Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia

Im 2. Poëna n.A.III 31

Ausgabe 50


Kronkurier

Zum Jubiläum

Stolz waren wir, die Vereinigung der unabhängigen Informationsdienste Heligonias (VduIH), dem Helios-Boten vor Jahren zum Jubiläum der 20.  Ausgabe gratulieren zu dürfen. Nun, die Zeit eilt an uns vorbei und schon ist es soweit: Das "freie und unabhängige Mitteilungsblatt des Landes Heligonia" feiert seine 50. Ausgabe und ein weiteres Mal können wir nur gratulieren und den Machern mit all seinen Schreiberlingen, Textbearbeitern, Redakteuren, Lektoren und natürlich vor allem den Herausgebern Respekt zu zollen und Dankbarkeit für diese Arbeit zu schulden. Ohne den Helios-Boten, das ist wohl einem jeden bewusst, gäbe es praktisch keine öffentliche heligonische Meinung, der Bote ist die wichtigste Form der Mitteilung und Bekanntmachung im gesamten Königreich. Dabei dient er nicht nur dem Adelsstande zur Verkündung seiner Politik, sondern ebenfalls dem gemeinen Volk zur Unterhaltung und Information. Ohne den Boten, so muss man sagen, wäre es ein anderes, ein leiseres, ein weniger buntes Heligonia! Umso dankbarer sind wir dafür, dass es den Helios-Boten gibt!
Für außerordentliche Verdienste um die öffentliche Information und Pressearbeit wird dem Helios-Boten zum Jubiläum seiner 50. Ausgabe hiermit im Namen aller unabhängigen Informationsdienste Heligonias die aurazithene Schreibfeder verliehen!
 
Hoch lebe der Helios-Bote! 
Hoch lebe der König!
Hoch lebe Heligonia!


Der Vorstand der Vereinigung der unabhängigen 
Informationsdienste Heligonias (VduIH)


 

Die Sorgen der tlamanischen Bauern

Ich habe eine merkwürdige Geschichte gehört, welche ich nun kund tun möchte. Am 20. Tag des II. Saarka kam ein Bauer nach Tabruk auf den Markt und berichtete über seinen sonderbaren Acker. Das Land des Bauers befindet sich nahe der Grenze zu Carajon, welche durch einen ein Mann großen und massiven Grenzstein und einer kleinen Mauer markiert wird. 
Der Bauer berichtete, dass er mit seiner Familie zu seiner Schwester ins Nachbardorf gereist sei. Diese erwartete ihr erstes Kind und da wollten er und seine Frau zugegen sein. Der Weg führte auch über das eigene Land des Bauern und als sie so dahinschritten, bemerkten sie, dass sie deutlich schneller durch ihren Acker kamen, als dies normalerweise der Fall war. Sie dachten zunächst zwar, sie hätten nur zu viel geschwatzt auf ihrem Wege ins Dorf, aber ein paar Tage später auf ihrem Rückweg ging die Reise durchs eigene Ländchen noch schneller vonstatten. Sie wunderten sich doch sehr, denn kann ein Acker einfach schrumpfen? Ich weiß nicht was man davon halten soll. Ob das nur dummes Geschwätz eines Bauern ist, oder ob dort oben wirklich sonderbare Dinge geschehen.
Freier Schreiber, Jean l`Houet
 

Schmuggler in Quellstedt ???


Uns, der Bürgerschaft und der Händlergilde von Quellstedt ist nicht bekannt, daß sich Schmuggler in unserer Stadt aufhalten. Viele Reisende und Händler durchschreiten täglich die Stadttore oder legen mit ihren Booten in unserem Hafen an. Ob es sich dabei um Schmuggler aus ostarischer Sicht handelt, können wir nicht beurteilen. Es liegt an den Ostariern dies auf ihrem Gebiete klarzustellen. Innerhalb unserer Stadtmauer jedoch sehen wir diese Leute nicht als Gauner sondern als Gäste der Stadt an. Nicht umsonst ist die Reichsstadt Quellstedt der freieste und gerechteste Flecken Heligonias. 
Wir glauben jedoch eher, daß es sich bei diesem Gerücht um eine Hetzkampagne Ostariens gegen Quellstedt handelt. Schon lange versucht Ostarien Quellstedt zurück ins Herzogtum zu bringen. Bisher wurde dies durch überhöhte Zölle und andere Schikanen gegenüber Reisenden von und nach Quellstedt probiert. Da dies aber keinen Erfolg hatte, wird die Stadt mit solchen Behauptungen unter Druck gesetzt. Es ist noch nicht mal mehr auszuschließen, daß militärische Maßnahmen gegen Quellstedt erwogen werden oder wieso wird so direkt auf den Krabbenkutter Adalbert in dieser Situation verwiesen. Auch die Machenschaften in Lodenstadt lassen nichts Gutes verhoffen.
Wir wissen, das besonders der Hohenforinger mit Argwohn auf unsere Stadt blickt, laufen ihm doch in Scharen die Bauern weg. Nicht selten klopfen an unsere Tore ausgehungerte Bauern aus Hohenforingen an und bitten um eine warme Unterkunft und was zu Essen. Mit Stolz können wir sagen, das wir bisher jedem Einlass in unsere Stadt gewähren konnten, obwohl unsere Resourcen auch nur begrenzt sind. Wir leugnen nicht, das es Quellstedt schonmal besser ging. Dies war bevor uns Ostarien so bedrängte.  Die von Ostarien genannten Schmuggler sind bestimmt verzweifelte Bauern Ostariens, die Zuflucht in unseren Stadtmauern suchen.
Da wir eine freie Reichsstadt sind und somit nur dem König unterstehen, werden wir auch nur ihm Rechenschaft ablegen ! ! !

An den Kommandanten der Adalbert - Hoffentlich wißt Ihr was Luv und Lee ist.
 

Wunderbare Wanderäcker

Schien es sich für die Begriffe des gebildeten und weitgereisten Heligoniers bei den Erzählungen des freien Schreibers Jean l`Houet nur um Weinträume zu handeln, scheint das absonderliche Eigenleben eines tlamanischen Ackers nun sogar Wellen in der Gelehrtenschaft zu schlagen.  Der Besitzer jenes eigenwilligen durch Mauer und Grenzstein markierten Landstückes bezeugte, dass dieses seine Größe eigenmächtig verändert habe.  Der nahe Gasthof "Zur wilden Sau" wurde flugs in "Zum Wanderacker" umbenannt und erfreut sich inzwischen eines kleinen aber stetig wachsenden Stroms an Schaulustigen.  Unter ihnen findet sich auch Maurice Fabrèse, seines Zeichens Magister der Geologie.  "Wir beobachten solche Erdverschiebungen in ganzen Stücken immer wieder", verlautbarte der Gelehrte.  "Selten aber in einem solchen Ausmaß.  In der Tat sind solche Phänomene jedoch ganz und gar nichts außergewöhnliches, sind sie doch von natürlichen unterirdischen Flüssen und deren Strom- und Fließeigenschaften bedingt."  Magister Fabrèse und seine Helfer beabsichtigen dennoch, dieses außergewöhnliche Ereignis zu untersuchen.  "Ein rechter Geologe kann diese Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, will er doch aufklären und informieren!"  Der Bauer sieht das allerdings weniger fasziniert: "Und wer bezahlt mir jetzt den Ernteausfall?  Weniger Feld, weniger Hafer, weniger Brei!"  Dem Autor, und dieses persönliche Wort sei ihm erlaubt, fragt sich aber eher, wer da des Bauers Wein bezahlt hat, getreu den Worten "Mehr Wein, mehr Suff, mehr Fantasterei!"
Freier Schreiber Francoi de l'Eglise

 
 

Drachenhainer Herold

Begegnungen auf der Drachentrutz - Reichs- und Heliosritter reiten im Auftrage des Königs

Am Morgen des 15. Tages des 2. Saarka:
Frost hält die Natur seit Wochen in eisigem Griff. Feuerholz ist daher dieser Tage ein kostbares Gut auf der Feste, da bleibt man liebend gern zu Hause in der warmen Stube, zu unwirtlich die Welt dort draußen.
Auch an diesem Mittag ist es bitter kalt. Die Menschen, die einen Gang nach draußen nicht hatten vermeiden können, bewegen sich raschen Schrittes und tief eingehüllt in jeglichen Fetzen Stoff, der etwas Wärme schenkt. Zum Boden gebeugt laufen sie, um möglichst wenig Widerstand zu bieten, dem schneidenden Wind, der in letzter Zeit von der Feste nicht mehr weichen zu wollen scheint. "Nur schnell nach Hause!" ist aus ihren Mienen zu lesen. Doch mit einem Mal kommt der überschaubare Strom hinein- und herausfahrender Menschen ins Stocken, mit geweiteten Augen und offenen Mäulern, schauen sie nach den beiden Männern, die sich hoch zu Ross im leichten Trabe auf das Drachenfangtor gemächlich zubewegen. Selbst das fahle Licht der Sonne, das hinter all den stahlgrauen Wolkenschleiern nur sehr blass zur Geltung kommt, lässt die Harnische der Reiter in einem hehren Lichte erstrahlen. Auf der Brust tragen die Männer das Zeichen des Königs, ehrerbietig machen die einfachen Leute dem Reichs- und dem Heliosritter Platz. Verlegen tut der Torwächter seine Pflicht, fragt unsicher nach dem Namen, und nach dem woher und wohin. "Raphael von Sarmand und Weitbrecht von Embarson, Reichs- und Heliosritter Seiner Allerdurchlauchtigsten Majestät, des Königs. In dessen Auftrage wir auch reiten. Im Namen des Königs fordern wir Einlass und Audienz beim Fürsten!"
Auf dem Wege zur Wohnburg des Fürsten Waldemars, bleibt den Rittern innerhalb der Feste ein hektisches Kommen und Gehen von Boten kaum verborgen. Dies verstärkt den kriegerischen Eindruck, den die Ritter von der Feste gewinnen und erinnert nicht wenig an ein Feldlager hinter festen Mauern. Offenbar bereitet man sich auf einen Krieg vor. Das kundige Auge der schlachterfahrenen Ritter erkennt anhand verlassener Feuerstellen und niedergedrückten Grasflächen, dass noch bis vor kurzem die Drachentrutz ein Heer beherbergt haben muss. Auch die Bewohner der Drachentrutz sind auffällig angespannt, nur wenig zeigen sich neugierig - diese allerdings schon unbotmäßig.
Der Fürst empfängt im großen Wappensaal. Gegen die Kälte der zugigen Fenster kämpft trutzig ein Feuer im offenen Kamin. Seine Durchlaucht steht vor einem langen Tisch, auf dem sichtbar eine übergroße Karte Drachenhains ausgebreitet liegt. Unter seinem schwarzgelben Wams, schimmern die feingliedrigen Ringe eines edlen Panzerhemdes. Die Tafel ist reich bestuhlt, doch der Fürst scheint allein, mit Ausnahme eines eifrigen Schreibers, der die Befehle seines Herrn umgehend auf Pergamente bannt, damit diese sofort an die vor der Türe wartenden Boten weitergereicht werden können.
Erst das vernehmbare Räuspern des Hauptmanns der Wache, der die Ritter des Königs bis hierher geführt hat, lässt den Herrn von Drachenhain aufblicken. Seine Züge wirken hart und entschlossen, aber nicht unfreundlich. "Edle Herren Ritter, seid willkommen in meinen bescheidenen Hallen. Was verschafft mir die hohe Ehre Eures Besuches?" Raphael von Sarmand erhebt das Wort: "Wir entbieten eurer Durchlaucht die Grüße seiner allerduchlauchtigsten Majestät. Der König ist in Sorge über die Kunde, die zu ihm von Unruhe und - vielleicht - Verrat dringt. Deshalb sendet er Ritter aus, die die Lage in Heligonia und auch in Drachenhain erkunden sollen. Wir bitten euch, uns für einige Tage aufzunehmen und uns zu berichten, wie die Lage sich in eurem Lehen verhält." Der Fürst scheint nicht überrascht, offenbar ist er vorbereitet. Er lädt die Ritter ein seine Gäste zu sein und ruft nach einem Diener, der ihnen Kemenaten zuweisen soll, da erhebt Weitbrecht von Embarson noch die Stimme: "Euer Durchlaucht, vielleicht findet ihr es nicht zu unhöflich wenn wir euch fragen, was es mit den Gerüchten auf sich hat, die ogedische Artefakte betreffen sollen. Und was ist mit dem Baron von Flaitney, auf dessen Gebiet sich manches ereignet haben soll?" Der Fürst macht eine unwillige Handbewegung und gibt damit zu verstehen, dass er jetzt nicht der Ansicht ist, dies sei der richtige Zeitpunkt für derlei Fragen. Ein eisiger Windstoss fegt die Teppiche vor den Fenstern beiseite und bringt Kälte in den Saal.
Der Fürst strafft sich. Er erklärt den Rittern, dass es bei diesen "Artefakten" um Statuen geht. Waldemar bietet an, dass die Ritter die Steinbilder untersuchen können. Seiner Meinung nach handelt es sich um das Eigentum seiner Familie, das ihm eins nach dem anderen gestohlen wurde. Beispielsweise sei jüngst die Saarkani Vreda bei einem solchen Raub ertappt worden, habe aber mit ihrem Diebesgut zu türmen vermocht. Er, Waldemar, habe daraufhin Männer hinterhergeschickt und seither nur von deren gewaltsamen Tod gehört. Es heißt, die Männer hätten unangemessene Gewalt angewendet, um in den Besitz der Statuen zu gelangen - darüber weiß der Fürst nichts zusagen. Aber, setzt Waldemar dem entgegen, auf dem Ulmenhofe seien allem Anscheine nach, unheilige Umtriebe vonstatten gegangen. Beispielsweise seien dort Untote gewandelt und Dämonen geboren worden. Was seiner Meinung nach ein harsches Einschreiten, von Seiten seiner Männer mehr als gerechtfertigt hätte. Aus diesen Gründen habe er dem Baron von Flaitney, als seinem Lehnsnehmer befohlen, die für die Morde an seinen ausgewiesenen Männern, verantwortlichen Personen nach Kapitel 1 Artikel 3 der HHGO, zur Rechenschaft zu ziehen. Dem sei der Baron aber nicht nachgekommen, sondern habe sich mit den Mordbuben gemein gemacht und damit den Befehlen des Lehnsherren missachtet und sich damit der böswilligen Verräterei (nach Kapitel 2 Artikel 2 HHGO) schuldig gemacht. "Wo kämen wir denn hin, wenn Lehnstreue nur noch ein hohles Wort wäre!" - Ganz offensichtlich ist der Fürst in dieser Sache nicht ohne Ratgeber geblieben. Bevor jedoch die Ritter etwas erwiedern können, ruft Waldemar nach dem Diener und entschuldigt sich: "Ihr Herren. Ich habe viel zu tun. Lasst mich nun eine Weile meine Aufgaben erfüllen. Kommt heute Abend und seid meine Gäste am Kamin."

