
![]() Das Ogedentum![]() Die Schöpfung![]() So berichten die Ogeden-Priester seit uralter Zeit über die Entstehung der Menschen.
Der Mensch und die GötterDie OgedengeweihtenBesondere Feierlichkeiten, wie zum Beispiel das Ritual zur Helios-Wende, müssen von Priesterinnen und Priestern aller vier Götter gemeinsam vollzogen werden. Schon lange vor der Besiedlung Heligonias durch die Menschen existierte der ogedische Glaube und man betete zu den vier Göttern seit ewigen Zeiten. Legenden berichten, daß es Helios selbst war, der den Menschen den Weg in das neue Land wies. Ihm zu Ehren nannte man das Land Heligonia. Im Laufe der Zeit drangen die Menschen immer tiefer in das Land vor und ihre Ratgeber und Heiler, die Ogedengeweihten, errichteten heilige Schreine an den Stellen, die ihnen von den Göttern eingegeben wurden. Jeder dieser Schreine wird von einem oder mehreren Geweihten betreut und gilt als Anlaufstelle für Hilfesuchende. Jedoch kann ein Ogedenpriester auch wirken, wenn er sein Leben mit der Wanderschaft verbringt und keinen Schrein zu betreuen hat. Wichtig ist nur, daß der Lebensunterhalt des Geweihten durch seine Arbeit gesichert ist, denn die ogedische Glaubensgemeinschaft besitzt keinen hierarchischen Aufbau, der für eine Bezahlung der Geweihten zuständig ist. Daraus ergibt sich ebenso, daß die Ogedengeweihten keine Steuereinnahmen haben und auch keine Steuern zu entrichten haben. Da die Geweihten durch eine der vier Gottheiten berufen werden, ist ihr Wirken und die Art ihrer Kräfte davon abhängig, welchem Gott sie zugetan sind. Die nachfolgende Gliederung enthält die wichtigsten Aufgaben der Ogedenpriester: Die Helios-GeweihtenDie Ausbildung zum Helios-GeweihtenDarstellung eines Helios-GeweihtenDie Poëna-GeweihtenDie Bena-Ehe: Die Partner leben nicht zusammen, sind sich jedoch in
Liebe verbunden und teilen das Lager mit-einander.
Frauen und Männer, die noch keine Nachkommen haben bitten um ihren
Beistand in einem gemeinsamen Gebet an die Göttin. Schwangere Frauen
lassen sich ihren Leib vom Poëna-Geweihten segnen. Einige der Geweihten
widmen sich neben ihren pflanzenkundigen und heilkundigen Studien auch
den musischen Künsten, um der Göttin zu gefallen.
Die Ausbildung zum Poëna-GeweihtenDarstellung der Poëna-GeweihtenDie Xurl-GeweihtenBei starken Regenfällen besänftigen die Geweihten Xurl und beten darum, er möge den Wassermassen Einhalt gebieten. In Trockenzeiten hingegen bitten sie den Gott um das lebensspendende Naß. Seit der Zeit von Leyra, der großen Weissagerin, sind die Xurl-Priester auch in der Orakelkunst bewandert. Das Xurl-Orakel wird an wenigen Seen, die in verborgenen Höhlen liegen, von vier Hochgeweihten in einem geheimnisvollen Ritual vollzogen. Die Ausbildung zum Xurl-GeweihtenDarstellung der Xurl-GeweihtenNatürlich unterscheiden sich die Anwendungsmethoden verschiedener Xurl-Geweihter, und so kann auch nach der Ausbildung noch Neues von Gleichgesinnten gelernt und mit diesen ausgetauscht werden. Die Saarka-GeweihtenDie Ausbildung zur Saarka-GeweihtenDarstellung einer Saarka-GeweihtenJüngste GeschichteDie Schutzpatronen HeligoniasRhyana, die Schutzpatronin der JagdRhyana lebte vor etwa 600 Jahren mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf in den dichten Wäldern der Baronie Tolens. Oft begleitete sie ihren Vater bei der Jagd, die die kleine Familie gut ernährte. Das Handwerk des Vaters bereitete ihr viel Freude, sie genoß die langen Ausflüge durch den Wald und zeigte bald selbst ein großes Geschick im Umgang mit Pfeil und Bogen. Da sie Mitleid mit den Geschöpfen des Waldes hatte, erlegte sie immer nur so viel Wild, wie sie zum Leben brauchte. Auch war ihr Schuß so präzise, daß kein Tier unnötig lange zu leiden hatte. Als Rhyana erwachsen geworden war und ihre Eltern zu alt waren, um auf die Jagd zu gehen, durchstreifte sie allein die Wälder. Da begab es sich, daß sie eines Tages ein seltsames