
Montag, 24. September 2001 Südwest
Presse Albbote
Georgenhof / 120 ¸¸Heligonia-Rollenspieler'' versetzen sich
drei Tage lang ins Mitttelalter
Ganz tief in eine vergangene Welt eintauchen
Drei Tage im Mittelalter leben, mit anderen Kleidern, anderen Gesetzen
und anderen Alltagsbedingungen. Für die 120 Heligonia-Rollenspieler
ist das kein Problem, sie bauten sich am Wochenende ihr eigenes Fantasiereich
auf dem Georgenhof auf.
Pfronstetten· Der Georgenhof zwischen Aichstetten und Hayingen
bot für die Inszenierung einen optimalen Schauplatz. Ein Fremder,
der in dieses Schauspiel geriet, fühlte sich um Jahrhunderte zurückversetzt.
¸¸Heligonia'' ist eine Rollenspielgruppe in Süddeutschland,
die sich sechs- bis siebenmal im Jahr an verschiedenen Schauplätzen
trifft, um in eine andere Welt einzutauchen. Die Kerntruppe lernte sich
vor sechs Jahren auf einem Mittelaltermarkt in Niederstotzingen kennen,
vor drei Jahren waren die Spieler zum ersten Mal auf dem Georgenhof.
Über das Internet stoßen immer wieder neue Rollenspiel-Liebhaber
hinzu, so dass mit 120 Spielern eine Illusion jetzt fast schon Realität
wird. Bei dem interaktiven Theater erhält jeder eine Charakterrolle,
die er so gut wie möglich darstellen soll. Zuschauer gibt es nicht.
Studenten aus Reutlingen, Ulm, Tübingen, Freiburg bis hin nach
Köln und Frankfurt nähten sich mittelalterliche Kostüme
oder liehen sie sich von Theaterhäusern aus.
Das Rollenspiel ist wie ein Film aufgebaut, es gibt ein Drehbuch und
alles läuft auf ein Finale hinaus. Das Ende bleibt jedoch offen und
ergibt sich im Verlauf der insgesamt drei Tage. Der St. Georgenhof wurde
in ¸¸Gaerenhof'' umbenannt, ein kleines Dorf mit allerhand
seltsamen Gestalten.
Die verschiedenen Familien wollen keine Fremden im Dorf, doch eines
Tages stehen insgesamt 60 Zigeuner und Obdachlose vor den Türen der
Dorfbewohner. Sie betteln um Obdach und Brot, doch Betteln ist in ¸¸Gaerenhof''
strengstens verboten. So bleibt den Fremden nichts anderes übrig,
als ihre Dienste anzubieten und herauszufinden, was in dem kleinen Dorf
nicht mit rechten Dingen zugeht.
Das Stück wird rund um die Uhr gespielt, die Kostüme werden
nicht abgelegt, es wird sogar in einem mittelalterlichen Nachthemd geschlafen.
Die Akteure spielen so, als würden sie hier leben. Ines Hermann
aus Aalen hat dieses Wochenende auf dem Georgenhof organisiert und war
auch für die Logistik verantwortlich. ¸¸Es macht unheimlichen
Spaß, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Man entkommt dem
Alltag und kann verschiedene Situationen ausprobieren, vom Bettler bis
hin zum Fürst'', so Hermann. Dabei wird auf das kleinste Detail geachtet.
Im Vorfeld wurden die Rollen verteilt, so dass sich jeder optimal auf
seine Charaktere vorbereiten konnte. Auf Sprache und Ausdruck wird dabei
sehr großer Wert gelegt. Die Geschichten werden selbst geschrieben
und werden gespielt wie ein Fortsetzungsroman. Bei den nächsten Rollenspielen
geht es dort weiter, wo auf dem Georgenhof Schluss war.
Die Heligonia-Gruppe hat sich für das Mittelalter entschieden,
doch auch andere Zeitalter eignen sich gut für Rollenspiele. So zum
Beispiel Star-Wars oder auch Vampirrollenspiele. Für die Akteure ist
dies eine Art, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sich in eine andere
Welt zurückzuziehen.

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