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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2. Saarka n.A.III 30
Ausgabe 44
Abschlussbericht über den Gelehrtenconvent an der Academia
rei Praeheliotica, Universität zu Idyllie, Tlamana an den Tagen vom
3. bis zum 6. Tag des 2. Xurl im Jahre 30 nach Helos Aximistilius III
diktiert von Magister Rasmus Adastrasus, geschrieben
von
Tramenius Gutbrecht, Leiter der Schreibstube
Erfreulich viele Adelige, Gelehrte und auch Reisende aus fernen
Landen waren dem Aufruf unserer Academia gefolgt, so dass wir zu dem Convente
viele Gäste begrüßen konnten. Unter den Gästen befanden
sich so herausragenden Persönlichkeiten wie die Baronin Leabell von
Tlamana, Prinz Anselm von Thal, Baron Koldewaiht von Hautzenstein, Baron
Krator von Rebenhain mitsamt seiner Frau Samira vom Silberlauf und auch
die Baronin zu Jolbenstein. Weitere Adelige sollten dann im Laufe des
Conventes noch anreisen.
Unter den angereisten Mitgliedern der Gelehrtenschaft Heligonias
fanden sich so bekannte Namen wie Magister Metabor, seines Zeichens Leiter
der Hochschule zu Jolbenstein, Johannes Vergenhans, der Dekan der Universität
zu Cambrück und die Magistra Tiziana von der Academie der Schönen
Künste zu Betis.
Zusätzliche reisten dann auch noch viele Ausländische
Gäste an, die den hervorragenden Rufe unserer Academia vernommen
hatten.
Am ersten Abend sollten die Anwesenden über die umfangreichen
Thematica informiert werden, mit der wir uns an unserer Academia beschäftigen.
Dazu wurden von den einzelnen Magistern Kurzvorträge vorbereitet,
in welchen ein grober Überblick über den Stand der Forschung
und die vermuteten Zusammenhänge mit anderen Thematica gegeben wurde.
Die Themen und die von uns angefertigten Protokolle der Vorträge können
in der Bibliothek der Academia eingesehen werden, es ist aber auch geplant,
diese in einem kleinen Bändchen gesammelt zu veröffentlichen.
Anfragen hierzu sind an die Schreibstube der Academia zu richten.
Diese Vorträge, gehalten nach einem vortrefflichen Mahl, füllten
den Abend bis weit nach der 12 Stunde aus, so dass der zusammenfassende
Schlussvortrag auf den nächsten Tag verschoben wurde.
Am nächsten Morgen ereignete sich mehrerlei: Zum einen fand
der Schlussvortrag statt, in dem nochmals auf die Dringlichkeit der
angesprochenen Problematiken hingewiesen wurde und auch auf die Notwendigkeit,
dass diesbezüglich Adel, Geweihte und Gelehrtenschaft Hand in Hand
zusammenarbeiten müssten. Zum anderen wurde entdeckt, dass wohl
im Laufe der Nacht der Ogedenschrein der Academia geschändet worden
war. Um den Verlauf des Conventes nicht zu sehr zu stören wurde beschlossen,
die Aufklärung dieses Vorfalles gemeinsam mit dem Adel, der in solch
Dingen über ein beträchtlich Wissen verfügt zusammenzuarbeiten.
Desweiteren wurde mit der aus Betis angereisten Magistra Tiziana
an einer Expertise über ein ceridisches Kunstwerk begonnen, welche
von Nicola Corvese in Auftrag gegeben worden war.
Auch am zweiten Tage fanden neben dem bereits erwähnten zusammenfassenden
Schlussvortrag noch weitere Vorträge statt, wobei besonders der
von dem Studiosus Arwed angefertigte zu erwähnen ist, der als Teil
seiner Prüfung zum Magister gehalten wurde und sich mit der Thematik
der Alten Schrift beschäftigte. Im Anschluss an diesen Vortrag fand
dann auch die Mündliche Prüfung Arweds statt, abgehalten - der
Tradition entsprechend - im Stile einer freien Diskussion von Magister Belgabor,
Magister Reichenbach und meiner Wenigkeit.
Neben den Vorträgen erfreute sich auch die Bibliothek - auf
deren Umfang und Exklusivität die Academia zu Recht sehr stolz
sein kann - regen Zuspruchs.
Währenddessen ging die Suche nach den aus dem Ogedenschrein
entwendeten Götterbildnissen weiter, war jedoch soweit von keinem
Erfolg gekrönt - obwohl schon anhand einer Untersuchung feststand,
dass sie sich wohl noch auf dem Gelände der Academia befinden mussten.
Für zusätzliche Verwirrung sorgte in auch eines der Gastgeschenke,
welches am Tore abgegeben wurde - ein Buch, angefertigt von dem Künstler
Blaustein aus Betis, welches äußerst interessante Wirkungen
auf den jeweiligen Leser hatte. Diese konnte jedoch ohne größere
Probleme am folgenden Tage aufgeklärt und beseitigt werden.
Am folgenden Tage überschlugen sich dann die Ereignisse. Nachdem
die Götterbildnisse wieder gefunden worden waren, erhob plötzliche
eine Söldnertruppe einen besitzrechtlichen Anspruch auf diese und
das ceridische Kunstwerk. Dieser wurde abgewiesen, da die Besitzverhältnisse
- so auch die anwesenden Heliosgeweihten - rechtlich eindeutig waren.
Die Söldner versuchten daraufhin mit Waffengewalt in den Besitz der
wertvollen Kunstgegenstände zu gelangen, dies konnte jedoch durch
beherztes Eingreifen der Wachen und der adeligen Anwesenden verhindert
werden, wobei sämtlich Söldner getötet wurden. Im Zuge
der Ermittlungen diesbezüglich wurde dann festgestellt, dass sich
die Söldner mit Hilfe eines gefälschten Heliosbriefes Zugang
zum Universitätsgelände verschafft hatten. Um eine Wiederholung
solcher Vorkommnisse zu verhindern, wurden die entsprechenden Kunstgegenstände
umgehend per Bote mitsamt einer Eskorte zu einem sicheren Platz verbracht.
Dies verursachte ob der etwas unerwarteten Eile, mit der die Aktion durchgeführt
wurde, einige Verwirrung unter den unbeteiligten Gästen. Jedoch schien
die Eile notwendig zu sein, da von einem der Gäste angeraten wurde,
schnell zu handeln, um nicht dem Auftraggeber der Söldner die Möglichkeit
zu einem erneuten Raubversuch zu geben, die er durch ein Zögern in
dieser Sache vermutlich erhalten hätte.
Ogedische Platten oder Einer von tausend Diebstählen
Da soll eine Platte mit ceridischen Inschriften nach Betis gebracht
werden, um dort untersucht zu werden und die leichtdinnige Botin bringt
sie auf der Durchreise an der Uni Tlamana vorbei. Leichtsinnig? Ja, denn
dort wird mtio gelehrter Elle gemessen, wenn auch mit einer sehr eigenen.
Ein Schlaukopf kam jedenfalls auf die Idee, 4 ogedische Plättchen,
die die 4 Götter symbolisieren, in die Platte einzupassen. Siehe
da: Sie passten genau hinein. Die Entdeckung des unerkannten Schlaukopfs
führte zu genauer Untersuchung der Platte selbst. Erneut siehe da:
Alles Ceridische war nur aufgemalt, bloße Tünche, über den
festen Grund geradezu darüebrgeschludert, möchte man sagen. Pech
für die leichtsinnige Botin, dass sie, statt eine ceridische Reliquie
zu entdecken, nur einen weiteren Beweis dafür gefunden hat, dass das
deridentum, von ein paar anderswo entwendeten Schriften abgesehen, aus
geklautem, verdorbenen und entstellten ogedischen Kulturgut besteht, wie
der Platte. In Betis hätte man diese Entdeckung mit einiger Mühe
vermutlich auch gemacht, sie aber totgeschwiegen und die Platte unauffällig
entsorgt. In Tlamana war dies nicht möglich. Pech gehabt, liebe Ceriden!
Lara Saarnen, Geweihte der Saarka,
OfH-Führerin Heligonia und Drachenhain
Falsche Propaganda des Nachbarlandes?
Wie im letzten Heliosboten ( NR. 43) geschrieben wurde, soll in
der Telnaronschen Gerüchtekontrolle die Unwahrheit über die
Heligonischen Zurüstungen verbreitet worden sein. Dazu gibt es folgendes
zu schreiben:
1. Ist die Telnaronsche Gerüchtekontrolle ein Staatsorgan
welches nie die Unwahrheit verbreitet!
2. Sind die in Anspruch genommenen Daten original aus dem Heliosboten
übernommen! (Siehe eben diese)
3. Ist es ebenfalls wahr, dass die Telnaronsche Botschaft vom Pöbel
belagert wurde und Graf Dedekien Telnaron als Strafkolonie verunglimpfte!
Sollten die Verunglimpfungen und ungerechtfertigten Anfeindungen
gegen Telnaron anhalten sieht sich der Conseil de trois rois gezwungen
Gegenmaßnahmen hinsichtlich Heligonias Aggressionen zu ergreifen!
Heligonia sei gewarnt!
J-C-B de Satre
Prince de Marecage
Außenminister Telnarons
Willst auch Du zu Geld kommen?
Sehnst Du Dich nach Abenteuer?
Schweben Dir Kämpfe mit feisten Wachen vor?
Dann komm in den Ehlerwald - Kennwort "Hut".
Bekanntmachung!
Der Conseil de trois rois de Telnaron gibt folgende Nachricht an
das Heligonische Volk!
"Volk von Heligonia höret die Worte des Conseil de trois rois
de Telnaron! Die Piraten welche das aturianische Schiff Goldener Falke
angriffen sind tatsächlich unter falscher Flagge gefahren. Sie trugen
zum Zeitpunkt des Angriffes die Telnaronsche Staatsflagge, wie uns der
aturianische Botschafter wissen lies. Aturien gelang es diese subversiven
Elemente in Gewahrsam zu nehmen so das sie künftig keine Gefahr mehr
für die freie Seefahrt darstellen. Telnaron hat bereits einen Auslieferungsantrag
gestellt um diese Verbrecher in Telnaron hinsichtlich ihrer verräterischen
Ziele zu verhören. Sie erwartet in jedem Falle der Tod! Leider konnten
sie jedoch aus der aturianischen Gefangenschaft entkommen. Sie werden
nun Gesucht um ihnen das gerechte Schicksal zukommen zu lassen. Ein Kopfgeld
von 400 Telnaronschen Goldkronen ist auf die Anführer Leon-Luis de
Battaux Comte d' Oursrempart und Christin de Mountogne Dame d honneur de
Beauvivier ausgesetzt. Beide Personen sind in Heligonia bereits als Führer
der sogenannten "Kopfgeldgilde" aufgetreten. Hinweise auf die Aufenthaltsorte
der gesuchten Verbrecher werden dankend entgegengenommen.
Wir danken dem Heligonischen Volke für seine Kooperation."
"Die Axt, die das Hochland spalten will"
schwere Vorwürfe gegen Richard von Streitberg
Nach der Ankündigung Richards von Streitberg, Baron zu Gaeltacht,
eine Kapelle in Tairngire zu errichten, war Ärger im Hochland schon
vorauszusehen. Bereits in seiner eigenen Baronie gab es den erwarteten
Widerstand und den ersten öffentlichen Familienzwist seit der Übernahme
der Baronie durch die Familie von Streitberg. Harscher noch fiel die
Reaktion in den übrigen Hochlandbaronien aus. Welche Wege Foranan
McDonough, Baron von Flaitney einschlug, um sein Missfallen gegenüber
von Streitberg kundzutun, ist nicht bekannt. Von Koldewaiht von Hautzensteyn,
Baron zu Flaitney, wurde angeblich der Barde Mick Farcaon MadUaine als
Botschafter entsandt. Die überbrachte Botschaft, wenn es denn eine
gab, soll durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangt sein,
jedenfalls kursiert in verschiedensten Versionen ein Text durchs Hochland,
der diese Botschaft Baron Koldewaihts an Baron Richard sein soll. Der
ungefähre Wortlaut ist folgender:
"Richard, Ihr behauptet, für Gaeltacht zu streiten. Eure letzten
Handlungen zeigen das Gegenteil. Der Bau einer Kirche entzweit eure Bevölkerung
und das Hochland als Ganzes. Ihr ermutigt dadurch bewusst ceridische
Siedler, sich in Gaeltacht niederzulassen, was nur zu weiterer Zwietracht
führen wird. Ein starkes Hochland steht für sich selbst und
damit auch für ein starkes Drachenhain. Ein schwaches Hochland schwächt
auch Drachenhain.
Darüber hinaus habt Ihr im Tiefland verlernt, dass das Hochland
selbst lebt, weit stärker als das Tiefland und dass ihm deshalb
leicht Schaden zugefügt werden kann. Solcher Schaden zeigt sich
oft erst nach langer Zeit, kann dann aber kaum rückgängig gemacht
werden. Eure Handlungen fügen dem Hochland Schaden zu. Ihr nehmt
es aus Eigennutz in Kauf.
Spielt weiter die Axt, die Euer Volk, Euer Land, Euer Fürstentum
spalten will - wir sind hierher zu Hilfe geeilt und werden diese drei
um ihrer selbst willen nicht in Stich lassen. Aber Ihr, Richard, habt eine
Tür zugeschlagen."
Die im Volk kreisenden Varianten benutzen meist einfachere Worte,
jedoch mit gleichem Inhalt. Ob es sich tatsächlich um eine Botschaft
oder aber die im Zorn gesprochenen Worte eines luchnischen Clansführers
oder Gaeltachter Patrioten handelt, ist unbekannt. Die Luchnarer Helfer
sind jedenfalls nicht aus Gaeltacht abgereist.
