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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2. Xurl n.A.III 28
Ausgabe 35

Die Expedition in den Parimawald
- Augenzeugenbericht von Friedwart Greifenfort -
Als mich die Redaktion des Helios-Boten an die nördliche Grenze
unseres geliebten Königreiches schickte, um mich in Brazfurt einer
Expedition in den Parimawald anzuschließen, überkam mich zunächst
ein kleiner Schauer. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass es nur wenigen,
die in den Parimawald gingen, vergönnt war, wieder heraus zu kommen.
Am 20. Tag des 2. Helios im Jahre 28 n.A.III war es dann
soweit. Zusammen mit der Reisegruppe um Karr, den Jäger, kam ich in
Brazfurt an. Sogleich begab ich mich auf die Suche nach einem Quartier
für die nächsten Tage. Es kostete zwar ein wenig Überredungskunst,
aber letztendlich fand ich doch noch ein Dach über dem Kopf.
Am Abend machte ich erste Bekanntschaften unter den Dorfbewohnern.
Sie waren Fremden gegenüber kalt und ablehnend. Doch sobald man sie
zu einem Glas Meth einlud, wurden sie freundlicher und gesprächiger.
Am nächsten Tag reiste auch Prinzessin Syria Jaldis
mit ihrem Gefolge in Brazfurt an. Am Abend kam es dann auch zu einem ersten
Kontakt zwischen den beiden Kontrahenten. Doch wer eine handfeste Auseinandersetzung
erwartet hatte, wurde enttäuscht. Fast schon freundlich begrüßte
man einander und wünschte sich Glück.
Abends machte der Eine oder Andere erste Erfahrungen mit
dem Parimawald und seinen Auswirkungen. So tauchte zu späterer Stunde
ein Biest auf, welches einen Heißhunger auf Metall zu haben schien.
Die Brazfurter schien es wenig zu stören, waren sie offenbar mit diesem
Biest vertraut. Es wurden auch Teile für ein "Spiel" gesucht, mit
dessen Hilfe man sicher durch den Parimawald reisen konnte. Prinzessin
Syria bekam zudem Besuch von einem Menschen, der von Kopf bis Fuß
mit merkwürdigen Zeichen bemalt war. Er übergab ihr eine Art
Reiseplan durch den Parimawald. Auch war von einer Sphäre die Rede,
mit dessen Hilfe das gesamte Lager durch den Parimawald reisen konnte.
Diese wurde schnell ausfindig gemacht, doch leider war sie beschädigt.
Am nächsten Morgen machte sich Karr als erster auf
den Weg in den Parimawald, während Prinzessin Syria noch zögerte.
Sie führte ein magisches Ritual durch, mit dessen Hilfe die beschädigte
Sphäre repariert werden sollte. Offensichtlich wurde aber schlecht
"gedämpft", denn das "Unsichtbare" tauchte auf und verletzte mehrere
der Magier, einige wurden sogar getötet.
Karr währenddessen scheiterte schon in der zweiten
"Blase". Offenbar hatte er sich verlaufen und musste den Rückweg antreten.
Es gab scheinbar keine andere Möglichkeit, als sich mit Prinzessin
Syria zu verbünden, um gemeinsam nach Thalwacht zu suchen. Karr besaß
den "Schlüssel" mit dessen Hilfe man in den Wald eintreten konnte,
Syria die Karte und das "Spielbrett". So fassten sich beide ein Herz und
erklärten die Wette für aufgehoben.
Nun bereiste man zusammen den Parimawald. Dort stieß
man auf ein Seevolk, welches die Expeditionsteilnehmer verführen wollte,
einen Heliosgardisten, der zusammen mit der ersten Expedition vor 11 Jahren
in den Parimawald gereist war, eine Theatergruppe, eine Gruppe Krieger
(diese sogar zweimal, jeweils zu verschiedenen Zeiten), einen Kobold sowie
mehrere Phiare.
Irgendwann muss man in einer Blase tief im Inneren des
Parimawaldes gelangt sein. Fast alle wurden, mehr oder stark, vom Wahnsinn
befallen. Je näher man dem Tor in die nächste Blase kam, um so
wahnsinniger wurde man. An eine Weiterreise war nicht zu denken. In einer
verzweifelten Aktion fasste sich Karr ein Herz, packte sich die Sphäre
und rannte, laut vor Schmerzen schreiend, durch das Tor. Dies war das letzte,
was man von Karr sah. Seit diesem Zeitpunkt gilt er als verschollen.
Nachdem man dann endlich alle Blasen, die auf der Karte
verzeichnet waren, durchquert hatte, war es soweit. Auf einem Ritualplatz
befand sich Burg Thalwacht, eingeschlossen in eine "Späre". Doch die
Phiare ließen niemand auch nur in die Nähe der Sphäre.
Völlig überraschend griff nun das "Unsichtbare"
ein. Als es auftauchte, wichen die Phiare zurück und ermöglichten
einen schnellen Vorstoß. So gelang es schließlich dem Freiherr
von Wingen, Burg Thalwacht an sich zu nehmen. Kaum hatte er die Sphäre
in den Händen, vielen alle in eine Ohnmacht. Als man wieder zu sich
kam, war man umringt von der Brazfurter Dorfbevölkerung. Sie behaupteten,
man wäre am Morgen aus dem Dorf verschwunden, um nach wenigen Metern
in einen tiefen Schlaf zu fallen. Erst jetzt, spät am Abend, wollte
man sie wecken, da man anscheinend auf einer Schafweide zusammengebrochen
war.
War das alles nur ein Traum, ein weiteres Spiel der Phiare
? Auf dem Gelehrtenconvent in Tlamana wird man versuchen der Sache weiter
auf den Grund zu gehen sowie Burg Thalwacht aus der Sphäre zu befreien.
Für den Helios-Boten
Friedwart Greifenfort
Bekanntmachung:
Ich, der Schwätznet von und zu Brazfurten gebe bekannt dass
ich mich verehelichen zu gedenken schicke. Deshalb moechte ich allen hochehrenwertvollen
Herrschaften meine Verlobung mit der Prinzessin Syria Jaldis bekannt geben.
Ein weiterer Verehelichungstermin wird ferner in offiziellen Einladungen
gesendet werden.
Hochachtungsvoll
Der Schwätznet.
Dem selbst ernannten Hexenjäger zum verdienten Abschied
Der Hang zur Selbstüberschätzung verfolgt fast jeden Ceriden,
je ceridischer, umso mehr. Und es ist doch immer wieder schön, wenn
er uns die Arbeit abnimmt. Ja, Meister K, ehemaliger Friedländler,
Sheriff in der Teemonsheimat, Mann ohne Burg und spitzzähniger Saarkahasser,
die Schlingen waren schon ausgelegt. Nun sind sie sauber geblieben und
der Wald hat Euch bestraft - passendes Ende für jemand, der fast an
seinem Rande aufgewachsen ist, aber von Bäumen so viel Ahnung hatte,
wie ein Ochse vom Kinderkriegen. Einer Eurer letzten Junghunde behauptet,
Ihr hättet Euch für Euren Trupp geopfert. Vielleicht hat Helios
Euch zu guter Letzt ja doch erleuchtet; vermutlich habt ihr aber nur die
Nase zu hoch getragen und dann zu tief in ein Astloch gesteckt. Jedenfalls,
folgsame Junghunde: Solche "Opfer" finden sogar den Beifall einer Ogedin.
Also nur zu.
Lara Saarnen, Geweihte der Saarka,
OfH-Führerin Heligonia und Drachenhain
Was war denn des?
Jo jo, dia Fremde. Die sollet sich gar nimmer blicken lassen, hier in unserem
Brazfurt! Die machet immer nur Ärger. Und i kann euch etwas erzähla.
I bin d'Ilsnet und komm aus Brazfurt, des liegt glei neba dem Parimawald,
ihr wißt scho.
Des isch'd noch gar nedda lang her, da isch'd so an Fremder zu mir
nach Brazfurt gekomma, Firn hat er geheißa. Der hat g'meint, dass
er für an gewissa Karr schafft und dass der auch bald komma will,
weil er sei Burg verlora hat. Und die Burg soll im Parimawald drin sei
- ha ha ha, des hab i natürlich nedda glaubt. Er hat mir aber versprocha,
dass i ganz viele Dukaten krieg, wenn i ihm ond dem Karr helfa würd.
Der Karr wollt nämlich a Wette gewinna. Seine Konkurrentin soll eine
echte Prinzessin sei, ihr wisset scho, die, wo immer so scheene lange Kleider
anhabet und lange blonde Haar. Aber die Prinzessin, Syria hat se g'heißa,
die war gar nedda blond sondern hat braune Haar g'habt, aber des isch'd
ja auch egal. I war also einverstanda, ihm zom helfa.
A paar Tag später dann send diese ganze Fremde do komma. Die habet
sich do richtig niedergelassa, do am Rand vom Parimawald. Mei Nachbar,
der Dädinet und auch dr Sohn vom Ortsvorsteher, dr' Schaffnet waret
richtig neugierig, was die do wollet. I hab natürlich g'wusst, was
die wollet, aber man braucht ja net immer älles weiterverzehla, gell.
Drum hab i halt auch so getan, als wär i neugierig, und dann sind
wir mit unsere Zelt auch do hingezoga, weil do jo auch unser Heiligtum
vom Vahrim ischt, und wir wolltet am Schwätznet helfa, auf dieses
Heiligtum aufzompassa, des machet der Dädinet und der Schaffnet eh
älleweil. Des habet wir dann auch doa.
Zerscht sind die Leut von diesem Karr auf'taucht, a bissle später
dann die Leut von dera Prinzessin. Diese Fremde, vor allem die vo der Prinzessin,
sind immer wieder an onserem Heiligtum gwesa und habet so dumm herumgschaut,
keiner wusste so recht, was dia wollet. Dann habet se uns gfragt, ob wir
ebbes von einem Spiel wüsstet, das der Vahrim gspielt haben soll.
Woher sollet wir des wissen. Der Vahrim war ein Liebling der Götter,
aber von nem Spiel hen wir nix g'wusst. Und dann hend se überall rumg'schnüffelt.
Das hab i gleich dem Firn erzählt. Da hab i tatsächlich zwei
Dukaten bekomma. Dann habet se irgendwelche Schriften g'sucht, jo jo, die
Jaulnet hat eines g'funde und hat dann dafür einen ganzen Dukaten
gekriegt. Der Dädinet, der ischt ein ganz Schlauer, der hat dann selbscht
irgendwelche Schriften zusammenbaschtelt und hat dafür viele Dukaten
bekomma. Jo jo, wenn schon solche dumme Fremden do sind, dann sollet se
wenigschtens ihre Dukaten bei ons lassa.
Die wolltet doch tatsächlich in den Parimawald ganga, obwohl se
do net mehr rauskomma würdet, aber des gschieht ihnen ja recht. Nur,
der Firn, der war ja wirklich ganz nett, also han i ihm geholfa. Der hat
ja net zu dieser blöden Prinzessin g'hört. I wusst, dass Jaulnet
schon ein paar Mal im Parimawald g'wesa war, und da hab i se zum Karr bracht.
Bei den Leut von der Prinzessin ischt dann noch so ein komischer Mann aufgetaucht,
na ja, i weiß auch net so recht. Der soll irgendebbes von diesem
Spiel g'wusst haba. Und noch in dieser Nacht hen diese Fremden unser Allerheiligstes,
jo, unser Heiligtum bestohla! Das könnet die doch net macha. Se meintet,
dass se des Zeug für dieses Spiel bräuchtet. Als wir uns dann
wehren wolltet, da habet die uns sogar niedergeschlaga mit ihren Waffa
aus Metall, die se mit'bracht hend. Pfui, i hass' Metall, und Fremde auch.
Aber die hen wohl Bekanntschaft g'macht mit dem Biescht, das da im Parimawald
ischt und Metall fressa tut, deshalb kommt man auch net mit Metall nach
Brazfurt - selbst schuld. Nun gut, mit diesem komischen Spiel ond mit einem
seltsama Trank, die habet es Resonanztrank g'nannt, habet se dann so ein
komisches Ritual g'macht, dann sind älle von dieser Expedition in
Ohnmacht g'falla. Wir habet die ganze Zeit versucht, se zu wecka. Erscht
spät am Obend ischt es uns gelungen. Die Jaulnet, die jo auch mit
dabei gewesa war, hat mir dann verzehlt, dass se wohl in den Parimawald
gekomma sind. Zuerscht die Leute vom Karr und dann die von der Prinzessin,
denen hat der Schaffnet geholfa.
Do drinna soll es dann ganz komisch zugeganga sei, da soll es so einen
seltsama Mann gegeba haba, der alle in seinen Bann gezoga hat, worauf der
Karr dann umgedreht hat. Auf dem Rückweg habet se dann die Gruppe
von dera Prinzessin Syria getroffa und so habet se beschlossen, sich zusammenzutun.
Im Parimawald musstet die wohl immer wieder durch ein Tor ganga, um weiterzukomma,
aber i verschteh des net so ganz. Als se durch des nächschte Tor gekomma
waret, sind se mit einem seltsamen Seenvolk zusammagetroffa und einige
von ihnen wolltet gar net mehr von dort weg. Diesem Seevolk musstet se
helfa, und dann habet die dene durch des nächschte Tor geholfa, wo
se dann eine Theatergruppe getroffa habet.
Was macht denn eine Theatergruppe im Parimawald? Jaulnet hot mir sehr
viel verzehlt, aber i verschteh des alles auch net. Auf jeden Fall send
wir Brazfurter auch im Parimawald g'wesea, jo, des ganze Lager! Wir sollet
dann alle verrückt g'worda sei, bloß do weiß i gar nichts
davo. Und dann hot sich der Karr für uns alle geopfert. Die Expedition
hot dann wohl noch irgendwelche Leut getroffa, die se angegriffen habet.
Etwas später habet se die gleiche Leut wieder getroffa, nur dieses
Mal waret die richtig freundlich - hä - des soll noch einer verschteha.
A bissle später musstet se irgendwelche Rätsel bei zwei Schwestern
lösa. Danach sind se wieder über Leut gschtolpert, die hen se
dann mordmäßig verschlagen, aber von der Prinzessin ihrer Gruppe
isch auch einer he gwesa.
Und als se dann durch des letzte Tor hindurch waret, da sollet se alle
die verlorene Burg von diesem Karr geseha haba. Diese Burg, Talwacht heißt
se, war in einer Kugel, die von diesen Phiaraen bewacht worda ischd. Irgendwie
habet se diese Kugel dann aber doch bekomma. Und dann sind se aufg'wacht.
Wir habet se jo wachg'rüttelt, und des war ein hartes Stück Arbeit.
Am nächschta Tag sind diese Fremda wieder weggezoga, und diese Kugel
mit dera Burg hen se mitgenomma. Weißnet hot mir verzehlt, dass se
diese nach Tlamana bringa wolltet, um se dort von vielen schlaua Leut untersucha
zu lassa.
Aber mir ischt des egal. Firn ischt hiergeblieba. Er meinte,
dass er diesen Karr wieder aus dem Wald zurückhola will. Also wenn
ma mich frogt, ischd der Gute verrückt geworda.
Also die nächschta Fremde, die denket, se müßtet hier
nach Brazfurt komma, die bekommet mein Wellholz zu spüra. Die machet
nur Ärger und sollet sich nimmer blicka lassa.
(Anm. der Red.: Der Artikel wurde bereits in halbwegs erträgliches
Heligonisch umgewandelt)
Quellstedt plant den Bau eines Kanals zum Jolborn
Im Rathaus von Quellstedt ist man zum Entschluß gekommen, den Emaransee
und somit den anliegenden Städten die Möglichkeit zu eröffnen,
über den Jolborn das offene Meer zu erreichen. Bevor ein solcher Bau
jedoch durchgeführt werden kann, müssen die betroffenen Baronien
um Erlaubnis gebeten werden. Außerdem wird die Stadt an alle Emaranseeanrainer
Gesandte schicken, um sie von der Bedeutung dieses Jahrhundertwerkes zu
überzeugen, so daß die Finanzierung nicht an Quellstedt allein
hängen bleibt.
Belohnung von 50.000 Dukaten
Der oberste Richter von Quellstedt hat verkündet, daß derjenige,
der Baron Teemon unversehrt nach Quellstedt bringt, eine Belohnung von
50.000 Dukaten erhält.
"Es ist ja schon lange erwiesen, daß Baron Teemon unschuldig
ist, aber bisher hat das Königreich überhaupt keinen Finger gerührt,
um ihn wieder nach Hause zu holen. Er mag zwar ein unangenehmer Zeitgenosse
gewesen sein, jedoch hat er immer loyal seinen Lehensherren gedient. Etwas
Anerkennung in Form seiner Rettung wäre das Mindeste, um seine Dienste
zu würdigen."