Am Abend des selben Tages erreicht der vorläufig eingesetzte Baron Flaitneys, Allister McDonough, die Feste Drachentrutz, um wie vom Fürsten geheißen, seinen Lehnseid abzugeben. Er wird von den Wachen in den Großen Saal geführt, indem der Fürst und die Gäste am Feuer sitzen. Er bringt Kälte mit hinein. "Ah, Allister. Gut dass ihr kommt, so kann Flaitney endlich wieder zur Ordnung finden." Allister verbeugt sich ehrerbietig vor den Rittern des Königs, dann grüßt er den Fürsten.
Waldemar wünscht, dass der Bruder des ehemaligen Barons den Lehnseid leiste. Er knüpft allerdings an den Eid die Bedingung, dass der neue Baron die Statuen herauszugeben hat, sollte sich herausstellen, dass es sich hierbei nicht um ogedische Heiligtümer, sondern um Güter des Hauses und der Familie Drachenhain handelt. Sehe sich seine Hochwohlgeboren Allister dazu nicht in der Lage, so werde ein edler Ritter der Drachentrutz zum neuen Baron des Landes bestallt werden. Allister entgegnet: "Euere Durchlaucht, ich kann euch die Statuen nur übergeben, wenn dies der Wille der Götter ist." Als Fürst Waldemar diese Worte hört, lehnt er sich langsam in seinen hohen Stuhl zurück und spricht mit leiser, aber gut hörbarer Stimme: "Werter Allister, ich kann und will beileibe nicht warten, bis Eure Götter geruhen in dieser Sache zu Euch zu sprechen. Ich habe Euch und den anderen Hochlandbaronen ein Angebot gemacht, das Ihr werte Herren", er wendet sich an die Ritter, "Sicherlich gutheißen werdet! Gegenwärtig heiße ich die Statuen noch meinen gestohlenen Besitz, den Ihr, Baron Koldewaiht und die Schwestern des Barons von Gaeltacht, widerrechtlich vor mir zurückhaltet..." Weitbrecht von Embarson fällt dem Fürsten ins Wort: "Euer Durchlaucht, gestattet dass ich dazu etwas sage." Er wendet sich dem Hochländer zu "Werter Allister, wiewohl ihr anscheinend nachweisen könnt, dass die Statuen Eigentum der ogedischen Glaubensgemeinschaft sind, so bitten wir Euch, an dieser Stelle geeignete Beweise vorzubringen, auf dass der Fürst die Bedingung der Aushändigung, in Betracht des Toleranzediktes, Euch nicht auferlege. Solltet ihr an dieser Stelle diesen Beweis nicht führen können, so überlegt euch gut, was ihr tut. Der Fürst entbietet Euch Ehre und Vertrauen, indem er Euch zum Baron ernennt." Der Heliosritter hält kurz inne - dann fährt er fort: "Gleichwohl, ob Baron oder einfacher Mann, seid ihr an den Lehenseid und die Lehenstreu gebunden. Spricht also aus Eurem Munde kein Beweis für die Zugehörigkeit der Statuen zu den ogedischen Artefakten, so ist zuallererst dem Willen des Fürsten zu gehorchen." Allister schweigt ein paar Sekunden. "Nun, ihr verlangt einen Beweis. Einen Beweis, dass die Götter verlauten ließen, dass die Statuen nicht in die Hände von Fürst Waldemar gehen sollen, oder den Beweis, dass sie nicht Fürst Waldemars Eigentum sind?" Wieder entsteht eine kurze Pause. "Sollte es nur um ersteres gehen kann ich nur im Namen von etwa 60 Personen sprechen, die bei der Göttererscheinung auf dem 3-Ulmenhof anwesend waren. Und das waren nicht nur Gläubige der Viere. Solltet ihr jedoch einen Beweis für letzteres verlangen, kann ich dies nicht. Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass die Heliosstatue aus Jolbenstein kam." Der Fürst springt auf, seine Augen blitzen: "Die Zeugen die ihr anführt - sind das dieselben Leute, die meine ausgewiesenen Männer erschlagen und meine Statuen gestohlen haben? Dann akzeptiere ich diese Zeugen nicht!" Erwartungsvoll blickt der Fürst die Ritter des Königs an. Da erhebt sich Raphael von Sarmand, strafft das Gewand, und spricht: "Euer Durchlaucht, es muss doch möglich sein, in dieser Sache einen Kompromiss zu erlangen!? Ich schlage vor: Es soll zur Klärung der Besitzverhältnisse der Statuen kommen. Bis dahin sei die Ableistung des Lehnseides ausgesetzt und der Edle Allister McDonough zum komissarischen Verwalter des Landes Flaitneys eingesetzt - selbstredend ist bis dahin auch von der Aburteilung des Angeklagten Foranan McDonough abzusehen. Aus Escandra soll eine Delegation berufener Kenner der Materie kommen, um zu entscheiden, ob die Steinbildnisse ogedischer, oder weltlicher Natur sind. Hat irgendwer Einwände gegen dieses Vorhaben?" - Weder der Fürst, noch Allister reagieren sofort, sie beobachten sich gegenseitig. Dann bedeutet Waldemar dem Flaitneyer mittels einer Handbewegung, frei zu sprechen, seinen Zügen ist allerdings keine Regung zu entnehmen. "Wenn seine Durchlaucht gegen diesen Vorschlag keine Einwände haben, bin ich selbst auch bereit, diesen Kompromiss einzugehen." Allister wartet auf Antwort. Waldemar verschränkt die Arme vor der fürstlichen Brust. Hart kommen die Worte hervor, die nun zu hören sind, der Atem steigt in kleinen Wolken auf: "Auch ich halten diese Regelung für recht und billig. Wie dies allerdings in der Praxis zu bewerkstelligen sein soll, würde ich gerne wissen? Deshalb soll der Edle Larenus von Mauten die königliche Kommission begleiten, um in dieser Sache mein Auge, Ohr und Mund zu sein. Ein Trupp Drachentrutzer Soldaten, soll außerdem die Männer des Königs vor Unbilden bewahren." Hier hakt Heliosritter Weitbrecht von Embarson nochmals ein: "Euer Durchlaucht, verzeiht! Aber das wird nicht nötig sein, weitere Mannen des Königs sind auf dem Weg nach Drachenhain. Diese Bewachung wird gänzlich ausreichen. Ansonsten schlage ich vor, dass auch ihr, Edler Allister, noch stellvertretend für all jene, in deren Land sich gerade ein Abbild befindet, einen Abgesandten für dieses Unterfangen bestellt?" Allister nickt den anwesenden Heliosrittern zu. "Wenn dies der Wunsch der Anwesenden ist, soll es so sein." Fürst Waldemar, scheinbar vom Ingrimm verlassen, breitet väterlich die Arme aus: "Nun gut meine Herren, dann haben wir nun doch noch eine Einigung erzielt. Ich bin damit einverstanden, den Edlen Allister McDonough als kommissarischer Verwalter anzuerkennen. Aber auch hier wird ein Treueschwur vonnöten sein, selbstredend wird hierbei die Causa Statuen und Foranan McDonough, außenvorgelassen! Also dann, draußen warten die Leute auf einen Lehnseid, lassen wir sie nicht warten
Bevor sich die Anwesenden, nach draußen bewegen, nimmt Waldemar Allister für einen kurzen Augenblick vertraulich - aber für alle hörbar - zur Seite: "Euer Hochwohlgeboren, es ist mir ein Anliegen, im Frieden mit Euch zu scheiden. Nehmt deshalb als Zeichen meiner Verbundenheit und zur Wiedergutmachung vergangener und künftiger Ärgernisse, diesen wertvollen Mantel, den ich für Euch habe anfertigen lassen. Es heißt, auch mein Ahn Halmar Drachenprinz habe so seine Mannen belohnt, die mit ihm wider die Feinde Drachenhains zogen." Der Fürst deutet auf eben solch ein Kleidungsstück bester Machart, das mit aurazithner Schließe verziert, sauber zusammengelegt auf einem Tische liegt. Ohne auf eine weitere Reaktion zu warten, legt er seinem neuen Vasallen den Mantel um: "Ihr müsst mir nicht mit Worten danken, schon bald wird sich eine Gelegenheit ergeben, da Ihr Eure Treue unter Beweis stellen könnt!" Ohne ein weiteres Wort drängt er danach die Halle zu verlassen. Draußen in einem der Innenhöfe der Feste haben sich tatsächlich einige Menschen aus dem Haushalt des Fürsten zusammengetan und harren der Dinge, die da kommen. Fürst Waldemar tritt aus der Tür des Wappensaals, die anderen Ritter und der kommissarische Baron, folgen ihm auf die hohe Freitreppe, als seine Durchlaucht auch schon zu einer Rede anhebt:
"Höret, höret:
Primo: Mit Hilfe der hochedlen Mannen seiner allerduchlauchtigsten Majestät, der Helios- und Reichsritter Raphael von Sarmand und Weitbrecht von Embarson, ist es uns gelungen, die seit viel zu langer Zeit vakant geblieben Baronie Flaitney einem neuen Verweser zuzuführen. Seine Hochwohlgeboren Allister McDonough wird ab dem heuten Tag zum kommissarischer Verwalter des Landes bestallt. Möge seine Regierungszeit in diesen düstren Zeiten erfolg- und segensreich sein!" Ein Raunen geht durch die Menge, letztlich entschließen sich doch einige zu Jubeln, was dann allgemeine "Er lebe hoch"-Rufe nach sich zieht. Doch noch scheint seine Durchlaucht diese Rede nicht geendet zu haben... Der Fürst bedeutet Allister, das Knie zu beugen. Dann wird der Eid nach alter Sitte geleistet. Dann jedoch wendet sich Waldemar wieder der Menge zu: 
"Secundo: Höret, dass die von uns, stets wie eine Tochter verehrte, Karelia Jefferindell von Jolbenstein sich gegen unseren väterlichen Rat und Willen, verstiegen hat, die Lehnstreue gegen uns den Fürsten auf infame Weise zu verweigern. Deshalb soll sie von nun an nicht mehr Baronin heißen und all ihrer Ämter und Titel verlustig gehen. Ferner hat sie sich unverzüglich auf der Feste Drachentrutz einzufinden, um ihre gerechte Strafe zu empfangen.
Tertio: Dass wir bis zur Bestellung eines neuen Barones, unseren treuen Kanzler Giselher, mit der Verwaltung der Baronie Jolbenstein betrauen. 
Quarto: Dass wir all unseren Lehnsnehmern hiermit befehlen, dem Heerbanne zu folgen und sich mit ihren Mannen unverzüglich vor der Stadt Jolbruck einzufinden." Es herrscht Totenstille auf dem Hof. Der Fürst wendet sich von der Menge ab und dreht sich Allister und den Rittern zu. Seine Züge sind glatt und emotionslos: "Es ist gut Euch jetzt schon hier zu haben, hochwohlgeborener Verwalter von Flaitney. Ich unterstelle Euch hiermit einen Trupp meiner Männer. Zieht gen Jolbruck und vereint Euch mit den Heerscharen des Kanzlers dort. Es steht Euch frei noch welche der Euren nachziehen zu lassen. Boten wurden im Übrigen in jedwedes meiner Lehen entsendet, es wird zu einem großen Heerzug kommen, denn ich dulde keinen Ungehorsam!" Ohne ein weiteres Wort begibt sich Waldemar ohne Hast in den Wappensaal zurück. Schnee beginnt leise auf die Feste zu fallen.
 

Höret, höret!

Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu wissen

Primo:
Dass die von uns, stets wie eine Tochter verehrte, Karelia Jefferindell von Jolbenstein sich gegen unseren väterlichen Rat und Willen, verstiegen hat, die Lehnstreue gegen uns den Fürsten auf infame Weise zu verweigern. Deshalb soll sie von nun an nicht mehr Baronin heißen und all ihrer Ämter und Titel verlustig gehen. Ferner hat sie sich unverzüglich auf der Feste Drachentrutz einzufinden, um ihre gerechte Strafe zu empfangen.

Secundo:
Dass wir bis zur Bestellung eines neuen Barones, unseren treuen Kanzler Giselher, mit der Verwaltung der Baronie Jolbenstein betrauen.

Tertio:
Dass wir all unseren Lehnsnehmern hiermit befehlen, dem Heerbanne zu folgen und sich mit ihren Mannen unverzüglich vor der Stadt Jolbruck einzufinden.

Gegeben am 13. Tag des Eismondes des Jahres 94 n. d. E. 
auf der Feste Drachentrutz

Sturm
Die Raben kündigten das Kommen des Sturmes an, doch heute brauchte Valadur diese Zeichen nicht. Die Boten hatten Kunde gebracht von dem anrückenden Heer und am Morgen dieses Tages hatten die eigenen Augen all die düsteren Vorahnungen bestätigt. Nun war die Aufregung noch gestiegen, obwohl man es kaum glauben wollte.
"Herr."
Seine Gedanken wurden abgelenkt, als seine Dienerin vor ihm auftauchte. "Ihr müsst essen."
Sein Lächeln wirkte müde und eigenltich war er dies auch. Die Verteidigung hatte organisiert werden müssen. Manchmal fragte der Vogt sich, woher die Baronin all die Kraft her nahm. Es schien als würde ein Feuer in ihr brennen, welches dem Körper keine Ruhe gönnen wollte. In ihren Augen brannte der Zorn über die Angreifer. Kette und Panzer waren nun ihre Kleidungsstücke und sie hatte in all der Gewandung des Krieges nichts an Austrahlung verloren, sondern sogar noch gewonnen. Alle hier würden bis zum letzten Atemzug kämpfen. Die Baronin vertrat die gerechte Sache. Ein jeder war sich desen bewusst. 
"Herr?"
"Verzeih Alesa. Zeig was Du Gutes für mich hast."
Sie wich kaum von seiner Seite und heute Morgen hatte er sie schlafend an der Schwelle zu dem Raum vorgefunden, wo sie alle zusammen gesessen hatten um die letzten Informationen in ihre Vorbereitungen einfließen zu lassen. Er hatte sie in seine eigene Kammer gebracht und war wieder zu seinem Platz an den Zinnen zurück gekehrt. Nun war sie hier und sorgte sich wieder einmal um seine Gesundheit und obwohl er keinen Hunger verspürte, gab er nach und genehmigte sich ein wenig von dem Essen. Die Belohnung war ein strahlendes Lächeln. "Und nun geh wieder. Ich habe noch zu tun. Ich lasse nach Dir rufen."
"Ich kann bei euch bleiben."
"Ich lasse nach Dir rufen. Heute ist kein guter Tag um an den Zinnen zu sein."
"Ihr seid es auch und die Herrin von Jolbenstein auch und all die Anderen."
Er lächelte, nahm ihr Gesicht in beide Hände. "Du hast Deinen Platz in dieser Geschichte. Ich sagte Dir doch das ich Dich rufen werde. Geh nun und ruhe Dich aus, damit wenigstens einer von uns ein wenig schlafen kann. Geh nun."
Sie wandte sich ab, aber man konnte sehen, wie schwer es ihr fiel.
Valadur konnte sie verstehen, ihm ging es genauso. Auch er konnte seine Herrin nicht alleine lassen. In diesen Tagen brauchte sie Freunde und Unterstützung. Tage des Krieges hatten den Frieden verschlungen. Schon einmal hatte er seine Heimat verloren, weil er in einen Krieg gezogen war. Wohin würde sein Gott ihn diesmal führen? Sicherlich würde er lachen. Was waren Sterbliche schon im Angesicht der Ewigkeit eines Gottes?
Über ihm knatterten die Fahnen im Wind. Blau und Silber. Trotzig stemmten sie sich gegen die Kraft, die sie umspielte, hielten sich mit ihren Fingern aus Stoff fest an den Mast, wobei sie aller Welt die Farben zeigten, welche sie trugen. Valadur sah die einzelnen Zeichen. Der Sturm kam.
So ging er die Stufen hinauf zum Wehrgang, wo die Stimme seiner Herrin die Soldaten antrieb. Die Berater immer an ihrer Seite. Valadur nickte ihr zu um zu zeigen, das er die gemeinsame Wacht wieder aufgenommen hatte. Wieder einmal musste er zugeben, das diese Herausforderung sie verändert hatte. In all ihrem Zorn, ihrer kriegerischen Art, war sie schöner geworden. Eine wahre Herrin, Zoll für Zoll. 
Er wandte sein Gesicht dem Wind zu. Spürte die unsichtbaren Finger, genoß die Kühle, die er brachte. Für einen Moment glaubte er das Meer zu reichen, doch dies war nur eine Täuschung. Wunschgedanken, oder? Vom Meer sind wir gekommen, ins Meer kehren wir zurück. Totenrede der Hjaldringer. War es an der Zeit zu gehen? Wenn dem so war, dann war dies hier ein guter Ort. Mochte die Herrin von Jolbenstein befehlen, er würde ihre Worte umsetzen. Steuermann war er und würde das Schiff so lenken, wie der Kapitän, der Vaj Kamar, es ihm sagen würde. Heute aber war sie aufgestiegen. Hier im Horst des Drachens hatte sie die Rüstung angelegt, hatte das Blut des Drachen gekostet und war zu der Herrin des Krieges geworden. Vaj Dom. Herrin aller Herren. Und Valadur nahm dies hin. Sie war es eben. Er konnte es in ihren Augen sehen. Stolze Kriegerin.
Seine Hände ruhten auf dem rauen Stein der Feste. Schon bald würde es sich zeigen, wie fest diese Mauern wirklich waren. Er sah sich um. Besah sich die Gesichter, der Leute, die hier oben standen und zu dem näherrückenden Herr des Feindes schauten. Wie viele von ihnen würden diesen Krieg überstehen? Wie viel Blut würden diese Stein, die so kalt unter seinen Händen lagen, trinken? Wer würde die Geschichte dieses Kampfes erzählen? 
Er schüttelte den kopf. Diese Fragen würden vergehen, wenn der Sturm über sie herfiel. Dann würde er das Steuer halten und alle Befehle ausführen, so wie er es gewöhnt war und er würde den Sturm auslachen. Dies war ein guter Ort. Schon bald würde es sich zeigen, ob es ein Ort des Lebens, oder des Sterbens war. Wie auch immer. Sie würden bleiben und kämpfen.
Kämpfen für ihre Herrin.
 
 

Höret Höret

Seine Durchlaucht Fürst Waldemar geben kund und zu wissen,

Primo, dass seine Hochgeboren Prinz Leomar von Drachenhain im ernstlichen Verdacht der Rebellion steht und deshalb allen Würden, Ämtern und Anrechten eines Prinzen zu Drachenhain enthoben ist.

Secundo, dass es allen Untertanen seiner Durchlaucht geboten ist, Leomar von Drachenhain zu ergreifen und seiner Durchlaucht zu übergeben.

Tertio, dass sich ihre Hochgeboren Syria Jaldis, Prinzessin von Drachenhain als Erbin des Hauses Drachenhain sofort auf der Drachentrutz einzufinden hat.

