Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 1. Poëna n.A.III 30

Ausgabe 45

Kronkurier 

 Vater oder Ahnen - 

Ein der heligonischen Öffentlichkeit bereitgestellter Brief des Prinzen Leomar von Drachenhain

Liebe Freunde,
habt alle Dank für Euren Mut und Eure Beharrlichkeit, beides wird Euch in nicht ferner Zukunft vergolten werden. Ich erkenne in Euch wahren Söhne und Töchter Drachenhains und aufrechte Ogeden vor den Vieren. Gerne schlage ich ein, in Eure ausgestreckte Hand, denn der Weg, der vor uns liegt, ist lang, steinig und voller Gefahren. Doch wird er münden in wahre Ordnung für Drachenhain, im Einklang mit Helios, Poena, Xurl und Saarka! [...]
Nein, hier in Emarania wird mir der Tag wahrlich nicht lang. Viele Unwegsamkeiten, harren einer schnellen Lösung; manch unfreundlichen Geist, verlangt es nach einer Austreibung...
Dennoch bin ich wohlauf und hab mich über nichts zu beklagen. In Tlamana war das Leben voll, leicht und meist unbeschwert, doch eine Aufgabe hatte ich dort nicht - verzeih, Baronin!
Verglichen mit Ligonii, ist hier im Grunde alles anders: die Menschen, das Wetter, die Gebräuche, die Abende, der Morgen und manches mehr - doch alles ist mir noch wohl vertraut, nur weniges hat sich geändert seit damals.
Allein, das Land ist gut regiert worden - Angharad Elanor hinterlässt wahrlich ein wohlbestelltes Feld, voll in Blüte und im Korn. Wäre jetzt nur ein Nachfolger da, welch Born des Segens für ganz Ostarien! Aber, wie man in Drachenhain allzu oft zu sagen pflegt: "Es ist wie es ist!"[...]
Ja, gerne würde ich wieder einmal im Hochland reisen, dies Land ist wild und unbeugsam, genau wie die Menschen die darin wohnen. Wie viele gute Erinnerungen verbinde ich hiermit. Doch keine Angst, lieber Frauen und Männer aus Flaitney, Gaeltacht und Luchnar, "der Schwarze" wird mich nimmer mehr begleiten, er ist tief gefallen in meiner Gunst![...]
Warum ich die Schwertführerschaft von Drachenhain annahm, fragt Ihr? Nun, habe ich sie denn überhaupt angenommen? An meiner Seite ruht das Drachenhainer Schwert jedenfalls nicht. Wie ich hörte, kauert es im fürstlichen Jagdzimmer, verschlossen in einer Kiste, und wartet auf eine passende Hüfte. Der Tradition nach, müsste ich nun eigentlich emsig zur Feste eilen, um es mir, gepaart mit mahnenden Worten, von fürstlicher Hand umgürten zu lassen. Obgleich, weiß ER wie Ihr, dass ich Drachenhain im Augenblick noch nicht betreten werde. Doch glaubt mir, ich benötige kein Symbol, um bei Gefahr Drachenhain zur Seite zu stehen. Es ist vielmehr ein Spiel, bei dem der Geduldigste den Sieg davontragen wird. Lachhaft, aber wahr, so werde ich wohl eingehen in die Geschichte, als erster Drachenhainer Schwertführer ohne Schwert![...]
Ich sehe tiefe Gräben in Drachenhain, aufgerissen von einem alten Mann, oder besser gesagt, durch dessen unverbesserliches Misstrauen und ewige Zanksucht. Er will das Land und alle darin, "zum Licht" führen. Doch ist dieses "Licht" gut für das Land? Sind wir bislang nicht gut zurecht gekommen mit Helios Antlitz gepaart mit, Poenas Leib, Xurls Lebendigkeit und Saarkas Hauch? War es beim Ceridenkonvent nicht laut und deutlich zu vernehmen, wie es die ach so dankbaren ceridischen Vasallen mit dem Land ihrer Gönner halten?[...] 
Ob Drachenhain in Gefahr ist entzweit zu werden, fragtet Ihr. Ich sage "Nein!", denn entzweit ist es bereits! Seine eigene Tochter schickte er fort, es gibt keinen Platz mehr für sie. Selbst die Kirche scheint ihm zu klein für sie beide. Ist dies Grund zur Exkommunikation? Seine Durchlaucht trieb mit seinem Wahn auch mich aus dem Land. Müde und halbtot, wie ich war, suchte ich, nach dem angeblichen Wunder, das Weite. Ich will nicht wissen, was sonst geschehen wäre...
Ja, die Liste der Merkwürdigkeiten ist wahrlich lang und unerquicklich. Im Grunde vergeht aber kein Tag, da nicht ein weiterer Punkt hinzugefügt werden könnte. Es scheint mir deshalb geboten zu erheben, was sich in den letzten vier bis fünf Regierungsjahren des Fürsten Waldemar so zutrug. Ich beschränke mich ein paar wenige Beispiele.
Beginnen möchte ich mit dem sogenannten "Wolfenfeldkonflikt". Der ja im Grunde keiner war, zumindest nicht von Seiten Wolfenfelds. Bei den Vieren, wahrlich ein Wort der Frage hätte genügt und des Fürsten Misstrauen wäre komplett zerstreut gewesen. Es hätte nicht erst dazu kommen müssen, dass Nachbarn und Freunde einander im Felde gegenüberstehen, auch dass verrücktgewordene "Edle" aus Gründen des vorauseilendem Gehorsams, grausam Menschen töten und Dörfer niederbrennen, dass es selbst Helios graut, hätte nie geschehen müssen! [...]
Es ist gut einen Rosenbusch zu schneiden. Wildwuchs und augenlose Triebe müssen abgetrennt, junges, kräftiges Grün, gehegt und gepflegt werden. Aber was ist mit Drachenhain in den letzten Jahren nur geschehen? Das Land meiner Väter ist vor lauter Landreformen nicht mehr wiederzuerkennen. Ein allzu eifriger Gärtner ist in der Lage, einer Rose aus Übermut und eitlem Gestaltungswillen den wichtigen Lebenssaft abzuschneiden, das darf mit Drachenhain nie geschehen. Warum also der Fürst beispielsweise das Brazachdelta verschacherte gleich einem guten Stück Vieh, ich weiß es nicht.
Und was ist mit den großen Tempeln der Vier. Wohin hast Du sie versteckt Waldemar? Dachtest, Du hättest sie getilgt aus aller Erinnerung, wie? Dieser Raub, oh Vater, wiegt am schwersten! Das sei nie vergessen! Doch lass Dir sagen, bislang kam noch jede Schurkerei ans Tageslicht. Nicht nur ich weiß davon. Der Dame Saarka hast Du die Feste genommen. Eines Tages werden aber dieser, und auch all die anderen Schreine, wieder offen stehen, für alle Ogeden Drachenhains - mein Wort darauf! [...]
Etwas Gnädiges zu finden fällt mir wahrhaftig schwer. Ein Sohn hat dem Vater Respekt zu zollen. Doch was tun, wenn dieser alles, was seinen Vätern hoch und heilig war, vergessen zu haben scheint? Wem gebührt mehr Loyalität dem Vater oder den Ahnen?...
Für die Vier und Drachenhain!

Leomar von Drachenhain

 

Merkt auf, ihr Damen und Herren von welch wunderbaren und glorreichen Mär ich Euch zu berichten weiß. Wie so oft ist sie voll tapferer Helden und schöner Damen, doch auch das Böse strickt seine geheimen Fäden. Doch genug der Vorworte, denn ich bin Rajorg aus Zweibrücken, Hofchronist des edlen Geschlechtes der zu Freyenstein und Ihr hört die wahre Geschichte über die Heerschau der Wolfsmarker Streitmacht: 
Es war der Sommer des Jahres 1002 , als unsere hochgeschätzte Baronin Moruge von Wolfsmark ihr Heer in die wunderschöne Landschaft vor den Toren der Trutzburg befahl, um sich einen Überblick über die Wehrhaftigkeit des von uns allen so sehr geliebten Heimatlandes zu verschaffen. Doch auch niederes Volk war Dank der Großherzigkeit und Güte unserer aller Herrin geladen. Bald war ein Lager aufgeschlagen und die besten Männer Wolfsmarks, voll Kühnheit und Mut, warteten auf die Ankunft der Baronin. Und sie wurden nicht enttäuscht, denn noch am selben Abend traf unter großem Jubel des Volkes die weise Baronin samt ihrer schönen Tochter und Gefolge in dem Heerlager ein. Feierlich begrüßte sie ihre Truppen unter Führung des starken und tapferen Ashen Zaepesh und das Volk, dessen Wohl ihr so sehr am Herzen liegt. 
Viele Recken machten der Baronin ihre Aufwartung und sprachen bei ihr vor, so auch ein Söldnerhaufen namens "Die Lanze" der sich alsbald der gerechten Sache der Wolfsmark anschloß und sich der Baronin unterwarf. Nun aber wurde gefeiert, die Bardentruppe Katzenjammer spielte zur Belustigung aller auf und Wein und Met kreisten in rauhen Mengen durch die Runde. Kurzum, eine Fröhlichkeit und Unbekümmertheit herrschte unter den Niederen, wie man sie anderenorts nur noch selten findet. So verging die Nacht ohne Zwischenfälle und ein Jeder konnte sich Dank der aufgestellten Wachen in Sicherheit wiegen. 
Früh am nächsten Morgen, die Spuren der durchzechten Nacht steckten noch so Manchem in den Knochen, ließ der Schlächter seine Truppen auf dem Appellplatz antreten und der Feldherr sah mit Freude die Kraft und Entschlossenheit seines Heeres. Doch der Schatten der Gefahr lag dräuend über diesem friedlichen Lager, denn die tüchtigen Waldläufer und Kundschafter der Baronin hatten im Wald einen Armbrustbolzen gefunden, wie er nur von den dreckigen Hunden dieser unsäglichen Rebellion gebraucht wird. Schnell waren einige Suchtrupps gebildet, um die umliegenden Waldstücke nach diesem Abschaum zu durchkämmen. Und so machten sie sich unter Leitung der zwei hohen Militärs Uthgar, dem edlen und gerechten Kommandanten der Trutzburg und Marschall Ablath von Korna, dessem scharfen Blick nichts entgeht und dessen Pfeile nie ihr Ziel verfehlen auf, das Land endlich von dieser Plage zu befreien. 
So durchsuchten sie Stock und Stein, spähten in die verborgensten Winkel und tatsächlich trafen sie auf ein Weib, dass sich auf dem Weg in das Lager befand. Sie gab sich als Kara, eine Schankmagd aus der Taverne zu erkennen. Doch als man sie durchsuchte, fand man bei ihr ein hölzernes Amulett, das nur rebellischen Ursprungs sein konnte. Listig wie sie war, versuchte sie sich aus den Anschuldigungen herauszuwinden wie eine Echse, aber all ihre Lügen nutzten ihr nichts und so band man sie an den Pfahl, um des Späteren Recht an ihr zu sprechen. Zur Sicherheit wurden einige Wachen zu ihrem eigenen Schutz abgestellt, doch glaubte niemand ernsthaft daran, dass diese feigen Bastarde der Rebellion es wagen würden, sie zu befreien. Sicher war dieses zerlumpte Pack längst wieder in seine Löcher zurückgekrochen. Sofort machte sich der greise Hofmagus der Baronin, Encanto, auf, näheres über dieses Amulett in Erfahrung zu bringen. Durch sein großes Wissen und seine Kenntnisse über das Böse, insbesondere der Rebellion, gab es für ihn bald keinen Zweifel mehr, dass dieses Stück Holz nur ein Erkennungszeichen dieses jämmerlichen Bauernaufstandes, der sich selbst gern als Rebellion bezeichnet, sein konnte. 
Aber nun war es vorerst genug der schnöden Politik und so gab sich die Baronin die Ehre, zum Kurzweil ihres Volkes ein Stück von den Barden Katzenjammer aufführen zu lassen. Hei, war das ein Spaß unter den Zuschauern als sie ihre Eindrücke der Brautschau zu Blautann zum Besten gaben und ein weiteres Mal wurden die Menschen in ihrer Meinung bestärkt, dass Falkenhain, dieser bösartige Agressor, keine Möglichkeit unversucht ließ das freiheits- und friedensliebende Wolfsmark in einen Krieg zu verwickeln. So ging dieses Kleinod der Dichtkunst unter lauten Rufen und kräftigem Handgeklapper leider viel zu früh zu Ende. Nun aber war es an Zeit, über die Bauernmagd aus dem Wald Gericht zu halten und so berief die Baronin Moruge das heilige Thing ein, auf dass ihr Recht geschehe. Sodann wurde die Angeklagte vor das oberste Thing unter Vorsitz des ehrenwerten Marschall Ablath von Korna geführt, um ihre Schuldfrage zu klären. Die Beweislast der vom Schlächter vorgetragenen Anklage schien erdrückend und wiederum verstrickte sich die Maid nicht nur in Wiedersprüche, viel schlimmer noch wog, dass sie die allseits bekannten Regeln des Thing wiederholt aufs Gröbste brach. Nun muss selbst den Dümmsten der Beiwohnenden klar gewesen sein, dass dieses Weib schuldig sein musste und nicht Wenige dachten, dass ihr mit der zu erwartenden Todesstrafe Recht geschehe. 
Einzelne, wohl Recht und Ordnung Abgeneigte, fochten dieses heilige und gerechte Urteil jedoch an und so kam es, dass Leon la Hire, Ritter aus Burgund, von seinem angeborenen Recht als Edelmann Gebrauch machte und ein Gottesurteil forderte. Wie es der uns von den heiligen vier Elementen gegebene Brauch fordert, sollte es einen Zweikampf geben. Als Vertreter des Things wurde dessen ehrenwerter Vorsitz Marschall Ablath von Korna bestimmt. So stellten sich die beiden Kontrahenten voreinander auf, beide zogen ihre Waffen blank und wünschten dem anderen einen sauberen Kampf. Da brach der Kampf an und ein Raunen ging durch die Menge ob der hohen Schwertkunst beider Mannen. Marschall Ablath konnte den ersten Treffer für sich verbuchen doch der Zweite ging an Ritter la Hire. So wogte der Kampf hin und her und beide konnten den Sieg für sich erhoffen. Da hob Ablath sein Schwert um dem Kontrahenten den letzten Stoss zu verpassen, doch la Hire war schneller. Geschickt wich er dem Hieb des Marschalls aus und in der Drehung versetzte er ihm den finalen Schlag. Nun konnte es keine Zweifel mehr geben. Die heiligen vier Elemente hatten gesprochen und die Magd war unschuldig. Dank der vier Elemente war wieder einmal Gerechtigkeit in Wolfsmark geschehen. Alsgleich wurde Kara freigelassen und durfte ihrer Wege gehen. 
Die Menge frohlockte ob des gerechten Urteils und alle Mannen wollten wieder ihrer Tätigkeit nachgehen. Da erhob sich der Schlächter von Neuem und was er sprach ließ die Anwesenden erzittern. Triandaphilo, die wunderschöne Tochter der Baronin soll mit den Rebellen paktiert haben und schlimmer noch, sie soll deren heimliche Anführerin, die Rote Rose, sein. Erzürnt rief die Baronin ihren Schlächter an was er sich erlaube, doch zu unser aller Trauer konnte er stichhaltige Beweise vorbringen. So musste die Comtesse in das Thing treten um sich ihrer Anklage zu stellen. Zwar leugnete sie vehement ihre Schuld doch der Schlächter konnte mehrere Zeugen aufbieten, die den Hochverrat bestätigten. Da zerbrach unsere weise und starke Baronin ob des gemeinen Verrats ihrer so sehr geliebten Tochter innerlich und voll Trauer war ihr Antlitz. 
Nun herrschte großes Wehklagen unter den Gemeinen, da sie die Comtesse fast genau so geliebt hatten wie die Baronin, doch schlimmer noch wog die Entäuschung über den Blutverrat Triandaphilos. In diese Trauer brach Die Lanze, alle heiligen Gesetze des Things missachtend, in die Runde vor und bildete einen Schildwall um die Comtesse. Dabei schrieen sie fadenscheinige Gründe heraus, warum sie den gottgewollten und gerechten Schiedsspruch des Things nicht anerkennen wollten. Der Schlächter, erzürnt über den Verrat der Lanze an allem was uns heilig ist befahl die sofortige Entwaffnung der Söldner. Doch da erhob sich der gemeine Pöbel, allen voran ein dreckiger Barbarenhaufen namens Hahnenschrey und griff, angestachelt durch Die Lanze, die nichtsahnenden Wolfsmarker Soldaten an. Der Schlächter, wie immer Herr der Lage, befahl die sofortige Entwaffnung der Aufrührer, doch der Pöbel wiedersetze sich und ein
heftiger Kampf entbrannte. Die braven Wolfsmarker Soldaten bildeten sogleich eine Reihe und trieben die Aufständigen zusammen wie Vieh. Doch die Aufrührer waren groß an der Zahl und verbissen weigerten sie sich aufzuhören. So standen sie sich gegenüber, die Schwerter im Hass gezückt, Wolfsmarker Soldaten und der Pöbel und ein heftiger Kampf entbrannte. 
Die Streitmacht der Wolfsmark schlug sich glorreich, doch hatte sie auch Verluste zu beklagen. Mein Herr, Freiherr Wolfram Egilo zu Freyenstein lag danieder, schwer verletzt durch einen Schwerthieb aus den Reihen von Hahnenschrey. Doch Uthgar, unserem geliebten Kommandanten ereilte noch Schlimmeres. Er verstarb noch während der Schlacht an einem feige abgefeuerten Pfeil und auch unter den gemeinen Soldaten gab es Tote zu beklagen. Da endlich schritt die Baronin in ihrer Weisheit ein und befahl den Aufrührern zur Raison zu kommen und die feindlichen Handlungen einzustellen, was diese zu ihrem Glück auch sofort taten. Alsbald, als die Ruhe wieder hergestellt war, machte sich Encanto auf, um im Wald weitere Spuren dieses zerlumpten Rebellenpacks zu finden. Doch ein schreckliches Unglück geschah. Diese feigen Hunde von Rebellen schlichen sich hinterhältig an den glorreichen Hofmagus heran und überwältigten diesen, um ihn gen Falkenhain zu verschleppen. Auch der Schlächter, der Encanto folgte, wurde gefangen. Doch es kam noch schlimmer. Marschall Ablath von Korna, ausgesandt von der Baronin nach den beiden Vermissten zu suchen, lief mit seinem Suchtrupp der Rebellenübermacht geradewegs in die Arme. So wurde auch er Festgesetzt und nach Falkenhain verbracht. 
Als das Lager diese Schreckensnachricht erreichte, herrschte großes Wehklagen und unserer schönen Baronin blieb nichts anderes übrig, als Verstärkung von der Westfront anzufordern. Nun hatten diese Bauernlümmel den Bogen überspannt und mit Feuer und Schwert sollte unsere furchtbare Rache an ihnen vollstreckt werden. Bange Stunden vergingen und die Furcht ging dräuend durch die Gemeinen. Da endlich erschien Truppführer Honk mit seinen Getreuen, um diesem Pack die Stirn zu bieten. Gerade zur Rechten Zeit, den es sollte eine Verhandlung zwischen der Baronin und dem Führer der Rebellion, dem Steinmetz Knulf, geben. So machte sich die Baronin Moruge unter dem Schutz ihres Heeres und der Lanze auf, den Steinmetz zu treffen. Die Baronin, guten Mutes da sie ehrliche Absichten hegte, führte die Verhandlung. Doch die Rebellen hatten nur fadenscheinige Gründe vorzubringen und wollten, wie nicht anders zu erwarten den Kampf. Da wurden die Schwerter gezogen und das große Gemetzel begann. Man hörte das Klirren von vielen Schwertern und der Boden färbte sich Rot vom Blute der Gefallenen. 
Doch Wolfsmark behielt die Oberhand und konnte die Aufsässigen vernichtend schlagen, so dass Knulf fliehen musste um nicht am Galgen zu Enden. Da war die Freude groß und ein Jeder war stolz auf das tapfere Heer. Nun war alles getan, der Sieg war errungen und die Heerschau kam doch noch zu einem Guten Ende. So wurden alsbald die Zelte abgebrochen und die Baronin begab sich zurück nach Wolfenhaupt. Nur die Gemeinen blieben noch, um den Sieg zu feiern. 
Das werte Damen und Herren war die Mär der Wolfsmarker Heerschau und sie ist wahr, so wahr ich Rajorg der Hofchronist bin. So lasset uns die Humpen auf den großen Sieg der Wolfsmark heben, auf das ihm noch viele Weitere folgen mögen.
 
