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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 1. Poëna n.A.III 30
Ausgabe 45
Vater oder Ahnen -
Ein der heligonischen Öffentlichkeit bereitgestellter Brief
des Prinzen Leomar von Drachenhain
Liebe Freunde,
habt alle Dank für Euren Mut und Eure Beharrlichkeit, beides wird
Euch in nicht ferner Zukunft vergolten werden. Ich erkenne in Euch wahren
Söhne und Töchter Drachenhains und aufrechte Ogeden vor den Vieren.
Gerne schlage ich ein, in Eure ausgestreckte Hand, denn der Weg, der vor
uns liegt, ist lang, steinig und voller Gefahren. Doch wird er münden
in wahre Ordnung für Drachenhain, im Einklang mit Helios, Poena, Xurl
und Saarka! [...]
Nein, hier in Emarania wird mir der Tag wahrlich nicht lang. Viele
Unwegsamkeiten, harren einer schnellen Lösung; manch unfreundlichen
Geist, verlangt es nach einer Austreibung...
Dennoch bin ich wohlauf und hab mich über nichts zu beklagen.
In Tlamana war das Leben voll, leicht und meist unbeschwert, doch eine
Aufgabe hatte ich dort nicht - verzeih, Baronin!
Verglichen mit Ligonii, ist hier im Grunde alles anders: die Menschen,
das Wetter, die Gebräuche, die Abende, der Morgen und manches mehr
- doch alles ist mir noch wohl vertraut, nur weniges hat sich geändert
seit damals.
Allein, das Land ist gut regiert worden - Angharad Elanor hinterlässt
wahrlich ein wohlbestelltes Feld, voll in Blüte und im Korn. Wäre
jetzt nur ein Nachfolger da, welch Born des Segens für ganz Ostarien!
Aber, wie man in Drachenhain allzu oft zu sagen pflegt: "Es ist wie es
ist!"[...]
Ja, gerne würde ich wieder einmal im Hochland reisen, dies Land
ist wild und unbeugsam, genau wie die Menschen die darin wohnen. Wie viele
gute Erinnerungen verbinde ich hiermit. Doch keine Angst, lieber Frauen
und Männer aus Flaitney, Gaeltacht und Luchnar, "der Schwarze" wird
mich nimmer mehr begleiten, er ist tief gefallen in meiner Gunst![...]
Warum ich die Schwertführerschaft von Drachenhain annahm, fragt
Ihr? Nun, habe ich sie denn überhaupt angenommen? An meiner Seite
ruht das Drachenhainer Schwert jedenfalls nicht. Wie ich hörte, kauert
es im fürstlichen Jagdzimmer, verschlossen in einer Kiste, und wartet
auf eine passende Hüfte. Der Tradition nach, müsste ich nun eigentlich
emsig zur Feste eilen, um es mir, gepaart mit mahnenden Worten, von fürstlicher
Hand umgürten zu lassen. Obgleich, weiß ER wie Ihr, dass ich
Drachenhain im Augenblick noch nicht betreten werde. Doch glaubt mir, ich
benötige kein Symbol, um bei Gefahr Drachenhain zur Seite zu stehen.
Es ist vielmehr ein Spiel, bei dem der Geduldigste den Sieg davontragen
wird. Lachhaft, aber wahr, so werde ich wohl eingehen in die Geschichte,
als erster Drachenhainer Schwertführer ohne Schwert![...]
Ich sehe tiefe Gräben in Drachenhain, aufgerissen von einem alten
Mann, oder besser gesagt, durch dessen unverbesserliches Misstrauen und
ewige Zanksucht. Er will das Land und alle darin, "zum Licht" führen.
Doch ist dieses "Licht" gut für das Land? Sind wir bislang nicht gut
zurecht gekommen mit Helios Antlitz gepaart mit, Poenas Leib, Xurls Lebendigkeit
und Saarkas Hauch? War es beim Ceridenkonvent nicht laut und deutlich zu
vernehmen, wie es die ach so dankbaren ceridischen Vasallen mit dem Land
ihrer Gönner halten?[...]
Ob Drachenhain in Gefahr ist entzweit zu werden, fragtet Ihr. Ich sage
"Nein!", denn entzweit ist es bereits! Seine eigene Tochter schickte er
fort, es gibt keinen Platz mehr für sie. Selbst die Kirche scheint
ihm zu klein für sie beide. Ist dies Grund zur Exkommunikation? Seine
Durchlaucht trieb mit seinem Wahn auch mich aus dem Land. Müde und
halbtot, wie ich war, suchte ich, nach dem angeblichen Wunder, das Weite.
Ich will nicht wissen, was sonst geschehen wäre...
Ja, die Liste der Merkwürdigkeiten ist wahrlich lang und unerquicklich.
Im Grunde vergeht aber kein Tag, da nicht ein weiterer Punkt hinzugefügt
werden könnte. Es scheint mir deshalb geboten zu erheben, was sich
in den letzten vier bis fünf Regierungsjahren des Fürsten Waldemar
so zutrug. Ich beschränke mich ein paar wenige Beispiele.
Beginnen möchte ich mit dem sogenannten "Wolfenfeldkonflikt".
Der ja im Grunde keiner war, zumindest nicht von Seiten Wolfenfelds. Bei
den Vieren, wahrlich ein Wort der Frage hätte genügt und des
Fürsten Misstrauen wäre komplett zerstreut gewesen. Es hätte
nicht erst dazu kommen müssen, dass Nachbarn und Freunde einander
im Felde gegenüberstehen, auch dass verrücktgewordene "Edle"
aus Gründen des vorauseilendem Gehorsams, grausam Menschen töten
und Dörfer niederbrennen, dass es selbst Helios graut, hätte
nie geschehen müssen! [...]
Es ist gut einen Rosenbusch zu schneiden. Wildwuchs und augenlose Triebe
müssen abgetrennt, junges, kräftiges Grün, gehegt und gepflegt
werden. Aber was ist mit Drachenhain in den letzten Jahren nur geschehen?
Das Land meiner Väter ist vor lauter Landreformen nicht mehr wiederzuerkennen.
Ein allzu eifriger Gärtner ist in der Lage, einer Rose aus Übermut
und eitlem Gestaltungswillen den wichtigen Lebenssaft abzuschneiden, das
darf mit Drachenhain nie geschehen. Warum also der Fürst beispielsweise
das Brazachdelta verschacherte gleich einem guten Stück Vieh, ich
weiß es nicht.
Und was ist mit den großen Tempeln der Vier. Wohin hast Du sie
versteckt Waldemar? Dachtest, Du hättest sie getilgt aus aller Erinnerung,
wie? Dieser Raub, oh Vater, wiegt am schwersten! Das sei nie vergessen!
Doch lass Dir sagen, bislang kam noch jede Schurkerei ans Tageslicht. Nicht
nur ich weiß davon. Der Dame Saarka hast Du die Feste genommen. Eines
Tages werden aber dieser, und auch all die anderen Schreine, wieder offen
stehen, für alle Ogeden Drachenhains - mein Wort darauf! [...]
Etwas Gnädiges zu finden fällt mir wahrhaftig schwer. Ein
Sohn hat dem Vater Respekt zu zollen. Doch was tun, wenn dieser alles,
was seinen Vätern hoch und heilig war, vergessen zu haben scheint?
Wem gebührt mehr Loyalität dem Vater oder den Ahnen?...
Für die Vier und Drachenhain!
Leomar von Drachenhain

Merkt auf, ihr Damen und Herren von welch wunderbaren und glorreichen
Mär ich Euch zu berichten weiß. Wie so oft ist sie voll tapferer
Helden und schöner Damen, doch auch das Böse strickt seine geheimen
Fäden. Doch genug der Vorworte, denn ich bin Rajorg aus Zweibrücken,
Hofchronist des edlen Geschlechtes der zu Freyenstein und Ihr hört
die wahre Geschichte über die Heerschau der Wolfsmarker Streitmacht:
Es war der Sommer des Jahres 1002 , als unsere hochgeschätzte
Baronin Moruge von Wolfsmark ihr Heer in die wunderschöne Landschaft
vor den Toren der Trutzburg befahl, um sich einen Überblick über
die Wehrhaftigkeit des von uns allen so sehr geliebten Heimatlandes zu
verschaffen. Doch auch niederes Volk war Dank der Großherzigkeit
und Güte unserer aller Herrin geladen. Bald war ein Lager aufgeschlagen
und die besten Männer Wolfsmarks, voll Kühnheit und Mut, warteten
auf die Ankunft der Baronin. Und sie wurden nicht enttäuscht, denn
noch am selben Abend traf unter großem Jubel des Volkes die weise
Baronin samt ihrer schönen Tochter und Gefolge in dem Heerlager ein.
Feierlich begrüßte sie ihre Truppen unter Führung des starken
und tapferen Ashen Zaepesh und das Volk, dessen Wohl ihr so sehr am Herzen
liegt.
Viele Recken machten der Baronin ihre Aufwartung und sprachen bei ihr
vor, so auch ein Söldnerhaufen namens "Die Lanze" der sich alsbald
der gerechten Sache der Wolfsmark anschloß und sich der Baronin unterwarf.
Nun aber wurde gefeiert, die Bardentruppe Katzenjammer spielte zur Belustigung
aller auf und Wein und Met kreisten in rauhen Mengen durch die Runde. Kurzum,
eine Fröhlichkeit und Unbekümmertheit herrschte unter den Niederen,
wie man sie anderenorts nur noch selten findet. So verging die Nacht ohne
Zwischenfälle und ein Jeder konnte sich Dank der aufgestellten Wachen
in Sicherheit wiegen.
Früh am nächsten Morgen, die Spuren der durchzechten Nacht
steckten noch so Manchem in den Knochen, ließ der Schlächter
seine Truppen auf dem Appellplatz antreten und der Feldherr sah mit Freude
die Kraft und Entschlossenheit seines Heeres. Doch der Schatten der Gefahr
lag dräuend über diesem friedlichen Lager, denn die tüchtigen
Waldläufer und Kundschafter der Baronin hatten im Wald einen Armbrustbolzen
gefunden, wie er nur von den dreckigen Hunden dieser unsäglichen Rebellion
gebraucht wird. Schnell waren einige Suchtrupps gebildet, um die umliegenden
Waldstücke nach diesem Abschaum zu durchkämmen. Und so machten
sie sich unter Leitung der zwei hohen Militärs Uthgar, dem edlen und
gerechten Kommandanten der Trutzburg und Marschall Ablath von Korna, dessem
scharfen Blick nichts entgeht und dessen Pfeile nie ihr Ziel verfehlen
auf, das Land endlich von dieser Plage zu befreien.
So durchsuchten sie Stock und Stein, spähten in die verborgensten
Winkel und tatsächlich trafen sie auf ein Weib, dass sich auf dem
Weg in das Lager befand. Sie gab sich als Kara, eine Schankmagd aus der
Taverne zu erkennen. Doch als man sie durchsuchte, fand man bei ihr ein
hölzernes Amulett, das nur rebellischen Ursprungs sein konnte. Listig
wie sie war, versuchte sie sich aus den Anschuldigungen herauszuwinden
wie eine Echse, aber all ihre Lügen nutzten ihr nichts und so band
man sie an den Pfahl, um des Späteren Recht an ihr zu sprechen. Zur
Sicherheit wurden einige Wachen zu ihrem eigenen Schutz abgestellt, doch
glaubte niemand ernsthaft daran, dass diese feigen Bastarde der Rebellion
es wagen würden, sie zu befreien. Sicher war dieses zerlumpte Pack
längst wieder in seine Löcher zurückgekrochen. Sofort machte
sich der greise Hofmagus der Baronin, Encanto, auf, näheres über
dieses Amulett in Erfahrung zu bringen. Durch sein großes Wissen
und seine Kenntnisse über das Böse, insbesondere der Rebellion,
gab es für ihn bald keinen Zweifel mehr, dass dieses Stück Holz
nur ein Erkennungszeichen dieses jämmerlichen Bauernaufstandes, der
sich selbst gern als Rebellion bezeichnet, sein konnte.
Aber nun war es vorerst genug der schnöden Politik und so gab
sich die Baronin die Ehre, zum Kurzweil ihres Volkes ein Stück von
den Barden Katzenjammer aufführen zu lassen. Hei, war das ein Spaß
unter den Zuschauern als sie ihre Eindrücke der Brautschau zu Blautann
zum Besten gaben und ein weiteres Mal wurden die Menschen in ihrer Meinung
bestärkt, dass Falkenhain, dieser bösartige Agressor, keine Möglichkeit
unversucht ließ das freiheits- und friedensliebende Wolfsmark in
einen Krieg zu verwickeln. So ging dieses Kleinod der Dichtkunst unter
lauten Rufen und kräftigem Handgeklapper leider viel zu früh
zu Ende. Nun aber war es an Zeit, über die Bauernmagd aus dem Wald
Gericht zu halten und so berief die Baronin Moruge das heilige Thing ein,
auf dass ihr Recht geschehe. Sodann wurde die Angeklagte vor das oberste
Thing unter Vorsitz des ehrenwerten Marschall Ablath von Korna geführt,
um ihre Schuldfrage zu klären. Die Beweislast der vom Schlächter
vorgetragenen Anklage schien erdrückend und wiederum verstrickte sich
die Maid nicht nur in Wiedersprüche, viel schlimmer noch wog, dass
sie die allseits bekannten Regeln des Thing wiederholt aufs Gröbste
brach. Nun muss selbst den Dümmsten der Beiwohnenden klar gewesen
sein, dass dieses Weib schuldig sein musste und nicht Wenige dachten, dass
ihr mit der zu erwartenden Todesstrafe Recht geschehe.
Einzelne, wohl Recht und Ordnung Abgeneigte, fochten dieses heilige
und gerechte Urteil jedoch an und so kam es, dass Leon la Hire, Ritter
aus Burgund, von seinem angeborenen Recht als Edelmann Gebrauch machte
und ein Gottesurteil forderte. Wie es der uns von den heiligen vier Elementen
gegebene Brauch fordert, sollte es einen Zweikampf geben. Als Vertreter
des Things wurde dessen ehrenwerter Vorsitz Marschall Ablath von Korna
bestimmt. So stellten sich die beiden Kontrahenten voreinander auf, beide
zogen ihre Waffen blank und wünschten dem anderen einen sauberen Kampf.
Da brach der Kampf an und ein Raunen ging durch die Menge ob der hohen
Schwertkunst beider Mannen. Marschall Ablath konnte den ersten Treffer
für sich verbuchen doch der Zweite ging an Ritter la Hire. So wogte
der Kampf hin und her und beide konnten den Sieg für sich erhoffen.
Da hob Ablath sein Schwert um dem Kontrahenten den letzten Stoss zu verpassen,
doch la Hire war schneller. Geschickt wich er dem Hieb des Marschalls aus
und in der Drehung versetzte er ihm den finalen Schlag. Nun konnte es keine
Zweifel mehr geben. Die heiligen vier Elemente hatten gesprochen und die
Magd war unschuldig. Dank der vier Elemente war wieder einmal Gerechtigkeit
in Wolfsmark geschehen. Alsgleich wurde Kara freigelassen und durfte ihrer
Wege gehen.
Die Menge frohlockte ob des gerechten Urteils und alle Mannen wollten
wieder ihrer Tätigkeit nachgehen. Da erhob sich der Schlächter
von Neuem und was er sprach ließ die Anwesenden erzittern. Triandaphilo,
die wunderschöne Tochter der Baronin soll mit den Rebellen paktiert
haben und schlimmer noch, sie soll deren heimliche Anführerin, die
Rote Rose, sein. Erzürnt rief die Baronin ihren Schlächter an
was er sich erlaube, doch zu unser aller Trauer konnte er stichhaltige
Beweise vorbringen. So musste die Comtesse in das Thing treten um sich
ihrer Anklage zu stellen. Zwar leugnete sie vehement ihre Schuld doch der
Schlächter konnte mehrere Zeugen aufbieten, die den Hochverrat bestätigten.
Da zerbrach unsere weise und starke Baronin ob des gemeinen Verrats ihrer
so sehr geliebten Tochter innerlich und voll Trauer war ihr Antlitz.
Nun herrschte großes Wehklagen unter den Gemeinen, da sie die
Comtesse fast genau so geliebt hatten wie die Baronin, doch schlimmer noch
wog die Entäuschung über den Blutverrat Triandaphilos. In diese
Trauer brach Die Lanze, alle heiligen Gesetze des Things missachtend, in
die Runde vor und bildete einen Schildwall um die Comtesse. Dabei schrieen
sie fadenscheinige Gründe heraus, warum sie den gottgewollten und
gerechten Schiedsspruch des Things nicht anerkennen wollten. Der Schlächter,
erzürnt über den Verrat der Lanze an allem was uns heilig ist
befahl die sofortige Entwaffnung der Söldner. Doch da erhob sich der
gemeine Pöbel, allen voran ein dreckiger Barbarenhaufen namens Hahnenschrey
und griff, angestachelt durch Die Lanze, die nichtsahnenden Wolfsmarker
Soldaten an. Der Schlächter, wie immer Herr der Lage, befahl die sofortige
Entwaffnung der Aufrührer, doch der Pöbel wiedersetze sich und
ein
heftiger Kampf entbrannte. Die braven Wolfsmarker Soldaten bildeten
sogleich eine Reihe und trieben die Aufständigen zusammen wie Vieh.
Doch die Aufrührer waren groß an der Zahl und verbissen weigerten
sie sich aufzuhören. So standen sie sich gegenüber, die Schwerter
im Hass gezückt, Wolfsmarker Soldaten und der Pöbel und ein heftiger
Kampf entbrannte.
Die Streitmacht der Wolfsmark schlug sich glorreich, doch hatte sie
auch Verluste zu beklagen. Mein Herr, Freiherr Wolfram Egilo zu Freyenstein
lag danieder, schwer verletzt durch einen Schwerthieb aus den Reihen von
Hahnenschrey. Doch Uthgar, unserem geliebten Kommandanten ereilte noch
Schlimmeres. Er verstarb noch während der Schlacht an einem feige
abgefeuerten Pfeil und auch unter den gemeinen Soldaten gab es Tote zu
beklagen. Da endlich schritt die Baronin in ihrer Weisheit ein und befahl
den Aufrührern zur Raison zu kommen und die feindlichen Handlungen
einzustellen, was diese zu ihrem Glück auch sofort taten. Alsbald,
als die Ruhe wieder hergestellt war, machte sich Encanto auf, um im Wald
weitere Spuren dieses zerlumpten Rebellenpacks zu finden. Doch ein schreckliches
Unglück geschah. Diese feigen Hunde von Rebellen schlichen sich hinterhältig
an den glorreichen Hofmagus heran und überwältigten diesen, um
ihn gen Falkenhain zu verschleppen. Auch der Schlächter, der Encanto
folgte, wurde gefangen. Doch es kam noch schlimmer. Marschall Ablath von
Korna, ausgesandt von der Baronin nach den beiden Vermissten zu suchen,
lief mit seinem Suchtrupp der Rebellenübermacht geradewegs in die
Arme. So wurde auch er Festgesetzt und nach Falkenhain verbracht.