Geräusch vernahm. Sie näherte sich vorsichtig den Lauten und fand ein Reh, das verletzt am Boden lag. Schon wollte sie ihren Bogen spannen und das Tier von seinem Leiden erlösen, als Rhyana entdeckte, was das Tier so zugerichtet hatte. Der rechte Vorderlauf des Rehs war von einem Fangeisen umschlossen. Sie benötigte ihre ganze Kraft, um die hinterlistige Falle vom Fuß des Rehs zu entfernen. Sie nahm das Tier auf und trug es nach Hause, wo sie das schwer verletzte Geschöpf verband und pflegte, bis es wieder laufen konnte. Doch als Rhyana das Reh wieder in die Freiheit wieder in die Freiheit entließ, befestigte sie ihm ein rotes Band um den Hals, damit sie es immer wiedererkennen konnte. Viele Jahre vergingen, Rhyana hatte einen Gefährten und Kinder, als sie wieder einmal zur Jagd aufbrach. Doch dieser Tag brachte ihr kein Jagdglück, und sie mußte tiefer als sonst in die Wälder vordringen. Als nun noch ein Sturmgewitter heranzog, irrte sie orientierungslos herum, bis sie Unterschlupf in einer Höhle fand. Nachdem sich der Sturm legte, wollte Rhyana den Heimweg antreten, konnte aber den Pfad nicht mehr finden. Da stand auf einmal das Reh mit dem roten Band vor ihr, begrüßte sie und wies ihr den Weg zurück. Im Dorf angekommen wurde sie überglücklich empfangen, da man sie bereits tot wähnte, und sie berichtete den Dorfbewohnern von ihrer Rettung. Lange nach dem Tod Rhyanas begab es sich immer wieder, daß Menschen, die sich in den dichten Wäldern von Tolens verliefen, von einem Reh mit einem roten Band zurück auf den richtigen Weg geführt wurden. Auch in anderen Gebieten Heligonias wurde sich diese Geschichte erzählt, und die weisen Ogeden-Priester kamen zu der Erkenntnis, daß Rhyana selbst dieses Reh ist. Um sie zu Ehren wurde der zweite Tag der Woche nach ihr benannt. Jeder Jäger entrichtet ein Gebet vor der Jagd an sie, und wenn man von einer "Rhyana gefälligen Jagd" spricht meint man, daß das Wild schnell, ohne hinterlistige Fallen und maßvoll erlegt wird. Magelona, die Schutzpatronin der Weinlese![]() Auf einer ihrer langen Wanderungen durch die Wiesen und Heidegebiete entdeckte sie eines Tages eine wilde Weinpflanze mit kleinen, reifen, wohlschmeckenden Trauben. Magelona grub diese aus und pflanzte sie in ihren Kräutergarten ein. Es dauerte weitere zwei Jahre, bis aus dem Pflänzlein eine kräftige Rebe geworden war. Geschickt gelang es der Ogeden-Priesterin durch Pflege, Schnitt und Düngung, daß die Weinrebe größere Früchte hervorbrachte und sich stetig vermehrte. Der gepreßte Saft aus den Trauben eignet sich hervorragend dazu, den Durst zu löschen, und getrocknet können die Früchte während der ganzen Saarka-Zeit aufbewahrt und gegessen werden. Als Magelona einst nach einer längeren Reise wieder heimkehrte, holte sie den Krug mit Traubensaft und trank. Doch der Geschmack des Getränkes hatte sich verändert und nach dem Genuß desselben verspürte sie ein wohliges und prickelndes Gefühl im Leibe. Nun freute sie sich und dankte ihrer Göttin, daß sie nun die wahre Heilkraft und das Geheimnis der Trauben erkannt hatte. Eilends verfeinerte sie das Rezept, und es fanden sich viele Bauern, die nach ihrer Anleitung Reben pflanzten und das Traubenblut, wie es inzwischen genannt wurde, herstellten. Bald waren die Menschen in der Region in ganz Heligonia für ihr göttergefälliges Getränk bekannt und der Verkauf bescherte Ruhm und Wohlstand. Später, als dieser Landstrich entlang des Jolborns zur Baronie wurde, nannte man die Baronie Rebenhain, zu Ehren jener Pflanze, die die Bevölkerung wohlhabend gemacht hat. Magelona wird in jedem Jahr am 15. Tage des 1. Xurl geehrt, wenn man die Traubenlese feiert, indem das ganze Volk Rebenhains singt, tanzt und reichlich Traubenblut trinkt. Redon, der Schutzpatron der SeefahrtEs begab sich vor langer Zeit, daß an der Küste des ehemaligen Herzogtums Valmera ein junges Mädchen namens Dellana lebte. