
Auf eine besonders verstörende Art verließ der mutmaßlich verstorbene Maler Albert Schürer sein Selbstportrait in der Magier Akademie zu Moosbach im Hinterland. Die Magister und Adepten versetzte dies Drama in angsterfüllte Erregung. Doch vorab: wer war dieser Maler?
Der Meistermaler Albert Schürer wurde im Jahr 891 nach Tulkas im Dracconianischen Herzogtum Nurian geboren. Über seine Jugend in Greyvenburg ist recht wenig bekannt. Doch vermutlich gehörten seine Eltern zur wohlhabenden Schicht, so dass sie sich die schulische Bildung von Albert leisten konnten.
Seine künstlerische Ausbildung erhielt er in der Heligonischen Lagunenstadt Betis bei Meister Leonardo Corvese. Doch diesen übertrumpfte er schnell in dessen Können. Insbesondere die Dramaturgie in der Bildsprache fesselt bis heuer den Betrachter.
Nach seinen Lehrjahren eröffnete Albert Schürer in Greyvenburg, der Hauptstadt des Herzogtum Nurians, eine eigene Kunstwerkstatt. Schon bald wollte jeder solvente Patrizier sich von ihm portraitieren lassen. Seine Ambitionen gingen weit über das Abliefern von Auftragsarbeit hinaus. Weiland wollte er Werke schaffen, mit denen er unsterblichen Ruhm erlagen konnte. Mit Fug und Recht gelang ihm dies mit seinen bekanntesten Bildern wie „50 Schattierungen von Weiß“ und „die weißen Grazien im Schnee“.
Böse Zungen sagen Schürer nach, er wäre ob dieses Erfolges so verblendet gewesen, dass ihn eine äußerst ungesunde Form des Ehrgeizes packte, die schon an Wahnsinn grenzte. Sein Arbeitseifer wäre zu einer Manie eines Besessenen verkommen. Und so mancher Neider munkelte, er würde für seine Bilder sich okkultem Wissen und der Hexerei bedienen. Ob Gerücht, üble Nachrede oder Tatsache, die Wahrheit über seinem Genius wird für immer verborgen bleiben.
Am 23. im Weinmond 919 n. T. schied der großartige Maler Albert Schürer viel zu jung aus dem Leben. Sein Schüler Berthold fand ihn eines Morgens leblos in seiner Geyvenburger Werkstatt. Albert wollte über Nacht sein aktuelles Bild „Die Selbstreflektion“ fertig stellen. Schürer starb mit nur 28 Jahren mutmaßlich an den Folgen seines exzessiven Schaffens. Laut Berthold fühlte sich der begnadete Künstler in letzter Zeit schwach und abgeschlagen. Dies gab Gerüchten Nahrung, er wäre schön länger unheilbar krank gewesen. Vielleicht aber hatte er sich auch beim Spitzen des Pinsels mit den Lippen am Bleiweiß der Farben vergiftet.
Im Folgejahr wurde der Schürer-Schüler Berthold wegen Mordes an einem Balingtoner Alchemisten hingerichtet. In Bertholds Augen war jener Alchemist für den Tod seines Meisters verantwortlich. Selbst am Galgenbaum zeigte Berthold keine Reue und überzog sein Mordopfer noch mit Schuldzuweisungen. Zur Ergreifung des Mörders Berthold hat maßgeblich die Ermittlung von Ritter Martin Dorn beigetragen. Der ehrenwerte Ritter vom Orden des Lichts war der letzte Empfänger eines echten Schürer Bildes, welches den Frater Primus in heldenhafter Pose verewigte.
Doch zurück zur Magier Akademie in Moosbach: Der Kunststudent Tim beschäftigte sich intensiv mit Schürers Frühwerken und nahm sie als Anregung für seine eigenen Zeichnungen. Das Studium von Schürers Selbstbildnis führte zu einem Dialog mit dem Meister. Und das ist nicht im Übertragenen Sinn gemeint. Er reiste dafür in das Bildnis hinein und saß ihm körperlich gegenüber. Was als unterhaltsame Episode begann, entwickelte sich schnell zum Alptraum. Denn Albert Schürer übernahm für diese Zeit den Körper des Studenten. Tim drohte immer mehr zu Schürer zu werden. Nun war plötzlich sein Gesicht in dem Selbstportrait und somit auch seine Seele.