Theo Franzler ergriffen
Der Aufrührer Theo Franzler wurde von einer Einheit der Stadtwache
in den Katakomben von Quellstedt ergriffen. Bei dieser Aktion wurden die
Kompanen von Theo Franzler erschlagen. Er selbst wurde in einem Schnellprozeß
vom obersten Richter zum Tode verurteilt. Die Art der Todesstrafe steht
zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest. Favorisiert werden Steinigung
und Scheiterhaufen.
Bis zur Vollstreckung wird Theo Franzler im Kerker des Rathauses verweilen.

Vom Land, wo Milch und Honig fließen
Weit bin ich umhergezogen und habe viel gesehen und in jedem Land gibt
es etwas, was es vor anderen Landen erhebt. So kam ich auch ins schöne
Reich Hornstein und an einer Wanderstraße verlockte mich folgender
Aufruf:
"Zu einer Riesenfeier lädt Ambrosius der Wirt, weil es 101 Jahre
her ist, daß sein Urgroßvater die Feenkönigin gepimpert
hat! Wir wollen feiern, bis sich die Balken biegen und saufen, bis wir
so voll sind wie ein Weinfaß vor dem Öffnen. Kommt und sauft
und laß Ochsen liegen soviel geht."
Die Feen meines Landes wären dem Urheber eines solchen Aufrufs
nicht sonderlich gnädig gesonnen, wieviel Wahrheit auch immer dahinter
stecken mag. Dennoch machte ich mich auf Richtung Wirtshaus, der Adelmühle
und muß sagen, daß in Hornstein die Feen Fruchtbarkeit offenbar
in vielfältiger Hinsicht spenden: Die Felder waren unglaublich reich
bestellt und entsprechend sah auch der Speiseplan des Wirtshauses aus.
Ambrosius selbst begrüßte mich mit den Worten: "Willkommen im
Land, wo Milch und Honig fließen!" Wenn auch die meiste Zeit nicht
der Wirt, sondern ein etwas seltsames Individuum hinter der Theke stand,
das eher keine Feen pi... nun, beglücken dürfte (oder gerade?),
so hatte Ambrosius nicht übertrieben: Es floß und strömte
so einiges, obwohl das meiste nicht gerade Milch oder Honig war und es
wurde noch mehr und reichhaltiger aufgetragen, aufgeschnitten und aufgespielt.
Anscheinend ging es nebenbei auch noch um die Zukunft des Landes, was einige
Recken dazu veranlaßte, einen kümmernden Drachen zu basteln;
aus Mitleid lieh ich ihnen ein geschnitztes Horn dazu, was ich nicht hätte
tun sollen, denn es war nachher weg. Jedenfalls gelang es später mit
magischer Unterstützung, die Hilfsechse zu einem prächtigen Drachen
aufzubessern, der einem der Landesgötter, Lokaj genannt, zum Verwechseln
ähnlich sah und die drohenden Schatten für (hoffentlich) immer
in die Niederhöllen jagte. Ich war aber nicht dabei, weil ich mich
gerade mit einem Promillajünger unterhielt, und wenn ich mich auch
nicht gerade zu dieser Göttin bekehren will, so sind ihre Riten doch
sehr angenehm und kurzweilig und als die Recken die Welt gerettet hatten
und zurückkehrten, stieg der Flüssigkeitsgehalt in Luft und Eingeweiden
in ungeahnte Sphären, Promilla ist in ihrem Himmel vermutlich vor
Freude das Mieder geplatzt, mir nur vom Fressen die Hosennaht. Allerdings
wurde ich mitten im Spiel der Musikanten müde, lehnte mich an einen
Strohballen und döste weg, mich dabei ärgernd, daß ich
so früh schwächelte und das letzte Freibier auslassen mußte.
Eine Kaffee-Elfe erzählte mir am nächsten Morgen, ich wäre
justamente mit dem ersten Hahnenschrei weggeratzt, soviel habe ich wohl
doch nicht verpaßt. Es unterstreicht aber die Behauptung des Wirtes,
die ich mal ins Reale übersetzen will: Wenn Du fressen, saufen und
Musik einsaugen willst bis zum Verlust der Muttersprache und bis sich Dein
Geldbeutel vor Verzweifelung im nächsten Faß ertränkt,
dann geh nach Hornstein. Ich werds auch wieder tun.
Jakob der Wandelnde, immer mal wo anders
Besucht Betis
die Heimat von Ritter Ramon Maria Canonero!

Reisebericht aus Drakon
(Zeitraum 3. Helios - 1. Xurl 28 n. A. III)
Dies ist der Reisebericht der Hilfsexpedition nach Drakon unter der
Führung von Angus McPhee, Baron von Tagil. Niedergeschrieben von Mag.
Quendan Zauberwacht, zum Bericht an Baron Jareck von Jolberg.
Mit der barönlichen Bitte um Begleitung, schlossen sich eine gute
Bekannte und meine Wenigkeit der tagiler Hilfsexpedition an, die mit einem
25 Man(n) starken Aufgebot über die Jolsee Richtung Trawonien reisen
wollte, um dort einem Lande namens Drakon Hilfestellung bei seinem Kampf
gegen immer wiederkehrende Untote zu sein.
Nun möchte ich nicht darauf eingehen, dass dererlei Ding in Heligonia
durchwegs selten anzutreffen ist, sondern eher das Augenmerk darauf richten,
dass der Drakonische Herzog die Befürchtung hegte, ebenso wie Baron
McPhee, dass oben genanntes sich auch bis nach Heligonia ausbreiten könnte.
Nicht weiter erwähnenswert ist die Reise, welche der gesamte Troß
bei guter Laune und ebensolchem Wetter zurücklegte. Die Ankunft auf
dem Inselatoll, wenige Schiffstage südlich der trawonischen Küste,
verlief ebenso glücklich, wie sie geplant war. Zusätzlich zu
unserem Aufgebot fand sich ein weiteres Schiff ein, welches weitere Unterstützung
beibrachte. Gemeinsam traf man auf den Herold Drakons, welcher die Gäste
begrüßte und zum Lager leitete. Wir hatten nur einen kurzen
Gang von Bord, bis zum Lager. Um so erstaunlicher war es, daß wir
bereits auf diesem Stück von einer ganzen Horde Untoter Wesen angegriffen
wurden. Dank der koordinierten Hilfe der Tagiler gelang es dem Tross, sich
schwerverwundet zum Lager durchzuschlagen. Leider konnte kaum jemand seine
Wunden richtig versorgen oder gar heilen lassen, denn unmittelbar nach
der Ankunft gab es weitere Angriffe, welche auch die ganze Nacht hindurch
nicht aufhören sollten. Erst in den Stunden des frühen Morgens
ließ die Stärke der Angreifer und die Häufigkeit ihres
Auftretens nach.
Das Lager nutzte die Chance, um von einem anwesenden Magier des Landes
Drakon weitere Informationen über die Insel und das Geschehen zu erhalten.
Es wurden einige (wenige) Schriften zur Verfügung gestellt, welche
schlußendlich den Rückblick auf Ereignisse in ferner Vergangenheit
warfen, mit deren Auswirkungen wir konfrontiert wurden. Zusammengefaßt,
denn ich möchte Euch die (unwichtigen) Einzelheiten ersparen, trug
sich folgendes zu:
Es gab drei Magier im Lande, welche den König stürzen wollten.
Sie wählten sich Fontenboa (die Insel) als Hauptquatier aus und erschufen
ein Artefakt, in welches sie ihre Seelen "speicherten". Dieses Artefakt
versteckten sie und hielten sich hierdurch für unsterblich, wie einst
auch Aroben dachte. Die Magier schufen eine "Armee des Schreckens", bestehend
aus den Wesen der dunklen Welt und ließen sie gegen die Königlichen
kämpfen. In den Berichten heißt es hierzu, daß die Göttin
Sheenalasar, welche auch in der trawonischen Mythologie als Lichtengel
eine Rolle spielt, in den Kampf zugunsten der Lebenden eingriff. Außerdem
opferte eine Kriegerin zugunsten der Lebenden ihr eigenes und schuf damit
ein Mahnmal, welches wir in der Nacht der Anreise erblickt hatten - Eine
menschliche Gestalt auf einem Feuerhaufen brannte, verbrannte, verkohlte
und verschwand in das Nichts, aus dem sie gekommen war.
Die Drei, so nannte man die Verursacher der Schlacht inzwischen, waren
geschwächt und zogen sich für lange Zeit zurück. Über
weitere Gründe und warum sie in den letzten Jahren wieder aufgetaucht
sind, konnten und können wir jedoch nur spekulieren.
Die nächsten Tage unseres Aufenthalts und vor allem die Nächte
waren sehr schwer durchzuhalten, denn viele Wellen der Nichtlebenden hatten
es auf unser Leben abgesehen und es war nicht viel Zeit, wichtige Forschungen
und Erkundungen auszuführen.
In der Nacht auf Heliostag verließ der anwesende Trupp von Schwert
und Kelch das Lager mit unbekanntem Ziel. Trotz der allgemein guten Zusammenarbeit
mit Lord McPhee, sahen sich diese Streiter des Lichts nicht bemüßigt,
den Baron ob ihres "Ausfluges" zu informieren. Da der trawonische Trupp
zahlreiche Kämpfer enthielt, ließen sie das Lager in einem arg
geschwächten Zustand zurück, denn kaum noch ein voll einsatzfähiger
Krieger war vorhanden.
Ihr Ziel, so sollte es sich im Nachhinein herausstellen, war die Zerstörung
des "Unsterblichkeit"-Artefaktes. Wir können von Glück sagen,
daß ihnen dieses gelungen ist, denn so schwächten sich bereits
in der Nacht die Angriffe der Kreaturen ab und kamen am späten Morgen
ganz zum erliegen.
Folgende Begebenheiten fanden, so sei wohlbemerkt, nach dem Zeitpunkt
der Zerstörung statt:
Es tauchten weitere Kreaturen auf, welche uns angriffen. Sie unterschieden
sich nur rudimentär von den Untoten, bluteten jedoch. Zuerst ratlos,
klärte sich durch die Information eines weitgereisten Anwesenden jedoch
der Sachverhalt schnell. Augenscheinlich wären die attackierenden
Wesen von der Welt Rhea, die angeblich weit entfernt von den bekannten
Ländern der Mittellande liegen solle. Mit einigen Untersuchungen klärte
sich die Verhältnisse, denn es gab tatsächlich eine Art Torerscheinung
rund um die Insel. Durch das Eingreifen unserer Expedition begannen sich
die Tore allerdings zu schließen und wir begannen schnellstens die
Abreise. Die Bewohner von Rhea hielten uns (zu Recht) für Eindringlinge
und griffen uns währenddessen massiv an, um uns zu vernichten. Es
gab keinerlei Versuch ihrer Seite, die aktuellen Gegebenheiten anderweitig
zu klären und so hatten wir viel Mühe, die Verletzten in Zeit
zu einem herbeigerufenen Schiff zu bringen.
Resultat
- Die Hilfsexpedition überlebte zum größten Teil das
Unternehmen
- Lord McPhee überlebte
- Die Armee der Drei und ihr Artefakt wurden zerstört
- Drakon bzw. die Insel Fontenboa liegen nicht südlich der trawonischen
Küste, sondern auf der Welt Rhea (Entfernung weiterhin unbekannt)
- Die Weltentore sind geschlossen
Gez. Quendan Zauberwacht
Magister Arcana Contraria, Arcana Theoretica
Neue Waffengattung in der Markgrafschaft
Da die Markgrafschaft auf der West-Ost-Linie nahezu mittig vom Ödlandgebirge
geteilt wird und die Hohenmark die Ländereien auf halber Länge
entlang der Nord-Süd-Linie ‚spaltet', hat der Norrland-Brassachische
Kriegsrat den Bedarf an speziell für den Kampf im Gebirge ausgebildeten
Mannen erkannt. Mit dem Beschluß seiner Hochgeboren Markgraf Kalveram
wird vom ersten Tag des Rebenmondes eine spezielle Einheit für einen
potentiellen Kriegsschaufplatz Hohenmark und Ödlandmassiv gebildet
werden, die sich vorrangig aus begabten Kriegern der Norrland-brassachischen
Gardejäger rekrutiert. Diese Krieger sollen sich in der Kunst des
Bergkletterns mit Seil, Steignagel und Hammer und auch ohne Haltemittel
verstehen und werden zu diesem Zwecke aus- und weitergebildet. Die neu
aufgebaute Einheit wird in den Kriegs- und Verteidigungsbüchern der
Markgrafschaft unter dem Namen ‚Bergjäger' Einzug halten. Die Bergjäger
sind im Gegensatz zu den Gardejägern leicht gekleidet, sie tragen
lediglich ein Ledergewand, welches sie vor Hautaufschürfungen und
leichte Verletzungen durch rauhe Felsvorsprünge schützen soll.
Auf eine Panzerung wie sie etwa die Gardejäger tragen, wurden wegen
der notwendigen Beweglichkeit verzichten. Allerdings benutzen auch sie
wie ihre schwer gepanzerten Waffenbrüder die Armbrust als Hauptwaffe.
Die für das Klettern in den Bergen hinderlichen Schwerter wurde durch
handliche brassachische Äxte ersetzt, deren stumpfe Seite auch als
Hammer zum Eintreiben der Steig- und Seilnägel in den Berg genutzt
wird. Mit der Formierung einer solchen Einheit erhofft man sich auch dem
Gesindel habhaft zu werden, daß sich nach dem Umsturzversuch noch
teilweise in den Bergen der Markgrafschaft versteckt hält und noch
heute für den einen oder anderen Überfall verantwortlich zeichnet.
Zu Gast bei den 317. Offenen Ostarischen Utzganmeisterschaften - Ein Résumé
Auch wenn die ‚Markgräflichen' in das Turnier mit einer Niederlage
gegen das Jolbrucker Hafenbüttel gestartet waren, so zeigte doch das
zweite Vorrundenspiel mit einem deutlichen 32:15 Sieg über die Jolbrucker-Stadt-Patrouille,
daß man mit der jungen norrland-brassachischen Mannschaft rechnen
mußte. In der dritten Vorrunde besiegte man dann die Landesmannschaft
Dunkelstein mit 9:2. In Norrland-Brassach bedauerte man den Umstand, daß
gerade die einzigen beiden rein-ceridischen Mannschaften in einer Gruppe
gegeneinander antreten mußten. Mit dem höchsten Punktestand
aller Mannschaften in den drei Vorrundenspielen (54 Punkte und 44 Utze,
Tabellenführer der Gruppe B!) zogen die Mannen der Markgrafschaft
in das Viertelfinale ein! Der Umstand bereits so früh gegen die Dunkelsteiner
angetreten sein zu müssen, wurde zu allem Unglück nun auch noch
durch die Tatsache übertroffen, das Viertelfinale gegen Heldenmut
Hüttstadt aus dem befreundeten Tlamana, dem Zweiten der Gruppe D,
zu bestreiten. Mit einem knappen 7:6 für Heldenmut endete das sehr
faire, aber dennoch hart ausgetragene Spiel und führte zu dem vorzeitigen
‚Aus' der ‚Markgräflichen'. Neben dem guten Spiel der Tlamaner mag
dies sicherlich auch an dem Verletzungspech des Starspielers Wilbert von
Dahnen liegen, der aufgrund einer Verletzung nicht so spielen konnte, wie
man es sich gewünscht hätte. Alles in allem beendete man das
Turnier mit einem guten vierten Platz und insgesamt 30 Heligoniapokalpunkten!
Das gute Abschneiden der jungen, norrland-brassachischen Mannschaft
wird sicherlich die Anhängerzahl des Utzgansportes in der Markgrafschaft
erhöhen. Die durchaus bemerkenswerte Leistung der einzigen Mannschaft
der Markgrafschaft beim ostarischen Wettbewerb wurde bei der Ankunft der
tapferen Streiter im Hafen von Tarnam mit Hochrufen und tosendem Applaus
gefeiert. Selbst Markgraf Kalveram und Markgräfin Lenia ließen
es sich nicht nehmen, die ‚Helden' persönlich am Pier zu begrüßen.
Vielleicht mag der positive Eindruck, den die Mannschaft bei der 317. Offenen
Ostarischen Meisterschaft hinterlassen hatte, nun für Auftrieb im
eigenen Lande sorgen. Vielleicht kommt einmal die Zeit, wo man in Norrland-Brassach
eine eigene Meisterschaft mit mehreren norrland-brassachischen Mannschaften
spielen wird und nicht, wie heute noch üblich, lediglich eine Mannschaft
aufbieten kann, die in Absprache mit dem Ostarischen Utzganbund fest in
der Ostarischen Liga spielt. Vielleicht nimmt ja eines fernen Tages das
Utzganspiel einen höheren Stellenwert im gesellschaftlichen Leben
der Bewohner der Markgrafschaft ein, als etwa das Königsschießen
oder das Baumstammreiten, zwei traditionelle Wettbewerbe der Baronie Grauburg!