Als das Lager diese Schreckensnachricht erreichte, herrschte großes
Wehklagen und unserer schönen Baronin blieb nichts anderes übrig,
als Verstärkung von der Westfront anzufordern. Nun hatten diese Bauernlümmel
den Bogen überspannt und mit Feuer und Schwert sollte unsere furchtbare
Rache an ihnen vollstreckt werden. Bange Stunden vergingen und die Furcht
ging dräuend durch die Gemeinen. Da endlich erschien Truppführer
Honk mit seinen Getreuen, um diesem Pack die Stirn zu bieten. Gerade zur
Rechten Zeit, den es sollte eine Verhandlung zwischen der Baronin und dem
Führer der Rebellion, dem Steinmetz Knulf, geben. So machte sich die
Baronin Moruge unter dem Schutz ihres Heeres und der Lanze auf, den Steinmetz
zu treffen. Die Baronin, guten Mutes da sie ehrliche Absichten hegte, führte
die Verhandlung. Doch die Rebellen hatten nur fadenscheinige Gründe
vorzubringen und wollten, wie nicht anders zu erwarten den Kampf. Da wurden
die Schwerter gezogen und das große Gemetzel begann. Man hörte
das Klirren von vielen Schwertern und der Boden färbte sich Rot vom
Blute der Gefallenen.
Doch Wolfsmark behielt die Oberhand und konnte die Aufsässigen
vernichtend schlagen, so dass Knulf fliehen musste um nicht am Galgen zu
Enden. Da war die Freude groß und ein Jeder war stolz auf das tapfere
Heer. Nun war alles getan, der Sieg war errungen und die Heerschau kam
doch noch zu einem Guten Ende. So wurden alsbald die Zelte abgebrochen
und die Baronin begab sich zurück nach Wolfenhaupt. Nur die Gemeinen
blieben noch, um den Sieg zu feiern.
Das werte Damen und Herren war die Mär der Wolfsmarker Heerschau
und sie ist wahr, so wahr ich Rajorg der Hofchronist bin. So lasset uns
die Humpen auf den großen Sieg der Wolfsmark heben, auf das ihm noch
viele Weitere folgen mögen.

Des Abt von Lindfurt schwerer Gang
Als Abt Ditonius Ende des Kargmondes zum Ceridenkonzil aufbrach, wusste
er, dass er als anderer heimkehrt. Grund war die Hochzeit im vergangenen
Herbst zwischen der Edlen Anwara von Hagenrich und ihm. Taktgefühl
bewies er nicht, denn ausgerechnet in seiner misslichen Lage brachte er
seine Frau und deren Schwester die Edle Thyra von Hagenrich mit zum Kloster
Rodi in Hohenforingen. Sie hatte ihr Noviziat vor einem Jahr im Richilesruher
Nonnenstift abgelegt, und hat sich nun erneut in die Obhut der beim Konzil
anwesenden Äbtissin des Hilariusitenkloster, welche nun neuerdings
auch die Herrin des Klosters ist, begeben.
Abt Ditonius wurde der Bruch des Gelübdes, und von manchen sogar
die Verhöhnung des heiligen Sakramentes der Ehe vorgeworfen. Während
des Konzils wurde seine Fehlhandlung hinter verschlossenen Türen verhandelt,
auch bei den öffentlichen Sitzungen wurde seine Fehlung direkt angesprochen,
denn der Unmut war bei den ceridischen Brüdern und Schwestern groß.
Primus Pacellus hat ihm eine großzügige Frist, den Abend am
letzten Konziltag, für eine Entscheidung gewährt, unter anderem
weil Fürst Waldemar zur Unterstützung des Lindfurter Ditonius
– oder Alton von Fichtenhau mit weltlichem Namen - den drachenhainer Kanzler
Giselher entsannt hatte. Hinter vorgehaltener Hand sagte man, dass er Primus
Pacellus zu verstehen gegeben habe einzulenken. Schließlich fördere
der Fürst die ceridische Kirche in hohem Maße, man denke nur
an die Lehenvergabe im Süden des Landes. Jetzt könne sich die
Kirche auch mal erkenntlich zeigen.
Primus Pacellus forderte die Entscheidung zum Orden, oder zum Weltlichen.
Sein Amt als Abt würde er ohnedies verlieren, und seine Ehe wird,
egal zu welcher Entscheidung er auch kommt, nicht anerkannt. Die Spannung
stieg unterdessen, und immer wieder wurde er bedrängte, Stellung vor
der Öffentlichkeit zu nehmen, und seine Entscheidung bekannt zu geben.
Am Nachmittag dem Hilariustags, dem letzten Konziltag gab der Lindfurter
seine Entscheidung bekannt. Bereits in der Lindfurter Kleidung betrat er,
der Edle Alton von Fichtenhau, den Raum, übergab sein Ordensgewand
und entschied sich somit für Anwara. Schließlich enthob Primus
ihn von seinem Amt und entließ ihn aus dem Pretoriusanerorden. Seine
Hochzeit mit der Edlen Anwara von Hagenrich wird nicht anerkannt. Außerdem
verfügte er, dass die Abtei und das Kloster Lindfurt in den nächsten
Wochen mit einem neuen Prior, und später mit einem neuen Abt zu besetzen
sind. Nach dem Mord an Prior Lupus gibt es in Lindfurt für den Abt
keinen Stellvertreter. Wie die ceridische Kirche mit Pater Randelfried
- der einst die Trauung vollzog - verfährt, äußerten sich
die Würdenträger nicht.
Noch am Abend reisten Gieselher, Alton, Anwara und ihre Schwester Tyra
ab. Jene begleitete ihre Schwester und Alton nicht nach Lindfurt, sondern
schritt dem Kloster Richilesruh im nächsten Morgen ihres Lebens als
Nonne Idone entgegen.
Im großen und ganzen kam der Lindfurter mit einem blauen, aber
schmerzenden Auge davon. Nur in einem Punkt kam der Primus ihm entgegen.
Der Edle Alton von Fichtenhau darf seine geliebte Anwara von Hagenrich
erneut heiraten. Dass die erneute Trauung bald sein wird, ist zu erwarten,
wer der Trauende seien wird, ist jedoch mit Spannung zu erwarten.
Gegeben am 8.Frostmond, im Kloster Rodi
Die Ereignisse im alten, neuen Lindfurt
Erst wenige Tage nach der Rückkehr unseres ehemaligen Abtes Ditonius,
dem nun wieder Edlen Alton von Lindfurt, traf ein Bote aus St.Aluin in
Lindfurt ein. Sein jahrelanger Lehrer, Freund und Bischof Ceridian Aegidio
zitierte ihn zu sich. Gleich am nächsten Tag brach er gut eskortiert
auf. Nach dem Fund der Liste bei dem sengenberger Adveristen, ist das Reisen
in Drachenhain für ceridische und weltliche Würdenträger
gefährlich geworden. In seinem Kloster „Heilig Aluin“ nahm ihn Bischof
Ceridian Aegideo sich zu Brust, was ihm einfiele, einfach eine Hochzeit
zu halten, eine Anzeige in den Heliosboten zu setzen und auf die Reaktion
der Kirche zu warten. Nach einer heftigen Aussprache fanden sie aber dennoch
wieder zueinander, und sie gingen beide wieder im Guten auseinander. Zurück
in Lindfurt wartete bereits der nächste Bote auf ihn. Fürst Waldemar
wünsche den Edlen Alton von Fichtenhau und die Edle Anwara von Hagerich
zu sehen.
Sie reisen eskortiert Tags drauf nordwärts über Drispalten,
eine andere größere Marktstadt in Lindfurt. Dort erwarten drei
Männer der wenigen ogedischen Dörfer, an der Jolbensteiner Grenze
Alton von Fichtenhau. Einer von ihnen, ihm bereits bekannt als Dorfsprecher.
Sie lud ihn zu einem wichtigen Gespräch mit einem der Ältesten.
Nach einer Stunde stürmte Alton mit todernster Miene aus dem Gasthaus.
Ob das Gespräch die Baronie betrifft ist fraglich, zumal er nicht
mehr als Lehnnehmer eingesetzt ist.
Sie ritten unverzüglich mit ihrer Garde auf die Drachentrutz.
Obwohl sie bereits nach Mitternacht ankamen, bat Alton von Fichtenhau bei
Fürst Waldemar noch um eine kurze Audienz. Schließlich gingen
beide erst kurz vor dem Morgengrauen in ihre Schlafgemächer.
Am nächsten Tag erstrahlte die Feste Drachentrutz Sonnenschein
in vollem Glanz. Endlich lernte der Fürst Anwara von Hagenrich kennen,
wegen der es so viel Wirbel gab. Er schien sie gleich ins Herz geschlossen
zu haben, und bei einem Spaziergang in den Burganlagen scherzten sie viel
miteinander. Beim Festessen am Abend sagte Fürst Waldemar von Drachenhain
frei heraus: Den Lehensbrief für Lindfurt vergibt er nicht weiter
an die Ceridische Kirche. Die Abtei wird wieder eine Baronie. Er schritt
in die Mitte des Saales. „Tritt vor mich, Alton von Fichtenhau, und knie
nieder. Schwöre mir, Deinem Fürst den Treueid ...und erhebe Dich
als Baron Alton von Lindfurt.“ Überglücklich fiel Anwara ihrem
frischgebackenen Baron um den Hals, und konnte sich auch einen Kuss auf
Fürst Waldemars Wange nicht verkneifen. Der alte Haudegen war sichtlich
überrascht, und trotzdem etwas geschmeichelt.
Tags drauf besprachen Waldemar und Alton noch viele Angelegenheiten
die die neue Baronie betreffen.
Am Folgetag stand die Kutsche mit der Garde im Hof. Der Baron und die
Baronin verabschiedeten sich von Fürst Waldemar und Waldemar schaute
Alton noch einmal tief ins Auge und sprach: „Kümmert Euch um diese
Nachricht des aufrechten Ogeden“. Eine Nachricht, die an diesen fröhlichen
Tage wie ein schwarzer Schatten hing. Die ogedischen Dorfbewohner müssen
Alton eine schlechte Mitteilung gemacht haben, denn immer wieder kamen
sie auf dieses Thema zurück. Wieder in Lindfurt angekommen war auffällig,
dass Baron Alton von Fichtenhau sich nicht aus dem Familienstadthaus der
Von Fichtenhaus bewegte, sogar sein Treffen mit dem Schultheiß zu
einer Tasse Wasserminzentee sagte er ab. Etwa eine Woche nach Ihrer Rückkehr
von der Drachentrutz kamen Reiter in wildem Galopp in die Neustadt von
Lindfurt und ritten zum Haus der Von Fichtenhaus. Am nächsten Tag
sammelten sich Reiter in der Altstadt, ritten auf den Brücken über
die Lind an, der Klosterinsel vorbei in die Neustadt. Baron Alton wartete
bereits auf sie. Auf ein Zeichen brachen der Baron Alton von Lindfurt mit
einer starken Garde zur Ballei Sengenberg auf. Durch das Nordtor verließen
sie die geschäftige Stadt im Markttreiben.
Im Mond der Besinnung
Sandbard Redborn, Schreiber der Baronie Lindfurt.
Dilemma in Lindfurt
Als Primus Pacellus die Eheschließung für ungültig erklärte,
war nur zu ahnen, dass sich kein Geistlicher finden werde, dieses schwarze
Schaf ein zweites Mal - wenn auch rechtmäßiges – zu Trauen.
Wer möchte schon den Zorn des Klerus auf sich ziehen.
Pater Randelfried, enger Vertrauter des damaligen Abtes Ditonius, wird
es jedenfalls kein zweites mal machen. Seine Kammer im Lindfurter Pretoriusanerkloster
wurde am Ende des Frostmonats in der Früh leer aufgefunden. Seine
wenigen Sachen waren entfernt und die Kammer geräumt. Alle dachten
zunächst an eine Abreise, sogar eine Flucht wäre denkbar. Seine
zerrissene Kutte fand sich dann am Klostertor, die am Eisen hängen
geblieben war. Vor der Stadt hat ein Händler am Wegesrand Schuhe gefunden,
wie sie in den Klöstern getragen werden. Diese Nachricht hat den Edlen
Alton von Fichtenhau und Anwara von Hagenrich tief getroffen. Beide haben
ihn in ihr Abendgebet mit eingeschlossen. Ob Pater Randelfried vor dem
Zorn der ceridischen Kirche, ja vielleicht dem Zorn des Einen, selbst davon
gestürzt ist, oder Opfer von einem Verbrechen wurde, bleibt unklar.
Er wäre nicht der erste Geistliche, der in Lindfurt aus dem Weg geräumt
wurde. Erst vor eineinhalb Jahren fand Prior Lupus durch einen grausamen
Mord sein schreckliches Ende.
Lindfurt will trotzdem eine Hochzeit. Nicht nur Alton und Anwara, sondern
die Stadt und das Umland sehnen sich nach einer `Traumhochzeit´
und diesem Brautpaar zuzujubeln. Verschiedene Kleriker haben sie schon
gefragt, die Äbtissin von Richilesruh, die bei dem Konzil in Rodi
zu ihm stand, war die Sache zu heiß. Selbst der Bischof von Drachenhain
Ceridio Aegidio von St Aluin habe abgewunken. Vor einem halben Jahr hätte
der Bischof alles für ihn gemacht, jetzt habe man sich gerade erst
versöhnt. Auf dem Adelstag wollen sie aber als Eheleute erscheinen.
Wen die beiden als nächstes fragen werden, haben sie nicht verlautbaren
lassen. Wir werden weiter darüber berichten.
Gegeben im Mond der Besinnung von Stadtschreiber Kielbert
Minzer
Erschütterung in Drachenhain - Bischof Ceridian Aegidio vom Schlage
getroffen
Es geschah am späten Abend, nur wenige Stunden nachdem der Bischof
seinen letzten Gast, den Edlen Alton von Fichtenhau, verabschiedet hatte.
Von lautem Scheppern alarmiert, verschafften sich Pater Vitus, der Prior
der Abtei, und ein einfacher Bruder Zutritt zu den privaten Gemächern
des Bischofs. Entsetzt fanden die Männer Ceridian Aegidio in den hinteren
Kammern der kleinen Kapelle, zwischen zerbrochenem Kandelaber und Altartuch,
auf dem Boden liegen. Schnell wurde nach einem Heilkundigen geschickt,
während der Prior bangvoll wartend, den Bischof auf weiche Decken
bettete. Mit schreckensweiten Augen versuchten der Pater und die inzwischen
Hinzugekommenen den Bewusstlosen zurück ins Hier und Jetzt zu bringen,
doch mit einfachen Mitteln war dies offenbar nicht zu bewerkstelligen.
Schreckensbleich hielt Prior Vitus die Klinge seines Federmessers an den
halboffenen Mund seines geliebten Ziehvaters, um zu sehen, ob dieser noch
atmete. Wie froh waren die guten Männer, als sie ein schwaches Beschlagen
des Metalls gewahrten. Und schon als der Medicus eintraf, begann der Ceridian
Aegidio vernehmbar zu stöhnen. Anhand der Zeichen, erkannte Meister
Bertil Fottoli, dass den Bischof offensichtlich der Schlag getroffen habe.
Mit geübter Hand flößte er dem Sterbenskranken einen übelriechenden
Trank ein und ließ ihn rasch, aber ausgiebig, zur Ader. Abschließend
und nachdem man den Bischof in sein Bett gebracht hatte, rief der vielgerühmte
Arzt die klösterliche Gemeinschaft zum tiefen Gebet auf, denn wahrlich,
es stand nicht gut um ihren Abt und Bischof! Dies musste man den frommen
Brüdern nicht zweimal sagen und so erschallte in den folgenden Tagen,
die sehr schwer waren, so mancher Choral und so manche Fürbitte an
das Ohr des Einen.
In der darauffolgenden Nacht kam dann das Fieber. Stundenlang rangen
der Medicus und zwei seiner wackeren Gehilfen um das Leben unseres guten
Bischofs, bis dieser, am nachfolgenden Abend jäh die hellen Augen
öffnete und wach wie eh und je die umstehenden Männer betrachtete.
Es vergingen zwei weitere Tage, da verlangte es den alten Mann wieder zu
essen. Und auch nach dem tönernen Becher, langte er nun schon selbstständig
und mit immer größer werdender Kraft. Allein, leider nur mit
der rechten Hand! Denn die linke Körperhälfte hängt dem
Bischof bis zum heutigen Tage schlaff herunter und auch das Sprechen will
ihm noch nicht recht gelingen. Ob Ceridian Aegidio jemals wieder gesund
von seinem Krankenlager steigen und das Amt des Bischofs weiter ausführen
kann, das liegt einzig im Ermessen des Einen, dem wir gleichwohl unser
Lob und unsern Dank schulden, denn er hat uns diesen vielgeliebten Mann
gelassen.
Alldieweil wurde unter den Großen St. Aluins bald bestimmt, dass
ein Nachfolger zu ernennen sei. Dieser Mann solle möglichst rasch
in das Amt eingeführt und dem Primus vorgeschlagen werden - egal was
kommt. Denn leider waren von Bischof Ceridian Aegidio in diese Richtung
nie Anstrengungen unternommen worden. Seine Kritiker, die schon längst
eine Benennung gefordert hatten, werden sich nun im Recht und bestätigt
fühlen.
Dass sich der Vorfall ausgerechnet kurz nach der anstrengenden Audienz
mit dem gefallenen Alton von Fichtenhau ereignete, zeigt wohl auch dem
unparteiischsten Beobachter, wie sehr sich der Bischof über die „Ditonius-Affäre“
aufgeregt haben muss...
Lob und Dank dem Einen!
Bruder Eberus, Schreiber der Klosterabtei „Heilig Aluin“,
am 17. Tag der Besinnung 93 n.d.E
"Fürstentum Drachenhain, das sind Deine Herrscher!"
