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(Bild aus der Manessischen Liederhandschrift)



 
 

 

Die Rolle des Barden

"Barde willst Du also werden? Wisse aber, daß mehr dazu gehört als auf einer geschnitzten Flöte eine nette Melodie trällern zu können!"
- Gwythinn, der Barde -

Ein Barde ist Spielmann, Sänger, Erzähler und Dichter zugleich. Er versteht es, sowohl den hohen Adel als auch das gemeine Volk zu unterhalten und mit den entsprechenden Personen in der rechten Weise umzugehen. Manch Barde hat sich auf bestimmte Gebiete spezialisiert; so beispielsweise die Minnesänger, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, von Hof zu Hof zu ziehen, um den hohen Herrschaften Nachrichten aus aller Welt zu überbringen. Oder Schmähbarden, die mit Vorliebe Spott und Hohn über die singen, die Unrechtes tun - oder dumm genug waren, die Barden schlecht zu behandeln. 

Allen gemeinsam ist jedoch die Wanderlust - ein Barde, der seine Heimatstadt nicht verläßt, ist kein Barde. Da das Bardenvolk immer Neues zu berichten hat und auch sonst allerlei Kurzweiliges zu bieten hat, sind sie meist gerngesehene Gäste, sowohl in Gaststätten als auch auf Schlössern.
 
Ein alter Spruch aus dem Mittelalter besagt, daß ein Barde nicht nur neun Instrumente beherrschen musste, sondern auch Singen, Tanzen, Dichten, Jonglieren und Seiltanzen. Natürlich kann diese Anforderungen heute kaum mehr jemand erfüllen, aber sie lassen doch erkennen, daß Barde zu sein mehr bedeutet als hin und wieder ein Liedchen zu trällern. Im Liverollenspiel ist man dazu geneigt, jeden, der ein wenig singt, als Barden zu bezeichnen. Ein Charakter, der sich selbst als Barde betitelt, sollte jedoch etwas mehr bieten; den historischen Ansprüchen wird wohl kaum jemand gerecht, aber dennoch sollte der Spieler eines Bardencharakters versuchen, ein bißchen mehr als nur ein einfacher Sänger oder Spielmann zu sein.

In Heligonia kann man zwei Arten von Barden begegnen (neben denen aus fremden Ländern): 

Die Barden des Hochlandes sind sehr ihrem Land verbunden und unternehmen nach ihrer Lehrzeit nur noch selten ausgedehnte Reisen. Sie haben ihre Kunst meist von ihrem Vorgänger erlernt, und ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, die Geschichte und Tradition ihres Clans zu bewahren. Sie werden sorgfältig in den alten Formen, Texten und Melodien unterrichtet, kennen viele Sagen und Märchen, finden sich in verwickelten Stammbäumen zurecht und achten darauf, daß bei Hochzeiten und anderen Feiern alles nach den überlieferten Bräuchen geschieht. Verständlich, daß hier Neuerungen selten auf offene Ohren treffen... 

Dafür genießen hochländische Barden einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Jedenfalls in ihrer eigenen. Aufgrund ihres Wissens kennen sie fast immer einen Beispielfall aus der Vergangenheit und werden deshalb oft bei Streitigkeiten und Verhandlungen herangezogen. Da sie das Wissen eines Stammes oder Clans bewahren, gilt es als großes Verbrechen, einen Barden zu verletzen oder gar zu töten. Diese Tat kann kaum gesühnt werden und zieht fast immer die Verbannung aus der Heimat nach sich. 

Das wichtigste Instrument eines Hochlandbarden ist die Harfe. Mit ihr begleitet er Lieder, Erzählungen und Tanz, viele Geschichten ranken sich um diese Instrumente. Es soll Harfen geben, die auf ein geheimes Wort hin von selbst zu spielen beginnen... Die Barden erzählen auch von der Einteilung der Musik in drei Arten: Trauer, Freude und Tanz. Für jede gebraucht man andere Instrumente und andere Melodien, um die entsprechende Wirkung zu erzielen. Ihre Macht über das Empfinden der Menschen trägt deshalb viel zu Respekt und auch Furcht bei, die den Barden von der Bevölkerung entgegengebracht wird: So kann ein mächtiger Barde mit einem Vers das Ansehen einer Person vernichten oder auch einen durchaus wirksamen Fluch aussprechen. 

Die zweite Art von Barden findet man im Tiefland. Sie ziehen weit umher und erleben viele Abenteuer auf ihren Reisen. Jeder hört gerne ihre Geschichten von fernen Ländern, lauscht ihrer fremdartigen Musik und staunt über die neuesten Ereignisse. Sie sind immer auf der Suche nach neuen Liedern und Melodien und tauschen sich viel mit anderen Barden aus. Ihr bevorzugtes Instrument ist zunehmend die Laute, da sie sich leichter transportieren lässt und bei weitem nicht so empfindlich ist wie eine Harfe. Durch ihren unsteten Lebenswandel sind sie häufig knapp bei Kasse, was sich nicht unbedingt positiv auf ihr Ansehen ausgewirkt hat. So gern man ihre Unterhaltung genießt, so mißtrauisch beäugt man aber auch ihren Lebenswandel, und so mancher Barde mußte sich schnell aus dem Staub machen, weil er den Mund zu weit aufgerissen hatte. Wenn er sich aber zu benehmen weiß und es schafft, allen Ansprüchen seiner Zuhörer gerecht zu werden, so ist er überall gern gesehen und wird auch um Rat in verwickelten Angelegenheiten befragt, da er schon viel von der Welt gesehen hat. 

Ein Tieflandbarde wird mit seiner lockeren Art und den flapsigen Sprüchen im Hochland wahrscheinlich auf Befremden stoßen, wohingegen schon so mancher respektgewohnte Hochlandbarde "unten" sein blaues Wunder erlebt hat... 

Überall jedoch haben Barden das Recht, Darbietungen zum Besten zu geben, wann immer und wo auch immer sie wollen, und das gilt auch im umgekehrten Fall. Die reiche Erfahrung eines Barden lehrt ihn, wann er ein passendes Lied zum Besten gibt und wo er besser den Mund hält. Dieses Recht ist nicht einmal bei Hofe eingeschränkt. 
 
 

Worauf sich ein Barde gefaßt machen muß

"Barde nennst Du Dich nicht selbst. Barde wirst Du genannt, und wenn das passiert, kannst Du bei den Vieren stolz darauf sein!"

- Ansgar der Fröhliche zu seinem Lehrling -
 
 
 
Wer in Liverollenspielen als Barde auftritt, kann sich sicher sein, auf verschiedene barden-typische Situationen zu treffen. Um hier seiner Rolle gerecht zu werden, ist ein wenig Vorbereitung nötig. Es wäre schön, wenn sich ein Barde möglichst vielen der folgenden Aufforderungen stellen könnte.
Die häufigsten Situationen sind glücklicherweise die, auf die sich ein Spieler sehr allgemein vorbereiten kann. Sie sind unabhängig vom besuchten Con, und sie erfordern wenig Improvisation.

