie Cavadoc
ausgelacht, daß ihre Wahl schwerlich ihn selbst hätte treffen
können. Außerdem war Arandis nicht der einzige Ogede gewesen,
der sie begleitet hatte. Llevin Mad’Ruadh, sie hatte den Namen gerade ausgesprochen,
um daraufhin Luft für eine weitere Beleidigung zu holen, als er ihr
mit einer zornigen Handbewegung das Wort abgeschnitten hatte: “Ich will
nur wissen, ob Ihr Arandis den Befehl gegeben habt, Euch zu begleiten.”
“Ja, habe ich!”
“Wußtet Ihr nichts davon, daß ich ihm den Befahl erteilt
hatte, Euch nicht nach Altmühl zu begleiten?”
Die Prinzessin hatte verneinend den Kopf geschüttelt, und Cavadoc
war davongestürmt. Wenig später erfuhr sie dann, dass Cavadoc
Arandis die Ritterwürde, die er ihm einst selbst gegeben hatte, mit
zorneslauten Worten wieder aberkannt hatte. Weiterhin verbannte er ihn
vom Boden von Tatzelfels. Die Prinzessin bemühte sich daraufhin, zu
erfahren, was vorgefallen war, doch niemand konnte oder wollte ihr Auskunft
dazu geben. Einen Tag später erschien dann spät am Abend Llevin
bei ihr und brachte Licht ins Dunkel. Folgendes konnte der Luchner der
Prinzessin berichten:
Als Arandis und Llevin auf Burg Aarhorst zurückkehrten, hatte
Cavadoc Arandis schon im Hofe wie ein Mahnmal erwartet. Ohne große
Umschweife forderte er Arandis zum Duell, weil dieser seinen Befehl, Syria
nicht auf das Ceridenkonzil zu begleiten, ignoriert hatte. Llevin selber
war es, der ihn dazu überredet hatte. Arandis betonte Cavadoc gegenüber
noch, dass Syria nichts von alledem gewusst habe, dann kam es zum Kampf.
Arandis gab sich zwar alle Mühe, gegen Cavadoc zu bestehen, doch
dieser konnte ihm recht bald eine schwere Wunde beibringen und ihn entwaffnen.
Voller Zorn ging der erste Ritter daraufhin auf Arandis zu, um ihm den
Waffenrock mit den Tatzelfelser Farben vom Leib zu reißen. In dem
Augenblick, als Llevin jedoch das Reißen des Stoffes hörte,
gab es eine gewaltige Magieentladung und Cavadoc stürzte wie tot zu
Boden.
Besorgt um seinen Freund Arandis, nutzte Llevin die Gelegenheit, um
nach diesem zu sehen. Arandis war schwer verletzt und starrte Llevin aus
glasigen Augen an: „Das Amulett?“ sagte er immer wieder, „das Amulett.“
Als Llevin nichts vernünftiges aus ihm herausbekommen konnte, entschloss
er sich kurzerhand dazu, Arandis über die Grenze nach Luchnar in Sicherheit
zu bringen, bevor Cavadoc wieder zu sich kommen konnte. In Luchnar gab
er ihm bei einem Angehörigen seines Clans in Obuht und bat diesen
darum, den mittlerweile besinnungslosen Arandis zu Koldewaiht zu bringen,
nach Hautzensteyn.
Die Prinzessin begriff recht schnell, was geschehen war: Arandis Magie,
einst erweckt und dann gebannt, hatte sich in einer Explosion aus dem Jungen
befreit. Zudem erkannte sie, dass sie in dieser Beziehung geschlagen war.
Zwar hatte Arandis keine Magie gewirkt, um Cavadoc zu besiegen, aber er
hatte sich dem dunklen Ritter widersetzt. Cavadoc war völlig im Recht.
Einen Tag später machte sich die Prinzessin zusammen mit Llelvin
Mad’Ruadh auf den Weg nach Luchnar. Ihr Ziel war die Bedrohung, die Llelvins
Heimat heimsuchte. Tore in die Anderswelt hatten sich geöffnet, und
Wesen, anders als die Menschen ,begannen sich hier herumzutreiben. Die
Prinzessin hatte geglaubt, eine Parallele zu den Vorkommnissen im Parimawald
entdecken zu können. Doch wurde ihr, einer Ceridin, der Zugang zu
den Toren von den Druids verwehrt. Selbst Baron Koldewaiht konnte sie nicht
davon überzeugen, daß die Prinzessin eine Hilfe darstellen mochte.
So begnügte sie sich damit, in den zehn Tagen das Land zu bereisen
und sich die Hochlande anzusehen. Manchmal sah sie sogar eines der Wesen
aus der Andersweltler. Sie waren von Gestalt und Gesinnung so vielfältig,
wie die Blumen auf einer Wiese.
Auf Burg Hautzensteyn traf sie dann auch auf Arandis, der hier Zuflucht
gefunden hatte. Er sah schlimm aus, nicht nur sein Körper hatte bei
der Begegnung mit Cavadoc Wunden davongetragen, sondern auch seine Seele.
Der Schatten eines Geas lag darüber, wie ein fein gewobenes Spinnennetz.
Allerdings verweilte sie nur einen Tag bei ihm, da sie eine Nachricht
ihres Vaters erreichte. So schnell es ihr möglich war, reiste sie
daraufhin weiter auf die Drachentrutz.
Die Prinzessin in ihrer Kutsche mußte leise lachen.
Von den vielen Reisen derangiert ritt sie damals auf ihrem Pferd in
einen geschmückten Palasthof. So herausgeputzt war die Burg ihres
Vaters noch nie gewesen, wenn sie auf Besuch gekommen war.
Man hatte sie in ihre alten Gemächer geführt und dort wieder
zu einer Prinzessin herausgeputzt.
Am Abend dann war die Familie zusammengetroffen. Fürst Waldemar,
Baron Leomar und sie selbst Prinzessin Syria. Es war spürbar, die
beiden Männer hatten etwas ausgeheckt und wollten es ihr während
des Essens mitteilen.
Die Eröffnung hatte sie bleich auf ihren Stuhl zurücksinken
lassen.
Es hatte eine kleine Feierlichkeit gegeben, und nun saß sie hier
in ihrer Kutsche.