Ein Heimspiel von Sturm Betis bewundern -
warum nicht?
Betis freut sich auf Euren Besuch!
Wir trauern um
Liam Anderlate Mad'Ruadh
Sohn unseres Clans und unseres Landes. In fremder Erde bist Du gefallen,
als Du Menschen verteidigtest - Deine Ehre befahl Dir, sie zu verteidigen.
Poëna wird strafen, wer von Ihnen Dich nicht ehrt, sie wird belohnen,
wer Deinem Beispiel folgt.
Dein Clan und Dein Land werden Dich niemals vergessen.
Die Mad'Ruadh
Drachentrutz, am 18. Tag, des 1. Xurl n.A.III.28
An seine Durchlaucht Fürst Bartha von Thal
Alle Nachsicht hat einmal ein Ende!
Hochgeschätzter Freund,
nehmet zur Kenntnis Unsre Empörung wie Unsren Gram, ob der wiederholten
impertinenten Schmähungen Eurer Vasallin Nimue von der Aue, Baronin
der Lormark, kontra Unsere Person und Unser Haus.
Wir mögen diese Narreteien nun nicht mehr länger ertragen,
die gleichermaßen falsch, nutzlos und heuchlerisch sind. Sonach sprechen
wir hier und heut die Lormarkerin zur unerwünschten Person im gesamten
Fürstentum Drachenhain aus. Sie verliert ad momentum jegliches Recht
eines Gastes. Wer in Drachenhain dennoch weiterhin mit der Genannten paktiert,
wird über kurz oder lang die Gunst seines Herrn verlustig sein!
Mehr als einmal war sie gewarnt und mehr als einer Unserer Vasallen
wurde ausgesandt, den Streit zu schlichten, doch wie Ihr, Euer Durchlaucht,
selbst am besten wisset, sollte unerfreulicherweise nichts von Wert und
Dauer sein.
In ihrer vorwitzigen Bedenkenlosigkeit zerschlug die Lormarkerin jedwede
Brücke der Freundschaft und Zuneigung, die Unser Land über Jahrhunderte
hinweg mit der Mark verband. Folglich versperren wir ab dem heutigen
Tage die Brücke zwischen Sarniant und der Lorburg.
Menschen, die uns derart übel gesonnen sind, heißen wir
in Drachenhain nicht länger willkommen!
In vollster Hochachtung und Freundschaft
Fürst Waldemar von Drachenhain
Ein Besuch im Redon-Bad -
warum nicht?
Betis freut sich auf Euren Besuch!
An Arandis von Schwarzensteyn
Seid mir gegrüsst ungestümer junger Krieger
Mein junger Freund, was habt Ihr getan? Sollten die Verfehlungen, von
denen ich hörte wirklich von Euch begangen worden sein?
Ich hatte Euch seit unserem ersten Zusammentreffen auf dem Adelstag
vor nunmehr zwei Jahren immer für einen ehrenhaften jungen Kämpen
gehalten. Und nun höre ich, dass ihr die höchsten Prinzipien
der Ritterschaft so mit Füssen getreten haben sollt.
Lasst mich wissen, dass Ihr den Tugenden der Ritterschaft treu geblieben
seid und meinen Glauben in Euch nicht betrogen habt und alle Euere Mühen
der letzten Jahre einfach fortgeworfen habt und der Magie anheimgefallen
seid.
Sollte ich mich trotz allem in Euch getäuscht haben dann mögen
die Götter Euch gnädig sein und dafür Sorge tragen, dass
Ihr Euch nicht auch noch selbst verratet, wie Ihr Euere Ritterschaft verraten
haben mögt (was ich nicht verstehen könnte oder vermag).
Trotz aller Widrigkeiten wünsche ich Euch für Euren weiteren
Lebensweg alles erdenklich Gute. Und verbleibe mit ungläubigen Grüssen
ob des Geschehenen
Falkenur von Schwarzenbing, Vogt zu Erkenay
An Seine Hochwohlgeboren Falkenur von Schwarzenbing
Sehr verehrter Freiherr Falkenur von Schwarzenbing!
Ich weiß nicht, was Euch zugetragen worden ist. Doch laßt
es mich Euch aus meinem Munde berichten. Denn die Wahrheit trägt viele
Gesichter, und wir alle sind nur eine Facette davon.
Ja, ich habe dem ersten Ritter der Tatzelfelser Ritterschaft Cawadoc
Gwar U Madh den Gehorsam verweigert. Ich tat es in vollem Bewußtsein
der Konsequenzen, die dies haben könnte und ohne daß mich jemand
dazu gedrängt hätte. Eine Entschuldigung für diese Verfehlung
kann es nicht geben. Allein, es war meine Pflicht, so zu handeln. Denn
die Alternative wäre gewesen, die Prinzessin Syria Jaldis ohne eine
Leibwache zum Ceridenkonvent nach Gregorsruh reisen zu lassen. Etwas, was
ich nach den Vorfällen auf dem Methfest niemals hätte dulden
können. Sie bat mich darum, sie zu begleiten, und als Cawadoc mir
dies verbot, habe ich lange Nächte damit verbracht, darüber nachzudenken,
was ich nun tun solle. Glaubt mir, ich habe es mir nicht einfach gemacht
- und dennoch fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Die Sicherheit Syrias
war wichtiger als Cawadocs Wohlwollen, so mächtig er auch sein mag
und wenn er auch mein Vorgesetzter ist oder besser war. Denn er ist nicht
mein Lehnsherr, und diesem habe ich mich nicht widersetzt. Das hat nicht
in meiner Absicht gelegen. Vielmehr empfand ich es als meine Aufgabe, die
Schwester meines ehemaligen Lehnsherrn zu schützen, die jetzt Baronin
der Baronie Tatzelfels ist.
Allein die Prinzessin trifft keine Schuld. Sie wußte nichts von
Cawadocs Verbot, und so könnt Ihr mir denn noch anlasten, daß
ich sie, die ich schützen wollte, hintergangen habe. Und das ist vielleicht
die Verfehlung, die am schwersten wiegt. Zumindest in meinen Augen. Doch
ich hoffe, nein, ich glaube fest daran, daß sie mir dies vergeben
wird. Und das ist das einzige was zählt, neben der Unversöhnlichkeit,
mit der mich Cawadoc verfolgen wird.
Doch so wenig, wie ich Cawadocs Befehl entsprechen konnte, so wenig
habe ich auch die Konsequenzen gescheut, die ich auf mich zukommen sah.
Ich hatte von Anbeginn fest damit gerechnet, dass er mich bei unserer Rückkehr
fordern würde. Auch dass dies mein Tod sein könnte, war mir bewußt.
Es war dies der Preis, den ich zu zahlen bereit war für den Schutz
Syrias. Es kam, wie ich vorausgesehen hatte, und Cawadoc hätte mich
wohl getötet, wenn das Schicksal es nicht anders gewollt hätte.
Ihr fragt, ob ich der Magie anheimgefallen sei. Vielmehr ist es jedoch
so, daß mir die Magie anheimgefallen ist. Denn die Magie war Zeit
meines Lebens ein Teil von mir. Sie wurde mir in die Wiege gelegt, wenn
ich auch bis vor zwei Jahren nichts davon ahnte. Auf dem Gelehrtenkonvent
damals hat ein übereifriger Studius sie geweckt. Sicher war es meine
eigene Schuld, dass es dazu kam. Ich habe vertraut, und mein Vertrauen
wurde enttäuscht. Der Prior des Nexus selbst gab mir damals ein Amulett,
dass die freigelegte, ungezügelte Magie in mir bändigen sollte.
Mir allein war es freigestellt, dieses Amulett zu tragen. Dass ich es bis
zu jenem Kampf nicht abgelegt habe, spricht für mich, so hoffe ich.
Dass ich eine Ausbildung in der Magie erfahren sollte, war nicht mein Wunsch,
aber ich beugte mich diesem Ratschluß, denn er birgt in meinen Augen
eine innere Notwendigkeit. Denn wie soll ich verantworten, was geschieht,
wenn meine Magie sich selbständig macht? Wenn gar Leute verletzt werden,
wenn ich jemals das Amulett verliere sollte oder es mir abgenommen wird?
Und genau das, Euer Hochwohlgeboren, ist passiert an jenem verhängnisvollen
Tag.
Es war nicht Cawadocs Schuld, es war auch nicht die meine. Das Schicksal
hatte seine Hand im Spiel an jenem Tag. Es hat die Hand Cawadocs so gelenkt,
dass er mir im Zorn, als ich verletzt zu seinen Füßen lag, nicht
den Waffenrock mit den Tatzelfelser Farben vom Leibe riß, sondern
auch das Amulett des Priors. Was dann geschah, lag nicht in meiner Hand.
Die Magie entlud sich, brach aus mir hervor. Ich konnte nichts dagegen
tun. Und sie schlug Cawadoc zu Boden. Glaubt mir, nicht um den Preis meines
Lebens, hätte ich zu solch unlauteren Mitteln gegriffen, meinen Kontrahenten
zu besiegen. Doch ich konnte nichts dagegen tun, war selber nur Zeuge in
diesem schrecklichen Augenblick.
Kaum Herr meiner Sinne hat mein Freund Llevin Mad Ruadh mich hernach
nach Luchnar gebracht, wo er mich in Sicherheit wähnte vor Cawadocs
- sicherlich berechtigtem - Zorn. Und auf Burg Hautzensteyn fand ich ein
warmes Willkommen, mehr als ich zu hoffen gewagt hatte, und sicherlich
mehr als ich verdiene.
Es hat lange gedauert, die Wunden aus jenem Kampf zu heilen. Einige
werden sich nie schließen, denn ich weiß, dass mir Tatzelfels
in Zukunft verschlossen sein wird. Ich bin kein Ritter mehr, und auch meine
Ehre habe ich verwirkt. Was mir bleibt, sind nur noch meine Freunde und
die Hoffnung. Die Hoffnung, irgendwann vielleicht meine Ehre und meinen
Namen wiederzufinden - in einem anderen Kampf, an einem anderen Ort. So
habe ich denn seine Hochwohlgeboren Koldewaiht von Hautzensteyn darum gebeten,
mich mit den Kriegern, die er meinem ehemaligem Lehnsherrn als Unterstützung
im Kampf gegen die Ödländer angeboten hat, in die Leomark zu
ziehen. Euer Brief hat mich gerade noch rechtzeitig vor meine Abreise erreicht.
Morgen werden wir gen Norden ziehen.
Inwieweit ich nun gefehlt habe, überlasse ich Eurem Urteil. Ich
hoffe nur, Ihr verachtet mich nicht gar zu sehr. Und wisset, dass ich nur
getan habe, was mir mein Herz befahl. Möge das Schicksal mir Vergebung
oder Vergessen schenken. Vielleicht in jenem Krieg, dem ich mich nun anschließen
werde. Betet für mich!
Arandis
Luch'nari!
...hey, der Or-Bân ist schon wieder aus, oder hat Cirmore das Faß
eingetreten, ach es war schon leer, bleib mal n bißchen vom Feuer
weg, Kindra, du brennst schon, was ich eigentlich den ganzen Abend fragen
wollte, wo sind eigentlich Liam, Sean, und Llevin, Parimawald? also da
sind sie wirklich selber schuld und der Baron ist auch dort? ach ja, wegen
der Alfar, wär aber auch egal, finde ich, die kriegen auch was zu
trinken, Lauren, ich frage mich wirklich, wie Eure Spezialattacke läuft,
du kannst ja nicht mal grade laufen, zeig noch mal die silberne Utzganscheibe
vor, Uthcauth. Weggetan? Ach, damit sie nicht im Feuer landet, na gut,
Megis, ich glaube mit Tulberlate ist nicht mehr viel anzufangen, Megis?
Megis? die kann man auch schon vergessen, das Milchlamm, was heißt
da seit 47 Jahren nicht mehr so gut abgeschnitten bei den Ostarischen Meisterschaften,
Rathborne, du alter Zahlenschlauwolf, trink mal schneller, du bist nicht
zum Zählen hier und bleib mir vom Hintern weg, Rathborne, so, dein
Pech, schade, das Bier hätte ich lieber getrunken, bist wohl neidisch,
daß die Mädels in Ankur Lauren entführt haben, Mensch,
Rathborne, jetzt sei nicht eingeschnappt, hol mir lieber noch ein Bier,
nein, da bringt der Clanschief den neuen Or-Bân, Rathborne, halt
mich fest, mir wird auf einmal so anders...
(Addendum zu einem Bericht von Kiondre MadRuadh über die Feier
des Luchnischen Utzgan-Teams nach der Rückkehr von den Ostarischen
Meisterschaften - dieser Abschnitt schien der Heliosboten-Redaktion wesentlich
aufschlußreicher als der eigentliche Bericht)
Irritationen um den vierten luchnischen Ard Druidh
Nach langem Warten hat Poëna nun endlich ein Zeichen gegeben und die
Nachfolge des kürzlich verstorbenen ArdDruidhs Lhirmon bestimmt. Doch
zur Verwunderung aller gab die Göttin nur eines wieder: Der nach dem
gesucht wurde, sei schon lange in Luchnar und seit einer geraumen Zeit
schon ein ArdDruidh: Rowaine. Dies erscheint aus der Sicht der Druidhs
eine Verletzung des von der Göttin selbst gestellten Gesetzes und
Rowaine ist ein Name, der den Druidh nichts sagt, außer daß
diese Person den Fluch über Koldewaiht von Hautzensteyn ausgesprochen
hat. Der Kreis der Druidh, insbesondere der ArdDruidh ist nun voller Zweifel
und weiß nicht, wie sie mit dieser Person zusammen ihren Dienst verrichten
soll. Hagmore, der ArdDruidh des Quet Lameth gab folgende Stellungnahme
ab:
"... Sicher, wir beugen uns dem Willen Poënas und sind der festen
Überzeugung, daß unsre Göttin mit Weisheit uns einer neuen
Prüfung unterzieht. Trotzdem verstehen wir nicht, wie ein ArdDruidh
in Luchnar leben konnte, ohne daß wir davon wußten. Wir waren
bis zu dieser Zeit der Überzeugung, daß es nur 4 ArdDruidh in
Luchnar geben kann, denn so hieß es von Generation zu Generation
Ich selber hoffe, daß wir die Worte unserer von uns sehr geliebten
und verehrten Göttin Poëna falsch verstanden haben..."
Offener Brief an Koldewaiht von Hautzensteyn
Geschätzter Bruder
Nach unserer Unterredung denke ich, ich sollte noch einmal auf diesem
Wege an Dich treten. Es ist der Wahre Wille meines Herzens, daß unsere
Familie wieder Frieden findet. Ich wiederhole nun noch einmal die Worte,
die ich Dir schon persönlich gesagt habe: Koldewaiht, ich möchte
mich für meine Missetaten in der letzten Zeit entschuldigen und bitte
Dich, mir mit reinstem Herzen zu vergeben, so wie mir der Eine diese Taten
vergeben hat. Ich werde in Hochaskenstein warten, bis mich ein Bote mit
Deiner Antwort erreicht und danach werde ich mir eine neue Zuflucht suchen.
Des weiteren bitte ich Dich, mit Sean Okildare aus deiner Leibgarde nicht
zu sehr in das Gericht zu gehen, denn er wollte nur meine Meinung zu den
letzten Vorkommnissen in der unsern Heimat wissen.
Erwartungsvoll Cederric von Hautzensteyn
Wer im Dreck von anderen stochert,
sollte erst einmal sein eigen Heim reinigen
ceridisches Sprichwort
Erdbeben in Tatzelfels und Luchnar
Wer hat die rätselhafte Spalte wieder eröffnet?
Mitte des ersten Xurlmondes bebte die Erde in Schattenau und dem benachbarten
Nordostzipfel Luchnars und riß an der Grenze eine Spalte von Baumstammlänge
auf. Gleiches geschah bereits vor vier Jahren angeblich durch die Verrückung
eines Marksteines, mit Hilfe der luchnischen Druidh konnte die Spalte wieder
geschlossen werden.
Diesmal geschah in den Folgetagen aber mehr als damals. Ein eingestampfter
Pferdestall auf der Tatzelfelser Trutzburg, mannstiefe Furchen, die den
Weg zur Paßhöhe teilen, siebenkrallige Spuren von eineinhalb
Ellen Länge, zerfleischte Schafe jenseits der luchnischen Grenze...
Etwas geht um im Grenzgebiet zwischen Tatzelfels und Luchnar und das einfache
Volk hat rasch einen Namen dafür gefunden: DÄMONEN! Grenzvogt
Konrad Trutzberg meidet dieses Wort, betont aber, einfache Wegelagerei
erkläre die Ereignisse keinesfalls. Prinzessin Syria Jaldis soll bereits
eine Expedition zusammenstellen, die den Vorfall untersucht.
