Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 2. Saarka n.A.III 30

Ausgabe 44


Kronkurier

 
Abschlussbericht über den Gelehrtenconvent an der Academia rei Praeheliotica, Universität zu Idyllie, Tlamana an den Tagen vom 3. bis zum 6. Tag des 2. Xurl im Jahre 30 nach Helos Aximistilius III

diktiert von Magister Rasmus Adastrasus, geschrieben von
Tramenius Gutbrecht, Leiter der Schreibstube

Erfreulich viele Adelige, Gelehrte und auch Reisende aus fernen Landen waren dem Aufruf unserer Academia gefolgt, so dass wir zu dem Convente viele Gäste begrüßen konnten. Unter den Gästen befanden sich so herausragenden Persönlichkeiten wie die Baronin Leabell von Tlamana, Prinz Anselm von Thal, Baron Koldewaiht von Hautzenstein, Baron Krator von Rebenhain mitsamt seiner Frau Samira vom Silberlauf und auch die Baronin zu Jolbenstein. Weitere Adelige sollten dann im Laufe des Conventes noch anreisen.
Unter den angereisten Mitgliedern der Gelehrtenschaft Heligonias fanden sich so bekannte Namen wie Magister Metabor, seines Zeichens Leiter der Hochschule zu Jolbenstein, Johannes Vergenhans, der Dekan der Universität zu Cambrück und die Magistra Tiziana von der Academie der Schönen Künste zu Betis.
Zusätzliche reisten dann auch noch viele Ausländische Gäste an, die den hervorragenden Rufe unserer Academia vernommen hatten.
Am ersten Abend sollten die Anwesenden über die umfangreichen Thematica informiert werden, mit der wir uns an unserer Academia beschäftigen. Dazu wurden von den einzelnen Magistern Kurzvorträge vorbereitet, in welchen ein grober Überblick über den Stand der Forschung und die vermuteten Zusammenhänge mit anderen Thematica gegeben wurde. Die Themen und die von uns angefertigten Protokolle der Vorträge können in der Bibliothek der Academia eingesehen werden, es ist aber auch geplant, diese in einem kleinen Bändchen gesammelt zu veröffentlichen. Anfragen hierzu sind an die Schreibstube der Academia zu richten.
Diese Vorträge, gehalten nach einem vortrefflichen Mahl, füllten den Abend bis weit nach der 12 Stunde aus, so dass der zusammenfassende Schlussvortrag auf den nächsten Tag verschoben wurde.
Am nächsten Morgen ereignete sich mehrerlei: Zum einen fand der Schlussvortrag statt, in dem nochmals auf die Dringlichkeit der angesprochenen Problematiken hingewiesen wurde und auch auf die Notwendigkeit, dass diesbezüglich Adel, Geweihte und Gelehrtenschaft Hand in Hand zusammenarbeiten müssten. Zum anderen wurde entdeckt, dass wohl im Laufe der Nacht der Ogedenschrein der Academia geschändet worden war. Um den Verlauf des Conventes nicht zu sehr zu stören wurde beschlossen, die Aufklärung dieses Vorfalles gemeinsam mit dem Adel, der in solch Dingen über ein beträchtlich Wissen verfügt zusammenzuarbeiten.
Desweiteren wurde mit der aus Betis angereisten Magistra Tiziana an einer Expertise über ein ceridisches Kunstwerk begonnen, welche von Nicola Corvese in Auftrag gegeben worden war.
Auch am zweiten Tage fanden neben dem bereits erwähnten zusammenfassenden Schlussvortrag noch weitere Vorträge statt, wobei besonders der von dem Studiosus Arwed angefertigte zu erwähnen ist, der als Teil seiner Prüfung zum Magister gehalten wurde und sich mit der Thematik der Alten Schrift beschäftigte. Im Anschluss an diesen Vortrag fand dann auch die Mündliche Prüfung Arweds statt, abgehalten - der Tradition entsprechend - im Stile einer freien Diskussion von Magister Belgabor, Magister Reichenbach und meiner Wenigkeit.
Neben den Vorträgen erfreute sich auch die Bibliothek - auf deren Umfang und Exklusivität die Academia zu Recht sehr stolz sein kann - regen Zuspruchs.
Währenddessen ging die Suche nach den aus dem Ogedenschrein entwendeten Götterbildnissen weiter, war jedoch soweit von keinem Erfolg gekrönt - obwohl schon anhand einer Untersuchung feststand, dass sie sich wohl noch auf dem Gelände der Academia befinden mussten.
Für zusätzliche Verwirrung sorgte in auch eines der Gastgeschenke, welches am Tore abgegeben wurde - ein Buch, angefertigt von dem Künstler Blaustein aus Betis, welches äußerst interessante Wirkungen auf den jeweiligen Leser hatte. Diese konnte jedoch ohne größere Probleme am folgenden Tage aufgeklärt und beseitigt werden.
Am folgenden Tage überschlugen sich dann die Ereignisse. Nachdem die Götterbildnisse wieder gefunden worden waren, erhob plötzliche eine Söldnertruppe einen besitzrechtlichen Anspruch auf diese und das ceridische Kunstwerk. Dieser wurde abgewiesen, da die Besitzverhältnisse - so auch die anwesenden Heliosgeweihten - rechtlich eindeutig waren. Die Söldner versuchten daraufhin mit Waffengewalt in den Besitz der wertvollen Kunstgegenstände zu gelangen, dies konnte jedoch durch beherztes Eingreifen der Wachen und der adeligen Anwesenden verhindert werden, wobei sämtlich Söldner getötet wurden. Im Zuge der Ermittlungen diesbezüglich wurde dann festgestellt, dass sich die Söldner mit Hilfe eines gefälschten Heliosbriefes Zugang zum Universitätsgelände verschafft hatten. Um eine Wiederholung solcher Vorkommnisse zu verhindern, wurden die entsprechenden Kunstgegenstände umgehend per Bote mitsamt einer Eskorte zu einem sicheren Platz verbracht. Dies verursachte ob der etwas unerwarteten Eile, mit der die Aktion durchgeführt wurde, einige Verwirrung unter den unbeteiligten Gästen. Jedoch schien die Eile notwendig zu sein, da von einem der Gäste angeraten wurde, schnell zu handeln, um nicht dem Auftraggeber der Söldner die Möglichkeit zu einem erneuten Raubversuch zu geben, die er durch ein Zögern in dieser Sache vermutlich erhalten hätte.

Ogedische Platten oder Einer von tausend Diebstählen

Da soll eine Platte mit ceridischen Inschriften nach Betis gebracht werden, um dort untersucht zu werden und die leichtdinnige Botin bringt sie auf der Durchreise an der Uni Tlamana vorbei. Leichtsinnig? Ja, denn dort wird mtio gelehrter Elle gemessen, wenn auch mit einer sehr eigenen. Ein Schlaukopf kam jedenfalls auf die Idee, 4 ogedische Plättchen, die die 4 Götter symbolisieren, in die Platte einzupassen. Siehe da: Sie passten genau hinein. Die Entdeckung des unerkannten Schlaukopfs führte zu genauer Untersuchung der Platte selbst. Erneut siehe da: Alles Ceridische war nur aufgemalt, bloße Tünche, über den festen Grund geradezu darüebrgeschludert, möchte man sagen. Pech für die leichtsinnige Botin, dass sie, statt eine ceridische Reliquie zu entdecken, nur einen weiteren Beweis dafür gefunden hat, dass das deridentum, von ein paar anderswo entwendeten Schriften abgesehen, aus geklautem, verdorbenen und entstellten ogedischen Kulturgut besteht, wie der Platte. In Betis hätte man diese Entdeckung mit einiger Mühe vermutlich auch gemacht, sie aber totgeschwiegen und die Platte unauffällig entsorgt. In Tlamana war dies nicht möglich. Pech gehabt, liebe Ceriden!

Lara Saarnen, Geweihte der Saarka,
OfH-Führerin Heligonia und Drachenhain

Falsche Propaganda des Nachbarlandes?

Wie im letzten Heliosboten ( NR. 43) geschrieben wurde, soll in der Telnaronschen Gerüchtekontrolle die Unwahrheit über die Heligonischen Zurüstungen verbreitet worden sein. Dazu gibt es folgendes zu schreiben:
1. Ist die Telnaronsche Gerüchtekontrolle ein Staatsorgan welches nie die Unwahrheit verbreitet!
2. Sind die in Anspruch genommenen Daten original aus dem Heliosboten übernommen! (Siehe eben diese)
3. Ist es ebenfalls wahr, dass die Telnaronsche Botschaft vom Pöbel belagert wurde und Graf Dedekien Telnaron als Strafkolonie verunglimpfte!
Sollten die Verunglimpfungen und ungerechtfertigten Anfeindungen gegen Telnaron anhalten sieht sich der Conseil de trois rois gezwungen Gegenmaßnahmen hinsichtlich Heligonias Aggressionen zu ergreifen!
Heligonia sei gewarnt!
J-C-B de Satre
Prince de Marecage
Außenminister Telnarons


Willst auch Du zu Geld kommen?
Sehnst Du Dich nach Abenteuer?
Schweben Dir Kämpfe mit feisten Wachen vor?
Dann komm in den Ehlerwald - Kennwort "Hut".



Bekanntmachung!

Der Conseil de trois rois de Telnaron gibt folgende Nachricht an das Heligonische Volk!

"Volk von Heligonia höret die Worte des Conseil de trois rois de Telnaron! Die Piraten welche das aturianische Schiff Goldener Falke angriffen sind tatsächlich unter falscher Flagge gefahren. Sie trugen zum Zeitpunkt des Angriffes die Telnaronsche Staatsflagge, wie uns der aturianische Botschafter wissen lies. Aturien gelang es diese subversiven Elemente in Gewahrsam zu nehmen so das sie künftig keine Gefahr mehr für die freie Seefahrt darstellen. Telnaron hat bereits einen Auslieferungsantrag gestellt um diese Verbrecher in Telnaron hinsichtlich ihrer verräterischen Ziele zu verhören. Sie erwartet in jedem Falle der Tod! Leider konnten sie jedoch aus der aturianischen Gefangenschaft entkommen. Sie werden nun Gesucht um ihnen das gerechte Schicksal zukommen zu lassen. Ein Kopfgeld von 400 Telnaronschen Goldkronen ist auf die Anführer Leon-Luis de Battaux Comte d' Oursrempart und Christin de Mountogne Dame d honneur de Beauvivier ausgesetzt. Beide Personen sind in Heligonia bereits als Führer der sogenannten "Kopfgeldgilde" aufgetreten. Hinweise auf die Aufenthaltsorte der gesuchten Verbrecher werden dankend entgegengenommen.
Wir danken dem Heligonischen Volke für seine Kooperation."
 

Drachenhainer Herold

"Die Axt, die das Hochland spalten will"

schwere Vorwürfe gegen Richard von Streitberg


Nach der Ankündigung Richards von Streitberg, Baron zu Gaeltacht, eine Kapelle in Tairngire zu errichten, war Ärger im Hochland schon vorauszusehen. Bereits in seiner eigenen Baronie gab es den erwarteten Widerstand und den ersten öffentlichen Familienzwist seit der Übernahme der Baronie durch die Familie von Streitberg. Harscher noch fiel die Reaktion in den übrigen Hochlandbaronien aus. Welche Wege Foranan McDonough, Baron von Flaitney einschlug, um sein Missfallen gegenüber von Streitberg kundzutun, ist nicht bekannt. Von Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Flaitney, wurde angeblich der Barde Mick Farcaon MadUaine als Botschafter entsandt. Die überbrachte Botschaft, wenn es denn eine gab, soll durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt sein, jedenfalls kursiert in verschiedensten Versionen ein Text durchs Hochland, der diese Botschaft Baron Koldewaihts an Baron Richard sein soll. Der ungefähre Wortlaut ist folgender:
"Richard, Ihr behauptet, für Gaeltacht zu streiten. Eure letzten Handlungen zeigen das Gegenteil. Der Bau einer Kirche entzweit eure Bevölkerung und das Hochland als Ganzes. Ihr ermutigt dadurch bewusst ceridische Siedler, sich in Gaeltacht niederzulassen, was nur zu weiterer Zwietracht führen wird. Ein starkes Hochland steht für sich selbst und damit auch für ein starkes Drachenhain. Ein schwaches Hochland schwächt auch Drachenhain.
Darüber hinaus habt Ihr im Tiefland verlernt, dass das Hochland selbst lebt, weit stärker als das Tiefland und dass ihm deshalb leicht Schaden zugefügt werden kann. Solcher Schaden zeigt sich oft erst nach langer Zeit, kann dann aber kaum rückgängig gemacht werden. Eure Handlungen fügen dem Hochland Schaden zu. Ihr nehmt es aus Eigennutz in Kauf.
Spielt weiter die Axt, die Euer Volk, Euer Land, Euer Fürstentum spalten will - wir sind hierher zu Hilfe geeilt und werden diese drei um ihrer selbst willen nicht in Stich lassen. Aber Ihr, Richard, habt eine Tür zugeschlagen."

Die im Volk kreisenden Varianten benutzen meist einfachere Worte, jedoch mit gleichem Inhalt. Ob es sich tatsächlich um eine Botschaft oder aber die im Zorn gesprochenen Worte eines luchnischen Clansführers oder Gaeltachter Patrioten handelt, ist unbekannt. Die Luchnarer Helfer sind jedenfalls nicht aus Gaeltacht abgereist.