 

Drachenhainer Herold

Des Abt von Lindfurt schwerer Gang

Als Abt Ditonius Ende des Kargmondes zum Ceridenkonzil aufbrach, wusste er, dass er als anderer heimkehrt. Grund war die Hochzeit im vergangenen Herbst zwischen der Edlen Anwara von Hagenrich und ihm. Taktgefühl bewies er nicht, denn ausgerechnet in seiner misslichen Lage brachte er seine Frau und deren Schwester die Edle Thyra von Hagenrich mit zum Kloster Rodi in Hohenforingen. Sie hatte ihr Noviziat vor einem Jahr im Richilesruher Nonnenstift abgelegt, und hat sich nun erneut in die Obhut der beim Konzil anwesenden Äbtissin des Hilariusitenkloster, welche nun neuerdings auch die Herrin des Klosters ist, begeben.
Abt Ditonius wurde der Bruch des Gelübdes, und von manchen sogar die Verhöhnung des heiligen Sakramentes der Ehe vorgeworfen. Während des Konzils wurde seine Fehlhandlung hinter verschlossenen Türen verhandelt, auch bei den öffentlichen Sitzungen wurde seine Fehlung direkt angesprochen, denn der Unmut war bei den ceridischen Brüdern und Schwestern groß. Primus Pacellus hat ihm eine großzügige Frist, den Abend am letzten Konziltag, für eine Entscheidung gewährt, unter anderem weil Fürst Waldemar zur Unterstützung des Lindfurter Ditonius – oder Alton von Fichtenhau mit weltlichem Namen - den drachenhainer Kanzler Giselher entsannt hatte. Hinter vorgehaltener Hand sagte man, dass er Primus Pacellus zu verstehen gegeben habe einzulenken. Schließlich fördere der Fürst die ceridische Kirche in hohem Maße, man denke nur an die Lehenvergabe im Süden des Landes. Jetzt könne sich die Kirche auch mal erkenntlich zeigen.
Primus Pacellus forderte die Entscheidung zum Orden, oder zum Weltlichen. Sein Amt als Abt würde er ohnedies verlieren, und seine Ehe wird, egal zu welcher Entscheidung er auch kommt, nicht anerkannt. Die Spannung stieg unterdessen, und immer wieder wurde er bedrängte, Stellung vor der Öffentlichkeit zu nehmen, und seine Entscheidung bekannt zu geben.
Am Nachmittag dem Hilariustags, dem letzten Konziltag gab der Lindfurter seine Entscheidung bekannt. Bereits in der Lindfurter Kleidung betrat er, der Edle Alton von Fichtenhau, den Raum, übergab sein Ordensgewand und entschied sich somit für Anwara. Schließlich enthob Primus ihn von seinem Amt und entließ ihn aus dem Pretoriusanerorden. Seine Hochzeit mit der Edlen Anwara von Hagenrich wird nicht anerkannt. Außerdem verfügte er, dass die Abtei und das Kloster Lindfurt in den nächsten Wochen mit einem neuen Prior, und später mit einem neuen Abt zu besetzen sind. Nach dem Mord an Prior Lupus gibt es in Lindfurt für den Abt keinen Stellvertreter. Wie die ceridische Kirche mit Pater Randelfried - der einst die Trauung vollzog - verfährt, äußerten sich die Würdenträger nicht.
Noch am Abend reisten Gieselher, Alton, Anwara und ihre Schwester Tyra ab. Jene begleitete ihre Schwester und Alton nicht nach Lindfurt, sondern schritt dem Kloster Richilesruh im nächsten Morgen ihres Lebens als Nonne Idone entgegen.
Im großen und ganzen kam der Lindfurter mit einem blauen, aber schmerzenden Auge davon. Nur in einem Punkt kam der Primus ihm entgegen. Der Edle Alton von Fichtenhau darf seine geliebte Anwara von Hagenrich erneut heiraten. Dass die erneute Trauung bald sein wird, ist zu erwarten, wer der Trauende seien wird, ist jedoch mit Spannung zu erwarten.
Gegeben am 8.Frostmond, im Kloster Rodi

Die Ereignisse im alten, neuen Lindfurt

Erst wenige Tage nach der Rückkehr unseres ehemaligen Abtes Ditonius, dem nun wieder Edlen Alton von Lindfurt, traf ein Bote aus St.Aluin in Lindfurt ein. Sein jahrelanger Lehrer, Freund und Bischof Ceridian Aegidio zitierte ihn zu sich. Gleich am nächsten Tag brach er gut eskortiert auf. Nach dem Fund der Liste bei dem sengenberger Adveristen, ist das Reisen in Drachenhain für ceridische und weltliche Würdenträger gefährlich geworden. In seinem Kloster „Heilig Aluin“ nahm ihn Bischof Ceridian Aegideo sich zu Brust, was ihm einfiele, einfach eine Hochzeit zu halten, eine Anzeige in den Heliosboten zu setzen und auf die Reaktion der Kirche zu warten. Nach einer heftigen Aussprache fanden sie aber dennoch wieder zueinander, und sie gingen beide wieder im Guten auseinander. Zurück in Lindfurt wartete bereits der nächste Bote auf ihn. Fürst Waldemar wünsche den Edlen Alton von Fichtenhau und die Edle Anwara von Hagerich zu sehen.
Sie reisen eskortiert Tags drauf nordwärts über Drispalten, eine andere größere Marktstadt in Lindfurt. Dort erwarten drei Männer der wenigen ogedischen Dörfer, an der Jolbensteiner Grenze Alton von Fichtenhau. Einer von ihnen, ihm bereits bekannt als Dorfsprecher. Sie lud ihn zu einem wichtigen Gespräch mit einem der Ältesten. Nach einer Stunde stürmte Alton mit todernster Miene aus dem Gasthaus. Ob das Gespräch die Baronie betrifft ist fraglich, zumal er nicht mehr als Lehnnehmer eingesetzt ist.
Sie ritten unverzüglich mit ihrer Garde auf die Drachentrutz. Obwohl sie bereits nach Mitternacht ankamen, bat Alton von Fichtenhau bei Fürst Waldemar noch um eine kurze Audienz. Schließlich gingen beide erst kurz vor dem Morgengrauen in ihre Schlafgemächer.
Am nächsten Tag erstrahlte die Feste Drachentrutz Sonnenschein in vollem Glanz. Endlich lernte der Fürst Anwara von Hagenrich kennen, wegen der es so viel Wirbel gab. Er schien sie gleich ins Herz geschlossen zu haben, und bei einem Spaziergang in den Burganlagen scherzten sie viel miteinander. Beim Festessen am Abend sagte Fürst Waldemar von Drachenhain frei heraus: Den Lehensbrief für Lindfurt vergibt er nicht weiter an die Ceridische Kirche. Die Abtei wird wieder eine Baronie. Er schritt in die Mitte des Saales. „Tritt vor mich, Alton von Fichtenhau, und knie nieder. Schwöre mir, Deinem Fürst den Treueid ...und erhebe Dich als Baron Alton von Lindfurt.“ Überglücklich fiel Anwara ihrem frischgebackenen Baron um den Hals, und konnte sich auch einen Kuss auf Fürst Waldemars Wange nicht verkneifen. Der alte Haudegen war sichtlich überrascht, und trotzdem etwas geschmeichelt.
Tags drauf besprachen Waldemar und Alton noch viele Angelegenheiten die die neue Baronie betreffen.
Am Folgetag stand die Kutsche mit der Garde im Hof. Der Baron und die Baronin verabschiedeten sich von Fürst Waldemar und Waldemar schaute Alton noch einmal tief ins Auge und sprach: „Kümmert Euch um diese Nachricht des aufrechten Ogeden“. Eine Nachricht, die an diesen fröhlichen Tage wie ein schwarzer Schatten hing. Die ogedischen Dorfbewohner müssen Alton eine schlechte Mitteilung gemacht haben, denn immer wieder kamen sie auf dieses Thema zurück. Wieder in Lindfurt angekommen war auffällig, dass Baron Alton von Fichtenhau sich nicht aus dem Familienstadthaus der Von Fichtenhaus bewegte, sogar sein Treffen mit dem Schultheiß zu einer Tasse Wasserminzentee sagte er ab. Etwa eine Woche nach Ihrer Rückkehr von der Drachentrutz kamen Reiter in wildem Galopp in die Neustadt von Lindfurt und ritten zum Haus der Von Fichtenhaus. Am nächsten Tag sammelten sich Reiter in der Altstadt, ritten auf den Brücken über die Lind an, der Klosterinsel vorbei in die Neustadt. Baron Alton wartete bereits auf sie. Auf ein Zeichen brachen der Baron Alton von Lindfurt mit einer starken Garde zur Ballei Sengenberg auf. Durch das Nordtor verließen sie die geschäftige Stadt im Markttreiben.
                                    Im Mond der Besinnung
                        Sandbard Redborn, Schreiber der Baronie Lindfurt.

Dilemma in Lindfurt

Als Primus Pacellus die Eheschließung für ungültig erklärte, war nur zu ahnen, dass sich kein Geistlicher finden werde, dieses schwarze Schaf ein zweites Mal - wenn auch rechtmäßiges – zu Trauen. Wer möchte schon den Zorn des Klerus auf sich ziehen.
Pater Randelfried, enger Vertrauter des damaligen Abtes Ditonius, wird es jedenfalls kein zweites mal machen. Seine Kammer im Lindfurter Pretoriusanerkloster wurde am Ende des Frostmonats in der Früh leer aufgefunden. Seine wenigen Sachen waren entfernt und die Kammer geräumt. Alle dachten zunächst an eine Abreise, sogar eine Flucht wäre denkbar. Seine zerrissene Kutte fand sich dann am Klostertor, die am Eisen hängen geblieben war. Vor der Stadt hat ein Händler am Wegesrand Schuhe gefunden, wie sie in den Klöstern getragen werden. Diese Nachricht hat den Edlen Alton von Fichtenhau und Anwara von Hagenrich tief getroffen. Beide haben ihn in ihr Abendgebet mit eingeschlossen. Ob Pater Randelfried vor dem Zorn der ceridischen Kirche, ja vielleicht dem Zorn des Einen, selbst davon gestürzt ist, oder Opfer von einem Verbrechen wurde, bleibt unklar. Er wäre nicht der erste Geistliche, der in Lindfurt aus dem Weg geräumt wurde. Erst vor eineinhalb Jahren fand  Prior Lupus durch einen grausamen Mord sein schreckliches Ende.
Lindfurt will trotzdem eine Hochzeit. Nicht nur Alton und Anwara, sondern die Stadt und das Umland  sehnen sich nach einer `Traumhochzeit´ und diesem Brautpaar zuzujubeln. Verschiedene Kleriker haben sie schon gefragt, die Äbtissin von Richilesruh, die bei dem Konzil in Rodi zu ihm stand, war die Sache zu heiß. Selbst der Bischof von Drachenhain Ceridio Aegidio von St Aluin habe abgewunken. Vor einem halben Jahr hätte der Bischof alles für ihn gemacht, jetzt habe man sich gerade erst versöhnt. Auf dem Adelstag wollen sie aber als Eheleute erscheinen. Wen die beiden als nächstes fragen werden, haben sie nicht verlautbaren lassen. Wir werden weiter darüber berichten.
Gegeben im Mond der Besinnung von Stadtschreiber Kielbert Minzer

Erschütterung in Drachenhain - Bischof Ceridian Aegidio vom Schlage getroffen

Es geschah am späten Abend, nur wenige Stunden nachdem der Bischof seinen letzten Gast, den Edlen Alton von Fichtenhau, verabschiedet hatte. Von lautem Scheppern alarmiert, verschafften sich Pater Vitus, der Prior der Abtei, und ein einfacher Bruder Zutritt zu den privaten Gemächern des Bischofs. Entsetzt fanden die Männer Ceridian Aegidio in den hinteren Kammern der kleinen Kapelle, zwischen zerbrochenem Kandelaber und Altartuch, auf dem Boden liegen. Schnell wurde nach einem Heilkundigen geschickt, während der Prior bangvoll wartend, den Bischof auf weiche Decken bettete. Mit schreckensweiten Augen versuchten der Pater und die inzwischen Hinzugekommenen den Bewusstlosen zurück ins Hier und Jetzt zu bringen, doch mit einfachen Mitteln war dies offenbar nicht zu bewerkstelligen. Schreckensbleich hielt Prior Vitus die Klinge seines Federmessers an den halboffenen Mund seines geliebten Ziehvaters, um zu sehen, ob dieser noch atmete. Wie froh waren die guten Männer, als sie ein schwaches Beschlagen des Metalls gewahrten. Und schon als der Medicus eintraf, begann der Ceridian Aegidio vernehmbar zu stöhnen. Anhand der Zeichen, erkannte Meister Bertil Fottoli, dass den Bischof offensichtlich der Schlag getroffen habe. Mit geübter Hand flößte er dem Sterbenskranken einen übelriechenden Trank ein und ließ ihn rasch, aber ausgiebig, zur Ader. Abschließend und nachdem man den Bischof in sein Bett gebracht hatte, rief der vielgerühmte Arzt die klösterliche Gemeinschaft zum tiefen Gebet auf, denn wahrlich, es stand nicht gut um ihren Abt und Bischof! Dies musste man den frommen Brüdern nicht zweimal sagen und so erschallte in den folgenden Tagen, die sehr schwer waren, so mancher Choral und so manche Fürbitte an das Ohr des Einen.
In der darauffolgenden Nacht kam dann das Fieber. Stundenlang rangen der Medicus und zwei seiner wackeren Gehilfen um das Leben unseres guten Bischofs, bis dieser, am nachfolgenden Abend jäh die hellen Augen öffnete und wach wie eh und je die umstehenden Männer betrachtete. Es vergingen zwei weitere Tage, da verlangte es den alten Mann wieder zu essen. Und auch nach dem tönernen Becher, langte er nun schon selbstständig und mit immer größer werdender Kraft. Allein, leider nur mit der rechten Hand! Denn die linke Körperhälfte hängt dem Bischof bis zum heutigen Tage schlaff herunter und auch das Sprechen will ihm noch nicht recht gelingen. Ob Ceridian Aegidio jemals wieder gesund von seinem Krankenlager steigen und das Amt des Bischofs weiter ausführen kann, das liegt einzig im Ermessen des Einen, dem wir gleichwohl unser Lob und unsern Dank schulden, denn er hat uns diesen vielgeliebten Mann gelassen.
Alldieweil wurde unter den Großen St. Aluins bald bestimmt, dass ein Nachfolger zu ernennen sei. Dieser Mann solle möglichst rasch in das Amt eingeführt und dem Primus vorgeschlagen werden - egal was kommt. Denn leider waren von Bischof Ceridian Aegidio in diese Richtung nie Anstrengungen unternommen worden. Seine Kritiker, die schon längst eine Benennung gefordert hatten, werden sich nun im Recht und bestätigt fühlen.
Dass sich der Vorfall ausgerechnet kurz nach der anstrengenden Audienz mit dem gefallenen Alton von Fichtenhau ereignete, zeigt wohl auch dem unparteiischsten Beobachter, wie sehr sich der Bischof über die „Ditonius-Affäre“ aufgeregt haben muss...
Lob und Dank dem Einen!
Bruder Eberus, Schreiber der Klosterabtei „Heilig Aluin“,
am 17. Tag der Besinnung 93 n.d.E

"Fürstentum Drachenhain, das sind Deine Herrscher!"