Es scheint, als wäre vor vier Jahren die wahre Tragweite einer
Öffnung jener Spalte vertuscht worden, die Erkenntnisse von Jakob
dem Wanderer, der die Spalte untersuchte gelangten nie an die Öffentlichkeit.
Diesmal müssen die Hintergründe aufgedeckt werden. Denn es wird
eine Absicht hinter dem Geschehen stecken - an ein "Erdbeben", gar an das
"Verrücken eines Marksteines", damals schon äußerst dürftige
Erklärung, wird keiner mehr glauben. Jetzt ist die Zeit gekommen,
Fragen zu stellen:
Wer öffnete die Spalte und warum tat er es? Was kam aus
ihr heraus? Und - was lauert noch darinnen?
Drachentrutz, am 18. Tag, des 1. Xurl n.A.III.28
Die Parimawaldexpedition
Burg Tahlwacht gefunden und in Sicherheit gebracht
So möchte ich mich nochmals bei allen bedanken, die mir mit Rat
und Tat so hilfreich zur Seite gestanden haben, als es darum ging, eine
Wette zu gewinnen. Unzählige Helfer standen mir bei, die sich vom
schrecklichen Ruf des Parimawaldes nicht haben schrecken lassen. Auch möchte
ich mich bei all jenen bedanken, die aus dem Hintergrund agierten und nicht
genannt werden möchten.
Ohne Eure großartige Hilfe, hätten wir Burg Tahlwacht bestimmt
nicht gefunden und in Sicherheit bringen können.
Die Wette sehe ich jedoch in ihre Bestandteile aufgelöst, da die
Ereignisse Karr den Jäger und mich dazu nötigten zusammenzuarbeiten.
Gemeinsam haben wir das Ziel erreicht, so will ich es nennen, denn Karr
der Jäger wählte, um Burg Tahlwacht zu retten, den Tod.
Ich bedaure sein Scheiden, denn als es darum ging, gemeinsam etwas
zu erreichen, wurde er mir zwar nicht zum Freund, aber zu einem ehrenwerten
Mitsteiter, dem in manch einer gefährlichen Situation auch mein Wohl
am Herzen gelegen war.
Ein großartiger Mann ist von unserer Welt gegangen.
Für seine Ideale trat Schwertmeister Teamon Freiherr zu Wingen
ein. Er ist es, der den letzten Schritt auf sich nahm und tapfer Burg Tahlwacht
aus der Sphäre der Phiare befreite.
Prinzessin Syria Jaldis von Drachenhain,
Baronin von Tatzelfels,
Botschafterin in der Zerbrochenen Stadt
Bekanntmachung der Gemeinschaft der Ritter vom Weißen Wasser
Die Xurlhochgeweihte Arika vom Weißen Wasser bedankt sich im Namen
der Gemeinschaft der Ritter von Weißen Wasser für ihre Amtseinsetzung
als Verwalterin der Vogtei.
Es soll am Weißensee eine Ordensburg erbaut werden. Bis zu deren
Fertigstellung wird die Gemeinschaft der Ritter vom Weißen Wasser
in Siebenquell zusammentreffen.
Zur Zeit ist die Gemeinschaft noch damit beschäftigt, die Ordensregeln
aufzusetzen und abzustimmen.
Als höchster Geistlicher Vertreter des Ordens im Namen Xurls wird
Ritter Lassar vom Weißen Wasser eingesetzt. Seine erste Queste wird
sein, für die verwaisten Positionen Berufene zu finden.
Weiterhin wird die erste Handlung der Gemeinschaft darin bestehen,
Prinz Leomar, in seinem Streben die Leomark wieder zu befestigen, zu unterstützen.
Xurlhochgeweihte Arika vom Weißen Wasser
Mythen aus Tatzelfels
Der Beridhaner Hügel
Vor siebenhundert Jahren betraten unsere Vorfahren das Land Heligonia.
Unter ihnen war ein Anführer, der groß und stark war, und so
wurde er von seinen Männern Bär gerufen. Ihm gefiel das Land
um sich herum, und so wollte er bleiben. Er holte einen Ulmensämling
hervor aus dem Land, das er und die seinen verlassen hatten, und pflanzte
ihn in die Kuppe eines schön gelegenen Hügels. Dort stellte er
sich hin und sprach zu den Menschen, die ihm gefolgt waren: „Hier soll
mein Heim entstehen, und ich werde es Beridhan nennen. Und so wie diese
Ulme Wurzeln schlagen wird, so werden auch wir hier unsere Wurzeln schlagen
und neu beginnen. Denn so wie diese Ulme gedeiht, so wird auch unser Land
gedeihen und uns ernähren. So stark wie ihr Stamm sein wird, werden
auch wir stark werden.“
Die Prophezeiungen des Landbegründers Bär wurden alle wahr.
Die Ulme schlug ihre Wurzeln in das neue Land, und die Menschen fanden
tatsächlich eine neue Heimat. Sie trotzten der Wildnis und bauten
Gehöfte, kleine Dörfer, Städte und die Burg Beridhan. Und
je größer die Ulme wurde, um so mehr wurde das neue Land ihre
Heimat. Der Stamm wuchs gerade wie ein Pfeil, und ebenso wurden auch die
Menschen. Sie waren von aufrichtigem Gemüt. Und wie der Wind auch
versuchte, die Ulme zu brechen, blieb sie unbezwingbar. Manchmal beugte
sie zwar die Krone, doch richtete sie sich jedesmal wieder auf.
Die Ulme erlebte viele Herrscher, die das Land zu einer unglaublichen
Blühte führten. Doch dann wurden dem Baron von Beridhan Zwillinge
geboren. Zwei Knaben waren es, die, als sie heranwuchsen, sich um die Krone
stritten. So ritten sie zur Ulme hinan, um dort ein Urteil herbeizuführen.
Doch es kam zu einem Handgemenge, bei dem Kayhan von seinem Bruder Aeroben
getötet wurde. Das Blut aus dem Geschlecht des Bären tränkte
den Hügel, und Helios selbst zerschlug daraufhin mit einem Blitz die
Ulme. Der Baum brannte bis auf seine Wurzeln nieder. Baron Aeroben war
von seiner Tat wie betäubt. Zum Angedenken seines Bruders ließ
er dort deshalb einen Stein errichten.
Doch mit dem Vergehen der Ulme sollte auch das Reich nicht mehr eins
sein. Vor hundert Jahren dann zerfiel es endgültig.
Verkündigung
Mit sofortiger Wirkung wird die Tatzelfelser Ritterschaft aufgelöst.
Ich verabschiede hiermit Ritter Cawadoc Gwar U’Mad, Ritter Samuel von Turlach
und Ritter Naum von Morogas. Doch werden die Plätze ihrer Schilde
in der Vorhalle nicht lange leer bleiben, denn ich setze nun anstelle der
Instanz der Ritterschaft die Herolde von Tatzelfels ein. Sie werden, wie
schon in den Zeiten unter Prinz Leomar, mein Aug und Ohr in der Baronie
Tatzelfels sein.
So setze ich zunächst Noriel de Lazard, Trevyn von Weißwalch
und die Waldläuferin Veya Brengasch ein. Mit Bedauern gebe ich in
diesem Zusammenhang kund, daß Ritter Cawadoc Gwar U’Mad sich frei
gesprochen und die Baronie Tatzelfels verlassen hat.
Weiterhin bestimme ich, daß Vogt Galen von Kulmenbach abgesetzt
wird und die Vogtei Haydeck der Gemeinschaft der Ritter vom Weißen
Wasser zur Verwaltung übergeben wird. Die Xurlhochgeweihte Arika,
Seherin vom Weißen Wasser, soll mit sofortiger Wirkung in die Instanz
einer Vogtin gehoben werden.
Weiterhin gebe ich mein Bedauern kund, daß Arandis von Schwarzensteyn
seine Ritterwürde aberkannt worden ist.
Prinzessin Syria Jaldis von Drachenhain,
Baronin von Tatzelfels,
Botschafterin in der Zerbrochenen Stadt
Beridhaner Ulme treibt Schößling
Ein Tatzelfelser Förster entdeckte vor einigen Tagen, dass die berühmte
Heilige Ulme von Beridhan, einst Symbol dieser alten Baronie, einen Schößling
ausgetrieben hat. Diese Nachricht verbreitete sich in Windeseile unter
der Beridhaner Bevölkerung, bald schon zogen ganze Gruppen von Menschen
zu dem abgelegenen Hügel, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen.
Der junge Baum misst etwa 4 Ellen, hat einen armdicken geraden Stamm und
eine ebenmäßige Krone. Er dürfte etwa vier Jahre alt sein,
wurde aber erst jetzt entdeckt, da der Ort bei der Tatzelfelser Bevölkerung
als unheimlich galt und gemieden wurde. Aroben hatte dort einst seinen
älteren Bruder im Streit um die Nachfolge in der Baronie Beridhan
erschlagen. Daraufhin zerstörte Helios in seinem Zorn die Heilige
Ulme durch einen Blitz. Der ausgebrannte Baumstamm wurde zum Symbol der
Schreckensherrschaft Großherzog Arobens und dem Niedergang des Hauses
Baer. Die Nachricht über den jungen Baum löste bei so manchem
Tatzelfelser Adeligen Besorgnis aus, Baronin Syria Jaldis hat sich aber
bisher noch nicht dazu geäußert.
Sean Okildare Mad'Ruadh vor Clansoberhaupt zitiert
Der bekannte luchnische Krieger Sean Okildare Mad'Ruadh begleitete
seinen Baron auf dem letzten Adelstag und Prinzessin Syria auf der Expedition
in den Parimawald, wo er schwer verwundet wurde. Nun scheint ihm ein weniger
erfreulicher Gang bevorzustehen: Wegen heimlichem Kontakt zu einem Clanslosen
muß er sich vor seinem Clansoberhaupt rechtfertigen. Ähnliche
Vergehen wurden in der Vergangenheit durchweg geahndet, wenn auch mit unterschiedlicher
Strenge. Bei dem Clanslosen handelt es sich um Cederric von Hautzensteyn,
in Luchnar seit fast einem Jahr Cederric U'Mad genannt.

Sturm Betis - Ostarischer Meister!!!!
Nun sind sie also vorüber die 317. Offenen Ostarischen Meisterschaften.
3 Wochen lang traten die besten Mannschaften Heligonias gegeneinander
an, um wiederum den Besten unter sich zu ermitteln. Und wahrlich, fast
alle gaben sie ihr Bestes und fast alle spielten mit großer Sportlichkeit
und zeigten sich von ihrer besten Seite.
Wir können hier leider nicht auf jedes Spiel einzeln eingehen
und beschränken uns in diesem Bericht vielmehr auf die interessantesten
und prickelnsten Details. Alles andere möge der geneigte Leser bitte
den Ergebnissen am Ende unserer Ausführungen entnehmen.
Schon in den Vorrunden spielten sich wahre Dramen ab und einige der
Topfavoriten, konnten die in sie gesteckten Erwartungen beileibe nicht
erfüllen. Am drastischsten traf dies wohl auf die Herzöglich-Ostarische
Marinemannschaft zu, die gleich in der 1. Vorrunde in Ihren schönsten
Galauniformen von einem Unwetter überrascht wurde, welches den Boden
dermaßen in Matsch verwandelte, daß die Herrschaften ständig
damit beschäftigt waren, Flecken von Ihrer Bekleidung zu entfernen,
und somit Heldenmut Hüttstadt beinahe kampflos das Feld überlassen
mußten. Dieser Schock saß wohl zu tief und führte zum
frühzeitigen Aus. Ebenfalls nicht den Erwartungen gerecht wurden Krönung
Escandra und Auswahl Ankur, die sich vermutlich beide mehr um den Nachwuchs
kümmern sollten. Mit einem Bestechungsversuch machten die Thaler Gulden
in der 2. Vorrunde von sich reden, der allerdings von den Stämmigen
Buchen, einem unerwartet guten Außenseiter, aufgedeckt wurde, was
die Thaler ebenfalls den Einzug ins Viertelfinale kostete. Die meisten
Utze wurden im Spiel der Markgräflichen gegen die Jolbrucker-Stadt-Patrouille
erzielt. Den Jolbruckern nutzte ihr in alter Frische inszeniertes Blitzmanöver
(15 Utze in einer Minute!) allerdings nichts gegen den Brassachischen Sturm,
der vernichtend über das Spielfeld hineinbrach und den Markgräflichen
eine Rekordutzzahl von 32 einbrachte. Das erste Mal von sich Reden machten
die Jolbrucker Hafenbüttel im Spiel gegen die Dunkelsteiner Landesmannschaft,
wo die Büttel in solch auffälliger Weise mit gleich drei Scheiben
hantierten, daß das Ostarische-Utzgan-Komitee (OUK) das Ergebnis
des Treffens annulieren ließ und eine Wiederholung forderte. Unsere
Gratulation geht an Vyorum Uthcaut MadRuadh, der in der Begegnung Luch'nari
- Burai Breath sein 1000. Utz utzte. Der spätere Erfolg von Sturm
Betis wurde angekündigt, als nach dem verlorenen Spiel gegen Jolberg
eine goldene Utzganscheibe über dem Kopf des Stars Cannonero erschien,
welche von den meisten Beobachtern als ein Zeichen des Einen gedeutet wurde
und den unaufhaltsamen Siegeszug der Mannschaft aus dem Brazachsdelta einläutete.
Cannonero nämlich war es, der den bereits führenden Stämmigen
Buchen mit einem unglaublichen Hackentrick noch den Sieg entriß,
und somit für den Einzug der Betiser ins Viertelfinale sorgte. Ähnlich
spannend ging es bei den Luch'nari zu, die ebenfalls nur durch die von
Lauren und Cirmore MadRuadh entwickelte und im Spiel gegen Onkel Faisals
Helden eingesetzte MadRuadh-Attacke ihr Ausscheiden verhindern konnten.
Einem wahren Massaker glich das Spiel der beiden Jolbrucker Mannschaften.
Doch trotz aller Verletzungen, welche sich die beiden Mannschaften gegenseitig
zufügten, endete das Spiel unentschieden, so daß die Titelverteidiger
der Stadt-Patrouille ausschieden und die Hafenbüttel unerwartet weiter
kamen.
Das Viertelfinale stand ganz im Zeichen wahren Sportsgeistes. So ist
das Spiel Heldenmut Hüttstadt gegen Die Markgräflichen als wahres
Freundschaftsspiel zu sehen, was sich in allerhöchster spielerischer
Harmonie und einem beinahe Unentschieden äußerte. In einem großartigen
Feuerwerk der Utze, sorgte Canonero für das Ausscheiden Lindwurm Lodenburgs,
die überraschend Gruppenerste geworden waren.
Das Halbfinalspiel der Luchnarer Mannschaft gegen die Recken aus Tlamana,
welches die Luch'nari Dank der MadRuadh-Attacke für sich entscheiden
konnten wurde von der Entführung Laurens MadRuadh durch weibliche
Fans überschattet, der jedoch rechtzeitig zum Finalspiel wieder freigelassen
wurde. Trotz des gewohnt provokativen Vorgehens der Jolbrucker Hafenbüttel,
gewann Sturm Betis auch das Halbfinalspiel souverän. Der haushoch
überlegene Canonero beendete den Vormarsch der Jolbrucker auf heroisch,
athletische Art mit einer neuen Variante des Canonerischen Sturms Beta
7.
Das Spiel um den 3. Platz schien bereits entschieden als die Jolbrucker
Hafenbüttel in einem Akt unglaublicher Brutalität aus Zorn über
die vorhergehende Niederlage ihren eigen Trainer, Gutral Hubensack, volkommen
bewegungsunfähig prügelten. Schließlich führten sich
die Büttel in gewohnt unmöglicher und beleidigender Weise gegenüber
Gegner, Schiedrichter, Veranstalter und Publikum auf und steigerten sich
zusätzlich in eine solche Orgie der Gewalt hinein, daß die Hälfte
der Tlamanischen Mannschaft vom Platz getragen werden mußte. Das
führte schließlich, Dank eines Antrags des Hüttstädter
Trainers, Meister Guntram Eisenich zur Disqualifikation der Jolbrucker
Hafenbüttel, die sich sodann beschämt auf den Heimweg machten.
Es sei noch zu ergänzen, daß die Tlamaner zu diesem Zeitpunkt
das Spiel schon gewonnen hatten und somit verdient den 3.Platz erreichten.
Doch nun zum Finalspiel, zu dem der Doge von Betis persönlich
angereist war und dem selbstverständlich auch die herzögliche
Familie beiwohnte. In einer großartigen Geste der Sportlichkeit tauschten
die Mannschaften ihre Wimpel: Der betiser mit der Aufschrift "317. Offene
Ostarische Meisterschaften -- Finale -- Sturm Betis - Luch'nari",
der luchnische ein traditionelles kariertes Stück Stoff. Dann
begann das Spiel, bei dem beide Mannschaften ihr Bestes gaben. Beide spielten
hart, offensiv aber fair. Man hatte in jeder Hinsicht das Gefühl,
daß diese Utzganspieler allesamt zu Recht im Finale standen.