Gegeben am 17. Tag des Eismondes auf der Drachentrutz
Begegnungen auf der Drachentrutz - der Bruch
Am 11. des 2. Saarka reisen Prinz Leomar und Lordkanzler Vergenhans vom Kaminabend in Thal wieder ab. Ihr Ziel ist zunächst Sarniant. Dort treffen sie am 12. ein. Leomar und Vergenhans planen, dort einen Tag zu rasten, um auf Boten zu warten und die Nachrichtenlage zu sondieren. Hierbei treffen die Jolbensteiner Ritter unter der Führung Benedikts ohne Waffenröcke und somit inkognito auf Leomar und berichten ihm von den Ereignissen in Drachenhain. Leomar beschließt, in den nächsten Tagen auf die Drachentrutz zu reiten um seinen Vater noch einmal zur Rede zu stellen und somit ein letztes Mal zu versuchen, einen Krieg zu verhindern. Zudem entspricht dieses Handeln seinen Ankündigungen auf dem Thaler Kaminabend. Dieser Ritt muss aber wegen der großen Gefahr (Exil der Jolbensteiner) vorbereitet werden, denn, so der Prinz, man werde kaum weiter als bis zum Tor kommen, reite man offen auf die Feste. Leomar schickt daher einen Boten zu seinen Kontaktleuten auf der Drachentrutz. Kanzler Vergenhans, der nichts zu befürchten hat, wird, so die Absprache, vorausreiten und die Ohren offenhalten. In der Nacht des 16. Tages soll er die Ankunft Leomars erwarten. Während die Männer so auf die - gefahrvolle - Fortsetzung der Reise warten, treffen drei der Soldaten, die Leomar begleiten, in einer Schenke am Hafen auf die Händlerin Wara, von der sie erfahren, dass sie bei den Geschehnissen auf dem Drei-Ulmenhof zugegen war. Sie bitten sie deshalb, mit zu ihrem Herrn zu kommen um diesem davon zu berichten. Am 15. Tag des 2. Saarka bricht die Gruppe schließlich auf. Leomar wird hierbei von den Jolbensteiner Rittern Benedikt, Eric, Martin Dorn, sowie dem Knappen Benwick und dem Rüstburschen Leif Erik begleitet. Hinzu kommen noch einige
seiner Männer. Durch einen scharfen Ritt gelangt die Gruppe am 16. im Schutze der Nacht an die Felder vor der Drachentrutz. Leomar gebietet seinen Begleitern anzuhalten und abzusteigen. Er selbst wirft Benedikt die Zügel seines Pferdes zu und schreitet vorsichtig über ein verschneites Feld auf eine auffällige Baumgruppe zu. 30 Schritt davor flüstert er : "Saarkas Schutz", worauf aus dem Schatten der Bäume eine Stimme zu hören ist: "und Helios Schirm". Eine Gestalt löst sich aus den Schatten und beugt das Knie vor dem Prinzen von Drachenhain: "Euer Hochgeboren seien mir gegrüßt. Es ist alles bereit, so ihr es tatsächlich wagen wollt." Der Prinz antwortet mit fester Stimme: "Ich will es wagen und ich denke es wird gutgehen. Ich bin es den Meinen schuldig.  Darauf winkt er die Schar seiner Getreuen heran: "Ihr Männer hört nun: Ich werde auf einem geheimen Weg in die Feste gelangen. Ihr habt euch entschlossen mitzugehen und ihr wisst, dass nun Gefahr und Tod auf uns warten können. Indes glaube ich es nicht. Mein Vater wird mich anhören müssen. Ihr, Benedikt, bewacht während wir drin sind mit ein paar Männern die Pferde, die wir in der Scheune dort hinten unterstellen werden. Vielleicht müßt ihr sie bis zu unserer Rückkehr mit eurem Leben verteidigen. Es wird überdies besser sein, wenn ihr euch nicht noch einmal dem Zorn meines Vaters stellt. Wir anderen werden nun dem guten Alwin hier folgen." Alwin führt die Gruppe von der Scheune weg, hin zu einem Entwässerungsgraben, der zwischen den Feldern entlangläuft. "Im Schutze des Grabens können wir uns der Feste nähern ohne gesehen zu werden. Ich weiß einen Eingang an den Torwachen vorbei." Nach etwa einer halben Stunde gelangen sie an den Fuß des Berges, der Stadt und Feste trägt. Alwin deutet auf ein Loch im Fels, aus dem Wasser rinnt. "Hier müssen wir hinein. Laßt Eure Rüstungen hier, sie würden euch hindern. Zwei sollten hier bleiben um den Einstieg zu bewachen!" So geschieht es. Dann kriecht man nacheinander in das Loch. Es riecht muffig und alles ist feucht, dunkel und eng. Nach einiger Zeit öffnen sich die Wände hin zu einem Raum, der weit unter der Drachentrutz sein muss, denn man kann weit entfernt an der Decke ein wenig fahles Sternenlicht erahnen. Alwin deutet auf rostige Eisengriffe an der Wand: "Hier hinauf, doch Vorsicht, die Streben sind brüchig." Nun ist klar, weshalb die Rüstungen zurückbleiben mussten. Das Eisen hätte das Gewicht nicht getragen. Zudem wäre es zu laut gewesen. Nach einem mühsamen Aufstieg erreichen die Ogeden das Ende der Eisensprossen. Es handelt sich offenbar um einen alten Brunnen im Hof der Feste. Langsam klettert einer nach dem anderen aus dem alten Schacht. "Der Brunnen wird nicht mehr verwendet. zu wenig Wasser" grins Alwin. Kein Zweifel, das Wasser wurde genau deshalb abgegraben. Wieder bleiben zwei Wachen am Schacht zurück, die verbliebenen fünf Mann folgen Alwin, der sie zu den Stallungen führt. Prinz Leomar flüstert: "Alwin, warum durch die Ställe?" "Weil euer Vater jetzt meist im Wappensaal ist und nur noch selten in seine Gemächer geht, auch nachts nicht. Ihr kennt doch das Versteck hinter dem Kamin." Leomar nickt. Als Kind war es ihm immer eine Freude gewesen, die geheimen Verstecke der Feste auszukundschaften. Wer hätte geahnt, dass er sie einmal in schlimmer Lage würde nutzen müssen? zehn Minuten später stehen Leomar Erik und Martin in einer  Nische hinter dem großen Wandteppich, der seitlich neben dem Kamin im Wappensaale hängt. Sie hören, wie Lordkanzler Vergenhans und der Fürst sich unterhalten. Offenbar geht es um die Frage, wie ein Viehdieb zu behandeln sei, der aus Hunger stahl. Im Übrigen lässt sich aus der Stimme des Fürsten nicht viel Sympathie heraushören. Leomar befiehlt seinen Begleitern, hinter dem Teppich zu warten und nur im Notfall herauszukommen, dann strafft er sich und tritt vor. 
Mit einem Schlage verstummen alle Gespräche im großen Saal, für Minuten ist es totenstill "Was in aller Welt...Leomar! ist dann zu vernehmen und ein Zinnkrug fällt scheppernd zu Boden. "Komm her Sohn, im rechten Augenblicke bist Du zurückgekehrt! Nimm Platz zu meiner Rechten, auf dass wir uns wappnen wider die Unbilden/Fährnisse, die sich über dem Hause Drachenhain zusammenbrauen". "Wahrlich Vater, dem Hauses Drachenhain gilt auch meine Sorge, denn nichts ist mehr zu ahnen von alter Väter Sitte, das Land hat sich gewandelt in eine Feste des ceridischen Glaubens, wo kein Ogede mehr leben kann und mag. Ich fordere dich deshalb auf, Vater, leg beiseite das Werkzeug, lass ab von Deinem jetzigen unheilvollen Tun, sonst wird zerschellen das Land unter Deiner Hand. Wir Ogeden werden dann Hammer und nicht länger der Amboss sein! Was sagst Du Vater, wie lautet Dein Entschluss?" "Schande, Schande über Dich! Du willst sein ein Spross des Drachenhainerstammes? Erkennst Du nicht die Schlinge der Feinde und Missgünstigen, die sich wie Feuer immer enger um den Hals unseres hohen Hauses legt!? Nein, Du dummes Kind kommst selbst brandschatzend an ihrer statt in das Haus unseres Geschlechtes!" "Du bist der Auswuchs! Du hast gebrochen mit allem was den Altvorderen recht und billig war. Selbst die Vier sind in Wahrträumen herabgestiegen, um Deinem Treiben ein für alle mal ein Ende zu setzen. Viele Deiner Vasallen beschlich ein Gesicht, wonach es mit Dir zu Ende geht. Bis zum Drei-Ulmenhof hat es sie geführt, wo offenbart wurde, was jeder wusste: Der Odem des Alten Drachen wird erlöschen!" "So haben Dich die alten Götter nicht bedacht mit ihren Streichen, haben Dich im Ungewissen gelassen in ihrer Huld? Bist Du denn sicher, ob es wirklich diese Hohen waren, von denen Du da sprichst? Ich hörte Zungen, die sagen, eine unheilige Wesenheit sei geboren worden auf dem Drei-Ulmenhof, weißt Du, nach wessen Willen dies in Wirklichkeit geschah? Heißt es nun nicht für mich, dem  Herren des Landes, Obacht zu halten? Was Du noch nicht weißt, sage ich Dir nun: Ich - im Gegensatze zu Dir - bin erhellt und durchdrungen von meinem Gott. Mehr als ein Traum brachte mich auf den Weg, den ich mein Leben lang schon wandle. Was hast Du? Aus Deinen Worten schließe ich, dass Dir selbst keiner dieser angeblichen Wahrträume erschien? Was hast Du, frage ich? Doch genug, ich bin es leid mit tumben Menschen zu reden." "Ha! Vater, Dir wird es nicht mehr gelingen mir Sand in die Augen zu streuen. Deine Zeit ist vorüber! Im Namen Halmar Drachenprinz und Ardan des Starken: Steig vom Thron alter Mann, damit ich wieder richten kann, was Du in Deinem verblendeten Eifer getan hast!" "Das ist genug jetzt! Dir werde ich nie mein Lebenswerk in die Hände geben, Dir Fußlappen meiner Feinde! Packt ihn nun, legt ihn in Ketten und werft ihn zu den seinen!" Den letzten Befehl schreit Waldemar wütend den Wachen zu, die sich am Eingang und in zwei Alkovennischen an den Wänden aufhalten. Die Wachen zögern nur kurz, aber es bleibt Zeit für Vergenhans aufzuspringen und zu rufen: "Haltet ein, das geht zu weit. Der Prinz hat nichts getan, was diese Maßnahme rechtfertigen würde!" Jedoch hören die Wachen nicht auf ihn, da Waldemar ihn wütend anblitzt und mit nun wieder beherrschter Stimme sagt: "So, auch ihr also. Ich verstehe. - Verlasst sofort mein Haus!" Prinz Leomar weicht im Angesicht der Wachen zurück zum Kamin und ruft seine Leute hinter dem Teppich herbei. Jene springen daraufhin hervor und ziehen die Schwerter. Die Drachenhainer Gardisten sind für einen Moment erstaunt, plötzlich weitere Gegner vor sich zu sehen. Diesen kurzen Moment des Zweifels nutzen Leomar, der Kanzler Vergenhans und die Jolbensteiner. Sie werfen sich auf die Gardisten und schlagen ihnen die Schwerter aus den Händen. Dann springen sie zurück in den Gang. Der Rest ist schnell erzählt: Mit knapper Not gelingt es dem kleinen Trupp, dank Alwins Kenntnisse, von der Drachentrutz zu entfliehen und zurück zu den Pferden zu kommen. Lediglich Ritter Erik zog sich dabei eine Verletzung zu, weil er den Brunnenschacht sicherte bis alle hinein gestiegen waren und ihn so ein auf den Mauern stehender Armbrustschütze in den Arm traf. Mit zusammengebissenen
Zähnen gelingt ihm der Abstieg. Als die Drachentrutz nur noch wie ein dräuender Schatten hinter ihnen liegt, spricht Kanzler Vergenhans zu dem Prinzen einige, im Vertrauen gesprochene Worte, Leomar entgegnet hierauf mit lauter Stimme: "Ich stimme Euch voll und ganz zu! Nur will ich mich nicht ins ferne Escandra davonstehlen, wenn bald wahrscheinlich um meinen Thron gefochten wird. Ich ahne Schlimmes und ich glaube, was wir in den letzten Stunden erlebt haben, war sicherlich nur der Anfang! In dieser schweren Stunde kann und will ich die Verbündeten nicht allein lassen. Hochgeschätzter Kanzler, wäret Ihr bereit an meiner statt zum König zu reisen, und ihm von den unerhörten Vorgängen zu berichten? Das Drachenhain für das ich stehe, wäre Euch für immer dankbar!" Kanzler Vergenhans, von dem Gehörten sichtlich bewegt, wendet sich an den Prinzen: "Wertester Leomar, ich danke Euch von tiefstem Herzen für Euer Vertrauen in mich. Natürlich werde ich sofort aufbrechen. Ein Pferd wartet im nächsten Dorf schon auf mich und ich werde nicht ruhen, bis ich vor dem König Eure Sache, die Sache aller Ogeden vorgebracht habe.  Ich wünsche Euch von Herzen, alles Gute, bleibt gesund und lasst Euch  nicht zu sehr von Euren Gefühlen leiten. Es stehen viele Menschenleben auf dem Spiel und mehr noch ... Ich habe Euch aus aufrichtigen Mann kennen gelernt und bin zuversichtlich. Mögen die Viere Euch leiten auf dass Helios Gerechtigkeit und Saarkas Zorn mit Euch seien." Vergenhans umarmt Leomar. Der Drachenhainer Erbe erwidert die Umarmung: "Lieber Kanzler, ich werde die Meinen nicht enttäuschen! Möge Drachenhain geheilt sein vom bösen Odem und endlich ein anderes sein, wenn wir beide uns wiedersehen! Den Segen der Vier, Helios vor, auf Euren Wegen!" Kanzler Vergenhans wendet sich zum Gehen, als Ritter Benedict vortritt und ihm anbietet, einen seiner beiden geübten Waldläufer mitzugeben, um möglichst schnell und ungesehen voranzukommen. Die beiden Waldläufer haben bei Vergenhans schon bei ihrer ersten Begegnung einen sehr guten Eindruck gemacht... Der Kanzler von Cambrück bedankt sich für die angebotene Hilfe, meint aber, dass es wohl besser sei, Leomar den bestmöglichen Schutz zu bieten. Ein Heliosgeweihter könne mit der Hilfe eines jeden Bauern rechnen und so käme er bestimmt gut und schnell durchs Land. Dennoch bedankt er sich nochmals herzlich für das Angebot, wünscht en Mitstreitern der letzten Tage den Segen der Vier und eilt mit einem letzten "Alles Gute" dem nächsten Dorf entgegen.
Auch Ritter Benedict, nimmt sogleich den Prinzen zur Seite und bittet ihn, nach der Ächtung seiner Person durch seinen Vater, dass er und seine Männer Tag und Nacht auf Leomars Leben achten dürfen. Keiner der sich hier befindlichen Ordenskämpfer, soll mehr am Leben sein, bevor auch nur ein Streich in Leomars Richtung geführt werden kann. Der Fürstensohn zeigt sich ob dieser Worte tief bewegt, schaut Benedict, den Frauen und den Männern einige Augenblicke ernst ins Gesicht: "Ich werde Euch diese Treue nie vergessen - im Guten wie im Schlechten nicht - ich hoffe nur, dass diese noble Tat nicht dereinst auf Euch zurückfallen wird. Ihr habt Euch den Fürsten von Drachenhain zum Feind gemacht!"
Plötzlich fernes Hundegebell, der Feind naht, die Flüchtenden setzen sich wie ein Mann wieder in Bewegung. Bei den Pferden angelangt, hält Leomar Alwin zurück: "Das Bündel das ihr da tragt - habt ihr es geschafft?" Alwin nickt und sagt: "Es war in der Truhe im Jagdzimmer." Und mit diesen Worten schlägt er das Tuch zurück. Leomar nimmt das Schwert des Drachenhainer Schwertführers entgegen und seine Augen blitzen: "Nun denn Vater, so hast du es gewollt." Dann geht alles rasch. Schnell jagen die Reiter davon nach Westen, auf die Grenzen Rebenhains zu.
 
