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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 1. Xurl n.A.III 29
Ausgabe 39
Ansegisel Schlingenleger vom Kommando der Rebenhainer Traubenschützen
über den Besuch Rasekorn vom Schinderteichs in Vjoshaven
Wie jedermann weiß, ist die Lage in Kratorpolis zu Beginn der Poenamonde
recht ruhig gewesen, was unser Kommandeur, der edle Vogt von Störenweiler
nutzte, um zu den Festspielen zu Ehren Laneras nach Vjoshaven zu reisen.
Dieser nördlichste aller Stützpunkte Heligonias ist, obwohl im
Ödland gelegen, immer noch sicher und die Bewohner sind trotz mancher
Eigenarten - z. B. ihrer Namen - ein herzliches, wenn auch rauhes Volk,
und dem König untertan.
So reiste also der Vogt zum Ende des 2. Poena auf dem Jolborn flußaufwärts.
Als Begleitung wurden 20 Mann unseres Kommandos zugeteilt, darunter auch
ich. Die Stadt ließen wir wohlbehütet unter dem Kommando des
wackeren Rebger Maischtreppler zurück.
Wir waren allerdings erst zwei Tage auf dem Fluß, als uns ein
Eilbote einholte, der eine dringende Nachricht für den Vogt mit sich
führte. Was sie enthielt vermag ich nicht zu sagen, jedoch wurde in
der Kajüte recht laut gesprochen und der Vogt war bis zur Ankunft
in Vjoshaven äußerst schlechter Stimmung.
Dennoch erreichten wir den Zielhafen sicher und ohne weitere Vorkommnisse
am 17. des 3. Poena. Das Lanerafest fand außerhalb der Stadt auf
dem Saarkahügel statt. Für unser Kommando hieß das, das
ganze Gepäck und das Zelt des Vogtes auf diesen Hügel zu schleppen,
und dann in der Stadt auf das Ende der Spiele zu warten, da der edle Rasekorn
die Angelegenheiten der Vjoshavener - sie halten alljährlich bei dieser
Gelegenheit ihr Allthing ab - nicht mit Militärpräsenz stören
wollte. So kann ich über die weiteren Geschehnisse auch nicht als
Augenzeuge berichten, jedoch erfuhr ich einiges, als wir im Zuge des Abbaus
des Lagers wieder auf dem Saarkahügel zugegen waren und in Skarpedin
Skagilson, den Wirt des Donnerdrummels, einen willigen Berichterstatter
fanden.
Unser Vogt wurde von Halfdan Egilson, dem Jarl, aufs herzlichste empfangen
und eingeladen, an den Spielen teilzunehmen. Dennoch kam der edle Rasekorn
in der Nacht vor den Spielen noch einmal nach Vjoshavn und blieb bis zum
Abend des nächsten Tages. Wichtige Depeschen hatten dies wohl nötig
gemacht. Am Abend dann aber stieß er wieder zu dem Fest, und wir
machten es uns in der Stadt bequem. Für uns war es bis dahin ein angenehmer
Aufenthalt - die Vjoshavner Fischküche ist ausgezeichnet - bis wir
in der Nacht aufgeschreckt wurden. Auf dem Saarkahügel war ein heller
Feuerschein zu sehen. Erst später sollten wir erfahren, daß
in der Nacht die Göttin strafend eingegriffen hatte, warum weiß
ich nicht, und ein Zelt entflammt war.
Am nächsten Tag ließ Helios sein Antlitz leuchten, so daß
wir Schatten suchten. Gegen Mittag allerdings nahmen wir eine wachsende
Unruhe unter den Einheimischen war. Irgend etwas war geschehen. Mißtrauisch
äugten wir zum Hügel empor, konnten aber nichts entdecken, bis
gegen die 5. Stunde einige der Scharfäugigen eine Kolonne sahen, die
auf die Stadt zuging. Es handelte sich um die Frauen und Kinder, die auf
dem Saarkahügel waren. Zeitgleich vernahmen wir verhaßten Trommelschlag,
wie ihn nur die Ödlinge hervorbringen. Aus Gründen, die wir nicht
zu nennen vermochten hatten die Götter offenbar den Schutz von der
Stadt genommen und die Ödländer wurden ihrer gewahr und rüsteten
zum Angriff. Mein Kommando nahm beherzt Stellung auf den Mauern, denn an
einen Marsch auf den Hügel war nicht zu denken. Der Weg war abgeschnitten.
Auch die Frauen mußten wieder umkehren.
Bange Stunden verstrichen, ohne daß ein richtiger Angriff erfolgte.
Wie wir später hörten, waren die Ödlinge vom plötzlichen
auftauchen der Stadt wohl so überrascht, daß sie zunächst
Kundschafter ausschickten, die von einem Stoßtrupp unter dem Kommando
Rasekorn vom Schinderteichs niedergemacht wurden, so daß etwas Zeit
gewonnen war. Dennoch, denn wir wußten von all dem nichts, war uns
nicht wohl zumute. Allerdings strahlten die Vjoshavener, die noch in der
Stadt waren, eine grimmige Entschlossenheit aus. Diese übertrug sich
auf uns, so daß wir im Sinn hatten, den Ödlingen soviel wie
möglich abzuverlangen, bevor sie die Stadt erobern könnten.
Dazu kam es jedoch nicht. Gegen Abend, als wir schon mit dem Schlimmsten
rechneten, wurden die Trommeln leiser und verstummten schließlich
ganz. Wir waren uns nicht sicher, ob das ein gutes Zeichen sei, aber in
der Nacht kam ein Bote vom Hügel herab, der eine Gabe für Xurl
mit sich führte und uns berichtete, daß der Schutz der Götter
wieder auf Vjoshavn ruhe. Wir stellten darauf hin einige Trupps zusammen
und erkundeten das Gelände, ohne auf Ödlinge zu treffen. Erleichtert
gingen wir in die Schankstuben um die Götter ausgiebig zu feiern,
weshalb wir am folgenden Heliostag auch nur mit Mühe den Abbau des
Vogtzeltes bewerkstelligten. Darauf blieben wir bis Neujahr in der Stadt.
Nun sind wir wieder auf dem Jolborn in Richtung Kratorpolis. Aber wir
bringen ansehnliche Verstärkung mit: Der Jarl, Halfdan Egilson hat
uns drei große Knorren voll mit Proviant mitgeschickt, dazu zwei
Langdrachen vollbesetzt mit 100 Kriegern, die uns unterstützen sollen.
Überdies begleitet uns eine kleine Söldnertruppe, die sich, nach
allem was man hört, schon bei dem Angriff auf die Ödling - Späher
hervorgetan hat, und die dem Vogt wohl Gefolgschaft geschworen hat.
Jener, der Rasekorn vom Schinderteich, steht meist am Bug und starrt
auf den Fluß. Er scheint es kaum erwarten zu können, bis wir
wieder in Kratorpolis sind. Wir haben es da ehrlich gesagt nicht so eilig,
denn die Verpflegung an Bord ist gut, und wir scheinen sicher, solange
die Vjoshavner Schiffe bei uns sind.
Ansegisel Schlingenleger vom Kommando der Rebenhainer Traubenschützen
Festlegung nautischer Maße
Die ostarische Admiralität gibt die Festlegung nautischer Maße
bekannt: “Zur Messung von Schiffs-Geschwindigkeiten wird von der ostarischen
Marine die Einheit “'heligonische Knoten', als die in einer Stunde zurückgelegten
“'heligonischen Seemeilen' festgelegt. Die Messung der Geschwindigkeit
geschieht “durch zertifizierte Logleinen mit Knoten in geeichten Abständen
und einem Treibanker: “Die Logleine spult sich so schnell ab, daß
wenn ein Schiff mit einer Geschwindigkeit von “10 heligonischen Seemeilen/Stunde,
also 10 heligonische Knoten fährt, sich 10 Leinenknoten “pro Minute
von der Leine abrollen. In Landmaße umgerechnet entspricht eine heligonische
Seemeile “1.852 heligonischen Meilen. Eine Vermesung des Jolborn von seiner
Quelle zu dessen “Mündung in die Jolsee ergab eine Länge von
1000 heligonischen Seemeilen.
““Lang Lebe Herzog Angilbert I.!““
Im Auftrag der Admiralität, Amtsrat Norrbarth Kesselflicker
Herzöglich-Ostarischer Marinekurierdienst“Amt für Öffentliche
Information““
Werter Herr Koldewaith!
Viel ist geschehen, seitdem ich Euch den letzten Brief geschrieben habe.
Auf das Ultimatum der Ödländer sind damals ja nur Josephina von
Drachenhain, Foranan McDonough und Tallrim Stabschwinger nach Kratorpolis
gekommen. Lange wurde hitzig beraten, ob der Termin eingehalten werden
sollte oder nicht, als die Ödländer tätig wurden. Hanfried
stand mit einem Mal von seinem Lager auf und wanderte unter starker Bewachung
durch Kratorpolis. Er sprach nur einen Satz: "Wir werden kommen."
Auf Anraten von Josephina wurde Hanfried danach unter strengster Bewachung
in eine fensterlose Kammer geschlossen, damit er keine Informationen sammeln
und an die Ödländer weitergeben konnte. Ich hatte das Vergnügen,
mich mit der Geweihten auszutauschen und ihr von meinen bisherigen Erlebnissen
und Theorien über die ödländische Magie zu berichten. Josephina
ist es auch zu verdanken, dass die Haltung der Truppen sich wieder besserten.
Sie ist übrigens der Ansicht, dass Hanfried nur eine Kopie ist. Mögen
die Götter geben, dass es dem echten Hanfried gut geht oder seine
Seele in Frieden heimgekehrt ist.
Unerwartet traf endlich Krator von Rebenhain ein. Er und Josephina
fällten daraufhin die Entscheidung, den Termin einzuhalten. Um den
Mahnungen Beorrics gerecht zu werden, reiste man dieses Mal mit mehr als
200 Mann - mit ceridischen Priestern und ogedischen Geweihten - den Jolborn
hinunter. Auch Andrek von Herrach und ich wurden zu der Expedition eingeladen.
Einar Garstbrenner fungierte wiederum als Flottenkommandant. Auch einige
leichte Infantristen der Silverhorner Grenzgarde waren mit von der Partie.
Wer fehlte, waren die Gelehrten, insbesondere hatte die Universität
keinen Vertreter für Quendan Zauberwacht entsandt, was uns ohne magischen
Experten beließ.
Wie schon beim letzten Mal konnte am Ritualplatz kein einziger Ödländer
gesichtet werden. Ehrlich gesagt, hatte ich auch nichts anderes erwartet.
Die Priester und Geweihten untersuchten den Platz. Eine Geweihte berichtete
mir von einem Unwohlsein, welches nicht allein durch die besondere Situation
erklärt werden konnte. Ich kannte jenes Unwohlsein bereits von meinem
früheren Besuch und hatte bereits mit Josephina darüber gesprochen.
An diesem Platz wirkte Zeit-Magie. Es kam nicht von ungefähr, dass
die Schiffsbesatzungen stets den Eindruck hatten, die Leute am Ritualplatz
kämen nur unendlich langsam voran.
Am vereinbarten Tag fanden sich schließlich Krator, Josephina,
Foranan und Tallrim Seite an Seite am Ritualplatz ein. Sie wurden von allen
Seiten gesichert, am Fluss standen Reserve-Mannschaften parat, darunter
auch einige Adlige wie Javen Silverhorn aber auch Einar Garstbrenner und
Andrek von Herrach. Die Schiffe der Herzog-Uriel-Klasse hatten den Befehl,
die Geschütze klar zu machen, um auf Befehl Krators eingreifen zu
können.
Dann hörten wir die Trommeln. Erst schwach waren sie zu vernehmen,
dann kamen sie zusehends näher, um schließlich in einiger Entfernung
zu verharren. Letzte Segensworte wurden in unseren Reihen gesprochen, dann
näherten sich zwei Ödländer. Das Äußere des Einen
entsprach dem Ödländer, wie ein Kind sich ihn vorstellen mag:
ein grobschlächtiger Hüne, mit einem Fell um die Lenden. Doch
die Augen schienen eine unangenehme Spur zu schlau. Der andere wiederum
war mir bekannt. Ich hatte ihn des öfteren in meinen Träumen
gesehen. Klein war er. Er trug einen Reif mit Hörnern auf und einen
Fellumhang von der Form einer Tunika. Er musterte uns mit flammenden Augen,
die alles zu durchschauen schienen.
Andrek zog sich bei ihrem Erscheinen zurück und nahm eine Position
bei den Truppen ein. Commodore Einar Garstbrenner hingegen spähte
zurück in Richtung der Schiffe. Ich vermutete, dass er eine Bestätigung
erwartete, dass am Platz Zeitmagie wirksam war.
"Viele seid Ihr", eröffnete der kleine Ödländer das
Gespräch. Dann zog er einen Dolch hervor und zog ihn über seinen
Unterarm. Ein Schnitt klaffte auf, rotschwarzes Blut tropfte zur Erde.
In diesem Augenblick merkte ich, wie sich das Kribbeln im Nacken, das mich
ständig am Ritualplatz überfällt, verstärkte. Der ödländische
Schamane wirkte Blutmagie! Ich musste irgendetwas tun, bevor der Schamane
dazu kam, seine Beschwörung oder was auch immer er plante, zu beenden.
Während Krator und der Ödländer sich gegenseitig beschuldigten,
zuerst angegriffen zu haben, verließ ich meinen Platz und näherte
mich unauffällig dem Geschehen. Ich hörte, dass der Schamane
zu wissen schien, dass nicht alle Heligonier, nach denen er verlangt hatte,
gekommen waren. Als Josephina die Ödländer nach ihren Namen fragte,
schienen sie die Bedeutung der Frage nicht zu verstehen. Wieder pochte
der Schamane darauf, dass wir zuerst angegriffen hätten - die andere
Stadt. Bei den Worten zog er den Dolch über den anderen Unterarm.
Der große Krieger betupfte damit seine Stirn.
Mir klopfte das Herz im Halse. Sollte ich die Herrschaften warnen,
dass hier Magie gewirkt wurde? Doch wenn sie daraufhin die Verhandlungen
abbrachen, war unsere Chance auf einen Frieden vielleicht vertan. Mischte
ich mich dagegen selber ein, konnte Krator immer noch die Schuld auf mich
abwälzen und die Verhandlungen fortführen, als sei nichts geschehen.
Als ich mit meinen Überlegungen so weit gekommen war, griff ich ein
und rannte auf die Gruppe um die Ödländer zu. Ich versuchte,
die anderen noch zu warnen, doch der Schamane fuhr in seinem Tun unbeirrt
fort. Da warf ich mich dazwischen und konnte im letzten Augenblick verhindern,
dass er sich den Dolch in die Schulter stieß. Er taumelte zurück
und wollte sich mir entgegenwerfen, doch ich versuchte, ihn auf Abstand
zu halten. Da traf mich die Faust des großen Ödländers
am Kopf und schickte mich zu Boden.
Was danach geschah, weiß ich nur aus zweiter Hand. Ein Büschel
Haare hat mir der Schamane jedenfalls ausgerissen. Dann gingen die Verhandlungen
weiter. Warum die Ödländer jedoch so sehr an Kratorpolis interessiert
waren, wurde nicht offensichtlich.
Da langte ein Fähnrich Garstbrenners bei den Herrschaften an und
brachte endlich den Beweis, dass die Zeit auf dem Ritualplatz fünfmal
so langsam verging wie außerhalb. Ein Thaler Soldat meldete, dass
Haagen von Aueneck eine Erkundung des umliegenden Geländes vorbereitete.
Auf dem Fluß war bis zu diesem Augenblick alles ruhig geblieben.
Doch Krator und Josephina entschlossen sich trotz dieser Warnungen
dazu, das Gespräch fortzuführen, wenn sie auch Haagen von Aueneck
freie Hand gaben. Es war Tallrim, der den ersten Schritt tat, um mich aus
meiner misslichen Lage zu befreien, doch er wurde von den Ödländern
daran gehindert. Auf die Frage Josephinas, warum er mich einiger Haare
beraubte und wozu er Zeitmagie wirkte, erwiderte der Schamane beide Male:
"Schutz!" Dann erlaubte er Tallrim, sich um mich zu kümmern.
Einer von Tallrims Männern trug mich zu den anderen Angaheymern,
wo sie mich mit Uisge behandelten. In Ermangelung eines Erfolges schickten
sie nach einem Heiler. Doch zwei Dunkelsteiner Templer waren schon unterwegs,
um mich zu versorgen. Das erste, was ich erfasste, als ich zu mir kam,
war der starke Geruch nach Uisge. Götter! Dieses Gebräu erweckt
Tote zum Leben!
Dann bemerkte ich, dass die Gespräche immer noch fortdauerten,
dass immer mehr Blut des Schamanen zu Boden tropfte. Ich versuchte den
Dunkelsteiner, der sich über mich beugte, davon zu überzeugen,
dass hier Magie gewirkt wurde und man die Herrschaften warnen musste. Erst
als man mir versprach, meine Warnung weiterzugeben, ließ ich mich
von ihm zu den anderen Templern geleiten.
Doch ein Schock erwartete mich noch, als ich von einem Thaler Soldaten
erfuhr, dass der kleine Ödländer sich einiger Haare von mir bemächtigt
hatte. Mir wurde augenblicklich klar, was jeder befürchten würde:
Dass die Ödländer mich dadurch manipulieren könnten. So
bot ich ihnen selber an, was ich in ihren Gesichtern lesen konnte: Dass
man mich unter Bewachung aufs Schiff bringen solle - notfalls auch in Fesseln.