Großer Erfolg des Jolbensteinisch-Hochaskensteiner Turneys
Wie der Heliosbote berichtete, hat die Baronin Jefferindell
Karelia von Jolbenstein zur Zerstreuung des Volkes ein neues Utzganfelde
errichten lassen am Rande des Dorfes Trutzwall, zu Hochaskenstein gehörig,
aber seit den Untaten Jagons von Hochaskenstein Jolbenstein zinspflichtig.
Zur Einweihung fand im ersten Xurlmond wie geplant ein großes Turney
statt. Geladen waren die hervorragendsten Mannschaften Jolbensteins und
Hochaskensteins. In Hochaskenstein hatte während der Wirren der letzten
Jahre kein so regelmäßiger Spielbetrieb mehr stattfinden können
wie es zur Wahrung der Höchstform notwendig ist. Die Baronin lud
deshalb sämtlichen Hochaskensteiner Mannschaften eine Woche zu Übungen
und Testspielen in Trutzwall ein. Drei Tage vor Beginn des Turneys stießen
auch die Mannschaften Jolbensteins hinzu. Die besten Dorfspieler aus Moorfalden,
Trutzwall und Torfmähren, die mit ihrer jeweiligen Stammsechs gegen
die Spitzenkönner beider Baronien vermutlich nur hohe Niederlagen
erlitten hätten, wurden vereinigt zur Auswahl Sumpflande.
Das Turney fand über insgesamt drei Tage statt. An Zuschauern
waren nicht nur die Bevölkerung der drei Dörfer vertreten,
sondern Schaulustige beider Baronien und sogar einzelne Reisende aus St.Aluin,
Lindfurt und Sengenberg. Besonders in Sengenberg (ehemals Drachenberg)
waren die Einwohner während der jüngsten Umtriebe ja wahrlich
nicht mit Utzgan-Feinkost gesegnet, noch weniger denn in Hochaskenstein.
Größte Überraschung, gar Sensation waren die Siege
der Auswahl Sumpflande nicht nur über die letztjährigen Sechsten
der Jolbensteiner Meisterschaften Waldrand Norill sondern auch über
Askapurs Barschfänger aus Hochaskenstein, die mancher gar auf den
Titel gewettet hatte. Diesen Siegeszug beendete erst die Jolbrucker Stadtpatrouille.
Die Vorzeigeathleten aus der Hauptstadt Jolbensteins und Drachenhains
gewannen den Halbfinal gegen die Auswahl mit 13:6 und spielten in einem
begeisternden Endspiel gegen Drachenhauch Askapur. Zur Halbzeit stand
es noch 5:5. Dann aber setzten sich die Kondition und die größere
Vielfalt an Spielvarianten der Jolbrucker durch. Am Ende stand es 11:7
und die Jolbornperle, das köstliche neue Maskottchen der Siegermannschaft
floß in Strömen. Die ersten drei des Turneys lauteten somit
Stadtpatrouille Jolbruck vor Drachenhauch Askapur und der Auswahl Sumpflande.
Im Rahmen des Turneys wurde auch der erste Spatenstich für
die Schule gesetzt, in der schon bald die Kinder Moorfaldens, Torfmährens
und Trutzwalls in Vieh-, Weide-, und Landeskunde und anderen Fächern
unterrichtet werden sollen.
Offener Konflikt zwischen luchnischen Clans und Vögten
Der Streit zwischen den Clans Luchnars und den Vögten ist
offen eskaliert. Jerrock MadUaine, den Eingeweihten als Bannerträger
Luchnars im Wolfenfeld-Konflikt bekannt und Eylfred von Esclamond, Sohn
des Esclarmonder Vogtes Eylhardt gerieten anlässlich Aráns,
des Erntedankfestes im Nioch Esclarmond öffentlich in Zank. Eylfred
verkündete nach einigen Bechern Dunkelbier und Or-Ban, die Clans würden
seinen Vater übergehen und übervorteilen, ihm und den anderen
Vögten wichtige Informationen vorenthalten. Jerrock MadUaine, ebenfalls
im der Hitze des Festes antwortete ihm, die Vogte seien auch komplett überflüssig
und eine tiefländische Erfindung, die abgeschafft gehöre. Eylfred
warf Jerrock daraufhin vor, er wolle ihn, Eylfred, aus seinem eigenen
Land herauswerfen, worauf Jerrock sagte: "Dies ist nicht Dein Land". Eylfred
antwortete ihm mit der Faust. Es kam zur Prügelei, an der schließlich
ein Gutteil des Festes teilnahm und in der Eylfreds Partei hoffnungslos
unterlegen war. Wären nicht einige MadUaine den Tiefländerabkömmlingen
zu Hilfe gekommen, hätte es vielleicht Tote gegeben. Als die Gemüter
sich einigermaßen beruhigt hatten, bildete sich fast automatisch
ein Kreis, in dem nur noch Jerrock und Eylfred standen. Die beiden blickten
sich mit blutunterlaufenen Augen an.
Jerrock sprach schließlich als erster: "Ich fordere Dich.
Hier und jetzt."
Eylfred antwortete: "Du kannst mich gar nicht fordern. Du stehst
unter mir!"
Bei dieser Antwort verengten sich Jerrocks Augen zu Schlitzen.
Seine Hand wanderte in Richtung des Schwertknaufs, er überlegte
sich wohl, ob dieser Halunke überhaupt ehrenhaft von einem Schwert
berührt werden konnte. Auch Eylfreds Hand zuckte...
In diesem Moment schob sich der angesehenste Ogedengeweihte Esclarmonds,
der Sagai Cirmore MadUaine schweigend von der einen Seite durch die
Menge, während von der anderen Seite Eylhardt von Esclarmond sich
mit Rufen seinen Weg bahnte. Im Kreis angekommen verharrten die Männer.
Eylhardt warf einen Blick in die Menge. Wenn er erkannte, dass er gegen
einen Angriff der Übermacht an MadUaine-Kriegern keine Chance gehabt
hätte, ließ er es sich nicht anmerken. Manchem der MadUaine
war allerdings anzusehen, dass er sich der Tatsache sehr wohl bewusst
war. Die Luft schien sich zu verdichten. Die Spannung lag fast greifbar
in der Luft.
Aber dann ernüchterte der Anblick der beiden nicht mehr jungen,
doch noch im Vollbesitz ihrer Kräfte befindlichen Männer die
Gemüter. Manchem Luchner wurde klar, dass die schwindende Macht
des Vogtes nicht nur ererbt war, sondern auch auf Charakter beruhte und
die Mannen um Eylfred von Esclarmond sahen in Cirmoire weniger den MadUaine
als den Heliosgeweihten, der ihnen allen schon mit Rat zur Seite gestanden
hatte. Der Vogt machte mit einer knappen Kopfbewegung seinem Sohne klar,
das das Fest für ihn vorbei war und stapfte davon und Eylfred folgte
ihm schweigend. Cirmoire, der Sagai ging schweigend in die Mitte des Kreises,
stand dort, bis alle Anwesenden alleine oder in kleinen Gruppen den Anger
geräumt hatten, bis auch Jerrock die Hand endgültig demonstrativ
auf den Rücken legte und davonging.
Ein Kommentar war weder von Cirmoire MadUaine noch von der Familie
von Esclarmond zu erhalten und auch nicht von Gisrod von Soilach und
seiner Gattin Liolyn, deren Schwangerschaft in hohen Alter (der Heliosbote
berichtete) als Katalysator für den seit längerem schwelenden
Konflikt galt. Der Baron Luchnars, Koldewaiht von Hautzensteyn, hat jedoch
offenbar sofort Kontakt zu sowohl Vögten als auch Clans aufgenommen.
Über ein etwaiges Gipfeltreffen mit den Vögten und Clansführern
ist aber noch nichts bekannt.
Offizielle Umstrukturierung der "Academia Elionera" zu Jolbruck
verschoben
Die Hochschule zu Jolbruck, die "Academia Elionera" wird zur
Zeit einer weitreichenden Reform unterzogen, im Rahmen derer die Fakultäten
erweitert und Zulassungsbeschränkungen für Studenten aufgehoben
werden. Die offiziellen Einweihungsfeierlichkeiten sollten eigentlich am
5./6. Tag des 2. Xurl mit einem rauschenden Feste stattfinden. Baronin
Jefferindell Karelia von Jolbenstein erhielt jedoch eine Einladung zum Gelehrtenkonvent
zu Idyllie, der sie gedachte, Folge zu leisten. Auf ihren Wunsch und sicher
auch aus eigenem Interesse entschloß sich Magister Metabor, hochrangiges
Mitglied der Hochschule, seine Dienstherrin zu begleiten. Eine Durchführung
der Feierlichkeiten ohne die Baronin wäre gewiß den hohen und
hehren Zielen der Reformen wenig zuträglich gewesen, so dass mit einer
Verschiebung bereits allgemein gerechnet wurde. Ende des 3. Heliosmondes
verletzte sich auch noch der Herr Rectore der Academia, Vingerdius Zirngibel
schwer, als er von einem mit Hufeisen beladenen Karren angefahren wurde.
Am nächsten Tag verkündete deshalb Magister Metabor vom Prunkbalkon
der Academia, dass der Zeitpunkt der geplanten Feier offenbar unter keinem
heliosgefälligen Stern stehe und deshalb um einige Monde verschoben
werde. Bis dahin seien die Umstrukturierungen fast vollständig abgeschlossen.
Baronin Angharad Elanor auf der Drachentrutz feierlich zu
Grabe getragen - Tod des Abtes von Richilesruh nach plötzlicher
Geistererscheinung
"...Das Haus Drachenhain beklagt den tragischen Tod seiner
Tochter Angharad Elanor von Emarania. Zwar verwandt, doch nach ernsthaften
Vorfällen der jüngsten Vergangenheit, nicht mehr verbunden,
war es dennoch unser Wunsch, die Baronin in Achtung und aller Ehre in
die Familiengruft derer zu Drachenhain zu betten, auf dass sie hier ihre
letzte Ruhe finde!..."
Fürst Waldemar von Drachenhain wählte ungewohnt bewegende
Worte zum letzten Geleit seiner einstigen Ziehtochter und dem Kinde seines
besten Freundes, Baron Winfried von Emarania. Alles hatte höchst
bedächtig und feierlich begonnen, ein würdiges Ende für
eine große Frau. Doch ein jähes Ereignis ließ die Anwesenden
alle Trauerfeierlichkeiten für kurze Zeit vergessen. Aber, ich mag
der Reihe nach berichten...
es berichtet Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber
des Herrn von Drachenhain
Nur dem engsten Kreis Treuer und Anverwandter war es gestattet
worden, sich in den unterirdischen Hallen der Richilesruh einzufinden,
um der hier aufgebarten Baronin die letzte Ehre zu erweisen. Darunter sah
man die Gesichter vieler Gefährten aus den unbelasteten Kinder- und
Jugendtagen, wie aber auch gute Vertraute der jüngeren Vergangenheit.
So hatten sich sogar Falkonius von Regart, der Bischof von Ostarien, Fridolin
Freiherr von Harkenberg als Vertreter Regentin Wallumas sowie andere Angehörige
des ostarischen Adels eingefunden. Schmerzlich vermisst wurden jedoch
die anderen "Drachenhainer Kinder", Prinzessin Syria Jaldis und Prinz
Leomar, die entweder von der Beisetzung nicht in Kenntnis gesetzt oder
auch verhindert gewesen waren.
Bischof Ceridian Aegidio, Priester und Beichtvater vergangener
Zeiten und jetziger Bischof von Drachenhain, leitete mit leidmütiger
Miene, aber klugen Worten, die über dreistündige ceridische
Messe. Zur Hand ging ihm dabei der gute Abt des Klosters Richilesruh,
Remedius. Dann, als der letzte Segen gesprochen ward, legte man die geschmückte
sterbliche Hülle der Angharad Elanor in ein mit weißen Kerzen
ausgehelltes Grab der Drachenhainer Gruft zur letzten Ruhe. Nacheinander
nahmen die Trauernden nun von der leider so plötzlich und schicksalhaft
Verstorbenen Abschied. Der eine weinend, der andere mit gefassterer Miene.
Allenthalben war in den Gesichtern jedoch dieselbe Regung zu lesen: Unverständnis
und Trauer! Was an dieser Stelle aber gesagt werden muss, jeder der Anwesenden
hielt an sich und tatsächlich waren keinerlei Schuldzuweisungen in
Richtung Rebenhain zu hören.
Jählings änderte sich aber die Stimmung, als unvermittelt
der Abt Remedius von Richilesruh lauthals aufschrie und mit kalkweißem
Gesichte und erstarrtem Finger auf eine bestimmte Stelle der schon immer
eingestürzten Nordwand deutete. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren,
sank er alsdann in sich zusammen und verschied, ohne einen weiteren Laut.
Tumult kam nun auf. Die einen kümmerten sich um den leblosen Abt, die
anderen - darunter auch ich - blickten vor Schrecken erstarrt an die Stelle,
auf die der Bedauernswerte gedeutet hatte. Kaltes Grausen erfasste uns,
und noch heute durchfährt mich ein heftiger Schauer, wenn ich nur daran
denke, was da zu sehen war. Nebelgleich und doch fast greifbar wandelte
da eine weiße, geisterhafte Erscheinung, Der Spuk hatte die Gestalt
eines vom Alter gebeugten Weibes, das mit toten Augen boshaft zu starren
schien und uns mit dürrem Finger dräute. Als der erste Schrecken
verwunden war, kam nun mit einem Mal Bewegung in die Menge der Anwesenden
und so mancher schlachterprobter Mann drängte panisch nach draußen.
