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Helios - Bote
freies und unabhängiges Mitteilungsblatt des Landes Heligonia
Im 2. Poëna n.A.III 31
Ausgabe 50
Zum Jubiläum
Stolz waren wir, die Vereinigung der unabhängigen
Informationsdienste Heligonias (VduIH), dem Helios-Boten vor Jahren zum
Jubiläum der 20. Ausgabe gratulieren zu dürfen. Nun, die
Zeit eilt an uns vorbei und schon ist es soweit: Das "freie und unabhängige
Mitteilungsblatt des Landes Heligonia" feiert seine 50. Ausgabe und ein
weiteres Mal können wir nur gratulieren und den Machern mit all seinen
Schreiberlingen, Textbearbeitern, Redakteuren, Lektoren und natürlich
vor allem den Herausgebern Respekt zu zollen und Dankbarkeit für diese
Arbeit zu schulden. Ohne den Helios-Boten, das ist wohl einem jeden bewusst,
gäbe es praktisch keine öffentliche heligonische Meinung, der
Bote ist die wichtigste Form der Mitteilung und Bekanntmachung im gesamten
Königreich. Dabei dient er nicht nur dem Adelsstande zur Verkündung
seiner Politik, sondern ebenfalls dem gemeinen Volk zur Unterhaltung und
Information. Ohne den Boten, so muss man sagen, wäre es ein anderes,
ein leiseres, ein weniger buntes Heligonia! Umso dankbarer sind wir dafür,
dass es den Helios-Boten gibt!
Für außerordentliche Verdienste um die öffentliche
Information und Pressearbeit wird dem Helios-Boten zum Jubiläum seiner
50. Ausgabe hiermit im Namen aller unabhängigen Informationsdienste
Heligonias die aurazithene Schreibfeder verliehen!
Hoch lebe der Helios-Bote!
Hoch lebe der König!
Hoch lebe Heligonia!
Der Vorstand der Vereinigung der unabhängigen
Informationsdienste Heligonias (VduIH)
Die Sorgen der tlamanischen Bauern
Ich habe eine merkwürdige Geschichte gehört, welche ich nun kund
tun möchte. Am 20. Tag des II. Saarka kam ein Bauer nach Tabruk auf
den Markt und berichtete über seinen sonderbaren Acker. Das Land des
Bauers befindet sich nahe der Grenze zu Carajon, welche durch einen ein
Mann großen und massiven Grenzstein und einer kleinen Mauer markiert
wird.
Der Bauer berichtete, dass er mit seiner Familie zu seiner Schwester
ins Nachbardorf gereist sei. Diese erwartete ihr erstes Kind und da wollten
er und seine Frau zugegen sein. Der Weg führte auch über das
eigene Land des Bauern und als sie so dahinschritten, bemerkten sie, dass
sie deutlich schneller durch ihren Acker kamen, als dies normalerweise
der Fall war. Sie dachten zunächst zwar, sie hätten nur zu viel
geschwatzt auf ihrem Wege ins Dorf, aber ein paar Tage später auf
ihrem Rückweg ging die Reise durchs eigene Ländchen noch schneller
vonstatten. Sie wunderten sich doch sehr, denn kann ein Acker einfach schrumpfen?
Ich weiß nicht was man davon halten soll. Ob das nur dummes Geschwätz
eines Bauern ist, oder ob dort oben wirklich sonderbare Dinge geschehen.
Freier Schreiber, Jean l`Houet
Schmuggler in Quellstedt ???
Uns, der Bürgerschaft und der Händlergilde von Quellstedt
ist nicht bekannt, daß sich Schmuggler in unserer Stadt aufhalten.
Viele Reisende und Händler durchschreiten täglich die Stadttore
oder legen mit ihren Booten in unserem Hafen an. Ob es sich dabei um Schmuggler
aus ostarischer Sicht handelt, können wir nicht beurteilen. Es liegt
an den Ostariern dies auf ihrem Gebiete klarzustellen. Innerhalb unserer
Stadtmauer jedoch sehen wir diese Leute nicht als Gauner sondern als Gäste
der Stadt an. Nicht umsonst ist die Reichsstadt Quellstedt der freieste
und gerechteste Flecken Heligonias.
Wir glauben jedoch eher, daß es sich bei diesem Gerücht
um eine Hetzkampagne Ostariens gegen Quellstedt handelt. Schon lange versucht
Ostarien Quellstedt zurück ins Herzogtum zu bringen. Bisher wurde
dies durch überhöhte Zölle und andere Schikanen gegenüber
Reisenden von und nach Quellstedt probiert. Da dies aber keinen Erfolg
hatte, wird die Stadt mit solchen Behauptungen unter Druck gesetzt. Es
ist noch nicht mal mehr auszuschließen, daß militärische
Maßnahmen gegen Quellstedt erwogen werden oder wieso wird so direkt
auf den Krabbenkutter Adalbert in dieser Situation verwiesen. Auch die
Machenschaften in Lodenstadt lassen nichts Gutes verhoffen.
Wir wissen, das besonders der Hohenforinger mit Argwohn auf unsere
Stadt blickt, laufen ihm doch in Scharen die Bauern weg. Nicht selten klopfen
an unsere Tore ausgehungerte Bauern aus Hohenforingen an und bitten um
eine warme Unterkunft und was zu Essen. Mit Stolz können wir sagen,
das wir bisher jedem Einlass in unsere Stadt gewähren konnten, obwohl
unsere Resourcen auch nur begrenzt sind. Wir leugnen nicht, das es Quellstedt
schonmal besser ging. Dies war bevor uns Ostarien so bedrängte.
Die von Ostarien genannten Schmuggler sind bestimmt verzweifelte Bauern
Ostariens, die Zuflucht in unseren Stadtmauern suchen.
Da wir eine freie Reichsstadt sind und somit nur dem König unterstehen,
werden wir auch nur ihm Rechenschaft ablegen ! ! !
An den Kommandanten der Adalbert - Hoffentlich wißt Ihr was Luv
und Lee ist.
Wunderbare Wanderäcker
Schien es sich für die Begriffe des gebildeten und weitgereisten Heligoniers
bei den Erzählungen des freien Schreibers Jean l`Houet nur um Weinträume
zu handeln, scheint das absonderliche Eigenleben eines tlamanischen Ackers
nun sogar Wellen in der Gelehrtenschaft zu schlagen. Der Besitzer
jenes eigenwilligen durch Mauer und Grenzstein markierten Landstückes
bezeugte, dass dieses seine Größe eigenmächtig verändert
habe. Der nahe Gasthof "Zur wilden Sau" wurde flugs in "Zum Wanderacker"
umbenannt und erfreut sich inzwischen eines kleinen aber stetig wachsenden
Stroms an Schaulustigen. Unter ihnen findet sich auch Maurice Fabrèse,
seines Zeichens Magister der Geologie. "Wir beobachten solche Erdverschiebungen
in ganzen Stücken immer wieder", verlautbarte der Gelehrte.
"Selten aber in einem solchen Ausmaß. In der Tat sind solche
Phänomene jedoch ganz und gar nichts außergewöhnliches,
sind sie doch von natürlichen unterirdischen Flüssen und deren
Strom- und Fließeigenschaften bedingt." Magister Fabrèse
und seine Helfer beabsichtigen dennoch, dieses außergewöhnliche
Ereignis zu untersuchen. "Ein rechter Geologe kann diese Gelegenheit
nicht ungenutzt lassen, will er doch aufklären und informieren!"
Der Bauer sieht das allerdings weniger fasziniert: "Und wer bezahlt mir
jetzt den Ernteausfall? Weniger Feld, weniger Hafer, weniger Brei!"
Dem Autor, und dieses persönliche Wort sei ihm erlaubt, fragt sich
aber eher, wer da des Bauers Wein bezahlt hat, getreu den Worten "Mehr
Wein, mehr Suff, mehr Fantasterei!"
Freier Schreiber Francoi de l'Eglise

Begegnungen auf der Drachentrutz - Reichs- und Heliosritter reiten im Auftrage
des Königs
Am Morgen des 15. Tages des 2. Saarka:
Frost hält die Natur seit Wochen in eisigem Griff. Feuerholz ist
daher dieser Tage ein kostbares Gut auf der Feste, da bleibt man liebend
gern zu Hause in der warmen Stube, zu unwirtlich die Welt dort draußen.
Auch an diesem Mittag ist es bitter kalt. Die Menschen, die einen Gang
nach draußen nicht hatten vermeiden können, bewegen sich raschen
Schrittes und tief eingehüllt in jeglichen Fetzen Stoff, der etwas
Wärme schenkt. Zum Boden gebeugt laufen sie, um möglichst wenig
Widerstand zu bieten, dem schneidenden Wind, der in letzter Zeit von der
Feste nicht mehr weichen zu wollen scheint. "Nur schnell nach Hause!" ist
aus ihren Mienen zu lesen. Doch mit einem Mal kommt der überschaubare
Strom hinein- und herausfahrender Menschen ins Stocken, mit geweiteten
Augen und offenen Mäulern, schauen sie nach den beiden Männern,
die sich hoch zu Ross im leichten Trabe auf das Drachenfangtor gemächlich
zubewegen. Selbst das fahle Licht der Sonne, das hinter all den stahlgrauen
Wolkenschleiern nur sehr blass zur Geltung kommt, lässt die Harnische
der Reiter in einem hehren Lichte erstrahlen. Auf der Brust tragen die
Männer das Zeichen des Königs, ehrerbietig machen die einfachen
Leute dem Reichs- und dem Heliosritter Platz. Verlegen tut der Torwächter
seine Pflicht, fragt unsicher nach dem Namen, und nach dem woher und wohin.
"Raphael von Sarmand und Weitbrecht von Embarson, Reichs- und Heliosritter
Seiner Allerdurchlauchtigsten Majestät, des Königs. In dessen
Auftrage wir auch reiten. Im Namen des Königs fordern wir Einlass
und Audienz beim Fürsten!"
Auf dem Wege zur Wohnburg des Fürsten Waldemars, bleibt den Rittern
innerhalb der Feste ein hektisches Kommen und Gehen von Boten kaum verborgen.
Dies verstärkt den kriegerischen Eindruck, den die Ritter von der
Feste gewinnen und erinnert nicht wenig an ein Feldlager hinter festen
Mauern. Offenbar bereitet man sich auf einen Krieg vor. Das kundige Auge
der schlachterfahrenen Ritter erkennt anhand verlassener Feuerstellen und
niedergedrückten Grasflächen, dass noch bis vor kurzem die Drachentrutz
ein Heer beherbergt haben muss. Auch die Bewohner der Drachentrutz sind
auffällig angespannt, nur wenig zeigen sich neugierig - diese allerdings
schon unbotmäßig.
Der Fürst empfängt im großen Wappensaal. Gegen die
Kälte der zugigen Fenster kämpft trutzig ein Feuer im offenen
Kamin. Seine Durchlaucht steht vor einem langen Tisch, auf dem sichtbar
eine übergroße Karte Drachenhains ausgebreitet liegt. Unter
seinem schwarzgelben Wams, schimmern die feingliedrigen Ringe eines edlen
Panzerhemdes. Die Tafel ist reich bestuhlt, doch der Fürst scheint
allein, mit Ausnahme eines eifrigen Schreibers, der die Befehle seines
Herrn umgehend auf Pergamente bannt, damit diese sofort an die vor der
Türe wartenden Boten weitergereicht werden können.
Erst das vernehmbare Räuspern des Hauptmanns der Wache, der die
Ritter des Königs bis hierher geführt hat, lässt den Herrn
von Drachenhain aufblicken. Seine Züge wirken hart und entschlossen,
aber nicht unfreundlich. "Edle Herren Ritter, seid willkommen in meinen
bescheidenen Hallen. Was verschafft mir die hohe Ehre Eures Besuches?"
Raphael von Sarmand erhebt das Wort: "Wir entbieten eurer Durchlaucht die
Grüße seiner allerduchlauchtigsten Majestät. Der König
ist in Sorge über die Kunde, die zu ihm von Unruhe und - vielleicht
- Verrat dringt. Deshalb sendet er Ritter aus, die die Lage in Heligonia
und auch in Drachenhain erkunden sollen. Wir bitten euch, uns für
einige Tage aufzunehmen und uns zu berichten, wie die Lage sich in eurem
Lehen verhält." Der Fürst scheint nicht überrascht, offenbar
ist er vorbereitet. Er lädt die Ritter ein seine Gäste zu sein
und ruft nach einem Diener, der ihnen Kemenaten zuweisen soll, da erhebt
Weitbrecht von Embarson noch die Stimme: "Euer Durchlaucht, vielleicht
findet ihr es nicht zu unhöflich wenn wir euch fragen, was es mit
den Gerüchten auf sich hat, die ogedische Artefakte betreffen sollen.
Und was ist mit dem Baron von Flaitney, auf dessen Gebiet sich manches
ereignet haben soll?" Der Fürst macht eine unwillige Handbewegung
und gibt damit zu verstehen, dass er jetzt nicht der Ansicht ist, dies
sei der richtige Zeitpunkt für derlei Fragen. Ein eisiger Windstoss
fegt die Teppiche vor den Fenstern beiseite und bringt Kälte in den
Saal.
Der Fürst strafft sich. Er erklärt den Rittern, dass es bei
diesen "Artefakten" um Statuen geht. Waldemar bietet an, dass die Ritter
die Steinbilder untersuchen können. Seiner Meinung nach handelt es
sich um das Eigentum seiner Familie, das ihm eins nach dem anderen gestohlen
wurde. Beispielsweise sei jüngst die Saarkani Vreda bei einem solchen
Raub ertappt worden, habe aber mit ihrem Diebesgut zu türmen vermocht.
Er, Waldemar, habe daraufhin Männer hinterhergeschickt und seither
nur von deren gewaltsamen Tod gehört. Es heißt, die Männer
hätten unangemessene Gewalt angewendet, um in den Besitz der Statuen
zu gelangen - darüber weiß der Fürst nichts zusagen. Aber,
setzt Waldemar dem entgegen, auf dem Ulmenhofe seien allem Anscheine nach,
unheilige Umtriebe vonstatten gegangen. Beispielsweise seien dort Untote
gewandelt und Dämonen geboren worden. Was seiner Meinung nach ein
harsches Einschreiten, von Seiten seiner Männer mehr als gerechtfertigt
hätte. Aus diesen Gründen habe er dem Baron von Flaitney, als
seinem Lehnsnehmer befohlen, die für die Morde an seinen ausgewiesenen
Männern, verantwortlichen Personen nach Kapitel 1 Artikel 3 der HHGO,
zur Rechenschaft zu ziehen. Dem sei der Baron aber nicht nachgekommen,
sondern habe sich mit den Mordbuben gemein gemacht und damit den Befehlen
des Lehnsherren missachtet und sich damit der böswilligen Verräterei
(nach Kapitel 2 Artikel 2 HHGO) schuldig gemacht. "Wo kämen wir denn
hin, wenn Lehnstreue nur noch ein hohles Wort wäre!" - Ganz offensichtlich
ist der Fürst in dieser Sache nicht ohne Ratgeber geblieben. Bevor
jedoch die Ritter etwas erwiedern können, ruft Waldemar nach dem Diener
und entschuldigt sich: "Ihr Herren. Ich habe viel zu tun. Lasst mich nun
eine Weile meine Aufgaben erfüllen. Kommt heute Abend und seid meine
Gäste am Kamin."
Am Abend des selben Tages erreicht der vorläufig eingesetzte Baron
Flaitneys, Allister McDonough, die Feste Drachentrutz, um wie vom Fürsten
geheißen, seinen Lehnseid abzugeben. Er wird von den Wachen in den
Großen Saal geführt, indem der Fürst und die Gäste
am Feuer sitzen. Er bringt Kälte mit hinein. "Ah, Allister. Gut dass
ihr kommt, so kann Flaitney endlich wieder zur Ordnung finden." Allister
verbeugt sich ehrerbietig vor den Rittern des Königs, dann grüßt
er den Fürsten.
