Boten-Teil: Kronkurier Seite 1 von 2

Heligonia, Dein junger Adel

Unter dieser Überschrift wollen wir eucch in den nächsten Boten den jungen Adel Heligonias vorstellen. Wir beginnen mit vier jungen Damen aus Drachenhain.

Aurelia Edana von Jolbenstein-Hautzensteyn
Aurelia Edana von Jolbenstein-Hautzensteyn wurde im Jahr 35 nach A.III als Tochter von Baronin Karelia Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar geboren. Sie lebt die meiste Zeit am Hofe ihrer Mutter in Jolbruck und ist innerhalb Jolbensteins seit Jahren politische aktiv, hat aber auch eigene außerdrachenhainische diplomatische Erfahrungen gesammelt. So knüpfte sie auf dem Hoftag in Nordach Kontakte, als Borngart Heligonia beitrat und hat seither die Borngarter Botschaft für Drachenhain in Jolbruck mit aufgebaut. Dort ist sie seither
insbesondere für die Kontakte innerhalb Jolbensteins die Ansprechpartnerin.

Iruna Faylinn von Jolbenstein-Hautzensteyn
Iruna Faylinn von Jolbenstein-Hautzensteyn wurde im Jahr 39 nach A.III als Tochter von Baronin Karelia Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar geboren. Sie lebt aktuell überwiegend auf der Feste Hautzensteyn ihres Vaters in Luchnar, verbringt aber auch weiterhin Zeit am Hofe ihrer Mutter in Jolbruck. Sie gilt bereits als meinungs- und durchsetzungsstark, aber wenig diplomatisch, was sowohl bei Baronin Karelia als auch im Hochland meist auf Wohlwollen stößt. Manche sehen deshalb das Hochland als ideales Feld späterer Tätigkeit. Welche politische Rolle sie einmal spielen könnte, ist aber noch nicht abzusehen.

Alruna Fiona von Jolbenstein-Hautzensteyn
A. von Jolbenstein-Hautzensteyn wurde im Jahr 45 nach A.III als Tochter von Baronin Karelia Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar geboren. Sie lebt die meiste Zeit am Hofe ihrer Mutter in Jolbruck. In einem primär politischen Rahmen wird sie erstmals im Rahmen des Hoftages im Landschlösschen Valmerana anwesend sein.

Cassandra Adrianna von Katharinenburg
Freifrau Cassandra Adrianna von Katharienburg, geboren im Jahr 34 n.A.III und aus der Baronie Jolbenstein stammend, ist ein aufgewecktes und besonnenes Mitglied des jugendlichen Adels aus Heligonia. Wie auf dem ein oder anderem Adelstag zu bemerken war, widmet Cassandra einen großen Teil ihrer Zeit den musikalischen Künsten sowie ihren Büchern. Sie besitzt einen gewissen Hang zur Pragmatik, den sie, wie auch ihre Nah- und Fernkampfausbildung, einer sorgsamen Erziehung zu verdanken hat. Für Musik und Tanz sowie für das ein oder andere Tournier ist die junge Freifrau sich nie zu schade.

Neuestes aus Escandra

Aus der Reichsstadt Escandra wird vermeldet, dass Seine Allerdurchlauchtigste Majestät Helos Aximistilius Tertius einen besonderen Hoftag einberufen hat, der nicht wie üblich am königlichen Hofe stattfinden soll. Stattdessen wurde das Landschlösschen Valmerana in Tolens, Thal, als Ort der Zusammenkunft bestimmt, was vielerorts Verwunderung wie auch Neugier hervorruft.
Wie aus verlässlichen Quellen zu hören ist, wird eine Delegation aus dem östlich gelegenen Großkönigreich Darragesh erwartet. Seit vielen Jahren waren keine darrageshen Schiffe mehr in den Häfen Heligonias gesichtet worden, weshalb die Nachricht über den bevorstehenden Besuch in den Städten und Dörfern rasch die Runde macht. Mancherorts wird bereits gemutmaßt, welche Bedeutung dieser Besuch haben könnte und ob sich neue Bande zwischen den Reichen knüpfen lassen.

