Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 1. Saarka n.A.III 29

Ausgabe 40


Kronkurier

Die Tour von HeligoniaTM in Jolberg. 

Nur noch zwei Etappen zu fahren!
Mit den beiden Sprintstrecken auf bester Straße und der Fahrt durch das Hochland war der Weg von Sethnara nach Yllmar von starken Gegensätzen geprägt. In Jarun und Sarniant bewiesen beidesmal Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker sowie Jaruns Hazardeure, daß ihre Gespanne die weitaus besten Sprinteigenschaften besitzen. WWW konnte zum Entsetzen der Jaruner in deren Heimatstadt den Sieg erringen, während diese dank Ihrer Vertrautheit mit dem kurvenreichen Parcours in der Güldentaler Hauptstadt, den guten Beschleunigungseigenschaften ihrer seedomesischen Rennpferde sowie ihrem halsbrecherischen Einsatz auf der Brücke von Sarniant eine Pferdelänge vor dem Rivalen in Wolfenfeld durchs Ziel preschten. Letzte wurden in beiden Fällen Fran Panis Büttelmänner, deren schwere Eisenkutsche offensichtlich auf diesen kurzen Etappen nicht den notwendigen Anlaufsweg hatten, um entsprechende Geschwindigkeiten zu erreichen. 
Die Strecke von Sarniant nach Croith'nona, war zwar bis Luchnar von besten Straßen geprägt. geschwindigkeitsbestimmend war dann allerdings der Abschnitt durch das Hochland, sowie durch das Schafsmoor in Flaitney. Hier konnten sich wie ehemals im Schlangenkamm die berg- und geländeerprobten Tiere von McDonough und Theudebert Drahtzieher durchsetzen. Und wieder gelang es McDonough, diesmal in der eigenen Heimat, kurz vor den Tlamanern ins Ziel zu fahren. Damit war das hochländische Team das erste, dem es vergönnt war, einen dritten Etappensieg zu erlangen. In Yllmar gelang dies dann aber ebenso der Mannschaft Drahtziehers, welche die zweite Hochlandetappe vor den Flaitneyern für sich entscheiden konnte. Arge Probleme mit der Strecke hatte der Rennwagen der Jaruner, der deutlich nicht für solch unwegsames Terrain geschaffen war. Einige Wagen kamen noch in Flaitney auf unerklärliche Weise vom richtigen Weg ab und befanden sich plötzlich im noch nicht fertiggestellten Lämmerbuckeltunnel. Das kostete so manches Team einiges an Zeit. 
Bei der enorm langen Etappe von Yllmar nach Jolberg, quer durch ganz Ostarien, gab der Emaranseeflottenchor, auf einigen zur Parade angetretenen Schiffen, den Teilnehmern des Rennens zu Ehren eine Sondervorstellung. Als das Team der Flotte sich dazu angehalten fühlte, den Kameraden beim Singen beizustehen, nutzten dies einige andere Wagen, um die Ostarier zu überholen. Jedoch konnte dann der ebenfalls ostarische Jolberger-Schädelspalter-Wagen beweisen, daß man sich auf durchaus vertrautem Terrain bewegt, und von den gewohnten Transportfahrten her weiß, wie man sich von Geschwindigkeit und Ausdauer her die Strecke einzuteilen habe. Dies gelang ähnlich gut der Mannschaft von Theudebert Drahtzieher, sowie Wulfensteins Waghalsigen Wagenlenkern.  Es scheint nun alles auf ein Duell zwischen diesen beiden Mannschaften herauszulaufen. Allenfalls die Betiser Mannschaft des Gespanns Phönix, hat noch adequate Chancen auf einen Gesamtsieg.  Bei allen anderen, mit einem Rückstand von mehr als 15 Stunden, käme dies einem Wunder gleich und würde voraussetzen, daß sich alle drei führenden Mannschaften in den nächsten zwei Etappen noch einen großen Fehler leisten. Da man aber bei so einem Ereignis auch das scheinbar unmögliche nicht ausschließen sollte, wird es sicherlich noch einmal sehr spannend werden. 

Doch nun wie üblich in Kürze die aktuellen Ergebnistabellen: 

Etappenergebnisse Sethnara - Jarun
1 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 0
2 Jaruns Hazardeure grüßen die Heimat 5 sec
3 Jolberger Schädelspalter    25 sec
4 Phoenix      1 min  9 sec
5 Emaranseeflotte     12 min 26 sec
6 Bertram Borkhäuser und Söhne  12 min 37 sec
7 Mc Donough     12 min 53 sec
8 Freie Universitas zu Cambrück  16 min 45 sec 
9 Ladislaus Schwartz    1 h 49 min 17 sec
10 Theudebert Drahtzieher               10 h 21 min 27 sec 
11 Fran Panis Büttelmänner   16 h 15 min 51 sec 

Etappenergebnisse Jarun - Sarniant
1 Jaruns Hazardeure grüßen Sarniant  0
2 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 1 sec
3 Emaranseeflotte     16 min 32 sec
4 Bertram Borkhäuser und Söhne  1 h  1 min 35 sec
5 Phoenix      1 h  8 min 26 sec
6 Theudebert Drahtzieher               1 h 40 min 45 sec
7 Ladislaus Schwartz    2 h 24 min 21 sec 
8 Jolberger Schädelspalter    3 h 49 min 56 sec
9 Freie Universitas zu Cambrück  11 h 46 min 9 sec 
10 Mc Donough     13 h  7 min 29 sec
11 Fran Panis Büttelmänner   15 h 54 min 31 sec

Etappenergebnisse Sarniant - Croith'no'na
1 Mc Donough     0
2 Theudebert Drahtzieher                4 min  4 sec 
3 Bertram Borkhäuser und Söhne  10 min 10 sec
4 Emaranseeflotte     11 min 59 sec
5 Fran Panis Büttelmänner   16 min 26 sec 
6 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 24 min 37 sec 
7 Jolberger Schädelspalter    1 h 42 min 13 sec
8 Phoenix      3 h 34 min 10 sec 
9 Ladislaus Schwartz    3 h 44 min 20 sec 
10 Jaruns Hazardeure grüßen Croith'no'na 6 h 54 min 39 sec 
11 Freie Universitas zu Cambrück  16 h 5 min 59 sec 

Etappenergebnisse Croith'no'na - Yllmar

1 Theudebert Drahtzieher              0
2 Mc Donough     17 min 13 sec
3 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 22 min 46 sec
4 Bertram Borkhäuser und Söhne  59 min 29 sec
5 Jolberger Schädelspalter    5 h 16 min 37 sec
6 Phoenix      5 h 54 min 59 sec
7 Fran Panis Büttelmänner   12 h 32 min 48 sec
8 Emaranseeflotte     16 h 49 min 57 sec
9 Freie Universitas zu Cambrück  20 h 42 min 17 sec 
10 Ladislaus Schwartz    27 h  3 min 34 sec 
11 Jaruns Hazardeure grüßen Yllmar  27 h  5 min 41 sec 

Etappenergebnisse Yllmar - Jolberg

1 Jolberger Schädelspalter    0
2 Theudebert Drahtzieher            43 min 40 sec 
3 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 44 min 43 sec 
4 Jaruns Hazardeure grüßen Jolberg  2 h   6 min 28 sec
5 Phoenix      2 h 33 min 21 sec
6 Freie Universitas zu Cambrück  13 h 25 min 48 sec
7 Ladislaus Schwartz    14 h 39 min 11 sec
8 Bertram Borkhäuser und Söhne  14 h 57 min 59 sec
9 Mc Donough     20 h 32 min 24 sec
10 Emaranseeflotte     21 h 31 min   9 sec
11 Fran Panis Büttelmänner   33 h 19 min 57 sec 

Neuer Gesamtstand in Jolberg:

1 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 0 
2 Theudebert Drahtzieher    1 h 23 min   3 sec 
3 Phoenix      3 h 18 min 20 sec
4 Bertram Borkhäuser und Söhne  15 h   0 min 44 sec 
5 Jolberger Schädelspalter    44 h 29 min 20 sec
6          Jaruns Hazardeure grüßen Heligonia 62 h 42 min 43 sec
7 Emaranseeflotte     72 h   7 min 28 sec
8  Mc Donough     83 h   4 min 59 sec
9 Freie Universitas zu Cambrück  91 h 41 min 45 sec
10 Ladislaus Schwartz    94 h 10 min 47 sec
11 Fran Panis Büttelmänner   153 h 36 min 42 sec
 

Daimon, der Sündenbock

Nun hat der Eine wieder einmal einen höherrangigen Ceriden erhalten. Prior Lupus von Lindfurt. Unvergessen sind seine Auftritte mit den gleichfalls unvergessenen Hochaskensteiner Vettern, unvergessen, wie er mit einem von ihnen die Gefühlüberwältigung Baronin Josephinas von Drachenhain nach der Lösung des Wolfenfeld-Konflikts ausnutze, um mit unreinem Herzen Vergebung zu erbitten und zu erhalten.
Offenbar hatte der Prior sich aber in letzter Zeit auf andere Wege begeben, die der ceridischen Kirche weniger genehm waren. Spontan denkt der Denkende an drei Möglichkeiten.
Erstens: Hatte sich der Priester vom Ceridentum ab- und einer besseren Religion zugewandt?  Dies wäre ja erfreulich und zu begrüßen. Zum zweiten: Hat er sich innerhalb seines Glaubens Wegen zugewandt, die von seinen Oberen nicht gebilligt werden? Das wäre dann ein primär ceridisches Problem. Drittens: Hat er in Wort und Tat gegen die wenigen menschlichen Ideale verstoßen, die Ogeden und Ceriden teilen? Das ginge dann alle etwas an, vielleicht auch die Gerichtsbarkeit. 
In jedem Falle wurde beschlossen, ihn zu beseitigen, offenbar von seinen eigenen Brüdern. Fehlverhalten, war ihr Argument und die trefflichste Begründung für Fehlverhalten, von Kirchseite überstrapaziert, ist die Verführung durch daimonische Kräfte oder, nennen wir es recht beim Namen, durch Daimon selbst. Diese Begründung ist eine außerordentlich bequeme, da sie jede Ursache für jedes Verhalten einer Analyse verschließt und mit der Anklage auch gleich das Urteil fällt. Der Grund für dieses Verfahren, eigentlich nicht angemessen für ein Land mit aufrechten Denkern und ordentlicher Gesetzgebung, liegt auf der Hand.
Die Hauptursche für sämtliche genannten, dem Mord potentiell vorausgegangenen Verhaltensweisen liegen nämlich im ceridischen Glauben und in der ceridischen Kirche selbst. Offensichtlich wird dies im ersten genannten Fall, wenn sich ein Ceride dem Ogedentum zuwendet. Aber auch im zweiten Fall, wenn der Prior innerhalb des Glaubens andere Wege ging, konnte der Glaube ihn ja offenbar nicht befriedigen. Oder im dritten Fall: Wenn er sich auf menschliche Abwege begab, muss man bei einem Priester, einem Prior gar davon ausgehen, dass ihn seine Religion dazu getrieben hat. 
Nein, nein, Daimon hat ihn dazu getrieben! geifert der Prediger. Keineswegs, Priesterlein, nicht Daimon ist schuld, sondern Deine Kirche selbst. Daimon ist der Sündenbock des Ceridentums - und sein Spiegelbild.
Für den Fall, dass jemand meint, ich hätte eine vierte Möglichkeit vergessen: Kein Ogede wird einen Ceriden töten, nur weil er ein solcher ist, welchen Ranges auch immer - ein Verhalten, das für das Ceridentum nicht selbstverständlich ist, wie manche Saarkani erfahren musste.
Rawen Eilshorn, Geweihter des Helios, OfH-Führer Heligonia und Thal

Sympathiebekundungen für Prinz Leomar in Drachenhain

eine Analyse

Zwar sind nicht alle Einzelheiten bekannt, doch über die Tatsache der Flucht Prinz Leomars von Drachenhain aus seines Vaters Haus sprach in den vergangenen Monden ganz Drachenhain. Mit diesem Paukenschlag katapultierte sich der Thronfolger zurück ins Leben, in die Gedanken der Leute und ins politische Spiel.
Leomars Krankheit begann vor einem Jahr in Wiesensteig, dem von Hochaskensteiner Händen geschändeten Wolfenfelder Dorf. Der Ursprung war unklar und im Verlauf schien kein Heiler, Gelehrter, Geweihter oder Priester in der Lage, näheres darüber herauszufinden. Er verfiel auf rätselhafte Weise, sowohl körperlich als auch seelisch. Die Krankheit magisch zu erforschen ließ sein Vater nicht zu. So schien das Ende vorgezeichnet, obwohl keiner es offen aussprach.
Parallel dazu verfolgte Prinz Waldemar auch politisch einen härteren ceridischen Kurs. Beispiele hierfür sind die Umwandlung Hochaskensteins in eine Abtei und die Einsetzung eines Nicht-Drachenhainer Ceriden zum Schwertführer. Inwieweit Trauer und Zorn über die Kinder - Exkommunikation der Tochter und Erkrankung des Sohnes - hierbei eine Rolle spielten, kann nur gemutmaßt werden. Gleichviel, es wurde hingenommen, musste hingenommen werden, und zu viel über Zukunft und Nachfolge nachzudenken verbot sich. Mit Leomars Tod rechnen wollte man nicht, mit der Gesundung konnte man nicht.
Diese Gesundung trat aber plötzlich und unerwartet ein. Wer sie sich auf die Fahnen heften kann, ist unbekannt; ob des Fürsten Priester, Prinzessin Syrias Künste, Baronin Leabells Verbindungen... im Grunde ist es auch gleichgültig. Durch Drachenhain ging ein tiefer Atemzug - mit Leomar konnte wieder gerechnet werden und damit auch mit Prinz Leomar als designiertem Nachfolger von Fürst Waldemar. Manchem Drachenhainer erschien es, als sei der Fürst über den Zenit seiner Kraft hinaus, als stünden ihm die Eigenschaften, die in früheren Zeiten das Wohl Drachenhains bedeuteten, nun im Weg. Sturheit im Guten und Selbstbewusstsein gemahnten jetzt manchen an Altersstarrsinn und Selbstüberschätzung. Dies hatte unter anderem den Wolfenfeldkonflikt heraufbeschworen, durch den wiederum indirekt die Krankheit seines Sohnes ausgebrochen war. Dieser Sohn war wieder da. Hatte er nicht in den letzten Jahren mildernden Einfluß auf seinen Vater gehabt, seine Baronie Tatzelfels wohl geführt, den Schritt zu einem gereiften Manne gemacht? Mußte nicht seine Zeit dicht bevorstehen?
Wirklich in Drachenhain blieb Prinz Leomar nur kurze Zeit. Vor dem eigenen Vater floh er gen Tlamana. Die Gedanken selbst der einfachen Leute begannen dadurch noch mehr zu kreisen. Wenn der Fürst, statt seinen Sohn nach der Krankheit behutsam auf seine weiteren Aufgaben vorzubereiten, ihn in die Flucht trieb - besaß er dann noch das Einschätzungsvermögen, eine Fürstentum zu führen? War er noch der Mann, der Drachenhain so ausgleichend zu führen verstand, wie es das bunte Sammelwerk an Baronien benötigte?
Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass in Flaitney die Hirten den Schriftzug "Leomar" aus schwarzen Schafen vor weißem Schafsgrund bilden, dass in Luchnar Leomar-Bilder an Säulen hängen, dass manche Drachenberger lieber Leomar als Befreier ihres Landes gesehen hätten. Vor diesem Hintergrund sind die Stimmen zu sehen, die Leomar lieber heute als morgen als Fürst verehren würden - was sicher zu früh wäre. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann?
Hunold Rogesser, freier Schreiber zu Escandra

 