"Spiel' ein Lied für uns!"

Das ist wohl die Bitte, die ein Barde am häufigsten zu hören bekommt. Jedoch paßt nicht jedes Lied zu jeder Gelegenheit, daher ist ein gewisses Repertoire von Nöten. Die erste Frage sollte sein, welches Lied gerade zur Stimmung paßt. Wollen die Zuhörer etwas Nachdenkliches oder etwas Fröhliches? Soll es ein Vortrag zum Zuhören sein, oder wollen alle Besucher der Taverne mitgröhlen? Soll ein allgemein bekanntes oder ein neues Lied gewählt werden? Diese Fragen sollte sich der Barde stellen, bevor er den ersten Ton anstimmt. 

Meist genügt ein Blick in die Runde: Wenn die Stimmung ausgelassen ist, wird eine lange, tragische Ballade wohl fehl am Platz sein, ebenso sind manche Lieder nur mit einem gewissen Alkoholgehalt in der Luft wirklich witzig. Wenn die Zuhörer das Interesse verlieren, zu reden beginnen oder gar den Raum verlassen, hat man offenbar das falsche Lied gewählt. Das lehrt aber die Erfahrung. 

Für den Auftritt macht es sich besonders gut, wenn man die entsprechenden Lieder auswendig kennt; wer um ein Lied gebeten wird, aber erst umständlich nach dem Text suchen oder gar ablehnen muss, weil er keine Noten dabei hat, wird schwerlich große Erfolge feiern. Das Zücken des eigenen Liederbuches wird jedoch gerne verziehen, allerdings sollte es sich dabei nicht um einen dicken Leitz-Ordner mit Kopien in Folien handeln...ein wenig Kreativität ist schon gefragt.
 

"Erzähle uns eine Geschichte!"

Hier gelten ähnliche Kriterien wie für den Liedvortrag. Bei Geschichten und Gedichten sollte besonders bedacht werden, wie lange der Vortrag dauern wird - und ob das Publikum gewillt ist, so lange zuzuhören. Seine Aufmerksamkeit erhält man sich am Besten, in dem man die Geschichte mit Begeisterung und auch ein wenig Theater vorträgt.
 

"Spielt zum Tanz auf!"

Dies ist eine eher seltene Situation, aber dennoch gehört sie zum Handwerk des Barden. Tanzmusik läßt sich am Besten mit mehreren Leuten spielen, aber ein guter Barde kann auch allein mit Flöte und Fußschellen einiges ausrichten. Typischerweise übernimmt einer die Rolle des Tanzmeisters. Dessen Aufgabe ist es, die Tänze zunächst zu erklären und dann zu leiten. Er muß auf die Tanzenden achten, im Zweifelsfall helfend mit Kommandos eingreifen; ebenso ist es seine Aufgabe, den Musikern das gewünschte Tempo mitzuteilen. Für die Auswahl der Tänze gilt dasselbe wie bei den Liedern: Sind schnelle oder langsame gefragt? Ist Adel anwesend, der sich durch wildes Gehüpfe brüskiert fühlen könnte? Lässt die Gewandung der Tanzenden schnelle Bewegungen zu? Außerdem gilt: Je später der Abend, desto einfacher die Figuren. Kaum jemand ist um Mitternacht noch gewillt, sich endlose Kombinationen von Schrittfolgen zu merken....
 

"Unterhaltet uns mit etwas Kurzweil!"

Diese Aufforderung ist für den hochländischen Barden sicher sehr ungewohnt - der Tiefland-Barde wird sie jedoch sicher gehört haben. Gaukelei, Jonglage, Feuerspucken, Feuerschlucken, Zaubertricks - all dies gehört in diesen Bereich. Der eigenen Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, Hauptsache, das Publikum amüsiert sich.

Einige Fragen an den Barden sind landes- bzw. situationsspezifisch. Bevor ein Barde eine Gegend bereist, erkundigt er sich zunächst über die dortigen Sitten und Gebräuche. 
 
 
Ebenso sollte der Spieler eines Barden sich über das bereiste Land informieren und sich Informationen über die neuesten Ereignisse besorgen.

"Was gibt es Neues?"

Barden waren die Nachrichtenträger des Mittelalters. Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld über wichtige Neuigkeiten zu informieren. 
 
 
Gegebenenfalls sollte der Spieler  bei der Spielleitung um Neuigkeiten und Gerüchte bitten, die sein Charakter während seiner Anreise erfahren hat.

"Was wißt ihr hierüber?"

Ein Barde sollte über die örtlichen Gepflogenheiten und Bräuche informiert sein. Auch sollte er eine grobe Ahnung von der örtlichen Geographie haben.
 

"Ich bezahle euch für ein Lied über..." / "Schreibt ein Gedicht über..."

Die "Königsdisziplin" des Bardentums ist die Improvisation. Diese Fragen hört ein Barde zwar relativ selten - auszuschließen ist es jedoch nicht. Bei Erfolg bilden solche Ereignisse aber die unvergeßlichen Augenblicke, die das Bardentum so interessant machen.
 
Kreativität funktioniert nicht auf Kommando - das sollte auch dem Auftraggeber klar sein. 


Die meisten akzeptieren daher auch eine "Lieferung" nach Ende des Cons - wenn man Zeit und Ruhe zum Schreiben hat. Mitunter soll das Werk aber noch während des Cons vorgetragen werden - dann rauchen die Köpfe, und die Feder qualmt!

Für das zu schreibende Werk gelten dieselben Kriterien wie für den Liedvortrag. Wichtig für den Inhalt ist natürlich jede Information, die der Barde von seinem Auftraggeber bekommen kann. 

So bestellte eine adelige Dame bei einem Barden ein Spottlied über einen Verehrer, der etwas zu unvorsichtig mit einem Liebestrank gewesen war. Das veröffentlichte Lied veranlasste den betroffenen Grafen dazu, sich für einige Zeit von der politischen Bühne zurückzuziehen. 

Ein Barde, der es gewagt hatte, vor einem Fürsten Mißstände anzuprangern, wurde von diesem gefangengesetzt. Mehrere Barden verfassten darauf spontan Schmählieder über den Herrscher, die sich so rasch verbreiteten, daß ihr Kollege schnellstens wieder auf freien Fuß kam.
 

"Beminnt diese Dame / diesen Herrn für mich"

Dies dürfte in erster Linie männliche Barden betreffen und ist - zum Glück! - sehr selten. Der Dame sollte klar gemacht werden, daß der Barde lediglich das Sprachrohr ist; ob der eigentliche Liebhaber genannt werden soll, ist jedoch vorher abzusprechen - nicht immer ist dies gewünscht!
 