Waldemar wünscht, dass der Bruder des ehemaligen Barons den Lehnseid
leiste. Er knüpft allerdings an den Eid die Bedingung, dass der neue
Baron die Statuen herauszugeben hat, sollte sich herausstellen, dass es
sich hierbei nicht um ogedische Heiligtümer, sondern um Güter
des Hauses und der Familie Drachenhain handelt. Sehe sich seine Hochwohlgeboren
Allister dazu nicht in der Lage, so werde ein edler Ritter der Drachentrutz
zum neuen Baron des Landes bestallt werden. Allister entgegnet: "Euere
Durchlaucht, ich kann euch die Statuen nur übergeben, wenn dies der
Wille der Götter ist." Als Fürst Waldemar diese Worte hört,
lehnt er sich langsam in seinen hohen Stuhl zurück und spricht mit
leiser, aber gut hörbarer Stimme: "Werter Allister, ich kann und will
beileibe nicht warten, bis Eure Götter geruhen in dieser Sache zu
Euch zu sprechen. Ich habe Euch und den anderen Hochlandbaronen ein Angebot
gemacht, das Ihr werte Herren", er wendet sich an die Ritter, "Sicherlich
gutheißen werdet! Gegenwärtig heiße ich die Statuen noch
meinen gestohlenen Besitz, den Ihr, Baron Koldewaiht und die Schwestern
des Barons von Gaeltacht, widerrechtlich vor mir zurückhaltet..."
Weitbrecht von Embarson fällt dem Fürsten ins Wort: "Euer Durchlaucht,
gestattet dass ich dazu etwas sage." Er wendet sich dem Hochländer
zu "Werter Allister, wiewohl ihr anscheinend nachweisen könnt, dass
die Statuen Eigentum der ogedischen Glaubensgemeinschaft sind, so bitten
wir Euch, an dieser Stelle geeignete Beweise vorzubringen, auf dass der
Fürst die Bedingung der Aushändigung, in Betracht des Toleranzediktes,
Euch nicht auferlege. Solltet ihr an dieser Stelle diesen Beweis nicht
führen können, so überlegt euch gut, was ihr tut. Der Fürst
entbietet Euch Ehre und Vertrauen, indem er Euch zum Baron ernennt." Der
Heliosritter hält kurz inne - dann fährt er fort: "Gleichwohl,
ob Baron oder einfacher Mann, seid ihr an den Lehenseid und die Lehenstreu
gebunden. Spricht also aus Eurem Munde kein Beweis für die Zugehörigkeit
der Statuen zu den ogedischen Artefakten, so ist zuallererst dem Willen
des Fürsten zu gehorchen." Allister schweigt ein paar Sekunden. "Nun,
ihr verlangt einen Beweis. Einen Beweis, dass die Götter verlauten
ließen, dass die Statuen nicht in die Hände von Fürst Waldemar
gehen sollen, oder den Beweis, dass sie nicht Fürst Waldemars Eigentum
sind?" Wieder entsteht eine kurze Pause. "Sollte es nur um ersteres gehen
kann ich nur im Namen von etwa 60 Personen sprechen, die bei der Göttererscheinung
auf dem 3-Ulmenhof anwesend waren. Und das waren nicht nur Gläubige
der Viere. Solltet ihr jedoch einen Beweis für letzteres verlangen,
kann ich dies nicht. Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass die Heliosstatue
aus Jolbenstein kam." Der Fürst springt auf, seine Augen blitzen:
"Die Zeugen die ihr anführt - sind das dieselben Leute, die meine
ausgewiesenen Männer erschlagen und meine Statuen gestohlen haben?
Dann akzeptiere ich diese Zeugen nicht!" Erwartungsvoll blickt der Fürst
die Ritter des Königs an. Da erhebt sich Raphael von Sarmand, strafft
das Gewand, und spricht: "Euer Durchlaucht, es muss doch möglich sein,
in dieser Sache einen Kompromiss zu erlangen!? Ich schlage vor: Es soll
zur Klärung der Besitzverhältnisse der Statuen kommen. Bis dahin
sei die Ableistung des Lehnseides ausgesetzt und der Edle Allister McDonough
zum komissarischen Verwalter des Landes Flaitneys eingesetzt - selbstredend
ist bis dahin auch von der Aburteilung des Angeklagten Foranan McDonough
abzusehen. Aus Escandra soll eine Delegation berufener Kenner der Materie
kommen, um zu entscheiden, ob die Steinbildnisse ogedischer, oder weltlicher
Natur sind. Hat irgendwer Einwände gegen dieses Vorhaben?" - Weder
der Fürst, noch Allister reagieren sofort, sie beobachten sich gegenseitig.
Dann bedeutet Waldemar dem Flaitneyer mittels einer Handbewegung, frei
zu sprechen, seinen Zügen ist allerdings keine Regung zu entnehmen.
"Wenn seine Durchlaucht gegen diesen Vorschlag keine Einwände haben,
bin ich selbst auch bereit, diesen Kompromiss einzugehen." Allister wartet
auf Antwort. Waldemar verschränkt die Arme vor der fürstlichen
Brust. Hart kommen die Worte hervor, die nun zu hören sind, der Atem
steigt in kleinen Wolken auf: "Auch ich halten diese Regelung für
recht und billig. Wie dies allerdings in der Praxis zu bewerkstelligen
sein soll, würde ich gerne wissen? Deshalb soll der Edle Larenus von
Mauten die königliche Kommission begleiten, um in dieser Sache mein
Auge, Ohr und Mund zu sein. Ein Trupp Drachentrutzer Soldaten, soll außerdem
die Männer des Königs vor Unbilden bewahren." Hier hakt Heliosritter
Weitbrecht von Embarson nochmals ein: "Euer Durchlaucht, verzeiht! Aber
das wird nicht nötig sein, weitere Mannen des Königs sind auf
dem Weg nach Drachenhain. Diese Bewachung wird gänzlich ausreichen.
Ansonsten schlage ich vor, dass auch ihr, Edler Allister, noch stellvertretend
für all jene, in deren Land sich gerade ein Abbild befindet, einen
Abgesandten für dieses Unterfangen bestellt?" Allister nickt den anwesenden
Heliosrittern zu. "Wenn dies der Wunsch der Anwesenden ist, soll es so
sein." Fürst Waldemar, scheinbar vom Ingrimm verlassen, breitet väterlich
die Arme aus: "Nun gut meine Herren, dann haben wir nun doch noch eine
Einigung erzielt. Ich bin damit einverstanden, den Edlen Allister McDonough
als kommissarischer Verwalter anzuerkennen. Aber auch hier wird ein Treueschwur
vonnöten sein, selbstredend wird hierbei die Causa Statuen und Foranan
McDonough, außenvorgelassen! Also dann, draußen warten die
Leute auf einen Lehnseid, lassen wir sie nicht warten
Bevor sich die Anwesenden, nach draußen bewegen, nimmt Waldemar
Allister für einen kurzen Augenblick vertraulich - aber für alle
hörbar - zur Seite: "Euer Hochwohlgeboren, es ist mir ein Anliegen,
im Frieden mit Euch zu scheiden. Nehmt deshalb als Zeichen meiner Verbundenheit
und zur Wiedergutmachung vergangener und künftiger Ärgernisse,
diesen wertvollen Mantel, den ich für Euch habe anfertigen lassen.
Es heißt, auch mein Ahn Halmar Drachenprinz habe so seine Mannen
belohnt, die mit ihm wider die Feinde Drachenhains zogen." Der Fürst
deutet auf eben solch ein Kleidungsstück bester Machart, das mit aurazithner
Schließe verziert, sauber zusammengelegt auf einem Tische liegt.
Ohne auf eine weitere Reaktion zu warten, legt er seinem neuen Vasallen
den Mantel um: "Ihr müsst mir nicht mit Worten danken, schon bald
wird sich eine Gelegenheit ergeben, da Ihr Eure Treue unter Beweis stellen
könnt!" Ohne ein weiteres Wort drängt er danach die Halle zu
verlassen. Draußen in einem der Innenhöfe der Feste haben sich
tatsächlich einige Menschen aus dem Haushalt des Fürsten zusammengetan
und harren der Dinge, die da kommen. Fürst Waldemar tritt aus der
Tür des Wappensaals, die anderen Ritter und der kommissarische Baron,
folgen ihm auf die hohe Freitreppe, als seine Durchlaucht auch schon zu
einer Rede anhebt:
"Höret, höret:
Primo: Mit Hilfe der hochedlen Mannen seiner allerduchlauchtigsten
Majestät, der Helios- und Reichsritter Raphael von Sarmand und Weitbrecht
von Embarson, ist es uns gelungen, die seit viel zu langer Zeit vakant
geblieben Baronie Flaitney einem neuen Verweser zuzuführen. Seine
Hochwohlgeboren Allister McDonough wird ab dem heuten Tag zum kommissarischer
Verwalter des Landes bestallt. Möge seine Regierungszeit in diesen
düstren Zeiten erfolg- und segensreich sein!" Ein Raunen geht durch
die Menge, letztlich entschließen sich doch einige zu Jubeln, was
dann allgemeine "Er lebe hoch"-Rufe nach sich zieht. Doch noch scheint
seine Durchlaucht diese Rede nicht geendet zu haben... Der Fürst bedeutet
Allister, das Knie zu beugen. Dann wird der Eid nach alter Sitte geleistet.
Dann jedoch wendet sich Waldemar wieder der Menge zu:
"Secundo: Höret, dass die von uns, stets wie eine Tochter verehrte,
Karelia Jefferindell von Jolbenstein sich gegen unseren väterlichen
Rat und Willen, verstiegen hat, die Lehnstreue gegen uns den Fürsten
auf infame Weise zu verweigern. Deshalb soll sie von nun an nicht mehr
Baronin heißen und all ihrer Ämter und Titel verlustig gehen.
Ferner hat sie sich unverzüglich auf der Feste Drachentrutz einzufinden,
um ihre gerechte Strafe zu empfangen.
Tertio: Dass wir bis zur Bestellung eines neuen Barones, unseren treuen
Kanzler Giselher, mit der Verwaltung der Baronie Jolbenstein betrauen.
Quarto: Dass wir all unseren Lehnsnehmern hiermit befehlen, dem Heerbanne
zu folgen und sich mit ihren Mannen unverzüglich vor der Stadt Jolbruck
einzufinden." Es herrscht Totenstille auf dem Hof. Der Fürst wendet
sich von der Menge ab und dreht sich Allister und den Rittern zu. Seine
Züge sind glatt und emotionslos: "Es ist gut Euch jetzt schon hier
zu haben, hochwohlgeborener Verwalter von Flaitney. Ich unterstelle Euch
hiermit einen Trupp meiner Männer. Zieht gen Jolbruck und vereint
Euch mit den Heerscharen des Kanzlers dort. Es steht Euch frei noch welche
der Euren nachziehen zu lassen. Boten wurden im Übrigen in jedwedes
meiner Lehen entsendet, es wird zu einem großen Heerzug kommen, denn
ich dulde keinen Ungehorsam!" Ohne ein weiteres Wort begibt sich Waldemar
ohne Hast in den Wappensaal zurück. Schnee beginnt leise auf die Feste
zu fallen.
Höret, höret!
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu
wissen
Primo:
Dass die von uns, stets wie eine Tochter verehrte, Karelia Jefferindell
von Jolbenstein sich gegen unseren väterlichen Rat und Willen, verstiegen
hat, die Lehnstreue gegen uns den Fürsten auf infame Weise zu verweigern.
Deshalb soll sie von nun an nicht mehr Baronin heißen und all ihrer
Ämter und Titel verlustig gehen. Ferner hat sie sich unverzüglich
auf der Feste Drachentrutz einzufinden, um ihre gerechte Strafe zu empfangen.
Secundo:
Dass wir bis zur Bestellung eines neuen Barones, unseren treuen Kanzler
Giselher, mit der Verwaltung der Baronie Jolbenstein betrauen.
Tertio:
Dass wir all unseren Lehnsnehmern hiermit befehlen, dem Heerbanne zu
folgen und sich mit ihren Mannen unverzüglich vor der Stadt Jolbruck
einzufinden.
Gegeben am 13. Tag des Eismondes des Jahres 94 n. d. E.
auf der Feste Drachentrutz
Sturm
Die Raben kündigten das Kommen des Sturmes an, doch heute brauchte
Valadur diese Zeichen nicht. Die Boten hatten Kunde gebracht von dem anrückenden
Heer und am Morgen dieses Tages hatten die eigenen Augen all die düsteren
Vorahnungen bestätigt. Nun war die Aufregung noch gestiegen, obwohl
man es kaum glauben wollte.
"Herr."
Seine Gedanken wurden abgelenkt, als seine Dienerin vor ihm auftauchte.
"Ihr müsst essen."
Sein Lächeln wirkte müde und eigenltich war er dies auch.
Die Verteidigung hatte organisiert werden müssen. Manchmal fragte
der Vogt sich, woher die Baronin all die Kraft her nahm. Es schien als
würde ein Feuer in ihr brennen, welches dem Körper keine Ruhe
gönnen wollte. In ihren Augen brannte der Zorn über die Angreifer.
Kette und Panzer waren nun ihre Kleidungsstücke und sie hatte in all
der Gewandung des Krieges nichts an Austrahlung verloren, sondern sogar
noch gewonnen. Alle hier würden bis zum letzten Atemzug kämpfen.
Die Baronin vertrat die gerechte Sache. Ein jeder war sich desen bewusst.
"Herr?"
"Verzeih Alesa. Zeig was Du Gutes für mich hast."
Sie wich kaum von seiner Seite und heute Morgen hatte er sie schlafend
an der Schwelle zu dem Raum vorgefunden, wo sie alle zusammen gesessen
hatten um die letzten Informationen in ihre Vorbereitungen einfließen
zu lassen. Er hatte sie in seine eigene Kammer gebracht und war wieder
zu seinem Platz an den Zinnen zurück gekehrt. Nun war sie hier und
sorgte sich wieder einmal um seine Gesundheit und obwohl er keinen Hunger
verspürte, gab er nach und genehmigte sich ein wenig von dem Essen.
Die Belohnung war ein strahlendes Lächeln. "Und nun geh wieder. Ich
habe noch zu tun. Ich lasse nach Dir rufen."
"Ich kann bei euch bleiben."
"Ich lasse nach Dir rufen. Heute ist kein guter Tag um an den Zinnen
zu sein."
"Ihr seid es auch und die Herrin von Jolbenstein auch und all die Anderen."
Er lächelte, nahm ihr Gesicht in beide Hände. "Du hast Deinen
Platz in dieser Geschichte. Ich sagte Dir doch das ich Dich rufen werde.
Geh nun und ruhe Dich aus, damit wenigstens einer von uns ein wenig schlafen
kann. Geh nun."
Sie wandte sich ab, aber man konnte sehen, wie schwer es ihr fiel.
Valadur konnte sie verstehen, ihm ging es genauso. Auch er konnte seine
Herrin nicht alleine lassen. In diesen Tagen brauchte sie Freunde und Unterstützung.
Tage des Krieges hatten den Frieden verschlungen. Schon einmal hatte er
seine Heimat verloren, weil er in einen Krieg gezogen war. Wohin würde
sein Gott ihn diesmal führen? Sicherlich würde er lachen. Was
waren Sterbliche schon im Angesicht der Ewigkeit eines Gottes?
Über ihm knatterten die Fahnen im Wind. Blau und Silber. Trotzig
stemmten sie sich gegen die Kraft, die sie umspielte, hielten sich mit
ihren Fingern aus Stoff fest an den Mast, wobei sie aller Welt die Farben
zeigten, welche sie trugen. Valadur sah die einzelnen Zeichen. Der Sturm
kam.
So ging er die Stufen hinauf zum Wehrgang, wo die Stimme seiner Herrin
die Soldaten antrieb. Die Berater immer an ihrer Seite. Valadur nickte
ihr zu um zu zeigen, das er die gemeinsame Wacht wieder aufgenommen hatte.