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie mit der Fischerei. Als Dellana wieder einmal mit ihrem Boot auf die Jolsee hinaus fuhr, sang sie ein Lied. Dies hörte der Gott Xurl und war von dem Klang ihrer Stimme bezaubert. Er nahm Menschengestalt an und stieg zu ihr ins Boot. Xurl gestand Dellana seine Zuneigung, die von ihr erwidert wurde. Fort an trafen sie sich regelmäßig und schon bald trug Dellana ein Kind unter ihrem Herzen. Xurl war darüber sehr erfreut, als Dellana ihm einen Sohn gebar, den sie Redon nannten. Der Gott besuchte die beiden regelmäßig, und in den Jahren darauf unternahm er viele Ausflüge mit seinem Sohn auf das Meer hinaus. Xurl verlieh ihm die Gabe, sowohl an Land als auch unter Wasser leben zu können. Auf einer ihrer Reisen durch die Jolsee beobachteten die beiden, wie Fischer ihre Netze auswarfen und einen Schwarm Jolfische fingen. Diese Fischer jedoch fingen nicht nur die Fische, die sie benötigten, um sich und die ihren zu ernähren, sondern zogen wahllos alle Fische an Land und warfen die kleinen wieder tot ins Meer zurück. Diese Maßlosigkeit erzürnte Xurl und Redon, und sie bestraften die Fischer damit, daß ihnen fortan keine Fische mehr ins Netz gingen. Dies hätte für die Fischer der Hungertod bedeutet. So hatte Redon Mitleid und sprach mit ihnen. Sie baten um Verzeihung und versprachen, von nun an nie wieder unmäßig zu sein. Redon legte bei seinem Vater ein gutes Wort für die Fischer ein und er hob die Bestrafung auf. Seit dieser Zeit spricht jeder Fischer, bevor er sein Netz auswirft, ein Dankgebet zu Redon. Keiner weiß wirklich, was aus Redon geworden ist, aber es gab immer wieder Fischer, die behaupteten, ihn gesehen zu haben, wie er aus der Jolsee auftaucht, die Menschen beim Fischen beobachtet und wieder in den Fluten verschwindet. Einige Mythen berichten von Neckern und Nixen, die am Grunde des Meeres leben sollen und die Nachkommen von Redon sind. Xaroch, der Schutzpatron des Bergbaus![]() In der Zeit, als Heligonia nichts weiter war als ein Flickenteppich aus kleinen Ansiedlungen, brach ein furchtbares Unglück über die Menschen herein. Kaum waren die ersten Erzminen in den südlichen Ausläufern des Schlangenkamms entdeckt, schon machten sich die Menschen daran, diese auszubeuten. Manche fragten sich, wer denn wohl diese Schächte und Bingen angelegt hatte, die eigentlich zu klein für einen Menschen sind. Einige erzählten Geschichten vom kleinen Volk, das hier gelebt haben soll. Sie hätten die Minen gegraben und seien die Meister der Bau- und Schmiedekunst. Den ganzen Schlangenkamm entlang bis weit in den Norden sollen schmale Durchgänge und Höhlen bestehen, in denen sich die kleinen Menschen aufhalten. Ein Bergmann berichtete gar von einer unterirdischen Stadt, die er hinter einem verschütteten Stollen entdeckt haben soll. Diese Legenden und Geschichten von den Zwergen wurden gerne abends an den Feuern erzählt. Nun begab es sich, daß die Bergleute befanden, die Minen seien viel zu eng, um sich ordentlich darin bewegen zu können, und sie beschlossen, die Stollen zu erweitern. Auch wollten sie tiefer in die Berge eindringen, um den Ertrag zu steigern. In diesen Tagen wurden viele mächtige Bäume geschlagen, um die Stollen abzustützen. Das Hämmern und Klopfen in den Bingen klang noch weit über das Land der heutigen Grafschaft Darian. Aus den Gipfeln des Berges drang Rauch, ein Zeichen, daß die arbeitenden Menschen nicht beachten wollten und selbst den Worten eines Helios-Priesters, der ein nahes Unheil verkündete, schenkten sie kein Gehör. So kam es, daß eines Morgens die Bergleute in die Stollen gingen und ein dumpfes Grollen vernahmen. Die Luft schien sich nicht zu bewegen und Mensch und Tier fiel das Atmen schwer. Helios selbst zeigt sich nicht am Himmel, der in dicke graue Wolken gehüllt war. Ungeachtet er schlechten Vorzeichen gingen die Bergleute an ihr Tagwerk. Doch plötzlich tat sich ein Spalt in