Part III:
Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar

Koldewaiht von Hautzensteyn wurde im Jahre 1 v.A.III auf der Feste Hautzensteyn in der Baronie Luchnar geboren. Er war das älteste der fünf Kinder seiner Eltern Eckwald von Hautzensteyn, langjähriger Baron Luchnars und Dietlanthe von Hautzensteyn. Die übrigen Kinder, Isarma, Cederric, Carroch Berenold und Vyslaine Roswith folgten in etwa zweijährigen Abständen. Seine ersten beiden Lebensjahrzehnte verbrachte er im Wesentlichen im Hochland, wurde von seinem Vater jedoch regelmäßig mitgenommen bei seinen Besuchen in den umliegenden Baronien. Viele seiner späteren Drachenhainer Weggefährten ähnlichen Alters wie Leomar von Drachenhain, Krator von Rebenhain, Foranan McDonough, Josephina von Drachenhain oder Jefferindell Karelia von Jolbenstein waren ihm deshalb von Jugend auf bekannt.
Zur Baronswürde kam Koldewaiht von Hautzensteyn allerdings früher als erwartet. Vom Alter geschwächt, dankte  Eckwald im Jahre 20 n.A.III mit 63 Jahren zugunsten seines Sohnes ab. Dies brachte den erst 21jährigen in eine schwierige Position. Sein Großvater Raklemo war einst nach Clansunruhen als Tiefländer im Hochland Baron geworden.  Dies geschah mit der Zustimmung der Luchner. Dennoch war Raklemos Abstammung auch für seinen Enkel ein Bürde. Hinzu kam, dass kein Hochländer einen solchen Posten bekommen hätte, ohne Taten vollbracht zu haben. Koldewaiht hatte in den Augen der Hochländer aber noch nichts geleistet.
In den ersten Jahren stand Koldewaiht von Hautzensteyn deshalb in seiner eigenen Baronie noch sehr im Hintergrund. Eckwald führte einen Teil der Kontakte mit den Clans, der Vogt Eylhardt von Esclarmond spielte sich in den Vordergrund. Da es keine politischen Schwierigkeiten gab, galt es allerdings auch keine schwierigen Entscheidungen zu treffen. Es fiel dem jungen Baron jedoch schwer, ein eigenständiges Profil zu gewinnen.
24 n.A.III verließ Koldewaiht von Hautzensteyn das Hochland, um ins Ausland zu reisen. Eine solche Reise zu tun war Sitte in seiner Familie, wegen seiner Verantwortung als Baron hätte Koldewaiht nach seines Vaters Vorstellung darauf jedoch verzichten sollen. Der junge Baron setzte sich jedoch durch. Seine Reise führte ihn unter anderem nach Falkenhain und nach Burgund. In seiner Abwesenheit führten Wolf von Nybelschütz und Eylhardt von Esclarmond die Amtsgeschäfte. Wolf von Nybelschütz vertrat den Baron auch bei der Gründung des Ogedenbundes. Eylhardt von Esclarmond allerdings machte sich derweil bei den Clans eher unbeliebt durch dem Versuch, mit harten Methoden in die Baronie Ordnung zu bringen, die sie nicht brauchte.
Als Koldewaiht von Hautzensteyn nach fast einem Jahr zurückkehrte, war er durch die Erlebnisse der Reise gestärkt und unabhängig geworden. Auf dem Ogedenbundtreffen in Tagil wurde er in den neu gegründeten Ogedenrat gewählt.
In den folgenden Jahren erwarb er den Respekt der Clans, indem er sich konsequent mit echten Hochländern umgab und sowohl innen- wie außenpolitisch auf Kontakt und Diplomatie setzte. Auf Adelstage begleiteten ihn Mannen der Hautzensteyner Garde wie Liam Anderlate MadRuadh, Connor Baddan MadGlas  und Sean Okiladare MadRuadh sowie die Söhne von Clansoberhäuptern wie Llevin MadRuadh. Im Jahre 26 n.A.III leitete er mit Nimue von Aue eine Hilfsaktion für die notleidende Bevölkerung in Ex-Teemoranien und war Gastgeber des Ogedenbundtreffens. Für die Hilfsaktion erhielt er später die Velan Ehrenbrosche. 
Im gleichen Herbst starb Eckwald von Hautzensteyn von der Hand eines unerkannten Mörders. Dieses Ereignis zog eine Kette weiterer nach sich, die die nächsten beiden Jahre des Barons und der Baronie bestimmen sollten.  Koldewaihts jüngerer Bruder Cederric kehrte am Abend des Mordes nach Luchnar zurück, das er Jahre zuvor nach einem Streit mit seinem Vater verlassen hatte und war damit Hauptverdächtiger - ständiger Streit der Brüder folgte. Fast zeitgleich kam es zum Funde eines an der Flaitneyschen Schafsseuche verstorbenen Schafes auf Luchnarer Grund und zum Tod einer Flaitneyschen Grenzpatrouille. Monatelang bewegten sich die Hochlandbaronien am Rande des Krieges.
Im Saarka 27 wurde der Baron auf dem Gelehrtentreffen von Grünwalden von einer unbekannten Frau namens Rowaine verflucht. Ebenfalls dort trat am gleichen Abend sein Bruder Cederric öffentlich zum Ceridentum über. In seinem Zorn hierüber warf Koldewaiht ihn nicht nur aus der Baronie, sondern beleidigte unabsichtlich auch die Saarka-Hochgeweihte Salena, Vogtin von Mahanel. 
Der Fluch der Unbekannten hatte zur Folge, dass sich in Luchnar um den Aufenthaltsort des Barons Wesen der Anderswelt sammelten, als zöge er sie an. Diese Lage wurde schließlich so unhaltbar, dass er seine eigene Baronie verlassen musste, bis die Druidh Luchnars wenige Monde später den Fluch bannten. 
Erst zu Beginn des Jahre 29 fand sich die Lösung des Rätsels. Es stellt sich heraus, dass es einst einen vierten Clan gab, der in die Anderswelt geraten war und sich dort mit Alfaren vermischt hatte. Rowaine, einst Hochdruidh des vierten Clans, beschuldigte die heutigen Luchner, das Land zu sehr für die Außenwelt geöffnet und damit verraten zu haben und hatte versucht, diese Veränderungen  mit Gewalt umzukehren. Sie war sowohl verantwortlich für den Tod Eckwalds als auch die Ereignisse an der Grenze zu Flaitney, die fast zum Clanskrieg geführt hatten und für die Öffnung der Grenzen für die Wesen der Anderswelt. Im Kampf gegen Rowaine wurde Koldewaiht von Hautzensteyn in die Anderswelt gerissen. Mit Hilfe seiner Schwester Vyslaine gelang es einer Gruppe von Recken, Rowaine gegenüberzutreten, die von Cederric getötet wurde. Die Alfare verkündeten daraufhin, sie wollten die Herrschaft über Luchnar nicht und der 4. Clan möge seine Angriffe einstellen. Damit endeten sowohl die außergewöhnlichen Aktivitäten der Alfare und der übrigen Wesen der Anderswelt als auch die des vierten Clans. 
Während der Wirren im Hochland blieb Koldewaiht von Hautzensteyn jedoch auch außenpolitisch aktiv. 27 n.A.III nahm er am Wolfenfeld-Konflikt teil und vermittelte zwischen Fürst Nial von Angaheym und Graf Waldemar von Drachenhain. Zum Dank erhielt er das Dorf Aymar an der Grenze zwischen der Drachentrutz und Luchnar. 28 n.A.III ernannte der Graf ihn zum Botschafter von Drachenhain, als solcher reiste er unter anderem nach Falkenhain. Im gleichen Jahr nahm er am Jolberger Kriegsrat um den Ödlandkrieg teil, zog aufgrund der Ereignisse in Luchnar jedoch nicht selbst in den Krieg. 
Nach dem Ende des Konfliktes um den vierten Clan begab sich Koldewaiht von Hautzensteyn nach Mahanel, um seine Schuld gegen Vogtin Maline abzutragen. Mehr noch als er war seine ihn begleitende Schwester Vyslaine von diesem Aufenthalt angetan und lernte viel von den Saarkani.
Um die gleiche Zeit wurden beunruhigende Ereignisse, die ganz Heligonia betrafen und eigentlich nur Gelehrten erforscht wurden, weiteren Kreisen bekannt. Ohne sein Zutun (zumindest zunächst) wurde auch der luchnische Baron involviert. Der Wissenschaft zugetan, reiste er sowohl auf die Gründungsfeierlichkeiten der Universität zu Cambrück/Thal als auch auf die Akademie der schönen Künste - die letzte Reise unternahm er wiederum mit seiner Schwester. Beide Male wurde er mit den Anwesenden in Ereignisse verwickelt, die an das Urgestein des Landes rührten. Ein Austausch zwischen Adel und Gelehrtenschaft erfolgte schließlich auf dem Treffen zu Idyllie 30 n.A.III. 
Heute gilt Koldewaiht trotz aller Fährnisse als in seiner Herrschaft gefestigter Baron von Luchnar und als wichtiges Mitglied des ogedischen Adels, insbesondere in Drachenhain. Seine wesentlichen politischen Stärken dürften Diplomatie, Wortgewandtheit, Verlässlichkeit und Offenheit sein, sowie daraus resultierend die Fähigkeit, sich auf fast jedem Parkett zu bewegen. Zu seinen Schwächen zählen eine gewisse Zauderhaftigkeit, eine Scheu vor unpopulären Entscheidungen sowie eine Neigung zum Aufbrausen, die er meist, jedoch nicht immer im Griff hat.
Neben seinen vielfältigen politischen und freundschaftlichen Kontakten liegt die heimliche Leidenschaft Koldewaihts von Hautzensteyn in der Sammlung von Schriften und Geschichten sowie der Sternkunde. In den vergangenen Jahren gab er Anthologien von Utzgolf-Sagen und von heligonischen Gedichten heraus sowie ein heligonisches Adelslexikon. Ein Band zum Sternenhimmel ist offenbar in Vorbereitung.
Ob Koldewaiht von Hautzensteyn sich im neuen Jahrzehnt mehr den Künsten widmen kann, ist jedoch fraglich. In der Heimat beginnen abermals Schwierigkeiten für Baron und Land heraufzuziehen. Die Vögte, einst in vieler Hinsicht über den Clansoberhäuptern angesiedelt und Mittler zwischen Volk und Baron, leiden in ihrer Stellung durch den ausgesprochen vertrauten und direkten Umgang Koldewaihts mit den Clans. Zu einer ersten offenen Konfrontation zwischen Vogts- und Clansvertretern ist es bereits gekommen. Zudem sind die Beziehungen zur Hochlandbaronie Gaeltacht (einst Tagil) gespannt, seit der einstige Graf und jetzige Fürst Waldemar einen Ceriden als neuen Baron einsetzte. Die Aufgaben  für Koldewaiht von Hautzensteyn dürften in Zukunft nicht weniger werden.
 

Neues aus Rebenhain

Baronin zurück von Rundreise

Am 1. Tag des 1. Poena kehrte Samira von Silberlauf von ihrer Rundreise zu den Verbündeten aus dem Ogedenbund zurück. Mit großem Empfang wurde sie anschließend zur Freudenfeste geleitet.
Auf ihrer Reise hatte sie die Gelegenheit mit mehreren ogedischen Adeligen die Vorfälle und Verwicklungen die es in der Universitas zu Idyllie gegeben hatte, zu bereden. Die hochschwangere Baronin erklärte, die Reise sei gut und erfolgreich verlaufen, sie sei aber froh, wieder zu Hause zu sein, besonders da die Zeit der Niederkunft kurz bevorstehe.
 

Der Baron hat es im Urin

Unbestätigten Gerüchten zufolge hat der Baron von Rebenhain anlässlich eines festlichen Gelages hohe Wetten darauf abgeschlossen, dass das Kind, welches die Baronin bald gebären wird, ein Junge werde. Ein Informant, der nicht genannt werden will, will gehört haben wie er sagte: "Ein Mann spürt so was, das habe ich im Urin."
 

Zerstörung in Jolbenstein

Am Abend des 25. Tages des 2. Saarka klopfte an die Pforte des Sitzes des freien Ritterorden des Lichts zu Jolbenstein ein Bauer. Nachdem man den Mann hereingelassen hatte, und er sich von den Strapazen der Reise, bei einem Mahl erholt hatte, berichtete er von dem Grund seiner Reise. Er erzählte, das er ein freier Bauer aus dem Süden Jolbensteins sei, dort hatte er einen Hof, Familie, Gesinde und Land besessen. Als er nun einige Tage zuvor von den Feldern zu seinem Hof zurückkehrte fand er alles zerstört vor. Der Hof war niedergebrannt. Der Stein der Grundfeste war geschmolzen, und alles was ihm lieb gewesen war ward verbrannt. 
Die Geschichte erschütterte alle an der Tafel, und man bot dem Mann natürlich Obdach an, bis sich eine Lösung für ihn gefunden hatte. Die Männer des Ordens fragten sich jedoch, was den Hof hätte zerstören können. Es wurde über Hitze aus der Erde spekuliert, doch der Bauer sagte, das er weder ein Loch im Boden, noch flüssiges rotglühendes Gestein gefunden habe. Der andere Gedanke war, das vielleicht ein Drache den Hof hätte verbrennen können, doch wollte man sich darauf nicht festlegen. Man beriet sich, und ersuchte auch die Baronin von Jolbenstein um Rat, doch nach einigen Debatten kam man zu dem Schluss, das es einer Untersuchung vor Ort bedürfe die Sache zu untersuchen. So stelle der Orden eine Gruppe zusammen, die zu dem Hof ziehen soll, um dessen Überreste zu untersuchen.


Wiffelbeer  -  Das süße Geheimnis aus Wolfenfeld!

Es wird geladen zum Fest

Ihre Hochwohlgeboren Josephina von Drachenhain, Baronin von Wolfenfeld und Erwählte des Xurl lädt die Bevölkerung von Wolfenfeld, Drachenhain und jedwede Person, die den Weg nach Sarniant nicht scheut, in ihre schöne Stadt ein. So soll in der 3. Poena, wenn der Mond voll steht, ein großes ogedisches Fest gefeiert werden, um mit Glanz und Ehrerbietung für das Wohlwollen der Götter zu danken. Es soll Hammel und Ochsen am Spieß geben, und Wein und Bier sollen in Strömen fließen. Zu Ehren der Götter wird eine uralte Zeremonie im Schrein gefeiert, darauf folgt eine farbenprächtige Prozession durch Sarniant, zu deren Ende ein großes Götterspiel auf dem Marktplatz stattfindet. Die Erwählte bittet alle ogedischen Geweihten, die etwas zum Fest beitragen wollen, sich im Schrein zu melden.
Ryghed von Relony,
Maior Domus, im Auftrag der Baronin

Flugblatt in Sengenberg aufgetaucht

Folgender Schrieb ward am Morgen des 23. Tages der 3. Saarka ans Tor der Burg Triburk genagelt gefunden worden:
Wir Adveri
Großherzog von Beridhan
rechtmäßiger Erbe des Thrones von Beridhan
(in den Grenzen von 73 v.A.III)
Graf von Alt-Beridhan
Baron von Beridheim
Nachfahre des weisen und gerechten Strategen Aroben von Beridhan,
aus dem Geschlecht derer von Baer
Verkünder der Wahrheit und Lichtbringer
Sieger vor Burg Walchsee
Wir sehen mit Erstaunen, dass unter Unserem Namen Greueltaten gegen königstreue Untertanen angekündigt wurden. Wäre es im Interesse der Gerechtigkeit und des Lichtes, einzelne Mitglieder des heligonischen Adels ihrer Pflichten zu entbinden, so könnten Wir Unsere beridhanischen Getreuen nur schwer von Ihrem Eifer abbringen. 
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das Auge Unserer Majestät derartige Einzelfälle meist frühzeitig erkannt und entsprechend und umfassend gehandelt wurde, dem Volkszorn vorausgreifend und unnötiges Blutvergießen vermeidend. Wir sind sicher, dass keiner Unserer beridhanischen Getreuen ohne Not die Hand gegen unbescholtene Bürger hebt.
Wir erinnern hier an die beridhanische Gastfreundschaft die vor einiger Zeit der nächstfolgenden Thronerbin des heutigen Thal zuteil werden durfte. Neben bester Gesundheit erfreute sie sich bei ihrer sicheren Heimkehr auch einer Ehrengarde von sechs erfahrenen beridhanischen Leibwachen und einer Flussbarke als Abschiedsgeschenk.
Sollte also gegen aufrichtige und ehrenhafte Untertanen Ihrer Majestät ein Unrecht geschehen, so wissen Wir, dass auch beridhanische Schwerter gegen den Gesetzesbrecher geführt werden.
Gegeben zu ( hier wurde ein Stück des Pergaments fein säuberlich herausgetrennt ), am 22. Tag der 3. Saarka im 30. Jahr der Regierung Seiner Durchlauchtigsten Majestät Helos Aximistilius III.
(gesiegelt mit dem beridhanischen Bären mit Sonnenschild)
 

Offizielle Bestätigung 

Im letzten Boten wurde eine Botschaft veröffentlicht, die Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar, angeblich Richard von Streitberg, Baron Gaeltachts sandte. In dieser Botschaft wurde von Streitberg vorgeworfen, er wolle das Hochland spalten. Es war jedoch unklar, ob sie tatsächlich vom luchnischen Baron stammte.
Eine Anfrage des Helios-Boten erbrachte, dass die Informationen tatsächlich inhaltlich richtigsind, wenn die Botschaft auch nicht in ganz korrektem Wortlaut wiedergegeben wurde.
Ehrlosigkeit der Clans?
Der Konflikt zwischen luchnischen Clans und Vögten, der zwischen Eylfred von Esclarmond und Jerrock MadUaine offen ausbrach (der Heliosbote berichtete), schwelt seither unter der Oberfläche. Eine offizielle Aussprache fand nicht statt, ob es zu geheimen Gesprächen kam, ist nicht bekannt. Wohl aber gab es ein Treffen der drei Clansoberhäupter mit Baron Koldewaiht von Hautzensteyn. Dieser betonte offenbar die Ehrlosigkeit schon der Idee, im Lande geborene Männer und Frauen zu vertreiben. Es herrschte Einigkeit, dass der direkte und enge Kontakt zwischen Clans und Baron, der in den letzten Jahren intensiviert wurde, weiterhin einzig sinnvoll sein. Jedoch gaben die Clansoberhäupter zu, dass man die Vögte bis zu einem gewissen Grade verstünde - kein stolzer Mann könne kampflos auf seine alten Rechte verzichten, wobei Uneinigkeit herrschte, ob bei einer Zeit von 70 Jahren der Begriff "alt" am Platze sei. Die Clansoberhäupter ließen aber keinen Zweifel daran, dass die gegenwärtige Lage unhaltbar sei und eine Lösung gefunden werden müsse, mit den Vögten oder gegen sie. 
Ein Ansatz zu einer solchen Lösung scheint jedoch nicht in Reichweite
 

Ein bewährtes Heilmittel

Baronin Jefferindell Karelia von Jolbenstein zeigte sich betrübt über das Schicksal des Abts Ceridian Aegidio von St.Aluin. Sie ließ durch einen Boten ihr Beileid ausdrücken und übersandte in einem nurianischen Glasgefäß einige Lunsch-Blutegel, die aus dem Blutsee stammen. Die dort lebende Art ist für Aderlässe jeder Art geeignet, wird aber besonders geschätzt bei Taubheit der Gliedmaßen und Gelenke sowie Sprachstörungen.
 