Drei Ostarier begleiteten mich daraufhin zu den Schiffen. Am Rande
bekam ich mit, wie Leutnant Petronius Orchassert mit einem Boten Einars
sprach, dass sie versuchten, die Ausdehnung der Zeitverschiebung einzugrenzen
und herauszufinden, ob sie über die Lagerstelle am Fluß hinausreiche.
Daraus entspann sich eine Diskussion darüber, inwieweit die Zeitblase
den Ödländern militärisch zum Vorteile gereichte. Doch so
weit ich mitbekam, konnte man keine Einigung erzielen.
Ein Blick zurück zeigte mir, dass Josephina derweil das Gespräch
mit dem kleinen Ödländer wieder aufgenommen hatte. Sie wollte
erfahren, weshalb die Ödländer diese Magie als Schutz benötigten
und nicht auf ihre Waffen vertrauten. Der Schamane erwiderte, dass die
Zeit Schutz biete und dass auch wir Heligonier nicht nur auf Waffen vertrauen
würden. Dabei sah er mich an, und in diesem Augenblick begriff ich,
dass er um meine magische Begabung wusste. Auch die Priester und Geweihten
streifte sein Blick. Auch sie waren Schutz - in seinen Augen. Langsam begann
ich ihn zu verstehen.
Als Krator wiederum die Aufgabe Kratorpolis´ verweigerte, stieß
der Schamane sich dreimal den Dolch in den Arm. Mit jedem Stoß erschallte
ein Trommelschlag - ein jeder lauter als der vorherige. Da griff Josephina
ein. Sie zog ihr Schwert und schnitt sich mit der Klinge über den
Unterarm. Dabei murmelte sie wohl ein Gebet.
Der Ödländer zuckte daraufhin zusammen, als habe man ihn
geschlagen. Dann fegte er mit dem Arm durch die Luft. Trommeln fielen ein
- aus dem Wald hinter den beiden Ödländern. Und sie kamen rasch
näher.
Sie greifen an, durchzuckte es mich. Ohne nachzudenken wollte ich mich
losreißen, um Josephina und Krator beizustehen. Doch der ostarische
Fähnrich hielt mich zurück - aus Angst, die Ödländer
könnten mich beeinflussen. Götter, welch lächerlicher Gedanke!
Als ob ich allein in einem Kampf etwas Entscheidendes bewirken könnte!
Ich wollte ihm gerade erklären, wie unsinnig sein Gedanke war, als
mir klar wurde, dass dies ebensogut auf meine Hilfe zutraf. Mein Auftauchen
würde nur für unnötige Verwirrung sorgen und so gab ich
nach.
Ich bemerkte noch, wie Josephina sich nach mir umdrehte, als suche
sie mich, doch dann war sie meinen Blicken entschwunden.
Am Ritualplatz wappnete sich inzwischen jedermann zum Kampf. Doch so
weit sollte es nicht kommen. Ein letztes Mal sprach der kleine Ödländer
mit den Herrschaften. Dass es keinen Frieden geben werde, so lange sie
Kratorpolis nicht hätten. Dann setzten wieder die Trommeln ein. Ödländer
lösten sich aus den Schatten der Bäume. Zugleich rückten
die beiden Sprecher auf sie zu.
Ein ostarischer Soldat rief, die Zeitverschiebung reiche über
die Schiffe hinaus. Die Templer hoben auf Andreks Befehl die Armbrüste
und zielten auf die beiden ödländischen Anführer. Auch die
restlichen Truppen hoben die Waffen. Ein ostarischer Soldat berichtete
Krator, dass ein Schiff aus Kratorpolis eingetroffen war. Wir waren einen
Tag überfällig. Da befahl Krator angesichts der verharrenden
Ödländer den Rückzug.
Dies ging rasch vonstatten, während die aufgetauchten Ödländer
wieder im Wald verschwanden, als sei nichts geschehen. In kurzer Zeit war
der Spuk vorbei.
Auf dem Flaggschiff erwartete Commodore Garstbrenner Krator, Josephina,
Foranan und die anderen Anführer mit der ganzen Wahrheit. Fünf
neue Schiffe ankerten neben den dreien der Expedition. Ein weiteres zeigte
sich flußabwärts. Garstbrenner erklärte mit fahler Stimme,
wie weit die Zeitverschiebung reichte: Für die ´Garstbock` der
Ostarischen Marine waren wir zwei Tage überfällig. Sie schrieben
den 26. Tag des 3. Poena. Die ‚Kali-ka' aus Sedomee mit einem Boten der
Universität zu Tlamana schrieb den 28. Tag des 3.Poena. Für die
‚Hohen Zollfells' der Familie aus Kratorpolis war es der Altjahrsabend.
Die "Silberleib" aus Jolbenstein gar schrieb den 3. Tag des 1. Helios 29
n.A.III. und die "Dedekiens Heil" aus Darian den. 5. Tag des neuen Jahres.
Das sechste Schiff, das aus Dunkelstein kam, war dazu noch nicht
befragt worden. Doch alle Schiffe waren in den letzten zwanzig Minuten
eingetroffen. Erst mit dem Abrücken der Ödländer war die
Zeitblase zusammengebrochen. Das Beunruhigste jedoch war, dass aus dem
Norden kein weiteres Schiff mehr zu kommen schien.
Mit der Ankunft der Schiffe klärte sich auch, warum Quendan Zauberwacht
nicht den Verhandlungen beigewohnt hatte. Der Überbringer des Briefes
war verunglückt. Deshalb konnte sein Vertreter Eskal Sykaldius aus
der Universität Idyllie erst so spät am Geschehen eintreffen.
Dennoch bleibt wohl noch genügend für ihn zu tun.
Dann wurde bekannt, dass die Vjoshavener uns zwar keine militärische
Unterstützung gewährten, jedoch Proviant und Vjoshavener Knorren
sowie zwei Kriegsdrachen samt Besatzung schickten. Dann brachte ein Silverhorner
die entscheidende Nachricht:
Die Ödländer hatten Xurl-Saleenia, die Hauptstadt der Leomark
angegriffen. Obwohl sich dort etwa 800 Mann befanden, stand die Stadt vor
dem Fall, als Rasekorn vom Schinderteich und Brunjar Egilsson aus Vjoshaven
überraschend vom Fluß her eingriffen und die Ödländer
entscheidend von den Wällen ablenken konnten. Ein Angriff auf Kratorpolis
ist zu befürchten.
Nun sind wir unterwegs zurück nach Kratorpolis. Ich selber stehe
unter Bewachung, weil man befürchtet, dass die Ödländer
mich mithilfe meiner Haare kontrollieren können. Letzteres halte ich
zwar für Unsinn, da ich mir sicher bin, dass ich es bemerken und auch
dagegen ankämpfen könnte. Doch ich verstehe die Unsicherheit
der Leute. Denn woher sollen sie wissen, ob sie mit mir sprechen oder mit
dem Feind.
Ich habe darum gebeten, mit Josephina sprechen zu dürfen und hoffe,
dass man mir diese Bitte gewährt. Denn ich möchte ihr meine Theorie
zur Bedeutung der Haare darlegen: Dass sie der Erforschung meiner Person
dienen. Der ödländische Schamane kennt mich - genauso wie ich
ihn kenne. Und so sehr es mich danach verlangt, mehr über ihn und
diese Beziehung zu ihm zu erfahren, wird auch ihn die Ungewissheit quälen.
Ich wünschte, wir hätten etwas von dem Blut, das er zu Boden
tropfen ließ. Denn aus meinen bescheidenen magischen Studien mit
Syria weiß ich, dass man aus Blut und Haaren eines Menschen viel
über ihn erfahren kann. Und das ist der Wunsch der Ödländer:
Uns zu begreifen. So wie wir versuchen, sie zu begreifen. Mögen die
Götter geben, dass wie beide das Ziel erlangen, bevor noch mehr Menschen
unnötigerweise ihr Leben lassen müssen.
Verzeiht meine Dummheit. Es geschah aus bestem Wissen und Gewissen.
Es grüßt Euch!
Arandis
Die Tour von HeligoniaTM - Schlangenkamm
und Shayed sind überstanden!
Hier nun also eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse der Tour
von HeligoniaTM zwischen der vierten und
der neunten Etappe:
Mit großen Mühen kämpften sich die Wägen durch
den Schlangenkamm, der trotz der Jahreszeit mit einigen unfreundlichen
Eisstürmen aufwartete. Erstaunlich, daß hier nur ein Team auf
der Strecke liegenblieb. Nach einem komplizierten Achssplitterbruch gab
das Team des Handelshauses Sägebrecht schließlich auf, so daß
nunmehr nur noch elf Teams im Rennen waren. Wie erwartet machten die bergerprobten
Mannschaften von McDonough und Theudebert Drahtzieher, die Spitzenplätze
unter sich aus. Trotz des Heimvorteils der Tlamaner, konnte die Mannschaft
aus Flaitney in einem Sekundenfinale, den Sieg in Tabruk für sich
erringen.
Auf der Etappe nach Turmberg bewies das schwarze Gespann von Ladislaus
Schwartz, welch gute Langstreckeneigenschaften in einer Betiser Rennkutsche
stecken, wenn die Straßenverhältnisse stimmen. Leider wurde
Fran Panis Büttelmännern in der teameigenen Seemannsbraut (aus
Leder) in Carajon einige Septonith-Steine untergeschmuggelt, was die Tabruker
Behörden entdeckten. Die Formalitäten, die bis zur Klärung
der Situation erledigt werden mußten, hielten die Unglücklichen
so lange auf, daß sie als letzter in Turmberg eintrafen. Dort erwartete
sie die nächste Katastrophe: Die eifrigen tlamanischen Grenzposten
hielten einen der "Büttelmänner" für Baron Herian von Carajon,
was schon wieder zu Scherereien führte und die Mannschaft zum zweiten
Mal hintereinander auf den letzten Platz katapultierte. Die Mannschaft
der Freien Universitas zu Cambrück, die in Darbor als erste auf dem
Redonsplatz einfuhr, konnte nun endlich beweisen, daß ihre Pferd-Stier-Kreuzungen,
sich vor allem bei anstrengenden Langstreckenetappen bei schlechter Straßenqualität
und heißer Witterung eignen. In der Darianischen Metropole begrüßte
Graf Dedekien die Ankommenden. Jedoch war es auch Ihm zu verdanken, daß
das Rennen um zwei Wochen verzögert wurde. Weigerte sich seine Hochgeboren
doch zunächst standhaft, die Gebühren für die Zulassung
als Etappenziel zu zahlen.
Die gefährliche Strecke durch die Wüste überstanden
erstaunlicherweise alle Gespanne so gut wie unbeschadet. Jaruns Hazardeure
(grüßen die Shayedwüste) schafften dies allerdings nur
mit sehr viel Glück. Da sie mit großem Wagemut an die Etappe
herangegangen waren, verzichteten sie auf sämtliche vorbereitenden
Maßnahmen. Nachdem die Trinkwasservorräte zur Neige gegangen
waren, wurden, sie auch noch von einem Sandsturm überrascht, dem glücklicherweise
nur der zur Zier des Wagens angebrachte Fuchsschwanz zum Opfer fiel. Jedoch
wären die wackeren Gesellen sicherlich verdurstet, wären sie
nicht von einer Karawane der Shayedi gerettet worden. Hiermit tun wir diesem
großzügigen Volk unseren Dank kund! Theudebert Drahtzieher dagegen
bewies allergrößte Voraussicht. Dank der zahlreichen Wasserverpflegungsstationen
auf der Strecke und den günstigen Abkommen, die der reichste Mann
Heligonias mit den südlichen Stämmen der Shayed geschlossen
hatte, konnte sein Team unbehindert als erster in Guldenstein durchs Ziel
fahren.
Auch auf der nächsten Etappe, konnte das nun überaus erfolgreiche
Gespann den Sieg erringen. Und das obwohl in Guldenstein die Teamchefin
wegen eines fulminanten Fiebers zurückgelassen werden mußte.
Möglicherweise lag das aber auch daran, daß viele der anderen
Mannschaften mit einem der berüchtigten Darianischen Schlaglöcher
Bekanntschaft machten. Ein überaus freudiges Ereignis, gab es bei
der Mannschaft von Bertram Borkhäuser und Söhne zu vermerken.
Gertrud Borkhäuser brachte kurz hinter der Thaler Grenze eine gesunde
Tochter zur Welt. Dank des heldenhaften Einsatzes von Krätschenfrieder
von Fran Panis Büttelmännern, welche spontan und selbstlos zur
Hilfe eilten, ging die Geburt schnell und problemlos von statten. Das Mädchen
erhielt den Namen Frieda, um den unerwarteten Beistand zu ehren.
In Waldroden ließen es sich auch Baron Sihran von Tolens und
die Freifrau Fendra von Aueneck nicht nehmen, die Teilnehmer zu ehren und
zu feiern.
Die bisher letzte Etappe führte quer durch die endlosen Wälder
Thals von Waldroden bis nach Sethnara. Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker,
die als einheimische Thaler nicht durch eine Gsälzallergie beeinträchtigt
wurden, konnten dieses Rennen für sich entscheiden. Aber auch die
anderen Mannschaften aus dem Fürstentum schnitten im Durchschnitt
gut ab. So mancher hatte mit Erschütterungen zu kämpfen, welche
die Erde nahe der Spalte bei Felsenbrand in der Baronie Tolens zum Beben
brachte, doch den Göttern und dem Einen sei Dank, alle Teams, bis
auf die Sägebrechts sind weiterhin im Rennen! Mit Freude können
Wir berichten, daß auch das fürstliche Paar zu Hochanthen, sowie
der Lordkanzler der Unversität zu Cambrück zu den Zuschauern
der Tour von HeligoniaTM zu zählen war.
Wir sind außerdem gespannt, ob und wann das Team Phönix
endlich zum großen Schlag ausholen wird. Noch ganz ohne Etappensieg
ist dieses Betiser Team beinahe konstant gut und ohne große Fehler
gefahren. Möglicherweise ist hier noch mit einigen Überraschungen
zu rechnen!
Nun stehen die beiden langersehnten Sprintetappen an und es wird sich
zeigen, wer hier am besten fährt. Danach geht es ins Hochland, ein
durchaus anspruchsvolles und gefährliches Gelände für Kutschen.
