Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 1. Poëna n.A.III 29

Ausgabe 41


Kronkurier

Einfacher Diebstahl wurde Landesverräterin zum Verhängnis

Durch einen Zufall konnte eine der führenden Köpfe der Rebellen um den Hochverräter Adveri dingfest gemacht werden. Die Gelehrten der Universität Tlamana waren hinter der Diebin her, welche ihnen das Universitätsschild dreist in Betis unter den Augen weg gestohlen hatte. Tatkräftige Unterstützung erfuhren sie durch die Corragios, die Elitegarde aus Betis. Nach einer spektakulären Verfolgungsjagd von der Handelsstadt bis vor die Tore der Universität von Cambrück wurde die Diebin mitsamt dem Diebesgut gestellt. Erst bei der Verhaftung wurde durch Zufall von einem Thaler Gardisten die Gefangene als die unter dem Namen "die Krähe" bekannte Rebellin identifiziert. Ihr Konterfei war seit der Entführung der Prinzessin von Thal, bei der sie als eine der treibenden Kräfte galt.  auf diversen Steckbriefen zu finden. In Amtshilfe bot sich der Lordkanzler der Universität Cambrück an, die Verbrecherin einstweilen sicher zu verwahren. Noch am selben Tage ergingen Botschaften an alle Höfe Heligonias, um die ein schnelles Handeln zu ermöglichen. Fürst Bartha von Thal entsandte tags drauf seinen Sohn Prinz Anselm, der mit einer Hundertschaft vor den Toren Cambrücks Stellung bezog, um die Universität vor eventuellen rebellischen Übergriffen zu sichern. Vom drachenhainer Fürstenhaus war zu erfahren, daß Erzkanzler Gieselher von Mühlenheim zum Ort des Geschehens geschickt wurde. Da die Hochverräterin in mehreren Landesteilen Heligonias gesucht wird, hat sich der König der Sache angenommen und 50 Heliosgardisten, die von einem Heliosritter befehligt werden, nach Cambrück entstand. Diese haben die Order erhalten, daß "Die Krähe" an einen bis dato noch unbekannten sicheren Ort gebracht wird, wo Gericht über sie gehalten werden soll. Der angeklagten Verbrecherin soll trotz ihres Status als "Vogelfreie" ein Prozeß angediehen werden. Obgleich dies ein gewaltiger Aufwand an Zeit und Mittel bedeutet, da sämtliche Kläger und Nebenkläger versammelt werden müssen, um ihre Anklageschriften zu verlesen, soll ein öffentlicher Prozeß stattfinden. 
gegeben am 3. Tag des 1. Poëna 
 heligonische Schreibstube, Talimee

Betis: Furioses Finale der Tour von HeligoniaTM

Vor zehn Monden starteten zwölf überaus wagemutige und begeisterte Wagenteams in Ankur, um sich auf die Mutter aller Rennen, das gefährlichste Unternehmen der Gegenwart, die längste Kutschenrundfahrt der Welt zu machen. Der überaus lange Weg führte die Teilnehmer von Ankur, der prächtigen Kapitale Ostariens, weiter in die Markgrafschaft Norrland-Brassach, ins Kronland Ligonii, durch den gar garstigen und abscheulich frostigen  Schlangenkamm, durchs liebliche Tlamana, ins warme Darian und durch die tödlich dürre und verdammt heiße Wüste, nach Sedomee, anschließend durch Thal, wo den Pferden bei den Sprintetappen das Allerletzte abverlangt wurde, dann durchs Hochland und wieder nach Ostarien. (Der Bote berichtete von der Ankunft in Jolberg.) Von dort aus preschten die Wägen bei eisglatten Straßen und leichtem Schneefall gen Süden, immer am Jolborn entlang, zunächst durch Soltran. Im kleinen Städtchen Elogar geschah dann das unglaublich Unfaßbare: Von einem damals noch unbekannten Teilnehmer gerammt, mußte die Mannschaft der Emaranseeflotte knapp dem Tode entronnen die Flagge streichen, da dabei Chassis und Fahrwerk komplett zerstört worden waren. Die tapferen Seeleute funktionierten flugs ihre Kutsche in ein Flußfahrzeug um und ließen sich mit dem Jolbornstrome bis zum Betiser Hafen treiben, um dort im Stadion auf das restliche Feld zu warten.
Zurück nach Soltran! Weiter ging die rasante Fahrt ins Rebenhainische, wo die Mannschaften Zuflucht vor der Kälte suchten, indem sie sich in den gastlichen Stuben von Pogelsweiler, bei dem einen oder anderen Gläßchen Traubenblut wärmten. Sieger der Etappe wurden Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker, die damit Ihren Vorsprung noch weiter ausbauen konnten. Die letzte Etappe führte die Sportsleute dann schließlich über eine unerwartete Umleitung (Straßenarbeiten!!!) durch Jolbenstein, nach Jolbruck, Lindfurt und schließlich über eine von überaus eifrigen und gut anzuschauenden welzener Pionieren errichtete Schwimmbrücke nach Betis, der Perle am Brazachdelta, das endgültige und einzige Gesamtziel der Tour von HeligoniaTM.
Hinter dem Tor der Stadt ging ein wahrer Regen aus Blütenblättern und bunten Papierschnipseln über die Kutschen hernieder. Eine frenetisch jubelnde Menschenmenge begrüßte die Teilnehmer herzlich. Über den Helos-Platz ging die Fahrt quer durch die Gassen und über die Brücken der Stadt bis ins Betiser Stadion. Dort wurde noch eine letzte Runde gefahren, bis dann endlich die Ziellinie überquert war. Zweitausend Meilen, sowie unendliche Strapazen waren erfolgreich überstanden, und dennoch ließ es sich keine Mannschaft bis auf Fran Panis Büttelmänner nehmen noch mindestens eine Ehrenrunde zu fahren. Jene wurde nämlich vor der Einfahrt ins Stadion umgeleitet, wegen schwerwiegender Regelverstöße disqualifiziert und ihr Wagen beschlagnahmt. Wir wollen die werte Leserschaft hier nicht mit Details schockieren. Erwähnt sei nur, daß der Tod einiger Zugtiere, sowie das Ausscheiden der Emaranseeflotte auf das Konto der Übeltäter geht.
Als erster im Stadion wurde die Mannschaft des Betiser Etablissements Phönix von den begeisterten Bürgern der Stadt willkommen geheißen. Erst auf dieser letzten Etappe konnte dieses Spitzenteam also endlich den verdienten Etappensieg nach Hause bringen.
Das Welzener Gespann wurde hier zwar nur siebter, sicherte sich aber damit dennoch den Gesamtsieg der Tour von HeligoniaTM vor Theudebert Drahtzieher, dessen Team den Sieg in der Beständigkeitswertung nach Punkten errang.
Den Sonderpreis für das schönste Fuhrwerk im Rennen (gestiftet durch Seine herzogliche Durchlaucht Prinz Adonin von Nurian, der gemeinsam mit seinem Kanzler Freiherr Elandar von Eckfeld neben dem Dogen saß) wurde in Form eines Pokal aus nurianischem Bleikristall mit Goldverzierungen an das Team "Jaruns Hazardeure grüßen Heligonia!" überreicht, da sie mit Ihrem super schnittigen bemalten Streitwagen samt Fuchsschwanz das beste Bild abgaben.m begeisternden Zwischenprogramm, der Betiser Gauklerinnung, fand dann auch die gloriose Siegerehrung statt, zu deren Beginn es sich der Doge, Vincent Battista Corvese, nicht nehmen ließ, den Organisatoren, Helfern und Teilnehmern der Tour von HeligoniaTM zu danken und seine Hochachtung vor den vollbrachten Leistungen auszudrücken.
Den vor Glückseligkeit strahlenden Welzenern wurde hiernach vom Generaldirektor der Gesellschaft der Tour von HeligoniaTM, Johannes-Marius Weiß, die aurazithene Siegesschale mit eingraviertem Blitz überreicht und von den Empfängern dem Publikum entgegengereckt. Nachdem der erste Jubel verklungen war, erhielten die Mannen von Theudebert Drahtzieher aus den Händen von Freiherr Fridolin von Harkenberg, offizieller Vertreter Regentin Wallumas, den vom Ostarischen Herzogshaus gestifteten Beständigkeitspreis, ein von Meister Horatio Brock gefertigtes silbernes Uhrwerk in Gestalt einer Kutsche. Weiterer stürmischer Jubel folgte. Anschließend wurden die herausragendsten Teilnehmer einzeln geehrt und zahlreiche Urkunden und Medaillen verteilt.
Außer den bisher genannten Persönlichkeiten war weitere Prominenz anwesend, die nun hinab ins Stadion eilte, um den Heroen der Tour zu gratulieren. Aus statistischen Gründen sahen wir uns gezwungen, diese Gäste nun alle aufzuzählen. Anzutreffen waren:
Der Königliche Hofsekretär Oluf von Rothenbronn, Herzog Angilbert I. von Ostarien (auf dem Schoß des Dogen), Fürst Bartha von Thal samt Gemahlin Genovefa von Thal, außerdem die prinzlichen Geschwister Anselm und Celia von Thal, sowie Prinz Leomar von Drachenhain. Kalveram von Norrland-Brassach hatte sich aus unbekanntem Grunde entschuldigen lassen. Weiterhin gaben sich die Ehre: Die Barone Herian von Carajon, Leabell von Tlamana, Jareck von Jolberg, Beorric von Wulfenstein samt Gemahlin Roxana von Beraht sowie dem kleinen Beongar von Wulfenstein, Hektor von Eichenstein, Foranan Mc Donough samt fünfzehn Hochländern, Jeferrindell Karelia von Jolbenstein, Koldewaiht von Hautzensteyn und seine Schwester Vyslaine von Hautzensteyn, Bischof Ceridian Aegidio, Abt Ditonius, der drachenhainische Kanzler Giselher von Mühlenhain, Lordkanzler Johannes Vergenhans,  sowie diverse Mitglieder des Betiser Stadtrates. Aber auch Vertreter von Kommerz, Wissenschaft und Kultur waren zugegen: Georg am Armi, Jantiff Gilvenlohe, Hannes Reichenbach, Belgabor, Anselms Knappe Ehno von Blaustein, die Jolbrucker Stadtgarde, Sal und Finn (In- und Export von Allerlei), Notker von Golbach und Arno von Tauenfeld, Marinehauptmann Joost van Goov und dessen Vorgesetzter Admiral Regulan vom Forchtenberg, Kommandant der herzöglich Ostarischen Emaranseeflotte, samt deren Mannschaft, die glücklicherweise rechtzeitig eingetroffen war, Asmund Güldentaler als Sponsor rtz (ebenfalls Sponsor), Faramud ben Dschadir, der gesalzene Snacks verkaufen ließ, die gesamte Utzgan Mannschaft Sturm Betis, Theudebert Drahtzieher mit Großfamilie, Harald Schönefonte und ein silberner Mann unbekannter Identität. Uff!
Mit einer Abschiedsrede von Johannes-Marius Weiß wurde die Tour dann offiziell beendet. Es folgte ein umfassendes Unterhaltungsprogramm, das mit der Uraufführung der grandiosen Tour-Suite von Wolfgrimm Aramantus Mordshart seinen Anfang nahm: Das Betiser Kammer- und Saalorchester, sowie der Augustinusdomchor zu Ankur begleiten famose Solisten wie Pavo Rothner und Wunderkind Bonifazio, zum ersten Mal bei einem weltlichen Auftritt, und ließen das Publikum noch einmal die dramatischsten Augenblicke des Rennens nachfühlen. Dabei stellte sich die Akustik im Stadion als ganz formidabel heraus. Später präsentierte die Compagnia Gelosi das schon vom heligonischen Adelstag bekannte Mysterienspiel "Saarkas Nacht" mit gewohnter Souveränität und schauspielerischem Glanz.
In der Pause zwischen den Vorstellungen konnten Lose erworben werden, deren Erlös der heligonischen Seenotrettungsgesellschaft zu Gute kam. Zahlreiche, auch prominente Gäste, nahmen dieses Angebot in Anspruch und sicherten sich damit die Teilnahme an einer Tombola, die folgenden Ausgang nahm: Eine gemeinsame Reise zum Herzog-Uriel II.-Atoll gewannen Donna Severa Esteban, Roxana von Beraht, Bischof Ceridian Aegidio und ein namentlich nicht genannter begeisterter Betiser Bürger. Eine abenteuerliche Freifahrt zu viert mit der beschlagnahmten Eisenrennkutsche von Fran Panis Büttelmännern entfiel auf Leabell von Tlamana, Koldewaiht von Hautzensteyn, einen Welzener Gardisten und einen verlausten Bettler, der das Los wohl gefunden hatte. Die vielen Nebengewinne sollen hier nicht weiter erwähnt werden. 
Die ganze Nacht über wurde weitergefeiert mit der Hoffnung sich eines Tages bei einer erneuten Tour von HeligoniaTM wieder zu treffen.