Wieder einmal musste er zugeben, das diese Herausforderung sie verändert
hatte. In all ihrem Zorn, ihrer kriegerischen Art, war sie schöner
geworden. Eine wahre Herrin, Zoll für Zoll.
Er wandte sein Gesicht dem Wind zu. Spürte die unsichtbaren Finger,
genoß die Kühle, die er brachte. Für einen Moment glaubte
er das Meer zu reichen, doch dies war nur eine Täuschung. Wunschgedanken,
oder? Vom Meer sind wir gekommen, ins Meer kehren wir zurück. Totenrede
der Hjaldringer. War es an der Zeit zu gehen? Wenn dem so war, dann war
dies hier ein guter Ort. Mochte die Herrin von Jolbenstein befehlen, er
würde ihre Worte umsetzen. Steuermann war er und würde das Schiff
so lenken, wie der Kapitän, der Vaj Kamar, es ihm sagen würde.
Heute aber war sie aufgestiegen. Hier im Horst des Drachens hatte sie die
Rüstung angelegt, hatte das Blut des Drachen gekostet und war zu der
Herrin des Krieges geworden. Vaj Dom. Herrin aller Herren. Und Valadur
nahm dies hin. Sie war es eben. Er konnte es in ihren Augen sehen. Stolze
Kriegerin.
Seine Hände ruhten auf dem rauen Stein der Feste. Schon bald würde
es sich zeigen, wie fest diese Mauern wirklich waren. Er sah sich um. Besah
sich die Gesichter, der Leute, die hier oben standen und zu dem näherrückenden
Herr des Feindes schauten. Wie viele von ihnen würden diesen Krieg
überstehen? Wie viel Blut würden diese Stein, die so kalt unter
seinen Händen lagen, trinken? Wer würde die Geschichte dieses
Kampfes erzählen?
Er schüttelte den kopf. Diese Fragen würden vergehen, wenn
der Sturm über sie herfiel. Dann würde er das Steuer halten und
alle Befehle ausführen, so wie er es gewöhnt war und er würde
den Sturm auslachen. Dies war ein guter Ort. Schon bald würde es sich
zeigen, ob es ein Ort des Lebens, oder des Sterbens war. Wie auch immer.
Sie würden bleiben und kämpfen.
Kämpfen für ihre Herrin.
Höret Höret
Seine Durchlaucht Fürst Waldemar geben kund und zu wissen,
Primo, dass seine Hochgeboren Prinz Leomar von Drachenhain im ernstlichen
Verdacht der Rebellion steht und deshalb allen Würden, Ämtern
und Anrechten eines Prinzen zu Drachenhain enthoben ist.
Secundo, dass es allen Untertanen seiner Durchlaucht geboten ist, Leomar
von Drachenhain zu ergreifen und seiner Durchlaucht zu übergeben.
Tertio, dass sich ihre Hochgeboren Syria Jaldis, Prinzessin von Drachenhain
als Erbin des Hauses Drachenhain sofort auf der Drachentrutz einzufinden
hat.
Gegeben am 17. Tag des Eismondes auf der Drachentrutz
Begegnungen auf der Drachentrutz - der Bruch
Am 11. des 2. Saarka reisen Prinz Leomar und Lordkanzler Vergenhans
vom Kaminabend in Thal wieder ab. Ihr Ziel ist zunächst Sarniant.
Dort treffen sie am 12. ein. Leomar und Vergenhans planen, dort einen Tag
zu rasten, um auf Boten zu warten und die Nachrichtenlage zu sondieren.
Hierbei treffen die Jolbensteiner Ritter unter der Führung Benedikts
ohne Waffenröcke und somit inkognito auf Leomar und berichten ihm
von den Ereignissen in Drachenhain. Leomar beschließt, in den nächsten
Tagen auf die Drachentrutz zu reiten um seinen Vater noch einmal zur Rede
zu stellen und somit ein letztes Mal zu versuchen, einen Krieg zu verhindern.
Zudem entspricht dieses Handeln seinen Ankündigungen auf dem Thaler
Kaminabend. Dieser Ritt muss aber wegen der großen Gefahr (Exil der
Jolbensteiner) vorbereitet werden, denn, so der Prinz, man werde kaum weiter
als bis zum Tor kommen, reite man offen auf die Feste. Leomar schickt daher
einen Boten zu seinen Kontaktleuten auf der Drachentrutz. Kanzler Vergenhans,
der nichts zu befürchten hat, wird, so die Absprache, vorausreiten
und die Ohren offenhalten. In der Nacht des 16. Tages soll er die Ankunft
Leomars erwarten. Während die Männer so auf die - gefahrvolle
- Fortsetzung der Reise warten, treffen drei der Soldaten, die Leomar begleiten,
in einer Schenke am Hafen auf die Händlerin Wara, von der sie erfahren,
dass sie bei den Geschehnissen auf dem Drei-Ulmenhof zugegen war. Sie bitten
sie deshalb, mit zu ihrem Herrn zu kommen um diesem davon zu berichten.
Am 15. Tag des 2. Saarka bricht die Gruppe schließlich auf. Leomar
wird hierbei von den Jolbensteiner Rittern Benedikt, Eric, Martin Dorn,
sowie dem Knappen Benwick und dem Rüstburschen Leif Erik begleitet.
Hinzu kommen noch einige
seiner Männer. Durch einen scharfen Ritt gelangt die Gruppe am
16. im Schutze der Nacht an die Felder vor der Drachentrutz. Leomar gebietet
seinen Begleitern anzuhalten und abzusteigen. Er selbst wirft Benedikt
die Zügel seines Pferdes zu und schreitet vorsichtig über ein
verschneites Feld auf eine auffällige Baumgruppe zu. 30 Schritt davor
flüstert er : "Saarkas Schutz", worauf aus dem Schatten der Bäume
eine Stimme zu hören ist: "und Helios Schirm". Eine Gestalt löst
sich aus den Schatten und beugt das Knie vor dem Prinzen von Drachenhain:
"Euer Hochgeboren seien mir gegrüßt. Es ist alles bereit, so
ihr es tatsächlich wagen wollt." Der Prinz antwortet mit fester Stimme:
"Ich will es wagen und ich denke es wird gutgehen. Ich bin es den Meinen
schuldig. Darauf winkt er die Schar seiner Getreuen heran: "Ihr Männer
hört nun: Ich werde auf einem geheimen Weg in die Feste gelangen.
Ihr habt euch entschlossen mitzugehen und ihr wisst, dass nun Gefahr und
Tod auf uns warten können. Indes glaube ich es nicht. Mein Vater wird
mich anhören müssen. Ihr, Benedikt, bewacht während wir
drin sind mit ein paar Männern die Pferde, die wir in der Scheune
dort hinten unterstellen werden. Vielleicht müßt ihr sie bis
zu unserer Rückkehr mit eurem Leben verteidigen. Es wird überdies
besser sein, wenn ihr euch nicht noch einmal dem Zorn meines Vaters stellt.
Wir anderen werden nun dem guten Alwin hier folgen." Alwin führt die
Gruppe von der Scheune weg, hin zu einem Entwässerungsgraben, der
zwischen den Feldern entlangläuft. "Im Schutze des Grabens können
wir uns der Feste nähern ohne gesehen zu werden. Ich weiß einen
Eingang an den Torwachen vorbei." Nach etwa einer halben Stunde gelangen
sie an den Fuß des Berges, der Stadt und Feste trägt. Alwin
deutet auf ein Loch im Fels, aus dem Wasser rinnt. "Hier müssen wir
hinein. Laßt Eure Rüstungen hier, sie würden euch hindern.
Zwei sollten hier bleiben um den Einstieg zu bewachen!" So geschieht es.
Dann kriecht man nacheinander in das Loch. Es riecht muffig und alles ist
feucht, dunkel und eng. Nach einiger Zeit öffnen sich die Wände
hin zu einem Raum, der weit unter der Drachentrutz sein muss, denn man
kann weit entfernt an der Decke ein wenig fahles Sternenlicht erahnen.
Alwin deutet auf rostige Eisengriffe an der Wand: "Hier hinauf, doch Vorsicht,
die Streben sind brüchig." Nun ist klar, weshalb die Rüstungen
zurückbleiben mussten. Das Eisen hätte das Gewicht nicht getragen.
Zudem wäre es zu laut gewesen. Nach einem mühsamen Aufstieg erreichen
die Ogeden das Ende der Eisensprossen. Es handelt sich offenbar um einen
alten Brunnen im Hof der Feste. Langsam klettert einer nach dem anderen
aus dem alten Schacht. "Der Brunnen wird nicht mehr verwendet. zu wenig
Wasser" grins Alwin. Kein Zweifel, das Wasser wurde genau deshalb abgegraben.
Wieder bleiben zwei Wachen am Schacht zurück, die verbliebenen fünf
Mann folgen Alwin, der sie zu den Stallungen führt. Prinz Leomar flüstert:
"Alwin, warum durch die Ställe?" "Weil euer Vater jetzt meist im Wappensaal
ist und nur noch selten in seine Gemächer geht, auch nachts nicht.
Ihr kennt doch das Versteck hinter dem Kamin." Leomar nickt. Als Kind war
es ihm immer eine Freude gewesen, die geheimen Verstecke der Feste auszukundschaften.
Wer hätte geahnt, dass er sie einmal in schlimmer Lage würde
nutzen müssen? zehn Minuten später stehen Leomar Erik und Martin
in einer Nische hinter dem großen Wandteppich, der seitlich
neben dem Kamin im Wappensaale hängt. Sie hören, wie Lordkanzler
Vergenhans und der Fürst sich unterhalten. Offenbar geht es um die
Frage, wie ein Viehdieb zu behandeln sei, der aus Hunger stahl. Im Übrigen
lässt sich aus der Stimme des Fürsten nicht viel Sympathie heraushören.
Leomar befiehlt seinen Begleitern, hinter dem Teppich zu warten und nur
im Notfall herauszukommen, dann strafft er sich und tritt vor.
Mit einem Schlage verstummen alle Gespräche im großen Saal,
für Minuten ist es totenstill "Was in aller Welt...Leomar! ist dann
zu vernehmen und ein Zinnkrug fällt scheppernd zu Boden. "Komm her
Sohn, im rechten Augenblicke bist Du zurückgekehrt! Nimm Platz zu
meiner Rechten, auf dass wir uns wappnen wider die Unbilden/Fährnisse,
die sich über dem Hause Drachenhain zusammenbrauen". "Wahrlich Vater,
dem Hauses Drachenhain gilt auch meine Sorge, denn nichts ist mehr zu ahnen
von alter Väter Sitte, das Land hat sich gewandelt in eine Feste des
ceridischen Glaubens, wo kein Ogede mehr leben kann und mag. Ich fordere
dich deshalb auf, Vater, leg beiseite das Werkzeug, lass ab von Deinem
jetzigen unheilvollen Tun, sonst wird zerschellen das Land unter Deiner
Hand. Wir Ogeden werden dann Hammer und nicht länger der Amboss sein!
Was sagst Du Vater, wie lautet Dein Entschluss?" "Schande, Schande über
Dich! Du willst sein ein Spross des Drachenhainerstammes? Erkennst Du nicht
die Schlinge der Feinde und Missgünstigen, die sich wie Feuer immer
enger um den Hals unseres hohen Hauses legt!? Nein, Du dummes Kind kommst
selbst brandschatzend an ihrer statt in das Haus unseres Geschlechtes!"
"Du bist der Auswuchs! Du hast gebrochen mit allem was den Altvorderen
recht und billig war. Selbst die Vier sind in Wahrträumen herabgestiegen,
um Deinem Treiben ein für alle mal ein Ende zu setzen. Viele Deiner
Vasallen beschlich ein Gesicht, wonach es mit Dir zu Ende geht. Bis zum
Drei-Ulmenhof hat es sie geführt, wo offenbart wurde, was jeder wusste:
Der Odem des Alten Drachen wird erlöschen!" "So haben Dich die alten
Götter nicht bedacht mit ihren Streichen, haben Dich im Ungewissen
gelassen in ihrer Huld? Bist Du denn sicher, ob es wirklich diese Hohen
waren, von denen Du da sprichst? Ich hörte Zungen, die sagen, eine
unheilige Wesenheit sei geboren worden auf dem Drei-Ulmenhof, weißt
Du, nach wessen Willen dies in Wirklichkeit geschah? Heißt es nun
nicht für mich, dem Herren des Landes, Obacht zu halten? Was
Du noch nicht weißt, sage ich Dir nun: Ich - im Gegensatze zu Dir
- bin erhellt und durchdrungen von meinem Gott. Mehr als ein Traum brachte
mich auf den Weg, den ich mein Leben lang schon wandle. Was hast Du? Aus
Deinen Worten schließe ich, dass Dir selbst keiner dieser angeblichen
Wahrträume erschien? Was hast Du, frage ich? Doch genug, ich bin es
leid mit tumben Menschen zu reden." "Ha! Vater, Dir wird es nicht mehr
gelingen mir Sand in die Augen zu streuen. Deine Zeit ist vorüber!
Im Namen Halmar Drachenprinz und Ardan des Starken: Steig vom Thron alter
Mann, damit ich wieder richten kann, was Du in Deinem verblendeten Eifer
getan hast!" "Das ist genug jetzt! Dir werde ich nie mein Lebenswerk in
die Hände geben, Dir Fußlappen meiner Feinde! Packt ihn nun,
legt ihn in Ketten und werft ihn zu den seinen!" Den letzten Befehl schreit
Waldemar wütend den Wachen zu, die sich am Eingang und in zwei Alkovennischen
an den Wänden aufhalten. Die Wachen zögern nur kurz, aber es
bleibt Zeit für Vergenhans aufzuspringen und zu rufen: "Haltet ein,
das geht zu weit. Der Prinz hat nichts getan, was diese Maßnahme
rechtfertigen würde!" Jedoch hören die Wachen nicht auf ihn,
da Waldemar ihn wütend anblitzt und mit nun wieder beherrschter Stimme
sagt: "So, auch ihr also. Ich verstehe. - Verlasst sofort mein Haus!" Prinz
Leomar weicht im Angesicht der Wachen zurück zum Kamin und ruft seine
Leute hinter dem Teppich herbei. Jene springen daraufhin hervor und ziehen
die Schwerter. Die Drachenhainer Gardisten sind für einen Moment erstaunt,
plötzlich weitere Gegner vor sich zu sehen. Diesen kurzen Moment des
Zweifels nutzen Leomar, der Kanzler Vergenhans und die Jolbensteiner. Sie
werfen sich auf die Gardisten und schlagen ihnen die Schwerter aus den
Händen. Dann springen sie zurück in den Gang. Der Rest ist schnell
erzählt: Mit knapper Not gelingt es dem kleinen Trupp, dank Alwins
Kenntnisse, von der Drachentrutz zu entfliehen und zurück zu den Pferden
zu kommen. Lediglich Ritter Erik zog sich dabei eine Verletzung zu, weil
er den Brunnenschacht sicherte bis alle hinein gestiegen waren und ihn
so ein auf den Mauern stehender Armbrustschütze in den Arm traf. Mit
zusammengebissenen
Zähnen gelingt ihm der Abstieg. Als die Drachentrutz nur noch
wie ein dräuender Schatten hinter ihnen liegt, spricht Kanzler Vergenhans
zu dem Prinzen einige, im Vertrauen gesprochene Worte, Leomar entgegnet
hierauf mit lauter Stimme: "Ich stimme Euch voll und ganz zu! Nur will
ich mich nicht ins ferne Escandra davonstehlen, wenn bald wahrscheinlich
um meinen Thron gefochten wird. Ich ahne Schlimmes und ich glaube, was
wir in den letzten Stunden erlebt haben, war sicherlich nur der Anfang!