Großer Erfolg des Jolbensteinisch-Hochaskensteiner Turneys

Wie der Heliosbote berichtete, hat die Baronin Jefferindell Karelia von Jolbenstein zur Zerstreuung des Volkes ein neues Utzganfelde errichten lassen am Rande des Dorfes Trutzwall, zu Hochaskenstein gehörig, aber seit den Untaten Jagons von Hochaskenstein Jolbenstein zinspflichtig. Zur Einweihung fand im ersten Xurlmond wie geplant ein großes Turney statt. Geladen waren die hervorragendsten Mannschaften Jolbensteins und Hochaskensteins. In Hochaskenstein hatte während der Wirren der letzten Jahre kein so regelmäßiger Spielbetrieb mehr stattfinden können wie es zur Wahrung der Höchstform notwendig ist. Die Baronin lud deshalb sämtlichen Hochaskensteiner Mannschaften eine Woche zu Übungen und Testspielen in Trutzwall ein. Drei Tage vor Beginn des Turneys stießen auch die Mannschaften Jolbensteins hinzu. Die besten Dorfspieler aus Moorfalden, Trutzwall und Torfmähren, die mit ihrer jeweiligen Stammsechs gegen die Spitzenkönner beider Baronien vermutlich nur hohe Niederlagen erlitten hätten, wurden vereinigt zur Auswahl Sumpflande.
Das Turney fand über insgesamt drei Tage statt. An Zuschauern waren nicht nur die Bevölkerung der drei Dörfer vertreten, sondern Schaulustige beider Baronien und sogar einzelne Reisende aus St.Aluin, Lindfurt und Sengenberg. Besonders in Sengenberg (ehemals Drachenberg) waren die Einwohner während der jüngsten Umtriebe ja wahrlich nicht mit Utzgan-Feinkost gesegnet, noch weniger denn in Hochaskenstein.
Größte Überraschung, gar Sensation waren die Siege der Auswahl Sumpflande nicht nur über die letztjährigen Sechsten der Jolbensteiner Meisterschaften Waldrand Norill sondern auch über Askapurs Barschfänger aus Hochaskenstein, die mancher gar auf den Titel gewettet hatte. Diesen Siegeszug beendete erst die Jolbrucker Stadtpatrouille. Die Vorzeigeathleten aus der Hauptstadt Jolbensteins und Drachenhains gewannen den Halbfinal gegen die Auswahl mit 13:6 und spielten in einem begeisternden Endspiel gegen Drachenhauch Askapur. Zur Halbzeit stand es noch 5:5. Dann aber setzten sich die Kondition und die größere Vielfalt an Spielvarianten der Jolbrucker durch. Am Ende stand es 11:7 und die Jolbornperle, das köstliche neue Maskottchen der Siegermannschaft floß in Strömen. Die ersten drei des Turneys lauteten somit Stadtpatrouille Jolbruck vor Drachenhauch Askapur und der Auswahl Sumpflande.
Im Rahmen des Turneys wurde auch der erste Spatenstich für die Schule gesetzt, in der schon bald die Kinder Moorfaldens, Torfmährens und Trutzwalls in Vieh-, Weide-, und Landeskunde und anderen Fächern unterrichtet werden sollen.

Offener Konflikt zwischen luchnischen Clans und Vögten

Der Streit zwischen den Clans Luchnars und den Vögten ist offen eskaliert. Jerrock MadUaine, den Eingeweihten als Bannerträger Luchnars im Wolfenfeld-Konflikt bekannt und Eylfred von Esclamond, Sohn des Esclarmonder Vogtes Eylhardt gerieten anlässlich Aráns, des Erntedankfestes im Nioch Esclarmond öffentlich in Zank. Eylfred verkündete nach einigen Bechern Dunkelbier und Or-Ban, die Clans würden seinen Vater übergehen und übervorteilen, ihm und den anderen Vögten wichtige Informationen vorenthalten. Jerrock MadUaine, ebenfalls im der Hitze des Festes antwortete ihm, die Vogte seien auch komplett überflüssig und eine tiefländische Erfindung, die abgeschafft gehöre. Eylfred warf Jerrock daraufhin vor, er wolle ihn, Eylfred, aus seinem eigenen Land herauswerfen, worauf Jerrock sagte: "Dies ist nicht Dein Land". Eylfred antwortete ihm mit der Faust. Es kam zur Prügelei, an der schließlich ein Gutteil des Festes teilnahm und in der Eylfreds Partei hoffnungslos unterlegen war. Wären nicht einige MadUaine den Tiefländerabkömmlingen zu Hilfe gekommen, hätte es vielleicht Tote gegeben. Als die Gemüter sich einigermaßen beruhigt hatten, bildete sich fast automatisch ein Kreis, in dem nur noch Jerrock und Eylfred standen. Die beiden blickten sich mit blutunterlaufenen Augen an.
Jerrock sprach schließlich als erster: "Ich fordere Dich. Hier und jetzt."
Eylfred antwortete: "Du kannst mich gar nicht fordern. Du stehst unter mir!"
Bei dieser Antwort verengten sich Jerrocks Augen zu Schlitzen. Seine Hand wanderte in Richtung des Schwertknaufs, er überlegte sich wohl, ob dieser Halunke überhaupt ehrenhaft von einem Schwert berührt werden konnte. Auch Eylfreds Hand zuckte...
In diesem Moment schob sich der angesehenste Ogedengeweihte Esclarmonds, der Sagai Cirmore MadUaine schweigend von der einen Seite durch die Menge, während von der anderen Seite Eylhardt von Esclarmond sich mit Rufen seinen Weg bahnte. Im Kreis angekommen verharrten die Männer. Eylhardt warf einen Blick in die Menge. Wenn er erkannte, dass er gegen einen Angriff der Übermacht an MadUaine-Kriegern keine Chance gehabt hätte, ließ er es sich nicht anmerken. Manchem der MadUaine war allerdings anzusehen, dass er sich der Tatsache sehr wohl bewusst war. Die Luft schien sich zu verdichten. Die Spannung lag fast greifbar in der Luft.
Aber dann ernüchterte der Anblick der beiden nicht mehr jungen, doch noch im Vollbesitz ihrer Kräfte befindlichen Männer die Gemüter. Manchem Luchner wurde klar, dass die schwindende Macht des Vogtes nicht nur ererbt war, sondern auch auf Charakter beruhte und die Mannen um Eylfred von Esclarmond sahen in Cirmoire weniger den MadUaine als den Heliosgeweihten, der ihnen allen schon mit Rat zur Seite gestanden hatte. Der Vogt machte mit einer knappen Kopfbewegung seinem Sohne klar, das das Fest für ihn vorbei war und stapfte davon und Eylfred folgte ihm schweigend. Cirmoire, der Sagai ging schweigend in die Mitte des Kreises, stand dort, bis alle Anwesenden alleine oder in kleinen Gruppen den Anger geräumt hatten, bis auch Jerrock die Hand endgültig demonstrativ auf den Rücken legte und davonging.
Ein Kommentar war weder von Cirmoire MadUaine noch von der Familie von Esclarmond zu erhalten und auch nicht von Gisrod von Soilach und seiner Gattin Liolyn, deren Schwangerschaft in hohen Alter (der Heliosbote berichtete) als Katalysator für den seit längerem schwelenden Konflikt galt. Der Baron Luchnars, Koldewaiht von Hautzensteyn, hat jedoch offenbar sofort Kontakt zu sowohl Vögten als auch Clans aufgenommen. Über ein etwaiges Gipfeltreffen mit den Vögten und Clansführern ist aber noch nichts bekannt.

Offizielle Umstrukturierung der "Academia Elionera" zu Jolbruck verschoben

Die Hochschule zu Jolbruck, die "Academia Elionera" wird zur Zeit einer weitreichenden Reform unterzogen, im Rahmen derer die Fakultäten erweitert und Zulassungsbeschränkungen für Studenten aufgehoben werden. Die offiziellen Einweihungsfeierlichkeiten sollten eigentlich am 5./6. Tag des 2. Xurl mit einem rauschenden Feste stattfinden. Baronin Jefferindell Karelia von Jolbenstein erhielt jedoch eine Einladung zum Gelehrtenkonvent zu Idyllie, der sie gedachte, Folge zu leisten. Auf ihren Wunsch und sicher auch aus eigenem Interesse entschloß sich Magister Metabor, hochrangiges Mitglied der Hochschule, seine Dienstherrin zu begleiten. Eine Durchführung der Feierlichkeiten ohne die Baronin wäre gewiß den hohen und hehren Zielen der Reformen wenig zuträglich gewesen, so dass mit einer Verschiebung bereits allgemein gerechnet wurde. Ende des 3. Heliosmondes verletzte sich auch noch der Herr Rectore der Academia, Vingerdius Zirngibel schwer, als er von einem mit Hufeisen beladenen Karren angefahren wurde. Am nächsten Tag verkündete deshalb Magister Metabor vom Prunkbalkon der Academia, dass der Zeitpunkt der geplanten Feier offenbar unter keinem heliosgefälligen Stern stehe und deshalb um einige Monde verschoben werde. Bis dahin seien die Umstrukturierungen fast vollständig abgeschlossen.

Baronin Angharad Elanor auf der Drachentrutz feierlich zu Grabe getragen - Tod des Abtes von Richilesruh nach plötzlicher Geistererscheinung

"...Das Haus Drachenhain beklagt den tragischen Tod seiner Tochter Angharad Elanor von Emarania. Zwar verwandt, doch nach ernsthaften Vorfällen der jüngsten Vergangenheit, nicht mehr verbunden, war es dennoch unser Wunsch, die Baronin in Achtung und aller Ehre in die Familiengruft derer zu Drachenhain zu betten, auf dass sie hier ihre letzte Ruhe finde!..."

Fürst Waldemar von Drachenhain wählte ungewohnt bewegende Worte zum letzten Geleit seiner einstigen Ziehtochter und dem Kinde seines besten Freundes, Baron Winfried von Emarania. Alles hatte höchst bedächtig und feierlich begonnen, ein würdiges Ende für eine große Frau. Doch ein jähes Ereignis ließ die Anwesenden alle Trauerfeierlichkeiten für kurze Zeit vergessen. Aber, ich mag der Reihe nach berichten...

es berichtet Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Herrn von Drachenhain

Nur dem engsten Kreis Treuer und Anverwandter war es gestattet worden, sich in den unterirdischen Hallen der Richilesruh einzufinden, um der hier aufgebarten Baronin die letzte Ehre zu erweisen. Darunter sah man die Gesichter vieler Gefährten aus den unbelasteten Kinder- und Jugendtagen, wie aber auch gute Vertraute der jüngeren Vergangenheit. So hatten sich sogar Falkonius von Regart, der Bischof von Ostarien, Fridolin Freiherr von Harkenberg als Vertreter Regentin Wallumas sowie andere Angehörige des ostarischen Adels eingefunden. Schmerzlich vermisst wurden jedoch die anderen "Drachenhainer Kinder", Prinzessin Syria Jaldis und Prinz Leomar, die entweder von der Beisetzung nicht in Kenntnis gesetzt oder auch verhindert gewesen waren.
Bischof Ceridian Aegidio, Priester und Beichtvater vergangener Zeiten und jetziger Bischof von Drachenhain, leitete mit leidmütiger Miene, aber klugen Worten, die über dreistündige ceridische Messe. Zur Hand ging ihm dabei der gute Abt des Klosters Richilesruh, Remedius. Dann, als der letzte Segen gesprochen ward, legte man die geschmückte sterbliche Hülle der Angharad Elanor in ein mit weißen Kerzen ausgehelltes Grab der Drachenhainer Gruft zur letzten Ruhe. Nacheinander nahmen die Trauernden nun von der leider so plötzlich und schicksalhaft Verstorbenen Abschied. Der eine weinend, der andere mit gefassterer Miene. Allenthalben war in den Gesichtern jedoch dieselbe Regung zu lesen: Unverständnis und Trauer! Was an dieser Stelle aber gesagt werden muss, jeder der Anwesenden hielt an sich und tatsächlich waren keinerlei Schuldzuweisungen in Richtung Rebenhain zu hören.
Jählings änderte sich aber die Stimmung, als unvermittelt der Abt Remedius von Richilesruh lauthals aufschrie und mit kalkweißem Gesichte und erstarrtem Finger auf eine bestimmte Stelle der schon immer eingestürzten Nordwand deutete. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, sank er alsdann in sich zusammen und verschied, ohne einen weiteren Laut. Tumult kam nun auf. Die einen kümmerten sich um den leblosen Abt, die anderen - darunter auch ich - blickten vor Schrecken erstarrt an die Stelle, auf die der Bedauernswerte gedeutet hatte. Kaltes Grausen erfasste uns, und noch heute durchfährt mich ein heftiger Schauer, wenn ich nur daran denke, was da zu sehen war. Nebelgleich und doch fast greifbar wandelte da eine weiße, geisterhafte Erscheinung, Der Spuk hatte die Gestalt eines vom Alter gebeugten Weibes, das mit toten Augen boshaft zu starren schien und uns mit dürrem Finger dräute. Als der erste Schrecken verwunden war, kam nun mit einem Mal Bewegung in die Menge der Anwesenden und so mancher schlachterprobter Mann drängte panisch nach draußen. Es war wahrlich ein namenloses Chaos, es wurde geschoben und gestoßen, bis endlich Bischof Falkonius von Regart, der offenbar in all dem Wirrwarr die Übersicht behalten hatte, zur Tat schritt und mit hocherhobenen Händen auf die Alte zuschritt: "Weiche unheiliges Leben, weiche ins Schattental, weiche vor dem Lichte des Einen!" Und tatsächlich ergriff ein plötzlicher Windstoss den hutzeligen Leib der Alten und wehte sie fort. Es war gerade so, als sei sie niemals da gewesen. Dennoch gab es nun kein Halten mehr und Männer und Frauen stürzten aus den Gewölben der Richilesruh an die frische Luft, nicht begreifend, was geschehen war.
An eine Fortsetzung der Begräbnisfeierlichkeiten war nun nicht mehr zu denken, alsbald verließen die Gäste die Drachentrutz und machten sich wie der Blitz davon. Alle, die nun übrigen blieben, sorgten sich um den Leichnam des Abtes und betrauerten ihn redlich. Denn wahrlich, mit dem Tod des Abtes Remedius, erlischt das Geschlecht derer zu Baldwiesen, das einstmals mächtig und prächtig, eine der ersten Familien im Lande Drachenhain gewesen war. Er ruhe in Frieden!
Was die Spukgestalt bei der Beisetzung zu suchen hatte, und wie es ihr überhaupt gelang auf heiligem Boden zu erscheinen, das weiß der Eine. Auf alle Fälle ordnete Bischof Ceridian Aegidio eine neue Weihe des Klosters an. Möge der Eine und alle Heiligen verhindern, dass solches jemals wieder geschehen mag!