einer der Höhlen auf, und flüssiges Feuer trat heraus. Entsetzt und voller Panik versuchten die Arbeiter ins Freie zu gelangen, doch wohin sie auch flohen, überall schoß heißer Dampf und brennende Flüssigkeit aus den Gängen der Bingen. Viele der Frauen und Männer hatten schon ihr Leben gelassen und die wenigen Überlebenden glaubten bereits die Schwingen Gwons gehört zu haben. Plötzlich trat ihnen ein Mann, kaum größer als ein Kind, mit einem langen Bart und einer riesigen Spitzhacke in den Weg. Noch ehe die Menschen ihre Überraschung überwunden hatten, sprach der Zwerg: "Nicht genug, daß ihr unsere Minen in Besitz genommen habt und uns in unserer Welt stört und verdrängt, nein, ihr habt auch Poenas Leib geschändet und den Zorn Saarkas beschworen. Sie hat nun das flüssige Schmiedefeuer unseres Gottes Xetoch entfesselt, um euch zu strafen. Doch ich habe Mitleid mit euch. Ihr seid noch so unwissend in eurem Tun und es ist euch auch nur ein kurzes Leben vergönnt, also will ich euch helfen, dieses zu bewahren." Mit ein paar kräftigen Hieben schlug er seine Hacke in eine Wand und öffnete so einen Zugang zu einer Halle mit mächtigen Säulen. Er wies den Menschen den Weg, der sie ins Freie führen sollte. Dort verabschiedete er sich mit den Worten: "Mein Name ist Xaroch und ich gebe euch einen Rat mit auf euer weiteres Leben: Immer, wenn ihr das Zeichen unseres Gottes, ein mit einem Hammer gekreuzter Meißel an einer Wand in einer der Bingen entdeckt, dann fahrt nicht fort mit eurer Arbeit und schlagt keine weiteren Wunden in den Leib Poenas. Befolgt ihr dies, dann widerfährt euch kein Unheil dieser Art mehr." Ohne ein weiteres Wort verschwand er in der Mine. Doch seine Warnung blieb unvergessen, und immer, wenn das Zeichen des Gottes Xetoch zu sehen war, trieb kein Bergmann mehr seine Hacke auch nur einen Schlag weiter in den Stollen hinein. In Darian wird Xaroch noch heute gedankt und von den Bergleuten als Schutzpatron verehrt. Nach ihm wurde der höchste Berg im darianischen Teil des Schlangenkamms benannt. Von Zeit zu Zeit steigt eine dünne Rauchsäule vom Gipfel des Berges auf, für die Menschen ein Zeichen von Xaroch, die Arbeit im Berg ruhen zu lassen. Sanais, die Schutzpatronin der LiebendenEs begab sich einst in der schönen Stadt Betis, daß sich zwei junge Menschen, Andasina und Ragor, anläßlich eines großen Markttages, kennenlernten. Ragor war ein Tuchhändler aus Zysar und Andasina war die Tochter einer angesehenen und reichen Händlerfamilie aus Betis. Ragor bot seine Waren auf dem Marktplatz feil, als Andasina an seinem Stand stehenblieb, um seine Stoffe zu bewundern. Schon nach einem kurzen Gespräch wußten beide, daß sie sich liebten und sie verabredeten sich für den nächsten Tag und von da an sahen sie sich regelmäßig. Doch eine der Dienerinnen Andasinas berichtete dies den Eltern, die darüber sehr erbost waren. Hatten sie doch schon seit längerer Zeit bessere Pläne für ihre Tochter gemacht. In Betis gab es mehrere reiche Händlersöhne, die an einer Heirat mit der schönen Andasina interessiert waren. Eine solche Verbindung wäre ein Machtzuwachs für beide Familie gewesen. Die Liebe zu dem einfachen Tuchhändler mußte daher unterbunden werden und es wurde Andasina verboten Ragor weiterhin zu treffen. Die Schergen ihres Vaters schleppten ihn aus der Stadt und bestachen den Kapitän eines Schiffes, daß dieser den Unglücklichen weit weg bringen soll. Andasina erzählten sie, daß ihr Geliebter eine größere Summe Dukaten erhalten habe, mit denen er sich dann davongemacht hätte. Doch sie konnte nicht glauben, daß Ragor sie so schmählich im Stich gelassen hatte und schlich sich eines nachts davon, um ihn zu suchen. Zwei Jahre irrte sich durchs Land und fragte alle Menschen, die sie traf, ob sie Ragor gesehen hätten. Doch niemand konnte ihr eine Auskunft über ihn geben. Völlig verarmt und einsam kam sie schließlich in Wulfenstein, der Hauptstadt der