 

Drachenhainer Bischofswahl eine Farce? - 

Pater Zussmund steht Rede und Antwort

Stimmen namhafter Kirchenmänner des Landes werden dieser Tage laut, die die Meinung vertreten, dass die unlängst begangen Wahl zum Oberhaupt der Drachenhainer Ceriden - zumindest im moralischen Sinne - nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. "Der Name dieses hohen Würdenträgers soll nicht in einem Zuge genannt werden mit Drachenhainer Regierungsränken. Das ist unwürdig!" So die Worte des Paters Zussmond von Prauen, eines der fünf restlichen Mitglieder des bischöflichen Kapitels. Der Pater hatte sich innerhalb der langwierigen Bischofswahl vehement für den anderen Kandidaten, für Abt Anandu Immianus von Jolbruck, stark gemacht. Besonders bitter stoße dem Geistlichen aus St. Aluin die Art und Weise auf, wie "ein gewisser Bruder von der Drachentrutz" in die Corona des bischöflichen Kapitels hineingepoltert sei und die fünf Anwesenden mit "fürstlichen Dekreten fuchtelnd" vor vollendete Tatsachen gestellt habe:
"Und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da wir unwiderlegbare Zeugnisse vorzulegen bereit waren, welche die Statthaftigkeit des Erlind doch in arge Zweifel gebracht hätten. Nur gut, dass der Primus so weise war, sich noch nicht für den einen, unter Zwang erwählten, Kandidaten ausgesprochen zu haben. Bald werden ich und andere umfangreiche Gründe vorbringen, warum es dazu nimmer kommen darf! Abgesehene davon, frage ich mich ernsthaft, ob es überhaupt im Sinne des Einen ist, dass der Fürst den Bischof, wie einen seiner Vasallen und Speichellecker, nach eigenem Gutdünken und politischen Kalkül bestallt. Ja, manche werden meine Worte nicht gerne hören, aber der Eine gebietet uns das Wahre zu sprechen und das Unwahre nicht unwidersprochen zu lassen!"
Der Leser darf fürderhin gespannt sein, wie sich der Streit innerhalb der ceridischen Kirche in Drachenhain weiterentwickeln wird. Muss etwa die Bischofswahl wiederholt werden, wie wird das Urteil des Primus ausfallen, steht die Kirche im Fürstentum vor der Zerreißprobe und wie wird seine Durchlaucht reagieren?
Freier Schreiber, Minhart Balamus
Die Lindfurter Hafenwacht gibt bekannt:
Unter Anordnung des Barons Alton von Fichtenhau werden bis auf weiteres Sicherheitsvorkehrunge für die Baronie Lindfurt und das Fürstentum Drachenhain getroffen. Nach dem die Mantiden sich doch wieder im Süden Heligonias ausgebreitet haben, wollen wir eine weitere Verbreitung vorbeugen. Da bereits die Mantidenkönigin über den Seeweg nach Heligonia gekommen ist, sehen wir uns gezwungen, die Schiffe aus Darian, Thal und Betis gesondert auf Mantiden zu durchsuchen. Die Handelsschiffe dürfen bis auf weiteres nur noch an der Packinsel festmachen, um eine Isolation der Kreaturen zu gewährleisten. Den Waren der Schiffe werden separate Pack- und Lagerhäuser und Verladearbeiter bereit gestellt, um einen Nachteil im Handelsgeschäft zu vermeiden. Im Lindfurter Hafen ist jeder Handeltreibende willkommen, deshalb bitten die Maßnahmen nicht als Schikane, gegenüber Händlern aus südlichen Regionen zu sehen, und bitten die betroffenen um Verständnis. Die nötigen Kontrollen werden sobald wie möglich wieder aufgehoben.
Kielbert Minzer, Schreiber des Stadtgeschehen

 

Fromme Fürbitten

In diesem heurigen Jammerjahr gibt es glücklicherweise auch noch Lichtblicke für unseren geliebten Fürsten, die Euch geneigtem Leser, nicht vorenthalten werden sollen:
 

Werter Fürst Waldemar,

Verzeiht, dass ich Euch schreibe und nicht persönlich diesen kurzen Weg zu Euch gegangen bin, aber die Gicht macht  mir in diesen Wintermonden sehr zu schaffen. Ich möchte Euch auch keinesfalls mit meinen nichtigen Belangen zusätzlich belasten. Die Sorge um Euer
Wohlbefinden will mir einfach keine Ruhe geben. In meinen Gebeten flehe ich den Einen ehrerbietig um die Einsicht seiner abtrünnigen Schäfchen und um den Schutz seiner gläubigen Kinder an. Auf dass ein
sinnloses Blutvergießen unsere Frauen nicht ins Unglück und unsere Kinder nicht zu Weisen machen solle und der Eine sein Richtendes Schwert nur auf die Frevler fallen lasse. Jeder Messe Abschluss gehen
dieser Tage die Fürbitten für unseren werten Giselher und Wentorius von Waldhort einher. Euer Durchlaucht, dürfte ich euch den Vorschlag einer Mitternachtsmesse unterbreiten. Vielleicht lassen Euch die Lobpreisungen und Gebete an unseren Herren, wenn auch nur für einen Moment, wieder mit lachenden Augen Euren ergebenen Untertanen entgegentreten. Sie würden wieder neuen Mut schöpfen. Nun muss mein Schreiben ein Ende finden, die Nächte sind kalt, mein Fürst, da eine Bibliothek wahrlich kein Ort ist, an dem eine Frau meines Alters um diese Stunden noch seien sollte.
Eure demütige Dienerin des Einen,  Salome von Richilesruh

 

Offener Brief von Metabor an das Volk von Drachenhain

Meine lieben Ogedischen Brüder uns Schwestern, werte ceridische Mitbürger

Ich sehe den heraufziehenden Sturm über Drachenhain, und mein Herz wird schwer bei dem Gedanken, ich welchen Blutbad dies enden könnte. Darum möchte ich euch alle zum besonnen Handeln und zur Mäßigung aufrufen. 
Viel Unrecht ist in letzter Zeit geschehen und genauso viel Hass wurde geschürt. Doch bedenkt, wir leben alle unter der Sonne Helios und nach den Gesetzen unseres geliebten und weisen Königs Aximistilius Helos III. Macht uns das nicht zu einem Volk? Sind wir nicht ungeachtet des Glaubens gleicher Maßen Bruder und Schwester? Es wird Zeit einander zu respektieren und die Wünsche des Anderen zu achten.
Unrecht soll gesühnt werden. Doch nicht durch das Schwert - sondern durch die königliche Halsgerichtsordnung. Und ein jeder in Heligonia hat dies zu beachten - sei er nun Bauer auf dem Feld oder ein Lehnsherr von Stand. Wer die Gesetze achtet, genießt ihren Schutz. Wer sie bricht, der wird bestraft. Und so ist es auch mit dem Wort der Götter.
Diejenigen, die Land und Volk verraten, sollen wissen, dass sie sich nicht über das Gesetz stellen können und sie für ihr Taten bestraft werden. Der Odem der Frevler wird versiegen.
Zu lange wurden wir gegeneinander ausgespielt. So darf es nicht weiter gehen. Besinnt euch auf die wahren Werte zurück.

 Metabor, Sohn des Helios

Die Belagerung der Feste Drachenhorst

Prewal Kurtzschuh vom Heliosboten berichtet.
Was bisher geschah:
Nachdem am 24. Tag des 1. Saarka ein Bote Fürst Waldemars Jolbruck erreicht hatte, der von der Baronin verschiedene Leistungen einforderte, die diese nicht nachzukommen gewillt war, bereitete Karelia Jeferindell im geheimen die Mobilmachung vor, ließ die Waffenfähigen mustern und sandte Nachricht an ihre Verbündeten. Sodann ließ die Baronin Getreide auf ihre Stammburg, die Drachenhorst, bringen und was sich nicht dorthin schaffen ließ, wurde - so wird zumindest erzählt - mit Mutterkorn verdorben. Auch alles Vieh wurde von den Weiden geschafft und - auch das ein Gerücht - die Viehbrunnen vergiftet. Die Baronin zog sich mit ihren Mannen auf diese Burg zurück und ließ sich von den ausgesandten Spähern berichten, dass offenbar Truppen aus allen benachbarten, ceridischen Baronien (und Abteien) die Jolbensteiner Grenze passiert hätten. Leider kamen nicht alle Späher zurück, so dass die genaue Anzahl der Feinde im Dunkeln blieb. Jedoch konnte ab Mitte des 2. Saarka kein Zweifel bestehen, dass die Lage sehr ernst war. 
Am 18. Tag des 2. Saarka waren schließlich von den Zinnen der Drachenhorst die fürstlichen Soldaten zu sehen. In den Reihen des fürstlichen Heeres macht das Gerücht die Runde, Karelia Jeferindell habe sich zur Gräfin von Drachenhain ausgerufen und versucht, den Fürsten zu vergiften. Am 19. Tag des 2. Saarka begann die Belagerung der Feste Drachenhorst durch vereinigte Hochaskensteiner und Drachentrutzer Soldaten. Im Laufe des Tages, gesellten sich noch Sengenberger Templer und Lindfurter hinzu...
19. Tag des II. Saarka
Gegen Mittag löst sich aus den Truppen des Fürsten ein berittener Bannerträger und reitet auf die Burg zu. Es ist der unterhändler des Fürsten, der Edle Bergulim von Roydenbach. Mit fester Stimme gebietet er den Verteidigern die Tore zu öffnen und den Widerstand aufzugeben. Er fordert die Baronin im Namen des Fürsten auf, sich zu ergeben. Die Antwort der Jolbensteinerin schallt von den Zinnen über das fürstliche Heer: "Wollt Ihr Euer Blut für einen gesetzlosen Despoten geben? Sind Halsgerichtsordnung und somit der König nicht auch für Euch als gesetzestreue Heligonier über allen Sterblichen? Wenn dies nicht so ist, dann ist Blutvergießen gerecht!" Bergulim vom Roydenbach hört sich die Antwort geduldig an. Er tätschelt den Hals seines Pferdes während der Rede Karelias, dann gibt er folgendes zu verstehen: 
"Ihr seid es, die gegen die königliche Halsgerichtsordnung verstoßen habt: Abgesehen davon, dass Ihr Euren Lehnsherren ungeheuerliches und beleidigendes vorwerft - was allein schon zu Eurer Absetzung ausreichen würde, habt Ihr Euch öffentlich verstiegen, seinem fürstlichen Willen nicht Folge zu leisten und Euch offen gegen ihn zu stellen. Die königliche Halsgerichtsordnung ist in solchen Fällen eindeutig: die Anschuldigung kann nur heißen Hochverrat! Ich überbringe Euch ein Angebot des Fürsten. 
Primo: Die Besetzung dieser Festung ist aufzuheben. 
Secundo: Jefferindell Karelia, Ihr habt Euch binnen eines Tage im Büßergewande auf die Drachentrutz zu zu bewegen - es sei denn, Ihr habt mit Eurem Leben abgeschlossen und rechnet mit der Ächtung. Der Fürst weiß, Ihr beruft Euch in Eurem schändliche Tun, auf die Geschehnisse beim Drei-Ulmenhof. Lasst Euch sagen, die Besitzverhältnisse der vier Statuten - die angeblich ogedische Artefakte sein sollen, definitiv aber aus dem Besitz des Fürsten von Drachenhain entwendet wurden - sollen durch eine königliche Kommission untersucht und eindeutig bestimmt werden. Dies ist der Schluss, den seine Durchlaucht und zwei Ritter des König, vor vier Tagen einvernehmlich geschlossen haben. Ihr seht, es gibt keinen Grund für Euer überzogenes Tun. Kleidet Euch also in Demut und kniet nieder vor Euren Lehnsherren! Andernfalls wird Fürst Waldemar unter Mithilfe eines königlichen Heeres kommen, um zu richten!" Ohne eine Antwort abzuwarten, wendet sich der Unterhändler um und reitet zurück in das fürstliche Lager.

20. Tag des II. Saarka
Gegen Mittag verstreicht das Ultimatum des Fürsten, ohne dass etwas geschieht. Eine weitere Stunde später allerdings kommt Bewegung in die gesammelten Drachenhainer Truppenverbände. Rings um die Drachenhorst werden überall Zelte aufgeschlagen und stolz vielfarbene Banner entrollt. In angemessenem Abstand zu den sichtbaren Ausgängen der Feste, werden ringförmig Weidenblenden aufgestellt, hinter denen die Bogenschützen postiert, etwaige Ausfälle im Keime ersticken sollen. Dann wird Holz herbeigeschafft und unter Hämmern und Sägen, notdürftige Hütten errichtet. Unweit der höchsten Anhöhe, südlich und etwas abseits der Feste, wird gegraben - die Erde soll offenbar zu einem künstlichen Hügel aufschütten werden. Einzelne Führer reiten gegen die Mauer der Feste, um Schwachpunkte zu erspähen - selbstredend in ausreichender Entfernung, um nicht Opfer eines von oben abgeschossenen Pfeils zu werden. Unterdessen rüstet man zur förmlichen Belagerung; einiges Sturmzeug hatte war auf Heerwagen mitgeführt worden, dieses wird nun an Ort und Stelle ausgeladen und sorgfältig aufgebaut. Viele Hände zimmern, bohren, nageln bis zur Feste und weiter noch hörbar. Zu Kampfhandlungen allerdings kommt es an diesem Tag nicht.

21. Tag des II. Saarka:
Noch mehr fürstliche Truppen sind erkennbar, mögen es tausend sein? Der Rauch unzähliger Fackeln und Lagerfeuer legt förmlich einen weißen Nebel über das Feldlager der Belagerer. Bereits in den frühen Morgenstunden werden die Arbeiten des gestrigen Tages fortgeführt. Es scheint sogar, als seien noch mehr Hände am Werk, die in unbeständigem Takt das Holz, Stahl und Leder bearbeiten.
Gegen Mittag bewegen sich fünf Wägen auf die südlichen Mauern der Feste zu, die mittels Weidengeflecht und derben Lederhäuten umspannt, die Menschen darunter vor Pfeil und anderem Unbilden abschirmen. Als man auf Schussweite herangekommen ist, stoppen die Fuhrwerke nebeneinander. Unter dem mannigfachen Beschuss der Eingeschlossenen fassen die fürstlichen Soldaten einen Posten. Durch Verpfählung und Erdaufwürfe in Richtung der Feste, durch Weidengeflechte und durch lange Eichenbretter wird dieser Posten versucht gegen eventuelle Anfälle und Geschosse der Belagerten zu schützen. Des öfteren fällt ein Getroffener aus dem Verbund, was die Arbeiten aber nicht zu beeinträchtigen scheint. Auch hier wird nun gehämmert und gesägt, was dort gebaut wird, bleibt den Belagerten aber noch verborgen....

22. Tag des II. Saarka:
Die gesamte Nacht war für die Belagerten hörbar am gestern erkämpften und durch Weidengeflecht, Holzpfahlwand und Erdaufwurf geschützten Vorposten gearbeitet worden. Jetzt bei Sonnenaufgang offenbarte Helios, was so gefährlich nah an die Mauern der Feste Drachenhorst heran geschafft werden musste und nun, zusätzlich zu den zur Feste gerichteten Blenden, vom Feldlager aus von Bogenschützen vor möglichen Ausfällen gedeckt wird:
Zwischen zwei senkrecht gegenüberstehenden Stützen aus starkem Eichenholz hängt waageähnlich ein langer Balken. An das gegen die Feste gekehrten Ende ist sichtbar ein beschwerten Kasten befestigt. An dem andern Ende aber ist, mit starken Seilen umwunden, eine Art riesenhafter Holzlöffel angebracht, in den offenbar Geschosse gelegt werden können. 
Mittels einer Vorrichtung am Gestell wird sogleich der "Löffel" zur Erde herabgesenkt und mit Ketten und Seilen in dieser Stellung festgehalten. Aus einem Wagen werden in Leinen umwickelte Bündel herbeigeschafft. Nein, es handelt sich nicht um Stein oder Flammenbrunst, mehrere fleischfarbene Brocken werden eilends auf die Vorrichtung gelegt. Durch kräftigen Hammerschlag wird nun ein eingepflocktes Spannseil gelöst, worauf der beschwerte Wurfarm blitzschnell empor schnellt und seine "Geschosse" im weiten Bogenwurf auf das Ziel, das Innere der Feste, schleudert. Mit lautem Klatschen kommen diese auf Dach, Mauer, Zinne und Brunnen auf, tatsächlich handelt es sich um halbverdorbenes Pferdefleisch....
 
 

Höret, höret!

Seine Durchlaucht, Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu wissen

Primo, dass Krator von Rebenhains künftig nicht mehr Baron heißen soll, da er sich gegen seinen Herrn gewandt hat und des übelsten Hochverrats verdächtig ist.

Secundo, dass ihre Hochwohlgeboren Samira, Baronin zu Rebenhain, sich sofort samt ihrer Erbin in den Schutz der Feste Drachentrutz zu begeben hat, will sie die Ansprüche ihrer Tochter wahren. Andernfalls erlischt dieser und seine Durchlaucht werden einen Baron in Rebenhain einsetzen.

Tertio, dass es allen treuen Untertanen seiner Durchlaucht angelegen sein muß, Ihre Hochwohlgeboren Samira vom Silberlauf, Baronin zu Rebenhain aufzufinden und in den Schutz der Drachentrutz zu geleiten, da zu befürchten steht, dass ihr Gatte sie festhält.

Quarto, dass es allen Untertanen seiner Durchlaucht geboten ist, Krator von Rebenhain zu fangen und an seine Durchlaucht zu übergeben

Quinto, dass Jefferindell Karelia von Jolbenstein, vormals Baronin zu Jolbenstein weiterhin des Hochverrats dringend verdächtig ist und ferner sich der hinterhältigen Brunnenvergiftung schuldig gemacht hat. Aus diesem Grund spricht seine Durchlaucht die Acht über sie. Jeder, der sie unterstützt oder ihr Hilfe gewährt sei hiermit gewarnt, dass er sein Leben verwirkt.

Sexto, dass seine Durchlaucht ein weiteres Mal alle Untertanen ernstlich ermahnt seiner Durchlaucht die schuldige Treu zu erweisen und nicht der Schande des Verrats und des Eidbruchs zu verfallen. Auch sollen alle wissen, dass seiner Durchlaucht Gefolgsleute in seiner Durchlaucht Namen handeln und zu unterstützen sind, als sei seine Durchlaucht höchstselbst anwesend.
Gegeben auf der Drachentrutz im Eismond.
Hinterhältiger Anschlag auf Truppen des Barons von Jolbenstein
Wie jedermann weiß, gefiel es seiner Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain, die unbotmäßige Baronin von Jolbenstein abzusetzen und an ihrer Stelle seine Hochwohlgeboren Giselher von Mühlenheim, Baron der Antrutzen und Kanzler Drachenhains als Baron für die Zeit der Unruhen in Jolbenstein einzusetzen.
Die abgesetzte Karelia nahm jedoch nicht, wie es ihr gut zu Gesicht gestanden hätte, den Spruch seiner Durchlaucht an, sondern floh wie ein Reh aus Jolbruck um sich in ihrem Bau zu verstecken. So konnte Baron Giselher Jolbruck in Besitz nehmen, allerdings wurde die Freude getrübt durch heimtückische Anschläge der Hexe Karelia. Diese, so steht zu vermuten, ließ einen Brunnen mit, wie sich herausstellte, Gift des Eibenbaumes versetzen, so dass über ein Dutzend Pferde und mehrere Antrutzer Soldaten daran starben, als sie ihren Durst zu löschen suchten. Nur durch die schützende Hand des Einen wurde Baron Giselher erhalten, dem offensichtlich dieser Anschlag galt.
Seine Hochwohlgeboren setzte auf Grund dieser furchtbaren Verräterei eine Prämie von 50 Dukaten auf den Kopf der feigen Mörderin aus. Wie man hört, sandte er auch sofort Botschaft auf die Drachentrutz.