Nun noch einmal in Kürze die Ergebnisse:
 

Etappenergebnisse Jolberg - Pogelsweiler:
1 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 0
2 Bertram Borkhäuser und Söhne 18 min 8 sec
3 Theudebert Drahtzieher 1 h 16 min 22 sec
4 Jaruns Hazardeure grüßen Pogelsweiler 1 h 18 min 45 sec
5 Fran Panis Büttelmänner 2 h 24 min 22 sec 
6 Jolberger Schädelspalter 3 h 27 min 4 sec
7 Phoenix 3 h 54 min 37 sec
8 Mc Donough 11 h 59 min 31 sec
9 Freie Universitas zu Cambrück 14 h 31 min 30 sec
10 Ladislaus Schwartz 14 h  34 min 35 sec 
-
Emaranseeflotte scheidet aus
Etappenergebnisse Pogelsweiler - Betis:
1 Phoenix 0
2 Bertram Borkhäuser und Söhne 2 min 54 sec
3 Theudebert Drahtzieher 1 h 2 min 34 sec
4 Jolberger Schädelspalter 1 h 15 min 32 sec
5 Freie Universitas zu Cambrück 1 h 51 min 56 sec 
6 Ladislaus Schwartz 2 h 21 min 11 sec
7 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 3 h 9 min 12 sec
8 Jaruns Hazardeure grüßen Betis 5 h 59 min 50 sec
9 Mc Donough 20 h 5 min 25 sec
- Fran Panis Büttelmänner (7 h 33 min 53 sec)
Endstand in Betis:
1 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 0
2 Theudebert Drahtzieher 42 min 47 sec
3 Phoenix 4 h 3 min  45 sec
4 Bertram Borkhäuser und Söhne 12 h 12 min 34 sec
5 Jolberger Schädelspalter 46 h 2 min 44 sec 
6 Jaruns Hazardeure grüßen Heligonia 66 h 52 min 6 sec 
7 Freie Universitas zu Cambrück 104 h 55 min 59 sec
8 Ladislaus Schwartz 107 h 57 min 21 sec 
9 Mc Donough 112 h  5 min 49 sec
- Sägebrecht ausgeschieden
- Emaranseeflotte ausgeschieden
- Fran Panis Büttelmänner disqualifiziert

Damit ist der Sieger der 1. Tour von HeligoniaTM:

Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker!
(unterstützt von Wulfensteins Wollwebergilde)

Beständigkeitspreis der 1. Tour von HeligoniaTM :
 

1 Theudebert Drahtzieher 103
2 Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker 82
3 Bertram Borkhäuser und Söhne 73
4 Phoenix 71
5 Jaruns Hazardeure grüßen Heligonia 63
6 Jolberger Schädelspalter 57
7 Mc Donough 55
8 Emaranseeflotte 46
9 Freie Universitas zu Cambrück 42
10 Ladislaus Schwartz 38
11  Fran Panis Büttelmänner 19
12 Sägebrecht 3

Damit ist die Mannschaft von Theudebert Drahtzieher (unterstützt von demselbigen) Gewinner des Beständigkeitspreises. 

Punkteverteilung

Die Verteilung der Punkte erfolgte aufgrund der Plazierungen bei den Einzeletappen. Als Sprintetappen gelten: Sethnara-Jarun sowie Jarun-Sarniant. 
 

Punkte
Platz
Normal
Sprintetappe
1
11
11
2
9
9
3
7
7
4
5
5
5
4
-
6
3
-
7
2
-
8
1
-
9
-
-
10
-
-
11
-
-
12
-
-

Anzahl der Etappensiege der Teilnehmer der 1. Tour von HeligoniaTM:
 

Team Etappensiege
McDonough
Theudebert Drahtzieher
Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker
3
Jaruns Hazardeure grüßen Heligonia
2
Bertram Borkhäuser
Ladislaus Schwartz
Freie Universitas zu Cambrück
Jolberger Schädelspalter
Phoenix
1
Fran Panis Büttelmänner
Emaranseeflotte
Sägebrecht
0

 

Drachenhainer Herold


Höret, höret:

Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu wissen:

Primo: Seine Durchlaucht verleihen seiner Hochwohlgeboren Baron Krator von Rebenhain auf Grund seiner Verdienste um den Schutz der nördlichen Drachenhainer Ländereien das Recht und die Pflicht, einen Ritterorden zu gründen, der künftig Schwert und Schild der Ödlandprovinzen sein soll!

Secundo: Seine Durchlaucht entließ als Zeichen seiner Gnade die drei Tlamanischen Entführer am Tage des Adelstages aus ihrer hochverdienten Haft. Sie wurden auf dem schnellstem Wege und ohne Verzug an die Grenze des Fürstentums gebracht. Es ist den Schurken allerdings zeit ihres Lebens nicht mehr gestattet Drachenhainer Grund zu betreten!

Tertio: Seine Durchlaucht billigt die Arroundierungsverträge von Jolbruck aus dem Jahr 2 v. A III.. Somit entsagt Drachenhain entgültig jedem Anspruch auf das seit jeher zwischen Thal und Drachenhain strittige Land jenes Sumpfgebietes, landläufig auch Brazachdelta genannt, wo die Flüsse Jolborn und Brazach zusammentreffen. Jedoch ist Drachenhainern, nach wie vor, zollfreie Durchfahrt auf ewiglich gewährt!

Quarto: Die vormalige Baronie Drachenberg sei fürderhin zur Baronie Sengenberg, einer Ballei der Templer zu Ankur deklariert. Zum Herrn des Lehens wurde durch des Fürsten Wort und Willen der Hauskomtur Wentorius von Waldhort, vormalig enger Vertrauter des Abtes des wolfenfelder Templerklosters St. Maccalus, bestimmt. Möge dem seiner Hochwohlgeboren eine lange und segensreiche Regierung beschert sein!

Quinto: Seine Hochwohlgeboren, Hadebrand von Grauburg, Ordensmarschall der Templer zu Ankur, verzichtete am Tage des Sieges über das aufständische Drachenberg, auf das Amt des Schwertführers von Drachenhain. Deshalb beorderte seine Durchlaucht, Fürst Waldemar von Drachenhain, seine Hochgeboren Prinz Leomar von Drachenhain, erneut das Schwert des Fürstentums tragen!

Sexto: Vom heutigen Tage an sei dem schurkischen Rebellen Adveri und seinem elenden Lumpengesindel der Krieg erklärt. Das Fürstentum Drachenhain wird künftig Schulter an Schulter mit dem Fürstentum Thal planvoll gegen den Widersacher vorgehen.

Septimo: Im Kampfe gegen die Adveristen im Land wird seine Durchlaucht Fürst Waldemar außerdem seinen edlen Erzkanzler Giselher von Mühlenheim, per Heliosbrief mit weitreichenden Befugnissen und Privilegien ausgestattet, um so ein schnelleres und sichereres Handeln zu gewährleisten. Ein jeder, ob Baron oder Bauer, ist von nun an verpflichtet seiner Hochwohlgeboren mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, und ihm auf sein Geheiß Tür und Tor zu öffnen, gerade so als sei der Erzkanzler seine Durchlaucht, der Fürst, selbst!

Dies alles gegeben im Mond der Besinnung auf der Feste Drachentrutz durch seine allergnädigste Durchlaucht, Fürst Waldemar von Drachenhain!

Frühling in Betis - Und Träume werden war!


Sehr verehrter Herr Koldewaith!