Es war wahrlich ein namenloses Chaos, es wurde geschoben und gestoßen,
bis endlich Bischof Falkonius von Regart, der offenbar in all dem Wirrwarr
die Übersicht behalten hatte, zur Tat schritt und mit hocherhobenen
Händen auf die Alte zuschritt: "Weiche unheiliges Leben, weiche ins
Schattental, weiche vor dem Lichte des Einen!" Und tatsächlich ergriff
ein plötzlicher Windstoss den hutzeligen Leib der Alten und wehte sie
fort. Es war gerade so, als sei sie niemals da gewesen. Dennoch gab es nun
kein Halten mehr und Männer und Frauen stürzten aus den Gewölben
der Richilesruh an die frische Luft, nicht begreifend, was geschehen war.
An eine Fortsetzung der Begräbnisfeierlichkeiten war nun nicht
mehr zu denken, alsbald verließen die Gäste die Drachentrutz
und machten sich wie der Blitz davon. Alle, die nun übrigen blieben,
sorgten sich um den Leichnam des Abtes und betrauerten ihn redlich. Denn
wahrlich, mit dem Tod des Abtes Remedius, erlischt das Geschlecht derer
zu Baldwiesen, das einstmals mächtig und prächtig, eine der ersten
Familien im Lande Drachenhain gewesen war. Er ruhe in Frieden!
Was die Spukgestalt bei der Beisetzung zu suchen hatte, und wie
es ihr überhaupt gelang auf heiligem Boden zu erscheinen, das weiß
der Eine. Auf alle Fälle ordnete Bischof Ceridian Aegidio eine neue
Weihe des Klosters an. Möge der Eine und alle Heiligen verhindern,
dass solches jemals wieder geschehen mag!
Baronin Karelia Jefferindell zu Besuch in Rebenhain
Am dritten Tage nach der Rückkehr der Rebenhainer nach
Pogelsweiler wurden Vorbereitungen für einen großen Empfang
getroffen. Am nächsten Morgen wehten von allen Türmen von Pogelsweiler
Wimpel im Wind. Die Stadt hatte sich für den Besuch von Karelia Jefferindell,
der Baronin zu Jolbenstein herausgeputzt. Bald sah man auch schon den
stolzen Zug der Besucherin, die mit höchsten Ehren empfangen wurde.
Anschließend zogen sich die hohen Herrschaften in zu ernsten
Besprechungen in den Stadtpalast des Hauses Rebenhain zurück. Am
Nachmittag folgte zur Entspannung eine Besichtigung des Hofes der Schmiede
und ein kleiner Ausritt zum Jolborn.
Am Abend gab es im Stadtpalast ein festliches Bankett und anschließend
weitere Unterredungen. Schon am nächsten Morgen wieder waren die
Jolbensteiner fertig zur Abreise. Diese traten sie auch gegen Mittag
an. Das Ergebnis der Unterredungen ist Folgendes: Jolbenstein und Rebenhain
beschlossen eine enge Zusammenarbeit in gewissen bestimmten Angelegenheiten.
Außerdem soll künftig eine bessere Zusammenarbeit die Verfolgung
von Feinden des Reiches erleichtern. Zur schnellen Unterrichtung in derzeit
anhängigen Angelegenheiten wurden Sonderbotschafter ausgetauscht.
Ein Fest in Wolfenfeld?
Hinter vorgehaltener Hand wurde bekannt, dass Baronin Josephina
im Frühling ein größeres Fest plant. So hatte sie alle
Geweihten von Wolfenfeld zu sich in den Schrein von Sarniant geladen. Nach
mehreren Tagen hinter verschlossenen Türen verließ eine Schar
sehr aufgeräumt wirkender Geweihter mit breitem Grinsen die Hallen,
mehrere davon trugen große Papierbögen mit sich. Offenbar war
Stillschweigen vereinbart worden, denn keiner ließ sich zu einer Stellungnahme
bewegen. Man tauschte vielsagende Blicke und verwies lächelnd auf den
Frühling. Nur dass es ein großes Fest werden soll, war herauszubekommen.
Wenige Stunden danach machte sich in Sarniant bereits gespannte Erwartung
breit, schon jetzt wurde geflüstert und getuschelt, erste Spekulationen
machten die Runde. Will sie etwa heiraten??
Brennus Palimpsest
Die Tradition lebt!
Baron Richard Godfrey von Streitberg gibt bekannt:
Ab der Wintersonnenwende soll wieder das alte gaeltachter Wappen,
derer von McGodfrey, über Gaeltacht wehen. Gerade in den jetzigen
Zeiten muss unser Land seine Wurzeln wieder finden. Es muss zu seiner Tradition
zurückkehren.
So wie wir McGodfreys seit Jahrhunderten mit den saftig grünen
Wiesen und den erhabenen Bergen der Freiheit verbunden sind, so wie der
rote Tairngire Wachturm der Ritterlichkeit stets und beständig über
die Heimat wacht und uns Gaeltachtern immerzu Zeichen der Treu und Ehr´
ist, das Blau des Himmels uns die grenzenlose Grenze weist und selbst in
tiefster Nacht der Mond uns mit seinem Lichtschein erfreut, so soll über
Tairngire zuerst und alsdann im ganzen Land, das Banner stolz dem Winde
trutzen !
Liebe zur Heimat, Gesundheit und Beständigkeit sind unsere
Tugenden! Lasst sie uns wieder aufleben, wie wir es her gewohnt sind.
Blasonierung:
In blauem Schild stehen die drei grünen Berge für die
drei höchsten und ältesten Berge Gaeltachts: Ben Gawley, Ben
Pollheli und Ben Firuchel. Auf dem rot-blau bewulsteten Helm mit rot-blauer
Decke steht, wie im Schild vor den Bergen, der große Tairngire Wachturm
in roter Tinktur. Im Schildhaupt befindet sich die Mondenscheibe in Septhonit.
Werber verlassen Rebenhain
Zur Aufstockung der Rebenhainer Streitkräfte wurden mehrere
Gruppen von Werbern ausgesandt. Der Baron hofft, bis zum Frühjahr
die Zahl der Bewaffneten zu verdoppeln.
Aufbruch von Baronin und Vogt
Es war der 20. Tag des 3. Xurl als eine große Gruppe Reisender
die Freudenfeste verließ. Angeführt wurde sie von Samira von
Silberlauf und Rasekorn vom Schinderteich. Ziel der Reisenden ist der Besuch
der alten Verbündeten des Ogedenbundes. So sollen in nächster
Zeit der Reihe nach besucht werden: Foranan McDonough, Baron zu Flaitney,
Koldewaiht von Hautzenstein, Baron zu Luchnar, Josephina von Drachenhain,
Baronin zu Wolfenfeld. Nach dem Besuch bei diesen Herrschaften wird Samira
von Silberlauf alleine weiterreisen, um die Thaler und zuletzt auch die
sedomeesischen Verbündeten zu besuchen. Bei den Besuchen soll den
Freunden und Bundesgenossen von den Vorkommnissen zu Idyllie berichtet
werden.
Großbestellung
Zur Ausstattung seiner Truppen mit neuen Waffenröcken hat
der Baron von Rebenhain bei Tuchhändlern einen Großauftrag gegeben.
Gerüchten zufolgen sollen die neuen Waffenröcke nicht mehr in
Silber und Blau sein, sondern Schwarz und mit einem in Silber gehaltenen
präheliotischen Schriftzeichen bestickt.
Die "Hochzeit von Lindfurt" - sachte regen sich die Widerstände
Die maßvolle Herde, die da heißt Ceridentum
horcht auf, denn ein Blitz ist unweit herabgezuckt aus dräuendem
Wolkenschwarz. In Erwartung eines schrecklichen Donnerhalls rückt
sie eng zusammen und lauscht, doch nichts Wesentliches ist zu vernehmen!
Es berichtet Bruder Pankraz von der Drachentrutz
Zwar mit offener Ablehnung, aber mit doch verhaltenen Worten, reagierten
dieser Tage die Vertreter der Ceridischen Kirche von Drachenhain ob
der Meldung, dass der Abt von Lindfurt sich verheiratet habe. Es heißt,
anfangs sei der Bischof von Drachenhain, Abt Ceridan Aegidio von St. Aluin,
außer sich gewesen und in nie gekannten heiligen Zorne verfallen,
doch spiegelten die darauffolgenden Worte der Mahnung, dies so gar nicht
wieder. Unverständnis macht sich im Herzen eines einfachen Bruders
breit. Denn noch nie hat es in der fast einhundertjährigen Geschichte
der Kirche einen ähnlichen Fall gegeben. Nie hat sich ein Mann, der
Viele leiten soll zum Licht des Einen, dazu verstiegen, zuallererst nach
dem eigenen inneren Flackern der fleischlichen Liebe zu trachten - oh Einer,
was kommt auf uns zu? Mag diese, doch recht zurückhaltende, Reaktion
des Bischofs vielleicht in Beziehung damit stehen, dass Fürst Waldemar
letzthin ausdrücklich sein Wohlwollen zu dieser außergewöhnlichen
ehelichen Verbindung gegeben hatte und damit Position für den gescholtenen
Abt von Lindfurt einnahm? Allein der Bischof hat öffentlich an die
Vernunft seines einstigen Schülers appelliert, um ein Umdenken und
mögliches Umschwenken zu erreichen. Die folgenden Worte sollen in diesem
Zusammenhang gefallen sein:
"Mein lieber Sohn Ditonius, überdenke Deinen Schritt wohl.
Denke an meine Worte: Ein guter Hirte kann und darf sich neben seiner
Herde nicht zum Zeitvertreib eine schöne Stute halten!"
Doch scheinen diese Worte bislang auf taube Ohren gestoßen
zu sein, denn aus Lindfurt war fortan gar nichts mehr zu vernehmen. Es
darf also angenommen werden, dass man in dieser unseligen Geschichte auf
dem Ceridischen Konzil wohl ein neues Capitel aufschlagen wird...
Das Eheversprechen des Abtes von Lindfurt und der Edlen von
Anwara - ein Kommentar
Tja, welch verfahrene Situation für die Ceriden in Drachenhain
und anderswo. Dürfen sie nun, oder dürfen sie nicht? Das ist
die Frage. Oder will man etwa den bösen Zungen Glauben schenken, die
da behaupten, dass hier einmal mehr das liebe Geld eine bedeutende Triebfeder
- oder besser gesagt, ein gewaltiger Bremsklotz - darstellt? Heißt
es doch, seitdem Abt Ditonius das weiße Ruder von Lindfurt fester
in den Händen hält, rolle nun der ein oder andere Dukaten mehr
die Drachentrutz hinauf. Und auch die Abtei St. Aluin erquicke sich eigentlich
seit ihrer Gründung recht gütlich am sehr gedeihlichen Handel
mit der Hafenstadt... Es bleibt also abzuwarten, was der Primus zu all
dem sagt.
Schillwunk Radeweyd,
Die Hochzeit von Lindfurt - dem Volk aufs Maul geschaut:
Entgegen der allgemeinen Vermutung, stehen die Menschen von
Lindfurt den plötzlichen Diskussionen um ihren Herrn mit Unverständnis
gegenüber. Kaum einen scheint der Verstoß des Abtes gegen
die ehernen Gesetze des Ceridentums zu stören oder in Ärgernis
zu versetzen - ganz im Gegenteil, wie es scheint:
Joll Knollengeck - Tavernenwirt des Schwarzen Ankers in
Lindfurt
"Ach was, warum blähen sich diese alten Kuttenböcke nur
wieder so auf. Die sind doch nur neidisch, weil sie selbst sich zu diesem
Schritte nie getraut - oder keine sie haben wollte! Hä hä hä!
Uns ging es seit Jahrzehnten wahrhaftig nie so gut wie heut und das haben
wir nur ihm, unserem guten Abt zu verdanken. Ob nun verheiratet oder nicht,
er macht seine Sache gut!"
Ruita Häubeberg - Kräuter- und Blumenhändlerin
auf dem Lindfurter Markt
"Es liegt doch auf der Hand, warum es nicht geht, dass einer von
ihnen heiraten darf: Dann werden doch all die Reichtümer und das
Gut, dass im Laufe eines Lebens gemehret wurde, nicht an den leiblichen
Nachkommen, sondern an die Kirche zurück, damit ein neuer wieder
von vorne anfangen darf!"
Dem Leser ergebenster Diener,
Schillwunk "die Feder" Radeweyd,
Drachenhainer Hofberichterstatter
Adveristen planen offenbar Anschläge auf ceridische Würdenträger
- rettet der Ogede Royland Rothenbaum Ceriden das Leben?
Royland Rothenbaum, einem Luchna tiefländischer Abstammung,
ist es offenbar gelungen, einen höherrangigen Adveristen zu fangen.
Auf einer Reise, die ihn durch Sengenberg führte, wurde er von einem
Mann angegriffen, der seine Gewänder forderte - wohl um in der Maske
eines offenkundigen Nicht-Sengenbergers aus der Baronie zu fliehen. Rothenbaum
überwand ihn im Kampf und fand eine adveristische Streitschrift
bei ihm. Diese Schrift enthielt angeblich eindeutige Hinweise darauf,
dass die Adveristen Anschläge auf ceridische Amt- und Würdenträger
planen; teils mit hochrangigen Namen. Diese Entdeckung ist selbstverständlich
von hohem politischen Interesse. Rothenbaum gelang es darüber hinaus
offenbar, dem Mann noch weitere Informationen zu entlocken. Als pflichtbewusster
Drachenhainer lieferte der Luchna den Adveristen persönlich in
der Hauptstadt Triburk ab.
Was plagt Fürst Waldemar?