Jolbruck im 2. Eismond. Berichtet von Bruder Lupinus, 
Geistlicher im Heer der Antrutzer
 

Wieder ein Rundgang

Wieder ein Rundgang. Es gab nicht viel zu tun, ausser diesem Warten. Warten darauf, das der Feind, den man bisher nur aus der Ferne sah endlich Aug in Aug einem gegenüber stehen würde. Alles, nur nicht weiter dieses verdammte Warten. Valadur lächelte, wenn er Trauer sah in den Augen der Menschen. Sprach von Tagen voller Sonnenschein, wenn er die Angst erkannte, die an dem Mut der Männer und Frauen nagte. Hier und da, nahm er ein Kind in den Arm, wenn die Eltern nicht mehr die Kraft besaßen die Fragen des kleinen Menschen zu beantworten. Dann hörte der Vogt zu, sprach mit leiser Stimme und wiegte die Kleinsten in den Schlaf um sorgsam dann die Schlafenden zurück in die liebenden Arme der Mutter zu geben. Er war einer von ihnen, dies war es was er zeigen wollte. Als er an einer Gruppe junger Männer vorbeischritt, hörte er Worte, die seinen Zorn erregten. "Sollen sie nur kommen! Ich werde sie töten und ihnen die Haut abziehen, wie man es mit Schafen macht." Langsam näherte sich der Vogt der Gruppe, wobei er darauf achtete den Rücken des Sprechers im Auge zu behalten. Dieser ließ sich auch nicht durch die Reaktionen seiner Zuhörer von seinen Blutreden abhalten, bis die Stimme Valadurs erklang. "Sieh an. Wir haben einen erfahrenen Krieger unter uns. Wie viele habt ihr schon getötet, mein Freund?" Der junge Mann drehte sich um und in seinem Gesicht stand der Schreck geschrieben, plötzlich vor einem der Männer zu stehen, die als treuste Kämpfer der Herrin von Jolbenstein galten.
Valadur betrachtete dies Gesicht. Zu jung für den Krieg. Zu jung für den Tod. Vielleicht hatten diese Augen dort 17 Sommer gesehen, vielleicht ein oder zwei mehr, oder auch weniger. Zu jung eben. "Ich... Wie viel? Also..." "Keinen Menschen habt ihr bisher getötet. Schafe aber dafür, nicht wahr?" "Ja. Tod ist Tod." Er gewann an Selbstsicherheit. Der Vogt ließ ihm diesen trügerischen Landgewinn für einen Moment. "Tod. Leicht kommt dies Wort von euren Lippen. Habt ihr einmal auf dem Schlachtfeld gestanden, wenn um euch herum eure Freunde fielen? Wenn die Pferde eurer Gegner den Körper eures ältesten Freundes in den Boden traten?
Sein Fleisch, seine Knochen, sein Blut auf euch hernieder regneten, während er voller Todesangst nach seiner Mutter rief? Habt ihr gesehen was Brandöl im Gesicht eines Menschen anrichtet? Wenn Schönheit zu schwarzen, blutigen Blasen wird, die aufplatzen und nur rohes Fleisch übriglassen, das schmerzt, selbst wenn nur der Wind darüber streicht? Habt ihr die Schreie der Sterbenden gehört, wenn ihr nach der Schlacht über dies Feld des Blutes schreitet, auf der Suche nach den Überresten von denen, mit denen ihr einst gelacht habt? Stellt euch vor, wie es ist einen von ihnen zu finden, nur um zu erkennen das der Tod ihm nicht geschenkt wurde, obwohl man ihm die Beine vom Körper geschlagen hat. Er bittet darum von eurer Hand erlöst zu werden. All die Tage der Freude die waren, all die Bande der Freundschaft beschwört er und ihr? Seid ihr stark genug um sein Flehen zu erhören? Werdet ihr euer Schwert erheben um ihn zu töten? Werdet ihr all diese Feinde vernichten? Ihre Haut abreissen? All diese Gegner, die doch genau das Gleiche mitmachen wie ihr? Auch sie verlieren ihre Freunde. Und genau wie hier, weinen dort die Mütter über den leeren Gräbern ihrer Söhne, weinen die Frauen über ihre Liebsten, die nicht wieder kommen, weil ihre Körper auf dem Feld der Schlacht geblieben sind, vereint mit den Leibern ihrer Feinde, von denen sie nie gehört hatten. Warum sind sie ausgezogen in den Krieg? Wer hat auf sie gewartet? Wer wollte sie halten und nicht gehen lassen? Tod kommt leicht über die Lippen. Wer aber hat ihn verdient? Wer? Kommt, sagt es mir." "Sie haben unser Land überfallen und die Herrin... Es sind Feinde..." "Es sind Menschen, denen man erzählt hat, das wir die Feinde sind. Das wir die Schafe sind, denen man die Haut abziehen sollte. Unmenschen, Barbaren. Doch wir sind Menschen, genau wie sie. Wir werden kämpfen, wenn wir es müssen. Wir töten um zu verteidigen, doch vergessen werden wir nicht, das es Menschen sind. Das ist der Unterschied." Er wandte sich ab und ließ den jungen Krieger stehen. Es gab nichts mehr zu sagen. Valadur würde töten, doch nach dem Kampf würde er die Toten beklagen und ihre Namen, ihre Taten in den Wind brüllen, damit sein Gott nicht vergessen würde, was Valadur ihm vorwarf. Sein Blick glitt zu den Zinnen und da stand sie. Die Herrin von Jolbenstein. Schön, wie immer. Der Sturm beugte sie nicht. Ihr Wort würde all ihre Streiter in den Sieg, oder den Untergang führen. Wie auch immer das Ende sein mochte, sie alle würden ihr folgen. Tod. So leicht klang dies Wort...
 
 

Der Damm des Schweigens

Der Baron blickte unverwandt auf die Wand, an der sein Banner hing, umrahmt von zwei Wolfsfellen. Seit Minuten saß er regungslos an seinem Schreibtisch, vor sich den Brief des Fürsten. Der Mann, der die Botschaft am Tor in Empfang genommen und zu seinem Herrn gebracht hatte, stand wie eine Statue an der Seite des Tisches.
Schließlich räusperte sich der Baron. Er sah den Hauptmann der Wache an, der mit keinem Augenzwinkern Interesse zeigte und fragte ihn: "Wann haben wir das letzte Mal mobil gemacht?"
"Vor einigen Jahren. Im Wolfenfeld-Konflikt", antwortete der Hauptmann.
"Nein, das meine ich nicht", antwortete der Baron gedankenverloren. Er schob den Brief leicht von sich weg, ohne ihn anzusehen. "Wann war das letzte Mal die ganze Baronie mobilisiert - oder besser gesagt, das ganze Land?"
"Das war vor etwa 80 Jahren, zur Zeit der Clankriege. Zur Zeit meiner Großväter." Der Hauptmann wandte den Kopf und sah den Baron zum ersten Mal direkt an. "Und zur Zeit Eures Großvaters."
Der Baron nickte. "Ja, damals", sagte er leise und fuhr nach einer längeren Pause fort: "Vielleicht ist es wieder so weit." Er sah nun seinerseits den Hauptmann an.
"Ich brauche Kiondre. Ich brauche die Geweihten der Burg, ich brauche 10 Männer, die als Boten taugen, ich brauche Euren Stellvertreter und ich brauche Euch. Ach ja und meine jüngere Schwester. Ihr organisiert das. Und lasst gleich am Tor Bescheid sagen: Absolute Nachrichtensperre gegen jedermann. Wer eine gezielte Botschaft bekommt, besprechen wir nachher. Treffpunkt hier."
"Jawohl." Ohne überflüssige Worte oder Gesten verließ der Hauptmann den Raum.

Seither haben den Heliosboten, von den bekannten Heeresbewegungen abgesehen, aus Luchnar keine zuverlässigen Nachrichten mehr erreicht.
 
 

Gedanken zu den Drachenhainer Lehnsnehmern

Was ist es doch ein eitel Ding um die Macht der Herren: Wie die Hunde balgen sie sich um einen Knochen und sehen nicht, dass der Herr die Peitsche schon geholt hat um seine Kläffer zur Ordnung zu rufen. Fürwahr, es ist weit gekommen mit dem ach so edlen alten Adel Drachenhains. Es ist noch nicht lange her, da war dieses Fürstentum am Rande des Untergangs. Adveristische Rebellen wollten den Thron besteigen und den guten Herrscher stürzen. Wer half in dieser Not? Die hochherzigen Hochländer? Die weinfreudigen Rebenhainer? Oder gar diese Buhle, die heute wie eine getretene Hündin mit eingezogenem Schwanz in ihrem Bau sitzt und hofft, es möge sich einer ihrer erbarmen?
NEIN! Es waren andere Herren, die dem Fürsten halfen Ruhe und Ordnung herzustellen. Nicht der alte Adel Drachenhains diente sich an. Neue, aufstrebende Kräfte machten den Undank vergessen, der dem Herrscher von seinen angestammten Günstlingen entgegenschlug. Und heute, wie steht es da um die alten Freunde? 
Wie man hört, gibt sich einer nach dem anderen auf, wird übermütig oder wahnsinnig! Die eine ruft sich zur Gräfin aus, ohne auch nur einen Augenblick einen Gedanken daran zu verschwenden, wem sie Gehorsam schuldet, und wer immer seine Hand über sie hielt. War es nicht der Fürst, der einst euch das Lehen gab? Und war er es nicht, der euch Beistand schenkte, als ihr eurer wertlosen Dörfer wegen beinahe in einen Krieg gerutscht wärt, der euch das Köpfchen gekostet hätte? Fürwahr, so dankt ihr es ihm nun! Aber wie man sieht sind eure Fähigkeiten seither nicht gestiegen: weiland wart ihr schwach und heute seid ihr es noch mehr. Eingeschlossen in eurer letzten Burg könnt ihr euch daran laben, wie eure Getreuen - es werden wenig genug sein - des Hungers sterben. Nein, ihr seid keine Gräfin, ihr seid ein Geschwür, das es auszubrennen gilt. Wart ihr es nicht, die die Wasser vergiftete, damit Mensch und Tier elend stürben? Oh ja, ich ahne euer Wimmern, wenn ihr auf dem Turm steht und nur Feinde seht. Wo sind eure Freunde? 
Krator von Rebenhain ist nicht mehr! Der Fürst hat ihn abgesetzt und gerichtet, samt seiner Brut!
Eure Ritter? Man findet sie in den Schenken des Landes und in den Armen der Metzen!
Der Prinz? Geflohen.
Nein, oh edle Gräfin, ihr steht allein. Es wird keiner kommen. Das alte Drachenhain hat sich überlebt. Die neue Kraft schlägt mächtig den Filz entzwei, den ihr und euresgleichen ausgelegt habt. Nicht länger wird das Ohr des Fürsten euch und euren Gespielen offen stehen. Rache, Strafe, Gericht. Das sind die Worte, die man euch in den Leib brennen wird.
Eure Klagen hier bei Hofe, daran zweifelt nicht, sind bekannt. Das Lachen hallt durch alle Flure, so sehr gereichen eure Schriften einem Gauklerstück zur Ehre. Jedoch, für eure Zwecke, fürchte ich, sind sie nutzlos. Zu sehr stelltet ihr euch ins Unrecht. Nein oh Gräfin. Ihr und die euren ihr seid verflucht und verlassen. Der Herr hat die Peitsche geholt, schon hebt sich die strafende Hand.
Kundgetan von Bruder Pankraz von der Drachentrutz
Escandra im Eismond 94 n. d. E.

Pater Zussmund der Bestechlichkeit angeklagt!

Unbestätigten Meldungen zufolge, hat Pater Zussmund seit einigen Tagen das zweifelhafte Vergnügen sich Befragungen bezüglich seiner Angebinde gefallen zu lassen. Was im Genauen dem Mitglied des bischöflichen Kapitels zur Last gelegt wird, ist bislang leider noch nicht verlautbart worden. Es heißt aber, bis zur Sicherstellung seiner Unschuld, sei der Pater aus St. Aluin all seiner Ämter entbunden worden.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von Drachenhain

 

Vor dem Kampfe

Die Bauern werkeln nicht mehr in ihren Stuben, reparieren nicht mehr, was im Sommer entzwei ging, versorgen das Vieh keine Handbreit weiter, als es bedarf. Keine Magd zaubert mehr aus den verbleibenden
Äpfeln und Zwetschgen schmachhaftes Backwerk, kein Knecht schaut, ob der angesetzte Spätmost die rechte Reife hat oder ob einer alten Decke eine frische Füllung aus den Daunen mäßig williger Gänse Not tut. Ein eisiger Wind fegt übers Land – Saarkas Sturm. Doch es ist nicht ihr weißes Wehen, das dem Körper Kälte bringt, sondern ihr Schwert entfacht den Sturm, ihre Lanze treibt den Schneefall voran, harte Graupen, die gleich Blutstropfen auf den kahlen Feldern in Kreisen getrieben werden. Jeder kann ihn spüren, jedem dringt er ins Mark, doch wer verzagt, wenn das Herz zu Eis wird? Nein, niemand zagt. Es konnte nicht immer weitergehen. Selbst wer mit seiner Hände Kraft für sein Wohlergehen arbeiten und sich fernhalten konnte aus dem Übel, das von außen kam, selbst der hatte längst gespürt, dass der Sturm in der Luft lag. Viel ist geschehen in den letzten Jahren. Und so sind sie vorbereitet, die Bauern und Torfstecher, die Müller und Schmiede, nicht so sehr an Waffen oder Rüstungen, aber geistig sind sie vorbereitet – auch wenn es ein Schock ist, aber überrascht es jemanden? Nein, nein, es stand wohl zu befürchten. Und so wissen sie, dass sie sich nicht einfach ergeben werden, dass sie nicht dulden werden, gebannt zu sein unter dem Joch einer fremden Herrschaft, einer fremden Religion. Nein – Jolbenstein wird kämpfen!

Meldung von Hauptmann Bodmar, Vertreter des Ritters Samuel von Turlach, an Prinz Leomar
Es dauert mich sehr, Euch eine traurige Nachricht mitteilen zu müssen, aber die Tatsache lässt sich nicht länger leugnen. Euer treuer Diener Arandis von Schwarzensteyn wird nun schon seit geraumer Zeit vermisst. Leider müssen wir inzwischen davon ausgehen, dass er in Ausübung seiner Pflicht den Tod fand. Lasst mich erklären, wie es dazu kam.
Als Arandis im letzten Mond des Xurl einen seiner einsamen Erkundungsritte antrat, kehrte er davon nicht wieder zurück. Anfangs machten wir uns keine Gedanken, kam es doch des öfteren vor, dass er wochenlang in den Weiten der Leomark alleine unterwegs war. Als jedoch nach einigen Wochen sein Pferd ohne ihn zurückkehrte, wurde die Sorge zur Gewissheit. Die Tatsache an sich reichte schon aus, dass wir um sein Leben bangten, doch der elende Zustand seines Pferdes, das schwere Verletzungen trug, bestärkte uns darin. Wir begannen sofort mit einer groß angelegten Suchaktion. Das Wetter verschlechterte sich zu jener Zeit jedoch so sehr, dass es unmöglich war, irgendwelche Spuren zu finden. Anfang des letzten Monat der Saarka gaben wir die Suche und die Hoffnung, ihn jemals lebend wieder zu finden, schließlich auf. So bleibt mir nur noch die traurige Pflicht, euch vom Tod eures Lehnsmannes berichten zu müssen. Er war ein tapferer Mann. Möge er bei seinem letzten Kampf mit Saarkas Beistand viele Gegner in den Tod geschickt haben, so wie es der Zustand seines Pferdes vermuten lässt. Wir betrauern seinen Verlust und bitten Helios um die Aufnahme seiner Seele. Möge die Erinnerung an ihn in unseren Herzen nie verblassen.