Part III:
Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar
Koldewaiht von Hautzensteyn wurde im Jahre 1 v.A.III auf der Feste Hautzensteyn
in der Baronie Luchnar geboren. Er war das älteste der fünf Kinder
seiner Eltern Eckwald von Hautzensteyn, langjähriger Baron Luchnars
und Dietlanthe von Hautzensteyn. Die übrigen Kinder, Isarma, Cederric,
Carroch Berenold und Vyslaine Roswith folgten in etwa zweijährigen
Abständen. Seine ersten beiden Lebensjahrzehnte verbrachte er im Wesentlichen
im Hochland, wurde von seinem Vater jedoch regelmäßig mitgenommen
bei seinen Besuchen in den umliegenden Baronien. Viele seiner späteren
Drachenhainer Weggefährten ähnlichen Alters wie Leomar von Drachenhain,
Krator von Rebenhain, Foranan McDonough, Josephina von Drachenhain oder
Jefferindell Karelia von Jolbenstein waren ihm deshalb von Jugend auf bekannt.
Zur Baronswürde kam Koldewaiht von Hautzensteyn allerdings früher
als erwartet. Vom Alter geschwächt, dankte Eckwald im Jahre
20 n.A.III mit 63 Jahren zugunsten seines Sohnes ab. Dies brachte den erst
21jährigen in eine schwierige Position. Sein Großvater Raklemo
war einst nach Clansunruhen als Tiefländer im Hochland Baron geworden.
Dies geschah mit der Zustimmung der Luchner. Dennoch war Raklemos Abstammung
auch für seinen Enkel ein Bürde. Hinzu kam, dass kein Hochländer
einen solchen Posten bekommen hätte, ohne Taten vollbracht zu haben.
Koldewaiht hatte in den Augen der Hochländer aber noch nichts geleistet.
In den ersten Jahren stand Koldewaiht von Hautzensteyn deshalb in seiner
eigenen Baronie noch sehr im Hintergrund. Eckwald führte einen Teil
der Kontakte mit den Clans, der Vogt Eylhardt von Esclarmond spielte sich
in den Vordergrund. Da es keine politischen Schwierigkeiten gab, galt es
allerdings auch keine schwierigen Entscheidungen zu treffen. Es fiel dem
jungen Baron jedoch schwer, ein eigenständiges Profil zu gewinnen.
24 n.A.III verließ Koldewaiht von Hautzensteyn das Hochland,
um ins Ausland zu reisen. Eine solche Reise zu tun war Sitte in seiner
Familie, wegen seiner Verantwortung als Baron hätte Koldewaiht nach
seines Vaters Vorstellung darauf jedoch verzichten sollen. Der junge Baron
setzte sich jedoch durch. Seine Reise führte ihn unter anderem nach
Falkenhain und nach Burgund. In seiner Abwesenheit führten Wolf von
Nybelschütz und Eylhardt von Esclarmond die Amtsgeschäfte. Wolf
von Nybelschütz vertrat den Baron auch bei der Gründung des Ogedenbundes.
Eylhardt von Esclarmond allerdings machte sich derweil bei den Clans eher
unbeliebt durch dem Versuch, mit harten Methoden in die Baronie Ordnung
zu bringen, die sie nicht brauchte.
Als Koldewaiht von Hautzensteyn nach fast einem Jahr zurückkehrte,
war er durch die Erlebnisse der Reise gestärkt und unabhängig
geworden. Auf dem Ogedenbundtreffen in Tagil wurde er in den neu gegründeten
Ogedenrat gewählt.
In den folgenden Jahren erwarb er den Respekt der Clans, indem er sich
konsequent mit echten Hochländern umgab und sowohl innen- wie außenpolitisch
auf Kontakt und Diplomatie setzte. Auf Adelstage begleiteten ihn Mannen
der Hautzensteyner Garde wie Liam Anderlate MadRuadh, Connor Baddan MadGlas
und Sean Okiladare MadRuadh sowie die Söhne von Clansoberhäuptern
wie Llevin MadRuadh. Im Jahre 26 n.A.III leitete er mit Nimue von Aue eine
Hilfsaktion für die notleidende Bevölkerung in Ex-Teemoranien
und war Gastgeber des Ogedenbundtreffens. Für die Hilfsaktion erhielt
er später die Velan Ehrenbrosche.
Im gleichen Herbst starb Eckwald von Hautzensteyn von der Hand eines
unerkannten Mörders. Dieses Ereignis zog eine Kette weiterer nach
sich, die die nächsten beiden Jahre des Barons und der Baronie bestimmen
sollten. Koldewaihts jüngerer Bruder Cederric kehrte am Abend
des Mordes nach Luchnar zurück, das er Jahre zuvor nach einem Streit
mit seinem Vater verlassen hatte und war damit Hauptverdächtiger -
ständiger Streit der Brüder folgte. Fast zeitgleich kam es zum
Funde eines an der Flaitneyschen Schafsseuche verstorbenen Schafes auf
Luchnarer Grund und zum Tod einer Flaitneyschen Grenzpatrouille. Monatelang
bewegten sich die Hochlandbaronien am Rande des Krieges.
Im Saarka 27 wurde der Baron auf dem Gelehrtentreffen von Grünwalden
von einer unbekannten Frau namens Rowaine verflucht. Ebenfalls dort trat
am gleichen Abend sein Bruder Cederric öffentlich zum Ceridentum über.
In seinem Zorn hierüber warf Koldewaiht ihn nicht nur aus der Baronie,
sondern beleidigte unabsichtlich auch die Saarka-Hochgeweihte Salena, Vogtin
von Mahanel.
Der Fluch der Unbekannten hatte zur Folge, dass sich in Luchnar um
den Aufenthaltsort des Barons Wesen der Anderswelt sammelten, als zöge
er sie an. Diese Lage wurde schließlich so unhaltbar, dass er seine
eigene Baronie verlassen musste, bis die Druidh Luchnars wenige Monde später
den Fluch bannten.
Erst zu Beginn des Jahre 29 fand sich die Lösung des Rätsels.
Es stellt sich heraus, dass es einst einen vierten Clan gab, der in die
Anderswelt geraten war und sich dort mit Alfaren vermischt hatte. Rowaine,
einst Hochdruidh des vierten Clans, beschuldigte die heutigen Luchner,
das Land zu sehr für die Außenwelt geöffnet und damit verraten
zu haben und hatte versucht, diese Veränderungen mit Gewalt
umzukehren. Sie war sowohl verantwortlich für den Tod Eckwalds als
auch die Ereignisse an der Grenze zu Flaitney, die fast zum Clanskrieg
geführt hatten und für die Öffnung der Grenzen für
die Wesen der Anderswelt. Im Kampf gegen Rowaine wurde Koldewaiht von Hautzensteyn
in die Anderswelt gerissen. Mit Hilfe seiner Schwester Vyslaine gelang
es einer Gruppe von Recken, Rowaine gegenüberzutreten, die von Cederric
getötet wurde. Die Alfare verkündeten daraufhin, sie wollten
die Herrschaft über Luchnar nicht und der 4. Clan möge seine
Angriffe einstellen. Damit endeten sowohl die außergewöhnlichen
Aktivitäten der Alfare und der übrigen Wesen der Anderswelt als
auch die des vierten Clans.
Während der Wirren im Hochland blieb Koldewaiht von Hautzensteyn
jedoch auch außenpolitisch aktiv. 27 n.A.III nahm er am Wolfenfeld-Konflikt
teil und vermittelte zwischen Fürst Nial von Angaheym und Graf Waldemar
von Drachenhain. Zum Dank erhielt er das Dorf Aymar an der Grenze zwischen
der Drachentrutz und Luchnar. 28 n.A.III ernannte der Graf ihn zum Botschafter
von Drachenhain, als solcher reiste er unter anderem nach Falkenhain. Im
gleichen Jahr nahm er am Jolberger Kriegsrat um den Ödlandkrieg teil,
zog aufgrund der Ereignisse in Luchnar jedoch nicht selbst in den Krieg.
Nach dem Ende des Konfliktes um den vierten Clan begab sich Koldewaiht
von Hautzensteyn nach Mahanel, um seine Schuld gegen Vogtin Maline abzutragen.
Mehr noch als er war seine ihn begleitende Schwester Vyslaine von diesem
Aufenthalt angetan und lernte viel von den Saarkani.
Um die gleiche Zeit wurden beunruhigende Ereignisse, die ganz Heligonia
betrafen und eigentlich nur Gelehrten erforscht wurden, weiteren Kreisen
bekannt. Ohne sein Zutun (zumindest zunächst) wurde auch der luchnische
Baron involviert. Der Wissenschaft zugetan, reiste er sowohl auf die Gründungsfeierlichkeiten
der Universität zu Cambrück/Thal als auch auf die Akademie der
schönen Künste - die letzte Reise unternahm er wiederum mit seiner
Schwester. Beide Male wurde er mit den Anwesenden in Ereignisse verwickelt,
die an das Urgestein des Landes rührten. Ein Austausch zwischen Adel
und Gelehrtenschaft erfolgte schließlich auf dem Treffen zu Idyllie
30 n.A.III.
Heute gilt Koldewaiht trotz aller Fährnisse als in seiner Herrschaft
gefestigter Baron von Luchnar und als wichtiges Mitglied des ogedischen
Adels, insbesondere in Drachenhain. Seine wesentlichen politischen Stärken
dürften Diplomatie, Wortgewandtheit, Verlässlichkeit und Offenheit
sein, sowie daraus resultierend die Fähigkeit, sich auf fast jedem
Parkett zu bewegen. Zu seinen Schwächen zählen eine gewisse Zauderhaftigkeit,
eine Scheu vor unpopulären Entscheidungen sowie eine Neigung zum Aufbrausen,
die er meist, jedoch nicht immer im Griff hat.
Neben seinen vielfältigen politischen und freundschaftlichen Kontakten
liegt die heimliche Leidenschaft Koldewaihts von Hautzensteyn in der Sammlung
von Schriften und Geschichten sowie der Sternkunde. In den vergangenen
Jahren gab er Anthologien von Utzgolf-Sagen und von heligonischen Gedichten
heraus sowie ein heligonisches Adelslexikon. Ein Band zum Sternenhimmel
ist offenbar in Vorbereitung.
Ob Koldewaiht von Hautzensteyn sich im neuen Jahrzehnt mehr den Künsten
widmen kann, ist jedoch fraglich. In der Heimat beginnen abermals Schwierigkeiten
für Baron und Land heraufzuziehen. Die Vögte, einst in vieler
Hinsicht über den Clansoberhäuptern angesiedelt und Mittler zwischen
Volk und Baron, leiden in ihrer Stellung durch den ausgesprochen vertrauten
und direkten Umgang Koldewaihts mit den Clans. Zu einer ersten offenen
Konfrontation zwischen Vogts- und Clansvertretern ist es bereits gekommen.
Zudem sind die Beziehungen zur Hochlandbaronie Gaeltacht (einst Tagil)
gespannt, seit der einstige Graf und jetzige Fürst Waldemar einen
Ceriden als neuen Baron einsetzte. Die Aufgaben für Koldewaiht
von Hautzensteyn dürften in Zukunft nicht weniger werden.
Neues aus Rebenhain
Baronin zurück von Rundreise
Am 1. Tag des 1. Poena kehrte Samira von Silberlauf von ihrer Rundreise
zu den Verbündeten aus dem Ogedenbund zurück. Mit großem
Empfang wurde sie anschließend zur Freudenfeste geleitet.
Auf ihrer Reise hatte sie die Gelegenheit mit mehreren ogedischen Adeligen
die Vorfälle und Verwicklungen die es in der Universitas zu Idyllie
gegeben hatte, zu bereden. Die hochschwangere Baronin erklärte, die
Reise sei gut und erfolgreich verlaufen, sie sei aber froh, wieder zu Hause
zu sein, besonders da die Zeit der Niederkunft kurz bevorstehe.
Der Baron hat es im Urin
Unbestätigten Gerüchten zufolge hat der Baron von Rebenhain anlässlich
eines festlichen Gelages hohe Wetten darauf abgeschlossen, dass das Kind,
welches die Baronin bald gebären wird, ein Junge werde. Ein Informant,
der nicht genannt werden will, will gehört haben wie er sagte: "Ein
Mann spürt so was, das habe ich im Urin."
Zerstörung in Jolbenstein
Am Abend des 25. Tages des 2. Saarka klopfte an die Pforte des Sitzes des
freien Ritterorden des Lichts zu Jolbenstein ein Bauer. Nachdem man den
Mann hereingelassen hatte, und er sich von den Strapazen der Reise, bei
einem Mahl erholt hatte, berichtete er von dem Grund seiner Reise. Er erzählte,
das er ein freier Bauer aus dem Süden Jolbensteins sei, dort hatte
er einen Hof, Familie, Gesinde und Land besessen. Als er nun einige Tage
zuvor von den Feldern zu seinem Hof zurückkehrte fand er alles zerstört
vor. Der Hof war niedergebrannt. Der Stein der Grundfeste war geschmolzen,
und alles was ihm lieb gewesen war ward verbrannt.
Die Geschichte erschütterte alle an der Tafel, und man bot dem
Mann natürlich Obdach an, bis sich eine Lösung für ihn gefunden
hatte. Die Männer des Ordens fragten sich jedoch, was den Hof hätte
zerstören können. Es wurde über Hitze aus der Erde spekuliert,
doch der Bauer sagte, das er weder ein Loch im Boden, noch flüssiges
rotglühendes Gestein gefunden habe. Der andere Gedanke war, das vielleicht
ein Drache den Hof hätte verbrennen können, doch wollte man sich
darauf nicht festlegen. Man beriet sich, und ersuchte auch die Baronin
von Jolbenstein um Rat, doch nach einigen Debatten kam man zu dem Schluss,
das es einer Untersuchung vor Ort bedürfe die Sache zu untersuchen.
So stelle der Orden eine Gruppe zusammen, die zu dem Hof ziehen soll, um
dessen Überreste zu untersuchen.
Wiffelbeer - Das süße Geheimnis aus Wolfenfeld!

Es wird geladen zum Fest
Ihre Hochwohlgeboren Josephina von Drachenhain, Baronin von Wolfenfeld
und Erwählte des Xurl lädt die Bevölkerung von Wolfenfeld,
Drachenhain und jedwede Person, die den Weg nach Sarniant nicht scheut,
in ihre schöne Stadt ein. So soll in der 3. Poena, wenn der Mond voll
steht, ein großes ogedisches Fest gefeiert werden, um mit Glanz und
Ehrerbietung für das Wohlwollen der Götter zu danken. Es soll
Hammel und Ochsen am Spieß geben, und Wein und Bier sollen in Strömen
fließen. Zu Ehren der Götter wird eine uralte Zeremonie im Schrein
gefeiert, darauf folgt eine farbenprächtige Prozession durch Sarniant,
zu deren Ende ein großes Götterspiel auf dem Marktplatz stattfindet.
Die Erwählte bittet alle ogedischen Geweihten, die etwas zum Fest
beitragen wollen, sich im Schrein zu melden.
Ryghed von Relony,
Maior Domus, im Auftrag der Baronin
Flugblatt in Sengenberg aufgetaucht
Folgender Schrieb ward am Morgen des 23. Tages der 3. Saarka ans Tor der
Burg Triburk genagelt gefunden worden:
Wir Adveri
Großherzog von Beridhan
rechtmäßiger Erbe des Thrones von Beridhan
(in den Grenzen von 73 v.A.III)
Graf von Alt-Beridhan
Baron von Beridheim
Nachfahre des weisen und gerechten Strategen Aroben von Beridhan,
aus dem Geschlecht derer von Baer
Verkünder der Wahrheit und Lichtbringer
Sieger vor Burg Walchsee
Wir sehen mit Erstaunen, dass unter Unserem Namen Greueltaten gegen königstreue
Untertanen angekündigt wurden. Wäre es im Interesse der Gerechtigkeit
und des Lichtes, einzelne Mitglieder des heligonischen Adels ihrer Pflichten
zu entbinden, so könnten Wir Unsere beridhanischen Getreuen nur schwer
von Ihrem Eifer abbringen.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das Auge Unserer Majestät derartige
Einzelfälle meist frühzeitig erkannt und entsprechend und umfassend
gehandelt wurde, dem Volkszorn vorausgreifend und unnötiges Blutvergießen
vermeidend. Wir sind sicher, dass keiner Unserer beridhanischen Getreuen
ohne Not die Hand gegen unbescholtene Bürger hebt.
Wir erinnern hier an die beridhanische Gastfreundschaft die vor einiger
Zeit der nächstfolgenden Thronerbin des heutigen Thal zuteil werden
durfte. Neben bester Gesundheit erfreute sie sich bei ihrer sicheren Heimkehr
auch einer Ehrengarde von sechs erfahrenen beridhanischen Leibwachen und
einer Flussbarke als Abschiedsgeschenk.
Sollte also gegen aufrichtige und ehrenhafte Untertanen Ihrer Majestät
ein Unrecht geschehen, so wissen Wir, dass auch beridhanische Schwerter
gegen den Gesetzesbrecher geführt werden.
Gegeben zu ( hier wurde ein Stück des Pergaments fein säuberlich
herausgetrennt ), am 22. Tag der 3. Saarka im 30. Jahr der Regierung Seiner
Durchlauchtigsten Majestät Helos Aximistilius III.
(gesiegelt mit dem beridhanischen Bären mit Sonnenschild)
Offizielle Bestätigung
Im letzten Boten wurde eine Botschaft veröffentlicht, die Koldewaiht
von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar, angeblich Richard von Streitberg, Baron
Gaeltachts sandte. In dieser Botschaft wurde von Streitberg vorgeworfen,
er wolle das Hochland spalten. Es war jedoch unklar, ob sie tatsächlich
vom luchnischen Baron stammte.
Eine Anfrage des Helios-Boten erbrachte, dass die Informationen tatsächlich
inhaltlich richtigsind, wenn die Botschaft auch nicht in ganz korrektem
Wortlaut wiedergegeben wurde.
Ehrlosigkeit der Clans?
Der Konflikt zwischen luchnischen Clans und Vögten, der zwischen
Eylfred von Esclarmond und Jerrock MadUaine offen ausbrach (der Heliosbote
berichtete), schwelt seither unter der Oberfläche. Eine offizielle
Aussprache fand nicht statt, ob es zu geheimen Gesprächen kam, ist
nicht bekannt. Wohl aber gab es ein Treffen der drei Clansoberhäupter
mit Baron Koldewaiht von Hautzensteyn. Dieser betonte offenbar die Ehrlosigkeit
schon der Idee, im Lande geborene Männer und Frauen zu vertreiben.
Es herrschte Einigkeit, dass der direkte und enge Kontakt zwischen Clans
und Baron, der in den letzten Jahren intensiviert wurde, weiterhin einzig
sinnvoll sein. Jedoch gaben die Clansoberhäupter zu, dass man die
Vögte bis zu einem gewissen Grade verstünde - kein stolzer Mann
könne kampflos auf seine alten Rechte verzichten, wobei Uneinigkeit
herrschte, ob bei einer Zeit von 70 Jahren der Begriff "alt" am Platze
sei. Die Clansoberhäupter ließen aber keinen Zweifel daran,
dass die gegenwärtige Lage unhaltbar sei und eine Lösung gefunden
werden müsse, mit den Vögten oder gegen sie.
