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Die Städte Darians
Die Hauptstadt Darbor
In
der Hauptstadt Darbor lebt der größte Teil der Bevölkerung
Darians und sie außerdem die prächtigste Stadt in der Grafschaft.
Die Silbe ”Dar” ist aus einer heute unbekannten Sprache und heißt
Stadt. Darbor heißt frei übersetzt ”die Perle der Städte”.
Zahlreiche prunkvolle Bauwerke erinnern an eine große Vergangenheit.
Hier in Darbor treffen alle Gegensätze hart aufeinander. In den höher
gelegenen Vierteln erheben sich mit weißem Lehm verputzte, prächtige
Wohnhäuser, während das Hafenviertel und die Gebäude am
Stadtrand eher als stinkende Löcher zu bezeichnen sind. In der großen
Springflut im Jahre 5 v.A.III wurden die ersten beiden Häuserreihen
der Stadt unterspült bis sie einbrachen und ins Hafenbecken geschwemmt.
Weite Teile der Stadt wurden in starke Mitleidenschaft gezogen. Noch heute
sind die Narben dieser Katastrophe sichtbar. Wenn man durch die Gassen
der Altstadt läuft, ist der Anblick von brodelnden Menschenmassen
unterschiedlichster Völker allgegenwärtig. Heute, wie zu allen
Zeiten findet der Basar jeden Tag statt. Wundersame und wertvolle Dinge,
wie auch gewöhnliche Gebrauchsgegenstände werden hier lautstark
angepriesen. Doch tut der faszinierte Betrachter gut daran immer ein wachsames
Auge auf seinen Beutel zu haben.
Auffällig sind auch die zahlreichen Badehäuser, die nicht
nur der Reinigung und Erquickung des Körpers dienen, sondern darüber
hinaus auch der Geselligkeit. Hier besonders zu erwähnen ist das Redons-Badehaus
in der Nähe des Palastes. Zwar ist es vor fast 500 Jahren gebaut worden
und damit eines der ältesten Gebäude der Stadt, jedoch
hat es nichts von seiner Pracht und Schönheit eingebüßt.
Alljährlich werden die herrlichen Mosaike, die Szenen aus dem Leben
der sagenhaften Necker und Nixen darstellen, restauriert und gepflegt.
Kunstvoll gehauene Delphine speisen die Becken mit Wasser. Zahlreiche Diener
salben die Gäste mit duftenden Ölen und versorgen diese während
des Bades mit Speis und Trank. Über die Stadt herrscht der Graf, welcher
von den Vertretern der mitgliederstärksten und einflußreichsten
Gilden beraten wird. Im Rat vertreten sind die Gildenführer der Händler,
Seefahrer, Alchimisten und sonstigen Handwerker. Auch finden sich die Führer
der einzelnen Volksgruppen regelmäßig im Palast ein.
Besondere Erwähnung verdienen die beiden Alchimieakademien, die
einen ausgezeichneten Ruf in Heligonia haben. Dies ist zum einen die ”Academica
Rocorion”, dessen Leiter zur Zeit der Hofalchimist des Grafen Cherion Al
Ron ist, und zum anderen das ”Collegium Lapidificationis”.
Das Collegium Lapidificationis steht in ständiger Konkurrenz mit
der Academia Rocorion. Noch heute brüsten sich die Gelehrten des Collegium
mit ihrer wahrscheinlich bahnbrechensten Erfindung: die Herstellung von
Schwefelzündhölzern. Das Collegium ist die älteste bekannte
Alchimieakademie in Heligonia und ist sehr konservativ eingestellt. Neue,
ausgefallene Ideen finden meist keinen Anklang. Es wird fast ausschließlich
aus alten Schriften gelehrt und praktiziert.
Die Academica Rocorion ist in einem weiträumigen Bau mit einem
herrlichen Innenhof in der Oberstadt beherbergt, wozu aber noch eine Reihe
weiterer Stadthäuser gehören, sowie ein Turm vor den Mauern der
Stadt. Im Laufe der Zeit wurden die Räumlichkeiten der Academica mehrmals
zu klein, so daß immer wieder Teile, wie zum Beispiel Lehrstühle,
Laboratorien oder Schriftrollenbestände in andere Stadtgebäude
verlegt wurden. Oft verschwanden dadurch Rollen auf geheimnisvolle Weise,
andererseits wurden so auch zahlreiche Schriften davor bewahrt, ein Raub
der Flammen zu werden. Die Brände bedrohten nicht nur die Stadt und
ihre Einwohner, sondern auch die Arbeit der Academica selbst. Die Lehrlinge
waren fast ausschließlich mit dem Anfertigen von neuen Abschriften
beschäftigt und die Adepten durften die angekohlten Rollenreste zusammensetzen.