Leider jedoch, konnte die luchnische Mannschaft diesmal ihre brillianten
Taktiken nicht so richtig zur Geltung bringen. Ramon Maria Canonero dagegen
lief zu absoluter Höchstform auf. Der zukünftige Spieler des
Jahres gab in diesem Finale alles was er konnte und setzte eine wunderschöne
Attacke nach der anderen. Vollkommen zu recht war das Publikum begeistert
und die Stimmung phänomenal. Als der Schlußpfiff fiel, dauerte
es eine Weile bis die Betiser begriffen hatten, daß sie Ostarischer
Meister geworden waren. Nachdem der Doge von Betis den Siegern persönlich
gratuliert hatte, wurden Spieler von den freudetrunkenen Fans durch ganz
Ankur getragen.
Bei der Siegerehrung, die von Regentin Walluma von Ostarien persönlich
vorgenommen wurde, erhielten die besten drei Mannschaften Utzganscheiben
aus Aurazith, Silber und Bronze überreicht.
Doch nicht genug der Ehrungen. In einer Geste von Großzügigkeit
und sportlicher Anerkennung wurde Ramon Maria Canonero für seine großen
Verdienste für den Utzgansport von Herzog Angilbert I. zum Ritter
Ostariens geschlagen und erhielt außerdem den Rang eines Ehrenkapitäns
der Ostarischen Marine zugesprochen.
Zuletzt also noch einmal in der Schnellübersicht die Ergebnisse
der 317. Offenen Ostarischen Meisterschaften:
1. Vorrunde
Stämmige Buchen gg. Jolberger Schädelspalter
4:24
Sturm Betis gg. Thaler Gulden 10:1
Landesmannschaft Dunkelstein gg. Jolbrucker-Stadt-Patroulle 9:6
Die Markgräflichen gg. Jolbrucker Hafenbüttel
3:6
Luch'nari gg. Auswahl Ankur 0:3
Onkel Faisals Helden gg. Burai Breath
1:8
Heldenmut Hüttstadt gg. Herz. Ostarische Marine
12:0
Krönung Escandra gg. Lindwurm Lodenburg
4:8
2. Vorrunde
Stämmige Buchen gg. Thaler Gulden
6:0
Jolberger Schädelspalter gg. Sturm Betis
10:1 Landesmannschaft Dunkelstein gg. Jolbrucker Hafenbüttel
4:7
Die Markgräflichen gg. Jolbrucker-Stadt-Patrouille
32:15
Luch'nari gg. Burai Breath 7:10
Onkel Faisals Helden gg. Auswahl Ankur 0:0
Heldenmut Hüttstadt gg. Lindwurm Lodenburg
1:1
Krönung Escandra gg. Herz. Ostarische
Marine 4:1
3. Vorrunde
Stämmige Buchen gg. Sturm Betis
12 : 12
Jolberger Schädelspalter gg. Thaler Gulden
0 : 7 Landesmannschaft Dunkelstein gg. Die Markgräflichen
2 : 9
Jolbrucker Hafenbüttel gg. Jolbrucker-Stadt-Patrouille
8 : 8
Luch'nari gg. Onkel Faisals Helden
15 : 9 Auswahl Ankur gg. Burai Breath 4 :
1
Heldenmut Hüttstadt gg. Krönung Escandra
1 : 0
Herz. Ostarische Marine gg. Lindwurm Lodenburg 9:
19
Gruppenplazierungen nach der 3. Vorrunde:
Gruppe A Siege Unent.Niederlagen
Utze Punkte
Jolberger Schädelspalter 2 0 1 34 44
Sturm Betis 1 1 1 23 30
Die stämmigen Buchen 1 1 1 22 29
Thaler Gulden 1 0 2 9 14
Gruppe B S U N
Utze Punkte
Die Markgräflichen 2 0 1 44 54
Jolbrucker Hafenbüttel 2 1 0 21 33
Jolbrucker-Stadt-Patrouille 0 1 2 29 31
Landesmannschaft Dunkelstein 1 0 2 15 20
Gruppe C S U N
Utze Punkte
Burai Breath 2 0 1 19 29
Luch'nari 1 0 2 22 27
Auswahl Ankur 2 1 0 7 19
Onkel Faisals Helden 0 1 2 10 12
Gruppe D S U N
Utze Punkte
Lindwurm Lodenburg 2 1 0 28 40
Heldenmut Hüttstadt 2 1 0 14 26
Krönung Escandra 1 0 2 8 13
Herz.-Ostarische Marine 0 0 3 10 10
Viertelfinale:
Jolberger Schädelspalter gegen Luch'nari
4:10
Die Markgräflichen gegen Heldenmut Hüttstadt
6:7
Burai Breath gegen Jolbrucker Hafenbüttel 1:3
Lindwurm Lodenburg gegen Sturm Betis
6:11
Halbfinale:
Luch'nari gegen Heldenmut Hüttstadt
17:12
Jolbrucker Hafenbüttel gegen Sturm Betis
6:11
Finale:
Luch'nari gegen Sturm Betis 7:11
Spiel um den 3. Platz:
Heldenmut Hüttstadt gegen Jolbrucker Hafenbüttel
9:2
Damit ergeben sich folgende Endplazierungen:
Mannschaft Heligoniapokalpunkte
1. Sturm Betis 50
2. Luch'nari 40
3. Heldenmut Hüttstadt 35
4. Die Markgräflichen 30
5. Jolberger Schädelspalter 20
6. Lindwurm Lodenburg 18
7. Burai Breath 16
8. Jolbrucker-Stadt-Patrouille 14
9. Die stämmigen Buchen 7
10. Landesmannschaft Dunkelstein 6
11. Auswahl Ankur 5
12. Thaler Gulden 4
13. Krönung Escandra 3
14. Onkel Faisals Helden 2
15. Herz.-Ostarische Marine 1
16. Jolbrucker Hafenbüttel disqualifiziert
Handelsvertrag zwischen Drachenhain und Drackensteig ausgeweitet - Drackensteiger
Soldaten für den Ödlandfeldzug
Shathana Silverhorn, Baronin von Drackensteig und Koldewaiht von Hautzensteyn
als Botschafter Drachenhains trafen sich in Wingen, um den früheren
Handels- und Zollvergünstigungsvertrag zwischen Drackensteig und Tatzelfels
auf Drachenhain auszuweiten. Pervai Amer als Beauftragter für Handel
und Wirtschaft in Drackensteig unterstützte die Gespräche.
Die Drackensteiger Baronin vereinbarte mit dem Botschafter außerdem
die Entsendung von 20 Soldaten, die mit Tatzelfelsern und Luchnern
zur Vorhut gegen die Ödländer stoßen werden. Diese Vorhut
soll noch in diesem Mond den Jolborn hinauffahren, in Richtung von Kratorpolis
und der Leomark.
Der Ödlandfeldzug - ein erster Bericht
Der informationshungrige Leser möchte stets einen unmittelbaren
Eindruck von aktuellen Ereignissen erhalten - gerade, wenn es um
Berichte aus Krisengebieten geht. Ich habe mich deshalb entschlossen,
dem Heligonischen Boten eine Kopie dieser ersten Botschaft vom Zug in die
Ödlande zu übersenden. Sollte dieser Bericht auf Interesse stoßen,
werde ich auch die Folgebotschaften veröffentlichen lassen.
Koldewaiht von Hautzensteyn
Werter Herr Koldewaiht!
Als erstes möchte ich Euch noch einmal von Herzen dafür danken,
dass Ihr mir ermöglicht habt, mich der ersten luchnischen Vorhut gegen
die Ödländer anzuschließen. Ihr ahnt nicht, wieviel mir
das bedeutet. Beweist es mir doch, dass wenigstens Ihr das Vertrauen in
mich nicht verloren habt.
Mehr noch muss ich Euch oder den Göttern danken für den Kämpen,
der unseren Trupp von 20 Mann anführt. Flannagan Orskilbreth Mad´Uaine
ist ein strenger aber gerechter Mann, der sich keinen Deut darum schert,
dass ich kein Luchner bin. Wohingegen die Anderen eher Abstand von mir
halten, einige nennen mich verächtlich Euren Protegé oder belächeln
mich als Tiefländer. Einzig ein gewisser Madog Mad`Ruadh hat sich
etwas mit mir angefreundet. Soweit ich ihn verstanden habe, ist er ein
entfernter Verwandter meines Freundes Llevin Mad´Ruadh.
Doch was erzähle ich Euch von meinen privaten Problemen. Ihr wollt
sicher wissen, was es Neues zu berichten gibt. Nun, ich denke, von den
Vorbereitungen für den Feldzug brauche ich Euch nichts zu erzählen.
Derlei Dinge sollten Euch geläufig sein. Doch lasst Euch gesagt sein:
Die erste Vorhut kann sich sehen lassen. Ich zähle Rebenhainer, Drachentrutzer,
Tatzelfelser und Ritter des Weißen Wassers. Mir deucht, ich habe
meinen Freund Lazarre unter ihnen gesehen. Doch da ich mich scheute, ihn
anzusprechen, verlor ich ihn wieder aus den Augen. Später dann, als
wir den Jolborn hinaufsegelten, fand ich die Weißwasser-Ritter auf
einem anderen Schiff wieder, ebenso wie die Tatzelfelser Fußtruppen,
so dass es mir nicht mehr möglich war, mich Lazarres zu versichern.
Die Wochen der Vorbereitung zogen sich dahin. Mit der Zeit machte sich
eine kaum merkliche Unruhe unter den Kriegern breit, bis es endlich soweit
war, dass die Schiffe ablegten. Aber auch zu Wasser ließ die Ungeduld
nicht nach, sie schien vielmehr noch zuzunehmen, denn auch dort schienen
wir doch alle zur Untätigkeit verdammt, während wir doch wussten,
dass unsere Anwesenheit in der Leomark dringend erforderlich war. So wurde
der kurze Aufenthalt in der Baronie Jolberg auch eher ungnädig von
den Männern aufgenommen. Als es endlich weiterging, konnte man den
Gesichtern deutlich die Erleichterung anmerken. Doch schon bald sollten
wir jäh gestoppt werden.
Es war am Mittag des 2 Tag des 3. Helios, als mich eine unerklärliche
Unruhe erfasste. Alles in mir schien vor Anspannung zu kribbeln. Zuerst
dachte ich, mein magisches Talent wolle sich wieder Bahn brechen. Ihr wisst
ja, dass mir Cawadoc bei unserem Kampf aus Versehen das Amulett abriss,
das meine unausgebildeten magischen Talente bändigen soll. Natürlich
trage ich es seit dem Vorfall wieder - dank Llevin, der so klug war, es
bei unserer Flucht mitzunehmen. Doch ich war mir seitdem unsicher, ob es
noch seine Wirkung besitzt oder ob es nun nicht allein mein Wille ist,
der die Magie in mir bändigt.
Die Unruhe und die Angst ergriff jedenfalls so stark von mir Besitz,
dass ich mir endlich ein Herz fasste und mit Flannagan darüber sprach.
Er hörte sich meine Worte mit stoischer Miene an. Fast schien es mir,
dass er mich zuerst mit einem barschen Wort zum Schweigen bringen wollte,
doch er blieb still und strich sich nachdenklich mit der Hand übers
Kinn. Schließlich schickte er mich in den Bug des Schiffes, um dort
Aussschau zu halten - allein die Götter konnten wissen wonach.
Dort stand ich dann mit dem Gesicht im Wind, die Gischt zu meinen Füßen,
und die Anspannung in mir schien mit jedem Herzschlag zu wachsen, bis ich
dachte, ich müsse darüber bersten. Dann sah ich sie.
Zuerst wusste ich das, was ich erblickt hatte, nicht einzuordnen. Dann
hörte ich den Ausguck einen entsetzten Schrei ausstoßen und
Augenblicke später wurde das Schiff von hektischem Treiben erfüllt.
Befehle wurden gebrüllt, Taue gelöst und befestigt. Doch ob nun
die Segel gerefft oder gesetzt wurden, ob die Ladung gesichert und die
Krieger unter Deck verbannt wurden, nahm ich nicht wahr. Ich sah nur diese
riesige Welle, die wie ein blutdurstiges Ungeheuer den Jolborn herab auf
unsere Schiffe zustürzte.
Es war schon gegen Abend, doch die schmutziggraue Dunkelheit, die hinter
der Welle den Himmel verdunkelte, stammte nicht von der hereinbrechenden
Nacht. Sie war Teil von etwas anderem, das ich nun immer deutlicher fühlen
konnte. Von etwas Mächtigem, das die Welle voranstieß, sich
immer höher auftürmen ließ, höher als die Masten unserer
Schiffe - in einem gischtendem Weiß, das sich aus flüssig gewordener
Finsternis heraus aufbäumte. Dann hörte ich sie.
Es war ein fernes Brüllen und Tosen, das aus unzähligen Mündern
zu kommen schien, wie das anschwellende Flüstern einer riesigen Menschenmasse.
Lauter werdend mit jedem Herzschlag und jedem Schritt, die die vernichtende
Woge heranrollte. Bis das Lärmen der Welle mein ganzes Bewusstsein
ausfüllte und die schwarzen Wasser wie eine Mauer vor uns aufragten.
Ganz nah konnte ich jetzt die perlende Gischt sehen, die sich wie von
einem inneren Leuchten erfüllt von dem dunklen Wasser abhob. Fast
glaubte ich, die Worte zu verstehen, die dem ohrenbetäubenden Brüllen
zugrundelagen. Und einen Herzschlag lang glaubte ich eine Hand zu sehen,
riesengroß und blutverschmiert, die sich durch die Woge nach uns
ausstreckte, um uns und unsere Schiffe zu zerschmettern. Dann ergriff die
Welle unser Schiff.
Als die Wassermassen sich brüllend anschickten, auf uns herniederzustürzen,
begriff ich endlich, in welcher Gefahr ich schwebte, dort vorne allein
im Bug. Blind griff ich nach einem Tau, das an der Reling befestigt war
und schlang es mir um den rechten Unterarm. Keinen Moment zu früh,
denn schon brach die Welle krachend über uns zusammen.
Von einem Herzschlag auf den nächsten bestand meine Welt nur noch
aus kaltem, dunklem Wasser. Der Boden wurde mir unter den Füßen
weggefegt. Nur das Tau verband mich noch mit dem Schiff. Das Geräusch
von berstendem Holz und tosendem Wasser hüllte mich ein. Ich japste
nach Atem, fühlte wie das Schiff wie von einer Titanenfaust getroffen
zuerst ins Wasser getaucht wurde, um dann wieder emporzuschießen.
Senkrecht fast, als wolle es eine Felswand erklimmen. Gleichzeitig schüttelte
das Schiff das Wasser ab, so dass ich hustend und spuckend nach Luft ringen
konnte. Nur um im nächsten Augenblick wieder hinabgetaucht zu werden
in die kalten Fluten.
Wie lange es dauerte, bis unser Schiff die Welle endlich hinter sich
gelassen hatte, kann ich nicht sagen. Es können nur Augenblicke gewesen
sein, doch mir erschien es wie eine Ewigkeit. Ich schäme mich nicht
zu sagen, dass meine Knie zitterten wie die einer alten Frau, als die Woge
uns endlich aus ihrem Griff entließ. Mir fröstelte, der zuvor
laue Abend war einer grauen Kälte gewichen, die die Welle anscheinend
begleitet hatte. Mein rechter Arm machte sich mit heftigen Schmerzen bemerkbar,
und als ich das Tau abwickelte, sah ich, dass es blutige Striemen auf meiner
Haut hinterlassen hatte, die blauviolett unterlegt waren, so gewaltig war
die Wucht der Elemente gewesen.
Langsam zu mir kommend, sah ich mich um. Der Anblick war trostlos.
Unser einst so stolzes Schiff glich einem Trümmerhaufen. Von einem
Mast war nur noch ein Stumpf übrig, am anderen fehlten fast alle Segel.
Große Teile der Reling waren herausgebrochen, die anderen Schäden
konnte ich gar nicht ermessen. Es kam mir wie ein Wunder vor, dass wir
nicht zerschmettert worden waren wie ein Spielzeug unter dem Fuß
eines Riesen. Doch unser Kapitän schien alles im Griff zu haben. Matrosen
eilten über Deck und kümmerten sich schon um die größten
Schäden.
Leicht benommen tappte ich in Richtung des Niedergangs zu den Unterkünften,
wo wir untergebracht waren. Als Flannagan mich bemerkte, sah er mich an
wie ein Gespenst. Mit zornigem Gesicht packte er mich am Arm. Als er jedoch
merkte, wie meine Beine unter mir nachzugeben drohten, drückte er
mich grob auf eine Bank und verlangte von mir einen Bericht.