Ein Ansatz zu einer solchen Lösung scheint jedoch nicht in Reichweite
Ein bewährtes Heilmittel
Baronin Jefferindell Karelia von Jolbenstein zeigte sich betrübt über
das Schicksal des Abts Ceridian Aegidio von St.Aluin. Sie ließ durch
einen Boten ihr Beileid ausdrücken und übersandte in einem nurianischen
Glasgefäß einige Lunsch-Blutegel, die aus dem Blutsee stammen.
Die dort lebende Art ist für Aderlässe jeder Art geeignet, wird
aber besonders geschätzt bei Taubheit der Gliedmaßen und Gelenke
sowie Sprachstörungen.
Mobilmachung in Sengenberg - ist Lindfurt das Ziel?
Ein Ruck durchfährt die Tage die Templer-Ballei Sengenberg. Nein,
kein Erdbeben und auch kein Hexenfluch - eine Bewegung ganz anderer Art
versetzt die, in den letzten Monden arg gebeutelten, Menschen Sengenbergs
in Angst und Schrecken: Die Truppen machen mobil! Egal ob im Norden oder
im Süden, die Soldaten verlassen die Siedlungen und Wälder, lassen
alles stehen und liegen, rotten sich zusammen und marschieren allesamt
in eine Richtung - gen Lindfurt.
Warum dies geschieht, weiß außer der Obrigkeit natürlich
keiner - wie üblich, darf man sagen. Fragen werden nicht beantwortet,
Barrieren wortlos beiseite geschoben. Ratlos und entsetzt stehen wir, die
einfache Bevölkerung, daneben.
Warum schreitet nicht seine Hochgeboren ein, wie kann Sengenberg gegen
den ceridischen Bruder im Westen ziehen, weiß Fürst Waldemar
am Ende nichts davon? Welchen Grund kann Wentorius haben, um zu solchen
Mitteln zu greifen? Sicherlich kann man Alton, dem ehemaligen Abt und jetzigen
Baron von Lindfurt, für sein Betragen bös gesonnen sein. Doch
scheint mir diese Reaktion, wenn in diesem Zusammenhang, reichlich übertrieben
und über die Maßen falsch!
Und was wird indes aus den sengenberger Rebellen, sollen wir unsere
Städte und Dörfer mit Heugabel und Federkiel gegen die aufrührerischen
Adveristen verteidigen?
Fasshauers Vernauk, freier Botenberichterstatter aus Triburk,
Ballei Sengenberg, im 3. Saarka n.A.III 30
Duell zweier Barone
Obwohl sie sich bereits seit Jugend kennen, war die Stimmung zwischen Karelia
Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn in den letzten
Jahren eher frostig. Auf dem Treffen zwischen Adel und Gelehrtentum zu
Idyllie kam es zur Eskalation. Von Hautzensteyn fühlte sich von der
Baronin beleidigt und wurde ihr gegenüber ausfällig, gipfelnd
in der Aussage. "Wäret Ihr ein Mann wie Euer Vater, ich würde
euch fordern." Karelias Züge wurden hart: "Ich bin das einzige Kind
meines Vaters und habe alles von ihm gelernt, auch die Wehrfähigkeit.
Und wäre ich nicht die Erbin meines Hauses, so hätte ich dennoch
gelernt, Waffen zu führen. In Jolbenstein kann eine Frau einen
Mann fordern und ich weiß, dass auch Eure Frauen kämpfen können.
Ich fordere Euch!"
Aus dem Wald tritt tänzelnd ein weißes Roß auf eine
abgelegene Wiese im Norden Jolbensteins. Eine Frau sitzt darauf in einem
schlichten grünen Jagdgewand. In genau bemessenen Schritten lässt
sie das Pferd in die Mitte der Wiese traben. Hinter ihr treten ein Mann
und eine weitere Frau aus dem Wald, bleiben jedoch an seinem Rande stehen.
Von der anderen Seite hört man Hufgetrappel und ein Mann auf einem
Fuchs mit schwarzer Mähne naht über den Weg. Ihn begleiten mehrere
Männer. Als er ebenfalls die Mitte der Wiese erreicht, sehen sich
Jefferindell Karelia und Koldewaiht in die Augen. Koldewaihts Blick gleitet
über das Gewand der Baronin, die die ersten Worte spricht: "Euch schlage
ich auch im Rock!" Koldewaiht runzelt die Stirn, dann steigt er ab, weist
hinter sich: "Mein Sekundant: Romoran MadUaine". Karelia wendet knapp den
Kopf, deutet auf den Mann am Waldrand. "Meinen Vogt Valadur Hengist kennt
Ihr."
Beide sind offenbar der Meinung, dass genug Worte gewechselt sind.
Auf einen weiteren Wink stecken die Sekundanten in schweigendem Einverständnis
ein Quadrat ab, in das beide Kontrahenten treten. Ohne ein Kommando zücken
sie wie mit eine Hand ihre Klingen. Es ist kaum zu sehen, wer zuerst angreift
- jedoch fallen Finte, Attacke, Parade fast schneller, als das Auge sie
sehen kann. Plötzlich zuckt der Hochlandbaron zurück. Seine Hand
greift zum Oberschenkel; in der Hose klafft ein Schnitt. Er weicht leicht
zurück, die Baronin dringt auf ihn ein, er pariert, pariert, gewinnt
wieder festen Stand, schwingt die Waffe in kurzem Bogen und trifft Karelia
am Oberarm. Ein feines Rinnsal Blut durchnetzt das Grün des Gewands.
Beide verharren einen Moment, attackieren jetzt nicht mehr. Sie umlauern
sich in langsamer Kreisbewegung, die Waffen sich wiegend wie die sanft
gekräuselte See nach dem Orkan. Da stößt eine Waffe vor,
wird pariert, eine Finte, Gegenfinte, Ausfallschritt und fast im Liegen
der Treffer auf den Unterschenkel. Zum dritten Mal fließt Blut. Der
Kampf ist zu Ende, wie vereinbart.
Beide Kontrahenten reichen sich die Hand, mustern sich, während
ihre Helfer herbeieilen, um die Wunden zu untersuchen. Kein Streich ging
wirklich tief und die erste Versorgung ist rasch geschehen. Die Baronin
von Jolbenstein nickt dem Baron von Luchnar jetzt mit offener Miene zu.
"Kommt auf meine Feste, wir sollten etwas essen. Der Satisfaktion ist
Genüge getan. Und grämt Euch nicht, dass ihr verloren habt."
Unterredung im Sonnenschein
Friedlich saß Schillwunk Radeweyd, genannt "die Feder" an seinem
Pult, in seinem Kämmerlein auf der Feste Drachentrutz und spitzte
Gänsekiele. Von draußen schien ihm die Sonne auf den Buckel,
es war ein schöner Tag. Der Drachenhainer Hofchronist war gut gestimmt
und beinahe hätte er sich dazu verstiegen ein heiteres Liedlein zu
trällern, da hörte er Schritte hinter sich. Ein langer Schatten
verdunkelte seinen Arbeitsplatz und ließ den Schreiber, nun des Sonnenscheins
beraubt, frösteln. Die Stimme seines Herren, des Fürsten Waldemar
von Drachenhain, war leise und ruhig - zu ruhig. Schillwunk stellten sich
die Nackenhaare auf "Meister Feder, habt die Güte und zückt Euer
Schreibgerät, nebst Pergament, und lauscht. Ich habe eine wichtige
Mitteilung für diesen unsäglichen Helios-Boten aufzusetzen."
Der Schreiber erhob sich eilig und verbeugte sich tief. "Spar dir das und
mach dich an die Arbeit!" entgegnete der Fürst unfreundlich und so
machte sich Schillwunk bereit, das von Fürst Waldemar Gesagte zu notieren.
"Schreib: `Verrat auf der Drachtrutz!´ Ja das gefällt mir..."
der Schreiber schluckte und kritzelte mit fahrigen Bewegungen das Gehörte
auf den noch leeren Bogen geschabter Haut. "...`Wie uns sichere Quellen
zugetragen haben, wurde heute, der im Lande Drachenhain bekannte und hochgeschätzte,
Hofchronist, Schillwunk Radeweyd, von seiner Durchlaucht, eindeutig des
Verrates überführt´...warum schreibst Du nicht weiter,
Mann?" zitternd wie Espenlaub, war Meister Radeweyd die Feder entglitten,
er wagte weder den Kopf zu erheben, noch etwas zu sagen. Sein Herz vollführte
Galoppsprünge. Nachdem er allen Mut zusammengefasst hatte, erhob Schillwunk
dennoch die Stimme: "Herr, hört mich an, ich..." "Gar nichts höre
ich an!" donnerte der Fürst los "Ich gebe Dir genau eine Stunde, um
von hier zu verschwinden. Danach kannst Du alles dem Kerkerknecht oder
meinen Hunden erklären. Mach Dich fort, Schurke. Nach Emarania geht
es dort hinaus!" mit der ihm zueigenen, gebieterischen Handbewegung, wies
der Herr von Drachenhain seinem einst treuen Diener die Tür, die dieser
schnell wie der Wind durchschritt...
So geschehen auf der Drachentrutz,
am 25. Tag des Mond der Besinnung im Jahre 93 n.d.E.
Bruder Pankraz von der Drachentrutz

Reisebericht zum Conzil der ceridischen Kirche
verfaßt von Arwed von Lauenburg, Magister der Universität
zu Tlamana
3. Tag des 2. Saarka im Jahre 30 nach Helos Aximistilius III. (3.
Tag des Eismond im Jahre 93 n.d.E. der Ceridischen Zeitrechnung)
Nach einer längeren Reise quer durch Heligonia erreichten wir
im Laufe des späteren Nachmittags endlich die Abtei Rodi in der Baronie
Hohenforingen. Das Wetter war die ganze Zeit über ungemütlich
gewesen - wenigstens hatten wir in der Kutsche nicht allzu sehr gefroren,
der Winter war in diesem Jahr unnatürlich warm. Immerhin waren wir
zu dritt unterwegs - Magister Londae und mein Lehrling Ealdor reisten mit
- so daß uns der Gesprächsstoff nie ausging.
Das Empfehlungsschreiben von Magister Rasmus in der Tasche, wurden
wir schließlich von Abt Einfried empfangen. Der Abt emfing uns kühl,
aber nicht unfreundlich. Das Schreiben von unserem Dekan las er mit aufmerksamer
Mine; schließlich bot er uns Quartier in den für die Gäste
vorbereiteten Zellen. Wir erhielten die Erlaubnis, an den offiziellen Sitzungen
des Konzils als stumme Zuhörer zugegen zu sein. Außerdem gestattete
er uns die Nutzung der Bibliothek.
Während der Abendmesse wurde in den Reliquienschrein eine neue
Reliquie eingesetzt: Ein Knochen der Überreste des Heiligen Elvorix,
der in den Ödlanden den ceridischen Glauben verbreitet haben soll.
Die Reliquie war ein Gastgeschenk des Primus Parcellus. Diese wie auch
alle anderen Andachten wurden von der wunderschönen Musik eines kleinen
Chors begleitet.
Anschließend wurde das Abendmahl eingenommen. In der Tradition
der ceridischen Klöster wurde während der Mahlzeit nicht gesprochen,
lediglich ein Bruder las aus den heiligen ceridischen Schriften vor. Abschließend
gab es zwei Ankündigungen: Der Oberste der Prätoriusaner
hatte ein altes Dokument bei sich, das das Rezept für den sogenannten
Hilariustee enthielt. Das Rezept stammt angeblich von Hilarius selbst,
der es in seinen letzten Tagen seinem Anhänger Prätorius dikitert
haben soll. Das Dokument wurde dem Bruder Bibliothekar übergeben,
der für die eigene Bibliothek eine Kopie davon anfertigen sollte.
Außerdem lud der Primus zu Diskussionen und zum Philosophieren in
das Parlatorium ein.
Nach einem Besuch in der Bibliothek (sie wurde erst vor zwei Monden
gegründet und befindet sich noch im Aufbau; daher gab es hier nicht
allzu viel zu sehen) hielt ich die Einladung des Primus' für eine
gute Gelegenheit, die Redegewandtheit meines Schützlings Ealdor
auf die Probe zu stellen. Sein Gesprächspartner war ein Bannkreuzler
hohen Alters; dafür, daß dieser wahrhaft redegewandt war und
eine äußerst scharfe Zunge besaß, schlug er sich nicht
schlecht. Auf jeden Fall eine gute Übung, ihn auf den Dialog vorzubereiten,
die ich sicher mit ihm wiederholen werde.
Während einer ersten Zusammenkunft des Konzils gab der Primus
eine Zusammenfassung der Ereignisse seit dem letzten Konzil. Vor allem
die Steigerung des Einflusses der ceridischen Kirche auf das allgemeine
Leben in Heligonia (wie beispielsweise die Einführung der eigenen
Monats- und Wochennamen sowie das Etablieren einer eigenen Rubrik im Heliosboten)
hob er hervor. Weiterhin kündigte er an, den alten Heliosbrief der
Inquisition, der an den König zurückgegangen war, nicht in der
alten Form zu erneuern. Vielmehr soll die neue Inquisition lediglich für
die inneren Angelegenheiten der ceridischen Kirche zuständig sein,
weshalb ein Heliosbrief des Primus ausreicht. Die darauffolgenden Wortwechsel
machten sehr deutlich, daß nicht alle Anwesenden mit dieser "weichen"
Linie zufrieden sind.
4. Tag des 2. Saarka
Die morgentliche Sitzung begann mit einer unangenehmen Situation: In
der Bibliothek waren deben den Exemplaren des Heliosboten Kopien des Portals
aufgetaucht. Einer der Brüder hatte sich über den aus seiner
Sicht ketzerischen Inhalt aufgeregt und das Konzil davon in Kenntnis gesetzt.
Schließlich stellte sich heraus, daß das Portal irrtümlich
mit der Botenlieferung in die Bibliothek gelangt war. Die Exemplare des
Portals wurden entfernt und nach bestem ceridischen Brauch verbrannt.
Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Steintafel mit dem
Ceridenkreuz, die während unseres Conventes an der Universität
Tlamana zwecks Prüfung der Echtheit zu uns gebracht worden war. Magister
Londae gab hierzu einen umfassenden Bericht ab; das Gremium war offensichtlich
von seinen Antworten soweit zufriedengestellt, daß ich nicht weiter
befragt wurde.
Das Konzil beschloß die Gründung eines Untersuchungsausschusses,
der sich um diese Angelegenheit kümmern sollte. Eine Nachricht aus
Gunara, die der Primus mitbrachte und ebenfalls diese Thematik zum Inhalt
hatte, war der Grund, daß die weitere Diskussion nur im Kreise der
hohen Würdenträger fortgesetzt wurde. Später wurde bekannt,
daß dieser Kreis eine Petition an den König aufgesetzt hatte,
die die Herausgabe der Reliquie des Prätorius forderte.
Noch während des offiziellen Teils betrat ein höchst unerwarteter
Gast den Raum: Baron Krator von Rebenhain. Er war bereits am Vorabend angekommen,
den Grund seiner Anwesenheit war bis dato aber noch nicht bekannt gewesen.
Baron Krator berichtete von einem Ereignis, daß ihm auf seinem Heimritt
vom Convente der Universitas zu Tlamana widerfahren war. Während
seines Ritts sei vor ihm aus dem Gebüsch am Wegrande ein schwer verletzter
Mann auf den Weg gestürzt. Sein Pferd konnte nicht mehr rechtzeitig
anhalten, so daß es den Mann am Kopf traf. Baron Krator konnte nur
noch seinen Tod feststellen. Im Gebüsch hörte er weitere Geräusche
und fand dort ebenfalls einen schwer Verletzten. Beide Männer trugen
einen Ordenshabit - vermutlich den der Hilariusiten. Der zweite Mann übergab
Baron Krator ein Schriftstück mit der Bitte, es zu diesem Konzil zu
bringen. Kaum, da er dem Baron dieses Versprechen gegeben hatte, starb
auch er.
Das Schriftstück war ein einzelner Bogen Pergaments, eine reich
verzierte Prunkhandschrift. Der Text selbst war auf dünne Linien geschrieben,
wobei immer eine Zeile Abstand gelassen wurde. Auffällig waren die
Punkte über den Buchstaben i und j: Sie waren jeweils groß und
rot auf der darüberliegenden Linie verzeichnet.
Offensichtlich waren die farbigen Punkte Hinweis für eine weitere,
versteckte Botschaft. Der Primus lud alle Anwesenden ein, sich an der Lösung
des Rätsels zu beteiligen. Er warnte jedoch davor, den resultierenden
Text laut auszusprechen oder die entstehende Melodie zu spielen.
Natürlich machte ich mich flugs ans Werk. Der naive Versuch, die
Linien als Notenzeilen zu interpretieren, erwies sich schnell als falsch.
Zunächst überlegte ich, ob es eine Zahlensystematik gab - immerhin
wurde einmal ein Buchstabe weggeleassen. Dies würde zwar auch das
Ersetzen mancher i's durch y's erklären, doch erschien mir dieser
Ansatz nicht dem ceridischen Stil entsprechend. Die richtige Lösung
war jedoch recht rasch gefunden. Kurz nachdem ich meine Entdeckung dem
Primus mitgeteilt hatte, stellte dieser das Orginal unter Verschluß
und ließ alle Kopien konfiszieren.
Ein Gespräch mit Baron Krator enthüllte ein weiteres Detail:
Man könnte meinen, die beiden ceridischen Brüder, von denen er
das Schriftstück erhalten hatte, hätten sich gegenseitig umgebracht.
Er hatte nämlich keinerlei Spuren weiterer Personen entdeckt.
Die Analyse des Pergaments, durchgeführt vom Bruder aus dem Herbarium,
enthüllte, daß das Dokument wohl 90 bis 100 Jahre alt war. Der
Verdacht, es könnte sich um ein Dokument aus Hilarius' Feder handeln,
bestätigte sich beim Vergleich mit anderen Handschriften von ihm.
Mich beschlich ein mulmiges Gefühl: Die Sache mit den beiden Brüdern
ging mir nicht aus dem Kopf. Hatten sie die Melodie auch entdeckt und sie
gespielt? War dies der Grund für ihr Verhalten? Immerhin hatte ich,
um die Harmonie der Noten zu testen, beim Entschlüsseln auch ein paar
der Noten vor mich hin geträllert... im Nachhinein eine berechtigte
Sorge, wurden mit von meinem Lehrling und einem weiteren Mitreisenden unserer
Gefolgschaft im Laufe des Nachmittags ziemliche Gereiztheit und Jähzornigkeit
attestiert. Zum Glück verflog dies bis zum abend.
