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Baronie Carajon
Hauptstadt: Gwolona
Herrscher: Baron Herian
Wappen
Das Wappen von Carajon zeigt in der oberen Hälfte die heligonische
Sonne, sowie einen silbernen Schneekristall auf rotem Grund in der unteren
Hälfte.
Herrschaftsform
Ähnlich wie ganz Heligonia wird Carajon absolutistisch-zentralistisch
regiert. Alle Macht geht vom Baron aus, der die Vertretung des Königs
verkörpert und von dem auch alle Heliosbriefe ausgehen. Ihm
gehören auch alle Minen Carajons, was ihm zudem finanzielle Macht
gewährt.
Carajon ist unterteilt in die Provinzen Celvar,
Nordwacht, Regarst, Schneefels und Lahen.
Grundlage der Herrschaft ist die heligonische Halsgerichtsordnung und
die Protokolle der Heliosbriefe. In Carajon wird “indirekte Politik”
betrieben, d.h. politische Angelegenheiten, die ein gewisses Maß
an Alltäglichkeit überschreiten werden nach Bedarf auch mit “unkonventionellen”
Methoden, wie Bestechung und den verdeckten Einsatz von Spionen und Magie
behandelt. Im Extremfall wird durchaus auch zu massiveren Strategien
gegriffen. Diese Vorgehensweise ist in Form von Gerüchten allgemein
bekannt, doch wird große Vorsicht praktiziert, so daß gerade
die kleineren Angelegenheiten kaum nachzuweisen sind. Hierüber
darf die uneingeschränkte Loyalität dem König gegenüber
nicht ignoriert werden. Was der König befielt wird als göttliches
Gebot behandelt. Diese Loyalität reicht bis zum Opportunismus,
allerdings nur nach oben hin. Das Verhalten nach unten hin ist durch
die Carajonische Denkweise geprägt. Im Allgemeinen wird private
Politik unter vier Augen bevorzugt. Es gibt viele geheime und weniger
bekannte Absprachen und Maßnamen, von denen nur der Baron und der
entsprechende Partner weiß. Auf diese Weise entstand ein Netz
aus Abmachungen und Regelungen, in dessen Mitte der Baron seine Position
inne hat. Für den neutralen Beobachter stellt das Gesamtbild Carajons
eine äußerst schizophrene Situation dar. Solange man die
Oberhand behält und vor allem nach Außen hin, regiert Etikette
und Rittertum. Stellt sich jedoch etwas in den Weg, so wird dieses
Hindernis beseitigt, nicht nur im Notfall mit allen Mitteln. Auch
hier ist die typische carajonische Einstellung zu erkennen, daß alles
mit genügendem Einsatz zu erreichen ist.

Geographie
Zwei Landschaftsbilder prägen Carajons Erscheinen entscheidend:
zum einen der Schlangenkamm, der mit seinen äußersten Ausläufern
fast die Hälfte des Gebietes der Baronie einnimmt und zum anderen
die Gwolona-Tiefebene, die jedoch ebenfalls durch den Schlangenkamm und
durch das durch ihn verursachte kalte Klima gezeichnet ist. Diese
Ebene ist recht karg und es gedeiht gerade genug, damit die dort angesiedelten
Bauernhöfe sich selbst versorgen können. Im Norden wird
das Gebiet eingegrenzt durch die weiten Ausläufer des Parimawaldes.
Befestigungen und Städte
Im Norden Carajons würde man Grenzbefestigungen vermuten, die
die Gebiete Heligonias nach Außen hin verteidigen sollen. Jedoch
findet man dort nur wenige Burgen und Anlagen. Diejenigen, die dort
stehen, dienen nur den Zwecken der Beobachtung, würden einem direkten
Angriff aber wohl kaum standhalten. Dies ist darauf zurückzuführen,
daß der Parimawald die nördliche Grenze zum größten
Teil abriegelt.
