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Mittwoch, 04. Juni 2002 Murgtal (S. 24)
Badische Neueste Nachrichten
Schöne, fiktive Welt: In Heligonia siegt letztlich immer das Gute
Studenten leben in Rollenspiel Sehnsüchte
und Phantasien aus / Geschichten angelehnt an J. R. Tolkiens "Herr der
Ringe"
Forbach-Raumünzach (gk). Ein malerisches Bild bot sich dem
Betrachter am Samstag beim Pfadfinderzentrum Raumünzach: Männer
und Frauen in farbenfrohen, weiten Gewändern lagern auf Decken und
Teppichen in Zelten und um Feuerstellen. Trommler und ein Flötenspieler,
Gastwirte, Gaukler, Gelehrte, Magier und andere Figuren ergeben ein romantisch,
verklärtes Bild eines mittelalterlichen Lagers.
Das Szenario gehörte zu einem Rollenspiel: Darin verwandelte sich
das Pfadfinderzentrum in Alhambra, eine orientalisch angehauchte mittelalterliche
Stadt in der Grafschaft Darian, diese wiederum gehört zu Heligonia.
Heligonia ist eine fiktive Welt, die vor sieben Jahren von Fantasy- und
Computerfans erfunden wurde. Als Vorbild diente J. R. Tolkiens Klassiker
"Herr der Ringe" mit seinem Entwurf von der Mittelerde. An der Geschichte
von Heligonia schreiben mehrere Autoren mit, es gibt ausführliche
Beschreibungen der Geographie des Landes, der Geschichte und der Staatsform.
Es existiert eine eigene Religion, Universitäten, ja sogar eine eigene
Zeitrechnung. Die Geschehnisse werden fortlaufend weitergeschrieben. Nachzulesen
ist dies alles auch im Internet (www.heligonia.de). Unter den Gründern
des Mittelalterrollenspiels sind übrigens auffallend viele Informatikstudenten,
die über Netzwerkspiele zu den Rollenspielen kamen.
Seit 1995 treffen sich die Heligonier, wie sie sich selbst nennen,
regelmäßig zu so genannten "Cons" (vom englischen Convention).
In diesen Rollenspielen stellen mitunter mehrere hundert Teilnehmer historische
Begebenheiten nach. Hierzu mieten die Heligonier schon einmal eine Kogge,
um auf der Ostsee Piratenschlachten auszufechten.
"Wir machen Liverollenspiele mit Mittelalterhintergrund", erläutert
Ines Hermann aus Aalen. Sie gehörte zu den Organisatoren der Veranstaltung:
In der Figur der Wirtin Pecunia tritt sie in der Mittelalterwelt auf und
kann gleichzeitig die organisatorischen Fäden in der Hand halten.
Die Mitspieler tauchen dagegen vollständig in die erfundene Welt ein,
passen sich mit Sprache und Verhalten an. Selbst moderne Ausrüstungsgegenstände
wie Schlafsäcke und Gaskocher sind verpönt, alles soll möglichst
authentisch sein.
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| ROLLENSPIEL MIT HISTORISCHEM HINTERGRUND: In die fiktive Welt von
Heligonia tauchten die 60 Mitwirkenden im Pfadfinderzentrum Raumünzach
ein. Seit 1995 treffen sich die "Heligonier" regelmäßig,
um in verschiedene Figuren und Zeitepochen zu schlüpfen. |
| Foto: Keller |
"Im Kino will man sich auch in die Figuren auf der Leinwand hineinversetzen",
beschreibt Ines Hermann die Faszination der Liverollenspiele. Diese Sehnsucht
setzen die Teilnehmer um. "Wir verwirklichen unsere Phantasien und schalten
ab." Die Realitätsflucht scheint noch weiter zu gehen, wenn man die
Plots ansieht, nach denen die Rollenspiele ablaufen. Hermann: "Das Gute
muss immer siegen."
Die Organisatoren schreiben für jedes dieser Treffen eine Art
Drehbuch. Die aktuelle Folge "Helikon 22" spielte gleich in drei Zeitepochen,
dabei ging es um eine phantastische Geschichte mit bösen Magiern,
geheimnisvollen Kristallen mit Zauberwirkung und anderen Verstrickungen.
Durch ein Zeittor im Keller des Pfadfinderzentrums "beamten" sie sich in
die verschiedenen Zeiten.
Die rund 60 Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz konnten vorab
per Mail ihre Vorstellungen äußern, was für einen Charakter
sie spielen wollen. Außer Lagerleben und Bankett zum heligonischen
Neujahrsfest am 1.Juni bildete ein Utzgan-Tunier den Höhepunkt der
Raumünzacher Tage.
Utzgan ist ein an Rugby erinnerndes Spiel, bei dem eine Lederscheibe
durch zwei menschliche Torpfosten befördert werden muss. Dabei bewiesen
sowohl Männer- als auch Frauenteams, dass sie bei aller romantischer
Verklärtheit auch handfest zulangen können.

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