In den letzten Wochen soll Fürst Waldemar von Drachenhain
des öfteren in nachdenklicher Stimmung auf der Feste Drachentrutz
angetroffen worden sein. Laut eines Augenzeugen, der nicht genannt werden
will, soll er in einem solcher Augenblicke den Satz gesagt haben: "Ja, solchermaßen
war ihr Duft" und in einem anderen einige Worte wie "so feines Haar".
Ein weiteres Mal sei er mit einem Kissen gegen den Unterleib gedrückt
im Gange gestanden, als habe er Schmerzen. Doch sollten derartige Gerüchte
vom Hofe vielleicht nicht überbewertet werden.
Schutzwall vor Adveristen - die "Antrutzen" künftig Baronie
...Wie Wachs in den Händen eines Künstlers formt seine
Durchlaucht weiter am Lande seiner Väter...
So gefiel es seiner Durchlaucht am 20. Tag des Frostmondes das
Gebiet südlich der Feste Drachentrutz, das zusammen mit dem heutigen
Sengenberg vormals die gefallene Baronie Drachenberg war, in die inzwischen
zwölfte Baronie des Fürstentums umzuwandeln. Glefenbach, die
größte Ansiedlung dort, erhielt infolge dessen das Marktrecht
verliehen und soll als Hauptstadt nebst Sitz des Barons dienen. Das Wappen
der neuen Baronie wird dem Vernehmen nach die Drachenhainer Klaue sein.
Auch einen Vasallen für die neue Baronie hatte Fürst Waldemar
sogleich zur Hand, es wurde der Drachenhainer Erzkanzler Giselher von Mühlenheim
zum Herrn der Antrutzen bestallt. Nach dem Willen des Fürsten wird
dies Land auf immerdar eng mit dem Amt des Erzkanzlers verbunden sein.
Mit dieser Maßnahme reagiert das Haus Drachenhain auf die
Bedrohung von Meucheleien der Sengenberger Adveristen auf drachenhainer
Amt und Würdenträger. Unlängst gelangte ein entsprechendes
Schriftstück in die Hände eines tapfren Luchna, der dies sogleich
an die richtige Stelle weitergab. In den Antrutzen selbst und anderswo,
stieß die Neuerung auf geteilte Ansichten, so hätten sich gerade
die Ogeden des Landes dort gerne einen Lehnsherren ihres Glaubens gewünscht.
Andererseits ist der Erzkanzler rund um die Feste Drachentrutz als standhafter
und gerechter Mann bekannt, der die erhabene Aufgabe, aus den Antrutzen
einen Schutzwall der Feste Drachentrutz wider die Adveristen zu bilden,
sicherlich mit Bravour meistern wird.
Dem Leser ergebenster Diener, Schillwunk "die Feder" Radeweyd
Höret, höret:
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain
geben kund und zu wissen
Primo:
Dem edlen Luchna Royland Rothenbaum ist es im Kampfe gelungen einen
gemeinen Adveristen zu stellen und dabei diverser Schriften habhaft zu
werden. Diese Dokumente, nebst eingehende Befragungen des Adveristen, brachte
zu Tage, dass die greulichen Rebellen derzeit gar übles im Sinn haben.
Namhafte ceridischen Würdenträger und Amtsinhaber scheinen in
großer Gefahr feige gemeuchelt zu werden. Man warte nur noch auf
eine Gelegenheit, wenn der ein oder andere edle Kopf sich außerhalb
zeige, dann wolle man "ordentlich auf ihn einhauen".
Fürst Waldemar rät einem jeden Vertreter oder Treuen
der Ceridischen Kirche, in den nächsten Monden seinen Sitz nicht
zu verlassen. Falls eine Reise dennoch als notwendig erachtet wird, dann
ist für adäquaten Schutz zu sorgen.
Secundo:
Die Antrutzen - neben Sengenberg, ehedem die gefallene Baronie
Drachenberg - soll fürderhin Baronie sein. Zum Herr des Landes
bestallen wir unseren braven Edlen Giselher von Mühlenheim. Künftig
soll der Kanzler Drachenhains in Personalunion auch Baron der Antrutzen
sein.
Gegeben im Frostmond auf der Feste Drachentrutz
durch
seine hochbesorgte Durchlaucht,
Fürst Waldemar von Drachenhain!
Gut für den Orden vom Schwert und Pflug
Den Anweisungen seines Lehensherrn Folge leistend, sind die
Vorbereitungen Baron Krators von Rebenhain in Bezug auf die Gründung
eines Ritterordens zum Schutz der nördlichen Ländereien schon
weit gediehen. Einige Tapfere haben sich gefunden, Mitglieder dieses Ordens
zu werden. Um für ein erstes Auskommen zu sorgen, hat der Baron
nicht nur Geldmittel, sondern auch ein Gut, zusammengelegt aus Ländereien
im Krieg umgekommener Bauern zur Verfügung gestellt.
Neuigkeiten
Johann Ohneland wird Vogt von Engreich
Nachdem der ältere Sohn Richard Bärenherz des verstorbenen
Freiherrn Heinrich von Eng-reich mit einigen Rittern auf Kreuzfahrt
zum Herzog-Uriel-II-Atoll unterwegs ist, hat dessen jüngerer Sohn
Johann Ohneland, genannt "Prinz John", die Amtsgeschäfte als Vogt
übernommen.
Als erste Tat setzte er Volkmar den Zornigen als neuen Sheriff
der Stadt Nichtingheim am Rande des Ehlerwaldes ein. Dieser soll der
Bedrohung durch den ehemaligen Freiherrn von Teemons Gnaden und jetzigen
Strauchdieb Rodney von Locke, genannt "der Hut", Herr wer-den. Rodney
Hut versteckt sich mit einigen Teemonanhängern im Ehlerwald und
treibt besonders in der Gegend von Nichtingheim sein Unwesen. Auf seinen
Kopf ist eine Belohnung von 20 Dukaten ausgesetzt!
Gegeben zu Hohenforingen am 7. Tag des Rebenmonds des Jahres 93
n.d.E.
Aufruf
Hohenforinger! Ostarier! Heligonier!
Meldet Euch zu den Nichtingheimer Wachen der Provinz Engreich in
Hohenforingen. Wir müssen dem Treiben der Banden im Ehlerwald ein
Ende machen. Schluß mit den gewilderten Hirschen, die frech auf
des Freiherrn Tafel geschmissen werden. Schluß mit den Überfällen
auf Händler, die bis aufs Untergewand geplündert durch den
Wald gejagt werden. Schluß mit den hinterhältigen Pfeilen
aus dem Dickicht auf arglose Steuereintreiber. Registriert Euch noch
heute in Torpstein!
Gegeben zu Hohenforingen am 7. Tag des Rebenmonds des Jahres 93
n.d.E.
Die Gazette unterwegs
Um die jüngsten Entwicklungen in der für ihre kapriziöse
Bürgerschaft bekannten Nordmark zu dokumentieren, habe ich die Sommermonate
in Yaldering verbracht. Dort konnte ich eine Textsammlung beginnen, die
nun nach und nach in der Hofgazette veröffentlicht werden soll und
den geneigten Leser über die Entwicklungen der letzten Jahre informieren
wird. Dabei werden verschiedenste Autoren ihr Fachwissen in die Artikelsammlung
einbringen.
Auch dem in diesen Tagen sprunghaft gestiegenen Interesse an der
Fernwanderei soll mit der vorliegenden Reihe Rechnung getragen werden
- findet der interessierte Wildnisfreund doch in der Nordmark vielerlei
Naturkuriositäten und atemstehlende Landschaftsszenerien. Mancherartige
Artikel werden sich also auch mit Gefahren und Schönheit der Gebirgs-,
der Tier- und der Pflanzenwelt befassen, um den geneigten Fernwanderer
über Punkte von Wichtigkeit zu informieren.
Karlon vom Storcheneck
1. Artikel: Von der Namensgebung.
Karlon vom Storcheneck
Der Name des durch das Baronat Nordmark umrissenen Landstrichs
hat sich im ersten Jahr des Bestehens dreimal geändert: Mit der Entdeckung
des Pailat und der Schaffung des neuen Lehens wurde die Provinz Kendhas-Pailat
genannt; ein Ausdruck, der die (wörtlich) "dem Pailat zugehörige
Landmarke" bezeichnete.
Mit den Frühjahrsunruhen im Poena 26 n. H. A. III. wurde der
Landesname - zusammen mit anderen inneren Angelegenheiten - auf Druck
der Siedler geändert: Im fortan gültigen Namen "Galtur-Vernmark"
finden sich die dem Pailat zugehörige Vogtei Galtur und die nordwärts
der Gebirge gelegenen Siedlungsgebiete in der Benennung vereinigt ("Vernmark"
bedeutet auf altnordhinterheligonisch "Wehrfeld" oder "Wehrmark").
Da dies gegen den Willen des Pailat geschehen war und ein Namensstreit
anzuheben drohte, verfügte die Regentin Walluma schließlich
am 3. Xurl des Jahres 27 nach H. A. des III. in einem Erlaß, daß
eine im Volksmunde schon seit längerem gebräuchliche Benennung
als offizieller Name eingesetzt werden soll. Seither heißt das
Baronat "Nordmark".
2. Artikel: Die Siedlungen der Nordmark im Jahre 30 des Königs
Helosius Aximistilius III.
Galbart Wagenmeister, Vogt zu Yaldering
Man hat mir gesagt, daß ich einmal etwas über die
Nordmark aufschreiben lassen soll, damit die Leute im Süden wissen,
wie hier immer so alles ist. Es wird ja auch immer soviel geredet über
die Nordmark und was da nun der Fall ist und was nicht.
Ich habe mir überlegt, damit der Leser auch weiß wovon
ich spreche, fange ich am besten einmal mit unseren Siedlungen an. Und
die kommen jetzt.
Yaldering.
Die wichtigste Stadt der Nordmark ist Yaldering und es wohnen viele
Bürger darin. Es gibt viel Handel und Gewerbe hier, und auch die
Garnison hat hier ihre Kaserne. Viele Häuser sind aus Stein, und es
gibt eine ordentliche Befestigung, die man nicht so schnell überwinden
kann.
Von Zeit zu Zeit sind Markttage und es gibt auch eine schöne
Kirche. Darum kommen oft Leute aus den Dörfern in die Stadt, um zu
handeln und zu beten.
Yaldering war auch schon vor der Besiedlung eine Stadt, weil man
Ruinenreste gefunden hat, als man diese entdeckt hat. Die Ordensleute
vom Pailat haben gewußt, daß die Leute, die früher
in Yaldering gewohnt haben, Yaldering "Yaldering" genannt haben, und
darum heißt die Stadt Yaldering.
Yaldering hat den Status einer Vogtei, aber die Bürger dürfen
den Vogt wählen. Fast alle Bürger wohnen hier und es ist die
älteste Siedlung des Baronats.
Pailat.
Der Pailat ist viel älter als alle anderen Siedlungen des
Baronats, da der Orden der Catvaras Ekam dort schon ansässig war,
bevor man die Nordmark besiedelt hat. Am Fuße des Berges, auf dem
er steht, gibt es eine Ruinenstadt, Galtur mit Namen. Dort gibt es ein
teures Hotel aus Escandra. Meistens sind dort schöne Zimmer frei.
Sonst gibt es in der Ruinenstadt unten ein paar Ziegenhirten. Aber sie sind
ziemlich sonderbar.
Die Ordensburg auf dem Berg hat damit nicht viel zu tun. Obwohl
sie sehr groß ist, wohnen nicht so viele Leute dort. Meistens sind
es Ordensleute.
Es gibt keinen Vogt, Bürgermeister oder Verwalter auf dem
Pailat und auch nicht in der Ruinenstadt, weil das Baronat ja sowieso
von dort regiert wird. Aber eigentlich ist Galtur so eine Art Vogtei,
weil so setzt sich die Nordmark ja zusammen.
Kamar.
Hoch oben in den Bergen gibt es irgendwo ein Dorf, das heißt
Kamar. Angeblich kommt die Iklan-Familie von dort. Wie es in Kamar aussieht,
weiß niemand so genau. Wahrscheinlich halten die Leute in Kamar
auch Ziegen.
Leiana.
Eine andere große Siedlung ist Leiana, das war aber ursprünglich
ein Holzfäller- und Jägereilager. Leiana liegt an einer Furt
an der Yaltrach flußabwärts vielleicht eine halbe Tagesreise
von Yaldering entfernt. Östlich von Leiana gibt es keinen Weg mehr,
dafür ist die Yaltrach aber mit Flößen befahrbar, wenn
das Wasser nicht zu hoch oder zu niedrig ist und nicht gefroren. Manche
Leute gehen auch durch den Wald nordwärts der Berge nach Norrland-Brassach,
aber das dauert ganz schön lang und ist unglücklicherweise
sehr gefährlich.
Was der Name "Leiana" bedeutet, weiß niemand so genau. Man
nimmt an, daß es der Name einer Geliebten von einem der Anführer
der Spähtrupps war, die im Jahre 89 nach der Erleuchtung bei dem
Feldzug von Jareck von Jolberg die Täler erkundeten.
Leiana fällt unter das Recht der Haga und das heißt,
daß man keine Steuern zahlt und gegen Ödländer kämpfen
muß wenn sie kommen und außerdem selber einen Anführer
wählen darf. Der Anführer von Leiana heißt Bürgermeisterin
und das ist schon immer Elen Konilara Valdenbrook gewesen und man sollte
aufpassen, daß man keinen Ärger hat mit ihr.
Malderpot.
Malderpot ist ziemlich klein und wurde eigentlich nur gegründet,
um die kuriosen Salzquellen auszubeuten, die dort zutage treten. Übrigens
heißt das kleine Flüßchen, das in Malderpot entspringt,
neuerdings Nördlicher Paltram.