Baronin Karelia Jefferindell zu Besuch in Rebenhain

Am dritten Tage nach der Rückkehr der Rebenhainer nach Pogelsweiler wurden Vorbereitungen für einen großen Empfang getroffen. Am nächsten Morgen wehten von allen Türmen von Pogelsweiler Wimpel im Wind. Die Stadt hatte sich für den Besuch von Karelia Jefferindell, der Baronin zu Jolbenstein herausgeputzt. Bald sah man auch schon den stolzen Zug der Besucherin, die mit höchsten Ehren empfangen wurde.
Anschließend zogen sich die hohen Herrschaften in zu ernsten Besprechungen in den Stadtpalast des Hauses Rebenhain zurück. Am Nachmittag folgte zur Entspannung eine Besichtigung des Hofes der Schmiede und ein kleiner Ausritt zum Jolborn.
Am Abend gab es im Stadtpalast ein festliches Bankett und anschließend weitere Unterredungen. Schon am nächsten Morgen wieder waren die Jolbensteiner fertig zur Abreise. Diese traten sie auch gegen Mittag an. Das Ergebnis der Unterredungen ist Folgendes: Jolbenstein und Rebenhain beschlossen eine enge Zusammenarbeit in gewissen bestimmten Angelegenheiten. Außerdem soll künftig eine bessere Zusammenarbeit die Verfolgung von Feinden des Reiches erleichtern. Zur schnellen Unterrichtung in derzeit anhängigen Angelegenheiten wurden Sonderbotschafter ausgetauscht.

Ein Fest in Wolfenfeld?

Hinter vorgehaltener Hand wurde bekannt, dass Baronin Josephina im Frühling ein größeres Fest plant. So hatte sie alle Geweihten von Wolfenfeld zu sich in den Schrein von Sarniant geladen. Nach mehreren Tagen hinter verschlossenen Türen verließ eine Schar sehr aufgeräumt wirkender Geweihter mit breitem Grinsen die Hallen, mehrere davon trugen große Papierbögen mit sich. Offenbar war Stillschweigen vereinbart worden, denn keiner ließ sich zu einer Stellungnahme bewegen. Man tauschte vielsagende Blicke und verwies lächelnd auf den Frühling. Nur dass es ein großes Fest werden soll, war herauszubekommen. Wenige Stunden danach machte sich in Sarniant bereits gespannte Erwartung breit, schon jetzt wurde geflüstert und getuschelt, erste Spekulationen machten die Runde. Will sie etwa heiraten??
Brennus Palimpsest

Die Tradition lebt!

Baron Richard Godfrey von Streitberg gibt bekannt:
Ab der Wintersonnenwende soll wieder das alte gaeltachter Wappen, derer von McGodfrey, über Gaeltacht wehen. Gerade in den jetzigen Zeiten muss unser Land seine Wurzeln wieder finden. Es muss zu seiner Tradition zurückkehren.

So wie wir McGodfreys seit Jahrhunderten mit den saftig grünen Wiesen und den erhabenen Bergen der Freiheit verbunden sind, so wie der rote Tairngire Wachturm der Ritterlichkeit stets und beständig über die Heimat wacht und uns Gaeltachtern immerzu Zeichen der Treu und Ehr´ ist, das Blau des Himmels uns die grenzenlose Grenze weist und selbst in tiefster Nacht der Mond uns mit seinem Lichtschein erfreut, so soll über Tairngire zuerst und alsdann im ganzen Land, das Banner stolz dem Winde trutzen !Wappen von Gaeltacht
Liebe zur Heimat, Gesundheit und Beständigkeit sind unsere Tugenden! Lasst sie uns wieder aufleben, wie wir es her gewohnt sind.

Blasonierung:
In blauem Schild stehen die drei grünen Berge für die drei höchsten und ältesten Berge Gaeltachts: Ben Gawley, Ben Pollheli und Ben Firuchel. Auf dem rot-blau bewulsteten Helm mit rot-blauer Decke steht, wie im Schild vor den Bergen, der große Tairngire Wachturm in roter Tinktur. Im Schildhaupt befindet sich die Mondenscheibe in Septhonit.

Werber verlassen Rebenhain

Zur Aufstockung der Rebenhainer Streitkräfte wurden mehrere Gruppen von Werbern ausgesandt. Der Baron hofft, bis zum Frühjahr die Zahl der Bewaffneten zu verdoppeln.

Aufbruch von Baronin und Vogt

Es war der 20. Tag des 3. Xurl als eine große Gruppe Reisender die Freudenfeste verließ. Angeführt wurde sie von Samira von Silberlauf und Rasekorn vom Schinderteich. Ziel der Reisenden ist der Besuch der alten Verbündeten des Ogedenbundes. So sollen in nächster Zeit der Reihe nach besucht werden: Foranan McDonough, Baron zu Flaitney, Koldewaiht von Hautzenstein, Baron zu Luchnar, Josephina von Drachenhain, Baronin zu Wolfenfeld. Nach dem Besuch bei diesen Herrschaften wird Samira von Silberlauf alleine weiterreisen, um die Thaler und zuletzt auch die sedomeesischen Verbündeten zu besuchen. Bei den Besuchen soll den Freunden und Bundesgenossen von den Vorkommnissen zu Idyllie berichtet werden.

Großbestellung

Zur Ausstattung seiner Truppen mit neuen Waffenröcken hat der Baron von Rebenhain bei Tuchhändlern einen Großauftrag gegeben. Gerüchten zufolgen sollen die neuen Waffenröcke nicht mehr in Silber und Blau sein, sondern Schwarz und mit einem in Silber gehaltenen präheliotischen Schriftzeichen bestickt.

Die "Hochzeit von Lindfurt" - sachte regen sich die Widerstände

Die maßvolle Herde, die da heißt Ceridentum horcht auf, denn ein Blitz ist unweit herabgezuckt aus dräuendem Wolkenschwarz. In Erwartung eines schrecklichen Donnerhalls rückt sie eng zusammen und lauscht, doch nichts Wesentliches ist zu vernehmen!
Es berichtet Bruder Pankraz von der Drachentrutz

Zwar mit offener Ablehnung, aber mit doch verhaltenen Worten, reagierten dieser Tage die Vertreter der Ceridischen Kirche von Drachenhain ob der Meldung, dass der Abt von Lindfurt sich verheiratet habe. Es heißt, anfangs sei der Bischof von Drachenhain, Abt Ceridan Aegidio von St. Aluin, außer sich gewesen und in nie gekannten heiligen Zorne verfallen, doch spiegelten die darauffolgenden Worte der Mahnung, dies so gar nicht wieder. Unverständnis macht sich im Herzen eines einfachen Bruders breit. Denn noch nie hat es in der fast einhundertjährigen Geschichte der Kirche einen ähnlichen Fall gegeben. Nie hat sich ein Mann, der Viele leiten soll zum Licht des Einen, dazu verstiegen, zuallererst nach dem eigenen inneren Flackern der fleischlichen Liebe zu trachten - oh Einer, was kommt auf uns zu? Mag diese, doch recht zurückhaltende, Reaktion des Bischofs vielleicht in Beziehung damit stehen, dass Fürst Waldemar letzthin ausdrücklich sein Wohlwollen zu dieser außergewöhnlichen ehelichen Verbindung gegeben hatte und damit Position für den gescholtenen Abt von Lindfurt einnahm? Allein der Bischof hat öffentlich an die Vernunft seines einstigen Schülers appelliert, um ein Umdenken und mögliches Umschwenken zu erreichen. Die folgenden Worte sollen in diesem Zusammenhang gefallen sein:
"Mein lieber Sohn Ditonius, überdenke Deinen Schritt wohl. Denke an meine Worte: Ein guter Hirte kann und darf sich neben seiner Herde nicht zum Zeitvertreib eine schöne Stute halten!"
Doch scheinen diese Worte bislang auf taube Ohren gestoßen zu sein, denn aus Lindfurt war fortan gar nichts mehr zu vernehmen. Es darf also angenommen werden, dass man in dieser unseligen Geschichte auf dem Ceridischen Konzil wohl ein neues Capitel aufschlagen wird...

Das Eheversprechen des Abtes von Lindfurt und der Edlen von Anwara - ein Kommentar

Tja, welch verfahrene Situation für die Ceriden in Drachenhain und anderswo. Dürfen sie nun, oder dürfen sie nicht? Das ist die Frage. Oder will man etwa den bösen Zungen Glauben schenken, die da behaupten, dass hier einmal mehr das liebe Geld eine bedeutende Triebfeder - oder besser gesagt, ein gewaltiger Bremsklotz - darstellt? Heißt es doch, seitdem Abt Ditonius das weiße Ruder von Lindfurt fester in den Händen hält, rolle nun der ein oder andere Dukaten mehr die Drachentrutz hinauf. Und auch die Abtei St. Aluin erquicke sich eigentlich seit ihrer Gründung recht gütlich am sehr gedeihlichen Handel mit der Hafenstadt... Es bleibt also abzuwarten, was der Primus zu all dem sagt.
Schillwunk Radeweyd,

Die Hochzeit von Lindfurt - dem Volk aufs Maul geschaut:

Entgegen der allgemeinen Vermutung, stehen die Menschen von Lindfurt den plötzlichen Diskussionen um ihren Herrn mit Unverständnis gegenüber. Kaum einen scheint der Verstoß des Abtes gegen die ehernen Gesetze des Ceridentums zu stören oder in Ärgernis zu versetzen - ganz im Gegenteil, wie es scheint:

Joll Knollengeck - Tavernenwirt des Schwarzen Ankers in Lindfurt
"Ach was, warum blähen sich diese alten Kuttenböcke nur wieder so auf. Die sind doch nur neidisch, weil sie selbst sich zu diesem Schritte nie getraut - oder keine sie haben wollte! Hä hä hä! Uns ging es seit Jahrzehnten wahrhaftig nie so gut wie heut und das haben wir nur ihm, unserem guten Abt zu verdanken. Ob nun verheiratet oder nicht, er macht seine Sache gut!"

Ruita Häubeberg - Kräuter- und Blumenhändlerin auf dem Lindfurter Markt
"Es liegt doch auf der Hand, warum es nicht geht, dass einer von ihnen heiraten darf: Dann werden doch all die Reichtümer und das Gut, dass im Laufe eines Lebens gemehret wurde, nicht an den leiblichen Nachkommen, sondern an die Kirche zurück, damit ein neuer wieder von vorne anfangen darf!"

Dem Leser ergebenster Diener,
Schillwunk "die Feder" Radeweyd,
Drachenhainer Hofberichterstatter


Adveristen planen offenbar Anschläge auf ceridische Würdenträger - rettet der Ogede Royland Rothenbaum Ceriden das Leben?

Royland Rothenbaum, einem Luchna tiefländischer Abstammung, ist es offenbar gelungen, einen höherrangigen Adveristen zu fangen. Auf einer Reise, die ihn durch Sengenberg führte, wurde er von einem Mann angegriffen, der seine Gewänder forderte - wohl um in der Maske eines offenkundigen Nicht-Sengenbergers aus der Baronie zu fliehen. Rothenbaum überwand ihn im Kampf und fand eine adveristische Streitschrift bei ihm. Diese Schrift enthielt angeblich eindeutige Hinweise darauf, dass die Adveristen Anschläge auf ceridische Amt- und Würdenträger planen; teils mit hochrangigen Namen. Diese Entdeckung ist selbstverständlich von hohem politischen Interesse. Rothenbaum gelang es darüber hinaus offenbar, dem Mann noch weitere Informationen zu entlocken. Als pflichtbewusster Drachenhainer lieferte der Luchna den Adveristen persönlich in der Hauptstadt Triburk ab.

Was plagt Fürst Waldemar?