Inzwischen war mir klar, weshalb ich so erschöpft war und was
die mächtige Welle erzeugt hatte. Mächtige Magie war hier gewirkt
worden, um unseren Feldzug aufzuhalten und unsere Vorhut zu zerschmettern.
Magie, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Ihre Nachwehen bedeckten noch
immer den Weg, den sie genommen hatte, und machten mich müde und benommen.
Als Flannagan meinen Verdacht hörte, nickte er bestätigend.
"Ich dachte mir etwas ähnliches", brummte er. Dann fragte er mich,
ob ich magiebegabt sei und nach kurzem Zögern bejahte ich. Er fluchte
etwas, was ich nicht verstand und schickte mich an Deck, um bei den Aufräumarbeiten
zu helfen. Von den anderen Schiffen war weit und breit nichts zu sehen.
Der Kapitän ließ am Ostufer des Flusses den Anker werfen,
so dass wir dort ungestört die Nacht verbringen konnten. Als am nächsten
Morgen die Sonne aufging, war wohl jeder an Bord dankbar, diesen neuen
Tag erleben zu dürfen. Eine Zählung der Mannschaft bestätigte,
was ich schon befürchtet hatte: Wir hatten nicht wenige Verluste zu
beklagen, insbesondere unter den Seeleuten. Mit gedrückter Miene machten
wir uns an die Ausbesserungsarbeiten, bis wir endlich am übernächsten
Tag, mit einem Mindestmaß an Segeln bestückt, wieder Fahrt aufnehmen
konnten. Unser Kapitän hatte beschlossen zurück in den Jolberger
Hafen zu segeln. Mit den Schäden am Schiff und der reduzierten Mannschaft
war an eine Weiterfahrt nicht zu denken.
Unterwegs stießen wir dann auch nach und nach auf die anderen
Schiffe. Keines von ihnen befand sich in einem besseren Zustand als das
unsere, eines war gar so leckgeschlagen, dass wir es zurücklassen
mussten und seine Besatzung auf die anderen Schiffe aufgeteilt wurde. Tage
später erreichten wir endlich den Jolberger Hafen. Wie Landstreicher
liefen wir in dem Hafen ein, den wir vor so kurzer Zeit mit stolzgeschwellter
Brust und vollen Segeln verlassen hatten.
Kaum angekommen, zitierte Flannagan mich zu sich und machte sich mit
mir auf den Weg zu Krator von Rebenhain, dem Anführer unseres Feldzuges.
Mir war klar, dass es unumgänglich war, dass ich diesem von meinen
Beobachtungen und Vermutungen hinsichtlich der Welle berichtete. Dennoch
war mir ganz elend bei dem Gedanken, dass ich Baron Krator gegenübertreten
sollte, unter dessen Augen ich in diesem Frühjahr zum Ritter geschlagen
worden war. Fast hoffte ich, man würde uns nicht vorlassen, doch der
Baron von Rebenhain schien uns schon erwartet zu haben.
Als ich den Raum mit den Karten und den anderen Befehlshabern betrat,
wurde mir klar, dass Flannagan natürlich ebenfalls zum Befehlsstab
gehörte und hier ein und ausging. Da trat auch schon der Baron von
Rebenhain auf mich zu. Ich bemerkte das Aufblitzen des Erkennens in seinen
Augen, doch er redete mit mir, als hätten wir uns noch nie gesehen.
In knappen Worten berichtete ich ihm, was ich wusste. Er hörte sich
alles geduldig an, dann schien er ein wenig zu grübeln, bis er mich
endlich fragte, was auch Flannagan mich schon gefragt hatte - inwieweit
ich magiebegabt sei. Ich antwortete ihm wahrheitsgemäß, dass
der Prior mein Talent als recht hoch eingestuft hatte, dass ich jedoch
noch keine vollständige Ausbildung erfahren habe. Er nickte dazu,
dann war ich entlassen.
Nun sitzen wir also hier und harren der Entscheidungen der hohen Herren.
Wie ich hörte, spricht man darüber, einen zweiten Versuch auf
dem Landweg zu starten. Die Vorbereitungen, die allerorten getroffen werden,
scheinen dies zu bestätigen. Mir soll es recht sein. Hauptsache, es
geht endlich voran. Denn wenn auch mein Schwertarm momentan noch etwas
lädiert ist, brenne ich doch darauf, endlich in den Kampf zu ziehen.
Seid gewiss, dass ich mich wieder bei Euch melde, sobald es Neuigkeiten
zu vermelden gibt. Richtet bitte meinem Freund Llevin meine besten Grüße
aus, so Ihr ihn seht und sagt ihm, er solle sich nicht mehr allzu viel
Zeit lassen, um sich dem Ödlandfeldzug anzuschließen. Sonst
kommt er gar zu spät, weil die Vorhut den Kampf schon entschieden
hat. Denn wenn er nach Ruhm und Ehre sucht, dann kann er hier bestimmt
viel davon erringen.
Ich schließe mit den besten Wünschen an Euch und in treuer
Freundschaft,
Euer Arandis von Schwarzensteyn
Anschlag auf die Herzoglich-Ostarische Marine
In Brüggen, dem Flottenstützpunkt der Ostarischen Marine in Drackensteig,
wurde auf die dort stationierten beiden Schiffe der Herzog-Uriel-Klasse
(4. Geschwaders der Brazachflotte) ein Brandanschlag verübt. Nach
dem derzeitigen Stand der Ermittlungen müssen die Täter so vorgegangen
sein: Gegen Ende der dritten Nachtwache wurden die beiden Ruderblätter
vom Wasser aus mit Holzkeilen blockiert. Die Täter verschafften sich
Zugang zu den Schiffen und töteten vermutlich die Ankerwachen, deren
Leichen aber noch nicht gefunden wurden. Dann legten sie auf der „Sirium
Silverhorn“ Feuer. Als der Brand bemerkt wurde, war es für das Schiff
bereits zu spät. Alle Löschversuche schlugen fehl, die Flammen
begannen bereits auf die „Benedict Canesius“ überzugreifen. Der Hafenkommandant,
Kapitän Harbert von Rotzingen–Kasau, rang sich dazu durch, das Schiff
aufzugeben und es zur Vermeidung weiteren Schadens mit Booten in die Mitte
des Hafens zu ziehen. Wegen der blockierten Ruderanlage geriet die „Sirium
Silverhorn“ jedoch außer Kontrolle und trieb auf eine Sandbank, wo
das Feuer bis zum Morgengrauen sein Vernichtungswerk fortsetzte. Der Brand
auf der „Benedikt Canesius“ konnte schließlich mit Hilfe der Zivilbevölkerung
gelöscht werden, die entstandenen Schäden machen jedoch eine
umfassende Reparatur notwendig. Am gegenüberliegenden Brazachufer
wurde am nächsten Tag ein gut versteckter Fischerkahn entdeckt, in
dem man den leeren Dukatenbeutel eines der vermißten Matrosen fand.
Kommandant Rotzingen-Kasau unterrichtete sofort Generalzeugmeister Jareck
von Jolberg über diese besorgniserregenden Vorgänge, die Ermittlungen
gehen derzeit in alle Richtungen.
Das Herzogtum wappnet sich gegen den unbekannten Aggressor
Der Brandanschlag von Brüggen, welcher, solange Unklarheit über
den Urheber herrscht, wohl als mögliche Kriegserklärung an das
Herzogtum Ostarien gedeutet werden muß, veranlaßte die Ostarische
Admiralität dazu, die gesamte Brazachflotte vorerst in Alarmzustand
zu versetzen. Außerdem wurde von Ankur her, wo bereits mit dem Bau
eines neuen Schiffes begonnen wird, sofortiger Entsatz nach Brüggen
gesandt. Weiterhin wurden sogleich schärfere, neuartige Sicherheitsvorkehrungen
für alle Ostarischen Marinestützpunkte erlassen, über deren
exakte Natur jedoch nichts verlautbart wurde. Sofort nach Erhalt der Unglücksbotschaft,
entsandte der Erste Seeherr mehrere erfahrene Inspektoren des Marinekurierdienstes
nach Brüggen, um in dieser Sache für Klarheit zu sorgen. Gerüchten
zufolge erhielt Stützpunktkommandant Rotzingen-Kasau bereits eine
Vorladung nach Ankur, wo er sich vor der Admiralität persönlich
verantworten müssen wird.

Neueste Meldung:
Kurz vor Redaktionsschluß erreichte den Boten folgende erschütternde
Meldung:
Prinzessin Celia entführt!
Unglaubliches ereignete sich in Hochanthen: Mitten aus ihrer Leibgarde
heraus wurde Prinzessin Celia von Thal auf offenem Marktplatze entführt!
Die Prinzessin befand sich mit zehn Mann Bedeckung auf dem Wege zur Baustelle
der neuen Universität, als auf dem belebten Marktplatz einige Gaukler
und die sie umgebende Menschenmenge die Straße versperrten. Während
sich die Wache bemühte, den Weg frei zu bekommen, musterte Prinzessin
Celia inzwischen die Stände und begleitete schließlich interessiert
eine Händlerin zu deren Seidenstoffen. Mehrere Männer der Leibwache
folgten ihr, als plötzlich die Pferde scheuten, da die Gaukler mit
brennenden Fackeln zu jonglieren begannen. In dem ausbrechenden Tumult
verlor man in der Menge die Prinzessin kurz aus den Augen. Wenige Momente
später war die Lage wieder unter Kontrolle, doch Celia von Thal blieb
trotz angestrengten Suchens unauffindbar. In beispielloser Schnelligkeit
ließ Hauptmann Weizenkeim die Stadttore schließen und jeden,
der Hochanthen verlassen wollte, streng kontrollieren. Gleichzeitig wurden
mehrere Verdächtige verhaftet und verhört. Gesucht wird noch
die Händlerin, die ein dunkelgrünes Bürgergewand und ein
weißes Haargebinde trug. Die drei Gaukler haben inzwischen gestanden,
von einer unbekannten Person für eine Aufführung zu dieser Zeit
und an diesem Ort Geld erhalten zu haben. Hauptmann Weizenkeim, der zuerst
noch auf eine eigenwillige Eskapade der Prinzessin hoffte, schließt
inzwischen nicht mehr aus, daß es sich um eine sorgfältig geplante
Entführung handelt, es sei jedoch noch keine Lösegeldforderung
eingetroffen. Man werde alles daransetzen, Celia von Thal so schnell wie
möglich zu finden und sie unversehrt zurückzubringen.
Feierliche Vertragsunterzeichnung!
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Thal und Darian!
Lange Zeit schon sind die Beziehungen zwischen der Grafschaft Darian und
dem Fürstentum Thal nicht die Besten. Die Irritationen um die erstaunlich
gut gefälschten Funde des Bernsteinzimmers ließen das Klima
zwischen den Ländern auf einen Nullpunkt fallen. Auf beiden Seiten
wurde mit dem Säbel gerasselt und in Thal war man auf alles vorbereitet
und führte sogar Manöver durch. Mit anderen Worten, man war nur
knapp an der Katastrophe vorbeigeschrammt.
Doch nun reichen sich die beiden Länder die Hand. Auf das Betreiben
von Thal hin fanden Verhandlungen von Unterhändlern statt, die mit
der Unterzeichnung des Vertrages durch Fürst Bartha von Thal und Graf
Dedekien von Darian einen glücklichen Abschluß finden. Zum ersten
mal seit Schließung der Thaler Botschaft während des Bürgerkrieges
von Walmera, also vor über hundert Jahren, eröffnet das Fürstentum
wieder eine Botschaft in Darian. Durch die ständige Vertretung in
Darian möchte man die Fehler der Vergangenheit in Zukunft vermeiden.
Die guten Absichten der Grafschaft unterstrich seine Hochwohlgeboren Graf
Dedekien durch die großzügige Überlassung eines Küstengrundstückes
in der von Thal gewünschten Größe "auf Ewig". Einen entsprechenden
Heliosbrief, der die Grundlage der neuen Botschaft im Norden des Landes
sein wird, überreichte der Graf feierlich seiner Durchlaucht.
Am Abend wurden die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit einem
Bankett und einem Thaler Maskenball gefeiert.
Ritinus Federschwinger,
Schreyber des hochanthener Hofes
Unterirdische Höhle gefunden / weiterer Vorstoß bisher unmöglich
Sethnara, den 16. Tag des 3. Helios
Nach dem Erdbeben, das vor wenigen Monaten die Provinz Hochwalden erschütterte,
hatte man einen kleinen Krater an der Westseite der Camspitze entdeckt.
Aufgrund dieses Fundes vermuteten die Gelehrten ein unterirdisches Höhlensystem
im Inneren des Berges. Viele Tagen und Wochen wurde gegraben, um einen
Zugang zu diesen Gängen und Tunneln zu erschaffen.
Heute konnte endlich der lang ersehnte Durchbruch erzielt
werden. Doch was man fand, stieß auf geteilte Gefühle. Zum einen
freute man sich unbändig, hatte man doch endlich einen Zugang zu der
unterirdischen Höhle geschaffen. Leider muss aber von einer weiteren
Untersuchung zunächst abgesehen werden, da aus dem Inneren der Höhle
Gase austreten. Bisher konnte die Art des Gases noch nicht bestimmt werden;
es kann noch nicht einmal mit Bestimmtheit gesagt werden, ob das Gas giftig
ist oder nicht.
Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, ist es bis
auf weiteres Verboten, die Höhle zu betreten, da von einer Gefahr
von Leib und Leben ausgegangen werden muss.
Anschlag auf den Baron der Niederlormark
Gar dunkle Subjekte trachten unserem geliebten und heldenhaften Baron nach
dem Leben! Vor wenigen Tagen ritten Seine Hochwohlgeboren Friedrich von
Ilmenau in Begleitung seiner holden Schwester Irmgard und seines Beraters
Gero Voigtländer zum Markte nach Diwergast. Die Menschen drängten
sich auf dem Marktplatze, um einen Blick auf den Baron zu erhaschen, als
plötzlich ein Verkaufsstand umgerissen wurde. In der entstandenen
Verwirrung stürzte sich ein schwarz gekleideter Mann auf den Berater
des Barons und riss ihn vom Pferde. Schon war jedoch die Leibwache seiner
Hochwohlgeboren heran und überwältigte den Attentäter nach
heftiger Gegenwehr. Im selben Augenblicke erklang laut die erschrockene
Stimme unseres geliebten Herrn: Ein Armbrustbolzen hatte die linke Schulter
Seiner Hochwohlgeboren gestreift und steckte nun in der Straße! Baron
Friedrich von Ilmenau griff sich entsetzt an die blutende Wunde, wurde
totenbleich und sank in sich zusammen. In dem großen Geschrei, das
nun entstand, war es für die Wachen nahezu unmöglich, zum betreffenden
Hause vorzudringen, aus dessen Fenster geschossen worden war. Dennoch gelang
es der tapferen Leibwache, auch des feigen Schützen habhaft zu werden.
Beide Männer wurden zusammen mit dem verwundeten Baron in das Stadtschloss
gebracht. Ein strenges Verhör erbrachte, dass die Attentäter
einem Aufruf im letzten Heliosboten gefolgt waren. Es sei ihnen dort eine
Belohnung von insgesamt 1500 Dukaten versprochen worden. Baron Friedrich
von Ilmenau, der sich inzwischen wieder auf dem Wege der Besserung befindet,
äußerte sich zuerst bestürzt, aber als Voigtländer
lauthals rief: "Wenn das alles ist, was sie zu bieten hat, dann müssen
wir uns wirklich keine Sorgen machen!", gewann er etwas Farbe zurück.
Von den Anwesenden verstand keiner diese rätselhafte Bemerkung. Handelte
es sich etwa um Neider, die unserem geliebten Herrn seinen Entdeckerruhm
missgönnten? Die beiden Attentäter wurden jedenfalls am nächsten
Morgen gehängt und somit ihrer gerechten Strafe zugeführt.
Die Fürstliche Thaler Garde
zusammen mit dem Herzöglich Ostarischen Heer im Manöver
Hochwalden, den 15. Tag der 1.Xurl
Wie jedes Jahr stand auch dieses Mal am Beginn der Xurl-Monde das große
Manöver der Fürstlichen Garde von Thal auf dem Dienstplan. Zum
ersten Mal überschritt man hierbei die Grenze des Fürstentums,
um zusammen mit dem Herzöglich Ostarischen Heer zu üben. Man
hatte sich insgesamt zwei Wochen Zeit genommen, um gemeinsam seine Schlagfertigkeit
unter Beweis zu stellen. Die Übung wurde hierzu in zwei Hauptabschnitte
aufgeteilt. Zum einen die Verteidigung des Fürstentums und der Herzogtums
auf dem Landweg, zum anderen die des "Herzog-Uriel-II-Atoll" auf See. Die
Zusammenarbeit der beiden Streitkräfte führte in beiden Übungsabschnitten
zu hervorragenden Ergebnissen. Hierzu der Kommentar von Major Kammerbauer,
Leiter des Bereichs Öffentlichkeitsarbeit :
"Die gemeinsame Übung der Fürstlichen Thaler Garde und des
Herzöglich Ostarischen Heeres stellt für uns einen Meilenstein
in der gebietsübergreifenden Zusammenarbeit dar. Neben der praktischen
Durchführung wurden gemeinsam von dem Thaler Generalstab und der Ostarischen
Heeresführung zahlreiche Taktiken auf dem Papier durchgespielt. Die
Atmosphäre zwischen den beiden Streitkräften hat ein freundschaftlichen
Niveau erreicht, so dass ein solches Manöver sicher kein Einzelfall
bleiben wird."