Doch lassen wir jetzt erst einmal die Zahlen sprechen:
| Etappenergebnisse Seranhest - Tabruk |
| 1 |
Mc Donough |
0 |
| 2 |
Theudebert Drahtzieher |
4 sec |
| 3 |
Phoenix |
53 sec |
| 4 |
Büttelmänner |
17 min 27 sec |
| 5 |
Emaranseeflotte |
23 min 18 sec |
| 6 |
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker |
1 h 48 min 34 sec |
| 7 |
Bertram Borkhäuser und Söhne |
2 h 7 min 31 sec |
| 8 |
Cambrück |
3 h 27 min 59 sec |
| 9 |
Ladislaus Schwartz |
12 h 36 min 23 sec |
| 10 |
Jaruns Hazardeure grüßen Tabruk |
17 h 38 min 5 sec |
| 11 |
Jolberger Schädelspalter |
23 h 9 min 26 sec |
| Sägebrecht ausgeschieden ! |
| Etappenergebnisse Tabruk - Turmberg: |
| 1 |
Ladislaus Schwartz |
0 |
| 2 |
Emaranseeflotte |
17 min 51 sec |
| 3 |
Cambrück |
18 min 19 sec |
| 4 |
Jaruns Hazardeure grüßen Turmberg |
33 min 39 sec |
| 5 |
Jolberger Schädelspalter |
1 h 6 min 48 sec |
| 6 |
Theudebert Drahtzieher |
1 h 12 min 28 sec |
| 7 |
Phoenix |
1 h 18 min 31 sec |
| 8 |
Bertram Borkhäuser und Söhne |
3 h 7 min 17 sec |
| 9 |
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker |
7 h 45 min 45 sec |
| 10 |
Mc Donough |
8 h 6 min 22 sec |
| 11 |
Fran Panis Büttelmänner |
18 h 30 min 4 sec |
| Etappenergebnisse Turmberg - Darbor: |
| 1 |
Freie Universitas zu Cambrück |
0 |
| 2 |
Emaranseeflotte |
1 sec |
| 3 |
Theudebert Drahtzieher |
3 min 44 sec |
| 4 |
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker |
4 min 21 sec |
| 5 |
Jolberger Schädelspalter |
8 min 58 sec |
| 6 |
Ladislaus Schwartz |
9 min 13 sec |
| 7 |
Phoenix |
1 h 36 min 3 sec |
| 8 |
Jaruns Hazardeure grüßen Darbor |
2 h 42 min 51 sec |
| 9 |
Bertram Borkhäuser und Söhne |
5 h 13 min 24 sec |
| 10 |
Mc Donough |
22 h 44 min 46 sec |
| 11 |
Büttelmänner |
27 h 36 min 24 sec |
| Etappenergebnisse Darbor - Guldenstein: |
| 1 |
Theudebert Drahtzieher |
0 |
| 2 |
Phoenix |
19 min 33 sec |
| 3 |
Mc Donough |
25 min 56 sec |
| 4 |
Ladislaus Schwartz |
44 min 54 sec |
| 5 |
Bertram Borkhäuser und Söhne |
1 h 48 min 49 sec |
| 6 |
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker |
2 h 33 min 3 sec |
| 7 |
Cambrück |
2 h 51 min 28 sec |
| 8 |
Fran Panis Büttelmänner |
7 h 42 min 4 sec |
| 9 |
Emaranseeflotte |
10 h 13 min 5 sec |
| 10 |
Jolberger Schädelspalter |
17 h 59 min 47 sec |
| 11 |
Jaruns Hazardeure grüßen Guldenstein |
19 h 23 min 26 sec |
| Etappenergebnisse Guldenstein - Waldroden: |
| 1 |
Theudebert Drahtzieher |
0 |
| 2 |
Cambrück |
5 sec |
| 3 |
Phoenix |
58 sec |
| 4 |
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker |
7 min 48 sec |
| 5 |
Bertram Borkhäuser und Söhne |
13 min 13 sec |
| 6 |
Jolberger Schädelspalter |
2 h 3 min 8 sec |
| 7 |
Jaruns Hazardeure grüßen Waldroden |
2 h 4 min 57 sec |
| 8 |
Mc Donough |
5 h 51 min 35 sec |
| 9 |
Fran Panis Büttelmänner |
10 h 42 min 4 sec |
| 10 |
Ladislaus Schwartz |
18 h 8 min 17 sec |
| 11 |
Emaranseeflotte |
34 h 51 min 23 sec |
| Etappenergebnisse Waldroden - Sethnara: |
| 1 |
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker |
0 |
| 2 |
Theudebert Drahtzieher |
8 min 17 sec |
| 3 |
Jaruns Hazardeure grüßen Sethnara |
20 min 31 sec |
| 4 |
Emaranseeflotte |
52 min 50 sec |
| 5 |
Phoenix |
1 h 2 min 44 sec |
| 6 |
Bertram Borkhäuser und Söhne |
1 h 42 min 15 sec |
| 7 |
Jolberger Schädelspalter |
2 h 9 min 34 sec |
| 8 |
Cambrück |
2 h 16 min 47 sec |
| 9 |
Fran Panis Büttelmänner |
17 h 5 min 47 sec |
| 10 |
Mc Donough |
19 h 10 min 47 sec |
| 11 |
Ladislaus Schwartz |
26 h 33 min 23 sec |
| neuer Gesamtstand in Sethnara: |
| 1 |
Theudebert Drahtzieher |
0 |
| 2 |
Phoenix |
1 h 33 min 8 sec |
| 3 |
Bertram Borkhäuser und Söhne |
9 h 4 min 47 sec |
| 4 |
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker |
9 h 54 min 46 sec |
| 5 |
Jaruns Hazardeure grüßen Heligonia |
38 h 2 min 43 sec |
| 6 |
Freie Universitas zu Cambrück |
40 h 51 min 40 sec |
| 7 |
Emaranseeflotte |
44 h 32 min 18 sec |
| 8 |
Jolberger Schädelspalter |
45 h 7 min 2 sec |
| 9 |
Ladislaus Schwartz |
55 h 56 min 57 sec |
| 10 |
Mc Donough |
60 h 21 min 53 sec |
| 11 |
Fran Panis Büttelmänner |
86 h 44 min 2 sec |
Die Gesellschaft der Tour von HeligoniaTM
erklärt hiermit noch einmal ausdrücklich, daß sie alle
bisher erfolgten Anschläge aufs Schärfste verurteilt, und die
Delinquenten nach ihrer Verhaftung aus der Tour ausgeschlossen und der
örtlichen Gerichtsbarkeit zugeführt werden. Dies ist in mehreren
Fällen bereits geschehen. Die Motive der Übeltäter sind
allerdings unklar. Vermutlich handelte es sich um militante Fans. Man ist
froh, daß bisher keine Menschen zu Schaden gekommen sind. Auch scheinen
die Vorfälle seit dem Verlassen Darians aufgehört zu haben.
Gastspiel der Compagnia Gelosi in Falkenhain
Nach den Ereignissen im Purpurwald zog sich der Regent von Falkenhain
nach Falconidae auf die Feste Falconidae zurück, um sich den politischen
Geschäften zu widmen. Schon lange suchte er für seinen Vater
Louis von Falkenhain, welcher in diesem Jahr seinen 50. Sommer begeht,
nach einer unterhaltsamen Überraschung. Da hörte er von Reisenden
aus dem Lande Heligonia von der berühmten Theatertruppe "Compagnia
Gelosi", die schon Anfang des Jahres anlässlich des heligonischen
Adelstages ihr Können unter Beweis stellte. Und sofort schickte er
einen Boten nach ihnen aus, um sie zu einem Gastspiel am Hofe Falconidaes
zu bewegen.
Sah es anfänglich noch aus, als müsse das Gastspiel der Compagnia
Gelosi abgesagt werden, da ihre Autorin Carina Jännert im Frühjahr
einen Knaben gebar, konnte die Truppe letztendlich doch noch rechtzeitig
die lange Anreise antreten. Am 14 Julius 1001 fand schließlich die
Feier des Altregenten mitsamt der Aufführung der Theatergruppe statt.
Vielerlei hohe Herrschaften fanden sich zu den Feierlichkeiten ein,
unter ihnen Baron Navarre von Falkenhain und Louis von Falkenhain, sein
Vater, sowie Angelique von Falkenhain, seine Mutter, weiterhin Magister
Gandolf Canidus, Hofberater und Mechanicus, Gideon Nilford, Fähnrich
und Protokollarier und Gerrad von Ehrenfeld, Altbaron von Ehrenfeld. Auch
Offiziere der Garde waren anwesend, so Skeldwin Morgenes, Marschall der
Fußgarde und diverse Gardisten in "Gala-Wappenröcken". Auch
vielerlei Freiherren und Freifrauen nebst Hofstaat und Anhang waren zu
dem Spektakulum angereist. Wohl an die hundert Herren und Damen von Rang
waren zu zählen und ihre Anwesenheit hat sich gelohnt.
Die Compagnia Gelosi präsentierte das Stück "Neue Helden
braucht das Land - ein Riesentheater" aus der Feder ihrer Autorin Carina
Jännert voller Spielfreude vor einem begeistertem Publikum. Mit Humor
und einer Prise Ironie zeigte sie den Zuschauern, wie acht heligonische
Helden auszogen, eine Baronie von einem Riesen zu befreien. Jeder der acht
Recken trug sein individuelles Können bei, um den Riesen zu erlegen,
so dass ein jeder von ihnen am Ende erlangte, wonach ihm verlangte: eine
Trophäe für den Angaheymer, eine Bibliothek für den Thaler
und Met bis ans Lebensende für den Mann aus Drachenhain. Doch nur
im Märchen findet eine Prinzessin bei solchen Gelegenheiten den Richtigen.
Und so ging die Baronesse, die ihre Hand dem Bezwinger des Riesen versprach,
leer aus.
Anlässlich des heligonischen Adelstages uraufgeführt, war
dies die zweite Premiere des Stücks - dieses Mal mit der ursprünglichen
Besetzung, da bei der ersten Aufführung der Darsteller des Drachenhainer
Recken durch die berühmte Bardin Findabair Spinnentöter ersetzt
werden musste. Alcor erlitt einem Arbeitsunfall, da er seiner Rolle zu
sehr gerecht wurde und dem Met erlag. Erst in Falkenhain konnte er zusammen
mit dem Rest des Ensembles, unter ihnen so klangvolle Namen wie der Prinzipal
der Truppe Karr dal Ambra, Clarissa Bruckner, Isabella Accesi, Maria vom
Holzweiler, Jul van Leien, Leonardo Rothner, Gernote de Parbleu, Ali BiBurai,
Heinrich Guller, Jakob Guller, Hanosch Jännert und Andrea Barese,
sein schauspielerisches Können unter Beweis stellen.
So fand die Aufführung zu Recht bei den Anwesenden großen
Anklang und wurde mit begeistertem Applaus und so manchem falkenhainer
Silberrad belohnt. Dank des großen Erfolges verblieb die Compagnia
noch einige Monate im Lande, um auch an mancherlei anderen Höfen ihre
Stücke aufzuführen. Und es wurde verlaut, dass schon allein,
um weitere Gastspiele der Theatertruppe in Falkeinhain zu ermöglichen,
der Hof Falkenhains weiterhin den guten Kontakt zum Lande Heligonia pflegen
wolle. Insbesondere ließ der Baron Grüße an den Freund
der Familie, Koldewaith von Hauzensteyn, Baron zu Luchnar, ausrichten.
Werte namenlose Unbekannte des Oberkommandos der Zweigstelle der telnaronschen
Kopfgeldgilde mit Namen "Nox Perpetua"
Nicht nur das Ihr Euch verfängt in Euren Formulierungen und
Behauptungen von Unschuld und Schuld, nicht nur das Ihr uns als Person
aufs höchste beleidigt und verschmäht -Nein.
Ihr habt es gewagt Euch in unbeschreiblicher Weise den Rat der Drei
zu Telnaron zu beleidigen, zu verunglimpfen und offen zu einer Ächtung
und einem aggressiven Akt aufzurufen. Wisst das die Sache bereits dem Rat
vorgelegt und die ersten Schritte eingeleitet wurden.
Wie sind wir erzürnt, aber auch enttäuscht. Solche Wortwahl,
so tödlich wie von einem blinden Schützen und von solchen Hasenmut.
Gerne würden wir erfahren wer vergebens es versucht uns so mit
tödlichen Worten zu treffen. Solche dreisten Unwahrheiten, Verunglimpfungen
und Beleidigungen von sich gibt.
Tretet heraus aus dem Schutze, bekennt Euch, zeigt Euch und wenn Ihr
Männer seit erscheint auf dem kommenden telnaronschen Adelstage, zu
den wir Euch hiermit auf das herzlichste Laden wollen, werte Freunde.
Hochachtungsvoll
Marquis Consilleur Nial-Luc Roen de Coligny
Zweiter Abgesandter des Rates der Drei zu Telnaron
Telnaronsche Leitkultur als Vorbild
Bedingt durch die kulturellen Unterschiede und die daraus entstandenen
Missverständnisse, auf dem telnaronschen Adelstag sowie die Vorkommnisse
auf dem heligonischen Adelstag in Norrland-Brassach, hat der Rat der Drei
zu Telnaron ein Dekret erlassen. Telnaroner die sich im Ausland aufhalten,
sind Repräsentanten des glorreichen telnaron-schen Stadtstaates. Als
Repräsentanten des telnaronschen Stadtstaates werden alle Telnaroner
dazu verpflichtet die telnaronsche Kultur ordnungsgemäß darzustellen
und zu verbreiten. Ferner behandelt das Dekret, daß gerade ausländische
Gäste sich den örtlichen kulturellen Begebenheiten in Telnaron
auszupassen haben. Frederik de Mars, Vorsitzender Sprecher der ceridischen
Union hat in Telnaron zu diesem Thema das Wort "telnaronsche Leitkultur"
angeführt und geprägt. Die telnaronsche Leitkultur soll bald
als führendes Exportgut in sämtlichen Anrainerstaaten das tägliche
Leben verschönern. Diese telnaronsche Leitkultur ist aber nicht zu
verwechseln mit der Jahrhunderte alten, hochgepflegten telnaronschen Streitkultur,
die sich in ständigen Duellen und anderen Arten der Satisfaktionen
äußerst.
Artikel aus der Telnaronschen Gerüchtekontrolle Ausgabe
4
Höret, Höret,
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund
und zu wissen:
Primo:
Baron Foranan Mc Donough von Flaitney, wird zum Dank seiner tapfren
Verdienste um die Ergreifung und Festsetzung des Verbrechers Kadhan, genannt
der Schlächter von Wiesensteig, der Wunsch gewährt und Croithnóna,
die Hauptstadt der Baronie, erhält vom heutigen Tage an das Marktrecht
verliehen. Möge der Handel erfolgreich und der Gewinn beträchtlich
sein!
Secundo:
Die vormalige Baronie Hochaskenstein sei fürderhin zur Abtei Hochaskenstein
deklariert. Abt, und somit Herr im Sinne eines Barons, wurde durch des
Fürsten Wort und Willen der Hilariusitenpriester Bruder Erlind Hilarian.
Möge dem Ehrwürdigen Vater eine lange und segensreiche Regierung
beschert sein!
Gegeben im Monde der Erleuchtung.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von
Drachenhain
Schafe, die denken
Oh wie freut es den Aufrechten, wenn wieder ein Schäflein,
das bereit ist zu denken, von den Leithammeln dafür ausgesondert und
von der Herde fortgestoßen wird. Dient das doch dazu, den Rest der
Herde willig und jederzeit schlachtbereit zu halten. Nicht daß solcherlei
Fleisch jedem schmecken würde, im Gegenteil sind die nicht geschlachteten
Schäflein, die ihre eigenen Wege hoppeln, seltsamerweise oft die besten,
von edlem Blut und eigenem Geist.
Insofern freut es uns eigentlich noch mehr, solange diese Schäflein
noch in der Herde, da sie ein steter Quell der Unruhe und somit einige
nicht ganz als Opfer geborene Lämmer zum Denken bringen können.
Andererseits findet es doch unser Wohlgefallen zu sehen, daß denkende
Wesen zwar nicht immer wissen, wo sie hingehören, aber früher
oder später von den kreuzhörnigen Leithammeln gestoßen
bekommen, wo sie nicht willkommen sind. Denn das Denken steht den Nutztieren
der Einen Herde nicht zu, was auch Rückschlüsse auf den ganz
oberen Oberhammel erlaubt.
Fühlt Euch geschmeichelt, Prinzessin.
Lara Saarnen, Geweihte der Saarka, OfH-Führerin Heligonia
und Drachenhain
Versuch Prinz Leomar gewaltsam von der Drachentrutz zu tragen scheiterte
kläglich - tiefes Zerwürfnis zwischen Tlamana und Drachenhain
"...Ich bin mit Leomar Hand in Hand (zur Trauung) vor die Götter
getreten und noch immer nenn ich mich seine Ehefrau - selbst wenn die Frist
abgelaufen und bislang keine Verlängerung stattgefunden sein sollte,
das ist mir einerlei!..."
Diese und andere Worte der Baronin von Tlamana, die unlängst vor
großer Zuhörerschaft in Tabruk zu hören gewesen sein sollen,
verdeutlichen, wie ernst ihre Hochwohlgeboren die Pflichten einer Gemahlin
noch immer nimmt. Wie weit die Baronin jedoch tatsächlich für
den Prinzen Leomar nach wie vor geht, ist im folgenden Bericht zu lesen:
Schatten und ein jähes Erwachen
Schattengleich wandeln die finstren Gestalten langsam ihrem Ziele,
dem innersten Kern der Feste Drachentrutz, zu. Jede Säule, jede Arkade
bietet willkommenen Schutz vor Entdeckung. So ist es bereits die vierte
Patrouille, die an den Dreien vorbeischreitet, ohne sie zu bemerken. Auch
Göttin Saarka scheint ihnen gewogen, denn schwarze Wolken verhüllen
den Widerschein ihres fahlen Antlitzes, so dass die Drei eins werden mit
Jagdgobelin, Wandvertiefung und düstrer Nacht.
An der Gesindestube trennen sich endlich die Wege der Eindringlinge,
einer gleitet leise und mit einem weichen Bündel nebst einer bleiernen
Schatulle unter den Armen, eine steile Wendeltreppe hinauf, die anderen
gehen ohne zu Zaudern geradeaus weiter. Die Wachen häufen sich dort
- es ist also nicht mehr weit. Plötzlich, direkt vor den Zweien, ein
Soldat. Doch noch bevor dieser einen Laut von sich geben kann, ist er überwältigt
und zum Schweigen gebracht. Nur die eine Tür trennt sie nun vom schlafenden
Prinzen - von ihrem Ziel. Aus den Lederscheiden zucken die geflammten Dolche,
es ist vollkommen dunkel, dennoch finden sich die Männer auch hier
mit traumwandlerischer Sicherheit zurecht. Schnell und nahezu lautlos ist
das Türschloss mittels der Schneiden aufgesprengt - da hören
sie ihn schon, schnarchend und schmatzend, aber friedlich im Schlafe atmen.
Eilends langen die Eindringlinge nach dem schutzlosen Menschen vor ihnen,
doch was hält dieser da fest in seinen Händen: eine alte Bürste
und ein öliges Schmutztuch? "Das kann nie und nimmer der todkranke
Prinz Leomar von Drachenhain sein!" schießt es ihnen in den Kopf,
da schreit der Mensch in ihren Händen auch schon lauthals nach den
Wachen und es besteht keinerlei Möglichkeit zur Flucht...
Es berichtet Schillwunk, die Feder, Radeweyd,
Drachenhainer Hofberichterstatter
Ja, es sind tlamanische Soldaten höchsten Ranges gewesen,
die sich im Schutze der Nacht Zutritt zu den Gemächern des kranken
Prinzen verschafft haben, um seine Hochgeboren im Schutze der Nacht heimlich
fort nach Tlamana zu bringen. Das stand binnen kurzen fest und wurde noch
am Morgen des nächsten Tages vom Hauptmann der Drachentrutzer Wachschaft,
Kuon vom Isensohn, den aufgebrachten Leuten der Feste verkündet. Zum
genauen Hergang ließ er verlautbaren:
"Den Gaunern ist es auf ihrem Wege zu unserem geliebten Prinzen gelungen
eine Wache zu überwinden, indem sie diese aus dem Hinterhalt kurzerhand
bewusstlos schlugen. Nur der Wachsamkeit des braven Novizen Vigaldus, der
gerade die Rauchfässer ausbürstete, haben wir es zu verdanken,
dass diese wahrlich gefährliche Schurkerei noch einmal glimpflich
ausgegangen ist und die schändlichen Tlamaner Eindringlinge doch noch
von unseren Soldaten gefangen genommen werden konnten und nun im tiefsten
Kerker der Festung einsitzen, um ihrer Anklage zu harren. Es wurde wahrhaftig
mit einer gehörigen Portion Verschlagenheit vorgegangen, da zum einen
die Gutmütigkeit unseres wohltätigen Fürsten Waldemars,
Bettlern gegenüber, schäbig ausgenutzt und zum anderen nicht
davor zurückgeschreckt wurde, sich des Mittels der Brandschatzung
zu bedienen. Wie ihr ja alle wißt war das Feuer von Heute nacht zwar
so gelegt, dass im Grunde nie ernstliche Gefahr einer Ausbreitung bestand,
dennoch nahmen die Tlamaner in ihrem Vorgehen wohlbedacht das Ausbrechen
einer Panik, mit all ihrem Unbill, in Kauf. Und das muss den Eindringlingen
und vor allem ihren Auftraggebern zur Last gelegt werden!"