Rumpelnd kam sie auf dem Pflaster des Innenhofes von Tatzelfels zum
stehen. Sie wartete, bis man ihr die Tür geöffnet hatte und trat
hinaus. Das Burgpersonal hatte sich versammelt und stand für sie Spalier,
für sie, die neue Baronin von Tatzelfels.
Bekanntmachung
Es wird hiermit allen Bürgern des Landes Heligonia kund getan, dass
Arandis von Schwarzensteyn
seine Ritterwürde verlustig gegangen ist. Aufgrund der Verweigerung
des Gehorsams und der Anwendung von Magie in einem ehrenhaften Duell hat
der Erste Ritter der Tatzelfelser Ritterschaft Cawadoc Gwar´U Madh
Arandis von Schwarzensteyn den Titel des Ritters, den er ihm selbst vor
kurzem verliehen hat, und alle damit verbundenen Rechte aberkannt. Arandis
von Schwarzensteyn ist ab sofort nicht mehr berechtigt ein eigenes Wappen
zu führen, sondern gilt fürderhin nur noch als gewöhnlicher
Krieger.
Der vierte Hochdruidh
"Nein, es sind keine geheimen Informationen. Auch die Druidh sind nicht
allwissend, seit langem fragen wir uns, wer der neue Hochdruidh sein wird
und wir wissen, daß auch unser Volk sich fragt..."
So sprach zu mir Raswelley, der Druidh, dem ich viel zu verdanken habe.
Lhirmon, der Hochdruidh des Quét Deer, des Elements Erde starb im
1. Poëna. Es ist richtig, daß wir uns alle fragten, wer sein
Nachfolger wird. Üblicherweise erkennen die Druidhs dies rasch, einer
aus ihren Reihen wird neuer Hochdruidh - nicht unbedingt der Älteste
oder Erfahrenste, nicht unbedingt der, von dem es vermutet wird, aber lang
warten mußten wir nie. Diesmal jedoch verstrich das Frühjahr
und niemand spürte den Ruf in sich, niemand wurde erwählt. So
sammelten sich die Druidh und beteten zu Poëna, sie möge doch
den neuen Hochdruidh, den Hochdruidh ihres eigenen Elements bestimmen.
Poëna antwortete! und sie antwortete jedem in anderen Worten, aber
der Sinn war immer der gleich. Was Raswelley vernahm, war folgendes:
"ÖFFNET DIE AUGEN UND DIE GEDANKENUND IHR WERDET FINDEN, DASS
DER VIERTE HOCHDRUIDH LÄNGST UNTER EUCH WANDELT!"
Die Druidh blieben sprachlos zurück und genauso geht es mir...
Conor Hweyllan MadGlas, Druidhanwärter
Herzögliche Ostarische Hofgazette
Schauplatz Jolsee:
Dreister Überfall durch ausnehmend ortsfremde Piraten
„Unbewaffnete, langsame, vollkommen überladene Lastkogge auf
Steuerbord!“ rief der Ausguck mit kräftiger Stimme. Mit zufriedenem
Grinsen ließ der Kapitän der „Schattenhammer“ Kurs auf die sichere
Beute setzen. Jetzt würde alles gut werden! Vor ein paar Monden hatte
er sich entschlossen die Heligonischen Gewässer heimzusuchen, hatte
Rumpf und Segel noch einmal des Effektes wegen frisch schwarz angestrichen
(Der einzige, der große Vorräte schwarzer Farbe hatte, war ein
Händler aus der heligonischen Metropole Betis gewesen. Welch Ironie!),
und war dann frohen Mutes in See gestochen.
Jedoch war die Stimmung immer mehr gesunken, als man wochenlang keinerlei
Segel sichtete, und fast hatte der Kapitän schon aufgegeben, als sich
das bereits beschriebene Schiff am Horizont zeigte.
„Zwei unbewaffnete, langsame, vollkommen überladene Lastkoggen
voraus!“ tönte es aus der Höhe. Das Grinsen des Kapitäns
wurde breiter und breiter, als sich nach und nach herausstellte, daß
hier insgesamt vier Kähne der Fette-Beute-Klasse unterwegs waren
und nur darauf warteten geentert zu werden.
Das war einfach! Fast zu einfach! Der Kapitän spürte ein
Zwicken im großen Zeh, das er immer hatte, wenn etwas ganz und gar
nicht in Ordnung war. Dazu kam, daß die Koggen überhaupt
nicht zu fliehen versuchten, obwohl sie die Schattenhammer längst
hätten entdecken sollen.
So kam es, daß der Kapitän nicht besonders verwundert war,
als der Ausguck seinen Verdacht bestätigte: „Zwei schwer bewaffnete,
schnelle, streitlustige Kriegschiffe voraus!“ Etwas kleiner als die Koggen
und dicht hinter ihnen verborgen, hatten die Piraten diese unangenehme
Begleiterscheinung, deren Flagge eine schwarze Schlange zeigte, nicht
wahrnehmen können, bis diese zwischen ihren Schützlingen hervorbrachen,
um Kurs auf den Angreifer zu nehmen. Schon flogen brennende Geschosse durch
die Luft, die zum Glück alle ihr Ziel verfehlten, und es war abzusehen,
wer in diesem Gefecht den Kürzeren ziehen würde.
„Volle Wende über Backbord!“ befahl der Kapitän und brachte
die Schattenhammer durch einige gewagte Manöver außer Reichweite
der gegnerischen Geschütze, was um so leichter viel, da die Heligonier
sich mit dem Erreichten zufrieden zeigten und keine Anstalten machten,
die Verfolgung fortzusetzen.
Enttäuscht ließ der Kapitän Kurs auf neue Jagdgründe
setzen. Mit diesen Heligoniern war nicht zu spaßen! ...