Verzeiht, dass ich so lange nichts habe von mir hören lassen, aber die Umständnisse ließen es nicht zu. Sicherlich habt Ihr schon vom Ausgang des Krieges mit den Ödlingen erfahren. Doch will ich Euch meinen Bericht der Ereignisse nicht vorenthalten, zumal ich Euer Vertrauen so schmählich enttäuscht habe.
Wie Ihr Euch hoffentlich erinnert, berichtete ich Euch in meinem letzten Brief von den Verhandlungen mit den Ödländern am Ritualplatz, die ich durch meine Dummheit gestört habe. Dummheit, so nenne ich es jetzt, denn jedes Mal wenn ich daran denke, frage ich mich, ob die Verhandlungen ohne mein Eingreifen vielleicht von Erfolg gekrönt worden wären und die Ödländer Xurl-Saleenia nicht angegriffen hätten.
Man sperrte mich danach auf einem der Schiffe ein, aus Angst, die Ödländer könnten über die Haare, die sie mir geraubt hatten, einen Beherrschungszauber auf mich ausüben. Ich konnte zwar keinen Sinn darin erkennen, doch ich beugte mich, nicht willens, die Herrschaften durch Diskussionen von der Dringlichkeit der Situation abzulenken. Dann fiel mir das Blut des Schamanen ein, das am Ritualplatz zurückgeblieben war. Ein Magier wäre wohl fähig, mithilfe dieses Blutes mehr über die Art der angewandten Magie zu erfahren. Aus dem gleichen Grund hatte der Ödling mir die Haare geraubt: um mehr über mich und meine Art der Magie zu erfahren. Dessen bin ich mir sicher. Da ich keine Möglichkeit hatte zu handeln, bat ich darum, mit Josephina von Drachenhain sprechen zu dürfen.
Sie kam alsbald, zusammen mit ihrem Schwertführer Tallrim Stabschwinger. Ich bat sie sofort in aller Dringlichkeit, jemandem zum Ritualplatz zu schicken, um Erde mit dem Blut des Schamanen zu holen. Doch Josephina teilte mir mit, dass dies nicht mehr nötig sei. Tallrim hatte schon dafür gesorgt. Ich bat sie daraufhin darum, mich freizulassen, ein Magier könne doch prüfen, ob ein Zauber auf mir läge. Und sie versprach, sich dafür einzusetzen. Sie fragte mich schließlich, warum ich eingegriffen hätte und ich legte ihr meine Gründe dar:
Dass ich wusste, dass der Schamane Magie wirkte mit seinem Blute und dass ich den Zauber aufhalten wollte - niemand konnte schließlich wissen, ob es sich wirklich "nur" um Zeitmagie handelte. Und dass ich die Herrschaften nicht mit hineinziehen wollte, damit sie, falls ich scheiterte, die Verhandlungen fortsetzen konnten - notfalls indem sie mich opferten. Josephina meinte, das sei zwar nobel gedacht, aber ich solle künftig den Herrschaften zutrauen, selber für ihre Sicherheit zu sorgen. Dennoch versprach sie, sich für mich einzusetzen.
Noch am gleichen Tag besuchte mich Krator von Rebenhain. Bei den Göttern! Der Baron tobte vor Wut. Noch nie in meinem Leben habe ich jemanden so wütend gesehen. Fast befürchtete ich, er könne die Beherrschung verlieren und Hand an mich legen. Doch nur das Mobiliar der Kammer hatte unter seinem Zorn zu leiden. Wie ich dazu käme, eine Unterhandlung zu stören, schrie er. Doch ich schwieg. Ich begriff, dass er in diesem Augenblick keine Antworten hören wollte, sondern seinem Unmut Luft geben musste. Aber seine Vorwürfe stachen gleich Messern in meine Seele. Wie recht er doch hatte!
Immer wieder kam ich zu diesem Punkt in den nächsten bangen Tagen, da wir den Jolborn hinaufsegelten. Ich hatte kein Recht gehabt, mich einzumischen. Ich sah das nun ein. Und so gut meine Gründe auch gewesen sein mochten. Der Angriff von Xurl-Saleenia mochte meine Schuld sein. Viele Menschen mochten dort sterben. Daran hatte ich in meinem Eifer nicht gedacht. Der Gedanke lastete auf mir wie ein Mühlstein.
Endlich, einen Tag bevor wir in Kratorpolis ankamen, erschien Krator ein zweites Mal bei mir. Sein Miene war kalt wie Eis, doch dieses Mal war er anscheinend gekommen, um Antworten zu hören. Josephina hatte anscheinend mit ihm gesprochen, denn er kannte alle meine Argumente schon. Wie ich dazu käme, einen Unterhändler anzugreifen, wollte er wissen. Da erinnerte ich ihn daran, dass ich weder eine Waffe gezogen noch den Schamanen anderweitig angegriffen hatte, ich hatte nur versucht zu verhindern, dass er sich erneut in den Arm schnitt.
Krator schwieg daraufhin. Als er endlich sprach, verurteilte mich dazu, in der Leomark Grenzdienst zu verrichten - als niederster Dienstrang, damit ich lernte, mein Temperament zu zähmen. Ich willigte ein, fast schien mir die Strafe zu milde. Dann fragte ich ihn, ob er erlaubte, dass ich mich den Kämpfen um Xurl-Saleenia anschloss oder ob auch er fürchtete, die Ödländer könnten mich beherrschen. Ich sagte ihm, dass ich es merken würde, wenn jemand einen Zauber auf mich wirken würde und dass ich ihn bekämpfen könnte. "Auf Euer Wort", fragte Krator. "Ja", antwortete ich ihm. Zudem könne jemand auf magischem Wege prüfen, ob ein Zauber auf mir liege. Krator versprach, dies zu veranlassen und verließ mich.
Als wir am nächsten Tag in Kratorpolis anlegten, glaubte ich zunächst, man würde mich nun, in der Stadt in einer Zelle einsperren. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen erschien Krator spät am Abend mit einer lieblichen Frau in meiner Kammer. Er stellte sie als Samira von Silberlauf vor. Ich konnte mich vage daran erinnern, dass sie als Heilerin nach Kratorpolis gekommen war und einem alten Drachenhainer Rittergeschlecht entstammt. Doch die junge Frau war anscheinend auch der Magie mächtig und sollte prüfen, ob ein Zauber auf mir lag.
Sie schloss die Augen und konzentrierte sich, Schweiß brach auf ihrer Stirn aus, dann keuchte sie und öffnete ihre Augen. "Götter!", entfuhr es ihr. "Nein, auf Euch liegt kein Zauber, aber ..." Sie verstummte, als müsse sie überlegen, ob sie weitersprechen sollte. Dann besann sie sich: "Ein Fluch liegt auf Euch, der Euch verbietet, nach Tatzelfels zurückzukehren." Ihre Worte trafen mich gleich einem Messer in der Brust. Nie mehr nach Tatzelfels zurückzukehren, hieß, dass Syria für mich verloren war. Und eine Vermutung drängte sich mir auf: Cawadoc war es gewesen, der mir dies angetan hatte. Wie konnte er mich mehr treffen? Die Erkenntnis will mir immer noch den Atem rauben.
Krator jedoch war damit zufrieden. Er hieß mich, den Luchner Waffenrock auszuziehen und stellte mich unter das Kommando eines Sergeanten vom Grenzdienst. Turgan Eisenfaust ist sein Name, ein vierschrötiger Mann ohne Humor und ohne Gnade. Unter seiner Führung sollte ich den Grenzdienst verrichten und um den Kampf um Xurl-Saleenia ziehen. Noch am gleichen Tage legten die Schiffe ab und fuhren weiter gen Leomark.
Es sah schlimm aus in Xurl-Saleenia. Die Stadt war ausgeblutet. Schon mehrere hundert Männer hatten bei ihrer Verteidigung ihr Leben gelassen. Unsere Verstärkung kam gerade zur rechten Zeit. An der Nordmauer hatten die Ödlinge Bollwerke errichtet, um die Mauer und den Wall einzunehmen. Tag und Nacht konnte man die Wilden im Schein des Feuers an Belagerungswerkzeug arbeiten sehen. Doch auch auf unserer Seite wurde Hand an der Verstärkung der Mauern gelegt. Um die Wilden bei ihrer Arbeit zu stören, beschloss man, diverse Ausfälle zu wagen. Auch die Männer um Turgan wurden dazu ausersehen, daran teilzunehmen.
Wie die Berserker fuhren wir zwischen sie. Tag für Tag, immer wieder. Wir hielten in ihren Reihen blutige Ernte, doch - ach! - welchen Preis mussten wir dafür zahlen! Wieviele der unsrigen blieben vor den Toren der Stadt zurück, tot oder verwundet, als Spielzeug in den Händen der Ödlinge - was das schlimmere Schicksal war. Ich war müde, unendlich müde. Des nachts fand ich ob meiner Träume vom Geschehen des Tages kaum Schlaf. Und am Tage war ich draußen vor den Toren der Stadt und versuchte mein Schicksal. Niemand verlangte, dass ich an jedem Ausfall, den wir ritten, teilnahm, doch wie konnte ich zurückstehen, wo ich vielleicht all dies Elend verschuldet hatte. Der Gedanke ließ mich nicht los.
An einem trüben Morgen war es endlich soweit. Die Ödländer stürmten die Nordmauer. Den ganzen Tag hielten wir die Stellung. Kaum kam ich dazu, einen Schluck Wasser zu trinken, um meinen Durst zu löschen, geschweige denn, dass Zeit gewesen wäre, etwas zu essen oder einen Moment zu rasten. Ohne Unterlass warfen die Ödlinge sich gegen unsere Mauern. Brandpfeile setzten die Häuser hinter uns in Brand, raubten uns den Atem und die Sicht durch den Rauch und den Ruß, nährten unsere Erschöpfung durch die schweißtreibende Hitze. Dann geschah das Undenkbare. Der Boden unter dem Nordturm wankte und der Turm stürzte ein. Ich habe es nicht gesehen, hörte nur die Schreie, denn zur gleichen Zeit türmten die Wilden Grassoden auf, bildeten so eine Rampe und stürmten den Teil der Mauer, den Eisenfausts Mannen verteidigten. Eine Flut aus Leibern strömte uns entgegen. Götter, wir versuchten, sie aufzuhalten, doch ihre schiere Zahl erdrückte uns.
Panik brach aus. Allerorten wurde der Rückzug befohlen. Eisenfaust und einige seiner Männer waren die letzten, die die Nordmauer verließen und die Flucht der anderen deckten. Der Schweiß brannte in meinen Augen, das Schwert in meiner Hand zitterte. Noch war ich nicht verletzt, nur die Erschöpfung machte mich wanken. Da sah ich am Ende der Mauer, wie einige Ödlinge sich unter Gejohle der Fahne der Leomark bemächtigten. Wut bemächtigte sich meiner und fegte jeden klaren Gedanken beiseite. Einer der Barbaren entzündete ein Feuer. Da hielt mich nichts mehr. Wenn Xurl-Saleenia fallen sollte, dann mit Würde. Wenn sie schon die Leiber unserer Toten entehrten, dann sollte wenigstens die Fahne der Leomark dies Schicksal nicht ereilen.
"Zurück", bellte Eisenfaust, doch ich achtete nicht darauf. Wie im Wahn stürmte ich vorwärts, bemerkte kaum, dass mir eine Handvoll Männer folgte. An das folgende Handgemenge mag ich mich kaum erinnern. Sie waren uns an Zahl weit überlegen, wir dagegen waren alle erschöpft, manche verwundet. Ich schlug um mich, fühlte kaum die Hiebe, die mich trafen, bis ich endlich die Fahne in der Hand hatte. Erst jetzt blickte ich mich um. Die Männer, die mich begleitet hatten, und auch unsere Gegner waren tot. Weit und breit war auf der Mauer keiner der Verteidiger mehr zu entdecken. Ich war allein.
Weit entfernt sah ich, wie die Boote bemannt wurden, um sich auf die wartenden Schiffe zu retten. Die Fahne würde mich behindern, erkannte ich. Ohne nachzudenken band ich sie mir um den Leib. Dann rannte ich los. Ich nahm den kürzesten Weg, hieb und schlug auf jeden ein, der sich mir in den Weg stellte, rutschte aus im Blut, das an meinem Bein hinabrann, geblendet vom Schweiß, der mir in die Augen tropfte. Doch ich schaffte es. Wie kann ich Euch nicht sagen. Aber als das letzte Boot ablegte, erreichte ich das Ufer des Jolborn. Mit letzter Kraft taumelte ich darauf zu. Dann traf mich ein Pfeil im Rücken, warf mich zu Boden. Ich kämpfte mich hoch, Wasser umspülte meine Füße. Dann traf mich der zweite Pfeil. Ich stürzte, fiel, Wasser schlug über mir zusammen. Es ist vorbei, dachte ich noch, da verschlang mich die Dunkelheit.
Etwas später erlangte ich auf einem der Schiffe wieder das Bewusstsein. Helfende Hände hatten mich an Bord des Bootes gezogen und mich gerettet, so erzählte man mir. Wo Turgan Eisenfaust war, konnte mir keiner sagen. Und auch die Fahne war fort. Ich dämmerte ein, bis der Durst mich wieder weckte. Wehklagen erklang allerorten. Ich fror, nass, wie ich immer noch war. Kälte kroch meine Beine hinauf und das Atmen fiel mir schwer. Das nächste Mal kam ich zu mir, als jemand versuchte, mir das Kettenhemd auszuziehen. Als sich der Heiler anschickte, die beiden Pfeile zu entfernen, hoffte ich, wieder das Bewusstsein zu verlieren. Doch vergebens. Erst als er sein Werk beendet hatte, wurde mir die Gnade einer Ohnmacht beschert.
Danach wird meine Erinnerung undeutlich, und - Die Götter mögen mir gnädig sein! - ich möchte mich auch nicht an diese Zeit erinnern, an die Schmerzen, die Glut in meinem Körper, die Alpträume, den Durst, die Erschöpfung und das schlimmste von allem: die Einsamkeit und die Schuld. Jetzt, wo ich dies schreibe, Wochen später, genesen, wenn ich auch noch immer hinke, zittert meine Hand und ich frage mich immer und immer wieder, ob ich die Schuld trage an dem Tod so vieler. Ob es mein Eingreifen bei den Verhandlungen war, das den Stein ins rollen brachte. Dummkopf, sage ich mir dann. Zu glauben, dass ein Einzelner Macht haben sollte, über Leben und Tod so vieler zu entscheiden, ist schiere Eitelkeit. Und dennoch: Ich glaube daran, dass ein einzelner Mensch das Schicksal der Welt ändern kann. Und wenn das so ist, dann bin ich schuldig, schuldig, schuldig. Einzig, was ich hoffen kann, ist, dass mir die Götter eine Chance gewähren mögen, meine Schuld zu sühnen - und wenn es mit meinem Tod verbunden sei.
So warte ich hier an den Randen der Ödlande auf die Gnade der Götter, hoffe bei jeder Patrouille, dass ich dort die Chance finde, einen Teil meiner Schuld zu sühnen. Doch die Wirklichkeit verrät mir anderes. Der Wind bläst kalt über das offene, verschneite Land, schneidet mir ins Gesicht. Die Tage sind Perlen an einer Kette aus Mühsal und jede Nacht höre ich die Schreie der Sterbenden. Hier in dieser Ödnis ist kein Platz für Heldentaten. Selbst die gerettete Fahne ist nur ein weiteres Vergehen.
Turgan Eisenfaust schlug mir ins Gesicht, als ich auf zittrigen Beinen mein Krankenlager verließ und ihm Bericht erstattete. Als Strafe für meinen Ungehorsam muss ich seitdem seine Rüstung und seine Waffen putzen. Er hat mich zu seinem Stiefelknecht ernannt. Als man mir die Ritterwürde nahm, dachte ich, ich könne nicht tiefer fallen. Angesichts des Schmutzes auf meinen Händen und der Schwäche in meinen Gliedern von den Alpträumen der Nacht weiß ich, dass ich mich geirrt habe und ich habe Angst, mein Fall könnte noch nicht zu Ende sein. Meine Hoffnung zum Besseren schwindet, denn auch die Rückkehr in meine Heimat und zu meiner Liebe sind mir auf immer verwehrt.
Verzeiht mir, dass ich Euer Vertrauen so schmählich enttäuscht habe. Glaubt mir trotz allem, dass ich Euch aufrichtig verehre und tiefe Freundschaft für Euch empfinde - gleichgültig, was ich auch getan habe.
Arandis