Für alle lag von vornherein klar auf der Hand, wer all diese Machenschaften
ausheckte - kurz darauf gestand ihre Hochwohlgeboren Baronin Leabell von
Tlamana jedoch auch in einer schriftlichen Erklärung freimütig
in dieser Angelegenheit Auftraggeberin gewesen zu sein, es sei in ihren
Augen die einzige Möglichkeiten gewesen, den sicheren Tod des Prinzen
abzuwenden. Dem Vernehmen nach soll der Grund für diese ihre Handlungsweise
ihre und des Fürsten unterschiedliche Sichtweise, über die Handhabe
und Kur in Sachen Prinz Leomars Krankheit sein. Während auf der Drachentrutz
einzig auf bewährte Heilkunde und das Gebet gesetzt wird, wünscht
man sich in Tlamana - wie im Übrigen auch andernorts - die Hinzufügung
von Magie und Zauberwerk, was dem Fürsten und seinen Beratern in dieser
Angelegenheit allerdings als ein fataler Fehler vorkommt. "Magie ist Lockspeise
des Bösen, noch nie ist daraus etwas Gutes hervorgegangen!" soll Fürst
Waldemar in diesem Zusammenhang zu sagen pflegen, um seine umstrittene
Sichtweise zu unterstreichen.
Wie dem auch sei, dieser Zwischenfall schuf einen tiefen Spalt im Verhältnis
zwischen dem Fürstentum und der südligoniischen Baronie, wie
auch in der Beziehung zwischen Fürst und Baronin, welche früher
doch so ausgeglichen, ja herzlich, schien.
Und obwohl seit dem Tag jener Tat einige Zeit ins Land gegangen ist,
scheinen sich die erhitzten Gemüter noch immer nicht abgekühlt
zu haben. Aus Tlamana war zu hören die Baronin hieße den Fürsten
"Einen
alten N...", der mit dem Leben seines einzigen Sohnes und drachenhainer
Thronfolgers spiele.
Indes erwächst aus der Gefangennahme, bzw. Rückforderung
der drei inhaftierten Eindringlinge nun noch weiterer Streit. Als lachhaft
bezeichnete Fürst Waldemar die Forderung der Baronin, die tlamanischen
Soldaten schadlos wieder Heim zu lassen. Hierzu soll seine Durchlaucht
wörtlich gesagt haben:
"Denen wird nun erst einmal der Prozess gemacht. Seit Ewigkeiten ist
es niemandem mehr gelungen sich unrechtmäßig Zugang in die innersten
Gemächer der Burganlagen zu verschaffen. Nur der ausgezeichneten Kenntnis
Baronin Leabells dieser Drachentrutzer Örtlichkeiten kann hierfür
Erklärung sein, da diese früher, als unsere Schwiegertochter,
fast uneingeschränkten Zugang zu den meisten Gemächern der Festung
genoss!"
Wie sehr die Fronten inzwischen jedoch verhärtet sind mag die
Aussage sein, die Fürst Waldemar einmal anlässlich eines morgendlichen
Kirchganges in die Menge geraunzt haben soll: "Ja, beizeiten vermag man
den Baron Herian viel besser verstehen, warum er zu so manchen Mitteln
greift!..."
Leabell wurde währenddessen kürzlich zum König zitiert
um sich dort für ihr unrechtmäßiges Tun zu rechtfertigen.
Wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, ist die Baronin inzwischen
geläutert und in äußerst gereizter Stimmung von Escandra
heimgekehrt. Auch Fürst Waldemar weilte zu dieser Zeit in der Hauptstadt,
um seine Anklage gegen Baronin Leabell vorzubringen, doch heißt es,
seine Durchlaucht sei, im Gegensatz zu ihrer Hochwohlgeboren, mit fast
frohgemuter Miene zur Feste zurückgekehrt.
Über eine Annährung oder gar einer erzielten Einigung zwischen
Fürst und Baronin ist seither nichts bekannt.
Gegeben auf der Feste Drachentrutz, am 8. Tage des 3.
Helios, 29. n.A.III
Aus der Chronik von St. Gessius
Gegeben zu Kloster St. Gessius, Abtei Hochaskenstein,
am 29. Tag des Heumondes des Jahres 91 n.d.E.
Dies sind die ersten Zeilen, die ich in diese Chronik schreibe. Nachdem
gestern in aller Frühe Bruder Zacharius zum Einen heimkehrte, hat
man mir das Führen der Chronik übertragen. Es war dies die erste
Tat, die der neue Abt durchzuführen hatte. Ich werde versuchen, sie
mit der gleichen Genauigkeit und Würde zu vollziehen, wie dies Bruder
Zacharius vor mir getan hat. So soll denn nun auch mein erster Eintrag
dem neuen Abt gewidmet sein: Erlind Hilarian.
Als verlautet wurde, dass die Baronie Hochaskenstein auf Geheiß
von Fürst Waldemar zur Abtei erkoren werden solle, rieb sich so mancher
im Kloster wohl schon die Hände. Einige meiner Brüder waren stille
Anhänger Jagons von Hochaskenstein und hätten mit Freuden einen
seiner Vettern - nämlich unseren alten Abt Luitga Gratian - auf dem
Throne gesehen. Doch wie schmählich wurde ihre Hoffnung enttäuscht,
als bekannt wurde, dass Bischof Ceridian Aegidio einen anderen für
dieses Amt vorgeschlagen hatte. Und Fürst Waldemar wäre seinem
Ruf als weiser Landesvater nicht gerecht geworden, wenn er Abt Luitga Hochaskenstein
übertragen hätte. Jemand anders musste her, jemand, der nichts
mit den verruchten Taten Baron Jagons zu tun hatte, jemand, dessen Weste
unbefleckt war. Und die Fürsprache des Bischofs für seinen Protegé
den Hilariusiten Bruder Erlind hatte bei der Wahl sicherlich nicht wenig
Gewicht.
Vor einigen Tagen traf der neue Abt endlich ein. Groß war die
Neugierde und noch größer der Neid bei einigen wenigen hier
im Kloster, wenn auch bei den meisten von uns die Freude über die
Wahl überwog. Abt Erlind Hilarian kam am späten Abend an, ganz
im Stillen. Sein Geleitzug war klein, die Ankunft verlief ohne Spektakel.
Und so ist auch der Mann: Wenn auch vom Äußeren groß und
hager mit asketischen Gesichtszügen ist er doch ein Mann, der im Hintergrund
wirkt. Er spricht wenig, wirkt verschlossen und düster. Seit er hier
ist, hat keiner meiner Mitbrüder mehr als ein paar Worte mit ihm gewechselt.
Nur als Bruder Zacharius starb und das Amt des Chronikschreibers frei
wurde, habe ich ihn kennen gelernt. Er ließ mich nach einem Nachmittag,
den er in Klausur verbrachte und die Klosterschriften studierte, auf sein
Zimmer rufen. Einige Herzschläge lang musterte er mich, dann wies
er auf die Chronik. "Kümmere dich hinfort darum", sagte er und damit
war ich entlassen. Wie er darauf kam, mich zum Führer der Chronik
zu erwählen, ist mir ein Rätsel. Bin ich doch der jüngste
unter den Brüdern und entstamme nicht einmal einer adeligen Familie.
Doch vielleicht war gerade dies seine Absicht: Jemanden erwählen,
der wie er nichts mit den Umtrieben in der Baronie zu tun hatte. Wenn ja,
dann hat er den richtigen Mann für diese Aufgabe gefunden und ich
werde ihm für sein Vertrauen in mich gewisslich dankbar sein.
Um meiner Chronistenpflicht genüge zu tun, habe ich mich auch
darum bemüht, die Vergangenheit unseres neuen Abtes zu erhellen. Sein
weltlicher Name war Tallian von Schwarzensteyn. Er entstammt einer alten
beridhaner Adelsfamilie, deren Stammsitz in der heutigen Baronie Tatzelfels
zu finden ist. Just Mitte diesen Jahres wurde einer Kusine des Abtes, Yolande
von Schwarzensteyn, die Vogtei Schattenau in der Baronie Tatzelfels übertragen.
Sechs Brüder hat der Abt vorzuweisen, jüngere und ältere,
von denen jedoch alle Ogeden sind. Unter ihnen ist auch der gefallene Ritter
Arandis von Schwarzensteyn, dessen fraglicher Ruhm auch zu uns gedrungen
ist. Eine Saarka-Geweihte gar ist seine Halbschwester.
Wahrlich, der Eine muss seine Hand schützend über unseren
Abt gehalten haben, dass er ihn als einzigen dieser ogedischen Familie
zum wahren Glauben bekehrte. Vielleicht erklärt dies auch sein zurückhaltendes
und verschlossenes Wesen. Muss er sich doch sehr um das Seelenheil seiner
Brüder und seiner Eltern sorgen. Das Gerücht, dass ein Fluch
seiner Schwester, der Saarkani, daran schuld sein soll, kann ich nie und
nimmer glauben. Dafür ist Abt Erlind Hilarian dem Glauben an den Einen
viel zu sehr verbunden. Möge der Eine stets schützend seine Hand
über ihn halten!
Bruder Arislan
Bericht zu den seltsamen Ereignissen im Lande Luchnar
Schon seit langer Zeit war unheildräuende Kunde aus der Baronie
Luchnar zu vernehmen. Ja, jeder, dem die Geschicke unseres schönen
Herzogtums am Herzen liegt, war von Unruhe ergriffen. So nimmt es nicht
Wunder, daß seine Hochwohlgeboren, Baron Angus McPhee, alles
in seinen Kräften stehende unternahm, um seinem Freund, seiner Hochwohlgeboren
Baron Koldewaiht von Hautzensteyn, und dem Lande Luchnar Unterstützung
zu Teil werden zu lassen.
So schickte er eine Gruppe von Geweihten, drei an der Zahl: Friedjof
Langmesser, Sohn des Xurl, Deadree Mc Phee, Akolytin der Saarka und Daryll
McByron, Sohn des Helios.
Bei unserer Ankunft trafen wir auf Gleichgesinnte, alles Fremde, doch
ein jeder mit Luchnar verbunden. Es würde zu weit führen, jeden
einzelnen zu nennen, wie wohl sie alle es wert wären, denn ein jeder
sollte sich in der kommenden Zeit als guter Freund erweisen. Erwähnen
möchte ich nur Gallory Lland MadRuadh, den Clans-Führer der MadRuadh.
Wir alle wurden freundlich von einem ArdDruidh in Empfang genommen,
der uns auch sogleich über die bittere Lage Luchnars ins Bild setzte.
Rowaine, eine angebliche Ard Druidh, hätte die freche Forderung erhoben,
das sich das Volk Luchnars Wesen aus der Anderswelt zu unterwerfen hätten.
Dieses Volk, Alfare genannt, seien die wahren Herrscher des Landes. Der
ArdDruid und seine Begleiter fanden deutliche Worte ob dieses Ansinnens
und verkündeten, niemals würde man sich unterwerfen. Wer Hochländer
kennt, weiß, das dies keine leeren Worte sind. Er bat uns, ihm zu
folgen, was wir auch bereitwillig taten.
Kaum hatten wir uns durch den dunklen Forst in Marsch gesetzt, begegneten
wir auch bereits den ersten Alfaren. Keiner von diesen wirkte feindselig,
doch, wie meist bei Wesen, die Teil der Anderswelt sind, machten sie einen
entrückten Eindruck, kaum ließ sich ihren Äußerungen
Verständliches entnehmen. Eine der Alfare gab uns sogar eine Schriftrolle
zum Geschenk. Dennoch blieben wir auf der Hut vor ihnen, zumal da es schien,
sie wollten uns vom Wege abringen und in eine andere Richtung weisen. Was
wir nicht begriffen - es war ihre Art, eine Warnung zu geben.
Denn nicht lange und die Unsrigen gerieten in einen Hinterhalt. Ein
Mann mit einer schwarzen Maske führte eine Gruppe Krieger gegen uns.
Sie verwundeten dabei eine Poenageweihte, die einzige unseres kleinen Haufens.
Tapfer wurden sie von den Unsrigen bekämpft und schließlich
zogen sie sich zurück, so rasch wie sie aufgetaucht waren. Die Tochter
der Poena aber lag im Sterben, und so wir uns alle im Gebet auch mühten,
sie verschied. So hatten wir den ersten Toten zu beklagen.
Doch Poena in ihrer Güte schenkte uns Beistand. Nicht weit ab
stand eine verlassene Bauernkate, in der sich just Licht erhob. Wie groß
war unser Erstaunen, als wir in dem Gehöft, das wir verwaist und verfallen
gewähnt hatten, von braven Leuten empfangen wurden - ja, sie sagten,
man habe uns erwartet. Auch Essen war für uns bereitet und wir alle
waren froh und dankbar, daß wir in eine warme und gastliche Stube
kamen. Zwar dünkte uns alles sehr sonderbar, doch schenkten wir schließlich
der freundlichen Aufnahme Glauben. Zu Recht, wie wir merkten. Über
das gute Essen ging die Zeit hin, auch versuchten einige die Schriftrolle
zu übersetzen, leider mit wenig Erfolg.
Zu späterer Stunde kamen zwei weitere Gäste an, Wanderer,
des Hochlandes unkundig, denen durch die Hausleute ebenfalls Gastrecht
gewährt wurden. Sehr zum Ärger aller anderen Anwesenden, denn
es waren Ceriden, ja, mehr noch: ceridische Missionare. Unbehagen breitete
sich unter uns aus, umso mehr, da einer der beiden versuchte, ein Kreuz
am Hause anzubringen, was der ArdDruidh jedoch verhinderte. Zuviel Arges
ist im Namen dieses Zeichens geschehen. Vollends empört war man, als
sich herausstellte, das die beiden in Begleitung von Cederric U'Mad nach
Luchnar gekommen waren. Beinahe wäre das Temperament der Hochländer
zum Tragen gekommen, doch die Hausleute griffen beherzt ein und erinnerten
uns an das ausgesprochene Gastrecht, einer Tradition die dem Hochländer
heilig ist. Auch sind wir Ogeden dem Leben verpflichtet und beurteilen
Menschen nach ihren Taten, nicht nach ihrem Glauben. Gleichwohl, die Gäste
legten sich aufgewühlt zu Bett, einzig einige Clankrieger der MadUaine
hielten Totenwacht bei der verschiedenen Poenageweihten, die aus ihrem
Hause stammte.
Wie der Abend geendet hatte, so begann der Morgen, mit allerlei Aufregung.
Einmal waren die beiden Ceriden des Nachts entwichen und man sorgte sich,
was sie wohl treiben würden, zum anderen waren einige aus unserer
Mitte gleichfalls verschwunden. Wie sich herausstellte waren diese der
Einladung von Wasseralfaren gefolgt und hielten sich am Bergsee, der nicht
weit von dem Gehöft lag, in ihrer Gesellschaft auf. Sie wurden rasch
zurückgeholt und gescholten, wegen der Sorge, die sie uns bereitet
hatten, denn sie waren wohl mehr oder minder freiwillig dort.
Solcherart begann also der Tag und die Seltsamkeiten nahmen kein Ende.
War doch die Hütte, die uns so gastlich beherbergt hatte über
Nacht gealtert. Auch von den Wirtsleuten fehlte jede Spur. Doch blieb uns
nicht viel Zeit über die Bedeutung dieser Vorkommnisse zu rätseln,
den einmal mehr wandte sich der ArdDruidh an uns. Die Bindungen zur Anderswelt
hätten sich verstärkt und er sei sich sicher, das hier in der
Umgebung der Schlüssel zum geheimnisvollen Treiben zu finden sei.
Nach einer Feierstunde der Viere brachen wir also auf um die Umgebung zu
erkunden.
Auf der Wanderung trafen wir wieder auf Alfare, die sich uns einen
Teil des Weges anschlossen, wohl um zu ergründen, was die drolligen
Menschen nunmehr umtreibe. Einer der Alfare, der sich als Herr des Waldes
vorstellte, überreichte uns einen Beutel mit Dingen des Waldes. Hier
sollte ich vielleicht etwas zur Natur der Alfare einflechten: Ihrer Art
sind uns drei bekannt. Alfare des Waldes, Alfare des Wassers und Alfare
des Moores. Nur mit den ersten beiden hatten wir Begegnungen und, wie gesagt,
sie erwiesen sich als freundlich. Sie schienen nicht das geringste Interesse
an der Herrschaft zu haben, die Rowaine in ihrem Namen gefordert hatte.
Nichtsdestotrotz hatte ich schwere Bedenken, als sich Friedjof entschloß,
die Einladung einer der Wasseralfare anzunehmen. Mir deuchte auch, das
er nicht ganz Herr seiner Sinne war. Aber vielleicht war er auch nur in
Liebesglut entbrannt, denn lieblich anzusehen war diese Alfare gewiß.