Die Festlichkeiten und Empfänge auf Landschlösschen Valmerana sollen unter der Schirmherrschaft hoher Damen stehen: Ihre Hochgeboren, Gräfin Amira Kalea von Sedomee und Apurien, sowie ihre Tochter, Prinzessin Thalia, wurden von Seiner Majestät mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die Gäste zu empfangen und den Rahmen des Hoftags zu gestalten.

Die Bevölkerung blickt gespannt gen Thal und erwartet mit großem Interesse die Ankunft der Gesandten aus Darragesh. Es wird gemunkelt, dass dieser Hoftag von besonderer Bedeutung sein könnte, doch offizielle Stellen geben sich bislang zurückhaltend. Sicher ist nur: Auf Valmerana werden in den kommenden Tagen hochrangige Gäste und feierliche Zusammenkünfte erwartet.

Die Hexe

Am Abend wurde sie gefasst
Die Schlinge hängt an starkem Ast
Der Scheiterhaufen ist geschichtet
Gleich morgen früh wird sie gerichtet
Sie ist so hilflos und so klein
Sie werden böse zu ihr sein
(Böse sein, ja)

Kehrreim:
Du willst
Du willst die Hexe
Du willst die Hexe nicht
Du willst die Hexe nicht peinigen
Du willst die Hexe nicht steinigen
Sie durch das Feuer nicht reinigen
Du willst Dich mit ihr vereinigen

Du warst als Häscher mit dabei
Gewissen lastet schwer wie Blei
Tief in der Nacht schleichst Du zum Anger
Allein steht sie halb nackt am Pranger
Du löst den Strick um Leib und Bein
Du weißt, sie kann nicht böse sein

Kehrreim: Du willst…

 

Zum Richtplatz ruft des Hornes Ton
Ein Schrei: Die Hexe ist entflohn
Wo warst Du heut vor Morgengrauen?
Man sagt, Du magst die Zauberfrauen
Sie greifen Dich, sie sperrn Dich ein
Denn einer muss der Böse sein

Kehrreim: Du willst…

Nun stehst Du selbst am Pfahl gebunden
Es rinnen Deine letzten Stunden
Die schwarzen Wolken tiefer drücken
Die Menge brüllt schon voll Entzücken
Der Regen prasselt auf Dich ein
Sie werden böse zu Dir sein

Kehrreim: Du willst…

Vom Himmel blitzt ein Strahl aus Licht
Er löst das Seil, doch brennt Dich nicht
Empor dich zarte Hände ziehen
Auf schnellem Besen zu entfliehen
Weit hinter Euch verklingt das Schrein
Warum muss einer der Böse sein?

Kehrreim neu:
Du wirst
Du wirst die Hexe
Du wirst die Hexe nicht
Du wirst die Hexe nicht peinigen
Du wirst die Hexe nicht steinigen
Sie durch das Feuer nicht reinigen
Du wirst Dich mit ihr vereinigen
Immer wieder vereinigen

Hoftag und Festakt in Borngart

Das Fürstentum Borngart, einst Teil des Königreichs Dracconia, hat entschieden, sich dem Königreich Heligonia anzuschließen. Fürstin Mysille von Borngart wird auf einer feierlichen Zeremonie auf Burg Norbruck in der bornischen Baronie Nordach den Treueeid leisten. Viele heligonische Gäste sind geladen, um dem Festakt beizuwohnen.
Die Beziehungen zwischen Borngart und Heligonia stabilisierten sich seit der ogedischen Hochzeit zwischen Baron Sihran von Tolens und Fürstin Mysille von Borngart, damals Baronin von Nordach. Ihre Durchlaucht stärkt seither das Ogedentum im Fürstentum, welches eine große Ähnlichkeit zum in Borngart verwurzelten druidischen Elementarglauben hat.
Seine Allerdurchlauchtigste Majestät, König Aximistilius III., wird ob seines hohen Alters nicht selbst am Festakt teilnehmen. Bis vor Kurzem wurde angenommen, dass er die Reichsritterin Winnifred von Karlsburg, Freifrau von Niederwalden nach Norbruck entsendet. Neuesten Informationen zufolge wird jedoch Reichsritter Maligor von Thardanus das Privileg haben, den Helios-Brief zu übergeben.