Außer den Salzsiedern, die merkwürdig und sehr faul
sind und zuviel trinken, wohnt eigentlich niemand dort. Malderpot ist
das Dorf, das am nächsten an der verderbten Ödlandsteppe liegt.
Und manche Leute gehen auch nach Malderpot, weil sie dort ihre Ruhe haben
wollen.
Auch Malderpot fällt unter das Recht der Haga. Der Anführer
heißt dort Browden und sein Name ist Orell Trunhag. Orell wird jedes
Jahr wieder neu gewählt, weil in Malderpot einmal im Jahr gewählt
werden muß. Es ist ihm verboten zu arbeiten, aber er darf im Bergfried
wohnen und alle müssen ihm Geld geben.
Häusern.
Es gibt südwärts des Gebirges nach Arnach hin einen Streifen
Land, von dem man nicht so genau weiß, ob er zur Nordmark oder
zu Arnach gehört. Irgendwelche Leute haben sich dort Häuser gebaut;
vermutlich ist das der Grund dafür, daß ihr Dorf "Häusern"
heißt. Wovon die Leute in Häusern leben, weiß man nicht
so genau, und einen Anführer kenne ich auch nicht, zumindest kommt
er nie auf den Pailat, wenn alle Verwalter dreimal im Jahr dort zusammenkommen.
Wahrscheinlich fühlen sich die Catvaras Ekam nicht zuständig
und Arnstein auch nicht. Aber ich denke, das macht nichts, weil, wie man
hört, wollen die Leute in Häusern ohnehin lieber ihre Ruhe haben.
Und es sollen im Ganzen auch nur so zwei Dutzend sein, die da wohnen.
Fredricaja von Rankenwies
Fredricaja von Rankenwies ist keine Siedlung, sondern eine großmütige
und hochnoble Honoratiorin von altem ostarischen Amtsadel. Sie hat in
der Nordmark für allerhand Entwicklungen gesorgt.
Die Siedlungen, die ich bisher beschrieben habe, gibt es, seit
wir sie nach dem Feldzug des ostarischen Generalzeugmeisters Jareck
von Jolberg besiedelt haben. Alle anderen gibt es erst seit dem Jahr
91 und 92 nach der Erleuchtung, denn da hat Fredricaja von Rankenwies
eine berühmte Expedition unternommen, wegen der wir nun auch nordwestwärts
siedeln können.
Und zwar hat man damals eine Burg erobert, aber das soll an gegebener
Stelle noch genauer beschrieben werden.
Wichtig ist vielleicht jetzt erst einmal, daß klargestellt
wird, daß die einzige richtige Grenze eigentlich die Grenze von
Norrland-Brassach ist. Südwärts gegen Arnach ist das nicht
so ganz klar wo die Grenze nun so genau ist und im Norden gibt es sowieso
gar keine Grenze sondern die Ödlande und dort ist ohnehin alles ganz
anders.
Und sonst ist eigentlich die Grenze immer da, wo die Türschwelle
ist, oder der Zaun oder spätestens der Waldrand. Weil man weiß
nie so genau, was passiert, wenn man aus dem Haus heraus und durchs Gartentürchen
oder gar in den Wald geht. Ich meine, man muß schon aufpassen
und vorsichtig sein. Aber zum Aufpassen und vorsichtig sein sind wir
ja da.
Nordostwärts, in der neuen Burg und den zwei kleinen Dörfern,
ist das ganz besonders so. Und diese Siedlungen dort kommen jetzt:
Herzogenburg, Haukegericht.
Mit allerhand Söldner-, Beamten- und Magiervolk im Gefolge
hat die edle Fredricaja von Rankenwies im Jahre 91 n. d. E. eine Burg
westlich des Kallerfelds erobert. Keiner weiß so genau, wer früher
in der Burg gewohnt hat. Es wird gemunkelt, daß sie einem finsteren
Magier gehört hat, der dort unheilige Dinge trieb und darum nennen
viele Leute die Herzogenburg auch Zauberburg. Überhaupt ist es ziemlich
merkwürdig, daß mitten in der Wildnis eine Burg steht. Wer soll
denn die gebaut haben. Und warum. Aber darüber kann man viel herumdiskutieren,
was nun dafür der Grund ist und was nicht.
Fest steht, daß die Regentin Walluma an der Burg so sehr
interessiert ist, daß sie sie von der ostarischen Marine verwalten
läßt, was selbstverständlich sehr ungerecht ist, weil
sie mitten in der Nordmark liegt.
Die Herzogenburg steht auf einem Felsen über dem Südlichen
Paltram. Der Paltram ist ein Fluß, der von dem Kartographen Roland
Welheim entdeckt wurde. Er entspringt nördlich und südlich
des Feuerbergs und fließt westlich davon zusammen und in den Jolborn.
Die beiden Arme nennen wir Nördlicher und Südlicher Paltram,
und wenn sie zusammengeflossen sind, einfach nur noch Paltram.
Roland wollte den Fluß ursprünglich "Buchenbach" nennen.
Die meisten von uns fanden das aber irgendwie sonderbar und Orell Trunhag,
der ja in Malderpot an der Quelle des Nordarms wohnt, schlug darum vor,
das Gewässer nach seinem eigenen Namen "Oriella" zu nennen. Daraufhin
forderte Elen Konilara Valdenbrook, daß der Fluß "Oristanto"
genannt werden solle - nach einem in Betis ermordeten Verwandten von ihr,
der anscheinend berühmt war. Der Pailat, der wegen dem damals gerade
überstandenen Namensstreit um die Baronatsbezeichnung einen weiteren
Namensstreit unbedingt vermeiden wollte beschloß, daß wir den
Fluß Paltram nennen sollen, was zwar die meisten von uns am allersonderbarsten
fanden aber angeblich ist das der ursprüngliche Name des Flusses
gewesen. Na gut, haben wir gedacht.
Jedenfalls gibt es unterhalb der Burg eine Bootsanlegestelle. Kleinere
Flußschiffe mit wenig Tiefgang können hier vor Anker gehen.
Es gibt auch ein paar Bauern, die sich in der fruchtbaren Talaue angesiedelt
haben. Unglücklicherweise gibt es zwar oft Hochwässer, aber
es soll trotzdem sehr gemütlich sein in Haukegericht - wie der kleine,
zur Burg gehörige Ort seit dem Gericht über den Banditen Hauke
Honighaar im Saatmond des Jahres 92 n. d. E. heißt. Hauke hatte
mit seinen Männern einen Maultierzug überfallen und sich dabei
im Sinne des 6. Artikels im 1. Kapitel der KHHG schuldig gemacht, weswegen
er an einem schönen Tag im Paltram ersäuft worden ist.
Härtwigs Hafen.
Wir alle hätten nicht gedacht, daß Härtwig es mit
seinem Hafen wirklich schaffen würde. Aber nach der Entdeckung der
neuen Burg kamen allerhand Leute in den Westen, und nun hat es doch noch
geklappt. Härtwigs Hafen wächst und gedeiht und mittlerweile
gibt es mehr als ein Dutzend Häuser in der unbewehrten Siedlung. Mittlerweile
macht auch manch ein Jolbornschiff dort Halt.
Schade nur, daß Härtwigs Hafen sogar für die Erfahrenen
unter uns leider kaum zu erreichen ist, weil er unglücklicherweise
westwärts liegt und die Berge und das Kallerfeld dazwischen sind.
Aber das macht nichts. Denn Härtwigs Hafen ist etwas vollkommen Neuartiges.
Er liegt nämlich nahe der Mündung des Paltram in den Jolborn
und dadurch machen die Flußschiffer zunehmend immer öfter Halt
in Härtwigs Hafen, und auch die Patrouillen der Herzöglich-Ostarischen
Marine nutzen die Gelegenheit, Vorräte aufzunehmen oder eine Pause
zu machen und sich zu betrinken. Denn nicht zuletzt ist Härtwigs Hafen
der letzte, den man hat, wenn man die weite und gefährliche Reise
an den Ödlanden vorbei nach Vjoshafen reisen will.
Auch Härtwigs Hafen ist Hag und Härtwig ist der Anführer.
Er ist zwar nicht gewählt worden, aber weil ihm das Land sowieso
gehört, braucht man das nicht. Die anderen nennen Härtwig manchmal
auch Hagsmeister, aber nicht so oft, weil das hört Härtwig
nicht so gern. Härtwig ist ziemlich bescheiden.
So. Das waren die Siedlungen. Bis zum nächsten Mal werde ich
etwas über die Straßen und das Wirtschaftsgefüge der Nordmark
aufschreiben lassen. Und ich könnte vielleicht noch eine schöne
Karte malen, damit man sich das auch besser vorstellen kann.
3. Artikel: Andenkenswerte Eigenarten der Botanik und Zoologie.
Forschungsstand: 92. Jahr nach der Erleuchtung
Prof. Dr. Riemold v. Bieberau, Ankur
Das Pflanzen- und Tierreich der Nordmark zeichnet sich im Wesentlichen
durch die gebirgshafte Natur aus. Wer sich für ebenjene in besonderem
Maße interessiert, sei an einschlägige fachverwandte Schriften
über den Schlangenkamm verwiesen, die dem wissensdürstenden
Leser die entsprechenden Kenntnisse in hinreichender Genauigkeit und
erschöpfendem Ausmaß zu vermitteln vermögen. Ich hinweiter
möchte an dieser Stelle lediglich die BESONDERHEITEN des pflanzlichen
und tierischen Lebens in der Nordmark aufzeigen; jegliche weiteren Ausführungen
würden den Rahmen der vorliegenden Publikation ohne Zweifel überschreiten.
Zunächst möchte ich auf die Besonderheiten der Botanik
eingehen, hernach soll die Zoologie beschrieben sein. Die jeweiligen
Kapitel sind weiterhin unterteilt nach den unterschiedlichen Regionen,
die sich regional sehr stark unterscheiden, und zwar in vornehmlich vorherrschendem
Wetter, Klima, Niederschlägen, Witterung, Temperaturen, Regen, u.
Ä. dergl. mehr.
1. Botanik
1.1 Die Brassachische Tiefebene
Der Bodenbewuchs der brassachischen Tiefebene ist ärmlich,
meist bedeckt gelbbraunes, kurzes Gras den leicht welligen Untergrund.
Vermutlich verdirbt die Nähe der Ödlande auf noch unbekannte
Art und Weise den Boden, so daß kein statthafter Bewuchs sich bilden
kann. Vergleicht man ihn mit den fruchtbaren Ländereien jenseits
des brassachischen Grenzwalls, drängt sich einem dieser Verdacht förmlich
auf. Und in der That finden sich auch auf Nordmarker Seite mit wachsender
Entfernung zu dem verfluchten ödländischen Landstrich im Norden
mannigzahlige Heideflächen, Hochmoore u. Ä. dergl. mehr.
1.2 Die Nebelwälder
Rasch aufsteigende Luftmassen machen jene Vorberge des Hauptgebirgszugs
im Norden zu einem regenreichen Ort mit gar dichter Vegetation. Es gibt
kaum nennenswerte Pflanzen von außergewöhnlicher Art. Der urgewachsene,
koniferenreiche Bergwald aber verdient hier durchaus eine Erwähnung.
Ebenso die ähnlichermaßen wie langen, pruzzischen Bärten
gleich von den Ästen hängenden Flechten, die der Gesamtszenerie
etwas mystisches verleihen. Gleichwohl der Wald ein wahrhaft außergewöhnliches
Bild bietet, setzt sich seine Pflanzenwelt aber aus durchaus gewöhnlichen
und bekannten Gewächsen zusammen.
1.3 Tal von Yaldering
An den Hängen zu beiden Seiten des Tales gehen die Nadelwälder
nach der Höhe hin in niedrige Birkenwälder über, die
bis zur Baumgrenze hinauf reichen. Die Talweitung selbst ähnelt
in Boden und Bewuchs den Nebelwäldern; jedoch gibt es um die Siedlungen
Yaldering und Leiana herum ausgedehnte Rodungen, die landwirtschaftlich
genutzt werden.
Kaum eine Nutzpflanze wollte so recht wachsen; die meisten Siedler
versuchen nunmehr, GRAN anzubauen, ein altes, dem Dinkel verwandtes
Getreide, das angeblich aus dem tiefen Süden kommen soll.
1.4 Hochgebirgsregionen
Die überaus hochaufsteigenden Hochgebirgsregionen der Nordmark
bringen gar unterschiedliche Bewuchsformen hervor. Steigt man die steilen
Bergtäler empor, werden die tiefen Wälder der Talgründe
zunehmend niedriger und ausgedünnt. Die hochentlegeneren Bewaldungen
schlüßlich werden nur mehr von kleinen Krüppelbirken gebildet,
die im Maximum drei bis vier Meter hoch sind. Steigt man darüber hinaus
höher, finden sich nur noch Bebuschungen. Noch höher findet sich
niedriges Kraut, letztendlich verschwinden sogar Gräser und nur Moose
- allein gelbgrüne, braune und graue Flechten bedecken die kahlen Steine.
Die höchsten Regionen hinweiter sind zu jeder Jahreszeit von Schnee
und Eis bedeckt.
1.5 Südhänge
Die weitgehend unberührten Eichen-/Buchenmischwälder
an den Südhängen nach Arnach und Dunkelstein hin finden gar
anverwandte Entsprechungen in anderen, naturbelassenen Mittelgebirgen
Ostariens und sind von anderen Autoren gar hinreichendst an anderer Stelle
beschrieben.
