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Vjoshaven

 


Vjoshaven - nordische Handelsstadt

 

Der Jarl

Der Jarl ist der alleinige Herrscher über Vjoshafen. Er wird am Althing nach einer Götterbefragung durch die Geweihten bestimmt.

Voraussetzung für dieses Amt ist es ein Friling (Freier mit Grundbesitz) zu sein. Ihm obliegt die Ordnung und Rechtsprechung genauso wie die Verpflichtung für sein Volk zu sorgen. Ein weiser und gerechter Jarl bedeutet für die Vjoshavener Reichtum und Wohlstand. Der Jarl hat dieses Amt bis zu seinem Tod inne, sofern er nicht herausgefordert wird. Er ist natürlich gleichzeitig auch Vorstand seiner Sippe.

 

Der Lagman

Der Lagman ist der Rechtshelfer des Jarls und Wortführer beim Thing. Er unterstützt und berät den Jarl in seinen Amtsgeschäften, z.B. organisiert und leitet er die Lanera-Spiele. Er ist eine hochgeschätzte Person in Vjoshaven, er hat keine politische Macht, sondern eher beratende und ausführende Funktion. Der Lagman wird vom Jarl auf dem Thing vorgeschlagen und von den Sippen-vorständen gewählt. Der Lagman wird alle vier Jahre neu gewählt, bzw. wiedergewählt. Jeder Friling kann das Amt des Lagmans beliebig oft ausfüllen.

 

Die Goden

Die Goden sind die religiösen Oberhäupter. Vjoshaven hat also vier Goden - jeweils der/die oberste Geweihte des jeweiligen Götterhügels. Ein Gode entspricht einem Hochgeweihten und Heiligtumvorstands.

 

Die Skalden

Sie bewahren die Sagen und Lieder aus alter Zeit und sind somit ein wichtiger Bestandteil der Vjoshavener Kultur. Sie genießen hohes Ansehen und sind allseits beliebt. Manche von ihnen sind gar weit gereist und bringen Kunde vom Königreich mit. Dort wiederum sind sie überall willkommen, da man nur zu selten die Gelegenheit hat, einen ruhmreichen Epos aus ihrem Munde zu hören.

Wann immer sich eine Gelegenheit ergibt, ein Ereignis in schöne Verse zu fassen, wird diese von den Skalden wahrgenommen. Dadurch ist im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl an Epen entstanden, die von den Göttern und der Schöpfung über alte Heldentaten bis zu den neueren Geschehnissen reichen.

Ein Skalde ist nicht in der Lage, alle diese Texte zu kennen, oder gar frei vorzutragen. Daher treffen sich diese zu den ogedischen Festen, um sich auszutauschen. Skalden verfügen stets über eine gute Ausbildung in Wort und Schrift. Einige von ihnen können ihre Texte mit einer Melodie untermalt auf einem Instrument vortragen.

Die Schöpfung

Eh ein Stern am Himmel stand,
dort, zum Anbeginn der Zeit,
ritt Helios als einzig Licht
langsam durch die Ewigkeit.
Der Sonnendrache Crelldinor
trug ihn stolz mit seinen Schwingen
Lautlos durch endlose Nacht,
wohin mag er ihn wohl bringen?
So reisen beide durch das All,
bis Crelldinor just innehält
vor einem wunderschönen Leib,
dass Helios fast von ihm fällt.
 
Poëna liegt in tiefem Schlaf
ringsum von Dunkelheit bedeckt.
Vom Lichte Helios geblendet,
von der Wärme wohl geweckt,
Schlägt sie nun die Augen auf,
und wie sie aus dem Traum erwacht
Erhascht sie in dem güldnen Schein,
Helios in ganzer Pracht.
Als bald ihr Blick den seinen trifft,
und ihre Anmut ihn erregt,
ist es um sein Herz geschehn,
er rasch sich zu ihr niederlegt.
 
Wärme fährt in ihren Leib,
die Leidenschaft in ihr entflammt,
eine Frucht wächst schnell heran,
die göttlichem Geschlecht entstammt.
Poëna schenkt ihm einen Sohn,
der was ganz besond'res ist:
Weil Wasser sich bei der Geburt
des Xurl aus ihrem Schoß ergießt,
es dabei Meer und Seen bildet,
als Fluss und Bach sich Wege bahnt,
wird der Sohn der beiden Götter
Herr des Wassers auch genannt.
 
Doch nicht das einz'ge Kind er bleibt,
denn bald sie ihm ein zweites schenkt.
Eine Tochter wild und kalt,
die das Geschick des Windes lenkt.
Wind und Sturm gehorchen ihr,
drum wird sie Herrin der Luft genannt.
Unbezähmbar, wild und schön,
ist als Saarka wohlbekannt.
Ruhelos streift sie umher,
streichelt zart Poënens Knie,
Hofft auf einen sanften Kuss,
doch vergebens wartet sie.
 
