Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 1. Saarka n.A.III 31

Ausgabe 48

Kronkurier 

 
Überfall auf die Grenze nahe Nordwacht

Bericht eines Bauern, der das ganze aus seinem Stall beobachtet hat: "Sie kamn als dunkel wurd. Im vollen Galopp um den Posten rum und immer mit de Pfeile ordendlich druff. Dann habn se de Schwerter jezogen und wie wild rumgekackt. Wollten weglaufen die armen Teufel. Hamm se dann noch von hinten abgemurgzt. Hmm Wappen hamm se nich getragen, nur so schwatte Rüstungen. Dann sind se runner vonne Pferde un hamm de Jungs aufgeladen. Waffen, Wappen von Heligonia und Carajon hamm se auch mitgehn lassen. So wat hab ich noch nie jeseen."
 

Werfteinweihung in Dunkelstein

Im Auftrag des Abtes von Dunkelstein, Flavius van Orb, ist der Fischereihafen von Jolbingen zum letzten Versorgungshafen vor den Ödlanden ausgebaut worden. Sowohl das Auffrischen der Vorräte, als auch das Durchführen anstehender Reparaturen ist hier nun möglich. Zur Veranschaulichung der Fähigkeiten der Dunkelsteiner Schiffsbauer wurde schon am 20. Tag des Rebenmondes in dem dortigen Dock begonnen ein Schiff von beachtlicher Größe auf Kiel zu legen. Im Verlauf der nächsten Jahre soll hier auch ein Bollwerk gegen die Ödlande geschaffen werden. Die Abtei Dunkelstein leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Grenzen gegen die Ödlande.
 
 

Feinstes aus dem Haus Spindeler in Lindfurt, 
die Stadt in der die Fäden zusammen laufen.




Ausführlich und gut informiert sind die Leser des neuen Portals 

verständlich    -   spannend   -   bildend

Unruhen in Dracconia

In letzter Zeit hörte man immer wieder schlimme Gerüchte aus unserem Nachbarland; dann wurden aus den Gerüchten glaubhafte Geschichten, dann Vorfälle, die mancher reisende Heligonier am eigenen Leibe erfahren hat:
Der König von Dracconia scheint tot zu sein. Seine Vasallen bekämpfen sich gegenseitig in der Hoffnung, mehr Macht zu erlangen. Intrigen, Hinterhalte, Ränkespiele und auch offener Kampf sind an der Tagesordnung. Fürsten liegen im Streit miteinander. Barone lehnen sich gegen ihre Fürsten auf, wenn sie sich einigen können. Barone liegen im Streit miteinander. Rittter lehnen sich gegen ihre Barone auf. Ritter liegen im Streit miteinander. Reisende werden überfallen, Händler werden überfallen oder Waren mit unverschämt hohen Zöllen belegt. Die großen Fernhandelsrouten werden nur noch von Händlern, die sich zu Trecks zusammengeschlossen haben und entsprechende Zahlen von Söldnern zum Schutze mit sich führen, begangen.
Die Lage scheint unübersichtlich. Eine größere Veränderung allerdings scheint sich bereits gefestigt zu haben: Der Herzog von Grüntal, der samt seinem Sohn bei einem Unfall diesen Sommer ums Leben kam, hat in seinem ehemaligen Nachbarn, dem Herzog Johannes vom Schwarzenhorn einen Nachfolger erhalten. Die Mehrzahl der Grüntaler Barone haben wohl gegen den Widerstand der restlichen Barone den Herzog von Schwarzenhorn auch zum Herzog von Grüntal erkoren, so dass dieser jetzt Herzog beider Ländereien in Personalunion ist. Die Widerstand leistenden Grüntaler Barone haben den Kampf verloren, ihre Ländereien wurden unter den Gewinnern des Kampfes aufgeteilt.
 
 

Drachenhainer Herold

Bericht über die Rebenhainer Sommer - Kriegszüge - Zusammenfassung von Hanselm Schrotenspeck vom Kommando der Rebenhainer Traubenschützen
 

Der Sengenberg - Zug

Es war im 3. Poena des letzten Jahres, als der Vogt zu Störenweiler, der edle Rasekorn vom Schinderteich, einen Befehl zum Ausrücken erließ. Es war schon länger gemunkelt worden, dass der Baron die Unterstützung seines Vogtes fordern könnte, waren doch offensichtlich die Templer zu Sengenberg dazu übergegangen, die Baronie Lindfurt anzugreifen. Der Baron, ganz Mann der Tat, wartete nicht erst, bis der allerdurchlauchtigste Fürst Waldemar den Heerbann ausrufen würde, nein, er mobilisierte sofort Truppen, um den bedrängten Lindfurtern in ihrer vermeintlichen Not beizustehen. War doch Alton von Fichtenhau erst Wochen zuvor vom Fürst in die Baronie eingesetzt worden. 
Zwar ist der edle Rasekorn auf Alton von Fichtenhau nicht besonders gut zu sprechen, denn jedermann weiß, dass jener sich weigert, des Vogtes gerechte Entschädigungsforderungen für das Weihrauchgeschäft zu erfüllen, aber da Baron Krator rief, war es dem Vogt Ehre, in den Krieg zu ziehen und dabei sein Kommando, die Rebenhainer Traubenschützen, zu befehligen. Unsere Überraschung war allerdings groß, als wir kaum aus Störenweiler ausgezogen, bereits nach 3 Stunden auf einer Anhöhe Halt machten. Der Vogt befahl dem Kommando, hinab ins Dorf Großenerich zu gehen. Nur einige wenige vom Tross und ein paar Bewaffnete sollten bleiben, und wie ich sah, ein Lager aufschlagen. Wir lagerten derweil am Dorfrand weiter unten und machten es uns in den Scheunen bequem. Auf dem Hügel jedoch wurde verschieden großes Feuerholz geschichtet, Wild wurde zerteilt und vorbereitet, Tische - mit weißem Leinen bedeckt - und Bänke, mit Fellen gepolstert, wurden aufgestellt, dazu Met, Traubenblut und Gerstensaft bereitgestellt. Kein Zweifel, hier erwartete der Vogt jemanden. 
Wer dieser nächtliche Gast nun letztlich gewesen ist; ich weiß es bis heut nicht mit genauer Sicherheit zu sagen. Bei uns den Traubenschützen hieß es aber allenthalben, es sei eine noble Abordnung aus dem Jolbensteinischen gewesen - aus dem wahren, ogedischen Jolbenstein selbstredend...
Leider war es mir, armen Hanselm Schrotenspeck, aber nicht vergönnt an dieser stattlichen Festerei teilhaben zu dürfen, doch hörten meine Kameraden und ich aus der Ferne so manches bedeutsame Wort, oder es hallte ab und an ein vielstimmiges: "Es lebe hoch...!" über die Hügellandschaft Großenerichs. Gläser klirrten, Flaschenhälse brachen - die Herrschaften verstanden sich offensichtlich prächtig.
Alles änderte sich, als diese junge Botin atemlos den steilen Berg hinaufgerannt kam. "Eine wichtige ....uff... Botschaft für den Vogt, von seiner Hochwohlgeboren, ... Baron Krator ...uff ..allselbst!" gab sie uns zu verstehen. Also ließen wir sie rasch passieren und wunderten uns anschließend nicht aus, welche Wirkung diese Nachricht auf die festliche Zusammenkunft hatte. Die Vier wollten es offenbar so, dass der Wind mir das ein oder andere vorgelesene Wort zuwehte, wodurch ich nun in der Lage bin, den Brief fragmenthaft wiederzugeben:
Grüße Euch, hochgeschätzter Baron Krator von Rebenhain.
...mit dem Boten, den Ihr nach Lindfurt entsandtet, gabt Ihr Eure edle Haltung zu erkennen... Dass Euch, ... der Friede innerhalb Drachenhains wichtig ist.... und Ihr dem Angegriffenen beiseite stehen werdet. So machte Euer Bote uns das Angebot, dass Ihr... im Kriegsfalle Lindfurt beistehen würdet. Leider befand ich selbst mich bereits im Feldlager, so dass er mich nicht persönlich antraf.... Ein Missverständnis wäre so vermieden worden. Mein ... vermochte Eurem Boten nichts über den wahren Grund des Aufmarsches unserer Soldaten mitzuteilen .... und ich .... niemanden einweihen konnte. Jetzt, nach den Kampfhandlungen, muss es ans Licht kommen, was in Lindfurt geschah, und warum die Ballei Sengenberg Soldaten mit Schiffen gen Lindfurt, an der Grenze zu St. Aluin, landen ließ.... Im Mond der Besinnung, begaben die Edle Anwara von Hagenrich und ich, damals aus dem Orden entlassener .... auf den Weg zur Drachentrutz. Unser allergnädigster Fürst Waldemar hatte nach uns geschickt. Der Anlass war, wie sich herausstellte die Erhebung in den Baronsstand, und die Lehenübertragung der Baronie Lindfurt an mich.... Doch noch bevor wir die Abtei verlassen hatten, suchte uns ...... Es waren Bewohner der ....ogedischen Siedlungen am nördlichen Rand ....... Sie vertrauten mir, einem Ceriden, nachdem ich nach den Johlbrucker Markttagkriegen .... befriedete, und ich stets für ....in Lindfurt eintrat. Ein Beispiel hierfür war ..... Den Ogeden Lindfurts war zu Ohren gekommen, dass die Unruhen in der Ballei Sengenberg von einer Gruppe ....verursacht wurden, die sich in den Brazacher Höhen, also auf Lindfurter Boden verstecken.... In den Bergen bei der Lindfurter ...gibt es viele Höhlen.... in denen sie Unterschlupf fanden. Von hier aus zögen sie los, um in Sengenberg auf Raubzüge ... oder, um das Land zu verunsichern. Es sei.... wohl eine Splittergruppe ehemaliger Adveristen....
Die ... nahm ich gleich mit zum Fürsten auf der Drachentrutz, um .....gleich das weitere Vorgehen zu besprechen. In Lindfurt wieder angekommen, ließ ich die Soldaten ... in den Bergen... Quartier ... Mein Weg führte mich in die Ballei Sengenberg, um ...Wentorius von Waldhort .... zu unterrichten. Dieser sammelte ebenfalls seine Soldaten, ließ sie an der Grenze zu St. Aluin aufmarschieren, um einen Konflikt vorzutäuschen. ....  Gleichzeitig landeten Sengenberger Templer .....auf Lindfurter Boden an der Grenze zu St. Aluin und zogen ebenfalls in die Berge.... Am 10. des Fastenmondes, in den frühen Morgenstunden, hoben wir die schändliche Brut mit vereinten Truppen aus und setzten sie fest.... Mit Handschlag verabschiedeten wir die Sengenberger .... gemeinsam gegen einen Feind gezogen waren, dessen Anführer jetzt im Lindfurter Kerker verweilt....Wie mir aber zugetragen wurde, traf Euer Bote am Tage der Kampfhandlungen ein... und erreichte nur noch einen unfähigen Weibel, der Eurem Boten den Eindruck vermitteln musste, dass Lindfurt angegriffen .... Als ich am Abend des selben Tages erfuhr, ...schickte ich eiligst Boten ... Damit sie Euch, Baron Krator, rechtzeitig.....erreichen ... weshalb ...
Euch, Edler Baron Krator, muss ich ganz herzlich danken, dass Ihr mir, über die Glaubensgrenzen hinweg, .... Eure Hilfe uneigennützig angeboten habt. Seid meiner Hilfe gewiss, ...wenn ... Gern möchte ich Euch noch mal persönlich danken, ...zu Euch nach Rebenhain reisen.... So verbleibe ich ...Baron Alton von Lindfurt. ...Gegeben des Nachts am 10. Fastenmond in Lindfurt
Der edle Vogt hatte die Botschaft gerade so zu Ende verlesen, da brachen schon teils Gelächter, teils Rufe der Entrüstung aus. Wir braven Rebenhainer Traubenschützen sollten erst am nächsten Tage Genaues von all den irrwitzigen Possen und arglistigen Verkettungen des "Lindfurt-Sengenberg-Konfliktes" (siehe H-B 46, die Red.) erfahren. Mir jedenfalls war vorerst die Lust auf Kriegszug redlich verdorben und ich glaube den noblen Herrschaften erging es an diesem Abend ebenso. 
Als ich am darauffolgenden Tage aber dem edlen Vogte Rasekorn zufällig in die Augen sah, gewahrte ich ein unruhiges, zorniges Flackern, das mir wohlbekannt war...
 