1.6 Malderpot
Die äußerst kuriosen Salzquellen, die an diesem wunderlichen
Ort zutage treten, lassen jegliches gewöhnliche Pflanzengewächs
verdorren. Weder die seltsamen Kräuter, die hier allerorts sprießen
noch das gelbbraune, schärflichst-scharfblättrige Schilf, das
nahe der von den Quellen gespeisten Sümpfe in den Niederungen nördlich
der Berge ebenfalls zu finden ist, sind mir bisher unter die Augen gekommen;
auch nicht in anverwandter Form oder ähnlicher Gestalt. Sicherlich
bieten sich hier noch mannigfaltige Gelegenheiten für eingehendere
Forschungen.
1.7 Kallerfeld und Trollspitzen, Feuerberg
Außer verschiedener kümmerlicher Flechten und einigen
unnamhaften Moosen konnte in jener kärglichen Region kein nennenswerter
Bewuchs festgestellt werden.
1.8 Neue Erkundungen am Jolborn (Paltrampa)
Das Grundgefels scheint in der Region Paltrampa (lt. der Schriften
der Catvaras Ekam eine vom Flußnamen "Paltram" abgeleitete Bezeichnung)
eine andere Zusammensetzung zu haben. Es gibt rings um den Fluß
für die Nordmark sehr außergewöhnliche Pflanzen.
Insgesamt der Anteil an Eichen, Buchen und buschartigen Gewächsen
wie Hagebutte, Schlehe, Wachholder u. ähnl. dergl. mehr ist recht
hoch. Vereinzelt gibt es verdachtsweckende Ähnlichkeiten mit den
Regionen der Südhänge.
Insbesonders hervorhebenswert sind hinweiter aber auch die Klingenfelder.
Diese Schilfregionen werden seit der Expedition des jungen Roland und
seines Gefährten Eodar so benannt. Die kundigen Entdecker sollen
sich an den scharfblättrigen Röhrichtgewächsen gar vielfach
Haut und Bekleidsamkeiten aufgeschnitten haben.
Dies Röhricht ist nur ein Beispiel für die wunderliche
Botanik des ostarischen Nordens. Auch andere Pflanzen erwecken das Interesse
des an Sonderbarkeiten interessierten Wissenschaftlers. So gibt es auch
mannigfachige Diskussionen darüber, wie es eigentlich zustande
kommen kann, daß anrande des kuriosen Salzgewässers, das
bei Malderpot zutage tritt, allerorten wunderliches Gewächs sich
halten kann. Vielleicht ist es das Salz, das die Pflanzenwachsung verfälscht,
oder aber die Nähe der verderbten Ödlande. Salz ist immerhin
ein Grundelement des Meeres. Könnte es etwa vom unheiligen Tun der
Ödlandbarbaren und ihrer schändlichen Magier an diesen Ort gebracht
worden sein?
Die Erforschungen in jener Region stehen wegen der hohen Gefährlichkeit
der Landstriche noch aus. Bisher allgemein bekannt geworden ist im Hauptsächlichen
das scharfblättrige Röhrichtgewächs der Klingenfelder.
Etwas südlich davon, in den weiten märkischen Wäldern
des Westens, ist ein ebenfalls äußerst besonderer Baum breitverbreitet.
Er stellt eine weitere Sonderbarkeit der Nordwestwärts gelegenen
Lande dar: Die sogenannte Feuergarbe, die im fallenden Jahr als Waldbaum
ganz besonders heraussticht. Sie verleiht der Landschaft in den Herbstmonden
des Jahres einen ganz besonderen, unerklärlichen Reiz.
"Wir nehmen es den Reichen und stehlen es den Armen".
Wenn dies auch Dein Motto ist, dann komm in den Ehlerwald
- Kennwort "Hut".
Prinz Leomar neuer Herr von Emarania - eisiger Empfang in Wasserau
Nunmehr zum achten Mal während der Regentschaft Ihrer
Erlaucht Herzogin Walluma wechselt die Baronie Emarania gegenwärtig
ihren Verwaltungsstatus.
Wobei der neue Herr im Grunde ja ein alter ist, leitete Prinz Leomar
doch zu Zeiten der Teemoranischen Krise, im Zuge seiner damaligen Drachenhainer
Schwertführerschaft, schon einmal die Geschicke des Landes und
gab die Zügel hernach an seine Ziehschwester Angharad Elanor weiter.
Leider liegt die Baronin nun tot in der Drachentrutzer Gruft darnieder,
so dass Herzogin Walluma auf der Suche nach einem neuen Herrn, auf "Altbewährtes"
zurückgriff. Schließlich werden die Kinder der Baronin, Jareck
und Leoni, in frühestens elf Jahren soweit sein, um das Erbe ihrer
Mutter antreten zu können.
Was den Prinzen von Drachenhain dazu bewogen haben könnte,
erneut in das emaranische Geschehen einzugreifen, liegt wohl auf der Hand:
Treue und Pflichtbewusstsein gegenüber seiner verstorbenen Schwester.
Zwar war es offenbar in den vergangenen Jahren zu einer beidseitigen
Entfremdung gekommen, doch scheint das den Prinzen nicht davon abgehalten
zu haben, Angharad Elanor diesen Dienst zu tun.
Leider bereitete die Bevölkerung dem Prinzen - insbesondere
der Adel der Baronie - einen eher unfreundlichen Empfang, so waren lediglich
die Statthalter und Beamteten aus Ankur zum Empfang des Fürstensohnes
erschienen. Es ist wohl für viele nicht einzusehen, warum nicht
einer aus ihren Reihen von der Herzogin mit diesem Amt bedacht worden
war.
Nichtsdestotrotz übergab der ostarische Statthalter der Baronie,
Obrist Luidewig von Neuwittach, dem Prinzen von Drachenhain feierlich
das Amt, seine Hochgeboren stehen nun im Range eines herzöglichen
Vogtes. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß sich aus
dieser Belehnung keinerlei Ansprüche Drachenhains gegenüber Emaranias
ergeben.
Valluart Wierremund, Botenberichterstatter aus
Wasserau
Thaler Herbstmanöver dieses Jahr in Hochwalden
Sethnara, den 23. Tag des 3. Xurl
In den vergangenen Wochen hielt die fürstliche Garde von Thal
ihr Herbstmanöver ab. Aufgrund der aktuellen Ereignisse fiel die
Wahl in diesem Jahr auf die nähere Umgebung der Camspitze. Letztes
Jahr musste das Manöver leider aufgrund der militärischen Intervention
in Drachenhain bzw. der Belagerung der Stadt Windenbork entfallen (der
Helios-Bote berichtete ausführlich).
In der diesjährigen Übung stand das sichere Eindringen
in Höhlensysteme im Mittelpunkt. Damit wurde einer Bitte des Freiherrn
von Hochwalden nachgegangen, welcher sich aus bekannten Gründen um
die Sicherheit der Hochwaldener Bürger sogt. Doch war dies nicht
der einzige Grund für die Wahl des Übungszieles. "Gleichzeitig
bereiten wir uns mit diesem Manöver auf einen weiteren Einsatz in
der nördlichen Lormark vor" berichtete uns Kilian Weizenkeim, Hauptmann
der Garde von Anthan.
Die Thaler Flotte hielt zeitgleich ihre Jahresabschlussübung
im Brazach-Delta unweit der Stadt Betis ab. Schwerpunkte waren das schnelle
Beidrehen und das anschließende Entern von feindlichen Schiffen.
Hierbei wurde auch die letztlich fertiggestellte Kriegkogge "Bartkauz"
unter Befehl von Korporal Wildbert Borkenfeldt eingeweiht.
Hartmut Hohlbein
Schreiber der Garde von Thal
Neues Gebäude am fürstlichen Hof eingeweiht
Viele exotische Pflanzen sind von den Inseln in der Jolsee nach
Hochanthen gebracht worden. Den ganzen Sommer über kartographierten
Schiffe der Thaler Flotte die Hunderte von kleinen und kleinsten Inseln
in der Umgebung des Herzog Uriel II. Atolls. Dabei wurden auch viele exotische
Pflanzen gesammelt. Bereits im letzten Jahr hatte man schon einige unbekannte
Pflanzen, mit teilweise sehr wohlschmeckenden Früchten nach Thal
geholt. Leider sind diese Pflanzen nicht so unempfindlich gegen Kälte,
wie dies die heimische Thaler Flora ist. Während ein kleiner Teil
dieser Pflanzen erfroren sind und damit unwiederbringlich verloren ist,
konnte ein großer Teil durch überwintern im großen Ballsaal
des fürstlichen Schlosses gerettet werden. Viele Gäste bei Hofe
fanden die Pflanzen, die liebvoll von den Gärtnern in der Nähe
der großen Fenster und der Balkontüren arrangiert wurden, sehr
dekorativ.
Da jedoch nicht alle Pflanzen auf Dauer im Saal verbleiben können,
der vor allem ausgewählt wurde weil dieser der lichtdurchflutetste
Raum im Schloss ist, wurde nach Art der bestehenden Gewächshäuser
ein weiteres Gebäude im Thaler Stil errichtet.
Der Baumeister Julian Vierungsgaden erschuf einen hellen und leichten
Bau, mit nur schmalen Säulen, die ein fast zierlich anmutendes Dach
tragen, durch welches man in der Nacht die Sterne funkeln sieht. Tiefe
Glasfenster schützen die empfindlichen Pflanzen vor der rauen Winterwitterung
und den schneidend kalten Winterstürmen, und lassen noch genügend
des trüben Winterlichtes durch, um den edlen Pflanzen das wachsen
zu erlauben.
Benannt nach einer der ersten Gewächse die in diesem Bau ihren
Platz fanden, nennt man das Gebäude die Orangerie.
Die Einweihung wurde im kleinen Kreis der Pflanzenforscher und
der Fürstlichen Familie vorgenommen.
Ritinus Federschwinge, Hofschreibe des fürstlichen
Hofes von Thal.
Abschließender Erntebericht des Fürstentum Thal
Das etwas verregnete Frühjahr machte die Heuernte spärlich,
denn teilweise fängt das Heu, welches nicht gänzlich trocken
eingebracht werden konnte, schon zu faulen an. Der folgende heiße
Sommer lies das Korn golden auf den Äckern reifen. Die fetten Ären
bogen sich unter ihrer Last. Geschnitten mit der Sense waren die Bündel
so schwer, dass so mancher Esel unter seiner Last stöhnte. Nach dem
Dreschen war die gute Qualität des Korn sichtbar. Doch nicht nur das
Bäckerhandwerk wird davon profitieren, auch die Schnapsbrenner sind
voll des Lobes.
In fast allen Teilen des Landes konnte die zweite Ernte trocken
in die Scheuern und Schober eingefahren werden. Der lange und sonnige
Herbst brachte noch gute Kartoffelernten. Allein das Obst wurde in weiten
Teilen von Ungeziefer befallen und trübte den sonst guten Schnitt.
Die Trockenheit des Sommers und das etwas rauere Klima im Osten des Fürstentum
bescherten den dortigen Bauern eine etwas schmalere Ernte als im übrigen
Teil des Landes. Dieser Nachteil wurde jedoch durch die Wiederbesiedlung
vieler verwaister Höfe durch den Baron fast wett gemacht.
Ritinus Federschwinger, Hofschreiber des fürstlichen
Hofes von Thal.
Der Drache ist vertrieben
31. Tag der 1. Saarka
Geraume Zeit suchten Ansgar von Beraht und Foranan McDonough in
den zahlreichen Bibliotheken von Flaitney nach Hinweisen, wie man den
Drachen aus der Camspitze vertreiben kann. Eines Tages fiel Foranan ein
sehr alter Text aus längst vergangenen Zeiten in die Hände.
Dieser beinhaltete eine Melodie bzw. ein Lied, mit welchem früher
der Eisdrachen aus Flaitney vertrieben worden war. Gleich am nächsten
Tag sendete Ansgar Boten aus, um erneut zu einer Expedition auf die Camspitze
einzuladen.
An 16. Tag der 1. Saarka trafen also zahlreiche Personen auf der
Feste Beraht ein. Ansgar von Beraht, seine Frau Fendra von Aueneck und
Baron Foranan McDonough begrüßten die ankommenden Gäste.
Zunächst seine Schwester, Roxana von Beraht, die zahlreiche hilfreiche
Gegenstände für eine Bergbesteigung mitbrachte. Des
weiteren Lordkanzler Johannes Vergenhans aus Cambrück nebst einiger
Cambrücker Gelehrter. Zum Schluss noch eine Gruppe Thaler Gardisten
unter der Führung von Feldwebel Wildbert Graustein. Nach Beendigung
des Thaler Herbstmanövers waren sie bestens auf diese Expedition
vorbereitet.
Der nächste Tag verlief eher ruhig. Letzte Planungen wurden
durchgeführt und wichtige Gespräche gerührt. Am Abend
erreichte ein Bote aus Flaitney die Feste Beraht. Er trug eine kleine
Holzkiste bei sich, welche für Baron McDonough bestimmt was.
In den frühen Morgenstunden des 18. Tages der 1. Saarka begann
dann die eigentliche Expedition. Baron Foranan McDonough berichtete noch
von der Holzkiste, welche ihm aus Flaitney geschickt worden war. Vorsichtig
brachte er eine alte Sackpfeife zum Vorschein, die wundervoll verziert
war. "Dies ist" so verkündet er voller Stolz "die Sackpfeife, mit
der vor Hunderten von Jahren einst der Eisdrache von Flaitney vertrieben
wurde. Wir dachten eigentlich, dass dieses Instrument schon lange nicht
mehr existiert, aber wir konnten es in einer unserer unterirdischen geheimen
Bibliotheken finden. Möge es uns auch dieses Mal gelingen, den Eisdrachen
zu vertreiben."
Der eigentliche Aufstieg zum Berg verlief relativ ereignislos.
In den Abendstunden schlug man ein Basis-Lager auf, welches ca. 500 Meter
unterhalb der eigentlichen Höhle des Drachen liegt. Wachen wurden
aufgestellt, ein Feuer entzündet.