... „Kommt ja nie wieder zurück ihr Pißpötte!“ schrie
Xurlsen Kielholer, Kommandant des Geleitschutzes für Konvoi AA27/HOKV
(Herzöglich-Ostarisches Konvoiverzeichnis), dessen Bestimmung es war,
Baumaterial zum Herzog-Uriel II.-Atoll zu transportieren. Während
er der Herzogin Walluma Signale geben ließ, sich gemeinsam mit seiner
Prinz Aftalun wieder in den Konvoi einzugliedern, und sein Pfeifchen wieder
ansteckte, welches er vorher eilig aus der Hand hatte legen müssen,
dachte er noch einmal über das soeben Geschehene nach: „Bei Xurls
Harnschlag! Es mögen zwar keine Telnaroner gewesen sein aber eines
ist gewiss: Komische ausländische Seeleute können wir hier für
den Tod nicht ausstehen!“
Heligonia im Utzganfieber
Auch dieses Jahr, zum insgesamt 317. Male, lud der Herzöglich Ostarische
Utzganbund (HOUB) zum größten Utzganturnier Ostariens, den
Offenen Ostarischen Meisterschaften. Es ist nicht allein die Aussicht auf
die schmucke Ehrenscheibe, die Mannschaften aus ganz Heligonia nach Ankur
führte, zusätzlich können die besten Teams hier auch Punkte
für den Heligoniapokal sammeln. Drei Wochen wird das Spektakel dauern,
bei dem zuerst die jeweils besten zwei Teams aus vier Gruppen bestimmt
werden, die dann in Direktausscheidungsspielen bis zum Finale gegeneinander
antreten.
Da ein Spiel ohne Utze niemanden vom Hocker reißt, wird nach
der aktuellen Herzöglich Ostarischen Utzganordnung gespielt. So gibt
es nicht nur Punkte für Siege (5) und unentschieden ausgefallene Spiele
(2), sondern auch einen Punkt pro Utz.
Eine exquisite Mischung von interessanten Mannschaften nehmen an dem
Spektakulum teil. Topfavoriten wie Krönung Escandra oder Burai Breath
werden gegen Außenseiter wie Die Stämmigen Buchen oder die Landesmannschaft
Dunkelstein antreten. Ja, es werden noch Wetten angenommen und auch einige
wenige Eintrittskarten soll es noch geben (100 Dukaten unter der
Hand). Wir sind sehr gespannt, ob die Herzöglich Ostarische Marinemannschaft
ihr Versprechen wahrmachen wird: "Wir werden dieses Jahr zum 34. Mal Ostarischer
Meister!"
In sämtlichen Utzganmetropolen herrscht bereits großes Rätselraten
um den kommenden Star des Turniers. Wird es Ramon Maria Canonero von Sturm
Betis, der mit seiner famosen Spieltaktik in der letzten Saison für
Furore sorgte, oder "Vollstrecker" Levoldér, von Heldenmut Hüttstadt,
der in der Tlamanischen Liga vor zwei Monden sein 2431. Utz utzte. Ein
weiterer heißer Favorit ist Wilbert von Dahnen, der bei den Markgräflichen
beinahe als Heiliger verehrt wird.
Auch für die weiblichen Zuschauer ist einiges geboten. So werden
die Luch'nari wieder in typischer Hochlandtracht antreten. Bei den üblichen
Rangeleien um die Scheibe sind tiefe Einblicke also nicht zu vermeiden.
Aber nicht nur die Mannschaften sondern auch die Sponsoren haben große
Namen. Da ist zum einen Sempert Priselbusch, dessen Mitarbeiterinnen in
den Spielpausen seinen "Priselbusch Met" an Spieler und Publikum ausgeben
werden. Desweiteren Notker von Golbach, der mit "Kauft jeder 3 Paar Notkersocken,
dann bleiben Eure Füße trocken" auf den Spielfeldbanden wirbt.
Auch das Haus Güldentaler preist den Jolberger Schädelspalter
auf den Trikots der gleichnamigen Mannschaft an, und die von Ladislaus
Schwartz gestellte Bekleidung von Auswahl Ankur überzeugt durch ihre
kräftigen Schwarztöne.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind zum letzten Jahr noch verbessert worden,
denn die Übergriffe zwischen den beiden Jolbrucker Mannschaften sind
vorprogrammiert. Ein großes Aufgebot der Ankurer Stadtgarde, sowie
einige Beamte der Behörde zur Aufrechterhaltung der allgemeinen Ordnung,
Abteilung Utzgan, wird in der Lage sein Störenfriede schnell und leise
zu entsorgen.
Freuen wir uns also auf die Eröffnungsfeier am 9.Tag des Heumondes,
bei der Regentin Walluma von Ostarien höchstpersönlich den Beginn
der Meisterschaften verkünden wird.
Damit unsere Leser aufs Trefflichste informiert sind, möchten
wir hier die teilnehmenden Mannschaften, sowie die Termine für die
einzelnen Spiele auflisten:
Gruppe Eins: Die stämmigen Buchen
(Hohenforingen)
Jolberger Schädelspalter (Jolberg)
Sturm Betis (Betis)
Thaler Gulden (Anthan)
Gruppe Zwei: Landesmannschaft Dunkelstein (Dunkelstein)
Jolbrucker Hafenbüttel (Jolbruck)
Die Markgräflichen (Norrland-Brassach)
Jolbrucker-Stadt-Patrouille (Jolbruck)
Gruppe Drei: Luch'nari (Luchnar)
Auswahl Ankur (Erzmark)
Onkel Faisals Helden (Darwena)
Burai Breath (Darbor)
Gruppe Vier: Heldenmut Hüttstadt (Tlamana)
Herzöglich Ostarische Marine Utzganmannschaft
Krönung Escandra (Escandra)
Lindwurm Lodenburg (Lodenburg)
1. Vorrundenspiel am 10. Tag des Heumonds
2. Vorrundenspiel am 13. Tag des Heumonds
3. Vorrundenspiel am 16. Tag des Heumonds
Viertelfinale am 20. Tag des Heumonds
Halbfinale am 25. Tag des Heumonds
Finale am 30. Tag des Heumonds
Im nächsten Boten werden wir von Verlauf und Ausgang des Turniers
berichten.
Rätselhaftes Gefäß entdeckt!