Mobilmachung in Sengenberg - ist Lindfurt das Ziel?

Ein Ruck durchfährt die Tage die Templer-Ballei Sengenberg. Nein, kein Erdbeben und auch kein Hexenfluch - eine Bewegung ganz anderer Art versetzt die, in den letzten Monden arg gebeutelten, Menschen Sengenbergs in Angst und Schrecken: Die Truppen machen mobil! Egal ob im Norden oder im Süden, die Soldaten verlassen die Siedlungen und Wälder, lassen alles stehen und liegen, rotten sich zusammen und marschieren allesamt in eine Richtung - gen Lindfurt.
Warum dies geschieht, weiß außer der Obrigkeit natürlich keiner - wie üblich, darf man sagen. Fragen werden nicht beantwortet, Barrieren wortlos beiseite geschoben. Ratlos und entsetzt stehen wir, die einfache Bevölkerung, daneben.
Warum schreitet nicht seine Hochgeboren ein, wie kann Sengenberg gegen den ceridischen Bruder im Westen ziehen, weiß Fürst Waldemar am Ende nichts davon? Welchen Grund kann Wentorius haben, um zu solchen Mitteln zu greifen? Sicherlich kann man Alton, dem ehemaligen Abt und jetzigen Baron von Lindfurt, für sein Betragen bös gesonnen sein. Doch scheint mir diese Reaktion, wenn in diesem Zusammenhang, reichlich übertrieben und über die Maßen falsch!
Und was wird indes aus den sengenberger Rebellen, sollen wir unsere Städte und Dörfer mit Heugabel und Federkiel gegen die aufrührerischen Adveristen verteidigen?
Fasshauers Vernauk, freier Botenberichterstatter aus Triburk, 
Ballei Sengenberg, im 3. Saarka n.A.III 30

Duell zweier Barone

Obwohl sie sich bereits seit Jugend kennen, war die Stimmung zwischen Karelia Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn in den letzten Jahren eher frostig. Auf dem Treffen zwischen Adel und Gelehrtentum zu Idyllie kam es zur Eskalation. Von Hautzensteyn fühlte sich von der Baronin beleidigt und wurde ihr gegenüber ausfällig, gipfelnd in der Aussage. "Wäret Ihr ein Mann wie Euer Vater, ich würde euch fordern." Karelias Züge wurden hart: "Ich bin das einzige Kind meines Vaters und habe alles von ihm gelernt, auch die Wehrfähigkeit. Und wäre ich nicht die Erbin meines Hauses, so hätte ich dennoch gelernt, Waffen zu  führen. In Jolbenstein kann eine Frau einen Mann fordern und ich weiß, dass auch Eure Frauen kämpfen können. Ich fordere Euch!"
Aus dem Wald tritt tänzelnd ein weißes Roß auf eine abgelegene Wiese im Norden Jolbensteins. Eine Frau sitzt darauf in einem schlichten grünen Jagdgewand. In genau bemessenen Schritten lässt sie das Pferd in die Mitte der Wiese traben. Hinter ihr treten ein Mann und eine weitere Frau aus dem Wald, bleiben jedoch an seinem Rande stehen.
Von der anderen Seite hört man Hufgetrappel und ein Mann auf einem Fuchs mit schwarzer Mähne naht über den Weg. Ihn begleiten mehrere Männer. Als er ebenfalls die Mitte der Wiese erreicht, sehen sich Jefferindell Karelia und Koldewaiht in die Augen. Koldewaihts Blick gleitet über das Gewand der Baronin, die die ersten Worte spricht: "Euch schlage ich auch im Rock!" Koldewaiht runzelt die Stirn, dann steigt er ab, weist hinter sich: "Mein Sekundant: Romoran MadUaine". Karelia wendet knapp den Kopf, deutet auf den Mann am Waldrand. "Meinen Vogt Valadur Hengist kennt Ihr."
Beide sind offenbar der Meinung, dass genug Worte gewechselt sind. Auf einen weiteren Wink stecken die Sekundanten in schweigendem Einverständnis ein Quadrat ab, in das beide Kontrahenten treten. Ohne ein Kommando zücken sie wie mit eine Hand ihre Klingen. Es ist kaum zu sehen, wer zuerst angreift - jedoch fallen Finte, Attacke, Parade fast schneller, als das Auge sie sehen kann. Plötzlich zuckt der Hochlandbaron zurück. Seine Hand greift zum Oberschenkel; in der Hose klafft ein Schnitt. Er weicht leicht zurück, die Baronin dringt auf ihn ein, er pariert, pariert, gewinnt wieder festen Stand, schwingt die Waffe in kurzem Bogen und trifft Karelia am Oberarm. Ein feines Rinnsal Blut durchnetzt das Grün des Gewands. Beide verharren einen Moment, attackieren jetzt nicht mehr. Sie umlauern sich in langsamer Kreisbewegung, die Waffen sich wiegend wie die sanft gekräuselte See nach dem Orkan. Da stößt eine Waffe vor, wird pariert, eine Finte, Gegenfinte, Ausfallschritt und fast im Liegen der Treffer auf den Unterschenkel. Zum dritten Mal fließt Blut. Der Kampf ist zu Ende, wie vereinbart.
Beide Kontrahenten reichen sich die Hand, mustern sich, während ihre Helfer herbeieilen, um die Wunden zu untersuchen. Kein Streich ging wirklich tief und die erste Versorgung ist rasch geschehen. Die Baronin von Jolbenstein nickt dem Baron von Luchnar jetzt mit offener Miene zu.

"Kommt auf meine Feste, wir sollten etwas essen. Der Satisfaktion ist Genüge getan. Und grämt Euch nicht, dass ihr verloren habt."
 

Unterredung im Sonnenschein

Friedlich saß Schillwunk Radeweyd, genannt "die Feder" an seinem Pult, in seinem Kämmerlein auf der Feste Drachentrutz und spitzte Gänsekiele. Von draußen schien ihm die Sonne auf den Buckel, es war ein schöner Tag. Der Drachenhainer Hofchronist war gut gestimmt und beinahe hätte er sich dazu verstiegen ein heiteres Liedlein zu trällern, da hörte er Schritte hinter sich. Ein langer Schatten verdunkelte seinen Arbeitsplatz und ließ den Schreiber, nun des Sonnenscheins beraubt, frösteln. Die Stimme seines Herren, des Fürsten Waldemar von Drachenhain, war leise und ruhig - zu ruhig. Schillwunk stellten sich die Nackenhaare auf "Meister Feder, habt die Güte und zückt Euer Schreibgerät, nebst Pergament, und lauscht. Ich habe eine wichtige Mitteilung für diesen unsäglichen Helios-Boten aufzusetzen." Der Schreiber erhob sich eilig und verbeugte sich tief. "Spar dir das und mach dich an die Arbeit!" entgegnete der Fürst unfreundlich und so machte sich Schillwunk bereit, das von Fürst Waldemar Gesagte zu notieren. "Schreib: `Verrat auf der Drachtrutz!´ Ja das gefällt mir..." der Schreiber schluckte und kritzelte mit fahrigen Bewegungen das Gehörte auf den noch leeren Bogen geschabter Haut. "...`Wie uns sichere Quellen zugetragen haben, wurde heute, der im Lande Drachenhain bekannte und hochgeschätzte, Hofchronist, Schillwunk Radeweyd, von seiner Durchlaucht, eindeutig des Verrates überführt´...warum schreibst Du nicht weiter, Mann?" zitternd wie Espenlaub, war Meister Radeweyd die Feder entglitten, er wagte weder den Kopf zu erheben, noch etwas zu sagen. Sein Herz vollführte Galoppsprünge. Nachdem er allen Mut zusammengefasst hatte, erhob Schillwunk dennoch die Stimme: "Herr, hört mich an, ich..." "Gar nichts höre ich an!" donnerte der Fürst los "Ich gebe Dir genau eine Stunde, um von hier zu verschwinden. Danach kannst Du alles dem Kerkerknecht oder meinen Hunden erklären. Mach Dich fort, Schurke. Nach Emarania geht es dort hinaus!" mit der ihm zueigenen, gebieterischen Handbewegung, wies der Herr von Drachenhain seinem einst treuen Diener die Tür, die dieser schnell wie der Wind durchschritt...
So geschehen auf der Drachentrutz,
am 25. Tag des Mond der Besinnung im Jahre 93 n.d.E.
Bruder Pankraz von der Drachentrutz

Herzögliche Ostarische Hofgazette

Reisebericht zum Conzil der ceridischen Kirche

verfaßt von Arwed von Lauenburg, Magister der Universität zu Tlamana

3. Tag des 2. Saarka im Jahre 30 nach Helos Aximistilius III. (3. Tag des Eismond im Jahre 93 n.d.E. der Ceridischen Zeitrechnung)
Nach einer längeren Reise quer durch Heligonia erreichten wir im Laufe des späteren Nachmittags endlich die Abtei Rodi in der Baronie Hohenforingen. Das Wetter war die ganze Zeit über ungemütlich gewesen - wenigstens hatten wir in der Kutsche nicht allzu sehr gefroren, der Winter war in diesem Jahr unnatürlich warm. Immerhin waren wir zu dritt unterwegs - Magister Londae und mein Lehrling Ealdor reisten mit - so daß uns der Gesprächsstoff nie ausging.
Das Empfehlungsschreiben von Magister Rasmus in der Tasche, wurden wir schließlich von Abt Einfried empfangen. Der Abt emfing uns kühl, aber nicht unfreundlich. Das Schreiben von unserem Dekan las er mit aufmerksamer Mine; schließlich bot er uns Quartier in den für die Gäste vorbereiteten Zellen. Wir erhielten die Erlaubnis, an den offiziellen Sitzungen des Konzils als stumme Zuhörer zugegen zu sein. Außerdem gestattete er uns die Nutzung der Bibliothek.
Während der Abendmesse wurde in den Reliquienschrein eine neue Reliquie eingesetzt: Ein Knochen der Überreste des Heiligen Elvorix, der in den Ödlanden den ceridischen Glauben verbreitet haben soll. Die Reliquie war ein Gastgeschenk des Primus Parcellus. Diese wie auch alle anderen Andachten wurden von der wunderschönen Musik eines kleinen Chors begleitet.
Anschließend wurde das Abendmahl eingenommen. In der Tradition der ceridischen Klöster wurde während der Mahlzeit nicht gesprochen, lediglich ein Bruder las aus den heiligen ceridischen Schriften vor. Abschließend gab es zwei  Ankündigungen: Der Oberste der Prätoriusaner hatte ein altes Dokument bei sich, das das Rezept für den sogenannten Hilariustee enthielt. Das Rezept stammt angeblich von Hilarius selbst, der es in seinen letzten Tagen seinem Anhänger Prätorius dikitert haben soll. Das Dokument wurde dem Bruder Bibliothekar übergeben, der für die eigene Bibliothek eine Kopie davon anfertigen sollte. Außerdem lud der Primus zu Diskussionen und zum Philosophieren in das Parlatorium ein.
Nach einem Besuch in der Bibliothek (sie wurde erst vor zwei Monden gegründet und befindet sich noch im Aufbau; daher gab es hier nicht allzu viel zu sehen) hielt ich die Einladung des Primus' für eine gute Gelegenheit, die  Redegewandtheit meines Schützlings Ealdor auf die Probe zu stellen. Sein Gesprächspartner war ein Bannkreuzler hohen Alters; dafür, daß dieser wahrhaft redegewandt war und eine äußerst scharfe Zunge besaß, schlug er sich nicht schlecht. Auf jeden Fall eine gute Übung, ihn auf den Dialog vorzubereiten, die ich sicher mit ihm wiederholen werde.
Während einer ersten Zusammenkunft des Konzils gab der Primus eine Zusammenfassung der Ereignisse seit dem letzten Konzil. Vor allem die Steigerung des Einflusses der ceridischen Kirche auf das allgemeine Leben in Heligonia (wie beispielsweise die Einführung der eigenen Monats- und Wochennamen sowie das Etablieren einer eigenen Rubrik im Heliosboten) hob er hervor. Weiterhin kündigte er an, den alten Heliosbrief der Inquisition, der an den König zurückgegangen war, nicht in der alten Form zu erneuern. Vielmehr soll die neue Inquisition lediglich für die inneren Angelegenheiten der ceridischen Kirche zuständig sein, weshalb ein Heliosbrief des Primus ausreicht. Die darauffolgenden Wortwechsel machten sehr deutlich, daß nicht alle Anwesenden mit dieser "weichen" Linie zufrieden sind.

4. Tag des 2. Saarka
Die morgentliche Sitzung begann mit einer unangenehmen Situation: In der Bibliothek waren deben den Exemplaren des Heliosboten Kopien des Portals aufgetaucht. Einer der Brüder hatte sich über den aus seiner Sicht ketzerischen Inhalt aufgeregt und das Konzil davon in Kenntnis gesetzt. Schließlich stellte sich heraus, daß das Portal irrtümlich mit der Botenlieferung in die Bibliothek gelangt war. Die Exemplare des Portals wurden entfernt und nach bestem ceridischen Brauch verbrannt.
Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Steintafel mit dem Ceridenkreuz, die während unseres Conventes an der Universität Tlamana zwecks Prüfung der Echtheit zu uns gebracht worden war. Magister Londae gab hierzu einen umfassenden Bericht ab; das Gremium war offensichtlich von seinen Antworten soweit zufriedengestellt, daß ich nicht weiter befragt wurde.
Das Konzil beschloß die Gründung eines Untersuchungsausschusses, der sich um diese Angelegenheit kümmern sollte. Eine Nachricht aus Gunara, die der Primus mitbrachte und ebenfalls diese Thematik zum Inhalt hatte, war der Grund, daß die weitere Diskussion nur im Kreise der hohen Würdenträger fortgesetzt wurde. Später wurde bekannt, daß dieser Kreis eine Petition an den König aufgesetzt hatte, die die Herausgabe der Reliquie des Prätorius  forderte.
Noch während des offiziellen Teils betrat ein höchst unerwarteter Gast den Raum: Baron Krator von Rebenhain. Er war bereits am Vorabend angekommen, den Grund seiner Anwesenheit war bis dato aber noch nicht bekannt gewesen. Baron Krator berichtete von einem Ereignis, daß ihm auf seinem Heimritt vom  Convente der Universitas zu Tlamana widerfahren war. Während seines Ritts sei vor ihm aus dem Gebüsch am Wegrande ein schwer verletzter Mann auf den Weg gestürzt. Sein Pferd konnte nicht mehr rechtzeitig anhalten, so daß es den Mann am Kopf traf. Baron Krator konnte nur noch seinen Tod feststellen. Im Gebüsch hörte er weitere Geräusche und fand dort ebenfalls einen schwer Verletzten. Beide Männer trugen einen Ordenshabit - vermutlich den der Hilariusiten. Der zweite Mann übergab Baron Krator ein Schriftstück mit der Bitte, es zu diesem Konzil zu bringen. Kaum, da er dem Baron dieses Versprechen gegeben hatte, starb auch er.
Das Schriftstück war ein einzelner Bogen Pergaments, eine reich verzierte Prunkhandschrift. Der Text selbst war auf dünne Linien geschrieben, wobei immer eine Zeile Abstand gelassen wurde. Auffällig waren die Punkte über den Buchstaben i und j: Sie waren jeweils groß und rot auf der darüberliegenden Linie verzeichnet.
Offensichtlich waren die farbigen Punkte Hinweis für eine weitere, versteckte Botschaft. Der Primus lud alle Anwesenden ein, sich an der Lösung des Rätsels zu beteiligen. Er warnte jedoch davor, den resultierenden Text laut auszusprechen oder die entstehende Melodie zu spielen.
Natürlich machte ich mich flugs ans Werk. Der naive Versuch, die Linien als Notenzeilen zu interpretieren, erwies sich schnell als falsch. Zunächst überlegte ich, ob es eine Zahlensystematik gab - immerhin wurde einmal ein Buchstabe weggeleassen. Dies würde zwar auch das Ersetzen mancher i's durch y's erklären, doch erschien mir dieser Ansatz nicht dem ceridischen Stil entsprechend. Die richtige Lösung war jedoch recht rasch gefunden. Kurz nachdem ich meine Entdeckung dem Primus mitgeteilt hatte, stellte dieser das Orginal unter Verschluß und ließ alle Kopien konfiszieren.
Ein Gespräch mit Baron Krator enthüllte ein weiteres Detail: Man könnte meinen, die beiden ceridischen Brüder, von denen er das Schriftstück erhalten hatte, hätten sich gegenseitig umgebracht. Er hatte nämlich keinerlei Spuren weiterer Personen entdeckt.
Die Analyse des Pergaments, durchgeführt vom Bruder aus dem Herbarium, enthüllte, daß das Dokument wohl 90 bis 100 Jahre alt war. Der Verdacht, es könnte sich um ein Dokument aus Hilarius' Feder handeln, bestätigte sich beim Vergleich mit anderen Handschriften von ihm.
Mich beschlich ein mulmiges Gefühl: Die Sache mit den beiden Brüdern ging mir nicht aus dem Kopf. Hatten sie die Melodie auch entdeckt und sie gespielt? War dies der Grund für ihr Verhalten? Immerhin hatte ich, um die Harmonie der Noten zu testen, beim Entschlüsseln auch ein paar der Noten vor mich hin geträllert... im Nachhinein eine berechtigte Sorge, wurden mit von meinem Lehrling und einem weiteren Mitreisenden unserer Gefolgschaft im Laufe des Nachmittags ziemliche Gereiztheit und Jähzornigkeit attestiert. Zum Glück verflog dies bis zum abend.
Weniger Glück hatten Bruder Fidelio und Schwester Hilda: Auch sie hatten das System herausgefunden. Schwester Hilda hatte daraufhin das Lied auf ihrer Flöte dem Bruder vorgespielt. Beide klagten nun über einen leichten Kopfschmerz; außerdem hörten sie ständig die Melodie.
Unter den Würdenträgern war während der Klausursitzung der Verdacht gekeimt, daß auch Hilarius hieran gestorben sein könnte - und der Tee, dessen Rezept er in seinen letzten Tagen Prätorius diktiert hatte, eine Kur hierfür sein könnte. Hilarius hatte das Rezept seinerzeit nicht zusammenbrauen können, da eine benötigte Zutat zur dieser Jahreszeit nicht verfügbar war.
Diese Geschichte schien sich bei uns zu wiederholen: Bereits in der Früh hatte der Bruder des Herbariums verkündet, daß er seine Flasche mit Wermuth vermisse - sie war in der vorigen Nacht verschwunden.
Eine weitere tragische Geschichte, die sich am späteren Vormittag ereignet hatte, waren die Geschehnisse um Schwester Lucia: Man hatte sie bewußtlos mit einer blutenden Kopfwunde im Garten gefunden. Inurinai stellte bei der Untersuchung fest, daß sie aus dem Mund nach Wermuth und Schlafmohn roch. Der Bruder Herbar sagte aus, daß Schwester Lucia seit Jahren schlecht schlief und er ihr deshalb jeden Tag einen Schlaftrunk verabreichte. Dieser besteht aus dem Saft des Schlafmohns und einigen Kräutern, die einen eigentümlichen Geruch hinterlassen. Offenbar hatte Schwester Lucia eine größere Menge des Schlafmittels, zusammen mit Wermuth, zu sich genommen; der Bruder herbar meinte, daß man diese Mischung guten Gewissens als Gift bezeichnen könnte.
Die Tatsache, daß sie schlecht schlief, hatten wir bereits am Vorabend erfahren: Schwester Lucia wollte keinen Nachtisch, da die Schattenmorellen sie an ihre Albträume erinnerten - sie träumte seit Jahren jede Nacht von Blut.
So konnte der Hilariustee im Moment nicht zubereitet werden. Eine eifrige Suche nach dem Wermuth begann, außerdem wurden Boten ausgesandt, um von anderen Orten Wermuth zu bekommen.
Der weitere Nachmittag verlief ohne größere Ereignisse - die Diskussionen des Konzils drehten sich um für mich weniger interessante Themen wie beispielsweise der Wunsch nach einer Veränderung des Lehensstatus bei Lehen an die ceridische Kirche.
Am Abend hatte ich ein sehr informatives Gespräch mit dem Vater Abt und dem Bibliothekar Bruder Guntram: Offensichtlich schienen unsere Informationen umfassender zu sein als die der Klostergemeinde. Die Klosterbrüder hatten überlegt, ob die orginale Flöte für die Heilung von Nöten sein könnte und bereits mit einer Suche nach der verschollenen Flöte begonnen.
Ich wies sie darauf hin, daß der Satz "es war falsch" sich auf mehrere Dinge beziehen könnte. Erste Möglichkeit: Es ist allgemein falsch, das Lied zu spielen, weil es etwas Göttliches und nicht für menschliche Ohren bestimmt ist. Zweite Möglichkeit: In der Melodie ist ein Fehler, und das Streben nach Perfektion hat den armen Hilarius in den Wahnsinn getrieben. Dritte Möglichkeit: Das Singen der Melodie war falsch - es ist das Lied der Flöte und darf nur auf einer solchen gespielt werden.