Die anwesenden Magister erkannten die Gefahr eines feindlichen Seelentausches. Doch ihre unbedachten Rettungsversuche hätten fast zum Tod von Tim geführt. Der dümmste Versuch war wohl das Band zwischen Körper und Bild zu durchtrennen, während Tims Seele noch in Ölfarben gebannt war. Letztlich war es Tim selbst, der das kunstmagische Problem löste. Unter Tränen der Verzweiflung zeichnete er Albert Schürer ein neues Bildnis – in das eines Kerkers. Alsdann spürte er mit jeder Faser seines Körpers eine Art von Befreiung. Mit einem bitteren Beben auf seinen Lippen und zitternden Wort „Freiheit“, übereignete er dies neue Bildnis dem Feuer.
Vermutlich sah Schürer seinen eigenen Körper unter dem tödlichen Einfluss der Bleiweiß-Farben schwinden und rettete sich durch Kunstmagie in sein Selbstportrait. Aber welche Seele ist so verdorben, dass sie auf einen ahnungslosen Bewunderer wartet?
Hochgeweihter Metabor, Erwählter des Helios

Schon seit 3 Tagen war die Stadt im Aufruhr. Offiziell wusste niemand etwas, aber unter der Hand raunte man es von den Docks bis zur letzten Amtsstube der Schustergasse: Zur Mittagsstunde auf dem Admiralitätsplatz! Am 8. Tag des 2. Xurlmondes! Da gibt es was zu sehen!
Kein Aushang kündete davon, kein Ausrufer tat es kund. Es war ja nur eine interne Sache der Ostarischen Marine. Nur etwas militärisches Klimbim, Formalitäten. Trotzdem waren die Straßen gefegt und mit Wimpeln geschmückt. Die Bürger hatten die guten Hemden aus dem Schrank geholt und die vorsorglich aufgebauten Absperrungen auf dem Admiralitätsplatz waren keine vergebene Mühe, denn der Platz füllte sich mehr und mehr. Bereits zur elften Stunde ließen die Büttel niemanden mehr ein, so voll war es bereits.
Selbstverständlich pünktlich zur zwölften Stunde begann, was von allen erwartet worden war. Unter Begleitung eines Spielmannszuges marschierten Schiffsbesatzungen von Hafen herauf zum Admiralitätsplatz. Aber es waren nicht irgendwelche Besatzungen. Die Frauen und Männer der Redon, der Brassach und der Wellenreiter marschierten heran, angeführt von niemand anderem als von Kommodore Kielholer höchst selbst. Die Expeditionsflottille! In Paradeuniform! Es wurde im Aufstellung genommen, den Blick zum Gebäude der Admiralität gerichtet.
Einige hohe Offiziere traten aus dem Gebäude heraus, namentlich der Admiralssekretär der Ostarischen Marine Wolfgrimm von Nigramsfall, der Kommandant der Brazachflotte Winderon von Norderstedt, der Obrist des Seesoldatenregiments Willmann von Hartland, und der Kommandant der Kolonialflotte Hinrich von Harkenberg. Man nahm Aufstellung und in einer komplexen Abfolge wurden nur Befehlsschriften verlesen und Dokumente ausgetauscht. Kielholer trat vor, auch ihm wurden Befehle verlesen und Dokumente überreicht. Und so sehr die Menge der Zuseher lauschte, es war kaum zu verstehen, was vor sich ging. Doch endlich trat Admiral von Harkenberg vor und verlas mit fester Stimme einen Text, der den anwesenden Seeleuten bereits bekannt zu sein schien.