Der Trommler - freies Nachrichtenblatt der Markgrafschaft Norrland-Brassach

Die Kirchweihe zu Daronsfeste - Ein besonderes Ereignis

Der Winter im Norden der Markgrafschaft kam früh in diesem Jahr. Nachdem die Landschaft nun bereits seit einigen Wochen in den Morgen- und Abendstunden lange vom dichten Nebel verhangen war und sich der Regen nahezu in Kübeln vom Himmel ergoß, fiel bereits in den ersten Tagen des Kargmondes der Schnee in groben Flocken. Trotz der weißen Pracht und der nun zunehmenden Kälte setzten die Zimmermänner und Schreiner alles daran, das Zimmern des Dachstuhles der noch namenlosen Kirche von Daronsfeste sowie die Belegung der tragenden Konstruktion mit tönernen Ziegeln fristgerecht fertigzustellen. Und so ward das Werk vollbracht, als am vierten Tage des Kargmondes des Jahres zweiundneunzig nach der Erleuchtung die Adligen und Geistlichen der Markgrafschaft nach Daronsfeste, der Hauptstadt der Ballei Hohentor der Templer zu Ankur, strömten, um an der festlichen Weihung der Kirche durch seine Exzellenz Benedikt Honorius, dem Bischof von Norrland-Brassach, teilzunehmen. Schaute man sich in Daronsfeste um, konnte man feststellen, daß die Mannen der Templer zu Ankur in den zurückliegenden drei Jahren ganze Arbeit geleistet hatten. Auch wenn die Burg und die meisten anderen Gebäude auf dem sanften Hügel in Mitten der Ballei noch nicht ganz fertiggestellt waren, insbesondere an der Burg würde man noch sicherlich Jahre bauen, zeigte sich die Siedlung doch auch in ihrer Unvollkommenheit als äußerst wehrhafte und solide Arbeit. Und so waren Monat für Monat immer mehr provisorische Bauten oder Zelte durch feste, gut zu verteidigende Steingebäude ersetzt worden. Allem voran die Kirche, in der später die Priesterbrüder der Templer für ihre Glaubensbrüder Messen lesen und predigen sollten und die heute Ort eines besonderen Ereignisses sein sollte. All das mit vereinter Kraft Geschaffene wurde von einer breiten und hohen Mauer umfaßt, die wie ein schützender Ring die noch junge Siedlung umgab. Die Steinmauer mit ihren Nord- und Südtor sowie einer besonders geschützten Ausfallpforte in Richtung Brazach war bereits im Sommer fertiggestellt worden. Auf ihr wehten nun Banner mit dem Symbol der Heiligen Ceridischen Kirche und dem Kreuz der Templer zu Ankur, die Flaggen der Markgrafschaft sowie das persönliche Wappen des Ordensmarschalls Hadebrand von Grauburg. Auch die herzögliche Standarte Ostariens schwang im Wind. Sicherlich ein eindeutiges Zeichen dafür, daß es sich bei dieser Kirchweihe nicht nur um eine ‚einfache' Weihung eines Hauses des Einen handelte. Hadebrand von Grauburg, der Landkomtur Hohentor, begrüßte die eintreffenden adligen und geistlichen Gäste trotz Wind und Kälte auf dem Marktplatz höchstpersönlich und leitete sie in die Kirche, die den Versammelten auch Schutz vor dem rauhen Wetter bot. Neben dem Bischof als höchstem Vertreter der Heiligen Ceridischen Kirche auf markgräflichem Boden waren der Landesherr Markgraf Kalveram und seine Gemahlin samt ihrer beiden Kinder Daron und Kara, die im Erntemond ihr drittes Lebensjahr feierten, sowie die gesamte Spitze des Ordens der Templer zu Ankur anwesend. Weiterhin versammelte sich an diesem besonderen Tage alles was Rang und Namen in Norrland-Brassach hatte in Daronsfeste. Flavius van Orb, der Abt von Dunkelstein, der turnusmäßig im Sinne der dunkelstein-norrland-brassachischen Konsultationen in der Markgrafschaft verweilte, folgte der mündlich ausgesprochenen Einladung durch den Markgrafen. Besondere Aufmerksamkeit galt der ostarischen Delegation: Ihre Hochgeboren Walluma von Ostarien, die Regentin des benachbarten Herzogtumes, war in Begleitung von Falkonius von Regart, dem ostarischen Bischof, und Amtsdirektor Fridolin Freiherr von Harkenberg, dem Leiter des ostarischen Auswärtigen Amtes, erschienen. Aber auch weniger hochrangige Gäste aus Ostarien scheuten die Reise in die Ballei nicht, um an diesem besonderen Ereignis teilzunehmen. Und so füllten sich die Kirchenschiffe bis auf den letzten Platz. Die vielen Soldaten der Templer zu Ankur und ihre Familien, aber auch das einfache Volk aus der Ballei selbst, beobachteten die heilige Zeremonie durch die großen, offenen, noch glaslosen Fenster der Kirche von außerhalb oder aus den umliegenden Gebäuden heraus. Nachdem seine Exzellenz Benedikt Honorius den Altarbereich, das Hauptschiff und die beiden kleineren Seitenschiffe sowie das Taufbecken der in ihren Ausmaßen doch recht großen Kirche mit einem Segen geweiht hatte, las er eine Messe, in der er verkündete, daß dieses Haus des Einen die nördlichste Kirche des Königreiches und somit ein sichtbares Zeichen für die Expansion der Ceridischen Kirche und ihres gerechten Glaubens sei. "Wie diese Kirche nun alsdann eine feste Größe im Glauben eines jeden Ceriden sei," so Benedikt Honorius wörtlich, "so ward auch der vom Adligen bis hin zum einfachen Mann hochgeschätzte Landesherr der ehemaligen ostarischen Baronie Brassach, Daron von Brassach, der im Jahre achtundachtzig nach der Erleuchtung heldenhaft für Volk, Land und Königreich im Kampf gegen den ungläubigen Feind aus dem Ödland fiel, ein Symbol für den Kampf gegen alle bösen Mächte, die den Ceriden Ungutes wollten. Diesen Mann wollen wir heute ehren, in dem wir diesem heiligen Haus einhergehend mit der Seligsprechung durch seine Heiligkeit Primus Pacellus den Namen ‚Kirche des Seligen Darons' geben!". Der Bischof hielt inne und nach einigen Momenten der Rührung erbebte alsdann das Haus des Einen unter tosendem Applaus. Es dauerte einige Minuten, bevor seine Exzellenz Benedikt Honorius die Gläubigen mit einem Segen entlassen konnte und seine Messe mit den Worten schloß, daß es ihn als Hauptspittler der Templer zu Ankur besonders erfreue, daß seine Glaubensbrüder dieses Haus des Einen auf solch gutem Fundament errichtet haben, auf daß das Bauwerk in Ewigkeit stehen würde. Weiterhin danke er der Heiligen Ceridischen Kirche für ihren großzügigen Beitrag zur Finanzierung dieses Bauvorhabens. Im Anschluß an die Messe feierten die Versammelten noch bis in die tiefe Nacht hinein, wobei auch so manches Gespräch unter vier Augen geführt wurde.
 

Schlechte Kunde aus der Leomark!

Unruhig lief der Bote auf dem steinernen Boden vor dem markgräflichen Thronsaal auf und ab. Nervös spielten seine Finger an dem Hut herum, den er bei Betreten der Burg unverzüglich abgenommen hatte. Es galt zu warten, denn seine Hochgeboren hatte eine Unterredung mit Kahra von Breitfurt, der tlamanischen Botschafterin in Norrland-Brassach. Der Blick des Meldereiters pendelte ständig zwischen der großen hölzernen Tür zum Thronsaal und seiner Ledertasche, die er mit einem Gurt geschultert hatte, hin und her. Sein gesamtes Auftreten verriet dem Betrachter, daß er sich in seiner Lage sichtlich unwohl fühlte und zu dieser Stunde wohl lieber woanders gewesen wäre. Aber es waren Pflicht und Gehorsam, die ihn als Soldat der Templer zu Ankur auszeichneten und dazu ‚zwangen', diesen schweren Weg zu gehen. "Oh Herr, wieso mußte gerade mich der Landkomtur auswählen, dem Markgrafen diese traurige Botschaft zu überbringen.", dachte sich Herod, "Und wieso mußtest gerade Du, Answill, bei Deinem letzten Auftrag vom Pferd fallen und Dir ein Bein brechen?! Dies wäre Dein Ritt gewesen!". In seinen Gedanken versuchte der Bote einen Grund für die Wahl des Komturs zu finden: "Lag es denn daran, daß ich auch aus Herrach kam? Und unter Andreck gedient hatte?". Herod kannte den traurigen Inhalt der Depesche nur zu gut. So hatte der Landkomtur Feuerbach, Erften von Markingen, seinen Hauptleuten die Depesche aus den nördlichsten Ländereien des Fürstentums Drachenhain in seiner Gegenwart vorgelesen, um die Offiziere zu erhöhter Wachsamkeit an der ‚Pforte zu Ostarien' zu ermahnen: Die Leomark durch die Ödländer schwer bedrängt, Xurl-Saleenia in den Händen des Feindes, viele Tote auch in den Reihen der Templer, Andreck von Herrach im Kampfgetümmel am Ufer des Jolborns vermißt. Vermutlich sei er tot, jemand sah ihn zu Boden gehen! "Geht in Norrland-Brassach denn immer Glück mit Leid Hand in Hand? Hatten wir nicht gerade noch die Seligsprechung Daron von Brassachs gefeiert?". Der Bote ließ in Gedanken die Ereignisse der letzten Jahre vorbeiziehen. "Ja, in den letzten Jahren war es oftmals so, daß einer guten Nachricht stets schlechte Kunde folgte: Die Ernennung Kalverams zum Großmeister der Templer zu Ankur, die Hochzeit mit Lenia und die Geburt ihrer ersten Kinder, all diese Dinge gingen einher dem Leid, Elend und Tod einiger verlorener Schlachten!". Herod zuckte zusammen, als ihn Bruder Gisberus, der Hofmeister in Tarnam, am linken Arm berührte und ihn so aus seinen Gedanken riß. "Mein Sohn, der Markgraf empfängt Dich nun!". Herod nickte dem Priesterbruder der Templer zu Ankur kurz zu. Dann musterte er die offenstehende Tür, nahm all seinen Mut zusammen und trat ein. Hinter ihm schloß Gisberus leise die Tür. [...]

Besucht Betis!
Zielort der Tour von Heligonia!


 

Drachenhainer Herold

Höret, Höret,

Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu wissen:

Primo: 
Seine Durchlaucht verzeiht hiermit all jenen Beteiligten der unseligen Vorkommnisse in den Wolfenfeld Kavernen vor einigen Monden, als man wider dem ausdrücklichen Verbot und in aller Heimlichkeit jenen vermaledeiten Apparatus an den Leib des Prinzen von Drachenhain anschloss, um Versuche wider den Willen des Einen und der Natur zu unternehmen.
Seine Hochgeboren, Prinz Leomar, ist inzwischen kraft des Einen Macht genesen und weilt in der Baronie Tlamana.
Seid also fortan ohne Furcht, alle Anstrengungen Eurer habhaft zu werden wurden, sofern überhaupt angestrengt, nun eingestellt.
Dennoch seid alle gewarnt: Magie ist Lockspeise des Bösen!

Secundo:
Der Drachentrutzer Edle Richard Godfrey von Streitberg sei von diesem Tage an aufgrund seiner hervorragenden Dienste am Fürstentume Drachenhain mit der Baronie Tagil belehnt. Möge seiner Hochwohlgeboren eine lange und segensreiche Regierung beschert sein!

Gegeben im Rebenmond.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von Drachenhain

Leben und Tod unter dem Trommelhall des Ödlings!

Es berichtet der ehemalige Schreiber der fürstlich Drachenhainer Kommandantur Xurl-Saleenias, Utis Talkbinder

Mit meinem Bericht möchte ich just an der Stelle einsetzen, da der Angriff der Ödländer auf Xurl-Saleenia gerade noch durch das tapfere Einschreiten der Vjoshavener Mannen, die seine Hochwohlgeboren Vogt Rasekorn vom Schinderteich für unsere Sache gewonnen hatte, abgewehrt wurde. 

In den Gassen der Ansiedlung Xurl-Saleenia roch es indes noch nach Brand, als wenige Tage später endlich aus dem Süden zusätzliche Verstärkung anrückte. Das war wohl auch dringend von Nöten, da die Besatzung der Leomark doch einen erheblichen Blutzoll hatte zahlen müssen. Bei den Göttern, fast vierhundert Leiber mussten wir begraben: Drackensteiger, Luchner, Dunkelsteiner, Tlamaner - wie tapfer hatten sie gekämpft. Thaler, Templer und Lindfurter, Seit an Seit - wie lagen sie bleich in ihrem Blute. Da kamen die hünenhaften Angaheymer und die kriegsharten Wolfenfelder von Kratopolis gerade zur rechten Zeit.
Viel Arbeit gab es an diesen Tagen für mich armen Schreiber, unser guter Vogt Samuel von Turlach kam bald jede Stund mit einer neuen Listierung. Und draußen war der Ödling währenddessen emsig. Vor dem Nordwall zog er seine Schanzen täglicher höher und täglich wurden mehr schwere Kriegsmaschinen dahinter aufgebaut. Doch auch wir waren nicht müßig. Obwohl das Bauholz knapp war, verstärkten wir die Mauer so gut es ging. Zeitgleich verschafften wir uns beim Gegner durch blitzartige Ausfälle Respekt, die oft von Baronin Josephina, Andrek von Herrach, oder Fürst Nial selbst, geführt wurden. Auch Tallrim Stabschwinger und Arandis von Schwarzensteyn waren bei vielen dieser Ausfälle dabei. Aber der Ödling wetzte derweil das Messer und dann war die Zeit des Wartens vorüber. So war es noch nicht ganz Tag, als die Alarmglocken Sturm läuteten, Männer und Frauen zu den Waffen griffen und entschlossen auf den Wehrgängen Stellung nahmen. Vogt Samuel, hoch zu Ross mit blankem Schwerte, ordnete die Haufen. Der erste Angriff gegen die Nordmauer war mörderisch und konnte gerade noch abgewehrt werden. Da hoben aber die Kriegsmaschinen des Ödlings an, feurige Geschosse auf hinter die Mauer liegende Häuser zu schießen. Sengende Hitze und beißender Rauch breitete sich aus und schwächte uns vom Rücken her. Löschtrupps formierten sich, da wogte auch schon der zweite Ansturm an unseren Wall. Dutzende von Leitern wurde zwar noch von uns zerhauen, doch der Wilde brachte auf einmal Grassoden daher, schichtete diese zu einer Rampe und mit einem Mal sprangen schon vereinzelt die Leiber der Angreifer über die nun nutzlos gewordene Mauer. Auch auf dem Wall drangen sie vor. Hier kamen sie aber nur bis zum großen Eckturm, der schon aus Stein gebaut war. Hier war der Widerstand der Heligonier stark. Plötzlich, nachdem sie das trutzige Gebäude schon zwei Mal berannt hatten, zogen sich die Feinde ein Stück zurück und das Unglaubliche geschah: Der Boden dort begann zu wanken, Risse bildeten sich im Mauerwerk. Fürst Nial, der den Widerstand dort leitete, erkannte gerade noch die Gefahr und befahl sofort allen, den Turm zu verlassen. Als letzter rettete er sich ins Freie, als der Turm mit lautem Krachen und Getöse in sich zusammenfiel. Dies Unglück wäre dem Fürsten fast zum Verhängnis geworden: Ein schwerer Stein krachte auf ihn herunter und nur der Helm rettete ihm das Leben. Die Übrigen seiner getreuen Leibwacher versuchten seine Durchlaucht in Sicherheit zu bringen. Jetzt war das Wirrwarr groß und Entsetzen breitete sich aus. In all dem Durcheinander versuchte die Hauptleute dennoch Ordnung zu halten, immer wieder formierte sich der Widerstand der Unsrigen. Jelina von Purpurfeld, die mutige Hauptmännin der tlamanischen Pikeniere fiel, von vielen Pfeilen getroffen. Eine kleine Gruppe um Arandis von Schwarzensteyn schaffte es, den Ödlingen die Fahne der Leomark zu entreißen, bevor sie von den Barbaren verbrannt werden konnte. Ich weiß nicht genau, wie die übrigen es geschafft haben sich im wilden Kriegsgetümmel zu verständigen, aber letztendlich stand ein jeder der noch lebte mit dem Rücken zum Jolborn. "Rückzug, bemannt die Schiffe!" erscholl es nun allenthalben. Die einen stürzten in Panik, die anderen, von den Hauptleuten geführt, stiegen halbwegs geordnet in die rettenden Boote. Rasch legten die Heligonier ab, nur einem Schiff, ich weiß nicht welchem, gelang es nicht mehr die Leinen loszumachen - wir haben die Menschen dort nie wiedergesehen. Es heißt irgendwer habe auch Andrek von Herrach, Vestalin des Templertrupps, im Getümmel der bis zuletzt standhaft Kämpfenden gesehen. Es sähe dem tapferen Rittersmann wahrhaftig ähnlich, sein Leben für das vieler geopfert zu haben. Der letzte, den wir mit der Fahne der Leomark in der Hand an Bord eines Bootes zogen, war der junge Arandis.
Wenige wagten einen Blick zurück, doch jene werden den Anblick, der in Feuer und Rauch gehüllten Stadt, nie vergessen... 
 

Rückkehr aus Mahanel

Der Baron Luchnars, Koldewaiht von Hautzensteyn, ist von seinem Dienst in der Vogtei Saarkas zurückgekehrt. Offenbar blieben er und seine Schwester Vyslaine Roswith sogar einige Tage länger als vereinbart. Der Heliosbote fragte den Baron, ob damit die Beleidigung der Vogtin Maline gesühnt sei. Er antwortete jedoch, dies sei eine Angelegenheit zwischen der Hochgeweihten und ihm. Immerhin ließ er durchblicken, dass ein weiterer Besuch seiner Schwester in Mahanel geplant sei. Somit muss die geplante Versöhnung nach Einschätzung des Boten stattgefunden haben. 
 