 
 
 
 
 

Herzögliche Ostarische Hofgazette

 Hiermit sei kundgetan:

Wir, Walluma, von Seiner Allerdurchlauchtigsten Majestät eingesetzte Regentin über das Herzogtum Ostarien, schauen mit Unmut auf die Taten und Worte, welche in diesen Tagen aus gewissen Landen zu vernehmen sind. Es kann und darf nicht sein, dass einem rechtmäßig von König bestallten Lehensherrn nicht Folge geleistet wird; es kann und darf nicht sein, dass offen zum Kampf gegen die vom König ausgerufene Ordnung gehetzt wird; es kann und darf nicht sein, dass der Lehenseid, welcher dem direkten Lehensherrn wie auch dem König gleichermaßen gilt, so mit Füßen getreten wird. Dies nennen wir Rebellion und Hochverrat. Wenn aber ein Untertan ohne Lehen gegen die bestehende Ordnung des Königs hetzt, so ist das nicht besser, denn auch das ist Rebellion und Aufrührerei wieder Seine Majestät. 
Wir sehen es hiermit als Unsere Pflicht, die Untertanen des Fürsten zu Drachenhain, sowie alle anderen Untertanen des Königs, welche sich gegen die Ordnung in Drachenhain wenden, zu ermahnen: Denkt an das bestehende Recht und bedenkt die Pflichten, welche einem Untertan des Königs auferlegt sind. Wer wider diese handelt, ist ein Feind des Reiches und muß damit rechnen wie ein solcher behandelt und abgeurteilt zu werden. 
Ostarien appelliert an Eure Vernunft und hofft auf Eure Rückkehr auf den rechten Weg. 
Bis zu einer Änderung der Zustände sieht sich Ostarien dazu gezwungen die Grenztruppen an seiner Südgrenze zu verstärken und die Kontrollen an ebenjener zu verschärfen, wie es bereits geschehen ist. Der Weg nach Ostarien wird von nun an nur noch den Rechtschaffenen offen stehen. 
Walluma von Ostarien
Regentin Ostariens
Erzvogtin zu Ankur

Das Fürstlich Thaler Flottenkommando und die Herzöglich-Ostarische Admiralität geben bekannt: 

Zum Schutz des Heligonischen Reiches vor Drachenhainischen Zuständen, werden ab sofort sämtliche Flußgrenzen des Fürstentum Drachenhains von Flottenverbänden Thals und Ostariens patrouilliert. Dabei übernimmt Ostarien den Schutz des Jolborns bis zum Brazachdelta, sowie des Brazachs von Tatzelfels ab nach Norden. Thal beaufsichtigt den Brazach einschließlich des Deltas bis Tatzelfels, also entlang des gesamten Thaler Hoheitsgebietes. Ein Übergreifen der Unruhen auf das restliche Reichsgebiet soll dadurch unterbunden werden. Händler und Reisende auf den Flüssen Heligonias werden gebeten die nötigen Kontrollen und die dadurch entstehenden Verzögerungen des Verkehrs zu entschuldigen.

Lodenstadt im Mond der Besinnung

So wie sich der ruhige Schleier des Winters übers Land legte, so kehrt auch im Lodenstädter Flottenhafen wieder Ruhe ein. Von den ominösen Geschehnissen des letzten Sommers ist kaum noch etwas zu spüren. Nach und nach wurden die Bauarbeiten wieder weniger und mit dem letzten Teiletransport nach Jolberg ging alles wieder zur Normalität über. Auch der Bauzaun, der lange Zeit den Flottenhafen teilte ist nun wieder verschwunden. Nichts mehr deutet auf irgendwelche Absonderlichkeiten oder Neubauten hin und es wurde auch kein neues Schiff in Lodenstadt vom Stapel gelassen. Was aber all der Aufwand bedeuten sollte, das ist nach wie vor unklar. Selbst eine Anfrage des Stadtrates und des werten Herrn Bürgermeisters selbst blieben bisher ohne Antwort. Da nun aber keinerlei Informationen vorlagen, was im Lodenstädter Hafen überhaupt geschah, ist auch gänzlich unbekannt, ob die Arbeiten dort nun endgültig oder nur vorübergehend ruhen. Es bleibt der werten Leserschaft also nur zu warten.
In Jolberg dagegen nehmen die Geschehnisse weiter ihren Lauf. Nach den bereits berichteten Vorkommnissen tat sich so manches in der Stadt am Jolborn. Die Sicherheit des Hafens wurde drastisch erhöht und immer wieder kommt es vor, dass Schiffe, die ein- oder auslaufen von der ostarischen Marine aufs gründlichste untersucht werden. Besonders Schiffe aus Dunkelstein sind davon betroffen, was den geneigten Leser wohl kaum wundert. Seit den Ereignissen im Herbst wurden auf jeden Fall die Offizierstreffen zwischen Jolberger und Dunkelsteiner Soldaten vorübergehend eingestellt. 
Allerdings erwachsen gerade in den letzten Wochen Zweifel, ob denn Dunkelstein überhaupt mit dem Einbruch in den Hafenanlagen (wir berichteten) in Verbindung zu bringen sei. Immerhin, so wurde bekannt, wurde am Ort der Tat eine gepuderte Perücke gefunden. Hat etwa Telnaron seine Finger im Spiel? Wieder andere sprechen von Spuren, die angeblich nach Betis weisen. Tatsache ist auf jeden Fall, dass in den Werften am Fluss Schiffe auf Kiel gelegt wurden. Allen Informationen nach soll es ob der Größe auch in den großen Docks, die dereinst für die Herzog-Uriel-Klasse gebaut wurden, zu drastischen Umbauten wegen Platzmangel gekommen sein. Wie glaubwürdig diese Aussage aber ist, das bleibt im Dunkeln. So ist es doch nach wie vor unbekannt, wie viele Kiellegungen überhaupt erfolgten. Die Aussagen, was die Größe anbelangt, sind zum Teil geradezu Atemberaubend und können wohl größtenteils ins Reich der Märchen verbannt werden.
Es bleibt also dabei, dass alle Informationen, die das Projekt "Utzgolf" betreffen sehr wage sind. Doch nun, da anscheinend tatsächlich der Bau eines oder mehrerer Schiffe begonnnen hat darf man darauf hoffen, dass auch endlich die Öffentlichkeit davon erfährt.

Bekanntmachung der Baronie Neuenstein:

Hiermit sei folgendes kundgetan und als offizielle Verordnung festgelegt:
Es soll kein Heligonier, welcher Glaubensrichtung auch immer innerhalb der 
Baronie Neuenstein die Hand gegen einen Andersgläubigen erheben, noch gegen einen Glaubensbruder. Derlei Vergehen soll nach den Statuten des Verrates wieder den Herrn und das Land, gemäß der Heligonischen Halsgerichtsordnung geahndet werden!
Gleiches gilt auch für Personen welche keine Heligonier sind. Diese werden zur Strafe umgehend des Landes verwiesen und das Gastrecht wird ihnen aberkannt.
Diese Verordnung sei ab dem 3. Tage des Saatmondes 94 n.d.E. gültig!
Gez. Karolus von Neuenstein, Baron von Neuenstein
 

In Kürze

Wissenschaft: Groß ist das Mysterium welches die kürzlich entdeckten tlamanischen Wanderäcker umgibt. Für einen Forscher vom Kaliber eines Riemold von Bieberau stellt dies jedoch kein Hinderungsgrund dar, sich des Rätsels anzunehmen. Der bekannte Naturforscher und Professor für Phialographie (Weltenschalenkunde) hat sich dieses ehrgeizige Ziel gesetzt und ist im Rahmen einer Exkursion mit zwei Dutzend Studenten und seinem Assistenten Hinrich Weidenstock  aufgebrochen um großangelegte Feldstudien durchzuführen.
Militär: Aufmerksame Beobachter berichteten der Gazette von einigen Sichtungen sich verschiebender ostarischer Truppenteile. Im Frostmond wurden herzögliche Gardisten, sowie Oranecker Panzerreiter beobachtet, die in Buchenfels nach Westen Richtung Emarania vorrückten. Im Eismond durchquerte ein größeres Tristenberger Heer, angeführt von Baron Tyron vom Stein Hohenforingen. Leider konnten wir keine offizielle Stellungnahme zum Zweck dieser Truppenbewegungen erhalten.
Wirtschaft: Die für das Jahr 52 n.A.III. (500 Jahre Schädelspalter-Distillerie Wiesloch) angekündigte Sonderedition des Jolberger Schädelspalters (der Heliosbote 30 berichtete) ist nun, 20 Jahre vor ihrer Flaschenabfüllung  schon beinahe ausverkauft. Wer sich noch ein Fläschchen sichern möchte, sollte sich beeilen und rechtzeitig bei einer der Niederlassungen des Handelshauses Güldentaler vorsprechen. 

Geheimnisse der alten Pruzzen gelüftet

Die Grabung auf der Dombauinsel geht ihrem Ende zu. Nach mehreren Jahren Grabungsarbeiten konnten die Mitarbeiter des Forschungskreises zur Untersuchung Altheligonischer Völkerschaften eine vollständige altpruzzische Wehrsiedlung samt Kultplätzen freilegen, die heute auf einer Insel inmitten des Jolborns liegt. Stolz präsentierte uns Magister Ansgar Güldentaler, der zuständige Grabungsleiter, einige seiner Befunde.
In pruzzischer Zeit, so Güldentaler, soll der Jolborn in einer Schleife um die Siedlung herumgeflossen sein. Sie lag also auf einer Art Halbinsel, was nach der Klärung der schwierigen Stratigraphie nun als bewiesen gelten darf. In Richtung Land wurde ein wehrhafter Schildwall gefunden. Besonderes Schmuckstück der Grabung ist eine Art archaische Schädelspalter-Distillerie, die beweist, welche Traditionen hinter dem allseitsbeliebten Gerstenbrannt stehen. Viele Gefäße, Waffen und Gebrauchsgegenstände konnten aus den Tiefen von Poenas Leib geborgen werden. Vergleichende Studien der Gefäßformen sollen helfen Handelsbeziehungen zwischen verschiedenen pruzzischen Niederlassungen aufzuzeigen und Werkstattbereiche, Fernhandel und kulturelle Zusammengehörigkeit in der pruzzischen Gesellschaft zu untersuchen.
Nach den nun folgenden Rekonstruktions- und Auswertungsarbeiten, vor denen Güldentaler noch keine weiterführenden Interpretationen wagen möchte, soll uns eine große Ausstellung das Leben der alten Pruzzen näher bringen. Diese wird vermutlich nacheinander in Jolberg, Ankur, Escandra und Betis zu sehen sein.
Die Funde und Befunde erlauben mit Sicherheit einen faszinierenden Einblick in die pruzzische Urkultur, die geprägt war von Jagd, Kampf, Verehrung der Götter und unbändiger Lebensfreude. Wir dürfen in jedem Falle gespannt sein.

Wünscht auch Ihr Euch einen märchenhaften Urlaub mit fantastischer Landschaft, Abenden am Kaminfeuer, Musik, atemberaubenden Ausflügen, Cocktails und Vollpension? Dann beeilt Euch und reserviert Euch einen Platz in der niegelnagelneuen Blockhüttensiedlung "Schlangenheim" im sagenumwobenen Luchtenwald, der Mutter aller Wälder Ostariens. Das Herz des stolzen Herzogtums wartet darauf von Euch im Sturm genommen zu werden! 
Es warten Auf Euch: Großzügige und luxuriöse Unterkünfte samt Kammerdiener, exquisite Küche, ausgedehnte Freizeitanlagen, ein Abenteuerspielplatz samt eines Modells eines Schiffes der Herzog-Uriel-Klasse zum Herumklettern (unter Aufsicht) für die Sprösslinge, rauschende Feste, amtlich geprüfte Unterhaltungsspezialisten, Jagddarbietungen, ein Besuch im nahegelegenen Pustelplagmuseum zu Luchtenwald (auch für Kinder geeignet), ein 2-tägiger Ausflug nach Lodenstadt mit einer Kreuzfahrt auf dem Emaransee samt eines Konzerts des Marinechors der Emaranseeflotte und viele weitere begeisternde Angebote.
Greift zu und erlebt einen aufregenden und romantischen Urlaub der Sonderklasse! Das Herzogtum Ostarien wartet auf Euch! 
Anmeldungen bei der Betiser Aussenstelle des Herzöglich-Ostarischen Amtes für Reisewesen. 

 
 

Fürstlicher Thaler Hofchronist


 

 Der Kaminabend zu Diwergast

Der Nebel hing schwer über dem Tal des Brazach und die feuchte Kälte kroch jedem in die Glieder, als sich die Kutschen und Reitergruppen den Helosweg entlang bewegten. Zielstrebig näherten sich die Reisenden aus allen 4 Himmelsrichtungen der Stadt Diwergast und folgten von dort einige Meilen einem Weg, der sie nach Stetten bringen sollte. Dort an den Hängen des Brazachtales befand sich das Landgut, auf das sie die Einladung rief. Wie erstarrt war das Land unter dem Wetter, welches im östlichen Thal um diese Jahreszeit üblich war, feucht, trüb und kalt.  Aber bald sollte es mit der Kälte vorbei sein. Denn wie edlen Damen und Herren waren unterwegs zu einem Fest, das viel Wärme versprach: Dem thaler Kaminabend.
Von überall her waren sie gekommen: Aus Ostarien, Drachenhain und Ligonii, aus Darian und natürlich aus Thal selbst. Sogar zwei hochrangige Gäste aus Escandra, ein Reichsritter und ein Heliosritter, waren anwesend. Da sich der Gastgeber ausdrücklich eine formlose Gesellschaft in privatem Kreise erbat, soll hier darauf verzichtet werden,  die Gäste beim Namen aufzulisten. Cornelius von Langenau hatte jene geladen, die mit Spenden und Tat die durch die Mantiden verheerte Niederlormark unterstützten und dadurch mit beitrugen, das Leid der Bevölkerung zu mindern. Und so war es auch das besondere Anliegen des Gastgebers, zwar angemessen, aber nicht übermütig zu feiern. Denn noch bis zur nächsten Ernte wird es dauern, bis sich das Land wieder selbst versorgen kann. So wurde also kein großer Adelstag gehalten, sondern eben dieses kleine Fest.
Ansgar von Berath und der Gastgeber, die seit dem Ende des Mantidenkrieges Niederlormark verwalten berichteten zu Beginn ausführlich über die Geschehnisse im letzten Jahr und diese Ausführungen zeigten noch einmal den Schrecken, den die Mantiden brachten. Alles in Allem lies die Hälfte der niederlormarker Bevölkerung ihr Leben, noch einmal einige hundert Soldaten fielen im Felde für die Freiheit des Landes. Die Schilderungen gaben keinen Grund zum Zweifel, dass es noch lange dauern würde, bis die Niederlormark in alter Pracht stehen würde.
Doch nichts sollte an diesem Tage daran erinnern, denn es sollte ein Abend der Freude sein. So wurde von dem eigens vom thaler Fürstenhofe in Hochanthan Dienstpersonal ein üppiges Mahl serviert, Musikanten spielten auf und so manche Tanzrunde fand sich vor dem Kamin. Der am Hofe wohl bekannte Barde Cestric von Cen Delir führte mit seiner Theatertruppe ein Spottstück über die Adveristen und auch sonst wurde so mancher Vergnügung gefrönt. Für die beiden Freiherren, die nun die ehemalige Niederlormark verwalten, wurde eine besondere Ehre zu Teil. Im Namen ihrer Vaters Fürst Bartha von Thal übergab ihnen Prinzessin Celia von Thal die Heliosbriefe, mit denen ihre Verwaltungstätigkeit offiziell legitimiert wurde. Die Ländereien Tragen von nun an offiziell die Namen "Berath" und "Langenau", was für die Zukunft so manches erwarten lässt. 
Zu späterer Stunde brachten die anwesenden Saarkani von Mahanel und auch eine Saakrani aus Drachenhain einen Götterdienst dar und segneten die Waffen der anwesenden Recken. Zum Schlag der Trommeln und in rauchgeschwängerter Luft erbaten sie mit ihrem Blut die Kraft der Saarka und zeichneten die Klingen. Selbst die anwesenden Ceriden konnten sich der Faszination dieses Augenblickes kaum entziehen.
Die meisten Gespräche des Abends drehten sich aber, wie nicht anders zu erwarten, um die Geschehnisse in Drachenhain. Cestric von Cen Delir berichtete - nach bardenart in Gedichtform - von den Ereignissen im Hochland von Drachenhain. Worauf die Saarkani von Mahanel ihren Heliosbrief der Vogtei Mahanel zurückgaben. Um aber die Worte des Barden nicht zu verfälschen, sollen sie hier genau wiedergegeben werden.
Rufus der Jüngere, Feldschreiber zu Langenau 
im 1. Saarka 31 n. H. A. III

Die Garde von Thal gibt bekannt:

Am Ende der Saarka-Monde fanden in den Hauptstädten der Thaler Baronien die jährlichen Heerschauen statt. Nach der kalten Jahreszeit war es an der Zeit, die Einsatztauglichkeit der Thaler Männer festzustellen. Die Abgesandten des Fürstlichen Hofes erhoben die Anzahl der Mannen, die Truppenteile und die Armeegattungen. Einzig die Männer, welche regelmäßigen Wach- und Patrouillendienst durchführen, sind von der Heerschau ausgenommen.
Im Anschluss an die Erhebung wurde ein Grossteil der Truppen im Norden des Fürstentums gesammelt um im dortigen Feldlager ein einwöchiges Manöver abzuhalten. Gleichzeitig erging der Befehl die Sicherung der Grenze zu Drachenhain zu erhöhen. Damit soll Schmugglerbanden Einhalt geboten werden, welche von den jüngsten Unruhen in Drachenhain profitieren wollen.
Ebenso erging der Befehl an die Thaler Flotte, den Patrouillendienst auf dem Brazach zu verstärken. Gemeinsam mit der Herzöglichen Ostarischen Marine soll so ein Übergreifen der drachenhainer Unruhen auf Thaler Gebiet verhindert werden.
Hartmut Hohlbein, Schreiber der Garde von Thal