Höret, höret (HB 82)

Ganze 14 Jahre sind vergangen, als das Herzogtum Ostarien versuchte, Großes in Gang zu setzen. Studien und Denkschriften wurden verfasst, Konzepte aufgestellt und die Logbücher der Marineexpeditionen ausgewertet. Nicht zuletzt wurden Gespräche mit vielen Herrscherhäusern geführt. Das Ziel war etwas für Heligonia zu erreichen, was ein einzelner Teil des Reiches nicht zu leisten vermag: Eine Flotte vollwertiger, großer Hochseeschiffe. Segler, die Wind und Wellen trotzen, die nicht dafür gebaut sein müssen, auch die heligonischen Flüsse zu befahren. Schiffe, die denen anderen Ländern der Mittellande in nichts nachstehen würden. Damals war das Land Corenia noch unbekannt, Antrieb war allein die Befürchtung, auf See nicht gegen andere Länder bestehen zu können, was nicht von der Hand zu weisen war.
Vor 10 Jahren jedoch, als der Stueren-Konflikt mit aller Kraft aufflammte, wurde die Aufmerksamkeit Ostariens an anderer Stelle gebraucht. Die Untersuchungen brachte man Eilends zu Ende und übergab sie dem königlichen Hof. Dann wandte sich der Blick Ostariens gegen Norden. Die Schriften aber wurden nicht vergessen. Sie wurden studiert, ausgewertet, ergänzt und für gut befunden. Und in aller Stille, ohne Hast aber mit stetigem Antrieb wurde begonnen, was nun vorgestellt werden soll: Die königliche Flotte.
Behutsam und Vorhandenes weise nutzend wurden in Abstimmung mit den Landesherren bestehende Werften ausgebaut, so dass die Herstellung von Schiffen in einer Größe möglich wurde, wie sie in Heligonia bisher unbekannt waren. Dreimastig, gewaltig und stolz. Die Hauptwerft befindet sich denn nun in den Häfen von Marola, während eine zweite, kaum kleinere Werft in Darbor zu finden ist. Bei den Heimathäfen, ist genau umgekehrt. Der Haupthafen der königlichen Flotte mit Magazinen, Arsenal und Garnison findet sich in Darbor, während Marola als Zweithafen dient. Mittlerweise sind die Magazine gefüllt, die Stäbe besetzt und die Garnisonen werden durch Abordnungen der Heliosgarde gestellt. Die Herrscher Sedmomees und Darians stimmten all dem mit Freunden zu, ist es doch eine Ehre, diese Einrichtungen zu beherbergen und man darf nicht ohne Grund auf eine Förderung von Geschäft und Wohlstand hoffen. Gerade Graf Dedekien, in seiner Rolle als Beförderer der Seefahrt und Entdecker Corenias war von der Ehre des Haupthafens besonders angetan und wohnte dem Einzug der Garde selbst jubelnd bei. Die Häfen in Sebur und auf dem Herzog-Uriel-II Atoll werden also Not-und Ausweishäfen ohne besondere Einrichtungen dienen.
Was aber wäre eine Flotte ohne ihre Schiffe? Die Flussgängigkeit war nicht von Belang und so ist keines der Schiffe dafür gebaut, den Jolborn allzu weit befahren zu können, so es überhaupt möglich ist. Auch auf Ruder wurde verzichtet, da diese bei Schiffen dieser Größe wenig Nutzen haben. Stattdessen: Dreimastige, große Schiffe, ausgerüstet, um ihre Besatzungen für viele Tage sicher über die hohe See zu tragen.
Von diesen neuen Schiffen gibt es 4 Typen:
Die Poena-Klasse ist ein großer Handelsfahrer. Ihr gewaltiger Schiffsbauch kann eine schier unglaubliche Menge an Waren fassen und so ist das Ziel dieses Schiffes klar umrissen: Den Seehandel mit anderen Nationen zu befördern, die Schätze Heligonias in die Welt hinaus tragen und die Schätze der Welt nach Heligonia, auf dass Handel und Wohlstand blühen.
Die Saarka-Klasse ist schmal geschnitten, nicht mehr Raum als unbedingt nötig. Ein Kriegsschiff, wie man es von Heligonias Küsten noch nicht sah. Stabil und fest, wehrhaft und stark. Auf dass kein Feind sich zu nahen wagt. Vielerlei Waffen werden Tod und Verderben auf jene schleudern, die sich der Saarka in den Weg stellen.
Die Xurl-Klasse ist seegängig wie kein zweites Schiff. Kein Sturm kann ihm trotzen und schon mit dem kleinsten Wind kann dieses Schiff fahrt machen. Ein stabiler Kiel für flache Gewässer erlauben ihm zu fahren, wo keines der anderen zu fahren wagt und keine unbekannte Küste kann dieses Expeditions- und Forschungsschiff schrecken, das ferne Gestade erkunden soll.
Die Krone aber ist die Helios-Klasse. Das größte und schönste der Vier. Prachtvoll und doch wehrhaft. Seefest und erhaben, das neue Flaggschiff der Flotte ist in er Lage das Land zu repräsentieren, aber auch die feste Hand des Königs durchzusetzen. Ein Bollwerk auf See. Die Helios-Klasse vereint die Fähigkeiten der anderen 3 Schiffe aufs vortrefflichste und zeigt mit stolzem Schnitzwerk und Bemalung ihren Rang an.
Erst vor kurzem aber liefen die Typschiffe vom Stapel, die im Moment ihre Seeerprobung durchlaufen, bemannt mit Seeleuten aus dem ganzen Königreich. Bis zur völligen Einsatzfähigkeit wird mit Sicherheit noch ein Jahr vergehen, aber mit jedem Tag werden die Handgriffe sicherer, die Mannschaften routinierter und die Manöver schneller. Noch wurde nicht bekanntgegeben, wie viele Schiffe welchen Typs gebaut werden sollen.
So wünschen wir den neuen Schiffen des Königs allzeit gute Fahrt, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und den Segen der Götter!