Die Grauburger Ehrentafel

Heute war des Pagen Botmar von Vinzgarten großer Tag. Wochenlang hatte er sich darauf vorbereitet, Mühen, Schmerz und Pein gerne auf sich genommen, um in diesem Augenblicke an dieser Stelle zu stehen. Über seinem Kopf prangte herrschaftlich das schwarzgoldene Banner des Fürsten von Drachenhain, zwei knisternde Fackeln im Zwillingshalter spendeten ihm für seine gewichtige Tätigkeit nur spärliches Licht und so lag das schmale Tischlein neben ihm, auf dem er allerlei Messer und Kelche in Reih und Glied aneinandergelegt hatte, im Halbdunkel. Er allein war für diesen Abend zum Pagen des Fürsten ernannt worden, eine große Ehre, aber auch eine beachtliche Herausforderung. Kaum drei Schritt entfernt von ihm, thronte seine Durchlaucht im Drachentrutzer Wappensaal. Bisher war alles sehr gut verlaufen, befand Botmar für sich, sowohl seinem Herrn, als auch dem heutigen Ehrengast aus der fernen Markgrafschaft Norrland-Brassach, wusste er formvollendet das Fleisch zu zerlegen und in appetitliche Happen auf die wertvollen Teller zu drapieren. Eigentlich war das Essen schon seit geraumer Zeit beendet und man begann gerade den letzten Umtrunk anzuberaumen. Dem Jungen schmerzen schon die Beinen, kaum spürte er mehr die Zehen, gleichwohl durfte und würde er seinen Posten noch nicht verlassen. Ein seliges Lächeln lag stattdessen auf seinem Gesicht - er hatte seine Sache gut gemacht. Mit nur halbem Ohre hörte er nun dem durchdringenden Stimmengewirr der hohen Herren zu, wahrhaftig schien einer den andern an Lautstärker übertönen zu wollen. Wie herrlich, dachte Botmar bei sich und lenkte seine Aufmerksamkeit mal hier und mal dort hin und freute sich seines Lebens. Da drangen ihm mit einem Mal donnernd die Worte seines Fürsten und dessen Gastes, dem prächtigen Mann in rotem Rock, an das Ohr.
"Nun, mein guter Ordensmarschall, wollt Ihr Euren Entschluss angesichts solch einer Ehrentafel, die allein nur für Eure Person bestimmt ist, nicht doch noch einmal überdenken und wirklich morgen schon Heim in die ferne Markgrafschaft reiten?" "Durchlaucht, zuviel der Ehre!" erwiderte da der Angesprochene in nicht minder lauter Stimme "Ich werde in meiner Heimat gebraucht, ursprünglich habe ich gar nicht so lange verweilen wollen. Doch scheint mir nun die Gefahr in Eurem Lande einstweilen abgewandt und meine Person hier nicht mehr gebracht." "Oh nein, mein Bester. So schnell kommt Ihr mir nicht davon!" parierte der Fürst in spaßhaften Ton "Nicht allein eines getreuen und edelmütigen Weggefährten werde ich beraubt, nein auch das hohe Amt eines Drachenhainer Barons verschmäht ihr aus meiner Hand und zu schlechter Letzt muss ich nun sogar einen neuen Schwertführer erwählen. Mutet Ihr einem alten Manne nicht allzu viel zu?" der Gast lachte wohlwollend auf, fuhr die Rede aber ungerührt fort "Euer Durchlaucht, haben in Wentorius von Waldhort einen exzellenten Vertreter des Ordens zum Herrn der neuen Ballei Sengenberg bestallt, der sich aufgrund seines bisherigen Amtes im wolfenfeldschen Kloster St Maccalus, im übrigen weit besser dazu eignet als ich. Der edle Hauskomtur lebt und waltet bereits seit einigen Jahre in Drachenhain, er ist wahrhaftig würdig, im Namen unseres geliebten Markgrafen Kalveram, das Land in Ehren zu verwalten. Was jedoch Euren künftigen Schwertführer anbelangt, da wag ich Euch nicht zu raten, denn unter den Drachenhainer Baronen traute ich es mehr als einem zu, diese ehrenvolle Aufgabe vortrefflich auszufüllen." Der Fürst änderte ob dieser Worte hörbar den Ton, dem jungen Hartuw schien sein Herr nun deutlich missgelaunter: "Hieran wurde bereits gedacht, edler Hadebrand. Es soll einer Schwertführer werden, der sich in letzter Zeit allzu gern seiner eingeborenen Obliegenheiten selbst befreite und das Land seiner Väter sträflich sich selbst überließ. Ja, ich spreche vom Prinzen Leomar, meinem Sohn. Ich will, dass er wieder das Schwert trägt. So wird er dem Tlamanischen endlich den Rücken kehren und Drachenhain nach unserem Begehr dienen! Aber nun denn, es ist spät geworden. Lasst mich noch eines sagen, bevor sich unsere Wege scheiden, braver Hadebrand. Es ist mir wahrlich ein großes Behagen gewesen einen Mann wie Euch unter meinem Befehl gehabt zu haben. Nehmt dies zum Geschenk, hieran mag ich Euch meine Verbundenheit zeigen." Mit feierlicher Geste streifte der Fürst einen aurazithenen Ring von seiner Hand und reichte das edle Douceur dem Ordensmarschall, der demutsvoll das Haupt senkte und gerührt den kostbaren Reif annahm.
Mit einem Mal wurde dem jungen Pagen zeitgleich heiß und kalt und das Herz schlug ihm schmerzhaft in der Brust, da er gewahrte, wozu er sich in den letzten Augenblicken verstiegen hatte. Mehr als einmal war es ihm doch vom Major Domus eingebläut worden: "Lausche nicht am Tische der Herrschaften. Du Wurm wirst sonst versucht sein zu schwatzen von Dingen, die Du nicht verstehst und Du wirst werden, wie eines der Waschweiber vom Bitterbachbrunnen. Gedenke dessen und verrichte Deinen Dienst wie ein Mann!" Schamvoll senkt der Page Botmar nun die Augen und schwor sich und den Vieren keiner Seele je etwas von dem zu verraten, was hier und heut zu hören bekam.
Dem Leser ergebenster Diener, 
Schillwunk "die Feder" Radeweyd, Drachenhainer Hofberichterstatter

Abkopplung der Heilerstätte zu Turlachnioch und der luchnischen Sternwarte von der Universität Tairngire

Die Heilerstätte zu Turlachnioch wurde im Jahre 26 nach Aximistilius III gegründet. Unmittelbarer Anlaß war das verheerende Wüten der Pustelplag im südlichen Ostarien, unter anderem im benachbarten Buchenfels. Mit dem Baron zu Buchenfels, Thioderik von Wälsung, wurde damals eine enge Zusammenarbeit mit Spital und Laboratorium der Pretorusianer zu St. Pretorius vereinbart. Hauptarbeitsgebiet der Heilerstätte war und ist die allgemeine ogedischer Heilkunst in Praxis und Lehre, außerdem ein luchnisches Spezialgebiet, die Lehre der Druidh. 
Nach der Gründung gliederte man die Heilerstätte der Universität zu Tairngire als Außenstelle an. Dies bedeutete nicht den Status einer echten Fakultät, doch war im Rahmen des Universitätstudiums eine Tätigkeit und eine Belegung von praktischen Kursen an der Heilerstätte möglich. 
Trotz der Zusammenarbeit mit St. Pretorius scheint eine weitere direkte Angliederung an die Universität zur Zeit nicht sinnvoll. Die Heilerstätte zu Turlachnioch wird deshalb mit Beginn des zweiten Saarka 29 n.A.III vollkommen autark weitergeführt. Jeder Student der Universität Tairngire darf begonnene Kurse und Tätigkeiten bis Ende des Jahres fortsetzen. Ein individuelles weiteres Lernen und Arbeiten wird, wenn gewünscht, in den meisten Fällen möglich sein.
Die Sternwarte zu Luchnar in der Nähe von Soileachnioch war mit der Universität Tairngire ebenfalls verbunden, eine offizielle Ernennung zu Außenstelle als Fakultät Astronomie war für das Jahr 30 oder 31 n.A.III geplant. Auch dieses Vorhaben wird gestoppt, die Sternwarte wird als unabhängiges Observatorium weitergeführt.