In den letzten Wochen soll Fürst Waldemar von Drachenhain des öfteren in nachdenklicher Stimmung auf der Feste Drachentrutz angetroffen worden sein. Laut eines Augenzeugen, der nicht genannt werden will, soll er in einem solcher Augenblicke den Satz gesagt haben: "Ja, solchermaßen war ihr Duft" und in einem anderen einige Worte wie "so feines Haar". Ein weiteres Mal sei er mit einem Kissen gegen den Unterleib gedrückt im Gange gestanden, als habe er Schmerzen. Doch sollten derartige Gerüchte vom Hofe vielleicht nicht überbewertet werden.

Schutzwall vor Adveristen - die "Antrutzen" künftig Baronie

...Wie Wachs in den Händen eines Künstlers formt seine Durchlaucht weiter am Lande seiner Väter...
So gefiel es seiner Durchlaucht am 20. Tag des Frostmondes das Gebiet südlich der Feste Drachentrutz, das zusammen mit dem heutigen Sengenberg vormals die gefallene Baronie Drachenberg war, in die inzwischen zwölfte Baronie des Fürstentums umzuwandeln. Glefenbach, die größte Ansiedlung dort, erhielt infolge dessen das Marktrecht verliehen und soll als Hauptstadt nebst Sitz des Barons dienen. Das Wappen der neuen Baronie wird dem Vernehmen nach die Drachenhainer Klaue sein. Auch einen Vasallen für die neue Baronie hatte Fürst Waldemar sogleich zur Hand, es wurde der Drachenhainer Erzkanzler Giselher von Mühlenheim zum Herrn der Antrutzen bestallt. Nach dem Willen des Fürsten wird dies Land auf immerdar eng mit dem Amt des Erzkanzlers verbunden sein.
Mit dieser Maßnahme reagiert das Haus Drachenhain auf die Bedrohung von Meucheleien der Sengenberger Adveristen auf drachenhainer Amt und Würdenträger. Unlängst gelangte ein entsprechendes Schriftstück in die Hände eines tapfren Luchna, der dies sogleich an die richtige Stelle weitergab. In den Antrutzen selbst und anderswo, stieß die Neuerung auf geteilte Ansichten, so hätten sich gerade die Ogeden des Landes dort gerne einen Lehnsherren ihres Glaubens gewünscht. Andererseits ist der Erzkanzler rund um die Feste Drachentrutz als standhafter und gerechter Mann bekannt, der die erhabene Aufgabe, aus den Antrutzen einen Schutzwall der Feste Drachentrutz wider die Adveristen zu bilden, sicherlich mit Bravour meistern wird.
Dem Leser ergebenster Diener, Schillwunk "die Feder" Radeweyd

Höret, höret:

Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu wissen


Primo:
Dem edlen Luchna Royland Rothenbaum ist es im Kampfe gelungen einen gemeinen Adveristen zu stellen und dabei diverser Schriften habhaft zu werden. Diese Dokumente, nebst eingehende Befragungen des Adveristen, brachte zu Tage, dass die greulichen Rebellen derzeit gar übles im Sinn haben. Namhafte ceridischen Würdenträger und Amtsinhaber scheinen in großer Gefahr feige gemeuchelt zu werden. Man warte nur noch auf eine Gelegenheit, wenn der ein oder andere edle Kopf sich außerhalb zeige, dann wolle man "ordentlich auf ihn einhauen".
Fürst Waldemar rät einem jeden Vertreter oder Treuen der Ceridischen Kirche, in den nächsten Monden seinen Sitz nicht zu verlassen. Falls eine Reise dennoch als notwendig erachtet wird, dann ist für adäquaten Schutz zu sorgen.
Secundo:
Die Antrutzen - neben Sengenberg, ehedem die gefallene Baronie Drachenberg - soll fürderhin Baronie sein. Zum Herr des Landes bestallen wir unseren braven Edlen Giselher von Mühlenheim. Künftig soll der Kanzler Drachenhains in Personalunion auch Baron der Antrutzen sein.

Gegeben im Frostmond auf der Feste Drachentrutz durch
 seine hochbesorgte Durchlaucht,
Fürst Waldemar von Drachenhain!


Gut für den Orden vom Schwert und Pflug

Den Anweisungen seines Lehensherrn Folge leistend, sind die Vorbereitungen Baron Krators von Rebenhain in Bezug auf die Gründung eines Ritterordens zum Schutz der nördlichen Ländereien schon weit gediehen. Einige Tapfere haben sich gefunden, Mitglieder dieses Ordens zu werden. Um für ein erstes Auskommen zu sorgen, hat der Baron nicht nur Geldmittel, sondern auch ein Gut, zusammengelegt aus Ländereien im Krieg umgekommener Bauern zur Verfügung gestellt.

Herzögliche Ostarische Hofgazette

Neuigkeiten

Johann Ohneland wird Vogt von Engreich

Nachdem der ältere Sohn Richard Bärenherz des verstorbenen Freiherrn Heinrich von Eng-reich mit einigen Rittern auf Kreuzfahrt zum Herzog-Uriel-II-Atoll unterwegs ist, hat dessen jüngerer Sohn Johann Ohneland, genannt "Prinz John", die Amtsgeschäfte als Vogt übernommen.
Als erste Tat setzte er Volkmar den Zornigen als neuen Sheriff der Stadt Nichtingheim am Rande des Ehlerwaldes ein. Dieser soll der Bedrohung durch den ehemaligen Freiherrn von Teemons Gnaden und jetzigen Strauchdieb Rodney von Locke, genannt "der Hut", Herr wer-den. Rodney Hut versteckt sich mit einigen Teemonanhängern im Ehlerwald und treibt besonders in der Gegend von Nichtingheim sein Unwesen. Auf seinen Kopf ist eine Belohnung von 20 Dukaten ausgesetzt!
Gegeben zu Hohenforingen am 7. Tag des Rebenmonds des Jahres 93 n.d.E.

Aufruf

Hohenforinger! Ostarier! Heligonier!
Meldet Euch zu den Nichtingheimer Wachen der Provinz Engreich in Hohenforingen. Wir müssen dem Treiben der Banden im Ehlerwald ein Ende machen. Schluß mit den gewilderten Hirschen, die frech auf des Freiherrn Tafel geschmissen werden. Schluß mit den Überfällen auf Händler, die bis aufs Untergewand geplündert durch den Wald gejagt werden. Schluß mit den hinterhältigen Pfeilen aus dem Dickicht auf arglose Steuereintreiber. Registriert Euch noch heute in Torpstein!
Gegeben zu Hohenforingen am 7. Tag des Rebenmonds des Jahres 93 n.d.E.


Die Gazette unterwegs

Um die jüngsten Entwicklungen in der für ihre kapriziöse Bürgerschaft bekannten Nordmark zu dokumentieren, habe ich die Sommermonate in Yaldering verbracht. Dort konnte ich eine Textsammlung beginnen, die nun nach und nach in der Hofgazette veröffentlicht werden soll und den geneigten Leser über die Entwicklungen der letzten Jahre informieren wird. Dabei werden verschiedenste Autoren ihr Fachwissen in die Artikelsammlung einbringen.
Auch dem in diesen Tagen sprunghaft gestiegenen Interesse an der Fernwanderei soll mit der vorliegenden Reihe Rechnung getragen werden - findet der interessierte Wildnisfreund doch in der Nordmark vielerlei Naturkuriositäten und atemstehlende Landschaftsszenerien. Mancherartige Artikel werden sich also auch mit Gefahren und Schönheit der Gebirgs-, der Tier- und der Pflanzenwelt befassen, um den geneigten Fernwanderer über Punkte von Wichtigkeit zu informieren.

Karlon vom Storcheneck


1. Artikel: Von der Namensgebung.

Karlon vom Storcheneck

Der Name des durch das Baronat Nordmark umrissenen Landstrichs hat sich im ersten Jahr des Bestehens dreimal geändert: Mit der Entdeckung des Pailat und der Schaffung des neuen Lehens wurde die Provinz Kendhas-Pailat genannt; ein Ausdruck, der die (wörtlich) "dem Pailat zugehörige Landmarke" bezeichnete.
Mit den Frühjahrsunruhen im Poena 26 n. H. A. III. wurde der Landesname - zusammen mit anderen inneren Angelegenheiten - auf Druck der Siedler geändert: Im fortan gültigen Namen "Galtur-Vernmark" finden sich die dem Pailat zugehörige Vogtei Galtur und die nordwärts der Gebirge gelegenen Siedlungsgebiete in der Benennung vereinigt ("Vernmark" bedeutet auf altnordhinterheligonisch "Wehrfeld" oder "Wehrmark").
Da dies gegen den Willen des Pailat geschehen war und ein Namensstreit anzuheben drohte, verfügte die Regentin Walluma schließlich am 3. Xurl des Jahres 27 nach H. A. des III. in einem Erlaß, daß eine im Volksmunde schon seit längerem gebräuchliche Benennung als offizieller Name eingesetzt werden soll. Seither heißt das Baronat "Nordmark".



2. Artikel: Die Siedlungen der Nordmark im Jahre 30 des Königs Helosius Aximistilius III.

Galbart Wagenmeister, Vogt zu Yaldering

Man hat mir gesagt, daß ich einmal etwas über die Nordmark aufschreiben lassen soll, damit die Leute im Süden wissen, wie hier immer so alles ist. Es wird ja auch immer soviel geredet über die Nordmark und was da nun der Fall ist und was nicht.
Ich habe mir überlegt, damit der Leser auch weiß wovon ich spreche, fange ich am besten einmal mit unseren Siedlungen an. Und die kommen jetzt.

Yaldering.
Die wichtigste Stadt der Nordmark ist Yaldering und es wohnen viele Bürger darin. Es gibt viel Handel und Gewerbe hier, und auch die Garnison hat hier ihre Kaserne. Viele Häuser sind aus Stein, und es gibt eine ordentliche Befestigung, die man nicht so schnell überwinden kann.
Von Zeit zu Zeit sind Markttage und es gibt auch eine schöne Kirche. Darum kommen oft Leute aus den Dörfern in die Stadt, um zu handeln und zu beten.
Yaldering war auch schon vor der Besiedlung eine Stadt, weil man Ruinenreste gefunden hat, als man diese entdeckt hat. Die Ordensleute vom Pailat haben gewußt, daß die Leute, die früher in Yaldering gewohnt haben, Yaldering "Yaldering" genannt haben, und darum heißt die Stadt Yaldering.
Yaldering hat den Status einer Vogtei, aber die Bürger dürfen den Vogt wählen. Fast alle Bürger wohnen hier und es ist die älteste Siedlung des Baronats.

Pailat.
Der Pailat ist viel älter als alle anderen Siedlungen des Baronats, da der Orden der Catvaras Ekam dort schon ansässig war, bevor man die Nordmark besiedelt hat. Am Fuße des Berges, auf dem er steht, gibt es eine Ruinenstadt, Galtur mit Namen. Dort gibt es ein teures Hotel aus Escandra. Meistens sind dort schöne Zimmer frei. Sonst gibt es in der Ruinenstadt unten ein paar Ziegenhirten. Aber sie sind ziemlich sonderbar.
Die Ordensburg auf dem Berg hat damit nicht viel zu tun. Obwohl sie sehr groß ist, wohnen nicht so viele Leute dort. Meistens sind es Ordensleute.
Es gibt keinen Vogt, Bürgermeister oder Verwalter auf dem Pailat und auch nicht in der Ruinenstadt, weil das Baronat ja sowieso von dort regiert wird. Aber eigentlich ist Galtur so eine Art Vogtei, weil so setzt sich die Nordmark ja zusammen.

Kamar.
Hoch oben in den Bergen gibt es irgendwo ein Dorf, das heißt Kamar. Angeblich kommt die Iklan-Familie von dort. Wie es in Kamar aussieht, weiß niemand so genau. Wahrscheinlich halten die Leute in Kamar auch Ziegen.

Leiana.
Eine andere große Siedlung ist Leiana, das war aber ursprünglich ein Holzfäller- und Jägereilager. Leiana liegt an einer Furt an der Yaltrach flußabwärts vielleicht eine halbe Tagesreise von Yaldering entfernt. Östlich von Leiana gibt es keinen Weg mehr, dafür ist die Yaltrach aber mit Flößen befahrbar, wenn das Wasser nicht zu hoch oder zu niedrig ist und nicht gefroren. Manche Leute gehen auch durch den Wald nordwärts der Berge nach Norrland-Brassach, aber das dauert ganz schön lang und ist unglücklicherweise sehr gefährlich.
Was der Name "Leiana" bedeutet, weiß niemand so genau. Man nimmt an, daß es der Name einer Geliebten von einem der Anführer der Spähtrupps war, die im Jahre 89 nach der Erleuchtung bei dem Feldzug von Jareck von Jolberg die Täler erkundeten.
Leiana fällt unter das Recht der Haga und das heißt, daß man keine Steuern zahlt und gegen Ödländer kämpfen muß wenn sie kommen und außerdem selber einen Anführer wählen darf. Der Anführer von Leiana heißt Bürgermeisterin und das ist schon immer Elen Konilara Valdenbrook gewesen und man sollte aufpassen, daß man keinen Ärger hat mit ihr.

