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Die Bewohner Darians
Die Bewohner Darians setzen sich aus den unterschiedlichsten Volksgruppen
zusammen. Zwar leben alle in Frieden und Eintracht miteinander, doch dies
ist vor allem der Tatsache zu verdanken, daß relativ wenig Menschen
in dem großen Land leben. Man schätzt, daß Darian ungefähr
30 000 Einwohner hat. Eine genaue Zahl läßt sich allerdings
nicht nennen, da nur wenige Darianer einen festen Wohnsitz haben. Besonders
die Srenghewar und die Shayedi bleiben nie länger als nötig an
einem Ort. Die zahlreichen Händler ziehen von einem Geschäft
zum nächsten. Piraten und Schmuggler müssen schon ob der
Natur ihres Gewerbes eine große Beweglichkeit bewahren. Selbst die
Fischer entlang der Küste sind häufig als Seefahrer unterwegs.
Nur einige Bauern entlang der Thaler Grenze haben sich fest angesiedelt
und führen ein geregeltes Leben. Natürlich sind auch die Sklaven
und Zwangsarbeiter zeitweise in ihrer Mobilität eingeschränkt.
Doch eines haben alle Darianer gemeinsam. Sie mißtrauen jeglicher
Obrigkeit und versuchen ihr zu entgehen so gut es geht. Sie fühlen
sich nur ihrer Sippe oder Familie verpflichtet und argwöhnen dem Grafen.
Die Notwendigkeit Steuern zu bezahlen oder treuer, loyaler Untertan zu
sein ist den Darianern fremd. Dies macht es Graf Dedekien auch nicht leichter
das Land zu regieren.
Das Volk der Srenghewar
Kein Mensch in Heligonia hat sie noch nicht gesehen, oder zumindest einmal
von ihnen gehört. Das Volk der Srenghewar hat keinen festen Wohnsitz
und reist in bunten Pferdewägen durch das ganze Königreich. Ihre
exotische und auffällige Kleidung, ihre dunkle Haut und ihre besondere
Sprache weisen sofort auf ihre Volkszugehörigkeit hin. Die Srenghewar
sind zu Sippenverbänden zusammengeschlossen, die sie in feste Traditionen
einbindet und die zugleich Schutz bieten. Die größten Sippen
sind: die Almaraun, die Linmahir, die Telmahar, die Yerzo, die Locain und
die Berweran. Für Außenstehende ist es fast unmöglich die
einzelnen Srenghewar-Sippen zu unterscheiden, doch untereinander weiß
jeder ganz genau, wer zu welcher Sippe gehört und welchen Rang er
einnimmt. Der oftmals sehr üppige und wertvolle Aurazith-Schmuck der
Srenghewar wird von einer Generation zur nächsten weiter-geben und
dient der Unterscheidung des Standes. Ihren Lebensunterhalt verdienen die
Srenghewar vorwiegend mit Jahrmarktsvorstellungen. Unter
ihnen sind äußerst begabte Gaukler, Jongleure und Akrobaten.
Auch nutzen sie ihre seherischen Kräfte, um den einen oder anderen
Dukaten zu verdienen. Viele der Srenghewar haben die Fähigkeit, mit
Hilfe der Tarot-Karten oder einer Kristallkugel Visionen zu empfangen.
Auch sind sie sehr bewandert in der Kunst des Handlesens. Die bunte und
lebenslustige Ausstrahlung, die von den Srenghewar ausgeht fasziniert die
anderen Menschen, und so manch einen packt das Fernweh und er schaut ihnen
traurig nach, wenn sie weiterziehen. Dennoch geht ihnen der Ruf voraus,
daß sie Diebe und Betrüger sind. So versperrt jeder seine Türen
und Fenster und verwahrt seine Wertsachen gut, wenn die Srenghewar
in der Stadt sind. Auch wenn das Leben der Srenghewar wenig Beständigkeit
aufweist, so sind sie doch in feste Traditionen eingebunden und das Streben
des Einzelnen ist der Erhalt und das Wohl der Sippe. In der kalten Jahreszeit
sammeln sich alle Sippen südlich von Darbor, um dort den 1. Tag des
1. Mondes der Saarka zu feiern. Bei diesem Fest werden neue Bündnisse
und Ehen geschlossen. Eine Ehe wird nur mit einem Mitglied einer anderen
Sippe eingegangen. Ob nun der Mann oder die Frau ihre angestammte Sippe
verläßt, hängt von der Zusammensetzung derselben ab. Fremde
heiraten nur selten in eine Srenghewar-Sippe ein, dennoch wird eine solche
Verbindung akzeptiert.