Heilige Flammen

Ende des dritten Saarka kam ein Schiff aus Störenweiler mit gehißter Hochaskensteiner Flagge am Jolbrucker Hafen an. Die Ladung, ein Bug voll Weihrauch, wurde in Jolbruck gelöscht, da Weihrauch hier nicht besteuert wird. Die Besatzung wurde in der angesehenen Hafentaverne Poënas Segen einquartiert. 
In der folgenden Nacht wurde jedoch die Ladung aus dem Lagerhaus entwendet. Auf einem eben gesäuberten Fleck im Innern der Halle fand man eine steinerne Schuppe, einer Drachenschuppe erstaunlich genau nachempfunden. Solch zierliche Arbeit sah man bisher ausschließlich von Darianischen Künstlern geschaffen.
Die Baronin Jefferindell Karelia von Jolbenstein ließ einen Suchtrupp aufstellen. Ganz Jolbruck wurde auf den Kopf gestellt. Leider fand sich keine Spur.
Bevor Saarka ihren Mantel ausbreitete, sollten die Jolbrucker aber noch einmal in Aufregung geraten. Der Hafen war in ein goldenes Licht getaucht. Gut 50 Schritt auf den Jolborn hinaus stand eine große Holzbarke in Brand. Die Abendluft roch süßlich-herb. Alle Anstrengungen jedoch, den Brand zu löschen schlugen fehl. Personen kamen glöücklicherweise nicht zu Schaden. Des Morgens schwammen Reste der Barke und der Ladung in den Hafen - Weihrauch! 
Es ist gänzlich unklar, ob diese Tat nur ein grober, einem Verbrechen nahekommender Streich ist oder ob wirtschaftliche Interessen dahinterstecken. Die Baronin ließ verfügte, daß nach den Urhebern gefahndet wird und daß die Lagerhäuser in den kommenden Wochen bewacht werden. In Absprache mit ihr stellte der Statthalter von Jolbruck, Koldewaiht von Hautzensteyn, zwei seiner bewährten Mannen zur Verfügung.
In einem gemeinsamen Brief luden außerdem Statthalter und Baronin Abt Erland von Hochaskenstein ein, um über weitere Maßnahmen zu sprechen.

Rückgang des Handelsverkehrs auf der Q1

Der Bau der Aximistiliusstraße A1 hatte vor einigen Jahren den Warentransport aus Luchnar bereits vom Blögg-Markt in Tairngire weggelenkt, vorwiegend in Richtung Tatzelfels und Wolfenfeld. Der fast zeitgleiche Bau der Hochlandquerstraße änderte daran nicht viel. 
Die jüngsten Ereignisse in der westlichsten Hochlandhochlandbaronie, einst Tagil geheißen, brachte den Güterverkehr nun fast vollständig zum Erliegen. Das Vertrauen in den Blöggmarkt als gute Adresse für sowohl Handel als auch sozialen Austausch scheint völlig erloschen. Ein direkter Transport luchnischer Waren über Croithnona hinaus findet nicht mehr statt.
Die Hoffnungen, die einst in die Q1 gesetzt wurden, sind offenbar gescheitert.

Krähe in Thal gefasst! - Erzkanzler Gieselher von Mühlenheim wahrt die Drachenhainer Interessen

Hocherfreut zeigte sich seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain ob der Meldung, dass endlich die Adveristin mit Namen Krähe, ins Thaler Fangnetz geraten ist. Noch am selben Tag, da die frohe Kunde die Drachentrutz erreichte, entsandte der Fürst seinen getreuen Erzkanzler Gieselher von Mühlenheim, gen Cambrück, um der Universität zum einen die ausgesetzte Belohnung von 1000 Dukaten zukommen zu lassen. Außerdem tat seine Hochwohlgeboren vor allen Ohren die Drachenhainer Forderung kund, dass sich seine Durchlaucht, Fürst Waldemar, vorbehalte eine eigene Anklageschrift vorzubereiten, die in Escandra vor seiner aller-durchlauchtigsten Majestät zu verlesen sei. Zahllose Untaten werden der Schurkin in Drachenhain zur Last gelegt, unter anderem Brandschatzung, Mord und Anstiftung zur Rebellion. 
Erzkanzler Gieselher von Mühlenheim erhielt von seinem Lehnsherrn die dringende Order, sich in nächster Zeit einzig für diese Sache zu verwenden und sich bis zur Aburteilung und Hinrichtung der Krähe, stets nicht weit von der Delinquentin aufzuhalten.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von Drachenhain

Besser eine Krähe im Sack als den Habicht im Nacken.

altes Beridhaner Sprichwort

 

Herzögliche Ostarische Hofgazette

Herzogshaus fordert Höchststrafe

Mit positivem Interesse wurde auch in Ankur die Festnahme des als "Krähe" bekannten Individuums wahrgenommen. In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der Herzöglich-Ostarischen Hofgazette erklärte der von uns befragte Freiherr Fridolin von Harkenberg, Leiter des Amtes für Äußere Angelegenheiten, man habe ja selbst einschlägige Erfahrungen mit dem betreffenden Subjekt machen müssen, auf dessen Konto unzweifelhaft auch der Brandanschlag von Brüggen ging, bei dem ein Schiff der Brazachflotte vollständig zerstört wurde. Ein Angriff auf die Ostarische Flotte, aber, sei nunmal Hochverrat, sowohl am Herzogshaus, als auch an Seiner Majestät, dem König, dessen Herrschaft sich auch auf die militärischen Institutionen seiner Vasallen stütze. Darum wäre es eigentlich nur gut, wenn mit der Übeltäterin kurzer Prozeß gemacht würde. Da man aber einsehe, daß auch hier alles seine Ordnung haben müsse, stelle das Ostarische Herzogshaus gerne zahlreiche, amtlich geprüfte Nebenkläger und Belastungszeugen mit einwandfreiem Leumund zur Verfügung. Man hoffe weiterhin, daß das zuständige Gericht die Weisheit besitze, den einzig gangbaren Weg einzuschlagen. 

Besucht Betis! - Die Heimat von Ritter Ramon Maria Canonero!

Fürstlicher Thaler Hofchronist

Große Fahndungsaktion in Thal und Drachenhain: Kopfgeld für Adveri ausgesetzt

Seit einigen Tagen ist in Thal und Drachenhain eine gemeinsame große Fahndungsaktion nach dem Rebellen Adveri angelaufen: Steckbriefe mit dem Konterfey des Schergen wurden sprichwörtlich an jeden Baum geschlagen und sind in gr auch sei, zu finden; fahrende Büttel rufen die Meldungen bei allen Markt- und Dorfplätzen und überall sonst, wo sie auf Menschenansammlungen treffen, aus. 

Auf die Ergreifung des Rebellen ist ein Kopfgeld von 1000 Dukaten ausgesetzt;

Sachdienliche Hinweise für die Ergreifung des Rebellen oder seiner Schergen werden von allen Wachstuben in Thal und Drachenhain angenommen.

Gegeben in Hochanthen am 1. Tag des 1. Poëna des Jahres 29 n.A.III
Berengar Abelaerd, Schreiber am Hofe zu Hochanthen

Lorburg, am 28. Tag des I. Saarka, 27 n. A. III.

Im Auftrag seiner Hochwohlgeboren, Baron Hektor von Eichenstein, schildere ich, Ägidius Hoheneck, die Ereignisse wie sich zugetragen haben, nachdem mein Herr zum Baron ernannt wurde und seinen Platz in der Stammburg der früheren Herrscherin Nimue von Aue als neuer Herr der Lormark einnahm. 
 Aurelienstein nach Lormaringen verlief ereignislos, abgesehen von dem sehr saarkagefälligen Wetter, das zwar von meinem Herrn in keinster Weise missbilligt wurde, jedoch lies sein Gesichtausdruck, wenn mir diese Bemerkung als Hofschreiber gestattet ist, darauf schließen, dass es für einen Ritt deutlich bessere Wetterverhältnisse gegeben hätte. So kamen wir also drei Tage später durchnässt, durchfroren und erschöpft in Lormaringen an. Mein Herr legte großem Wert darauf, dass ich es ihm gleich tun sollte und versuchen, die Empfindungen auf den Gesichtern der Menschen zu erkennen und zu deuten, als wir unseren Einzug in die Stadt hielten und ich, so wie mein Herr, glaube, Neugier, Spannung und Sorge, aber letztendlich auch Hoffnung gesehen zu haben. Baron Hektor ritt dann auch direkt zum Marktplatz, um dort seine lange und mit Sorgesfalten auf der Stirn vorbereitete Ansprachen an das Volk zu halten, die ich gemäß seinem Wunsch hier wiedergebe: 

Volk der Lormark, Bürger von Lormaringen
Lange war die Lormark ohne rechtmäßigen Herrscher, lange wart ihr im Unklaren über eure Zukunft und die Zukunft dieses Landes. In euren Gesichtern lese ich Neugier und Sorge, darum hört folgendes: Ich bin Baron Hektor von Eichenstein, Lehnsherr der Lormark durch die Gnade und den Willen seiner Durchlaucht Fürst Barthas und seiner allerdurchlauchtigsten Majestät, König  Helos Aximistilius Tertius. Ich bin in diesem Land geboren und groß geworden als Ritter von Eichenstein, und habe manches mal mein Schwert erhoben, um das Land und die Menschen zu verteidigen und zu beschützen, das Land, das ich mit jeder Faser meines Körpers liebe, ebenso wie seine Bewohner. Ich tötete Sir Geller, einen Rädelsführer des Rebellenhundes Adveri von Beridhan, während  der Belagerung von Drachenhain im ehrenhaften Zweikampf. Aufgrund dieser Tat erhob mich Fürst Bartha in den Stand des Barons. Damit ist mir nun die Möglichkeit gegeben, nicht nur euch und euer Land zu schützen, sondern auch, euch zu führen in eine Zukunft, die reicher und besser sein soll als die Zeiten, die hinter uns liegen. Ich habe gelobt, Land und Leute mit meinem Leben zu schützen, und dieses Gelöbnis werde ich niemals brechen. Vieles wird sich nun ändern, und egal, welche Entscheidungen ich treffe, seien sie auch noch so rätselhaft, geschehen in der Überzeugung, das Beste zu bewirken. So sei es verkündet am 27. Tag des 1. Saarka, im Jahre 27. n.A.III.
nnzeichnet, da mein Herr zum großen Abschluss der Tour de Heligonia in Betis erwartet wurde, und, wie er sagte, es keinen schlechteren Einstand zu Beginn seiner Herrschaft geben könnte, als zur ersten offiziellen Einladung zu spät zu kommen. So verbrachten Baron Hektor und der Freiherr Cornelius von Langenau lange Tage und Nächte im Arbeitszimmer des Barons, um die Zukunft des Landes zu planen und alles für die Abreise meines Herren vorzubereiten, da der Edle von Langenau in der Zeit seiner Abwesenheit die Baronie führen solle. Die Pläne, so sei hier vermerkt, werden nicht nur das Heer der Lormark neu gestalten, sondern sollen auch der Armut, die dieses Land und vor allem seine Bauern allzu oft plagt, ein Ende setzten. Um die Rebellen allerdings, die sich gerüchteweise noch in der Lormark verbergen, will sich mein Herr persönlich kümmern, um dem Schwur gegenüber Prinz Anselm nachzukommen, nicht eher zu ruhen, bevor Adveri von Beridhan seinen Kopf auf den Richtblock seiner Majestät legt.