Gwolona ist die größte Stadt Carajons, dicht gefolgt von
Seranhest, die am Fuße des Schlangenkammes liegt. In Seranhest
befindet sich das Schloß Seranhest, dem Sitz des Barons Herian von
Carajon. Hier werden die gesammelten Vorräte an Septhonit und
Polydian aufbewahrt und schwer bewacht, bevor sie entweder nach Escandra
geliefert oder dem weiteren Handel zugeführt werden. Seranhest
ist bei näherer Betrachtung eine Kunststadt, sie wurde vor 228 Jahren
gegründet und innerhalb von ungefähr 50 Jahren zu etwa zwei Drittel
der heutigen Größe erbaut. Die Straßenanlage, wie
auch besonders die Schloßanlagen sind speziell konstruiert und geplant.
Weiterhin zeichnet sie sich durch sehr strenge Bewachung aus, was auf den
immensen, hier lagernden Reichtum zurückzuführen ist. Das
Zentrum der Stadt wird durch das Schloß und durch kunstvoll angelegte
Parkanlagen ausgefüllt. Die restliche Stadt wird durch eine
Mauer abgetrennt, außerhalb der sich Wohnhäuser und teure Händler
und Handwerker befinden. Innerhalb der Mauer sind nur ausgewählte
Händler, Bewirtungen, Einrichtungen und Wohnhäuser hoher Bürger
zu finden. Hier befindet sich auch das Seranhestmuseum, in dem Kunst
aus Edelsteinen ausgestellt wird. Bemerkenswert ist außerdem
die vor einigen Jahren gegründete Academia der Wissenschaften in Seranhest,
die staatlich gefördert wird, aber bisher noch recht klein ist.
Weitere Städte in Carajon sind Lahen und Regarst, die sich beide
durch Importhandel schon vor einigen hundert Jahren gebildet haben.
Seit ihrer Entstehung sind sie aber nur sehr langsam gewachsen, und wie
in Gwolona besteht die Bevölkerung hier hauptsächlich aus Händlern
und Menschen, die vom durchgehenden Warenhandel leben. In der Gwolonaebene
existieren verglichen mit anderen Baronien relativ wenige Bauernhöfe.
Bemerkenswert sind noch die Minendörfer direkt in den Ausläufern
des Schlangenkammes. Die südliche Grenze zu Tlamana ist befestigt
mit einigen alten und starken Festungen. Diese Trutzburgen sind Überreste
aus den Kriegen mit Tlamana, die vor einigen Generation getobt haben, bis
der König ihnen ein Ende bereitete. Seither sind die Festungen
von keiner wichtigen Bedeutung mehr, bleiben aber dennoch besetzt, nunmehr
aus Prestigegründen. Bis vor fünf Jahren war auch die Burg
Niederkamm in Carajons Besitz. Diese Burg dient als Schutz für
die Aurazithmine Edaq, die ebenfalls zu Carajon gehörte.
Damals gelang es der Regierung von Tlamana, rechtskräftig zu beweisen,
daß die Ländereien um die Mine und diese selbst eigentlich zu
Tlamana gehören. Baron Herian fand sicherlich keinen Gefallen
an diesem Ereignis und so munkelt man, daß es verschiedene Bemühungen
gibt, das Aurazith trotz allem für Carajon zu gewinnen. Natürlich
gibt es nur Gerüchte über solch unehrliche Machenschaften, die
allesamt als Lügen abgetan werden müssen.
Hauptstadt
Die Hauptstadt Carajons ist Gwolona und liegt in der nach ihr benannten
Gwolonaebene, eine recht karge Landschaft mit nur wenig fruchtbarem Boden.
Gwolona ist eine ringförmig erbaute Stadt, deren Gebäude um die
große Markthalle errichtet sind. In dieser Halle findet fast
der komplette Handel statt, Edelsteine gegen Waren. Ein weiteres
markantes Charakteristika sind die drei Regierungstürme.