5. Tag des 2. Saarka
In den Morgenstunden war Schwester Lucia erwacht. Während der Morgendandacht beschuldigte ihre leibliche Schwester, Schwester Elisabeth, den Prior von Oranek des Mordes.
In den darauffolgenden Gesprächen während des Treffens des Konzils am Vormittag sagte der Prior aus, daß Schwester Lucia ihn im Garten mit einem Messer angegriffen hatte. Die Familie des Priors stand früher treu zu Teemon; in dessen Auftrag töteten sie Leute, die sich nicht Teemon anschließen wollten. Auch über die Eltern der beiden fielen die Schergen her; die Kinder entkamen und wurden als Waisen bei einem der Klöster abgegeben. Diese Erlebnisse erklären wohl auch die Träume von Blut, die Schwester Lucia seit all den Jahren plagen. Der Prior berichtete weiter, daß beim Anblick der Schwestern in ihm erneut die Geister der Vergangenheit erwachten, die ihn wohl nie in Ruhe ließen.
Der Prior erzählte weiter, daß er sich gegen den Angriff der Schwester wehrte, und im schlammigen Untergrund stürzte sie zu Boden und schlug sich  den Schädel. Als Schwester Lucia bewußtlos vor ihm am Boden lag, flößte er ihr einen Schlaftrank ein, den er sich abends zuvor selbst im Herbarium zubereitet hatte. Bei dieser Gelegenheit hatte er auch den Wermuth entwendet, von dem er ihr auch einen ordentlichen Schluck verabreichte. Das Messer versteckte er in ausreichender Entfernung - es tauchte auch während des Konzils nicht mehr auf. Schwester Lucia hingegen konnte sich an nichts erinnern. Das Konzil beschloß, den Prior aus Oranek unter Bewachung durch die Heilige Miliz zu stellen, so daß er nach Ende des Konzils an einen weltlichen Richter übergeben werden sollte.
Nachdem dies - zumindest für die Ceriden - geklärt war, kam man zur Tagesordnung zurück (ich persönlich empfand dieses Vorgehen als höchst empörend, doch behielt ich meine Meinung für mich). Da der verbleibende Wermuth vom Prior zurückgegeben wurde, konnte nun endlich der Trank nach dem Rezept des Hilarius hergestellt werden. In der Zwischenzeit war auch herausgefunden worden, daß die beiden bemitleidenswerten Brüder, von denen Baron Krator das Schriftstück erhalten hatte, aus dem Kloster Daron stammten. Das Dokument blieb offensichtlich nie für längere Zeit im selben Kloster, sondern wurde immer wieder weitergereicht. Der Primus berichtete, daß er schon seit längerem vermutete, daß das Schriftstück eine der Prüfungen auf dem Wege zum Tor der Unschuld darstellte.
In der Nacht zuvor war in der Kapelle ein Glasbild von der Wand gestürzt. Auf dem Bild waren die drei Ordensgründer zusammen mit ihren Symbolen, einer Flöte, einem Schriftstück und einem Kelch mit einem Heiltrank dargestellt. Die Brüder hatten daraufhin die Scherben eingesammelt und das Bild auf dem Boden liegend wieder zusammengesetzt. Als man nochmals nach den Reliquien sah, stellte man fest, daß nun eine der Scherben auf dem Knochen der Heiligen Ambrosia lag. Der Knochen hatte ohnehin erstaunlich glatt ausgesehen, so daß spätestens jetzt jeder im Raum vermutete, daß es sich möglicherweise um etwas anderes handeln könnte - wie zum Beispiel eine Flöte.
Damit war die simple Theorie, daß man einfach die Darstellung auf dem Glasbild nachstellen müßte, mit einem mal deutlich plausibler - auch wenn das Bild bis dato rein zufällig in der Kapelle hing und in keinem Zusammenhang zu den bisherigen Ereignissen stand. Ehe jedoch die niederen Anwesenden dies überprüfen konnten, stellte der Primus sowohl die Reliquie, als auch das Rezept des Hilariustees und die Geschichte der Heiligen Ambrosia unter Verschluß. Erst am Abend während der Andacht sollte das Procedere getestet werden.
Die beiden Ceriden, die die Melodie gepfiffen hatten, hatten zwar nach Einnahme des Tranks einige Stunden ruhigen Schlafs, jedoch war die Melodie nach dem Erwachen zurückgekehrt.
Am Vormittag war ich gebeten worden, die Prophezeihung von Gregorsruh am Mittagsmahl vorzutragen - sie war in der Bibliothek nicht greifbar gewesen und auch keiner der Ceriden hatte sie bei sich. Glücklicherweise befand sich dieser Text in unseren Aufzeichnungen. Beim Essen wurde mir jedoch zugetragen, daß dies nun doch nicht erwünscht sei, und einer der Brüder die Schrift verlesen sollte. Meine Empörung über diesen Affront machte ich mit einem stechenden Blick und einem etwas sarkastischen Kommentar gegenüber dem Vater Abt deutlich, gab ihm aber die Kopie des Textes, die ich vor dem Essen angefertigt hatte.
Nach dem Essen suchte mich der Vater Abt in meinem Zimmer auf. Er bat mich um Verzeihung - er hatte dem Druck einiger hochrangiger Ceriden nachgeben müssen. Da ich ohnehin von den Ceriden kein anderes Verhalten erwartet hatte, nahm ich seine Entschuldigung an.
Umso überraschter war ich, daß vor der Nachmittagssitzung drei hochrangige Bannkreuzer mit mir sprechen wollten. Sie erläuterten ihre Beweggründe, daß diese Prophezeiung vor allem zu diesem Zeitpunkt ein sehr delikater Text sei und bedauerten tief das diplomatisch ungeschickte Vorgehen.
Während des Treffens der Konzilteilnehmer am Nachmittag legte Abt Ditonius seinen Habit ab und gab ihn dem Primus zurück. Er hatte sich nach seinem Fehltritt mit der Heirat für das weltliche Leben entschieden und schied somit aus der Ordenswelt der ceridischen Kirche aus.
Zu der Andacht am Abend wurden nur Ceriden in die Kapelle gelassen; wir durften jedoch die Geschehnisse von der Türschwelle aus beobachten. Die Messe wurde wie an den Tagen zuvor zelebriert. Am Ende wurden der Tee, das Schriftstück mit dem Lied und die Ambrosia-Reliquie hereingetragen, die sich - wie schon fast erwartet - nach Abnahme aller Verzierungen als Flöte entpuppte. (Eine nachträgliche Untersuchung ergab, daß die Flöte sehr alt war - rund 100 Jahre - aus Knochen oder ähnlichem gefertigt war und von erstaunlicher Qualität war; möglicherweise handelte es sich tatsächlich um die Flöte des Lucius) Das Lied wurde auf dieser Flöte gespielt. Anschließend stimmte der Chor einen Gesang an. Als das Flötenlied beendet war, war für einen kurzen Augenblick im Raum ein heller Blitz zu sehen - ich weiß nicht, woher er kam. Während des Gesangs blieb der Prior des Klosters unbewegt stehen; der Primus ging auf ihn zu, nahm ihn bei den Händen und führte ihn aus den Altarsegmenten heraus. Dort ging der Prior auf die Knie. Ungläubig streichte der Primus mit seinen Fingern über die Augen des Priors; anschließend half er ihm wieder auf und führte ihn aus dem Raum.
Bei besserem Licht erkannten wir, daß sich die Augen des Priors getrübt und milchig verfärbt hatten - er war erblindet. Er sagte: "Ich habe den Einen in mir gespürt. Ich will in die Welt ziehen, wie mein Lehrer Elvorix es getahn hat." Darauf erwiderte der Primus: "Dann bist Du der Blinde, der sieht." Der Prior antwortete: "Ja, wenn es so sein soll.". Später berichtete er, daß er zusammen mit einigen Streitern der Heiligen Miliz eine Reisegruppe bilden wollte, um so durch Heligonia auf der Suche nach dem Tor der Unschuld zu ziehen.

6. Tag des 2. Saarka
Nach den beiden vorhergehenden Tagen erlaubten wir uns, an diesem Morgen die Frühmesse zu Gunsten von etwas Schlaf ausfallen zu lassen. Wir packten unsere Sachen, um wieder nach Hause zu reisen. Rückblickend empfinde ich die Reise als diplomatischen Erfolg für die Universität.
 

Prinz Leomar nimmt in Emarania Amtsgeschäfte auf

Der Wechsel geschah über Nacht. Weder von Wasserauer Bürgern, noch von irgendeiner anderen offiziellen Delegation begleitet, wurde die Standarte des tüchtigen ostarischen Obristen Luidewig von Neuwittach, vom Torbogen des herrschaftlichen Stadthauses genommen, und gegen das geminderte Halmarwappen des Prinzen von Drachenhain, ausgetauscht. Am Morgen war es einfach da gewesen, flatterte lustlos im kühlen Wind, offenbar gleichgültig gegenüber seine zahlreichen Beobachtern, die beim Vorbeigehen das Banner kritisch beäugten. Von diesem Tage an, das war allen klar, würde für Emarania schon wieder eine neue Zeit heranbrechen.
Bislang jedoch, hat es noch keinerlei öffentliche Auftritte des neuen Herrn gegeben, selbst zur Eröffnung des Großen Marktes, war zur Enttäuschung vieler, lediglich Bürgermeister Hanuv Breschenstein zugegen gewesen. Hartnäckig hält sich in der Stadt aber das Gerücht, Seine Hochgeboren plane eifrig an einer großangelegten Rundreise durch ganz Emarania, damit er sich ein Bild von Land und Leuten, nebst aller künftiger Aufgaben machen könne. Weiter heißt es, soll es hierbei nicht nur zu Empfängen in den größeren Städten und Dörfern, wie Bray, Nieder- und Oberau kommen, auch in abgelegenen Gegenden werde es Audienzen geben. Manche Stimmen wollen gar wissen, dass der herzögliche Vogt, gleich seinem interimsmäßigen Vorgänger, nicht von der Seeburg, sondern vom geschäftigen Wasserau aus regieren wolle. Was sicher ist, militärische Unterstützung findet der Prinz von Drachenhain in den, noch vorübergehend präsenten, herzöglich-ostarischen Soldaten, die bleiben werden bis das Emaranische Heer wieder geordnet ist. Personelle Unterstützung beziehe der Prinz derzeit offenbar auch aus Drachenhain. Einige Kundige wollen Abordnungen beobachtet haben, die eindeutig Drachenhainer Höfen zuzuordnen sind.
Doch genug des Klatsches, hoffentlich wird es zur nächsten Ausgabe der Hofgazette gesicherte Aussagen geben.

Valluart Wierremund, Botenberichterstatter aus Wasserau

Neuer Gutsherr in der Ehlermark (Jolberg)