Malderpot.
Malderpot ist ziemlich klein und wurde eigentlich nur gegründet, um die kuriosen Salzquellen auszubeuten, die dort zutage treten. Übrigens heißt das kleine Flüßchen, das in Malderpot entspringt, neuerdings Nördlicher Paltram.
Außer den Salzsiedern, die merkwürdig und sehr faul sind und zuviel trinken, wohnt eigentlich niemand dort. Malderpot ist das Dorf, das am nächsten an der verderbten Ödlandsteppe liegt. Und manche Leute gehen auch nach Malderpot, weil sie dort ihre Ruhe haben wollen.
Auch Malderpot fällt unter das Recht der Haga. Der Anführer heißt dort Browden und sein Name ist Orell Trunhag. Orell wird jedes Jahr wieder neu gewählt, weil in Malderpot einmal im Jahr gewählt werden muß. Es ist ihm verboten zu arbeiten, aber er darf im Bergfried wohnen und alle müssen ihm Geld geben.

Häusern.
Es gibt südwärts des Gebirges nach Arnach hin einen Streifen Land, von dem man nicht so genau weiß, ob er zur Nordmark oder zu Arnach gehört. Irgendwelche Leute haben sich dort Häuser gebaut; vermutlich ist das der Grund dafür, daß ihr Dorf "Häusern" heißt. Wovon die Leute in Häusern leben, weiß man nicht so genau, und einen Anführer kenne ich auch nicht, zumindest kommt er nie auf den Pailat, wenn alle Verwalter dreimal im Jahr dort zusammenkommen. Wahrscheinlich fühlen sich die Catvaras Ekam nicht zuständig und Arnstein auch nicht. Aber ich denke, das macht nichts, weil, wie man hört, wollen die Leute in Häusern ohnehin lieber ihre Ruhe haben. Und es sollen im Ganzen auch nur so zwei Dutzend sein, die da wohnen.

Fredricaja von Rankenwies
Fredricaja von Rankenwies ist keine Siedlung, sondern eine großmütige und hochnoble Honoratiorin von altem ostarischen Amtsadel. Sie hat in der Nordmark für allerhand Entwicklungen gesorgt.
Die Siedlungen, die ich bisher beschrieben habe, gibt es, seit wir sie nach dem Feldzug des ostarischen Generalzeugmeisters Jareck von Jolberg besiedelt haben. Alle anderen gibt es erst seit dem Jahr 91 und 92 nach der Erleuchtung, denn da hat Fredricaja von Rankenwies eine berühmte Expedition unternommen, wegen der wir nun auch nordwestwärts siedeln können.
Und zwar hat man damals eine Burg erobert, aber das soll an gegebener Stelle noch genauer beschrieben werden.
Wichtig ist vielleicht jetzt erst einmal, daß klargestellt wird, daß die einzige richtige Grenze eigentlich die Grenze von Norrland-Brassach ist. Südwärts gegen Arnach ist das nicht so ganz klar wo die Grenze nun so genau ist und im Norden gibt es sowieso gar keine Grenze sondern die Ödlande und dort ist ohnehin alles ganz anders.
Und sonst ist eigentlich die Grenze immer da, wo die Türschwelle ist, oder der Zaun oder spätestens der Waldrand. Weil man weiß nie so genau, was passiert, wenn man aus dem Haus heraus und durchs Gartentürchen oder gar in den Wald geht. Ich meine, man muß schon aufpassen und vorsichtig sein. Aber zum Aufpassen und vorsichtig sein sind wir ja da.
Nordostwärts, in der neuen Burg und den zwei kleinen Dörfern, ist das ganz besonders so. Und diese Siedlungen dort kommen jetzt:

Herzogenburg, Haukegericht.
Mit allerhand Söldner-, Beamten- und Magiervolk im Gefolge hat die edle Fredricaja von Rankenwies im Jahre 91 n. d. E. eine Burg westlich des Kallerfelds erobert. Keiner weiß so genau, wer früher in der Burg gewohnt hat. Es wird gemunkelt, daß sie einem finsteren Magier gehört hat, der dort unheilige Dinge trieb und darum nennen viele Leute die Herzogenburg auch Zauberburg. Überhaupt ist es ziemlich merkwürdig, daß mitten in der Wildnis eine Burg steht. Wer soll denn die gebaut haben. Und warum. Aber darüber kann man viel herumdiskutieren, was nun dafür der Grund ist und was nicht.
Fest steht, daß die Regentin Walluma an der Burg so sehr interessiert ist, daß sie sie von der ostarischen Marine verwalten läßt, was selbstverständlich sehr ungerecht ist, weil sie mitten in der Nordmark liegt.
Die Herzogenburg steht auf einem Felsen über dem Südlichen Paltram. Der Paltram ist ein Fluß, der von dem Kartographen Roland Welheim entdeckt wurde. Er entspringt nördlich und südlich des Feuerbergs und fließt westlich davon zusammen und in den Jolborn. Die beiden Arme nennen wir Nördlicher und Südlicher Paltram, und wenn sie zusammengeflossen sind, einfach nur noch Paltram.
Roland wollte den Fluß ursprünglich "Buchenbach" nennen. Die meisten von uns fanden das aber irgendwie sonderbar und Orell Trunhag, der ja in Malderpot an der Quelle des Nordarms wohnt, schlug darum vor, das Gewässer nach seinem eigenen Namen "Oriella" zu nennen. Daraufhin forderte Elen Konilara Valdenbrook, daß der Fluß "Oristanto" genannt werden solle - nach einem in Betis ermordeten Verwandten von ihr, der anscheinend berühmt war. Der Pailat, der wegen dem damals gerade überstandenen Namensstreit um die Baronatsbezeichnung einen weiteren Namensstreit unbedingt vermeiden wollte beschloß, daß wir den Fluß Paltram nennen sollen, was zwar die meisten von uns am allersonderbarsten fanden aber angeblich ist das der ursprüngliche Name des Flusses gewesen. Na gut, haben wir gedacht.
Jedenfalls gibt es unterhalb der Burg eine Bootsanlegestelle. Kleinere Flußschiffe mit wenig Tiefgang können hier vor Anker gehen. Es gibt auch ein paar Bauern, die sich in der fruchtbaren Talaue angesiedelt haben. Unglücklicherweise gibt es zwar oft Hochwässer, aber es soll trotzdem sehr gemütlich sein in Haukegericht - wie der kleine, zur Burg gehörige Ort seit dem Gericht über den Banditen Hauke Honighaar im Saatmond des Jahres 92 n. d. E. heißt. Hauke hatte mit seinen Männern einen Maultierzug überfallen und sich dabei im Sinne des 6. Artikels im 1. Kapitel der KHHG schuldig gemacht, weswegen er an einem schönen Tag im Paltram ersäuft worden ist.

Härtwigs Hafen.
Wir alle hätten nicht gedacht, daß Härtwig es mit seinem Hafen wirklich schaffen würde. Aber nach der Entdeckung der neuen Burg kamen allerhand Leute in den Westen, und nun hat es doch noch geklappt. Härtwigs Hafen wächst und gedeiht und mittlerweile gibt es mehr als ein Dutzend Häuser in der unbewehrten Siedlung. Mittlerweile macht auch manch ein Jolbornschiff dort Halt.
Schade nur, daß Härtwigs Hafen sogar für die Erfahrenen unter uns leider kaum zu erreichen ist, weil er unglücklicherweise westwärts liegt und die Berge und das Kallerfeld dazwischen sind. Aber das macht nichts. Denn Härtwigs Hafen ist etwas vollkommen Neuartiges. Er liegt nämlich nahe der Mündung des Paltram in den Jolborn und dadurch machen die Flußschiffer zunehmend immer öfter Halt in Härtwigs Hafen, und auch die Patrouillen der Herzöglich-Ostarischen Marine nutzen die Gelegenheit, Vorräte aufzunehmen oder eine Pause zu machen und sich zu betrinken. Denn nicht zuletzt ist Härtwigs Hafen der letzte, den man hat, wenn man die weite und gefährliche Reise an den Ödlanden vorbei nach Vjoshafen reisen will.
Auch Härtwigs Hafen ist Hag und Härtwig ist der Anführer. Er ist zwar nicht gewählt worden, aber weil ihm das Land sowieso gehört, braucht man das nicht. Die anderen nennen Härtwig manchmal auch Hagsmeister, aber nicht so oft, weil das hört Härtwig nicht so gern. Härtwig ist ziemlich bescheiden.

So. Das waren die Siedlungen. Bis zum nächsten Mal werde ich etwas über die Straßen und das Wirtschaftsgefüge der Nordmark aufschreiben lassen. Und ich könnte vielleicht noch eine schöne Karte malen, damit man sich das auch besser vorstellen kann.

3. Artikel: Andenkenswerte Eigenarten der Botanik und Zoologie.

Forschungsstand: 92. Jahr nach der Erleuchtung

Prof. Dr. Riemold v. Bieberau, Ankur


Das Pflanzen- und Tierreich der Nordmark zeichnet sich im Wesentlichen durch die gebirgshafte Natur aus. Wer sich für ebenjene in besonderem Maße interessiert, sei an einschlägige fachverwandte Schriften über den Schlangenkamm verwiesen, die dem wissensdürstenden Leser die entsprechenden Kenntnisse in hinreichender Genauigkeit und erschöpfendem Ausmaß zu vermitteln vermögen. Ich hinweiter möchte an dieser Stelle lediglich die BESONDERHEITEN des pflanzlichen und tierischen Lebens in der Nordmark aufzeigen; jegliche weiteren Ausführungen würden den Rahmen der vorliegenden Publikation ohne Zweifel überschreiten.
Zunächst möchte ich auf die Besonderheiten der Botanik eingehen, hernach soll die Zoologie beschrieben sein. Die jeweiligen Kapitel sind weiterhin unterteilt nach den unterschiedlichen Regionen, die sich regional sehr stark unterscheiden, und zwar in vornehmlich vorherrschendem Wetter, Klima, Niederschlägen, Witterung, Temperaturen, Regen, u. Ä. dergl. mehr.

1.    Botanik
1.1    Die Brassachische Tiefebene
Der Bodenbewuchs der brassachischen Tiefebene ist ärmlich, meist bedeckt gelbbraunes, kurzes Gras den leicht welligen Untergrund. Vermutlich verdirbt die Nähe der Ödlande auf noch unbekannte Art und Weise den Boden, so daß kein statthafter Bewuchs sich bilden kann. Vergleicht man ihn mit den fruchtbaren Ländereien jenseits des brassachischen Grenzwalls, drängt sich einem dieser Verdacht förmlich auf. Und in der That finden sich auch auf Nordmarker Seite mit wachsender Entfernung zu dem verfluchten ödländischen Landstrich im Norden mannigzahlige Heideflächen, Hochmoore u. Ä. dergl. mehr.

1.2 Die Nebelwälder
Rasch aufsteigende Luftmassen machen jene Vorberge des Hauptgebirgszugs im Norden zu einem regenreichen Ort mit gar dichter Vegetation. Es gibt kaum nennenswerte Pflanzen von außergewöhnlicher Art. Der urgewachsene, koniferenreiche Bergwald aber verdient hier durchaus eine Erwähnung. Ebenso die ähnlichermaßen wie langen, pruzzischen Bärten gleich von den Ästen hängenden Flechten, die der Gesamtszenerie etwas mystisches verleihen. Gleichwohl der Wald ein wahrhaft außergewöhnliches Bild bietet, setzt sich seine Pflanzenwelt aber aus durchaus gewöhnlichen und bekannten Gewächsen zusammen.

1.3    Tal von Yaldering
An den Hängen zu beiden Seiten des Tales gehen die Nadelwälder nach der Höhe hin in niedrige Birkenwälder über, die bis zur Baumgrenze hinauf reichen. Die Talweitung selbst ähnelt in Boden und Bewuchs den Nebelwäldern; jedoch gibt es um die Siedlungen Yaldering und Leiana herum ausgedehnte Rodungen, die landwirtschaftlich genutzt werden.
Kaum eine Nutzpflanze wollte so recht wachsen; die meisten Siedler versuchen nunmehr, GRAN anzubauen, ein altes, dem Dinkel verwandtes Getreide, das angeblich aus dem tiefen Süden kommen soll.

1.4    Hochgebirgsregionen
Die überaus hochaufsteigenden Hochgebirgsregionen der Nordmark bringen gar unterschiedliche Bewuchsformen hervor. Steigt man die steilen Bergtäler empor, werden die tiefen Wälder der Talgründe zunehmend niedriger und ausgedünnt. Die hochentlegeneren Bewaldungen schlüßlich werden nur mehr von kleinen Krüppelbirken gebildet, die im Maximum drei bis vier Meter hoch sind. Steigt man darüber hinaus höher, finden sich nur noch Bebuschungen. Noch höher findet sich niedriges Kraut, letztendlich verschwinden sogar Gräser und nur Moose - allein gelbgrüne, braune und graue Flechten bedecken die kahlen Steine. Die höchsten Regionen hinweiter sind zu jeder Jahreszeit von Schnee und Eis bedeckt.

1.5    Südhänge
Die weitgehend unberührten Eichen-/Buchenmischwälder an den Südhängen nach Arnach und Dunkelstein hin finden gar anverwandte Entsprechungen in anderen, naturbelassenen Mittelgebirgen Ostariens und sind von anderen Autoren gar hinreichendst an anderer Stelle beschrieben.