Wie wir kurz vor Einsendeschluß erfuhren, haben Archäologen
der vermutlich altpruzzischen Ausgrabungstätte "Dombauinsel" im Jolborn
die Bruchstücke eines rätselhaften Gefäßes entdeckt,
dessen Innenseite, wie bisher zu erkennen ist, von zahlreichen rätselhaften
Zeichen bedeckt ist. Experten vermuten, daß dem Topf eine kultische
Bedeutung innelag, weshalb der genaue Fundort vermutlich auch als Kultstätte
diente. Wir hoffen, daß bis zum Gelehrtenkonvent in Tlamana eine
Restauration des heiligen Gegenstandes gelingt und er dort für die
Gelehrten zur Ansicht zur Verfügung steht.
Fürstlicher Thaler Hofchronist
An den Fürsten von Drachenhain
Mein Fürst, wie einer Magd habt Ihr befohlen,
Ich solle Rechenschaft ablegen hier.
Der Ton gereicht Euch nicht zur Zier!
Und dieses sag’ ich unverhohlen.
Denn ein Gefild’ Ihr habt erwählet,
Das Eures Stands nicht würdig ist.
Ich sag’ es frei: es riecht nach Mist;
Drum hab’ ein andres ich gewählet.
Hoch in der Dichtkunst dünnen Sphären
Woll’n tragen wir den Wettkampf aus.
Jed’ andres Terrain wär’ ein Graus,
Unser nicht wert; als ob wir Bauern wären.
In Eurer Würde fühlt Ihr Euch beschnitten,
Weil jüngst mein Barde offne Worte hat gesagt
Und auch die Leiden Drachenhains beklagt.
Drum glaubt Ihr nun, es habe Eure Ehr’ gelitten.
Was war’s, das Euren Zorn erregte?
Dass es kein Untertan, der solches sprach?
Dass einer nicht von Eurem Stande bereitete Euch Ungemach?
War’s dies, das Unmut in Euch weckte?
Ihr pocht sehr laut auf Eure Ehre,
Doch was habt Ihr der meinen angetan?
Als ich ein königlich Geschenk aus Reue Euch bot an,
Habt Ihr geschwiegen, als ob ein Lump ich wäre!
Wohlan, mein Fürst, was macht die Ehre eines Edlen aus?
Was ist es, das vom schlichten Bauersmann ihn unterscheidet?
Dass die Geschicke eines Lands er leitet?
Ist’s gar sein Blut, das ihn hebt aus dem Volk heraus?
Autorität nehmt Ihr für Euch in Anspruch.
Die habet Ihr; Ihr seid ein Mann von großer Macht,
Der wachsam und misstrauischen Blicks die Edlen seines Lands bewacht.
Doch wenn jemand nicht denkt wie Ihr, dann nennt Ihr’s einen Ausbruch.
Gehorsam heischet Ihr mit großem Eifer
Und fordert, dass man Euch vertrau.
Will ein Mitmensch von Euch Aufklärung, so bleibt Ihr misstrauisch
im Bau,
Und wer dies anspricht, ist ein Keifer.
Mein Fürst, habt jemals Ihr bedacht,
Dass Liebe, Treue und Vertrauen
Auf Gegenseitigkeit sich bauen;
Geschenke sind, die man den andern macht?
Wenn einer offne Worte spricht,
Und mögen noch so sehr sie schmerzen;
Sie kommen immer aus dem Herzen,
Doch dies, mein Fürst, erkennt Ihr nicht.
Was hebt den Edlen denn empor,
Wenn nicht Großzügigkeit und Edelmut?
Vergebung tut stets beiden Seiten gut
Und kommt selbst bei Todfeinden vor.
„Großzügigkeit” und „edler Sinn”:
Was ist der Inhalt dieser Worte?
Zum Adel bilden sie die Pforte,
Sagt man, und führen zu ihm hin.
Dem hohen Adel steht es frei,
Die unbequemen Worte zu vergeben
Und nicht zu fordern ein das Leben,
Weil man, wie’s scheint, beleidigt sei.
Dies ist’s, was Edelmut man nennt.
Er adelt Hohe und Geringe,
Rückt recht ins Licht des Streites Dinge
Und macht, dass man als Mensch den Kontrahenten noch erkennt.
Wollet nun immer noch Ihr grollen,
Dass ich, die nur Baronin bin,
Euch hab’ zurechtgerückt den Sinn:
Nun denn: Ihr habt das Recht zu schmollen.
Gez. Nimue von der Aue
Der fürstliche Thaler Hof läßt verkünden:
Des Fürsten Worte darselbst fließen durch unsere Feder um
sie an Euch alle zu richten. So höret sie und nutzt Euren Verstand
für diese weisen Worte:
„Vernehmt dies, ihr alle aus Nah und Fern.
Es gibt Tiger und es gibt Katzen. Beide sind sich ähnlich, denn
beide sind ähnlicher Herkunft und ehrwürdiger Abstammung. Beide
sind klug, geschmeidig und schnell. Doch ist der Tiger größer
und der Katze an Kraft überlegen. Und mag sich die Katze auch noch
so stark, schnell und klug dünken, sie ist und bleibt dem Tiger unterlegen.
Denn so ist das Gesetz der Götter, der Wille die Viere und es wird
auch nie eine Zeit anbrechen werden, in der die Katze dem Tiger überlegen
sein wird. Denn wenn wir nicht einmal mehr den Göttern vertrauen könnten,
wem sollte der Menschen dann noch trauen? Wenn nicht der Schutz der göttlichen
Ordnung wäre, welcher Schutz hätte dann noch Bestand?
Und doch gibt es immer wieder Katzen die meinen, die göttliche
Ordnung sei nur für andere gemacht, um dann in das Revier des Tigers
wider besseres Wissen zu gehen. Doch bemerkt natürlich der Tiger die
Katze und fletscht die Zähne und grollt ein bisschen um auch Katzen
die vielleicht nicht wissen sollten, dass Tiger gefährlich sind zu
zeigen, dass sie im Revier des Tigers nichts verloren haben. Spätesten
jetzt wird die letzte Katze verstehen, oder nicht?
Nein, es gibt Katzen die dann erst recht einen Buckel machen, die Haaren
aufstellen und selbst fauchen, denn sie ist ja nun der Meinung selbst angegriffen
worden zu sein, völlig die Ausgangssituation verkennend, da ja sie
selbst es ist, die sich auf fremden Boden aufhält. Der Tiger erhebt
sich langsam und brüllt. Und die Katze? Voll verletztem eitlem Stolz
faucht sie als wolle sie damit deutlich machen, dass das feine Fauchen
eines Kätzchens viel kunstvoller und edler sei, verkennend das es
einfach kraftloser und nichtiger ist.