Auf dem Fels in der Brandung - Kratopolis

Es berichtet Wenzelaus von Rosengold für den Heliosboten
Nachdem die Unterhandlung mit den Ödlandbarbaren beendet war, machten wir uns so schnell als möglich nach Norden auf. In Kratopolis angekommen, kam es zu einer Unterredung der Noblen am Runden Tische. Noch am selben Tage machten sich Baronin Josephina von Wolfenfeld nebst Fürst Nial von Angaheym mit ihren Heerscharen eilends zur Verstärkung des Bruders nach Xurl-Saleenia auf. Die übrigen Noblen befahlen die weitere Verstärkung der Wälle. Zugleich begann eine seltsame Maßnahme. Jeder Soldat, der nur einigermaßen des Schreibens mächtig war, wurde unter die Leute der Siedlung und der Flüchtlinge geschickt. Der Name jeder befragten Person wurde notiert. Die Soldaten fragten jederman nach irgendwelchen auffälligen Begebenheiten bei der Besiedlung des Landes und auch der Jahre danach. Dies rief allseits Verwunderung hervor, aber die meisten standen brav Rede und Antwort. Bald ging das Gerücht um, es werde nach einem hier einst von den Barbaren vergrabenen Schatz gesucht. Bei den Hauptleuten wurden die Nachrichten gesammelt. Haagen von Aueneck, Ramon von Rakesh, Helior von Luzenstein, Foranan McDonough, Eskal Sykaldius (Schreiber der Universität Tlamana) und Krator von Rebenhain persönlich sollen so manche Nacht über den Papierfetzen gebeugt verbracht haben.
Bald waren fast alle befragt.
Mein geneigter Leser wird sich fragen, "Weshalb das alles?". Eines Tage schien die Lösung gefunden. Ein ganzes Viertel wurde auf den Kopf gestellt. Die Gerüchte, was denn nun gesucht würde, wurden immer wilder. Noch während die Krieger bei der Arbeit waren, geschah etwas andere. Schiffe aus Xurl-Saleenia trafen ein. Was für ein Anblick! Teilweise schwer Verwundete entstiegen den Schiffen, alle von Hunger und Krieg gezeichnet. Kaum einer, der nicht die Hand in der Schlinge oder den Kopf verbunden hatte. Mehrere Tage hatten sich die Armen auf Schiffen ohne Proviant den Jolborn herunter geflüchtet. Sofort wurde Kriegsrat gehalten. Gab es ohnehin kein Fleisch mehr für uns in der Taverne zu kaufen, wurde jetzt das Essen noch knapper. Der letzte Met wurde an die Flüchtlinge ausgegeben, jeder Stall war bewohnt. Die Nachricht war unumstößlich: Xurl-Saleenia, die Trutze der Leomark, war gefallen. 
Besorgniserregend war auch der Zustand mehrerer Adeliger. Fürst Nial wußte ob eines schweren Kopftreffers mehrere Wochen nicht wer er war, Samuel von Turlach wälzte sich im Wundfieber. Josephina von Drachenhain die von einem Giftpfeil getroffen worden war und auf dem Schiff nur notdürftig gepflegt worden war stand auf der Schwelle zwischen Leben und Tod. Auch Arandis von Schwarzensteyn rang ob seiner vielen Verletzungen mit dem Tod. Einzig Rasekorn vom Schinderteich war unverletzt und konnte Bericht erstatten. Gemeinsam betrauerte man die Gefallenen.
Inzwischen schien auch das Gesuchte gefunden. Ein Trupp kräftiger Tolenser zog aus einem - inzwischen leergefegten - Schweinestall, dessen Besitzer mit dem ersten Auftauchen der Ödländer geflohen war, einen großen Trog heraus. Wer hätte auch an solch ein Ding gedacht!
Ich habe ihn nicht selbst gesehen, aber er soll über und über mit obskuren Schriftzeichen übersät gewesen sein. Angeblich wurde das Ding von dem inzwischen Geflüchteten bei der Besiedelung entdeckt und war seither als Schweinetrog verwendet worden sein. Anscheinend war dies "der Stein des Anstoßes", den die Barbaren haben wollten, wofür so viele brave Menschen sterben mussten. Auf dem Fuße wurden Unterhändler zu den Ödländern geschickt, damit diese unselige Sache endlich ein Ende haben sollte. Leider konnte nichts bei den verstockten Barbaren bewegt werden, als daß sie sich auf eine weitere Unterhandlung in zehn Tagen einlassen wollten. Alle Bemühungen, die Frist zu verkürzen wurden rigoros abgelehnt. Während dieser Tage starb darum noch mancher Mensch an Wundbrand oder Schwäche. 
Eine Ruhe wie vor dem Sturm breitete sich in der Stadt aus. Selbst der Witz über die Betiser Diplomaten wurde nicht mehr so oft bemüht. Nur noch selten wurden die nächtlichen Patrouillen  in das Vorfeld durchgeführt. Blickte man über die Wälle, so war auch im Barbarenlager, das eine gute Strecke vor den Toren lag und schwer befestigt war, nur wenig Bewegung zu sehen.
Am 13. des 2. Xurl, an dem Tag da die Unterhandlung erfolgen sollte, war allseits die Spannung kaum noch zu ertragen. Das Heer wurde hinter den Wällen aufgestellt. Zur Mittagszeit war es endlich so weit: Die Tor des feindlichen Lagers öffneten sich, und wie Blut aus einer frischen Wunde, ergoss sich ein Strom von Kriegern auf das freie Feld. Vom Norden her ertönten Trommeln und ein weiterer Heerwurm bewegte sich heran. Beide Heere vereinigten sich und stellten sich mehrere Pfeilschusslängen vor der Stadt zu einem Meer von Feinden auf. Unter den Befehlshabern der Unseren soll es zu diesem Zeitpunkt eine kurze aber heftige Auseinandersetzung gegeben haben. Schließlich aber öffneten wir die Tore und unbeeindruckt von der Drohung in der Ferne, stellte sich das heligonische Heer jetzt vor den Mauern auf. Dann traten von beiden Seiten die Hauptleute vor, um sich in der Mitte zu treffen. Es wurden nicht viele Worte gewechselt und auf ein Handzeichen Baron Krators hin wurde der Steintrog, von einem Dutzend prächtig bunt gekleideter Rakesh-Krieger getragen, zur Mitte gebracht. Daraufhin hob ein gar wunderliches Schauspiel an. Staub wirbelte auf, als der schwere Stein mühsam zu Boden gelassen wurde. Aus den Reihen des Feindes lösten sich fünf riesenhafte Hünen, die nichts als Lendenschurze und fremdartig gebogene Schwerter in den Händen trugen. Diese setzten sich nun mit entrücktem Blick in den großen Trog und entleibten sich der Länge nach vom Bauch aufwärts. Lauter Jubel erscholl aus den Reihen der Gegner. Ihr Oberhäuptling, der eine schwarz-grau schimmernde, mit Hörnern bespickten Rüstung trug und dessen Gesicht und Haar von einer Schicht Tierfett nur so glänzte, hob Ruhe gebietend die Hand - Stille kehrte ein. Noch einmal sprach er zu unseren Hauptleuten. Angeblich soll er fehlerfrei heligonisch gesprochen haben, aber das glaube wer will. Von dem Gesagten ist nur der letzte Teil bekannt. Er soll Folgendes verkündet haben:
"Hört meine Worte, Weichhäuter: Wir halten unser Wort und wissen auch, wie man sich Unterhändlern gegenüber verhält. Für jetzt soll Frieden sein, aber bedenkt eure zukünftigen Taten gut!" 
Inzwischen hatte ein Trupp der Feinde den Steintrog mit seinem grausamen Inhalt hochgehoben und davongetragen. Schließlich wandten sich die Anführer der Feinde um, schritten in ihre Reihen und so wie der Spuk vor Jahr und Tag begonnen hatte, verschwand er wieder in den Weiten des Ödlands.
 

Öffentliche Verlautbarung der Häuser Rebenhain und Silberlauf:

Hiermit geben wir zu Kund und Wissen, daß am 22. Tag des zweiten Xurl sich auf ein Jahr und einen Tag verheiratet haben 

Samira von Silberlauf 
und
 Krator von Rebenhain.

Zur Feier dieses Freudentages wird das frisch verheiratete Paar zum Vergnügen des Volkes und allerhand geladener Gäste ein Fest in Pogelsweiler ausrichten.

Diese Verlautbarung wurde aufgesetzt am 23. Tag des zweiten Xurl.
 

Trüffelfest in Störenweiler

Störenweiler, den 15. Tag im 3. Xurl, n. A. III. 29

Wie jedes Jahr, so beginnt auch diesmal die Schweinsnasenfrüchtesaison Mitte des dritten Xurl in der Vogtei Störenweiler. Diese liegt, wie jedermann weiß, am Rande des Trüffelforstes, in dem die begehrten Erdfrüchte in recht gutem Bestand gedeihen und zwischen dem 3. Xurl und dem 1. Poena geerntet werden können. Auch dieses Jahr kann reiche Ernte erwartet werden, dies zeigten erste Kontrollen bereits im Sommer, bei denen nach dem auffälligen "Hahnentrittabdruck" unter den Bäumen gesucht wird. Findet man einen, so schlägt man mit Zweigen auf das Gras und wenn Fliegen auffliegen, dann hat man ziemlich sicher eine Schweinsnasenfrucht gefunden. Vor allem die beste Sorte, der "Schwarze Diamant" - der Schwarztrüffel also - wurde in der letzten Erntezeit, vor allem im 1. Saarka, der Hauptzeit dieser unterirdischen Früchte, besonders oft gefunden, was zu nicht unerheblichen Mehreinnahmen der Vogtei geführt hatte. Grund genug also, auch auf dem diesjährigen Fest zu Beginn der Trüffelsaison ein Dankesritual abzuhalten, bei dem zu Ehren Poenas, die den Boden unter den Schweinsnasenfrüchtebäumen - Steineichen und Haselnuß - kalkig genug macht, zu Ehren Xurls, der häufigen Gewitterregen schickt und zu Ehren Helios, der des Sommers die Erde ausdörrt, gedacht wurde. 
Danach wurde das vögtliche Trüffelprivileg für die Familien verlesen, die von alters her (und gegen einen geringen Obulus) das recht haben, Trüffelbäume zu pflanzen, Trüffelschweine zu halten und Schweinsnasenfrüchte zu ernten und zu verkaufen.
Im Anschluß an die Verleihung der Privilegien wurden dann noch die Strafen verkündet, die der zu gewärtigen hat, der minderwertige Ware anbietet oder gar Trüffel wildert, wobei auf letzteres der Tod steht. ebenfalls hat der sein Leben verwirkt, der eines der kostbaren Schweine stiehlt. 
Und da bei einem Trüffelmahl die Männer immer höflicher, die Frauen aber immer lieblicher werden, wurde zum Abschluß des Festes die traditionelle Speise gereicht:
Dafür werden schon morgens Eier aufgeschlagen, verrührt und in eine mit einem Deckel zu verschließende Form geschüttet. Dazu kommen nicht zu knapp in hauchdünne Scheiben geschnittene frische Schweinsnasenfrüchte. Tagsüber wird das Gefäß im kühlen aufbewahrt. Abends muß man dann einen Topf heißen Wassers aufsetzen. In das kochende Wasser setzt man ein Gefäß, in das man die Eiermasse, gewürzt mit Salz und Pfeffer und schaumig geschlagen gießt. Nur ein bis zwei Momente erwärmen, damit es nicht zu fest wird. Dann kann man den Brei essen, dazu reicht man weißes Brot.
 

Einfuhrverbot für Weihrauch in Störenweiler

Störenweiler, den 30. Tag des 3. Xurl 29 n. A. III.
Der Edle Herr Rasekorn vom Schinderteich, Vogt zu Störenweiler, tut hiermit kund und zu wissen jedermann, daß fürderhin niemand, weder arm noch reich, weder alt noch jung und überhaupt keine Person in Zukunft und für immerdar das Recht hat, Weihrauch im Hafen von Störenweiler umzuschlagen, oder sonst irgend einzuführen, zu kaufen oder zu veräußern. 
Wer dies nicht beachtet, der stellt sich gegen die von Helios gewollte Ordnung und muß ferner gewiß sein, daß er sein Leben und unsere Huld verwirkt hat, jetzt und auch später.
Ich Wolfher, der Kanzler,
 habe das auf Befehl des Vogtes geschrieben und anschlagen lassen
 

Bericht über den Machtwechsel in Tagil:

Der Drachentrutzer Edle Richard Godfrey von Streitberg führt den von Fürst Waldemar entsandten Feldzug nach Tagil mit großem Engagement an, um wieder Ordnung in der abtrünnig gewordene Baronie herzustellen.

Dem aus Tagil stammende Ritter, ein Nachkomme des alten Clans der MacGodfreys, sind die Landschaftsverhältnisse aus Kindertagen wohl bekannt, so dass er eventuelle Hinterhalte und Verstecke hätte erahnen können und gut darauf vorbereitet war. Er führte die ihm unterstellen Truppen mit rechter Hand ins Hochland und lies immer wieder verlauten, dass das Wohl des Volkes und des Landes an erster Stelle stehe. Nur wenn bewaffneter Widerstand geboten wird, soll zur Waffe gegriffen werden.

Die Streittruppen ritten zügig, um schnellstmöglich nach Tagil zu gelangen. Das Heer wurde von Richard nicht sofort von Drachentrutz aus nach Tairngire geführt. Er nahm einige Umwege über kleinere Dörfer in Kauf, um die Stimmung des Volkes zu prüfen. Im einem Weiler erfuhren sie , das der Lord und die beiden anderen Clanführer bereits das Land verlassen hatten.. Der edle Richard zeigte keinerlei Interesse, den Abtrünnigen zu folgen und sie zu stellen. Er soll wohl in früheren Tagen ein recht gutes Verhältnis zu Lord Angus McPhee gehabt haben.

Sie fanden teilweise ein verunsichertes Volk vor, das recht froh war, das die unstabilen Verhältnisse der letzten  Monde nun vorüber waren. Anderseits wurden aber auch Stimmen aus dem Volk laut, die sehr über den Verlust ihres geliebten Lord Angus erbost waren. Allerdings stießen Richards Mannen auf keinerlei bewaffneten Widerstand und konnten daher ungehindert nach Tairngire einziehen. Sein Heer ließ er vor den Stadttoren Lager aufschlagen und zog mit nur wenigen Vertrauten in die Hauptstadt Tagils ein.

Bereits am südlichen Stadttor wurde Richard von Brian McPhee empfangen, der ihm ohne großen Worte den Amtsschlüssel zur Stadt und den Heliosbrief von Angus übergab.
Richard Godfrey von Streitberg gab dem Bruder des alten Lords folgende Worte mit auf den Weg:

"Veränderungen gab es viele in der langen Zeit der Clans. Ich wünsche uns, dass ein jeder für sich mit der jetzigen Wendung des Schicksals umgehen kann. Mögen für Tagil die Zeiten des Wohlstands und des Reichtum, des Glückes und des Friedens auch unter neuen Sternen bestehen!"

Daraufhin ließ Richard den Bruder des alten Lords, Brian McPhee, von dannen ziehen und sicherte ihm freies Geleit zu.
Der Drachentrutzer Ritter bezieht daraufhin Stellung in Tairngire und wartete auf neue Befehle. In der Zwischenzeit versucht er, das Volk zu beruhigen und die  Normalität in Tagil wieder herzustellen, was ihm in der Kürze der Zeit auch recht gut gelingt

Am 1. des dritten Xurlmondes erhält er von Fürst Waldemar Nachricht, der ihm in einem Brief aufs herzlichste dankt und ihm als Lohn für seine Dienste die Baronie Tagil unterstellt. Dem Schreiben liegt der rechtsgültige Heliosbrief bei.

Richards Freude war sehr groß, vor allem das nach all den Jahren endlich wieder ein Godfrey die Geschehnisse des Landes leiten soll. Niemand, besonders nicht Richard, hätte die Wendung des Schicksals erahnt oder erhofft. Doch ist ihm wohl bewusst, das es keine leichte Aufgabe wird, Tagil zu führen und als neuer Baron von innen, sowie von außen anerkannt zu werden. Er will sich der Situation stellen und ruft einen Schreiber in sein Gemach und diktiert ihm einige Briefe.

Der erste ist an Fürst Waldemar von Drachenhain gerichtet. Richard bedankt sich für die Ehre und das Vertrauen, das Waldemar ihm entgegen bringt und sichert ihm zu, das er Tagil gerecht und weise regieren werde.

Die anderen Nachrichten ergehen an ihre Erlaucht, Regentin Walluma von Ostarien und an die Hochlwohlgeboren Baron Krator von Rebenhain, Baron Foranan McDonough, Baronin Jefferindell von Jolbenstein und an Baron Koldewaiht von Hautzensteyn. In diesen Schreiben benachrichtigt er seine Nachbarn vom Machtwechsel in Tagil und bittet um die Fortführung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Drachenhainer Baronien.

Nachdem die Finger des Schreibers ganz wund sind, entlässt ihn Richard und begibt sich selbst an sein Schreibpult. Er zieht nochmals drei Pergamentblätter aus der Lederhülle und informiert damit seine drei geliebten Schwestern. Er bittet sie baldmöglichst nach Taringire zu reisen, um mit ihm die zurück gewonnene Familienehre zu feiern.

Noch in der Nacht reiten die Boten mit den jeweiligen Briefen im Gepäck zu ihren Empfängern. Doch sind dies nicht die einzigen Reiter, die an diesem Tage die Stadt Tairngire im Galopp verlassen. Richard hat noch einige Boten zu den einzelnen Clans gesandt. Sie sollen den Ältesten Nachricht über die Wendung bringen und sie zum Clanrat Anfang nächsten des nächsten Mondes zusammenrufen.

