Räudiger Rüdiger

Standort unbekannt
Wirtsleut Räudiger Rüdiger
Quartier ja
-

Es gibt Geschichten über eine Taverne im Wald, von der nur wenige erfahren und die meisten behalten diese Geschichten nur kurze Zeit oder schleierhaft im Kopf – außer denen, die wirklich dort waren. Wer dort war und sich erinnert, behält aber immer ein wohlwollendes Gefühl im Kopf.

Aber wie findet man diese Taverne?

Es findet sie eigentlich nur jemand, der in Not ist. Jemand, der alleine ist und sich verirrt in der Natur, nicht mehr zurückfindet und schließlich aufgibt. Es finden sie Leute, die alles verloren haben, die keine Freude mehr verspüren, die von Eltern oder Gefährten verlassen wurden. Da siehst Du eine große Hütte, mit steinernem Fundament. An einem hängenden, hölzernen Schild neben der Tür steht in eingeritzter Schrift: „Räudiger Rüdiger“.

Du klopfst, die Tür geht auf, Du trittst ein. Plötzlich fühlst Du sich entspannt, fast ein wenig entrückt. An der Theke wartet jemand mit einem Lächeln auf Dich, stämmig, kräftig, freundlich – der räudige Rüdiger.

Er begrüßt Dich in einem fremdartigen Dialekt, der aus den Bergen zu stammen scheint und bittet Dich, Platz zu nehmen. Dann reicht er Dir ein seltsames Getränk in einem hölzernen Bierkrug. Es ist bräunlich und dickflüssig, aber keinesfalls eklig. Es hat eine ferne Note von Karamel, ist aber eindeutig etwas anderes. An einem warmen Tag kühlt und erfrischt es Dich, an einem kalten wärmt es Dich von innen heraus.

Rüdiger schaut Dich freundlich an, aber er stellt Dir keine Frage, richtet keine Auffoderung an Dich. Und irgendwann löst sich Deine Zunge und Du beginnst zu sprechen. Und Du erzählst, aus welcher Lage Du entkommen bist, was dich beschäftigt, was dich plagt. Was Du auch sagst, er wirkt verständnisvoll und interessiert. Und Du erzählst weiter, was Dir in den Sinn kommt,

Wenn Du fertig gesprochen hast, alles erzählt hast, was Du offenbar erzählen wolltest, fühlst Du Dich befreit und leicht.

Erst jetzt wirfst Du einen Blick in den Raum. Er ist aus dunklem braunen Holz gefertig, ebenso wie die Tische. Im Hintergrund knistert ein Feuer. In der Luft schweben kleine fliegende Lichter, verschiedenfarbig leuchtend, wie Glühwürmchen und doch auch nicht. An den Tischen sitzen Leute, die Karten spielen und in ihrer eigenen Welt sind, weder einladend noch unfreundlich. An manchen der Tische wird ganz viel geredet, an anderen gar nicht. Du weißt nicht, wie sie auf Ansprache reagieren würden und verzichtest erst einmal darauf. Jede Einzelheit hier wirkt verzaubert.

So kommt eigentlich jeder hier an. Und wie es sich entwickelt, hängt von jedem einzelnen ab.

Rüdiger behandelt von vorneweg alle gleich und stellt sich als fröhlicher, lustiger Geselle heraus. Er hat immer ein offenes Ohr und wenn man ihm eine Frage stellt, die einem wirklich wichtig ist, gibt Rüdiger immer einen weisen Rat. Er bietet aber keine Lösungen, man muss immer selbst etwas beitragen und tun.

Manche Leute bleiben nur kurz hier, Ihre Not reicht nicht tief. Manche Personen stehen sich eigentlich selbst im Weg und Rüdiger führt sie unmerklich in anderer Bahnen. Widerborstigkeit und Respektlosigkeit ihm gegenüber sind Rüdiger egal, Respektlosigkeit zu den anderen Gästen enttäuscht Rüdiger. Er gibt einem aber lange, sehr lange die Möglichkeit, mit sich zu kämpfen und ins Reine zu kommen. Rüdiger ist nicht nachtragend. Falls sich ein Kind in seine Taverne verirrt, kümmert er sich ganz besonders um es und ist sehr fürsorglich.

Es gibt jedoch Leute, die die Lust an ihrem bisherigen Leben nicht wiederfinden, die zu oft verlassen wurden, die alles verloren haben und keinen Weg mehr finden wollen oder können. Sie werden von Rüdiger aufgenommen, helfen ein bisschen in der Taverne, sitzen aber im Wesentlichen an den Tischen, spielen Karten, reden miteinander oder tun es nicht. Wer es sich im Inneren wünscht, vergisst auch allmählich, dass er nicht schon immer hier war.

Sobald es sich richtig anfühlt, die Taverne zu verlassen, führt Rüdiger seinen Gast vor die Tür und leuchtet mit der Laterne den richtigen Pfad, Dies gilt für alle, die glauben, ihren Weg gefunden zu haben und für alle, die es wenigstes versucht haben, deren innere Zwänge und Widersprüche ihnen aber noch im Weg stehen. Rüdiger hofft darauf, dass seine Ratschläge dennoch eine Hilfe und Leitung sein können. Wer es aber nie versucht hat, sich sich selbst zu stellen und nie geschafft hat, die anderen Gäste angemessen zu behandeln, wird ohne Laterne herausgeschickt und muss den Weg selbst finden.

Wer die Welt, die wir kennen, wieder erreicht, hat keine genaue Erinnerung mehr an die Taverne, sieht aber einzelne Szenen vor sich mit jedem Detail, wie von einem Blitz erhellt.

Aber nur Leute, die ihre Weg wirklich ändern wollen, erinnern sich im Moment, wenn sie sich hierzu entscheiden, plötzlich an Rüdigers Rat und verspüren die Ruhe und das Gefühl der Freiheit, die sie einst in der Taverne verspürten.

Wer Rüdiger am Ende nicht wirklich ernst genommen hat, dessen Erinnerung verblasst stärker und mancher erinnnert sich schließlich nicht einmal mehr an die Taverne, sondern glaubt, er hätte sich nie wirklich verirrt und einfach den rechten Weg nach Hause gefunden.Wer erstmal nicht den Willen hat, Rüdigers Rat zu folgen, dessen Erinnerung an ihn wird langsam nachlassen und erst wieder erscheinen, sobald man sich ändern will. Dann wird einem der damals gegebene Rat wieder in den Kopf gerufen und er leitet einen auf die richtige Spur, wenn der Wille da ist.

Niemand, der sich erinnert, tut dies mit Trauer und niemand behält Rüdiger als negative oder gar gruselige Gestalt im Kopf.

Wer aber vom Räudigen Rüdiger erzählt, liefert oft mehr Fragen als Antworten. Ist Rüdiger ein übernatürliches Geschöpf? Kommt er aus dem Feenreich? Woher der seltsame Name? Liegt seine Taverne in der Anderswelt oder an der Grenze? Hat er sich von Seinesgleichen gelöst, um seinen eigenen Weg zu gehen? Ist er ein reines Wesen? Ist er einfach nur da?

Die Geschichten stimmen darüber überein, dass es schwer ihn zu verärgern, oder gar zum Feind zu machen. aber wer es schafft, wird davon vermutlich nicht berichten können. Andererseits finden echte Bösewichte die Taverne vermutlich nicht. Den Weg aus der Natur dann allerdings auch nicht.

Es wird auch gesagt dass man die Taverne kein zweites Mal findet. Aber auch da ist niemand ganz sicher.



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