„Aufstellungsbefehl
Die Admiralität zu Ankur erlässt in Abstimmung mit Baron Jareck von Jolberg, erstem Seeherrn von Ostarien und mit ausdrücklichem Wohlwollen seiner Durchlaucht, Herzog Angilbert I. von Ostarien folgenden Aufstellungsbefehl:
- Die vor 20 Jahren interimsweise aufgestellte 1. Ostarische Expeditionsflottille wird mit sofortiger Wirkung aufgelöst.
- Die Schiffe Brassach (Brassachflotte), Redon (Kolonialflotte) und Wellenreiter (Jolbornflotte) werden aus ihren bisherigen Flotten dauerhaft herausgelöst.
- Zum 4. Tag des 2. Xurlmondes 53 n.A.H. III wird die 1. Expeditionsflottille mit oben genannten 3 Schiffen als dauerhafte und ordentliche Einheit der ostarischen Marine neu aufgestellt.
- Das Kommando trägt Xurlsen Kielholer, der Dienstgrad wird von Kommodore (interimsweise) auf Kommodore (ordentlich) geändert.
- Die neu aufgestellte Einheit übernimmt die Tradition, Hierarchie und Ordnung der alten Einheit nahtlos.
- Heimathafen der Expeditionsflottille ist der Kriegshafen des Herzog-Uriel-II-Atolls.
- Organisatorisch wird die Expeditionsflottille der Kolonialflotte unterstellt.
- Die bedarfsweise Zuordnung der Schiffe Brassach und Wellenreiter zur Drachenheinsch-Ostarischen Allianzflotte ist von diesem Vorgang unangetastet.
- Der formale Aufstellungsappell findet am 8. Tag des 2. Xurlmondes 53 n.A.H. III zur Mittagsstunde auf dem Platz der Admiralität in Ankur statt, es wird das vollständige Antreten der Besatzungen erwartet.
- Details werden in separaten Ausführungsbefehlen geregelt.“
Die Menge der Bürger, an die diese Verlesung ganz offensichtlich gerichtet war brach in euphorischem Jubel aus. Als nach minutenlangen Beifall wieder Ruhe eingekehrt war ging der Blick der vor der Truppe stehenden Kommandanten hinauf zum Balkon des Admiralitätsgebäudes, von wo aus Herzog Angilbert I höchst selbst nebst der Erzvogtin Walluma und dem Ersten Seeherrn Jareck von Jolberg dem Zeremoniell beigewohnt hatten.
Mit knappen, aber sehr freundlichen Worten lud der Landesherr das Offizierskorps zum Empfang, während für die Mannschaften die Messe der Marinegarnison bereitet war.
Daraufhin marschierten die Besatzungen unter schneidigen Befehlsrufen und Jubelbekundungen ab.
2 Tage später liefen die 3 Schiffe der neu aufgestellten, nun permanenten Expeditionsflottille begleitet von 2 Schiffen der Kolonialflotte aus, um ihren neuen Heimathafen auf dem HUII-Atoll anzulaufen.