Poëna ist erwacht

Endlich ist sie vorbei, die Zeit von Kälte und Frost. Helios darselbst erstrahlt in neuem Glanz von Himmel auf unsere Häuser, unsere Äcker und Felder.
Ein Blick durch unser schönes Fürstentum offenbart dem aufmerksamen Auge ein geschäftiges Treiben. Bauern bringen ihre Saat aus, Hirten treiben ihre Herden auf die Weiden. Die Straßen, welche das Land durchziehen, werden vom Schmutz befreit, so dass auch Kutschen und Fuhrwerke wieder Problemlos passieren können.
Und auch in den Städten wird an allen Ecken und Enden gearbeitet. An den Häusern werden kleinere Reparaturen durchgeführt, welche die Saarka-Monde durch den starken Frost angerichtet haben. Die Handwerker und Händler nehmen langsam ihre Geschäfte wieder auf.
Langsam aber sicher kehrt das Leben wieder in das Fürstentum zurück. Das Land atmet auf, nachdem Saarka ihren weißen Schleier von Poënas Leib zurückgezogen hat, auf das Helios es erwärmen kann. Die Leute sind guten Mutes und sehen fröhlich in die Zukunft.
Danken wir unserem Fürsten, der unser Land mit weiser Hand regiert.
Dank auch den Göttern, welche gnädig über uns und unser Land wachen.
für den Thaler Hofchronist, Adebard Kornvogel

Baumaßnahmen am kleine Brazach

Im Rahmen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus wird in der Provinz Beraht in Zukunft vermehrt die Fischzucht gefördert. Neben den natürlichen Seen werden am Lauf des kleinen Brazach mehrere künstliche Teiche angelegt. Hauptabnehmer der gezüchteten Süßwasserfische ist die Grafschaft Darian. Hauptumschlagplatz soll die Marktstadt Bergfurt werden. Die Baumaßnahmen für die verschiedenen Staustufen, welche die künstlichen Seen speisen sollen, haben am Anfang der Poëna-Monde begonnen.
für den Thaler Hofchronist, Adebard Kornvogel

Entspannung der Lage in der Niederlormark

Auch in den vergangenen Saarkamonden riss der Strom an Hilfslieferungen für die Menschen in der Niederlormark nicht ab. Sofern es die Witterung zuließ, machten sich weitere Hilfstransporte auf den Weg in Richtung ihrer Ziele in der Niederlormark. Lebensmittel, Saatgut, Nutz- und Schlachttiere wurden vor Ort dankbar entgegengenommen. 
Den Vieren zum Dank nahm der Winter einen milderen Verlauf als erwartet, der Mensch und Tier trotz aller Kargheit nur das Machbare abverlangte und drohende Hungersnöte ausbleiben ließ. Seit vor Kurzem Saarka ihren kühlen Mantel von den Feldern hob, kehrt Grün auf die Felder und Leben in die Dörfer und auf die Weiden zurück. Bereits Ende des vergangenen Mondes waren erneut zusätzliche Hilfskräfte zur Unterstützung bei der Feldarbeit und den anfallenden Instandsetzungsarbeiten entsandt worden, die die Bevölkerung in allen Belangen unterstützen. Der derzeitige erfreuliche Fortgang der Feldarbeiten lässt auf ein zeitgerechtes Ausbringen der diesjährigen Frühjahrssaat zu Beginn des kommenden Mondes hoffen.
Zum Dank an die Götter wurde auf Geheiß des Fürsten zum Poenafest allerorten ein Fest gefeiert, in dessen Rahmen Dankopfer an den ogedischen Schreinen dargebracht wurden. Noch immer ist die uns auferlegte Prüfung nicht bestanden; so es den Göttern jedoch gefällig ist, wird das Land sich schon binnen weniger Monde wieder selbst mit allem Notwendigen versorgen können. Bis dahin soll auch weiterhin alle Hilfe und Unterstützung gewährt werden, die für das Gedeihen der noch geschwächten Marken notwendig ist.
Tilmann Eschenburger, Stadtschreiber zu Sethnara

 
 
 

Betiser Tribüne

Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks


Was sich schickt Und was nicht
Der Heliosbote Bürgerkriegsähnliche Konflikte
Euna von Fichtenhau Hochverrat
Zitieren aus der Halsgerichtsordnung Großer Jammer
Königliche Ritter Fernwandernde Äcker

Der Handelsprophet


 

Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 5 Kreuzer
Pergament 10 Bögen 1 Dukaten und 3 Groschen
Söldnerlohn 1 Tag 4 Groschen 
Chison 1m²  1050 Dukaten
Elchsleder 1m²  8 Groschen und 3 Kreuzer
 Der Aurazith-Kurs bleibt auf hohem Niveau. Der Pergamentpreis steigt Experten zufolge aufgrund des hohen Verbrauchs durch die hohe Auflage der Jubiläumsbotenausgabe. Der Kursanstieg des Söldnerlohnes ist, so wissen gut informierte Fachleute zu berichten, in dem sich zuspitzenden Konflikt in Drachenhain und der daraufhin gesteigerten Nachfrage nach wehrhaften Kämpfern zu suchen. Der Chisonpreis hingegen steigt wohl aufgrund der heranziehenden Frühjahres mit all seinen stattfindenden Festlichkeiten, bei denen die Dame von Welt sich eben nur in den besten und teuersten Stoffen präsentieren will. Das Elchsleder hingegen konnte sich bislang noch immer nicht in den Frühjahrskollektionen der Schneider durchsetzen und büßt in seiner Notierung ein.
 

Bürger des Monats

Zum Bürger des Monats wurde Emilio de Brunelli, Hauptmann der Betiser Stadtwache ernannt. Dank des konsequenten Eingreifens seiner Truppe konnten größere Auseinandersetzungen beim Zusammentreffen zweier Demonstrationszüge (vergleiche dazu das Stadtgeschehen) verhindert werden. Der Hauptmann nahm die Ehrung im Namen der Stadtwache gerne an und versprach auch für die Zukunft sichere Straßen in ganz Betis.
Des weiteren wurde von der Jury eine Sonderehrung bekanntgegeben: So wurden die Herausgeber des Helios-Boten rechtzeitig zu dessen fünfzigster Ausgabe ebenfalls zu Bürgern des Monats ernannt. Die freie Reichstadt gratuliert!
 

Gunst und Kunst

Was die Heligonier am liebsten hören 

1 (4)    Der begeisterte Bürger - "Betiser Boote"
2 (3)    Jean-Pierre - "La belle Leabell"
3 (1)    Wunderkind Bonifazio - "Jucheisasa!"
4 (-)     Belgabor - "Wohin gehst Du Heligonia?"
5 (2)    Die Vogelfreunde - "Kerze im Wind"
6 (-)     Salah ben Anwar Nur ed´Din - "Celia, Prinzessin von Thal"
7 (6)    Die Junker - "Wir sind die Sieger"
8 (-)     Harald Schönefonte - "Der Frühlings-Chacha"
9 (8)    Leonardo - "Viva Ostaria!"
10(5)  Sie könnten Giganten sein - "Spinne"
 

Stadtgeschehen

Seit einiger Zeit hält sich die werte Euna von Fichtenhau, Nichte des Barons von Lindfurt, als Gast der Familie Corvese in Betis auf. Gerüchten zufolge wurde sie gemeinsam mit dem Dogen bei einem Besuch einer Opernaufführung gesichtet.
Im Gasthaus "Goldene Taube" fand das alljährliche Frühlingsdaroktunier statt. Erneut gab es zahlreiche Mitspieler und noch mehr interessiertes Publikum. Der Erlös der äußerst gelungenen Veranstaltung solle, so der Veranstalter, der Unterstützung von Waisenkindern aus dem Hafenviertel zugute kommen, damit diese nicht ins kriminelle Milieu hineinwachsen müssten.
Auf dem Helosplatz kam es in der vergangenen Woche zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen zwei Demonstrationszügen. Unter dem Motto "Gerechtigkeit in Drachenhain" trafen Unterstützer Leomars von Drachenhain auf die Getreuen von Waldemar von Drachenhain, welche lauthals skandierten: "Nieder mit den aufständischen Rebellen!". Nachdem die beiden Menschengruppen sich zuerst nur gegenseitig beschimpften kam es schnell zu Handgreiflichkeiten, welche die Stadtwache jedoch innerhalb kürzester Zeit auflöste. Dazu Hauptmann Emilio de Brunelli: "In unserer Stadt kann jeder sagen und für das eintreten was er will - solange die Grenzen der Halsgerichtsordnung gewahrt werden. Das haben diese Chaoten nicht getan und dafür die Quittung erhalten." Ersten Berichten zufolge wurde gegen ein Dutzend Demonstranten Anklage in verschiedenen Punkten erhoben.
Zum Beginn der neuen Saison wird in Betis eine neue Oper von Wolfgrimm Aramantus Mordshart uraufgeführt: "Die Meistersinger von Jolberg". Die Hauptrollen, so war zu vernehmen, werden gespielt und gesungen von Pavo Rothner als "Karl Breitfuß", Jossip Caracas als "Ole Naseweis" und Bebo Flamingo als "Jens Streitaxt". Nach ersten Informationen, die vom Meister selbst der Öffentlichkeit kundgetan wurden, handelt es sich bei der Oper um einen rustikalen Sängerwettstreit, der schließlich in einer Keilerei endet. In einem kurzen Gastauftritt wurde zudem Harald Schönefonte als "der Reitende Bote" angekündigt.

 
 
 

Der Tanzbär

Zum Bardenwettstreit lud Ciaran,
Weshalb recht viel Volk zum Drei-Ulmen-Hof kam.
Des Abends zog man los zu Saarkas Schrein,
Um dort das Saarka-Ale zu weih'n.
Doch auf dem Rückweg gab's beinah ein Unglück,
Vreda, Tochter der Saarka, viel ans Ende des Zugs zurück.
Ich blickte zurück, zu ihr in den Wald,
Da sah ich im Schatten eine dunkle Gestalt;
Und kurz darauf hörte man Vredas Schrei,
Ich rief "Bewaffnete! Schnell! Eilt herbei!"
Errettet wurd' Vreda aus dieser Gefahr;
Doch hört mir zu, was weiter geschah.

Das Haus schien von seltsamen Klängen erfüllt.
Welch altes Geheimnis das Haus wohl verhüllt?
Es waren die Fetzen von Melodien und Liedern
Die hallten im Hause wieder und wieder.
Lieder und Texte aus vergangenen Tagen.
Aus welcher Zeit? Ich kann es nicht sagen.
Besonders hervor tat sich mir ein Lied,
Leicht melancholisch, auf zwei Flöten gespielt.
Am Abend ging's los mit dem Bardenwettstreit.
In der Herdstatt machte sich jeder bereit.
Die Barden spielten fröhliche Lieder -
Auch diese echoten später im Hause wieder.
Das Flötenstück, das nun fast jeder hör'n kann
Stimmt eine heit're Melodie mit an.
Das Lied ändert sich, stellt die Stimmung so dar,
Nun hört mir zu, was weiter geschah.

Im Laufe der Zeit, so hört man das Wort
Es wären vier Statu'n der Götter am Ort.
Die erste hat Vreda. Man hört sie sagen,
Daß Saarka selbst ihr die aufgetragen.
Auch Helios darselbst tritt mit hervor
Als Statue, überbracht von Metabor.
Die Xurl- und Poena-Statu'n wurden - gebt acht!
Von den merkwürdigen Leuten aus Betis gebracht.
Ich wollt nun wissen, was merkwürdig war?
Hört mir nur zu, was weiter geschah.

Ciaran selbst benahm sich seltsam,
Man meinte mitunter, daß er nicht er selbst war.
Mal redet er wirr mit den Leuten im Raum -
Mal ist er klar, wie erwacht aus 'nem Traum.
Die Studierten kamen letztendlich zum Schluß,
Daß zwei Personen wohnten in seiner Brust.
Die eine war Ciaran, wie man ihn kannte,
Die andre das Lied - wie es selbst sich nannte.
Das Lied, es kannte nur ein Streben:
Es wollte in dieser Welt auch leben.
Und hierfür versucht er mit allen Dingen,
Die Statu'n in seinen Besitz zu bringen.
Doch er war nicht der einz'ge, der sonderbar war - 
Höret mir zu, was weiter geschah.

Gar seltsam war auch Salirins Verhalten:
Zu lang hat man ihn für den zweiten gehalten!
Nun wollte er es der Welt beweisen
Und hierzu Waroniels Lied an sich reißen.
Hierfür hat aus Betis er Hilfe geholt:
Bei ihm steh'n die Corvese in Lohn und Brot.
Doch auf ihr Verhalten macht man sich auch keinen Reim:
Dieselbe Bezahlung fordern sie mehrmals ein.
doch die Verwirrung steigt noch weiter:
Den Hof erreicht ein eil'ger Reiter.
Der Reiter sieht sie, erschrickt und erklärt,
Er kenne die Leute - doch nicht unversehrt.
Tot lagen sie am Wegesrand -
Er ist sich sicher, er hat sie erkannt!
Am Abend wird schließlich allen klar,
Was für ein Wesen der Betiser war.
Es erscheint auf seiner Stirn ein bekanntes Symbol:
Ein J und ein Punkt - die Schuld war es wohl.
Doch anderes passierte, bis es soweit war:
Höret mir zu, was sonst noch geschah.

Am Nachmittag traten Bewaffnete auf,
Sie führten sich gleichsam Barbaren auf.
Mit Waffengewalt wollten sie's erzwingen,
Die Statu'n in ihren Besitz zu bringen.
Und um ihrer Vorderung Nachdruck zu geben
Bedrohten sie Vreda mit dem Leben.
Sie flößten ihr ein ein tödliches Gift,
Das wirkt, wenn eine Stund' verronnen ist.
Ein Fläschchen mit Gegengift sie mit sich tragen -
Die Statuen woll'n sie im Austausch haben.
Doch als es uns später in die Hände fällt,
Stellt man fest, daß es lediglich Wasser enthält.
Doch der Gipfel der Frechheit, das war wohl klar,
War die Behauptung, daß all dies so rechtens war!
Zum Beweis zog 'nen Heliosbrief er heraus;
Als Aussteller wies er Fürst Waldemar aus.
Vreda wurd' gerettet von der hilfreichen Schar,
Doch hört mir zu, was weiter geschah.

Des Abends entschied man, nach langem Ringen
Das Lied nun vollends in die Welt zu bringen.
Und so wird Waroniels Lied gespielt.
Das ganze Haus von dem Klang wird erfüllt.
Dann, als die Melodie ist vorbei,
Steht in dem Raum ein weißes Ei.
Es öffnet sich langsam, bis schließlich aus
Dem Ei schlüpft ein schneeweißes Wesen heraus.
So stand es vor uns, im Lichte so fahl;
Plötzlich füllten Donner und Blitz den Saal.
Was folgte - ich kann es wohl nicht vermeiden -
Läßt schwerlich sich nur in Worten beschreiben.
Gleißendes Licht durchflutet den Raum,
Die vier Lichtgestalten erkannte man kaum.
Mit einer Stimme sprachen zu uns die Viere,
Daß das Lied nicht auf diese Welt gehöre.
Sie versprachen den Leuten, die vor ihnen knieten,
Daß sie schützend die Hand über das Hochland hielten.
Der Odem des alten Drachen würde erkalten;
Mit diesem Spruch ihre Stimmen verhallten.
Das Lied nahmen sie mit sich hinfort.
Nach andächtiger Stille verließ ich den Ort.
Nun steh' ich vor euch - ich schwör', es ist wahr,
Was ich erzählte, was geschah.

Cestric von Cen Delir

Krieg in Drachenhain

Wir haben Krieg in Drachenhain.
Jeder will der Sieger sein.
Großer Spaß für groß und klein.
Oh wie ist das schön.

Wir haben Krieg in Drachenhain.
Es geht im `nen Ogedenschrein.
Doch eigentlich ist das geheim.
Wie konnte das gescheh'n?

Waroniel im Drei-Ulmen-Haus,
sein Lied kam aus dem Ei heraus,
Es sah so weiß und niedlich aus.
Ihr habt es selbst geseh'n.
Wir haben Krieg in Drachenhain
und Foranan, das arme Schwein,
sitzt in einem Kerker ein.
Wie kam er da nur hin?

Die Statuen warn in seinem Land,
dorthin gebracht von Menschenhand,
wo Waldemar sie wiederfand,
und der fand das ganz schlimm.

Wir haben Krieg in Drachenhain
Karelia von Jolbenstein
Darf nicht mehr Baronin sein
Was ist da nur passiert?

Ihr Ritter hat nicht nachgedacht,
vier Bluthunde zu Gwon gebracht.
Und Metabor hat mitgemacht,
völlig ungeniert. 

Wir haben Krieg in Drachenhain
Prinz Leomar drang, wie gemein, 
des Nachts in Vaters Feste ein.
Wie hat er das gemacht?

Hinter einer Teppichwand,
kam er wie von Geisterhand,
gestritten hat er wortgewandt,
und insgeheim gelacht.

Wir haben Krieg in Drachenhain.
Fürst Waldemar, den hört man schrein:
"Dir Tochter soll jetzt Erbin sein."
Wie hat sie das verdient?

Die Sache mit der Teppichwand.
So hat der Fürst ganz wutentbrannt
den Prinzensohn vom Thron gebannt.
Doch hat er das verdient?
Wir haben Krieg in Drachenhain.
Jeder will der Sieger sein.
Großer Spaß für groß und klein.
Oh wie ist das schön.
 

                -Loki -

50 Spruch Halfnet und tschüss

Seit 50 Folgen lest Ihr gebannt
Den Boten, dass Ihr wisst
Wer machte im heligonischen Land
Letzten Mond den meisten Mist?