Mitten in der Nacht zerriss ein Ruf die Stille der Nacht: "Der
Drache hat die Höhle verlassen!" Doch es war zu spät. Das Zelt
von Ansgar war zerrissen, der Freiherr unauffindbar.
Das Lager war sofort in heller Aufregung. Roxana von Beraht berichtete,
sie habe Geräusche gehört, welche eine Entführung Ansgars
durch den Drachen vermuten ließen. Die Wache, welche beim Zelt
des Freiherrn stand, verstarb noch an Ort und Stelle, bevor der Medicus
irgendetwas unternehmen konnte. Er hatte zu schwere Verletzungen. Sein
Speer lag zerbrochen neben ihm.
Die Gelehrten aus Cambrück fanden neben dem zerstörten
Zelt einige wenige Abdrücke, welche definitiv vom Drachen stammen.
Aber sie fanden sie kein weiteres Blut.
Die Wachposten, welche sich unweit der Höhle befanden, berichteten,
der Drache sei noch nicht wieder zu seiner Höhle zurückgekehrt.
Einer der Wachen wollte gesehen haben, wie der Drache zur Bergspitze
hinauf geflogen sei. Ein Aufstieg würde ungefähr eine Stunde
dauern. Inzwischen stieg langsam die Dämmerung heran.
Lordkanzler Vergenhans hielt eine kurze Andacht, um den Segen der
Götter zu erbitten. Ebenso sollte der Tote auf Gwons Schwingen sicher
in sein Licht gelingen. Danach ging man schnell zur Drachenhöhle,
welche eingehend untersucht wurde. Man kroch selbst bis in die hintersten
Winkel der Höhle. Doch nichts, absolut gar nichts deutete darauf hin,
dass Ansgar hier gewesen war.
Wieder am Tageslicht stellte man fest, dass Schneefall eingesetzt
hatte. Roxana meinte zu den Anwesenden: "Hier werden wir wohl nicht weiter
fündig. Unser Ziel ist daher wohl der Gipfel. Steigen wir also auf
den höchsten Punkt des Berges."
Es wurde alles zusammengepackt, was notwendig war. Baron McDonough,
Baronin von Beraht, sowie Lordkanzler Vergenhans brachen sogleich mit
neun Mann Begleitung zum Berggipfel auf. Der Rest verblieb beim Basis-Lager.
Nach einiger Zeit war die Spitze des Berges zu sehen, schemenhaft
der Drache zu erkennen. Er schienen die Gemeinschaft noch nicht bemerkt
zu haben. Undeutlich war auch eine zweite Gestalt zu erkennen. Foranan
beschloss, auf der Sackpfeife die gefundene Melodie aus der Bibliothek zu
spielen.
Sobald die Sackpfeife aufblies nahm er die Form eines großen
Drachen an. Die Schalmey besaß eine Drachenkopfschnitzerei mit
Augen aus Aurazith. Die vier Bordune bildeten paarweise miteinander zwei
Schwingen aus bläulich-weißem Stoff. Auch der lederne Sack
besaß eine solche Färbung. Doch klang er beim spielen irgendwie
unharmonisch.
Aber es war zu spät, der Drache hatte die Gruppe bereits bemerkt.
Das Starren seiner Augen durchdrang selbst den fallenden Schnee. Foranan
fing in aller Eile an, die Pfeife zu stimmen. Panik verbreitete sich
unter dein Anwesenden. Plötzlich zog er ein altes, schon etwas vergilbtes
Pergament aus einer der Bodrunen hervor, auf dem Noten abgebildet waren.
War die gefundene Melodie aus der Bibliothek etwa nicht die Richtige?
Rasch baute der Baron die Sackpfeife wieder zusammen und spielt die Melodie,
welche er gefunden hat. Sofort erfüllte sie die Luft und breitet
sich rasch über den gesamten Berg aus. Jeder, welcher diese Melodie
hörte, wurde von einer inneren Wärme ergriffen, als kämen
schon jetzt die Poënamonde. Alle Blicke richteten sich nun auf die
Bergspitze. Was würde geschehen?
Der Drache saß immer noch auf der Bergspitze. Doch duckte
er sich nun, als ob er versuchte, dem Schall auszuweichen. Die Sekunden
vergingen wie Minuten. Und endlich geschah das Unfassbare. Das Drache
breitete seine Flügel aus und erhob sich in die Lüfte.
Roxana von Beraht war nun nicht mehr zu halten. Schnell rannte
sie den Berg hinauf, Baron McDonough und der Lordkanzler folgen sofort.
Oben angekommen fanden die Ansgar sitzend auf einem Felsbrocken, in
seine zerrissene Schlafdecke gehüllt. Im Arm hielt er ein großes
Ei. Er war, den Umständen entsprechend, bei guter Verfassung und
wies offensichtlich keinerlei Verletzungen auf.
Schleunigst wurde er zurück ins Basislager gebracht, um sich
dort aufzuwärmen. Hier berichtet er der Gemeinschaft von dem Ei und
dem, was ihm der Drache aufgetragen hatte: "Der Drache sagte, hier sei
kein Platz für ihn. Er spürte, dass er nicht willkommen sei
und wir ihm feindlich gesinnt seien. Daher wollte er sein enormes Wissen
auch nicht mit und teilen. Doch räumte er uns eine Chance ein. Er
hinterließ mir ein Ei, aus welchem irgendwann einer seiner Nachkommen
schlüpfen wird. Zu jenem Zeitpunkt wird er zurückkehren, um
sein Urteil zu fällen, ob wir es wert sind, seine Weisheiten zu erfahren.
Das Geschlecht derer zu Beraht soll nun auf das Ei aufpassen, bis er wiederkehrt
... in ungefähr 100 Jahren."
Nach einer geruhsamen Nacht kehrte man nun frohen Mutes am 20.
Tag der 1. Saarka wieder zur Feste Beraht zurück. Hier wartete
bereits Fendra von Aueneck, die ihren Ehemann herzlich in die Arme schloss.
Am 23. Tag der 1. Saarka brach die Gemeinschaft schließlich
nach Hochwalden auf, um dort ein Freudenfest zu veranstalten. Gleichzeitig
wurde hierbei die Poëna-Ehe zwischen Ansgar und Fendra für
ein weiteres Jahr und einen Tag verlängert.
So nahmen die Geschehnisse um die Camspitze und den Drachen doch
noch ein glückliches Ende. Danken wir den Vieren für ihren
Schutz und Ihre Hilfe.
Berengar Abelard, Schreiber derer zu Beraht
Neues Programm im Phönix
Farbenprächtige Plakate tauchten in den letzten Tagen an
den Häuserwänden der Betiser In-nenstadt auf: "Der Phönix",
das Vergnügungslokal beim Theater, kündigt darauf ein neues,
sensationelles Abendprogramm an. So ist es Geschäftsführerin
Tessa Falkenhagen gelungen, namhafte Künstler der Darianoper für
eine Saison zu verpflichten. Frau Falkenhagen, wie immer in geschmackvolle
sedomeeische Seide gehüllt, zeigte sich sehr erfreut, der Betiser Gesellschaft
diesen Kunstgenuss präsentieren zu können: "Die Mitglieder der
Truppe waren bis vor kurzem in Lasogaz engagiert und feierten im dortigen
"Phönix" rauschende Erfolge. Auf Vermittlung des Geschäftsführers
gelang es mir, die Künstler zu einem horrenden Preis nach Betis zu holen.
Das Erfolgsprogramm besteht aus den bekanntesten Arien und Duetten berühmter
Darianopern. Auch der berührende Shayedi-Chor "Flieg, mein Burai" wird
zu hören sein. Wir bieten diese außergewöhnliche Abendunterhaltung
zusammen mit einem spe-ziellen Menü an, in dem darianische Gaumenfreuden
eine besondern Platz einnehmen. Ich lade alle Betiser Bürger herzlich
dazu ein!" Gesonderte Einladungen an die oberen Zehntau-send werden
nachgereicht.
Unruhen im Hafenviertel
Verstärkte Schlägereien und Übergriffe im Hafenviertel
geben Anlass zur Sorge in der Garni-son. Der Pressesprecher der Kommandatur
gibt sich betont harmlos: Es handle sich nur um ein paar Meinungsverschiedenheiten
zwischen Grundstückseigentümern. Es bestehe kein Grund zur Aufregung,
man habe die Lage unter Kontrolle. Unser Informant jedoch berichtete
von ernstzunehmenden Unruhen in der Betiser Unterwelt, die wohl durch
den Tod der "Krähe" ausgelöst wurden: "Der Besitz wird verteilt.
So ist das halt, wenn reiche Leute sterben. Alle wollen was vom Kuchen
abhaben. Ist ganz normal...." Im Augenblick beschränkten sich die
Streitereien noch auf mehr oder weniger harmloses Kräftemessen. Sollte
es jedoch zu keiner schnellen Einigung kommen, müsse man mit etwas
unangenehmeren Kämpfen rechnen, die jedoch die desinteressierte Betiser
Bevölkerung kaum berühren dürften. Wir wollen hof-fen, dass
die Garnison auch weiterhin die Lage unter Kontrolle hat!
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
| Was sich schickt |
Und was nicht |
- Nadelbäume
- Darianoper
- Königliche Hofsekretärsbelehrungen
- Herzöglich-Ostarisches Amt für Meinungsforschung
|
- Unruhen
- Mobilmachung
- Sich ehelichende Äbte
- Notorische Reichsfeinde
|
Der Handelsprophet
| Tageskurse |
|
| Aurazith 1 heligonische Unze |
1 Dukaten und 2 Kreuzer |
| Handschuhe 1 Paar |
1 Groschen und 9 Kreuzer |
Mistel 1 Zweig
|
1 Dukaten und 2 Groschen |
Der Aurazithkurs lässt nach langandauerndem Hoch wieder ein
wenig nach und stabilisiert sich derzeit auf einem mittleren Niveau. Die
sehr starke Erhöhung des Handschuhpreises ist nach Expertenmeinung
an zwei Punkten festzumachen: Erstens sorgt die kalte Jahreszeit für
ein gestiegenes Interesse an dem Produkt. Zweitens habe aber auch die
erhöhte Fehdeerklärungsrate, mit dem üblichen Prozedere
des Fehdehandschuhwerfens, von Baron Krator von Rebenhain einen bedeutenden
Einfluss auf die hohe Nachfrage und damit auf den Preisanstieg. Der Grund
der Kurserhöhung von Misteln wiederum ist unklar, Analysten diskutieren
als mögliche Ursache die Verbreitung eines Brauches, bei dem ein Mistelzweig
benötigt wird.
Gunst und Kunst
Was die Heligonier am liebsten hören
|
1(1)
2(-)
3(2)
4(7)
5(6)
6(-)
7(4)
8(5)
9(8)
10(9)
|
Sie könnten Giganten sein - "Am Ende
der Tour"
Die letzten Fernwanderer - "Es braucht nur zwei wie uns"
Drachenhainer Jagdchor - "Der weisse Hirsch"
Rebenhains Romantische Räuber - "Laß mich Deine Gugel
sein für eine Nacht!"
Dozenten der Akademie der schönen Künste - "Das Beste
von allem"
Die Unsichtbaren - "Auf der Straße nach Escandra"
Wjelkin, der Lange - "Sven Herulfsson"
Harald Schönefonte - "Eiland im Sonnenschein"
Emaranseeflottenchor mit Harald Schönefonte - "Die Natter schläft
heut' Nacht"
Cestric van Kenn-Dallir - "Die Suche nach den Resonanzen" |
Stadtgeschehen
Ganz in der Nähe des Betiser Theaters wurde in der vergangenen
Woche ein Denkmal zu Ehren des "Unbekannten Fernwanderers" eingeweiht.
Die Statue, welche gute drei Schritt misst, zeigt einen schwerbepackten,
aber nichtsdestotrotz gut gelaunt scheinenden Wanderer sehnsüchtig
in die Ferne blickend.
Aufgrund der jahreszeitbedingten kalten Wetterlage, so verkündete
es der Sprecher der beliebten Utzgan-Mannschaft "Sturm Betis", werden
die Sportler voraussichtlich in den kom-menden zwei Monden ein Trainingslager
in Darian abhalten. Auf Fragen zu den genauen Schwerpunkten der Saisonvorbereitung
sowie zu möglichen Neuverpflichtungen von Spielern ging er allerdings
nicht ein.
Bürger des Monats
In diesem Monat wurde Maurizio del Pontanella von der ehrenwerten
Jury zum Betiser Bürger des Monats ernannt. Der Inhaber und Geschäftsführer
von "Maurizios Tuchboutique" habe es trotz der Schwierigkeiten und Tumulte
bei der Anlieferung der neuen Stoffkollektionen (wie die Betiser Tribüne
in ihrer vergangenen Ausgabe berichtete) geschafft, einen kühlen
Kopf zu bewahren und mithilfe der Stadtwache die zwischenzeitlich kritische
Situation unter Kontrolle zu bekommen. Auch die vorübergehende Konfiszierung
der Tuchkollektionen habe für den Verkauf in den darauf folgenden
Tagen, also nach Beruhigung der Geschehnisse, kei-ne negativen Auswirkungen
gehabt. Die Jury betonte ausdrücklich die herausragende merkan-tile
Tüchtigkeit des Geehrten als ein Hauptmotiv für seine Ernennung.
Der Orden der Templer zu Ankur ehrt gefallenen Helden
Am ersten Tag des Frostmondes dreiundneunzig nach der Erleuchtung
versammelten sich Großmeister, Ordenskapital und viele Priester-
und Kriegerbrüder des Ordens der Templer zu Ankur in der Kirche des
Seligen Darons, um gemeinsam die Abendmesse des Hilariustages zu feiern.
