Dienstag, 03. Juni 2002                   Der Murgtäler                      Badisches Tagblatt



Heligonier erleben in der "Forbacher Alhambra" eine mystische Reise in ihre mittelalterliche Fantasiewelt / Fiktives Rollenspiel hat schon 22 Kapitel

Von Mördern, Söldnern und magischen Kristallen


Forbach (kr) -  60 Heligonier trafen sich am vergangenen Donnerstag für vier Tage in Alhambra, einem Vorort der Hauptstadt Darbor, der Grafschaft Darian, um den 22. Helicon in Folge zu spielen. Sofort nach der Ankunft verließen die 60 Teilnehmer an dem Rollenspiel die reale Gegenwart und schlüpften in mittelalterliche Kleidung, gaben sich neue Namen und tauchten in ihre Fantasiewelt des orientalischen Mittelalters ein. Als Schauplatz für das Rollenspiel hatten sie das Pfadfinderheim in Raumünzach gewählt, dem sie den Namen Alhambra gaben.

Die Heligonier sind eine Gruppe von Menschen beiderlei Geschlechts zwischen 13 und 41 Jahren. Die Kerntruppe hat sich vor sieben Jahren zufällig zusammengefunden, um Rollenspiele aufzuführen. Seit dem ist die Gruppe ständig gewachsen. Sie spielen nur für sich und nicht vor Publikum. Hier, in Raumünzach, konnten aus Platzgründen nur 60 Personen dabei sein, sonst haben die Heligonier bei den Zusammenkünften, die fünf- bis sechsmal im Jahr stattfinden, bis zu 140 Teilnehmer, war von Ines Hermann zu erfahren, die zusammen mit ihrem Mann Marc die Treffen organisiert.
Die Teilnehmer am interaktiven Theater verwandeln sich vom Durchschnittsbürger der Gegenwart in eine Persönlichkeit ihrer Fantasie. Vor dem Treffen teilen sie den gewünschten Charakter, den sie spielen wollen, mit. Sie sind kein Verein, haben keine Statuten und keine Jahresbeiträge. Die meisten neuen Spieler werden von Bekannten mitgebracht. Die Kosten für jedes Treffen werden unter den Teilnehmern aufgeteilt. Konflikten mit der realen Welt gehen die Heligonier aus dem Weg, indem sie das Mittelalter nach ihrer Fantasie nachempfinden, ohne historisch Überliefertes zu übernehmen - ähnlich dem aktuellen Film "Herr der Ringe". "Mit unseren Rollenspielen fliehen wir mehrmals im Jahr für mindestens drei Tage vor dem Medienrummel der Gegenwart", erläutert Bellagonia, wie sich Ines Hermann während der vier Tage nennt. Die Heligonier haben eine eigene heligonische Zeitrechnung und einen eigenen Kalender, nach dem sie in Alhambra ihr Neujahrsfest feierten. In einer Art Drehbuch ist eine lose Rahmenhandlung, geschrieben von Lintus (alias Stefan Rampp), vorgegeben. Seit dem ersten Helicon wurde die Handlung in 22 Kapiteln bis heute fortgeschrieben.
 

Die Männer aus der Grafschaft Darian liefern sich ein so genanntes Utzganturnier.
Foto: Krech

Gelebt wird in einer Dorfgemeinschaft mit Bürgern, gräflichen Soldaten, Händlern, dem Bürgermeister Bashi, bösen Menschen und Rebellen. Viele Göste sind wegen des Neujahrsfestes und eines so genannten Utzganturniers nach Alhambra gereist. Das Dorfleben findet um und in Zelten statt, die im Inneren mit Requisiten ausgestattet sind, die eine magische Aura verbreiten.
Am ersten Tag wird die aktuelle Zeitung der Heligonier, der "Helios-Bote" von einem Kurier verkauft und das Blatt der Rebellen "Pergament" heimlich verteilt. Am Abend erscheint Hortensia vom heligonischen Geheimdienst und weist auf ein geplantes Experiment des Ordo Mechanicus hin, von dem sie aber noch nichts genaueres weiß. Später stellt sich heraus, dass es sich um eine Zeitreise handelt. Sie verteilt an die vom König abgesandten Spieler einen antimagischen Trank. Kristalle, deren Energie für eine Zeitreise in die Vergangenheit und wieder zurück benötigt wird, sind in Alhambra vesteckt und müssen gefunden werden. Am zweiten Tag beginnt die Zeitreise, an die sich der Dorfälteste Melwin nur bruchstückhaft erinnert. Durch einen Chronomatan, in Form eines Tores, begleitet von mystischer Musik, werden die Spieler in die Vergangenheit geschickt. Nach der en Rückkehr treffen sie auf das Alhambra vor 111 Jahren und auf eine ungewohnte Dorfgemeinschaft. Das Land heißt noch wie früher Valmera, es weht anstelle der heligonischen Flagge die valmerische und auch die Kleidung der Dorfbewohner hat sich geändert.
Melwin trifft sein jüngeres Ich, beide verwickeln sich in eine Streitgespräch: Sie wollen den Lauf der Geschichte verändern. Bis zum Samstagnachmittag wird nach den Erinnerungen von Melwin die Vergangenheit gespielt. Ein Mord kommt darin genauso vor wie ein Söldnerhaufen, mit dem um eine Namensliste gekämpft wird, in einer Höhle wird ein geplanter Mord verhindert und das "Unsichtbare" gespielt. Das Chronomatan wird nach der Rückreise der Spieler in die Gegenwart vom Unsichtbaren zerstört.
Jetzt beginnt das eigentliche Neujahrsfest der Heligonier mit Musik, Tanz, Spielen, Gaukelei und einem abendlichen Bankett. Dazwischen findet ein Utzganturnier mit vier Männer- und zwei Damenmannschaften statt. Utzgan ist ein Spiel, bei dem eine Lederscheibe über die gedachte Linie zwischen je zwei Utzfans gebracht werden muss. Ähnlich wie beim Rugby ist körperlicher Einsatz nicht nur gewünscht, sondern gefordert. Turniersieger wurden "Machmuts Meuchelmörder", die im Endspiel die "Wüstensturm Alhambra" besiegten. Wer mehr über die Heligonier erfahren möchte, kann sich im Internet unter www.heligonia.de informieren.