Die fromme Nedae

Einst lebte in St Aluin ein junges und hübsches Kind mit Namen Nedae um das sich eine wahre Geschichte rankt. Geboren wurde das Mägdlein vor etwa fünfzig Jahren im Dorfe Brawen im Süden der Abtei, als Tochter wohlhabender Handelsleut, die noch die Vier anbeteten. Es gab sich aber, dass sie von ihrer Amme, die Ceridin war, im Sinne des Einen erzogen und unterrichtet wurde, so dass das Licht des Einen hell und kräftig in ihr leuchtete. Dies alles gewahrte aber eines Tages ihr Vater, was ihn aus übergroßer Angst vor Strafe seiner Götter dazu veranlasste, sein eigenes Kind fortzubringen und zu verkaufen. Der Mann der sie heimlich für viele Dukaten erwarb, wollte die hübsche Maid zum Weibe haben und bedrängte sie gar sehr, vor seinen Göttern die Seine zu werden. Als Nedae ihm aber aus Liebe zum Einen in diesem Ansinnen widerstand, hieb der wütende Mann dem armen Mädchen mit einem einzigen Schwertschlag den Kopf ab. Nun begab sich fürwahr Seltsames. Denn als das edle Haupt zu Boden fiel, erschütterte das die Erde rings um das Dorf und anstatt roten Blutes, ergossen sich helle Flammenzungen aus dem geöffneten Rumpfe der Jungfrau, die sich dann wie glutheiße Arme um den Todschläger schlangen und ihn in einem nie erlöschendem Feuer qualvoll verzehrten. 
In Nedae brannte offenbar das Licht des Einen mit solch einer Kraft und Macht, dass es dem Manne zum gerechten Verhängnis wurde.
Seit dieser wahren Begebenheiten, ist es schon oftmals geschehen, dass jungen, wollüstigen Männer ein in Flammen gehülltes Mägdlein erschienen ist, um sie daran zu erinnern, Friede und Eintracht zu wahren gegenüber den Frauen.
Lob und Dank dem Einen!
Bruder Eberus, Schreiber der Klosterabtei "Heilig Aluin",
am 17. Tag des Kargmondes 93 n.d.E

Der Brief - Aufruhr in Hochaskenstein

Als Bruder Waikart am 30. Tage des Wonnemonds die hochaskensteiner Klosterkirche zu St. Gessius zur Abendmesse betrat, stolperte er im Halbdunkel fast über seinen Beichtvater. Prior Luitga Gratian lag besinnungslos mitten im Kirchenschiff auf dem Boden. In seiner Hand lag zerknüllt ein Bogen Pergament, auf seinem Gesicht stand blankes Entsetzen. Beunruhigt entzog der Mönch dem bewusstlos Daliegenden das Schreiben und las recht laut vor, was er zwar nicht absichtlich tat, nichtsdestotrotz seine Wirkung bei den hinter ihm hereinströmenden Menschen nicht verfehlte. Mit offenen Mündern standen sie da, im Moment unfähig, sich des armen Priors anzunehmen. 

Rasekorn vom Schinderteich, Vogt zu Störenweiler grüßt Abt Erlind von Hochaskenstein

Ehrwürdiger Vater! 

Schon über ein Jahr ist es her, dass ich Euch in meiner Vogtei begrüßen durfte, so entbiete ich Euch Grüße und Segenswünsche verbunden mit der Hoffnung, auf ein baldiges freudiges Wiedersehen. Durch Zufall wurde mir zugetragen, dass in Hochaskenstein, an der Grenze zu Jolbenstein, ein altes vergessenes ogedisches Heiligtum liege. Da ich der Nachricht nicht trauen mochte, und keine unnötigen Aufregungen verursachen wollte, beschloss ich, es selbst in Augenschein zu nehmen, und tatsächlich fand ich im Dorf Sichelfeld, nicht weit von der Grenze einen alten, wohl Saarka geweihten Schrein. Da dass Dorf keine Ceriden beherbergt, und somit ein Streit nicht erwartet werden muß, beschloss ich, auf Eurer großes Verständnis in Religionsdingen bauend, und um Eure Achtung für das königliche Toleranzedikt wissend, den Schrein aus eigenen Mitteln wieder errichten zu lassen.
Da Eure Weisheit noch bekannter ist als Eure Güte, bin ich sicher, Ihr werdet in meiner Anstrengung nicht eine Provokation sehen, sondern, wie ich, einen Beitrag und ein Zeichen zur Versöhnung zwischen den Religionen in der angespannten Lage Drachenhains. Ich hoffe daher, dass Ihr den Bewohnern des Dorfes fernerhin gestattet, den Schrein in Ehren zu halten, für dessen finanzielle Absicherung ich gerne aufkommen will.
Werde ich rasche Antwort von Euch erwarten dürfen, so wird sie mich noch vor meiner Abreise in die Heimat hier erreichen können.
 
Mit den besten Wünschen und untertänigstem Gruß
Rasekorn vom Schinderteich - Gegeben zu Sichelfeld im 3. Poena 30 n. A. III


Bruder Waikart, sichtlich um Fassung ringend - auch er schwankte nun zwischen Wachen und Ohnmacht -  besann sich letztlich. Zuerst schickte er die neugierige Menge von Hausleuten und Bediensteten fort, dann versetzte er Prior Luitga Gratian ein, zwei und noch eine dritte, gehörige Backpfeife, bis sich der würdige Herr endlich wieder regte. Binnen Augenblicken wusste der wiedererwachte Prior, und Stellvertreter des Abtes Erlind Hilarian von Hochaskenstein, was geschehen, und vor allem, was nun am dringlichsten zu tun war. Umgehend wurde dem abwesenden Herrn des Landes ein berittener Eilbote in die benachbarte Abtei St. Aluin entgegengesandt, wo man den Abt am Krankenlager des Drachenhainer Bischofs Ceridian Aegidio wusste. 
Kaum eine Woche war ins Land gezogen, da kam Abt Erlind auch schon eilends angereist. Prior Luita Gratian versuchte indessen die hochaskensteiner Gemüter zu beruhigen, die Kenntnis um Brief und Inhalt, hatte sich binnen kurzen in der gesamten Abtei herumgesprochen und die streitbaren Hochaskensteiner Menschen zu tiefst erregt. Einzig das Eintreffen des gestrengen Abtes, verhinderte einen Vergeltungszug gen Sichelfelden oder ins benachbarte Rebenhain.

Elsen vom Waxstein, freier Schreiber

Die Sichelfelder Kontrahenten - Begegnungen in Hochaskenstein

Es ist der 15. Tag des 2. Helios, um die Mittagszeit. Die Hitze ist drückend. Heiße Luft steht wie in einem Backofen. Bäuchlings liege ich im Kettenhemd, das gezogene Schwert in der Hand, auf dem trockenen Waldboden. Neben mir, ein anderer Knappe, er jedoch nicht wie ich ein Traubenschütze, sondern der Ritterschaft des Lichtes aus Jolbenstein zugehörig. Unweit erkenne ich auch, auf einem Baumstumpf kauernd, einen edlen Ritter des Lichtes - ich meine, es ist sogar der edle Ritter Benedikt. Entschlossen und fest blickt er auf die kleine Anhöhe, nahe des Ortes Sichelfelden, die wir zu beobachten haben. Verspürte ich eben noch Furcht, so ist diese nun gänzlich fortgeblasen. Ich richte mein Augenmerk nun wieder auf meinen Herrn, den Vogt Rasekorn von Störenweiler, der da allein inmitten der Lichtung steht und auf seinen "Gast" wartet. Weit hinter ihm, am Rande des Dorfes, ist der Seilzug zu erkennen, an dem die schweren Steinquader an den rechten Ort placiert werden. Der Wiederaufbau des alten, schändlich verwahrlosten Saarkatempels ist schon merklich vorangeschritten. Die Arbeiter sind in den vergangenen Wochen wahrlich nicht faul gewesen. Gestern haben wir alle, jung wie alt, feierlich den Eid geleistet, diesen Schrein im fremden Land mit Leib und Leben zu schützen und zu bewahren. Die aus Jolbenstein angereiste Saarkani, hatte mir sogar wohlwollend auf die Schulter geklopft -oh, wie wunderbar das gewesen war! Es vergehen zwei Atemzüge, da trifft nach beschwerlichem Ritt, endlich Abt Erlind Hilarian von Hochaskenstein, auf meinen edlen Vogt. Die beiden hochgestellten Männer führen etwa gleich viel Soldaten mit sich - optisch herrscht Gleichstand. Uns, hinter den Büschen und Bäumen verborgen, nicht eingerechnet. Eine Sicherheit, die mein kluger Herr sich für den absoluten Notfall nicht hatte nehmen lassen. Banner nähern sich, die bunten Stoffe hängen, in Ermangelung eines Windes, schlaff herunter. Im Schatten des Abtes, reitet ein an Jahren noch junger Mann, Flecken an Händen und Kleidung, weisen ihn als Schreiber aus. Vogt Rasekorn scheint er bereits bekannt zu sein. Der Abt, in der behandschuhten Hand ruhig die Zügel führend, blickt recht gleichmütig. Geradezu aufreizend gleichmütig, wie ich finde. Vogt Rasekorn mustert die Ankömmlinge - inzwischen auf lanzenstossweite herangekommen - abschätzend. Lange Zeit herrscht Schweigen. Der Vogt von Störenweiler lässt seinen Blick zu uns herüberschweifen. Dann stehen sie einander direkt gegenüber. Vom Pferd aus begrüßt der Vogt den Abt vernehmbar mit freundlichen Worten: "Ehrwürdiger Vater welche Freude euch endlich wiedersehen zu können. Ich hoffe, Ihr hattet einen angenehmen Ritt?" Dann steigt er ab, nimmt das Pferd des Abtes am Zügel und sagt: "Gestattet mir, euch zu meiner bescheidenen Unterkunft führen zu dürfen. Es ist das Haus des alten Bürgermeisters, das er mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Ich habe dort einige Erfrischungen vorbereitet." Der Abt nickt huldvoll, verzieht dabei aber immer noch keine Miene. "Ein langer Ritt war es, wenn auch ein angenehmer", erwidert er mit ruhiger, fast sanfter Stimme. "Über eine Erfrischung würde ich mich freuen." Dann setzt er quasi im Plauderton hinzu: "Wie geht es denn dem alten Horasio? Ich hörte, seine Gicht macht ihm zu schaffen." Als Rasekorn seinen Gang unbeirrt, aber wortlos fortführt, setzt Abt Erlind nach: "Das ist der Bürgermeister von dem ihr spracht. Wirklich ein freundlicher Mann, nicht wahr?" Die Männer kehren erst aus der Behausung des entfleuchten Bürgermeisters, als die Sterne hell und klar über ihren Häuptern prangen - es scheint alles gesagt, ein Vergleich wurde offenbar erzielt. Enttäuscht stehe ich auf, bewege ich meine steifen Glieder, wie gerne hätte ich an der Seite der Jolbensteiner gekämpft.
    Palefried, Soldat im Kommando der Störenweiler Traubenschützen
Für den Seemann, den Händler oder den Bauer
Unsere Tücher, Gewerke und Seile sind in ganz Heligonia bekannt.

Höret, höret!

Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben, in Sachen des ceridischen Pilgerzuges in seinem Lande, kundt und zu wissen:
 

Primo: 

Das Pilgern ist - wie uns der Heilige Hilarius wies - Grundzug des ceridischen Glaubens und fällt somit unter das Toleranzedikt des Königs. Der Baron, der dem Zug etwa die Durchreise durch sein Lehen verwehrt, macht sich schuldig! Ebenso wird jeder, ob Mann, Weib oder Kind, hart bestraft werden, so er einem Pilgern mit Absicht ein Haar krümmt!
 

Secundo:

Den Teilnehmern des heiligen ceridischen Pilgerzuges ist es fürderhin bei Strafe verboten, in Drachenhain Bäume, Felsen oder ähnliches, mit Zeichen oder anderem Schnitzwerk zu versehen.
Stattdessen wird sich das Fürstenhaus Drachenhain daran machen, alle Wege und jedwede Straße, die vom Pilgerzug beschritten wurden, zum Gedenken daran mit kleinen beschrifteten Merkmeilensteinen zu versehen.
 

Tertio:

Die Weibsperson, die allenthalben nur Saleena die Hex genannt wird, hat sich für ihre neuerliche Attacke gegen das Ceridentum in Drachenhain und ihren Anschlag auf das Leben unschuldiger Menschen zu verantworten. Unsere Nachsicht hat nun ein Ende. Wir werden Vorkehrungen gegen ihr langjähriges, unverantwortliches Schalten und Walten in unserem Land in die Wege leiten!
 

Quarto.