Im Anschluss an die feierliche Zeremonie trat der Großmeister der
Templer zu Ankur vor die versammelten Templer. Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach
blickte kurz zu Wentorius von Waldhort, dem Landkomtur der neuen Ballei
Sengenberg, der eigens angereist war, um als drachenhainer Vasall den verhinderten
Fürsten von Drachenhain zu vertreten, und ergriff das Wort: "Wir wollen
heute diese Versammlung nutzen, um einen tapferen Soldaten unseres Ordens
zu ehren. Eobert von Gasvin, Ritter unseres Ordens, gab im Drachenberg-Feldzug
sein Leben hin, um den Fürsten von Drachenhain vor einem feigen Anschlag
zu retten. Als die Mannen in einen Hinterhalt von Armbrustschützen
gerieten, gab Eobert die eigene Deckung auf und schütze mit seinem Schild
Leib und Leben seiner Hochgeboren Waldemar von Drachenhain. Ohne Schutz traf
ihn selbst ein Bolzen in der Brust. Binnen weniger Augenblicke verstarb unser
tapferer Ritter an der tödlichen Wunde. Der Dank des Ordens und sicherlich
des gesamten Fürstentums Drachenhain ist ihm für diese aufopferungsvolle
Tat gewiss. Auch wenn Eobert nicht dem höheren Adel des Königreiches
angehört, so ist er dennoch ein großer und wackerer Streiter
gewesen und des Titels Großkreuzritter würdig. Wir, Kalveram
von Norrland-Brassach, Großmeister der Templer zu Ankur, ernennen
am heutigen Tage den edlen Eobert von Gasvin, einen Sohn Amiens, posthum
zum Großkreuzritter der Templer zu Ankur!"
Ein neuer Großmeister für den Orden der Templer zu
Ankur
Am letzten Tage des Frostmondes dreiundneunzig nach der Erleuchtung
fiel der Schnee in feinen Flocken, als Kalveram von Norrland-Brassach,
Großmeister der Templer zu Ankur, auf das eigens gezimmerte, hölzerne
Podest auf dem Marktplatz von Daronsfeste, der Hauptstadt der Ballei Hohentor,
stieg, um sein Wort an die auf dem Platze versammelten Männer der Templer
zu Ankur zu richten. Alles was Rang und Namen im Orden hatte, ging in Habacht-Stellung,
als Kalveram die Mitte des Podestes erreicht hatte. Bevor der Großmeister
seine Rede begann, blickte er lange in die Gesichter vieler tapferer Krieger:
Soldaten, mit denen er im Norden der Markgrafschaft Norrland-Brassach so
manche Schlacht gegen die Ödländer geschlagen hatte, und Priester,
die ihm stets mit ihrem Beistand und Rat zur Seite standen.
"Templer zu Ankur, zum Wohle des Ordens geben wir kund, dass wir
am heutigen Tage von unserem Amte als Großmeister der Templer zu
Ankur zurücktreten!".
Ein überraschtes Raunen ging durch die Menge, nach einer Weile
folgten einzelne Kalveram-Rufe, die letzten Endes aus fast allen Kehlen
erklangen, um den Großmeister zum Bleiben zu überreden. Mit
beiden Händen gebot Kalveram die Menge zu Schweigen.
"Ja, auch uns fällt es schwer, diesen Weg zu gehen, aber dieser
Schritt ist unausweichlich. Wir müssen dem Orden die gleiche Stellung
innerhalb der Heiligen Ceridischen Kirche erhalten, die auch die anderen
Orden inne haben. Auch wollen wir mit unserem Tun Schaden vom Orden abwenden,
der sicherlich entstehen würde, sofern wir unser Amt nicht zur Verfügung
stellen würden. In unseren Gesprächen mit dem Primus, der vor
einem Monat für gut zwei Wochen in unserer Ballei verweilte, ist
dieser Entschluss in uns gereift. Ruhe und Frieden soll wieder in allen
Gemeinden der Heiligen Ceridischen Kirche, insbesondere in Drachenhain,
einkehren. Gemeinsam und mit großem Einvernehmen beschlossen wir
beide, dass fortan ein anderer dem Orden vorstehen soll."
Mit einer Geste bat der Markgraf von Norrland-Brassach Hadebrand
von Grauburg auf die Holzkonstruktion zu treten. Als der Ordensmarschall
neben Kalveram stand, gaben sich beide Männer lange die Hand. Dann
erklang die Stimme des scheidenden Ordensmeisters erneut:
"Seht, dies ist Euer neuer Großmeister, der ab dem morgigen
Tage die Führung des Ordens der Templer zu Ankur übernehmen wird.
In seiner Funktion als Ordensmarschall und unsere rechte Hand hat er dem
Orden immer treu und tapfer gedient. Folgt Hadebrand, wie Ihr einst mir
gefolgt seid!". Kalveram trat nun einen Schritt nach hinten, dann forderte
er die Menge auf, Hadebrand zu rufen. Auch wenn der Jubel erst zögerlich
einsetzte, so rief alsbald der ganze Platz begeistert den Namen des neuen
Großmeisters der Templer zu Ankur. Wenn man genau hinhörte,
konnte man aber vereinzelnd Männer hören, die noch immer Kalveram
riefen ...
Ceridische Schola in Hohenforingen gegründet
Der Baron Adalbert von Hohenforingen ließ am
1. Kargmond des Jahres 93 n.d.E. im Kloster Rodi, nahe der Grenze zu Dunkelstein,
den Grundstein für eine ceridische Schola legen. Dies soll keine Universität
sein, an der gelehrt wird, sondern vielmehr ein Ort, an dem gesammeltes
ceridisches Wissen aufbewahrt und jeglichem zur Einsicht gegeben werden soll,
der nach Erleuchtung strebt. Der Baron erwägte schon seit längerem
die Gründung solch einer Institution, da es in ganz Heligonia zwar einige
Universitäten gibt, aber bis auf Gunnara kaum bedeutende Zentren ceridischer
Gelehrsamkeit.
Die Schola besteht vornehmlich aus einer großen Bibliothek mit
Lesesaal und Disputationshalle. In dieser Bibliothek existieren bislang
noch nicht viele Schriften, doch wird jeder Besucher der Schola dazu angehalten,
sein Wissen einzubringen und gebeten, eine Abschrift seiner Bücher
zu erlauben.
Gründungsdokument der Schola zu Rodi
Wir, Adalbert von Hohenforingen, Baron daselbst, sind nunmehr zu der
Überzeugung gelangt, und dies nicht zuletzt durch die Begebenheiten,
welche sich in Unserer Anwesenheit beim Ceridenkonzil am 6. Tag des Wonnemondes
im Jahre 90 n.d.E. zugetragen haben, daß es an der Zeit sei, das Wissen
und die Schriften, so von großer Bedeutung für unser aller Glauben
sind, an einem Orte Unserer Baronie zu sammeln und zu einen, auf daß
die Weisheit gemeinsam erforschet werde.
Daher beschließen Wir, das Kloster Rodi, welches zu Unseren Ländereien
gehört und Unser barönlicher Stift ist, mit weiteren Mitteln
auszustatten, zu dem Zwecke, in den Mauern dieses Klosters eine Schola
zu gründen, in der jeglicher Mönch, aber auch weltliche Besucher
im Einklang mit dem klösterlichen Leben, in Ruhe und Beschaulichkeit
gesammelte libres, litterae und scripti mit dem Inhalt der Ceridischen
Lehre oder anderen Inhalten, die dazu dienen sollen, die Erleuchtung näher
zu bringen, studieren und mit Gleichgesinnten sich in disputa-tiones darüber
vertiefen kann. Wir hoffen, daß auf diesem Wege sich die Geister vieler
weiser geistlicher und auch weltlicher Männer austauschen, von den
Erfahrungen des anderen profitieren, ihre geistigen Errungenschaften der
Mitwelt und der Nachwelt mitteilen und erhalten sowie auf neue Entdeckungen
in ihrer Forschung nach größerer Erleuchtung stoßen.
Kern der Schola wird die bibliotheca, in welcher solcherlei Schriften
und Weisheiten auf Pergament, Papier und Stein zusammengetragen und den
Studierwilligen zur Einsicht in einem Lesesaal überlassen werden. Der
Studierende wird sich in die klösterliche Ordnung fügen und während
seinens Aufenthaltes sein Leben gemäß dem Leben der Mönche
im Kloster führen. Er wird an den Gottesdiensten, Gebeten und Mahlzeiten
der Brüder teilnehmen, so er selbst kein Mönch ist, dann als Novize
auf Zeit.
Leiter dieser institutio wird der Abt zu Rodi als praefectus scholae,
in diesen Tagen Lothar von Torpstein und nach dessen Ableben in Zukunft
jeder weitere Abt von Rodi. Zu seinen Obliegenheiten wird es gehören,
die Mittel, so erhalten durch Stift und Steuer, gerecht einzusetzen, den Bestand
an libres, litterae und scripti der bibliotheca zu wahren und zu mehren.
Zu diesem Behufe wird der Abt einen obersten Bibliothekar, den praefectus
bibliothecae, nach eigener Wahl benennen, welcher, unterstützt von
diversen Helfern, sich um die Schriften zu kümmern hat. An solchen
Helfern wird der oberste Bibliothekar mit Zustimmung des Abtes einen conservator
librum, einen Archivar, wählen, dessen Pflichten darin bestehen, jegliche
libres, litterae und scripti zu verwahren und über deren Anzahl und
Exemplare zu wachen. Fürderhin wird der Bibliothekar das Kopieren von
Schriften einem Mönche anvertrauen, der als multiplicator librum walte,
und einen spector librum einsetzen, der die Ausleihe an studierwillige Besucher
zu seinen Aufgaben zählen wird.
Gegeben am 1. Kargmond des Jahres 93 n.d.E.
Post scriptum: Eine Abschrift dieses Dokumentes wird an eben diesem
1. Kargmond des Jahres 93 n.d.E. dem Grundstein der Schola beigelegt.
Der Eine & die Eine & die Sachen
Der Alton war ein braver Mann
Bis dass er zehn gewesen
Man steckte ihn ins Kloster dann
Damit er schreiben, lesen
Und beten lernen kann und all die Sachen
Die frommen Brüdern scheinbar Freude machen
Mit fünfzehn eine andre Wahl:
Der Bruder ist gestorben
Damit der Alton nicht total
Für das Geschäft verdorben
Lehrt man ihn Handel, Politik und all die Sachen
Die einmal einen Beutelschneider machen
So auf dem Weg in Amt und Rat
Trifft er ein Mägdelein
Die ihn beinah mit Rat und Tat
Geht näher ans Gebein
So dass er von Anwara träumt und all den Sachen
Die mit solch einem Mägdlein Freude machen
Da trifft den Schlag sein Mütterlein
Was macht der brave Bub?
Klemmt ein den Schweif und tritt rasch ein
In eine Klosterstub
Und lernt bis auf Bescheidenheit die Sachen
Die den Ditonius aus Alton machen
Man schickt ihn hier, man schickt in dort
In Städte, Länderein
Doch scheint für ihn der rechte Ort
Wohl Jolbenstein zu sein
Als Prior Jolbrucks kann man viele Sachen
Mehr nach der eignen goldnen Nase machen
Und teilt ein Fürst dann Jolbenstein
Fällt Ditonius nach oben
Als Abt von Lindfurt lässt sich fein
Leben und Einen loben
Man plagt sich nimmermehr mit all den Sachen
Die Bettelmönche niedren Ranges machen
Doch denkt Ditonius nicht nur ans Beten
Anwara lebt auch dort, das Mägdelein
Und um zu ihrer Wohnungstür zu treten
Fällt frommen Brüdern doch recht vieles ein
Und Lindfurts Abt denkt allzu oft an Sachen
Die Kuttenträger eigentlich nicht machen
Der Drang nimmt zu. Ditonius kanns nicht lassen
Geht in Anwaras Kammer ein und aus
Und eh ihn seine Kirchenbrüder fassen
Schreit er es rasch in alle Welt hinaus:
Ich bin ein Mensch! Ich möchte all die Sachen
Die Menschen tun, auch können, dürfen, machen!
Nun wär Ditonius ein Abt wohl nicht
Hätt er nicht gleich sein Kirch-Gesetz erneuert
Und die Anwara rasch geehelicht.
Respekt, Herr Abt! Ihr wisst, Ihr seid gefeuert
Doch könnt Ihr offiziell nun all die Sachen
Die alle tun, auch selbst in Ruhe machen
Halfnet, wo zum Sachenmachen keine 10 Jahre Anlauf
braucht
Termine
Helicon-Termine
21.03. - 23.03.03 Helicon 25 auf
Burg Wildenstein
29.05. - 01.06.03 7. helig. Adelstag
im Jugendhaus bei Nördlingen
19.09. - 21.09.03 Helicon 26 in
der Alten Mühle bei Dinkelsbühl
Weitere Termine
14.02. - 16.02.03 Nurian 3 auf
Schloß Bittelsbrunn bei Engen
Wichtig! Redaktionsschluss für den nächsten Boten!
Der nächste Helios-Bote erscheint zu Helicon 25 am 21.-23.03.2003.
Der Redaktionsschluss für Ausgabe 45 ist der 1. März 2003,
damit wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss
erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen
werden.
© Copyright Stefan Rampp, Inés & Marc Hermann
Berichte von Bert auf dem Keller, Arnulf Breuer, Henning Frank,
Oliver Friese, Steffen Heiß, Petra Jörns, Thomas Kessler, Christian
Klaus, Nicole Klaus, Thomas Konrads, Daniela Lochner, Simone Mehlinger, Benjamin
Rampp, Julia und Andreas Riedlinger, Markus Spree, Anna Ungureanu und
Niki Winkler
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