1.6    Malderpot
Die äußerst kuriosen Salzquellen, die an diesem wunderlichen Ort zutage treten, lassen jegliches gewöhnliche Pflanzengewächs verdorren. Weder die seltsamen Kräuter, die hier allerorts sprießen noch das gelbbraune, schärflichst-scharfblättrige Schilf, das nahe der von den Quellen gespeisten Sümpfe in den Niederungen nördlich der Berge ebenfalls zu finden ist, sind mir bisher unter die Augen gekommen; auch nicht in anverwandter Form oder ähnlicher Gestalt. Sicherlich bieten sich hier noch mannigfaltige Gelegenheiten für eingehendere Forschungen.

1.7    Kallerfeld und Trollspitzen, Feuerberg
Außer verschiedener kümmerlicher Flechten und einigen unnamhaften Moosen konnte in jener kärglichen Region kein nennenswerter Bewuchs festgestellt werden.

1.8    Neue Erkundungen am Jolborn (Paltrampa)
Das Grundgefels scheint in der Region Paltrampa (lt. der Schriften der Catvaras Ekam eine vom Flußnamen "Paltram" abgeleitete Bezeichnung) eine andere Zusammensetzung zu haben. Es gibt rings um den Fluß für die Nordmark sehr außergewöhnliche Pflanzen.
Insgesamt der Anteil an Eichen, Buchen und buschartigen Gewächsen wie Hagebutte, Schlehe, Wachholder u. ähnl. dergl. mehr ist recht hoch. Vereinzelt gibt es verdachtsweckende Ähnlichkeiten mit den Regionen der Südhänge.
Insbesonders hervorhebenswert sind hinweiter aber auch die Klingenfelder. Diese Schilfregionen werden seit der Expedition des jungen Roland und seines Gefährten Eodar so benannt. Die kundigen Entdecker sollen sich an den scharfblättrigen Röhrichtgewächsen gar vielfach Haut und Bekleidsamkeiten aufgeschnitten haben.
Dies Röhricht ist nur ein Beispiel für die wunderliche Botanik des ostarischen Nordens. Auch andere Pflanzen erwecken das Interesse des an Sonderbarkeiten interessierten Wissenschaftlers. So gibt es auch mannigfachige Diskussionen darüber, wie es eigentlich zustande kommen kann, daß anrande des kuriosen Salzgewässers, das bei Malderpot zutage tritt, allerorten wunderliches Gewächs sich halten kann. Vielleicht ist es das Salz, das die Pflanzenwachsung verfälscht, oder aber die Nähe der verderbten Ödlande. Salz ist immerhin ein Grundelement des Meeres. Könnte es etwa vom unheiligen Tun der Ödlandbarbaren und ihrer schändlichen Magier an diesen Ort gebracht worden sein?
Die Erforschungen in jener Region stehen wegen der hohen Gefährlichkeit der Landstriche noch aus. Bisher allgemein bekannt geworden ist im Hauptsächlichen das scharfblättrige Röhrichtgewächs der Klingenfelder.
Etwas südlich davon, in den weiten märkischen Wäldern des Westens, ist ein ebenfalls äußerst besonderer Baum breitverbreitet. Er stellt eine weitere Sonderbarkeit der Nordwestwärts gelegenen Lande dar: Die sogenannte Feuergarbe, die im fallenden Jahr als Waldbaum ganz besonders heraussticht. Sie verleiht der Landschaft in den Herbstmonden des Jahres einen ganz besonderen, unerklärlichen Reiz.

"Wir nehmen es den Reichen und stehlen es den Armen".
Wenn dies auch Dein Motto ist, dann komm in den Ehlerwald
- Kennwort "Hut".

Prinz Leomar neuer Herr von Emarania - eisiger Empfang in Wasserau

Nunmehr zum achten Mal während der Regentschaft Ihrer Erlaucht Herzogin Walluma wechselt die Baronie Emarania gegenwärtig ihren Verwaltungsstatus.
Wobei der neue Herr im Grunde ja ein alter ist, leitete Prinz Leomar doch zu Zeiten der Teemoranischen Krise, im Zuge seiner damaligen Drachenhainer Schwertführerschaft, schon einmal die Geschicke des Landes und gab die Zügel hernach an seine Ziehschwester Angharad Elanor weiter. Leider liegt die Baronin nun tot in der Drachentrutzer Gruft darnieder, so dass Herzogin Walluma auf der Suche nach einem neuen Herrn, auf "Altbewährtes" zurückgriff. Schließlich werden die Kinder der Baronin, Jareck und Leoni, in frühestens elf Jahren soweit sein, um das Erbe ihrer Mutter antreten zu können.
Was den Prinzen von Drachenhain dazu bewogen haben könnte, erneut in das emaranische Geschehen einzugreifen, liegt wohl auf der Hand: Treue und Pflichtbewusstsein gegenüber seiner verstorbenen Schwester. Zwar war es offenbar in den vergangenen Jahren zu einer beidseitigen Entfremdung gekommen, doch scheint das den Prinzen nicht davon abgehalten zu haben, Angharad Elanor diesen Dienst zu tun.
Leider bereitete die Bevölkerung dem Prinzen - insbesondere der Adel der Baronie - einen eher unfreundlichen Empfang, so waren lediglich die Statthalter und Beamteten aus Ankur zum Empfang des Fürstensohnes erschienen. Es ist wohl für viele nicht einzusehen, warum nicht einer aus ihren Reihen von der Herzogin mit diesem Amt bedacht worden war.
Nichtsdestotrotz übergab der ostarische Statthalter der Baronie, Obrist Luidewig von Neuwittach, dem Prinzen von Drachenhain feierlich das Amt, seine Hochgeboren stehen nun im Range eines herzöglichen Vogtes. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß sich aus dieser Belehnung keinerlei Ansprüche Drachenhains gegenüber Emaranias ergeben.

Valluart Wierremund, Botenberichterstatter aus Wasserau


Fürstlicher Thaler Hofchronist

Thaler Herbstmanöver dieses Jahr in Hochwalden

Sethnara, den 23. Tag des 3. Xurl
In den vergangenen Wochen hielt die fürstliche Garde von Thal ihr Herbstmanöver ab. Aufgrund der aktuellen Ereignisse fiel die Wahl in diesem Jahr auf die nähere Umgebung der Camspitze. Letztes Jahr musste das Manöver leider aufgrund der militärischen Intervention in Drachenhain bzw. der Belagerung der Stadt Windenbork entfallen (der Helios-Bote berichtete ausführlich).
In der diesjährigen Übung stand das sichere Eindringen in Höhlensysteme im Mittelpunkt. Damit wurde einer Bitte des Freiherrn von Hochwalden nachgegangen, welcher sich aus bekannten Gründen um die Sicherheit der Hochwaldener Bürger sogt. Doch war dies nicht der einzige Grund für die Wahl des Übungszieles. "Gleichzeitig bereiten wir uns mit diesem Manöver auf einen weiteren Einsatz in der nördlichen Lormark vor" berichtete uns Kilian Weizenkeim, Hauptmann der Garde von Anthan.
Die Thaler Flotte hielt zeitgleich ihre Jahresabschlussübung im Brazach-Delta unweit der Stadt Betis ab. Schwerpunkte waren das schnelle Beidrehen und das anschließende Entern von feindlichen Schiffen. Hierbei wurde auch die letztlich fertiggestellte Kriegkogge "Bartkauz" unter Befehl von Korporal Wildbert Borkenfeldt eingeweiht.

Hartmut Hohlbein
Schreiber der Garde von Thal



Neues Gebäude am fürstlichen Hof eingeweiht

Viele exotische Pflanzen sind von den Inseln in der Jolsee nach Hochanthen gebracht worden. Den ganzen Sommer über kartographierten Schiffe der Thaler Flotte die Hunderte von kleinen und kleinsten Inseln in der Umgebung des Herzog Uriel II. Atolls. Dabei wurden auch viele exotische Pflanzen gesammelt. Bereits im letzten Jahr hatte man schon einige unbekannte Pflanzen, mit teilweise sehr wohlschmeckenden Früchten nach Thal geholt. Leider sind diese Pflanzen nicht so unempfindlich gegen Kälte, wie dies die heimische Thaler Flora ist. Während ein kleiner Teil dieser Pflanzen erfroren sind und damit unwiederbringlich verloren ist, konnte ein großer Teil durch überwintern im großen Ballsaal des fürstlichen Schlosses gerettet werden. Viele Gäste bei Hofe fanden die Pflanzen, die liebvoll von den Gärtnern in der Nähe der großen Fenster und der Balkontüren arrangiert wurden, sehr dekorativ.
Da jedoch nicht alle Pflanzen auf Dauer im Saal verbleiben können, der vor allem ausgewählt wurde weil dieser der lichtdurchflutetste Raum im Schloss ist, wurde nach Art der bestehenden Gewächshäuser ein weiteres Gebäude im Thaler Stil errichtet.
Der Baumeister Julian Vierungsgaden erschuf einen hellen und leichten Bau, mit nur schmalen Säulen, die ein fast zierlich anmutendes Dach tragen, durch welches man in der Nacht die Sterne funkeln sieht. Tiefe Glasfenster schützen die empfindlichen Pflanzen vor der rauen Winterwitterung und den schneidend kalten Winterstürmen, und lassen noch genügend des trüben Winterlichtes durch, um den edlen Pflanzen das wachsen zu erlauben.
Benannt nach einer der ersten Gewächse die in diesem Bau ihren Platz fanden, nennt man das Gebäude die Orangerie.
Die Einweihung wurde im kleinen Kreis der Pflanzenforscher und der Fürstlichen Familie vorgenommen.

Ritinus Federschwinge, Hofschreibe des fürstlichen Hofes von Thal.


Abschließender Erntebericht des Fürstentum Thal

Das etwas verregnete Frühjahr machte die Heuernte spärlich, denn teilweise fängt das Heu, welches nicht gänzlich trocken eingebracht werden konnte, schon zu faulen an. Der folgende heiße Sommer lies das Korn golden auf den Äckern reifen. Die fetten Ären bogen sich unter ihrer Last. Geschnitten mit der Sense waren die Bündel so schwer, dass so mancher Esel unter seiner Last stöhnte. Nach dem Dreschen war die gute Qualität des Korn sichtbar. Doch nicht nur das Bäckerhandwerk wird davon profitieren, auch die Schnapsbrenner sind voll des Lobes.
In fast allen Teilen des Landes konnte die zweite Ernte trocken in die Scheuern und Schober eingefahren werden. Der lange und sonnige Herbst brachte noch gute Kartoffelernten. Allein das Obst wurde in weiten Teilen von Ungeziefer befallen und trübte den sonst guten Schnitt. Die Trockenheit des Sommers und das etwas rauere Klima im Osten des Fürstentum bescherten den dortigen Bauern eine etwas schmalere Ernte als im übrigen Teil des Landes. Dieser Nachteil wurde jedoch durch die Wiederbesiedlung vieler verwaister Höfe durch den Baron fast wett gemacht.

Ritinus Federschwinger, Hofschreiber des fürstlichen Hofes von Thal.