Nur so scheint mir erklärlich, das er, der er einer der wenigen, um
nicht zu sagen der einzige Heilkundige unter uns, sich seiner Pflichten
entledigte.
Solcherart geschwächt zogen wir weiter und erreichten drei Zeugensteine,
die, entgegen der üblichen Art ihrer Verwandten lustig sangen. Ihr
Gesang war Bericht aus vergangenen Tagen, den ich nur im Sinn wiedergeben
will. Ein ArdDruidh hatte um ein Gesicht gebeten. Drei Fragen stellte er:
Würde der Preis seinem Volk schaden? Würde es sein Volk unzufrieden
machen? Und würde es den Frieden des Landes stören? Stets war
die Antwort Nein, und so wird er wohl den Preis entrichtet haben. Doch
wofür und wozu? Dies wußten auch die Steine nicht zu sagen,
wiewohl sie lebhaft auf unsere Fragen antworteten. Auch gaben sie eine
weitere Prophezeiung, die ich hier jedoch nicht wiedergeben will, denn
sie hatte nichts mit den Ereignissen zu tun, die berichtet werden sollen.
Man kann sagen, das wir nun vollends verwirrt waren. Doch schließlich
erzählte uns der ArdDruidh, das es in früheren Zeiten vier Clans
gegeben hatte. Das Wissen darum wurde von den Druidhs als Geheimnis gehütet,
doch schien es ihm an der Zeit, es preis zu geben. Ich will auch nicht
länger hinter dem Berg halten, was es hiermit auf sich hat, wiewohl
wir es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zusammengereimt hatten. Dieser vierte
Clan, den man auch die Moorwölfe nannte, war wohl in die Anderswelt
gewechselt und hatte sich mit den Alfaren des Moores vereint, möglicherweise
sogar vermischt.
Bald schon begegneten wir ihnen. Einige ihrer Krieger lauerten uns
auf. Es kam zu einem kurzen Kampf, dann verwandelten sie den Weg in Sumpf
und zogen sich wieder zurück. Sie waren es auch, die uns am Abend
zuvor überfallen hatten. Und sie wiederholten Rowaines Forderung,
Luchnar möge sich den Alfaren beugen und von ihnen lernen.
Sicher gäbe es noch manches über den Marsch zu berichten,
doch sind dies Einzelheiten, die ich nicht weiter vertiefen will, außer,
das die Alfare des Waldes noch weitere Geschenke für uns hatten.
Zu unserem Ausgangspunkt zurückgekehrt trafen wir seine Hochwohlgeboren,
Baron Koldewaith von Hautzensteyn an. Zusammen mit dem ArdDruidh beratschlagten
er und die Gäste, was nun zu geschehen habe. Da deutlich wurde, daß
sich ein Cearn, ein unnatürlicher Spalt zur Anderswelt in der
Nähe befand, wurde beschlossen, sie in einem Ritual unter Anrufung
Poenas und des Landes Luchnar selbst zu schließen. So teilten wir
uns in drei Gruppen, eine sollte das Ritual dämpfen, damit das Unsichtbare
nicht aufmerksam werde, eine sollte den Geist des Landes beschwören
und eine Poena um Hilfe bitten.
Das Ritual ließ sich gut an, doch nach und nach versanken wir
alle in eine unnatürliche Trance, aus der wir alle erst wieder erwachten
als Rowaine und ihre Getreuen aus der Anderswelt gestürmt kamen und
Baron Koldewaith von Hautzensteyn und den ArdDruidh verschleppten. Nun
waren wir alle gedrückter Stimmung und auch ausgelaugt, durch das
Ritual. An Verfolgung war auch deshalb nicht zu denken, weil der Cearn
geschlossen war.
So kehrten wir zum Lager zurück um uns zu beraten. Dort erwartete
uns die Schwester des Barons, Vyslaine von Hautzensteyn der wir die traurige
Kunde des Geschehenen geben mußten. Dennoch war keiner bereit den
Mut sinken zu lassen. Jeder tat nach Kräften, was in seiner Macht
stand. Die Gelehrten konnten nunmehr die Schriftrolle entziffern und Deadree
gelang es, die Geschenke der Alfare zu enträtseln. Mit ihnen wäre
es wohl möglich, in die Anderswelt zu gelangen. Dies bestätigte
auch der Inhalt der Schriftrolle.
So faßten wir neuen Mut, sammelten uns und waren bereit, dem
Baron und dem ArdDruidh zu Hilfe zu eilen. Uns zur Seite stand der Bruder
des Barons, Cederric U'Mad, der überraschend zu uns gestoßen
war, was mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Gleichwohl, jede
Hilfe war willkommen, bangte doch gerade die Schwester des Barons um ihren
Blutsverwandten.
Wir sammelten uns also und erklommen eine kleine Anhöhe um auf
eine Wiese zu gelangen. Doch noch bevor wir unseren Plan in die Tat umsetzen
konnten, trat uns Rowaine mit ihren Getreuen entgegen und forderte die
Geschenke der Alfare für sich. Da sie den Baron in ihre Gewalt gebracht
hatte, waren wir machtlos, denn der Baron sollte nicht gefährdet werden.
Doch da nutzte Cederric die Gelegenheit. Wohl hatte die heimatlich Scholle
und der Ruf des Hochlandes ihn wieder erinnert, wer er war und Poena selbst
führte seine Hand bei seinem Tun. Im Vorwand, zu haben, was Rowaine
begehrte, trat er an sie heran und mit einem einzigen Stich seines Dolches
beförderte er sie vom Leben zum Tode.
Ihre Anhänger, kaum daß sie begriffen hatten, was geschehen
waren, entbrannten im Zorn und eine Schlacht hob an. Doch da traten Alfare
zu uns und geboten Einhalt. Sie selbst erklärten, in ihrem Namen solle
es keinen Kampf geben und Menschen und Alfare sollten nicht übereinander
herrschen. Dies hörte die Moorwölfe nicht gerne, doch sie stellten
den Kampf ein und zogen sich in die Anderswelt zurück.
Der Baron war wohlauf und wir alle waren froh, das Luchnar nunmehr
die schweren Zeiten wohl hinter sich hatte. In einer kurzen Andacht dankten
wir den Vieren für ihre Hilfe und Unterstützung und zogen wieder
in unser Lager. Cederric U'Mad war verletzt worden, doch durch die Hilfe
des Xurlgeweihten war er bald wieder wohl auf. Einzig das Schicksal des
ArdDruidh bleibt ungewiß. Wir alle beten für seine baldige Rückkehr.
Berichtet durch Daryll McByron
Suche nach der Drachenmelodie
Die Ereignisse in Luchnar ließen keine gezielte Suche zu
nach der Melodie, die den Eisdrachen besänftigt. Der bekannte luchnische
Sänger Mick Farcaon MadUaine hat aber veranlaßt, daß sämtliche
Barden Luchnars Aug und Ohren offenhalten, wohin ihr Weg sie gerade führt.
Baron Koldewaiht ließ seine Bibliothek durchsuchen, jedoch bisher
ohne Erfolg.
Es steht zu hoffen, daß nun, wo scheinbar Friede in Luchnar eingekehrt
ist, mehr Zeit für Hilfe bleibt. Jedenfalls reiste bereits ein Druidh
in Begleitung von Mick Farcaon sowie einem Abgesandten des Barons nach
Croithnona.
Unruhen beim Jolbrucker Tafeltag in Jolbenstein
Am 13. Tag des 3. Helios findet in Jolbenstein in jedem Jahr ein
Dankfest an Poena statt, die durch die Fruchtbarkeit ihres Leibes und ihren
Schutz ein gutes Ertragen sichert. Im Jolbrucker Tempel, volksmündlich
"Zu Poenas Segen", legen jolbensteiner Bürger, vom einfachen Bauern,
der ein Grundpfeiler jedes Landes ist, bis zum Freiherren und Vogt
einen kleinen Teil des jährlichen Ertrages auf die Tempelstufen. Eine
Hand voll Saatgut wird ebenfalls beigelegt, so daß die kommende Ernte
ebenso poenagefällig sein möge. Die Armen dürfen an den
Feierlichkeiten auf dem Tempelvorhof die geopferten Gaben untereinander
teilen.
Dieses Jahr nahm die Baronin Jefferindell Karelia höchstpersönlich
teil, zum ersten Mal in ihrem Amt. Sie eröffnete die Dankesfeierlichkeiten
des abends mit erhobenem Kelche. Als die Priesterin des Tempels zum Segensspruch
ansetzte, ereignete sich empörendes. Eine Pöbelansammlung erhob
die Stimme zu einem lästerlichen Gesang. "...danket dem Einem, er
bescheret euch dies all,...Lobet und Preiset,... seid dankbar das ER euch
zu essen gab...durch Seine gütige Hand blieb die Ernte verschont..."
. Die Armen, die zuvor voll inbrünstiger Dankbarkeit der Göttin
dankten, gerieten in Rage und bewarfen dies lästerliche Volk mit Obst
und Gemüse, das griffbereit vor ihnen lag.
Die Aufruhr wurde rasch in die Schranken gewiesen, handelten doch die
Wachmänner und Gardisten der Baronin schnell und geübt. Gut zwei
Dutzend von dem Lumpenpack wurden für einige Tage in den Turm gesperrt.
Befragungen sollen noch durchgeführt werden. Mit den Armen wurde milde
vorgegangen, handelten sie, wenn auch übertrieben, so doch im Sinne
der Viere. Die Festlichkeiten gingen nach dem vollendetem Segensspruch
noch bis in die Morgenstunden ohne weitere Störungen vonstatten.
Betis - Hier wird Gastfreundschaft groß geschrieben!

Der Erwählten der Saarka, Maline Vogtin zu Mahanel
Dia dhuit, verehrte Maline,
Der Aufschub, den ihr mir gewährtet, hat sich nun länger
ausgedehnt als erwartet. Spätestens zur Ernte wollte ich in Mahanel
eintreffen - zur Ernte des vergangenen Jahres. Seitdem ist mehr geschehen,
als ich mit gewünscht hätte. Doch scheint es nun, als ob Ruhe
in mein Land eingekehrt ist und es mich länger entbehren kann als
einige Tage. Mögen die Götter geben, daß ich mich nicht
täusche.
Ich werde deshalb mein Versprechen einlösen und Euch in Mahanel
einige Zeit zur Hand gehen. Wie vereinbart, wird meine jüngste Schwester
Vyslaine Roswiht mich begleiten und sich ebenfalls nützlich machen.
Sie ist an Saarkas Weisheiten sehr interessiert.
Slan leadh, Erwählte
Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar
Prior Lupus von Lindfurt ermordet aufgefunden
Am Abend des 26.Tages des Erntemondes mussten die Priester der
Abtei Lindfurt schreckliches entdecken: Prior Lupus wurde erdrosselt in
seiner Kammer aufgefunden, seine Hände waren zum Gebet gefaltet. Neben
der Leiche wurde, so die Angaben des Kommandanten der Lindfurter Landgarde,
ein Schriftstück mit folgendem Inhalt entdeckt: "Wer den Einen betrügt
soll dafür büßen."
Als Bischof Ceridian Aegidio von dieser abscheulichen Tat hörte
veranlasste er zugleich einen Trauergottesdienst für den 29.Tag des
Erntemondes, an welchem neben Abt Ditonius und dem Edlen Giselher von Mühlenheim,
seines Zeichens Erzkanzler des Fürstentums Drachenhain, auch Primus
Pacellus selbst und die Familie Corvese aus Betis teilnahmen. Von dem Täter
fehlt bislang jede Spur.
Adveri seit Jahren der Baronie Drachenberg habhaft -Waldemar zieht mit
neuem Schwertführer gegen die Rebellen-
In den Abendstunden auf der Feste Drachentrutz. Seine Durchlaucht
Fürst Waldemar von Drachenhain sitzt gemütlich mit dem Ordensmarschall
der Templer zu Ankur, Hadebrand von Grauburg, im behaglichen Kaminzimmer.
Die Männer trinken Punsch und spielen Ceridisch-Darok. Fürst
Waldemar erwägt einen Kartenwechsel, schließlich stechen die
Mönche die Nonnen - ein Schmunzeln umspielt seine Lippen ob des Wortspieles.
Gerade setzt seine Durchlaucht an zu handeln, da klopft es heftigst gegen
die Eichentür. Unwirsch läßt der Fürst bitten und
ein Lakai stolpert stürmisch in das Gemach: "Herr, die Thaler haben
einen berittenen Boten mit einer wohl äußerst dringlichen Nachricht
aus Hochanthen geschickt, soll er vortreten?" "Her mit ihm", brummt Waldemar
aus seinem Bart.
Der Bote tritt ein, verbeugt sich und begrüßt den Fürsten
nach allen Regeln der höfischen Sitte und reicht ein versiegeltes
Schreiben. Das Wachssiegel zeigt die Eule des Fürstentum Thal und
es sind blausilberne Bänder eingelassen. Sofort reißt seine
Durchlaucht das Schreiben auf und kaum dass er selbiges überflogen
hat, entfährt ihm ein donnerndes "Potztausend nochmal!". Der Ordensmarschall
Hadebrand blickt ihn fragend an und bietet an zu gehen, um den Fürsten
nicht bei seiner Regierungsarbeit zu stören. Der Fürst macht
jedoch eine beschwichtigende Handbewegung und wendet sich seinem Gast zu:
"Nein, nein, mein Guter. Einen Mann wie Euch kann ich gerade in dieser
Situation gut gebrauchen. Lest!"
Hadebrand nimmt das Papier entgegen und liest im Schein des Feuers
die folgenden Worte.
"Verehrter Waldemar,
Fatales ist uns zu Ohren gekommen, was uns veranlasste Euch sofort
davon in Kenntnis zu setzen. Wir wissen, wie ungern Ihr in Eurem allabendlichen
Kartenspiel gestöret werdet, doch wiesen wir unseren Boten an, Euch
diese Botschaft unter allen Umständen und ohne Verzug zu überbringen.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann davon ausgegangen
werden, dass sich der Feind unerkannt in Eure Mitte geschlichen hat. Wir
sind davon unterrichtet worden, dass die Baronie Drachenberg von Spießgesellen
Adveris unterwandert wurde und das vermutlich schon seit vielen Jahren.
Da ich mir sicher bin, dass ihr wisst wie ihr der Sache begegnen müßt,
bieten wir Euch den brüderlichen Schulterschluß an. Eure Hand
soll unseren Schwerthieb lenken.
Gezeichnet Fürst Bartha von Thal"
Der Grauburger läßt entsetzt das Schreiben sinken und wendet
sich mit fester Stimme an den Fürsten: "Euer Durchlaucht, wenn ich
Euch in irgendeiner Weise in dieser Sache dienlich sein kann, dann lasst
es mich wissen!
Mein sechs Dutzend starker Ulaken-Troß und ich stehen helfend
an Eurer Seite." Der Fürst mustert den aufrechten Kämpen vor
sich mit durchdringendem Blick: "Wenn ihr mir helfen wollt, dann erweist
dem Fürstentum Drachenhain die Ehre und tragt dieses Schwert."
Waldemar nähert sich einer mit Schnitzwerk verzierten Truhe, unweit
des Kamins, öffnete diese und holt daraus das in Samt eingeschlagene
Schwert seiner Vorväter hervor, dessen Träger seit jeher der
Schwertführer des Landes Drachenhain ist. Der Ordensmann schluckt
schwer und tritt eine Schritt zurück: "Euer Durchlaucht, wollt ihr
in dieser Ur-Drachenhainer Sache nicht auch einen Drachenhainer betrauen?"
Ein Schatten fällt auf Waldemars Gesicht: "Wie ihr wißt,
Marschall, befindet sich ein Großteil meiner Vasallen im Kampf gegen
den Ödling und außerdem erlaubt diese Sache keinerlei Zögern.
Deshalb frage ich Euch Hadebrand, seid ihr mein Mann?" mit diesen Wort
hält er dem Ordensmarschall der Templer von Ankur das Heft der Waffe
in ritterlicher Manier entgegen. Ohne weitere Worte zu verlieren packt
Hadebrand das Schwert mit festem Griff.
Ein kurzes Protokoll über den Feldzug des Fürsten und seiner
Mannen gegen die verschwörerische Baronie Drachenberg
von Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von Drachenhain
Im Nu wurde auf der Feste Drachentrutz ein stattliches Heer mobil gemacht,
an das sich auch die Gäste aus der Markgrafschaft Norrland-Brassach
gern anschlossen. Fürst Waldemar selbst bestieg noch einmal sein altes
Schlachtross und ritt Seit an Seit mit dem neuen Schwertführer Drachenhains,
Hadebrand von Grauburg, dem Feinde entgegen. Zuvor hatte es reges Planen
mit dem Fürsten von Thal gegeben, wonach beschlossen wurde, dass das
Templer-Drachenhainsche Heer von Norden kommend gegen Drachenberg und die
Thaler von Süden her den Gegner in die Mangel nehmen sollte. Dem Fürstentume
oblag außerdem die Aufgabe Windenbork, die Hauptstadt der verräterischen
Baronie, zu belagern bis die Truppen vom Norden einträfen.
Die geheime Botschaft des Fürsten von Thal zeigte sich recht bald
bestätigt, bereits die erste drachenberger Ansiedlung, wenige Wegstunden
von der Drachentrutz entfernt, war bis oben hin - so stellte es sich nach
kurzer Untersuchung heraus - von den verbrecherischen Rebellen infiltriert.