Landgang in Dedekistan erfolgt ohne Probleme, wir treffen Magister Falsam, der uns ins Landesinnere zu einem vorbereiteten Lager am Waldrand bringen soll. Leider ist es aufgrund eines heftigen Regenschauers schon dunkel, als wir endlich in die Ausläufer des Waldes gelangen, was unserem einheimischen Führer die Gelegenheit gibt, einfach zu verschwinden. Falsam erzählt, die „Ureinwohner“, die vor fünf Jahren von den Darianern angetroffen wurden, seien nichts weiter als Schiffbrüchige gewesen, die sich schon längere Zeit auf der Insel durchgeschlagen hätten. Wir stehen also im nachtschwarzen Wald, und das ist umso ärgerlicher, weil Falsam eindringlich vor dem Flirren und Schimmern gewarnt hat, das auch hier die Risse zu anderen Orten und Zeiten anzeigt. Tatsächlich finden wir nach einiger Zeit zu einem solchen Riss, um den eine Menge Leute stehen. Da die Welt ein Dorf ist, handelt es sich um den Clan O’Brian samt Kendril und einigen Seeleuten, die es auf das Kopfgeld von Aroben abgesehen haben. Sie schwärmen von den 1000 Dukaten, und niemand hat große Lust, sie über den Irrtum aufzuklären, dass es eigentlich 10.000 sind. Auch diese Gruppe wurde von ihrem Führer im Stich gelassen. Mit Falsams Hilfe gelangen wir schließlich doch noch zum vorbereiteten Lager und richten uns häuslich ein. Da kommen die wirklichen Ureinwohner ins Lager, es stellt sich bald heraus, dass es sich um Kernländer handelt, die sich hier Angyagi nennen. Wie und wann sie hergekommen sind, bleibt vorerst ein Rätsel. Ihr Schamane heißt Ulsar, der ja erstaunlicherweise eigentlich einer ihrer Götter ist. Die es nach ihrer Aussage inzwischen nicht mehr gibt, übrig sei nur noch Yag, die Große Urmutter. Und man versteht ihre Sprache erst, wenn man wahlweise einen Pilz gegessen oder an einer Kröte geleckt hat. Aber das nur für die Volkskundler am Rande.
Ulsar weist uns eindringlich darauf hin, erst die Blyska um Erlaubnis zu fragen, bevor man den Wald betritt. Er kann sie für uns herbeirufen, und tatsächlich erscheinen nach kurzer Zeit drei elbenartige Wesen, die sich auch so benehmen. Ihre Aussage ist klar: Wir können uns den Weg in den Wald erkaufen, wenn wir genügend Ameryll herbeischaffen.
Während ich im Zelt meine Aufzeichnungen in Ordnung bringe, stürmt ein Gruppe Schwarzgekleideter zum Lagerfeuer und zerrt Magister Falsam mit sich. Das geht so rasch und geplant vor sich, dass auch unsere aufgestellten Wachen viel zu spät reagieren und die Aktion so schnell wie ein Spuk vorbei ist. Es beginnt wieder zu regnen, und eine Verfolgung der Spuren scheint aussichtslos.
Kurz darauf erreicht ein darianisches Paar unser Lager, das auf der Flucht vor den Schwarzgekleideten ist. Sie erzählen, dass sie aus einem benachbarten Ameryllsammler-Lager kommen, das überfallen wurde, und die dortigen Nexus-Magier ebenfalls entführt wurden. Außerdem beschreiben sie ein Banner: Rabe und Bär. Aroben ist also vor uns angekommen! Und er hat eine ganze Kiste voller Ameryll mitgenommen. Was hat er vor? Besorgt gehe ich zu Bett.
Am nächsten Morgen brechen also verschiedene Trupps auf, um Ameryll zu sammeln. Dabei wird auch eine Notiz gefunden, eindeutig in Arobens charakteristischer Handschrift: Jemand wird angewiesen, weiterhin Informationen über uns zu liefern. Haben wir einen Verräter im Lager? Außerdem ist die Rede von einem Apparatus, der ihm erlaubt, die Nähe der Blyska zu erkennen und sie zum umgehen.
Als wir der Meinung sind, genug Ameryll gesammelt zu haben, treten wir mit den Blyska in Verhandlung. Hat Aroben auch Ameryll geliefert? Ja, und zwar in solcher Menge, dass er sogar eine Audienz bei ihren „Oberen“ bekam. Mehr ist nicht zu erfahren. Sie erlauben uns ebenfalls, den Wald zu betreten, und: Als ich ihnen die Notiz Arobens zeige, müssen sie erkennen, von ihm hintergangen worden zu sein. Sie sind nämlich besorgt darüber, dass er sich inzwischen in der „Halle der Echos“ verschanzt hat. Wir kommen zu einem Geschäft: Helft ihr uns, helfen wir euch! Sie bringen uns daraufhin eine Art Wegweiser, mit dem wir uns angeblich durch die „Echos“ im Wald bewegen können. Vermutlich meinen sie die Risse. Schamane Ulsar nimmt ihn an sich und wir brechen auf.