Baronie Welzen an. Um nicht zu verhungern, klopfte sie an die Tür der Xurl-Geweihten und Baderin Sanais und bat diese am eine Stellung als Gehilfin. Sanais hatte Mitleid mit der jungen Frau und willigte ein. Andasina hatte Freude an ihrer Arbeit und man war mit ihr zufrieden. Einmal beobachtete sie, wie Sanais Verbindung mit ihrem Gott aufnahm, um eine Weissagung zu erhalten. Andasina erzählte der Xurl-Geweihten ihre Geschichte und fragte sie, ob sie ihr den Aufenthaltsort ihres Geliebten sagen könnte. Sanais befragte Xurl nach dem Verleib von Ragor und er gab ihr eine Vision. Am Himmel befinden sich vier Sterne, die verbunden einen Ring ergeben. Diesem Sternbild solle Andasina folgen, dann würde sie zu Ragor geführt. Und so geschah es auch. Die Liebenden fanden sich in Jewel wieder. Wie auch Andasina hatte Ragor nach ihr gesucht. Später kehrten sie noch einmal gemeinsam nach Wulfenstein zurück, um Sanais zu danken. Dort erfuhren sie die vollständige Vision, die sie von Xurl erhalten hatte. Nach ihrem Tode wird die Seele Sanais in das Sternbild als fünfter Stern mit aufgenommen und soll heller strahlen, als die anderen vier Sterne, um auch anderen Liebenden den Weg zu weisen. Sanais zu Ehren wird seither der Brauch gepflegt, daß das Paar, das eine Ehe eingehen möchte sich gegenseitig am Ende der Zeremonie einen Ring an den Finger steckt. Gorogal, der Schutzpatron der GerechtigkeitDie Geschichten über den berühmten Helios-Hochgeweihten Gorogal sind so vielfältig, daß sie an dieser Stelle nicht alle erwähnt werden können. Zwar ist sein Leben und Wirken in zahlreichen Schriften beschrieben, doch blieb es allen Menschen ein Mysterium, warum er von den Göttern auserwählt war. Ungefähr im Jahre 480 v.A.III machte er sich nach einer Zwiesprache mit Helios auf, um den König zu finden, der das heligonische Reich einigen sollte. Nach jahrelanger Suche erschien Gorogal im Jahre 470 v.A.III mit einem jungen Mann vor einer Versammlung der heligonischen Adligen. "Dieser Mann," so sprach er, "ist von Helios auserwählt und wird unser erster König von Heligonia sein. Corenus soll sein Name sein, und er wird den Bewohnern Heligonias ein guter Herrscher werden." Doch die Adligen zweifelten an seinen Worten und wollten sich nicht von einem, der keiner von ihnen war, regieren lassen. Viele von ihnen wollten selbst die Königskrone tragen. Der damalige Herzog von Ostarien, Rolo, nannte Gorogal einen Lügner und forderte ihn auf, seine Behauptung zu beweisen. Der Hochgeweihte erhob seine Hände gen Himmel und flehte Helios um ein Zeichen an. Plötzlich schob sich ein Schatten über die Helios-Scheibe, und obwohl es um die Mittagszeit war, verdunkelte sich der Himmel, und kein Helios-Strahl drang mehr zu Poenas Leib herab. Dieses ergreifende Schauspiel überzeugte die Adligen, und sogar Herzog Rolo von Ostarien kniete vor Corenus nieder. In diesem Moment verschwand der Schatten vor der Helios-Scheibe, und Helios sandte seine Strahlen wieder herab. Die Krönung von König Corenus I fand im Jahre 469 v.A.III statt. In den darauffolgenden Jahren stand ihm Gorogal als Ratgeber und Freund treu zur Seite. Es wird vermutet, daß er der Urheber der Helios-Briefe war. Zu seinen Lebzeiten bildete er noch viele Frauen und Männer zu Helios-Geweihten aus und verfaßte Schriften über die Gerechtigkeit, auf deren Gültigkeit sich noch heute Helios-Geweihte berufen. Waroniel, der Schutzpatron der Bardinnen und BardenNoch heute singen die Bardinnen und Barden Heligonias die Lieder, die einst Waroniel geschrieben und vorgetragen hat. Doch sind dies nicht die Lieder, die einfach nur zur Unterhaltung gespielt und gesungen werden, sondern es sind besondere Stücke. Solche, die die Menschen verzaubern. Sie machen dem Krieger Mut vor oder während der Schlacht, versetzen Menschen in wohltuenden Schlaf und lassen sogar das Herz von Tyrannen erweichen. Wann genau Waroniel gelebt