In dieser schweren Stunde kann und will ich die Verbündeten nicht
allein lassen. Hochgeschätzter Kanzler, wäret Ihr bereit an meiner
statt zum König zu reisen, und ihm von den unerhörten Vorgängen
zu berichten? Das Drachenhain für das ich stehe, wäre Euch für
immer dankbar!" Kanzler Vergenhans, von dem Gehörten sichtlich bewegt,
wendet sich an den Prinzen: "Wertester Leomar, ich danke Euch von tiefstem
Herzen für Euer Vertrauen in mich. Natürlich werde ich sofort
aufbrechen. Ein Pferd wartet im nächsten Dorf schon auf mich und ich
werde nicht ruhen, bis ich vor dem König Eure Sache, die Sache aller
Ogeden vorgebracht habe. Ich wünsche Euch von Herzen, alles
Gute, bleibt gesund und lasst Euch nicht zu sehr von Euren Gefühlen
leiten. Es stehen viele Menschenleben auf dem Spiel und mehr noch ... Ich
habe Euch aus aufrichtigen Mann kennen gelernt und bin zuversichtlich.
Mögen die Viere Euch leiten auf dass Helios Gerechtigkeit und Saarkas
Zorn mit Euch seien." Vergenhans umarmt Leomar. Der Drachenhainer Erbe
erwidert die Umarmung: "Lieber Kanzler, ich werde die Meinen nicht enttäuschen!
Möge Drachenhain geheilt sein vom bösen Odem und endlich ein
anderes sein, wenn wir beide uns wiedersehen! Den Segen der Vier, Helios
vor, auf Euren Wegen!" Kanzler Vergenhans wendet sich zum Gehen, als Ritter
Benedict vortritt und ihm anbietet, einen seiner beiden geübten Waldläufer
mitzugeben, um möglichst schnell und ungesehen voranzukommen. Die
beiden Waldläufer haben bei Vergenhans schon bei ihrer ersten Begegnung
einen sehr guten Eindruck gemacht... Der Kanzler von Cambrück bedankt
sich für die angebotene Hilfe, meint aber, dass es wohl besser sei,
Leomar den bestmöglichen Schutz zu bieten. Ein Heliosgeweihter könne
mit der Hilfe eines jeden Bauern rechnen und so käme er bestimmt gut
und schnell durchs Land. Dennoch bedankt er sich nochmals herzlich für
das Angebot, wünscht en Mitstreitern der letzten Tage den Segen der
Vier und eilt mit einem letzten "Alles Gute" dem nächsten Dorf entgegen.
Auch Ritter Benedict, nimmt sogleich den Prinzen zur Seite und bittet
ihn, nach der Ächtung seiner Person durch seinen Vater, dass er und
seine Männer Tag und Nacht auf Leomars Leben achten dürfen. Keiner
der sich hier befindlichen Ordenskämpfer, soll mehr am Leben sein,
bevor auch nur ein Streich in Leomars Richtung geführt werden kann.
Der Fürstensohn zeigt sich ob dieser Worte tief bewegt, schaut Benedict,
den Frauen und den Männern einige Augenblicke ernst ins Gesicht: "Ich
werde Euch diese Treue nie vergessen - im Guten wie im Schlechten nicht
- ich hoffe nur, dass diese noble Tat nicht dereinst auf Euch zurückfallen
wird. Ihr habt Euch den Fürsten von Drachenhain zum Feind gemacht!"
Plötzlich fernes Hundegebell, der Feind naht, die Flüchtenden
setzen sich wie ein Mann wieder in Bewegung. Bei den Pferden angelangt,
hält Leomar Alwin zurück: "Das Bündel das ihr da tragt -
habt ihr es geschafft?" Alwin nickt und sagt: "Es war in der Truhe im Jagdzimmer."
Und mit diesen Worten schlägt er das Tuch zurück. Leomar nimmt
das Schwert des Drachenhainer Schwertführers entgegen und seine Augen
blitzen: "Nun denn Vater, so hast du es gewollt." Dann geht alles rasch.
Schnell jagen die Reiter davon nach Westen, auf die Grenzen Rebenhains
zu.
Drachenhainer Bischofswahl eine Farce? -
Pater Zussmund steht Rede und Antwort
Stimmen namhafter Kirchenmänner des Landes werden dieser Tage laut,
die die Meinung vertreten, dass die unlängst begangen Wahl zum Oberhaupt
der Drachenhainer Ceriden - zumindest im moralischen Sinne - nicht mit
rechten Dingen zugegangen sei. "Der Name dieses hohen Würdenträgers
soll nicht in einem Zuge genannt werden mit Drachenhainer Regierungsränken.
Das ist unwürdig!" So die Worte des Paters Zussmond von Prauen, eines
der fünf restlichen Mitglieder des bischöflichen Kapitels. Der
Pater hatte sich innerhalb der langwierigen Bischofswahl vehement für
den anderen Kandidaten, für Abt Anandu Immianus von Jolbruck, stark
gemacht. Besonders bitter stoße dem Geistlichen aus St. Aluin die
Art und Weise auf, wie "ein gewisser Bruder von der Drachentrutz" in die
Corona des bischöflichen Kapitels hineingepoltert sei und die fünf
Anwesenden mit "fürstlichen Dekreten fuchtelnd" vor vollendete Tatsachen
gestellt habe:
"Und das ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da wir unwiderlegbare Zeugnisse
vorzulegen bereit waren, welche die Statthaftigkeit des Erlind doch in
arge Zweifel gebracht hätten. Nur gut, dass der Primus so weise war,
sich noch nicht für den einen, unter Zwang erwählten, Kandidaten
ausgesprochen zu haben. Bald werden ich und andere umfangreiche Gründe
vorbringen, warum es dazu nimmer kommen darf! Abgesehene davon, frage ich
mich ernsthaft, ob es überhaupt im Sinne des Einen ist, dass der Fürst
den Bischof, wie einen seiner Vasallen und Speichellecker, nach eigenem
Gutdünken und politischen Kalkül bestallt. Ja, manche werden
meine Worte nicht gerne hören, aber der Eine gebietet uns das Wahre
zu sprechen und das Unwahre nicht unwidersprochen zu lassen!"
Der Leser darf fürderhin gespannt sein, wie sich der Streit innerhalb
der ceridischen Kirche in Drachenhain weiterentwickeln wird. Muss etwa
die Bischofswahl wiederholt werden, wie wird das Urteil des Primus ausfallen,
steht die Kirche im Fürstentum vor der Zerreißprobe und wie
wird seine Durchlaucht reagieren?
Freier Schreiber, Minhart Balamus
Die Lindfurter Hafenwacht gibt bekannt:
Unter Anordnung des Barons Alton von Fichtenhau werden bis auf weiteres
Sicherheitsvorkehrunge für die Baronie Lindfurt und das Fürstentum
Drachenhain getroffen. Nach dem die Mantiden sich doch wieder im Süden
Heligonias ausgebreitet haben, wollen wir eine weitere Verbreitung vorbeugen.
Da bereits die Mantidenkönigin über den Seeweg nach Heligonia
gekommen ist, sehen wir uns gezwungen, die Schiffe aus Darian, Thal und
Betis gesondert auf Mantiden zu durchsuchen. Die Handelsschiffe dürfen
bis auf weiteres nur noch an der Packinsel festmachen, um eine Isolation
der Kreaturen zu gewährleisten. Den Waren der Schiffe werden separate
Pack- und Lagerhäuser und Verladearbeiter bereit gestellt, um einen
Nachteil im Handelsgeschäft zu vermeiden. Im Lindfurter Hafen ist
jeder Handeltreibende willkommen, deshalb bitten die Maßnahmen nicht
als Schikane, gegenüber Händlern aus südlichen Regionen
zu sehen, und bitten die betroffenen um Verständnis. Die nötigen
Kontrollen werden sobald wie möglich wieder aufgehoben.
Kielbert Minzer, Schreiber des Stadtgeschehen
Fromme Fürbitten
In diesem heurigen Jammerjahr gibt es glücklicherweise auch noch Lichtblicke
für unseren geliebten Fürsten, die Euch geneigtem Leser, nicht
vorenthalten werden sollen:
Werter Fürst Waldemar,
Verzeiht, dass ich Euch schreibe und nicht persönlich diesen kurzen
Weg zu Euch gegangen bin, aber die Gicht macht mir in diesen Wintermonden
sehr zu schaffen. Ich möchte Euch auch keinesfalls mit meinen nichtigen
Belangen zusätzlich belasten. Die Sorge um Euer
Wohlbefinden will mir einfach keine Ruhe geben. In meinen Gebeten flehe
ich den Einen ehrerbietig um die Einsicht seiner abtrünnigen Schäfchen
und um den Schutz seiner gläubigen Kinder an. Auf dass ein
sinnloses Blutvergießen unsere Frauen nicht ins Unglück
und unsere Kinder nicht zu Weisen machen solle und der Eine sein Richtendes
Schwert nur auf die Frevler fallen lasse. Jeder Messe Abschluss gehen
dieser Tage die Fürbitten für unseren werten Giselher und
Wentorius von Waldhort einher. Euer Durchlaucht, dürfte ich euch den
Vorschlag einer Mitternachtsmesse unterbreiten. Vielleicht lassen Euch
die Lobpreisungen und Gebete an unseren Herren, wenn auch nur für
einen Moment, wieder mit lachenden Augen Euren ergebenen Untertanen entgegentreten.
Sie würden wieder neuen Mut schöpfen. Nun muss mein Schreiben
ein Ende finden, die Nächte sind kalt, mein Fürst, da eine Bibliothek
wahrlich kein Ort ist, an dem eine Frau meines Alters um diese Stunden
noch seien sollte.
Eure demütige Dienerin des Einen, Salome von
Richilesruh
Offener Brief von Metabor an das Volk von Drachenhain
Meine lieben Ogedischen Brüder uns Schwestern, werte ceridische Mitbürger
Ich sehe den heraufziehenden Sturm über Drachenhain, und mein Herz
wird schwer bei dem Gedanken, ich welchen Blutbad dies enden könnte.
Darum möchte ich euch alle zum besonnen Handeln und zur Mäßigung
aufrufen.
Viel Unrecht ist in letzter Zeit geschehen und genauso viel Hass wurde
geschürt. Doch bedenkt, wir leben alle unter der Sonne Helios und
nach den Gesetzen unseres geliebten und weisen Königs Aximistilius
Helos III. Macht uns das nicht zu einem Volk? Sind wir nicht ungeachtet
des Glaubens gleicher Maßen Bruder und Schwester? Es wird Zeit einander
zu respektieren und die Wünsche des Anderen zu achten.
Unrecht soll gesühnt werden. Doch nicht durch das Schwert - sondern
durch die königliche Halsgerichtsordnung. Und ein jeder in Heligonia
hat dies zu beachten - sei er nun Bauer auf dem Feld oder ein Lehnsherr
von Stand. Wer die Gesetze achtet, genießt ihren Schutz. Wer sie
bricht, der wird bestraft. Und so ist es auch mit dem Wort der Götter.
Diejenigen, die Land und Volk verraten, sollen wissen, dass sie sich
nicht über das Gesetz stellen können und sie für ihr Taten
bestraft werden. Der Odem der Frevler wird versiegen.
Zu lange wurden wir gegeneinander ausgespielt. So darf es nicht weiter
gehen. Besinnt euch auf die wahren Werte zurück.
Die Belagerung der Feste Drachenhorst
Prewal Kurtzschuh vom Heliosboten berichtet.
Was bisher geschah:
Nachdem am 24. Tag des 1. Saarka ein Bote Fürst Waldemars Jolbruck
erreicht hatte, der von der Baronin verschiedene Leistungen einforderte,
die diese nicht nachzukommen gewillt war, bereitete Karelia Jeferindell
im geheimen die Mobilmachung vor, ließ die Waffenfähigen mustern
und sandte Nachricht an ihre Verbündeten. Sodann ließ die Baronin
Getreide auf ihre Stammburg, die Drachenhorst, bringen und was sich nicht
dorthin schaffen ließ, wurde - so wird zumindest erzählt - mit
Mutterkorn verdorben. Auch alles Vieh wurde von den Weiden geschafft und
- auch das ein Gerücht - die Viehbrunnen vergiftet. Die Baronin zog
sich mit ihren Mannen auf diese Burg zurück und ließ sich von
den ausgesandten Spähern berichten, dass offenbar Truppen aus allen
benachbarten, ceridischen Baronien (und Abteien) die Jolbensteiner Grenze
passiert hätten. Leider kamen nicht alle Späher zurück,
so dass die genaue Anzahl der Feinde im Dunkeln blieb. Jedoch konnte ab
Mitte des 2. Saarka kein Zweifel bestehen, dass die Lage sehr ernst war.
Am 18. Tag des 2. Saarka waren schließlich von den Zinnen der
Drachenhorst die fürstlichen Soldaten zu sehen. In den Reihen des
fürstlichen Heeres macht das Gerücht die Runde, Karelia Jeferindell
habe sich zur Gräfin von Drachenhain ausgerufen und versucht, den
Fürsten zu vergiften. Am 19. Tag des 2. Saarka begann die Belagerung
der Feste Drachenhorst durch vereinigte Hochaskensteiner und Drachentrutzer
Soldaten. Im Laufe des Tages, gesellten sich noch Sengenberger Templer
und Lindfurter hinzu...
19. Tag des II. Saarka
Gegen Mittag löst sich aus den Truppen des Fürsten ein berittener
Bannerträger und reitet auf die Burg zu. Es ist der unterhändler
des Fürsten, der Edle Bergulim von Roydenbach. Mit fester Stimme gebietet
er den Verteidigern die Tore zu öffnen und den Widerstand aufzugeben.
Er fordert die Baronin im Namen des Fürsten auf, sich zu ergeben.
Die Antwort der Jolbensteinerin schallt von den Zinnen über das fürstliche
Heer: "Wollt Ihr Euer Blut für einen gesetzlosen Despoten geben? Sind
Halsgerichtsordnung und somit der König nicht auch für Euch als
gesetzestreue Heligonier über allen Sterblichen? Wenn dies nicht so
ist, dann ist Blutvergießen gerecht!" Bergulim vom Roydenbach hört
sich die Antwort geduldig an. Er tätschelt den Hals seines Pferdes
während der Rede Karelias, dann gibt er folgendes zu verstehen:
"Ihr seid es, die gegen die königliche Halsgerichtsordnung verstoßen
habt: Abgesehen davon, dass Ihr Euren Lehnsherren ungeheuerliches und beleidigendes
vorwerft - was allein schon zu Eurer Absetzung ausreichen würde, habt
Ihr Euch öffentlich verstiegen, seinem fürstlichen Willen nicht
Folge zu leisten und Euch offen gegen ihn zu stellen. Die königliche
Halsgerichtsordnung ist in solchen Fällen eindeutig: die Anschuldigung
kann nur heißen Hochverrat! Ich überbringe Euch ein Angebot
des Fürsten.
Primo: Die Besetzung dieser Festung ist aufzuheben.
Secundo: Jefferindell Karelia, Ihr habt Euch binnen eines Tage im Büßergewande
auf die Drachentrutz zu zu bewegen - es sei denn, Ihr habt mit Eurem Leben
abgeschlossen und rechnet mit der Ächtung. Der Fürst weiß,
Ihr beruft Euch in Eurem schändliche Tun, auf die Geschehnisse beim
Drei-Ulmenhof. Lasst Euch sagen, die Besitzverhältnisse der vier Statuten
- die angeblich ogedische Artefakte sein sollen, definitiv aber aus dem
Besitz des Fürsten von Drachenhain entwendet wurden - sollen durch
eine königliche Kommission untersucht und eindeutig bestimmt werden.
Dies ist der Schluss, den seine Durchlaucht und zwei Ritter des König,
vor vier Tagen einvernehmlich geschlossen haben. Ihr seht, es gibt keinen
Grund für Euer überzogenes Tun. Kleidet Euch also in Demut und
kniet nieder vor Euren Lehnsherren! Andernfalls wird Fürst Waldemar
unter Mithilfe eines königlichen Heeres kommen, um zu richten!" Ohne
eine Antwort abzuwarten, wendet sich der Unterhändler um und reitet
zurück in das fürstliche Lager.