Kurz danach treffen wir auch schon auf das erste „Echo“: Nach einiger Verwirrung erkennen wir eine Szene, die wir vor zwei Jahren in einem Weiler in Dracconia erlebten. Die Dorfbewohner schienen unter einem Bann zu stehen. Als wir sie davon befreiten, verloren alle ihr Leben, eine schlimme Sache. Doch offenbar sollten wir hier die Möglichkeit erhalten, es besser zu machen. Nach einem ersten, wiederum gescheiterten Versuch bricht Martin Dorn zusammen. Auch andere, die dabei waren, verlieren massiv an Kraft. Mit jeder weiteren Version einer Lösung des Dilemmas werden die Betroffenen schwächer, bis es uns endlich gelingt, den Tod der Dorfbewohner abzuwenden.
Schon bald darauf treffen wir auf weitere „Echos“, immer wieder Erinnerungen von Anwesenden, die an einer Aufgabe gescheitert sind oder sich falsch entschieden haben. Und wir erkennen: Jeder Versuch kostet diejenigen, die sich erinnern, weitere Lebenskraft. Zahlreiche Echos gilt es zu meistern, und wir geraten dabei immer weiter zurück in die Vergangenheit. Die Erinnerungen verblassen immer mehr, die Betroffenen werden immer weniger, bis es sich nur noch um einmal gehörte Geschichten handelt. Als es dunkel wird, kommen wir immer mehr in Sagen und Erzählungen und können uns nur noch auf unser Gefühl verlassen.
Erstaunlich ist eine Erinnerung, die nur die Gelehrten zu deuten wissen: Die Flucht des Scherbenmanns zur Zerbrochenen Stadt soll verhindert werden, was dadurch gelingt, dass wir ihm uns einig entgegenstellen und er das Portal nicht erreicht. Gerade hier oder wenn Gwon oder Rabe mitmischen, haben wir jedoch das unbestimmte Gefühl, mehr als unsere Erinnerung zu revidieren. Verändern wir etwa gerade die Vergangenheit?
Außerdem gelingt es uns wiederum nicht, zu verhindern, dass Aroben durch Rabes Betrug „Gwons letzte Rast“ verlässt, da niemand weiß, was dort wirklich passiert ist. In einer Erinnerung treffen wir wieder auf Rabe, der sich erbittert darüber beschwert, dass alle nur von ihm wollen, aber niemals danken. Er wünscht sich, ebenfalls in Schreinen verehrt zu werden. Offenbar wurde ihm das von Aroben nach dessen Machtübernahme zugesagt. Ritter Martin Dorn ergreift die Gelegenheit, mit ihm zu verhandeln, und sagt seinerseits Unterstützung zu. Ob Rabe darauf eingeht, ist nicht ganz klar. So lange Aroben die Hilfe Rabes hat, ist er kaum zu besiegen, wir müssen beide voneinander trennen. Wenn es jemandem gelingen sollte, Aroben zu töten, müsste unbedingt Gwon als erster zur Stelle sein, der ihn sicher vor Helios bringt. Da zaubert Ritterin Mirabella eine Feder Gwons hervor, die sie seit Jahren mit sich herumträgt! Manchmal sind einem die Götter gewogen… die Reise durchs Labyrinth der Echos geht weiter.