Und nun sage ich Euch Katze, seht in die Augen des Tigers und erkennt
Eure Position. Erkennt das Ihr es seid die aufblickt, die nach Oben schaut.
Und warum schaut Ihr nach Oben? Weil Ihr Unten seid. Weil es der Tiger
ist der nach Unten schaut. Und wenn ihr, die Katze nach Unten blickt, dann
erkennt worin Eure vier Füße stehen. Im Abdruck einer einzigen
Tatze des Tigers. Denn das ist die göttliche Ordnung ohne die nur
Mord und Totschlag, das Chaos wäre.
Ihr Katze, in Eurem Stolz Euch verletzt sehend, beklagt Euch selbst
bereits in Euren ersten Worten „Mein Fürst wie eine Magd habt ihr
befohlen,“ Was zetert Ihr da und greint? Was seid Ihr denn anderes als
eine Magd? Und wäre die Katze ein Kater so ward sie ein Knecht! Und
Ihr seid so sehr Magd wie ich eben der Bauer bin. Uns was bin wiederum
ich anderes als der Knecht meines Königs? Nichts anderes! Katze und
Tiger, Magd und Bauer, Fürst und König sind Splitter des gleichen
Kruges. Zeichen dafür, dass der Wille der Viere überall und für
alle gleich gilt und ein jegliches Geschöpf davon durchdrungen ist,
die göttliche Ordnung alles umfasst und in allen Ebenen die Gleiche
ist.
Doch auch dies gebe ich Euch noch mit auf Eurem Wege der inneren Einkehr,
Katze. Kein Bauer ist so verblendet seinen Apfelbaum zu fällen, nur
weil die Äpfel des Baumes einer Ernte wurmstichig sind. Doch sei Euch
ein für alle mal gesagt, Katze, dass dies in dieser Sache Euer letztes
Fauchen war. Die Sache ist erledigt. Geht in Euch und bedenkt unsere Worte.
Denn trägt der Baume saure Äpfel, ist dies ein untrüglich
Zeichen, dass der Stamm selbst krank und hohle ist. Und dann fällt
man den Baum, bevor der Sturm den schwachen Stamm knickt.“
So sprach der Fürst, solle ich seine Worte hinaustragen. Und tiefe
Enttäuschung sprach aus seinen Worte darüber, dass diese überhaupt
gesagt werden musste.
Ritinus Federschwinger, Schreiber des fürstlichen Hofes zu Hochanthen.
Entlaufen
In der Niederlormark sind Uns Herrchen und Hund entlaufen. Das Herrchen
trägt eine samtene Schabracke, der Hund eine goldene Kette um den
Hals. Achtung: Eine Verwechslung zwischen den beiden ist möglich.
Wer sie Uns zurückbringt, erhält einen Finderlohn von 500 Dukaten
für das Herrchen und 1000 Dukaten für den Hund. Das Schwesterchen
ist nicht von Interesse. Lebend bevorzugt, bestrafen werden Wir sie selbst.
Ein schwarzes Frauchen mit nassen Federn
Expedition zur Camspitze gestartet
Sethnara, den 2. Tag der 3. Poëna
Heute startete eine Expedition zur Camspitze, um die Ursache des kürzlichen
Erdbebens zu untersuchen. Man vermutet, daß die Gründe des Erdstoßes
in der unmittelbaren Umgebung des höchsten Berges in Hochwalden zu
suchen sind. Die verschiedenen Gelehrten wurden von einer Gruppe Thaler
Gardisten begleitet, da man nicht weiß, auf was man bei den Untersuchungen
stoßen wird. „Die Soldaten sind eine reine Vorsichtsmaßnahme.“
versicherte uns Freiherr Ansgar von Beraht. „Des weiteren hoffen
wir, daß die Ursache für das Erdbeben eine natürliche ist.
Ich bin jedoch zuversichtlich, daß sich ein solches Ereignis in der
nächsten Zeit nicht wiederholen wird.“ In der Zwischenzeit ist auch
Baronin Roxana von Beraht in Begleitung von ihrem Ehemann Baron Beorric
von Welzen nach Sethnara gereist, um sich vor Ort ein Bild der Ereignisse
zu machen.
Höhlensystem vermutet / Steinschläge erschweren Arbeit
Sethnara, den 15. Tag der 3. Poëna
Die Expedition zur Camspitze entpuppt sich als spannender, als zunächst
angenommen wurde. Die Gelehrten vermuten im inneren des Berges ein System
von unterirdischen Gängen und Höhlen. Diese Vermutung wird gestützt
durch eine Entdeckung, welche an der Westseite der Camspitze gemacht wurde.
Man fand einen kleinen Krater, welcher durch einen unterirdischen Einsturz
entstanden sein muß. Die Suche nach einem Eingang zu dem vermuteten
Höhlensystem wurde jedoch durch mehrere Steinschläge stark behindert.
Um die Expeditionsgruppe nicht weiter zu gefährden, ließ man
von einer weiteren Suche ab und faßte man den Entschluß, einen
künstlichen Eingang zu Graben. Man rechtet mit einer Dauer von mehreren
Wochen, bis man zu der Höhle vorgedrungen ist.
Die Soldaten der Thaler Garde wurden inzwischen wieder abgezogen, da
man von keiner weiteren Gefahr mehr ausgeht.
Die Garde von Thal gibt bekannt
Fortschritte auf Atoll / Segelschulschiff in Bau
Roggenhain, am 25. Tag des 3. Poëna
Der Aufbau eines gemeinsames Flottenstützpunktes auf dem Herzog-Uriel-II-Atoll
nimmt immer deutlichere Formen an. Die Vermessungsarbeiten sind abgeschlossen,
erste Mannschaftsunterkünfte sowie die Hafenbefestigungen sind nahezu
fertiggestellt. Das Hauptquartier, was zur Zeit noch gleichzeitig Gouverneurspalast
ist, steht ebenfalls kurz vor der Fertigstellung. In Planung steht der
Ausbau der Hafenanlage, sowie die Gebäude für die gemeinsame
Offiziersschule. Die Baumaterialien werden vom Festland mit Hilfe mehrerer
Lastkähne der Ostarischen und der Thaler Flotte übergesetzt.