Für den Thaler Generalstab
Hartmut Hohlbein
Schreiber der Garde von Thal
Gefällt es Dir zuhaus nicht mehr, dann geh zum Herzöglichen
Heer
Herzöglich-Ostarische Rekruten-Registratur-Behörde, Schustergasse
227 b, Ankur
Gemeiner Diebstahl im Sommerschlösschen
Eine böse Überraschung erlebte der Niederlormarker Hof, als er
zu den letzten schönen Tagen des vergehenden Sommers zum geliebten
Sommerschloss reiste. Der Tross mit dem wertvollen Hausrat, den Wandteppichen
und der Jagdwaffensammlung war bereits einige Tage vorher eingetroffen,
da bei der Ankunft des Hofstaates schon jede Bequemlichkeit zur Verfügung
stehen sollte. Nun rannte ein völlig aufgelöster Diener auf Seine
Hochwohlgeboren zu, fasste an seinen Steigbügel und berichtete mit
brüchiger Stimme, dass das Schloss in der vergangenen Nacht ausgeraubt
worden sei. So wären um Mitternacht zwölf bewaffnete Männer
und eine schwarz gekleidete Frau eingedrungen und hätten begonnen,
die Gemächer auszuräumen. Da sie fast lautlos arbeiteten, wären
sie erst nach längerer Zeit von einem Diener entdeckt worden. Es habe
sich ja noch keine nennenswerte Zahl von Wachen hier befunden, und so konnte
man ihnen wenig Widerstand entgegensetzen. Schließlich seien die
Räuber mit mehreren schwer beladenen Wagen verschwunden. Zornesrot
verprügelte Seine Hochwohlgeboren Baron Friedrich von Ilmenau den
Diener mit der Reitgerte und schickte eine starke Abteilung seiner Leibwache
den Dieben hinterher. Die Wagenspuren verloren sich aber an den Ufern des
Brazach. Seine Hochwohlgeboren bedauern unter anderem den Verlust kostbarer
Wandteppiche, antiker Möbel und mehrerer wertvoller Hirschfänger.
Die Edle Irmgard von Ilmenau dagegen war einer Ohnmacht nahe, als sich
herausstellte, dass sich neben einer mit ihren Perlenketten gefüllten
Spieldose auch das berühmte Silbergeschirr ihrer Großmutter
unter den geraubten Gegenständen befand. Herold Gero Voigtländer
ließ inzwischen weitere Nachforschungen anstellen und rechnet mit
Hinweisen aus der Bevölkerung.
Die Xurlmonde in Thal
Poëna kündigt ihn schon mit ihren überreichen Geschenken
an. Die warmen Monde sind vorüber und Helios übergibt des Zepter
der Jahreszeiten an Xurl. Überall im Fürstentum sieht man nun
schon die abgeernteten Stoppelfelder und die Bauern wenden sich nun ihren
Obstgärten zu, um Äpfel und Birnen zu ernten. Zwar sind sie reichlich,
doch hat der Hagel vor wenigen Wochen bei einem der Ungewitter viele von
Ihnen beschädigt und so wird ein gut Teil der Apfelernte für
Saft und Most hergenommen.
Die Götter waren gnädig und segneten die harte Arbeit der
heliosgefälligen Thaler. Wenn die Ernte dann bald eingefahren sein
wird, nur noch der späte Futterthine für das Fleckvieh und der
Winterweizen sind auf den Feldern, werden zum 14. des zweiten Xurl wieder
überall die herrlichen Poëna- und Erntedank-Altäre blühen.
Dann werden farbenfrohe Bilder aus den Früchten des Feldes, die wie
Mosaike gelegt werden vor den Tempeln der Poëna zum Dank ausgebreitet.
Schon jetzt bereiten sich die Priester und Priesterinnen auf die Prozessionen
vor. Diese führt an den abgeernteten Feldern vorbei. Die Felder werden
gesegnet um ihnen eine erholsame Winterruhe nach einem ertragreichen Jahr
zu ermöglichen. Dies steht im Gegensatz zur Frühjahrsprozession,
bei der die Felder aus diesem Winterschlaf dann wieder erweckt werden.
Vor dem Poënatempel in der Mitte des Dorfes ist dann der Altar
mit den Früchten geschmückt. Diese werden gesegnet und den Vieren
geopfert. Sind alle Zeremonien beendet wird das Herbstfeuer entzündet
und das Erntedankfest wird von allen festlich und feierlich begangen. Da
an diesem Tage niemand hungern soll, werden alle eingeladen und nehmen
an den großen Banketten Teil. Es wird gegessen und getanzt bis in
den frühen Morgen.
Ritinus Federschwinger
Einladung zum Holzfällerwettbewerb
Sethnara, den 10. Tag des 1. Xurl
Ab dem 23. Tag des 2. Xurl findet in Hochwalden ein Holzfällerwettbewerb
statt, zu welchem ich hiermit herzlich einlade. Die teilnehmenden Mannschaften
sollten aus mindestens fünf Personen bestehen und Erfahrungen in der
Holzbearbeitung besitzen. Die verschiedenen Wettbewerbe setzen sich aus
verschiedenen Themengebieten zusammen, wie z.B. Holzfällen, Flößen,
Holzbearbeitung, um nur einige zu nennen. Ich würde mich freuen, viele
Mannschaften ich Sethnara begrüßen zu dürfen.
Ansgar von Berath
Freiherr von Hochwalden

Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
Was sich schickt
-Sturm Betis
-Ramon Maria Canonero
-Herzog Angilbert I. und Regentin Walluma
-Schwanensee Schwimmbad
-ein ganz besonderes Jubiläum |
Und was nicht
-Utzganspielverderder
-seitenlange Gedichte mit minimalem Inhalt
-ausnehmend ortsfremde Piraten
-Anderswelten
-verlustig gehen |
Stadtgeschehen
Georg am Armi zeigte sich erfreut über den Turniersieg von Sturm Betis.
Auf die Frage ob das erfolgreiche Abschneiden auch der von ihm entworfenen
Spielbekleidung zu verdanken sei antwortete er: "Nun ja, sie sahen
schon grandios aus!"
Nach einer ausgiebigen Rundreise durch ceridische Baronien und Klöster
im ganzen Land erfreute das Wunderkind Bonifazio nun auch wieder die Betiser
Bürger. Die Experten sind sich einig: Seit der Offenbarung in Gregorsruh
ist seine Stimme noch klarer und göttlicher als je zuvor.
Gänzlichst uneigennützig nimmt Abt Ceridian Aegidio von St.Aluin
seit dem ceridischen Kirchenkonvent Massen von Betiser Bürgern in
der Stadt die Beichte ab. Wie lange er diese barmherzige Tätigkeit
noch auszuführen gedenkt ist ungewiss.
Bürger des Monats
Abermals wird in diesem Monat Ritter Ramon Maria Canonero, Ehrenkapitän
der Ostarischen Marine, zum Bürger des Monats ernannt. Er erwies sich
bei den Offenen Ostarischen Utzganmeisterschaften als wahrer Held des Utzgansportes
und ist nach diesem grandiosen Turnier wohl auch der zukünftige Utzganspieler
des Jahres. Er führte seine Mannschaft "Sturm Betis" zum Titel und
wurde von Herzog Angilbert I. von Ostarien nach dem Turnier zum Ritter
Ostariens geschlagen und erhielt außerdem den Rang eines Ehrenkapitäns
der Ostarischen Marine.
Gunst und Kunst - Was die Heligonier am liebsten hören
1(2) Ostarische Utzgannationalmannschaft - "Utzgan ist unser Leben"
2(1) Die Buß-Brüder - "Beichten, Beichten, Beichten"
3(-) Gesangsverein der Duellsportgruppe Ligonii-Süd - "Handschuée"
4(3) Findabair Spinnentöter (begleitet vom Emeranseeflottenchor)
- "Pfefferinselreggae"
5(5) Barde Grützi - "Nial aus Angaheym"
6(4) Die Wüstenlerchen - "Bärte"
7(9) Salah ben Anwar nur ed'Din - "Burai Breath"
8(-) Belgabor - "Das heligonische Rätsel"
9(-) Freunde des Utzgan - "Schade, Büttel, alles ist vorbei!"
10(7) Wunderkind Bonifazio - "Oh, Du mein Einer"
Der Handelsprophet
Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 5 Kreuzer
Heilung leichter Wunden 2
Groschen und 3 Kreuzer
Met 1 Flasche
6 Kreuzer
Parfum 0,1l
3 Dukaten und 6 Groschen
Seidenstoff 1m2
4 Dukaten und 8 Groschen
Aufgrund der Offenen Ostarischen Utzganmeisterschaften, welche viele
Nachahmer vor allem im Amateurbereich zum Utzgan spielen motivierte, stiegen
in den vergangenen Wochen die Preise für Dienstleistungen im Gesundheitsbereich
merklich. Auch die Metverbrauchsmengen stiegen aufgrund der vermehrten
sportlichen Betätigung (Gründe: Feiern, Frust vergessen,...)
an, was den Händlern eine zeitweilige Verteuerung des Produktes erlaubte.
Neues Lokal glanzvoll eröffnet
Eine Überraschung erlebten die Betiser Bürger, als am Nachmittag
des 1. Monatstages das Eingangsschild über der Tür des neuen
Lokales beim Theater (wir berichteten) angebracht wurde: In großen
rotgoldenen Lettern war darauf „Phönix“ zu lesen. Sollte es sich dabei
um ein Gegenstück des bekannten Hauses in LasSogaz handeln? Die Tage
zuvor waren unter den aufmerksamen Augen der Anwohner rotgepolsterte Sessel,
Kerzenleuchter, darianische Teppiche, sorgfältig verpackte Kisten
und Truhen und zahllose erlesene Möbelstücke im Inneren verschwunden.
Eine Passantin meinte verärgert: „So ein teurer Schuppen wird das
wieder, das kann sich unsereins sowieso nicht leisten, da essen zu gehen!“
„Ein ordinäres Bordell ist das, mehr nicht!“ schimpfte eine Frau aus
dem ersten Stock. „Alles nur schöne Fassade!“
Am Abend dann die glanzvolle Eröffnung: Alles, was in Betis Rang
und Namen hatte, war offenbar eingeladen worden. So traf man Ratsherren
mit ihren Gattinnen ebenso an wie Persönlichkeiten der Halbwelt. Einzig
und allein Mamma Nelli fehlte. Sie blieb wohl aus Protest gegen das Konkurrenzunternehmen
fern, obwohl Geschäftsführerin Tessa Falkenhagen, geschmackvoll
in Seide gekleidet, versicherte, daß man sie selbstverständlich
eingeladen habe. Sie erklärte sich zudem überraschenderweise
zu einer Führung durch das Haus bereit und zeigte uns die geschmackvoll
eingerichteten Spielzimmer und Separees. In den oberen Gängen befinden
sich die Geschäftsräume und einige repräsentative Salons.
Die Zimmer jedoch, die eine Übernachtungsmöglichkeit boten, waren
so verschwindend gering, daß bei uns nicht der Eindruck entstand,
hier würden Sanaistöchter ihrem Geschäft nachgehen. Unserer
Frage nach dem Besitzer wich sie wiederum aus, es handle sich um eine einflußreiche
Persönlichkeit Heligonias, deren Ruf keinen Schaden nehmen solle,
und man möge doch darauf Rücksicht nehmen (in Betis sprechen
die Gerüchte bereits von Graf Dedekien, dem Baron von Carajon oder
gar Fürst Waldemar, der auf der Suche nach einer sinnvollen
Altersbeschäftigung sei...) Währenddessen feierte die Gesellschaft
im großen Saal, der von zahllosen Kerzen erhellt war, die glanzvolle
Eröffnung mit erlesenen Weinen, exzellentem Essen, Musik und Tanz.
Als Höhepunkt des Abends hatte Tessa Falkenhagen sogar Wunderkind
Bonifazio für einen kurzen Auftritt gewinnen können, was mit
begeistertem Applaus honoriert wurde. Eine gelungene Gala zum Einstand
und reiches Publikum, einzig das Geheimnis um den Besitzer wird wohl noch
länger ungelöst bleiben.
Betis ist Ostarischer Meister!!!
Ein grandioser Augenblick war es, als Regentin Walluma die Siegerehrung
vornahm und Ramon Maria Canonero, dem Kapitän von Sturm Betis, die
aurazithene Utzganscheibe überreichte. Auch der Doge war persönlich
vor Ort um der Mannschaft seine Freude über den Turniersieg auszudrücken.
Und der Moment, in dem Canonero mit beiden Händen die Siegerauszeichnung
in den Himmel erhob und deutlich machte daß er niemals an dem Turniersieg
seiner Mannschaft gezweifelt hatte, wird wohl in die Geschichte des Utzgansports
eingehen. Mit dieser Geste erinnerte er an das Wunder vom 14.Tag des 2.Helios,
als beim Schreiben von Autogrammen eine güldene Utzganscheibe über
Canoneros Kopf auftauchte, einige Momente dort verweilte und dann wieder
verschwand. Nach der Siegerehrung begann eine rauschende Feier in einem
Ankurer Gasthaus. Jeder der sich auch nur im geringsten mit der Mannschaft
freute, war herzlich zum mitfeiern eingeladen und so sammelte sich im Laufe
des Abends und der Nacht eine große Anzahl Menschen, unter ihnen
auch einige extra zum Turnier angereiste Betiser, um diese Siegesfeier
unvergeßlich zu machen. Auch die Spieler der Herzöglich Ostarischen
Marine waren bei den Feierlichkeiten anwesend, verbindet die beiden
Mannschaften doch eine sehr enge Freundschaft, insbesondere unter ihren
Anhängern. Ebenfalls mit von der Partie waren Spieler der Luch'nari,
dem Finalgegner von Sturm Betis.
Am nächsten Tag machte sich die Mannschaft auf, um mit dem Schiff
über den Brazach nach Betis zu gelangen.
Und dann war es soweit: Der Ostarische Meister Sturm Betis erreichte
die freie Reichsstadt, fuhr den Corenus-Kanal entlang und legte direkt
am Helos-Platz an. Die Häuser entlang des Corenus-Kanals waren festlich
in den Betiser Farben geschmückt und aus den Fenstern wurden der Mannschaft
Blumen als Zeichen des Willkommens zugeworfen. Der Helos-Platz war dicht
gedrängt mit Bürgern die endlich ihre siegreichen Helden sehen
wollten. Die Stadtgarde, natürlich in Gala-Uniform, stellte sich in
zwei Reihen auf, um eine Allee zu formen durch welche die Spieler
das Rathaus erreichten, von dessen Balkon aus sie dem Volk die aurazithene
Utzganscheibe als Zeichen des Ostarischen Meisters präsentierten.
In diesem Moment brach in der Menge ein solcher Jubel aus wie es ihn wohl
nur selten zuvor in Betis gab. Die ganze Nacht wurde in der Stadt gefeiert
und überall waren Strophen des bekannten Liedes "Utzgan ist unser
Leben!" zu hören.
Verkauf
Aus einer Zwangsversteigerung stehen zur Zeit auserlesene Stücke zum
Verkauf:
Ein Schreibtisch mit Wurzelholzintarsien, um 210 vor A.III.,
Eine Rhyana-Skulptur, um 360 vor A.III.,
Ein Wandteppich " Krönung von Corenus I.", um 135 vor A.III.,
Eine Armbrust, mit Silberbeschlägen verziert, Jagdmotive,
Ein großer Humpen aus Silber, vermutlich Teil eines umfangreichen
Services,
Eine mit Septhonit und Polydian verzierte Halskette, um 60 vor A.III.,
und andere Kunstobjekte.
Besichtigung und Verkauf bei Muhaid al Okkem, Betis

Der letzte Dieb ist gerichtet
So hast Du Dein Schicksal empfangen, Letzter der Übeltäter. Genau
ein Jahr nach dem Diebstahl fischten wir aus dem Jolborn an seiner Mündung
in die See den Rädelsführer des Raubes und er trug ebenfalls
das Abbild der Katze, weder in Linien noch in Blutergüssen, sondern
von spitzzähnigen Fischen in den Leib gefressen. Sein Gesicht konnte
keine Reue mehr zeigen, auch keine Angst oder Verzweiflung, denn es ruht
im Magen der schuppigen Vollstrecker des Urteils, die aber nicht daran
verderben werden. Sie sind Diener der Göttin und die Göttin wird
verhindern, daß je einer von ihnen sich in unseren Netzen verfängt
oder auf unseren Märkten verkauft wird.