Vielleicht drei oder vier Anwesende wissen noch das grauenhafte Zirpen und Klacken sofort den Mantiden zuzuordnen, weshalb wir deren Angriff glücklicherweise schnell abwehren können. In einem weiteren Echo taucht eine Wache aus dem unheimlichen „Fliranstett“ auf und verteilt Steckbriefe der Nexus-Magister, darunter aber auch einen von Adveri. Während ich noch darauf hinweise, dass da jemand einen argen Fehler in seiner Erinnerung hat, erscheint eine Art Alchemistenkammer. Es dauert ein paar Augenblicke, bis ich die Szene erkenne, die ich so oft in der Akte Beridhan gelesen habe: Der Tod Arobens, verursacht durch den Barden Lukan. Wir helfen diesem, die brennende Tür zuzuhalten und erleben den einstigen, dramatischen Tod Arobens. Während wir noch über das Erlebte reden, erfolgt ein Angriff, den nahezu alle zuerst für ein weiteres Echo halten: Der Anführer sieht aus wie Aroben, den ich in Corenia gesehen habe, auch die Kleidung passt. Das ist die Gelegenheit: Ich lande einen ordentlichen Bauchtreffer, doch er trinkt etwas (Heiltrank? Essenz?) und flüchtet in die Dunkelheit. Wir nehmen die Verfolgung auf, er wird nach kurzer Zeit gestellt und von mehreren Schwerthieben niedergestreckt. Seine letzten Worte sind „Aroben wird ewig leben“. Ich ziehe die Feder heraus und rufe Gwon. Dieser erscheint tatsächlich vor mir und sagt „Ich nehme ihn gerne mit. Aber das ist nicht Aroben. Das ist Adveri.“
Wie konnte das passieren? Wir waren so nahe dran. Wo ist Aroben? Es ist zum Verzweifeln!
Recht unerwartet taucht Magister Falsam wieder auf: Nachdem seine Bewacher fort waren, konnte er sich selbst befreien. Er zeigt uns Zeichnungen, die er von der Hafenmole in Dedekistan gemacht hat: Neben der bereits bekannten Flöte und dem Amulett ist dort ein Geweihtenstab eingraviert, bei dem es sich um den „Echo-Stab“ handeln soll. Nach Aussage der Blyska hat ihn Aroben aus der Halle der Echos gestohlen, die voller alter Artefakte ist. Die Nexus-Magier bitten uns, das Aussehen des Stabes vorerst geheim zu halten, weshalb ich ihn hier nicht weiter beschreiben werde.
Nun gilt es, Aroben zu finden, der noch nicht weit sein kann. Magister Quendan nimmt dazu eine Probe von Adveris Blut und stellt die Resonanz zu Aroben fest, da die beiden ja verwandt waren. Magister Falsam führt uns sicher durch Wald, am Ende sehen wir ein Schimmern vor uns. Ich schleiche ein Stück vorwärts und sehe einen Riss. Davor steht ein junger Mann, der mit dem geraubten Echo-Stab auf den Boden stößt und zunehmend verzweifelt wiederholt „Ich erinnere mich an den Riss in Corenia“. Schnell wird er entwaffnet und der Stab gesichert. Zu meiner Verblüffung handelt es sich um den deutlich verjüngten Aroben, der ruhig lächelnd sein Schicksal erwartet. Offenbar zählt er immer noch auf Rabes Gunst. Letztlich stehen Martin Dorn und ich vor der Entscheidung, wer von uns der Sache ein Ende macht. Martin betet und setzt das „Auge des Helios“ ein, und das Amulett richtet mit Helios Kraft den Mörder und Verräter mit gleißendem Strahl. Etwa ein Dutzend Zeugen wohnen dem Urteil bei. Ich stelle ordnungsgemäß Arobens Tod fest und nehme sein Rabenbanner an mich.
Zeitgleich tauchen Rabe und Gwon auf, doch wider Erwarten gibt es keinen Streit: Beide nehmen Arobens Seele in ihre Mitte. Bevor sie verschwinden, kann ich Rabe noch deutlich sagen hören: „Sei mein Gast!“ Nach reiflicher Überlegung denke ich, dass er damit nicht Aroben gemeint hat (und die ganze Gaukelei wieder von vorne beginnt), sondern Gwon, was auf ein Versöhnungsangebot schließen lässt. Dies mögen aber die Geweihten verifizieren. Was Arobens Verjüngung angeht, sind die Gelehrten der Meinung, dass er mithilfe des Echo-Stabes unsere Erinnerungen bewusst hervorgerufen hat, um unsere Lebensenergie für diese Verwandlung zu nutzen. Das würde auch Adveris letzten Satz erklären, da Aroben zeitlebens vom Wunsch nach Unsterblichkeit besessen war.