20. Tag des II. Saarka
Gegen Mittag verstreicht das Ultimatum des Fürsten, ohne dass
etwas geschieht. Eine weitere Stunde später allerdings kommt Bewegung
in die gesammelten Drachenhainer Truppenverbände. Rings um die Drachenhorst
werden überall Zelte aufgeschlagen und stolz vielfarbene Banner entrollt.
In angemessenem Abstand zu den sichtbaren Ausgängen der Feste, werden
ringförmig Weidenblenden aufgestellt, hinter denen die Bogenschützen
postiert, etwaige Ausfälle im Keime ersticken sollen. Dann wird Holz
herbeigeschafft und unter Hämmern und Sägen, notdürftige
Hütten errichtet. Unweit der höchsten Anhöhe, südlich
und etwas abseits der Feste, wird gegraben - die Erde soll offenbar zu
einem künstlichen Hügel aufschütten werden. Einzelne Führer
reiten gegen die Mauer der Feste, um Schwachpunkte zu erspähen - selbstredend
in ausreichender Entfernung, um nicht Opfer eines von oben abgeschossenen
Pfeils zu werden. Unterdessen rüstet man zur förmlichen Belagerung;
einiges Sturmzeug hatte war auf Heerwagen mitgeführt worden, dieses
wird nun an Ort und Stelle ausgeladen und sorgfältig aufgebaut. Viele
Hände zimmern, bohren, nageln bis zur Feste und weiter noch hörbar.
Zu Kampfhandlungen allerdings kommt es an diesem Tag nicht.
21. Tag des II. Saarka:
Noch mehr fürstliche Truppen sind erkennbar, mögen es tausend
sein? Der Rauch unzähliger Fackeln und Lagerfeuer legt förmlich
einen weißen Nebel über das Feldlager der Belagerer. Bereits
in den frühen Morgenstunden werden die Arbeiten des gestrigen Tages
fortgeführt. Es scheint sogar, als seien noch mehr Hände am Werk,
die in unbeständigem Takt das Holz, Stahl und Leder bearbeiten.
Gegen Mittag bewegen sich fünf Wägen auf die südlichen
Mauern der Feste zu, die mittels Weidengeflecht und derben Lederhäuten
umspannt, die Menschen darunter vor Pfeil und anderem Unbilden abschirmen.
Als man auf Schussweite herangekommen ist, stoppen die Fuhrwerke nebeneinander.
Unter dem mannigfachen Beschuss der Eingeschlossenen fassen die fürstlichen
Soldaten einen Posten. Durch Verpfählung und Erdaufwürfe in Richtung
der Feste, durch Weidengeflechte und durch lange Eichenbretter wird dieser
Posten versucht gegen eventuelle Anfälle und Geschosse der Belagerten
zu schützen. Des öfteren fällt ein Getroffener aus dem Verbund,
was die Arbeiten aber nicht zu beeinträchtigen scheint. Auch hier
wird nun gehämmert und gesägt, was dort gebaut wird, bleibt den
Belagerten aber noch verborgen....
22. Tag des II. Saarka:
Die gesamte Nacht war für die Belagerten hörbar am gestern
erkämpften und durch Weidengeflecht, Holzpfahlwand und Erdaufwurf
geschützten Vorposten gearbeitet worden. Jetzt bei Sonnenaufgang offenbarte
Helios, was so gefährlich nah an die Mauern der Feste Drachenhorst
heran geschafft werden musste und nun, zusätzlich zu den zur Feste
gerichteten Blenden, vom Feldlager aus von Bogenschützen vor möglichen
Ausfällen gedeckt wird:
Zwischen zwei senkrecht gegenüberstehenden Stützen aus starkem
Eichenholz hängt waageähnlich ein langer Balken. An das gegen
die Feste gekehrten Ende ist sichtbar ein beschwerten Kasten befestigt.
An dem andern Ende aber ist, mit starken Seilen umwunden, eine Art riesenhafter
Holzlöffel angebracht, in den offenbar Geschosse gelegt werden können.
Mittels einer Vorrichtung am Gestell wird sogleich der "Löffel"
zur Erde herabgesenkt und mit Ketten und Seilen in dieser Stellung festgehalten.
Aus einem Wagen werden in Leinen umwickelte Bündel herbeigeschafft.
Nein, es handelt sich nicht um Stein oder Flammenbrunst, mehrere fleischfarbene
Brocken werden eilends auf die Vorrichtung gelegt. Durch kräftigen
Hammerschlag wird nun ein eingepflocktes Spannseil gelöst, worauf
der beschwerte Wurfarm blitzschnell empor schnellt und seine "Geschosse"
im weiten Bogenwurf auf das Ziel, das Innere der Feste, schleudert. Mit
lautem Klatschen kommen diese auf Dach, Mauer, Zinne und Brunnen auf, tatsächlich
handelt es sich um halbverdorbenes Pferdefleisch....
Höret, höret!
Seine Durchlaucht, Fürst Waldemar von Drachenhain geben kund und zu
wissen
Primo, dass Krator von Rebenhains künftig nicht mehr Baron heißen
soll, da er sich gegen seinen Herrn gewandt hat und des übelsten Hochverrats
verdächtig ist.
Secundo, dass ihre Hochwohlgeboren Samira, Baronin zu Rebenhain, sich
sofort samt ihrer Erbin in den Schutz der Feste Drachentrutz zu begeben
hat, will sie die Ansprüche ihrer Tochter wahren. Andernfalls erlischt
dieser und seine Durchlaucht werden einen Baron in Rebenhain einsetzen.
Tertio, dass es allen treuen Untertanen seiner Durchlaucht angelegen
sein muß, Ihre Hochwohlgeboren Samira vom Silberlauf, Baronin zu
Rebenhain aufzufinden und in den Schutz der Drachentrutz zu geleiten, da
zu befürchten steht, dass ihr Gatte sie festhält.
Quarto, dass es allen Untertanen seiner Durchlaucht geboten ist, Krator
von Rebenhain zu fangen und an seine Durchlaucht zu übergeben
Quinto, dass Jefferindell Karelia von Jolbenstein, vormals Baronin zu
Jolbenstein weiterhin des Hochverrats dringend verdächtig ist und
ferner sich der hinterhältigen Brunnenvergiftung schuldig gemacht
hat. Aus diesem Grund spricht seine Durchlaucht die Acht über sie.
Jeder, der sie unterstützt oder ihr Hilfe gewährt sei hiermit
gewarnt, dass er sein Leben verwirkt.
Sexto, dass seine Durchlaucht ein weiteres Mal alle Untertanen ernstlich
ermahnt seiner Durchlaucht die schuldige Treu zu erweisen und nicht der
Schande des Verrats und des Eidbruchs zu verfallen. Auch sollen alle wissen,
dass seiner Durchlaucht Gefolgsleute in seiner Durchlaucht Namen handeln
und zu unterstützen sind, als sei seine Durchlaucht höchstselbst
anwesend.
Gegeben auf der Drachentrutz im Eismond.
Hinterhältiger Anschlag auf Truppen des Barons von Jolbenstein
Wie jedermann weiß, gefiel es seiner Durchlaucht Fürst Waldemar
von Drachenhain, die unbotmäßige Baronin von Jolbenstein abzusetzen
und an ihrer Stelle seine Hochwohlgeboren Giselher von Mühlenheim,
Baron der Antrutzen und Kanzler Drachenhains als Baron für die Zeit
der Unruhen in Jolbenstein einzusetzen.
Die abgesetzte Karelia nahm jedoch nicht, wie es ihr gut zu Gesicht
gestanden hätte, den Spruch seiner Durchlaucht an, sondern floh wie
ein Reh aus Jolbruck um sich in ihrem Bau zu verstecken. So konnte Baron
Giselher Jolbruck in Besitz nehmen, allerdings wurde die Freude getrübt
durch heimtückische Anschläge der Hexe Karelia. Diese, so steht
zu vermuten, ließ einen Brunnen mit, wie sich herausstellte, Gift
des Eibenbaumes versetzen, so dass über ein Dutzend Pferde und mehrere
Antrutzer Soldaten daran starben, als sie ihren Durst zu löschen suchten.
Nur durch die schützende Hand des Einen wurde Baron Giselher erhalten,
dem offensichtlich dieser Anschlag galt.
Seine Hochwohlgeboren setzte auf Grund dieser furchtbaren Verräterei
eine Prämie von 50 Dukaten auf den Kopf der feigen Mörderin aus.
Wie man hört, sandte er auch sofort Botschaft auf die Drachentrutz.
Jolbruck im 2. Eismond. Berichtet von Bruder
Lupinus,
Geistlicher im Heer der Antrutzer
Wieder ein Rundgang
Wieder ein Rundgang. Es gab nicht viel zu tun, ausser diesem Warten. Warten
darauf, das der Feind, den man bisher nur aus der Ferne sah endlich Aug
in Aug einem gegenüber stehen würde. Alles, nur nicht weiter
dieses verdammte Warten. Valadur lächelte, wenn er Trauer sah in den
Augen der Menschen. Sprach von Tagen voller Sonnenschein, wenn er die Angst
erkannte, die an dem Mut der Männer und Frauen nagte. Hier und da,
nahm er ein Kind in den Arm, wenn die Eltern nicht mehr die Kraft besaßen
die Fragen des kleinen Menschen zu beantworten. Dann hörte der Vogt
zu, sprach mit leiser Stimme und wiegte die Kleinsten in den Schlaf um
sorgsam dann die Schlafenden zurück in die liebenden Arme der Mutter
zu geben. Er war einer von ihnen, dies war es was er zeigen wollte. Als
er an einer Gruppe junger Männer vorbeischritt, hörte er Worte,
die seinen Zorn erregten. "Sollen sie nur kommen! Ich werde sie töten
und ihnen die Haut abziehen, wie man es mit Schafen macht." Langsam näherte
sich der Vogt der Gruppe, wobei er darauf achtete den Rücken des Sprechers
im Auge zu behalten. Dieser ließ sich auch nicht durch die Reaktionen
seiner Zuhörer von seinen Blutreden abhalten, bis die Stimme Valadurs
erklang. "Sieh an. Wir haben einen erfahrenen Krieger unter uns. Wie viele
habt ihr schon getötet, mein Freund?" Der junge Mann drehte sich um
und in seinem Gesicht stand der Schreck geschrieben, plötzlich vor
einem der Männer zu stehen, die als treuste Kämpfer der Herrin
von Jolbenstein galten.
Valadur betrachtete dies Gesicht. Zu jung für den Krieg. Zu jung für
den Tod. Vielleicht hatten diese Augen dort 17 Sommer gesehen, vielleicht
ein oder zwei mehr, oder auch weniger. Zu jung eben. "Ich... Wie viel?
Also..." "Keinen Menschen habt ihr bisher getötet. Schafe aber dafür,
nicht wahr?" "Ja. Tod ist Tod." Er gewann an Selbstsicherheit. Der Vogt
ließ ihm diesen trügerischen Landgewinn für einen Moment.
"Tod. Leicht kommt dies Wort von euren Lippen. Habt ihr einmal auf dem
Schlachtfeld gestanden, wenn um euch herum eure Freunde fielen? Wenn die
Pferde eurer Gegner den Körper eures ältesten Freundes in den
Boden traten?
Sein Fleisch, seine Knochen, sein Blut auf euch hernieder regneten,
während er voller Todesangst nach seiner Mutter rief? Habt ihr gesehen
was Brandöl im Gesicht eines Menschen anrichtet? Wenn Schönheit
zu schwarzen, blutigen Blasen wird, die aufplatzen und nur rohes Fleisch
übriglassen, das schmerzt, selbst wenn nur der Wind darüber streicht?
Habt ihr die Schreie der Sterbenden gehört, wenn ihr nach der Schlacht
über dies Feld des Blutes schreitet, auf der Suche nach den Überresten
von denen, mit denen ihr einst gelacht habt? Stellt euch vor, wie es ist
einen von ihnen zu finden, nur um zu erkennen das der Tod ihm nicht geschenkt
wurde, obwohl man ihm die Beine vom Körper geschlagen hat. Er bittet
darum von eurer Hand erlöst zu werden. All die Tage der Freude die
waren, all die Bande der Freundschaft beschwört er und ihr? Seid ihr
stark genug um sein Flehen zu erhören? Werdet ihr euer Schwert erheben
um ihn zu töten? Werdet ihr all diese Feinde vernichten? Ihre Haut
abreissen? All diese Gegner, die doch genau das Gleiche mitmachen wie ihr?
Auch sie verlieren ihre Freunde. Und genau wie hier, weinen dort die Mütter
über den leeren Gräbern ihrer Söhne, weinen die Frauen über
ihre Liebsten, die nicht wieder kommen, weil ihre Körper auf dem Feld
der Schlacht geblieben sind, vereint mit den Leibern ihrer Feinde, von
denen sie nie gehört hatten. Warum sind sie ausgezogen in den Krieg?
Wer hat auf sie gewartet? Wer wollte sie halten und nicht gehen lassen?
Tod kommt leicht über die Lippen. Wer aber hat ihn verdient? Wer?
Kommt, sagt es mir." "Sie haben unser Land überfallen und die Herrin...
Es sind Feinde..." "Es sind Menschen, denen man erzählt hat, das wir
die Feinde sind. Das wir die Schafe sind, denen man die Haut abziehen sollte.
Unmenschen, Barbaren. Doch wir sind Menschen, genau wie sie. Wir werden
kämpfen, wenn wir es müssen. Wir töten um zu verteidigen,
doch vergessen werden wir nicht, das es Menschen sind. Das ist der Unterschied."
Er wandte sich ab und ließ den jungen Krieger stehen. Es gab nichts
mehr zu sagen. Valadur würde töten, doch nach dem Kampf würde
er die Toten beklagen und ihre Namen, ihre Taten in den Wind brüllen,
damit sein Gott nicht vergessen würde, was Valadur ihm vorwarf. Sein
Blick glitt zu den Zinnen und da stand sie. Die Herrin von Jolbenstein.
Schön, wie immer. Der Sturm beugte sie nicht. Ihr Wort würde
all ihre Streiter in den Sieg, oder den Untergang führen. Wie auch
immer das Ende sein mochte, sie alle würden ihr folgen. Tod. So leicht
klang dies Wort...
Der Damm des Schweigens
Der Baron blickte unverwandt auf die Wand, an der sein Banner hing, umrahmt
von zwei Wolfsfellen. Seit Minuten saß er regungslos an seinem Schreibtisch,
vor sich den Brief des Fürsten. Der Mann, der die Botschaft am Tor
in Empfang genommen und zu seinem Herrn gebracht hatte, stand wie eine
Statue an der Seite des Tisches.
Schließlich räusperte sich der Baron. Er sah den Hauptmann
der Wache an, der mit keinem Augenzwinkern Interesse zeigte und fragte
ihn: "Wann haben wir das letzte Mal mobil gemacht?"
"Vor einigen Jahren. Im Wolfenfeld-Konflikt", antwortete der Hauptmann.
"Nein, das meine ich nicht", antwortete der Baron gedankenverloren.
Er schob den Brief leicht von sich weg, ohne ihn anzusehen. "Wann war das
letzte Mal die ganze Baronie mobilisiert - oder besser gesagt, das ganze
Land?"
"Das war vor etwa 80 Jahren, zur Zeit der Clankriege. Zur Zeit meiner
Großväter." Der Hauptmann wandte den Kopf und sah den Baron
zum ersten Mal direkt an. "Und zur Zeit Eures Großvaters."
Der Baron nickte. "Ja, damals", sagte er leise und fuhr nach einer
längeren Pause fort: "Vielleicht ist es wieder so weit." Er sah nun
seinerseits den Hauptmann an.