Weniger Glück hatten Bruder Fidelio und Schwester Hilda: Auch
sie hatten das System herausgefunden. Schwester Hilda hatte daraufhin das
Lied auf ihrer Flöte dem Bruder vorgespielt. Beide klagten nun über
einen leichten Kopfschmerz; außerdem hörten sie ständig
die Melodie.
Unter den Würdenträgern war während der Klausursitzung
der Verdacht gekeimt, daß auch Hilarius hieran gestorben sein könnte
- und der Tee, dessen Rezept er in seinen letzten Tagen Prätorius
diktiert hatte, eine Kur hierfür sein könnte. Hilarius hatte
das Rezept seinerzeit nicht zusammenbrauen können, da eine benötigte
Zutat zur dieser Jahreszeit nicht verfügbar war.
Diese Geschichte schien sich bei uns zu wiederholen: Bereits in der
Früh hatte der Bruder des Herbariums verkündet, daß er
seine Flasche mit Wermuth vermisse - sie war in der vorigen Nacht verschwunden.
Eine weitere tragische Geschichte, die sich am späteren Vormittag
ereignet hatte, waren die Geschehnisse um Schwester Lucia: Man hatte sie
bewußtlos mit einer blutenden Kopfwunde im Garten gefunden. Inurinai
stellte bei der Untersuchung fest, daß sie aus dem Mund nach Wermuth
und Schlafmohn roch. Der Bruder Herbar sagte aus, daß Schwester Lucia
seit Jahren schlecht schlief und er ihr deshalb jeden Tag einen Schlaftrunk
verabreichte. Dieser besteht aus dem Saft des Schlafmohns und einigen Kräutern,
die einen eigentümlichen Geruch hinterlassen. Offenbar hatte Schwester
Lucia eine größere Menge des Schlafmittels, zusammen mit Wermuth,
zu sich genommen; der Bruder herbar meinte, daß man diese Mischung
guten Gewissens als Gift bezeichnen könnte.
Die Tatsache, daß sie schlecht schlief, hatten wir bereits am
Vorabend erfahren: Schwester Lucia wollte keinen Nachtisch, da die Schattenmorellen
sie an ihre Albträume erinnerten - sie träumte seit Jahren jede
Nacht von Blut.
So konnte der Hilariustee im Moment nicht zubereitet werden. Eine eifrige
Suche nach dem Wermuth begann, außerdem wurden Boten ausgesandt,
um von anderen Orten Wermuth zu bekommen.
Der weitere Nachmittag verlief ohne größere Ereignisse -
die Diskussionen des Konzils drehten sich um für mich weniger interessante
Themen wie beispielsweise der Wunsch nach einer Veränderung des Lehensstatus
bei Lehen an die ceridische Kirche.
Am Abend hatte ich ein sehr informatives Gespräch mit dem Vater
Abt und dem Bibliothekar Bruder Guntram: Offensichtlich schienen unsere
Informationen umfassender zu sein als die der Klostergemeinde. Die Klosterbrüder
hatten überlegt, ob die orginale Flöte für die Heilung von
Nöten sein könnte und bereits mit einer Suche nach der verschollenen
Flöte begonnen.
Ich wies sie darauf hin, daß der Satz "es war falsch" sich auf
mehrere Dinge beziehen könnte. Erste Möglichkeit: Es ist allgemein
falsch, das Lied zu spielen, weil es etwas Göttliches und nicht für
menschliche Ohren bestimmt ist. Zweite Möglichkeit: In der Melodie
ist ein Fehler, und das Streben nach Perfektion hat den armen Hilarius
in den Wahnsinn getrieben. Dritte Möglichkeit: Das Singen der Melodie
war falsch - es ist das Lied der Flöte und darf nur auf einer solchen
gespielt werden.
5. Tag des 2. Saarka
In den Morgenstunden war Schwester Lucia erwacht. Während der
Morgendandacht beschuldigte ihre leibliche Schwester, Schwester Elisabeth,
den Prior von Oranek des Mordes.
In den darauffolgenden Gesprächen während des Treffens des
Konzils am Vormittag sagte der Prior aus, daß Schwester Lucia ihn
im Garten mit einem Messer angegriffen hatte. Die Familie des Priors stand
früher treu zu Teemon; in dessen Auftrag töteten sie Leute, die
sich nicht Teemon anschließen wollten. Auch über die Eltern
der beiden fielen die Schergen her; die Kinder entkamen und wurden als
Waisen bei einem der Klöster abgegeben. Diese Erlebnisse erklären
wohl auch die Träume von Blut, die Schwester Lucia seit all den Jahren
plagen. Der Prior berichtete weiter, daß beim Anblick der Schwestern
in ihm erneut die Geister der Vergangenheit erwachten, die ihn wohl nie
in Ruhe ließen.
Der Prior erzählte weiter, daß er sich gegen den Angriff
der Schwester wehrte, und im schlammigen Untergrund stürzte sie zu
Boden und schlug sich den Schädel. Als Schwester Lucia bewußtlos
vor ihm am Boden lag, flößte er ihr einen Schlaftrank ein, den
er sich abends zuvor selbst im Herbarium zubereitet hatte. Bei dieser Gelegenheit
hatte er auch den Wermuth entwendet, von dem er ihr auch einen ordentlichen
Schluck verabreichte. Das Messer versteckte er in ausreichender Entfernung
- es tauchte auch während des Konzils nicht mehr auf. Schwester Lucia
hingegen konnte sich an nichts erinnern. Das Konzil beschloß, den
Prior aus Oranek unter Bewachung durch die Heilige Miliz zu stellen, so
daß er nach Ende des Konzils an einen weltlichen Richter übergeben
werden sollte.
Nachdem dies - zumindest für die Ceriden - geklärt war, kam
man zur Tagesordnung zurück (ich persönlich empfand dieses Vorgehen
als höchst empörend, doch behielt ich meine Meinung für
mich). Da der verbleibende Wermuth vom Prior zurückgegeben wurde,
konnte nun endlich der Trank nach dem Rezept des Hilarius hergestellt werden.
In der Zwischenzeit war auch herausgefunden worden, daß die beiden
bemitleidenswerten Brüder, von denen Baron Krator das Schriftstück
erhalten hatte, aus dem Kloster Daron stammten. Das Dokument blieb offensichtlich
nie für längere Zeit im selben Kloster, sondern wurde immer wieder
weitergereicht. Der Primus berichtete, daß er schon seit längerem
vermutete, daß das Schriftstück eine der Prüfungen auf
dem Wege zum Tor der Unschuld darstellte.
In der Nacht zuvor war in der Kapelle ein Glasbild von der Wand gestürzt.
Auf dem Bild waren die drei Ordensgründer zusammen mit ihren Symbolen,
einer Flöte, einem Schriftstück und einem Kelch mit einem Heiltrank
dargestellt. Die Brüder hatten daraufhin die Scherben eingesammelt
und das Bild auf dem Boden liegend wieder zusammengesetzt. Als man nochmals
nach den Reliquien sah, stellte man fest, daß nun eine der Scherben
auf dem Knochen der Heiligen Ambrosia lag. Der Knochen hatte ohnehin erstaunlich
glatt ausgesehen, so daß spätestens jetzt jeder im Raum vermutete,
daß es sich möglicherweise um etwas anderes handeln könnte
- wie zum Beispiel eine Flöte.
Damit war die simple Theorie, daß man einfach die Darstellung
auf dem Glasbild nachstellen müßte, mit einem mal deutlich plausibler
- auch wenn das Bild bis dato rein zufällig in der Kapelle hing und
in keinem Zusammenhang zu den bisherigen Ereignissen stand. Ehe jedoch
die niederen Anwesenden dies überprüfen konnten, stellte der
Primus sowohl die Reliquie, als auch das Rezept des Hilariustees und die
Geschichte der Heiligen Ambrosia unter Verschluß. Erst am Abend während
der Andacht sollte das Procedere getestet werden.
Die beiden Ceriden, die die Melodie gepfiffen hatten, hatten zwar nach
Einnahme des Tranks einige Stunden ruhigen Schlafs, jedoch war die Melodie
nach dem Erwachen zurückgekehrt.
Am Vormittag war ich gebeten worden, die Prophezeihung von Gregorsruh
am Mittagsmahl vorzutragen - sie war in der Bibliothek nicht greifbar gewesen
und auch keiner der Ceriden hatte sie bei sich. Glücklicherweise befand
sich dieser Text in unseren Aufzeichnungen. Beim Essen wurde mir jedoch
zugetragen, daß dies nun doch nicht erwünscht sei, und einer
der Brüder die Schrift verlesen sollte. Meine Empörung über
diesen Affront machte ich mit einem stechenden Blick und einem etwas sarkastischen
Kommentar gegenüber dem Vater Abt deutlich, gab ihm aber die Kopie
des Textes, die ich vor dem Essen angefertigt hatte.
Nach dem Essen suchte mich der Vater Abt in meinem Zimmer auf. Er bat
mich um Verzeihung - er hatte dem Druck einiger hochrangiger Ceriden nachgeben
müssen. Da ich ohnehin von den Ceriden kein anderes Verhalten erwartet
hatte, nahm ich seine Entschuldigung an.
Umso überraschter war ich, daß vor der Nachmittagssitzung
drei hochrangige Bannkreuzer mit mir sprechen wollten. Sie erläuterten
ihre Beweggründe, daß diese Prophezeiung vor allem zu diesem
Zeitpunkt ein sehr delikater Text sei und bedauerten tief das diplomatisch
ungeschickte Vorgehen.
Während des Treffens der Konzilteilnehmer am Nachmittag legte
Abt Ditonius seinen Habit ab und gab ihn dem Primus zurück. Er hatte
sich nach seinem Fehltritt mit der Heirat für das weltliche Leben
entschieden und schied somit aus der Ordenswelt der ceridischen Kirche
aus.
Zu der Andacht am Abend wurden nur Ceriden in die Kapelle gelassen;
wir durften jedoch die Geschehnisse von der Türschwelle aus beobachten.
Die Messe wurde wie an den Tagen zuvor zelebriert. Am Ende wurden der Tee,
das Schriftstück mit dem Lied und die Ambrosia-Reliquie hereingetragen,
die sich - wie schon fast erwartet - nach Abnahme aller Verzierungen als
Flöte entpuppte. (Eine nachträgliche Untersuchung ergab, daß
die Flöte sehr alt war - rund 100 Jahre - aus Knochen oder ähnlichem
gefertigt war und von erstaunlicher Qualität war; möglicherweise
handelte es sich tatsächlich um die Flöte des Lucius) Das Lied
wurde auf dieser Flöte gespielt. Anschließend stimmte der Chor
einen Gesang an. Als das Flötenlied beendet war, war für einen
kurzen Augenblick im Raum ein heller Blitz zu sehen - ich weiß nicht,
woher er kam. Während des Gesangs blieb der Prior des Klosters unbewegt
stehen; der Primus ging auf ihn zu, nahm ihn bei den Händen und führte
ihn aus den Altarsegmenten heraus. Dort ging der Prior auf die Knie. Ungläubig
streichte der Primus mit seinen Fingern über die Augen des Priors;
anschließend half er ihm wieder auf und führte ihn aus dem Raum.
Bei besserem Licht erkannten wir, daß sich die Augen des Priors
getrübt und milchig verfärbt hatten - er war erblindet. Er sagte:
"Ich habe den Einen in mir gespürt. Ich will in die Welt ziehen, wie
mein Lehrer Elvorix es getahn hat." Darauf erwiderte der Primus: "Dann
bist Du der Blinde, der sieht." Der Prior antwortete: "Ja, wenn es so sein
soll.". Später berichtete er, daß er zusammen mit einigen Streitern
der Heiligen Miliz eine Reisegruppe bilden wollte, um so durch Heligonia
auf der Suche nach dem Tor der Unschuld zu ziehen.
6. Tag des 2. Saarka
Nach den beiden vorhergehenden Tagen erlaubten wir uns, an diesem Morgen
die Frühmesse zu Gunsten von etwas Schlaf ausfallen zu lassen. Wir
packten unsere Sachen, um wieder nach Hause zu reisen. Rückblickend
empfinde ich die Reise als diplomatischen Erfolg für die Universität.
Prinz Leomar nimmt in Emarania Amtsgeschäfte auf
Der Wechsel geschah über Nacht. Weder von Wasserauer Bürgern,
noch von irgendeiner anderen offiziellen Delegation begleitet, wurde die
Standarte des tüchtigen ostarischen Obristen Luidewig von Neuwittach,
vom Torbogen des herrschaftlichen Stadthauses genommen, und gegen das geminderte
Halmarwappen des Prinzen von Drachenhain, ausgetauscht. Am Morgen war es
einfach da gewesen, flatterte lustlos im kühlen Wind, offenbar gleichgültig
gegenüber seine zahlreichen Beobachtern, die beim Vorbeigehen das
Banner kritisch beäugten. Von diesem Tage an, das war allen klar,
würde für Emarania schon wieder eine neue Zeit heranbrechen.
Bislang jedoch, hat es noch keinerlei öffentliche Auftritte des
neuen Herrn gegeben, selbst zur Eröffnung des Großen Marktes,
war zur Enttäuschung vieler, lediglich Bürgermeister Hanuv Breschenstein
zugegen gewesen. Hartnäckig hält sich in der Stadt aber das Gerücht,
Seine Hochgeboren plane eifrig an einer großangelegten Rundreise
durch ganz Emarania, damit er sich ein Bild von Land und Leuten, nebst
aller künftiger Aufgaben machen könne. Weiter heißt es,
soll es hierbei nicht nur zu Empfängen in den größeren
Städten und Dörfern, wie Bray, Nieder- und Oberau kommen, auch
in abgelegenen Gegenden werde es Audienzen geben. Manche Stimmen wollen
gar wissen, dass der herzögliche Vogt, gleich seinem interimsmäßigen
Vorgänger, nicht von der Seeburg, sondern vom geschäftigen Wasserau
aus regieren wolle. Was sicher ist, militärische Unterstützung
findet der Prinz von Drachenhain in den, noch vorübergehend präsenten,
herzöglich-ostarischen Soldaten, die bleiben werden bis das Emaranische
Heer wieder geordnet ist. Personelle Unterstützung beziehe der Prinz
derzeit offenbar auch aus Drachenhain. Einige Kundige wollen Abordnungen
beobachtet haben, die eindeutig Drachenhainer Höfen zuzuordnen sind.
Doch genug des Klatsches, hoffentlich wird es zur nächsten Ausgabe
der Hofgazette gesicherte Aussagen geben.
Valluart Wierremund, Botenberichterstatter aus Wasserau
Neuer Gutsherr in der Ehlermark (Jolberg)
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes
Hier sei die Geschichte von nunmehr Ritter Akleson erzählt, wie
er von Baron Jareck von Jolberg zu seinem Erbe berufen wurde. Mir, dem
Schreiber Njall, der ich schon viele Jahre zuvor Gunnwald von Ehlermark
diente, wurde dabei die Ehre zuteil, eben diese Akleson aufzusuchen und
ihm die Botschaft seines Erbes zu überreichen. Zur Erklärung
der Umstände: Bis kurz vor dem Tod des Herrn Gunnwalds von Ehlermark
war nicht bekannt, dass er einen männlichen Nachkommen hatte. Seine
Ehe mit Frau Udelgard hatte keinen Segen Poënas erfahren und endete
kinderlos. Ein Hinweis einer Magd führte jedoch zu Herrn Akleson und
es sollte sich bestätigen, dass er der rechtmässige Erbe der
Ehlermark sei.
Nachdem ich Herrn Akleson schließlich auf der Burg Jolkapf in
Rebenhain gefunden hatte, begeleitete ich ihn nach Jolberg und sagte ihm,
dass ich doch recht froh sei, dass die Ehlermark nun wieder einen richten
Herrn bekäme. Frau Udelgard wäre seit der Herr Gunnwald, Aklesons
Vater, krank war eine sehr missgünstige Person geworden, die einem
jeden Fehler sofort krumm nehme. Allein wenn der Herr Norgard von Gerstenbrück
zu Besuch gekommen sei, um seinen Freund Gunnwald zu besuchen, wäre
sie die Liebenswürdigkeit in Person.
Ich bedauerte es sehr Herrn Akleson, zu spät gefunden zu haben
um Herrn Gunnwald noch lebend anzutreffen, da Akleson seinen Vater nie
zu Gesicht bekam. Ich riet Herrn Akleson erst den Baron Jareck in Jolberg
aufzusuchen und dann in die Ehlermark weiterzureisen. Er sollte sich erst
die Gunst des Barons holen.
Nach unserer Ankunft in Jolberg brachte ich Herrn Akleson direkt zu
einer Audienz beim Baron Jareck. Als Herr Akleson trat er vor den Baron
und als Ritter Akleson von Ehlermark mit dem Heliosbrief in der Hand verließ
er ihn. Am folgenden Tag machten wir uns auf den Weg in die Ehlermark.
Als wir in der Ehlermark ankamen, sah man ein freudiges und dennoch erwartungsvolles
Gesicht des Ritters, der seinen Blick über die kleine Siedlung schweifen
ließ. Fast schon stürmisch ritt er den Hügel hinab, hinein
in die Mitte der Siedlung, in der ihn schon die zusammengelaufenen Bewohner
Ehlerreutes ungeduldig erwarteten. Er bahnte sich einen Weg durch die Ansammlung
und hielt eine kleine Begrüßungsrede vom Rücken seines
Pferdes aus an die Menschen. Er versprach ihnen ein guter Herr zu sein
und in alter Familientradition die Ehlermark zu führen. Anschließend
brachte ich ihn zu seinem neuen Wohnsitz der alten steinernen Mühle.
"Frau Udelgard die Witwe eures Vaters erwartet euch in den Wohnräumen",
sagte ich zu ihm, während ich die Pferde anband. Zusammen betraten
wir den Hauptraum, der von einem großen offenem Kamin beheizt wurde.
Hinter dem hölzernen Arbeitstisch saß Frau Udelgard, die mit
stechend blauen Augen den unerwarteten Besucher musterte. "Das ist Ritter
Akleson der einzige Sohn und rechtmäßige Erbe Ritter Gunnwalds
von Ehlermark!" Freudig schloss Frau Udelgard Ritter Akleson in die Arme,
dem es sichtlich unangenehm war von seiner unbekannten Stiefmutter derart
herzlich begrüßt zu werden. Ich wurde aufgefordert das Zimmer
zu verlassen, um die beiden alleine zu lassen.