Die Mondkatze jedoch befand sich nicht bei ihm. So wird sie verschachert
worden sein in Betis' finstersten Winkeln. Niccolo Corvese, Doge von Betis,
wir fordern Euch nicht auf, nach dem Kleinod zu forschen, denn dies liegt
zuvörderst in der Göttin Hand. Doch solltet Ihr etwas erfahren
oder sollte die Göttin gar einem Eurer Leute die Gnade schenken, die
Mondkatze zu finden, erwarten wir, daß Ihr Euch unverzüglich
mit Freigräfin Arana von Sedomee oder mit den Tempel von Jalamanra
in Verbindung setzt.

So vernehmet gläubiges Volk!
Wir, Pacellus, nunmehr 18. Primus der Ceridischen Kirche, möchten
hiermit all jenen Unseren Dank ausprechen, welche Uns bei Unserer Wahl
ihre Stimme geschenkt und somit ihr Vertrauen zum Ausdruck gebracht haben.
Wir werden Uns redlich darum bemühen, jenes Vertrauen nicht zu enttäuschen
und das Uns gegebene Amt zum Wohle der ceridischen Glaubensgemeinschaft
und zur Mehrung und Festigung derselben einzusetzen.
Desweiteren sei hiermit in diesem Sinne folgendes kundgetan, :
I. Jeder Ceride verwende von nun an den Vastusianischen Kalender, mit
allen Monatsnamen und Wochentagen, wie sie von Vastus I. festgelegt wurden.
Ein jeder Priester, möge die neuen Namen in seiner Gemeinde lehren
und verbreiten, welche da sind:
| Mond der Erleuchtung |
Vastustag |
| Heumond |
Eustasiustag |
| Erntemond |
Gregorstag |
| Reifemond |
Maccalustag |
| Rebenmond |
Pretoriustag |
| Kargmond |
Gessiustag |
| Frostmond |
Hilariustag |
| Eismond |
|
| Mond der Besinnung |
|
| Saatmond |
|
| Fastenmond |
|
| Wonnemond |
|
II. Von nun an gebe es eine Rubrik für ceridische Belange und Neuigkeiten
im Helios-Boten. Dies ist bereits geschehen.
III. In jeder Bibliothek Heligonias sollen frei erhältlich und
für jeden Interessierten zugänglich, Exemplare des Hilariums
und des Luxariums bereitgestellt werden. Weiterhin soll für jede ceridische
Gemeinde ein Exemplar der heiligen Schriften angeschafft werden. Die Scriptorien
der Klöster sind bereits angewiesen, eifrig Abschriften zu fertigen.
IV. Es soll eine ceridische Universität gegründet werden,
auf daß vor allem den Geistlichen, aber auch allen anderen Gläubigen
ein ungehindertes Studium der Schriften offenstehe.
V. Hilfe und Unterstützung sollen vor allem die Glaubensgemeinschafen
im Fürstentum Drachenhain und in Betis erhalten, da ihnen diese von
ihren ogedischen Nachbarn meist nicht gewährt wird.
VI. Die Inquisition wird sich von nun an auf ihre ursprünglichen
Werte und Aufgaben zurückbesinnen und sich weitgehend um Angelegenheiten
kümmern, welche die ceridische Glaubensgemeinschaft betreffen.
VII. Ein jeder Geistlicher, der sich dazu berufen fühlt, möge
sich auf die Suche nach dem Tor der Unschuld machen. Es mache sich allerdings
nur derjenige auf den Weg, der in seiner derzeitigen Position abkömmlich
ist, oder für einen geeigneten Stellvertreter gesorgt hat.
So sei es im Namen des Einen!
Ihro Heiligkeit
Pacellus
Primus der Ceridischen Kirche
Ein Aufruf an meine ceridischen Brüder
un sind schon einige Monde vergangen, seitdem der Eine uns das Grab des
Aspitanius offenbarte und somit unseren Erzprimus Pacellus schon bei seiner
Weihung erhöhte wie noch keinen Heiligen zuvor. Was damals Segen war,
wird immerdar Segen bleiben - und doch scheint es, als habe sich damals
ein Mißton in den himmlischen Choral eingefressen, als habe ein Hauch
von krötigem Umbra versucht, das Taufwasser zu trüben. Ohne Erfolg,
zweifelsohne, und doch können die Kundigen Spuren jener Verunreinigung
lesen. Es scheint nämlich, Wissen sei in Hände geraten, denen
es nicht zugebührt.
Unreine Hände sind es, die sich seiner bemächtigten, denn
sie gehören Ungläubigen - nicht solchen, die in frommer Einfalt
darauf harren, vom Einen erleuchtet zu werden, sondern frechen Hexen und
kläffenden ogedischen Kötern. Ergaunert haben sie sich dieses
Wissen, indem sie sich einschlichen auf dem Heiligen Konvent und die Ekstase
der weihevollen Stunde mißbrauchten, um mit geifernden Zungen und
lauernden Bocksohren die Geheimnisse des Einen zu erschmecken und in den
Kot zu ziehen. Nun wird der Eine verhüten, daß ihnen das gelingen
möge, dennoch sind jeder Hauch Seines Odems und jede Grille, die da
für Ihn zirpt zu kostbar, als daß die Nattern und Echsen sie
auch nur erahnen mögen.
So weiche, widernatürliche Schlange, ob du dich nun OfH nennst
oder Hexengeschmeiß und wage es kein einzig Stündlein mehr,
die Erde, da der Eine spricht und sprach, mit deinem Brodem und dünstenden
Stank zu beflecken!
Ihr aber, meine Brüder im Glauben, bleibet wachsam und trachtet
stets danach, das Böse, das einem eklen Wurm gleich sich stets vom
besten Paradiesapfel am meisten verlocket fühlt, in Euren Kreisen
zu erspüren und unerbittlich zu vertilgen vom Antlitz Heligonias,
denn um so rascher wird alle Aufrechten hell umglänzen das Licht des
Einen, der da spricht: Ich bin der Weg zur Erleuchtung! Möge Pacellus
selbst es sein, dem es vergönnt ist, die Letzte Heilige Brandfackel
an den letzten pestig faulenden Schrein zu legen, der die Vollkommenheit
der Welt vor den Augen des Einen besudelt!
Adeodatus, Schriftgeleherter und Wanderprediger
Gebet des Dankes, aus dem Hilarium
Das Wasser,
das wir trinken,
Dem Einen sei’s gedankt!
Die Früchte, die wir essen,
Dem Einen sei’s gedankt!
Die Luft, die wir atmen,
Dem Einen sei’s gedankt!
Sonne und Feuer, die uns wärmen,
Dem Einen sei’s gedankt!
Sterne, die den Weg uns weisen
Dem Einen sei’s gedankt!
Das Heim, das uns schützt,
Dem Einen sei’s gedankt!
Der Acker, der uns nährt,
Dem Einen sei’s gedankt!
Das Vieh, das uns hilft,
Dem Einen sei’s gedankt!
Die Weisheit, die wir erhalten,
Dem Einen sei’s gedankt!
Das Leben, das uns gegeben,
Dem Einen sei’s gedankt!
Danket dem Einen,
Er gibt es den Seinen!

Geneigte Leser, werte Waidleut und Schreiberlinge – das Jagdbuch!
Ein allerletztes Mal noch wollen wir Eure geschätzte Aufmerksamkeit
auf das hochvorzügliche Jagdbuch lenken, das von Seiner Durchlaucht,
Fürst Waldemar von Drachenhain, angeregt, nun bis zum Adelstage endlich
fertiggestellt sein wird. Letzte Gelegenheit für Euch also daran teilzuhaben!
Doch Obacht! Einsendungen werden nur noch bis zum 1. Tag des 3. Xurl
diesen Jahres - sozusagen: dem 1. Kargmond – berücksichtigt. Also,
Schreibkiel zur Hand und sputet Euch!
Nochmals Euch in aller Kürze zur Wiederholung der weitgefasste
Leitgedanke des Breviers:
Über das Waidwerk, dessen Ausübung nebst anverwandter Themen.
Die Niederschriften können gleichermaßen von interessanten Anekdoten,
wie von spannenden Hatzgeschichten handeln. Ebenso ist es gleich, ob Ihr
von Euren Erfahrungen als Schwarz- Rot- oder Niederwildjäger berichtet,
oder ob Ihr erinnernswerte Märchen zur Jagd oder Rezepte zur Zubereitung
noch wisst und mit uns teilen wollt – ganz wie‘s beliebt!
Um allen Wartenden indessen die Zeit bis zur Herausgabe des Büchleins
nicht allzu lang werden zu lassen, leset hier den kurzen Auszug einer bereits
aufgenommen, besonders spannenden Geschichte aus Luchnar. Vielleicht mag
sich sogar der eine oder andere Leser von dieser Lektüre beseelen
lassen, selbst auch ein Manuskript einzusenden – dann nur zu!
Meister Schillwunk Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter
DIE STERBENDE JAGD
Sie glaubten, noch einen Schrei zu hören und ein leises Knurren. Dann
war Stille. Erowna begann zu schluchzen. „Ist er...“
„Ja“, sagte Lluan hart. „Hweylan ist tot.“
Der erfahrenste Jäger des Trupps spähte mit ausdruckslosem
Gesicht hinaus in die Dunkelheit. Der Schnee fiel weniger dicht als zuvor.
Verfluchter Schnee! Er allein hatte sie daran gehindert, einen sichereren
Ort für die Nacht zu finden als diese Felsbank, erhaben zwar und für
einen Wolf nicht leicht zu erklimmen – aber es hatte gereicht. Das war
es aber nicht, was Lluan irritierte.
Hweylan war ein guter Jäger – gewesen. Doch er hatte den Wolf
nicht einmal rechtzeitig wahrgenommen, um einen Warnruf auszustoßen.
Aufgewacht waren sie durch Erownas Schrei, um noch einen schweren Körper
vom Fels herunterspringen zu sehen, der etwas nach sich zerrte. Erst dann
hatten sie Hweylans verklingenden Schrei gehört. Lluan schüttelte
den Kopf. Es war nichts mehr zu sehen im Schneetreiben. Es war nichts mehr
zu ändern. Hweylan war sein Bruder gewesen.
Rathborn trat zu ihm und reichte ihm einen Schlauch. Lluan nahm einen
tiefen Schluck und atmete durch.
„Es muß ein Riese gewesen sein“, sagte Rathborn. „Der Pfotenabdruck
ist größer als meine Hand.“
„Er war größer als jeder andere Wolf und er war leiser und
schneller als jeder andere Wolf und sein Name... nein, seinen Namen kann
ich nicht sehen“, und sie benötigten einen Moment, um zu begreifen,
daß es Erowna war, die da sprach. Sie wandten sich ihr zu.
„Du blutest ja“, sagte Lluan überrascht. Über Erownas Stirn
zog sich ein schräger, blutiger Strich vom Haaransatz auf der rechten
Stirnseite bis zu linken Augenbraue. Einzelne Tropfen hatten senkrechte
Bahnen gezogen, eine davon lief über Erownas Nasenflügel bis
in den rechten Mundwinkel. Sie schien es nicht zu bemerken.
„Ownachi...“ Megis, die bisher wie betäubt am Feuer gesessen war,
erhob sich und nahm Erowna in die Arme und Erowna, die normalerweise auf
die Koseform ihres Namens mir einem Fluch oder einem Rippenstoß reagiert
hätte, schmiegte sich weinend an die Brust der Älteren. Diese
zog ein Tuch aus ihrer Umhangtasche und tupfte Erowna über die Stirn.
Rathborn reichte ihr wortlos den Lederschlauch und Megis spritzte Whiskey
über das Tuch, tupfte erneut über die Wunde. Erowna keuchte.
„ Es ist die Wunde einer Kralle“, sagte Megis, „aber einer einzigen“, und
in ihren Augen stand zu lesen: Warum hat er sie so verwundet, dann aber
Hweylan gerissen? Wie kam er an Hweylan vorbei? Was für ein Wolf war
das?
Erowna begann zu sprechen. „Er war größer als jeder andere
Wolf und er war leiser und schneller als jeder andere Wolf und sein Name...
sein Name war (...)
- Nachruf -
Ein ehernes Ziel, wonach er gestrebt;
Ein eherner Gott, für den er gelebt;
Ein eherne Frau, mit der er gewettet;
Ein ehernes Grab, in das er gebettet.
Er ging in den Wald, um Thalwacht zu finden;
Er ging in den Wald, den Fluch zu verwinden;
Er ging in den Wald, um dort zu sterben;
Er ging in den Wald, unsterblich zu werden.
Die Wette um Thalwacht war wirklich ein Scherz,
Und Karr, unser Jäger, verschwand unter Schmerz,
Bereit sich zu opfern, für Euer wohl.
Aus Scherz wurde Schmerz, welch drastischer Wandel,
Und ihr nun die Siegerin in diesem Handel,
Doch wirkt dieser Sieg verlogen und hohl.
- Loki -

Rede des Grafen Dedekien an sein Volk
Gehalten am 17. Tag des 1. Xurl des 28. Jahres der glanzvollen Herrschaft
unserer allerweisesten Majestät König Helos Aximistilius des
III.:
"Mein Volk!" (Die Menge, außer sich vor Freude über die
Ehre, von ihrem Herrscher abermals vom Mittagsbalkon des Palastes am Redonsplatz
zu Darbor derart persönlich angesprochen zu werden, jubelte gar ausgelassen)
"Unlängst erst im Poënamond kündete ich euch von all
dem Neid und der Mißgunst, mit der uns unsere Nachbarn entgegentreten,
denn reich ist unser Land, und ebenso reich seid auch ihr, oh Bürger
Darians!" (Die Menge applaudierte überschwenglich)
"Dank des Verhandlungsgeschicks eures gnädigen Herrschers sind
nun jedoch zumindest die Verwicklungen mit der Thaler Herrschaft um die
Fundstücke aus dem alten valmeranischen Bernsteinzimmer beigelegt,
so daß einer politischen Annäherung unserer Reiche nichts mehr
im Wege steht!" (Vereinzelte Beifallsbekundungen, der Graf bemühte
sich, schnell fortzufahren)
"Seine Durchlaucht, Fürst Bartha von Thal, zeigte sich einsichtig,
und so wird nach einer über hundertjährigen Periode der gegenseitigen
Ressentiments wieder eine Thaler Botschaft in unserem geliebten darianischem
Sande errichtet werden! Schon bald werden uns Handel und Verkehr noch reicher
machen!" (Zaghafte Hurrarufe aus den Arkaden des Bazaars)
"Die Botschaft soll", seine Hochgeboren stockte und geruhte sich für
einen Moment rückwärts auf den Vorhang zuzubeugen, hinter dem
sich wie immer sein Großwesir verbarg...
"Ahm, an der einsamen Küste nördlich von Al-Safani unweit
der Kupferbingen errichtet werden, wo wir dem Fürsten von Thal in
unserer unendlichen Gnade ein großzügiges Grundstück auf
ewig überschrieben haben." (Die Menge palaverte zustimmend, der Graf,
etwas unsicher, winkte huldvoll)
"Zur Feier dieses besonderen Ereignisses soll am nächsten Heliostag
vor der Stadtmauer ein Fest mit Burairennen und Ochsenfleisch stattfinden!"
Das Ende der Rede des Grafen konnte wegen der überschwenglichen
Sympathiebekundungen seiner Untertanen leider nicht dokumentiert werden
und wird für die Geschichtsschreiber somit für immer verloren
bleiben. Der Rest jedoch wurde noch am selben Tag von den Verkündigungstürmen
in der ganzen Grafschaft verbreitet.
Termine
12.01. - 14.01.01 5. Heligonischer Adelstag auf Burg Wernfels
23.02. - 25.02.01 Helicon 16.1 "Universitätsgründung
in Thal"
im Landschläßchen Rockenbach
23.03. - 25.03.01 Helicon 17 auf Burg Wildenstein
24.05. - 27.05.01 Helicon 18 im Schwarzhornhaus bei Schwäbisch
Gmünd
21.09. - 23.09.01 Helicon 19 am Georgenhof
Aufgemerkt!
Der Helios-Bote Ausgabe 36 wird voraussichtlich zum Adelstag erscheinen.
Artikel für diese Ausgabe bitte bis spätestens 28.12.00 an die
heligonische Schreibstube schicken.
Talimee
© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés &
Marc Hermann
Berichte von Guido Brand, Arnulf Breuer, Julia Fischer, Henning Frank,
Oliver Friese, Petra Jörns, Sylvia Koch, Daniela Lochner, Heike Öfele,
Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger, Leif Scheuermann, Eike
Simon, Markus Spree und Melanie Walker

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