"Ich brauche Kiondre. Ich brauche die Geweihten der Burg, ich brauche
10 Männer, die als Boten taugen, ich brauche Euren Stellvertreter
und ich brauche Euch. Ach ja und meine jüngere Schwester. Ihr organisiert
das. Und lasst gleich am Tor Bescheid sagen: Absolute Nachrichtensperre
gegen jedermann. Wer eine gezielte Botschaft bekommt, besprechen wir nachher.
Treffpunkt hier."
"Jawohl." Ohne überflüssige Worte oder Gesten verließ
der Hauptmann den Raum.
Seither haben den Heliosboten, von den bekannten Heeresbewegungen abgesehen,
aus Luchnar keine zuverlässigen Nachrichten mehr erreicht.
Gedanken zu den Drachenhainer Lehnsnehmern
Was ist es doch ein eitel Ding um die Macht der Herren: Wie die Hunde balgen
sie sich um einen Knochen und sehen nicht, dass der Herr die Peitsche schon
geholt hat um seine Kläffer zur Ordnung zu rufen. Fürwahr, es
ist weit gekommen mit dem ach so edlen alten Adel Drachenhains. Es ist
noch nicht lange her, da war dieses Fürstentum am Rande des Untergangs.
Adveristische Rebellen wollten den Thron besteigen und den guten Herrscher
stürzen. Wer half in dieser Not? Die hochherzigen Hochländer?
Die weinfreudigen Rebenhainer? Oder gar diese Buhle, die heute wie eine
getretene Hündin mit eingezogenem Schwanz in ihrem Bau sitzt und hofft,
es möge sich einer ihrer erbarmen?
NEIN! Es waren andere Herren, die dem Fürsten halfen Ruhe und
Ordnung herzustellen. Nicht der alte Adel Drachenhains diente sich an.
Neue, aufstrebende Kräfte machten den Undank vergessen, der dem Herrscher
von seinen angestammten Günstlingen entgegenschlug. Und heute, wie
steht es da um die alten Freunde?
Wie man hört, gibt sich einer nach dem anderen auf, wird übermütig
oder wahnsinnig! Die eine ruft sich zur Gräfin aus, ohne auch nur
einen Augenblick einen Gedanken daran zu verschwenden, wem sie Gehorsam
schuldet, und wer immer seine Hand über sie hielt. War es nicht der
Fürst, der einst euch das Lehen gab? Und war er es nicht, der euch
Beistand schenkte, als ihr eurer wertlosen Dörfer wegen beinahe in
einen Krieg gerutscht wärt, der euch das Köpfchen gekostet hätte?
Fürwahr, so dankt ihr es ihm nun! Aber wie man sieht sind eure Fähigkeiten
seither nicht gestiegen: weiland wart ihr schwach und heute seid ihr es
noch mehr. Eingeschlossen in eurer letzten Burg könnt ihr euch daran
laben, wie eure Getreuen - es werden wenig genug sein - des Hungers sterben.
Nein, ihr seid keine Gräfin, ihr seid ein Geschwür, das es auszubrennen
gilt. Wart ihr es nicht, die die Wasser vergiftete, damit Mensch und Tier
elend stürben? Oh ja, ich ahne euer Wimmern, wenn ihr auf dem Turm
steht und nur Feinde seht. Wo sind eure Freunde?
Krator von Rebenhain ist nicht mehr! Der Fürst hat ihn abgesetzt
und gerichtet, samt seiner Brut!
Eure Ritter? Man findet sie in den Schenken des Landes und in den Armen
der Metzen!
Der Prinz? Geflohen.
Nein, oh edle Gräfin, ihr steht allein. Es wird keiner kommen.
Das alte Drachenhain hat sich überlebt. Die neue Kraft schlägt
mächtig den Filz entzwei, den ihr und euresgleichen ausgelegt habt.
Nicht länger wird das Ohr des Fürsten euch und euren Gespielen
offen stehen. Rache, Strafe, Gericht. Das sind die Worte, die man euch
in den Leib brennen wird.
Eure Klagen hier bei Hofe, daran zweifelt nicht, sind bekannt. Das
Lachen hallt durch alle Flure, so sehr gereichen eure Schriften einem Gauklerstück
zur Ehre. Jedoch, für eure Zwecke, fürchte ich, sind sie nutzlos.
Zu sehr stelltet ihr euch ins Unrecht. Nein oh Gräfin. Ihr und die
euren ihr seid verflucht und verlassen. Der Herr hat die Peitsche geholt,
schon hebt sich die strafende Hand.
Kundgetan von Bruder Pankraz von der Drachentrutz
Escandra im Eismond 94 n. d. E.
Pater Zussmund der Bestechlichkeit angeklagt!
Unbestätigten Meldungen zufolge, hat Pater Zussmund seit einigen Tagen
das zweifelhafte Vergnügen sich Befragungen bezüglich seiner
Angebinde gefallen zu lassen. Was im Genauen dem Mitglied des bischöflichen
Kapitels zur Last gelegt wird, ist bislang leider noch nicht verlautbart
worden. Es heißt aber, bis zur Sicherstellung seiner Unschuld, sei
der Pater aus St. Aluin all seiner Ämter entbunden worden.
Ruland vom Kerbelgehr, Schreiber des Fürsten von
Drachenhain
Vor dem Kampfe
Die Bauern werkeln nicht mehr in ihren Stuben, reparieren nicht mehr, was
im Sommer entzwei ging, versorgen das Vieh keine Handbreit weiter, als
es bedarf. Keine Magd zaubert mehr aus den verbleibenden
Äpfeln und Zwetschgen schmachhaftes Backwerk, kein Knecht schaut,
ob der angesetzte Spätmost die rechte Reife hat oder ob einer alten
Decke eine frische Füllung aus den Daunen mäßig williger
Gänse Not tut. Ein eisiger Wind fegt übers Land – Saarkas Sturm.
Doch es ist nicht ihr weißes Wehen, das dem Körper Kälte
bringt, sondern ihr Schwert entfacht den Sturm, ihre Lanze treibt den Schneefall
voran, harte Graupen, die gleich Blutstropfen auf den kahlen Feldern in
Kreisen getrieben werden. Jeder kann ihn spüren, jedem dringt er ins
Mark, doch wer verzagt, wenn das Herz zu Eis wird? Nein, niemand zagt.
Es konnte nicht immer weitergehen. Selbst wer mit seiner Hände Kraft
für sein Wohlergehen arbeiten und sich fernhalten konnte aus dem Übel,
das von außen kam, selbst der hatte längst gespürt, dass
der Sturm in der Luft lag. Viel ist geschehen in den letzten Jahren. Und
so sind sie vorbereitet, die Bauern und Torfstecher, die Müller und
Schmiede, nicht so sehr an Waffen oder Rüstungen, aber geistig sind
sie vorbereitet – auch wenn es ein Schock ist, aber überrascht es
jemanden? Nein, nein, es stand wohl zu befürchten. Und so wissen sie,
dass sie sich nicht einfach ergeben werden, dass sie nicht dulden werden,
gebannt zu sein unter dem Joch einer fremden Herrschaft, einer fremden
Religion. Nein – Jolbenstein wird kämpfen!
Meldung von Hauptmann Bodmar, Vertreter des Ritters Samuel von Turlach,
an Prinz Leomar
Es dauert mich sehr, Euch eine traurige Nachricht mitteilen zu müssen,
aber die Tatsache lässt sich nicht länger leugnen. Euer treuer
Diener Arandis von Schwarzensteyn wird nun schon seit geraumer Zeit vermisst.
Leider müssen wir inzwischen davon ausgehen, dass er in Ausübung
seiner Pflicht den Tod fand. Lasst mich erklären, wie es dazu kam.
Als Arandis im letzten Mond des Xurl einen seiner einsamen Erkundungsritte
antrat, kehrte er davon nicht wieder zurück. Anfangs machten wir uns
keine Gedanken, kam es doch des öfteren vor, dass er wochenlang in
den Weiten der Leomark alleine unterwegs war. Als jedoch nach einigen Wochen
sein Pferd ohne ihn zurückkehrte, wurde die Sorge zur Gewissheit.
Die Tatsache an sich reichte schon aus, dass wir um sein Leben bangten,
doch der elende Zustand seines Pferdes, das schwere Verletzungen trug,
bestärkte uns darin. Wir begannen sofort mit einer groß angelegten
Suchaktion. Das Wetter verschlechterte sich zu jener Zeit jedoch so sehr,
dass es unmöglich war, irgendwelche Spuren zu finden. Anfang des letzten
Monat der Saarka gaben wir die Suche und die Hoffnung, ihn jemals lebend
wieder zu finden, schließlich auf. So bleibt mir nur noch die traurige
Pflicht, euch vom Tod eures Lehnsmannes berichten zu müssen. Er war
ein tapferer Mann. Möge er bei seinem letzten Kampf mit Saarkas Beistand
viele Gegner in den Tod geschickt haben, so wie es der Zustand seines Pferdes
vermuten lässt. Wir betrauern seinen Verlust und bitten Helios um
die Aufnahme seiner Seele. Möge die Erinnerung an ihn in unseren Herzen
nie verblassen.

Hiermit sei kundgetan:
Wir, Walluma, von Seiner Allerdurchlauchtigsten
Majestät eingesetzte Regentin über das Herzogtum Ostarien, schauen
mit Unmut auf die Taten und Worte, welche in diesen Tagen aus gewissen
Landen zu vernehmen sind. Es kann und darf nicht sein, dass einem rechtmäßig
von König bestallten Lehensherrn nicht Folge geleistet wird; es kann
und darf nicht sein, dass offen zum Kampf gegen die vom König ausgerufene
Ordnung gehetzt wird; es kann und darf nicht sein, dass der Lehenseid,
welcher dem direkten Lehensherrn wie auch dem König gleichermaßen
gilt, so mit Füßen getreten wird. Dies nennen wir Rebellion
und Hochverrat. Wenn aber ein Untertan ohne Lehen gegen die bestehende
Ordnung des Königs hetzt, so ist das nicht besser, denn auch das ist
Rebellion und Aufrührerei wieder Seine Majestät.
Wir sehen es hiermit als Unsere Pflicht, die Untertanen des Fürsten
zu Drachenhain, sowie alle anderen Untertanen des Königs, welche sich
gegen die Ordnung in Drachenhain wenden, zu ermahnen: Denkt an das bestehende
Recht und bedenkt die Pflichten, welche einem Untertan des Königs
auferlegt sind. Wer wider diese handelt, ist ein Feind des Reiches und
muß damit rechnen wie ein solcher behandelt und abgeurteilt zu werden.
Ostarien appelliert an Eure Vernunft und hofft auf Eure Rückkehr
auf den rechten Weg.
Bis zu einer Änderung der Zustände sieht sich Ostarien dazu
gezwungen die Grenztruppen an seiner Südgrenze zu verstärken
und die Kontrollen an ebenjener zu verschärfen, wie es bereits geschehen
ist. Der Weg nach Ostarien wird von nun an nur noch den Rechtschaffenen
offen stehen.
Walluma von Ostarien
Regentin Ostariens
Erzvogtin zu Ankur
Das Fürstlich Thaler Flottenkommando und die Herzöglich-Ostarische
Admiralität geben bekannt:
Zum Schutz des Heligonischen Reiches vor
Drachenhainischen Zuständen, werden ab sofort sämtliche Flußgrenzen
des Fürstentum Drachenhains von Flottenverbänden Thals und Ostariens
patrouilliert. Dabei übernimmt Ostarien den Schutz des Jolborns bis
zum Brazachdelta, sowie des Brazachs von Tatzelfels ab nach Norden. Thal
beaufsichtigt den Brazach einschließlich des Deltas bis Tatzelfels,
also entlang des gesamten Thaler Hoheitsgebietes. Ein Übergreifen
der Unruhen auf das restliche Reichsgebiet soll dadurch unterbunden werden.
Händler und Reisende auf den Flüssen Heligonias werden gebeten
die nötigen Kontrollen und die dadurch entstehenden Verzögerungen
des Verkehrs zu entschuldigen.
Lodenstadt im Mond der Besinnung
So wie sich der ruhige Schleier des Winters
übers Land legte, so kehrt auch im Lodenstädter Flottenhafen
wieder Ruhe ein. Von den ominösen Geschehnissen des letzten Sommers
ist kaum noch etwas zu spüren. Nach und nach wurden die Bauarbeiten
wieder weniger und mit dem letzten Teiletransport nach Jolberg ging alles
wieder zur Normalität über. Auch der Bauzaun, der lange Zeit
den Flottenhafen teilte ist nun wieder verschwunden. Nichts mehr deutet
auf irgendwelche Absonderlichkeiten oder Neubauten hin und es wurde auch
kein neues Schiff in Lodenstadt vom Stapel gelassen. Was aber all der Aufwand
bedeuten sollte, das ist nach wie vor unklar. Selbst eine Anfrage des Stadtrates
und des werten Herrn Bürgermeisters selbst blieben bisher ohne Antwort.
Da nun aber keinerlei Informationen vorlagen, was im Lodenstädter
Hafen überhaupt geschah, ist auch gänzlich unbekannt, ob die
Arbeiten dort nun endgültig oder nur vorübergehend ruhen. Es
bleibt der werten Leserschaft also nur zu warten.
In Jolberg dagegen nehmen die Geschehnisse weiter ihren Lauf. Nach
den bereits berichteten Vorkommnissen tat sich so manches in der Stadt
am Jolborn. Die Sicherheit des Hafens wurde drastisch erhöht und immer
wieder kommt es vor, dass Schiffe, die ein- oder auslaufen von der ostarischen
Marine aufs gründlichste untersucht werden. Besonders Schiffe aus
Dunkelstein sind davon betroffen, was den geneigten Leser wohl kaum wundert.
Seit den Ereignissen im Herbst wurden auf jeden Fall die Offizierstreffen
zwischen Jolberger und Dunkelsteiner Soldaten vorübergehend eingestellt.
Allerdings erwachsen gerade in den letzten Wochen Zweifel, ob denn
Dunkelstein überhaupt mit dem Einbruch in den Hafenanlagen (wir berichteten)
in Verbindung zu bringen sei. Immerhin, so wurde bekannt, wurde am Ort
der Tat eine gepuderte Perücke gefunden. Hat etwa Telnaron seine Finger
im Spiel? Wieder andere sprechen von Spuren, die angeblich nach Betis weisen.
Tatsache ist auf jeden Fall, dass in den Werften am Fluss Schiffe auf Kiel
gelegt wurden. Allen Informationen nach soll es ob der Größe
auch in den großen Docks, die dereinst für die Herzog-Uriel-Klasse
gebaut wurden, zu drastischen Umbauten wegen Platzmangel gekommen sein.
Wie glaubwürdig diese Aussage aber ist, das bleibt im Dunkeln. So
ist es doch nach wie vor unbekannt, wie viele Kiellegungen überhaupt
erfolgten. Die Aussagen, was die Größe anbelangt, sind zum Teil
geradezu Atemberaubend und können wohl größtenteils ins
Reich der Märchen verbannt werden.
Es bleibt also dabei, dass alle Informationen, die das Projekt "Utzgolf"
betreffen sehr wage sind. Doch nun, da anscheinend tatsächlich der
Bau eines oder mehrerer Schiffe begonnnen hat darf man darauf hoffen, dass
auch endlich die Öffentlichkeit davon erfährt.
Bekanntmachung der Baronie Neuenstein:
Hiermit sei folgendes kundgetan und als
offizielle Verordnung festgelegt:
Es soll kein Heligonier, welcher Glaubensrichtung auch immer innerhalb
der
Baronie Neuenstein die Hand gegen einen Andersgläubigen erheben,
noch gegen einen Glaubensbruder. Derlei Vergehen soll nach den Statuten
des Verrates wieder den Herrn und das Land, gemäß der Heligonischen
Halsgerichtsordnung geahndet werden!
Gleiches gilt auch für Personen welche keine Heligonier sind.
Diese werden zur Strafe umgehend des Landes verwiesen und das Gastrecht
wird ihnen aberkannt.