Ich wunderte mich ob ihrer für sie ungewöhnlichen Freundlichkeit,
die sie Ritter Akleson entgegen brachte. Ich konnte ja zu diesem Zeitpunkt
noch nicht wissen was sie ihm Schilde führen sollte.
Pünktlich mit dem zweiten Hahnenschrei wurde das Frühstück
angerichtet und Ritter Akleson begann seinen ersten Tag als Herr der Ehlermark.
Seltsamerweise schien Frau Udelgard schon früh aufgestanden zu sein,
denn sie war nirgends auszufinden. Sie ließ sich von ihrer Zofe entschuldigen,
dringende Geschäfte in Rodenfurt hätten nicht warten können.
Ich bat Herrn Akleson ihn Ruhe zu frühstücken und seine Fragen
für die spätere Begutachtung der Ehlermark aufzuheben. Vieles
würde sich so, schon von selbst beantworten.
Noch vor der Mittagsstunde begannen wir mit unserem Rundgang. Ich führte
Herrn Akleson reihum zu jeder Ehlerreuter Familie, die verschiedene Geschenke
für ihn bereit hielten. Die Oberhäupter der Familien schlossen
sich uns an und zeigten ihm, die ihnen jeweils zugeteilten Aufgaben. Nach
der Besichtigung des Sägewerks gingen wir in den Wald, um den Waldarbeitern
bei ihrer harten Arbeit zu besuchen. Da geschah es. Aufmerksam hörte
Ritter Akleson den Holzfällern zu wie sie die Bäume schlugen,
als sich plötzlich ein oberhalb befindlicher Holzstapel in Bewegung
setzte. Krachend rauschten die massiven Holzstämme auf die kleine
Gruppe zu. Beherzt sprangen alle zur Seite bis auf Herrn Akleson, der gerade
das Beil eines Waldarbeiters betrachtete. Auf meine alten Tage hin gelang
es mir dennoch den jungen Ritter aus der Gefahr zu bringen. Ich versetzte
ihm einen kräftigen Stoss, so dass er zwar in einem Brombeerbusch
landete, aber dem wohl größeren Übel der Baumstämme
entrann. Die Götter waren uns wohl besonders gnädig, da niemand
zu schaden kam. Kaum hatten wir uns von dem Schrecken, erholt hörte
man ein lautes "Halded dehn!" vom Holzfäller Michel. Wir sahen nur
noch einen Schatten zwischen den Bäumen verschwinden. Michel kam hinter
dem restlichen Holzstapel hervor und erzählte uns, dass er jemanden
gesehen habe, der sich an der Verankerung des Holzes zuschaffen gemacht
hatte. Wenig später brachten zwei stämmige Ehlerreuter Männer
eine kleine, hagere Gestalt aus dem Wald, die sie Fest in ihren Armen hielten.
Auf frischer Tat ertappt, war er sogleich der Tat überführt.
Auf die Frage nach dem Grund seiner Tat, antwortet er auf Herrn Akleson
zeigend: "ich sollte diesen Herrn dort zu Grabe bringen". Aufbrausend sprach
Ritter Akleson: "Da wir dich in flagranti ertappt haben, werde ich als
Herr der Ehlermark, von dem Recht gebrauch machen dich sofort zu richten!"
Scheinbar wusste der Täter wohl nicht wer sein Opfer war. Bettelnd
und um sein Leben winselnd versprach der Unsägliche alles zu gestehen.
Er erzählte das am heutigen Morgen eine Frau ihn beauftragte, eben
diesen Herrn dort zu töten und Beschrieb recht genau das Aussehen
der Frau Udelgard.
Daraufhin fassten wir einen Plan, der sie der Tat überführen
sollte. Wir sorgten dafür, dass sich das Gerücht über einen
tragischen Todesfall in ganz Ehlereute verbreitete und warteten auf die
Rückkehr von Frau Udelgard. Ritter Akleson und zwei der Familienoberhäupter
versteckten sich in der Mühle, die anderen beiden Oberhäupter
und ich setzten uns an den großen Arbeitstisch. Als sie den Raum
betrat berichteten wir, ohne einen Namen zu nennen: "Es war ein Unfall.
Er wurde von einem großen Stapel von Holz erschlagen, der sich aus
Versehen löste." "Der arme Herr Akleson", schluchzte sie. Aber wer
außer den beim Unfall Anwesenden, hätte dies wissen können,
da der Name des Opfers ja tunlichst verschwiegen worden war? Die Beute
war ins Netz gegangen. Verwundert schauten wir sie an. In diesem Moment
bemerkte sie, dass niemand außer ihr je diesen Namen genannt hatte,
gleichzeitig zeigte sich Ritter Akleson: "Du falsche Natter, wolltest wohl
das Erbe für dich beanspruchen, aber nun wird der Baron von Jolberg
sich deiner persönlich annehmen."
Am nächsten Tag brachten zwei Oberhäupter der Familien und
ich, die arme Seele, gebunden auf einem Ochsenkarren, nach Jolberg. Auf
dass sie dort ihr gerechtes Urteil erhalten würde.
Auch wenn der Antritt des Erbes für Ritter Akleson von diesem
Vorfall überschattet wurde, denke ich doch das die kommenden Zeit
gutes bringen wird. Die schnelle Ergreifung des Täters und Mithilfe
für die Überführung von Frau Udelgard, zeigt wohl am besten
die Loyalität der Bewohner. Für mich selber kann ich nur sagen,
dass ich ebenso für den neuen Herrn wie zuvor für den alten Herrn
von Ehlermark, dienen werde.
Njall, Schreiber von Ritter Akleson von Ehlermark
Die in der letzten Gazette begonnene Informationsreihe über die
Nordmark wendet sich auch in der aktuellen Ausgabe wieder an den in der
Sache interessierten Leser, den geneigten Fernwanderer oder auch den neugierigen
Abenteuer- und Wildnisfreund.
4. Artikel: Über die Politische Zugehörigkeit.
Karlon vom Storcheneck
Die Nordmark als Ganzes ist dem Herzogtum Ostarien zugeordnet. Da sie
in allererster Linie gegen die ödländische Grenze steht, kommt
ihr unter den Ostarischen Herrschaften eine besondere Rolle zu. Die Mark
ist Standpunkt einer Herzöglichen Kaserne, neuerdings auch eines Marinestützpunktes
und einer schwerbefestigten Burg. Letztere sind selbstverständlich
dem Ostarischen Herzogshaus direkt unterstellt.
Wegen eines alten Versprechens aus den letzten Tagen des ersten Ödlandkrieges
wurde es allerhand Söldnervolk zugestanden, in einigen Landstrichen
der Nordmark eigenständige Vogteien, die Haga, zu gründen. Sie
sind von jeglicher Steuer befreit und schulden ihren Lehensherren nur die
Verteidigung im Fall eines Angriffs. Ansonsten ist die Herrschaft über
das Baronat entsprechend dem Heligonischen Lehenswesen dem Orden der Catvaras
Ekam anvertraut worden.
5. Artikel: Straßen und Wirtschaftsgefüge.
Galbart Wagenmeister, Vogt zu Yaldering
Es gibt auch Straßen in der Nordmark. Eine Straße, die
Salzstraße, führt von Malderpot über Yaldering nach Leiana.
Es ist eine alte Straße, die es schon gegeben hat, als noch niemand
von uns in der Nordmark gesiedelt hat. Allerdings war sie anfangs ziemlich
zugewachsen. Aber jetzt ist sie ganz schön und so breit, daß
man sehr bequem mit einem Gespann darauf herumfahren kann. Man transportiert
zum Beispiel Salz von Malderpot nach Yaldering, wo es gefäßt
wird, wie wir sagen, und dann transportiert man es weiter nach Leiana,
dort wird es dann von den Flößern auf der Yaltrach weitertransportiert,
die östlich von Leiana mit Flößen befahrbar ist, wenn das
Wasser nicht zu hoch oder zu niedrig ist und nicht gefroren. An den Norrland-Brassachischen
Grenzanlagen muß man übrigens aufpassen, daß man nicht
für einen Ödländer gehalten wird, sonst ergeht es einem
schlecht.
Eine andere Straße ist der Jarecksweg. Er ist, wie der Name schon
sagt, keine Straße, sondern ein Weg und der Name kommt von Jareck
von Jolberg, der ihn als erster von uns benutzt hat. Der Jarecksweg führt
von Yaldering zum Pailat hinauf durch die Vaittaschlucht und an allerhand
steilen Felsen vorbei und er ist schwierig in der Instandhaltung und mit
der Begehbarkeit, vor allem im Winter, wenn es schneit. Man benutzt ganz
gerne Maultiere auf dem Jarecksweg, weil er so schwierig zu begehen ist.
Es gab auch einmal eine Straße von der anderen Seite, von Arnach
über einen Gebirgspaß zum Pailat hinauf. Nach alten Überlieferungen
muß sie wohl früher einmal "Nördliche Heerstraße"
genannt gewesen sein. Aber sie ist leider total kaputt und zerfallen und
man benutzt diesen Weg nur, wenn es nicht anders geht, weil er sehr gefährlich
ist und schwer zu finden und im Winter sowieso völlig unpassierbar
wird. Bisher ist man dort, wenn überhaupt, nur zu Fuß gegangen.
Aber manche Leute benutzen ihn recht häufig.
Der Weg, der von Norrland-Brassach nach Leiana führt, ist eigentlich
kein Weg, sondern nur so eine Art Reiseroute. Da es aber keinen anderen
Weg gibt, benutzen ihn die Leute meistens doch. Normalerweise braucht man
einen Führer und ein paar Söldner, weil er sehr gefährlich
ist und schwer zu finden, unglücklicherweise gibt es viele wilde Tiere
und Räuberbanden, aber in letzter Zeit nicht mehr so viele Ödländer.
Dafür ist es im Winter ziemlich kalt und tief verschneit, so daß
man lieber wartet, bis es wieder ein bißchen wärmer wird.
Einmal hat es einen Versorgungszug gegeben, der mit großen Gespannen
auf diesem Weg unterwegs war. Aber seither begeht man ihn nur noch mit
Maultieren, die überhaupt sehr praktisch sind. Sie tragen fast soviel
wie zwei Männer schwer sind, und sie ertragen auch Hitze und Kälte,
Hunger und Durst und werden fast doppelt so alt wie ein Pferd, wenn man
Glück hat.
Wenn man von Leiana aufbricht, braucht man meistens so knapp zwei Wochen,
bis man im Norrland-Brassachischen Garnisonsstützpunkt Markwacht ankommt,
der ersten sicheren Herberge jenseits der Wildnis.
Manchmal begehen abenteuerlustige Nordmarker auch das Kallerfeld. Aber
das ist auch sehr gefährlich und leider kann man nicht einmal ein
Maultier mitnehmen, weil sich die Hufe in den vielen großen und kleinen
Geröllbrocken verfangen. Allerdings kommt man auf der anderen Seite
nach Calterac oder zum Jolborn, wo die neuen Besitzungen liegen. Sie sind
aber eigentlich besser vom Jolborn her zu erreichen.
Es wird vermutet, daß eine Gruppe flüchtiger Banditen um
einen gewissen Ragner den Starkbärtigen bei Malderpot die Berge nordwestlich
durch die Klingenfelder umgangen haben soll. Möglicherweise gibt es
einen gangbaren Weg dort, denn einige Wochen später hat Ragner mit
seinen Gesetzlosen einen Überfall gemacht, auf dem Kallerfeld. In
Malderpot wurden sie aber nicht gesehen, darum glauben wir, daß es
vielleicht einen Weg im Nordwesten gibt.
Das Handels-, und Erwerbswesen der Nordmark ist sehr jung und nicht
so kompliziert. Die Leute in der Nordmark sind ganz schön fleißig
und betreiben allerlei Gewerbstätigeiten:
- Es gibt viel Holzschlag in Yaldering und Leiana. Das Holz wird verbaut
oder zu Holzkohle verarbeitet und mit Flößen in den Süden
transportiert und verkauft. Die Flöße selber werden auch verkauft
und man verdient viel Geld damit weil es besseres Holz ist und man im Süden
unglücklicherweise schon recht viel Holz abgeholzt hat.
- Da in Malderpot kuriose Salzquellen zutage treten, kann man diese
benutzen, um Salz zu sieden. Wie schon erwähnt wird es in Yaldering
gefäßt und in den Süden verkauft. Das Salz muß immer
in Yaldering gefäßt und umgeschlagen werden, denn das ist eine
der wenigen Vorschriften in der Nordmark.
- Da es viele verschiedene Tiere in den Wäldern gibt, werden sie
gejagt und gegessen und man verkauft auch vieles in den Süden, zum
Beispiel Pelze, Elchsleder für Thaler Stiefel und Salzfleisch. Alles
wird in Yaldering verarbeitet. Zum Beispiel verkauft man aber auch Sehnen
und Dinge, die man aus Knochen und Horn machen kann. Damit der Handel gut
funktioniert, gibt es dreimal in der Woche einen Jägermarkt. Wenn
man Geld hat, kann man da überhaupt auch sonst alles kaufen, vom Waldhonig
über frisch gesottene Kernseife bis zum noch lebenden Flußkrebs.
- In den Hochtälern um den Pailat herum hält man viele Ziegen.
Sie werden gemolken und gegessen und man verarbeitet das Ziegenleder zu
Ziegenlederwaren. Es gibt auch Schafe, aber meistens eher Ziegen, obwohl
Schafe eigentlich besser wären, weil man zusätzlich ihre Wolle
zu Schafswollwaren verarbeiten könnte.
- In der Vaittaschlucht findet man manchmal Aurazith. Aber es ist nur
sehr wenig und man muß es mühsam aus den kalten Gebirgsbächen
auswaschen. Das ist leider sehr umständlich.
Meistens nehmen die Flößer die ganzen Waren mit und verkaufen
sie im Süden. Manchmal fahren sie bis weit nach Ligonii oder sogar
nach Thal. Von dem verdienten Geld kaufen sie verschiedene Dinge, die es
nicht gibt in der Nordmark, zum Beispiel Eisenerz zum Schmieden oder lieber
fertige Sachen aus Metall oder auch schöne Stoffe und natürlich
Tatzelfelser Honigmeth, Jolberger Schädelspalther, Rebenhainer Traubenbluth,
Apfelbrandth aus Ligonii, manchmal auch Bethiser Drachenfeuer und Wiffelbeerwein
aus Sarnianth und dergleichen. Ich finde übrigens, daß es auch
hervorragenden Sumpfkräuterschnaps aus der Nordmark gibt. Leider ist
er nicht so beliebt, obwohl er gerade nach üppigen Fleischmahlzeiten
sehr bekömmlich ist. Man hat dann nicht so ein Gefühl, daß
man sich überfressen hat, und das kann man aber in der Nordmark sehr
leicht kriegen, weil das Essen ist meistens recht schwer.
Jedenfalls kehren die Flößer nach ihren Reisen schwerbeladen
wieder zurück und wenn das Wetter im Sommer schön warm ist, benutzen
sie manchmal den Gebirgspaß von Arnach her. Das ist zwar auch beschwerlich
und gefährlich, aber dafür nicht so sehr weit und man muß
nicht nach Norrland-Brassach. Viele finden das besser, weil die Norrland-Brassacher
sich immer über die Nordmarker lustig machen und sie auslachen.
Übrigens gibt es in den Haga keine Steuern. Darum nimmt der Pailat
nur in Yaldering Steuern ein, und zwar hauptsächlich Handels- Verkehrs-
Gewerbe- und Weingeiststeuern (die werden auf alles erhoben, das einem
betrunken machen kann). Da Yaldering eine große Stadt ist und viel
Handel, Verkehr, Gewerbe und weingeistpflichtige Festereien hier stattfinden,
verdient der Pailat viel Geld damit. Das finden nicht immer alle gut, aber
da kann man nichts machen.
Irgendwie ist auch alles immer so teuer in der Nordmark, finden viele
Leute. Aber wenn man mal kurz nachdenkt, daß wenn man zum Beispiel
eine teure Gabel kauft, daß man dann also nicht nur die Gabel bezahlt,
sondern auch diejenigen, die die Gabel tagelang über die Berge getragen
und dabei Kopf und Kragen riskiert haben und daß sie eigentlich deswegen
so teuer ist und nicht weil der Händler ein Wucherer und Halsabschneider
ist, dann läßt man das lieber und kauft irgend etwas Vernünftiges
und ißt stattdessen einfach mit den Händen. Dann können
nämlich auch vernünftige Sachen über die Berge transportiert
werden und keine Gabel. Oder man schnitzt die Gabel selber aus schönem,
getrocknetem Birkenholz. Damit kann man wunderbar schnitzen.
Überhaupt gibt es über die Preise schon deswegen nichts zu
schimpfen, weil das Baronat ja auch reich an Naturschätzen ist und
man muß eben sehen, daß man gute Geschäfte macht. Dann
hat man auch Geld und kann sich etwas leisten auf dem Jägermarkt,
ein schönes Stück Bärenfleisch etwa oder ein paar Biberfelle
oder meinetwegen eine Gabel. Ja. So ist das. Die Nordmark ist eben kein
Land für Faulenzer.
6. Artikel: Eodars Nordmarker Kneipenführer
Niedergeschrieben von Lirek Hufenschmied †
Dafür, daß in der Nordmark noch nicht lange gesiedelt wird,
gibt es ganz schön viele Herbergen, Gasthäuser und Wirtshäuser
in der Nordmark. Sie haben zwar nicht alle den Standard, den der geneigte
Reisende aus dem Süden gewohnt sein mag, doch aufgezählt sollen
sie doch sein an dieser Stelle:
Zum blutigen Eimer: Erstaunlich große Gaststätte im Keller
einer der präheliotischen Ruinen. Der richtige Ort für Leute,
die ausschweifende Gelage, Glücksspiel und gelegentliche Schlägereien
zu schätzen wissen.
Kaiserpfalz: Gasthaus und Versammlungsort der Hohenforinger Siedler.
Hauptsächlich Publikum aus dem ehemaligen Teemoranien. Ganz vorzügliche
Wildgerichte.
Barttas Bootshaus: Herberge und Nebenerwerb des einzigen Fischers in
Yaldering. Schöner Blick auf den Vaittasee. Bartta selbst ist ein
dicker, alter Mann aus Thal. Lausige Fischgerichte zu überteuerten
Preisen. Ruhige Atmosphäre, wird manchmal wegen des ausbleibenden
Publikums zu Unterredungen vertraulicher Art genutzt.
Stern von Darian: Etwas außerhalb gelegenes Etablissement mit
Hinterhaus und Darianischer Badestube (gemütliche heiße Dampfbäder
mit Außenbereich zum Abkühlen direkt im Vaittasee!). Verschiedentliche
Sonderdienstbarkeiten im Hinterhaus (sehr sauber, sehr empfehlenswert!).