Diebstahl einer wertvollen Flöte

In den Saarkamonden wurde eine wertvolle Flöte gestohlen. Der erste Diebstahl ereignete sich in der Bardenakademie in der Provinz Gaberon in Escandra. Dort wurde eine Flöte der Akademie entwendet, als Magister Robald Flinkfeder abends vor den Toren der Akademie ein Lied darauf spielte. Der Edle Ritter Martin Dorn war dem Magister zu Hilfe geeilt, kurz nachdem dieser niedergeschlagen und die Flöte entwendet worden war. Es handelt sich laut den Beschreibungen des Magisters um eine kleine, flache, rechteckige Flöte mit Verzierungen. Falls die Flöte irgendwo auftaucht, so ist sie unverzüglich an die lokale Obrigkeit auszuhändigen.

Bekanntmachung der Freien und Ersten Punischen Akademie der Hohen Magie und Arcanes Institut zu Thalwacht

Die Freie und Erste Punische Akademie der Hohen Magie und Arcanes Institut zu Thalwacht möchte bekannt geben, dass Auskunftsanfragen und Beratungsanliegen von nun an an die neu eingerichtete Schreibstube für auswärtige Angelegenheiten zu richten sind. Nachrichtenempfang wird auf den meisten mundänen und magischen Wegen akzeptiert.

Die verehrte Erzkanzlerin und das Kollegium möchten ferner die grenznahen Bauern und Gehöfte der Provinz Gaberon in der Baronie Escandra darauf hinweisen, dass das gewöhnliche Haushuhn Gallus Domesticus auch auf natürliche Weise diese bestimmte Form aufweisen kann. Zusammenhänge zwischen den Tätigkeiten des Kollegiums und diesem Phänomens konnten von den verantwortlichen Magistern ausgeschlossen werden.