Ägidius Hoheneck, Hofschreiber zu Lormaringen

Winter in Thal

Mit reichlich Schnee und Frost begrüßte Saarka an ihrem Feste, die Gäste des Thaler Hochadels auf Schloss Aurelienstein in der Baronie Güldental. Der Wind heulte um die Schlossmauern und drohte gar die Flammen in den Feuerbecken auszublasen.
Hans, der Holzfäller des Schlosses, hatte alle Hände voll zu tun, die Holzscheite, die er im Herbst vor dem Schuppen aufgeschichtet hatte, nun in großen Körben schnell genug in den Saal und die Räume der Gäste zu bringen um die Feuer in den offenen Kamine und Kachelöfen am Leben zu erhalten. 
Am Tag der Abreise vom Adelstage merkte jede Gesandtschaft, wie reichlich und wie freigiebig die Göttin schenken kann. Die Kutschen waren alle unter einer weißen Decke verschwunden und so mancher merkte erst nach dem er die halbe Arbeit erledigt hatte, dass es die falsche Kutsche war, welche er eben ausgegraben hatte. 
Doch war Güldental eine späte Ausnahme, liegt es doch sehr güng und wärmer als die meisten Gegenden in Thal. Tolens und Welzen wurden schon früher von der Kälte heimgesucht und nur mit Mühe konnten sich bereits Wochen vorher die Händler einen Weg durch die Baronien bahnen. Auch die näher am Schlangekamm liegenden Baronien Lormark und besonders die Niederlormark waren in großen Teilen derart eingeschneit, dass ein Durchkommen nur unter größten Mühen möglich war. Jeder der konnte blieb zu Hause und machte keinen Schritt vor die Tür. Wenigstens die große Straße der Lormark entlang des stiFlusses konnte einigermaßen passierbar gehalten werden. Die Niederlormark war für Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Alle Händler die den günstigen Handelsweg durch die Niederlormark wählen wollten mussten einen großen Bogen und weite Umwegen in Kauf nehmen, wollten sie nicht mit ihren Waren im Schnee stecken bleiben. Auch konnte keine Kunde mehr von der Niederlormark vernommen werden, wie sollte dies auch geschehen, denn wo es keinen Weg hinein gibt, gibt es auch keinen mehr hinaus.
Ritinus Federschwinger, 
Hofschreiber des Fürsten Bartha von Thal

Freiherr von Hochwalden von Alpträumen geplagt

Gerüchte in Sethnara zufolge wird Ansgar von Beraht seit Begin der strengen Saarka-Monde zunehmend von Alpträumen heimgesucht. Am Tage lässt sich der Freiherr von Hochwalden dennoch nichts anmerken. Über den Inhalt der Träume kann ebenfalls nur gemutmaßt werden Einige Angestellte behaupten, das es in den Träumen vermehrt um den in der Camspitze wohnenden Camdragon geht. Sind dies bloße Spekulationen oder sind die Alpträume Ansgars gar Visionen eines bevorstehenden, fürchterlichen Ereignisses? Eine offizielle Stellungnahme wurde bisher nicht abgegeben.
 

Rückzug aus Drachenberg

15. 1. Saarka 29 n.A.III.
Drecks Dienst! Wenn wir heute nicht abrücken würden, würde ich wahrscheinlich desertieren. Seit fast einem Jahr war ich nicht mehr bei Weib und Kind. Mein Weib lies mir schreiben, dass unser Kleiner geboren worden ist, und ich habe ihn noch nicht mal gesehen. Seit einem Jahr ziehen wir in der Weltgeschichte umher. Es begann mit der Suche nach Prinzessin Celia, ich wurde von meinem Acker weg nach Anthan gerufen, dann zum Suchen nach Güldental geschickt und weiter in die Lormark. Selbst als die Prinzessin gefunden war, wurde meine Hoffnung bald wieder nach Hause zu dürfen nicht erfüllt. Um die Lage der führungslosen Lormark zu stabilisieren wurden viele Garnisonen und Stadtwachen durch mich und meines Gleichen verstärkt. Und dann kam auch noch diese Belagerung von Windenbork hinzu. Dort saßen wir drei Monate und mehr vor dieser Stadtmauer im Dreck und Schlamm und es passierte nichts. Kein Ausfall, kein Vorrücken, nichts. 
Vor ein paar Tagen haben die Windenborker endlich aufgegeben, nachdem Fürst Waldemar ihnen den Kopf ihres Stadthalters, nämlich Sir Gellers, auch einem Spieß geschickt hat. Jetzt endlich geht es nach Hause. Alle Thaler haben es eilig ihre Zelte abzubrechen und ihre sieben Sachen zu packen, denn es geht endlich nach Hause. 
Mein Heerführer Hauptmann Kilian Weizenkeim machte sich sehr schnell auf den Weg nach Walchsee und Ritter Hektor, der wie man hört bald zum Baron ernannt wird, hat sich auf den direkten Weg in die Lormark begeben. So koordinieren nun Baron Beorric von Wulfenstein und Prinz Anselm von Thal die Rückkehr des gesamten Thaler Heeres in die Thaler Heimat.
Auszug aus dem Tagebuch eines Thaler Soldaten.

Wir,

Ansgar von Beraht
Freiherr von Hochwalden
und
Fendra von Aueneck
Freifrau von Grünwalden
geben hiermit unsere Vermählung bekannt.

Die Feierlichkeiten fanden im Rahmen des Heligonischen Adelstages am 22. Tage der 1. Saarka auf Schloss Aurelienstein zu Güldental statt.
Wir möchten uns in aller Form für die Glückwünsche und Aufmerksamkeiten bedanken.
Besonderer Dank gilt ihrer Hochgeboren Freigräfin Arana von Sedomee sowie ihrer Hochwohlgeboren Baronin Josephina von Drachenhain für die feierliche Zeremonie.
Ebenso möchten wir uns bei unseren Trauzeugen, ihrer Hochwohlgeboren Baronin Leabell von Ardelun und seiner Hochwohlgeboren Baron Beoric von Wulfenstein, bedanken.

Betiser Tribüne

Die Geschehnisse beim Konvent der schönen Künste

Tja so ist das, einmal habe ich im Seminar für angewandte Tür-, Tor- und Portalkunde bei unserem Dozenten gefehlt und schon muss ich zum Ausgleich, unser Dozent benutzt das Wort "Strafe" nicht so gern, für die heligonische Öffentlichkeit zusammenfassen, was da vor einigen Wochen beim Konvent der schönen Künste in unserer Akademie so alles passiert ist. Ich glaube ich war sowieso der einzige ordentlich eingeschriebene Student der anwesend war, meine ganzen Freunde haben die Zeit lieber genutzt "um sich inspirieren zu lassen". Und da die Herren Magister ohnehin wichtigeres zu tun haben, hätte ich diesen Bericht sowieso schreiben müssen, ob ich jetzt gefehlt habe oder nicht. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und ich wollte ja davon berichten, was sich so abgespielt hatte an eben jenem besagten Konvent.
Viele Künstler hatten an dem Konvent ihre Werke ausstellen lassen und Gäste aus dem ganzen Reich wurden erwartet. Aus welchem Anlass genau dieser Konvent stattfand ist mir nicht bekannt. Klar der Herr Passone, unser Rektor, sagte, es sei eine moralische Verpflichtung der Akademie, die Menschen ab und an mit solchen Konventen zu beglücken. Ich glaube eher er suchte mal wieder nach neuen Möglichkeiten Geld von reichen Kunstliebhabern zu bekommen. Das alte Spiel eben. Na ja, wir haben tagelang die Akademie hergerichtet, Bilder aufgehängt, die Beleuchtung verändert um die Kunstwerke ideal wirken zu lassen und so weiter. Natürlich haben die Dozenten immer wieder betont, dass wir nicht nur billige Arbeitskräfte seien, sondern dass es hier darum gehe die Kunst des Ausstellungsaufbaus zu erlernen. Wie man den Boden wischt wusste ich aber schon vorher... Und dann trafen auch endlich die Gäste ein. Teils gewöhnliche Bürger, teils Gelehrte und sogar der Baron von Luchnar und seine Schwester waren gekommen. Die Vorsteherin eröffnete den Konvent mit ein paar einführenden Worten und schon konnten sich die Gäste von der hohen Betiser Kunstfertigkeit überzeugen. Über das ganze Wochenende wurden verschiedene Vorträge über die an der Akademie gelehrten Themenbereiche gehalten: Zeichnen (unter Anleitung wurde auch gleich praktisch zu Werke gegangen und nicht nur darüber geredet), Musik (mit einer grandiosen Darbietung unserer Dozenten),  Tanz, Tor- und Portalkunde sowie die Schneiderkunst. Auch die anwesenden Gäste hielten Vorträge, wie zum Beispiel über verschiedene Kräuter und deren Anwendung. Diese Vorträge waren wirklich interessant und lehrreich, aber so ganz konnte ich mich nicht auf sie konzentrieren, denn andere Dinge geschahen, wirklich seltsame Dinge. Am Abend des ersten Tages wurde plötzlich ein Toter gefunden und niemand konnte sagen was denn eigentlich geschehen war. Vielleicht wollte es mir auch niemand sagen. Die Leute, welche die ganze Sache untersuchten, schienen doch eine recht eingeschworene Gemeinschaft zu sein, die ungern ihnen unbekannten Leuten (wie mir zum Beispiel) erzählen, was denn eigentlich los ist. Vielleicht besser so, je weniger ich weiß, desto weniger muss ich mich darum kümmern. Eine Weile später lag dann noch ein Toter vor einem Bild, welches den Titel "Die Pustelplag" trug. Und so sah der Tote auch aus, als ob er die Pustelplag erlebt hätte! Die Leute welche die ganze Angelegenheit untersuchten, darunter auch die in Betis allseits bekannten Coraggios, wurden sodann aufmerksam auf den Künstler welcher dieses Bild gemalt hatte, ein gewisser Paolo Vespucci. Er hatte ein ganze Reihe von Bildern gemalt die, was ihm anscheinend nicht bekannt war, hier in der Akademie ausgestellt wurden. Der Künstler sagte, er sei ein Mitglied des Ordo Mechanicus und seine Bilder hätten die ganz besondere Kraft, dass man in ihnen sozusagen aufgehen und die dargestellten Szenen selbst erleben könne. Seltsame Sache meiner Meinung nach, aber mich fragt ja niemand. Na ja, auf jeden Fall redeten die Leute mit diesem Künstler und fanden die verschiedensten Sachen raus, von denen ich natürlich nicht informiert wurde, ich bitte also um die gnädige Verzeihung des Lesers für gewissen Lücken in diesem Bericht. Aber anscheinend hatte irgend jemand, womöglich der ursprüngliche Auftraggeber der Bilder, irgendetwas an deren "Grundstruktur" geändert um sie irgendwie anders zu benutzen oder um sonst irgendwas zu erreichen. Fragt mich nicht was das bedeuten soll, ich habe das nur so gehört. Was ich dann wieder mitbekommen habe, war der Plan, diese Bilder sozusagen der Reihe nach zu betreten und herauszufinden, was es mit den Toten und der ganzen Sache auf sich hatte. Im Vortragsraum fanden sich die mutigen Leute ein und nahmen sich Bild für Bild vor. Und anscheinend funktionierte es wirklich: Sie "gingen" in diese Bilder und erlebten da die dargestellte Szene. Und anscheinend half ihnen das auch weiter. Sie entwickelten eine Vermutung was geschehen war und kamen schließlich zu der Auffassung, dass die Lösung für das Problem in einem letzten Bild läge, welches zwar gefunden, anscheinend aber nicht vom Herrn Vespucci selbst gefertigt wurde. Nach einer Untersuchung des Bildes war es aber wohl klar, dass dieses Kunstwerk das letzte Stück des Rätsels sein musste. So machte sich der Künstler auf, um in seinem Zimmer unter höchster Anstrengung und Eile das Bild auf magische Art so zu verändern, dass es den anwesenden Herren und Damen möglich sei, es zu betreten und vor allem etwas zu erkennen um handeln zu können. Ja, und das taten sie dann auch: Sie gingen wieder in das Bild hinein und fanden dort Dinge heraus, die ihnen wohl weiterhalfen und eine große Bedeutung für sie hatten. Jemand erzählte mir, sie seien mit Schriftstücken aus dem Bild gekommen, welche mit fremden Buchstaben beschrieben waren. Und dann setzten sich die Herren Gelehrten hin und verbrachten den restlichen Abend damit, diese Schriftstücke zu entziffern. Das war der Moment ab dem ich dann gar nichts mehr mitbekam, weil ich mich noch dringend auf die nächste Vorlesung in "Scharniere und Türklinken II für Fortgeschrittene" vorbereiten musste, wozu ich ja wegen der ganzen  Geschehnisse bisher nicht gekommen war. In den folgenden Tagen habe ich gehört, dass neben diesen ganzen Sachen außerdem noch eine geheime frühe Skizze des Herrn Georg am Armi gefunden, gestohlen und irgendwie wieder besorgt wurde. Die Hauptsache ist ja aber, dass die Zeichnung inzwischen beim Stadtrat angekommen ist, der sich darum kümmern wird. 
Jetzt ist bei uns an der Akademie wieder die Ruhe eingekehrt und wir können wie bisher studieren und unserem Kunsthandwerk freien Lauf lassen. Ob es dem Herrn Rektor dank des Konventes gelungen ist Unterstützungsgelder für die Akademie zu sichern weiß ich nicht, da wir aber gerade einen neuen Kronleuchter für den Zeichensaal  bekommen haben gehe ich mal von seinem Erfolg aus. Und ich mache mich jetzt daran den Stoff von der letzten Vorlesung zu lernen, sonst darf ich gleich den nächsten Bericht schreiben und das muss ja nicht sein.
Roberto Anglirelli, Student der Akademie der schönen Künste zu Betis