Dadurch wurde so viel Arbeitszeit vergeudet, daß die Gelehrten ihre
Experimente schlecht vorbereiteten und es zu noch mehr Unfällen kam.
Im Übrigen ist es zweifelhaft, ob das Zerschneiden von Bildern in
möglichst verschiedene aber gleich große Stücke zum Wiederzusammenlegen
für Kinder als Spiel erfunden wurde, oder als Vorbereitung für
die Academia. Um endlich den Dämonenkreis der Brände zu durchbrechen,
wurde ein Turm vor den Stadtmauern errichtet. Den ordentlichen Mitgliedern
der Academica ist es nur noch gestattet, in diesem Turm ihre Experimente
durchzuführen. Der Turm ist ein imposantes Bauwerk mit mehreren Stockwerken.
Die Grenzstadt Guldenstein
Guldenstein
ist neben Darbor der bedeutendste Warenumschlagplatz Darians. Händler
aus ganz Darian haben hier ihre Lagerhäuser errichtet. Von dort aus
werden sowohl Hölzer aus Ostarien, wie auch Weizen aus Thal über
das ganze Land verteilt. Die hohen Binnenzölle, die das Fürstentum
Thal auf die Waren erhebt, führen zu einer enormen Verteuerung. Daher
ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß der Schmuggel floriert.
Die Bewohner der Dörfer an der Grenze zu Thal leben fast ausschließlich
vom Schmuggeln. Ganze Schmuggelkarawanen bewegen sich entlang des Schlangenkamms
an der Grenze zu Ligonii und Thal. Die Stadt Guldenstein selbst gleicht
eher einer Festung. Eine enorme Stadtmauer umschließt die Stadt und
macht sie so vor räuberischen Überfällen sicher. Bei Einbruch
der Dunkelheit werden die Stadttore geschlossen und der späte Wanderer
oder Händler muß schon ein ansehnliches Schmiergeld locker machen,
um die Wachen dazu zu bewegen, sie doch noch einzulassen.
Die Piratenstadt Al-Safani
Gut
geschützt zwischen Jolsee und Schlangenkamm liegt eine Stadt, die
besonders schlecht kontrolliert und überwacht werden kann. Aus einem
Unterschlupf von gesuchten Dieben, Scharlatanen und kleineren Verbrechern
entstand im Laufe der Jahre eine Hafenstadt, Anlaufstelle für allerhand
Gesindel. Gekaperte Schiffe finden hier eine geeignete Anlegestelle, um
gestohlene, „heiße“ Ware loszuwerden, zu horten oder billig aufzukaufen.
Beliebteste Handelsware sind hier natürlich jegliche alkoholische
Getränke, die in den zahlreichen Schenken und Wirtshäusern am
Hafen ausgeschenkt werden. Lautes Gegröhle und Raufereien stehen auf
der Tagesordnung. Wesentlich unriskanter ist es für die Bewohner Al-Safanis
jedoch die Schiffe nicht zu kapern, sondern die Schiffe durch falsche Leucht-signale
an den Klippen zerschellen zu lassen. Kurz darauf beginnt dann die Jagd
nach dem Treibgut. Perfekt organisiert eilen Frauen, Männer und Kinder
zum Strand und sammeln alles auf, was vom Schiff übrig ist. Eventuell
Überlebende werden je nach Alter und Geschlecht verkauft oder als
Minenarbeiter versklavt. So mancher reiche Händlersohn mußte
sich von seiner Familie freikaufen lassen. Die Bewohner Al-Safanis sind
rauhe Zeitgenossen bei denen das Gesetz des Stärkeren gilt, in Kraft,
Geschick und Hinterlist.
Die jährliche Steuereintreibung durch den Grafen gleicht eher
einer Plünderung. Alles, was nicht rechtzeitig versteckt werden konnte,
wird von einem riesigen Aufgebot an Soldaten eingezogen. Hier zeigt sich
dann auch, wer in Al-Safani in nächster Zeit das Sagen hat, nämlich
der, der das Meiste vor den Steuereintreibern retten konnte. Die klügsten
Recken spionieren natürlich ihre Konkurrenten aus und lassen sich
von den Soldaten dafür bezahlen, diese zu verraten.