Und mancher merkt überhaupt nix davon
Und manchen packt das Grauen
Und mancher siehts als Inschpirazion
Noch größren Mist zu bauen
 
 

Termine

07.05. - 09.05.04        Die Würfel rollen in Heligonia bei Bopfingen
02.07. - 04.07.04        Helicon 28 auf dem Zeltplatz Schachen/Münsingen 
10.09. - 12.09.04        Phaenomenon 5 - Victorianique 1890 in Rothenburg  o. d. Tauber
12.11. - 14.11.04        Drachenhainer Jagdgesellschaft auf der Burg Derneck
07.01. - 09.01.05        Adelstag im Schloss Einsiedel

Wichtig! Redaktionsschluss für den nächsten Boten!
Der nächste Helios-Bote erscheint zum Helicon 28 am 2. Juli 2004. 
Der Redaktionsschluss für Ausgabe 51 ist der 15. Juni 2004, damit wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen werden.
Wenn genügend Artikel für ein Portal eintreffen, so wird auch wieder die Gelehrtenzeitschrift erscheinen. Auch hier gilt der gleiche Redaktionsschluss.

Beachtet bitte wie immer, dass auch die Regio-Spielleitungen noch Zeit brauchen, die Artikel ihrer Regionen zu sammeln!!!

Wer einen wichtigen Artikel schon früher auf der Heligonia-Seite veröffentlicht haben möchte, wende sich bitte an die jeweilige Regio-Spielleitung.


Ausgabe 50 des Helios-Boten im März 2004
© 2004 Waldfaun Verlag, Aalen-Waldhausen
Alle Rechte vorbehalten
 

Berichte von Susanne Arbogast, Arnulf Breuer, Tobias Brinkmann, Thilo Döring,.Henning Frank,  Marcus Gundlach, Petra Jörns,  Günther Merk,  Frank Prietz, Katrin Puwalla, Benjamin Rampp, Stefan Rampp, Bettina und Andreas Reicke, Julia und Andreas Riedlinger, Christian Sieger, Eike Simon, Anna Ungureano, Melanie Walker 
Gedichte von Arnulf Breuer, Henning Frank und Stefan Schlott


 
 
 
 
 

Hochverrat Zitieren aus der Halsgerichtsordnung Großer Jammer Königliche Ritter Fernwandernde Äcker

Der Handelsprophet


 

Tageskurse
Aurazith 1 heligonische Unze 1 Dukaten und 5 Kreuzer
Pergament 10 Bögen 1 Dukaten und 3 Groschen
Söldnerlohn 1 Tag 4 Groschen 
Chison 1m²  1050 Dukaten
Elchsleder 1m²  8 Groschen und 3 Kreuzer
 Der Aurazith-Kurs bleibt auf hohem Niveau. Der Pergamentpreis steigt Experten zufolge aufgrund des hohen Verbrauchs durch die hohe Auflage der Jubiläumsbotenausgabe. Der Kursanstieg des Söldnerlohnes ist, so wissen gut informierte Fachleute zu berichten, in dem sich zuspitzenden Konflikt in Drachenhain und der daraufhin gesteigerten Nachfrage nach wehrhaften Kämpfern zu suchen. Der Chisonpreis hingegen steigt wohl aufgrund der heranziehenden Frühjahres mit all seinen stattfindenden Festlichkeiten, bei denen die Dame von Welt sich eben nur in den besten und teuersten Stoffen präsentieren will. Das Elchsleder hingegen konnte sich bislang noch immer nicht in den Frühjahrskollektionen der Schneider durchsetzen und büßt in seiner Notierung ein.
 

Bürger des Monats

Zum Bürger des Monats wurde Emilio de Brunelli, Hauptmann der Betiser Stadtwache ernannt. Dank des konsequenten Eingreifens seiner Truppe konnten größere Auseinandersetzungen beim Zusammentreffen zweier Demonstrationszüge (vergleiche dazu das Stadtgeschehen) verhindert werden. Der Hauptmann nahm die Ehrung im Namen der Stadtwache gerne an und versprach auch für die Zukunft sichere Straßen in ganz Betis.
Des weiteren wurde von der Jury eine Sonderehrung bekanntgegeben: So wurden die Herausgeber des Helios-Boten rechtzeitig zu dessen fünfzigster Ausgabe ebenfalls zu Bürgern des Monats ernannt. Die freie Reichstadt gratuliert!
 

Gunst und Kunst

Was die Heligonier am liebsten hören 

1 (4)    Der begeisterte Bürger - "Betiser Boote"
2 (3)    Jean-Pierre - "La belle Leabell"
3 (1)    Wunderkind Bonifazio - "Jucheisasa!"
4 (-)     Belgabor - "Wohin gehst Du Heligonia?"
5 (2)    Die Vogelfreunde - "Kerze im Wind"
6 (-)     Salah ben Anwar Nur ed´Din - "Celia, Prinzessin von Thal"
7 (6)    Die Junker - "Wir sind die Sieger"
8 (-)     Harald Schönefonte - "Der Frühlings-Chacha"
9 (8)    Leonardo - "Viva Ostaria!"
10(5)  Sie könnten Giganten sein - "Spinne"
 

Stadtgeschehen

Seit einiger Zeit hält sich die werte Euna von Fichtenhau, Nichte des Barons von Lindfurt, als Gast der Familie Corvese in Betis auf. Gerüchten zufolge wurde sie gemeinsam mit dem Dogen bei einem Besuch einer Opernaufführung gesichtet.
Im Gasthaus "Goldene Taube" fand das alljährliche Frühlingsdaroktunier statt. Erneut gab es zahlreiche Mitspieler und noch mehr interessiertes Publikum. Der Erlös der äußerst gelungenen Veranstaltung solle, so der Veranstalter, der Unterstützung von Waisenkindern aus dem Hafenviertel zugute kommen, damit diese nicht ins kriminelle Milieu hineinwachsen müssten.
Auf dem Helosplatz kam es in der vergangenen Woche zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen zwei Demonstrationszügen. Unter dem Motto "Gerechtigkeit in Drachenhain" trafen Unterstützer Leomars von Drachenhain auf die Getreuen von Waldemar von Drachenhain, welche lauthals skandierten: "Nieder mit den aufständischen Rebellen!". Nachdem die beiden Menschengruppen sich zuerst nur gegenseitig beschimpften kam es schnell zu Handgreiflichkeiten, welche die Stadtwache jedoch innerhalb kürzester Zeit auflöste. Dazu Hauptmann Emilio de Brunelli: "In unserer Stadt kann jeder sagen und für das eintreten was er will - solange die Grenzen der Halsgerichtsordnung gewahrt werden. Das haben diese Chaoten nicht getan und dafür die Quittung erhalten." Ersten Berichten zufolge wurde gegen ein Dutzend Demonstranten Anklage in verschiedenen Punkten erhoben.
Zum Beginn der neuen Saison wird in Betis eine neue Oper von Wolfgrimm Aramantus Mordshart uraufgeführt: "Die Meistersinger von Jolberg". Die Hauptrollen, so war zu vernehmen, werden gespielt und gesungen von Pavo Rothner als "Karl Breitfuß", Jossip Caracas als "Ole Naseweis" und Bebo Flamingo als "Jens Streitaxt". Nach ersten Informationen, die vom Meister selbst der Öffentlichkeit kundgetan wurden, handelt es sich bei der Oper um einen rustikalen Sängerwettstreit, der schließlich in einer Keilerei endet. In einem kurzen Gastauftritt wurde zudem Harald Schönefonte als "der Reitende Bote" angekündigt.

 
 
 

Der Tanzbär

Zum Bardenwettstreit lud Ciaran,
Weshalb recht viel Volk zum Drei-Ulmen-Hof kam.
Des Abends zog man los zu Saarkas Schrein,
Um dort das Saarka-Ale zu weih'n.
Doch auf dem Rückweg gab's beinah ein Unglück,
Vreda, Tochter der Saarka, viel ans Ende des Zugs zurück.
Ich blickte zurück, zu ihr in den Wald,
Da sah ich im Schatten eine dunkle Gestalt;
Und kurz darauf hörte man Vredas Schrei,
Ich rief "Bewaffnete! Schnell! Eilt herbei!"
Errettet wurd' Vreda aus dieser Gefahr;
Doch hört mir zu, was weiter geschah.

Das Haus schien von seltsamen Klängen erfüllt.
Welch altes Geheimnis das Haus wohl verhüllt?
Es waren die Fetzen von Melodien und Liedern
Die hallten im Hause wieder und wieder.
Lieder und Texte aus vergangenen Tagen.
Aus welcher Zeit? Ich kann es nicht sagen.
Besonders hervor tat sich mir ein Lied,
Leicht melancholisch, auf zwei Flöten gespielt.
Am Abend ging's los mit dem Bardenwettstreit.
In der Herdstatt machte sich jeder bereit.
Die Barden spielten fröhliche Lieder -
Auch diese echoten später im Hause wieder.
Das Flötenstück, das nun fast jeder hör'n kann
Stimmt eine heit're Melodie mit an.
Das Lied ändert sich, stellt die Stimmung so dar,
Nun hört mir zu, was weiter geschah.

Im Laufe der Zeit, so hört man das Wort
Es wären vier Statu'n der Götter am Ort.
Die erste hat Vreda. Man hört sie sagen,
Daß Saarka selbst ihr die aufgetragen.
Auch Helios darselbst tritt mit hervor
Als Statue, überbracht von Metabor.
Die Xurl- und Poena-Statu'n wurden - gebt acht!
Von den merkwürdigen Leuten aus Betis gebracht.
Ich wollt nun wissen, was merkwürdig war?
Hört mir nur zu, was weiter geschah.

Ciaran selbst benahm sich seltsam,
Man meinte mitunter, daß er nicht er selbst war.
Mal redet er wirr mit den Leuten im Raum -
Mal ist er klar, wie erwacht aus 'nem Traum.
Die Studierten kamen letztendlich zum Schluß,
Daß zwei Personen wohnten in seiner Brust.
Die eine war Ciaran, wie man ihn kannte,
Die andre das Lied - wie es selbst sich nannte.
Das Lied, es kannte nur ein Streben:
Es wollte in dieser Welt auch leben.
Und hierfür versucht er mit allen Dingen,
Die Statu'n in seinen Besitz zu bringen.
Doch er war nicht der einz'ge, der sonderbar war - 
Höret mir zu, was weiter geschah.

Gar seltsam war auch Salirins Verhalten:
Zu lang hat man ihn für den zweiten gehalten!
Nun wollte er es der Welt beweisen
Und hierzu Waroniels Lied an sich reißen.
Hierfür hat aus Betis er Hilfe geholt:
Bei ihm steh'n die Corvese in Lohn und Brot.
Doch auf ihr Verhalten macht man sich auch keinen Reim:
Dieselbe Bezahlung fordern sie mehrmals ein.
doch die Verwirrung steigt noch weiter:
Den Hof erreicht ein eil'ger Reiter.
Der Reiter sieht sie, erschrickt und erklärt,
Er kenne die Leute - doch nicht unversehrt.
Tot lagen sie am Wegesrand -
Er ist sich sicher, er hat sie erkannt!
Am Abend wird schließlich allen klar,
Was für ein Wesen der Betiser war.
Es erscheint auf seiner Stirn ein bekanntes Symbol:
Ein J und ein Punkt - die Schuld war es wohl.
Doch anderes passierte, bis es soweit war:
Höret mir zu, was sonst noch geschah.

Am Nachmittag traten Bewaffnete auf,
Sie führten sich gleichsam Barbaren auf.
Mit Waffengewalt wollten sie's erzwingen,
Die Statu'n in ihren Besitz zu bringen.
Und um ihrer Vorderung Nachdruck zu geben
Bedrohten sie Vreda mit dem Leben.
Sie flößten ihr ein ein tödliches Gift,
Das wirkt, wenn eine Stund' verronnen ist.
Ein Fläschchen mit Gegengift sie mit sich tragen -
Die Statuen woll'n sie im Austausch haben.
Doch als es uns später in die Hände fällt,
Stellt man fest, daß es lediglich Wasser enthält.
Doch der Gipfel der Frechheit, das war wohl klar,
War die Behauptung, daß all dies so rechtens war!
Zum Beweis zog 'nen Heliosbrief er heraus;
Als Aussteller wies er Fürst Waldemar aus.
Vreda wurd' gerettet von der hilfreichen Schar,
Doch hört mir zu, was weiter geschah.

Des Abends entschied man, nach langem Ringen
Das Lied nun vollends in die Welt zu bringen.
Und so wird Waroniels Lied gespielt.
Das ganze Haus von dem Klang wird erfüllt.
Dann, als die Melodie ist vorbei,
Steht in dem Raum ein weißes Ei.
Es öffnet sich langsam, bis schließlich aus
Dem Ei schlüpft ein schneeweißes Wesen heraus.
So stand es vor uns, im Lichte so fahl;
Plötzlich füllten Donner und Blitz den Saal.
Was folgte - ich kann es wohl nicht vermeiden -
Läßt schwerlich sich nur in Worten beschreiben.
Gleißendes Licht durchflutet den Raum,
Die vier Lichtgestalten erkannte man kaum.
Mit einer Stimme sprachen zu uns die Viere,
Daß das Lied nicht auf diese Welt gehöre.
Sie versprachen den Leuten, die vor ihnen knieten,
Daß sie schützend die Hand über das Hochland hielten.
Der Odem des alten Drachen würde erkalten;
Mit diesem Spruch ihre Stimmen verhallten.
Das Lied nahmen sie mit sich hinfort.
Nach andächtiger Stille verließ ich den Ort.
Nun steh' ich vor euch - ich schwör', es ist wahr,
Was ich erzählte, was geschah.

Cestric von Cen Delir

Krieg in Drachenhain

Wir haben Krieg in Drachenhain.
Jeder will der Sieger sein.
Großer Spaß für groß und klein.
Oh wie ist das schön.

Wir haben Krieg in Drachenhain.
Es geht im `nen Ogedenschrein.
Doch eigentlich ist das geheim.
Wie konnte das gescheh'n?

Waroniel im Drei-Ulmen-Haus,
sein Lied kam aus dem Ei heraus,
Es sah so weiß und niedlich aus.
Ihr habt es selbst geseh'n.
Wir haben Krieg in Drachenhain
und Foranan, das arme Schwein,
sitzt in einem Kerker ein.
Wie kam er da nur hin?

Die Statuen warn in seinem Land,
dorthin gebracht von Menschenhand,
wo Waldemar sie wiederfand,
und der fand das ganz schlimm.

Wir haben Krieg in Drachenhain
Karelia von Jolbenstein
Darf nicht mehr Baronin sein
Was ist da nur passiert?

Ihr Ritter hat nicht nachgedacht,
vier Bluthunde zu Gwon gebracht.
Und Metabor hat mitgemacht,
völlig ungeniert. 

Wir haben Krieg in Drachenhain
Prinz Leomar drang, wie gemein, 
des Nachts in Vaters Feste ein.
Wie hat er das gemacht?

Hinter einer Teppichwand,
kam er wie von Geisterhand,
gestritten hat er wortgewandt,
und insgeheim gelacht.

Wir haben Krieg in Drachenhain.
Fürst Waldemar, den hört man schrein:
"Dir Tochter soll jetzt Erbin sein."
Wie hat sie das verdient?

Die Sache mit der Teppichwand.
So hat der Fürst ganz wutentbrannt
den Prinzensohn vom Thron gebannt.
Doch hat er das verdient?
Wir haben Krieg in Drachenhain.
Jeder will der Sieger sein.
Großer Spaß für groß und klein.
Oh wie ist das schön.
 

                -Loki -

50 Spruch Halfnet und tschüss

Seit 50 Folgen lest Ihr gebannt
Den Boten, dass Ihr wisst
Wer machte im heligonischen Land
Letzten Mond den meisten Mist?

Und mancher merkt überhaupt nix davon
Und manchen packt das Grauen
Und mancher siehts als Inschpirazion
Noch größren Mist zu bauen
 
 

Termine

07.05. - 09.05.04        Die Würfel rollen in Heligonia bei Bopfingen
02.07. - 04.07.04        Helicon 28 auf dem Zeltplatz Schachen/Münsingen 
10.09. - 12.09.04        Phaenomenon 5 - Victorianique 1890 in Rothenburg  o. d. Tauber
12.11. - 14.11.04        Drachenhainer Jagdgesellschaft auf der Burg Derneck
07.01. - 09.01.05        Adelstag im Schloss Einsiedel

Wichtig! Redaktionsschluss für den nächsten Boten!
Der nächste Helios-Bote erscheint zum Helicon 28 am 2. Juli 2004. 
Der Redaktionsschluss für Ausgabe 51 ist der 15. Juni 2004, damit wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen werden.
Wenn genügend Artikel für ein Portal eintreffen, so wird auch wieder die Gelehrtenzeitschrift erscheinen. Auch hier gilt der gleiche Redaktionsschluss.

Beachtet bitte wie immer, dass auch die Regio-Spielleitungen noch Zeit brauchen, die Artikel ihrer Regionen zu sammeln!!!

Wer einen wichtigen Artikel schon früher auf der Heligonia-Seite veröffentlicht haben möchte, wende sich bitte an die jeweilige Regio-Spielleitung.


Ausgabe 50 des Helios-Boten im März 2004
© 2004 Waldfaun Verlag, Aalen-Waldhausen
Alle Rechte vorbehalten
 

Berichte von Susanne Arbogast, Arnulf Breuer, Tobias Brinkmann, Thilo Döring,.Henning Frank,  Marcus Gundlach, Petra Jörns,  Günther Merk,  Frank Prietz, Katrin Puwalla, Benjamin Rampp, Stefan Rampp, Bettina und Andreas Reicke, Julia und Andreas Riedlinger, Christian Sieger, Eike Simon, Anna Ungureano, Melanie Walker 
Gedichte von Arnulf Breuer, Henning Frank und Stefan Schlott