Was in Idyllie im Jahr 49 n.A.III Gerüchten zufolge tatsächlich geschah….

Leberknecht jr. stapfte wütend die Kellertreppen der Universität hinauf. Sein Vater hatte ihn als kleinen Jungen oft mit in die Tiefe genommen und ihm die Kisten, Schränke und Regale gezeigt, in denen die zahllosen Artefakte lagerten, die der jahrzehntelangen Sammelwut der Gelehrten zum Opfer gefallen waren: Unzählige Apparati, oft auch nur Teile davon, intakt, teilweise zerlegt oder auch nie fertig gestellt, harrten einer weiteren Untersuchung oder waren wie uninteressant gewordenes Spielzeug in einer Ecke abgelegt. Ganze Kisten mit Amuletten, seltsamen Steinen oder bemalten Kacheln standen mehr oder weniger sortiert in staubigen Regalen. In hunderten von Gläsern befanden sich in alchimistische Essenzen eingelegte Monstrositäten. Zerbrochene Zauberstäbe, verbrauchte Schreibfedern und kistenweise Pergamentfetzen mit vermurksten Ritualsprüchen verstopften die Schubläden. Besonders fasziniert hatte ihn dabei immer die leicht schillernde Aura, die über all dem waberte.

Sein Vater hatte sich als Hausmeister redlich bemüht, Ordnung in das Chaos zu bringen, die wichtigsten Dinge sorgfältig und staubfrei in Kisten zu verpacken, zu beschriften und zu katalogisieren, musste aber schließlich vor der schieren Menge kapitulieren.

Leberknecht erinnerte sich häufig an das verzweifelte Händeringen seines Vaters, wenn er beim Abendessen von einer neuen Wagenladung an „Mitbringseln“ der Gelehrten erzählte: „Wo soll ich all das nur unterbringen? Wem nutzt das Gerümpel? Warum müssen sie nur ständig alles, alles mitnehmen? Sie werden sich das Zeug doch niemals mehr ansehen – keiner wollte je wieder etwas aus dem Keller von mir geholt haben!“
Doch – und das hatte ihm sein Vater immer wieder eingetrichtert – wegwerfen war keine Lösung, die Dinge waren… nun ja… magisch. Man konnte sie nicht einfach zum Komposthaufen hinten im Garten bringen. Auch Vergraben oder im Brazach Versenken schied aus: Was, wenn die Artefakte in die falschen Hände gerieten oder auch nur von einem hungrigen Fisch gefressen wurden? Bekam er womöglich grüne Flügel oder begann gar zu sprechen? Solche Dinge waren… gefährlich.

Jeder wußte, dass Magie das Unsichtbare anzog, mit Grausen erinnerte man sich in der Universität an den Fall der Burg Thalwacht, der für alle Neulinge als warnendes Beispiel herangezogen wurde, wenn es um unvorhergesehen Nebenwirkungen ging.

Und darin bestand das zweite Problem, dachte Leberknecht jr. besorgt, als er die Gänge entlang hastete. Sein Vater war auch für das reibungslose Funktionieren des Hauptdämpfers zuständig gewesen, der verhinderte, dass die Magie, die innerhalb der Universität gewirkt wurde, nach außen drang und die Aufmerksamkeit des Unsichtbaren auf sich zog. Nicht, dass er genau gewußt hätte, wie der Apparat wirklich funktionierte, seine Arbeit bestand hauptsächlich aus dem Ablesen und Vermerken der Betriebsanzeigen, der Überwachung der Energiezufuhr und gelegentlichem Ölen. Jegliche Änderungen hatte er zu melden, was auch gewissenhaft geschah. Doch bald schon nach der Gründung der Universität Idyllie reichte die Konzeption des Hauptdämpfers nicht mehr aus, die stetig wachsende Menge Magie in den Kellern zog mehr Energie ab als berechnet, Erweiterungen wurden nötig. Anfangs noch mit Sorgfalt durchgeführt, hatte sich inzwischen ein Sammelsurium an Applikationen breit gemacht, deren Verbindungen mit dem Hauptapparatus kaum mehr zu entwirren waren. Nach dem allseits bekannten Grundsatz „Was läuft, wird nicht befummelt!“ hatte es seit längerer Zeit kein Gelehrter mehr gewagt, Hand an den Gesamtaufbau zu legen.