Für die Sicherung wurden an geeigneter Stelle einige Schiffsgeschütze
postiert. Neben drei Ostarischen Schiffen befindet sich immer noch die
Silberpfeil beim Atoll. Die Nachtkauz wurde nach ihrer Reparatur ebenfalls
wieder zum Atoll beordert.
In der Werft des Thaler Flottenstützpunktes wird zur Zeit eine
Karavelle gebaut. Sie soll das neue Segelschulschiff des Herzog-Uriel-II-Atoll
werden. Sie Bauzeit beträgt nach ersten Schätzungen fünf
Monate. Ein geplanter Name lautet : „OTS Garstbock“.
i.A. Hartmut Hohlbein, Schreiber der Fürstlichen Garde von Thal
Was ist in Hochanthen los? 2.Teil
Das Fest – die Rückkehr – die Überraschung
Im letzten Boten stellten wir uns noch die bange Frage, was in der
prächtigen Schwanensee-Anlage im fürstlichen Garten von Hochanthen
eigentlich geschieht. Nach erheblichen Umbauten und großen Anstrengungen
der Steinmetze die aus simplen Marmorquadern die Fauna und Flora des Meeres
und der Flüsse schufen und allerlei anderes, vermutete man ob Prinz
Anselm vielleicht einen Xurl-Tempel baue. Allerdings war während der
ganzen Bauzeit kein Xurl-Geweihter anwesend, der normalerweise einen solchen
Bau hätte begleiten müssen. Nun lüftete sich das Geheimnis.
Der Prinz lud die Familie, befreundete Adlige aus dem ganzen Königreich
und Personen von Bedeutung aus Thal ein. Namentlich erwähnt seien
hier Fürst Bartha und Fürstin Genovefa von Thal und Prinzessin
Celia. Fürst Waldemar von Drachenhain mit seinem Sohn Prinz Leomar
und dessen Gemahlin Baronin Leabel von Tlamana. Reichsritter Finian Sonnenklinge,
ein enger Freund des Prinzen die sich seit ihrer Zeit auf der Helios-Akademie
kennen. Markgraf Kalveram von Norrland-Brasach nebst Gemahlin und dem kleinen
Daron, Stammesfürst Nial Felsenhammer und Freigräfin Arana von
Sedomee. Aus Thal kamen der Doge von Betis, Niccolo Corvese, der frisch
verheiratete Baron Beorric mit seiner Gemahlin Baronin Roxana von Welzen,
Baron Sihran von Tolens mit der Edlen Fendra von Aueneck und Baron Friedrich
von Ilmenau nebst seiner Gemahlin Baroness Irmgard von Ilmenau. Aus Drachenhain
reisten Baronin Josephina, Lord Angus McPhee, Baron Krator, Baron Foranan
und Baron Koldewaiht an. Auch Baron Jareck von Jolberg folgte der Einladung
nach Hochanthen und reiste mit einem Schiff der Herzöglich Ostarischen
Flotte an.
Am Abend des Freitages begann ein großes Fest bei dem die Rückkehr
des Prinzen im engen Kreis ausgiebig gefeiert wurde. Schlemmereien aller
feinster Güte wurden beim großen Bankett serviert und der Hochanthener
Hof erstrahlte beim anschließenden höfischen Ball wie schon
seit langem nicht mehr. Wie geblendet war man beim Anblick der Gewänder
der Adligen und betäubt vom Zauber der Musik. Der laue Abend trug
mit seiner angenehmen Wärme ein Übriges zu einem gelungenen Fest
bei. Der Hochanthener Schlosspark wurde von vielen hundert Fackeln erleuchtet
und der Höhepunkt des Festes bildete ein prächtiges Feuerwerk.
Nach einer ausgiebigen Jagd am Nachmittag des Samstages wurden alle
Gäste durch den Park zur inzwischen fertigen Schwanensee-Anlage geführt.
Die Spannung was einen dort erwarten würde führte zu wilden Spekulation
unter den Gästen. Das Fest war also nicht nur zu Ehren des Prinzen
gegeben worden, sondern auch zur Eröffnung der neuen Schwanensee-Anlage.
Der Prinz selbst führte durch die von ihm gestalteten Räumlichkeiten
der Anlage die aus mehreren großen, untereinander verbundenen Gebäuden
besteht (Wie Bote 33 berichtete). Man betritt die Anlage über einen
von schlanken Säulen getragenen Porticus welcher an seiner dreieckigen
Stirnseite mit einer herrlichen Uferszenerie geschmückt ist. Dahinter
befindet sich eine große rechteckige Halle in deren Boden in hellem
und dunklem, blauschimmerndem Marmor die Thaler Eule eingelassen ist. Durch
eine Tür in der linken Wand kommt man in einen Raum in dessen Wänden
lauter kleine Nischen und Kästchen eingelassen sind, die jedoch allesamt
leer waren. Durch eine Tür in der rechten Wand geht es weiter unter
die großen Kuppel.
Rufe des Erstaunens und der Bewunderung waren zu hören, als die
ersten Gäste, vor allem die Fürstliche Familie und die hohen
heligonischen Adligen den Raum betraten. Als auch ich in meiner Funktion
als Schreiber des Helios-Boten endlich hinein durfte, war ich wie geblendet.
Nicht von dem Gold, welches hie und da blitzte und in zurückhaltender
und angenehm unaufdringlicher Weise verwandt wurde, sondern von der Pracht
und der Lebendigkeit und Vielfältigkeit der hier zum Leben erweckten
Tiere, Pflanzen und Fabelwesen der Unterwasserwelt. In der Mitte des Raumes
befindet sich ein großes mit Wasser gefülltes Bassin, an dessen
gegenüberliegender Seite über Steine und einer phantastischen
Szenerie, das Wasser aus unzähligen Öffnungen, Fischschlünden,
Felsenvorsprüngen und Blumenkelchen hervorspringt, entlang läuft,
Beine von Figuren umspielt um sich dann in das Rund des Wassers zu ergießen.