Nach diesem ereignisreichen Tag legt sich Richard Godfrey von Streiberg nieder und fällt ihn einen tiefen traumlosen Schaf.

Xaver Wieselkiel, 5. Xurl  im Kargmond, Schreiber des Baron Richard Godfrey von Streiberg

Von eiligen Boten und geschwätzigen Knechten

In den frühen Mittagsstunden, zwischen Tlamana und der Drachentrutz, hält der berittene Bote mit der einen Hand seinen breiten Hut und mit der anderen treibt er sein Pferd zu höherer Geschwindigkeit an. Das Cape flattert im Wind. Um seinen Oberkörper hängt eine schwere Ledertasche voll mit Korrespondenzpapier. Manchen Brief schmückt ein hochherrschaftliches Wappensiegel, manch anderes Schreiben hält lediglich eine zwiefach geknotete grobe Schnur geschlossen. Mit donnernden Hufen macht sich der Bote auf den Weg zur Feste hinauf. Der Anstieg nimmt stetig zu, aber zum Glück ist es nun nicht mehr allzu weit. Dank des Aximistilliusweges wird er in wenigen Stunden bei Suppe und Brot am Kaminfeuer sitzen und den einfältigen Mägden von der großen weiten Welt Heligonias erzählen. Der Gedanke daran macht ihn nachlässig, gerade noch rechtzeitig entdeckt er die Unebenheit in der Straße und lenkt den erschrockenen Gaul zur Seite. Die Sache ist noch einmal gut ausgegangen, denkt der Reiter bei sich. Jedoch bemerkt er nicht, wie bei diesem Manöver ein Brief aus der Tasche weht und einem Wandersmann unverhofft direkt vor die Füße segelt. Der freut sich und macht sich sogleich daran, den Brief zu lesen...

Auf diese Weise, oder so ähnlich, gelangte der folgende Brief in die Hände des Helios-Boten. Ob des brisanten Inhaltes, haben wir es uns nicht nehmen lassen, denselben in voller Länge zu veröffentlichen. Den Brief ließen wir hernach natürlich dem wahren Adressaten zukommen, inzwischen müsste sie ihn in ihren Händen halten.

Liebste Janne,
Nein, ich werd in diesem Jahr nimmer Heim kommen. Überhaupt kanns sichs treffen, dass ich überhaupt nimmer Heim komm! Hier im Tlamanischen ists nämlich trefflich schön, viel schöner als auf der Drachentrutz, beim Fürsten dem alten Grieskram! Und auch mein Herr der Prinz Leomar ist zufrieden mit mir und hat mir eine Anstellung bei den Mirainischen Gärtnern besorgt, er jagt übrigens wieder, der Prinz. Im Augenblicke Darianer an der südlichen Grenze. Im Garten macht die Arbeit tatsächlich Freude, auch wenn ich ein wenig verlacht werd wenn ich rede - aber das macht nichts. Er, der Prinz, wird übrigens auch nicht mehr zurückkommen, wie ich hörte. Meine Gänse Schnarrer und Klapperer schenke bitte dem alten Garbenhaar, mein Schemel und den Lederflickenmantel unseres Vaters soll die Magd Claria bekommen. Du, liebe Schwester, sollst die beiden Dukaten haben, die ich unter der ersten Diele der ersten Gesindestube versteckt halte und auch mein treuer Esel Larius soll fortan Dir gehören! Woher ich weiß, dass der Prinz nicht mehr zurückkommt? Als der edle Ritter Trajan von Sarras aus Rebenhain nach Tlamana kam um mit meinem Herrn zu sprechen, da hab ich an der Tür gehorcht. Du musst mir aber versprechen, dass dies ausschließlich unter uns bleibt! Übringens ist auch die Baronin von Tlamana sehr nett und unbeschreiblich schön! Ich schwöre Dir, bei meiner ersten Begegnung mit ihr strich sie mir doch tatsächlich über den Bart und sagte: "Braver Bronu. Tapfer bist Du gewesen, als Du deinen Herrn Leomar von der Drachentrutz geführt hast. Brav getan!" Und dann habe ich einen Golddukaten bekommen! Ach ja, ich wollte Dir noch sagen, was ich belauscht habe: Also der Prinz sagte so ungefähr: "Ich werde nach Drachenhain zurückkehren, um den Fürstenhut aus meines Vaters Händen aufgesetzt zu bekommen. Erst dann!" Du siehst, aus einer Rückkehr wird wohl nichts werden, denn Du weißt wie ich, dass es einen solchen Hut auf der ganzen Feste keinen gibt. Nur die Leut auf dem Feld tragen einen gegen die große Hitze. Und Seine Durchlaucht habe ich noch nie nicht einen Hut tragen sehen. Bei den Vieren, das sehe sicher auch recht komisch aus: der Fürst mit Hut und Sense auf den Antrutzer Feldern...

Leb wohl und vergiss mich nicht!
Dein treuer Bruder Bronu, der Kutscher des Prinzen Leomar
 

Neues aus Tagil:

Nachdem Lord Angus McPhee und sein Clan, sowie zwei weitere große Clans Tagil verlassen haben, scheint sich die angespannte Lage etwas zu beruhigen. Fürst Waldemar von Drachenhain ernannte Richard Godfrey von Streitberg zum neuen Baron von Tagil. Dieser rief aufgrund der besonderen Umstände den Ältestenrat zusammen. Davon will ich nun Kunde bringen, was sich an diesem Ersten des Frostmondes in Tagil zugetragen hat:

Der Tag des Rates brach strahlend, leuchtend und vor Kälte klirrend an. Die ganze Nacht hindurch waren die Menschen aus ganz Tagil nach Tairngire geströmt, um mitzuerleben, wie die Clans über ihren neuen Baron urteilen werden. Man sah Hirten, Bauern, Mägde und Marktweiber vom einfachen Volk, pelzbekleidete Männer aus dem Norden und auch einige Tiefländer, aber die Clans überwogen bei weitem, da waren die McPipes, die McEicoyd, die McCaylors und einige wenige von den geflohenen Clans der McGraths und der McAarons.  Obwohl aufgrund der eskalierenden Umstände angenommen wurde, dass nicht alle Clans vertreten sein würden, waren sie allesamt gekommen. Sie trugen den traditionellen Kilt und hatten ihre Hemden mit Blumen und Federn geschmückt.
Sie alle waren gekommen, um den neuen Baron kennen zu lernen und um zu hören, was er zu sagen hat. 

Baron von Godfrey von Streitberg hatte den großen runden Saal in der Burg frisch fegen und die Holzvertä-felung polieren lassen. Der runde Raum wurde von mehreren wuchtigen  Kerzen erleuchtet, die dem ganzen eine feierliche Stimmung verliehen. Der Haushofmeister führte die Clanoberhäupter und ihre Gefolgsleute zu ihren Plätzen. Für jeden Clan war seit je her ein eigener Clanplatz im Saal vorgesehen. Richard und seine drei Schwestern, Eilain ,  Caillein und die Saarkani Sirie nahmen je zu seiner rechten und linken Seite Platz. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Vor den Toren hatten sich Menschentrauben gebildet, denn 
Es war nur den Clanfürsten und ihren Vertrauten erlaubt, an der Sitzung teilzunehmen.

Baron Richard begrüßte die Anwesenden und hieß sie willkommen. Er sprach einige einführende Worte und ließ die vergangenen Monde Revue passieren. Nach seiner Vorstellung, war es an den Clans, das Wort zu ergreifen. Es fielen harsche Worte und gar vereinzelt waren deftige Beleidigungen über den neuen Baron zu hören. Man sprach von einem Thronschleicher, von einem verdammten Ceriden und ähnlichem. Doch war auch Gutes über die Godfreys zu vernehmen, die in der Geschichte Tagils einige bedeutende Vorfahren aufzuweisen hatten und deren Geschlecht auch in unserer Zeit noch einen guten Namen hat. 

Der Ritter Richard hörte sich dies, ohne eine Miene zu verziehen, an und tat seinen ersten Zug.
Er hob die erhöhte Alarmbereitschaft seiner Truppen auf und verlas einen Brief an Fürst Waldemar mit der Bitte die fürstlichen Truppen aus der Baronie abzuziehen. Dies brachte ihm aus den Reihen der Clans die ersten Zustimmungen ein. Anschließend hielt von Godfrey von Streitberg eine Rede über das weitere Bestehen der Baronie nach den skandalösen Ereignissen. Unter anderem führte er auf, dass das bislang gute Ansehen der Baronie stark beschädigt wurde und derob das Augenmerk des Königs nun besonders auf ihnen ruhe.
Weiterhin vertrat er die Auffassung, dass Tagil nicht mehr in seiner jetzigen form existieren könne, da doch nun die Oberhäupter der drei größten Clans und ihre nahe Familien das Land verlassen haben und die letzten Jahre der Name Tagil als Synonym für die Herrschaft des alten Lords gestanden hat. Deswegen, so verfügte er weiter, solle der Name der Baronie Tagil von nun an Gaeltacht sein.

Eine Sekunde lang herrschte Schweigen unten den Anwesenden, doch dann erhoben sich die Stimmen auf einmal und für eine Viertelstunde war keine Ruhe mehr im Kreis. Es ist ja bekannt das die Hochländer ein hitziges Gemüt haben, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt! Erst als Baron Richard seine Stimme deutlich zur Geltung brachte, kehrte eine gewisse Ruhe ein. Im nun folgenden Disput erhoben sich zuerst etliche Stimmen, die sich gegen die Umbenennung aussprachen, doch dann meldeten sich auch einige Oberhäupter der kleineren Clans zu Worte und erinnerten an den ersten und ehemaligen Namen Tagils, der gleich dem Neuen sei. Der Name Gaeltacht sei schließlich vor 250 Jahren, vor der Herrschaft der McPhees, der Name des Landes gewesen und da diese nun nicht mehr hier seien, sei es nur gut, den alten Namen wieder anzunehmen. Richard erzählte nun die überlieferte Geschichte des Landes, davon dass es schon früher sieben Clans gab und dass das Land in drei Provinzen gegliedert war, in Volksstein, in Föhrengrund und in Etain.
Daraufhin ließ Richard die versammelten Personen über die Namensänderungen abstimmen. Man hatte den Eindruck, dass ihm eine Mehrheit wichtig war, obwohl er auf die Entscheidung der Clans nicht angewiesen war. Dies wurde allgemein begrüßt. Nun denn, die Angehörigen Richards pflichteten ihm natürlich bei, die McPipes, die McEicoyds und die McCaylors ebenso. Erstaunlicher Weise stimmten auch die wenigen Verbleibenden der McPhees für den Vorschlag - die einzige Erklärung dafür ist, dass sie schlecht auf ihren alten Lord zu sprechen sind. Die McGraths waren dagegen und die McAarons enthielten sich ihrer Stimme, mit der Begründung, dass sie bisher voll hinter dem alten Lord standen und dies auch in Zukunft so handhaben möchten. Der Baron akzeptierte diese Entscheidung und somit war es beschlossene Sache, dass Tagil von nun ab Gaeltacht heißen soll und in drei Provinzen aufgeteilt wird, die da heißen Volksstein, Föhrengrund und Etain, die ehemaligen Clangebiete.

Eine weitere wichtige Frage war die zukünftige Stellung der Clans. Vor allem die ehemals großen Clans, nämlich die McAarons, die McGraths und die McPhees befürchteten, ihre Besitztümer an die Baronie Gaeltacht abgeben zu müssen. Doch auch hier nahm ihnen Godfrey von Streitberg den Wind aus den Segeln, denn er bat sie, ihr Land und ihre Güter in Frieden zu behalten und darauf mit Sorgfalt zu achten, denn er wolle das Land niemals von ihnen fordern oder mit ihnen darum kämpfen. Nur die Burg in Tairngire und den Gutshof der Godfreys in Föhrengrund beanspruchte er für sich und seine Familie. Die McPhees mussten demnach die Burg in Tairngire verlassen, aber nachdem es nur noch wenige Familien sind, stieß Richard auf wenig Widerstand. Ihnen wurde ein Hof in Volksstein zugeteilt. 
Auch in Zukunft soll all sechs Monde ein Clanrat stattfinden, um wichtige Anliegen zu besprechen und Entscheidungen zu treffen. Damit waren alle einverstanden.

Ich will und kann nicht alles ausführen, was im Rat der Ältesten besprochen wurde, doch eins sei noch gesagt, nämlich das Baron Richard Godfrey von Streitberg der ceridischen Glaubensgemeinschaft angehört. Er brachte es nicht selbst zur Sprache, da er ahnte, dass er in dieser Frage auf den härtesten Widerstand stoßen würde. Als er darauf von George McCaylor angesprochen wurde, erzählte er dem Rat, dass er vom Einen in Drachentrutz gehört hat, als er dort als Ritter diente und er damit seinen  Glauben gefunden hat. Ross McAaron schrie daraufhin erbost in den Saal, dass Baron Godfrey von Streitberg nur seines Glaubens wegen die Baronie erhalten habe und dass sich die Hochländer niemals zum Gott ohne Namen bekehren ließen. Viele stimmten ihm bei und fielen in die Widerstandsrufe mit ein. Die folgenden Worte fielen dem Baron sehr schwer, er sagte, dass es ihm sehr wichtig sei, dass er als Ceride von den Clans anerkannt werde und er ihm Gegenzug die Clans als gläubige Ogeden anerkennen und akzeptieren will. Um dies zu beweisen, nahmen auch seine Schwestern an der Sitzung teil, denn Sirie Godfrey ist eine Geweihte der Saarka und seine jüngste Schwester Caillein eine gläubige Ceridin. Er erklärte, dass er beide gleichermaßen liebt und ihren Glauben akzeptiert. So will er es auch mit Gaeltacht halten, einem jeden soll der von Gottesweg frei wählbar sein und offen stehen, einem jeden auf seine Weise. Für die ogedischen Bürger stehen die vielen Menhire und die große Saarkamoore in Etain zur Verfügung und für die Ceriden wird er eine Gebetsstätte in Tairngire errichten lassen, da in der Hauptstadt viele Tiefländer leben, die wie er dem ceridischen Glauben angehören. Die Clans waren mit diesem Ausgang nicht recht zufrieden, doch wollten sie abwarten, ob der sein Baron sein Wort hält.

Die nächsten Diskussionspunkte verliefen erfreulicher, man einigte sich wegen Abgaben und Schafzucht-bestimmungen, doch werde ich dies nicht weiter ausführen. Es wurden noch viele Ideen und Vorschläge eingebracht, die teilweise Zustimmung fanden oder auch gleich wieder verworfen wurden. Die Verhandlun-gen dauerten von morgens bis abends. Gleichwohl nicht alle, aber die deutliche Mehrheit schien auf der Seite des neuen Barons zu stehen.

Die Sonne neigte sich bereits am Horizont, als die Edlen des Landes dem Baron und seiner Familie die Treue schworen und ihm gelobten das Land Gaeltacht in der Not mit dem Schwert zu verteidigen.

Danach erklärte Richard die Sitzung für beendet und gab bekannt, dass nun die Dinge geklärt sind und nach guter alter Sitte ein ordentliches Fest der Aussöhnung und des Neubeginns stattfinden möge.

Bericht von Ronwold, erster gaeltachter Berichterstatter, 
Erster Tag des Frostmonds oder Erster Tag des ersten Saarkas

Tagiler!

Ich sag´s euch ! Kommt doch da so einer daher, der da meint, da hat sich ´ne Lücke aufgetan und er kann ´se jetzt nutzen. Ein ceridischer Ritter, von ´nem Tagiler Uraltgeschlecht, dass soziemlich al´s aufgebn´ hat, was man denn so nur als ehrbaren Clan hat -Sein Namen hat´er kürzt, heißt nur noch Godfrey, sein Glauben´ hat er verlor´n, ist jetzt cerid´sch. Was soll´n wir davon halten ? Der Lord gegangen, der neue den warmen Thron nicht mal erkalten lassen, sondern gleich frech besetzt ! Schand´o´Schand für Tagil ! Und dann kommt er noch gleich daher und will alles umbenennen, der Befreier der ! Unsere Geschichte raubt er uns und das, was uns Lord McPhee Gutes gebracht hat. Und noch schlimmer ! All´ die Clans ziehen mit ! Oh weh, oh weh Tagil, wo gehst du hin ?
 

Noch ein Wort zu Tagil

So hört man in den üblichen wohlinformierten Kreisen viel aus der Baronie Tagil, vielmehr muß man wohl sagen, dem ehemaligen Tagil. Theoretisch ist es ja eine gute Sache, den Landesverräter abzusetzen und auszuweisen, oder so ähnlich muß es wohl gelaufen sein. Doch auch ein neuer Nachfolger ist schnell gefunden, ein Ritter unter Protegierung von Waldemar. Theoretisch wird muß dann ja alles wieder gut werden, wenn man glauben darf. Fragt sich bloß, wen man glaubt. Ist es die wunderprächtige Versammlung der einhelligen Gemüter oder soll man den Stimmer vertrauen, die da flüstern, Tagil, Entschuldigung, Gaeltacht sei von Adveristen oder sogar von den doch zurückgebliebenen McPhees&Co durchsetzt und unterwandert worden? Nun denn, wohlfeile Öffentlichkeit der gelehrten Wohlinformiertheit, gehabt Euch!
Stets zu Eueren Diensten,
Die tHeOreTIKer

Betis - hier ist ein jeder willkommen!