Ein kleiner Auszug aus ihrer Sprache:
| sarishan |
(Begrüßung, etwa „Ruhm sei mit dir“) |
| saripen |
Lob, Ruhm |
| Ashen Devlesa |
Lebewohl |
| Bakhtalo drom |
gute Reise, glückliche Fahrt |
| bakht |
Glück |
| drom |
Weg, Strasse |
| Gajo (Gadscho) |
Nicht-Zigeuner (etwas herablassend) |
| grava (grawa) |
drehen, wenden, wechseln, vielleicht, manchmal, wechselhaft etc.
(je nach Zusammenhang) |
| chapite |
wahrhaftig, wahrlich |
| Durkepaskero |
Wahrsager |
| Durkew |
Wahrsagen |
| Klabyasch |
spielen, Spiel |
| baro |
groß, König |
| drab |
Kraut, Arznei, Gift |
| Drabarni |
Kräuterkundige(r), Heilkundige(r), Kräuterhexe |
| Muli |
Gespenst |
| Dukkeripen |
Schicksal |
| banuiala |
Verdacht, Zweifel |
| beng |
Teufel, Dämon |
| but |
viel, zahlreich, oft, sehr |
| cham |
beiläufig, ungefähr, etwa, wenig, ziemlich,etwas,
fast, beinahe |
| chawa |
essen |
| Piawa |
trinken |
| diklo |
Tuch, Kopftuch |
| Dshives |
prosit! |
| Hadepen |
Hilfe |
| Helos |
Ort, Platz, Stelle |
| Iachalipe |
Fluch, verfluchen |
| Kaffeja, Kaliardo |
Kaffee |
| Kumpania |
Sippe, Familie, Gemeinschaft |
| Luri |
Dieb |
| maisa |
Zauberin |
| midsho |
böse, schlecht, schlimm, falsch, übel |
| mishto |
gut, brauchbar, geeignet, nützlich |
| Mongi |
Bettler |
| Mang |
Bitten, Betteln |
| Mul |
tot, verwelkt, gestorben, Leichnam |
| Murga |
Katze |
| najis |
danke! |
| Obakht |
Unglück |
| Lissia |
Angst |
| paremisso |
Märchen, Geschichte, Erzählung |
| Patrin |
Wegzeichen |
| Patshiv |
Ehre |
| Phuri dai (furi) |
alte weise Frau, Großmutter |
| pash |
halb, nahe |
| pol |
Goldstück (plural: polia) |
| Vago (wago) |
Zigeunerwagen |
| jek |
eins |
| dui |
zwei |
| trin |
drei |
| shtar |
vier |
| pantsh |
fünf |
| shob |
sechs |
| efta |
sieben |
| ochto |
acht |
| enja |
neun |
| desh |
zehn |
| Sel |
hundert |
Das Volk der Shayedi
Ein Großteil der Mitte Darians bildet die Shayed-Wüste. Schon
die Ausläufer sind trocken, heiß und nur mit wenigen Pflanzen
bewachsen, da kein Fluß das lebensnotwendige Wasser spendet.
Der Kern der Wüste ist lebensfeindlich und unbewohnt. Nur einmal
im Jahr während der Xurl-Monde regnet es. Jedoch versickert der Regen
sofort im heißen Sand. Nur die Shayedi kennen ein paar Brunnen, die
sie während ihrer Reise durch die tödliche Wüste mit Wasser
versorgen. Ihnen ist es auch möglich das Wetter richtig zu deuten
und den zahlreichen Sandstürmen zu entgehen. Eine Durchquerung der
Wüste ohne die Ortskundigen ist unmöglich. Der wertvollste Besitz
der Shayedi ist das Burai.