Diese Verordnung sei ab dem 3. Tage des Saatmondes 94 n.d.E. gültig!
Gez. Karolus von Neuenstein, Baron von
Neuenstein
In Kürze
Wissenschaft: Groß ist das Mysterium
welches die kürzlich entdeckten tlamanischen Wanderäcker umgibt.
Für einen Forscher vom Kaliber eines Riemold von Bieberau stellt dies
jedoch kein Hinderungsgrund dar, sich des Rätsels anzunehmen. Der
bekannte Naturforscher und Professor für Phialographie (Weltenschalenkunde)
hat sich dieses ehrgeizige Ziel gesetzt und ist im Rahmen einer Exkursion
mit zwei Dutzend Studenten und seinem Assistenten Hinrich Weidenstock
aufgebrochen um großangelegte Feldstudien durchzuführen.
Militär: Aufmerksame Beobachter berichteten der Gazette von einigen
Sichtungen sich verschiebender ostarischer Truppenteile. Im Frostmond wurden
herzögliche Gardisten, sowie Oranecker Panzerreiter beobachtet, die
in Buchenfels nach Westen Richtung Emarania vorrückten. Im Eismond
durchquerte ein größeres Tristenberger Heer, angeführt
von Baron Tyron vom Stein Hohenforingen. Leider konnten wir keine offizielle
Stellungnahme zum Zweck dieser Truppenbewegungen erhalten.
Wirtschaft: Die für das Jahr 52 n.A.III. (500 Jahre Schädelspalter-Distillerie
Wiesloch) angekündigte Sonderedition des Jolberger Schädelspalters
(der Heliosbote 30 berichtete) ist nun, 20 Jahre vor ihrer Flaschenabfüllung
schon beinahe ausverkauft. Wer sich noch ein Fläschchen sichern möchte,
sollte sich beeilen und rechtzeitig bei einer der Niederlassungen des Handelshauses
Güldentaler vorsprechen.
Geheimnisse der alten Pruzzen gelüftet
Die Grabung auf der Dombauinsel geht ihrem
Ende zu. Nach mehreren Jahren Grabungsarbeiten konnten die Mitarbeiter
des Forschungskreises zur Untersuchung Altheligonischer Völkerschaften
eine vollständige altpruzzische Wehrsiedlung samt Kultplätzen
freilegen, die heute auf einer Insel inmitten des Jolborns liegt. Stolz
präsentierte uns Magister Ansgar Güldentaler, der zuständige
Grabungsleiter, einige seiner Befunde.
In pruzzischer Zeit, so Güldentaler, soll der Jolborn in einer
Schleife um die Siedlung herumgeflossen sein. Sie lag also auf einer Art
Halbinsel, was nach der Klärung der schwierigen Stratigraphie nun
als bewiesen gelten darf. In Richtung Land wurde ein wehrhafter Schildwall
gefunden. Besonderes Schmuckstück der Grabung ist eine Art archaische
Schädelspalter-Distillerie, die beweist, welche Traditionen hinter
dem allseitsbeliebten Gerstenbrannt stehen. Viele Gefäße, Waffen
und Gebrauchsgegenstände konnten aus den Tiefen von Poenas Leib geborgen
werden. Vergleichende Studien der Gefäßformen sollen helfen
Handelsbeziehungen zwischen verschiedenen pruzzischen Niederlassungen aufzuzeigen
und Werkstattbereiche, Fernhandel und kulturelle Zusammengehörigkeit
in der pruzzischen Gesellschaft zu untersuchen.
Nach den nun folgenden Rekonstruktions- und Auswertungsarbeiten, vor
denen Güldentaler noch keine weiterführenden Interpretationen
wagen möchte, soll uns eine große Ausstellung das Leben der
alten Pruzzen näher bringen. Diese wird vermutlich nacheinander in
Jolberg, Ankur, Escandra und Betis zu sehen sein.
Die Funde und Befunde erlauben mit Sicherheit einen faszinierenden
Einblick in die pruzzische Urkultur, die geprägt war von Jagd, Kampf,
Verehrung der Götter und unbändiger Lebensfreude. Wir dürfen
in jedem Falle gespannt sein.

Wünscht auch Ihr Euch einen märchenhaften
Urlaub mit fantastischer Landschaft, Abenden am Kaminfeuer, Musik, atemberaubenden
Ausflügen, Cocktails und Vollpension? Dann beeilt Euch und reserviert
Euch einen Platz in der niegelnagelneuen Blockhüttensiedlung "Schlangenheim"
im sagenumwobenen Luchtenwald, der Mutter aller Wälder Ostariens.
Das Herz des stolzen Herzogtums wartet darauf von Euch im Sturm genommen
zu werden!
Es warten Auf Euch: Großzügige und luxuriöse Unterkünfte
samt Kammerdiener, exquisite Küche, ausgedehnte Freizeitanlagen, ein
Abenteuerspielplatz samt eines Modells eines Schiffes der Herzog-Uriel-Klasse
zum Herumklettern (unter Aufsicht) für die Sprösslinge, rauschende
Feste, amtlich geprüfte Unterhaltungsspezialisten, Jagddarbietungen,
ein Besuch im nahegelegenen Pustelplagmuseum zu Luchtenwald (auch für
Kinder geeignet), ein 2-tägiger Ausflug nach Lodenstadt mit einer
Kreuzfahrt auf dem Emaransee samt eines Konzerts des Marinechors der Emaranseeflotte
und viele weitere begeisternde Angebote.
Greift zu und erlebt einen aufregenden und romantischen Urlaub der
Sonderklasse! Das Herzogtum Ostarien wartet auf Euch!
Anmeldungen bei der Betiser Aussenstelle des Herzöglich-Ostarischen
Amtes für Reisewesen.

Der Kaminabend zu Diwergast
Der Nebel hing schwer über dem Tal
des Brazach und die feuchte Kälte kroch jedem in die Glieder, als
sich die Kutschen und Reitergruppen den Helosweg entlang bewegten. Zielstrebig
näherten sich die Reisenden aus allen 4 Himmelsrichtungen der Stadt
Diwergast und folgten von dort einige Meilen einem Weg, der sie nach Stetten
bringen sollte. Dort an den Hängen des Brazachtales befand sich das
Landgut, auf das sie die Einladung rief. Wie erstarrt war das Land unter
dem Wetter, welches im östlichen Thal um diese Jahreszeit üblich
war, feucht, trüb und kalt. Aber bald sollte es mit der Kälte
vorbei sein. Denn wie edlen Damen und Herren waren unterwegs zu einem Fest,
das viel Wärme versprach: Dem thaler Kaminabend.
Von überall her waren sie gekommen:
Aus Ostarien, Drachenhain und Ligonii, aus Darian und natürlich aus
Thal selbst. Sogar zwei hochrangige Gäste aus Escandra, ein Reichsritter
und ein Heliosritter, waren anwesend. Da sich der Gastgeber ausdrücklich
eine formlose Gesellschaft in privatem Kreise erbat, soll hier darauf verzichtet
werden, die Gäste beim Namen aufzulisten. Cornelius von Langenau
hatte jene geladen, die mit Spenden und Tat die durch die Mantiden verheerte
Niederlormark unterstützten und dadurch mit beitrugen, das Leid der
Bevölkerung zu mindern. Und so war es auch das besondere Anliegen
des Gastgebers, zwar angemessen, aber nicht übermütig zu feiern.
Denn noch bis zur nächsten Ernte wird es dauern, bis sich das Land
wieder selbst versorgen kann. So wurde also kein großer Adelstag
gehalten, sondern eben dieses kleine Fest.
Ansgar von Berath und der Gastgeber, die seit dem Ende des Mantidenkrieges
Niederlormark verwalten berichteten zu Beginn ausführlich über
die Geschehnisse im letzten Jahr und diese Ausführungen zeigten noch
einmal den Schrecken, den die Mantiden
brachten. Alles in Allem lies die
Hälfte der niederlormarker Bevölkerung ihr Leben, noch einmal
einige hundert Soldaten fielen im Felde für die Freiheit des Landes.
Die Schilderungen gaben keinen Grund zum Zweifel, dass es noch lange dauern
würde, bis die Niederlormark in alter Pracht stehen würde.
Doch nichts sollte an diesem Tage daran erinnern, denn es sollte ein
Abend der Freude sein. So wurde von dem eigens vom thaler Fürstenhofe
in Hochanthan Dienstpersonal ein üppiges Mahl serviert, Musikanten
spielten auf und so manche Tanzrunde fand sich vor dem Kamin. Der am Hofe
wohl bekannte Barde Cestric von Cen Delir führte mit seiner Theatertruppe
ein Spottstück über die Adveristen und auch sonst wurde so mancher
Vergnügung gefrönt. Für die beiden Freiherren, die nun die
ehemalige Niederlormark verwalten, wurde eine besondere Ehre zu Teil. Im
Namen ihrer Vaters Fürst Bartha von Thal übergab ihnen Prinzessin
Celia von Thal die Heliosbriefe, mit denen ihre Verwaltungstätigkeit
offiziell legitimiert wurde. Die Ländereien Tragen von nun an offiziell
die Namen "Berath" und "Langenau", was für die Zukunft so manches
erwarten lässt.
Zu späterer Stunde brachten die anwesenden Saarkani von Mahanel
und auch eine Saakrani aus Drachenhain einen Götterdienst dar und
segneten die Waffen der anwesenden Recken. Zum Schlag der Trommeln und
in rauchgeschwängerter Luft erbaten sie mit ihrem Blut die Kraft der
Saarka und zeichneten die Klingen. Selbst die anwesenden Ceriden konnten
sich der Faszination dieses Augenblickes kaum entziehen.
Die meisten Gespräche des Abends drehten sich aber, wie nicht
anders zu erwarten, um die Geschehnisse in Drachenhain. Cestric von Cen
Delir berichtete - nach bardenart in Gedichtform - von den Ereignissen
im Hochland von Drachenhain. Worauf die Saarkani von Mahanel ihren Heliosbrief
der Vogtei Mahanel zurückgaben. Um aber die Worte des Barden nicht
zu verfälschen, sollen sie hier genau wiedergegeben werden.
Rufus der Jüngere, Feldschreiber zu Langenau
im 1. Saarka 31 n. H. A. III
Die Garde von Thal gibt bekannt:
Am Ende der Saarka-Monde fanden in den Hauptstädten
der Thaler Baronien die jährlichen Heerschauen statt. Nach der kalten
Jahreszeit war es an der Zeit, die Einsatztauglichkeit der Thaler Männer
festzustellen. Die Abgesandten des Fürstlichen Hofes erhoben die Anzahl
der Mannen, die Truppenteile und die Armeegattungen. Einzig die Männer,
welche regelmäßigen Wach- und Patrouillendienst durchführen,
sind von der Heerschau ausgenommen.
Im Anschluss an die Erhebung wurde ein Grossteil der Truppen im Norden
des Fürstentums gesammelt um im dortigen Feldlager ein einwöchiges
Manöver abzuhalten. Gleichzeitig erging der Befehl die Sicherung der
Grenze zu Drachenhain zu erhöhen. Damit soll Schmugglerbanden Einhalt
geboten werden, welche von den jüngsten Unruhen in Drachenhain profitieren
wollen.
Ebenso erging der Befehl an die Thaler Flotte, den Patrouillendienst
auf dem Brazach zu verstärken. Gemeinsam mit der Herzöglichen
Ostarischen Marine soll so ein Übergreifen der drachenhainer Unruhen
auf Thaler Gebiet verhindert werden.
Hartmut Hohlbein, Schreiber der Garde von Thal
Poëna ist erwacht
Endlich ist sie vorbei, die Zeit von Kälte
und Frost. Helios darselbst erstrahlt in neuem Glanz von Himmel auf unsere
Häuser, unsere Äcker und Felder.
Ein Blick durch unser schönes Fürstentum offenbart dem aufmerksamen
Auge ein geschäftiges Treiben. Bauern bringen ihre Saat aus, Hirten
treiben ihre Herden auf die Weiden. Die Straßen, welche das Land
durchziehen, werden vom Schmutz befreit, so dass auch Kutschen und Fuhrwerke
wieder Problemlos passieren können.
Und auch in den Städten wird an allen Ecken und Enden gearbeitet.
An den Häusern werden kleinere Reparaturen durchgeführt, welche
die Saarka-Monde durch den starken Frost angerichtet haben. Die Handwerker
und Händler nehmen langsam ihre Geschäfte wieder auf.
Langsam aber sicher kehrt das Leben wieder in das Fürstentum zurück.
Das Land atmet auf, nachdem Saarka ihren weißen Schleier von Poënas
Leib zurückgezogen hat, auf das Helios es erwärmen kann. Die
Leute sind guten Mutes und sehen fröhlich in die Zukunft.
Danken wir unserem Fürsten, der unser Land mit weiser Hand regiert.
Dank auch den Göttern, welche gnädig über uns und unser
Land wachen.
für den Thaler Hofchronist, Adebard Kornvogel
Baumaßnahmen am kleine Brazach
Im Rahmen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus
wird in der Provinz Beraht in Zukunft vermehrt die Fischzucht gefördert.
Neben den natürlichen Seen werden am Lauf des kleinen Brazach mehrere
künstliche Teiche angelegt. Hauptabnehmer der gezüchteten Süßwasserfische
ist die Grafschaft Darian. Hauptumschlagplatz soll die Marktstadt Bergfurt
werden. Die Baumaßnahmen für die verschiedenen Staustufen, welche
die künstlichen Seen speisen sollen, haben am Anfang der Poëna-Monde
begonnen.
für den Thaler Hofchronist, Adebard Kornvogel
Entspannung der Lage in der Niederlormark
Auch in den vergangenen Saarkamonden riss
der Strom an Hilfslieferungen für die Menschen in der Niederlormark
nicht ab. Sofern es die Witterung zuließ, machten sich weitere Hilfstransporte
auf den Weg in Richtung ihrer Ziele in der Niederlormark. Lebensmittel,
Saatgut, Nutz- und Schlachttiere wurden vor Ort dankbar entgegengenommen.
Den Vieren zum Dank nahm der Winter einen milderen Verlauf als erwartet,
der Mensch und Tier trotz aller Kargheit nur das Machbare abverlangte und
drohende Hungersnöte ausbleiben ließ. Seit vor Kurzem Saarka
ihren kühlen Mantel von den Feldern hob, kehrt Grün auf die Felder
und Leben in die Dörfer und auf die Weiden zurück. Bereits Ende
des vergangenen Mondes waren erneut zusätzliche Hilfskräfte zur
Unterstützung bei der Feldarbeit und den anfallenden Instandsetzungsarbeiten
entsandt worden, die die Bevölkerung in allen Belangen unterstützen.
Der derzeitige erfreuliche Fortgang der Feldarbeiten lässt auf ein
zeitgerechtes Ausbringen der diesjährigen Frühjahrssaat zu Beginn
des kommenden Mondes hoffen.
Zum Dank an die Götter wurde auf Geheiß des Fürsten
zum Poenafest allerorten ein Fest gefeiert, in dessen Rahmen Dankopfer
an den ogedischen Schreinen dargebracht wurden. Noch immer ist die uns
auferlegte Prüfung nicht bestanden; so es den Göttern jedoch
gefällig ist, wird das Land sich schon binnen weniger Monde wieder
selbst mit allem Notwendigen versorgen können. Bis dahin soll auch
weiterhin alle Hilfe und Unterstützung gewährt werden, die für
das Gedeihen der noch geschwächten Marken notwendig ist.