Zum Lachenden Dritten: Gasthaus und Herberge, in dem zweifelhafte Getränke
an zweifelhafte Gäste ausgeschenkt werden. Von der Obrigkeit geduldeter
Treffpunkt nordmärkischer und anderer Unterweltler. Der Betreiber
ist ein gewisser Erbdnet aus Brazfurt. Man erzählt sich, daß
er seines stets übellaunigen und greisen Vaters Stirbdnet überdrüssig
und daher dem in letzter Zeit ziemlich umtriebigen Brazfurt entflohen sei.
Eines der wenigen Gästezimmer ist (als Geste der Einladung) für
Halfnet den Barden reserviert, der sich aber bisher noch nicht eingefunden
hat, um davon Gebrauch zu machen.
Ostarienhaus: Herberge für offizielle Reisende von edlem Stand
und Herkunft. Klassisch-solider, ostarischer Standard, ganz in der schlichten,
schnörkellosen Eleganz des Herzogtums gehalten. Für nicht Geladene
sehr teuer. Meist harmloses Klientel.
Zum überladenen Maultier (Leiana): Reiseherberge, Poststation und
Zwischenhalt von oder nach Brassach-Norrland. Gut ausgestattet, Service
in Ordnung. Keinerlei Extras.
Sanais-Quartier (Leiana): Gewöhnliches Gasthaus, ruhige Atmosphäre.
Früher, pünktlicher Kehraus. Es halten sich hartnäckige
Gerüchte, daß das Sanais-Quartier ein heimlicher Unterschlupf
der Schwarzen Lilie sei. In meinen Augen völlig abwegig.
Gasthaus der Bibliothek zu Escandra (am Fuß des Pailat): Eines
der wenigen Granithäuser in der Nordmark. Überaus mondän,
fabelhafte Bewirtung, jede Unterkunft mit Zimmerkamin und Daunenbetten.
Exzellenter, freundlicher Service, die Abtritte stets mit frischen Wassereimern
und Toilettentüchern bestückt, kurz: Das Haus hat Escandrinische
Größe. Leider etwas abseits der Verkehrswege in der Ruinenstadt
Galtur unterhalb des Pailat gelegen.
Zur Grube (Malderpot): Vielbesuchtes (und einziges) Gasthaus des kleinen
Dorfes. Wenige verlauste Quartiere über dem Schankraum, sehr laut.
In der Gaststube ist allabendlich viel Betrieb. Gelegentlich finden in
einer normalerweise abgedeckten Grube in der Mitte des Schankraums Kämpfe
statt (treffliche Gelegenheit für Geldwetten!), manchmal auch Zurschaustellungen
von festgesetzten, unliebsamen Gästen. Sonderbedienstereien im Hinterhaus
(jedoch kein Vergleich zum "Stern von Darian"!).
Die Sackpfeife (Härtwigs Hafen): Im ostarischen Fischerstil gehaltene,
harmlose Wegstation hauptsächlich für Jolbornschiffer. Manchmal
spielt Härtwig zum Tanz auf, daher der Name.
Zum Herzog-Uriel-II-Atoll (Haukegericht): Gewöhnliche Ostarische
Hafenkneipe. Kennt man eine, kennt man alle. Über der Bar ein interessanter
Versuch einer Jens-Hendrik-Nilsson-Büste, gestiftet von der einzigen
und besten nordmarker Vertreterin der Handwerkszunft der Bildhauung und
Steinmetzerei, Krescantja Muldenhauer. Leider hat sie Nilsson nie kennengelernt.

Schwertleite zu Waldroden
Am letzten Tag der Saarkamonde fand in Waldroden ein epochales Ereignis
statt. Baron Sihran von Tolens beendete seine Knappenzeit bei seinem Oheim
Baron Beorric von Welzen und wurde mit der Schwertleite in den Stand des
Ritters erhoben. Über zwei Jahre war der Baron von Welzen seinem Schützling
ein guter Vertrauter, der ihn in die Kunst des Regierens einführte.
Daher übernahm dieser auch die Schwertübergabe an Elternstatt.
Die Edle Fendra von Aueck, Tante und Vormund des angehenden Ritters ließ
es sich nicht nehmen bei der Feier anwesend zu sein und ihrem Neffen mit
dem traditionellen Gewand einzukleiden, das sie eigens für ihn angefertigt
hatte.
Die Zeremonie begann am Vortag mit einem rituellen Bad im Xurl-Heiligtum,
um so den zukünftigen Ritter symbolisch zu reinigen Danach begab er
sich in einem feierlichen Prozession zum Poena-Schrein, wo er in einem
langen dunklen Mantel, den Kopf von einer Kapuze verhüllt die Nacht
betend am Schrein verbrachte, um am Morgen die ersten Strahlen Helios zu
erblicken. Danach begann der eigentliche Festtag mit der zeremoniellen
Einkleidung. Sihran von Tolens wurde in den Festsaal geführt,
wo er von seinem Oheim Beorric von Welzen Waffen und Sporen erhielt. Am
Ende zog man gemeinsam zum Saarka-Schrein, wo die Priesterin über
das Schwert und über den jungen Ritter selbst den Segen der Göttin
sprach. Durch die Anwesenheit der fürstlichen Geschwister, Prinzessin
Celia und Prinz Anselm wurde Baron Sihran eine besondere Ehre zuteil.
Anschließend wurde gefeiert und Turnier abgehalten, bei dem der
junge Ritter zum ersten Mal öffentlich und gegen harte Konkurrenz
seinen Mut und sein Können zeigen musste. Der Tag klang nach einem
langen Fest aus, bei dem Speisung und Geschenke an die Armen verteilt wurden.
Eurer Hochgeboren,
da nun mehr als ein Jahr ins Land gegangen ist, seit mir die Baronie Lormark
als Lehen anvertraut wurde, halte ich es für an der Zeit und angebracht,
Euch noch einmal zusammenfassend über alle Veränderungen, die
ich in dieser Zeit unternahm, sowie über deren Konsequenzen, zu unterrichten.
Schon in den ersten Wochen des letzten Jahres entschloss ich mich,
daß viele Dinge in der Lormark einer Umgestaltung bedürfen.
Die Baronie ist leider ein recht unfruchtbares Ackerland und auch Bodenschätze
sucht man vergebens, so das Wohlstand unter den Lormarkern nur selten zu
finden ist. Daher war ich der Meinung, daß man Gedanken nun dringend
Taten folgen lassen sollte.
Die erste war zugleich auch meine erste Amtshandlung, in der ich meinen
langjährigen Freund und Waffenbruder Cornelius von Langenau in den
Freiherrenstand erhob und ihn zugleich zu meinem Stellvertreter und obersten
Heerführer ernannte.
Um mein Heer umzustrukturieren reduzierte ich zuerst die Truppenstärken
des Heeres, allen voran der Gaidin, der Elitebogenschützen der Lormark.
Was nützen mir Unmengen von Bogenschützen, wenn ich keine Infanteristen
habe, welche die Bogenschützen vor Angriffen abschirmen? Außerdem
sollten viele diese Männer auf den Ackern und bei ihren Familien sein.
Daher halbierte ich, sehr zum Unmut eben dieser, die Zahl der Bogenschützen
und schickte jene, die ich von ihrer Pflicht entband, auf die Felder zurück
oder, so sie keine mehr hatten, überschrieb ich ihnen leerstehende
Höfe, die es allzu oft in der Lormark gibt und die bisher nur Schmugglern
als Unterschlupf dienten. Aus diesem Grunde habe ich auch dieses Jahr nicht,
wie es eigentlich Tradition ist und sehr zu meinem Bedauern, 30 Mann Ehrengarde
an Euren Hof entsandt da ich diese Leute hier in der Lormark dringend brauche,
gerade zu diesen unruhigen Zeiten. Wenn ich Euch also wieder eine Ehrengarde
schicke, so seht die als Zeichen von besseren Zeiten in Eurem Lehen. Ich
hatte in dieser Angelegenheit ein sehr interessantes Gespräch mit
dem Hauptmann der Gaidin, Har Falkenau. Eigentlich hatte ich vor, die alten
Hauptleute zu ersetzten, da ich mir ihrer Loyalität nicht sicher sein
konnte, aber Har überzeugte mich vom Gegenteil. Da ich ihn für
einen aufrechten und ehrenhaften Mann halte, habe ich Vertrauen in seine
Fähigkeiten als Anführer und die Treue seiner Männer. Auch
wenn er immer noch den Wunsch hegt, die Bogenschützen zu alter Sollstärke
aufzustocken, so konnte ich ihm doch mein Ansinnen und die Notwendigkeit
für eine höhere Ernte verständlich machen. Was aber Har
noch mehr zu belasten schien als die Reduzierung der Truppenzahl war die
Heuer von 30 Landsknechten als Kerntruppe meines stehenden Heeres. Seit
dem ersten Tag ihrer Anwesenheit haben die Landsknechte und die Gaidin
keine Gelegenheit ausgelassen, sich zu provozieren und untereinander zu
wetteifern. Beide Einheiten sind sehr stolz auf ihren Ruf, ihre Fähigkeiten
und ihre Taten, und Stolz ist eine Tugend! Da es nicht zu Gewalttätigkeiten
oder Ungehorsam kam, werde ich diese Rivalität weiter dulden, solange
sie alle Beteiligten ihre besten Taten entlockt.
Weiterhin schickte ich Trupps durch die Lande, die endlich den lästigen
Schmugglerbanden, die zwischen Darian und Thal verkehren, ein Ende machen
sollen und, so sie auf ihren Reisen in ein Dorf kommen, dieses nach Adveristen
durchsuchen. Die Anzahl unserer äußeren Feinde ist zu hoch,
um auch noch im Inneren welche dulden zu können. Hier setzte ich nicht
zuletzt auf die Geweihten des Helios und ihre Gabe, die Wahrheit zu ergründen.
Aufgrund der Schwere der Zeiten verlangte ich den Bauern nur den Elften
ab, in der Hoffnung und mit der Weisung, daß sie diese eingesparte
Geld dazu aufbringen, ihre Höfe auszubessern und sich auf weitere
harte Jahre vorzubereiten. Trotz der Schwere ihres Loses verlieren die
Lormarker nicht die Hoffnung, der Glaube an die Viere ist stark und die
Gunst der Götter überall zu spüren.
Eine Besserung der finanziellen Lage ist in der Tat bereits spürbar.
Die kürzlich wiedereröffnete Brücke von Sarniant wird viel
bereist und die Zölle tun das ihre, um die Truhen der Lormark langsam
wieder zu füllen.
Nun, dies waren in Kürze meine wichtigsten Amtshandlungen, ich
hoffe, sie sind im Eurem Sinne geschehen. Über die Ereignisse vor
Cambrück, die Krähe betreffend, und in der Universität zu
Tlamana seid Ihr ja mehrfach informiert worden.
Einen ebenso großen Teil meiner Aufmerksamkeit forderten die
Geschehnisse in der Niederlormark oder vielmehr unsere Unkenntnis über
diese. Lange Nächte verbrachte ich im Turmzimmer der Feste Eichenstein
in Lormaringen, meiner Hauptstadt, brütend darüber, wie ich dieser
unbekannten Bedrohung begegnen sollte. Nach langen Überlegungen faßte
ich schweren Herzens den Entschluss, dass eine Mobilmachung der Miliz und
die Vorbereitung des Heeres auf einen Krieg die beste Entscheidung war.
So veranlaßte ich, daß 200 Mann Miliz ausgehoben und dem Befehl
von Langenaus unterstellt wurden. Diese Entscheidung, so kann ich Euch
versichern, traf ich nur mit größtem Widerwillen. Hatte ich
nicht die Gaidin in ihrer Mannstärke halbiert, um mehr Männer
auf den Ackern zu haben? Bedenkt man dieses, so scheint es geradezu töricht,
200 kräftige Bauern von den Felder, der Ernte und ihren Familien weg
zu holen und auf einen Krieg vorzubereiten. Was allerdings nutzen fruchtbare
Felder und wohlhabende Dörfer, wenn ihre Bewohner nicht mehr am Leben
sind? Ich trage die Verantwortung für diese Menschen, und bei den
Vieren, niemals werde ich sie schutzlos einer Gefahr überlassen! Weiterhin
teilte ich von Langenau 30 Landsknechte und 15 Bogenschützen zu. Letztere
formte er zur Kerntruppe einer Invasionsarmee, falls es nötig sein
würde, mit Gewalt in die Niederlormark vorzudringen. Nun scheint es
tatsächlich soweit zu sein und meine Truppen stehen bereit, die Hilfslieferungen
in meine Nachbarbaronie zu geleiten. So ich das Beste hoffe, rechne ich
dennoch mir dem Schlimmsten.
Ich bin bereit, was auch immer uns die Zukunft bringen mag!
Mögen die Viere uns schützen und durch diese schweren Zeiten
führen!
Euer ergebener Diener, Hektor von Eichenstein
Gedanken eines Bauern
Torben stand in einem kleinen Tal und betrachtete die in ihrem Winterkleid
daliegenden Äcker. Guter Boden, doch in letzter Zeit sehr verwahrlost.
Es war ein leichtes für ihn, diesen Misstand zu erkennen. Schließlich
war er Bauer und tat seine Arbeit gerne. Nun ja, für gewöhnlich
war er Bauer und die Äcker, die er nun begutachtete waren nicht die
seinen und lagen auch nicht in seiner Heimat. Torben stand hier auf der
Gemarkung der Niederlormark im Waffenrock der Lormarker Miliz einige Tagesreisen
entfernt von seiner Heimat nahe der Lormarker Hauptstadt Lormaringen. Es
war ein seltsames Jahr und es waren seltsame Geschehnisse.
Es hatte schon vor dem Jahreswechsel im Frühsommer begonnen. Der
neue Baron der Lormark, Hektor von Eichenstein, war kaum ein paar Monde
im Amt und wirbelte mit seinen Reformen die alte Ordnung kräftig durcheinander.
Viele, die unter Nimue gut standen beschimpften ihn als Despoten. Ob sie
damit Recht hatten, oder ob sie nur um ihre Titel und Ländereien fürchteten,
konnte Torben nicht sagen, er war Bauer, kein Gelehrter. Trotzdem blieb
aber der neue Baron mit dem, was er tun wollte eisern und das Volk dankte
es ihm. Die jahrelange Abgrenzung nach außen fiel von der Lormark
ab und damit auch viele der daraus entstandenen Sorgen. Soweit, so gut,
es schien alles besser zu werden. Aber kaum waren des Barons Erlässe
zur inneren Reform in Kraft getreten, da regte sich schon Neues. Ohne großes
Aufheben und so still wie möglich wurde ein Gutteil des Heerhaufens
des Barons entlang der Grenze zur Niederlormark postiert. Nur wenige bemerkten
dies, aber nach und nach kamen Gerüchte auf. Die einen sagten, die
Ruhe an der Grenze war auf eine Fehde des Barons mit jenen Von Ilmenau
zurückzuführen. Andere sprachen von einer in der Niederlormark
ausgebrochenen Seuche. Und gelegentlich hörte man sogar davon, dass
Eichenstein bei einer Zecherei über eine wieder vereinte große
Lormark gesprochen habe. Gerüchte! Wahrscheinlich genauso glaubwürdig
wie die Geschichten, die man über das Weibsvolk aus Sedomee zu hören
bekam. Torben grinste verschmitzt bei diesen Gedanken.
Einige Wochen darauf jedoch wurden Milizionäre eingezogen und
entlang der Grenze postiert. Der Heerführer, der Freiherr von Langenau
ließ sich öfter blicken als gewohnt und irgendwie lag Ärger
in der Luft. Torben wunderte sich schon damals, was das zu bedeuten hatte.
Es wurde nie die ganze Miliz einberufen, aber ständig waren 100, vielleicht
sogar 200 Mann im Dienst. Immer so lange, dass für die Bauern keine
Nöte auf den Feldern zu Hause entstand, aber jeder Milizionär
leistete einige Wochen Grenzdienst und übte mit den Waffen. Jeder.
Die Befehle waren einfach: Üben, wachsam sein und jeden, der über
die Grenze will festsetzen. Aber es wollte keiner über die Grenze.
Sogar auf den einstmals viel befahrenen Handelswegen war kaum eine Menschenseele
zu sehen und es schien so, als wäre die ganze Niederlormark ausgestorben.
Es tat sich wenig und noch weniger, als der Winter hereinbrach. Die Nähe
des Schlangenkamms tat das ihre und der Winter war kalt und schneereich
wie immer in diesen Landen. Und lange war nicht zu erfahren, was eigentlich
vor sich ging.
Bis vor einigen Wochen. Jeder Miliztruppe, die gerade aufgestellt war
kam eine Nachricht zu, dass in der Niederlormark wohl eine Notlage bestünde.
Keiner wußte wieso und warum, aber es war die Aufgabe ganz Thals
und ganz besonders der Lormark, zu helfen. Ein großen Hilfszug sollte
über die Westgrenze aus Anthan kommend in die notleidende Baronie
einziehen, um die Leiden der Bevölkerung zu lindern. Gleichzeitig
kam den Lormarker Soldaten die Verantwortung zu, die Flanke dieses Zuges
zu sichern, ohne aber den Hilfsauftrag zu vergessen. So zog denn also ein
größerer Heerhaufen unter Führung von Cornelius von Langenau
in die Niederlormark ein, mit Broten und Kohlköpfen genauso gewappnet
wie mit Lanzen und Pfeilen. Wohl ein Stück östlich des Zuges
aus Anthan lief ihr Weg den Gerüchten nach, aber viel war davon nicht
zu hören und im Moment hatte Torben auch andere Sorgen. Denn Langenau
hatte nicht nur den Zug geplant. Anscheinend wurde die Grenzregion schon
seit Wochen von den Spähern des Freiherrn erkundet und seit beträchtlicher
Zeit an den Plänen für den Einmarsch gearbeitet. Es war nach
diesem Plan vorgesehen, dass die Truppe, der auch Torben angehörte
ungefähr einen Tagesmarsch in die Niederlormark vorrückte und
im Weiler Breitwiesen Quartier bezog, angeführt von einem Offizier
der regulären Truppen. Immer wieder hatten sie die Ermahnungen gehört
"Männer, das Essen wird nur Rationsweise verteilt! Wir wollen nicht
dem Schmuggler-Geschmeiß Vorschub leisten, sondern den Leuten helfen!
Und denkt daran: Wir wissen nicht was hier geschah. Also traut keinem,
vor wir nicht die Ursache kennen!" So stand er also da, Torben der Bauer.