Neues aus Drachenberg - Der Fall der Stadt Windenbork

Über den Feldzug des Fürsten Waldemar und seiner Mannen gegen die Leut der abtrünnigen Baronie Drachenberg von Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Herrn von Drachenhain

Es war kalt. Der Wind peitschte Eisregen über das Drachenberger Land. Vorsichtig wurden zwei mächtige Streitrösser von ihren gerüsteten Reitern den Bergpfad herunter gelenkt. Die Pferde kannten inzwischen den Weg. Doch barg er dennoch vielerlei Gefahren und war tückisch glatt, da Kälte und Nässe zusammentrafen. Der Kargmond ging zuende und die Helligkeit wollte sich an diesem Morgen nur schwer einstellen. Ein ums andere Mal wäre Adler, das vordere und ältere der beiden edlen Tiere, beinahe ausgeglitten und nur seine Erfahrung, die er in all den Jahren seines Lebens gesammelt hatte, bewahrten den alten Schimmel vor einem schrecklichen Sturz. Hochkonzentriert setzte er nun einen Huf vor den anderen. Was sein Artgenosse hinter ihm tat dürfte ihn jetzt nicht interessieren und auch die Sehnsucht nach dem warmen Stall und würzigem Heu müsste er vorerst verdrängen. Nichtsdestotrotz trieb sein Herr ihn zur Eile an, Adler gehorchte und tatsächlich ging der steinige Pfad allmählich in einen Waldweg über, wodurch die Haftung am Boden besser und die Strecke insgesamt etwas breiter wurde. Adler stieg der aromatische Duft des Waldlaubes in die Nüstern und wieder drängte sich ihm das Bild seines Stalls auf der Feste Drachentrutz auf. Fast glaubte er den jungen Knecht zu sehen, der stets nur für ihn allein zuständig war und beinahe meinte er zu verspüren, wie dieser ihn mit gewohnt sanftem Strich bürstete. Seufzend stieß das Streitross den Atem aus, und da machte auch sein Herr seinem Kummer auf die selbe Weise Luft. Ob er wohl auch so müde ist und heim in seinen Stall möchte, dachte sich Adler.
Nun aber rückte der Zweite auf, er war beim Hangabstieg zunächst in gebührendem Abstand gehalten worden. Als die beiden Rösser Seit an Seit trabten, machte der eine Reiter Anstalten zu sprechen. Hierzu schlug er die Kapuze seines groben Reitermantels zurück, wandte sich dem Älteren neben sich zu und sprach. Für einen kurzen Augenblick war das schmucke Schwert sichtbar, das in einer reichverzierten Scheide steckte und an seiner Seite ruhte.
"Euer Durchlaucht, auf ein Wort." Der Angesprochene entledigte sich sogleich ebenfalls seiner Kapuze und blickte seinem Gegenüber wohlwollend in die Augen. "Stimmt es etwas nicht, Ordensmarschall?" "Nein nein!" hob dieser an "Es ist alles recht soweit. Doch wollte ich mich nun nach Euer Strategie erkundigen, wie man das Windenborker Pack wohl am besten zur Aufgabe zwingt... Es sind ja nur noch wenige Schritt bis zum Hauptquartier, Fürst Waldemar?" Der Fürst nickte, gebot seinem neuen Schwertführer mit verschwörerischer Geste näher zu rücken und wies auf eine seiner Satteltasche: "Hierin, mein Guter, befindet sich die Lösung aller Ressentiments". Zweifel machten sich sichtbar auf den edlen Zügen des Ordensmarschalls der Templer zu Ankur breit. "Aber Euer Durchlaucht, was für ein Ding kann das sein? Die Windenborker sind nun seit drei Monden von den Thaler Soldaten belagert und umstellt. Nicht einmal einer Maus gelingt es herein oder heraus zu kommen. Dennoch zeigt sich das Pack im Innern mehr als verstockt. Dreimal hat es schon erfolglos Unterhandlungen gegeben. Warum sollten sie jetzt einsichtig sein und die Waffen strecken?" Der Fürst erwiderte auf diese Worte nur "Darum!" und lies den Ordensmarschall in die geöffneten Satteltasche spähen. Dieser nickte kurz, zeigte ansonsten aber keine Regung - im Beutel befand sich der Kopf des verräterischen Landvogtes Geller von Mannseck, der Rechten Hand Adveris hier in Drachenberg und somit Anführer der Windenborker Rebellen...

Tatsächlich zeigte des Fürsten Taktik zeitig Früchte. Die Verteidiger der Stadt Windenbork ergaben sich binnen eines Tages bedingungslos nachdem sie des Inhaltes der fürstlichen Satteltasche ansichtig wurden. Die restlichen Befehlshaber der Stadt wurde für immer aus Drachenhain verbannt.
So war also endlich die letzte Schlacht gegen die Adveristen in Drachenberg geschlagen worden. In einer leidenschaftlichen Rede, am Marktsbrunnen von Windenbork gehalten, lobte Fürst Waldemar von Drachenhain noch einmal all jene, die seinem Lande in dieser schweren Stund zu Hilfe geeilt waren. Insbesondere dankte seine Durchlaucht dem Fürstentume Thal, da sie in unverbrüchlicher Treue den Hort der Rebellen, Windenbork, belagerten und somit aufopferungsvoll den Süden der abtrünnigen Baronie befriedeten. Im gleichen Atemzug bedankte sich Fürst Waldemar beim Orden der Templer zu Ankur, mit dessen tapferen Mannen Drachenhain Seit an Seit gegen die Adveristen im Drachenberger Hinterland gekämpft und geblutet haben, wodurch es einem anderer Teil des fürstlichen Heeres möglich war, gen Tagil zu ziehen. Mit den Worten: "Dem Einen sei Ehr und Dank, nun ist Drachenberg wieder fest in unserer fürstlichen Faust!" endete der Herr von Drachenhain seine kurze Ansprache, bestieg sein stattliches Streitross und verließ mit großem Gefolge noch am selben Tag das Land gen Drachentrutz.
 

Ritterorden in Jolbenstein - Hochaskensteiner Frevel 

Vor mehreren Monaten mußte das Jolbensteiner Dorf  Moorfalden Übergriffe aus der Baronie Hochaskenstein erdulden. Die Strafe des Fürsten Waldemar folgte auf den Fuß: zwei Dörfer Hochaskensteins wurden Baronin Jefferindell Karelia auf sieben Jahre der Tributpflicht überschrieben (der Heliosbote berichtete). Zunächst nicht  geklärt werden konnte jedoch der Verbleib einer Moorfaldenerin, die von den Frevlern verschleppt worden war.
Einige tapfere fremdländische Recken schlugen nun eine Lichtung in den dunklen Wald Hochaskensteiner Taten. Die Gefährten baten am Hofe der Baronin um Quartier und fragten um die Möglichkeit einer Anstellung. Nachdem sie einige unwichtigere Aufgaben zur Zufriedenheit erfüllen konnten, betraute sie die Baronin höchstselbst mit dem Aufttrag, die verschollene Maid wiederzufinden. 
Vermutlich hatte Jefferindell Karelia auf eine solche Gelegenheit gewartet, denn die naheliegendste Spur führte in die genannten hochaskensteiner Dörfer, von denen der Übergriff ausgegangen war. Jolbensteiner wurden dort natürlich nur zähneknirschend willkommen geheißen, eine fremde Gruppe mochte zwar Aufsehen erregen, jedoch viel eher in offene Gespräche verwickelt werden. 
Dieser Plan ging zwar nicht ganz auf, da sich die Dorfbewohner als zwar einigermaßen aufgeschlossen, aber auskunftsfaul erwiesen. Jedoch wusste ein weiterer Fremder Rat: In der Gegend war eine Art Bande unterwegs, die sich mit Diebstählen und Gaunereien durchschlug und auf große Raubzüge verzichtete, um nicht an zu hohen Stellen auffällig zu werden. Eine solche Entführung konnte man ihr zutrauen. Binnen kurzem gelang den Recken, die Höhle zu finden, die der Bande Unterschlupf bot und sie zu umzingeln. Sie konnten sogar ausspähen, dass tatsächlich eine Maid in der Höhle wohnte.
Wie zu erwarten, war das Gesindel widerspenstig und vernünftigen Argumenten nicht zugänglich, so dass es zu einem Kampf kam. Die Hochaskensteiner mussten jedoch sehr rasch erkennen, dass ihnen die Gesandten der Baronin in Kampfkunst und der Huld der Götter weit überlegen waren. Bevor sie sich zu der Maid durchgekämpft hatten, setzte jedoch einer der Schurken der Maid das Messer an die Kehle, und begann, um sein Leben zu feilschen. Nachdem es klar war, dass die Maid tatsächlich die Gesuchte war, blieb den Recken nichts anderes, als die Bande leicht lädiert und dezimiert ziehen zu lassen, statt sie der Gerechtigkeit auszuliefern. Groß war der Zorn der Aufrechten darob und noch größer wurde er, als sie erkannten, dass sich die Unholde an der Moorfaldenerin vergangen hatten und sie eine Kindlein erwartete. Doch lag Poenas Segen nicht über dieser Schwangerschaft und auf dem Heimweg stürzte die Maid und verlor das Kind. Sie selbst wurde jedoch von der Göttin beschützt und erreichte Moorfalden schwach, aber außer Gefahr - Jubel und Zorn des Dorfes hielten sich wohl die Waage.
Das Unrecht war damit nicht gesühnt, aber wenigstens so weit wie möglich rückgängig gemacht. Baronin Jefferindell Karelia zeigte sich denn auch von ihrer ganzen Huld. Sie erteilte Benedict Eisenfels den Ritterschlag, ehrte auch seinen Gefährten, den Heiler Kathal Ensyrion mit einem Ehrenposten in der Hochschule zu Jolbenstein und erteilte ihnen die Erlaubnis, in Jolbenstein einen Ritterorden zu gründen, mit vielen inneren Freiheiten, jedoch der Baronin verpflichtet und ihr dienstbar, wenn Aufgaben anstehen. 
Ein Hoch auf Jolbenstein - ein Hoch auf Baronin Jefferindell Karelia - ein Hoch auf den freien Ritterorden Jolbenstein!


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Herzögliche Ostarische Hofgazette

Tuchmesse endet mit Heiratsversprechen

Die diesjährige Tuch- und Textilienmesse zu Ankur, welche Fillipo Caperie vom 5. bis zum 11. Tag des Kargmondes abhalten ließ, kann wohl als voller Erfolg gewertet werden. Zwar war die Besucherzahl wie erwartet etwas geringer als bei vergleichbaren Ereignissen in der warmen Jahreszeit. Dennoch ließ es sich eine immer noch beachtliche Menge von Besuchern, Händlern und Handwerksbetrieben nicht nehmen, sich über die aktuellen Trends und Musterkollektionen zu informieren. Da es keine Parallelveranstaltungen gab, lag die Besonderheit bei dieser Messe wohl auch vor allem in Ihrer überregionalen Bedeutung, so daß auch Gäste aus Betis und dem Süden Heligonias zugegen waren.
Gesandte der Herzöglichen Schneiderei zogen von Stand zu Stand, um der Herzogsfamilie die besten Stoffe zu sichern und sich mit Meistern aus den anderen Modemetropolen auf eine Definition für die Adelsmode des nächsten Jahres zu einigen.
Der ebenfalls mit einem Stand vertretene Ladislaus Schwartz konnte die Einkäufer der Regentin selbstverständlich zu seinen Kunden rechnen, trifft er doch den persönlichen Geschmack Wallumas ziemlich genau.
Das erstaunlichste Ereignis aber war sicherlich die Anbahnung einer unvermuteten Verbindung, die wohl alle Wirtschaftskalkulationen der letzten Zeit vollkommen über den Haufen werfen wird: Antoniella Caperie, älteste Tochter des Familienoberhauptes, die im Gegensatz zum Rest der Familie dem ogedischen Glauben treu geblieben war, wird im Mond der Besinnung mit Guntram Drahtzieher, Neffe von Theudebert Drahtzieher, in Tabruk die Poena-Ehe eingehen. Dies wurde am Ende der Messeveranstaltungen von Bevollmächtigten der beteiligten Familien bekannt gegeben und löste allerorts Freude und Erstaunen aus. Das Gerücht, daß dadurch große Veränderungen im Chison-Wirtschaftsgefüge entstehen werden, konnte nicht auf seine Wahrheit überprüft werden. Es wird allerdings damit gerechnet, daß es durch diese Verbindung zu neuen Impulse in der Herstellung von Luxusstoffen kommen wird. Wird es gar zu einer ebenso erfolgreichen Kreation kommen, wie es bis dato der allseits beliebte Chison ist? 

Letzte Schuhmacherwerkstatt verläßt die Schustergasse in Ankur
Schon seit langer Zeit ist das Zentrum der Ostarischen Bürokratie nur noch dem Namen nach eine Heimstatt für das Schustergewerbe, welches sich mittlerweile im Nordwestteil der Stadt, ganz in die Nähe des Gerber- und Sattlerviertels niedergelassen hat. Nun hat auch der letzte der Traditionsbetriebe, die Werkstatt von Meister Etzard Unkenbein, seinen Standort verlegen müssen. Auslöser war eine Erweiterung des Archivs des Amtes zur Vorbeugung von Ordnungswidrigkeiten. Damit ist nun aber auch die letzte Möglichkeit der horizontalen Ausweitung des gigantischen Schustergassenkomplexes aufgebraucht worden. Für neue Ämter müssen wohl in Zukunft weitere Untergeschosse in den vorhandenen Gebäuden eingerichtet werden. Wird eine Erweiterung des städtischen Tiefbauamtes von Nöten sein? 

 Das Amt für öffentliche Information des Marinekurierdienstes gibt bekannt:
Auch nach der Beruhigung der Verhältnisse in den Drachenhainischen Nordkolonien, wird die Ödlandflotille der Herzöglich-Ostarischen Jolbornflotte unter dem Kommando von Kommodore Einar Garstbrenner weiterhin am bisherigen Einsatzort Patrouillen fahren, sowie dabei helfen, die überlebenden Siedler mit Lebensmitteln zu versorgen. Dies wird geschehen bis eine klare Einschätzung der Situation möglich ist und offensichtlich eine Gefahr weiterer ödländischer Übergriffe nur noch in minderem Maße gegeben ist. 


Meister Unkenbein - Schustermeister in Ankur
hat eine neue Adresse:
Griebelsteingasse 19a (rechte Tür, Schild ist noch nicht montiert)

Ankur, im Fastenmond des Jahres 91 n. d. E.

Eodar genoß die letzten Augenblicke seiner Reise. Den Geruch von Leder, Holz und Wachs in der Nase und das behagliche Gefühl von Trockenheit verspürend, saß er in einer wohlgefederten Kalesche des herzöglichen Kurierdienstes und beobachtete durch die kleinen Seitenfenster das rege Treiben auf den dunkelgrauen Kopfsteinpflastern. Schnell war der Hafen und das Schiff aus seinem Blickfeld verschwunden.
Wie über den ganzen Norden und die gesamte bisherige Reise ergoß sich auch auf die herzögliche Kapitale seit vielen Wochen schon ein unermüdlicher Regen auf alles und alle herab. Das Grau der Wolken mischte sich mit dem Grau der Mauern, der Pflastersteine, der Brunnensteine und der Statuen vergangen er Herzöge. Und wenn sich, wie jetzt, zwischen den Niederschlägen eine kurze Pause einstellte, brach sofort jedermann hastig auf, um in großer Eile denjenigen Teil des Tagwerks zu verrichten, der sich unter freiem Himmel abspielte.
Auch die Kalesche wurde in rasantem Tempo durch die belebten Straßen geführt - der Kutscher hatte es ebenfalls eilig, allerdings lag seine Ungeduld nicht in dem zu erwartenden nächsten Regenschauer begründet. Er versuchte, seinen Fahrgast auf dem kürzesten Weg von der Anlegestelle der Postschifflinie im Radovan-Hafen in die Verwaltungs- und Regierungsviertel der Innenstadt zu bringen. Das Klappern der Pferdehufe und das Rumpeln der Kutsche hallten wider zwischen den trocknenden Kopfsteinpflastern und den zunehmend größer und repräsentativer wirkenden Gebäuden. Lauthals fluchend scheuchte der Kutscher immer wieder die erschrocken zur Seite springenden Passanten vor sich her. Einige Bäckergesellen, die gerade dabei waren, schwere Mehlsäcke in die alte, traditionsreiche Backstube des Augustinusdomplatzes zu schleppen, waren die letzten Opfer des Kutschers, der sein Fahrzeug zwischen ihnen und den breiten Stufen des Doms hindurch quer über den Platz auf den unförmigen Granitbau der Alten Admiralität zusteuerte.
Eodar, der noch immer aus dem Fenster blickte, gewahrte auf dem Balkon des ehemaligen Marinehauptquartiers die Ursache der Anstrengungen des Kutschers.
Er wurde erwartet.