Von hier aus wird Carajon verwaltet und der Handel mit Edelsteinen und
importierten Waren reglementiert. Die Händler und Handwerkergilden
haben hier ihre Vertretung im Gildenkonvent, der seinen Sitz in einem der
drei Türme hat. Unter den Türmen befindet sich die Schatzkammer
Gwolonas, in der einiges des Reichtumes der Stadt und der Baronie aufbewahrt
wird. Gleich neben den Türmen findet man die Garnison, in der
Gardisten stationiert sind, die zum Schutz und zur Überwachung der
Stadt abgeordnet sind. Baron Herian hält sich hier nur zu wichtigen
offiziellen Regierungsgeschäften auf. Meist jedoch erledigt
er diese durch Gesandte und von Schloß Seranhest aus. In Gwolona
wurde vor ca. 90 Jahren die Schule der Handelskunst eröffnet, die
nicht nur carajonischen Schülern die Grundsätze des Handels und
die besten Vorgehensweisen beibringt. Diese Handelsschule wird sowohl
staatlich gefördert, als auch von der Händlergilde in Carajon
unterstützt. Südlich von Gwolona, gerade außerhalb der
Sichtweite, befindet sich Schloß Nistrel, eine Pfalz, die Baron Herian
von Carajon im Allgemeinen zu Empfängen und anderen diplomatischen
Angelegenheiten nutzt. Direkt neben dem Schloß und der kleinen
Siedlung befindet sich die Ceridenkirche Nistrel, die Baron Jonathan von
Carajon bauen ließ, als er zum Ceridentum konvertierte.
Die Handelsstraßen
Carajon wird von einem Netz von mehr oder weniger großen Handelsstraßen
durchzogen. Diese sollen der Bevölkerung und insbesondere den
Händlern eine hohe Mobilität garantieren. Durch die Unfruchtbarkeit
des Bodens ist diese auch bitter nötig, so muß oft ein Ernteüberschuß
von einem Ende der Baronie zum anderen geschafft werden, wo der Ertrag
zu gering ausgefallen ist. Über Generationen hinweg wurden große
Summen investiert, um das Straßennetz in die heutige Form zu bringen.
Die großen Handelsstraßen sind geebnet und gepflastert und
mehrere Schritt breit, so daß zwei Fuhrwerke problemlos aneinander
vorbei manövrieren können. In Abständen von mehreren Meilen
findet man am Wegesrand Gaststätte, zumindest aber Unterkünfte,
in denen Wanderer Unterschlupf für die Nacht suchen können.
In größeren Abständen stehen Wechselpferde für Kuriere
des Eissturmkurierdienstes bereit, die ausschließlich diesen vorbehalten
sind. Händler zahlen beim Eintritt in die Baronie ein geringes Wegegeld
von 3 Dukaten und bleiben innerhalb Carajons von weiteren Gebühren
für die Straßennutzung verschont. Man erhofft sich davon, den
Binnenhandel zu unterstützen und so ein weiteres Mal die Mobilität
zu erhöhen.
Die Neubesiedlungen
Seit diesem Jahr betreibt der Baron von Carajon eine Politik der Expansion
Richtung Norden. Zwar verfügt die Baronie über mehr als
ausreichenden Platz für die eher kleine Bevölkerung, jedoch erhofft
man sich weiter im Norden und östlich des Parimawaldes fruchtbareren
Boden zu finden, um dem Ackerbau in Carajon Verbesserungsmöglichkeiten
zu bieten. Zu diesem Zweck werden verschiedene Expeditionen vorbereitet,
die zuerst einmal das Gebiet kartographieren sollen, so daß in wenigen
Jahren gezielt kleine Dörfer und Siedlungen errichtet werden können.
Ein Ziel der ferneren Zukunft ist es, den Schlangenkamm entweder zu
überqueren oder in nordöstlicher Richtung zu umrunden.
Dies jedoch weniger aus Gewinnaussichten heraus, sondern vielmehr um ein
weiteres Mal die naturgegebenen Hindernisse zu besiegen und zu zeigen,
was es heißt ein Bewohner Carajons zu sein. Weiterhin verspricht
sich die Academia in Seranhest neue Erkenntnisse über Geographie,
Flora und Fauna des Schlangenkammes, sowie des nordöstlich angrenzenden
Waldes.