hat, läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Auch der Wahrheitsgehalt der zahlreichen Legenden über ihn ist nicht mehr nachprüfbar. Tatsache ist jedoch, daß viele alte Burgen im Königreich Wandmalereien oder Gemälde besitzen, die den Barden mit seiner Harfe zeigen. Denn Waroniel zog als Nachrichtenüberbringer und Botschafter von einem Hof zum anderen, um die Damen und Herren mit Neuigkeiten zu versorgen. Eines seiner bekanntesten Stücke ist das "Drachenlied". Der Inhalt sei hier zusammengefaßt wiedergegeben: Waroniel befand sich auf einer Reise in den tiefen Norden, Richtung Nuremburg. Obwohl die Tage des Xurl noch nicht zu Ende waren, fiel in den Drachenzinnen schon Schnee. Dieser Umstand zwang Waroniel dazu umzukehren und in Vjoshaven die Monde der Poëna abzuwarten. Die Einwohner waren natürlich erfreut über den überraschenden Besuch und die Aussicht einen unterhaltsamen Saarka zu verbringen. Doch hatten die Vjoshavener bald mehr Unterhaltung, als ihnen lieb war, denn ein Drache suchte die Stadt heim und raubte Vieh. Tapfere Frauen und Männer schlossen sich zusammen, um das geflügelte Ungeheuer zu bekämpfen. Doch wann immer der Drache auftauchte, um seinen Hunger zu stillen, erstarrten sie vor Angst und waren unfähig auch nur einen Speer nach ihm zu werfen. Also ersuchten die Bewohner Waroniel um Rat und Hilfe. Dieser begab sich mit seiner Harfe auf den Turm der Stadt und erwartete dort den Drachen. Als das Ungetüm am Horizont auftauchte, stimmte Waroniel ein Lied auf seiner Harfe an und begann zu singen. Neugierig ließ der Drache sich auf dem Turm nieder und lauschte den Klängen der Musik. Doch die Macht des Barden ward so mächtig, daß der Drache bald nicht mehr in der Lage war sich zu bewegen und langsam erstarrte er zu Stein. Der Jubel und die Erleichterung in der Bevölkerung war groß. Noch heute sitzt der steinerne Drachen auf dem Turm von Vjoshaven und die Bewohner beginnen jeden 1. Tag des 1. Saarka mit einem Fest zu Ehren Waroniels, der einst ihre Stadt von diesem Übel befreit hat. Nun sei noch vom sowohl traurigen, als auch geheimnisvollen Ende Waroniels berichtet: Waroniel zog durch die Lande, um sich mit seiner Musik seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er besuchte die verschiedenen Höfe, Burgen und Schlösser und erfreute die hohen Herrschaften mit Liedern, Gedichten und Neuigkeiten aus der Welt. Waroniel hatte dieses Leben aus freien Zügen gewählt - er hätte auch das Geschäft seiner Eltern übernehmen können; doch es zog ihn in die Ferne, hin zum Fremden und Abenteuerlichen. Während seiner Reisen baten ihn viele junge Leute, von ihm unterrichtet zu werden, und tatsächlich hatte er fast immer einen Schüler bei sich. So gingen die Jahre ins Land, und auch nachdem Waroniel gut sechzig Winter erlebt hatte, war seine Lust auf die Fremde ungetrübt. Sein letzter Schüler hatte den Namen Ilyan. Zusammen mit ihm besuchte er die Burg des Fürsten Gornoth, der weithin für seinen Jähzorn und seine Grimmigkeit bekannt war. Ilyan versuchte zunächst, seinen Lehrmeister von dem Besuch abzubringen, doch dieser winkte ab. »Laß uns doch versuchen, ob nicht ein wenig Musik das Herz des Herren Gornoth erweichen kann« sagte er zu seinem Lehrling, als die beiden ihre Instrumente für den bevorstehenden Auftritt stimmten. Ilyan war zwar noch immer nicht ganz überzeugt, doch er stimmte seinem Meister mit gespielter Fröhlichkeit zu. Gemeinsam betraten sie den Thronsaal. Ilyan hatte einige Flöten und Pfeifen dabei, Waroniel trug nur seine Harfe unter dem Arm. Sie spielten gemeinsam verschiedene fröhliche Tänze und gaben einige lustige Lieder zum Besten. Der Zauber der Musik breitete sich allmählich auf das gesamte Publikum aus, und sogar Fürst Gornoth lächelte ab und zu. Zum Schluß stimmten sie ein Duett an, das nur Waroniel auf seiner Harfe begleitete. Sie woben zusammen eine getragene, leicht melancholische Melodie, die allen Zuhörern zu Herzen ging. Das Lied neigte sich dem Ende zu, als plötzlich mit einem peitschenden Geräusch die Saite, die Waroniel gerade zupfen wollte, riß. Stille breitete sich aus. Der Bann war gebrochen. Die Stimmung war dahin. »Hexer!