Der Drache ist vertrieben

31. Tag der 1. Saarka
Geraume Zeit suchten Ansgar von Beraht und Foranan McDonough in den zahlreichen Bibliotheken von Flaitney nach Hinweisen, wie man den Drachen aus der Camspitze vertreiben kann. Eines Tages fiel Foranan ein sehr alter Text aus längst vergangenen Zeiten in die Hände. Dieser beinhaltete eine Melodie bzw. ein Lied, mit welchem früher der Eisdrachen aus Flaitney vertrieben worden war. Gleich am nächsten Tag sendete Ansgar Boten aus, um erneut zu einer Expedition auf die Camspitze einzuladen.
An 16. Tag der 1. Saarka trafen also zahlreiche Personen auf der Feste Beraht ein. Ansgar von Beraht, seine Frau Fendra von Aueneck und Baron Foranan McDonough begrüßten die ankommenden Gäste. Zunächst seine Schwester, Roxana von Beraht, die zahlreiche hilfreiche Gegenstände für eine Bergbesteigung  mitbrachte. Des weiteren Lordkanzler Johannes Vergenhans aus Cambrück nebst einiger Cambrücker Gelehrter. Zum Schluss noch eine Gruppe Thaler Gardisten unter der Führung von Feldwebel Wildbert Graustein. Nach Beendigung des Thaler Herbstmanövers waren sie bestens auf diese Expedition vorbereitet.
Der nächste Tag verlief eher ruhig. Letzte Planungen wurden durchgeführt und wichtige Gespräche gerührt. Am Abend erreichte ein Bote aus Flaitney die Feste Beraht. Er trug eine kleine Holzkiste bei sich, welche für Baron McDonough bestimmt was.
In den frühen Morgenstunden des 18. Tages der 1. Saarka begann dann die eigentliche Expedition. Baron Foranan McDonough berichtete noch von der Holzkiste, welche ihm aus Flaitney geschickt worden war. Vorsichtig brachte er eine alte Sackpfeife zum Vorschein, die wundervoll verziert war. "Dies ist" so verkündet er voller Stolz "die Sackpfeife, mit der vor Hunderten von Jahren einst der Eisdrache von Flaitney vertrieben wurde. Wir dachten eigentlich, dass dieses Instrument schon lange nicht mehr existiert, aber wir konnten es in einer unserer unterirdischen geheimen Bibliotheken finden. Möge es uns auch dieses Mal gelingen, den Eisdrachen zu vertreiben."
Der eigentliche Aufstieg zum Berg verlief relativ ereignislos. In den Abendstunden schlug man ein Basis-Lager auf, welches ca. 500 Meter unterhalb der eigentlichen Höhle des Drachen liegt. Wachen wurden aufgestellt, ein Feuer entzündet.
Mitten in der Nacht zerriss ein Ruf die Stille der Nacht: "Der Drache hat die Höhle verlassen!" Doch es war zu spät. Das Zelt von Ansgar war zerrissen, der Freiherr unauffindbar.
Das Lager war sofort in heller Aufregung. Roxana von Beraht berichtete, sie habe Geräusche gehört, welche eine Entführung Ansgars durch den Drachen vermuten ließen.  Die Wache, welche beim Zelt des Freiherrn stand, verstarb noch an Ort und Stelle, bevor der Medicus irgendetwas unternehmen konnte. Er hatte zu schwere Verletzungen. Sein Speer lag zerbrochen neben ihm.
Die Gelehrten aus Cambrück fanden neben dem zerstörten Zelt einige wenige Abdrücke, welche definitiv vom Drachen stammen. Aber sie fanden sie kein weiteres Blut.
Die Wachposten, welche sich unweit der Höhle befanden, berichteten, der Drache sei noch nicht wieder zu seiner Höhle zurückgekehrt. Einer der Wachen wollte gesehen haben, wie der Drache zur Bergspitze hinauf geflogen sei. Ein Aufstieg würde ungefähr eine Stunde dauern. Inzwischen stieg langsam die Dämmerung heran.
Lordkanzler Vergenhans hielt eine kurze Andacht, um den Segen der Götter zu erbitten. Ebenso sollte der Tote auf Gwons Schwingen sicher in sein Licht gelingen. Danach ging man schnell zur Drachenhöhle, welche eingehend untersucht wurde. Man kroch selbst bis in die hintersten Winkel der Höhle. Doch nichts, absolut gar nichts deutete darauf hin, dass Ansgar hier gewesen war.
Wieder am Tageslicht stellte man fest, dass Schneefall eingesetzt hatte. Roxana meinte zu den Anwesenden: "Hier werden wir wohl nicht weiter fündig. Unser Ziel ist daher wohl der Gipfel. Steigen wir also auf den höchsten Punkt des Berges."
Es wurde alles zusammengepackt, was notwendig war. Baron McDonough, Baronin von Beraht, sowie Lordkanzler Vergenhans brachen sogleich mit neun Mann Begleitung zum Berggipfel auf. Der Rest verblieb beim Basis-Lager.
Nach einiger Zeit war die Spitze des Berges zu sehen, schemenhaft der Drache zu erkennen. Er schienen die Gemeinschaft noch nicht bemerkt zu haben. Undeutlich war auch eine zweite Gestalt zu erkennen. Foranan beschloss, auf der Sackpfeife die gefundene Melodie aus der Bibliothek zu spielen.
Sobald die Sackpfeife aufblies nahm er die Form eines großen Drachen an. Die Schalmey besaß eine Drachenkopfschnitzerei mit Augen aus Aurazith. Die vier Bordune bildeten paarweise miteinander zwei Schwingen aus bläulich-weißem Stoff. Auch der lederne Sack besaß eine solche Färbung. Doch klang er beim spielen irgendwie unharmonisch.
Aber es war zu spät, der Drache hatte die Gruppe bereits bemerkt. Das Starren seiner Augen durchdrang selbst den fallenden Schnee. Foranan fing in aller Eile an, die Pfeife zu stimmen. Panik verbreitete sich unter dein Anwesenden. Plötzlich zog er ein altes, schon etwas vergilbtes Pergament aus einer der Bodrunen hervor, auf dem Noten abgebildet waren. War die gefundene Melodie aus der Bibliothek etwa nicht die Richtige? Rasch baute der Baron die Sackpfeife wieder zusammen und spielt die Melodie, welche er gefunden hat. Sofort erfüllte sie die Luft und breitet sich rasch über den gesamten Berg aus. Jeder, welcher diese Melodie hörte, wurde von einer inneren Wärme ergriffen, als kämen schon jetzt die Poënamonde. Alle Blicke richteten sich nun auf die Bergspitze. Was würde geschehen?
Der Drache saß immer noch auf der Bergspitze. Doch duckte er sich nun, als ob er versuchte, dem Schall auszuweichen. Die Sekunden vergingen wie Minuten. Und endlich geschah das Unfassbare. Das Drache breitete seine Flügel aus und erhob sich in die Lüfte.
Roxana von Beraht war nun nicht mehr zu halten. Schnell rannte sie den Berg hinauf, Baron McDonough und der Lordkanzler folgen sofort. Oben angekommen fanden die Ansgar sitzend auf einem Felsbrocken, in seine zerrissene Schlafdecke gehüllt. Im Arm hielt er ein großes Ei. Er war, den Umständen entsprechend, bei guter Verfassung und wies offensichtlich keinerlei Verletzungen auf.
Schleunigst wurde er zurück ins Basislager gebracht, um sich dort aufzuwärmen. Hier berichtet er der Gemeinschaft von dem Ei und dem, was ihm der Drache aufgetragen hatte: "Der Drache sagte, hier sei kein Platz für ihn. Er spürte, dass er nicht willkommen sei und wir ihm feindlich gesinnt seien. Daher wollte er sein enormes Wissen auch nicht mit und teilen. Doch räumte er uns eine Chance ein. Er hinterließ mir ein Ei, aus welchem irgendwann einer seiner Nachkommen schlüpfen wird. Zu jenem Zeitpunkt wird er zurückkehren, um sein Urteil zu fällen, ob wir es wert sind, seine Weisheiten zu erfahren. Das Geschlecht derer zu Beraht soll nun auf das Ei aufpassen, bis er wiederkehrt ... in ungefähr 100 Jahren."
Nach einer geruhsamen Nacht kehrte man nun frohen Mutes am 20. Tag der 1. Saarka wieder zur Feste Beraht zurück. Hier wartete bereits Fendra von Aueneck, die ihren Ehemann herzlich in die Arme schloss.
Am 23. Tag der 1. Saarka brach die Gemeinschaft schließlich nach Hochwalden auf, um dort ein Freudenfest zu veranstalten. Gleichzeitig wurde hierbei die Poëna-Ehe zwischen Ansgar und Fendra für ein weiteres Jahr und einen Tag verlängert.
So nahmen die Geschehnisse um die Camspitze und den Drachen doch noch ein glückliches Ende. Danken wir den Vieren für ihren Schutz und Ihre Hilfe.

Berengar  Abelard, Schreiber derer zu Beraht


Betiser Tribüne

Neues Programm im Phönix

Farbenprächtige Plakate tauchten in den letzten Tagen an den Häuserwänden der Betiser In-nenstadt auf: "Der Phönix", das Vergnügungslokal beim Theater, kündigt darauf ein neues, sensationelles Abendprogramm an. So ist es Geschäftsführerin Tessa Falkenhagen gelungen, namhafte Künstler der Darianoper für eine Saison zu verpflichten. Frau Falkenhagen, wie immer in geschmackvolle sedomeeische Seide gehüllt, zeigte sich sehr erfreut, der Betiser Gesellschaft diesen Kunstgenuss präsentieren zu können: "Die Mitglieder der Truppe waren bis vor kurzem in Lasogaz engagiert und feierten im dortigen "Phönix" rauschende Erfolge. Auf Vermittlung des Geschäftsführers gelang es mir, die Künstler zu einem horrenden Preis nach Betis zu holen. Das Erfolgsprogramm besteht aus den bekanntesten Arien und Duetten berühmter Darianopern. Auch der berührende Shayedi-Chor "Flieg, mein Burai" wird zu hören sein. Wir bieten diese außergewöhnliche Abendunterhaltung zusammen mit einem spe-ziellen Menü an, in dem darianische Gaumenfreuden eine besondern Platz einnehmen. Ich lade alle Betiser Bürger herzlich dazu ein!"  Gesonderte Einladungen an die oberen Zehntau-send werden nachgereicht.

Unruhen im Hafenviertel

Verstärkte Schlägereien und Übergriffe im Hafenviertel geben Anlass zur Sorge in der Garni-son. Der Pressesprecher der Kommandatur gibt sich betont harmlos: Es handle sich nur um ein paar Meinungsverschiedenheiten zwischen Grundstückseigentümern. Es bestehe kein Grund zur Aufregung, man habe die Lage unter Kontrolle. Unser Informant jedoch berichtete von ernstzunehmenden Unruhen in der Betiser Unterwelt, die wohl durch den Tod der "Krähe" ausgelöst wurden: "Der Besitz wird verteilt. So ist das halt, wenn reiche Leute sterben. Alle wollen was vom Kuchen abhaben. Ist ganz normal...." Im Augenblick beschränkten sich die Streitereien noch auf mehr oder weniger harmloses Kräftemessen. Sollte es jedoch zu keiner schnellen Einigung kommen, müsse man mit etwas unangenehmeren Kämpfen rechnen, die jedoch die desinteressierte Betiser Bevölkerung kaum berühren dürften. Wir wollen hof-fen, dass die Garnison auch weiterhin die Lage unter Kontrolle hat!

Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks

Was sich schickt Und was nicht
- Nadelbäume
- Darianoper
- Königliche Hofsekretärsbelehrungen
- Herzöglich-Ostarisches Amt für Meinungsforschung
- Unruhen
- Mobilmachung
- Sich ehelichende Äbte
- Notorische Reichsfeinde

Der Handelsprophet

Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 2 Kreuzer
Handschuhe 1 Paar 1 Groschen und 9 Kreuzer
Mistel 1 Zweig
1 Dukaten und 2 Groschen

Der Aurazithkurs lässt nach langandauerndem Hoch wieder ein wenig nach und stabilisiert sich derzeit auf einem mittleren Niveau. Die sehr starke Erhöhung des Handschuhpreises ist nach Expertenmeinung an zwei Punkten festzumachen: Erstens sorgt die kalte Jahreszeit für ein gestiegenes Interesse an dem Produkt. Zweitens habe aber auch die erhöhte Fehdeerklärungsrate, mit dem üblichen Prozedere des Fehdehandschuhwerfens, von Baron Krator von Rebenhain einen bedeutenden Einfluss auf die hohe Nachfrage und damit auf den Preisanstieg. Der Grund der Kurserhöhung von Misteln wiederum ist unklar, Analysten diskutieren als mögliche Ursache die Verbreitung eines Brauches, bei dem ein Mistelzweig benötigt wird.

Gunst und Kunst

Was die Heligonier am liebsten hören
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Sie könnten Giganten sein - "Am Ende der Tour"
Die letzten Fernwanderer - "Es braucht nur zwei wie uns"
Drachenhainer Jagdchor - "Der weisse Hirsch"
Rebenhains Romantische Räuber - "Laß mich Deine Gugel sein für eine Nacht!"
Dozenten der Akademie der schönen Künste - "Das Beste von allem"
Die Unsichtbaren - "Auf der Straße nach Escandra"
Wjelkin, der Lange - "Sven Herulfsson"
Harald Schönefonte - "Eiland im Sonnenschein"
Emaranseeflottenchor mit Harald Schönefonte - "Die Natter schläft heut' Nacht"
Cestric van Kenn-Dallir - "Die Suche nach den Resonanzen"

Stadtgeschehen

Ganz in der Nähe des Betiser Theaters wurde in der vergangenen Woche ein Denkmal zu Ehren des "Unbekannten Fernwanderers" eingeweiht. Die Statue, welche gute drei Schritt misst, zeigt einen schwerbepackten, aber nichtsdestotrotz gut gelaunt scheinenden Wanderer sehnsüchtig in die Ferne blickend.
Aufgrund der jahreszeitbedingten kalten Wetterlage, so verkündete es der Sprecher der beliebten Utzgan-Mannschaft "Sturm Betis", werden die Sportler voraussichtlich in den kom-menden zwei Monden ein Trainingslager in Darian abhalten. Auf Fragen zu den genauen Schwerpunkten der Saisonvorbereitung sowie zu möglichen Neuverpflichtungen von Spielern ging er allerdings nicht ein.

Bürger des Monats

In diesem Monat wurde Maurizio del Pontanella von der ehrenwerten Jury zum Betiser Bürger des Monats ernannt. Der Inhaber und Geschäftsführer von "Maurizios Tuchboutique" habe es trotz der Schwierigkeiten und Tumulte bei der Anlieferung der neuen Stoffkollektionen (wie die Betiser Tribüne in ihrer vergangenen Ausgabe berichtete) geschafft, einen kühlen Kopf zu bewahren und mithilfe der Stadtwache die zwischenzeitlich kritische Situation unter Kontrolle zu bekommen. Auch die vorübergehende Konfiszierung der Tuchkollektionen habe für den Verkauf in den darauf folgenden Tagen, also nach Beruhigung der Geschehnisse, kei-ne negativen Auswirkungen gehabt. Die Jury betonte ausdrücklich die herausragende merkan-tile Tüchtigkeit des Geehrten als ein Hauptmotiv für seine Ernennung.