Mit einem Ruck kam die Kalesche zum Stehen. Bevor die herbeieilenden Bediensteten ihn davon hätten abhalten können, stieß Eodar die Tür auf und sprang geradewegs in eine der vielen Pfützen hinein.
Sein Begrüßungskomitee bestand aus vier Männern: Ein Stallmeister, der sich sogleich um die Kutsche und die erschöpften Pferde kümmerte; einem Seesoldaten, der eifrig mit seiner Hellebarde salutierte; einem jungen Bediensteten, der unentschlossen und mit vorwurfsvollem Blick eine kleine, nunmehr unnütze Holztreppe unter die Kutschentür in die Pfütze schob und einem jungen, angehenden Marineoffizier, der mit unbeeindruckter Amtsmiene versuchte, die durch Eodars Sprung entstandenen Wasserspritzer von seiner Uniform abzuwischen, während er gleichzeitig seinen Hut abnahm und sich vorstellte.
"Seid willkommen, Bürger Eodar. Mein Name ist Wilbert Stubenrauch, ich bin Fähnrich der Ostarischen Marine und Euch als Adjutant zugewiesen."
Eodar schaute ihn abschätzend an. "Gut. Wilbert, ich bedanke mich für die offizielle Nordmarker Anrede, es wäre mir allerdings recht, wenn wir etwas weniger formell miteinander umgehen könnten."
Wilbert machte zunächst einen unschlüssigen, dann aber erleichterten Gesichtsausdruck und nickte schließlich. Eodar fuhr, ebenfalls beruhigt, fort.
"Es ist mir ein Rätsel, warum man stets mich zu derlei Anlässen entsendet. Ich bin fürwahr nicht der rechte Mann für offizielle Zusammenkünfte. Einerlei. Es wäre mir recht, wenn du mir nachher in einem passenden Moment die wichtigsten Leute kurz zeigen und erklären könntest. Ich nehme an, die anderen hohen Herrschaften warten schon?"
Wilbert nickte. Eodar seufzte. "Na dann. Nichts wie hinein", der Gesandte stürmte mit polternden Stiefeln voraus.

Kurze Zeit später saßen sie aufrecht, mit steifen Rücken und ernsten Gesichtern auf knarrenden Holzstühlen in einer großen, zugigen Halle. Karlon vom Storcheneck, herzöglicher Hofchronist und Kenner der Nordmark, hielt gerade einen ausnehmend umfassenden Vortrag über die jüngsten Ereignisse im Norden Ostariens. Wilbert nutzte den Moment, um Eodar über die Gästeschaft aufzuklären, die sich auf insgesamt drei Tische verteilte. 
"Am rechten Tisch sitzen, unschwer an der Uniformierung zu erkennen, Angehörige der Marine und des Heeres. Der Tisch zur Linken ist mit Vertretern des Adels, des Klerus, des Bürgertums und der Zünfte besetzt. Sie allesamt sind nur zum Zuhören hergebeten. Am mittleren Tisch aber, dort finden sich die Würdenträger: Die Edle Fredricaja von Rankenwies, Organisatorin der Expedition zur Burg; Neidtfried von Harkenberg, Amtsdirektor und stellvertretender Leiter des Herzöglichen Ostarischen Amtes für Expeditions- und Vermessungswesen; Karlon vom Storcheneck, Ostarischer Herzöglicher Hofchronist", - Eodar überlegte, wann es wohl ,herzöglich- ostarisch' und wann ,ostarisch-herzöglich' heißen mußte... Wilbert aber fuhr fort, "der erhöhte Stuhl in der Mitte ist der Platz der Herzogswitwe. Daneben finden sich die Großadmiralin Agatha von Oggnitz-Garstfelden, Kommandantin der Jolbornflotte; Admiralsekretär Wolfgrimm vom Nigramsfall, hier als protokollarischer Vertreter des Militärs zugegen; daneben Merold Riemenschneider, der Adjutant desselben."

Eodar nickte. "Und warum sitzt die Regentin nicht an ihrem Platz?"
"Weißt du...", Wilbert schien zu überlegen, "sie ist dafür bekannt, stets gut informiert zu sein. Ich schätze, auch in dieses Zusammentreffen ist sie mit einem gehörigen Wissensvorsprung gegangen. Ich würde wetten, daß das, was der Edle Karlon uns gerade vorträgt, ihr nicht nur bekannt ist, sondern auch von ihr dazu estimmt wurde, weitergegeben zu werden."
Eodar erwiderte nichts.
Karlon vom Storcheneck erzählte derweil von der jüngsten Geschichte der Nordmark, den nicht unproblematischen Verhältnissen unter den Siedlern, der Expedition Roland Welheims und den Ereignissen auf der unlängst eroberten Burg. Er endete mit dem Hinweis auf die neuerlichen Zusammenstöße mit den Ödländern im Norden und den Erfordernissen, die sich daraus für die Nordmark ergäben.
Eodar langweilte sich. Er sah durch die geöffneten Flügeltüren auf den Balkon hinaus.
Die Regentin hatte die ganze Zeit über reglos an der Balustrade gestanden. Nun drehte sie sich herum. Eodar fiel ihre hohe, von dünnen Falten durchzogene Stirn auf, vom selben Grau bald wie ihre schütteren, zu einem strengen Knoten zusammengebundenen Haare. Selbst ihre Augen schienen grau; ein waches, lebendiges Grau; sie strahlten Aufmerksamkeit und Interesse aus, aber auch Strenge, Abgeklärtheit und Willenskraft. Für einen kurzen Moment kreuzten sich ihre Blicke. Eodar beobachtete, wie sie mit der Linken spielerisch an ihrem schlichten, mattaurazithenen Ehering drehte, die dünnen Lippen noch etwas mehr zusammenpreßte und durch die hohe Flügeltür des Balkons in die Halle trat. Auf Eodar wirkte sie seltsam jung, eher wie eine Prinzessin denn wie die Großmutter des nunmehr fünfjährigen Herzogs.
Erst als sie hinter ihrem Stuhl am mittleren Tisch zum Stehen kam, fiel ihm auf, wie groß die Witwe des Herzogs war. Mit regungsloser Mine blickte sie in die Runde. Sie legte bedächtig ihre Hände auf die Lehnen und begann, ohne Begrüßung oder ein einleitendes Wort, mit leiser Stimme die Pläne des Herzogshauses darzulegen. "Es ist nicht mein Wunsch, Ostarien in die wieder aufgeflammten Ödlandkonflikte zu verwickeln. Ihr alle wißt, wie weit die Drachenhainer Besitztümer von uns entfernt sind. Es tut nicht not, daß wir oder der Markgraf dort in der vordersten Linie stehen. Wir tun dies ohnehin schon jeden Tag an den Nordgrenzen unserer Herrschaften.
Ich habe allerdings eines bedacht. Wenn es mir wiedhin möglich ist, unsere Waffenbrüder im Norden zu unterstützen, indem ich zugleich ihnen und dem Herzogtum einen Dienst erweise - ich wäre töricht, es nicht zu tun."
Die Herzogswitwe nahm mit einer langsamen Bewegung ihre Hände von den Lehnen, zog den Stuhl etwas zurück und setzte sich.
"Die Beschreibungen, die ich mittlerweile von den Nordmarker Jolbornufern habe, machen mich hoffen und klagen. Es scheint, daß wir von dort weder zum Süden noch gen Norden eine Straße oder auch nur einen Saumpfad anlegen können. Dennoch haben wir Zugang: Über das Kallerfeld von Yaldering und mit der Zustimmung Dunkelsteins auch von Süden und damit von unserem Kernland her. Es gibt einzelne Reiseberichte aus dieser Landschaft."
Ihr Blick wandte sich Eodar zu. Jener erstarrte erschrocken.
"Bürger Eodar Kohlbrenner, berichtet uns über die Landesgestalt des Kallerfelds und legt uns dar, welchen strategischen Nutzen es für uns hat!"

Abermals erschrocken ob der Tatsache, daß die Regentin seinen Familiennamen kannte, erhob sich Eodar und begann stammelnd einen kurzen Vortrag, in dem er die klimatischen Extreme und die Unpassierbarkeit der allermeisten Landstriche seiner Heimat schilderte. Er beschrieb die Beschaffenheit der Geröllfelder und vergaß nicht die wunderlichen Eigenschaften des Feuerberges, aus dessen Gipfel stets eine rätselhafte Rauchfahne zum Himmel aufsteigt.
Als er stockend auf die Einsamkeit der Nebelwälder, die Wildheit der Gebirgslandschaften und die Fremdartigkeit der Klingenfelder zu sprechen kam, hatte seine Nervosität kaum abgenommen. Als er begann, sich darüber auszulassen, daß er den Bau irgendwelcher Straßen für unsinnig hielt, bemerkte er, daß ihm Karlon vom Storcheneck anerkennend zunickte und ihm gleichzeitig bedeutete, sich zu setzen. Zögernd folgte er der unhörbaren Anweisung. Gerade hatte er begonnen, sich an seine Sprechrolle zu gewöhnen.
"Sehr gut!" flüsterte Wilbert und klopfte ihm auf die Schulter.
Alle Augen richteten sich wieder auf die Herzogswitwe.

"So ist es also vonnöten, die Obwacht über die genommene Burg unabhängig von Yaldering einzurichten.
Alsdann. Eigenständigkeit bedeutet in der Nordmark das Recht der Haga; Selbstverwaltung nach Innen und Wehrpflicht im Kriegsfall. Es bedeutet aber auch Aufsässigkeit gegenüber der Obrigkeit, Ungehorsam gegenüber unseren Weisungen und Stümperei in der inneren Verwaltung. Es taugt nicht, wenn wir das den Nordmarkern überlassen. Sie sind von Natur aus eigensinnig und unorganisiert. Kommt es zum Krieg, werden sie kämpfen wie es sich für Ostarier gebührt, das ist keine Frage. Im Frieden aber sind sie ein starrköpfiger und aufsässiger Haufen, kaum zu regieren."
Die Regentin machte eine kurze Pause. "Wem soll ich an einem solchen Ort das Heft in die Hand geben? Etwa dem Pailat? Er ist uns von unschätzbarem Wert, doch die Catvaras Ekam eignen sich nicht zur Regenschaft, ebensowenig wie die Obrigkeit von Yaldering, die nichts anderes im Sinn hat, als gegen ihre durch mich gegebenen Machthaber zu revoltieren. Nein, ich werde auf der neu entdeckten Festung eine herzögliche Verwaltung einsetzten. Sie wird mir persönlich verantwortlich sein, daß die Burg instandgesetzt und gleichzeitig ein befestigter Hafen an der Mündung des unbenannten Flusses errichtet wird. Sie wird von der Marine versorgt werden und ist somit unabhängig von den Verrücktheiten dieser Siedlerbürger. Was immer dorten an Volk hinziehen will, soll darin unterstützt werden, ob es nun aus der Nordmark oder auch aus anderen Teilen des Herzogtums stammen möge. Das Land, es soll beliehen werden, und zwar nach den Rechten der märkischen Haga und ihrer Verwalterschaft. So werden sie willens sein, in der Ferne zu siedeln und uns doch dienstschuldig bleiben, wenn es zum Kriege kommt. Fredricaja von Rankenwies, das Herzogshaus betraut euch mit dieser Aufgabe. Innert eines Jahres werdet ihr mir Rechenschaft ablegen." Die Regentin blickte kurz in die Runde. "Dies ist mein Entschluß!"
Sofort, nachdem sie geendet hatte, erhoben sich alle in die Halle Geladenen und drängten zur Ausgangstür. 

Eodar sah sich nach seinem Begleiter um und stand zögernd auf. Er wirkte verdutzt.
"Das ist immer so", erklärte Wilbert ungefragt und mit spürbarem ostarischem Stolz in der Stimme, "der Tradition des Herzogshauses entspricht es, alle Informationen zu sammeln, die Gefolgsleute ins Haus zu rufen, ihnen das Wichtige darzulegen und die Beschlüsse zu verkünden. Gleich darauf wird damit begonnen, die Pläne in die Tat umzusetzen. Darum haben es jetzt auch alle so eilig, den Raum zu verlassen. Die Regentin ist zwar noch für weitere klärende Gespräche bereit; es gehört sich aber nicht, Fragen zu stellen, wenn sie geendet hat. Erst wenn sich niemand außer ihr mehr in der Halle befindet, wird sie sich von ihrem Stuhl erheben."
Eodar zuckte unbeeindruckt mit den Achseln. "Auch gut", murmelte er und malte sich belustigt aus, wie die Herzogswitwe auf ihrem Lehnstuhl einschlief und zu schnarchen begann. Er war froh, den Raum verlassen zu können.
Die beiden gehörten zu den letzten, die durch die hohe, geschwungene Flügeltür hinausgehen wollten. Sie fuhren zusammen, als die Stimme der Herzogswitwe durch den Raum schnitt. "Kohlbrenner!" Eodar zuckte zusammen. "Auf ein Wort noch!"
Die beiden fuhren herum.
"Ich habe eine Frage."
 

Eine Jolberger Wirtshausgeschichte:

Mein Name ist Gisulf und ich bin Maat auf der Sturmschwalbe, einem Kurierschiff unserer Flotte. Unsere Aufgabe ist es für gewöhnlich Eilpost für die Admiralität zu überbringen. Unser Schiff lag zu Beginn des 1. Xurl im Hafen des Herzog Uriel II. Atolls an der Mole. Da bekamen wir von unserem Bootsmann die Anweisung, drei ungeheuer schwere Kisten auf die Sturmschwalbe zu verladen. Ein wenig zu denken gab uns die Aufschrift: "Achtung - Amtlich - Priorität 1 - Unter keinen Umständen öffnen!" Damit war klar: Wenn dieser Ladung irgendetwas zustoßen sollte, wäre unser Schicksal besiegelt. Das wäre keine Ordnungswidrigkeit, das wäre Hochverrat. Also wurde alles bestens unter Deck festgezurrt und vom Kommandanten eine stattliche Anzahl Wachen abgestellt. 
Unsere Aufregung legte sich bald, denn wir hatten ja als Kurierschiff schon so manch amtliche Post zugestellt. Als wir dann später allerdings eine Eskorte von gleich drei Kriegskoggen der herzöglichen Kolonialflotte bekamen, wurden von so manchem Seemann gewagte Theorien über die mysteriöse Fracht aufgestellt. Sollte es sich etwa um wichtige Handelsverträge oder eine Karte mit der wahren Position der Pfefferinseln handeln? Doch all das Raten hatte keinen Sinn, vermutlich hatte nicht mal der Kommandant eine Ahnung vom Inhalt der Kisten und so blieb uns nichts anderes übrig, als diese Fahrt wie gewohnt und so rasch wie möglich hinter uns zu bringen. 
Wir hielten uns zuerst südwestlich, später westlich, um schließlich nach einigen Tagen das Jolborndelta anzusteuern. Dank des starken Geleitschutzes wagte es kein einziges Schiff, sich uns in feindlicher Absicht zu nähern. Bereits in der Mündung des großen Stromes erwartete uns die nächste Überraschung. Wir hatten erwartet, daß hier, wo die Piratengefahr in nur noch geringem Maße vorhanden war, die Kriegskoggen uns verlassen und schließlich zu Ihrem Stützpunkt zurückkehren würden. Womit wir nicht gerechnet hatten, war, daß wir hier sofort von zwei ostarischen HUKs (Schiffe der Herzog-Uriel-Klasse, Anm. der Redaktion) in Empfang genommen wurden. Zu diesem Zeitpunkt stellte ich die Hypothese auf, wir hätten es mit einer Auflistung sämtlicher Ödländischer Stützpunkte samt Mannstärke und Wachwechsel zu tun, die auf unerklärliche Weise einen Umweg über die Insel genommen hatten, um zum Beispiel einfach möglichst weit entfernt vom Feind gelagert zu werden. Also würde wohl der weitere Weg entweder direkt in die Leomark oder zumindest nach Ankur oder Jolberg führen. Ich sollte bald feststellen, daß ich weit daneben lag.
Mit Hilfe von Wind und Muskelkraft näherten wir uns dem Brazachdelta und durchquerten dieses. Damit stand für mich fest, daß es nach Ankur gehen sollte. Also eine Lieferung an die Admiralität oder die Regntin selbst, wie ich meinte, doch wurde ich sogleich eines Besseren belehrt: Gerade als wir wie üblich an Betis vorüberziehen wollten, gab der Kapitän den Befehl zu einer Kursänderung. Direkt hinein in den Hafen der Perle des Brazachdeltas sollte es gehen. Mir ging durch den Kopf, daß wir vielleicht nur noch weitere Post aufnehmen sollten, doch da legten wir bereits an und erhielten die Anweisung unsere mittlerweile ziemlich unheimliche Ladung zu löschen. Eine gewaltige Anzahl von Liliengardisten nahm am Kai Aufstellung. Deren Hauptmann wechselte ein paar Worte mit unserem Kapitän und salutierte. Sodann luden einige Soldaten die schweren Kisten in einen gepanzerten Wagen, der mit vielen Schlössern gesichert wurde und zogen von dannen. Die beiden Kriegschiffe mit der Natternflagge liefen sogleich wieder die Flußmitte an und verschwanden schnell hinter der nächsten Flußbiegung, Richtung Ankur. Immer noch tappten wir vollständig im Dunkeln.
Abends hatten wir Landgang und machten uns auf den Weg in eine der zahlreichen Hafenkaschemmen des größten Warenumschlagplatzes Heligonias. Auf dem Weg dorthin kam uns ein Zeitungsjunge entgegen und ich erstand von ihm eine Betiser Tribüne. Ich bin im Gegensatz zu den meisten meiner Kameraden des Lesens mächtig und so haben wir es uns zur Angewohnheit gemacht, daß ich ihnen im Hafen ab und an die Neuigkeiten vorlese. "Kurz vor den Stadtratswahlen..." begann ich.
Sogleich fiel mir der Unterkiefer runter. Ich muß einen ziemlich belämmerten Eindruck gemacht haben, denn Piet schüttelte mich und rief: "Was ist los, hast du einen Klabautermann gesehen?" 
"Nein," antwortete ich "ich hab' nur eben eine Art Erleuchtung gehabt, und das obwohl ich gar kein Ceride bin. Überlegt doch mal. Bald sind Wahlen in Betis. Und wo, frag ich Euch, hält sich Ende des Helios der größte Teil der Betiser Bürger normalerweise auf? Richtig! Auf dem Atoll, im Urlaub. Jetzt ratet also mal, was wir da so wichtiges hergeschippert haben!" 
Andächtiges Schweigen senkte sich auf unsere Runde, denn jedem von uns wurde in diesem Moment klar, daß wir fast zwei Wochen lang den größten Teil der Stimmzettel für die diesjährige Stadtratswahl und damit die Zukunft und das Schicksal von Betis in unseren Händen gehalten hatten. Richtig feierlich wurde uns zu Mute. In so einem Fall muß ein Seemann erst einmal mehrere Schnäpse kippen, was wir dann auch taten. 
Hey Wirt, meine Zuhörer sind so still geworden. Ich glaube es wird Zeit für eine Runde Schädelspalter!