Das Verhältnis zu Tlamana
Obwohl die Herrschaftshäuser derer von Tlamana und derer von Carajon
eng miteinander verwandt sind, ist nichts von dieser verwandtschaftlichen
Nähe zu spüren. Ganz im Gegenteil herrscht sogar politisch
eisige Kälte. Diese Zwistigkeit mag in der ewigen Konkurrenz
der beiden Baronien begründet liegen. Zum einen gibt es im nordöstlichen
Teil Tlamanas ein äußerst fruchtbares Gebiet, der der grüne
Fleck genannt wird, wohingegen Carajon durchweg unter großer Unfruchtbarkeit
des Landes leidet. Beide Baronien verfügen außerdem über
einen immensen Reichtum, der von den Aurazithminen in Tlamana und von den
Septhonit- und Polydianminen in Carajon herrührt. Dennoch oder
gerade deswegen schielt man eifersüchtig auf die Finanzen des Nachbarn
und versucht sich gegenseitig zu übertreffen. Schließlich sind
beide recht nahe mit dem Königshaus verwandt und sind diesem loyal
untergeben. Genau daraus erwächst aber der dritte Streitpunkt,
den jeder versucht, dem König mehr zu gefallen und ihm treuer und
loyaler zu dienen. Es ist verschmäht, irgend etwas von Tlamana anzunehmen,
das die Etikette nicht gebietet. Man verzichtet auf all zu häufigen
Kontakt und versucht, das was Carajon von Tlamana erhalten will, lieber
auf “indirektem” Wege zu tun.
Handel, Steuern, Finanzen
Außer Edelsteinen verfügt Carajon über fast keine Handelsgüter.
Die Bauernhöfe können sich durch den kargen Boden gerade eben
selbst verpflegen, handwerkliche Künste, bis auf das Steinschleifen,
sind nicht weiter erwähnenswert, und die Minendörfer schürfen
zwar reichlich Edelsteine, benötigen aber auch viele Lebensmittel.
Carajon selbst kann diesen Bedarf nicht decken und ist deswegen auf Importe
angewiesen. Die Zölle begünstigen demnach Importe und erschweren
Exporte. Steuern sind im allgemeinen recht niedrig, um die einfachen
Handwerker und Bauern, die an sich schon einen schweren Stand haben, nicht
noch mehr zu belasten. Über die Jahre entstand ein komplexes
Netz von Steuern und staatlichen Unterstützungen. Dieses System
wird sehr streng vom Gildenkonvent in Zusammenarbeit mit Baron Herian von
Carajon überwacht und kontrolliert. Ein Spezialfall bilden die
Minen, die einen speziellen Rat bilden. Diesem Rat sitzt Baron Herian
vor, d.h. er diktiert ihm seine Vorstellungen, und dieser muß in
sich einen Weg finden, die Bedingungen zu erfüllen. Diese Minen
sind staatliches Eigentum und bilden somit die Haupteinnahmequelle der
Baronie.
Die Bewohner Carajons
Die Menschen Carajons können grob in drei Gruppen eingeteilt werden:
Bauern, Städter und Bergbewohner. Die Bauern Carajons leben
oft in kleinen, befestigten Dörfern zusammen, die im Verhältnis
zu anderen Teilen Heligonias, über recht viel Ackerfläche verfügen.
Dies liegt darin begründet, daß der Boden recht karg ist und
um einigermaßen vom Ertrag leben zu können, viel Boden vonnöten
ist. Oftmals erhalten die Bauern Unterstützung von seiten des
Barons, der ihnen in schwachen Erntejahren finanziell hilft, was aber in
einer recht hohen Abhängigkeit resultiert. Viele Bauern sind
deshalb verschuldet. Diese Schulden werden aber nicht eingetrieben
sondern bleiben bestehen bis der Bauer sie freiwillig bezahlen kann.
Bis dahin bleibt eine enge Abhängigkeit bestehen. Da eine solche
Rückzahlung nur in den seltensten Fällen möglich ist, stehen
die meisten Bauern in einer Art Lehensverhältnis zur Regierung.
Im Unterschied gibt es in den Städten sehr viele freie Menschen.
