Von der denkwürdigen Visite des Hauses Drachenhain-Tlamana bei Hofe zu Ankur
In diesen bedeutsamen Tagen, da Kriegssorge und steter Wandel die Herzen der Menschen in Ostarien und anderswo in Beschlag nehmen, ward unsere Stadt ein Licht der Hoffnung und der höfischen Eintracht beschieden. Denn erstmals überhaupt reisten Seine Durchlaucht Fürst Leomar von Drachenhain und Ihre Hochgeboren Fürstgemahlin Baronin Leabell von Tlamana, gemeinsam mit ihren beiden wohlgerühmten und anmutigen Töchtern, Prinzessin Alessia Velana und Prinzessin Lenia Orwyn Sarava, zu einem ausgedehnten Staatsbesuch an den Hof zu Ankur, wo sie Seine Erlaucht Herzog Angilbert I. von Ostarien in hohen Ehren auf Schloss Flurensteig, empfing. Allein der Drachenhainer Thronfolger, Prinz Halmar Arwel, musste aufgrund seines Studiums des Rechts in Marola verweilen. Die gemeinsam angereiste drachenhainer Delegation wies klangvolle und politisch gewichtige Namen auf, was sich in den ausgezeichneten Namen von Titel- und Würdenträgern auf ostarischer Seite widerspiegelte und durch die Präsenz von Gesandtschaften der Neun Städte und der freien Stadt Ossiaris zusätzlich ergänzt wurde.
Hohe Politik hinter verschlossenen Türen des Spiegelsaals
Während Fürst, Herzog, sowie versammelter Beraterstab, in vertraulicher Runde und hinter verschlossener Türe Flurensteigs die drängenden Fragen rund um das gefallene Stueren erörterten, entfaltete sich im Herzen Ankurs ein lebendiges Schauspiel höfischer Anmut und wahrhaft edlen Geistes.
Kunst, Wohltat und die Tugenden hoher Geburt
Ihre Hochgeboren, Baronin Leabell und die beiden jungen Prinzessinnen, erwiesen sich als gelehrte, kunstsinnige und volkstümliche Gäste. Unter der profunden Führung von Ratsherrin Hilaria Breiteneck-Wabenbach durchschritten sie sowohl die edlen Hallen der herzoglichen Kronbibliothek und des Naturkundemuseums als auch die einfachen Gassen des Hafenviertels, wo die Prinzessinnen, zur Rührung der Umstehenden, Seite an Seite mit den Ordensschwestern der Kosminerinnen, warme Speisung und tröstende Worte reichten, während die Fürstgemahlin die großzügige Stiftung eines Versehrtenhauses initiierte. Allenthalben zeigte sich das tief verankerte Pflichtbewusstsein, als auch die reizende Unterschiedlichkeit der beiden Prinzessinnen: Prinzessin Alessia Velana, von stillem, klarem Wesen, stellte mit leuchtenden Augen Fragen zur Tier- und Pflanzenwelt, begeisterte sich für die Bibliotheks-Sammlung seltener Folianten und war als erste zugegen, als ein verwaistes Kind im Gedränge der Straße auf dem Steinpflaster zu Fall kam. Es heißt, sie habe dem kleinen, weinenden Mädchen aufgeholfen und ihm zum Troste das eigene seidene Haarband geschenkt – eine Geste, die manch gestandenem Ankurer das Wasser in die Augen steigen ließ. Prinzessin Lenia Orwyn Sarava, voller lebendigen Geistes, zog es indes zu den Bühnen der Stadt. Mehrere Vorstellungen in Theater und Oper, darunter „Die Glut von Gyldencron“ und „Nachtlied des Borharcônerhirten“, wurden durch ihre Anwesenheit bekränzt. Auch ließ sie sich, zur Freude der Ratherrin, ausführlich über Baukunst und Kathedralgestaltung unterweisen.
Tanztees, Morgenpromenaden und eine zarte Annäherung
Sooft es die Staatsgeschäfte erlaubten gesellte sich Fürst Leomar zu Fürstgemahlin und Töchter. Überraschend häufig, so vermerkten es Augenzeugen mit leicht erhobenem Brauenbogen, gesellte sich auch Herzog Angilbert zu dieser illustren Runde. Ob beim morgendlichen Spaziergang durch den Rosengarten des bezogenen schmucken Anwesens, nahe des Herzog-Raimund-Platzes, bei Tlamanette-Partien auf dem Südhang von Flurensteig, bei abendlichen geschlossenen Gesellschaften in den Salons der Altstadt oder bei gelehrten Vorträgen zu Politik und Wissenschaft, beispielsweise über stuerener Globulendynamiken. Stets zeichnete sich der ostarische Herzog als überaus aufmerksamer, charmant-galanter Gastgeber aus – mit einem besonderen Blick, so raunt man, für Prinzessin Alessia.
Krönung des Besuches: zarte Bande für die Zukunft?
Am siebten Tage nun, nach Politik, Disput, Besichtigung, Tanz, Zerstreuung und zugeneigter Begegnung, gaben Seine Durchlaucht Fürst Leomar von Drachenhain und Seine Erlaucht Herzog Angilbert von Ostarien in feierlicher Runde und unter dem Jubel des geladenen Hofes die offizielle Verlobung von Herzog Angilbert und Prinzessin Alessia Velana von Drachenhain-Tlamana bekannt. Ein Bündnis, wie es weit über höfische Romantik hinausreicht. Denn mit ihm – so urteilen gelehrte Stimmen – schließt sich ein symbolischer Kreis zwischen den beiden großen Nachbarn Drachenhain und Ostarien, der der Allianz im Stuerenkonflikt neues Vertrauen, dem Königreich Heligonia Segen und dem Volk einen Traum von Hoffnung und Einigkeit schenkt, zumal die Baronie Tlamana dies Dreieck vollends vergolden wird. Die heligonische Schreibstube gratuliert dem hohen Paar im Namen der heligonischen Leserschaft und allen freien Bürgern Heligonias. Mögen ihre Wege gesegnet und ihr Bund stark und von klarem Lichte des Einen durchdrungen sein.