« brüllte Gornoth plötzlich, der nicht glauben konnte, daß er rührselig und traurig geworden war. Er befahl seinen Wachen, die beiden Sänger zu ergreifen. »Holt den Scharfrichter! Tötet die Hexer!« Die beiden wurden in getrennte Zellen gesteckt. Angstvoll kauerte sich Ilyan in eine Ecke und erwartete sein Schicksal. Ilyan mußte schließlich doch eingeschlafen sein - denn als er die Augen aufschlug, drang Morgenlicht aus einem kleinen Loch in seine Zelle. Kurze Zeit später polterte es an der Tür. Eine Wache öffnete sie und reichte dem verwunderten Ilyan die Harfe seines Meisters. »Du kannst gehen«, sagte die Wache zu ihm. Auf die verdutzte Frage Ilyans, was aus seinem Lehrer geworden sei, berichtete der Soldat: »Dein Meister hat bei unserem Herrn für Dich um Gnade gebeten, bevor er zum Schafott geführt wurde. Ich weiß nicht warum, doch der Fürst befahl, Dich heute früh auf freien Fuß zu setzten. Was mit Deinem Meister weiter geschah, ist sehr seltsam: Der Henker behauptet, Waroniel hätte eine Melodie gesummt, das unsagbar traurig klang, bevor er mit dem Schwert ausholte. Dann habe es einen grellen Lichtblitz gegeben, und als alle wieder sehen konnten, war Dein Meister verschwunden.« Verwundert und tief traurig über die Vorkommnisse verließ Ilyan auf schnellstem Wege die Stadt. Die Harfe seines Meisters verkaufte er an einen anderen Musiker - zu viele Erinnerungen verbanden ihn mit dem Instrument. Die gerissene Saite jedoch nahm er ab und flocht sich daraus ein Band, das er sich um sein Handgelenk schnürte. Er blieb noch einige Zeit in dem Landstrich, um den Leuten mit Liedern von den Vorkommnissen auf der Burg zu berichten. Dann zog er wie sein Meister weiter durch die Lande. Nach etwa einem halben Jahr erreichte ihn die Neuigkeit, daß das erzürnte Volk Gornoths Burg gestürmt und den Tyrannen gelyncht hatte. Etwa zu dieser Zeit entdeckten die Gelehrten zwei neue Sterne am Himmel, die zusammen mit bereits bekannten Gestirnen das Sternbild der Harfe formen. Noch heute wird den Bardlingen die Legende von Waroniel und Ilyan erzählt; und in Erinnerung an ihren Schutzpatron erhalten alle Bardlinge zum Abschluß ihrer Lehre ein Armband, das aus einer Saite geflochten ist. Dieses Waronielband soll sie beschützen und leiten, aber auch daran erinnern, was passieren kann, wenn das Geflecht eines Bardenlieds abrupt zerreißt. Lanera, die Schutzpatronin der Kriegerinnen und KriegerEinst begab es sich, daß Saarka ihre Unterwelt verließ,
um sich bei den Menschen umzusehen. Wie alle der vier Götter hat auch
sie Gefallen an den Geschöpfen dieser Weltenschale und sie zu besuchen
bereitet ihnen Freude und Abwechslung. Ihre Aufmerksamkeit gilt vor allem
den jungen Saarkani, die sie, falls diese sich als würdig erweisen,
zu Hochgeweihten beruft. So lernte sie Lanera kennen, die bereits die ersten
beiden Jahre ihrer Ausbildung zur Saarka-Geweihten hinter sich hatte. Doch
ihre Lehrmeisterin zeigte sich keineswegs zufrieden mit den Fortschritten,
die Lanera während ihrer Lehrjahre gemacht hatte. Lanera war es leid
Rezepte zu studieren und Kräuter zu sammeln. Sie hatte ein ungestümes
Temperament und wollte lieber auf ihrem Pferd reiten und sich im Schwertkampf
üben. Gerade dies erweckte das Wohlwollen der Göttin und so beschloß
sie Lanera selbst auszubilden und ihr die Künste und Regeln des Kampfes
beizubringen. Als sie kräftig und erfahren genug war, ließ Saarka
von dem Zwergengott Xetoch ein Schwert schmieden und überreichte es
Lanera mit der Aufgabe, daß sie von nun an ihr Leben im Kampf für
die Göttin auf der Erdenschale führen soll. Dies war zu einer
Zeit, als Heligonia noch nicht das friedliche Land war, das es heute ist.