 

Das Auftreten des Barden

"Den Bauern mißfällt zuviel Prunk am Gewand,
Der Adel jedoch legt viel Wert auf den Tant.
In hinterster Reihe du sicher nichts siehst,
An vorderster Front du dein Leben verlierst!"
- Bardensprichwort -
Bestimmte Verhaltensweisen, aber auch einige Erscheinungsmerkmale sollten allen Barden zu eigen sein. Barden heben sich vom gemeinen Reisenden äußerlich ab. Selten ist ihr Auftreten verwahrlost. Bei Auftritten bei Hofe ist eine angemessene Kleidung Pflicht. Entsprechend muß es auch um das Benehmen und die Etikette bestellt sein. Ein Barde fällt nicht unangenehm auf, er ist immer darauf bedacht, höflich, aufmerksam und einfühlsam aufzutreten. 

Egal wo sich ein Barde aufhält - meist ist er in der Nähe irgendwelcher Aktionen, selten jedoch in der ersten Reihe. Schließlich ist er stets auf der Suche nach Neuigkeiten oder Geschichten, die sich für ein neues Lied eignen. 

Eine alte Geschichte aus dem Hochland erzählt von einem Clanführer, der von seinem Barden verlangte, neben ihm in den Kampf zu reiten. Dieser sprach darauf: "Wenn ich aber neben Euch sterbe, wer soll dann über Euren Sieg berichten?" Die darin liegende Wahrheit zeigt deutlich die Einstellung eines Barden zu Krieg und Kampf... er ist sich des Wertes seiner zehn Finger durchaus bewußt.
 
 

Ausbildung


"Ein Barde, der meint, ausgelernt zu haben, ist meist bald kein Barde mehr"
 

Wie bereits erwähnt, benötigt ein Barde vielerlei Talente. Daher sollten sich Barden-Lehrlinge (oder Bardlinge, wie sie auch häufig genannt werden) früh einen Lehrmeister suchen, mit dem sie durch die Lande ziehen und dessen Handwerk erlernen könne. 

Wenn ein Barde sich entschließt, einen Bardling auszubilden, so wählt er normalerweise einen Lehrling. Diesem bringt er zunächst das Schreiben, Lesen und vor allem die Notenschrift bei. Nebenbei lernt der Bardling unterwegs Geschichten, Sitten und Gebräuche der Landstriche, die sie bereisen, kennen. Bei Auftritten seines Lehrmeisters hört er viele von dessen Geschichten, und beim Lernen von Lesen und Schreiben kann sich er gleichzeitig in der Gedichtkunst bilden. Außerdem wird dem Bardling der Umgang mit den ersten Instrumenten gezeigt. Beherrscht er das Spiel auf einem Instrument schon recht gut, so kann er die ersten Auftritte wagen. 

Erst wenn der Bardling seine Vorlieben für bestimmte Instrumente erkannt und seinen eigenen Stil gefunden hat, erlernt er die Begriffe der Bardenmagie. Ein Lehrling darf sich natürlich erst als Barde betiteln, wenn seine Ausbildung abgeschlossen ist. Das Ende der Lehre bestimmt der Lehrer des Bardlings. 

Zum Abschluß der Ausbildung erhält jeder Barde von seinem Lehrmeister ein Waronielsband. Dieses Armband wird in Anlehnung an die Legende um Waroniel, dem Schutzpatron der Barden, aus einer Harfen- oder Lautensaite geflochten. Es soll als Glücksbringer und Erinnerung an die Lehrzeit dienen, aber auch Warnung vor allzu leichtfertigem Umgang mit Bardenliedern sein, auf daß dem Barden ein Schicksal wie das von Waroniel erspart bleibt. Waroniels Geschichte ist im Abschnitt "Bardenlegenden in Heligonia" nachzulesen.
 
 

Bardenlieder

"Wie ein Bardenzauber funktioniert? Musik hat die wundervolle Gabe, Regungen bei den Zuhörern hervorzurufen. Spiele einen Ton auf Deiner Flöte und lausche an den Saiten einer Laute. Was hörst Du?"

"Sie klingen!"

"Genau so wirken die Zauber der Barden - Spiele eine Melodie, und sie wird in Deinen Zuhörern klingen."

- Cestric und sein Bardling Muhan -
 
 
Eine Vorbemerkung: Es sollte vermieden werden, während des Spiels von "Bardenmagie" oder "Zaubersprüchen" zu reden - immer getreu dem Motto, daß für den Großteil der Bevölkerung die Magie nur im Sinne von Aberglauben existiert. Lieder, die eine magische Wirkung hervorrufen, werden deswegen als Bardenlieder (unter Kollegen - und nur dort! - bestenfalls als Bardenzauber) bezeichnet.

 

Wirken von Bardenliedern

Angeborenes Talent, das intuitiv wirkt:

Die Magie der Barden ist von gänzlich anderer Art als die der Scholaren und Alchimisten. Die Gelehrten betrachten die Magie als eine Wissenschaft, die analysiert und erforscht wird. Bardenzauber sind von intuitiver Natur - sie entstehen quasi aus "dem Bauch heraus". Bardenmagie ist ebenso wie Musikalität ein angeborenes Talent, das bei verschiedenen Personen unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Durch Übung und Ausbildung kann das Talent gefördert und verfeinert werden. 

Viele Geschichten berichten davon, daß Fabelwesen sehr auf Musik reagieren. In den Legenden lieben Wassermänner und Nixen die Harfenmusik der Barden, Hirten locken mit ihren Flöten Waldgeister und Nymphen an, und Feen tanzen zur Musik von wandernden Spielleuten. Auch wenn einige der Geschichten nur Legenden sind: Wahrer Kern ist, daß die Bardenmagie die Wesen auf eine andere Art anspricht, was ihre Andersartigkeit gegenüber der Magie der Gelehrten ausmacht.
 

Wirken durch das Zusammenspiel von Magie und Melodie:

Ursprung der Bardenzauber ist die Kraft, mit der der Barde seine Lieder, Melodien oder Gedichte vorträgt. Allein durch deren Klang vermag er sein Publikum in Bann zu schlagen, es in fröhliche, nachdenkliche oder bedrückte Stimmung zu versetzen. Das allein unterscheidet einen Barden noch nicht von einem talentierten Spielmann oder Dichter. Im Laufe der Zeit lernen Barden jedoch, zusammen mit ihrer Ausdrucksgabe eine weitere Kraft in ihnen zu wecken und zusammen mit ihren Liedern zu benutzen. Das ist das, was allgemein als "Bardenlied" bezeichnet wird. Diese Kraft (von den Gelehrten wird sie als die Magie bezeichnet) kann aber nicht für sich alleine benutzt werden - sie ist an ein Lied, eine Melodie oder ein ausdrucksvolles Gedicht geknüpft. Erst durch den Vortrag wirkt die Magie.
 