Dieses
unermüdliche und anspruchslose Lasttier hat große Füße,
die verhindern, daß es im Sand einsinkt und es kommt mit extrem wenig
Wasser aus. Doch nicht nur zum Tragen von Lasten ist das Burai so wichtig
für die Shayedi, vielmehr dienen die weiblichen Tiere als Milchlieferant
und der getrocknete Kot der Tiere wird als Brennmaterial verwendet. Geschlachtet
und verzehrt werden die Burai nur im Notfall, oder wenn das Tier alt ist,
denn die Familien messen ihren Reichtum am Besitz der Tiere.
Aus
verschiedenen darianischen Geschichten und Legenden kennt man das Nech-Burai,
ein geflügeltes Burai. Ob es das sagenumwobene Tier wirklich gibt
oder gab, weiß niemand. Auch ist nichts genaueres mehr über
die unglaublichen Fähigkeiten des Wesens mehr bekannt. Doch wird hier
und da erzählt, daß in jedem 1001. Jahr ein Burai mit gewaltigen
Flügeln geboren werden soll. Dem Besitzer soll ewiges Leben winken,
da das Tier ihn mit seinen Schwingen vor allem Unbill zu schützen
vermögen soll und Körper und Seele des Glücklichen dadurch
nicht altern. Die Geschichten um das Flugburai waren schon fast in Vergessenheit
geraten, doch sind sie seit der Entdeckung einer alten Grabstätte,
in welcher eine lebensgroße Statue eines Nech-Burai steht, wieder
in aller Munde. Einige alte Shayedi behaupten sogar, es wäre ein Zeichen,
daß die Zeit näherrückt, in der ein neues Nech-Burai geboren
werde. Seitdem herrscht bei den Buraihändlern und -treibern großer
Aufruhr. Frischgeborene Burai werden genauestens beäugt. Manche Buraihalter
gehen gar soweit, die jungen Tiere zu töten, damit ihre Buraiweibchen
schneller wieder trächtig werden können. Das Leder der Jungtiere
überschwemmt seitdem den Markt in Darian.
Dennoch bietet die Shayed-Wüste eine Vielzahl von eigentümlichen
Überraschungen. Eine ist die Oase Darwena, eine Stadt, die inmitten
der Wüste reich und üppig blüht. Ein gut ausgebautes Kanalsystem
durchzieht die Oase und ermöglicht so selbst in der trockenen Wüste
eine reichliche Ernte. Nur hier gedeihen exotische Früchte wie Datteln,
Feigen und Gormaneras, die getrocknet die Nahrungsgrundlage der Shayedi
bilden. Prächtig eingefaßte Brunnen, luftige, weiße Lehmbauten
und sich im Wind wiegende Palmen prägen das Bild der Oase. In der
Mittagshitze sind die Straßen menschenleer. Am Abend jedoch füllen
sie sich mit Menschen, die sich unter den Palmen an den Brunnen niederlassen,
um zu plaudern und Tee zu trinken. Dazu erzählen sich die Shayedi
alte Mythen und Legenden von fliegenden Teppichen und Geistern, die in
Flaschen wohnen.
Die Wüstenbewohner haben meist einen schlanken, großen Wuchs
und ihre Gesichter sind sonnengebräunt. Das tiefschwarze Haar ist
in viele, feine Zöpfe geflochten und mit Bändern und Perlen verziert.
Die weiten, weißen, langen Gewänder und die aus Tüchern
gewickelte Kopfbedeckung der Shayedi bieten dem Betrachter ein fremdartiges
Bild. Trotz ihres entbehrungsreichen Lebens sind die Shayedi ein sehr lebenslustiges
Volk. Zahlreiche Feiertage, an denen musiziert und getanzt wird bereichern
ihren Alltag. Prächtig gekleidete Tänzerinnen und Tänzer
bieten uralte Tänze dar, die den Zuschauer verzaubern. Trommeln, die
aus Burai-Haut gefertigt sind, und Flöten begleiten die Tänzer.