Am-Armi-Skizze aufgetaucht
Lange war eine geheime Modeskizze des bekannten Betiser Schneidermeisters Georg am Armi verschwunden und erst kürzlich auf dem Konvent der schönen Künste von einem zwielichtigen Kerl entdeckt und gestohlen worden. Gerüchten zufolge befindet sich auf der Skizze ein unglaublich schöner, wirklich grandioser Gehrock, ganz in der gewohnt hohen Qualität des Meisters.  Große Verwirrung machte sich nach dem Diebstahl breit und niemand wusste, was genau mit der Skizze geschehen war und wohin sie gebracht wurde. Doch jetzt kam es zur glücklichen Überraschung: Den Dogen erreichte ein Brief von Mama Nelli, welche sich auf dem Konvent persönlich dafür eingesetzt hatte, diese wertvolle Skizze für den Besitzer und die öffentliche Modewelt zu sichern und sie nun dem Oberhaupt der Stadt zu überantworten. Der Doge übergab die Skizze dem Großen Rat, welcher entschied, das Kunstwerk dem Herrn Georg am Armi zurückzugeben. Der Rat sprach in einer öffentlichen Sitzung der ehrlichen und verdienstvollen Mama Nelli den Dank der Stadt Betis aus. 

Die unverzichtbare Liste des Guten Geschmacks

Was sich schickt Und was nicht
- die Akademie der schönen Künste zu Betis
- Mama Nelli
- Das Finale der Tour von HeligoniaTM
- Wulfensteins Waghalsige Wagenlenker
- Sich selbst in aller Öffentlichkeit über den grünen Klee zu loben
- Diebstähle jeglicher Art
- Disqualifiziert werden
- Bäuerlich-naiv sein

Der Handelsprophet

Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 3 Kreuzer
Wein (Rebenhainer, in der Taverne) 5 Kreuzer
Burai 38 Dukaten
Ziegenleder 1 m2 6 Groschen und 2 Kreuzer 
Buraileder 1 m2 5 Groschen und 3 Kreuzer
Elchsleder 1 m2 1 Dukaten und 1 Groschen

Der Aurazithpreis bleibt weiter recht stabil, auch Rebenhainer Wein hält sich, wohl wegen des hohen Nachholbedarfes, auf einem hohen Niveau. Die verschiedenen Lederarten erleben eine leichte Erhöhung des Preises, was auf das Ende der Winterpause der Utzgansaison und damit ein gestiegener Bedarf an gut gefertigten Lederwurfscheiben zurückzuführen ist. 

Gunst und Kunst 

Was die Heligonier am liebsten hören
 
1(-) Sie könnten Giganten sein - "Am Ende der Tour"
2(1) Wjelkin, der Lange - "Sven Herulfsson"
3(8) Emaranseeflottenchor - "Meine Heimat, mein Ostarien"
4(-) Dozenten der Akademie der schönen Künste - "Das Beste von allem"
5(2) Sesnar der Frische - "Utzgolf und die Flusspiraten"
6(3) Emaranseeflottenchor - "Lied der Emaranseefischer"
7(6) Jasmina Lopia - "Meine Liebe kostet nichts"
8(-) Harald Schönefonte - "Eiland im Sonnenschein"
9(4) Wunderkind Bonifazio - "Fröhliche Erleuchtung"
10(7) Belgabor - "Pavo Rothner"

Stadtgeschehen

Das Finale der Tour von Heligonia™ übertraf wirklich alle Erwartungen. Die ganze Stadt war voll von begeisterten Betiser Bürgern und Gästen aus dem ganzen Land welche die Rennkutschen im Zielort der Tour empfingen.
Nach dem erfolgreich absolvierten Höhentrainingslager im Schlangenkamm hat die Utzganmannschaft Sturm Betis nun ihr Training wieder in Betis aufgenommen. Bei Beginn der Übungseinheiten fanden sind zahlreiche Zuschauer am Spielfeldrand ein, um die sportliche Forer zu begutachten.
 

Bürger des Monats

Der Generaldirektor der Gesellschaft der Tour von HeligoniaTM, Johannes-Marius Weiß, wurde zum Bürger des Monats ernannt. Für die erfolgreiche Durchführung dieser grandiosen Landesrundfahrt, welche das ganze Königreich begeistert hatte,  habe sich der Generaldirektor diese Ehrung mehr als verdient, so die Jury. Gleichzeitig soll damit auch den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern und Teilnehmern der Tour gedankt werden. Johannes-Marius Weiß freute sich über die Anerkennung seiner Arbeit und dankte vor allem den Zuschauern, die sich so für dieses Spektakel begeistert hatten. 
 
 

Spruch des Tages:
Gelehrte sind Diebe im Namen der Wissenschaft

Bazaar Darians

Rede des Grafen Dedekien an sein Volk

Gehalten am 1. Tage des 1. Poena des 29. Jahres der glanzvollen Herrschaft unserer allerweisesten Majestät König Helos Aximistilius des III.:
"Mein Volk!" (Die Menge, außer sich vor Freude über das strahlende Lächeln, das ihnen ihr Herrscher schenkt, als er auf den Westbalkon seines Palastes in Darbor tritt,  jubelte gar ausgelassen)
"Unlängst ereilte Uns eine Botschaft aus dem weniger von den Göttern begünstigten Nachbarfürstentum Thal, man hätte eine berüchtigte Aufrührerin festgenommen. Schon die Tatsache, daß es in den anderen Landesteilen unseres Königreiches rebellische Strömungen gibt, müht uns ein Lächeln ab. (Die Menge lacht erheitert auf)
Hier im schönen Darian, wo Zufriedenheit und Eintracht herrschen, würde keiner einen Gedanken an Rebellion fassen. Unvorstellbar, daß ein Graf oder Fürst seine von den Göttern gegebene Stellung vor frechen Subjekten aus dem gemeinen Volk verteidigen muß. Doch wozu machen Wir uns die Mühe, euch damit zu belästigen? Bei der Verhaftung gab die Beschuldigte an, eine darianische Kunsthändlerin zu sein. Es mutet doch grotesk an, daß sich eine Diebin, eine Hochverräterin und eine Betrügerin als Darianerin ausgibt. Welch eine Beleidigung gegen unser ehrenwertes Volk. Dieser Frevel kann und darf nicht ungesühnt bleiben. Daher haben Wir einen Botschafter entsandt, der bei den Verhören und bei der Gerichtsverhandlung der Hochstaplerin  zugegen sein soll und somit die Interessen Darians vertreten wird. Unsere Wahl fiel auf den Mann, der Unser besonderes Vertrauen besitzt: Sonderbotschafter Elorak vom Felsenmeer.
Genug der unschönen Seiten des Lebens, laßt Uns über kommende Ereignisse sprechen, die unsere Seele erfreuen werden. Die Utzgan-Saison ist angebrochen. Überall im Land erkämpfen sich die besten Mannschaften einen Platz in der Landesliga. Leider wird in diesem Jahr, wie schon die Jahre davor, der Kampf um den Titel des darianischen Meisters nicht in den Mauern Darbors stattfinden können. Das entscheidende Turnier wird nach Alhambra verlegt, da dieses kleine, aber beschauliche Städtchen über ein ganz hervorragendes Utzganfeld verfügt. Selbstverständlich wird die Siegermannschaft Unsere Großzügigkeit genießen dürfen, indem sie nebst der üblichen Siegerprämie eine Kreuzfahrt zum Herzog-Uriel-II-Atoll auf Unserer eigenen Prunk-Kogge geschenkt bekommt. (Es geht ein bewunderndes Raunen durch die Menge)
Eine Sache jedoch bereitet Uns Sorge und die Entscheidung darüber überlassen Wir euch, geliebtes Volk. Es ist allgemein bekannt, daß in Darian beinahe Jedermann ein Künstler ist. Unzählige Barden und Spielleute bereichern unser kulturelles Leben. Doch wen sollen Wir auswählen, um uns an anderen Höfen zu repräsentieren? Daher obliegt es euch die besten Sänger zu finden. In jeder größeren Stadt Darians wird am Neujahrstag ein Wettstreit der Barden stattfinden und die besten sollen zu Uns in den Palast entsandt werden. Hier werden sie von Uns prächtig ausstaffiert und als Kulturbotschafter in das ganze Königreich entsandt." 
Die Rede des Grafen wurde mit überschwenglichen Sympathiebekundungen beendet, die sich gar noch steigerten, als der Graf durch einen Wink einigen Dienern zu verstehen gab, daß man frischen Dattelschnaps in der Menge verteilen soll. Der Sturm der Begeisterung wurde noch am selben Tag in die anderen Städte Darians weitergetragen.
 