In diesem Zusammenhang sei noch die legendäre Geschichte der scharlachroten
Lorna erwähnt, die vor etwa 80 Jahren die gesamte Armee der Steuereintreiber
in eine Höhle lockte. Sie versprach den Schergen des Grafen sagenhafte
Schätze. Kaum hatten diese die Höhle betreten, schüttete
sie den Eingang zu und wartete die Flut ab. Alle Soldaten ertranken jämmerlich.
Bis heute hat jedoch keiner die Leichen geplündert. Denn niemand weiß,
was mit Lorna geschah, als sie am nächsten Tag ihre Beute aus der
Höhle bergen wollte. Kein Mensch hat sie je wieder zu Gesicht bekommen.
Noch heute behaupten Seeleute und Piraten, gurgelnde Wehklagen der ertrunkenen
Soldaten zu hören, wenn sie bei Flut in der Nähe der Höhle
vorbeikommen. So ruhen die scharlachroten Steuerschätze, wie sie seither
genannt werden, möglicherweise noch heute in der Lornahöhle.
Nördlich von Al-Safani ist der Schlangenkamm von unzähligen labyrinthartigen
Gängen und Höhlen durchzogen. Das geübte Auge kann drei
Baumeister unterscheiden, wenn man sich Boden und Wand der Gänge ansieht.
Zur Küste hin hat das Meer viele Höhlen und Grotten ausgewaschen.
Dahinter sieht man die mit groben Schlägen gehauenen Erzminen. Hier
ist das eigentliche Herz von Al-Safani, das Dunkle, daß die Stadt
mit neuem ”Handelsgut” versorgt. Die Höhleneingänge sind unbewacht,
doch wagt sich niemand in das Labyrinth. Entweder wird ein Eindringling
von den Minenaufsehern geschnappt, oder die Piraten entdecken ihn,
oder man verirrt sich in diesem Labyrinth. Ganz schlaue und findige Abenteurer
nahmen einen roten Faden, den sie an einen Busch vor dem Höhleneingang
festbanden, um so jeder Zeit den Ausgang wiederzufinden. Peinlich wird
die Situation dann, wenn man auf dem Rückweg mitten im tiefsten, dunkelsten
Stollen bereits auf das Ende des roten Fadens trifft. Wer den Faden wohl
durchgeschnitten hat? So ist man in Bezug auf die Höhlen auf das Seemannsgarn
der Piraten angewiesen. Die Wenigen, die es doch schafften herauszukommen,
sind völlig ausgemergelt und ihres Verstandes verlustig. Immer wieder
taucht in den zwielichtigen Hafenkaschemmen Al-Safanis und Darbors einer
auf, der sie gesehen haben soll: ”Mon-ta-mar”, die gläserne Stadt
im Berg. Hundert Fuß hohe Türme gänzlich aus Glas, schillernd
in allen Farben des Regenbogens. Dazwischen die herrlichsten Bäume
und Seen wie im Park des Fürsten von Thal, mit süßen und
saftigen Früchten. Dies kann getrost als Sage bezeichnet werden, denn
keiner konnte diese Früchte je vorzeigen. Der Weg von der gläsernen
Stadt bis zum Höhlenausgang sei zu lange gewesen und der Erzähler
hat die Früchte vor Hunger aufgezehrt. Damit sich die Piraten in den
vielen Gängen nicht selbst verlaufen, sind alle Gänge mit Symbolen
und Zeichen versehen. Über ein System kann man aus den Symbolen ersehen,
in welche Richtung die Gänge führen. Ohne diesen Code zu kennen,
ist man in der Götter Hände.
Bekannt ist Al-Safani aber nicht nur wegen der blutrünstigen Piraten,
sondern auch wegen des ”Rachenputzers”, eines hochprozentigen Gebräus,
dessen Herstellungsgeheimnis gut gehütet wird. Es wird angenommen,
daß die großen Schilf ähnlichen Pflanzen, die rund um
die Stadt wachsen, der Grundstoff für den Rachenputzer ist.
LaSogaz - Stadt der Vergnügungen
Berühmt
und berüchtigt ist die Stadt LaSogaz weit über die Grenzen Darians
hinaus für ihre einzigartigen Zockerstuben, in denen Glücksspiele
aller Art zu jeder Stund am Tage stattfinden. Selbst aus Al-Safani wagt
sich so manches Spielerherz in die Stadt der Vergnügungen in der Hoffnung,
seine Beute zu vermehren. Für jeden Geschmack gibt es das entsprechende
Spiel: von Würfelspielen über Kartenspiele bis zu Brettspielen.