Unseren Willen durchsetzen soll ein Trupp sengenberger Templer, der fürderhin den Zug auf seinem Weg nach Betis begleiten und bewachen soll.
Fürst Waldemar von Drachenhain
Großes Ogedisches Fest in Sarniant
Lange angekündigt war es, und viel Geheimnis wurde darum gemacht. Am Vollmond des 3. Helios wurden in Sarniant endlich die Schleier gelüftet: Das große dreitägige Fest zu Ehren der Götter konnte beginnen!
Zahlreiche Gäste waren bereits in der Stadt am Brazach eingetroffen:  Fürst Waldemar selbst, Prinzessin Celia und eine hochrangige Abordnung aus Thal, fast der gesamte Ogedenbund, Generalzeugmeister Jareck von Jolberg aus Ostarien und zahllose Geweihte und Erwählte aus allen Teilen des Landes gaben sich die Ehre. Kein Wunder, dass sich viel Volk einfand, um einen Blick auf die illustre Gesellschaft zu werfen! Besonders die prächtigen Schiffe, die im Hafen lagen, waren ein beliebter Anziehungspunkt für Jung und Alt.
Besonderes Aufsehen erregte bereits zu Beginn der Einzug der Geweihten. So hatten sich viele von ihnen bei der Anreise zusammengeschlossen und kamen nun in großen Gruppen in die Stadt, gekleidet in herrliche Festgewänder und geschmückt mit Kränzen und Blumenbögen.
Wer die Ehre hatte, abends beim großen Festessen in der Burg anwesend zu sein, wurde Zeuge einer berührenden Versöhnung zwischen Fürst Waldemar und Syria Jaldis. Hatten zuerst Bedenken bestanden, der alte Herrscher würde Groll gegen seine Tochter hegen, die beim Adelstag zum Ogedentum konvertiert war, so schloss er sie zum Erstaunen aller liebevoll in seine Arme. Seiner Nichte Josephina überreichte er eine wertvolle Granatbrosche seiner verstorbenen Frau Richilis. Über den Sohn Leomar, der nur eine Gesandtschaft aus Emarania geschickt hatte, fiel allerdings kein Wort.
Früh am nächsten Morgen wurden die Gläubigen durch den Klang der großen Hörner geweckt, der laut über Sarniant und den Fluss hallte. Das feierliche Ritual bezeichnete den Höhepunkt des Festes und wurde nach einem uralten und fast vergessenen Ritus gefeiert, nach dem sich Baronin Josephina stellvertretend für alle Einwohner symbolisch mit ihrem Land verband. In einer Ansprache rief sie alle Gläubigen zu Mut und Vertrauen in die Götter auf und ermahnte sie mit einem Blick auf das zur Zeit so schwer geprüfte Thal, das eigene Wohlergehen niemals als selbstverständlich hinzunehmen.
Nach dem Ritual formierte sich ein großer Festzug hinunter zum Marktplatz: Aus dem Schrein fuhren vier Wagen, auf denen in herrlichster Weise die vier Götter dargestellt waren, begleitet von Geweihten, die feierlich ihre passenden Attribute vorantrugen. Zwischen den farbenprächtigen Götterwagen gingen die Stadthonoratioren und die Gilden, die Adeligen fuhren in blumengeschmückten Kutschen.
Fürst Waldemar, der nicht am Ritual teilgenommen hatte, erwartete den Zug auf einer Tribüne, die am Marktplatz errichtet worden war. Dort fand nun vor aller Augen das wunderbare und stimmungsvolle Mysterienspiel von der Erschaffung der Welt statt. Das Volk stand dichtgedrängt, und besonders der Drache Crelldinor wurde sehr bewundert, als er beeindruckend mit den Flügeln schlug. Zeugen wollen beobachtet haben, dass sich sogar Fürst Waldemar eine Träne der Rührung aus den Augenwinkeln gewischt haben soll...
Am Nachmittag fand  auf der Festwiese, auf der es unzählige Stände und Vergnügungen zu sehen gab, das alljährliche Sarnianter Pferderennen statt. Dabei waren nicht nur spannende Galopp- und Wagenrennen zu verfolgen, sondern auch Geschicklichkeitsturniere wie das Ziehen von schweren Holzstämmen um Hindernisse.
Am dritten Tag schließlich feierte man das Brückenfest: Fürst Waldemar und die Thaler Abordnung trafen sich genau in der Mitte der Brücke und schüttelten sich freundschaftlich die Hände. Immerhin ist es erst ein Jahr her, dass die Brücke wieder geöffnet wurde, nachdem sich beide Länder so sehr zerstritten hatten... Die beiden Nachbarn tauschten Reden und Geschenke aus, und ein mit Perlen verzierter Silberteller wurde als Weihegabe an Xurl dem Fluss übergeben.
Nach diesem Festakt begann ein kleines Bootsrennen vom Schrein durch die Brücke bis zum Hafenkai. Die beiden stärksten Parteien waren dabei die Treidler und die Fischer, beide manövrierten sich geschickt über die Brückenstrudel, und nach einer knappen Entscheidung durften die Fischer den Siegerpokal entgegennehmen.
Für einen kleinen Kreis fand im Hafen jedoch noch ein Ereignis statt, das für die Zukunft Wolfenfelds und Drachenhains von großer Bedeutung sein dürfte: Auf Fürst Waldemars Wunsch wird den Hafen von Sarniant zum Flottenstützpunkt Drachenhains und Handelshafen im Norden des Fürstentums ausgebaut werden. Waldemar ließ  es sich dabei nicht nehmen, in einem feierlichen Festakt den ersten Spatenstich und die Grundsteinlegung vorzunehmen.
Einen bitteren Beigeschmack erhielt dieser letzte Programmpunkt des Festes jedoch durch einen Zwischenfall, der von Saleena, Erwählte der Saarka, provoziert wurde. Obwohl sie wusste, in welcher Gefahr sie schwebte, griff sie Fürst Waldemar vor aller Augen mit harten Worten an. Dieser ließ die Saarkani sofort verhaften und brach noch in der selben Stunde mit der Gefangenen wutentbrannt zur Drachentrutz auf. 
Trotz dieses misslichen Ausklangs wird das Fest wohl allen Gästen als leuchtendes Zeichen ogedischen Glaubens in langer und lebhafter Erinnerung bleiben.
Brennus Palimpsest

 

Ein Fest für den Glauben

Für alle Brüder und Schwestern, die nicht in Sarniant zugegen sein konnten, möchte ich, Romena Tochter des Xurl, beschreiben, was im Schrein vor sich ging und was danach geschah. 
Unser Schrein war schon Tage vorher festlich mit Blumen geschmückt worden, alles blitzte und blinkte vor Sauberkeit. Die großen Stelen waren ebenfalls mit Girlanden umwunden und dazwischen standen die Feuerschalen. Im Morgengrauen erklangen die Hörner, und ihr Ruf hallte weit über die Stadt und den Fluss. Baronin Josephina hatte die ganze Nacht an der Quelle gewacht und gefastet. Nach einem Bad halfen wir ihr, das kostbare Gewand aus fließender blauer Seide anzulegen. Als die Sonne aufging, zogen wir und alle anderen Geweihten feierlich in den Schrein ein und das Ritual konnte beginnen. 
Zuerst trat Saleena, Hochgeweihte der Saarka in den Kreis und deklamierte das Hohe Lied der Saarka. Auch ich selbst hatte es noch nie zuvor gehört, da es sehr selten in der Öffentlichkeit gesungen wird. Wir und alles anwesende Volk, das es nun hören konnte, waren zutiefst berührt und voller Erfurcht. Darauf entzündeten Saarkani die Feuerschalen. So verharrten wir stumm und in Andacht, bis sich das Antlitz des Herrn der Gerechtigkeit über das Land erhob. Lordkanzler und Heliosgeweihter Vergenhans trat nun in die Mitte, entzündete das Altarfeuer  und trug mit lauter und fester Stimme das Hohe Lied Helios’ vor, und alle wurden ergriffen von der Schönheit und Majestät unseres Gottes und bejubelten sein Erscheinen. Nun trat Josephina selbst in den Kreis, benetzte den Altar mit Wasser, und ihre helle Stimme trug das hohe Lied Xurls davon über die Menschenmassen und hinaus auf den Fluss. Auf ein Zeichen hin warfen zwölf Xurgeweihte heiße Steine in verborgene Wasserschalen, und plötzlich erhob sich lautes Zischen und Fauchen, und Wasserdampf und Nebel hüllte uns alle ein. Nun trat Svenja, Geweihte der Poena in den Kreis und stimmte das Hohe Lied Poenas an. Da erhob sich aus dem Boden eine Gestalt, die eine Maske und ein grünes, mit Blumen geschmücktes Gewand trug. Das Haupt war mit Blumen und Perlenschnüren umkränzt, und ein Raunen ging durch die Menge.
Josephina trat hinzu und warf sich vor der Gestalt auf die Knie. Diese hob sie auf und führte sie vor Svenja, die das Paar nach altem Ritus traute. So schwor Josephina, einem Lehenseid gleich, das Land zu ehren und zu beschützen und ihm treu zu bleiben. Ebenso versprach das Land, darauf zu achten, dass der Boden wächst und gedeiht, und dass kein Unheil für die Bewohner aus ihm entstehe. Beide besiegelten den Bund mit einem Kuss, und Svenja segnete das Paar wie es Brauch ist. Dies geschah, damit alle wissen, dass Land und Menschen eins sind und niemals getrennt werden können! Denn wer sie trennt, bricht den Bund mit den Göttern, und dies wird zu aller Schaden sein und ins Unglück führen. Doch alle, die die Viere ehren, sind mit dem Land verbunden, und kein Unheil wird sie erreichen!

Ich selbst erhielt nun die Ehre, zusammen mit den anderen Geweihten, das Totengedenken zu sprechen und danach das Bittgebet für seine Majestät, unseren König. Nachdem der große Segen gesprochen worden war, erklangen wieder die Hörner, und die Geweihten zogen vor den Schrein, wo bereits die festliche geschmückten Wagen warteten. Josephina geleitete die grün gewandete Gestalt zum Wagen Poenas und begab sich selbst auf den Wagen Xurls. Dann setzte sich der farbenprächtige Zug in Bewegung und das Volk schloss sich ihm an, hinunter in die Stadt.

Romena, Tochter des Xurl

 

Ceridischer Pilgerzug erreicht Baronie Lindfurt

Es soll nun erzählt werden vom Zug der Ceriden durch das Drachenhainer Land, dessen letztes Ziel im Fürstentum, die noch junge Baronie Lindfurt sein sollte.
 

Der Empfang

Schon von weitem waren die Pilger zu sehen. Am Nachmittag des 1. Rebenmondes erreichten sie müde und staubig den Schlagbaum an der Grenze zwischen St. Aluin und Lindfurt. Den ganzen Weg waren sie zu Fuß von der Hochlandbaronie Gaeltacht aus, über die Feste Drachentrutz und dann via Ballei Sengenberg und Hochaskenstein, nach St. Aluin gelaufen. Die Menschen waren von Weg und Anstrengung arg gezeichnet, nicht wenige kamen nur noch humpelnd voran. Wie wohltuend war es da, sogleich nach dem Überschreiten der Grenze, vom guten Baron Alton von Fichtenhau, den Herrn des Landes, empfangen zu werden. Da sie viele Entbehrungen in Kauf genommen hatten, sah es der Baron als seine Aufgabe an, die abgemagerten Pilger höchstselbst "ihrer Bettelmönchskutten zu entledigen". Als Gastgeber der Pilger umarmte er die ersten Dutzend herzlich und reichte ihnen frisches Quellwasser in Tonbechern. "Fromme Pilger, im Namen aller Lindfurter heißen wir Euch herzlich in unserem schönen Lande willkommen!" In seiner kurzen Rede setzte er die Menschen über den weiteren Verlauf des Zuges in Kenntnis und wünschte "...Dass ein jeder in Lindfurt finde, wonach auch immer er sucht!" So erquickt und wieder zu neuen Kräften gekommen, gab es für den Pilgerzug kein Halten mehr. Baron Alton schritt dem Zug voran und geleitet die Menschen zum ersten Halt. Auf der ersten großen Wiese in der Barthalmer Senke, hatte seine Hochwohlgeboren ein großes Feldlager aufstellen lassen. Für dieses Ereignis hatte die Lindfurter Tuchmacherzunft einhundert neue Feldzelte aus bestem Lindfurter Leinen gespendet. Gerade noch rechtzeitig waren die gestickten Ceridenkreuze an den Stirnseiten fertiggeworden. Als die Pilger das Lager sahen, waren viele von ihnen sprachlos. Hatten sie doch bisher auf dem nackten Boden geschlafen, sich von trockenem Brot ernährt und ihre baren Füße zerschunden, so sollte sich das jetzt ändern. Jedem, der das Lager betrat, überreichte Baron Alton von Fichtenhau und seine Frau Anwara von Hagenrich selbst ein paar Flachsschlappen. Die Bader der Stadt Lindfurt hatten es sich außerdem nicht nehmen lassen Zelte, mit dampfenden Zubern darin, aufzubauen, um die Pilger zu waschen und anschließend ihre Wunden an den Füßen zu pflegen. Währenddessen umgab der Geruch von gebratenem Schweinefleisch die Ankömmlinge, es wurde von den fröhlichen Menschen eilends aufgetischt. Die Holztische bogen sich wahrlich vor übervollen Platten mit krustigem Schweinsbraten und dampfendem Kraut. Roter Wein strahlte im Sonnenlicht gleich Rubinen. Nach dem Abendmahl wurde die Messe auf einem Feldaltar gehalten. Aufsehen erregte die Brokatdecke auf dem Altar, gefertigt in der Kunststickerei der Abtei zu Lindfurt. Zahllose Ornamente und Symbole, fein mit goldenen Fäden bestickt, waren zu bewundern. Gemeinsam dankte man dem Einen gebührend für den bislang unbeschadeten Verlauf der Reise. Hernach wurde einem jedem Pilger sein Platz in der Zeltstadt zugewiesen. Die Zelte bestanden, wie gesagt, aus reinem Lindfurter Leinen und waren mit feinen Schilfmatten ausgelegt. (Ein erstauntes Raunen machte die Runde, als offenbart wurde, dass die Zelte den Pilgern als Geschenk gemacht wurden). Danach setzte man das Schmausen fort. Die Pilger aßen maßvoll, aber mit gesundem Appetit und auch dem Wein wurde in gebührendem Maße zugesprochen. Lange saßen die Menschen nach dem Essen beieinander und unterhielten sich. Viel wurde noch an diesem Abend über das Wirken des Einen, und den reichen Empfang des Pilgerzuges in der Baronie Lindfurt gesprochen. Gab es doch auch Stimmen, die es für sündhaft hielten, einen Pilgerzug zu mästen, gleich "einem fetten Schwein". Alle waren sich aber einig, dass so etwas eben nur in Lindfurt geschehen konnte. Es ging recht lebhaft her, bis ein heftiger Platzregen die Tafelei im Nu beendete. Schon in dieser ersten Nacht zeigte sich die hohe Qualität der neuen linnenen Behausungen, kein Fuß, kein Fetzen Stoff ward in der Nacht nass geworden.
 