Dort findet man Handwerker, Händler und Adlige. Hier leben sie
in einer ähnlich isolierten Umgebung, wie die Bauern in ihren Trutzdörfern.
Die Städte sind Zentren des Handels, des Handwerks und der Kunst.
Viele Reisende und Händler kommen hierher, da Carajon stark vom Import
abhängig ist.
Die Bergbewohner sind ein Volk, das sehr isoliert vom restlichen Carajon
lebt. Sie leben in einzelnen, einsam gelegenen Dörfern, die
oftmals stark befestigt sind. Die hier ansässige Bevölkerung
lebt vom Bergbau in den nahegelegenen Minen, wo Septhonit und Polydian
abgebaut wird. Weil diese Minerale äußerst wertvoll sind
und zudem lange im jeweiligen Dorf gelagert werden, sind die Siedlungen
schwer bewacht, sie verfügen oftmals über eigene Garnisonen,
und leben isoliert und mißtrauisch gegenüber Fremden.
Alles kann man kaufen und alles bezwingen. Hiermit läßt
sich die Lebensphilosophie der Carajoner recht gut zusammenfassen.
Zwar sind sie keine wirtschaftliche Macht, aber dennoch haben sie durch
den Septhonit- und Polydianabbau ein immenses Kapital angesammelt, mit
dem sich ihr Wahlspruch oft durchsetzen läßt. Ein Wahrzeichen
hierfür ist die Stadt Seranhest, die in lebensfeindlicher Umgebung
in Ausläufern des Schlangenkammes erbaut worden ist.
Wirtschaft
Haupteinnahmequelle Carajons sind die Mineralien Polydian und Septhonit,
die auch recht kunstvoll zu Schmuck verarbeitet werden. Carajon ist
berühmt für seine Steineschleifer und Glaskünstler, die
ihre Arbeiten auch über die Baronie hinaus verkaufen. Eine weitere
Verdienstquelle gerade des nördlichen Carajons ist die Steineiche
aus den Ausläufern des Parimawaldes. Sie wird im Norden von
Dörfern gerodet, die damit ihren Unterhalt bestreiten. Der oft
spärliche Ertrag wird in unregelmäßigen Abständen
von Händlern dort abtransportiert und nach Gwolona gebracht.
Von dort wird sie zu großen Teilen exportiert und im Häuserbau
verwendet.
Heerwesen
Das Rittertum, sowohl das ceridische, wie auch das ogedische, haben in
Carajon eine besondere Bedeutung erlangt. Die Prinzipien des carajonisch-ogedischen
Rittertums sind vor Generationen im Codex Carajonus festgehalten worden.
Erst vor 46 Jahren fügte Baron Jonathan von Carajon, Baron Herians
Vater, die des carajonisch-ceridischen Rittertums hinzu und förderte
auch in anderen Bereichen die ritterlichen Ideale. Seither floriert
der Stand des Ritters und prägt so auch das Heerwesen. Jedes
Banner wird von einem Ritter angeführt, der auch für die Ausbildung
verantwortlich ist. Zu diesem Zweck wurde in Gwolona die ritterliche
Academia eröffnet, die Lehrer entsendet, damit auch dem einfachen
Volk die ritterlichen Grundsätze nahegebracht werden können.
Bevorzugte Waffen der Carajoner Armee sind die traditionellen Waffen
Schwert, Lanze und Schild. Ballistae und andere Großwaffen
sind äußerst selten und umstritten. Die Verwendung von
Armbrüsten ist ebenfalls ungewöhnlich, da diese Waffe als unritterlich
gilt, verboten ist sie allerdings nicht. In Seranhest wird zur Zeit
an Waffen mit Klingen aus Polydian geforscht, die zwar sehr scharf und
hart aber noch zu spröde sind, als daß man sie effektiv im Kampf
verwenden könnte.