Unzählige Formen nur aus weißem Stuck und dem blauschimmerndem
Marmor geschaffen geben dem Raum eine angenehme Kühle. Die Lichtspiele
des Wassers lassen die Figuren an den Wänden und an der Decke noch
lebendiger erscheinen, denn sie scheinen sich durch ihre Schattenspiele
zu bewegen. Man wähnt sich selbst im Wasser, am Grunde eines Sees
zu sein und muss sich fast zum Atmen ermahnen, denn man meint sobald man
den Mund zum Luft holen öffne, Wasser zu schlucken. So lebensnah und
echt wirkt der Raum und die ganze Szenerie. Selbst die Helios-Sonne an
der Kuppeldecke ist so eigenartig aus dem Stuck herausgearbeitet, als ob
man sie durch das Wasser hindurch verzerrt sehe.
Durch eine kleinere Halle die mit ihren marmornen Bänken zum Ausruhen
und Verweilen einlädt, geht es weiter in die große Halle. Ganz
im Gegensatz zu der eindrucksvollen Szenerie des Kuppelraumes sind die
Stuckverzierungen hier fast gänzlich verschwunden. Zwei große
Brunnen flankieren ein riesiges, rechteckiges Wasserbecken, welches den
größten Teil der Halle einnimmt. In der Wand sind größere
Nischen eingelassen, die bequem Platz für mehrere Leute zum Sitzen
bieten. Aus einem großen Löwenkopf strömt das klare Wasser
in das Becken. An den Rundbögen der Decke die das Dach tragen sind
nur ein paar stilisierte Xurl-Symbole und Fische zu finden. Doch das Hauptaugenmerk
liegt schnell auf den riesigen goldenen Kerzenlüstern die den ganzen
Raum umranken und Unterwasserpflanzen nachgeformt sind. In je einer der
Blüten zwischen den vielen güldenen Blättern brennt eine
Kerze. Es müssen Hunderte sein die den riesen Raum erhellen. Auf dem
Grunde des Bassins ist wieder das Thaler Wappen zu erkennen.
Also doch einer der größten Xurl-Schreine die es gibt? Diese
Frage schien auch von den adeligen Gästen an Prinz Anselm gestellt
zu werden, den bisher hatte der Prinz in eher verhaltenem Ton durch die
Räumlichkeiten der Schwanensee-Anlage geführt. Nun hob der Hauptmann
der Thaler Garde, Kilian Weizenkeim seine Stimme über das allgemeine
bewundernde Gemurmel und bat um Ruhe. Als endlich alle in dem riesigen
Raume standen und es ruhig war, trat der Prinz nach Vorn an den Rand des
Wasserbeckens und wartete bis es ganz still wurde. Man vernahm nichts mehr,
außer dem plätschern des Wassers.
„Verehrte Freunde und Gäste des Thaler Fürstenhauses aus
Nah und Fern“, begann der Prinz. “Wir freuen uns über Euer zahlreiches
Kommen an diesem Tage. Dieses Haus soll dem Wohlbefinden und der Entspannung
dienen. Hiermit erkläre ich das erste Heligonische, namentlich die
Schwanensee Schwimmbad für eröffnet!“ Sprach der Prinz und sprang
vor den erstaunten Augen aller ins Wasser und schwamm wie ein Fisch die
aller erste Runde in der großen Halle der Schwanensee-Schwimmhalle.
Staunend folgten ihm die Augen der Anwesenden, denn bisher ist es nur den
wenigsten Heligoniern vergönnt zu schwimmen. Wozu sollten sie es auch
können müssen? Das Schwimmen hat der Prinz wohl auch auf seiner
Reise gelernt. Wo er wohl alles gewesen sein mag?
Unter großem Beifall aller Anwesenden wurde das Fest des gestrigen
Abends in und um die Schwanensee-Anlage fortgesetzt. Als Speisen gab es
feinstes Wildbret, welches die Adligen bei der Jagd erlegt hatten.
Am Sonntag erfolgte die große Abreise. Nachdem sich alle voneinander
und von der Fürstlichen Familie verabschiedet hatten, setzten Schiffe
ihre Segel, fuhren unzählige Kutschen und trabt unzählige Pferde
vom Fürstlichen Hof und von Hochanthen aus in alle Richtungen des
Himmels. Möge Helios sein Licht leuchten lassen und Saarka über
die Wege wachen, auf das ein jeder wohlbehalten seinen Weg nach Hause finde.
Ritinus Federschwinger
Erste Erkenntnisse
Kurz nachdem die Frage des Eigentums bezüglich des Herzog-Uriel II.
Atoll mit den ausländischen Seeleuten aus Telna Ron geklärt war
verließen bereits vorbereitete Schiffe mit Baumaterial für Unterkünfte
und den neuen Inselhafen auf dem Atoll das Fürstentum Thal. Mit diesem
Konvoi fuhr auch die „Wachsame Eule“ ein Explorationschiff der Fürstlichen
Thaler Gelehrtengesellschaft. Auf dem Schiff befinden sich Ausrüstung
und eine Gelehrtengruppe die die Jolsee vermessen soll. Auch soll endlich
eine brauchbare Karte des Atolls und seiner Lage erstellt werden.
Kein geringerer als der Magister Rorodot von der Gelehrtenschaft von
Jarun, der den Lehrstuhl für Geodäsie innehat leitet die Gelehrtengruppe
auf der „Wachsame Eule“. Für die Führung des Schiffes konnte
ebenfalls eine bedeutende Person gewonnen werden, Kapitän Ehrund Füllhorner,
der hochdekoriert schon viele Stürme unbeschadet überstanden
hat und Schiff und Mannschaft mit Xurls Segen immer heil und vollzählig
nach Hause brachte.
Nachdem die Lage und Topographie des ostarisch-thaler Herzog-Uriel
II. Atolls vermessen war, wurden die Karten mit einem der nun fast regelmäßig
pendelnden Versorgungsschiffe nach Thal, Ostarien und Escandra geschickt.