Leider ist es bereits spät in der Nacht, als ich den anderen Teil meines Auftrages erfüllen kann: die offizielle Landnahme der nördlichen Hälfte Redonias inklusive des zentralen Waldes für das Herzogtum Ostarien. Eine handvoll Zeugen findet sich noch bereit, dem urkundlichen Akt beizuwohnen. Ich verlese die vorgeschriebenen Worte und heiße die Flagge des Herzogtums. Ritter Martin Dorn vom Orden des Lichts bezeugt mit seiner Unterschrift die ordnungsgemäße Durchführung.
Lang lebe Herzog Angilbert I.!
Nav. Elisabeth Wolkenstein

Aufgrund der vielen Schiffe und Handelsboote, die den Brazach flussauf und -ab befahren, legen immer mehr von ihnen im sicheren Hafen von Jarun, der Hauptstadt der Baronie Güldental an. Der alte Hafen, der vor allem für die Fischer und Flusshändler der Stadt selbst angelegt worden war, ist zu klein geworden, so dass es immer häufiger vorkommt, dass Boote in zweiter oder dritter Reihe angebunden werden müssen und es viele Manövriermanöver benötigt, wenn Boote auslaufen wollten.
Schließlich wurde das Gedränge so groß, dass die Hafenmeisterei, zusammen mit dem kleinen Rat der Stadt einen Plan zur Erweiterung des Hafens fassten, der Prinz Anselm von Thal, Baron von Güldental, Freiherr von Jaredon, die Provinz, in der die Stadt liegt, vorgelegt wurde. Dieser Plan sieht vor, nicht noch weitere Stege am Brazachufer zu bauen, da diese den Schiffsverkehr behindern könnten, und in harten Wintern von Eisschollen beschädigt werden. Am westlichen Ende der Stadt sieht der Plan vor, ein neues Hafenbecken auszuheben und mit einem Damm und einer befestigten Mauer vom Fluss abzutrennen und nur eine drei Schiffsbreiten große Verbindung zum Fluss offen zu lassen. So entstünde ein strömungsfreies Becken, in dem Schiffe in ruhigem Wasser sicher be- und entladen werden können. Zusätzlich sind Flächen für Lagerhäuser, Handelskontore und Handwerksstätten vorgesehen, sowie der Bau von Schreinen aller vier ogedischen Götter, damit jeder Händler, Hafenarbeiter, Flussschiffer, Handwerker, Reisende und alle anderen ihr Tagwerk unter dem Schutz der Viere verrichten können und jeder nach getaner Arbeit gesund nach Hause kehrt.
Finanziert wird diese Maßnahme von der Stadt, sowie vom Prinzen selbst, der zu diesem durchdachten Plan mit sichtlichem Wohlwollen seine Zustimmung gab. Die Unterzeichnung aller notwendigen Verträge fand unter freiem Himmel auf dem Jaruner Marktplatz statt, vor den Augen vieler Zuschauer. Das Projekt wurde von Geweihten aller vier Götter gesegnet. Im Anschluss wurde im Jaruner Rathaus festlich aufgetafelt. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete ein Ball auf dem Jaruner Schloss des Prinzen.
Langfristig tragen wird sich das Projekt durch Liege- und Umschlaggebühren, sowie durch die Einnahmen aus Zöllen und der Ansiedlung neuer Handwerker. Ohne die Großzügigkeit seiner Hochgeboren Prinz Anselm von Thal hätte dieses für die Baronie und Stadt so wichtige Vorhaben nicht so schnell und nicht in dieser weit vorausblickenden Ausführung in Angriff genommen werden können.
Helio Gratia,
Lang lebe Prinz Anselm
Geschrieben von Ritinus Federschwinger, Thaler Hofschreiber


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