Fehlt Dir einmal der Methornhalter,
dann trink doch einfach Schädelspalter!
Und hat der Wirt nur noch ne Flasch'
dann schnapp sie Dir besonders rasch.

Winter in Betis - Und Träume werden war!


 

Fürstlicher Thaler Hofchronist

Die Jagd nach Sir Geller

Windenbork, 1. Tag, 1 Saarka 29 n.A. III. 

Die Truppen belagerten bereits seit mehr als 90 Tagen die Stadt. Wie bereits im letzten Boten zu lesen, bot Fürst Bartha von Thal dem Fürsten Waldemar von Drachenhain alle verfügbare Hilfe im Kampfe gegen den verruchten Rebellen Adveri an. Die Hinweise verdichteten sich, dass Adveri in Windenbork Unterschlupf gesucht haben könnte. Der Landvogt Sir Geller, die graue Eminenz und der eigentliche Regent der Baronie Drachenberg, könnte mit Adveri im Bunde stehen. Windenbork wäre der geeignetste Ort um dem skrupellosen Rebellen Schutz vor den Inspektoren Fürst Waldemars zu bieten. Wie sich herausstellte hatte Sir Geller Fürst Waldemar lange Zeit getäuscht und war gar die rechte Hand und der lange Arm, der Adveri freie Handhabe in Drachenberg gewährleistete. Deshalb wurden drei Thaler Heereszüge gebildet, die unter dem Kommando von Prinz Anselm von Thal, Hauptmann Kilian Weizenkeim und dem vom Fürsten eingesetzten Interimsregenten der Baronie Lormark, Fehma von Grünaue, stehen. In drei großen Heereslagern wurde ein Belagerungsring um die Stadt gezogen. Abgeschnitten vom Umland und vom Hafen und ohne Hoffnung auf Entsatzungstruppen versuchte man die Windenborker in die Knie zu zwingen. Obwohl die Thaler Truppen durchaus bereit und in der Lage waren, einen offenen Krieg zu führen und Windenbork im Sturm zu nehmen, versuchte Fürst Waldemar Adveris Kopf möglichst ohne unnötiges Blutvergießen zu bekommen.
Viele der Thaler Soldaten befanden sich bereits seit den Poena-Monden aufgrund der vorangegangenen Suche nach Prinzessin Celia von Thal im Felde. Je mehr die Sehnsucht dieser Soldaten nach ihren Familien und ihrer Heimat stieg, um so mehr sank ihre Moral und Kampfbereitschaft. Deshalb wurden sie abgelöst von 150 Mann, die Baron Beorric von Wulfenstein persönlich nach Windenbork führte. Eintönig verliefen die tristen Tage im Thaler Heerlager unter einer grauen Sonne und einem regnerischen Himmel in den trostlosen Monaten des Xurl.
Am 22. Tage des 3. Xurl ritt der Herold der Stadt Windenbork vor das Zelt von Fürst Waldemar. Die Unterhandlungen waren jedoch bereits nach nur 5 Minuten jäh beendet. Die Forderungen der Windenborker waren völlig unannehmbar! Daraufhin wurde beschlossen, der Belagerungsring solle enger um die Stadt gezogen werden. Der Hunger würde sie schon zur endgültigen Aufgabe zwingen. Eines Nachts jedoch brach Tumult im Heerlager los. Einige Bewohner der Stadt hatten sich durch eine Nebenpforte der Stadt hinausgeschlichen und rannten in Richtung Hafen in dem die Thaler Kriegskoggen "Nachtkauz" und "Steinkauz" vertäut lagen. Sofort wurde Alarm gegeben und allen voran machte sich Ritter Hektor von Eichenstein an die Verfolgung. Nach wenigen Momenten war die Situation jedoch bereinigt, denn es handelte sich lediglich um ein Ablenkungsmanöver, durch welches Sir Geller die Flucht aus der Stadt ermöglicht wurde. Unverzüglich machten sich Baron Beorric von Wulfenstein, Ritter Hektor von Eichenstein, Hauptmann Kilian Weizenkeim und Prinz Anselms Knappe Ehno von Blaustein an die Verfolgung. Damit das Thaler Heer nicht führungslos zurückblieb übernahm Prinz Anselm die alleinige Verantwortung für alle drei Heerlager.
Nach mehrtägiger Suche, in der die vier Thaler Verfolger ihren Pferden und ihren Kräften das äußerste abverlangten, konnte Sir Geller in einem verfallenen Kloster gestellt werden. Doch so leicht gab Sir Geller nicht auf. Er appellierte an die Ehre der Ritterschaft und forderte Ritter Hektor zu einem Zweikampf auf Leben und Tod. Der Kampf wurde mit äußerster Bitterkeit ausgefochten. Elegante Angriffe wechselten sich mit gekonnten Paraden ab. Harte Schläge klangen laut hallend durch die Klosterkirche und die Kontrahenten ächzten angestrengt. Der heftige Kampf führte beide über eine enge Wendeltreppe bis in die obere Galerie des Kirchenschiffes. Währenddessen entbrannte auch vor dem Altar ein heißblütiges Gefecht zwischen Ritter Hektors Gefährten und den herbeigeeilten Kumpanen des Sir Geller, die jedoch für den geübten Baron und den routinierten Hauptmann sowie dem erstaunlich geschickten Knappen keine ernste Bedrohung waren und schnell in ihrem eigenen Blute lagen. Da erklang oben auf der Balustrade ein lautes, metallisches Kreischen und die Klinge von Ritter Hektors Zweihänder zerbrach unter den brutal geführten Schlägen Sir Gellers. In blitzendem, wirbelndem Bogen fiel die Klinge hinab ins Kirchenschiff und blieb klirrend auf dem Boden liegen. Die Augen aller richteten sich auf die beiden hoch oben stehenden. Siegessicher holte Sir Geller zu einem letzten, vernichtenden Streich aus, der Hektor für immer niederstrecken sollte. Doch in seiner Zorneswut setzte Hektor alles auf eine Karte und rammte das zerborstene Heft mit all seiner Kraft in Gellers Leib. Die Gewalt seines Stoßes warf Geller gegen das Geländer, so dass dieses unter dem Aufprall zerbarst und Sir Geller am Heft des Zweihänders aufgespießt über dem tiefen Abgrund hing. Um nicht selbst in die Tiefe mitgerissen zu werden war Hektor gezwungen den Griff fahren zu lassen. Der ängstliche Schrei Sir Gellers verhallte im Dunkel der Klosterkuppel als er hilflos mit seinen Händen ins Leere griff. Am nächsten Morgen wurden die Leiber der toten Verräter außerhalb der Klostermauern ogedisch bestattet. Sir Gellers Kopf wurde als Beweis seines Todes vor Fürst Waldemar gebracht. 
Zwei Tage später ritten die ruhmreichen Recken müde und abgekämpft zurück ins Thaler Heerlager. Baron Beorric von Wulfenstein auf seinem prächtigen schwarzen Streitroß, daneben Ritter Hektor von Eichenstein aus der Lormark, von dessen Sattelknauf ein gut verschnürtes Paket baumelte. Nachfolgend Kilian Weizenkeim, Hauptmann der Garde von Anthan und Ehno von Blaustein, Knappe des Prinzen Anselm von Thal. Man hatte bereits von zwei vorauseilenden Boten von ihren Taten erfahren. Sie ritten durch das Ehrenspalier der Thaler Armee bis vor das Zelt Fürst Waldemars, vor dem Prinz Anselm sie begrüßte. Fürst Waldemar bedankte sich reich an Worten und ausgesuchten Geschenken für die erfolgreiche Jagd nach Sir Geller. Das verfallene Kloster St.Arcavius, welches durch Blut entweiht, und dessen heilige Reliquien, welche durch frevelnde ceridische Hand zerstört wurden, wurde von Fürst Waldemar zum Abbruch frei gegeben.
Prinz Anselm ließ es sich nicht nehmen, seinem Vater eine Eildepesche mit den jüngsten Ereignissen zu schicken. In dem Schreiben wurden besonders die Fähigkeiten Ritter Hektors hervorgehoben, die zuvor auch schon Hauptmann Kilian Weizenkeim aufgefallen waren. Zwei Tage später rief Prinz Anselm alle Thaler Heerführer zu sich und verlaß mit gemessener Stimme den Wunsch seines Vaters,  Fürst Bartha von Thal wolle Ritter Hektor von Eichenstein ob seiner herausragenden Taten zum neuen Baron der Lormark ernennen. Ritter Hektor beugte das Knie vor Prinz Anselm und gelobte dem Hause Thal ewige Gefolgschaft. Seinen Treueeid wird er am diesjährigen Adelstage auf Schloß Aurelienstein schwören.
Die Belagerung von Windenbork wird weiter aufrecht erhalten, jedoch ohne Kilian Weizenkeim. Ohne Verzögerung machte er sich auf in Richtung Walchsee.

Ritinus Federschwinger, 
Hofschreiber des Fürsten Bartha von Thal

Aus Schloß Aurelienstein

Die Vorbereitungen für den Adelstag sind auf Schloß Aurelienstein in Güldental in vollem Gange. Hektische Betriebsamkeit und ein Summen wie ein Bienenstock im Sommer erfüllen das beschauliche Jagdschloß von Prinzen Anselm von Thal. Während der Prinz selbst in Drachenhain weilt, hat der Maior Domo die Lage im Schloß unter Kontrolle und fegte mit eisernem Besen. 
"Kuni, ist das gute Besteck schon gewienert?".
"Ja, Maior Domo und wir werden vor dem Servieren noch einmal jedes Stück polieren."
"Und Kuni, sind schon die Jagdtrophäen im Rhyanazimmer abgestaubt worden? Rhyana ist die ogedische Schutzpatronin der Jagd und bestimmt auch der Reinlichkeit. Schutzpatronen lieben keine Spinnweben."
"Ja, Maior Domo, die Jagdtrophäen sind abgestaubt, die Geweihe von Spinnweben befreit und der Auerhahn ist schon beim Restaurator, auf das er am Adelstage in neuem, alten Glanz erstahlt und die Felle sind ausgeklopft worden."
"Sind auch schon die Fensterscheiben im großen Saal geputzt und ist der Glaser mit den Thaler Wappen in den Scheiben schon fertig? Ihr wisst es kommen hohe Gäste und Freunde des Prinzen nach Güldental, da muss alles blitzblank sein, da darf kein Stäubchen durch Helios Sonnenstahlen tanzen!"
"Ja, Maior Domo die Scheiben sind alle eingesetzt und geputzt worden."
"Sind die Gästezimmer hergerichtet und entstaubt worden, und ist das Zimmer bereits hergerichtet?"
"Ja, Maior Domo, die Gästezimmer sind aufs Vortrefflichste gerichtet. Doch, oje in dem Zimmer habe ich die Kisten noch vergessen die dort noch stehen."
"Dann marsch, marsch Kuni, die Gäste warten nicht, auf, auf, an die Arbeit. Es muss alles blinken wenn die hohen Herrschaften kommen!"
Ritinus Federschwinger, 
Hofschreiber des Fürsten Bartha von Thal


Betiser Tribüne

Neuer Stadtrat gewählt

Am 30.Tag des 1.Xurl n.A.III 29 wurde in Betis der neue Große Rat der Stadt gewählt. Die Stimmen entfielen folgendermaßen auf die Mitglieder der Liliengilde: 
 
Familie Corvese  8 Stimmen
Familie Amer  5 Stimmen
Familie Esteban  5 Stimmen
Familie Seferin  4 Stimmen
Familie Raphlecia  4 Stimmen
Familie Mahonn  3 Stimmen
Familie Petterson  3 Stimmen
Familie Quintanilla  2 Stimmen
Familie Pasdrigosa  2 Stimmen
Familie Stäubesand  1 Stimme
Familie Montbars  1 Stimme
Familie Remberdt  1 Stimme
Familie Fiedrischinger  1 Stimme
Familie Vermeer    0 Stimmen

Diese wählten wiederum eine Woche später aus ihren Reihen mit diesen Stimmen den Hohen Rat:
 

Vincent Battista Corvese  8 Stimmen
Severa Esteban  5 Stimmen
Viastan Amer  5 Stimmen
Niccolo Corvese  5 Stimmen
Sofia Raphlecia  4 Stimmen
Berthold Seferin  4 Stimmen
Jolanda Mahonn  4 Stimmen
Konrath Petterson  3 Stimmen
Thalesa Amer  2 Stimmen
Beorric von Wulfenstein  Ehrenmitglied des Hohen Rates

Damit ist Vincent Battista Corvese der neue Doge der freien Reichsstadt Betis.

Vereidigung des neuen Dogen und Rates

Schon Tage zuvor begannen die Feierlichkeiten: Die Straßen waren prächtig geschmückt, überall waren Schauspieler, Gaukler, Musiker und Artisten zugegen, die ihr Können vortrugen. Viele der Patrizierfamilien feierten in ihren Stadthäusern und den Wirtshäusern der Stadt die gelungene Wahl. Und dann, am 28.Tag des 2.Xurl wurde es offiziell: Auf dem Helos-Platz fand die grandiose Vereidigung der neuen Räte sowie des neuen Dogen Vincent Battista Corvese statt. Seine durchlauchtigste Majestät Helos Aximistilius III leitete den Vorgang und wurde dabei von seiner Durchlaucht Fürst Bartha von Thal sowie seiner Hochwohlgeboren Baron Beorric von Wulfenstein unterstützt.  Nach diesem erhebenden Ereignis fanden die offiziellen Festivitäten in der Ratshalle statt, an denen die gesamten neuen Stadträte sowie die hohen Gäste der Stadt teilnahmen. Ein Höhepunkt im Laufe des Abends war sicherlich die Abschiedsrede des nun in seinem Amt abgelösten Niccolo Corvese. Er bedankte sich bei den Bürgern von Betis für ihr Vertrauen in seine Politik in den beiden vergangenen Jahren und betonte, dass es nun wohl Zeit gewesen sei, die Führung der Stadt weiterzugeben. Natürlich sei er sehr glücklich über den Umstand, dass er das Amt seinem eigenen Sohn übergeben dürfe und freue sich schon darauf, dem neuen Dogen als Mitglied des Hohen Rates mit allerlei Wissen zur Verfügung stehen zu können.

Die unverzichtbare Liste des Guten Geschmacks

Was sich schickt Und was nicht
- Der neue Doge
- Adelstag
- Wieder erlaubte alkoholische Getränke
- Die Helden des Ödlands
- Gerichtsverhandlungen
- Hehler
- Zerwürfnisse
- Landesverräter
- Böse Stiefmütter

Der Handelsprophet

Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 4 Kreuzer
Wein (Rebenhainer, in der Taverne) 5 Kreuzer
Langschwert 16 Dukaten und 5 Groschen
Knochenleim 1 kg 5 Groschen und 2 Kreuzer 

Der Aurazithkurs sinkt jetzt, nachdem lange Zeit durch die riesige Chisonnachfrage ein Höchststand nach dem anderen erreicht wurde, wieder auf Normalniveau. Rebenhainer Wein steigt wieder über den alten Stand und hat seine zwischenzeitliche Krise weit hinter sich gelassen. Ob des höchstwahrscheinlich, zumindest vorübergehend, beendeten Ödlandkonfliktes lässt die Nachfrage nach Kriegswaffen wie zum Beispiel Langschwertern nach, was sich auf deren Preis negativ auswirkt. Der Preisanstieg von Knochenleim erscheint Experten durch fiskal-zyklische Marktströmungen bedingt zu sein.