Vom Norden des Landes her drangen immer wieder Schreckensnachrichten von
riesigen Monstern, die die neugegründeten Menschensiedlungen angriffen,
zerstörten und die Bewohner allesamt abschlachteten. Um diese zu bekämpfen
entsandte Saarka sie in den wilden Norden Heligonias. Auf ihrem Weg dorthin
versammelte sie noch viele Frauen und Männer um sich, die mit ihr
in die Schlacht zogen. Nördlich des Herzogtums Ostarien folgte Laena
der Spur des Grauens und stieß schließlich auf einen schrecklichen
Gegner. Sie standen einer wilden Horde humanoider Monster gegenüber,
die doppelt so groß wie Menschen waren. Sie trugen keine Kleider,
denn ihr Körper war dicht behaart. Beim Anblick in das grobe Gesicht
dieser Wesen stockte den Kämpfern der Atem, den zwei riesige Reißzähne
ragten aus ihren Mäulern. Wovon sich die Bestien ernähren, war
nicht schwer zu erraten, denn als Schmuck trugen sie menschliche Schädel
und Gebeine. Laena erflehte den Schutz und den Segen ihrer Göttin
und führte ihre Kämpfer in die Schlacht. Viele ihrer tapferen
Anhängerinnen und Anhänger mußten ihr Leben lassen und
wurden von den Monstern grausam erschlagen. Doch die Ausdauer und Geschicklichkeit
ließ die Menschen nach vielen Stunden erbitterten Kampfes siegen.
Nur wenige der Bestien gelang es zu entkommen und es folgte auch weiterhin
kein Überfall mehr auf eine Siedlung. Laena selbst wurde schwer verletzt
nach Escandra gebracht. Eine Keule hatte ihr linkes Bein zertrümmert.
Verzweifelt fragte Laena die Göttin, wie sie ihr weiterhin dienen
könnte, wenn sie als Krüppel umhergehen müßte. Saarka
schickte sie in die Baronie Anthan und zeigte ihr einen Fels, auf der Laena
mit ihren verbliebenen Getreuen eine Burg mit Namen Mahanel bauen soll.
Hier gründete Laena eine Krieger-Akademie für Frauen, die ihr
Leben der Göttin und dem Kampf gewidmet haben. Ein Wandteppich im
Empfangssaal erzählt noch heute von der blutigen Schlacht gegen die
grausamen Ungeheuer. Fremde jedoch haben selten die Gelegenheit diese Burg
zu betreten. Die Saarka-Geweihten führen dort ein abgeschiedenes Dasein
und so ist wenig über das Leben in Mahanel bekannt. Nur wenn der König
die Kriegerinnen für eine wichtige Schlacht anfordert, verlassen die
Saarka-Kriegerinnen ihre Burg. So ereignete es sich, daß viele Jahre
nach Laenas Tod die Herzogtümer Ostarien und Ligonii Krieg hatte.
Der Sieg war Ostarien bereits sicher, als ein Banner Saarka-Kriegerinnen
das Schlachtfeld stürmte. Viele Augenzeugen berichteten, daß
es Laena selbst war, die auf einem schwarzen Roß ihre Streiterinnen
anführte und durch ihre geschickte Schwertführung die Ostarier
zurückdrängen konnte. Doch nach der Schlacht konnte keiner Laena
finden, weder unter den Lebenden, noch unter den Toten. Da wußten
die Menschen, daß sie von Saarka geschickt wurde, um einen göttergefälligen
Ausgang des Krieges herbeizuführen. In der darauffolgenden Zeit entstanden
noch viele Geschichten, wie Laena eine Schlacht entschieden haben soll.
Jeder gläubige Ogede erbittet den Schutz Laenas, bevor er in einen
Krieg zieht und hofft, sie möge ihm siegreich zur Seite stehn.
Der ogedische Totenkult![]()
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