Dem Einen sei Dank war die Überraschung auf Seiten des Fürsten
und seines neuen Schwertführers. Die drachenhainer Truppen samt ihrer
treuen Gäste und Kampfgefährten, den Templern, nahmen die Stadt
im Streich wieder in ihre Gewalt, ohne auf nennenswerte Gegenwehr zu stoßen.
Fürst Waldemar zeigte sich über die Maßen empört darüber,
dass ein drachenhainer Volk über so lange Zeit hinweg mit diesem erklärten
Feind des Königs gemeinsame Sache machte und das anscheinend aus tiefster
Überzeugung. Der Fürst kündigte als Reaktion hierauf intensive
Untersuchungen und harsche Maßnahmen an. Beispielsweise soll in jeder
zurückgewonnen Ortschaft ein Inspektor, samt einiger Mannen, zu Untersuchungszwecken
abgestellt werden. Die Abscheu seiner Durchlaucht auf die elenden Drachenberger
geht sogar so weit, dass er ankündigte mit eisernem Besen durch das
Land zu kehren und keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Gerüchten
zufolge bezieht sich das selbst auf den Namen der Baronie und einzelner
Städte.
Nachdem das erste Zusammentreffen mit dem Feind noch glimpflich vonstatten
ging, verlief das Vorgehen beim darauffolgende Dorf von Grund auf anders.
Denn dessen Anwohner waren bereits vorgewarnt und hatten sich längst
verschanzt. Ein Pfeilhagel empfing deshalb den Fürsten und seine Mannen
schon auf dem Weg zu dem Anwesen, was viele brave Soldaten mit ihrem Leben
bezahlen mussten. Doch der Kriegstross ließ sich davon nicht entmutigen
und noch weniger stoppen: Hadebrand selbst stürmte mit erhobenem Schwert
auf das Dorf zu, seine Templer folgten ihm im Galopp. Im Nu war man über
sämtliche Schanzen gesprungen und hatte die Gegner mit einigen Hieben
im Nahkampf niedergemacht.
Auf ihrem Feldzug gen der Hauptstadt Windenbork ging es auch ein anderes
Mal höchst gefährlich zu, so wäre der Fürst fast selbst
einem Anschlag zum Opfer gefallen, hätte nicht ein Tempelritter unter
heldenhaftem Einsatz seines Lebens das seiner Durchlaucht errettet. Als
ginge es um den Ordensmeister selbst, schützte er mit seinem Schilde
den Körper des Fürsten, um dann selbst ohne Deckung von einem
Bolzen darniedergestreckt zu werden.
Das Opfer des Eobert von Gasvin wird sicherlich nie vergessen werden
in Drachenhain.
Auf dem weiteren Weg nach Süden zog das Heer des Fürsten
durch noch so manchen Ort und so manche Stadt, doch wirkliche Gegenwehr
erfolgte nur noch in den seltensten Fällen. Die Kriegslist der beiden
Fürsten, von Norden und von Süden her zeitgleich Angriffe zu
starten, schien also aufzugehen, da die Rebellen von der Hauptstadt aus
keine Instruktionen mehr erhielten und somit Handlungsunfähig waren.
Als man das bereits in thaler Belagerungszustand befindliche Windenbork
erreichte, war aber dennoch ein Drittel der Männer heldenhaft zum
Einen gegangen - Drachenhain wird ihrer ewig gedenken!
Seitdem nun die Wachablösung der braven Thaler durch uns Drachenhainer
nebst Templern stattfand, ist jetzt lediglich ein Tag vergangen. Es wird
sich zeigen, wie dieser Krieg zu Ende geht, mehr gibt es von dieser Stelle
im Augenblick nicht zu berichten.
Aufruf an die freien Bürger von Tagil!
Das Hochland ist schön, doch karg. Die einzige Herausforderung
für junge Tagiler stellt das Einfangen entlaufener Lämmer dar.
Doch nicht mehr lange!
Kommt mit nach Quirin! Ein Land, in dem Milch und Honig fließt.
Die Weiden sind saftig und warten nur darauf, von Tagiler Schafen genutzt
zu werden.
Die herbe Schönheit des Vorgebirges wird in nach Tagiler Art gemalztem
Whiskey ihre Essenz finden und die Hänge werden von den lieblichen
Klängen des Dudelsacks wiederhallen.
In ruhmreichen Schlachten könnt Ihr Euch verdienen und Siedlungsgründe
erringen. Laßt uns Baroness Yalandra von Schattwald zur Hilfe eilen
und ihr Land aus den Fingern ihrer raffgierigen Nachbarn zurückgewinnen.
Honeste vivere et fortiter mori. So steht es über dem Eingang von
Tairngire-Hall: Ehrenhaft leben und tapfer sterben. Nun ist es wieder einmal
an der Zeit, dem Ruf nach Ruhm und Ehre zu folgen.
Wer Uns begleiten möchte, wende sich an seinen Clan-Laird und
melde sich bis zum 15. Tage des nächsten Monats in der Schreibstube
in Tairngire-Hall, auf daß die Vorbereitungen baldigst abgeschlossen
werden können.
Möge Saarka uns Schlachtenglück und Poena uns reiche Ernte
schenken.
Lord Angus McPhee,
Baron von Tagil,
Schlange der Finsternis.
Volk von Tagil!
In jüngster Zeit, vor allem nach der Rückkehr mehrerer
Geweihter von einer Reise nach Luchnar, häufen sich Zeichen und Vorfälle.
Diese, für sich genommen vielleicht unscheinbar, deuten allein schon
in ihrer Zahl auf Bevorstehendes hin.
So träumten mehrere ogedische Geweihte gleichzeitig von einer
Weggabelung. Besondere Beachtung fand der Traum eines kleinen Hirtenjungen,
in dem ihm jeder Gott ein Whiskeyfaß gab. Für sich nichts besonderes.
Doch als der Junge dann den Ort im Moor aufsuchte, der ihm gewiesen ward,
fand er tatsächlich Whiskeyfässer in einem Tümpel neben
dem Wege schwimmen. Er dankte den Göttern und holte alle Fässer
an Land. Sehr verwundert war er jedoch, daß es nicht derer vier,
sondern sechs waren. Man kann davon ausgehen, daß es sich bei den
Fässern um die Ladung eines der verschwundenen Wagen handelt, die
zu Zeiten der Pustelplag in Teemoranien wohl als Medizin verkauft werden
sollten, dann aber im Moor vom rechten Wege abgekommen waren. Dies ist
eine einfache und einleuchtende Erklärung. Doch der Zusammenhang mit
der Ankündigung durch einen Traum scheint das Wirken der Götter
nicht auszuschließen, sondern vielmehr zu bestätigen.
Da es sich nun eindeutig um ein Mirakel handelt, dessen Deutung in
die Hände erfahrener Geweihter gelegt werden muß, wurden die
Fässer konfisziert und zur eingehenden Untersuchung und Verkostung
bei einem außerordentlichen Treffen der Tagiler Geweihtenschaft gebracht,
welches sich ob des wichtigen und hochprozentigen Gegenstandes starker
Teilnahme erfreute. Die Geweihten, welche in großer Anzahl und mit
einer selten vorhandenen Einigkeit Becher um Becher auf seine mystische
Aussagekraft hin prüften, wußten noch mehr wundersame Zeichen
zu berichten: Ich selbst sah einen außergewöhnlich langen und
hellen Sternschnuppenschauer über Tairngire niedergehen. Bei den McGraths
wurde ein doppelköpfiges Lamm geboren, welches natürlich nicht
lebensfähig war. Ein Stakstangenschnitzer sah im Moor am Horizont
die Segel eines Hochseeschiffes und das, obwohl das Wasser viele Tagesreisen
entfernt und auf keinen Fall in Sichtweite ist. Verwunderlich ist auch
ein Kirschbaum, welcher jetzt im Herbst zu blühen begann.
Derzeit ist unklar, ob die Zeichen in Tagil in irgendeinem Zusammenhang
mit den Geschehnissen in Luchnar stehen. Tore oder vermehrte Aktivität
der Wesen aus der Anderswelt konnten nicht festgestellt werden. Eine Deutung
nun ad hoc vorzunehmen, wäre vorschnell, da es nicht sicher ist, ob
alle Zeichen schon bekannt geworden sind. Darum ergeht hiermit die Aufforderung
an das Volk von Tagil, der Geweihtenschaft Kenntnis von Zeichen und Mirakeln
zu geben, auf daß nichts Wichtiges übersehen werde. Mystische
Dinge geschehen und hinterlassen eine Ahnung der bevorstehenden Veränderungen
in der Luft zurück. Laßt uns die Augen aufhalten, auf daß
wir sehen und verstehen, was uns die Götter darbieten.
Darryl McByron, Heliosgeweihter zu Tairngire
Zusatz der Redaktion zu diesem Artikel:
Ein freier Mitarbeiter des Heliosboten, Poenageweihter Jule aus
Drachenhain, mußte über diesen Artikel schmunzeln. Die Geweihten
scheinen mit dem hochprozentigen Inhalt der Fässer wohl nicht ganz
fertiggeworden zu sein, Darum überprüfte Jule einige der vermeintlichen
"Wunder":
Das doppelköpfige Lamm konnte vom Professor der Ovosophie der
Universität zu Tairngire bestätigt werden. Er erklärte jedoch,
daß das Vorkommen eines solchen auf die Schafseuche aus Flaitney
zurückführbar sei und nicht gleich als Götterzeichen gewertet
werden solle. Eine Prüfung des mütterlichen Schafes und der restlichen
Herde müsse noch durchgeführt werden.
Das Segel, welches im Moor am Horizont gesehen wurde, hatte sich später
wohl als ein vom Winde verwehtes Laken erwiesen, welches sich an einem
Ast verfangen hatte.
Der im Herbst blühende Kirschbaum aber war nichts weiter als ein
Scherz, ein Streich, den ein paar Kinder ihren Eltern spielen wollten.
Die Blüten stellten sich als aus Pergament gebastelte Kunstwerke heraus.
Die Eltern sinnen nun über eine Vermarktung nach.
Über den Sternschnuppenschauer, den der Verfasser des Artikels
gesehen haben will, können sicher auch viele gewöhnliche Menschen
nicht nur aus Tagil berichten - wenn sie genug Meth, Wein oder Uisge zu
sich genommen haben.
Einzig das Rätsel um den Jungen, der die Fässer im Moor gefunden
hat, stellte eine Herausforderung dar. Doch nach einigen Recherchen erwies
sich auch dieses Wunder als nicht von den Göttern bewirkt.
Tatsächlich hatte der Junge sechs Fässer im Moor gefunden.
Der Traum allerdings war geschwindelt. Die Eltern erzählten folgende
Geschichte: "In der Nacht ist unser Sohn heimlich aufgestanden und hat
sich aus dem Haus geschlichen. Wir hatten schon länger den Verdacht,
dass er sich heimlich mit der Tochter von Holdrim (Anm. d. R.: Name geändert)
trifft. Wir sind ihm dann nachgeschlichen, weil wir uns gewissheit erhofften.
Aber der Junge ist schnurstraks ins moor gerannt. Er wusste genau, wo er
hinmusste, als wäre er den Weg schon des öfteren gegangen. An
besagter Stelle kramte er etwas aus seinem Hemd, wir waren zu weit weg,
um zu sehen, was es war. Nach einer Weile hörten wir so etwas wie
plätschern. Wir nahmen an, er habe - na ja - Du weisst schon... aber
tatsächlich hat er sich wohl eine Flasche abgefüllt.
Jedenfalls haben wir ihn dann zur Rede gestellt und er erzählte
von dem Traum, den er heute Nacht gehabt habe und zeigte uns die sechs
Fässer, von denen eines oben angestochen war."
Von den Freunden des Jungen schliesslich erfuhr Jule nach längeren
Nachforschungen, daß er wohl schon seit mehreren Wochen damit geprahlt
habe, er habe Fässer im Moor mit irgendwelchem Zeug gefunden, das
voll gut rieche und schmecke. Den Traum habe er erfunden, damit keine weiteren
Fragen der Eltern kamen.
Es bleiben die Träume der Geweihten, welche wahrlich ein Zeichen
der Götter sein mögen, doch sei dieser Schluss den Lesern überlassen.
Besucht Betis! - Zielort der Tour von Heligonia!

Die außerordentliche Clanratsitzung in Tairngire
Lord Angus Mc Phee, Baron von Tagil beruft außerordentliche
Clansratssitzung ein.
Am 1. Tag des 1. Xurl 29. n. A. waren die Lairds und ihre Berater zu
einer Ratssitzung geladen.
Unter anderem nahmen Teil Laird Marty Mc Aaron, Laird Ian Mc Grath,
Brian McPhee und Abgesandte der kleineren Clans. Unter den Teilnehmern
herrschte gespannte Erwartung, aus welchem Grund Lord Angus diese überraschende
Sitzung einberufen habe. Dementsprechend machten die unterschiedlichsten
Gerüchte die Runde. Viele meinten, die gespannte Lage zwischen Fürst
Waldemar von Drachenhain und seiner Lordschaft hätten ihn zu diesem
Schritt bewogen.
Nachdem Lord Angus die Anwesenden begrüßt hatte, verkündete
er, es gebe Neuigkeiten von großer Wichtigkeit. Im folgenden die
Worte seiner Lordschaft:
Clansführer! Unser Land ist rauh. Das größte Gut unseres
Landes sind seine Menschen. Deren Liebe zur Freiheit, ihre Tapferkeit und
ihre Findigkeit begründen unseren Wohlstand. Anders als bei manchen
Tiefländern ist Treue zu unseren Freunden kein leeres Wort für
uns. So haben wir über die Jahre viele neue Freunde gewonnen, stets
zum Nutzen Tagils. Nunmehr hat mich ein Ersuchen um Hilfe aus einem fernen
Königreich erreicht.
Durch eine glückliche Fügung des Schicksals bin ich
von meinen Pflichten gegenüber Drachenhain entbunden und kann mich
daher dieser Sache annehmen.
Baroness Yalandra von Schattwald wird durch ihre Nachbarn bedrängt,
die sich heimtückisch ihr Land aneignen wollen. Fürst Waldemar
hat mir anheim gestellt, in dieser Sache zu tun, was ich für richtig
halte.
Ich werde ihrem Ruf folgen. Jeder, der sich berufen fühlt, die
Dame zu
unterstützen, ist mir willkommen. Eure Tapferkeit soll nicht umsonst
sein. Jeder, der hilft die besetzten Gebiete zu befreien erhält dort
Land.
Efarim ist voller lieblicher Auen, saftiger Weiden und großer
Wälder. Das Vieh gedeiht prächtig und der Handel ist gewinnbringend.
Auch sind uns die Ansäßigen Wesensverwand. Ein Wort ist
ein Wort, der Handschlag ist bindend und man kann den Menschen dort trauen,
denn im Gegensatz zu manchen Tiefländern wissen sie was Ehre ist.
Mein Bruder ist bereits mit den nötigen Vorbereitungen befaßt
und ist zuversichtlich, daß er sie bis zum 3. Xurl beendet hat. Alle
die sich anschließen wollen, mögen sich zum 15. des 2. Xurl
in Tairengire Hall melden, auf dass wir einen Überblick gewinnen.
Möge Saarka uns in unserem Tun unterstützen!
So die Worte unseres Lords. Der Plan erhielt vorwiegend große
Zustimmung, auch wenn noch so manche Frage geklärt werden muß.
So zum Beispiel, wer in der Abwesenheit des Barons ihn vertreten wird,
denn sein Bruder Brian Mc Phee wird in dieser Sache nicht zurückstehen.
Nachdem Hethter Mc Phee, Tochter der Saarka noch den feierlichen Segen
sprach, löste die Versammlung sich auf.
Bericht gegeben durch
Daryll Mc Byron, Sohn des Helios
Wortmeldung der beiden Clansführer der anderen großen Clans
Kundgabe des Lairds der Mc Grath, Ian Mc Grath
Endlich! Unsere Gebete wurden erhört! Nunmehr haben wir eine Front.
Viele unserer jungverheirateten Männer haben sich schon mit Begeisterung
als Begleitung unseres Barons gemeldet.Ich selbst werde alle die aus dem
Hause Mc Grath mitziehen anführen. So melde sich ein jeder, der seinen
Clan und die Freiheit liebt!
Gezeichnet, Ian Mc Grath, Laird des Hauses Mc Grath
Die Stimme der Mc Aarons
Unser Baron braucht nun große Krieger an seiner Seite. Viel aus
dem Clan der Mc Aaron haben sich bereits gemeldet, um einer edlen Dame
in Not zu helfen. Besonders freut mich, dass mein Schwiegersohn Duncan
Mc Aaron einer der ersten war, die ihren Beitrag leisten wollen.
Denn als freie Menschen wissen wir am besten, das der Kampf für
die Freiheit große Opfer lohnt.
So rufe ich jeden aus dem Clan der Mc Aarons, der noch zögert
auf, sich der Tradition unseres Hauses bewußt zu sein!
Marty Mc Aaron, Laird des Hauses Mc Aaron

Letzte Meldungen kurz vor Redaktionsschluss:
Aufruhr in Tagil - doch Gegenstoß des Fürsten folgt auf dem
Fuß!
Der Aufruf Baron Angus zur allgemeinen Landflucht und dem damit
einhergehenden Chaos in Tagil, siehe "Aufruf an die freien Bürger
von Tagil!" und "Volk von Tagil!", blieb nicht unbeantwortet. So erhielten,
kurz nach Bekannt werden der aufwieglerischen Hetzreden, 300 in Tagil stationierte
Heliosgardisten auf des Königs Geheiß Marschbefehl auf Tairngire,
nebst auf die Herrschaftssitze der McGarths und der McArons.