 

Verwendung verschiedener Bardentalente:

Im folgenden wird zwar immer vom Bardenlied oder Zauberlied gesprochen, jedoch gibt es auch andere Möglichkeiten, mit denen Barden ihre Magie entfalten können. Eine genaure Beschreibung befindet sich im Abschnitt "Darstellung von Bardenliedern".
 

Bevorzugte Instrumente für bestimmte Effekte:

Magie und Melodie bilden eine Einheit - dazu gehört auch die Klangfarbe. Das gewählte Instrument muß zum Effekt passen. So ist wohl unmittelbar einsichtig, daß sich mit Dudelsäcken Kampfzauber, wohl nur schwer aber Schlaflieder wirken lassen. Hierfür ist eine ruhige Melodie, begleitet von Gitarre oder (noch besser) Harfenspiel deutlich besser geeignet. 

Durch die Lautstärke mancher Instrumente läßt sich auch die Reichweite des Zaubers vergrößern. Rhythmus wirkt immer aktivierend, je schneller und lauter, um so aggressiver. Wenn Rhythmus und Herzschlag übereinstimmen, erzielt man die höchste Wirkung. Generell sind Lautstärke und Geschwindigkeit ein gutes Indiz für den beabsichtigten Effekt. 

Ansonsten gilt: Was gefällt, funktioniert.
 
 

Verstärkung von Effekten:

Ein Barde kann die Intensität eines Zaubers innerhalb seiner Fähigkeiten variieren. Dies äußert sich meist durch eine Verlängerung des Bardenlieds und/oder kunstvolle, schwierige Verzierungen und Variationen (siehe auch "Darstellung von Bardenliedern"). Manche Lieder entfalten ihre Kraft aus der monotonen Wiederholung (Ruhe), andere aus den zahlreichen Variationen (Spannung, Freude).
 
 

Dämpfung, Ablehnen von Waffen und Rüstungen:

Mit in das Geflecht von Lied, Melodie und dem magischen Talent ist das verwoben, was die Gelehrten "Dämpfung" nennen: Die Unauffälligkeit gegenüber der Kraft, die von den Magistern "das Unsichtbare" genannt wird. Bardenmagie ist durch das intuitive Entstehen offenbar so geartet, daß hier keine bewußte Dämpfung erforderlich ist. Eng damit verbunden ist die Tradition, daß Barden das Tragen von Waffen und Rüstungen ablehnen. Die Gelehrten vermuten einen Zusammenhang zwischen Metall und dem Wirken der Magie; Barden hingegen fühlen sich beim Umgang mit Waffen oder dem Tragen von Rüstungen sehr unwohl, was starke Konzentration auf Lied und Effekt bedeutet. Hierdurch büßt die Wirkung aber viel von ihrer intuitiven Art ein, was den Barden ein schnelles Opfer für das Unsichtbare macht. Viele Geschichten über Barden, die dieses Gesetz mißachteten, warnen vor so einem Handeln.
 
 

Reichweite von Bardenliedern:

Die Reichweite entspricht der Tragweite des Schalls. Mit größerem Abstand nimmt die Wirkung mit der Lautstärke ab. Dazu kommt noch, daß die Wirkung sich besser zu entfalten scheint, wenn man den Vortragenden Barden bei seinem Tun zusehen kann.
 
 

Das Ammenmärchen vom Ohrenzuhalten:

Es ist ein weit verbreitetes Mißverständnis, daß man sich durch Zuhalten der Ohren vor einem Bardenzauber schützen kann. Dies hat mehrere Gründe: Die Musik und der Text sind nur Mittler der Magie; durch das Spiel und die Musik setzt der Barde die eigentliche Kraft der Magie, die in ihm ruht, frei - er "lockt" sie quasi aus sich heraus. Die Musik ist danach der Träger, der die Magie zum Ziel führt. Das Ziel muß die Musik daher nicht unbedingt hören können, es genügt, wenn der Schall das Ziel erreicht. 

Zum anderen ist es rein technisch nicht möglich, die Ohren vollständig zu verschließen. Und selbst ein Mensch, der sein Gehör vollständig verloren hat, kann noch immer die Musik wahrnehmen, da sie seinen ganzen Körper in Schwingung versetzt. Bei leisen Tönen ist das kaum spürbar, spätestens bei den Schlägen lauter Trommeln hat jeder diesen Effekt schon einmal wahrgenommen - er spürt die Paukenschläge in seinem Bauch. 

Letztendlich mag der Gedanke vollends absurd erscheinen, wenn man an das Wirken anderer Magier denkt: Wenn ein Magier die Formel für einen Bezauberungsspruch rezitiert, würde (zu Recht) niemand vermuten, daß er davon nicht betroffen wäre, wenn er sich die Ohren zuhält.
 
 

Verschiedene Arten von Zaubern und deren Schwierigkeit:

Aus den Geschichten über Barden, aber auch aus der Natur der Bardenmagie lassen sich verschiedene Gruppen von Effekten ableiten, die für Barden typisch sind. Nicht jeder Barde besitzt Bardenzauber aus all diesen Talenten - dies soll nur eine Aufstellung von Kategorien und deren Schwierigkeit sein. Mit zunehmender Schwierigkeit sind das:
 

  • Bezauberungs- und Beeinflussungszauber: Betören oder Schlaflied, Liebeszauber oder Zwingtanz - dies sind die wohl bekanntesten Effekte von Bardenmagie. Diese Effekte sind auch relativ einfach zu wirken.
  • Heilung: Häufig wird von Barden berichtet, daß ihre Magie heilende Kräfte hat. Insbesondere den Hochlandbarden wird diese Fähigkeit zugeschrieben. Barden können zwar professionellen Heilern nicht das Wasser reichen, aber (je nach Talent) leichte bis mittelschwere Verletzungen behandeln.
  • Schutz und leichte Antimagie: Sicher nur für fortgeschrittene und erfahrene Barden. Der Barde schafft hier durch seine Musik einen Wirkungskreis um sich herum mit bestimmten Eigenschaften oder Einflüssen. Ein Beispiel wäre ein Zauber, mit dem der Barde eine extrem positive, friedliche Stimmung um sich erschafft, so daß in unmittelbarer Nähe um ihn keine Angriffe möglich sind.
  • Bardenflüche
  • Beeinflussung der physikalischen Welt: Mit solchen, extrem schwer zu erzielenden Effekten kann der Barde Einfluß auf die unbelebte Welt nehmen; er kann sprichwörtlich "die Luft zum flimmern bringen" - und mehr. Die Ballade vom Feuersänger berichtet beispielsweise von einem Barden, der Feuer vom Himmel auf die Burg eines finsteren Fürsten fallen ließ. Das Erzeugen von Regen mittels Dudelsäcken oder extrem falschem Gesang ist jedoch eine unwahre Geschichte.