Sogar das Schahspiel aus Tlamana, wenn auch zu kompliziert für die
meisten Zocker, hat schon den Weg bis in die Zockerstuben gefunden. Besonders
beliebt ist das Kartenspiel Darok, das sehr einfach ist und doch einen
hohen Gewinn verspricht, sofern genügend große Spielrunden zusammenkommen.
Natürlich spielt in jeder Runde mindestens ein Handlanger des Stubenbetreibers
mit. Dieser paßt besonders auf andere Falschspieler auf, damit diese
nicht zuviel Gewinn einstreichen. Das Spielen beglückt die Zocker
so sehr, daß sie oft mit gezinkten Würfeln und Karten versuchen,
ihre Gewinnchancen zu erhöhen. Als ungeschriebenes Gesetz gilt, daß
aufgedecktes Falschspiel mit einem halben Jahr unentlohnter Arbeit in der
Zockerstube und anschließendem Spielverbot in der Stadt bestraft
wird. Für Unterhaltung zwischen Spielrunden und wenn man aus einer
Runde ausgeschieden ist, sorgen Tänzerinnen, die ihre Körper
kunstvoll biegen und strecken und mit ihren Bewegungen und den knappen
Gewändern auch so manchen Zocker vom Spiel ablenken. Kein Wunder,
daß Diebe solche Passanten, die aus einer Zockerstube kommen, selten
ausrauben. Außerdem gibt es in LaSogaz einen großen Bezirk,
in dem Mann und Frau des Nachts jeglicher Wunsch erfüllt wird, natürlich
gegen entsprechende Entlohnung. Berühmte Häuser wie „Die Oase
der tausendundeiner Freuden“ oder „Der Palast der Wünsche“ laden dazu
ein, das im Glücksspiel ehrlich gewonnene Geld wieder auszugeben.
Zardasia
Sanft
in Hügel eingebettet an der Grenze zur Grafschaft Sedomee liegt die
Stadt Zardasia. Charakteristisch sind die aus luftgetrockneten Lehmziegeln
erbauten Häusern mit flachen Dächern. Auf diesen Dächern
lagert ausgebreitet zum Trocknen der Schatz der Zardasianer - der Tabak.
Dieser wird in den Plantagen rund um die Stadt angebaut und bietet dem
Betrachter während der Blütezeit ein einmaliges Bild. Nach der
Ernte und dem Trocknen werden die Tabakblätter geschnitten oder gerollt.
In allen Teilen Heligonias schätzt man das Rauchkraut, ob als gerollte
Zigarre, als Schnupftabak oder in der Pfeife. Eine weitere Besonderheit
in Zardasia ist die gräfliche Glasbläserei. Als Rohmaterial dient
der in großen Mengen an der Küste vorhandene Quarzsand. In großen
Tonhäfen wird der Sand geschmolzen, um dann von den Glasbläsern
noch rotglühend mit der Glaspfeife zu kunstvollen Flaschen und Gläsern
geblasen zu werden. Für die Arbeit der Alchimisten sind die dort gefertigten
Gläser von großer Wichtigkeit. Aber auch als teure und wertvolle
Trinkgefäße sind die Zardasischen Gläser in den Häusern
der Adligen und Reichen zu finden.
Uttras’Dar - die Stadt am Schlangenkamm
Haupthandelsgut
Darians sind Zinn und Kupfer aus den Bingen und Minen des Schlangenkammes.
Bei seinem Amtsantritt hatte Graf Uttras die Stadt Uttras’Dar gegründet,
um dort das aus den Minen gewonnene Erz vor Ort verarbeiten zu lassen.
Nach zähen Verhandlungen mit König Aximistilius I gelang es dem
Grafen die königliche Münze für den Kreuzer nach Uttras’Dar
zu verlegen. Unter strenger Bewachung werden nach der Prägung die
Kreuzer nach Escandra transportiert.
Ein weiteres Produkt, das aus den Erzen des Schlangenkammes gefertigt
wird sind Glocken. Aus etwa 80 Teilen Kupfer und 20 Teilen Zinn werden
in Uttras’Dar allerlei Glocken gegossen. Früher goß man nur
Schiffs- und Warnglocken, doch seit das Ceridentum in Heligonia Einzug
gehalten hat, werden auch Kirchenglocken gegossen. Weniger einträglich
ist die Herstellung von kleinen Schellen, Klanginstrumenten und Beschlägen,
die aber aufgrund der regen Nachfrage auch produziert werden. |
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