Doch bereits zu Zeiten seines Vaters hatte das Dämpfungsfeld begonnen, sich zu verändern, das leise Summen war einem lauteren Brummen gewichen, und manche Zeiger näherten sich bedrohlich den roten Feldern. Sein Vater hatte ordnungsgemäß Meldung erstattet, und hin und wieder bemühte sich tatsächlich ein Herr Magister in den Keller, warf flüchtige Blicke auf den Hauptdämpfer und verschwand mit einem gemurmelten „Das geht noch, das geht noch…“ wieder in höhere Gefilde.

Die letzten Wartungsarbeiten waren eher oberflächlich durchgeführt worden, wie immer fehlte für solche Dinge das nötige Geld und die erforderliche Zeit. Doch seit dem Neustart vor einer Woche lief irgend etwas nicht mehr rund, Leberknecht spürte es in den Nackenhaaren. Es kam zu kleinen Aussetzern, nichts dramatisches, aber sie wurden mehr. Auch die Raumtemperatur war gestiegen. Leberknecht jr. hatte eine dringende Note verfasst, worauf tatsächlich eine Gruppe würdiger Robenträger gekommen war und stirnrunzelnd das eine oder andere Zahnrädchen in Augenschein nahm. Nach längerer Beratung war man sich einig, dass die Temperatur im Hauptdämpferraum doch recht warm sei. Seitdem hatte er nichts mehr gehört.

Und nun das: Am Vorabend war eine Forschungsexpedition aus WußteSaarkawoher eingetroffen, natürlich wieder mit den obligatorischen Kisten voller Fitzkram. Noch in der Nacht war er durch seltsame und beunruhigende Geräusche aus dem Dämpferraum geweckt worden: Ein unheimliches Sirren und Vibrieren drang durch die Grundmauern der Universitas. Die Schlieren aus den Lagerkellern hatten die untersten Treppenstufen erreicht und faserten in die Eingangshalle, in der die „Souvenirs“ standen. Unter großen Mühen schleppte er eine Kiste aus dem Dämpfungsfeld nach draußen in den Innenhof und ging wieder zu Bett. Sollten sie ruhig zetern. Er war hier für die Sicherheit der Menschen in diesen Mauern verantwortlich, auch wenn er keinen gelehrten Titel trug und nur als einfacher Hausmeister behandelt wurde.

Natürlich hatte es am Morgen wütende Diskussionen im Hof gegeben. Magister Belgabor bestand darauf, seine Kiste ins Hauptgebäude „zum Zwecke der Untersuchung“ zu bringen, was Magister Adastratus vorerst verhinderte, bis die Probleme mit dem Hauptdämpfer geklärt waren. Das Beutegut konnte aber auch nicht ungesichert im Hof stehenbleiben, so dass sich nach längerem Hin und Her Magister Quendan anbot, ein temporäres Dämpfungsfeld zu errichten, was wiederum Magister Isildor erboste, der darin keine dauerhafte Lösung und schon gar keinen geregelten Forschungsbetrieb erkennen konnte. Und er werde seine eigene Kiste selbstverständlich mit in seine Bibliothek nehmen!

Schließlich zogen sich die werten Gelehrten zur Beratung in die Mensa zurück. Der Nachmittag verging.