Bardenlieder mit mehreren Beteiligten

 

 

Verstärkung eines Bardenliedes mit mehreren Barden:

Um die Wirkung eines Zaubers zu verstärken, können sich mehrere Barden zusammentun. Ein harmonisches Zusammenspiel genügt hierbei. Schöner (und von der Wirkung her stärker) ist natürlich, wenn z.B. zu einem vorher einstimmigen Lied eine zweite, dazu passende Stimme gespielt wird.
 

Gegenseitiges Behindern:

Wenn mehrere Barden gleichzeitig zaubern und verschiedene Zauber wirken (oder einfach nur verschiedene Melodien benutzen), behindern sich diese nur in sofern, daß durch die Ablenkung die Gefahr eines Patzers (sprich: Verspielen) steigt. Wenn aber jeder sein Lied fehlerfrei beendet, beeinträchtigen sich die Wirkungen nicht.
 
 

Wie nehmen andere Orden Bardenmagie wahr:

Mit "Magie-erkennen"-Zaubern ist Bardenmagie genauso wie jede andere Stilrichtung der Magie erkennbar. Barden haben es da schwerer: Andere Bardenzauber können sie mit entsprechenden Bardenliedern "erfühlen", mit zunehmender Erfahrung können sie auch genauere Details über die Art der Wirkung erkennen; fremde Magie hingegen ist nur schwer greifbar.
 
 

Gemeinsames Zaubern von Barden und Nicht-Barden:

Schwierig, aber nicht unmöglich! Es sind hier zwei Fälle zu unterscheiden: Eine indirekte, gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Bearbeiten arcaner Strukturen. Eine indirekte Unterstützung ist fast immer möglich (z.B. der Barde erhöht mit einem Lied die Konzentrationsfähigkeit des Magiers). Wird gemeinsam ein Zauber gewoben, ist dies ungemein schwieriger: Barden können die Art und Wirkung ihrer Magie nur wenig beeinflussen, studierte Magier müssen sich also mehr auf den Barden einstellen. Je besser sich Barde und Magier kennen, desto besser funktioniert dies. Auch gibt es Magierichtungen, die der Bardenmagie näherkommen als andere, so dürfte die Zusammenarbeit mit einem Mentalis-Magier einfacher sein als mit einem Magister des Ordo Mechanicus.
 
 

Darstellung von Bardenlieder


Verschiedene Formen:

Bardenmagie kann durch verschiedene Fähigkeiten des Barden gewirkt werden. Die bekannteste Form ist das Lied - entweder a capella oder mit Begleitung (z.B. Gitarre). Ebenso kann eine Melodie, gespielt auf dem Instrument des Barden, für die Darstellung genutzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Darstellung nur mit dem Ausdruck der Stimme - in Form von Gedichten. Hier ist bei der Darstellung aber dringend darauf zu achten, daß solche Sprüche nicht mit Hexenflüchen o. ä. verwechselt werden. Entweder sollten sie rezitiert werden (ähnlich wie der aus der katholischen Messe bekannte "Sprechgesang") - oder aber mit so starkem Ausdruck vorgetragen werden, daß die Zuhörer eine Gänsehaut davon bekommen. Auch ein Theaterstück oder eine Oper können als Medium für einen Zauber dienen (quasi als "Ritualform").
 

Direktbefehl:

Wenn aus der Darbietung die Art des Zaubers nicht eindeutig hervorgeht, muß vor dem Lied ein Direktbefehl gerufen werden, um den Mitspielern klarzumachen, daß nun ein Zauber folgt und wie dessen Wirkung aussieht (siehe auch Publikation "Lex Arcana").
 

Wahl der Technik:

Siehe oben bei "Bevorzugte Instrumente für bestimmte Effekte" und "Verstärkung eines Bardenliedes mit mehreren Barden".
 

Variation und Improvisation:

Diese Mittel können genutzt werden, um eine Verstärkung eines Zaubers darzustellen. Eine besonders gelungene Improvisation kann die Wirkung enorm verstärken. Kunstvolles Spiel ist immerhin ein Gradmesser für die Meisterschaft eines Barden!
 

Patzer und Spielfehler:

Falsches Spiel führt zu einer Minderung des Effekts bzw. Abbruch/Patzer des Zaubers. Ein kleiner, gut überspielter Patzer dürfte keine allzu große Wirkung haben. Ein grober "Verhau" richtet da schon mehr aus. Wenn gar abgebrochen wird oder ein Texthänger passiert, dürfte dies das Scheitern des Zaubers sein. 

Wie auch bei der Darstellung anderer Magierichtungen sollte hier der Spieler des Bardencharakters ehrlich gegenüber sich selber sein und entsprechend rollenspielen.
 

Problem Ohrenzuhalten:

Wie oben bereits erwähnt, ist der Versuch, durch Ohrenzuhalten sich vor einem Bardenlied zu schützen, eigentlich vergebens. Dummerweise wissen das leider nicht alle Spieler... es bleibt lediglich, das Mißverständnis im Spiel zu kommunizieren (z.B. im Kurzbefehl zusätzlich "Ohren zuhalten zwecklos" anfügen). Unter Umständen kann man während des Lieds nochmals absetzen und auf den Umstand hinweisen. Ansonsten ist hier gutes Rollenspiel gefragt: Immerhin wehrt sich der Betroffene aktiv gegen den Zauber. 
 
 

Neue Bardenlieder

"Ein neues Bardenlied ist wie eine Schnitzerei: Man beginnt mit einem groben Klotz, von dem man alles wegschlägt, was nicht dazu gehört, um so eine filigrane Skulptur zu erhalten."
- Minas alyènn Àvanord, legendärer Elfenbarde -

Quelle neuer Lieder sind natürlich Berufskollegen, mit denen man sich austauscht. Natürlich ist ein Erfahrungsaustausch um so ergiebiger, je mehr Barden daran beteiligt sind. Dies ist mit ein Grund, weshalb Bardenwettstreite, wie sie dann und wann zur Kurzweil der edlen Herrschaften zu Hofe veranstaltet werden, so beliebt sind. Da die Barden in keiner Gilde und in keinem der Convent organisiert sind, ist der Erfahrungsaustausch die Hauptquelle für neue Zauber. Als Alternative bleibt nur, selbst kreativ zu sein und eigene Zauber zu entwickeln - oder man hofft darauf, in irgendeiner Bücherei über ein altes Liederbuch mit Bardenliedern zu stoßen.
 