Überdies wurden auf Befehl des über die Maßen erzürnten
Fürsten Waldemar von Drachenhain die anliegenden Grenzen zu den Baronien
Rebenhain, Flaitney und Jolbenstein nebst zur Abtei Hochaskenstein, dicht
gemacht. Weder Baron, noch Laird, noch irgend einem Tagiler, egal ob Mann,
Weib oder Kinde, ist es bis auf weiteres gestattet die abtrünnige
Baronie zu verlassen. Zuwiderhandlungen werden mit aller zu Gebote stehender
Härte bestraft. Inzwischen sicherte auch ihre Erlaucht, Regentin Walluma
von Ostarien, die Unterstützung des Herzogtums zu. Das Entweichen
Abtrünniger ist nun auch nach Norden hin unmöglich geworden.
Gegeben im Monde der Erleuchtung.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von
Drachenhain
Aufruhr in Tagil - Höret, höret!
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain erließ
in diesem Zusammenhang folgenden Dekrete.
Primo:
Mitnichten ist der Heliosbrief des Baron Angus McPhee von Tagil eingezogen
worden. Somit bestehen jegliche Treueschwüre, welche die Freien Tagils,
allen voran der Baron selbst, an den Fürsten binden nach wie vor und
in vollem Umfang. !
Secundo:
Die Grenzen der Baronie Tagil sind bis auf weiteres geschlossen. Wer
ab dem heutigen Tage an den Versuch unternimmt sich dennoch davonzumachen,
ist des Todes!
Fürst Waldemar von Drachenhain
Armseliges Verhalten oder doch meisterhafte Ränke?
Randbemerkungen von Bruder Pankraz von der Drachentrutz
Zwar kann seine Hochwohlgeboren, Baron Angus McPhee von Tagil, nichts
von den aktuellen Umtrieben des Adveri Rebellen, und der damit verbundenen
Inanspruchnahme des gesamten restlichen Drachenhainer Heeres, gewusst haben.
Aber war es nicht der Baron von Tagil, der darauf verzichtete mit all den
anderen Drachenhainer Vasallen gegen den Ödling zu ziehen, um das
Kernland nicht schutzlos zu belassen? Und ist es nun nicht der Baron von
Tagil, der wenige Zeit später - noch immer währen schließlich
die Kämpfe im Norden - ganz im Widerspruch zu seinen Worte, das angenehme
Weite sucht? Muss sich der Baron von Tagil nun nicht den Vorwurf gefallen
lassen, nur aus Gründen der kühlen Berechnung gehandelt zu haben?
In den letzten Monden hat der Baron von Tagil nachweislich keine Möglichkeit
ausgelassen, um in argen Streit mit dem Lehnsherrn zu geraten. So liegt
doch auch die Vermutung nahe, dass der Baron beispielsweise all das Possenspiel
um den Verlust der Schwertführerschaft nur inszenierte, um vor der
Zeit aus der Vasallenschaft entlassen zu werden, damit er endlich für
das reiche Quirin frei wäre.
Doch die Rechnung des Barons ist nicht aufgegangen. Denn dieser hat
nicht mit der Treue und Fürsorge des Fürsten Waldemar gerechnet,
der ihn auch in schlimmen Zeiten zwar stets väterlich zurechtwies,
ihn jedoch niemals fallen ließ.
Ich weise darauf hin, dass es sich bei diesen Worten lediglich um ein
Gedankengebäude handelt, das hier für den Leser, zu Zwecken der
Kommentierung, aufgebaut wurde und somit keinerlei Fakten wiedergibt!
"utz-Utz-UTZGAN!!!"
Besucht Darian, hier wird Utzgan mit Spaß gespielt!

Aufruhr in Tagil - Angus erfährt aus eigenem Lande Widerspruch
So erreichte Fürst Waldemar am heutigen Tage das folgende
höchst interessante Schreiben einiger Oberhäupter, der sogenannten
"kleinen", weil landlosen, Clans. Die angeblich so dichten Reihen um Lord
Angus erweisen sich demnach allmählich als recht fadenscheinig und
lichten sich zusehends.
"Euer Durchlaucht,
Ihr solltet wissen, dass Angus nicht für alle Männer und
Frauen Tagils spricht!
Wir, die McCaylor, wissen nichts von Träumen und Visionen ferner
Länder und wollen damit auch nichts zu schaffen haben. Wir lieben
Tagil und werden es nie und nimmer verlassen. Auch die McPipe und die McEicoyd
denken so und schwören Euch und dem König weiterhin Ergebenheit
und Treue!"
Raymon, Mc Caylor
Schillwunk, die Feder, Radeweyd,
Drachenhainer Hofberichterstatter

Ostarien leistet Nachbarschaftshilfe - Grenze nach Tagil vorerst geschlossen!
Voller Empörung las Ihre Erlaucht, Regentin Walluma von Ostarien,
die Eildepesche aus Drachenhain, in welcher Fürst Waldemar Ihr, der
Gemahlin seines Schwagers, der Eine habe Ihn selig, die bedrohliche Situation
in Tagil beschrieb. "... und da so ein Verrat nicht akzeptiert werden kann,
bitten Wir Euch inständig, ein Entkommen der Abtrünnigen über
die Ostarische Grenze zu verhindern ...".
Verrat und Aufruhr! Das hatte die Regentin selbst schon oft genug erleben
müssen. So etwas kann und darf niemals geduldet werden! Seit dem Teemooranienkonflikt
waren die zahlreichen Informationsapparate, die der Obrigkeit zur Verfügung
stehen, zum guten Teil damit beschäftigt, abweichlerische Tendenzen
frühzeitig zu erkennen. Solches Gedankengut konnte aber auch natürlich
von außen über die Grenze getragen werden. Insofern war es nur
gut und richtig sofort etwas zu unternehmen.
Sogleich ließ sich die Regentin Feder, Tinte und Pergament bringen
und begann eiligst entsprechende Briefe zu verfassen.
"Leutnant, sendet folgende Botschaften nach Emarania und Jolberg! Diener,
laßt nach Luidewick von Neuwittach schicken!" Der Verwalter für
Verteidigungsangelegenheiten in Emarania, sollte 200 Mann zur Grenzsicherung
abstellen. Keine Person sollte nach vorheriger Überprüfung die
Baronie Tagil in Richtung Ostarien verlassen. Die Bevölkerung der
Hochlandbaronie solle bis auf Widerruf von der Drachentrutz in Drachenhain
gehalten werden. Der Generalzeugmeister mußte natürlich von
diesen Maßnahmen unterrichtet werden, damit er die Geschehnisse in
die zukünftigen Planungen mit einbeziehen konnte. Der Obrist von Neuwittach,
welcher bei dem Überraschungsschlag in Oraneck solch treue Dienste
geleistet hatte, würde das Kommando vor Ort übernehmen und mit
100 Mann Verstärkungen zu den herzöglichen Truppen in Emarania
stoßen.
Als nächstes sollten die Ostarischen Barone und die Garnisonen
der Heliosgarde im Herzogtum in Kenntnis gesetzt werden. Bei so einer Angelegenheit
mußte man schließlich mit allem rechnen.
Nachdem Ihre Erlaucht, den Obristen empfangen hatte und alles nötige
veranlaßt worden war, verließ die Regentin das Schreibzimmer
des Palastes durch eine Tapetentür hinter der eine enge Wendeltreppe
nach Unten führte. Zu einer effizienten Abriegelung gehörte schließlich
auch die Aktivierung besonderer Kundschafter ... .
Das Wichtigste in Kürze:
Seine Erlaucht beweist Treffsicherheit:
Angilbert I., Herzog Ostariens, hat eine neue Leidenschaft entdeckt.
Unter Anleitung des Herzöglichen Obersthofjagdmeisters übte der
junge Mann mit einer Armbrust, auf verschiedene Atrappen im Hof des herzöglichen
Palastes zu schießen. Dabei traf er den ausgestopften Hirsch unter
dem Jubel der Höflinge und Hofbeamten gleich beim zweiten Schuß
in die Brust. Noch ein wenig mehr Übung, und seine Erlaucht kann in
die Fußstapfen seines jagd- und kampferprobten Vaters treten. Die
Armbrust, eine kleine Spezialanfertigung, bekam der Herzog zu seinem fünften
Geburtstag von Fürst Waldemar von Drachenhain geschenkt.
Brennpunkt Tagil:
Ostarien entsendet nach einer Bitte Fürst Waldemars von Drachenhain
300 Mann zur Grenzsicherung an die Grenze zu Tagil. Dadurch soll eine Abwanderung
der dortigen Bevölkerung ins Ausland verhindert werden.
Innerkirchliches:
Wie der Bischof Ostariens, Falkonius von Regart, ankündigte, werde
er, sobald der Winter seinen eisigen Griff gelockert habe, eine Reise zu
den Abteien und Klöstern Ostariens, sowie auch nach Dunkelstein unternehmen.
Dabei ginge es vor allem um die Festigung und Planung einer gegenseitigen
Zusammenarbeit zwischen den Orden des Herzogtums, sowie einer eindeutigen
Festlegung der Aufgabenverteilung in der neu entstandenen Kirchenstruktur.
Große Tuchmesse zu Ankur:
Vom 5. bis zum 11. Tag des Kargmondes findet in Ankur eine Tuch-
und Textilienmesse statt. Fillipo Caperie, Herr des Ostarischen Tuchimperiums
Caperie, hat zu diesem Zweck extra einige steinerne Lagerhallen räumen
lassen, die dann während der Veranstaltung durch Kohlebecken beheizt
werden sollen. "Es muß doch auch möglich sein in der kalten
Jahreszeit Geschäfte zu machen! Da es im Winter wenig Konkurrenzveranstaltungen
gibt, hoffen wir auf rege Beteiligung.", eröffnete Caperie der Hofgazette.
Alle Textilwarenhändler aber auch Modeschöpfer und Schneider
sowie sonstige Kunden und Interessierte sind eingeladen an der Messe teilzunehmen.
Es wird erwartet, daß die von der Regentin eingeführte "Schwarze-
Spitzenschleier-Mode" hier ebenfalls repräsentiert sein wird.
Kunst und Sport:
Das dramatische Ausscheiden der Mannschaft Bruban Sägebrechts
bei der Tour von Heligonia scheint den Ankurer Komponisten Wolfgrimm Aramantus
Mordshart aufs tiefste beeindruckt und inspiriert zu haben. Schon vor einigen
Monden begann Mordshart mit der Komposition eine "Tour-Suite" in der sowohl
die wichtigsten Etappen des Rennens sowie der schreckliche Unfall der Ankurer
Mannschaft zum Ausdruck kommen sollen. Besonders gespannt sind wir auf
den musikalischen Achssplitterbruch, den uns der Meister als Höhepunkt
des zweiten Satzes ankündigte. Die Uraufführung soll beim Finale
in Betis stattfinden.
Das Amt für öffentliche Information des Marinekurierdienstes
gibt bekannt:
Während eines überraschenden Unwetters in der Jolsee, südlich
des Herzog-Uriel II.-Atolls, ging dem Transportsegler "Brazenbergia" der
einzige Mast über Bord. Kapitän Berengar Riemenschneider versuchte
nach Abflauen des Sturmes das Schiff mit den Booten in Richtung Atoll zu
ziehen. Jedoch wurden die Vorräte schnell knapp und das Schicksal
schien ungewiss. Glücklicherweise wurde der Transporter von der patrouillierenden
Kriegskogge "Ambrosia" entdeckt, welche die Verunglückten ins Schlepptau
nahm und sie so vor dem sicheren Untergang bewahrte.
Von den 27 zur diesjährigen Leutnantsprüfung angetretenen
Seekadetten wurden 10 für würdig befunden in Zukunft als vollwertiger
Marineoffizier Ostarien und dem Herzog zu dienen.
Zur Ödlandflotille der Jolbornflotte wird ab sofort ein weiteres
Ruderkampfschiff sowie ein bewaffnetes Fischereifahrzeug zu Nachrichtenzwecken
hinzustoßen.

Thaler Truppen in Drachenhain
Auszug aus dem Tagebuch von Hptm Kilian Weizenkeim
2. Tag der 3. Poëna
Gestern haben wir im Generalstab die Aktion "Bärenjagd" beschlossen.
Der dafür notwendige Befehl zur Aushebung der Truppen wurde heute
mit Eilboten in alle Kasernen verschickt. Ich denke, daß wir in einem
Monat bereit zum Abmarsch sind.
7. Tag der 3. Poëna
Es sind verschiedene Gerüchte laut geworden, nach denen es zu
ersten Scharmützel an der Grenzen bekommen ist. Sogar im Helios-Boten
ist darüber zu lesen. Ich hoffe nur, daß unseren Spähern
nichts geschieht. Von ihren Beobachtungen in Drachenhain hängt unser
weiteres Vorgehen ab.
21. Tag der 3. Poëna
Eine erneute Befragung der Gefangenen ergab neue Erkenntnisse. Nach
Abschluß der "Bärenjagd" werde ich mich mit einem Trupp Männer
nach Walchsee begeben. Ich bin schon sehr gespannt, was wir dort finden
werden.
2. Tag des 1. Helios
Die Aushebung der Truppen ist abgeschlossen. In den nächsten Wochen
werden sie in Marsch gesetzt. Wir haben die Männer in drei Gruppen
eingeteilt. Die Einsatzgruppe "Ost" wird vom Edlen Femah von Nebeltal befehligt,
die Gruppe "Mitte" untersteht Prinz Anselm persönlich. Ich selber
werde die Gruppe "West" anführen.
17. Tag des 1. Helios
Aufgrund unvorhergesehener Ereignisse musste die Bärenjagd verschoben
werden. So kann ich mich noch mal intensiv den Gefangenen zuwenden. Des
weiteren gehen die Planungen für die Aktion "Walchsee" unverändert
weiter. Ich habe merkwürdigerweise vom Generalstab noch keine Genehmigung
bekommen. Dennoch halte in an meinen Unternehmungen in dieser Richtung
fest.
31. Tag des 2. Helios
Heute war der Endgültige Startschuß zu Bärenjagd. Prinz
Anselm sowie Fürst Waldemar von Drachenhain trafen sich an der Brücke
von Sarniant. Hier wurde offiziell die Brücke von Sarniant wieder
geöffnet. Die Thaler Fusstruppen marschieren nun in Richtung Windenborg.
Inzwischen habe ich mich mit meinen Männern in Roggenhain eingeschifft.
Wir werden den Brazzach flussaufwärts befahren, bis wir den Hafen
von Wondenworg erreichen. Ich selber fahre auf dem Flaggschiff der Thaler
Flotte, der Silberpfeil, mit. Der Kommandant des Schiffs, Admiral-Leutnant
Ardelan von Aichfelden, ist ein erfahrener Mann. Daneben werden wir noch
von zwei Kriegskoggen begleitet, der Nachtkauz und der Steinkauz.
3. Tag des 3. Helios
Heute haben wir Windenborg erreicht. Gleichzeitig trafen auch die Thaler
Fußtruppen ein. Während die zwei Kriegskoggen den Hafen absperren
ging die Silberpfeil direkt an der Hafenausfahrt vor Anker. Sie ist gleichzeitig
die Kommandozentrale für den Einsatz. Die Berichte von der Belagerung
Windenborgs sind sehr positiv. Bisher reichten die Gruppen "Ost" und "Mitte"
völlig aus, so daß meine Männer auf den Schiffen bleiben
können. Besonders hervorgetan hat sich Ritter Hektor von Eichenstein,
der ein Fähnlein von inklusive ihm selbst von 10 Mann aus seinem Ritterlehen
befehligt.
5. Tag des 3. Helios
Es sieht so aus, als ob die Belagerung nur noch wenige Tage, wenn nicht
sogar Stunden dauert. Prinz Anselm ist mit der Durchführung sehr zufrieden.
Einzig die Nachricht über den Fund des Flaggschiffs von Adveri trübt
sie Stimmung. Aber somit habe ich endlich die Erlaubnis für die Aktion
"Walchsee" bekommen. Sobald die Bärenjagd beendet ist, werde ich direkt
von hier aus starten.
Flaggschiff Adveris aufgebracht
Wie erst jetzt veröffentlicht werden darf, fand vor einigen
Monaten in Thal eine geheime Operation mit dem Ziel statt, ein großes
Schiff aufzubringen, welches sich im Besitz des Vogelfreien Adveri befand.
So hatte man durch einen Informanten, einem treuen und loyalen Thaler Bürger,
erfahren, dass in den nördlichen Sümpfen des Brazachdeltas eine
große Kogge gut getarnt vor Anker liege. Die Verantwortlichen handelten
sofort und stellten eine Streitmacht von 70 Mann zusammen, die auf acht
Boote verteilt wurde. In den frühen Morgenstunden näherte man
sich dem verdächtigen Objekt, musste aber feststellen, dass die Besatzung
gut vorbereitet war: Ein Pfeilhagel der Wachposten forderte zwei Opfer
und ließ damit keinen Zweifel mehr zu, dass es sich hierbei um keine
friedlichen Kaufleute handelte.
Ein weiteres Vordringen der Ruderboote zum Schiff wurde durch gezielte
Schüsse einer kleinen Ballista behindert, jedoch konnte die Besatzung
der angreifenden Übermacht nicht lange standhalten. Die gut drei Dutzend
Piraten waren mit Säbeln und Entermessern bewaffnet, trugen jedoch
keine Rüstungen, so dass sich schnell das Blatt zugunsten der gut
ausgerüsteten Thaler Soldaten wendete.