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes
Hier sei die Geschichte von nunmehr Ritter Akleson erzählt, wie er von Baron Jareck von Jolberg zu seinem Erbe berufen wurde. Mir, dem Schreiber Njall, der ich schon viele Jahre zuvor Gunnwald von Ehlermark diente, wurde dabei die Ehre zuteil, eben diese Akleson aufzusuchen und ihm die Botschaft seines Erbes zu überreichen. Zur Erklärung der Umstände: Bis kurz vor dem Tod des Herrn Gunnwalds von Ehlermark war nicht bekannt, dass er einen männlichen Nachkommen hatte. Seine Ehe mit Frau Udelgard hatte keinen Segen Poënas erfahren und endete kinderlos. Ein Hinweis einer Magd führte jedoch zu Herrn Akleson und es sollte sich bestätigen, dass er der rechtmässige Erbe der Ehlermark sei.
Nachdem ich Herrn Akleson schließlich auf der Burg Jolkapf in Rebenhain gefunden hatte, begeleitete ich ihn nach Jolberg und sagte ihm, dass ich doch recht froh sei, dass die Ehlermark nun wieder einen richten Herrn bekäme. Frau Udelgard wäre seit der Herr Gunnwald, Aklesons Vater, krank war eine sehr missgünstige Person geworden, die einem jeden Fehler sofort krumm nehme. Allein wenn der Herr Norgard von Gerstenbrück zu Besuch gekommen sei, um seinen Freund Gunnwald zu besuchen, wäre sie die Liebenswürdigkeit in Person.
Ich bedauerte es sehr Herrn Akleson, zu spät gefunden zu haben um Herrn Gunnwald noch lebend anzutreffen, da Akleson seinen Vater nie zu Gesicht bekam. Ich riet Herrn Akleson erst den Baron Jareck in Jolberg aufzusuchen und dann in die Ehlermark weiterzureisen. Er sollte sich erst die Gunst des Barons holen.
Nach unserer Ankunft in Jolberg brachte ich Herrn Akleson direkt zu einer Audienz beim Baron Jareck. Als Herr Akleson trat er vor den Baron und als Ritter Akleson von Ehlermark mit dem Heliosbrief in der Hand verließ er ihn. Am folgenden Tag machten wir uns auf den Weg in die Ehlermark. Als wir in der Ehlermark ankamen, sah man ein freudiges und dennoch erwartungsvolles Gesicht des Ritters, der seinen Blick über die kleine Siedlung schweifen ließ. Fast schon stürmisch ritt er den Hügel hinab, hinein in die Mitte der Siedlung, in der ihn schon die zusammengelaufenen Bewohner Ehlerreutes ungeduldig erwarteten. Er bahnte sich einen Weg durch die Ansammlung und hielt eine kleine Begrüßungsrede vom Rücken seines Pferdes aus an die Menschen. Er versprach ihnen ein guter Herr zu sein und in alter Familientradition die Ehlermark zu führen. Anschließend brachte ich ihn zu seinem neuen Wohnsitz der alten steinernen Mühle. "Frau Udelgard die Witwe eures Vaters erwartet euch in den Wohnräumen", sagte ich zu ihm, während ich die Pferde anband. Zusammen betraten wir den Hauptraum, der von einem großen offenem Kamin beheizt wurde. Hinter dem hölzernen Arbeitstisch saß Frau Udelgard, die mit stechend blauen Augen den unerwarteten Besucher musterte. "Das ist Ritter Akleson der einzige Sohn und rechtmäßige Erbe Ritter Gunnwalds von Ehlermark!" Freudig schloss Frau Udelgard Ritter Akleson in die Arme, dem es sichtlich unangenehm war von seiner unbekannten Stiefmutter derart herzlich begrüßt zu werden. Ich wurde aufgefordert das Zimmer zu verlassen, um die beiden alleine zu lassen.
Ich wunderte mich ob ihrer für sie ungewöhnlichen Freundlichkeit, die sie Ritter Akleson entgegen brachte. Ich konnte ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen was sie ihm Schilde führen sollte.
Pünktlich mit dem zweiten Hahnenschrei wurde das Frühstück angerichtet und Ritter Akleson begann seinen ersten Tag als Herr der Ehlermark. Seltsamerweise schien Frau Udelgard schon früh aufgestanden zu sein, denn sie war nirgends auszufinden. Sie ließ sich von ihrer Zofe entschuldigen, dringende Geschäfte in Rodenfurt hätten nicht warten können. Ich bat Herrn Akleson ihn Ruhe zu frühstücken und seine Fragen für die spätere Begutachtung der Ehlermark aufzuheben. Vieles würde sich so, schon von selbst beantworten.
Noch vor der Mittagsstunde begannen wir mit unserem Rundgang. Ich führte Herrn Akleson reihum zu jeder Ehlerreuter Familie, die verschiedene Geschenke für ihn bereit hielten. Die Oberhäupter der Familien schlossen sich uns an und zeigten ihm, die ihnen jeweils zugeteilten Aufgaben. Nach der Besichtigung des Sägewerks gingen wir in den Wald, um den Waldarbeitern bei ihrer harten Arbeit zu besuchen. Da geschah es. Aufmerksam hörte Ritter Akleson den Holzfällern zu wie sie die Bäume schlugen, als sich plötzlich ein oberhalb befindlicher Holzstapel in Bewegung setzte. Krachend rauschten die massiven Holzstämme auf die kleine Gruppe zu. Beherzt sprangen alle zur Seite bis auf Herrn Akleson, der gerade das Beil eines Waldarbeiters betrachtete. Auf meine alten Tage hin gelang es mir dennoch den jungen Ritter aus der Gefahr zu bringen. Ich versetzte ihm einen kräftigen Stoss, so dass er zwar in einem Brombeerbusch landete, aber dem wohl größeren Übel der Baumstämme entrann. Die Götter waren uns wohl besonders gnädig, da niemand zu schaden kam. Kaum hatten wir uns von dem Schrecken, erholt hörte man ein lautes "Halded dehn!" vom Holzfäller Michel. Wir sahen nur noch einen Schatten zwischen den Bäumen verschwinden. Michel kam hinter dem restlichen Holzstapel hervor und erzählte uns, dass er jemanden gesehen habe, der sich an der Verankerung des Holzes zuschaffen gemacht hatte. Wenig später brachten zwei stämmige Ehlerreuter Männer eine kleine, hagere Gestalt aus dem Wald, die sie Fest in ihren Armen hielten. Auf frischer Tat ertappt, war er sogleich der Tat überführt. Auf die Frage nach dem Grund seiner Tat, antwortet er auf Herrn Akleson zeigend: "ich sollte diesen Herrn dort zu Grabe bringen". Aufbrausend sprach Ritter Akleson: "Da wir dich in flagranti ertappt haben, werde ich als Herr der Ehlermark, von dem Recht gebrauch machen dich sofort zu richten!" Scheinbar wusste der Täter wohl nicht wer sein Opfer war. Bettelnd und um sein Leben winselnd versprach der Unsägliche alles zu gestehen. Er erzählte das am heutigen Morgen eine Frau ihn beauftragte, eben diesen Herrn dort zu töten und Beschrieb recht genau das Aussehen der Frau Udelgard.
Daraufhin fassten wir einen Plan, der sie der Tat überführen sollte. Wir sorgten dafür, dass sich das Gerücht über einen tragischen Todesfall in ganz Ehlereute verbreitete und warteten auf die Rückkehr von Frau Udelgard. Ritter Akleson und zwei der Familienoberhäupter versteckten sich in der Mühle, die anderen beiden Oberhäupter und ich setzten uns an den großen Arbeitstisch. Als sie den Raum betrat berichteten wir, ohne einen Namen zu nennen: "Es war ein Unfall. Er wurde von einem großen Stapel von Holz erschlagen, der sich aus Versehen löste." "Der arme Herr Akleson", schluchzte sie. Aber wer außer den beim Unfall Anwesenden, hätte dies wissen können, da der Name des Opfers ja tunlichst verschwiegen worden war? Die Beute war ins Netz gegangen. Verwundert schauten wir sie an. In diesem Moment bemerkte sie, dass niemand außer ihr je diesen Namen genannt hatte, gleichzeitig zeigte sich Ritter Akleson: "Du falsche Natter, wolltest wohl das Erbe für dich beanspruchen, aber nun wird der Baron von Jolberg sich deiner persönlich annehmen."
Am nächsten Tag brachten zwei Oberhäupter der Familien und ich, die arme Seele, gebunden auf einem Ochsenkarren, nach Jolberg. Auf dass sie dort ihr gerechtes Urteil erhalten würde.
Auch wenn der Antritt des Erbes für Ritter Akleson von diesem Vorfall überschattet wurde, denke ich doch das die kommenden Zeit gutes bringen wird. Die schnelle Ergreifung des Täters und Mithilfe für die Überführung von Frau Udelgard, zeigt wohl am besten die Loyalität der Bewohner. Für mich selber kann ich nur sagen, dass ich ebenso für den neuen Herrn wie zuvor für den alten Herrn von Ehlermark, dienen werde.
Njall, Schreiber von Ritter Akleson von Ehlermark



Die in der letzten Gazette begonnene Informationsreihe über die Nordmark wendet sich auch in der aktuellen Ausgabe wieder an den in der Sache interessierten Leser, den geneigten Fernwanderer oder auch den neugierigen Abenteuer- und Wildnisfreund. 

Karlon vom Storcheneck

4. Artikel: Über die Politische Zugehörigkeit.
Karlon vom Storcheneck 
Die Nordmark als Ganzes ist dem Herzogtum Ostarien zugeordnet. Da sie in allererster Linie gegen die ödländische Grenze steht, kommt ihr unter den Ostarischen Herrschaften eine besondere Rolle zu. Die Mark ist Standpunkt einer Herzöglichen Kaserne, neuerdings auch eines Marinestützpunktes und einer schwerbefestigten Burg. Letztere sind selbstverständlich dem Ostarischen Herzogshaus direkt unterstellt.
Wegen eines alten Versprechens aus den letzten Tagen des ersten Ödlandkrieges wurde es allerhand Söldnervolk zugestanden, in einigen Landstrichen der Nordmark eigenständige Vogteien, die Haga, zu gründen. Sie sind von jeglicher Steuer befreit und schulden ihren Lehensherren nur die Verteidigung im Fall eines Angriffs. Ansonsten ist die Herrschaft über das Baronat entsprechend dem Heligonischen Lehenswesen dem Orden der Catvaras Ekam anvertraut worden.

5. Artikel: Straßen und Wirtschaftsgefüge.
Galbart Wagenmeister, Vogt zu Yaldering
Es gibt auch Straßen in der Nordmark. Eine Straße, die Salzstraße, führt von Malderpot über Yaldering nach Leiana. Es ist eine alte Straße, die es schon gegeben hat, als noch niemand von uns in der Nordmark gesiedelt hat. Allerdings war sie anfangs ziemlich zugewachsen. Aber jetzt ist sie ganz schön und so breit, daß man sehr bequem mit einem Gespann darauf herumfahren kann. Man transportiert zum Beispiel Salz von Malderpot nach Yaldering, wo es gefäßt wird, wie wir sagen, und dann transportiert man es weiter nach Leiana, dort wird es dann von den Flößern auf der Yaltrach weitertransportiert, die östlich von Leiana mit Flößen befahrbar ist, wenn das Wasser nicht zu hoch oder zu niedrig ist und nicht gefroren. An den Norrland-Brassachischen Grenzanlagen muß man übrigens aufpassen, daß man nicht für einen Ödländer gehalten wird, sonst ergeht es einem schlecht.
Eine andere Straße ist der Jarecksweg. Er ist, wie der Name schon sagt, keine Straße, sondern ein Weg und der Name kommt von Jareck von Jolberg, der ihn als erster von uns benutzt hat. Der Jarecksweg führt von Yaldering zum Pailat hinauf durch die Vaittaschlucht und an allerhand steilen Felsen vorbei und er ist schwierig in der Instandhaltung und mit der Begehbarkeit, vor allem im Winter, wenn es schneit. Man benutzt ganz gerne Maultiere auf dem Jarecksweg, weil er so schwierig zu begehen ist.
Es gab auch einmal eine Straße von der anderen Seite, von Arnach über einen Gebirgspaß zum Pailat hinauf. Nach alten Überlieferungen muß sie wohl früher einmal "Nördliche Heerstraße" genannt gewesen sein. Aber sie ist leider total kaputt und zerfallen und man benutzt diesen Weg nur, wenn es nicht anders geht, weil er sehr gefährlich ist und schwer zu finden und im Winter sowieso völlig unpassierbar wird. Bisher ist man dort, wenn überhaupt, nur zu Fuß gegangen. Aber manche Leute benutzen ihn recht häufig.
Der Weg, der von Norrland-Brassach nach Leiana führt, ist eigentlich kein Weg, sondern nur so eine Art Reiseroute. Da es aber keinen anderen Weg gibt, benutzen ihn die Leute meistens doch. Normalerweise braucht man einen Führer und ein paar Söldner, weil er sehr gefährlich ist und schwer zu finden, unglücklicherweise gibt es viele wilde Tiere und Räuberbanden, aber in letzter Zeit nicht mehr so viele Ödländer. Dafür ist es im Winter ziemlich kalt und tief verschneit, so daß man lieber wartet, bis es wieder ein bißchen wärmer wird.
Einmal hat es einen Versorgungszug gegeben, der mit großen Gespannen auf diesem Weg unterwegs war. Aber seither begeht man ihn nur noch mit Maultieren, die überhaupt sehr praktisch sind. Sie tragen fast soviel wie zwei Männer schwer sind, und sie ertragen auch Hitze und Kälte, Hunger und Durst und werden fast doppelt so alt wie ein Pferd, wenn man Glück hat.
Wenn man von Leiana aufbricht, braucht man meistens so knapp zwei Wochen, bis man im Norrland-Brassachischen Garnisonsstützpunkt Markwacht ankommt, der ersten sicheren Herberge jenseits der Wildnis.
Manchmal begehen abenteuerlustige Nordmarker auch das Kallerfeld. Aber das ist auch sehr gefährlich und leider kann man nicht einmal ein Maultier mitnehmen, weil sich die Hufe in den vielen großen und kleinen Geröllbrocken verfangen. Allerdings kommt man auf der anderen Seite nach Calterac oder zum Jolborn, wo die neuen Besitzungen liegen. Sie sind aber eigentlich besser vom Jolborn her zu erreichen.
Es wird vermutet, daß eine Gruppe flüchtiger Banditen um einen gewissen Ragner den Starkbärtigen bei Malderpot die Berge nordwestlich durch die Klingenfelder umgangen haben soll. Möglicherweise gibt es einen gangbaren Weg dort, denn einige Wochen später hat Ragner mit seinen Gesetzlosen einen Überfall gemacht, auf dem Kallerfeld. In Malderpot wurden sie aber nicht gesehen, darum glauben wir, daß es vielleicht einen Weg im Nordwesten gibt.
Das Handels-, und Erwerbswesen der Nordmark ist sehr jung und nicht so kompliziert. Die Leute in der Nordmark sind ganz schön fleißig und betreiben allerlei Gewerbstätigeiten:
- Es gibt viel Holzschlag in Yaldering und Leiana. Das Holz wird verbaut oder zu Holzkohle verarbeitet und mit Flößen in den Süden transportiert und verkauft. Die Flöße selber werden auch verkauft und man verdient viel Geld damit weil es besseres Holz ist und man im Süden unglücklicherweise schon recht viel Holz abgeholzt hat.
- Da in Malderpot kuriose Salzquellen zutage treten, kann man diese benutzen, um Salz zu sieden. Wie schon erwähnt wird es in Yaldering gefäßt und in den Süden verkauft. Das Salz muß immer in Yaldering gefäßt und umgeschlagen werden, denn das ist eine der wenigen Vorschriften in der Nordmark.
- Da es viele verschiedene Tiere in den Wäldern gibt, werden sie gejagt und gegessen und man verkauft auch vieles in den Süden, zum Beispiel Pelze, Elchsleder für Thaler Stiefel und Salzfleisch. Alles wird in Yaldering verarbeitet. Zum Beispiel verkauft man aber auch Sehnen und Dinge, die man aus Knochen und Horn machen kann. Damit der Handel gut funktioniert, gibt es dreimal in der Woche einen Jägermarkt. Wenn man Geld hat, kann man da überhaupt auch sonst alles kaufen, vom Waldhonig über frisch gesottene Kernseife bis zum noch lebenden Flußkrebs.
- In den Hochtälern um den Pailat herum hält man viele Ziegen. Sie werden gemolken und gegessen und man verarbeitet das Ziegenleder zu Ziegenlederwaren. Es gibt auch Schafe, aber meistens eher Ziegen, obwohl Schafe eigentlich besser wären, weil man zusätzlich ihre Wolle zu Schafswollwaren verarbeiten könnte.
- In der Vaittaschlucht findet man manchmal Aurazith. Aber es ist nur sehr wenig und man muß es mühsam aus den kalten Gebirgsbächen auswaschen. Das ist leider sehr umständlich.
Meistens nehmen die Flößer die ganzen Waren mit und verkaufen sie im Süden. Manchmal fahren sie bis weit nach Ligonii oder sogar nach Thal. Von dem verdienten Geld kaufen sie verschiedene Dinge, die es nicht gibt in der Nordmark, zum Beispiel Eisenerz zum Schmieden oder lieber fertige Sachen aus Metall oder auch schöne Stoffe und natürlich Tatzelfelser Honigmeth, Jolberger Schädelspalther, Rebenhainer Traubenbluth, Apfelbrandth aus Ligonii, manchmal auch Bethiser Drachenfeuer und Wiffelbeerwein aus Sarnianth und dergleichen. Ich finde übrigens, daß es auch hervorragenden Sumpfkräuterschnaps aus der Nordmark gibt. Leider ist er nicht so beliebt, obwohl er gerade nach üppigen Fleischmahlzeiten sehr bekömmlich ist. Man hat dann nicht so ein Gefühl, daß man sich überfressen hat, und das kann man aber in der Nordmark sehr leicht kriegen, weil das Essen ist meistens recht schwer.
Jedenfalls kehren die Flößer nach ihren Reisen schwerbeladen wieder zurück und wenn das Wetter im Sommer schön warm ist, benutzen sie manchmal den Gebirgspaß von Arnach her. Das ist zwar auch beschwerlich und gefährlich, aber dafür nicht so sehr weit und man muß nicht nach Norrland-Brassach. Viele finden das besser, weil die Norrland-Brassacher sich immer über die Nordmarker lustig machen und sie auslachen.
Übrigens gibt es in den Haga keine Steuern. Darum nimmt der Pailat nur in Yaldering Steuern ein, und zwar hauptsächlich Handels- Verkehrs- Gewerbe- und Weingeiststeuern (die werden auf alles erhoben, das einem betrunken machen kann). Da Yaldering eine große Stadt ist und viel Handel, Verkehr, Gewerbe und weingeistpflichtige Festereien hier stattfinden, verdient der Pailat viel Geld damit. Das finden nicht immer alle gut, aber da kann man nichts machen.
Irgendwie ist auch alles immer so teuer in der Nordmark, finden viele Leute. Aber wenn man mal kurz nachdenkt, daß wenn man zum Beispiel eine teure Gabel kauft, daß man dann also nicht nur die Gabel bezahlt, sondern auch diejenigen, die die Gabel tagelang über die Berge getragen und dabei Kopf und Kragen riskiert haben und daß sie eigentlich deswegen so teuer ist und nicht weil der Händler ein Wucherer und Halsabschneider ist, dann läßt man das lieber und kauft irgend etwas Vernünftiges und ißt stattdessen einfach mit den Händen. Dann können nämlich auch vernünftige Sachen über die Berge transportiert werden und keine Gabel. Oder man schnitzt die Gabel selber aus schönem, getrocknetem Birkenholz. Damit kann man wunderbar schnitzen.
Überhaupt gibt es über die Preise schon deswegen nichts zu schimpfen, weil das Baronat ja auch reich an Naturschätzen ist und man muß eben sehen, daß man gute Geschäfte macht. Dann hat man auch Geld und kann sich etwas leisten auf dem Jägermarkt, ein schönes Stück Bärenfleisch etwa oder ein paar Biberfelle oder meinetwegen eine Gabel. Ja. So ist das. Die Nordmark ist eben kein Land für Faulenzer.

6. Artikel: Eodars Nordmarker Kneipenführer
Niedergeschrieben von Lirek Hufenschmied †
Dafür, daß in der Nordmark noch nicht lange gesiedelt wird, gibt es ganz schön viele Herbergen, Gasthäuser und Wirtshäuser in der Nordmark. Sie haben zwar nicht alle den Standard, den der geneigte Reisende aus dem Süden gewohnt sein mag, doch aufgezählt sollen sie doch sein an dieser Stelle:
Zum blutigen Eimer: Erstaunlich große Gaststätte im Keller einer der präheliotischen Ruinen. Der richtige Ort für Leute, die ausschweifende Gelage, Glücksspiel und gelegentliche Schlägereien zu schätzen wissen.

Kaiserpfalz: Gasthaus und Versammlungsort der Hohenforinger Siedler. Hauptsächlich Publikum aus dem ehemaligen Teemoranien. Ganz vorzügliche Wildgerichte.

Barttas Bootshaus: Herberge und Nebenerwerb des einzigen Fischers in Yaldering. Schöner Blick auf den Vaittasee. Bartta selbst ist ein dicker, alter Mann aus Thal. Lausige Fischgerichte zu überteuerten Preisen. Ruhige Atmosphäre, wird manchmal wegen des ausbleibenden Publikums zu Unterredungen vertraulicher Art genutzt.

Stern von Darian: Etwas außerhalb gelegenes Etablissement mit Hinterhaus und Darianischer Badestube (gemütliche heiße Dampfbäder mit Außenbereich zum Abkühlen direkt im Vaittasee!). Verschiedentliche Sonderdienstbarkeiten im Hinterhaus (sehr sauber, sehr empfehlenswert!).