Das Explorationsschiff nahm nun Kurs in die noch unbekannte See. Wenige
Wochen später wurde neuerlich Karten, Aufzeichnungen, Skizzen, Proben,
Anschauungsobjekte und Berichte an die Fürstliche Thaler Gelehrtengesellschaft
zur Auswertung geschickt. Offenbar hat man eine oder mehrer neue Inseln
in der Jolsee entdeckt.
Besonders die fremdartigen Pflanzen und deren mitgeschickte, fremdartige
Früchte erregten das Interesse der Gelehrten. Untersucht wird unter
anderem die Essbarkeit der bunten Früchte, wobei nur Früchte
mit einer extrem harten Schale, oder getrocknete Früchte die lange
Reise überstanden. Einige Früchte waren schlicht verfault, stanken
und waren in einen dichten Schimmelpelz gehüllt.
Auf Nachfrage des Helios-Boten stand uns Magister Baton von der Fürstlichen
Thaler Gelehrtengesellschaft Rede und Antwort. Spannend seien vor allem
die unglaubliche Variation der Düfte und Geschmacksrichtungen der
Früchte, von denen viele noch nicht einmal einen Namen haben, berichtete
uns Magister Baton. Deswegen lud man die besten Köche Thals in die
Runde der Gelehrtenschaft um eine Eignung als Gewürz oder Rohmaterial
für neue Speisen und Thaler Spezereien festzustellen.
Wir dürfen gespannt sein mit welchen neuen Kreationen an Kochkunst
uns die Thaler durch diese neuen Entdeckungen überraschen werden.
Das Explorationschiff „Wachsame Eule“ wird auf jeden Fall noch länger
in der Jolsee unterwegs sein.
Betiser Tribüne
Neues Lokal in Betis?
Umfangreiche Bauarbeiten in der Nähe des Theaters führen derzeit
zu zahlreichen Gerüchten unter den Betiser Einwohnern. Zwei nebeneinanderliegende
große Stadthäuser, die schon seit längerer Zeit leer standen,
wurden offenbar verkauft und werden nun in aufwändiger Arbeit instand
gesetzt. Als Verantwortliche auf der Baustelle gab sich eine gewisse Tessa
Falkenhagen. Zum Beantworten unserer Fragen zeigte sie sich eher ungeneigt,
der Besitzer wünsche dies nicht. Nur soviel war zu erfahren: Es werde
hier in Kürze ein neues Vergnügungslokal eröffnet, dass
der Betiser Gesellschaft Gelegenheit zu gehobener Unterhaltung und gepflegtem
Spiel bieten werde. Unseren dezenten Hinweis auf eine mögliche Konkurrenz
zu Mamma Nelli quittierte sie mit einem Schulterzucken. Das sei nicht ihre
Angelegenheit. Steht Betis ein Krieg in der Unterwelt bevor?
Bürger des Monats
Die Ehrung zum Bürger des Monats fällt dieses Mal auf Ramon Maria
Canonero, den Kapitän der Betiser Utzganmannschaft "Sturm Betis".
Seine überragende Technik im Zusammenspiel mit dem vorbildlichen Zweikampfverhalten
und die grandiose Spielübersicht machen ihn zu einem der komplettesten
Utzganspieler der Gegenwart. Er ist maßgeblich verantwortlich für
das schön anzusehende und auch effektive Spiel von "Sturm Betis".
Aber er ist nicht nur ein hervorragender Spieler, er ist gleichermaßen
ein überaus beliebter Bürger der Stadt, ein volksnaher Held.
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
Was sich schickt
-Utzganturniere
-göttliche Eingebungen und Wunder
-Entschuldigungen von ganzem Herzen
-neue Kirchenoberhäupter |
Und was nicht
-schlechtes Wetter
-Verlassen des Zusammenhangs
-unangekündigte Erdbeben
-Nichteinhalten von Versprechungen |
Gunst und Kunst
Was die Heligonier am liebsten hören
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1(-)
2(3)
3(1)
4(5)
5(-)
6(10)
7(2)
8(4)
9(6)
10(8)
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Die Buß-Brüder - "Beichten, Beichten, Beichten" *)
Ostarische Utzgannationalmannschaft - "Utzgan ist unser Leben"
Findabair Spinnentöter (begleitet vom Emeranseeflottenchor) -
"Pfefferinselreggae"
Die Wüstenlerchen - "Bärte"
Barde Grützi - "Nial aus Angaheym"
Betiser Gassenpfeiffer - "Wir lieben die Frauen mit zweifelhaftem Ruf"
Wunderkind Bonifazio - "Oh, Du mein Einer"
Heiser Hochanthen - "Hurra, Hurra, der Anselm der ist wieder da"
Salah ben Anwar nur ed'Din - "Burai Breath"
Pavo Rothner - "Scheiße in die hohle Hand" |
*) Die ursprüngliche Version des Liedes, "Brauen, Brauen, Brauen",
wurde vom Vorstand der Vereinigung frommer betiser Ceriden, Kreszensus
Einlob, zensiert. Als Begründung gab er an, daß durch das Lied
der Eindruck entstehen könne, alle Mönche gäben sich der
Völlerei hin.
Der Tanzbär
Streifzüge durch das kulturelle Leben Heligonias
‘S HALF NET
Es war ein Unglück passiert !
Man versuchte das eine ... doch ´s half net.
Man versuchte das andere ... doch ´s half net.
Man versuchte das Unmögliche ... doch ´s half net.
Man schwieg betroffen ... außer ´s Halfnet !
Termine
06.10. - 08.10.00 Helicon 16 - Gelehrtenkonvent auf Schloß
Ebersberg
12.01. - 14.01.01 5. Heligonischer Adelstag auf Burg Wernfels
23.03. - 25.03.01 Helicon 17 auf Burg Wildenstein
24.05. – 27.05.01 Helicon 18 im Schwarzhornhaus bei Schwäbisch
Gmünd
© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés &
Marc Hermann
Berichte von Arnulf Breuer, Julia Fischer, Henning Frank, Oliver
Friese, Deborah Gläser, Inés & Marc Hermann, Andreas Hils,
Petra Jörns, Sylvia Koch, Daniela Lochner, Benjamin Rampp, Michael
Rausch, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger, Markus Spree und Ellen
Weiß

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