Noch während des heftigen Enterkampfes machte sich eine leichte
Schlagseite bemerkbar, die darauf schließen ließ, dass die
Piraten das Schiff versenken wollten. Tatsächlich konnten im Laderaum
nach heftiger Gegenwehr zwei Männer festgenommen werden, die mit Äxten
die Bordwand durchschlagen hatten. Der Wassereinbruch war bereits nicht
mehr zu stoppen, doch glücklicherweise setzte das Schiff schon 5 Ellen
tiefer im Schlamm des sumpfigen Wasserlaufes auf. Als eine Niederlage der
Piraten offensichtlich wurde, gelang es einer Handvoll Männer, unter
ihnen der Anführer, über Bord zu springen und im Uferdickicht
unterzutauchen. Eine Verfolgung blieb ergebnislos, da die Ortskenntnis
der Rebellen und das unwegsame Gelände ein breiteres Vorrücken
unmöglich machten.
Auf Thaler Seite waren 17 Verluste zu beklagen, dazu zahlreiche Verwundete.
Es gelang, vier Gefangene zu machen, die nach Roggenhain zum Verhör
gebracht wurden, Ergebnisse wurden jedoch noch nicht verlautbart. In harter
Arbeit wurde das Leck des Schiffes abgedichtet und das Wasser abgeschöpft.
Diese Maßnahmen dauerten mehrere Tage, so dass das große Schiff
erst nach über einer Woche so weit flott war, um nach Roggenhain geschleppt
zu werden. Bei einer genaueren Untersuchung fand man in der Kapitänskammer
eine Kiste mit 60 Dukaten und ein halbes Fässchen Schädelspalter,
jedoch kein Logbuch oder andere Schriftstücke. Im Laderaum wurden
ein kleines, in Einzelteile zerlegtes Katapult und mehrere Blankwaffen
entdeckt. In einem Versteck in der Bilge kam eine weitere Kiste zum Vorschein,
die fünf Uniformen enthielt. Herkunft und Aussehen dieser Kleidungsstücke
lösten bei der Thaler Regierung höchste Alarmbereitschaft aus,
der Generalstab wurde einberufen. Kilian Weizenkeim, Hauptmann der Garde,
gab dazu nur bekannt, dass man konkrete Hinweise auf den Ort gefunden habe,
an dem Prinzessin Celia von Thal gefangen gehalten worden sei. Mehr dürfe
er dazu nicht sagen, denn es handele sich um Dinge von größter
diplomatischer Brisanz. Man hofft, endlich das Hauptquartier des meistgesuchten
Verbrechers des Reiches gefunden zu haben. Unter den braven Bürgern
Heligonias macht sich inzwischen die Hoffnung breit, dass dieser beridhanische
Spuk nun bald ein Ende hat.
Hartmut Hohlbein, Schreiber der Garde von Thal
Mehrere Einwohner von Cambrück spurlos verschwunden
Aus der kleinen Stadt Cambrück, welche zur gleichnamigen Universität
gehört, sind in den letzten Wochen mehrere Einwohner verschwunden.
Trotz intensiver Suche konnten sie nicht ausfindig gemacht werden. Auch
konnten keine Anhaltspunkte für ein Verbrechen gefunden werden. Ein
Entführung kann ebenfalls ausgeschlossen werden, da noch keine Forderungen
bei den angehörigen Familien eingingen. Seltsam ist ebenfalls, daß
es sich bei den vier Personen um junge Männer im Alter von 20 bis
25 Jahren hält. Das kleine Dorf ist in heller Aufregung. Auch in der
Universität kann man sich keinen Reim zu den Geschehnissen machen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Verschwundenen wieder aufauchen.
Wassermangel in Hochwalden
Sethnara, den 28. Tag des 3. Helios
Camdragon beeinflusst das alltägliche Leben in Hochwalden mehr
als erwartet bzw. befürchtet. Im Sommer blieb die natürliche
Schneeschmelze auf der Camspitze aus, so daß sich der Stand der Camwasser
inzwischen einen bedrohlichen Tiefstand erreicht hat. Begünstigt wird
der dadurch entstehende Wassermangel durch die derzeit in Sethnara befindlichen
Mannschaften der Tour de Heligonia. Zum Schutz der Mannschaften wurde ein
zusätzlicher Trupp Gardisten beordert. Die Hälfte der Brunnen
in der Stadt können für die Wasserschöpfung schon nicht
mehr benutzt werden, so daß Trinkwasser in Fässern von der Camwasser
herbeigeschafft werden muss. Freiherr Ansgar von Beraht ist besorgt darüber,
daß sich die Situation in Hochwalden durch einen harten Winter noch
verschlechtern könnte. Aus dem Reich Aturien wurde Ansgar von Beraht
bereits Hilfe angeboten, da man sich in Aturien mit Drachen bestens auskennt.
Den Kontakt hierfür hatte Ansgars verlobte, Fendra von Aueneck, geknüpft.
Aufruf an alle Künstler, Kunsthandwerker und Kunstfertige in Heligonia
Auf dem diesjährigen Adelstag, der vom 21. - 23. Tage der
ersten Saarka in Thal abgehalten wird, soll ein Künstlerwettbewerb
ausgetragen werden.
Daher ergeht dieser Aufruf an alle, die daran teilnehmen wollen. Grundsätzlich
teilnehmen kann jeder, der ein Kunstwerk vorzustellen hat und dieses vor
einer gewählten Jury und dem Publikum zeigen möchte.
Wichtigste Voraussetzung: Das Werk muß von eigener Hand hergestellt
worden sein.
Zudem darf es aus transport- und platztechnischen Gründen eine
gewisse Größe nicht überschreiten. Der Künstler sollte
in der Lage sein, es selbst oder mit höchstens einer weiteren Person
in den Raum zu tragen.
Art, Form, Farbe, Beschaffenheit des Gegenstandes spielen dabei keine
Rolle, es sollte sich jedoch im weitesten Sinne um Kunst handeln. Sei dies
ein Gemälde, eine Skulptur, eine Statue, Bildhauerei, Glasmalerei,
Holzschnitzerei, etwas aus Stein, Glas, Papier, Ton, Stoff oder jedem erdenklichen
Material.
Am Adelstag werden die Künstler ihre Werke präsentieren und
haben die Chance, durch die Jury den Preis "Kunstwerk des Jahres" zu erhalten.
Bei der Präsentation soll der Künstler sich selbst vorstellen,
den Namen seines Kunstwerkes nennen und die benötigten Materialien,
die benötigte Zeit sowie weitere interessante Dinge über oder
zu dem Kunstwerk in einem kurzen Vortrag sagen können.
Für den Fall, daß ein Künstler gerne teilnehmen möchte,
aber nicht persönlich auf den Adelstag reisen kann, besteht die Möglichkeit,
einen autorisierten Boten mit dem Kunstwerk sowie den oben angeführten
Informationen zu senden.
Die Schirmherrschaft für den Wettbewerb übernimmt die Baronie
Welzen, daher werden alle Teilnehmer aufgefordert, sich in der Zeit bis
zum Adelstag in Wulfenstein zu melden.
Genannt werden soll Name des Künstlers, des Kunstwerkes und eine
kurze Beschreibung desselben, damit für die Planung und Programmgestaltung
einige Informationen vorliegen.
Die Kunstwerke werden, das Einverständnis der Künstler vorausgesetzt,
nach dem Adelstag zum Zweck einer Ausstellung nach Wulfenstein gebracht,
damit jeder Bürger und Interessierte die Chance hat, sie ebenfalls
zu bewundern.
Allen Künstlern wünschen wird die nötige Kreativität
und sind gespannt auf die unterschiedlichsten Werke.
Wir hoffen auf eine zahlreiche Teilnahme und freuen uns schon heute
auf den Wettbewerb.
Nachwuchs im Hause Wulfenstein
Vor einigen Tagen erreichte uns die freudige Nachricht der Geburt
des Sohnes von Roxana von Beraht und Beorric von Wulfenstein, Baron von
Welzen.
Einer alten welzischen Tradition folgend, erhielt das Kind den Namen
Beongar Gavriel von Wulfenstein.
Der künftige Stammhalter des Hauses Wulfenstein erblickte am 01.
Tag des 01. Xurl das Licht Helios.
Mutter und Kind sind beide wohlauf und nahmen bereits etwa eine Woche
später die Glückwünsche der Verwandten und Freunde entgegen.
Als Pateneltern wählten Roxana und Beorric die Geschwister Prinz
Anselm von Thal und
Prinzessin Celia von Thal aus, die beide freudig zustimmten und einen
baldigen Besuch in Wulfenstein ankündigten.
Rowen Carim, Berichterstatter aus Wulfenstein

Kurz vor den Stadtratswahlen
Am 30.Tag des 1.Xurl n.A.III 29 wird in Betis die alle zwei Jahre
stattfindende Wahl zum Großen Rat erfolgen. Gewählt werden können
die Patrizierfamilien welche Mitglieder in der Liliengilde sind. Eine Woche
später wird der neue Große Rat in geheimer Wahl aus seinen Reihen
den Hohen Rat und damit auch den neuen Dogen der Stadt wählen.
Am 28. Tag des 2. Xurl wird dann auf dem Helos-Platz die offizielle
Vereidigung der Räte und des Dogen stattfinden. Traditionell wird
die Vereidigung von seiner durchlauchtigsten Majestät Helos Aximistilius
III vorgenommen, der dabei von seiner Durchlaucht Fürst Bartha von
Thal und seiner Hochwohlgeboren Baron Beorric von Wulfenstein unterstützt
wird. Neben diesen offiziellen Gästen der freien Reichsstadt werden
viele andere bekannte Besucher aus dem ganzen Königreich während
der einwöchigen Feierlichkeiten rund um die Vereidigung erwartet.
Der Primus zu Besuch in Betis
Seit Tagen war die ganze Stadt dabei, sich herauszuputzen. Blumen
wurden gepflanzt, die Straßen gründlichst gekehrt und verschiedenste
Wappen an den Häuserwänden aufgehängt. Die Stadt bereitete
sich auf hohen Besuch vor: Seine Heiligkeit Pacellus, der Primus der Ceridischen
Kirche, kam auf Einladung des Dogen nach Betis. Und als es am 26.Tag des
3.Helios soweit war, schien ganz Betis auf den Beinen zu sein um dieses
Ereignis nicht zu verpassen. Überall am Rande der Straßen, durch
die der Primus auf dem Weg zur Ratshalle schritt, versammelten sich Menschenmengen
die dem Hohen Besuch zujubelten.
Vor dem versammelten Großen Rat hielt der Primus dann eine Rede
in der er das friedliche Zusammenleben zwischen Ceriden und Ogeden in Betis
lobte und die Hoffnung äußerte, das früher oder später
in ganz Heligonia das königliche Toleranzgebot in dieser Weise befolgt
und akzeptiert werden würde. Nach dieser Rede wurde seine Heiligkeit
durch die Stadt geführt. Besonders begeistert zeigte er sich vom Betiser
Theater, in welchem ihm am Abend eine Vorstellung des Wunderkindes Bonifazio
erwartete.
Anschließend traf sich seine Heiligkeit Pacellus mit Niccolo
Corvese im Stadthaus der Corveses, von wo aus er dann mit der Betiser Familie
am 29.Tag des Monats zum Trauergottesdienst zu Ehren des Priors von Lindfurt
in selbige Abtei reiste.
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
| Was sich schickt |
Und was nicht |
- Zur Wahl gehen
- Vjoshaven
- Der Jarl
- H.B.
- Primus Pacellus |
- Tollwütige und beleidigte Heerführer
- Klageschriften an den König
- Schwertknauf im Gesicht
- Exkommunikationen |
Der Handelsprophet
| Tageskurse |
| Aurazith 1 heligonische Unze |
1 Dukaten und 7 Kreuzer |
| Wein (Rebenhainer, in der Taverne) |
1 Kreuzer |
| Tinte |
2 Groschen und 2 Kreuzer |
| Parfum 0,1 l |
4 Dukaten |
Rebenhainer Wein stagniert aus bereits bekannten Gründen weiter
am unteren Ende der Handelspropheten-Skala. Der Tinte-Preis stieg leicht
an aufgrund der erhöhten Nachfrage in folge der Stadtratswahlen und
der damit verbundenen nötigen Schriftwechsel zwischen den verschiedenen
Stadtämtern. Auch der Parfumpreis hat angezogen, wohl aufgrund der
starken Nachfrage weiblicher Kundschaft am Tage der Autogrammstunde mit
Ramon Maria Canonero.
Gunst und Kunst
Was die Heligonier am liebsten hören
1(-) Wjelkin, der Lange mit Halfdan und den Egilssons - "Sven
Herulfsson"
2(6) Emeranseeflottenchor - "Lied der Emeranseefischer"
3(1) Harald Schönefonte - "Wo ist der Teemon?"
4(2) Wunderkind Bonifazio - "Fröhliche Erleuchtung"
5(3) Burschenschaftschor der Universität zu Idyllie - "Tlamanamann"
6(-) Belgabor - "Pavo Rothner"
7(-) Jasmina Lopia - "Meine Liebe kostet nichts"
8(-) Die außerordentliche Annabell - "Tlamana, je t'aime!"
9(9) Giacomo Funzetti - "Sonnschein-Schagga"
10(-)Die Lagmänner - "Ja-ja-Jarl!!!"
Stadtgeschehen
Am 19.Tag des 3.Helios fand auf dem Helos-Platz ein großes
Fest mit der Utzganmannschaft Sturm Betis statt. Die begeisterten Massen
freuten sich ganz besonders über das Erscheinen von Mannschaftskapitän
Ramon Maria Canonero.
Keine genauen Nachrichten gibt es von der aktuellen Arbeit des Wunderkindes
Bonifazio. Das angekündigte neue Lied hat bisher zumindest noch niemand
außer dem Primus selbst zu Gehör bekommen.
Von ausschließlich silberner Erscheinung war ein Redner auf dem
Helos-Platz. Zuerst dachten alle, es handele sich um Werbung für einen
Kandidaten zur Stadtratswahl. Doch stattdessen sprach er von dunklen Geheimnissen
und warnte die Bürger vor den unheilvollen Zeiten die bevorstünden.
Da er keine "Redeerlaubnis für öffentliche Plätze" vorweisen
konnte wurde er von der Stadtwache mit einer Geldbuße belegt und
des Platzes verwiesen.
Bürger des Monats
Zum Bürger des Monats wurde von der Jury der Primus der Ceridischen
Kirche, seine Heiligkeit Pacellus, ernannt. Seine Rede vor dem Großen
Rat, so die Juroren, sei inspirierend und von Bedeutung für jedermann,
egal welchen Glaubens, gewesen. Dieser Mann, so weiter in der Begründung,
trage den Glauben des Friedens und der Versöhnung in sich wie kaum
jemand sonst. Und außerdem schätze er die Betiser Kultur, wie
es sich in seiner Begeisterung vom Theater der Stadt zeigte.
Raso Amogatas an Sedomee ausgeliefert
Vincent Battista Corvese, Sohn des Dogen und Mitglied des hohen
Rates, zeigte sich äußerst erfreut, zwei Abgesandte aus Sedomee
in Betis begrüßen zu dürfen, die Geweihten Zysara Agnat
und Sakija Rakesch. Der Anlaß war leider ein weniger erfreulicher:
Der zur Zeit in Betis befindliche Kunsthändler Raso Amogatas war in
den Diebstahl eines bedeutenden sedomeesischen Kunstwerkes verstrickt.
Untersuchungen im Auftrag des Hohen Rates hatten tatsächlich deutliche
Hinweise auf ein schuldhaftes Handeln des Kunsthändlers erbracht.
Die Übergabe des Tatverdächtigen an Sedomee war deshalb eine
Selbstverständlichkeit, da in Sedomee zweifelsohne ein gerechter und
den Gesetzen entsprechender Prozeß auf ihn wartet. Ebenfalls den
Gesetzen entsprechend wurde Amogatas auf seine Bitte und auf eigene Kosten
ein Betiser Rechtsbeistand zugesellt.

Der Hehler der Mondkatze vor Gericht
Heimgekehrt aus dem fernen Betis sind Zysara Agnat, Hochgeweihte
der Saarka und Sakija Rakesch, Geweihte des Helios und mit sich gebracht
haben sie den frechen Hehler, der die Mondkatze verschachern wollte.
Der Betiser Hohe Rat zeigte sich verständig und lieferte den Schurken
der Gerechtigkeit aus, wie wir es nicht anders erwartet haben. So sitzet
er nun in einer Kammer, die seinen Taten angemessen ist, und harrt seiner
Aburteilung. Niemand bereichtert sich straflos an der Katze, die einst
Saarka und allen Bewohnern der Jolborn-Auen half.
Wo ist ein Tag schöner als der andere?
In Betis, der Perle am Brazach-Delta!

Termine
21.09. - 23.09.01 Helicon 19 am Georgenhof
21.12. - 23.12.01 Adelstag auf Schloß Ebersberg
04.01. - 06.01.02 Helicon 20 Gelehrtenconvent in Ambach
22.03. - 24.03.02 Helicon 21 auf Burg Wildenstein
30.05. - 02.06.02 Neujahrsfest im Padfinderlager Raumünzach
© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés &
Marc Hermann
Berichte von Axel Baune, Arnulf Breuer, Julia Fischer, Henning Frank,
Deborah Gläser, Inés & Marc Hermann, Petra Jörns,
Christian Klauss, Daniela Lochner, Frank Prietz, Benjamin Rampp, Andreas
Reicke, Andreas Riedlinger, Markus Spree, Falf Steinel, Jürgen Stoll
und Anna Ungureanu

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