Meist wird dazu Rauschkraut geraucht. Die Shayedi mischen dem gewöhnlichen
Tabak einen geheimen pflanzlichen Zusatz bei, der beim Genießer Rauschzustände
hervorruft. Dieses Rauschkraut wurde bald in ganz Darian sehr beliebt und
heute findet es Verbreitung in ganz Heligonia. Da seine Wirkung aber bei
übermäßigem Gebrauch als gefährlich eingeschätzt
wird, kann man es nur illegal vertreiben und erwerben. Diese Tatsache schlägt
sich aber keineswegs auf die Beliebtheit des Rauschkrautes nieder, sondern
verteuert es nur.
Das gefährliche Jolsee-Dreieck
Zwischen Darbor und Al-Safani liegt der Küste vorgelagert eine Inselkette:
das Kurihadi-Atoll. Zahlreiche kleinere Inseln erheben sich aus der Jolsee.
Diese gelten als Stützpunkte der berüchtigten Jolsee-Piraten.
Auf den Klippen der größten Insel Pagar befindet sich eine Zitadelle.
Dort regiert zur Zeit der selbsternannte König der Seeräuber,
Renzo, der Blutrünstige. Der strenge und grausame Despot versammelt
ehemalige Sklaven und flüchtige Verbrecher, wie auch verwegene Abenteurer
unter sich, die weder Tod noch Zyberus fürchten. Seine Vorgängerin,
die Schwarze Kilikia wurde im Jahre 20 n.A.III vom darianischen Grafen
während eines Beutezuges gefaßt und verweilt seither im Kerker
von Darbor.
Dennoch
ist der Ruf, der den Piraten vorausgeht, sie würden Mann und Maus
auf den Schiffen töten, maßlos übertrieben. Meistens
wird die Mannschaft auf den Beibooten in die Freiheit entlassen, um so
nach ihrer Errettung von der Gefährlichkeit der Seeräuber zu
berichten. Die Beute wird nach Pagar geschafft und dort unter Renzos Aufsicht
geteilt, der auch das Recht hat sich die schönsten Stücke auszuwählen.
Zwar wird der Raub unter den Piraten mit dem Tod bestraft, aber dennoch
mißtraut jeder dem anderen und so wird der Anteil der Beute immer
gut versteckt. Zahlreich echte und gefälschte Karten über den
Verbleib eines Seeräuberschatzes sind im Umlauf. Verwegene Abenteurer
suchen oft jahrelang die Küste und die Inseln nach der vergessenen
oder versteckten Beute eines Piraten ab. Auch der Schatz der Schwarzen
Kilikia ist bis heute noch nicht geborgen und man munkelt, daß der
Graf sie nur deshalb am Leben läßt, weil er hofft, daß
sie irgendwann verraten wird, wo sie ihre Beute versteckt hält. Die
Loyalität des Piraten gilt einzig seinem Kapitän und dem jeweiligen
Piratenkönig. Für andere Menschen gelten sie als blutrünstig,
geldgierig, rauflustig, trinkfest und arbeitsscheu. Dies trifft auch im
Wesentlichen zu, dennoch sollte man beachten, daß es unter den Piraten
absolute Gleichberechtigung herrscht. Jedes Mitglied, ob männlich
oder weiblich verfügt über die gleichen Rechte und jeder bekommt
den gleichen Teil der Beute zugesprochen. Hingegen ihrer sonstigen Lebensweise
herrscht an Bord eines Piratenschiffes eiserne Disziplin, was auch für
den Erfolg eines Beutezuges wichtig ist.
Da die Piraten von Al-Safani eher häuslich sind und ihren Lebensunterhalt
in erster Linie mit ”Treibgut” bestreiten, werden sie von den Jolsee-Piraten
verhöhnt und verachtet. Doch das war nicht zu allen Zeiten so. Noch
vor fünfzig Jahren bildeten die Piraten von Al-Safani und die der
Jolsee eine gefährliche Gemeinschaft. Graf Cersan, dem Vater von Graf
Dedekien gelang es die Bewohner von Al-Safani davon zu überzeugen,
daß es für sie günstiger ist der gräflichen Obrigkeit
gelegentliche Dienste zu erweisen und somit der Verfolgung zu entkommen.
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