Dreisprung

Am nächsten Tag stand die Besteigung des Berges Dreisprungs an. Von jeher war die Anhöhe ein ceridischer Pilgerort gewesen. Kleine Täfelchen führen dort dem interessierten Wanderer farbenreich und kunstfertig die Lebens- und Leidensgeschichte so mancher heligonischen Heiligen dar. Außerdem entspringen dort die Lindfurter Flüsse Jole, Lind und Bart. Gegen Mittag war es endlich soweit, dass die ersten Wanderer, in ihrem Schweiße stehend, das sehenswerte Bergplateau erreichten. Zur Freude und Überraschung aller, warteten dort auch Bedienstete mit erfrischenden Speise und kühlem Trunk auf die ermatteten Menschen. Es dauert nicht lang, da war ein jeder Pilgersmann wieder gestärkt und ausgeruht. Es folgte nun die feierliche Enthüllung des neuen Gipfelkreuzes, das eigens zu diesem hohen Anlass aus bester Eiche gefertigt worden war. Die sehr hochstehende Sonne, beschien das helle Holz gerade so, so dass die Menschen fast geblendet wurden. Enthusiastisch wurde hierauf die tägliche Messe abgehalten - bis nach Drispalten sollen die Choräle und Lobpreisungen zu hören gewesen sein. Derart erbaut, fiel den Pilgern der Abstieg und der weitere Weg entlang der Lind bis zur Stadt Lindfurt, von Herzen leicht, keiner klagte in den nächsten Tagen über das Tempo oder über die wunden Füße.
 

Lindfurt


In der Hauptstadt der ehemaligen Abtei und heutigen Baronie angekommen, wurden die staubigen Pilger durch Bürger der Stadt stürmisch in Empfang genommen. Fähnchen und Girlanden waren von überall her zu entdecken, die geschmückt waren mit dem ceridischen Kreuz oder dem Namenszug namhafter Teilnehmer, wie beispielsweise "der gute Vater Adrian" oder "Seine Hochwohlgeboren, Baron Richard". Als man den Alten Markt betrat, folgte an den Stadtbrunnen reinigende Waschung. So manches abgewetztes Hemd wurde gegen ein neues für wenig Geld eingetauscht. Zahllose Bänke und Tische waren hier hinaus auf die Straße gestellt worden. Als Speise wurden duftende Schüsseln mit besten Brazachforelle und frischem Brot aufgetischt, Wein und Minztee, kühlten die ausgedorrten Kehlen. Nachdem man sich etwas gekräftigt hatte, zogen die Pilger hernach über die Klosterinsel weiter zum Domplatz: Allen war recht feierlich zumute, denn stolz und groß war der mächtige Dombau weithin zu sehen. Da leider nicht alle Menschen auf einmal im schönen Dome Platz fanden, wurden kurzerhand mehrere Messen nacheinander abgehalten. Als der Zug dann weiter durch die Stadt, hin zum neuen Hafen schritt, stürzten hin und wieder unglückliche Pilger, aufgrund des Gedränge auf den Brücken, ins kalte Nass der Lind. Glücklichweise konnte ein jeder aber wieder herausgefischt werden, wie durch ein Wunder kam kein Mensch zu mehr Schaden, als einem harmlosen Schnupfen. Beim Anlegesteg im neuen Hafen ging es so eng zu, dass beinah der dort befindliche Xurl-Schrein in Mitleidenschaft gezogen wäre. Die Hafenwacht stellte sich schützend gegen die drängende Menge, Hier erfolgte feierlich und unter freiem Himmel, die Segnung der neuen Schiffe Anwara I und II. Einmal mehr, war zum Ärgernis vieler zu beobachten, wie sich Abt Salvianus von St. Aquarius und Domherr Pater Linius versuchten, in ihren Reden zu übertrumpfen. Der peinliche Zwischenfall endete unrühmlich in einem lauten Streitgespräch der beiden, das Baron Alton mit gestrengen Worten einfach unterbrach. Schließlich legten zur achten Stund am Abend - wie vereinbart - die Schiffe aus der benachbarten Freien Reichsstadt Betis am neuen Hafen an, um den heiligen Pilgerzug sicher über den Brazach, zum nächsten Ziel der Pilgerfahrt zu fahren. Tränenreich gestaltete sich der Abschied, aus Fremden waren Freunde geworden. Unzählige Lindfurter, die eigentlich nur innerhalb ihrer Baronie mitzuziehen beabsichtigt hatten, schlossen sich kurzentschlossen den Pilgern an. Mit salbungsvollen Worten, wünschte Baron Alton und seine Gemahlin Anwara, den Menschen von Herzen alles Gute und den Segen des Einen auf all ihren weiteren Wegen. Noch Tage sollte es dauern, bis in der Stadt endlich wieder zur gewohnte Geschäftigkeit und Emsigkeit zurückkehren konnte.

Tratschmunde Tuscher,
Freie Schreiberin des Goldenen Lindfurter Minzblatts

Die Weihe des wiederentdeckten Heliosschreins zu Jolbruck

Dichte Nebelschwaden schmiegen sich um die Häuser und Tempel Jolbrucks. Der Morgen scheint kühl, noch kann man Helios erste Strahlen kaum erahnen. Da erspäht das wache Auge hell und edel gekleidete Menschen in den Straßen, Menschen die nicht an jedem Tag um diese Zeit unterwegs sind. Sie tragen Kerzen in den Händen und Schalen mit Licht. Leiser Gesang zu Helios steigt empor. In den hinteren Reihen scheinen - das Auge wundert sich - zwei Gestalten auch ein Kreuz zu tragen. Ihnen folgen eine große Zahl anderer Menschen, die einfacher gekleidet scheinen, aber nicht schäbig.
Das Ziel dieser Menschen ist die Hochschule zu Jolbruck. Seltsamerweise scheint sich der Nebel zu lichten, je näher sie dorthin gelangen. Das Auge sieht bekannte Heligonier, Adlige, die das Gelände der Hochschule betreten und schließlich das Gebäude, wo der alte Heliosschrein wiederentdeckt wurde. Das Gros der Menschen, einfache Jolbrucker Bürger bleibt draußen. Am Eingang stehen bleiben auch die beiden mit dem Kreuz. Sie sind jetzt zu erkennen - es sind Alton und Anwara von Fichtenhau!
Jefferindell Karelia von Jolbenstein, der Heliosgeweihte der Hochschule Magister Metabor und Halbrecht, der Helioshochgeweihte des Jolbrucker Tempels, sind die ersten, die den Schrein selbst betreten. Die weiteren Gäste sammeln sich im Rund. Auch sie sind jetzt zu erkennen. Prinz Anselm von Thal steht neben Johannes Vergenhans von der Unversität Cambrück. Die Hochländer bilden eine Gruppe - Cailleen McGodfrey aus Gaeltacht, Foranan McDonough aus Flaitney und Koldewaiht von Hautzensteyn. Mehr noch wird das Auge aber angezogen von anderen Hochländern, die sich in letzter Zeit rar gemacht haben: Tallrim Stabschwinger steht breitbeinig da mit vier hochgewachsenen Angaheymerinnen, die zuvor eine halbe Waffenmanufaktur sorgsam vor dem Schrein deponiert haben. Daneben stützt sich Josephina von Wolfenfeld elegant auf ihren Geweihtenstab, neben sich den Sprecher der Ogeden von Lindfurt. Krator von Rebenhain und Samira von Silberlauf halten sich an der Hand. Nicht zu übersehen sind auch die Männer des Freien Ritterordens des Lichts: Kathal Ensyrion der Scientius Primus, Ritter Benedikt und weitere Recken.
Sieben mal sieben Schritt misst der Schrein, kunstvolle Fresken bedecken die Wände.
Gemeinsam beginnen die Baronin und die Heliosgeweihten ihren Gott zu preisen. Metabor zeichnet Symbole in eine große Schale mit Räucherwerk, das sich langsam entzündet; Halbrecht spricht uralte Worte zur Weihung eines Schreins. Plötzlich bricht Helios Licht durch die Kuppel über dem Schrein. Die Kerzen flackern hoch, der Rauch aus der Schale wird gleißend hell und steigt zur Kuppel empor. Nichts ist übrig geblieben vom Nebel. Auf dem Gelände der Hochschule tönt Jubel; im Schrein selbst herrscht tiefes Schweigen.
Später am Tag lädt Jefferindell Karelia zu Speis und Trank in ihr großes Herrenhaus. An die Bedürftigen wird besonders gedacht; die Jolbrucker Brotküche liefert edelsten Fisch und feinste Backwaren und der Wein fließt aus Flaschen, deren Etiketten Helios lange nicht mehr gesehen haben. Jedermann darf auf der Straße mitfeiern. Endlos scheint der Tag, als würde Helios selbst ihn ausdehnen. Mit seinen letzten verglimmenden Strahlen aber endet das wunderbare Fest. Nur die Erinnerung bleibt fest eingegossen in den Köpfen derer, die Weihe erleben durften. 
 
 

Josephina von Wolfenfeld, Jefferindell Karelia von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn auf der Drachentrutz

Nach dem Skandal auf dem Sarnianter Fest um den Totschlag an mehreren fürstlichen Wachen durch die Saarkani Saleena und nach der abrupten Abreise Fürst Waldemars von Drachenhain glich Sarniant einem Bienenstock, in den jemand einen Ast gebohrt hatte. Die vielfältigsten Diskussionsfetzen und Scheltworte durchfegten die Straßen der Stadt wie aufgeregtes, zorniges Surren und es gab genügend Leute, die allzu gerne jemand gestochen hätten - wenn man sich nur einig gewesen wäre, wen. 
Die meisten Adligen diskutierten ebenfalls, wenn auch nicht auf der Straße. Manche reisten noch am selben Tage ab, andere blieben noch eine Nacht und ritten oder fuhren nach knappem Frühstück in Richtung ihrer Burg. Dreien stand der Sinn jedoch nicht nach heimischem Herd. Die Gastgeberin Josephina von Drachenhain, Baronin von Wolfenfeld, Baronin Jefferindell Karelia von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn, der Baron von Luchnar, ritten im Eiltempo in Richtung der Feste Drachentrutz und wurden von ihrem Landesherrn, Fürst Waldemar auch empfangen.
Noch am gleichen Tag verließen die Barone die Feste wieder.Die Gesichter der drei Barone waren undurchdringlich und es bleibt unbekannt, was sie beim Fürsten erfahren hatten, ob sie überhaupt etwas erfahren hatten und was genau ihr Ansinnen war. Aus der Umgebung der Barone hörte man nur das Gerücht, sie schwiegen sich über ihren Aufenthalt selbst gegenüber ihren engsten Vertrauten aus. Die Baronin von Jolbenstein ritt von der Dreachentrutz aus Richtung Jolbruck. Von Hautzensteyn begab sich jedoch nicht zurück in seine hochländische Heimat, sondern begleitete die Herrin von Wolfenfeld zurück nach Sarniant
 
 

Besuch in Angaheym 

Eine knappe Woche nach dem Sarnianter Fest ritt eine kleine Gesandtschaft aus vier Luchnern den schmalen Weg nach Angaheym hinauf. In Sarnaint wurden Wetten abgeschlossen, ob die Hochländer wohl zurückgewiesen würden, doch ließ man sie offenbar anstandslos passieren. Einige Tage hernach kehrten sie zurück, jedoch fehlte ein Mann. Auf die Frage, wo der Druidh geblieben sei, antwortete der luchnische Baron: "Man hat ihn in Angaheym brauchen können." Insgesamt blieben er und seine Begleiter aber recht wortkarg. Ja, man habe mit Nial gesprochen. Ja, man könne verstehen, dass die Angaheymer sich zurückzögen. Nun, es seien verschiedene Probleme. Nein, darüber zu debattieren, dass müssten die Angaheymer schon selbst beginnen. Mehr könnten sie jetzt darüber nicht sagen.
Mit dieser unbefriedigenden Auskunft blieben sämtliche Fragenden zurück.
 

Samt, Damast und Brokat, 
Kunststickereien und Stoffveredelung

Eylhardt von Esclarmond rückt mit 150 Mann nach Luchnar - die Hochlandbaronie erneut an der Grenze des Krieges?

Mondelang war Eylhardt von Esclarmond wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt kehrte er mit 150 Mann bewaffneter Begleitung zurück und konnte zur Überraschung vieler von der Drachentrutz aus mit seiner Truppe unbehelligt auf seine Burg Esclarwehr ziehen. Weder wurden sie von luchnischen Kriegern angegriffen noch versuchten sie ihrerseits übergriffe gegen die Landesbevölkerung. Es herrscht Rätselraten, warum es den Eindringlingen so leicht gemacht wurde, ins Land einzuziehen. Zwar geben manche zu bedenken, Luchnar habe eben kein stehendes Heer von 150 Mann, doch wird dieser Einwand vermutlich zu recht weggewischt durch die Tatsache, dass Luchnar bei einem Angriff binnen weniger Stunden mindestens die dreifache Zahl an Wehrfähigen auf die Beine stellen kann. Nur handelte es sich eben nicht um einen eigentlichen Angriff. Vielleicht hat diese Tatsache den Baron überrumpelt. 
Woher die 150 Mann stammen, ist noch unbekannt und ebenso, wie Eylhardt sie für sich gewinnen konnte. Doch werden in jedem Fall Nahrung und anderes brauchen und auf der anderen Seite ist die Geduld der Luchner kurz. Mindestens mit Übergriffen, wenn nicht gar mit einem Gemetzel, ist deshalb täglich zu rechnen. Der Helios-Bote wird weiter berichten.
 
 

Handfestes aus dem Haus Binder in Lindfurt,
die Stadt in der die Fäden zusammen laufen.