Tilmann Eschenburger, Stadtschreiber zu Sethnara

Die unverzichtbare Liste des guten Geschmacks
| Was sich schickt |
Und was nicht |
| Der Heliosbote |
Bürgerkriegsähnliche Konflikte |
| Euna von Fichtenhau |
Hochverrat |
| Zitieren aus der Halsgerichtsordnung |
Großer Jammer |
| Königliche Ritter |
Fernwandernde Äcker |
Der Handelsprophet
| Tageskurse |
|
| Aurazith 1 heligonische Unze |
1 Dukaten und 5 Kreuzer |
| Pergament 10 Bögen |
1 Dukaten und 3 Groschen |
| Söldnerlohn 1 Tag |
4 Groschen |
| Chison 1m² |
1050 Dukaten |
| Elchsleder 1m² |
8 Groschen und 3 Kreuzer |
Der Aurazith-Kurs bleibt auf hohem
Niveau. Der Pergamentpreis steigt Experten zufolge aufgrund des hohen Verbrauchs
durch die hohe Auflage der Jubiläumsbotenausgabe. Der Kursanstieg
des Söldnerlohnes ist, so wissen gut informierte Fachleute zu berichten,
in dem sich zuspitzenden Konflikt in Drachenhain und der daraufhin gesteigerten
Nachfrage nach wehrhaften Kämpfern zu suchen. Der Chisonpreis hingegen
steigt wohl aufgrund der heranziehenden Frühjahres mit all seinen
stattfindenden Festlichkeiten, bei denen die Dame von Welt sich eben nur
in den besten und teuersten Stoffen präsentieren will. Das Elchsleder
hingegen konnte sich bislang noch immer nicht in den Frühjahrskollektionen
der Schneider durchsetzen und büßt in seiner Notierung ein.
Bürger des Monats
Zum Bürger des Monats wurde Emilio de Brunelli, Hauptmann der Betiser
Stadtwache ernannt. Dank des konsequenten Eingreifens seiner Truppe konnten
größere Auseinandersetzungen beim Zusammentreffen zweier Demonstrationszüge
(vergleiche dazu das Stadtgeschehen) verhindert werden. Der Hauptmann nahm
die Ehrung im
Namen der Stadtwache gerne an und versprach auch für
die Zukunft sichere Straßen in ganz Betis.
Des weiteren wurde von der Jury eine Sonderehrung bekanntgegeben: So
wurden die Herausgeber des Helios-Boten rechtzeitig zu dessen fünfzigster
Ausgabe ebenfalls zu Bürgern des Monats ernannt. Die freie Reichstadt
gratuliert!
Gunst und Kunst
Was die Heligonier am liebsten hören
1 (4) Der begeisterte Bürger - "Betiser Boote"
2 (3) Jean-Pierre - "La belle Leabell"
3 (1) Wunderkind Bonifazio - "Jucheisasa!"
4 (-) Belgabor - "Wohin gehst Du Heligonia?"
5 (2) Die Vogelfreunde - "Kerze im Wind"
6 (-) Salah ben Anwar Nur ed´Din - "Celia,
Prinzessin von Thal"
7 (6) Die Junker - "Wir sind die Sieger"
8 (-) Harald Schönefonte - "Der Frühlings-Chacha"
9 (8) Leonardo - "Viva Ostaria!"
10(5) Sie könnten Giganten sein - "Spinne"
Stadtgeschehen
Seit einiger Zeit hält sich die werte Euna von Fichtenhau, Nichte
des Barons von Lindfurt, als Gast der Familie Corvese in Betis auf. Gerüchten
zufolge wurde sie gemeinsam mit dem Dogen bei einem Besuch einer Opernaufführung
gesichtet.
Im Gasthaus "Goldene Taube" fand das alljährliche Frühlingsdaroktunier
statt. Erneut gab es zahlreiche Mitspieler und noch mehr interessiertes
Publikum. Der Erlös der äußerst gelungenen Veranstaltung
solle, so der Veranstalter, der Unterstützung von Waisenkindern aus
dem Hafenviertel zugute kommen, damit diese nicht ins kriminelle Milieu
hineinwachsen müssten.
Auf dem Helosplatz kam es in der vergangenen Woche zu gewalttätigen
Auseinandersetzungen zwischen zwei Demonstrationszügen. Unter dem
Motto "Gerechtigkeit in Drachenhain" trafen Unterstützer Leomars von
Drachenhain auf die Getreuen von Waldemar von Drachenhain, welche lauthals
skandierten: "Nieder mit den aufständischen Rebellen!". Nachdem die
beiden Menschengruppen sich zuerst nur gegenseitig beschimpften kam es
schnell zu Handgreiflichkeiten, welche die Stadtwache jedoch innerhalb
kürzester Zeit auflöste. Dazu Hauptmann Emilio de Brunelli: "In
unserer Stadt kann jeder sagen und für das eintreten was er will -
solange die Grenzen der Halsgerichtsordnung gewahrt werden. Das haben diese
Chaoten nicht getan und dafür die Quittung erhalten." Ersten Berichten
zufolge wurde gegen ein Dutzend Demonstranten Anklage in verschiedenen
Punkten erhoben.
Zum Beginn der neuen Saison wird in Betis eine neue Oper von Wolfgrimm
Aramantus Mordshart uraufgeführt: "Die Meistersinger von Jolberg".
Die Hauptrollen, so war zu vernehmen, werden gespielt und gesungen von
Pavo Rothner als "Karl Breitfuß", Jossip Caracas als "Ole Naseweis"
und Bebo Flamingo als "Jens Streitaxt". Nach ersten Informationen, die
vom Meister selbst der Öffentlichkeit kundgetan wurden, handelt es
sich bei der Oper um einen rustikalen Sängerwettstreit, der schließlich
in einer Keilerei endet. In einem kurzen Gastauftritt wurde zudem Harald
Schönefonte als "der Reitende Bote" angekündigt.

Zum Bardenwettstreit lud Ciaran,
Weshalb recht viel Volk zum Drei-Ulmen-Hof kam.
Des Abends zog man los zu Saarkas Schrein,
Um dort das Saarka-Ale zu weih'n.
Doch auf dem Rückweg gab's beinah ein Unglück,
Vreda, Tochter der Saarka, viel ans Ende des Zugs zurück.
Ich blickte zurück, zu ihr in den Wald,
Da sah ich im Schatten eine dunkle Gestalt;
Und kurz darauf hörte man Vredas Schrei,
Ich rief "Bewaffnete! Schnell! Eilt herbei!"
Errettet wurd' Vreda aus dieser Gefahr;
Doch hört mir zu, was weiter geschah.
Das Haus schien von seltsamen Klängen erfüllt.
Welch altes Geheimnis das Haus wohl verhüllt?
Es waren die Fetzen von Melodien und Liedern
Die hallten im Hause wieder und wieder.
Lieder und Texte aus vergangenen Tagen.
Aus welcher Zeit? Ich kann es nicht sagen.
Besonders hervor tat sich mir ein Lied,
Leicht melancholisch, auf zwei Flöten gespielt.
Am Abend ging's los mit dem Bardenwettstreit.
In der Herdstatt machte sich jeder bereit.
Die Barden spielten fröhliche Lieder -
Auch diese echoten später im Hause wieder.
Das Flötenstück, das nun fast jeder hör'n kann
Stimmt eine heit're Melodie mit an.
Das Lied ändert sich, stellt die Stimmung so dar,
Nun hört mir zu, was weiter geschah.
Im Laufe der Zeit, so hört man das Wort
Es wären vier Statu'n der Götter am Ort.
Die erste hat Vreda. Man hört sie sagen,
Daß Saarka selbst ihr die aufgetragen.
Auch Helios darselbst tritt mit hervor
Als Statue, überbracht von Metabor.
Die Xurl- und Poena-Statu'n wurden - gebt acht!
Von den merkwürdigen Leuten aus Betis gebracht.
Ich wollt nun wissen, was merkwürdig war?
Hört mir nur zu, was weiter geschah.
Ciaran selbst benahm sich seltsam,
Man meinte mitunter, daß er nicht er selbst war.
Mal redet er wirr mit den Leuten im Raum -
Mal ist er klar, wie erwacht aus 'nem Traum.
Die Studierten kamen letztendlich zum Schluß,
Daß zwei Personen wohnten in seiner Brust.
Die eine war Ciaran, wie man ihn kannte,
Die andre das Lied - wie es selbst sich nannte.
Das Lied, es kannte nur ein Streben:
Es wollte in dieser Welt auch leben.
Und hierfür versucht er mit allen Dingen,
Die Statu'n in seinen Besitz zu bringen.
Doch er war nicht der einz'ge, der sonderbar war -
Höret mir zu, was weiter geschah.
Gar seltsam war auch Salirins Verhalten:
Zu lang hat man ihn für den zweiten gehalten!
Nun wollte er es der Welt beweisen
Und hierzu Waroniels Lied an sich reißen.
Hierfür hat aus Betis er Hilfe geholt:
Bei ihm steh'n die Corvese in Lohn und Brot.
Doch auf ihr Verhalten macht man sich auch keinen Reim:
Dieselbe Bezahlung fordern sie mehrmals ein.
doch die Verwirrung steigt noch weiter:
Den Hof erreicht ein eil'ger Reiter.
Der Reiter sieht sie, erschrickt und erklärt,
Er kenne die Leute - doch nicht unversehrt.
Tot lagen sie am Wegesrand -
Er ist sich sicher, er hat sie erkannt!
Am Abend wird schließlich allen klar,
Was für ein Wesen der Betiser war.
Es erscheint auf seiner Stirn ein bekanntes Symbol:
Ein J und ein Punkt - die Schuld war es wohl.
Doch anderes passierte, bis es soweit war:
Höret mir zu, was sonst noch geschah.
Am Nachmittag traten Bewaffnete auf,
Sie führten sich gleichsam Barbaren auf.
Mit Waffengewalt wollten sie's erzwingen,
Die Statu'n in ihren Besitz zu bringen.
Und um ihrer Vorderung Nachdruck zu geben
Bedrohten sie Vreda mit dem Leben.
Sie flößten ihr ein ein tödliches Gift,
Das wirkt, wenn eine Stund' verronnen ist.
Ein Fläschchen mit Gegengift sie mit sich tragen -
Die Statuen woll'n sie im Austausch haben.
Doch als es uns später in die Hände fällt,
Stellt man fest, daß es lediglich Wasser enthält.
Doch der Gipfel der Frechheit, das war wohl klar,
War die Behauptung, daß all dies so rechtens war!
Zum Beweis zog 'nen Heliosbrief er heraus;
Als Aussteller wies er Fürst Waldemar aus.
Vreda wurd' gerettet von der hilfreichen Schar,
Doch hört mir zu, was weiter geschah.
Des Abends entschied man, nach langem Ringen
Das Lied nun vollends in die Welt zu bringen.
Und so wird Waroniels Lied gespielt.
Das ganze Haus von dem Klang wird erfüllt.
Dann, als die Melodie ist vorbei,
Steht in dem Raum ein weißes Ei.
Es öffnet sich langsam, bis schließlich aus
Dem Ei schlüpft ein schneeweißes Wesen heraus.
So stand es vor uns, im Lichte so fahl;
Plötzlich füllten Donner und Blitz den Saal.
Was folgte - ich kann es wohl nicht vermeiden -
Läßt schwerlich sich nur in Worten beschreiben.
Gleißendes Licht durchflutet den Raum,
Die vier Lichtgestalten erkannte man kaum.
Mit einer Stimme sprachen zu uns die Viere,
Daß das Lied nicht auf diese Welt gehöre.
Sie versprachen den Leuten, die vor ihnen knieten,
Daß sie schützend die Hand über das Hochland hielten.
Der Odem des alten Drachen würde erkalten;
Mit diesem Spruch ihre Stimmen verhallten.
Das Lied nahmen sie mit sich hinfort.
Nach andächtiger Stille verließ ich den Ort.
Nun steh' ich vor euch - ich schwör', es ist wahr,
Was ich erzählte, was geschah.
Krieg in Drachenhain
Wir haben Krieg in Drachenhain.
Jeder will der Sieger sein.
Großer Spaß für groß und klein.
Oh wie ist das schön.
Wir haben Krieg in Drachenhain.
Es geht im `nen Ogedenschrein.
Doch eigentlich ist das geheim.
Wie konnte das gescheh'n?
Waroniel im Drei-Ulmen-Haus,
sein Lied kam aus dem Ei heraus,
Es sah so weiß und niedlich aus.
Ihr habt es selbst geseh'n.
Wir haben Krieg in Drachenhain
und Foranan, das arme Schwein,
sitzt in einem Kerker ein.
Wie kam er da nur hin?
Die Statuen warn in seinem Land,
dorthin gebracht von Menschenhand,
wo Waldemar sie wiederfand,
und der fand das ganz schlimm.
Wir haben Krieg in Drachenhain
Karelia von Jolbenstein
Darf nicht mehr Baronin sein
Was ist da nur passiert?
Ihr Ritter hat nicht nachgedacht,
vier Bluthunde zu Gwon gebracht.
Und Metabor hat mitgemacht,
völlig ungeniert.
Wir haben Krieg in Drachenhain
Prinz Leomar drang, wie gemein,
des Nachts in Vaters Feste ein.
Wie hat er das gemacht?
Hinter einer Teppichwand,
kam er wie von Geisterhand,
gestritten hat er wortgewandt,
und insgeheim gelacht.
Wir haben Krieg in Drachenhain.
Fürst Waldemar, den hört man schrein:
"Dir Tochter soll jetzt Erbin sein."
Wie hat sie das verdient?
Die Sache mit der Teppichwand.
So hat der Fürst ganz wutentbrannt
den Prinzensohn vom Thron gebannt.
Doch hat er das verdient?
Wir haben Krieg in Drachenhain.
Jeder will der Sieger sein.
Großer Spaß für groß und klein.
Oh wie ist das schön.
-Loki -
50 Spruch Halfnet und tschüss
Seit 50 Folgen lest Ihr gebannt
Den Boten, dass Ihr wisst
Wer machte im heligonischen Land
Letzten Mond den meisten Mist?
Und mancher merkt überhaupt nix davon
Und manchen packt das Grauen
Und mancher siehts als Inschpirazion
Noch größren Mist zu bauen

Termine
07.05. - 09.05.04 Die Würfel
rollen in Heligonia bei Bopfingen
02.07. - 04.07.04 Helicon
28 auf dem Zeltplatz Schachen/Münsingen
10.09. - 12.09.04 Phaenomenon
5 - Victorianique 1890 in Rothenburg o. d. Tauber
12.11. - 14.11.04 Drachenhainer
Jagdgesellschaft auf der Burg Derneck
07.01. - 09.01.05 Adelstag
im Schloss Einsiedel

Wichtig! Redaktionsschluss für den
nächsten Boten!
Der nächste Helios-Bote erscheint zum Helicon 28 am 2. Juli 2004.
Der Redaktionsschluss für Ausgabe 51 ist der 15. Juni 2004, damit
wir die Boten noch fertigbekommen. Artikel, die uns erst nach Redaktionsschluss
erreichen, können daher möglicherweise nicht mehr aufgenommen
werden.
Wenn genügend Artikel für ein Portal eintreffen, so wird
auch wieder die Gelehrtenzeitschrift erscheinen. Auch hier gilt der gleiche
Redaktionsschluss.
Beachtet bitte wie immer, dass auch die Regio-Spielleitungen noch Zeit
brauchen, die Artikel ihrer Regionen zu sammeln!!!
Wer einen wichtigen Artikel schon früher auf der Heligonia-Seite
veröffentlicht haben möchte, wende sich bitte an die jeweilige
Regio-Spielleitung.

 Ausgabe
50 des Helios-Boten im März 2004
© 2004 Waldfaun Verlag, Aalen-Waldhausen
Alle Rechte vorbehalten
Berichte von Susanne Arbogast, Arnulf Breuer, Tobias Brinkmann, Thilo
Döring,.Henning Frank, Marcus Gundlach, Petra Jörns,
Günther Merk, Frank Prietz, Katrin Puwalla, Benjamin Rampp,
Stefan Rampp, Bettina und Andreas Reicke, Julia und Andreas Riedlinger,
Christian Sieger, Eike Simon, Anna Ungureano, Melanie Walker
Gedichte von Arnulf Breuer, Henning Frank und Stefan Schlott

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