Schon der Neid ihr Herz zerfrisst,
und ihr Zorn wird riesengroß
Denn ihr Bruder Xurl darf ruh'n
auf der Mutter Leib und Schoss,
auch des Vaters heller Strahl
wärmt das erstgebor'ne Kind,
doch das passt Saarka nicht,
wütend treibt sie an den Wind,
Entfacht gar fürchterliche Stürme,
wühlt die Seen und Meere auf.
Da erzürnt der Neid den Bruder,
und der Kampf nimmt seinen Lauf.
 
Wellen wogen, Donner grollen,
Stürme peitschen und oh Graus
Die geballte Kraft des Streites
löscht des Drachen Leben aus.
Der Leib von Crelldinor bricht auf
in neun helle Feuerstrahlen,
Machtlos seh'n die Götter sie
in die Erdenschale fallen.
"Haltet ein," ruft Helios,
"ach, was habt Ihr nur getan!"
Poëna spricht: "Hört endlich auf,
seht Euch Eure Untat an!"

Der Götterbote

Einst, als die Zeit noch nicht begonnen hatte, trafen sich die Götter an einem verborgenen Ort. Saarka stand dort, in Stürme gehüllt, Poena, die Unergründlich

trat an ihre Seite. Und Xurl erhob sich in einem Schleier aus funkelnen Tropfen.

Da fand sich auch Helios ein, der Strahlende. In seinem alles durch-dringenden Licht warfen sogar die Götter selber einen Schatten.

So kam es, daß sich die Schatten von Saarka, Poena und Xurl berührten und es bildete sich eine Stelle von dunkelster Schwärze. Aus diesem Fleck, sprang ein Lebewesen hervor. Neugeboren war es, und die Götter sahen, daß es ein Vogelwesen war, so schwarz wie die Nacht, groß, klug und wißbegierig. Sie nannten es Rabe und ließen es bei sich leben.

Doch Rabes Neugier war unermeßlich. Stets war er um die Götter und lernte.Bald erfuhr er Dinge, die im Verborgenen bleiben sollten und ergründete viele Geheimnisse. Bisweilen führte er die Götter in die Irre oder brachte sie gegeneinander auf. Zürnten sie ihm, so fand er stets einen Weg, seine Gönner zu besänftigen, denn er war ein Meister der Sprache, des Rätsels und der List geworden. Die Götter befahlen ihm, an dem ihm zugewiesen Platz zu bleiben. Doch Unruhe erfaßte in schnell, so daß er auszog um seine Spielchen zu treiben. Dann hallte die Welt der Götter wieder von seinem schadenfrohen Lachen.

Als Poena und Xurl Pflanzen, Tiere und Menschen geschaffen hatten und Saarka den lebenden Wesen eine Seele gegeben hatte, zog es auch Rabe in dieses neue Reich. Eine tiefe liebe zu den Menschen erfaßte ihn, denn sie waren nun hilflos und ohne Wissen, wie er selbst, als er aus dem Schatten der Götter gesprungen war. Rabe blieb bei ihnen und lehrte sie die Namen der Pflanzen und Tiere, zu jagen, zu Fischen und zu ernten. Er lehrte sie viele Dinge, denn sie waren ihm ähnlich. Manchmal nahm er die Gestalt eines Menschen an und zeugte Kinder mit einer Menschenfrau, diese glichen bisweilen der Mutter, manche waren seiner wahren Gestalt ähnlich.

Dann kam eine Zeit in der sich Helios lange bei seiner geliebten Poena blieb, und die Menschen froren und hungerten. Rabe, der die Wege kennt, flog zu Helios und stahl ein Fünkchen des Göttlichen Feuers. Er brachte den Menschen die Macht des Feuers und lehrte sie, es zu zähmen.

Helios war darüber sehr erzürnt und er ließ sich nicht versöhnen. Er verbannte Rabe aus dem Reich der Götter, und verbot ihm auf der Welt der Menschen Gestalt anzunehmen. Rabes menschlichen Kindern nahm er die Erinnerung an ihren Vater, und den Rabenkindern nahm er die Sprache, so daß sie seitdem nur noch krächzen können.

Rabe aber blieb nur die Welt der Geister und umherirrenden Seelen. Ruhelos fliegt er nun, ein Reisender zwischen den Welten.

Die Götter jedoch fanden bald heraus, daß Rabe, der sowohl mit den Göttern als auch mit den Menschen gelebt hatte, es verstand, Botschaften an die Menschen so zu überbringen, daß ihre ungleich kleineren Seelen sie erfassen konnten. So rufen sie ihn bisweilen zurück in ihren Dienst. Auch die Menschen vertrauen ihm, der alle Wege kennt, Botschaften an ihre Schöpfer an. Einst wird er vielleicht die Vergebung der Menschen erringen. Solange fliegt Rabe gestaltlos über der Welt der Menschen, lehrt sie geheimes Wissen, zeigt sich in ihren Träumen und geht seinen eigenen Weg.