Herzögliche Ostarische Hofgazette

Herbstmanöver in der Jolsee

Die ansonsten drückende Hitze des Mittags wurde von einer leichten Brise vertrieben, als Admiral Hinrich von Harkenberg, seines Zeichens Kommandant der glorreichen ostarischen Kolonialflotte seine Amtsstube verließ. Auf dem großen Exerzierhof des Marinestützpunktes des Herzog-Uriel-II-Atolls waren die Mannschaften der Kriegskoggen "Xurliana", "Dellana" und "Redon" angetreten, ebenso die Besatzung der HUK "Jolseelilie", die Hafenwache und die hier stationierten Seesoldaten. Natürlich lockte der stramme Aufmarsch der Ostarier auch einige Urlaubsgäste aus Betis, die tatsächlich ihre Strandhotels verlassen hatten und nun am Rande des Hofes im Schatten die seit Tagen angekündigte Rede zu hören.
Als denn nun der Admiral auf dem Platz erschien, schallten schneidige Befehle. "Aaaachtungk! Stilgeeeeestanden! Diiiiiiiiie Augeen lingks!" Es folgte eine weitere Abfolge von Befehlen und entsprechend zackige Reaktionen der Soldaten, an deren Ende ein Applaus der Betiser Zuseher stand. Diese dachten wohl, es wäre ein Parade zur ihrer Unterhaltung gewesen, aber weit gefehlt. Während dessen schritt der Admiral die Reihen ab und nur wenige der Seeleute in der ersten Reihe nahmen den leichten Geruch der Grog-Ration wahr, die Harkenberg nach dem Mittagsmahl zu trinken pflegte. Endlich aber stand der alte Seebär der versammelten Mannschaft gegenüber und erhob seine Stimme.
"Offiziere, Seeleute, Soldaten! Kameraden! Die Hitze des Sommers verfliegt langsam wieder und die Milde des Herbstes hält Einzug. Natürlich ist der Herbst hier, an diesem von der Sonne verwöhntem Ort ein heißer Herbst, im Vergleich zu der kühlen Zeit in unserer geliebten Heimat Ostarien. Aber nicht nur die Sonne macht den Herbst in diesen Breiten so heiß. Nein, es ist auch die widerliche Brut der Piraten. Dieses unsägliche Geschmeiß, dieser Abschaum von Brackwasserquallen, dieser eitrige Austernausfluss, der versucht, immer wieder heligonische Seewege unsicher zu machen." Einigen der Betiser Damen war anzusehen, dass sie diese Worte nicht für schicklich hielten. Der Admiral schien dieses jedoch nicht zu bemerken. "Dieses faule Pack verkroch sich wie jedes Jahr während der Sommermonde, um dann im Herbst, wenn ergaunerter Rum versoffen und geraubtes Geld verhurt ist wieder zu erscheinen. Und es wird nicht lange dauern, bis redliche Handelsschiffe wieder die schwarze Flagge am Horizont erblicken. Aber nicht dieses Jahr. Dieses Jahr nicht! Unser alljährliches Herbstmanöver wird deshalb nicht nur eine einfache Übung sein, nein, wir trainieren am echten Objekt. Morgen zur Flut werden die vor Anker liegenden Schiffe auslaufen und eine Teil von ihnen wird die Seewege in Richtung Aturien genauestens im Auge behalten, während sich der Rest mit Schiffen der Jolbornflotte trifft, um das von Piraten stinkende Flussdelta auszuräuchern. Natürlich werden die Zuhörer verstehen, wenn ich die Details jetzt nicht erwähne. Ich bestehe ausdrücklich darauf, dass kein Pardon gegeben wird. Ich will schwarze Flaggen brennen sehen! Männer, wir werden ihnen den Allerwertesten aufreißen bis zur Halskrause, wir werden ihnen so ins Gemächt treten, dass sie quieken wie die Weiber!" Bei diesen Worten erlitt die erste der Betiser Damen einen Ohnmachtsanfall, was sicher nicht nur auf das enge Korsett zurückzuführen war. "Der Mannschaft, die den ersten versenkten Piratenpot meldet, verspreche ich eine Woche Sonderurlaub und ein Fass Rum, also zeigt was ihr könnt und lasst sie Blut spucken! Ja, wir sollten alle zeigen was in uns steckt und dem Flottenkommando in Ankur beweisen, dass wir eines Geschenkes würdig sind, dass uns voraussichtlich im nächsten Frühling erreichen wird. Ein neues Schiff wurde mir versprochen, das uns im Kampf gegen diesen lausigen Piratenhaufen beistehen wird. Dann wird uns etwas zur Verfügung stehen, womit keiner rechnen kann und wird. Aber genug damit! Es ist noch lange hin bis zum nächsten Frühling. Ich erwarte die Offiziere pünktlich zum Sonnenuntergang im Offizierskasino zur Lagebesprechung. Die Mannschaften haben bis auf die Freiwachen Landgang nach Maßgabe der Kapitäne. Wegtreten!" Der Admiral seufzte schwer auf dem Rückweg zu seiner Amtsstube. "Es wird Wochen dauern, bis ich diese Scharte bei den Betisern wieder ausgewetzt habe.  Aber mit Seeleuten muss man in ihrer Sprache reden. Verflucht noch eins!"
Stapellauf in Nordemaran
Nach über einem Jahr ist es endlich soweit. Trotz der zahlreichen Unterbrechungen im Bau wurde die "Adalbert", ein stolzes Schiff der Herzog-Uriel-Klasse in den neuen Werften von Nordemaran fertiggestellt.
Die feierliche Schiffstaufe mit dem Stapellauf fand am 5. des Rebenmondes statt.
Anläßlich der Einweihung des neuen Schiffes wurde für den Zeitraum bis zum 12. des Rebenmondes ein Manöver der Emaranseeflotte anberaumt, in dem das Schiff erprobt werden soll. In Abstimmung mit der Flottenkommandantur zu Lodenstadt findet das Manöver im Gewässer vor Quellstedt statt.
 
 

Schmuggler in Quellstedt

Wie Uns zu Ohren gekommen ist, treiben in der Gegend um Quellstedt diverse Schmuggler ihr Unwesen. Dieses Gelichter möchte die ostarischen Zölle umgehen und scheint in letzter Zeit den Emeransee in Scharen zu bevölkern. Dem Einen sei Dank, daß wohl gerade zur rechten Zeit Unser neues Schiff, die "Adalbert", fertiggestellt und einsatzbereit ist. Diese Verstärkung Unserer Patrouillen wird das Gesindel in seine Schranken zu weisen wissen. Zur Abschreckung wird in den Tagen zwischen dem 6. und dem 12. Rebenmond einschließlich ein Manöver vor der Stadt Quellstedt stattfinden, welches Uns Gelegenheit gibt, dem ruchlosen Pack deren Aussichtslosigkeit in ihrem verderbten Treiben aufzuzeigen. Wir hoffen bis Ende des Jahres alle Schlupfwinkel ausgeräuchert, alle Boote abgefangen und alle Schmuggler dingfest gemacht zu haben.
An dieser Stelle geht auch Unser Appell an die Obrigkeit von Quellstedt:
Wir hegen den Verdacht, daß Eure Verwaltung von Korruption durchzogen ist, denn es liegen Uns Beweise vor, welche besagen, daß viele der niederträchtigen Schmuggler von Quellstedter Seite unterstützt werden.
Nur so ist es zu erklären, daß ein Großteil der Bande Unterschlupf im Hafen der Stadt finden konnte, um sich Unserem Zugriff zu entziehen. Wir fordern Euch derowegen auf, das Eurige dazu beizutragen, dieses Packes habhaft zu werden und der hohenforingischen Obrigkeit auszuliefern.
 

Neuer Baron in Ostarien

Bericht des ostarischen Hofchronisten
"Folgendes trug sich zu am 15. Tage des Reifemondes des Jahres 94 n.d.E./
 im Jahre 31 n.A.III:
In Ankur, der altehrwürdigen Hauptstadt des Herzogtums Ostarien wurde ein neuer Baron in Amt und Würden eingeführt. Der bisherige Freiherr Karolus von Neuenstein, Generalquartiermeister der herzöglich ostarischen Armee, wurde als Baron vereidigt.
Der junge Freiherr, der bereits eine bemerkenswerte Laufbahn in der ostarischen Armee beschrieb, wurde vor illustrem Publikum vereidigt. Anwesend waren unter anderem, Herzog Angilbert I., dem der Freiherr den Lehenseid schwörte, unsere allseits geliebte Regentin Walluma von Ostarien sowie diverse ostarische Würdenträger. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, das Falkonius von Regart, Bischof von Ostarien, der Amtübernahme den Segen des Einen gab, da dies nicht Teil des Protokolls ist. Als besonderer Gast der Zeremonie war auch Javen Silverhorn anwesend. Dieser, der fortwährend kein Interesse an den Regierungsgeschäften gezeigt hat, hat erst vor einem Monat seine verschollene Schwester Shathana für tot erklären lassen und zwar auf den Tag genau ein Jahr nachdem diese sich auf Ihre unglückliche Reise begab, welche damit endete, das Sie vor einem halben Jahr bei einer Schifffahrt in stürmischem Wetter höchstwahrscheinlich umkam. Der Heliosbote berichtete.
Nachdem Freiherr Karolus entsprechend des Protokolls über seine Pflichten und Rechte als zukünftiger Baron aufgeklärt wurde und Javen Silverhorn offiziell auf das Lehen der Baronie verzichtete, leistete Karolus von Neuenstein den Lehenseid gegenüber Herzog Angilbert I. und erhielt aus seiner Hand den Heliosbrief.
Die ehemalige Baronie Silverhorn wird damit zur Baronie Neuenstein. Dies ist nun das dritte mal das diese Baronie den Namen ändert. Es bleibt zu Hoffen, das dass Geschlecht derer zu Neuenstein glücklicher ist als die vorhergehenden Lehensherren.
Der neue Baron Karolus von Neuenstein wird auch weiterhin das Amt des Generalquartiermeisters bekleiden, womit er Verantwortlich ist für den Nachschub und die Versorgung der Ostarischen Armee und eng mit dem Generalzeugmeister Jareck von Jolberg, Baron zu Jolberg zusammenarbeitet. Da sich der Herr von Neuenstein in diesem Amt bereits in so jungen Jahren bewährt hat, hat nicht zuletzt durch die Fürsprache des Herren von Jolberg dazu geführt, das ebendieser als neuer Baron vorgeschlagen und ausgewählt wurde.
Einzelheiten der Zeremonie sind uns aus Kreisen des Hofstaates zugetragen worden. Demnach hat Javen Silverhorn in eindringlicher Rede dazu aufgerufen seine tote Schwester endlich ruhen zu lassen und zur Normalität zurück zu kehren. Weiterhin hat er nochmals und offiziell erklärt, das er auf das Amt des Barons und das Lehen Silverhorn verzichtet.
Darüber hinaus hat Karolus von Neuenstein wohl in seinem Lehenseid besonders auf seine Verpflichtung, nicht nur der Baronie gegenüber, sondern vor allem dem ostarischen Herrscherhaus gegenüber hingewiesen, was er mit folgender, bewegender Eidesformel tat:
"Ich schwöre bei meiner Ehre, dass ich stets treu dem Ostarischen Herrscherhaus, Herzog Angilbert I., dem Volke von Neuenstein und ganz Ostarien dienen werde. Dienstpflicht, Eifer und das Wohl des Volkes werden stets meine ehernen Ziele sein. Sollte jemals Fehl in meinem Streben und Tun sein so soll mich das Gericht des Herrschers von Ostarien und der heligonischen Krone treffen. Dies schwöre ich, so wahr der Eine mir helfe."
Unbestätigten Berichten zufolge hat der neue Baron zu Neuenstein bereits kurz nach seiner Amtseinführung umfangreiche Reformen in Neuenstein veranlasst, welche immense Auswirkungen auf ganz Neuenstein zu haben scheinen. Weitere Berichte folgen."
 
 

Seyne Hochwohlgeboren, Karolus von Neuenstein, Baron zu Neuenstein gibt Folgendes  kund:

Ob der fortdauernden Piraterie in Neuensteiner und somit Ostarischen Gewässern sehen wir uns gezwungen folgendes Urteil in absentium der Malefikanten zu verkünden:
Item, wer die Piraterie betreibt um böslich Hand an Leib, Leben und Eigentuhm eines anderen zu legen, soll der Räuberey mit besonderer Schwere für schuldig befunden werden, so er in flagranti gestellt wird oder mit sicherem Zeugnis nachweislich die Tat begangen hat. Zur Strafe soll der Malefikant am Halse gehenkt werden bis das der Tot eintritt. Der Leyb aber soll für jedermann sichtbar auf den Zinnen zu Wingen zur Schau gestellt werden.
Eyn jeder welcher einen Piraten beherbergt, ihm Unterschlupf gewährt oder in sonstiger Weise dazu beiträgt den Malefikanten vor dem Gesetz und der Gerechtigkeit zu verbergen, macht sich des Verrates an der Baronie Neuenstein zu Ostarien schuldig. Darüber hinaus soll derjenige der Beihilfe zur Räuberey schuldig gesprochen werden. Zur Strafe für diese Vergehen soll dem Malefikanten das Verräterische Herz durchbohret werden. Zuvor aber soll er die peinliche Tortur erfahren.  Wer aber seyne Taten bereuet und dem böslichen Tuhn entsaget, dem sey von Heute an bis zum Ende des Frostmondes die Gerechtigkeit des Gesetzes gewiss. 
Item soll jedem der seyne Taten bis dahin bereuet und sich der Neuensteiner Obrigkeit stellet, lediglich die räuberische Hand über dem Daumen abgehackt werden. Fuer Hinweise welche zur Ergreifung eines Piraten fuehren werden 25 Dukaten als Belohnung ausgelobt. 10 Dukaten sollen jedem gebuehren, der Hinweise gibt die zur Ergreifung eines Helfershelfers fuehren.
Dies Urteil ergeht gemäß der königlich, heligonischen Halsgerichtsordnung und ist mit dem heutigen Datum gültig.
Gegeben am 13. Tag des Rebenmondes 94 n.d.E.
Zu Wingen in Neuenstein
Gez. Karolus von Neuenstein, Baron zu Neuenstein