Zum Lachenden Dritten: Gasthaus und Herberge, in dem zweifelhafte Getränke an zweifelhafte Gäste ausgeschenkt werden. Von der Obrigkeit geduldeter Treffpunkt nordmärkischer und anderer Unterweltler. Der Betreiber ist ein gewisser Erbdnet aus Brazfurt. Man erzählt sich, daß er seines stets übellaunigen und greisen Vaters Stirbdnet überdrüssig und daher dem in letzter Zeit ziemlich umtriebigen Brazfurt entflohen sei. Eines der wenigen Gästezimmer ist (als Geste der Einladung) für Halfnet den Barden reserviert, der sich aber bisher noch nicht eingefunden hat, um davon Gebrauch zu machen.

Ostarienhaus: Herberge für offizielle Reisende von edlem Stand und Herkunft. Klassisch-solider, ostarischer Standard, ganz in der schlichten, schnörkellosen Eleganz des Herzogtums gehalten. Für nicht Geladene sehr teuer. Meist harmloses Klientel.

Zum überladenen Maultier (Leiana): Reiseherberge, Poststation und Zwischenhalt von oder nach Brassach-Norrland. Gut ausgestattet, Service in Ordnung. Keinerlei Extras.
Sanais-Quartier (Leiana): Gewöhnliches Gasthaus, ruhige Atmosphäre. Früher, pünktlicher Kehraus. Es halten sich hartnäckige Gerüchte, daß das Sanais-Quartier ein heimlicher Unterschlupf der Schwarzen Lilie sei. In meinen Augen völlig abwegig.

Gasthaus der Bibliothek zu Escandra (am Fuß des Pailat): Eines der wenigen Granithäuser in der Nordmark. Überaus mondän, fabelhafte Bewirtung, jede Unterkunft mit Zimmerkamin und Daunenbetten. Exzellenter, freundlicher Service, die Abtritte stets mit frischen Wassereimern und Toilettentüchern bestückt, kurz: Das Haus hat Escandrinische Größe. Leider etwas abseits der Verkehrswege in der Ruinenstadt Galtur unterhalb des Pailat gelegen.

Zur Grube (Malderpot): Vielbesuchtes (und einziges) Gasthaus des kleinen Dorfes. Wenige verlauste Quartiere über dem Schankraum, sehr laut. In der Gaststube ist allabendlich viel Betrieb. Gelegentlich finden in einer normalerweise abgedeckten Grube in der Mitte des Schankraums Kämpfe statt (treffliche Gelegenheit für Geldwetten!), manchmal auch Zurschaustellungen von festgesetzten, unliebsamen Gästen. Sonderbedienstereien im Hinterhaus (jedoch kein Vergleich zum "Stern von Darian"!).

Die Sackpfeife (Härtwigs Hafen): Im ostarischen Fischerstil gehaltene, harmlose Wegstation hauptsächlich für Jolbornschiffer. Manchmal spielt Härtwig zum Tanz auf, daher der Name.

Zum Herzog-Uriel-II-Atoll (Haukegericht): Gewöhnliche Ostarische Hafenkneipe. Kennt man eine, kennt man alle. Über der Bar ein interessanter Versuch einer Jens-Hendrik-Nilsson-Büste, gestiftet von der einzigen und besten nordmarker Vertreterin der Handwerkszunft der Bildhauung und Steinmetzerei, Krescantja Muldenhauer. Leider hat sie Nilsson nie kennengelernt.
 
 

Fürstlicher Thaler Hofchronist

Schwertleite zu Waldroden

Am letzten Tag der Saarkamonde fand in Waldroden ein epochales Ereignis statt. Baron Sihran von Tolens beendete seine Knappenzeit bei seinem Oheim Baron Beorric von Welzen und wurde mit der Schwertleite in den Stand des Ritters erhoben. Über zwei Jahre war der Baron von Welzen seinem Schützling ein guter Vertrauter, der ihn in die Kunst des Regierens einführte. Daher übernahm dieser auch die Schwertübergabe an Elternstatt. Die Edle Fendra von Aueck, Tante und Vormund des angehenden Ritters ließ es sich nicht nehmen bei der Feier anwesend zu sein und ihrem Neffen mit dem traditionellen Gewand einzukleiden, das sie eigens für ihn angefertigt hatte. 
Die Zeremonie begann am Vortag mit einem rituellen Bad im Xurl-Heiligtum, um so den zukünftigen Ritter symbolisch zu reinigen Danach begab er sich in einem feierlichen Prozession zum Poena-Schrein, wo er in einem langen dunklen Mantel, den Kopf von einer Kapuze verhüllt die Nacht betend am Schrein verbrachte, um am Morgen die ersten Strahlen Helios zu erblicken. Danach begann der eigentliche Festtag mit der zeremoniellen Einkleidung. Sihran von Tolens wurde in den  Festsaal geführt, wo er von seinem Oheim Beorric von Welzen Waffen und Sporen erhielt. Am Ende zog man gemeinsam zum Saarka-Schrein, wo die Priesterin über das Schwert und über den jungen Ritter selbst den Segen der Göttin sprach. Durch die Anwesenheit der fürstlichen Geschwister, Prinzessin Celia und Prinz Anselm wurde Baron Sihran eine besondere Ehre zuteil. 
Anschließend wurde gefeiert und Turnier abgehalten, bei dem der junge Ritter zum ersten Mal öffentlich und gegen harte Konkurrenz seinen Mut und sein Können zeigen musste. Der Tag klang nach einem langen Fest aus, bei dem Speisung und Geschenke an die Armen verteilt wurden.
 

Eurer Hochgeboren,

da nun mehr als ein Jahr ins Land gegangen ist, seit mir die Baronie Lormark als Lehen anvertraut wurde, halte ich es für an der Zeit und angebracht, Euch noch einmal zusammenfassend über alle Veränderungen, die ich in dieser Zeit unternahm, sowie über deren Konsequenzen, zu unterrichten. 
Schon in den ersten Wochen des letzten Jahres entschloss ich mich, daß viele Dinge in der Lormark einer Umgestaltung bedürfen. Die Baronie ist leider ein recht unfruchtbares Ackerland und auch Bodenschätze sucht man vergebens, so das Wohlstand unter den Lormarkern nur selten zu finden ist. Daher war ich der Meinung, daß man Gedanken nun dringend Taten folgen lassen sollte.
Die erste war zugleich auch meine erste Amtshandlung, in der ich meinen langjährigen Freund und Waffenbruder Cornelius von Langenau in den Freiherrenstand erhob und ihn zugleich zu meinem Stellvertreter und obersten Heerführer ernannte.
Um mein Heer umzustrukturieren reduzierte ich zuerst die Truppenstärken des Heeres, allen voran der Gaidin, der Elitebogenschützen der Lormark. Was nützen mir Unmengen von Bogenschützen, wenn ich keine Infanteristen habe, welche die Bogenschützen vor Angriffen abschirmen? Außerdem sollten viele diese Männer auf den Ackern und bei ihren Familien sein. Daher halbierte ich, sehr zum Unmut eben dieser, die Zahl der Bogenschützen und schickte jene, die ich von ihrer Pflicht entband, auf die Felder zurück oder, so sie keine mehr hatten, überschrieb ich ihnen leerstehende Höfe, die es allzu oft in der Lormark gibt und die bisher nur Schmugglern als Unterschlupf dienten. Aus diesem Grunde habe ich auch dieses Jahr nicht, wie es eigentlich Tradition ist und sehr zu meinem Bedauern, 30 Mann Ehrengarde an Euren Hof entsandt da ich diese Leute hier in der Lormark dringend brauche, gerade zu diesen unruhigen Zeiten. Wenn ich Euch also wieder eine Ehrengarde schicke, so seht die als Zeichen von besseren Zeiten in Eurem Lehen. Ich hatte in dieser Angelegenheit ein sehr interessantes Gespräch mit dem Hauptmann der Gaidin, Har Falkenau. Eigentlich hatte ich vor, die alten Hauptleute zu ersetzten, da ich mir ihrer Loyalität nicht sicher sein konnte, aber Har überzeugte mich vom Gegenteil. Da ich ihn für einen aufrechten und ehrenhaften Mann halte, habe ich Vertrauen in seine Fähigkeiten als Anführer und die Treue seiner Männer. Auch wenn er immer noch den Wunsch hegt, die Bogenschützen zu alter Sollstärke aufzustocken, so konnte ich ihm doch mein Ansinnen und die Notwendigkeit für eine höhere Ernte verständlich machen. Was aber Har noch mehr zu belasten schien als die Reduzierung der Truppenzahl war die Heuer von 30 Landsknechten als Kerntruppe meines stehenden Heeres. Seit dem ersten Tag ihrer Anwesenheit haben die Landsknechte und die Gaidin keine Gelegenheit ausgelassen, sich zu provozieren und untereinander zu wetteifern. Beide Einheiten sind sehr stolz auf ihren Ruf, ihre Fähigkeiten und ihre Taten, und Stolz ist eine Tugend! Da es nicht zu Gewalttätigkeiten oder Ungehorsam kam, werde ich diese Rivalität weiter dulden, solange sie alle Beteiligten ihre besten Taten entlockt. 
Weiterhin schickte ich Trupps durch die Lande, die endlich den lästigen Schmugglerbanden, die zwischen Darian und Thal verkehren, ein Ende machen sollen und, so sie auf ihren Reisen in ein Dorf kommen, dieses nach Adveristen durchsuchen. Die Anzahl unserer äußeren Feinde ist zu hoch, um auch noch im Inneren welche dulden zu können. Hier setzte ich nicht zuletzt auf die Geweihten des Helios und ihre Gabe, die Wahrheit zu ergründen.
Aufgrund der Schwere der Zeiten verlangte ich den Bauern nur den Elften ab, in der Hoffnung und mit der Weisung, daß sie diese eingesparte Geld dazu aufbringen, ihre Höfe auszubessern und sich auf weitere harte Jahre vorzubereiten. Trotz der Schwere ihres Loses verlieren die Lormarker nicht die Hoffnung, der Glaube an die Viere ist stark und die Gunst der Götter überall zu spüren. 
Eine Besserung der finanziellen Lage ist in der Tat bereits spürbar. Die kürzlich wiedereröffnete Brücke von Sarniant wird viel bereist und die Zölle tun das ihre, um die Truhen der Lormark langsam wieder zu füllen. 
Nun, dies waren in Kürze meine wichtigsten Amtshandlungen, ich hoffe, sie sind im Eurem Sinne geschehen. Über die Ereignisse vor Cambrück, die Krähe betreffend, und in der Universität zu Tlamana seid Ihr ja mehrfach informiert worden.
Einen ebenso großen Teil meiner Aufmerksamkeit forderten die Geschehnisse in der Niederlormark oder vielmehr unsere Unkenntnis über diese. Lange Nächte verbrachte ich im Turmzimmer der Feste Eichenstein in Lormaringen, meiner Hauptstadt, brütend darüber, wie ich dieser unbekannten Bedrohung begegnen sollte. Nach langen Überlegungen faßte ich schweren Herzens den Entschluss, dass eine Mobilmachung der Miliz und die Vorbereitung des Heeres auf einen Krieg die beste Entscheidung war. So veranlaßte ich, daß 200 Mann Miliz ausgehoben und dem Befehl von Langenaus unterstellt wurden. Diese Entscheidung, so kann ich Euch versichern, traf ich nur mit größtem Widerwillen. Hatte ich nicht die Gaidin in ihrer Mannstärke halbiert, um mehr Männer auf den Ackern zu haben? Bedenkt man dieses, so scheint es geradezu töricht, 200 kräftige Bauern von den Felder, der Ernte und ihren Familien weg zu holen und auf einen Krieg vorzubereiten. Was allerdings nutzen fruchtbare Felder und wohlhabende Dörfer, wenn ihre Bewohner nicht mehr am Leben sind? Ich trage die Verantwortung für diese Menschen, und bei den Vieren, niemals werde ich sie schutzlos einer Gefahr überlassen! Weiterhin teilte ich von Langenau 30 Landsknechte und 15 Bogenschützen zu. Letztere formte er zur Kerntruppe einer Invasionsarmee, falls es nötig sein würde, mit Gewalt in die Niederlormark vorzudringen. Nun scheint es tatsächlich soweit zu sein und meine Truppen stehen bereit, die Hilfslieferungen in meine Nachbarbaronie zu geleiten. So ich das Beste hoffe, rechne ich dennoch mir dem Schlimmsten.
Ich bin bereit, was auch immer uns die Zukunft bringen mag!
Mögen die Viere uns schützen und durch diese schweren Zeiten führen!
Euer ergebener Diener, Hektor von Eichenstein


Gedanken eines Bauern

Torben stand in einem kleinen Tal und betrachtete die in ihrem Winterkleid daliegenden Äcker. Guter Boden, doch in letzter Zeit sehr verwahrlost. Es war ein leichtes für ihn, diesen Misstand zu erkennen. Schließlich war er Bauer und tat seine Arbeit gerne. Nun ja, für gewöhnlich war er Bauer und die Äcker, die er nun begutachtete waren nicht die seinen und lagen auch nicht in seiner Heimat. Torben stand hier auf der Gemarkung der Niederlormark im Waffenrock der Lormarker Miliz einige Tagesreisen entfernt von seiner Heimat nahe der Lormarker Hauptstadt Lormaringen. Es war ein seltsames Jahr und es waren seltsame Geschehnisse. 
Es hatte schon vor dem Jahreswechsel im Frühsommer begonnen. Der neue Baron der Lormark, Hektor von Eichenstein, war kaum ein paar Monde im Amt und wirbelte mit seinen Reformen die alte Ordnung kräftig durcheinander. Viele, die unter Nimue gut standen beschimpften ihn als Despoten. Ob sie damit Recht hatten, oder ob sie nur um ihre Titel und Ländereien fürchteten, konnte Torben nicht sagen, er war Bauer, kein Gelehrter. Trotzdem blieb aber der neue Baron mit dem, was er tun wollte eisern und das Volk dankte es ihm. Die jahrelange Abgrenzung nach außen fiel von der Lormark ab und damit auch viele der daraus entstandenen Sorgen. Soweit, so gut, es schien alles besser zu werden. Aber kaum waren des Barons Erlässe zur inneren Reform in Kraft getreten, da regte sich schon Neues. Ohne großes Aufheben und so still wie möglich wurde ein Gutteil des Heerhaufens des Barons entlang der Grenze zur Niederlormark postiert. Nur wenige bemerkten dies, aber nach und nach kamen Gerüchte auf. Die einen sagten, die Ruhe an der Grenze war auf eine Fehde des Barons mit jenen Von Ilmenau zurückzuführen. Andere sprachen von einer in der Niederlormark ausgebrochenen Seuche. Und gelegentlich hörte man sogar davon, dass Eichenstein bei einer Zecherei über eine wieder vereinte große Lormark gesprochen habe. Gerüchte! Wahrscheinlich genauso glaubwürdig wie die Geschichten, die man über das Weibsvolk aus Sedomee zu hören bekam. Torben grinste verschmitzt bei diesen Gedanken.
Einige Wochen darauf jedoch wurden Milizionäre eingezogen und entlang der Grenze postiert. Der Heerführer, der Freiherr von Langenau ließ sich öfter blicken als gewohnt und irgendwie lag Ärger in der Luft. Torben wunderte sich schon damals, was das zu bedeuten hatte. Es wurde nie die ganze Miliz einberufen, aber ständig waren 100, vielleicht sogar 200 Mann im Dienst. Immer so lange, dass für die Bauern keine Nöte auf den Feldern zu Hause entstand, aber jeder Milizionär leistete einige Wochen Grenzdienst und übte mit den Waffen. Jeder. Die Befehle waren einfach: Üben, wachsam sein und jeden, der über die Grenze will festsetzen. Aber es wollte keiner über die Grenze. Sogar auf den einstmals viel befahrenen Handelswegen war kaum eine Menschenseele zu sehen und es schien so, als wäre die ganze Niederlormark ausgestorben. Es tat sich wenig und noch weniger, als der Winter hereinbrach. Die Nähe des Schlangenkamms tat das ihre und der Winter war kalt und schneereich wie immer in diesen Landen. Und lange war nicht zu erfahren, was eigentlich vor sich ging.
Bis vor einigen Wochen. Jeder Miliztruppe, die gerade aufgestellt war kam eine Nachricht zu, dass in der Niederlormark wohl eine Notlage bestünde. Keiner wußte wieso und warum, aber es war die Aufgabe ganz Thals und ganz besonders der Lormark, zu helfen. Ein großen Hilfszug sollte über die Westgrenze aus Anthan kommend in die notleidende Baronie einziehen, um die Leiden der Bevölkerung zu lindern. Gleichzeitig kam den Lormarker Soldaten die Verantwortung zu, die Flanke dieses Zuges zu sichern, ohne aber den Hilfsauftrag zu vergessen. So zog denn also ein größerer Heerhaufen unter Führung von Cornelius von Langenau in die Niederlormark ein, mit Broten und Kohlköpfen genauso gewappnet wie mit Lanzen und Pfeilen. Wohl ein Stück östlich des Zuges aus Anthan lief ihr Weg den Gerüchten nach, aber viel war davon nicht zu hören und im Moment hatte Torben auch andere Sorgen. Denn Langenau hatte nicht nur den Zug geplant. Anscheinend wurde die Grenzregion schon seit Wochen von den Spähern des Freiherrn erkundet und seit beträchtlicher Zeit an den Plänen für den Einmarsch gearbeitet. Es war nach diesem Plan vorgesehen, dass die Truppe, der auch Torben angehörte ungefähr einen Tagesmarsch in die Niederlormark vorrückte und im Weiler Breitwiesen Quartier bezog, angeführt von einem Offizier der regulären Truppen. Immer wieder hatten sie die Ermahnungen gehört "Männer, das Essen wird nur Rationsweise verteilt! Wir wollen nicht dem Schmuggler-Geschmeiß Vorschub leisten, sondern den Leuten helfen! Und denkt daran: Wir wissen nicht was hier geschah. Also traut keinem, vor wir nicht die Ursache kennen!" So stand er also da, Torben der Bauer. Nein, Torben der Milizionär. Seine Zeit verbrachte er damit, Eintopf und Brot an die Dörfler auszugeben, Wache zu schieben und sich seine Gedanken zu machen. Und er danke den Vieren von ganzem Herzen, dass der Feind nicht zu entdecken war. Nicht nur In Breitwiesen, nein noch in keinem der Grenzdörfer war etwas geschehen, was die Miliz zu den Waffen greifen ließ. Zumindest hatte keiner etwas derartiges gehört. Nur die Bevölkerung, die mit geradezu unmäßiger Gier nach Nahrung verlangte, bestürmte die Feldküchen. Aber wer wollte es ihnen verdenken, so ausgehungert wie sie waren. Und mit einigen Worten waren sie stets zur Einsicht gekommen. Die Geschichten, dass es sich vielleicht tatsächlich nur um eine Hungersnot, schlechte Ernten oder ähnliches handeln würde, wurden immer mehr und die Hoffnung der Bevölkerung stieg. Doch als Torben diese Gerüchte zum ersten mal hörte hatte er dieses Stechen im linken Knie das er immer hatte, wenn etwas in der Luft lag. Er würde lieber vorsichtig sein, wer wußte schon, was sich im Innern des Landes vorfinden würde. Aber eigentlich war im das beinahe schon egal. Natürlich war es seine Aufgabe zu helfen. Aber das tat er ja auch. Sollte aber tatsächlich mehr an der Misere schuld sein als der Kartoffelkäfer oder Wanderheuschrecken, dann war es die Aufgabe der regulären Soldaten. Er war schließlich nur bei der Bauernmiliz und in 2 Wochen würde er abgelöst werden. Bald, so dachte Torben bei sich, würde er Frau und Kinder wiedersehen und sich wieder um sein Land kümmern können. Schließlich sollten seine Äcker nächstes Jahr nicht so verwahrlost aussehen wie das Feld, vor dem er gerade stand.
 