Gunst und Kunst 

Was die Heligonier am liebsten hören
 
1(1) Wjelkin, der Lange - "Sven Herulfsson"
2(-) Sesnar der Frische - "Utzgolf und die Flusspiraten"
3(2) Emaranseeflottenchor - "Lied der Emaranseefischer"
4(4) Wunderkind Bonifazio - "Fröhliche Erleuchtung"
5(-) Pharind'oor AyBytan - "Die kleine Ballade für den Kartoffelkönig"
6(7) Jasmina Lopia - "Meine Liebe kostet nichts"
7(6) Belgabor - "Pavo Rothner"
8(-) Emaranseeflottenchor - "Meine Heimat, mein Ostarien"
9(9) Giacomo Funzetti - "Sonnschein-Schagga"
10(8) Die außerordentliche Annabell - "Tlamana, je t'aime!"

Stadtgeschehen

In Kürze wird die Tour von Heligonia™ in einem grandiosen Finale Betis erreichen. Schon jetzt sind die Bürger der Stadt an der Vorbereitung des Spektakels, nur noch wenige Schlafplätze sind in den Wirtshäusern und Hotels verfügbar. Sogar Baron Beorric sowie Prinz Anselm werden zum Finale in der Stadt erwartet.
Einen Unfall gab es jüngst in der Egbert-von-Vogelberg-Gasse im Händlerviertel. Zwei Sänften stießen frontal zusammen, weswegen insgesamt drei Träger sowie ein Insasse leicht bis mittelschwer verletzt zum Medicus gebracht werden mussten.
Die Utzganmannschaft Sturm Betis wird voraussichtlich als Vorbereitung der kommenden Saison ein Höhentrainingslager im Schlangenkamm absolvieren. Wo und wann genau dies stattfinden werde sei aber noch nicht festgelegt, so der Trainer der Mannschaft.

Bürger des Monats

Am 28. Tag des 2. Xurl wurde Vincent Battista Corvese von seiner durchlauchtigsten Majestät Helos Aximistilius III als neuer Doge von Betis vereidigt. Aufgrund dieses für die Stadt so außerordentlich wichtigen Ereignisses, so die Jury in der Begründung, habe die Wahl zum Bürger des Monats gar nicht anders ausfallen können. Der Doge bedankte sich für diese Auszeichnung und bekräftigte seine Absicht, die erfolgreiche Politik seines Vaters und Amtsvorgängers fortzuführen.

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Raso Amogatas wird Jalamanra dienen

Zwei der Diebe, die die Mondkatze aus dem Tempel von Jalamanra stahlen, haben die Strafe der Göttin erhalten, der dritte reut und sühnt seine Taten im Tempel. Nun stand auch der Hehler, der die Staute verschachern wollte, in Jalamanra vor Gericht. 
Vor den  Hochgeweihten der Saarka, Baronin Valeria von Calena und Zysara Agnat sowie der Geweihten des Helios Sakija Rakesch gestand Amogatas sogleich seine Schandtat und bat auf den Knien winselnd um Verzeihung. Er gab zu, als Ceride ein Verblendeter gewesen zu sein und das Ausmaß seines Fehlers nicht begriffen zu haben. Erst hier in Sedomee, das er selbst ja noch nie bereist habe, seien ihm der Glanz des Ogedentums und wie er sich ausdrückte, "die tiefe Anrührung der Seele" klar geworden, die es hervorrufe. Die Hochgeweihte zweifelte an der Aufrichtigkeit der Worte des  Hehlers, so dass die Geweihten die Götter befragten, wie es üblich und recht ist.
Die Befragung und die Beratung der Geweihten zog sich über mehrere Stunden hin, in denen der Angeklagte bleich neben seinem Stuhl kniend verharrte. Schon brach der Abend herein, als Sakija Rakesch das Urteil verkündete. Zwar seien die letzten Zweifel an der Reue des Angeklagten nicht ausgeräumt, doch sei in jedem Fall eine Saite in ihm zum Schwingen gebracht. Diese Reue beweisen dürfe Amogatas deshalb in den nächsten zwei Jahren im Bewässerungskanal- und Latrinenbau. Nach dieser Zeit könne er durch Zahlung von 300 Dukaten seine Freiheit wiedererlangen. Außerdem habe er die Prozeßkosten zu tragen.
Dieses Urteil sei jedoch nichtig, wenn sich in Zukunft Beweise fänden, die über die bloße Hehlerei als Anstiftung zur Tat selbst zu werten seien. In diesem Fall werde die Strafe umgewandelt in 100 Hiebe und zehn Jahre Zwangsarbeit. Nach diesen zehn Jahren werde eine erneute Götterbefragung durchgeführt, um über das weitere Schicksal Raso Amogatas zu entscheiden. 
Raso Amogatas dankte den Geweihten unter Tränen für das gerechte und gnädige Urteil. Der Betiser Rechtsbeistand des Hehlers, der der Verhandlung und der Urteilsverkündung beiwohnen durfte, hatte dem Urteil nichts hinzuzufügen.


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Wegweiser zur Erleuchtung

Seine Heiligkeit Primus Pacellus spricht Daron von Brassach selig!

Bereits am fünften Tage des Rebenmondes verließ ein Botenreiter der Heiligen Miliz die Abtei Gunara mit dem Ziel, eine Depesche der Heiligen Ceridischen Kirche mit dem höchsteigenen Siegel seiner Heiligkeit Primus Pacellus an den markgräflichen Hof in Tarnam zu tragen. Inhalt dieser Depesche war, so konnte nun im Nachhinein in Erfahrung gebracht werden, eine persönliche Botschaft des Primus an den Großmeister der Templer zu Ankur. Primus Pacellus ließ den Markgraf und die Markgräfin von Norrland-Brassach im Vorfeld wissen, daß er als Oberhaupt der Heiligen Ceridischen Kirche den im Heumond des Jahres achtundachtzig nach der Erleuchtung im Kampfe gegen die Ödländer gefallenen Vater der Markgräfin, Baron Daron von Brassach, ob seiner Verdienste für das Ceridentum und der Hingabe seines eigenen Lebens zum Schutze der ihm anvertrauten Gläubigen selig sprechen werde. Das Ersuchen um eine religiöse Verehrung des einstigen ostarischen Vasallen geht auf die Initiative Benedikt Honorius, des Bischofs von Norrland-Brassach, zurück. Die Seligsprechung des 'Tapferen Beschützers der Bedrängten und mutigen Streiters für den wahren Glauben' werde im Rahmen der Abendmesse des dritten Tages des Kargmondes vollzogen werden. Der Primus verfügte, daß die Seligsprechung auf allen Kanzeln in ganz Heligonia verkündet werde solle. Die in diesem Zusammenhang vorgebrachte Bitte des Bischofs bei der Findung eines geeigneten Namens für die neu gebaute Kirche der Stadt Daronsfeste behilflich zu sein, beantwortete Pacellus wohlwollend: Seine Heiligkeit ließ Benedikt Honorius und seine Hochgeboren Markgraf Kalveram wissen, daß er einhergehend mit der Seligsprechung Daron von Brassachs die Benennung des dortigen Hauses des Einen mit dem Namen 'Kirche des Seligen Darons' für würdig und gut erachte. 
 
 

Der Tanzbär

Schlafzimmerblick für Errebar

Wer wochentags am Anger sitzt
Sieht ungern, wie sein Nachbar schwitzt
Und sich in seinem Schlafraum plagt
Mit dem, was nicht ein jeder sagt -
Nur halb korrekt, er plagt vielmehr
Ein Weib, auf dem  er bäuchlings schwer
Sich reibt und die das nicht sehr schätzt
Weil er ihr Innerstes verletzt
Was ihn jedoch nicht weiter stört
Er wäre vielmehr sehr empört
Wenn man ihn darob rügen würde
Denn Beischlaf ist nicht Lust, nein Bürde
So schwenkt er weiter sein Gemächte
Ein Anblick, den ein jeder ächte
Der nur das kleinste auf sich hält
Ein Sichtpunkt, dem er sich verstellt
So sucht er weiter ihr zu spalten
die zarteren  der zarten Falten
Was ihm schlußendlich nicht gelingt
Weil er in falsche Höhlen dringt
Wo er dann vorzeitig erschlafft
Es reut den, der noch immer gafft
So daß er wendet ab den Blick
Doch kann er leider nicht zurück
Die nächsten Nächte träumet er 
Von  falschen  Wegen im Verkehr
Halfnet, wo Errebar rät, mal wieder den Blick heben

Aus Harald Schönefontes Liederbuch

1. Wo ist der Teemon?

Teemon! Teeeemon!
Kehrreim:
Teemoranien, das gibt's nicht meehr!
Tee-, wo ist der Tee-, ist der Tee-, ist der Tee, 
ist der Tee-, ist der Teeemon?
Teemoranien das gibt's nicht mehr!

Steuern zahl'n und Plackerei!
Harter Dienst in Teemons Heer!
Dies ist endlich für uns vorbei!
Teemoranien das gibt's nicht mehr!

Hey Mr. Ödlandmann, wo ist denn der Teemon?
Keiner weiß es. Was ein Glück!.
Hey Mr. Ödlandmann behalt ihn doch den Teemon!
Wir woll'n ihn nicht mehr zurück!

Wenn doch der Eine uns Gnädig ist,
Teemon wurde längst verspeeist!
Weil ihn nunmal niemand vermißt!
Weg mit dem, der Teemon heißt!

Tee-, wo ist der Teemon?
Kehrreim

Ein herrlicher Tag, als wir erfuhren,
Teemon, du bist nicht mehr daa!
Stellt zurück die Sonnenuhren!
Es ist so wie's früher war.

Der Teemon, der ging in die Ödlande!
Keiner ging ihm hinterheer!
Jetzt ist er nicht mehr vorhanden!
Teemoranien, das gibt's nicht mehr!

Tee-, wo ist der Teemon?
Kehrreim

Hey Mr. Ödlandmann, wo ist denn der Teemon?
Wir bitten dich, verrat es niicht!
Hey Mr. Ödlandmann behalt ihn doch den Teemon!
Friß ihn auf, den schlimmen Wicht!

Teeeeemon! Teeeemon!
Kehrreim
 

2. Eiland im Sonnenschein

Dies ist das Eiland im Sonnenschein,
Wo die Betiser Bürger, woll'n glücklich sein.
Ich hab' schon manches Land bereist,
Nur dieses Eiland ist nie vereist.

Kehrreim:
Oh, Eiland im Sonnenschein,
Herzog-Uriel II-Atoll,
Hier allein kann man glücklich sein!
Ja, der Strand ist schön, doch rappelvoll!

Morgens, wenn der Tag anbricht,
Leuchtet glücklich mein Gesicht.
Ich schlief auf einem Bettgestell, 
In einem neuen Fünf-Sonnen-Hotel.

Kehrreim

Ich seh' Matrosen und Hafenarbeiter,
Soldaten, Händler und Reiseleiter.
Ich seh' sie grinsend Dukaten zählen,
Ich möchte gern wissen, wem die nun fehlen!

Kehrreim

Ich fürcht es kommt sehr bald der Tag,
Wo ich zurück nach Betis mag.
2000 Bürger auf einem Bein,
Diese Insel ist schrecklich klein.

Kehrreim
 

Ein altes srenghewisches Lied, von den "Ödländlichen" gern gesungen

Kehrreim:
Parima, Parima, Parima, 
Ephiarae, Mysterio

Una bel foreste,
multo bene este,
grande furioso
oh no no no no no

Kehrreim

Guarda il dracone
Tre testa, cautione
Est nano mangione
Oh no no no no no

Kehrreim

Fata non giocare
Tempora orbare 
Est non gaudiare
Oh no no no no no

Kehrreim

Il metamorfosi
mille furiosi
misero misterioso
oh no no no no no

Versuch einer (sinngemäßen) Übersetzung:
Parima, Parima, Parima
Ephiarae, Mysterium

Ein wunderschöner Wald
scheint gut, jedoch schon bald (=ist sehr gut)
ein riesiges Gewirr
oh nein nein nein nein nein
 
 

Bewahr dich vor dem Drachen
drei Köpfe, großer Rachen (=Vorsicht!)
ist ein Zwergenfresser,
oh nein nein nein nein nein
 
 

Spiel nicht mit den Feen
Zeit wird rasch vergehen (=sie stehlen die Zeit)
das ist gar nicht lustig
oh nein nein nein nein nein
 
 

Die Zeit und auch der Ort 
ändern sich in einem fort
oh Elend, welch Geheimnis
oh nein nein nein nein nein

Bazaar Darians

Mit einem bekümmerten Gesichtsausdruck hob sich Graf Dedekien auf den Balkon und erhob die Arme, um dem versammelten darianischen Volke Stille zu gebieten:

Geliebtes Volk!

Wir, die wir verweilen dürfen in dem schönsten Lande unter Helios Licht genießen dieser Tage die Kühle und Frische der langen Nächte der Saarka. Wahrhaft verwöhnt von der Gunst der Götter ist unser schönes Darian. Doch seid gewarnt, werte Untertanen, dieses Glück zieht immer eine Schar von missgünstigen Neidern an. So hat es sich in diesem Mond begeben, dass tüchtige Handelsreisende meinen Hof aufsuchten, um dort Schutz und Rat zu finden. Ihr fragt euch, warum müssen fleißige, emsige darianische Händler Beistand erflehen? Nun, nicht in den Grenzen unserer beschaulichen Grafschaft lauert die Gefahr, sondern außerhalb! Jawohl, man stellt unseren Reisenden an den Grenzen nach und bedroht sie nicht nur an Leib und Leben, nein auch an Hab und Gut! Wacker kämpfen sich unsere Händler durch die beschwerlichen Wege am Schlangenkamm in Richtung Norden, um einen Hauch der Schönheit und Pracht Darians in alle Häuser Heligonias zu bringen. Sie scheuen keine Mühe und Plage um ihrem hehren Ziel zu folgen. Kaum haben sie die Grenzen passiert und sich etwas der Mühsal erholt, um sich dann zur nächsten Zollstation zu begeben, werden sie auch schon hinterrücks und heimtückisch von den Schergen der tlamanischen Obrigkeit überfallen. Mit unvorstellbarer Grausamkeit wurden unseren ehrlichen Händlern die Waren entrissen und dann unter Androhung schrecklicher Folter über die Grenze zurückgetrieben. Mein Volk, diese Schandtat schreit nach Sühne! Kann es sein, dass der selbstlose Einsatz der Darianer etwas Kultur in das restliche Königreich zu bringen so belohnt wird! Anstatt unsere Handelsreisende an den Grenze mit allen Ehren zu empfangen, werden sie verfolgt wie Diebsgesindel! Eigentlich sollte ich dieser Tage nach Thal reisen, um dort die Saarkanacht um Hofe des Prinzen von Thal zu verbringen. Doch ich kann mein Volk in dieser Lage nicht allein zurücklassen. Um meiner Missbilligung Ausdruck zu verleihen, werde ich die Hochwohlgeborenen Heligonias nicht mit meiner Anwesenheit beglücken, sondern vielmehr mit meinem geliebten Volke die Saarkanacht mit einem rauschenden Fest auf dem Redonsplatz verbringen. In der längsten aller Nächte wird meine Großzügigkeit keine Grenzen kennen und ich werde für meine Untertanen die Weinkeller leeren und die letzten Vorräte an Amburetto unter die Bedürftigen verteilen. 

Termine

21.12. - 23.12.01  Adelstag auf Schloß Ebersberg
04.01. - 06.01.02  Helicon 20 Gelehrtenconvent in Ambach
15.03. - 17.03.02  Helicon 21 auf Burg Wildenstein
30.05. - 02.06.02  Helicon 22 Neujahrsfest im Padfinderlager Raumünzach 
03.10. - 06.10.02  Helicon 23 Gelehrtenconvent auf Schloß Ebersberg

Neu in der Schreibstube zu erwerben:

Skaldensang - erweiterte Ausgabe
72 Seiten, mit Liedern und Geschichten aus Vjoshaven
enthält auch die Skaldenlieder zu den Lanera-Wettbewerben und die Lieder des Skaldenwettstreits vom 3. Poëna n.A.III 28

Thaler Mythen und Legenden Band 1
mit 40 Seiten voller Geschichten, Sagen und Legenden aus der Baronie Thal

und nach mondelangem Warten:
Das Jagdbrevier - Abende der Legenden und Labsal
88 Seiten, mit Liedern und Geschichten zum Thema Jagd, niedergeschrieben in der Saarkanacht im Jahre 19 n. A. III und nun endlich für jeden zu haben.

© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés &  Marc Hermann

Berichte von Jochen Brenner, Arnulf Breuer, Julia Fischer, Henning Frank, Oliver Friese, Steffen Heiß, Inés HermannAndreas Hils, Thomas Konrads, Libuse Malik, Simone Mehlinger, Heike Postler, Frank Prietz, Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger, Markus Spree und Anna Ungureanu