 

Die Sicherung des Brazachs gegen die Mantidengefahr

Bereits seit neun Monden ist nun bekannt, welche Gefahr sich unbemerkt in der Niederlormark ausgebreitet hatte. Und obwohl die Herrschenden bereits viel unternommen und ihr möglichstes getan haben, um der Bedrohung Herr zu werden, ist die Verunsicherung und Angst im Volk immer noch groß. Schuld daran ist die - für eine Angelegenheit dieser Größenordnung sicherlich zu kleine - Informationslage, woran sicherlich wir, die Herausgeber von öffentlichen Nachrichtenschriften, eine nicht unwesentliche Mitschuld tragen. Da wir uns aber der uns selbst auferlegten Verantwortung nicht entziehen wollen, sei in diesem Artikel zusammenfassend gesagt, was seit dem Heligonischen Adelstag zu Alvan in Oraneck am Neujahrsfeste in Ostarien unternommen wurde, um der Bevölkerung den größtmöglichen Grad an Sicherheit zu gewährleisten:
Alarmiert durch die beunruhigenden Berichte des Ritter Akleson von Ehlermark über die Geschehnisse auf Burg Ipptalblick, sowie bewegt durch die eindringlichen Hilfsgesuche durch Prinzessin Celia von Thal und den Thaler Adel ließ das Ostarische Herzogshaus den für die Mantidenangelegenheit zuständigen Thaler Offiziellen finanzielle Unterstützung zur Anwerbung von militärischen Reserven zukommen. Die Ostarische Admiralität ihrerseits entsandte einige Schiffsladungen haltbaren Proviants aus Flottenbeständen. Weiterhin schuf der Erste Seeherr Ostariens noch am Adelstage einen Fonds aus Marinemitteln zur Vergabe von Forschungsstipendien, für wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Wasserüberquerung durch Mantidenwesen beschäftigen.
Augenzeugenberichte hatten nämlich die Vermutung nahegelegt, dass die als "Mantiden" bekannten Wesenheiten eine natürliche Scheu vor dem Element Wasser empfinden, so dass schnell die Bedeutung des Brazach als Sicherheitsbarriere auf dem Tisch lag. Wenn, so die Theorie, den Mantiden das Durchschwimmen des Brazach unmöglich sei, so könnte die Sicherheit aller nordwestlich des Flusses gelegenen Gebiete dadurch gewährleistet werden, indem diesen Kreaturen die Überquerung an Bord von Schiffen unmöglich gemacht würde. 
Schon am 19. Tag des Mondes der Erleuchtung (des 1. Helios) trafen im Marinestützpunkt Brüggen in Neuenstein (ehemals Silverhorn) Bevollmächtigte der Flotten von Norrland-Brassach, Drachenhain, Betis mit dem Ersten Seeherrn Ostariens zusammen, um ein gemeinsames Vorgehen an der Barzachgrenze zu koordinieren. Wenige Zeit später wurde folgendes in die Tat umgesetzt und gilt bis zum heutigen Tage:
Die Ostarische Brazachflotte entsandte zur Sicherung des Thaler Brazachufers, insbesondere des Niederlormärkischen Uferbereichs, und der Kontrolle des Schiffs- und Bootsverkehrs eine Flotille unter dem Kommando von Kommodore Karlmann von Rackstein-Bautzen bestehend aus zwei Schiffen der Herzog-Uriel-Klasse (die "Sirium Silverhorn II" als Flaggschiff  und die "Herzog-Uriel II.", kommandiert von Kapitänin Serina Erchtenbrecht), zwei Ruderkampfschiffen und zweier bewaffneter Fischereifahrzeuge samt einer ausreichenden Anzahl von Seesoldaten. 
Norrland-Brassach, dass in die Niederlormark dreissig seiner Norrland-Brassachischen Gardejäger  entsandte, deren schwere Armbrüste, die Panzer der Mantiden durchschlagen sollte, stellte das dazugehörige Schiff der Anitra-Klasse, die "Grauburg", der Ostarischen Flotille zur Seite, so dass es nun möglich ist die Thaler Operationen zu unterstützen, indem Seesoldaten schnell am Ufer aufmarschieren, bzw. auch Thaler Truppenteile rasch von einem Kampfschauplatz zum anderen befördert werden  können. Es besteht auch insofern eine Zusammenarbeit zwischen Ostarien und Norrland-Brassach als die Markgrafschaft für die Dauer der Operationen, die einen Teil der Ostarischen Flotte im Süden binden, einen größeren Teil der Sicherung des nördlichen Brazach übernimmt.
Betis, die Perle am Brazachdelta, ließ der Operation vor allem finazielle Unterstützung zukommen. Weiterhin gewährleistete der Doge über zwei leicht bewaffnete Transportschiffe die kontinuierliche Versorgung der Operation mit Proviant und Verbrauchsmaterialien wie Segeltuch und Tauwerk. Aus Betis gesellten sich weiterhin, begeistert an der Operation teilnehmen zu können, ein kleines Kontingent leichter Infanterie sowie eine Sanitätseinheit erfahrener Ärzte zu den Ostarischen Seesoldaten. 
Drachenhain stellte einige Stützpunkte zur Verfügung, so dass die Schiffe jetzt nicht mehr nur in Brüggen, sondern auch in Sarniant, Lindfurt, Jolbruck und Triburk versorgt werden und vor Anker gehen können. Die Koordination in diesen Angelegenheiten obliegt Josephina von Drachenhain, der Seeherrin Drachenhains. Neben einer finanziellen Unterstützung beinhaltete die Beteiligung auch ein Dutzend Drachenhainer Bogenschützen, sowie einige flusskundige Lotsen. Zusätzlich entsandte Fürst Waldemar den  Drachentrutzer Ritter Ysmar von Schwarzphal sowie Tallrim Stabschwinger samt Mannen um den Transport der Drachenhainer Hilfsgüter nach Thal zu überwachen.
Nachdem diese gemeinsame Unternehmung nun schon mehrere Monde erfolgreich fortgeführt wird, werden in der kalten Jahreszeit in den beteiligten Flottenstützpunkten verschiedene Unterhaltungskünstler aus Betis wie Jasmina Lopia und Harald Schönefonte auftreten, um die Moral der Truppen zu stärken.
Doch verlässt sich das Herzogshaus nicht nur auf den Fluß als einzige Verteidigungslinie. Auch an den übrigen Grenzen wurde ausreichend für Sicherung gesorgt. Diese Vorkehrungen waren solch vielseitiger Natur, dass hier als Beispiel nur die Entsendung von zweihundert Infanteristen der herzöglichen Garde nach Neuenstein (ehemals Silverhorn) zur Verstärkung der Grenzkontrollen genannt sei. Selbstverständlich halten alle offiziellen Organe des Herzogtums für ihre Bürger alle Augen und Ohren aufmerksam offen, damit sich auch wie bisher und auch in Zukunft kein Feind unbeobachtet dem Herzogtum nähern kann.
Die Hofgazette hofft hiermit für ausreichende Aufklärung gesorgt zu haben, so dass ein jeder unserer Leser wieder ruhig schlafen kann.
 
 

Lodenstadt (…)

Noch immer ufern die Geschehnisse, die die ostarische Emmeranseeflotte betreffen, aus. Nein, die Ereignisse verlangsamten sich nicht, ganz im Gegenteil! Die Arbeiten in den Flottenwerften breiteten sich sogar deutlich aus. Ob nun ein Akt der Kriegstreiberei oder der Machtgier dahinter steht, kann ich nicht erkennen und die Mauer von Schweigen und Dementis verhindert jeden sinnvollen Informationsaustausch. Da sich nun aber auch die Geschehnisse am Jolborn zuspitzen, bleibt mir nur noch die Möglichkeit, die Neuigkeiten, die mir und meinen Kollegen zugetragen wurden, in Reihenfolge aufzuzählen. Möge sich der geneigte Leser selbst ein Bild der Vorfälle machen.

4. Tag des Erntemondes

Die Schussversuche, die schon früher aus dem Lodensädter Flottenhafen heraus auf den See hinaus gemacht wurden, werden nach 6-wöchiger Unterbrechung wieder aufgenommen. Bei einem Versuch mit einem Brandgeschoss wird eine der neu beschafften Schwimmpontons der Fischereigesellschaft versenkt.

20. Tag des Erntemondes

Ein neuer Ponton wird vom Hafenkommandanten an den örtlichen Vertreter des Ostrarischen Amts zur Förderung des Fischereiwesens (OAzFF) übergeben. Über den Inhalt der vorher geführten Gespräche wird nichts bekannt, jedoch soll es nicht weniger als 5 Verhandlungen gegeben haben, die zum Teil sehr lautstark endeten.

25. Tag des Erntemondes

Planken und Rumpfteile werden auf mit 6 Zugtieren bespannten Ochsenwagen aus der Stadt gebracht. Alle Transporte sind sorgsam mit Planen abgedeckt und wohl bewacht. Doch durch die schiere Größe der Teile ist erkennbar, um was es sich handelt. Das Flottenkommando gibt an, dass es sich um rein routinemäßige Ersatzteillieferungen nach Jolberg handelt. Jedoch kann von Routine keine Rede sein, da es solche Transporte bis jetzt noch nicht gab. Innerhalb der nächsten 2 Wochen finden 4 weitere solcher Transporte statt. 

2. Tag des Reifemondes

Ein Fuhrwerk mit einem großen, zylindrischen Ding fährt im abgesperrten Teil des Hafens ein. Das Ding hat die Größe eines stattlichen Weinfasses, ist aber sorgsam mit Planen abgedeckt. Einige wache Augen wollen erkannt haben, dass unter der Plane blankes Kupfer blitzte.

8. Tag des Reifemondes

Eine Stunde nach Mittag ist im abgesperrten Teil des Hafens eine unüberhörbar lauter Knall zu hören. Nur Augenblicke später ist lautes Geschrei zu vernehmen, was anscheinend mit der Rauchwolke zu tun hat, die aufsteigt. Zur selben Zeit erleben mehrere Augenzeugen auf dem Lodenstädter Marktplatz mit, wie ein verbeultes Stück Kupferblech mit Geschepper auf dem Platz aufschlägt. Keiner weiß so genau, woher das Blech kommt, allerdings wird es nur wenige Minuten später von ostarischen Soldaten abtransportiert. Den Gesten und Worten der Soldaten zu Folge scheint das Teil heiß zu sein. Der Knall wird später mit einem in Brand geratenen Pechkessel begründet, das Metallteil auf dem Marktplatz wird von der Kommandantur nicht weiter erwähnt. Der aufmerksame Beobachter kann sich einen Zusammenhang zu dem kupfernen Behälter vorstellen.

27. Tag des Reifemondes

Nach dem Knall im Hafen waren die Transporte für einige Zeit ausgeblieben. Nun beginnen sie wieder. Insgesamt fahren noch 5 Transporte nach Jolberg. Der merkwürdigste ist aber der Letzte. Auf einem großen und sehr solide aussehenden Fuhrwerk liegen zwei sorgsam verpackte und verzurrte Gegenstände. Jeder hat in etwa die Größe eines großen Weinfasses. Der Transport wird von nicht weniger als 2 Dutzend ostarischer Soldaten bewacht und keine Sekunde aus dem Auge gelassen.

30. Tag des Reifemondes

Nach dem sich die Fragen des Stadtrates und der Bürger häuften, lädt die Hafenkommandantur für einen Tag zu Besichtigungen des Flottenhafens ein. Im dem Teil des Hafens, der besichtigt werden kann, ist alles unscheinbar und harmlos. Allerdings sind ein Dock und auch einige Lagerschuppen nicht zugänglich. Diese Objekte werden stark bewacht. Der Sprecher des Hafenkommandanten begründet diese Maßnahme mit Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit der Besucher, welche von den dort gelagerten Dingen ausgehen. Was genau in den gesperrten Bereichen gelagert wird, erwähnt der Sprecher nicht. Es blieb allerdings das Gefühl, dass die Gefahr für die Gesundheit eher von den Wachsoldaten ausging, als von den verborgenen Dingen im Hafen.

3. Tag des Rebenmondes

Mit diesem Tage beginnen die Seltsamkeiten auch in Jolberg. Allerdings in anderen Ausmaßen. War in Lodenstadt nur ein Teil der Werft betroffen, so ist es hier der gesamte Flottenhafen. Einige Leute, die Tags zuvor aus Lodenstadt kamen, arbeiten nun auch im Hafen, die Sicherheitsmaßnahmen werden deutlich verstärkt und in der Werft scheint eine Kiellegung zu beginnen. Allenthalben beginnt im Hafenviertel geschäftiges Treiben. Überall stehen Soldaten und kontrollieren Leute, die in den Hafen wollen. In den ersten Tagen scheint es sehr chaotisch zuzugehen, allerdings ordnet sich die Lage nach einer Woche.

6. Tag des Rebenmondes

Die überaus schnell ergriffenen Maßnahmen in Jolberg haben Lücken. Immer wieder spazieren Schaulustige in die Werft und werden erst einige Zeit später wieder nach draußen befördert. Einschlägige Hinweise auf die Sicherheitslücken werden von den Zuständigen anscheinend ignoriert. Anscheinend ist das Flottenkommando nicht in der Lage, auf die Schnelle ein Gelände von der Größe des Hafens zu sichern.