Lieder lernen:

Es genügt nicht, ein Bardenlied von einem Kollegen einfach zu übernehmen - ein Lied muß zu einem Barden "passen". Ein Barde entdeckt ein Lied immer für sich. Eine Melodie spricht ihn im ersten Moment an, eine andere läßt ihn kalt. Gewissermaßen findet deshalb das Lied eher den Barden. Der Barde entdeckt seine Eigenheiten, verformt hier und stutzt da zurecht, er verziert, vertauscht bestimmte Worte und legt sein eigenes Gefühl hinein: Die Melodie wird damit zu "seinem" Lied. So wie sich Barden durch Stimmlage, Tonumfang, Vorlieben und Talenten für einzelne Instrumente unterscheiden, ist auch das eigene Bardenlied an diese Voraussetzungen zugeschnitten. Um ein übernommenes Bardenlied zur vollen Wirkung zu bringen, muß man es arrangieren, interpretieren und für sich selbst anpassen. Ein Vorgang, der mit Zeit und Mühe verbunden ist.
 

Neue Lieder erschaffen:

Um ein neues Zauberlied zu erschaffen, bedarf es einer neuen Melodie und eines neuen Textes, die vom Klang und der Harmonie her das aussagen, was der Zauber bewirken soll. Für den Spieler bedeutet das: Ein neues Zauberlied benötigt mindestens einen eigenen Text, eine selbstkomponierte Melodie oder sogar beides. Das ganze kann in sofern vereinfacht werden, indem man eine (deutliche) Variation einer bekannten Melodie erstellt. Das ganze sollte sich auf alle Fälle mittelalterlich (bzw. nach Frührenaissance oder zumindest fantasy-mäßig) anhören; bitte also keine Beatles-Songs! Auch bei "Uralt-Kamellen" ist Vorsicht geboten: Eine Melodie, die die Spatzen von den Dächern pfeifen, kann sehr schnell ein Eigenleben entwickeln und ihre ganz eigene Wirkung unter den Zuhörern lostreten.
 
 

Magische Instrumente


Viele Sagen und Märchen ranken sich um verzauberte Instrumente und deren Besitzer. So erzählt man sich zum Beispiel im Hochland, daß Xurl eine goldene Harfe besitzt, die auf ein Zauberwort hin von selbst zu spielen beginnt. Eines Tages hätten Kobolde die Harfe gestohlen und in ihre Höhle geschleppt. Da sie aber das Zauberwort nicht wußten, blieb sie stumm. Als Xurl die Höhle fand, sprach er das Zauberwort und die Harfe spielte ein Lied, bei dem alle Kobolde in tiefen Schlaf fielen. Dann rief er sein Instrument und es kam von selbst zu ihm zurück. 

Im Tiefland weiß man von einem Brudermord, der lange unentdeckt blieb. Eines Tages konnte der Bruder seine Tat nicht mehr ertragen und vertraute sein schreckliches Geheimnis einem Loch an, das er in die Erde gegraben hatte. Sogleich fühlte er sich leichter ums Herz. Im nächsten Frühjahr jedoch wuchs an der Stelle ein Büschel Schilfrohr. Ein Hirte kam vorbei und schnitt sich daraus eine Flöte. So oft er aber spielen wollte, die Flöte säuselte nur "Der Bruder war's! Der Bruder war's!" Alle Leute liefen deshalb zusammen, und so kam die Tat schließlich ans Licht.

Es heißt, daß Elfen, Feen und ähnliche Wesen aus der Anderswelt die Schöpfer solcher Instrumente wären, und einige Geschichten berichten tatsächlich davon, daß sie einen guten Barden für sein Spiel mit einem verzauberten Instrument belohnt hätten. Manche glauben aber auch, daß Instrumente, die schon viel erlebt haben, die sehr alt und durch die Hände vieler Barden gegangen sind, langsam eine besondere Macht in sich sammeln. Viele Barden bestätigen, daß es manchmal den Anschein hat, ihr Instrument sei ein lebendiges Wesen: Es hat gute und schlechte Tage, es kann unbeschreibliche Freude schenken, aber auch völlig den Dienst verweigern. So mancher Dudelsackspieler kennt den Brauch, das Rohrblatt mit einem kräftigen, aber schiefen Ton zu bestrafen, sobald es nachlässig in seinen Pflichten wird.

Es gibt Instrumente, deren Zauber beschränkt sich nur auf eine Wirkung, beispielsweise den Tanz, oder gar nur auf ein einziges Lied. Andere haben ein Eigenleben und dulden nur sehr widerstrebend, im Besitz eines Barden zu sein. Die dritte Art verzaubert im wahrsten Sinne durch einen besonderen Klang, außergewöhnliche Schönheit oder leichte Spielbarkeit. Dabei läßt sich schwer sagen, ob das Können des Barden den Zauber verstärkt oder umgekehrt.

Manche Instrumente sind nur für einen Besitzer geschaffen und kehren nach dessen Tod wieder dorthin zurück, woher sie kamen, andere werden immer wieder vom Meister auf den Schüler vererbt. 

Selten wird ein Barde laut davon tönen, daß er ein solch kostbares und seltenes Instrument besitzt - vielleicht weiß er es auch gar nicht? Eines haben sie aber alle gemeinsam: Diese magischen Geschöpfe wählen immer selbst, wem sie gehören wollen.
 
 

Bardenlegenden in Heligonia


In Heligonia existieren viele Geschichten und Legenden über verschiedene Barden. Der Urahn aller Barden ist jedoch Waroniel, den die Viere sogar am Himmel einen Platz für die Ewigkeit eingeräumt haben - im Sternbild Harfe blickt er Nacht für Nacht auf die Erdenscheibe. Er gilt als der Schutzpatron der Barden. Die bekannteste Geschichte über ihn ist jedoch die von seinem Ende.

Noch heute singen die Bardinnen und Barden Heligonias die Lieder, die einst Waroniel geschrieben und vorgetragen hat. Doch sind dies nicht die Lieder, die einfach nur zur Unterhaltung gespielt und gesungen werden, sondern es sind besondere Stücke. Solche, die die Menschen verzaubern. Sie machen dem Krieger Mut vor oder während der Schlacht, versetzen Menschen in wohltuenden Schlaf und lassen sogar das Herz von Tyrannen erweichen. 

Waroniel zog durch die Lande, um sich mit seiner Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er besuchte die verschiedenen Höfe, Burgen und Schlösser und erfreute die hohen Herrschaften mit Liedern, Gedichten und Neuigkeiten aus der Welt. Waroniel hatte dieses Leben aus freien Zügen gewählt - er hätte auch das Geschäft seiner Eltern übernehmen können; doch es zog ihn in die Ferne, hin zum Fremden und Abenteuerlichen. Während seiner Reisen baten ihn viele junge Leute, von ihm unterrichtet zu werden, und tatsächlich hatte er fast immer einen Schüler bei sich. So gingen die Jahre ins Land, und auch nachdem Waroniel gut sechzig Winter erlebt hatte, war seine Lust auf die Fremde ungetrübt. 