Nein, Torben der Milizionär. Seine Zeit verbrachte er damit, Eintopf
und Brot an die Dörfler auszugeben, Wache zu schieben und sich seine
Gedanken zu machen. Und er danke den Vieren von ganzem Herzen, dass der
Feind nicht zu entdecken war. Nicht nur In Breitwiesen, nein noch in keinem
der Grenzdörfer war etwas geschehen, was die Miliz zu den Waffen greifen
ließ. Zumindest hatte keiner etwas derartiges gehört. Nur die
Bevölkerung, die mit geradezu unmäßiger Gier nach Nahrung
verlangte, bestürmte die Feldküchen. Aber wer wollte es ihnen
verdenken, so ausgehungert wie sie waren. Und mit einigen Worten waren
sie stets zur Einsicht gekommen. Die Geschichten, dass es sich vielleicht
tatsächlich nur um eine Hungersnot, schlechte Ernten oder ähnliches
handeln würde, wurden immer mehr und die Hoffnung der Bevölkerung
stieg. Doch als Torben diese Gerüchte zum ersten mal hörte hatte
er dieses Stechen im linken Knie das er immer hatte, wenn etwas in der
Luft lag. Er würde lieber vorsichtig sein, wer wußte schon,
was sich im Innern des Landes vorfinden würde. Aber eigentlich war
im das beinahe schon egal. Natürlich war es seine Aufgabe zu helfen.
Aber das tat er ja auch. Sollte aber tatsächlich mehr an der Misere
schuld sein als der Kartoffelkäfer oder Wanderheuschrecken, dann war
es die Aufgabe der regulären Soldaten. Er war schließlich nur
bei der Bauernmiliz und in 2 Wochen würde er abgelöst werden.
Bald, so dachte Torben bei sich, würde er Frau und Kinder wiedersehen
und sich wieder um sein Land kümmern können. Schließlich
sollten seine Äcker nächstes Jahr nicht so verwahrlost aussehen
wie das Feld, vor dem er gerade stand.

Toter im Werftkanal
Gestern wurde aus dem Werftkanal ein Toter geborgen, der offenbar Opfer
eines Überfalls geworden war. Der junge Mann wies mehrere Stichwunden
im Oberkörper auf. Da er kaum persönliche Gegenstände bei
sich trug, gestaltete sich seine Identifizierung zunächst als schwierig,
bis seine Angehörigen ihn als vermisst meldeten. Es stellte sich heraus,
dass der Mann in den Diensten des Handelshauses Estéban gestanden
hatte, dort aber am Morgen nicht zu seinen Pflichten erschienen war. Mehrere
Freunde des Toten sagten aus, er hätte des öfteren Spielschulden
gehabt, was ein glaubhaftes Motiv darstellt. Donna Severa äußerte
sich bestürzt über den Tod ihres Angestellten und versprach,
seiner Familie ein angemessenes Auskommen zu sichern.
Einladung zum Empfang
Das Handelshaus Estéban lädt die noble Betiser Gesellschaft
zu einer Verkostung bester aturianischer Confiserie in ihr Stammhaus am
Helos-Kanal ein. Es wird Konfekt, Backwerk und feinstes Zuckergebäck
zu erlesenen Teesorten gereicht. Für angenehme Unterhaltung werden
ausgesuchte aturianische Spielleute sorgen. Der Empfang findet am 5. Tage
der 2. Poena am späten Nachmittage statt. Elegante Kleidung erwünscht.
Das Handelshaus Estéban
Il Giglio
Confiserie aus dem Hause De Lepanto
Aturianisches Backwerk & Konfekt der Spitzenklasse!
Zu beziehen über das Handelshaus Estéban
Bessere Qualität - bessere Konditionen
Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
| Was sich schickt |
Und was nicht |
- süße Backwaren
- die neue Utzgan-Saison
- HU2-Atoll-Frühbucherrabatte
- Großbestellungen |
- Salzgebäck
- Diebstahl jeglicher Art und Weise
- Manöver
- Traditionen |
Der Handelsprophet
| Tageskurse |
|
| Aurazith 1 heligonische Unze |
1 Dukaten und 4 Kreuzer |
| Schiffsfahrt pro 10 Meilen |
6 Kreuzer |
| Pergament 10 Bögen |
1 Dukaten und 2 Groschen |
| Parfum 0,1 l |
3 Dukaten und 3 Groschen |
Der Aurazithpreis steigt wieder auf ein leicht höheres Niveau.
Die Verbilligung des Preises von Schiffsfahrten ist in den aktuell angebotenen
Frühbucherrabatten für Reisen auf das Herzog-Uriel-II.-Atoll
begründet, welche sich auch auf sonstige Schiffsreisen auf anderen
Strecken auswirken. Der Kurs von Pergamentbögen sowie von Parfum steigt
nach Expertenmeinung aufgrund des herannahenden Frühlings und den
damit erwachenden Frühlingsgefühlen, da diese einen höheren
Pergament- und Parfumverbrauch für die Herstellung von Liebesbriefen
zur Folge haben.
Bürger des Monats
Zum Bürger des Monats wurde von der Jury das Wunderkind Bonifazio
ernannt. Seine musikalischen Qualitäten seien allgemein bekannt, so
die Juroren, aber besondere Würdigung verdiene Wunderkind Bonifazio,
weil es endlich eine neue Probe seines Talents ("Jucheisasa!") der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht habe. Der Preisträger zeigte sich in einer
ersten Reaktion gerührt und widmete sein neues Lied dem darniederliegenden
Bischof Ceridian Aegidio.
Gunst und Kunst
Was die Heligonier am liebsten hören
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1(2)
2(1)
3(3)
4(-)
5(4)
6(8)
7(6)
8(-)
9(5)
10(7)
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Die letzten Fernwanderer - "Es braucht nur zwei wie uns"
Sie könnten Giganten sein - "Am Ende der Tour"
Drachenhainer Jagdchor - "Der weisse Hirsch"
Johann Bar - "Verletzt"
Rebenhains Romantische Räuber - "Laß mich Deine Gugel sein
für eine Nacht!"
Harald Schönefonte - "Eiland im Sonnenschein"
Die Unsichtbaren - "Auf der Straße nach Escandra"
Wunderkind Bonifazio - "Jucheisasa!"
Dozenten der Akademie der schönen Künste - "Das Beste von
allem"
Wjelkin, der Lange - "Sven Herulfsson" |
Stadtgeschehen
Auf dem Helosplatz und vielen anderen Orten in Betis konnten die Bürger
ihre Genesungswünsche für Bischof Ceridian Aegidio in vom Stadtrat
ausgelegte Bücher schreiben. Die gesammelten Wünsche sollen in
Bälde nach Drachenhain übersandt werden.
In der Kanalisation der Altstadt wurde Berichten von Anwohnern zufolge
in den vergangenen Nächten des öfteren ein mindestens fünf
Schritt langer Alligator gesichtet. Er soll schon mehrere Hunde verschlungen
haben. Das Amt für Kanalangelegenheiten rief die Bürger daraufhin
zu mehr Achtsamkeit auf. Sachdienliche Beobachtungen sind schnellstens
zu melden!

Erste Kontakte
Ich erinnerte mich daran, von einem Kollegen das Nämliche gehört
zu haben: Ein Paar Krieger aus dem Hochland habe während des Adelstages
zu Carajon sein Etablissement mit Beschlag belegt. Sie hätten aus
einer riesigen eisernen Truhe Flasche um Flasche eines dunklen Biers mit
schwarz-weißem Banner gezogen und sie mit den anwesenden Adligen
und Gemeinen gleichermaßen gegen andere Waren, die Aussicht auf Handelsbeziehungen,
Neuigkeiten, Tratsch, oder auch Lieder getauscht.
Diese beiden, so klärte mich Herr Weldrik auf, seien Leif Stahlschulter
und Tallrim Stabschwinger gewesen. Mit ihrer Entsendung versuche das Thing
den Heligoniern auf einfache und verständliche Art zu verdeutlichen,
daß Angaheym am Kontakt zu ihnen interessiert wäre.
Altes in neuer Zeit
Im Laufe der vergangenen Jahre brachten die letzten direkten Nachkommen
der pruzzischen Ureinwohner dem Lande Heligonia eine Reihe von verloren
geglaubten Dingen. Der Uisge, die Urform des berühmten Schädelspalters
hat ebenso Einzug gehalten wie die hochwertigen Stahlwaren, von denen auch
große Herren wie der Graf Dedekien von Darian begeistert sind.
Auch die Ursprünge des beliebten Utzgansportes konnten weiter
erforscht werden als manchen lieb war. Die Angaheymer Spielart nimmt keine
Zuflucht zu wattierten Socken oder ähnlichem Spielgerät. Vielmehr
findet ein Ring aus Hartleder oder strohumwickeltem Eisen Verwendung.
Meinem Freund Weldrig und seinen Stammesgenossen und -genossinnen habe
ich es zu verdanken, daß die Taverne "Bruckenschenke" in bester Lage
am Brazach seit diesem Jahr unter meiner Verwaltung steht.
Hohe Staatsgeschäfte
Daß die Angaheymer nicht nur auf dem Spielfeld und in Herbergen gerne
hart zulangen, mußte auch so mancher Diplomat erkennen, als sich
vor etwa drei Jahren der damalige Thingsprecher Nial Felsenhammer mit einem
Heer von vierhundert kampferprobten und sehr trinkfesten Zwergen bei der
Aufklärung des Jagdschlößchen-Vorfalls beteiligte. Derselbe
Vorfall, der kurz darauf die hochwohlgeborene Nimue von Aue, die Freundin
meiner Herrin, zu einer überstürzt scheinenden Heirat nötigte.
Doch nicht für alle ging dieses politisch brisante Intermezzo unerfreulich
aus. Dank des gesteigerten Umsatzes durch die stämmigen Freunde von
Herrn Felsenhammer darf ich mich seit dem nämlichen Jahr als Anteilseigner
der gehobenen Einkehr "Forellenhof" im besten Viertel Sarniants bezeichnen.
Spätestens aber die Ödländer mußten einsehen,
daß mit kampfeslustigen Angaheymern wie Tallrim Stabschwinger nicht
gut auskommen ist. Der Ödling verließ die Gemarkungen Ihrer
Majestät, jedoch nicht ohne einigen heldenhaften Verteidigern Blutzoll
abzuverlangen. Herr Felsenhammer zog sich bei der Verteidigung der Leomark
eine starke Kopfverletzung zu, von der er bis zum heutigen Tagen nicht
vollends genesen ist. Dies geschah bei den selben Kampfeshandlungen, in
denen meine Herrin, Ihro Hochwohlgeboren Josephina durch einen vergifteten
Pfeil zu Schaden kam. Den Vieren sei Dank, daß sie wieder im Vollbesitz
ihrer Kräfte ist. Es sei am Rande erwähnt, die Siegesfeierlichkeiten
hier in Sarniant waren der gefeierten Helden durchaus würdig und ermöglichten
mir den Kauf der großen und einträglichen Herberge "Wanderers
Heimstatt".
Einige Karrieren
Während dieser Zeit hatte meine Herrin die junge Angaheymer Bardin
Findabair U'Mad zu Gast, die aber jede Begegnung mit ihren Stammesgenossen
vermied. Aus ihren ungewöhnlich einsilbigen Antworten konnte ich entnehmen,
daß sie wohl auf Wanderschaft sei, in Richtung Süden. Sie war
in den letzten Monaten sehr oft wieder hier, mit einem kleinen Gefolge
und in sichtlich besserer Laune als bei ihrem früheren Besuch. Man
hört, sie wäre nun eine Magistra Musica und hätte einen
Lehrstuhl an einer sedomeesischen Universität.
Jüngst erzählte mir eine stattlich gebaute Angaheymerin mit
langem, dunkelblondem Zopf, Samirka Sonnenschopf, der ältere der beiden
Druiden in Angaheym sei zu seinen Ahnen gegangen. So wäre von den
einst drei Druiden nur noch einer am Leben, Myryswynth. Er suche zwar verstärkt
nach Nachfolgern, aber seine Hoffnung schwinde von Tag zu Tag. Die meisten
jungen Talente zöge es an die gelehrten Heligonischen Akademien, wo
sie für jeden praktischen Einsatz bei Religion, Kunst, Musik, Wissen,
Kultur, Geschichte, Politik, Heilkunst, Kräuterkunde, Ackerbau und
vielem anderen verdorben würden. Der einzige einigermaßen aussichtsreiche
Kandidat, Halrog Siebenschüssel, sei auf der Suche nach einem Heilmittel
für den armen Nial noch immer im Schlangenkamm unterwegs.
Von meinem Teilhaber am "Forellenhof", Tallrim Stabschwinger, der auch
das Amt des Wolfenfelder Schwertrates bekleidet, habe ich erfahren, daß
die auf etwa fünf Jahre angelegte Öffnung Angaheyms für
Heligonia vorüber ist. Das Allthing, die Zwerge und die Druiden würden
nun über die vergangenen Jahre beraten. Was sich als schwierig herausstellen
könnte und sicherlich längere Zeit in Anspruch nehmen wird, meint
der Waffenmeister Angaheyms.
Bis zu einer einstimmigen Entscheidung über das bisherige und
weitere Vorgehen ist der Handel stark eingeschränkt. Zum Bedauern
meiner Konkurrenten werden wohl die Preise für echten Uisge für
sie nach oben schnellen wie ein ertappter Zechpreller. Auch die Leibgarde
der Baronin wird auf fünf Angaheymer verkleinert. Die Jungs und Mädels
haben es sich zum Sport erkoren, Schilder mit der Aufschrift 'Außer
Betrieb' oder ‚Vorübergehend geschlossen' wo immer sie sie finden,
mitzunehmen, um sie später am Beginn der Perlbachschlucht aufzuhängen.
Das Sarnianter Handelkontor und die Drachenschiffe Angaheyms werden wohl
hier im Tiefland verbleiben, besucht durch den einen oder anderen Angaheymer,
der wieder Gefallen am weiten, schönen Heligonia gefunden hat.

Höret die Kunde von Kloster Rodi, wo der Eine
uns ein Zeichen sendete: Es war zur Stunde der Vesper, als die Brüder
und Schwestern des Klosters gemeinsam mit den anwesenden Gästen des
Ceridischen Konzils, welches zu Rodi stattfand, Zeugen eines Wunders wurden.
Prior Adrian wurde vom Einen auserwählt, uns den Weg zum Tor der Unschuld
zu weisen. Seine Erleuchtung öffnete ihm die Augen für die Suche
nach diesem Ort. Um keine Ablenkung von seiner schweren Aufgabe zu haben,
kann Prior Adrian die weltliche Umgebung nicht mehr sehen. Aus diesem Grunde
wird er nun ständig begleitet von ceridischen Gläubigen, die
ihn bei seiner Suche unterstützen, und von der Heiligen Miliz, die
ihn auch auf solchen Wegen beschützen soll, welche ein Ceride sonst
nicht betreten würde.
Erstes Ziel seiner Pilgerfahrt, welche den nun von seinen Pflichten
enthobenen, ehemaligen Prior von Kloster Rodi durch ganz Heligonia und
möglicherweise sogar darüber hinaus führen wird, war Kloster
St. Pretorius. Begleitet wurde Bruder Adrian von Primus Pacellus und fünf
Ordensbrüdern der Pretoriusaner.
Für Seine Heiligkeit erfüllte diese Reise noch einen weiteren
Zweck. Er traf sich dort mit Superior Ignatius von Nordmark, um mit diesem
über die Beschlüsse des Konzils zu sprechen.
Im Glanz der Erleuchtung von Bruder Adrian gingen die Ergebnisse der
Zusammenkunft in Rodi ein wenig unter.
Dabei wurden so wichtige Themen diskutiert wie die Verfehlung des ehemaligen
Bruder Ditonius, welcher sich auf Geheiß des Konzils bis zum Hilariustage
entscheiden mußte, ob er ein klösterliches Leben ohne Frau oder
ein weltliches Leben ohne Habit führen wolle - er entschied sich für
das weltliche Leben. Die für nichtig erklärte Ehe darf jedoch
nun, da er nicht mehr Ordensbruder ist, geschlossen werden. Ob Seine Ehrwürdigste
Exzellenz bereits einen Nachfolger für den Abt von Lindfurt bestimmt
hat, ist nicht bekannt.
Mit dem Einverständnis des Superior der Pretoriusaner, Ignatius
von Nordmark, gibt es nun einen neuen Zweig der Heiligen Miliz. Drei der
Pretoriusanischen Ordensbrüder, welche am Ceridenkonzil zugegen waren,
baten um die Gründung eines Ritterordens, welcher den Pretoriusanischen
Grundsätzen gerecht werde. Der neue Zweig wird von der übrigen
Heiligen Miliz leicht abweichende Ausbildungsziele haben und nur Pretoriusanerbrüder
aufnehmen.
Nach dem Besuch bei Superior Ignatius will Primus Pacellus nun gemeinsam
mit Bruder Adrian weiter nach Gaeltacht reisen, um dort Kloster St. Ankuin
einen Besuch abzustatten. Ein nächstes politisch wichtiges Ziel könnte
Lindfurt sein.
Termine
03.05.2003 Spinnentöter-Konzert auf Burg Wolfsegg
29.05. - 01.06.03 7. Adelstag in der Baronie Oraneck/Ostarien
im Jugendhaus bei Nördlingen
13.06. - 15.06.03 Arbeitstreffen an der Hoppelmühle
19.09. - 21.09.03 Phaenomenon III: Romantique 1820
in der Alten Mühle bei Dinkelsbühl
12.12. -14.12.03 Helicon 26 Bardentreffen in der Baronie Flaitney/
Drachenhain im Schloß Einsiedeln

Wichtig! Redaktionsschluss für den nächsten Boten!
Der nächste Helios-Bote erscheint zum Adelstag am 29. Mai 2003.
Der Redaktionsschluss für Ausgabe 46 ist der 15. Mai 2003, damit
wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss
erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen
werden.
Wenn genügend Artikel für ein Portal eintreffen, so wird
auch wieder die Gelehrtenzeitschrift erscheinen. Auch hier gilt der gleiche
Redaktionsschluss.
Beachtet bitte wie immer, dass auch die Regio-Spielleitungen noch Zeit
brauchen, die Artikel ihrer Regionen zu sammeln!!!
Wer einen wichtigen Artikel schon früher auf der Heligonia-Seite
veröffentlicht haben möchte, wende sich bitte an die jeweilige
Regio-Spielleitung.
© Copyright Inés & Marc Hermann
Berichte von Franz Balluff, Hannes Becker, Frank Borina, Arnulf Breuer,
Sven Brosette, Kilian Frey, Marc Hermann, Andreas Hils, Daniela Lochner,
Günther Merk, Katrin Puwella, Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Julia
und Andreas Riedlinger, Stefan Schlott, Markus Siegmund, Anna Ungureano,
Niki Winkler

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