10. Tag des Rebenmondes

Was zu erwarten war, geschah. Anscheinend wurden Pläne des zu bauenden Schiffes auf dem Werftgelände zu Jolberg gestohlen. Natürlich dringt nichts auf offiziellem Wege nach draußen, aber Gerüchte und Beobachtungen sagen so manches. Gegen eine stattliche Summe an nicht näher genannte Informanten kann eine Skizze eingesehen werden, die aber anscheinend nur eine Kopie ist. Die Größe und Bewaffnung des Schiffes sind furchterregend! Kaum zu glauben, dass so ein Monster gebaut werden soll. Genauso ist nicht bekannt, wer die Originale hat.

11.Tag des Rebenmondes

Wie schon öfters geschehen weilte eine Abordnung Dunkelsteiner Offiziere in Jolberg, um das gemeinsame Vorgehen auf dem Fluss zu besprechen. Die aktuell anwesende Delegation reist im Morgengrauen ab, 5 Tage früher als geplant. 

20. Tag des Rebenmondes

In einem frisch aus dem Boden gestampften Hafen in Jolbingen in Dunkelstein wird ein großes Schiff auf Kiel gelegt. Die sonst für solche Ereignisse üblichen Gäste sind nicht zugegen.

 27. Tag des Rebenmondes

Gerüchte, dass Dunkelstein mit dem Diebstahl zu tun haben könnte, werden von ostarischer Seite dementiert. Dunkelstein äußert sich zu diesem Vorfall nicht.

1. Tag des Kargmondes

Die Sicherheitsmaßnahmen in Jolberg wurden deutlich verschärft und übersteigen das Maß von Lodenstadt deutlich. Von diesem Zeitpunkt an ist kaum noch zu erfahren, was im Flottenhafen vor sich geht.

15. Tag des Kargmondes

Ab diesem Tage nehmen die Aktivitäten in Lodenstadt langsam ab. Die Lieferungen werden weniger und Wachen werden abgezogen. Noch steht aber der Zaun und man wird sich gedulden müssen, was sich neues im Hafen findet.
Der geneigte Leser erkennt, es braut sich etwas zusammen. Möge der Eine geben, dass es sich dabei nicht um eine Mischung handelt, die allzu leicht explodiert.
 

Offiziertreffen in Jolberg 

Um eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen den Dunkelsteiner Streitkräften und den Ostarischen Streitkräften zu gewährleisten wurde, wie schon öfter, ein Treffen zwischen Offizieren beider Streitkräfte arrangiert. Dieses Mal fand ein Treffen von See bziehungsweise Flussoldaten in Jolberg statt. In Anbetracht der Brisanz des Themas, über das von beider Seiten Stillschweigen vereinbart wurde, sind die Dunkelsteiner Flussoldaten eiligst nach Dunkelstein zurückgereist.
Fürstlicher Thaler Hofchronist



 
 

Höret Höret!

Cornelius von Langenau, Freiherr von Niedereck und nach Willen seiner Durchlaucht Fürst Bartha von Thal, Verweser der Nordprovinzen der Baronie Niederlormark Gibt folgendes bekannt:

Den in heligonischen Landen als unzünftig geltenden Berufe und Handwerke des Gerbers, des Kürschners und des Müllers

Sei fürderhin in den zunfttragenden Städten Truestett, Hirschenbach und Divergast das Zunftrecht gewährt. Die erste Versammlung der Zünfte erfolgt unter der Aufsicht der Zunfträte der Städte 10 Tage nach der Saarkanacht des Jahres 31 n. H. A. III in den Zunfthäusern der genannten Städte. Dort soll die Zunftlade gelegt, sowie Satzung und die Zahl der Zunftmitglieder bestimmt werden. Auf dass das Handwerk blühe und die Wunden der Niederlormark wieder heilen.
Des Weiteren sei Kundgetan:
Bürgern, sich von außerhalb kommend in den genannten Städten niederlassen, um den Zünften beizutreten, seien auf ein Jahr und ein Halbes die Steuer erlassen.
Bürgern, die von außerhalb kommen und Berufe ausüben, die den neuen Zünften förderlich sind, sei auf ein Jahr die Steuer erlassen. Genannt seihen hier Bauersleute, Viehzüchter und Lederer, aber auch andere.
Bei anderen, die da kommen um die Ländereien wieder zu bevölkern kann die Steuer erlassen werden, die Entscheidung soll aber im einzelnen Fall getroffen werden.
Gegeben zu Hirschenbach am 1. Tag des 2. Xurl

Bericht aus Fahlberg / Ritter Haagen von Aueneck im Kampf gefallen

Vor zwei Monden hat Freiherr Ansgar von Beraht sein Hauptquartier in der Stadt Fahlberg aufgeschlagen. Von hier aus werden die Hilfslieferungen für Süden der Niederlormark seither verteilt.
Bevor man allerdings Quartier beziehen konnte musste die Stadt entsetzt werden. Dies stellte sich als einfacher dar als angenommen. Von einer ernsthaften Gegenwehr seitens der Mantiden konnte kaum gesprochen werden. Eine Königin konnte zu aller Überraschung aber nicht gefunden werden. Es wurde vermutet, dass sie kurz vorher mit einigen Helferinnen in die Wälder flüchtete.
Nachdem sich die Nachricht über die Ankunft von Hilfstruppen verbreitet hatte strömten große Mengen der Landbevölkerung in die Stadt. Es kam zu einzelnen Tumulten, da jeder bei der Verteilung der Hilfsgüter einen möglichst großen Teil abbekommen wollte. Größere Ausschreitungen konnten aber verhindert werden.
Bei einer Patrouille im näheren Umland kam es am 18. Tag des 3. Helios zu einem schlimmen Unfall. Durch Zufall wurde von Ritter Haagen von Aueneck in einem kleinen Gehöft, das noch von einigen Kuh-Hirten bewohnt wurde, ein Mantiden-Nest mit Eiern gefunden. Bei näherer Untersuchung der Lokalität sprang plötzlich aus dem Unterholz die Mantiden-Königin, nebst ihren Helferinnen hervor. Sofort stürzten sie sich auf Ritter Haagen. Schnell eilten ihm seine Männer zu Hilfe. Zwar konnten alle Mantiden erschlagen werden, doch erlag Ritter Haagen noch an Ort und Stelle seinen schweren Verletzungen.
Noch am selben Abend fand im Poëna-Garten von Fahlberg die Totenfeier statt. Während Helios in der Abendstille am Rande der Erdenschale versank, bat Ansgar von Beraht die Götter um die Aufnahme der Seele seines Schwagers. Bei Einbruch der Dunkelheit verließen alle das Heiligtum, bis auf den Poëna-Geweihten, der Totenwache hielt. 
Am nächsten Morgen wurde Ritter Haagen von Aueneck zur letzten Ruhe gebettet und sein Name zum Angedenken in den Obelisk gemeißelt, an welchem er begraben wurde.
 
gegeben zu Fahlberg am 1. Tag des 1. Xurl 31 n.A.III

Feierlichkeiten in Fahlberg - Nachwuchs im Hause Beraht

Zum Begin der Saarka-Monde fand in Fahlberg eine ogedische Feierlichkeit statt. Ansgar von Beraht und Johannes Vergenhans durften zahlreiche Adlige als ihre Gäste willkommen heißen. So waren die thaler Barone Hektor von Eichenstein, Sihran von Tolens und Roxana von Beraht sowie  Freiherr Cornelius von Langenau zu diesem Fest gekommen. Besonders erfreulich war die Anwesenheit der Sprecherin des Ogedenbundes, Josephina von Drachenhain.
In den frühen Morgenstunden fanden sich die zahlreichen Gläubigen im Saarkaschrein ein, um gemeinsam mit Johannes Vergenhans beim Sonnenaufgang das hohe Helios-Lied des Gorogal zu beten. Danach wurde vom Saarka-Priester eine Predigt gehalten, in welcher die harten Winter der vergangenen Jahre als Glaubensprobe bezeichnet wurden. Im Anschluss daran wurde unter lauten Hymnar-Gesängen der Göttin ein Opfer darbgebracht, um sie für die Winter-Monde Milde zu stimmen.
Bei diesem Anlass wurde auch die Tatsache gefeiert, dass Ansgar von Beraht vor einigen Tagen stolzer Familienvater geworden ist. Seine Ehefrau, Fendra von Aueneck schenkte am 19. Tag des 3. Xurl zwei gesunden Söhnen das Leben. Der ältere erhielt den Namen Ansbert, dem jüngeren wurde im Gedenken an den im Mantidenkrieg verstorbenen Bruder der Freifrau der Name Haagen gegeben. Viele der Gäste hatten Geschenke für die glückliche Mutter mitgebracht. Sie konnten aber nicht persönlich übergeben werden, da Fendra von Aueneck bei Ihren Kindern in Sethnara geblieben war
Die allgemeine Lage in den Südprovinzen der Niederlormark ist weiterhin angespannt. Leider haben sich die Befürchtungen bezüglich der Ernte bestätigt, denn der Ertrag fiel sehr spärlich aus. Inzwischen wurde vom Verweser der Südprovinzen, Ansgar von Beraht die Jagd auf Wildtiere bis auf weiteres unter Strafe verboten. Damit soll verhindert werden, dass sie von der hungrigen Bevölkerung gänzlich ausgerottet werden. Gleichzeitig erging die Bitte beim Thaler Fürstenhof, zusätzlich zu den Hilfsgütern Nutz- und Schlachtvieh zu senden. Gegen die vermehrt auftretenden Überfälle von Räuberbanden sowie den Schmuggel wird mit harter Hand vorgegangen. Vor allem in Bergfurt sowie der näheren Umgebung der Stadt haben sich bereits einige Banden eingenistet.
gegeben in Fahlberg am 1. Tag der 1. Saarka im Jahre 31 n.A.III
Erlass seiner Durchlaucht des Fürsten Bartha von Thal zum Saarkafest am 21. Tage des 1. Saarkamonds

Höret, höret, Volk der Niederlormark!

Hiermit sei verfügt, dass zum diesjährigen Saarkafeste in einem jeden Dorf in der Niederlormark ein Stück Vieh geschlachtet werden soll. Dies soll zur Ehre der vier Götter geschehen, die uns in dieser Zeit der Not so treulich beigestanden haben, auf dass ihr Segen nicht von uns weiche! Das beste Stück soll den Vieren als Opfer dargebracht werden. Der Rest soll bei einem Feste den Göttern zu Ehren redlich verteilt und von allen gemeinsam verzehrt werden.
Mögen die Vier stets mit uns sein!
Seine Durchlaucht, Fürst Bartha von Thal
Gegeben zu Hochanthen im 1. Saarkamond des Jahres 31 n.A.III
- Zu verlesen und auszuhängen allerorten in der Niederlormark - 
Sethnara, den 30. Tag der 1. Saarka 31 n.A.III

Fortgang der Hilfstransporte für die Niederlormark

Auch in den Herbstmonden wurden die zu Beginn des Jahres angesichts der Hungersnot in der Niederlormark begonnenen Hilfstransporte für die notleidende Bevölkerung vor Ort fortgesetzt. Zahlreiche Trosse und Lastkähne verließen die Umschlagspunkte Sethnara und Hochanthen in Richtung der neu befriedeten Marken Beraht und Langenau und brachten große Mengen an Lebensmitteln, benötigten Rohstoffen und Nutztieren an ihre Zielorte. 
Zahlreiche Helfer unterstützten die Bevölkerung vor Ort bei allen anfallenden Arbeiten im Rahmen der Versorgung und des Wiederaufbaus. Dank des vorbildlichen Einsatzes aller Beteiligten konnte die Herbstsaat zeitgerecht ausgebracht werden, nachdem die diesjährige Ernte wie erwartet nur kärgliche Erträge erbrachte. Auch im Hinblick auf die Instandsetzung der Fruchtschrannen und Zehntscheuern und den veranlaßten Ausbau der Wegenetze konnten erfreuliche Erfolge verzeichnet werden. Seit den Heliosmonden begleiteten auch ogedische Geweihte regelmäßig die Hilfstrosse, um den ogedischen Gläubigen in der Niederlormark in ihrer Not beizustehen und den Glauben an die Vier, der durch den Einfluß der mantidischen Nymphen ins Wanken geraten war, wieder zu stärken. Insgesamt konnten trotz der noch immer angespannten Lage in der Niederlormark deutliche Fortschritte in allen Belangen verzeichnet werden. Die Speicher füllen sich, und die Instandsetzung von Unterkünften und Lagergebäuden im Hinblick auf den herannahenden Winter kann demnächst abgeschlossen werden. Auch beginnt die durch die vergangenen Ereignisse verunsicherte Bevölkerung wieder Vertrauen in die alten Werte und Strukturen zu fassen. Der Fortgang der Transporte ist auch für die kommenden Wintermonate geplant, sofern die Witterungsbedingungen dies zulassen. Die Hilfskräfte werden auch weiterhin in der Niederlormark bleiben, um ihre unterstützende Arbeit dort fortzusetzen.
Tilmann Eschenburger, Stadtschreiber zu Sethnara

 

Fürstliche Thaler Statuten zur Beherrschung der Situation in der Niederlormark

Über die Verteilung der Güter

Bei der Verteilung der Lebensmittel sollen zufürderst die Frauen, welche ein ungeborenes Kindlein tragen, sowie die Kindlein daselbst zu berücksichtigen sein. Weiterhin sollen diejenigen Untertanen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, besonders berücksichtigt werden.Über aller angetragener Hilfe soll die Gerechtigkeit walten, dass ein jeder den Teil an Gütern erhält, der ihm zusteht und keiner außerhalb oben genannter Punkte begünstigt oder ihm sein Teil verwehrt werde.
 