Sein letzter Schüler hatte den Namen Ilyan. Zusammen mit ihm besuchte er die Burg des Fürsten Gornoth, der weithin für seinen Jähzorn und seine Grimmigkeit bekannt war. Ilyan versuchte zunächst, seinen Lehrmeister von dem Besuch abzubringen, doch dieser winkte ab. "Laß uns doch versuchen, ob nicht ein wenig Musik das Herz des Herren Gornoth erweichen kann" sagte er zu seinem Lehrling, als die beiden ihre Instrumente für den bevorstehenden Auftritt stimmten. Ilyan war zwar noch immer nicht ganz überzeugt, doch er stimmte seinem Meister mit gespielter Fröhlichkeit zu. 

Gemeinsam betraten sie den Thronsaal. Ilyan hatte einige Flöten und Pfeifen dabei, Waroniel trug nur seine Harfe unter dem Arm. Sie spielten gemeinsam verschiedene fröhliche Tänze und gaben einige lustige Lieder zum Besten. Der Zauber der Musik breitete sich allmählich auf das gesamte Publikum aus, und sogar Fürst Gornoth lächelte ab und zu. Zum Schluß stimmten sie ein Duett an, das nur Waroniel auf seiner Harfe begleitete. Sie woben zusammen eine getragene, leicht melancholische Melodie, die allen Zuhörern zu Herzen ging. Das Lied neigte sich dem Ende zu, als plötzlich mit einem peitschenden Geräusch die Saite, die Waroniel gerade zupfen wollte, riß. 

Stille breitete sich aus. Der Bann war gebrochen, die Stimmung war dahin. 

"Hexer!" brüllte Gornoth plötzlich, der nicht glauben konnte, daß er rührselig und traurig geworden war. Er befahl seinen Wachen, die beiden Sänger zu ergreifen. "Holt den Scharfrichter! Tötet die Hexer!" Die beiden wurden in getrennte Zellen gesteckt. Angstvoll kauerte sich Ilyan in eine Ecke und erwartete sein Schicksal. Ilyan mußte schließlich doch eingeschlafen sein - denn als er die Augen aufschlug, drang Morgenlicht aus einem kleinen Loch in seine Zelle. Kurze Zeit später polterte es an der Tür. Eine Wache öffnete sie und reichte dem verwunderten Ilyan die Harfe seines Meisters. "Du kannst gehen", sagte die Wache zu ihm. Auf die verdutzte Frage Ilyans, was aus seinem Lehrer geworden sei, berichtete der Soldat: "Dein Meister hat bei unserem Herrn für Dich um Gnade gebeten, bevor er zum Schafott geführt wurde. Ich weiß nicht warum, doch der Fürst befahl, Dich heute früh auf freien Fuß zu setzten. Was mit Deinem Meister weiter geschah, ist sehr seltsam: Der Henker behauptet, Waroniel hätte eine Melodie gesummt, das unsagbar traurig klang, bevor er mit dem Schwert ausholte. Dann habe es einen grellen Lichtblitz gegeben, und als alle wieder sehen konnten, war Dein Meister verschwunden." 

Verwundert und tief traurig über die Vorkommnisse verließ Ilyan auf schnellstem Wege die Stadt. Die Harfe seines Meisters verkaufte er an einen anderen Musiker - zu viele Erinnerungen verbanden ihn mit dem Instrument. Die gerissene Saite jedoch nahm er ab und flocht sich daraus ein Band, das er sich um sein Handgelenk schnürte. Er blieb noch einige Zeit in dem Landstrich, um den Leuten mit Liedern von den Vorkommnissen auf der Burg zu berichten. Dann zog er wie sein Meister weiter durch die Lande. Nach etwa einem halben Jahr erreichte ihn die Neuigkeit, daß das erzürnte Volk Gornoths Burg gestürmt und den Tyrannen gelyncht hatte. 

Etwa zu dieser Zeit entdeckten die Gelehrten zwei neue Sterne am Himmel, die zusammen mit bereits bekannten Gestirnen das Sternbild der Harfe formen. Noch heute wird den Bardlingen die Legende von Waroniel und Ilyan erzählt; und in Erinnerung an ihren Schutzpatron erhalten alle Bardlinge zum Abschluß ihrer Lehre ein Armband, das aus einer Saite geflochten ist. Dieses Waronielband soll sie beschützen und leiten, aber auch daran erinnern, was passieren kann, wenn das Geflecht eines Bardenlieds abrupt zerreißt.
 
 

Beispiele einiger Bardenlieder

Der Zwingtanz ist ein Beispiel für eine Bardenmelodie, also einen Bardenzauber ohne Text. Vorzugsweise wird er auf einer Flöte gespielt. Der Zauber verstärkt die schwungvolle Melodie, so daß jeder, der sie hört, unwillkürlich zu tanzen beginnt.
Dies ist eine recht wirksame Methode, sich vor kampfeswütigem Gesindel zu schützen, da die Tanzenden sicher nicht mehr in der Lage sind, einen kraftvoll geführten Schwerthieb auszuführen, geschweige denn mit einem Bogen vernünftig zu zielen. 

Der Zauber wirkt so lange, wie der Barde spielt. Ein möglicher Kurzbefehl wäre also: "Zwingtanz: Jeder tanzt, daß die Fetzen fliegen!".

Das Heligonische Schlaflied - eines der wohl typischsten Bardenlieder - sei als zweites Beispiel genannt. Die gewünschten Zuhörer werden schnell müde und fallen in einen natürlichen, aber tiefen Schlaf. Er ist so tief, daß sogar Leute, die im Stehen einschlafen, nicht davon aufwachen, wenn sie zu Boden sinken. 

Der Tag, der sich gen' Ende neigt,

Verschwindet in der Nacht.
Und Nebel auf den Feldern zeigt
Die Zeit von Saarkas Macht.
So schlafe sorgenfrei und tief,
Laß all dein Tagwerk ruh'n.
Die Arbeit, die heut' nach dir rief
Kannst morgen Du noch tun.

Das folgende Gedicht kann als Betören-Bardenlied eingesetzt werden - und dem Betroffenen gehörig den Kopf verdrehen!