Religion
Carajon war bis vor zwei Generationen rein ogedisch, allerdings hat sich
dies mit Baron Jonathan geändert, der zum Ceridentum konvertierte
und dies somit auch an seinen Sohn Herian weitergab. Heute ist das
Verhältnis zwischen Ogeden- und Ceridentum etwa 1:1. Beide Religionen
werden nebeneinander toleriert, wohingegen massive Bekehrungsversuche verachtet
sind. Diese Behandlung orientiert sich am Verhalten des Königshauses,
das bekanntermaßen ebenfalls beides zuläßt. Baron
Herian achtet auf ein Gleichgewicht zwischen den Religionen, obwohl er
selbst Ceride ist. Er achtet darauf, daß beide Arten gepflegt
und geachtet werden. Ihr Verhältnis kann man stellvertretend
zum Beispiel am Codex Carajonus ablesen, der die Prinzipien sowohl des
ogedischen als auch des ceridischen Rittertums enthält. Auch
Seranhest ist hier wieder ein Spiegel Carajons, in dem fast gleichzeitig
die Kathedrale von Seranhest erbaut und der Vier-Götterhain geweiht
worden ist. Letzterer besteht eigentlich aus vier nahe angelegten
Hainen der vier Ogendengötter.
Feste und Gebräuche
Der Reigen der Feste wird in Carajon vom Neujahrsfest am 1. Tag des I.
Helios angeführt. An diesem Tag wird in Escandra der König
mit Polydian, Septhonit und Aurazith aufgewogen. Der Baron von Carajon
und die Baronin von Tlamana bezeugen hiermit ihre Loyalität zum Königshaus.
Im eigentlichen Sinne handelt es sich hierbei nicht um einen carajonischen
Feiertag, da die Festlichkeiten in Escandra stattfinden, aber auch in der
Baronie selbst wird an diesem Tag viel gefeiert und die, die es sich leisten
können, reisen selbst nach Escandra, um an den dortigen Hauptfestlichkeiten
teilzunehmen.
Ab dem 1. Tag des II. Helios findet in Gwolona zwei Wochen lang die
Warenmesse statt, an der unzählige Händler in die Stadt strömen,
um ihren Handel zu treiben und die Preise für das kommende Jahr auszuhandeln.
Der Baron legt an diesen Tagen auch eventuelle Einführungen und Änderungen
von Zöllen und Steuern dar. Umrahmt wird die Messe von Wettstreiten
und Festen, die die Bevölkerung von Gwolona ausrichtet.
Am 1. Tag bis zum 6. Tag des I. Saarka findet in Seranhest die Commotio
mineralus statt, an der die erschürften Polydian- und Septhonitvorräte
dorthin gebracht werden und ebenfalls Preise und Kurse ausgehandelt werden.
An diesen Tagen findet parallel ein Kunstmarkt statt, der die vielen Gardisten,
die man überall sieht, kaum verstecken kann.
Um dieselbe Zeit, manchmal etwas früher, manchmal etwas später,
je nach Wetterlage, werden die Minen im Schlangenkamm feierlich verschlossen,
damit sie über den Winter vor Räubern und Tieren sicher sind,
da sie in der kalten Jahreszeit wegen Stürmen und Eis nicht betrieben
werden können. Diese Schließung wird mit einem Fest vollbracht
und mit einem ogedischen Gottesdienst geehrt.
Um den 1. Tag des I. Poëna herum werden die Minen unter ähnlichen
Umständen wieder geöffnet, mit der Ausnahme, daß dieses
Fest fröhlicher und leichtmütiger ist, da man dem neuen Jahr
entgegenfiebert und um neues Glück bittet.
Am 12. Tag des II. Saarka findet in Seranhest der Tag des Mosaiks statt.
Seit der Erbauung wird an diesem Tag dem großen Mosaik aus Polydian
und Septhonit auf dem zentralen Platz jedes Jahr ein Teil hinzugefügt.
Besonders beteiligt sind hierbei die Steinkünstler und gerüchteweise
auch Magier, die die Magie der Steine betreiben. Was das Mosaik
einmal darstellen wird, ist im Moment wohl nur diesen Gruppen und dem Baron
selbst bekannt.
Einmal alle 4 Jahre findet Anfang Xurl eine Woche lang das Xurlturnier
statt, daß in Seranhest ausgetragen wird. Für die ausschließlich
adligen Teilnehmer winken nicht nur Ruhm und Ehre sondern auch wertvolle
Preise in ansehnlicher Höhe.