Über das Wildern und die Jagd

In den herrschaftlichen Wäldern der Niederlormark sei jegliche Jagd untersagt, sofern sie nicht nach einem entsprechenden schriftlichen oder zur Niederschrift persönlich vorgetragenen Gesuch vom zuständigen Statthalter seiner Durchlaucht des Fürsten von Thal oder seinem benannten Vertreter im Besonderen genehmigt wurde, und sei ansonsten als Wilderei zu betrachten. Solche soll nach diesem Erlass empfindlich mit dem Verhängen von Frondienst geahndet werden, dessen Höhe nach Art und Ausmaß der Wilderei im j eweiligen Fall festgesetzt werden soll.

Über die Meldepflicht mantidischer Aktivitäten

Bezüglich der Aktivität der - Mantiden genannten – Kreaturen herrscht strenge Meldepflicht. Allein der begründete Verdacht solcher Umtriebe oder die mögliche Sichtung verdächtiger Personen soll umgehend der nächsten Wache oder dem zuständigen Statthalter oder dessen benannten Vertretern mitgeteilt werden.
Gegeben zu Hochanthen am 1. Tag des 3. Xurlmondes 31 n.A.III
Seine Durchlaucht Fürst Bartha von Thal


Wasserau, am 15. Tag des I. Xurlmondes, n.A.III. 31

An seine Durchlaucht, Fürst Bartha von Thal

Hochgeschätzter Fürst,
wahrlich eine schreckliche Geißel sucht dieser Tage Heligonia, im besonderen Euer Fürstentum Thal heim. Grauenhaftes war von tapferen Kämpen so mancher Gemetzel zu vernehmen und unverständliche Dinge, über die Natur dieser Wesen, gelangte an mein Ohr. Ich selbst wurde zwar der Insektenhaften nie ansichtig, doch fährt mir stets ein kalter Schauer über den Rücken, höre ich von ihnen. Euer Durchlaucht, lasst mich sagen, etliche schlaflose Nächte brachte ich seit dem Adelstage zu in Überlegungen, wie dem abscheulichen Feind am besten beizukommen sei. Tatsächlich kam ich zu der Erkenntnis, dass beim Kampfe doch durchaus ein Teil der Gefahr gebannt wäre, würde man nicht vom Dufte der Mantiden fehlgeleitet werden. Auf der Basis dieser Überlegung, gelang es meiner Schwester, Prinzessin Syria Jaldis, eine pflanzliche Mixtur herzustellen, mittels deren inhaliertem Aufguss - wenn richtig angewandt - für etwa einen halben Tag den menschlichen Riechsinn außer Kraft gesetzt wird. Ich selbst habe diese Droge zur Sicherheit bereits mehrmals an mir selbst angewandt, stets gelangte ich wieder in den vollen Besitz dieses Sinnes. Selbstverständlich haben meine Schwester und ich diesem Schreiben die genaue Rezeptur der Mixtur, nebst einem Dutzend schon fertiger Kräuterbarren und, nicht zu vergessen, eine genaue Anleitung, beigefügt. Ich hoffe sehr, Syria Jaldis und ich vermögen durch diese Droge einen kleinen Beitrag zu Eurem Sieg gegen die Mantidenplage leisten.
In Hochachtung den Segen der Vier über Euch und Euer Haus -
Wider den Mantiden! 
Prinz Leomar von Drachenhain
Betiser Tribüne

Pilgerzug in Betis angekommen

Mitte des 2. Xurl war es soweit: Nach einer langen, aber glücklicherweise ereignisarmen und von Zwischenfällen verschonten Reise durch Drachenhain erreichte der ceridische Pilgerzug unter Führung von Prior Adrian das Brazachdelta. Der Zug kam von Gaeltacht her und wanderte über Drachentrutz, Antrutzen, Sengenberg sowie St.-Aluin schließlich nach Lindfurt, wo die Pilger in von der Stadt gestifteten Leinenzelten unterkamen und reichlich versorgt wurden. Auf der langen Reise schlossen sich zahlreiche Menschen voller Glauben und Hoffnung dem Zuge an. Wenige Tage später überquerte der Pilgerzug per Fähre das Brazach-Delta und erreichte die freie Reichsstadt Betis. Bei der Überfahrt wäre es beinahe zu einem Unglück gekommen, als erst in letzter Sekunde eine Kollision zweier Fähren (darunter die eben erst in den Fährdienst aufgenommene "Anwara II") vermieden werden konnte. Verletzte gab es glücklicherweise keine, die beiden Kapitäne der Fährschiffe wurden mit höchstem Lob für ihre rettende Aufmerksamkeit Hohen Rates und besuchte diese zu Unterredungen in der Ratshalle.
Nun, eine knappe Woche nach der Ankunft des Pilgerzuges sind kaum unangenehme Zwischenfälle zu vermelden. Vielmehr wurden die Gläubigen herzlich in der Stadt empfangen, aber auch deren Zeltlager verzeichnete viele Besuche von interessierten Betiser Bürgern. Am vergangenen Heliostag besuchte Prior Adrian das Betiser Stadtkloster, welches vor lauter Andrang gläubiger Ceriden und interessierter Ogeden schier zu bersten drohte. Der Prior sprach geduldig mit den Menschen und hielt eine nachdenkliche Predigt, welche sich mit dem Leben in Betis und den Gefahren der sieben Sünden beschäftigte. Die Predigt berührte nicht nur die Herzen der anwesenden Ceriden. Nein, auch einige gläubige Ogeden, welche sich aus Neugier die Predigt angehört hatten und herzlich wie alle anderen Bürger empfangen wurden, zeigten sich beeindruckt von der Botschaft des Priors und ließen sich sogleich im Namen des Einen taufen. Manche von diesen beschlossen gar, wie bereits zuvor einige ceridische Bürger, ihr Leben in der Stadt hinter sich zu lassen und sich dem Pilgerzug in der Hoffnung weiterer Erleuchtung anzuschließen.
Derzeit lagert der Zug noch vor den Toren der Stadt, Ankündigungen einer Weiterreise wurden bislang noch nicht vermeldet.

 

Was sich schickt Und was nicht
Singen und Musizieren 
  bei der Fernwanderei
" Bollerwagen
" Regionen übergreifende 
  Antimantidenaktionen
" Nachrichten aus fernen Ländern
" Bremsen und anderes Ungeziefer
" Strukturreformen
" Verschwundene Vögte

Der Handelsprophet


 
Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 4 Kreuzer
Gewürze (v.a. Zimt) 10 g 1 Dukaten und 4 Groschen
Pfeile 20 Stück 5 Groschen und 6 Kreuzer

Der Aurazithkurs bleibt recht stabil. Der Preis für Gewürze, im Besonderen derjenigen, die für winterliche Backwaren benötigt werden, steigt infolge des erhöhten Konsums ebensolcher Produkte an. Der erhöhte Preis für Pfeile (aber auch diversen anderen Waffenarten) ist wohl auf die noch immer bedrohliche Mantidengefahr und entsprechende Gegenmaßnahmen zurückzuführen. Die Gerüchte um eine Neuauflage der Betiser Hochlandtage hat außerdem ein allgemeines Steigen der Kurse diverser Hochlandprodukte, vor allem aber von Waren aus Angaheym, verursacht.
 
 

Bürger des Monats

In diesem Monat wurden sogar zwei herausragende Personen zu Bürgern des Monats erklärt. Die Jury entschied sich, den Lindfurter Fährmann Frantz Moorsdorf sowie seinen Betiser Kollegen Eusebio Caletti für ihr heldenhaftes Verhindern eines Fährunglückes auszuzeichnen. Das Unglück wäre beinahe geschehen, als die "Anwara II" von Lindfurt kommend einen Teil des ceridischen Pilgerzuges nach Betis übersetzte und fast mit der entgegenkommenden Betiser Fähre kollidierte. "Nur das geistesgegenwärtige, unglaublich schnelle und geschickte Handeln der beiden Fährmänner," so die Jury, "verhinderte eine furchtbare Katastrophe." Dafür, so war sie sich einig, hätten die beiden Männer die Auszeichnung mehr als verdient.
 

Gunst und Kunst

Was die Heligonier am liebsten hören
 
1(2) 
2(1)
3(7) 
4(-) 
5(4) 
6(-) 
7(3) 
8(5) 
9(6) 
10(8)
Wunderkind Bonifazio - "Jucheisasa!"
Die Vogelfreunde - "Kerze im Wind"
Jean-Pierre - "La belle Leabell"
Der begeisterte Bürger - "Betiser Boote"
Sie könnten Giganten sein - "Spinne"
Die Junker - "Wir sind die Sieger"
Die letzten Fernwanderer - "Es braucht nur zwei wie uns"
Leonardo - "Viva Ostaria!"
Sie könnten Giganten sein - "Am Ende der Tour"
Johann Bar - "Verletzt"

Stadtgeschehen

Antonio Estéban, genannt Tonino, geriet kürzlich in Handgreiflichkeiten mit Mitgliedern der Familie Malonn. Augenzeugen berichten, er hätte zusammen mit einigen Freunden lauthals und in nicht mehr ganz nüchternem Zustand ein Ständchen vor dem Hause Malonn angestimmt. Die im Schlaf gestörte Familie versuchte die Sänger mit mehreren Eimern Wasser zu vertreiben, worauf einige Fensterscheiben zu Bruch gingen. Die alarmierte Dienerschaft stürzte auf die Straße, wüste Beschimpfungen gingen hin und her, Fäuste flogen. Bevor jedoch Waffen gezogen wurden, eilte glücklicherweise die durch den Lärm aufmerksam gewordene Nachtwache herbei und nahm die Störenfriede fest. Am Morgen durfte Antonio Estèban in halbwegs nüchternem Zustand heimkehren. Donna Severa entschuldigte sich bei der Familie für das Verhalten ihres Ältesten und beglich wieder einmal den Schaden. Offen bleibt indes die Frage, welcher von den weiblichen Familienmitgliedern die nächtlichen Gunstbezeigungen Toninos dieses Mal galten, Gerüchte sprechen von der Ehefrau Malonns.
Die Planung der nächsten Hochlandtage in Betis hat neuesten Informationen zu Folge einen ganz neuen Pfad eingeschlagen. So sollen wohl nicht "nur" Hochlandtage abgehalten werden, sondern vielmehr eine das gesamte Königreich thematisierende Reichsausstellung, allerdings mit dem Schwerpunkt Hochland, stattfinden. Auf dieser Ausstellung, so eine erste Bekanntmachung aus dem Amt für Öffentlichkeitsfragen, seien Vertreter des ganzen Königreiches und benachbarten Auslandes willkommen, um ihre Heimat, deren Menschen, Kultur und Produkte vorzustellen. Ein genauer Termin für dieses Ereignisses wurde allerdings noch nicht genannt.
Wechsel perfekt: Nun ist es offiziell - Istvan Zornefelder, genannt "die Mauer", spielt künftig für "Sturm Betis". Der bereits vorab gemeldete Transfer verzögerte sich aufgrund gewisser Unstimmigkeiten bei den Vertragsverhandlungen, deren Details aber nicht bekannt wurden.
 

Immer wieder


Der Morgen graut. Der Schlaf verläßt die Glieder
nur mühsam. Und es ist ein wenig kalt.
Man hebt den Kopf von fremden Seidenkissen
und überhört das pochende Gewissen
und übersieht im Spiegel die Gestalt
in Unterrock und aufgeschnürtem Mieder.

Der Kopf tut weh. Man schwört sich stumm Bekehrung
und leert das letzte Glas. Man hat kein Geld
sich solchen edlen Tropfen selbst zu kaufen.
Man ist gewöhnt, den letzten Dreck zu saufen
und zahlt so früh den Preis für eine Welt
der Rosen und der flüchtigen Verehrung.

Man zieht sich an und schleicht auf leeren Gängen
hinaus in eine fahle Dämmerung,
wo noch vereinzelt bunte Bänder wehen.
Man bleibt in seinen Tränen ungesehen,
und schon am Abend ist man wieder jung
und lässt zu keinem Tanz sich lange drängen...

Isabella Accesi

Das neue Portal ist erschienen!
Informatives und Spannendes - nicht nur für Gelehrte.
In dieser Ausgabe: neuste Erkenntnisse über die Mantiden und Spurensuche in Carajon

Termine

10.01. - 11.01.04        Kaminabend bei Cornelius von Langenau auf dem Rittergut in Stetten
02.04. - 04.04.04        Helicon 27 auf Burg Wildenstein
02.07.-04.07.04          Helicon 28 auf dem Zeltplatz Schachen/Münsingen 
10.09- 12.09.04          Phaenomenon 5- Victorianique 1890 in Rothenburg
12.11. - 14.11.04        Drachenhainer Jagdgesellschaft auf der Burg Derneck
 

Wichtig! Redaktionsschluss für den nächsten Boten!

Der nächste Helios-Bote erscheint zum Helicon 27 am 02. April 2004. Der Redaktionsschluss für Ausgabe 49 ist der 20. März 2004, damit wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen werden.
Wenn genügend Artikel für ein Portal eintreffen, so wird auch wieder die Gelehrtenzeitschrift erscheinen. Auch hier gilt der gleiche Redaktionsschluss.

Beachtet bitte wie immer, dass auch die Regio-Spielleitungen noch Zeit brauchen, die Artikel ihrer Regionen zu sammeln!!!

Wer einen wichtigen Artikel schon früher auf der Heligonia-Seite veröffentlicht haben möchte, wende sich bitte an die jeweilige Regio-Spielleitung.
 


© Copyright Stefan Rampp, Inés &  Marc Hermann

Berichte von Susanne Arbogast. Christian Claus, Thilo Döhring, Henning, Frank, Marc Gebauer, Andreas Hils, Daniela Lochner, Günther Merk, Katharina Puchner, Frank Prietz, Benjamin Rampp, Andreas Reicke, Julia und Andreas Riedlinger, Bernhard Zulehner