Der Trommler

Der Orden der Templer zu Ankur ehrt gefallenen Helden

Am ersten Tag des Frostmondes dreiundneunzig nach der Erleuchtung versammelten sich Großmeister, Ordenskapital und viele Priester- und Kriegerbrüder des Ordens der Templer zu Ankur in der Kirche des Seligen Darons, um gemeinsam die Abendmesse des Hilariustages zu feiern. Im Anschluss an die feierliche Zeremonie trat der Großmeister der Templer zu Ankur vor die versammelten Templer. Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach blickte kurz zu Wentorius von Waldhort, dem Landkomtur der neuen Ballei Sengenberg, der eigens angereist war, um als drachenhainer Vasall den verhinderten Fürsten von Drachenhain zu vertreten, und ergriff das Wort: "Wir wollen heute diese Versammlung nutzen, um einen tapferen Soldaten unseres Ordens zu ehren. Eobert von Gasvin, Ritter unseres Ordens, gab im Drachenberg-Feldzug sein Leben hin, um den Fürsten von Drachenhain vor einem feigen Anschlag zu retten. Als die Mannen in einen Hinterhalt von Armbrustschützen gerieten, gab Eobert die eigene Deckung auf und schütze mit seinem Schild Leib und Leben seiner Hochgeboren Waldemar von Drachenhain. Ohne Schutz traf ihn selbst ein Bolzen in der Brust. Binnen weniger Augenblicke verstarb unser tapferer Ritter an der tödlichen Wunde. Der Dank des Ordens und sicherlich des gesamten Fürstentums Drachenhain ist ihm für diese aufopferungsvolle Tat gewiss. Auch wenn Eobert nicht dem höheren Adel des Königreiches angehört, so ist er dennoch ein großer und wackerer Streiter gewesen und des Titels Großkreuzritter würdig. Wir, Kalveram von Norrland-Brassach, Großmeister der Templer zu Ankur, ernennen am heutigen Tage den edlen Eobert von Gasvin, einen Sohn Amiens, posthum zum Großkreuzritter der Templer zu Ankur!"

Ein neuer Großmeister für den Orden der Templer zu Ankur

Am letzten Tage des Frostmondes dreiundneunzig nach der Erleuchtung fiel der Schnee in feinen Flocken, als Kalveram von Norrland-Brassach, Großmeister der Templer zu Ankur, auf das eigens gezimmerte, hölzerne Podest auf dem Marktplatz von Daronsfeste, der Hauptstadt der Ballei Hohentor, stieg, um sein Wort an die auf dem Platze versammelten Männer der Templer zu Ankur zu richten. Alles was Rang und Namen im Orden hatte, ging in Habacht-Stellung, als Kalveram die Mitte des Podestes erreicht hatte. Bevor der Großmeister seine Rede begann, blickte er lange in die Gesichter vieler tapferer Krieger: Soldaten, mit denen er im Norden der Markgrafschaft Norrland-Brassach so manche Schlacht gegen die Ödländer geschlagen hatte, und Priester, die ihm stets mit ihrem Beistand und Rat zur Seite standen.
"Templer zu Ankur, zum Wohle des Ordens geben wir kund, dass wir am heutigen Tage von unserem Amte als Großmeister der Templer zu Ankur zurücktreten!".
Ein überraschtes Raunen ging durch die Menge, nach einer Weile folgten einzelne Kalveram-Rufe, die letzten Endes aus fast allen Kehlen erklangen, um den Großmeister zum Bleiben zu überreden. Mit beiden Händen gebot Kalveram die Menge zu Schweigen.
"Ja, auch uns fällt es schwer, diesen Weg zu gehen, aber dieser Schritt ist unausweichlich. Wir müssen dem Orden die gleiche Stellung innerhalb der Heiligen Ceridischen Kirche erhalten, die auch die anderen Orden inne haben. Auch wollen wir mit unserem Tun Schaden vom Orden abwenden, der sicherlich entstehen würde, sofern wir unser Amt nicht zur Verfügung stellen würden. In unseren Gesprächen mit dem Primus, der vor einem Monat für gut zwei Wochen in unserer Ballei verweilte, ist dieser Entschluss in uns gereift. Ruhe und Frieden soll wieder in allen Gemeinden der Heiligen Ceridischen Kirche, insbesondere in Drachenhain, einkehren. Gemeinsam und mit großem Einvernehmen beschlossen wir beide, dass fortan ein anderer dem Orden vorstehen soll."
Mit einer Geste bat der Markgraf von Norrland-Brassach Hadebrand von Grauburg auf die Holzkonstruktion zu treten. Als der Ordensmarschall neben Kalveram stand, gaben sich beide Männer lange die Hand. Dann erklang die Stimme des scheidenden Ordensmeisters erneut:
"Seht, dies ist Euer neuer Großmeister, der ab dem morgigen Tage die Führung des Ordens der Templer zu Ankur übernehmen wird. In seiner Funktion als Ordensmarschall und unsere rechte Hand hat er dem Orden immer treu und tapfer gedient. Folgt Hadebrand, wie Ihr einst mir gefolgt seid!". Kalveram trat nun einen Schritt nach hinten, dann forderte er die Menge auf, Hadebrand zu rufen. Auch wenn der Jubel erst zögerlich einsetzte, so rief alsbald der ganze Platz begeistert den Namen des neuen Großmeisters der Templer zu Ankur. Wenn man genau hinhörte, konnte man aber vereinzelnd Männer hören, die noch immer Kalveram riefen ...


Wegweiser zur Erleuchtung

Ceridische Schola in Hohenforingen gegründet

Der Baron Adalbert von Hohenforingen ließ am 1. Kargmond des Jahres 93 n.d.E. im Kloster Rodi, nahe der Grenze zu Dunkelstein, den Grundstein für eine ceridische Schola legen. Dies soll keine Universität sein, an der gelehrt wird, sondern vielmehr ein Ort, an dem gesammeltes ceridisches Wissen aufbewahrt und jeglichem zur Einsicht gegeben werden soll, der nach Erleuchtung strebt. Der Baron erwägte schon seit längerem die Gründung solch einer Institution, da es in ganz Heligonia zwar einige Universitäten gibt, aber bis auf Gunnara kaum bedeutende Zentren ceridischer Gelehrsamkeit.
Die Schola besteht vornehmlich aus einer großen Bibliothek mit Lesesaal und Disputationshalle. In dieser Bibliothek existieren bislang noch nicht viele Schriften, doch wird jeder Besucher der Schola dazu angehalten, sein Wissen einzubringen und gebeten, eine Abschrift seiner Bücher zu erlauben.

Gründungsdokument der Schola zu Rodi

Wir, Adalbert von Hohenforingen, Baron daselbst, sind nunmehr zu der Überzeugung gelangt, und dies nicht zuletzt durch die Begebenheiten, welche sich in Unserer Anwesenheit beim Ceridenkonzil am 6. Tag des Wonnemondes im Jahre 90 n.d.E. zugetragen haben, daß es an der Zeit sei, das Wissen und die Schriften, so von großer Bedeutung für unser aller Glauben sind, an einem Orte Unserer Baronie zu sammeln und zu einen, auf daß die Weisheit gemeinsam erforschet werde.
Daher beschließen Wir, das Kloster Rodi, welches zu Unseren Ländereien gehört und Unser barönlicher Stift ist, mit weiteren Mitteln auszustatten, zu dem Zwecke, in den Mauern dieses Klosters eine Schola zu gründen, in der jeglicher Mönch, aber auch weltliche Besucher im Einklang mit dem klösterlichen Leben, in Ruhe und Beschaulichkeit gesammelte libres, litterae und scripti mit dem Inhalt der Ceridischen Lehre oder anderen Inhalten, die dazu dienen sollen, die Erleuchtung näher zu bringen, studieren und mit Gleichgesinnten sich in disputa-tiones darüber vertiefen kann. Wir hoffen, daß auf diesem Wege sich die Geister vieler weiser geistlicher und auch weltlicher Männer austauschen, von den Erfahrungen des anderen profitieren, ihre geistigen Errungenschaften der Mitwelt und der Nachwelt mitteilen und erhalten sowie auf neue Entdeckungen in ihrer Forschung nach größerer Erleuchtung stoßen.
Kern der Schola wird die bibliotheca, in welcher solcherlei Schriften und Weisheiten auf Pergament, Papier und Stein zusammengetragen und den Studierwilligen zur Einsicht in einem Lesesaal überlassen werden. Der Studierende wird sich in die klösterliche Ordnung fügen und während seinens Aufenthaltes sein Leben gemäß dem Leben der Mönche im Kloster führen. Er wird an den Gottesdiensten, Gebeten und Mahlzeiten der Brüder teilnehmen, so er selbst kein Mönch ist, dann als Novize auf Zeit.
Leiter dieser institutio wird der Abt zu Rodi als praefectus scholae, in diesen Tagen Lothar von Torpstein und nach dessen Ableben in Zukunft jeder weitere Abt von Rodi. Zu seinen Obliegenheiten wird es gehören, die Mittel, so erhalten durch Stift und Steuer, gerecht einzusetzen, den Bestand an libres, litterae und scripti der bibliotheca zu wahren und zu mehren. Zu diesem Behufe wird der Abt einen obersten Bibliothekar, den praefectus bibliothecae, nach eigener Wahl benennen, welcher, unterstützt von diversen Helfern, sich um die Schriften zu kümmern hat. An solchen Helfern wird der oberste Bibliothekar mit Zustimmung des Abtes einen conservator librum, einen Archivar, wählen, dessen Pflichten darin bestehen, jegliche libres, litterae und scripti zu verwahren und über deren Anzahl und Exemplare zu wachen. Fürderhin wird der Bibliothekar das Kopieren von Schriften einem Mönche anvertrauen, der als multiplicator librum walte, und einen spector librum einsetzen, der die Ausleihe an studierwillige Besucher zu seinen Aufgaben zählen wird.
Gegeben am 1. Kargmond des Jahres 93 n.d.E.

Post scriptum: Eine Abschrift dieses Dokumentes wird an eben diesem 1. Kargmond des Jahres 93 n.d.E. dem Grundstein der Schola beigelegt.


Der Tanzbär Der Tanzbär

Der Eine & die Eine & die Sachen

Der Alton war ein braver Mann
Bis dass er zehn gewesen
Man steckte ihn ins Kloster dann
Damit er schreiben, lesen
Und beten lernen kann und all die Sachen
Die frommen Brüdern scheinbar Freude machen

Mit fünfzehn eine andre Wahl:
Der Bruder ist gestorben
Damit der Alton nicht total
Für das Geschäft verdorben
Lehrt man ihn Handel, Politik und all die Sachen
Die einmal einen Beutelschneider machen

So auf dem Weg in Amt und Rat
Trifft er ein Mägdelein
Die ihn beinah mit Rat und Tat
Geht näher ans Gebein
So dass er von Anwara träumt und all den Sachen
Die mit solch einem Mägdlein Freude machen

Da trifft den Schlag sein Mütterlein
Was macht der brave Bub?
Klemmt ein den Schweif und tritt rasch ein
In eine Klosterstub
Und lernt bis auf Bescheidenheit die Sachen
Die den Ditonius aus Alton machen

Man schickt ihn hier, man schickt in dort
In Städte, Länderein
Doch scheint für ihn der rechte Ort
Wohl Jolbenstein zu sein
Als Prior Jolbrucks kann man viele Sachen
Mehr nach der eignen goldnen Nase machen

Und teilt ein Fürst dann Jolbenstein
Fällt Ditonius nach oben
Als Abt von Lindfurt lässt sich fein
Leben und Einen loben
Man plagt sich nimmermehr mit all den Sachen
Die Bettelmönche niedren Ranges machen

Doch denkt Ditonius nicht nur ans Beten
Anwara lebt auch dort, das Mägdelein
Und um zu ihrer Wohnungstür zu treten
Fällt frommen Brüdern doch recht vieles ein
Und Lindfurts Abt denkt allzu oft an Sachen
Die Kuttenträger eigentlich nicht machen

Der Drang nimmt zu. Ditonius kanns nicht lassen
Geht in Anwaras Kammer ein und aus
Und eh ihn seine Kirchenbrüder fassen
Schreit er es rasch in alle Welt hinaus:
Ich bin ein Mensch! Ich möchte all die Sachen
Die Menschen tun, auch können, dürfen, machen!

Nun wär Ditonius ein Abt wohl nicht
Hätt er nicht gleich sein Kirch-Gesetz erneuert
Und die Anwara rasch geehelicht.
Respekt, Herr Abt! Ihr wisst, Ihr seid gefeuert
Doch könnt Ihr offiziell nun all die Sachen
Die alle tun, auch selbst in Ruhe machen

Halfnet, wo zum Sachenmachen keine 10 Jahre Anlauf braucht


Termine

Helicon-Termine
21.03. - 23.03.03        Helicon 25 auf Burg Wildenstein
29.05. - 01.06.03        7. helig. Adelstag im Jugendhaus bei Nördlingen
19.09. - 21.09.03        Helicon 26 in der Alten Mühle bei Dinkelsbühl

Weitere Termine
14.02. - 16.02.03        Nurian 3 auf Schloß Bittelsbrunn bei Engen 

Wichtig! Redaktionsschluss für den nächsten Boten!
Der nächste Helios-Bote erscheint zu Helicon 25 am 21.-23.03.2003.
Der Redaktionsschluss für Ausgabe 45 ist der 1. März 2003, damit wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen werden.

© Copyright Stefan Rampp, Inés &  Marc Hermann

Berichte von Bert auf dem Keller, Arnulf Breuer, Henning Frank, Oliver Friese, Steffen Heiß, Petra Jörns, Thomas Kessler, Christian Klaus, Nicole Klaus, Thomas Konrads, Daniela Lochner, Simone Mehlinger, Benjamin Rampp, Julia und Andreas Riedlinger, Markus Spree, Anna Ungureanu und Niki Winkler