Der Eissturmkurierdienst
Vor Generationen wurde von dem damaligen Baron der Eissturmkurierdienst
eingeführt. Dieser besteht aus gut ausgebildeten Reitern, die
Botschaften der Adligen und wichtigen Händler in Windeseile von einem
Ort zum anderen tragen. Im Allgemeinen bleibt ihr Einsatzgebiet auf
Carajon beschränkt, kann sich aber in besonderen Fällen weiter
ausdehnen. Jeder Bote wird vor seinem Dienstantritt in der Verteidigung
ausgebildet, so daß er seine Ware heil am Zielort abliefern kann.
In den Rängen dieser Boten gibt es eine kleine Gruppe besonders gut
ausgebildeter Streiter, die ausschließlich dem Baron vorbehalten
sind. Es wird gemunkelt, daß diese auch zur indirekten Diplomatie
eingesetzt werden.
Architektur und Kunst in Carajon
Die carajonische Architektur und Kunst wird regiert von großen und
majestätischen Bauten, die außen wie innen reich verziert sind
und Carajon in seinem Reichtum und seiner Motivation widerspiegeln soll.
Besonders bezeichnend ist die Verwendung des Spitzbogens in Fenstern und
Türen, der hohe und fast fragile Öffnungen erzeugt, wohingegen
Türflügel selbst massiv und eisenbeschlagen sind. Ganz
im Gegensatz dazu stehen die Fenster, die aus vielfarbigem Glas gemacht
sind und Geschichten in mannigfaltiger Vielfalt erzählen.
Weiterhin sind gerade an öffentlichen und religiösen Gebäuden
oft Gargylen und steinerne Figuren zu sehen, die Feinde und böse Einflüsse
abwehren sollen. Sie symbolisieren das Überwinden und die Herrschaft
über die Hindernisse der Natur.
Tier- und Pflanzenwelt
Im Schlangenkamm lebt der carajonische Schneefalke. Er ist ein Verwandter
des gewöhnlichen heligonischen Falken, aber er ist von völlig
weißer Farbe. Die Sage erzählt, daß er ein Kundschafter
der feeischen Schneekönigin sein soll, dessen Aufgabe es ist, ihr
Eindringlinge in ihrem Reich zu melden.
Ebenfalls im Schlangenkamm ist der Berglöwe zu Hause. Von
den Bergbewohnern ist er äußerst gefürchtet und wird von
Mutigen oft erfolglos gejagt. Er ist einer der Gründe, warum die Bergdörfer
stark befestigt sind. In letzter Zeit sind aber nur noch wenige Exemplare
gesichtet worden, und diese auch nur in Gebieten tief im Gebirgsland.
Viele Sagen berichten außerdem von Schneefeen und Schneegnomen,
die das Volk der Schneekönigin sein sollen. Von den Schneegnomen
wird berichtet, daß sie Verirrten helfen und sie während Stürmen
in ihre Eishöhlen aufnehmen. Ansonsten scheinen die Schneefeen
aber nicht allzu menschenfreundlich zu sein.
Unbestätigt ist auch die Existenz eines kleinwüchsigen Bergvolkes,
die Gerüchten zufolge eigene Minen ausbeuten oder gar in ihnen leben
sollen. Vermutlich handelt es sich hierbei nur um Geschichten, die
ihr Vorbild in den Sagen um die Schneefeen haben.
Nach dem Berglöwen ist der sagenumwobene Minendrache und sein
Gezücht die von den Bergbewohnern meist gefürchtete Kreatur.
Er soll anscheinend tief im Kamm leben und sein Kinder auf Futtersuche
an die Oberfläche schicken. Nicht selten soll es geschehen,
daß diese Kreaturen dann auf Minen der Menschen treffen und Unglück
über das zugehörige Dorf bringen.
In den Steppen Carajons findet man kaum noch wilde Tiere, die nicht
geduldet würden. Viele sind geflüchtet, verjagt oder zu
Nutztieren abgerichtet worden. Eines von Letzteren ist das Apulach, daß
zur Fleischgewinnung, aber auch zu Transportzwecken gehalten wird.