 

Wegweiser zur Erleuchtung

Endlich war er gekommen, der von vielen mit großer Spannung erwartete Versammlungstag der Edlen und Einflußreichen unter den Betiser Ceriden. Vincent Battista Corvese hatte eigens eine Fischlagerhalle räumen lassen, um einen Raum von genügender Größe bereitstellen zu können.
Vieles wurde vorgetragen und besprochen, eine der zahlreichen Reden hat uns aber besonders beeindruckt. Ein Bannkreuzler namens Valerianus hat über das Wesen des Ceridischen Glaubens gesprochen und uns manches begreiflich gemacht. Ich habe es einem glücklichen Zufall zu verdanken, daß ich meine Schreibwerkzeuge dabei hatte, als diese denkwürdige Rede, die im Aufbau beinahe einer Predigt glich, gehalten wurde.
Valerianus hatte in der vorderen Reihe gestanden. Als sein Name aufgerufen wurde, stand er auf, ging zum Pult und begann ohne einleitende Worte, einen Text aus dem Hilarium vorzulesen.

"Im Buch der Frühen Tage, im ersten Lied, heißt es:

Am Beginn der Zeit vor der Zeit gab es in der Welt Felsen, Staub und Wüsteneien, denn sie sind ewig. Über ihnen aber schwebte der Geist des Namenlosen, denn auch er ist ewig.

Der Namenlose hob etwas von dem Fels auf, und etwas von dem Staub, etwas Lehm und etwas Sand. Daraus erschuf er die ersten Menschen, und er nannte sie Raël und Uron.

Der Namenlose tat etwas aus sich und verteilte es auf den Felsen, den Steinen und den Wüsteneien, wo es sich verband und zu allem Leben wurde, dem Leben aller Gewächse und dem Leben aller Tiere.
Und in seiner Gnade gab er es den Menschen, auf daß es sie nähre und umgebe. Dies war das erste Geschenk des Namenlosen an die Menschen.

Der Namenlose aber erhob seine Stimme und sprach. Und die Menschen verstanden seine Worte, denn sie allein sind durch seine Hände erschaffen worden. Und sie waren dankbar, denn sie erkannten, daß dies das zweite Geschenk des Namenlosen an sie war.

Der Namenlose erhob sich über die Welt. Er sah auf alles, was er geschaffen hatte und es gefiel ihm wohl. Die Menschen aber lobpreisten sein Werk und sangen zu seinem Andenken. Und der Namenlose erkannte, daß sie seine Kinder waren, und er hielt seine Hand über ihnen."

Valerianus machte eine Pause und schloß das Hilarium.

"Ihr Leute, diese Worte kennt ihr. Es sind die ersten und ältesten. Ich habe sie euch vorgelesen, weil sie in Messen oft gelesen werden. Ich habe sie aber auch vorgelesen, weil ich Euch etwas über ihre Bedeutung sagen will."

Er blickte interessiert in die Zuhörerschaft.

"Wer seid ihr? Man nennt euch Ceriden. Seid ihr darum anders als jene, die sich anders nennen? Sind wir Ceriden am Ende gar etwas Besonderes? Sollen wir versuchen, Macht über die anderen zu erlangen, weil wir Ceriden sind und sie nicht? Sollen wir die anderen bekehren? Uns damit unsere gerade erlangte Macht selbst wieder nehmen, indem wir machen, daß sie sind wie wir?
Oder ist es vielleicht der Wille des Einen, daß wir sie lassen, wie sie sind? Daß wir uns über sie ermächtigen, damit wir zum Vorteil unserer Religion handeln und so zum Instrument der rechten Sache werden? Ein hohes, göttliches Vorhaben, wiederum verhindert aber durch das königliche Gebot zur Religionstoleranz..."

Valerianus machte eine Pause.
"Lächerlich!", rief er.

"Die Bücher kennen die Antworten auf all diese Fragen. Aber ich will euch nicht vorschnell mit dem Staub der Schriften den Blick trüben. Unser Gott offenbart sich uns in der Schrift, aber genauso offenbart er sich auch in der Welt, denn sie ist von ihm gemacht und dient uns als Beispiel.
Seht euch um, ihr seid viele. Das stete Anwachsen der Ceridenschaft in Betis erfreut uns. Doch nicht alle von uns sind als Ceriden geboren. Viele sind übergetreten, und wir haben sie willkommen geheißen.
Wie sind sie nun von Fremden zu Kindern des Einen geworden? Durch ein Zeremoniell, abgehalten von einem meiner Zunftbrüder, einer Adoption gleich? Das muß ein interessantes Ritual sein! Wer es durchführt, hat große Macht, denn er kann einen beliebigen Fremden zur vom Einen auserwählten Person machen.
Aber ich habe noch eine weitere Frage. Eine, die mich wichtiger dünkt: Was war eigentlich vorher? Die Ungläubigen, wenn sie nicht Menschen wie wir wären, wie können sie durch eine simple Taufe dazu werden? Steckt dahinter am Ende Zauberei?"

Valerianus schmunzelte. Vereinzelt war Gelächter zu hören. Der Bannkreuzler deutete auf diejenigen, von denen es gekommen war, nickte ihnen zu und lachte mit. Dann fuhr er fort.

"Lacht ruhig, ihr Leute, ihr tut es mit Recht. Und ihr seht, es ist auch ohne die Schriften möglich, den rechten Schluß zu ziehen: Wir alle leben in der Abfolge von Raël und Uron, wir alle sind Kinder des Namenlosen, ob wir nun Ceriden sind oder nicht. Es mag unangenehm für mich sein, eine Geweihte der Saarka als Schwester anzusehen, doch ich muß es, weil es so ist. Und wenn ich mir dessen nicht sicher bin, kann ich es nachlesen, im Ersten Lied, der zweiten Strophe: Meine Religion gibt mir keine Macht über sie. Sie, die Ungläubige, die Saarkani, eine Frau. Sie ist wie ich.
Eine schwere Wahrheit, mag mancher sagen. Doch wer sie sieht, muß sie erkennen, denn was wäre er sonst anderes als ein Tor, der seine Augen verschließt vor der Welt?
Vielleicht wundert ihr euch nun und fragt: 'Warum trägt er dann noch das Habit der Inquisition, wenn er sich hier selbst um Kopf und Kragen redet?'
Gebt mir eine Gelegenheit zur Antwort.
Wie ihr eingangs gehört habt, haben wir vom Namenlosen zwei Geschenke erhalten. Eigentlich sind es drei; das erste wird im Text nicht benannt. Und doch ist es etwas wichtiges, es ist unser Leben. Wir tun gut daran, es anzunehmen und nicht unbedacht zu gefährden, sei es unser eigenes oder das der anderen. Aber das wißt ihr, das brauche ich nicht zu erklären.
Ich spreche von den beiden anderen Geschenken. Es sind dies die Welt um uns herum und der Verstand, den wir in uns tragen. An beidem erfreuen wir uns jeden Tag, mehr oder weniger.
Wie ist das nun mit derlei Geschenken, ihr Leute? Wenn wir etwas bekommen, an dem wir uns erfreuen, dann halten wir es in Ehren, da stimmt ihr mir sicherlich zu. Und mit den Geschenken, die wir vor längster Zeit erhalten haben, verhält es sich nicht anders.
Die Poënageweihten sagen: Schützt die Bäume im Wald, das Gras unter euren Füßen, euer Leben und das eurer Kinder. Ich gebe ihnen recht, denn alles gehört uns nur, weil wir es dereinst geschenkt bekommen haben.
Bürger von Betis, ich erzähle euch von dem göttlichen Plan: Wir alle leben zusammen mit dem Einen im selben Haus, und jeder hat seinen Platz, sein Recht, seine Pflicht und seine Schuldigkeit. Der Balken über der Tür hat seine Stellung und seinen Sinn genauso wie die Samenkörner in der Kammer und die Ziege in ihrem Stall. Der Stallknecht hat Recht und Schuld genauso wie der Bauer. Und der Bauer, er ist gütig. Ihr Leute, hat einer von Euch jemals schon einmal beobachtet, wie ein göttlicher Blitz herniederfuhr, um einen zu strafen, der sich gegen unseren Gott vergangen hat?"

Valerianus sah sich interessiert um. Niemand sagte etwas. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort:

"Von mir kann ich das nicht behaupten. Und ich habe auch noch nie von einem Menschen gehört, der ein solches beobachtet hat. Gestraft wird vom Bauern allenfalls der Fuchs, der von außerhalb der Gemeinschaft kommt und sich die Hühner holt, bevor ihre Zeit gekommen ist.
Ich selbst bin an diesem Fuchs sehr interessiert, doch man bekommt ihn nur selten zu sehen. Jahrzehnte habe ich damit zugebracht, herauszufinden, was von außerhalb kommt, was nicht von Menschen gemacht ist und nicht dem göttlichen Plan folgt. Weil ich diesen Plan erkenne, erkenne ich auch, was von ihm verschieden ist und von außen kommt. Das ist die Aufgabe, die mir zufällt.
Euch anderen kann ich sagen: Alle, die mit uns im Haus des Einen wohnen - also alle, die ich vorhin Menschen genannt habe! - alljene sind nicht der außenständige Fuchs, und sie können auch keine Hühner stehlen, denn sie wohnen mit uns auf dem Hof des Bauern. Nein, was von außerhalb kommt, ist anders, das könnt ihr mir glauben, ihr Bürger von Betis, denn ich habe es gesehen.
Zum Schluß wende ich mich an euch mit einer Bitte: Was immer ihr tut, ihr werdet es als Ceriden tun. Wenn ihr über andere Menschen urteilt, so bedenkt stets dies eine: Es spielt keine Rolle, wer sie sind. Es spielt eine Rolle, wer ihr seid, ich präzisiere: Wer wir sind. Unser Blick auf die Wahrheit sollte uns versöhnlich stimmen, denn die Wahrheit ist versöhnlich, was ihr Bild vom Menschen betrifft.
Bekleidet mit dem Habit der Inquisition stehe ich heute aus folgendem Grund vor euch: Ich bin, was ich bin und stehe für mich selbst - und an mir selbst werde ich dereinst gemessen werden. So verhält es sich auch mit euch, ihr Leute. Denn wie ich seid auch ihr Ceriden!"

Mit unbewegtem Gesicht schaute Valerianus in die Menge, drehte sich um und ging zurück zur vordersten Reihe der Zuhörer. Er füllte wieder die Lücke, die er dort hinterlassen hatte. Der Versammlungstag wurde fortgeführt.
 
 

Termine

15.03. - 17.03.02  Helicon 21 auf Burg Wildenstein
30.05. - 02.06.02  Helicon 22 Neujahrsfest im Padfinderlager Raumünzach 
03.10. - 06.10.02  Helicon 23 Gelehrtenconvent auf Schloß Ebersberg
 
 

© Copyright Stefan Rampp, Anton Balluff, Inés &  Marc Hermann

Berichte von Jochen Brenner, Arnulf Breuer, Julia Fischer, Henning Frank, Oliver Friese, Steffen Heiß, Inés HermannAndreas Hils, Thomas Konrads, Libuse Malik, Simone Mehlinger, Heike Postler, Frank Prietz, Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Andreas Riedlinger, Markus Spree und Anna Ungureanu