Oh du mein Herzensfreud, bist schön wie ein Edelstein

Wie Lichterspiel der Regenbogen
Gischtgekräusel auf den Wogen
Ich wünsch Du wärest mein
Oh du mein Lilienkelch, strahlst wie der Sonnenschein
Bist zart wie eine Rosenblüte
Reich beschenkt mit edler Güte
Ich wünsch, du wärest mein
Oh du mein Himmelsstern bist stark und schwach gemein
Bist lieblich wie der Rosenduft
So warm und weich wie Sommerluft
Ich weiß du bist nun mein
Ich weiß du bist nun mein

Beispiel-Charaktere

So unterschiedlich, wie die künstlerischen Talente der Menschen sind, so verschieden fallen auch die Werdegänge verschiedener Barden aus. Wenn man sie nach ihrer Lebensgeschichte fragt, wird man auch die verschiedensten Antworten bekommen - so auch bei den folgenden drei:

Eléa vom wandernden Volk

"Meine Lebensgeschichte? Pah, dafür reicht ein Abend nicht aus, um all die Geschichten zu erzählen
, die ich schon erlebt habe! Flöte spielen konnte ich, bevor ich laufen konnte - und laufen oder tanzen war für mich schon als Kind das gleiche. Und warum ich jonglieren und seillaufen kann, braucht man wohl nicht fragen: Nicht umsonst bin ich beim fahrenden Volk großgeworden. Von Stadt zu Stadt bin ich mit meinen Eltern und den anderen gezogen, auf den Marktplätzen haben wir triumphale Erfolge gefeiert. Als ich zwölf Lenze zählte, trafen wir in einer Stadt auf einen allein wandernden Spielmann. Der hörte mich neben der Arbeit singen - die Musik wollte schon immer aus mir heraus! Er sprach meine Eltern an, faselte irgend etwas von Talent... naja, er hat wohl Recht gehabt, immerhin komme ich ja gut über die Runden... als er ihnen erzählte, daß er Barde sei und bei Hof aufspielte, wurden meine Eltern hellhörig: Bei Hofe, das bedeutete viel Geld. Also gaben sie mich ihm mit, so daß er mich ausbilden konnte. Ich lernte viel bei ihm, wirklich viel! Man kann mit Musik ja soooo viel bewirken! Aber mein Schandmaul konnte er mir nicht abgewöhnen. Oh, das brachte uns mehr als ein Mal in Schwierigkeiten. Inzwischen reise ich meist alleine, manchmal ziehe ich aber auch mit meinen Leuten mit. Am liebsten spiele ich vor Leuten, die noch nicht den Boden unter den Füßen verloren haben. Doch die hohen Herren, die was-weiß-ich-wo abgehoben schweben, besuche ich ab und zu auch - schließlich gibt es dort gutes Geld, und ich liebe es, ihnen den Eulenspiegel vorzuhalten!"

 
 

Michael von Dewingen

"Ach, ein Versschmied bin ich, und doch bin ich Sklave meiner Schmiedekünste - denn genauso, wie auf eine Zeile der passende Reim folgen muß, bedingt ein Gedanke, eine Handlung von mir die nächste, ganz egal, ob sie mir gefällt oder nicht. Ihr glaubt vielleicht, es sei schön, von Adel zu sein? Das erste Glied der Kette, an der ich gefangen bin, wurde mit meiner Geburt geschmiedet, denn als drittes Kind einer Adelsfamilie hat man wahrlich wenig zu melden. Nichts zu sagen, keine große Bestimmung, aber dennoch gefangen im Kreis der adligen Bräuche, der Politik, der Intrige. In meiner freien Zeit widmete ich mich den Büchern und den Gedichten. Welch Kraft und Gewalt doch in wenigen gereimten Zeilen liegen kann! Sobald ein Barde auf unsere Burg kam, ließ ich alles stehen und liegen, um möglichst viel von der Welt zu erfahren. Meine Eltern hätten es gerne gesehen, wenn ich dem Kreis der Geweihten beigetreten wäre, doch dieses eine Mal konnte ich mich durchsetzen. So lernte ich von einem Barden, und ziehe nun selbst von Burg zu Burg. Auf der Straße, ja, da fühle ich mich manchmal richtig frei. Doch selbst jetzt noch bin ich Gefangener meines Namens, Sklave meiner Abstammung. Jeder Schritt in eine Burg beschwört Erwartungen und Erinnerungen in meinen Gastgebern. Und auch den Damen bin ich mitunter so nah und dennoch so fern - eine Frau ohne Stand würde Schande über meine Eltern bringen, doch eine Dame von Adel wird nur an eine gute Partie verheiratet; aber ich bin nur der dritte Sproß einer Familie. Oh, was habe ich für flammende Zeilen für sie geschrieben. Wenn ich sie vortrage, sehe ich, wie ich sie in ihrem Herzen berühre - ihnen so nah, und dennoch unerreichbar."

 

Celdrith McDorough, Harfner vom Clan der Burathy

"Was ist schon ein Menschenleben im Vergleich zur Zeitlosigkeit der Sagen und Legenden? In den wohl sechzig Lenzen, die ich nun zähle, bin ich das ganze Hochland auf- und abgereist - und dennoch, immer wieder erfahre ich Geschichten, die ich noch nicht kannte. Schon als Kind war ich wißbegierig, und wenn an den kalten Winterabenden der Harfner seine Geschichten erzählte, saß ich immer dabei. Ich verblüffte die Erwachsenen des Dorfes damit, daß ich jede der Legenden nacherzählen konnte, selbst wenn ich sie erst ein Mal gehört hatte. So waren auch meine Eltern hocherfreut, als ein Barde des Hochlands sie fragte, ob er mich unter seine Fittiche nehmen könnte. Ja... so war das, vor fünzig Jahren, und dennoch erinnere ich mich daran, als ob es gestern gewesen wäre. Auf unseren gemeinsamen Wanderungen erfuhr ich von vielen Geschichten, die nicht nur längst vergangene Helden rühmten, sondern auch von Streit und Zank berichteten. Sie erzählten den Zuhörern, was Recht war und was nicht. Außerdem zeigte mein Lehrer mir die heilende Wirkung verschiedener Kräuter und Beeren, die in unserem Land wachsen. Eine Zeit voller Wunder war das für mich; auf einer unserer ersten Wegstrecken wurden wir von Wegelagerern überfallen. Ich trug die verpackte Harfe meines Meisters. Er wies mich eilends an, ihm das Instrument zu reichen. Ich war davon mindestens ebenso überrascht wie die Strauchdiebe, doch als mein Meister die ersten Saiten zupfte, hatte ich das Gefühl, daß die Erde bebte. Er stimmte eine Melodie von großer Traurigkeit an, und zu meiner Verblüffung sah ich, daß die Bewegungen der Räuber immer langsamer wurden, bis sie schließlich bewußtlos zu Boden fielen. Da wußte ich, daß ich in meinem Leben nichts anderes machen wollte als diese Bardenkünste zu erlernen. Doch es würden noch weitere fünf Lenze vergehen, bevor ich die Harfe meines Meisters ein erstes Mal berühren durfte. Ja... so ist es gewesen. Das erste Lied, das ich auf der Harfe spielte, werde ich nie vergessen. Mein Meister meinte auch, daß diese erste Melodie der letzte Beweis dafür sei, ob er sich in meinen Talenten auch wirklich nicht getäuscht hätte. Aber dies ist eine andere Geschichte."

 

Texte von Stefan Schlott und Daniela Lochner 

Bilder von Susanne Schlott 

Gedicht „Oh Du mein Herzensfreud“ von Deborah Gläser