Nun hatte sich die Vibration des Hauptdämpfers plötzlich abermals verändert. Leberknecht jr. stürzte in den Keller, bahnte sich halbblind einen Weg durch schillernden Dampf, wehrte sich gegen einen Schwarm flatternder Schreibfedern, wich einem Thesaurus aus, der durch die Regale vermodernder Bücher galoppierte, und sah im ohrenbetäubenden Kreischen konvergierender Sphären die Anzeigen: Alle Nadeln zitterten im roten Bereich! Ohne Zweifel hatte der Bibliothekar seine Kiste heimlich in sein Studierzimmer geschafft… und da war noch etwas… Leberknecht hastete wutentbrannt die Treppen hinauf ins Erdgeschoß – tatsächlich! Magister Belgabor stand, fasziniert dem unterirdischen Wummern lauschend, in der Eingangshalle und legte vorsichtig ein weiteres Artefakt auf einen kleinen Haufen. „Aufhören!“ brüllte Leberknecht. „Hört sofort damit auf! Schafft das Zeug raus, hier fliegt uns gleich alles um die Ohren!“ Doch Belgabor hob beschwichtigend die Hände. „Das muss der Dämpfer abkönnen…“ Entschlossen schritt der Magister durch das Tor in den Hof hinaus. Leberknecht stürzte hinterher. „Nichts kann er! Der Apparatus läuft seit Wochen am Anschlag! Warum könnt ihr solche Dinge nicht einfach an ihrem Ort lassen?!“

„Leberknecht…“ Magister Belgabor schüttelte milde lächelnd den Kopf und nahm etwas aus der fast leeren Truhe, die er genau eine Handbreit vor der inzwischen flimmernden Grenze des Dämpfungsfeldes platziert hatte. „Warum überlasst Ihr solche Dinge nicht einfach den Leuten, die sich damit auskennen? Vertraut mir: nur noch dieses hauchdünne Amulettchen –“

Sammlung heligonischen Liedguts

Ein Aufruf an alle Barden, Sänger, Gönner und Freunde von Liedern, Gesängen und Melodien

Liebe Freunde des (nicht nur) heligonischen Liedguts!
Die Bardenakademie zu Gaberon hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Archiv heligonischen Liedguts zu erstellen. Das Augenmerk soll zunächst auf zeitgenössische Stücke gelegt werden, die in den letzten drei Jahrzehnten entstanden sind Auch ältere Werke sind aber willkommen. Aufgenommen werden Texte und / oder Melodien, die aus Heligonia stammen oder in Heligonia bzw von Heligoniern gerne vorgetragen werden. Dies gilt auch für Lieder / Texte, deren Melodie ursprünglich nicht aus Heligonia stammt. Wir bitten deshalb alle Interessierten, eigenes oder anderweitig vorliegendes Material uns zur Verfügung zu stellen. Auch Zweifels- / Grenzfälle dürfen gerne vorgelegt werden.
Eine Herausgabe an andere oder eventuelle Veröffentlichung wird selbstverständlich nur in Absprache und mit Angabe der Verfasser stattfinden. Eine Liste bereits vorliegenden Materials (um Mehrfach-Einsendungen zu vermeiden) kann angefordert werden.
Auf die einigende Kraft der schönen Künste!

Freude in Tlamana, Prinzessin Lenia geboren

Am 28. Tag des 1.Helios im Jahre 38 n.A.III erfüllte in aller Frühe das poenagesegnete Schreien eines neugeborenen Kindes die Mauern des altehrwürdigen Mirainer Schlosses. Eilends wurde der junge Prinz Halmar Arwel und Prinzessin Alessia Velana geweckt, damit sie ihr kleines Schwesterlein Lenia Orwyn Sarava begrüßen und zärtlich in ihre Mitte nehmen mögen. Fünf weitere Tage sollte es dauern, da stieß der überglückliche Vater, Fürst Leomar von Drachenhain, zu seiner Familie und ließ, wie unsere rasch genesene Landesmutter Baronin Leabell, alle Staatsgeschäfte ob der Feierlichkeit für einige Tage ruhen.
Auch in den Straßen der Städte sowie in den Häusern des tlamanischen Landvolkes freuten die Menschen sich landauf, landab und priesen die große Gunst der Götter.

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