In den Bergen ist die Flora erwartungsgemäß recht dünn,
dennoch gibt es aber einige Exemplare, die das harte Klima meistern können.
Eine davon ist die Schneelilie, die in den Monaten der Poëna hoch
im Gebirge durch den Schnee bricht. Ob dieser Lage ist sie nur schwer
zu sammeln, man sagt ihr aber allerlei Heilkräfte nach und munkelt
von sagenumwobenen Zauberkräften.
In den Minen der Berge sind oft mehr Pflanzen zu finden, als an der
Oberfläche selbst. Dies mag auf die windgeschützte Lage
zurückzuführen sein, wie sie den Mangel an Licht jedoch ausgleichen
ist unbekannt. Eine Pflanze, der dieser Lichtmangel nicht im geringsten
schadet ist der Phosphorstollenpilz. Er wächst in feuchten Höhlen
und sendet eine leichten gelblichen Schimmer aus, der die Stollen beleuchtet.
Die Minenarbeiter haben sich dies in Lampen und generell Beleuchtungen
zunutze gemacht.
Eine legendäre Pflanze, die wohl kaum jemand schon einmal zu Gesicht
bekommen hat, außer in Märchen, ist die Kristallrose, die in
Polydian- oder Septhonitminen, aber auch an steilen Bergen und Hängen
wachsen soll. Man vermutet, daß sie feeischer Natur ist und
somit über allerlei Kräfte verfügt.
Unter den Steppengewächsen ist die Steppenflechte besonders erwähnenswert.
Sie erstreckt sich oftmals über ein recht großes Gebiet.
Das größte bekannte Exemplar hatte die Größe einer
ganzen Ackerfläche. Die Steppenflechte bildet blumenartige Gewächse
aus, die die unterschiedlichsten Blüten tragen. Diese sollen
das Opfer, meist ein Tier, auf die Flechte locken, wo es dann von kleinen
Dornen vergiftet wird. Im folgenden über wächst die Flechte
das Opfer innerhalb weniger Tage und verdaut es sodann.
Weitere Besonderheiten
Zu den Besonderheiten in wohl ganz Heligonia gehört mit Sicherheit
die carajonische Eisspeise. In der Kälte des Schlangenkammes
hergestellt, wird es von Boten in Windeseile nach Seranhest und von dort
in kleinen Mengen weiter nach Gwolona gebracht. Wegen der ungemein
schlechten Haltbarkeit kommt man nur in diesen beiden Städten, sowie
deren Umgebung in den Genuß dieser Kostbarkeit. Die Hersteller
bewahren das Geheimnis der Herstellung der Speise mit ihren verschiedenen
Geschmacksrichtung mit äußerster Vorsicht.
Ebenfalls aus dem Schlangenkamm kommt die junge Erfindung des Eiskellers,
der unter gewöhnlichen Häusern erbaut, mittels großen Eisblöcken
aus dem Schlangenkamm so manche Ware frisch zuhalten vermag. Jedoch
sind die Kosten für einen solchen Keller recht hoch, weswegen man
kaum mit einer größeren Verbreitung rechnen darf.
Eine Besonderheit im mysteriösen Sinne ist die Niemandsschlucht
bei Seranhest. Inmitten der Ebene nordöstlich von Gwolona, erstreckt
sich wie ein Erdriß eine Schlucht von mehreren Meilen Ausdehnung.
Schon oft ist der Versuch unternommen worden, diese zu erforschen und zu
kartographieren, jedoch ist noch niemand von dort wieder zurückgekehrt.
Geschichten erzählen von einem Dorf, das dort unten liegen soll, nur
von Geistern bewohnt ist und von einem Geisterkönig regiert wird.
Viele vermuten in diesem den dunklen Gegenspieler der Feenkönigin,
andere glauben, daß sich dort unten ein Erddrache eingenistet hat
und nun dankbar alle mutigen Forscher verschlingt. Angeblich soll
die Spalte selbst das Werk eines solchen Untieres sein. |
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