 

Betiser Tribüne

Toter im Werftkanal

Gestern wurde aus dem Werftkanal ein Toter geborgen, der offenbar Opfer eines Überfalls geworden war. Der junge Mann wies mehrere Stichwunden im Oberkörper auf. Da er kaum persönliche Gegenstände bei sich trug, gestaltete sich seine Identifizierung zunächst als schwierig, bis seine Angehörigen ihn als vermisst meldeten. Es stellte sich heraus, dass der Mann in den Diensten des Handelshauses Estéban gestanden hatte, dort aber am Morgen nicht zu seinen Pflichten erschienen war. Mehrere Freunde des Toten sagten aus, er hätte des öfteren Spielschulden gehabt, was ein glaubhaftes Motiv darstellt. Donna Severa äußerte sich bestürzt über den Tod ihres Angestellten und versprach, seiner Familie ein angemessenes Auskommen zu sichern.
 

Einladung zum Empfang

Das Handelshaus Estéban lädt die noble Betiser Gesellschaft zu einer Verkostung bester aturianischer Confiserie in ihr Stammhaus am Helos-Kanal ein. Es wird Konfekt, Backwerk und feinstes Zuckergebäck zu erlesenen Teesorten gereicht. Für angenehme Unterhaltung werden ausgesuchte aturianische Spielleute sorgen. Der Empfang findet am 5. Tage der 2. Poena am späten Nachmittage statt. Elegante Kleidung erwünscht.
Das Handelshaus Estéban


Il Giglio
Confiserie aus dem Hause De Lepanto
Aturianisches Backwerk & Konfekt der Spitzenklasse!
Zu beziehen über das Handelshaus Estéban

Bessere Qualität - bessere Konditionen

Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks


Was sich schickt Und was nicht
- süße Backwaren
- die neue Utzgan-Saison
- HU2-Atoll-Frühbucherrabatte
- Großbestellungen
- Salzgebäck
- Diebstahl jeglicher Art und Weise
- Manöver
- Traditionen

Der Handelsprophet


Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 4 Kreuzer
Schiffsfahrt pro 10 Meilen 6 Kreuzer
Pergament 10 Bögen 1 Dukaten und 2 Groschen
Parfum 0,1 l 3 Dukaten und 3 Groschen

Der Aurazithpreis steigt wieder auf ein leicht höheres Niveau. Die Verbilligung des Preises von Schiffsfahrten ist in den aktuell angebotenen Frühbucherrabatten für Reisen auf das Herzog-Uriel-II.-Atoll begründet, welche sich auch auf sonstige Schiffsreisen auf anderen Strecken auswirken. Der Kurs von Pergamentbögen sowie von Parfum steigt nach Expertenmeinung aufgrund des herannahenden Frühlings und den damit erwachenden Frühlingsgefühlen, da diese einen höheren Pergament- und Parfumverbrauch für die Herstellung von Liebesbriefen zur Folge haben.

Bürger des Monats

Zum Bürger des Monats wurde von der Jury das Wunderkind Bonifazio ernannt. Seine musikalischen Qualitäten seien allgemein bekannt, so die Juroren, aber besondere Würdigung verdiene Wunderkind Bonifazio, weil es endlich eine neue Probe seines Talents ("Jucheisasa!") der Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe. Der Preisträger zeigte sich in einer ersten Reaktion gerührt und widmete sein neues Lied dem darniederliegenden Bischof Ceridian Aegidio.

Gunst und Kunst

Was die Heligonier am liebsten hören
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Die letzten Fernwanderer - "Es braucht nur zwei wie uns"
Sie könnten Giganten sein - "Am Ende der Tour"
Drachenhainer Jagdchor - "Der weisse Hirsch"
Johann Bar - "Verletzt"
Rebenhains Romantische Räuber - "Laß mich Deine Gugel sein für eine Nacht!"
Harald Schönefonte - "Eiland im Sonnenschein"
Die Unsichtbaren - "Auf der Straße nach Escandra"
Wunderkind Bonifazio - "Jucheisasa!"
Dozenten der Akademie der schönen Künste - "Das Beste von allem"
Wjelkin, der Lange - "Sven Herulfsson"

Stadtgeschehen

Auf dem Helosplatz und vielen anderen Orten in Betis konnten die Bürger ihre Genesungswünsche für Bischof Ceridian Aegidio in vom Stadtrat ausgelegte Bücher schreiben. Die gesammelten Wünsche sollen in Bälde nach Drachenhain übersandt werden.
In der Kanalisation der Altstadt wurde Berichten von Anwohnern zufolge in den vergangenen Nächten des öfteren ein mindestens fünf Schritt langer Alligator gesichtet. Er soll schon mehrere Hunde verschlungen haben. Das Amt für Kanalangelegenheiten rief die Bürger daraufhin zu mehr Achtsamkeit auf. Sachdienliche Beobachtungen sind schnellstens zu melden!
 


Erste Kontakte

Ich erinnerte mich daran, von einem Kollegen das Nämliche gehört zu haben: Ein Paar Krieger aus dem Hochland habe während des Adelstages zu Carajon sein Etablissement mit Beschlag belegt. Sie hätten aus einer riesigen eisernen Truhe Flasche um Flasche eines dunklen Biers mit schwarz-weißem Banner gezogen und sie mit den anwesenden Adligen und Gemeinen gleichermaßen gegen andere Waren, die Aussicht auf Handelsbeziehungen, Neuigkeiten, Tratsch, oder auch Lieder getauscht. 
Diese beiden, so klärte mich Herr Weldrik auf, seien Leif Stahlschulter und Tallrim Stabschwinger gewesen. Mit ihrer Entsendung versuche das Thing den Heligoniern auf einfache und verständliche Art zu verdeutlichen, daß Angaheym am Kontakt zu ihnen interessiert wäre.
 

Altes in neuer Zeit

Im Laufe der vergangenen Jahre brachten die letzten direkten Nachkommen der pruzzischen Ureinwohner dem Lande Heligonia eine Reihe von verloren geglaubten Dingen. Der Uisge, die Urform des berühmten Schädelspalters hat ebenso Einzug gehalten wie die hochwertigen Stahlwaren, von denen auch große Herren wie der Graf Dedekien von Darian begeistert sind.
Auch die Ursprünge des beliebten Utzgansportes konnten weiter erforscht werden als manchen lieb war. Die Angaheymer Spielart nimmt keine Zuflucht zu wattierten Socken oder ähnlichem Spielgerät. Vielmehr findet ein Ring aus Hartleder oder strohumwickeltem Eisen Verwendung.
Meinem Freund Weldrig und seinen Stammesgenossen und -genossinnen habe ich es zu verdanken, daß die Taverne "Bruckenschenke" in bester Lage am Brazach seit diesem Jahr unter meiner Verwaltung steht.
 

Hohe Staatsgeschäfte

Daß die Angaheymer nicht nur auf dem Spielfeld und in Herbergen gerne hart zulangen, mußte auch so mancher Diplomat erkennen, als sich vor etwa drei Jahren der damalige Thingsprecher Nial Felsenhammer mit einem Heer von vierhundert kampferprobten und sehr trinkfesten Zwergen bei der Aufklärung des Jagdschlößchen-Vorfalls beteiligte. Derselbe Vorfall, der kurz darauf die hochwohlgeborene Nimue von Aue, die Freundin meiner Herrin, zu einer überstürzt scheinenden Heirat nötigte. Doch nicht für alle ging dieses politisch brisante Intermezzo unerfreulich aus. Dank des gesteigerten Umsatzes durch die stämmigen Freunde von Herrn Felsenhammer darf ich mich seit dem nämlichen Jahr als Anteilseigner der gehobenen Einkehr "Forellenhof" im besten Viertel Sarniants bezeichnen.
Spätestens aber die Ödländer mußten einsehen, daß mit kampfeslustigen Angaheymern wie Tallrim Stabschwinger nicht gut auskommen ist. Der Ödling verließ die Gemarkungen Ihrer Majestät, jedoch nicht ohne einigen heldenhaften Verteidigern Blutzoll abzuverlangen. Herr Felsenhammer zog sich bei der Verteidigung der Leomark eine starke Kopfverletzung zu, von der er bis zum heutigen Tagen nicht vollends genesen ist. Dies geschah bei den selben Kampfeshandlungen, in denen meine Herrin, Ihro Hochwohlgeboren Josephina durch einen vergifteten Pfeil zu Schaden kam. Den Vieren sei Dank, daß sie wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte ist. Es sei am Rande erwähnt, die Siegesfeierlichkeiten hier in Sarniant waren der gefeierten Helden durchaus würdig und ermöglichten mir den Kauf der großen und einträglichen Herberge "Wanderers Heimstatt".
 

Einige Karrieren

Während dieser Zeit hatte meine Herrin die junge Angaheymer Bardin Findabair U'Mad zu Gast, die aber jede Begegnung mit ihren Stammesgenossen vermied. Aus ihren ungewöhnlich einsilbigen Antworten konnte ich entnehmen, daß sie wohl auf Wanderschaft sei, in Richtung Süden. Sie war in den letzten Monaten sehr oft wieder hier, mit einem kleinen Gefolge und in sichtlich besserer Laune als bei ihrem früheren Besuch. Man hört, sie wäre nun eine Magistra Musica und hätte einen Lehrstuhl an einer sedomeesischen Universität.
Jüngst erzählte mir eine stattlich gebaute Angaheymerin mit langem, dunkelblondem Zopf, Samirka Sonnenschopf, der ältere der beiden Druiden in Angaheym sei zu seinen Ahnen gegangen. So wäre von den einst drei Druiden nur noch einer am Leben, Myryswynth. Er suche zwar verstärkt nach Nachfolgern, aber seine Hoffnung schwinde von Tag zu Tag. Die meisten jungen Talente zöge es an die gelehrten Heligonischen Akademien, wo sie für jeden praktischen Einsatz bei Religion, Kunst, Musik, Wissen, Kultur, Geschichte, Politik, Heilkunst, Kräuterkunde, Ackerbau und vielem anderen verdorben würden. Der einzige einigermaßen aussichtsreiche Kandidat, Halrog Siebenschüssel, sei auf der Suche nach einem Heilmittel für den armen Nial noch immer im Schlangenkamm unterwegs.
Von meinem Teilhaber am "Forellenhof", Tallrim Stabschwinger, der auch das Amt des Wolfenfelder Schwertrates bekleidet, habe ich erfahren, daß die auf etwa fünf Jahre angelegte Öffnung Angaheyms für Heligonia vorüber ist. Das Allthing, die Zwerge und die Druiden würden nun über die vergangenen Jahre beraten. Was sich als schwierig herausstellen könnte und sicherlich längere Zeit in Anspruch nehmen wird, meint der Waffenmeister Angaheyms.
Bis zu einer einstimmigen Entscheidung über das bisherige und weitere Vorgehen ist der Handel stark eingeschränkt. Zum Bedauern meiner Konkurrenten werden wohl die Preise für echten Uisge für sie nach oben schnellen wie ein ertappter Zechpreller. Auch die Leibgarde der Baronin wird auf fünf Angaheymer verkleinert. Die Jungs und Mädels haben es sich zum Sport erkoren, Schilder mit der Aufschrift 'Außer Betrieb' oder ‚Vorübergehend geschlossen' wo immer sie sie finden, mitzunehmen, um sie später am Beginn der Perlbachschlucht aufzuhängen. Das Sarnianter Handelkontor und die Drachenschiffe Angaheyms werden wohl hier im Tiefland verbleiben, besucht durch den einen oder anderen Angaheymer, der wieder Gefallen am weiten, schönen Heligonia gefunden hat.
 


Wegweiser zur Erleuchtung

Höret die Kunde von Kloster Rodi, wo der Eine uns ein Zeichen sendete: Es war zur Stunde der Vesper, als die Brüder und Schwestern des Klosters gemeinsam mit den anwesenden Gästen des Ceridischen Konzils, welches zu Rodi stattfand, Zeugen eines Wunders wurden. Prior Adrian wurde vom Einen auserwählt, uns den Weg zum Tor der Unschuld zu weisen. Seine Erleuchtung öffnete ihm die Augen für die Suche nach diesem Ort. Um keine Ablenkung von seiner schweren Aufgabe zu haben, kann Prior Adrian die weltliche Umgebung nicht mehr sehen. Aus diesem Grunde wird er nun ständig begleitet von ceridischen Gläubigen, die ihn bei seiner Suche unterstützen, und von der Heiligen Miliz, die ihn auch auf solchen Wegen beschützen soll, welche ein Ceride sonst nicht betreten würde.
Erstes Ziel seiner Pilgerfahrt, welche den nun von seinen Pflichten enthobenen, ehemaligen Prior von Kloster Rodi durch ganz Heligonia und möglicherweise sogar darüber hinaus führen wird, war Kloster St. Pretorius. Begleitet wurde Bruder Adrian von Primus Pacellus und fünf Ordensbrüdern der Pretoriusaner. 
Für Seine Heiligkeit erfüllte diese Reise noch einen weiteren Zweck. Er traf sich dort mit Superior Ignatius von Nordmark, um mit diesem über die Beschlüsse des Konzils zu sprechen.
Im Glanz der Erleuchtung von Bruder Adrian gingen die Ergebnisse der Zusammenkunft in Rodi ein wenig unter. 
Dabei wurden so wichtige Themen diskutiert wie die Verfehlung des ehemaligen Bruder Ditonius, welcher sich auf Geheiß des Konzils bis zum Hilariustage entscheiden mußte, ob er ein klösterliches Leben ohne Frau oder ein weltliches Leben ohne Habit führen wolle - er entschied sich für das weltliche Leben. Die für nichtig erklärte Ehe darf jedoch nun, da er nicht mehr Ordensbruder ist, geschlossen werden. Ob Seine Ehrwürdigste Exzellenz bereits einen Nachfolger für den Abt von Lindfurt bestimmt hat, ist nicht bekannt.
Mit dem Einverständnis des Superior der Pretoriusaner, Ignatius von Nordmark, gibt es nun einen neuen Zweig der Heiligen Miliz. Drei der Pretoriusanischen Ordensbrüder, welche am Ceridenkonzil zugegen waren, baten um die Gründung eines Ritterordens, welcher den Pretoriusanischen Grundsätzen gerecht werde. Der neue Zweig wird von der übrigen Heiligen Miliz leicht abweichende Ausbildungsziele haben und nur Pretoriusanerbrüder aufnehmen.
Nach dem Besuch bei Superior Ignatius will Primus Pacellus nun gemeinsam mit Bruder Adrian weiter nach Gaeltacht reisen, um dort Kloster St. Ankuin einen Besuch abzustatten. Ein nächstes politisch wichtiges Ziel könnte Lindfurt sein.

Termine

03.05.2003   Spinnentöter-Konzert auf Burg Wolfsegg
29.05. - 01.06.03  7. Adelstag in der Baronie Oraneck/Ostarien       im Jugendhaus bei Nördlingen
13.06. - 15.06.03  Arbeitstreffen an der Hoppelmühle
19.09. - 21.09.03  Phaenomenon III: Romantique 1820       in der Alten Mühle bei Dinkelsbühl
12.12. -14.12.03  Helicon 26 Bardentreffen in der Baronie Flaitney/     Drachenhain im Schloß Einsiedeln

Wichtig! Redaktionsschluss für den nächsten Boten!
Der nächste Helios-Bote erscheint zum Adelstag am 29. Mai 2003. 
Der Redaktionsschluss für Ausgabe 46 ist der 15. Mai 2003, damit wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen werden.
Wenn genügend Artikel für ein Portal eintreffen, so wird auch wieder die Gelehrtenzeitschrift erscheinen. Auch hier gilt der gleiche Redaktionsschluss.

Beachtet bitte wie immer, dass auch die Regio-Spielleitungen noch Zeit brauchen, die Artikel ihrer Regionen zu sammeln!!!

Wer einen wichtigen Artikel schon früher auf der Heligonia-Seite veröffentlicht haben möchte, wende sich bitte an die jeweilige Regio-Spielleitung.


© Copyright Inés &  Marc Hermann

Berichte von Franz Balluff, Hannes Becker, Frank Borina, Arnulf Breuer, Sven Brosette, Kilian Frey, Marc Hermann, Andreas Hils, Daniela Lochner, Günther Merk, Katrin Puwella, Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Julia und Andreas Riedlinger,  Stefan Schlott, Markus Siegmund, Anna Ungureano, Niki Winkler