Die Elfen

Seit Jahrhunderten leben die Elfen in ihrem Elfenreich, ohne mit den Zwergen, Menschen und anderen Humanoiden Heligonias Kontakt zu halten. Wie groß ihr Reich tatsächlich ist, vermag niemand zu sagen. Denn keinem Nicht-Elfen ist es gestattet, ihr Reich zu betreten, so sagt man. Legenden erzählen von Menschen, die sich ins Elfenreich verirrt hatten und als sie nach Hause zurückkamen waren viele Jahre vergangen – doch das wird auch vom Parimawald erzählt. Was tatsächlich wahr ist und was nicht, das kann wohl nur ein Elf selbst wissen.

Die Elfen Heligonias leben in einem Kastensystem. Es gibt fünf große Kasten:
Zur Grünen Kaste zählen unter anderem die Waldläufer, Kräutersammler, Heiler und die Tierzähmer.
In der Blauen Kaste findet man zum Beispiel die Bootsbauer, Fischer, Architekten ..
Rot steht für die Schmiede, Wächter, Kampfmeister …
Zur Gelben Kaste gehören unter anderem die Künstler, Sänger und Dichter.
Die Weiße Kaste enthält die Geweihten, die Magier und Forscher. Sie ist die oberste Kaste.

Die Kastenzugehörigkeit ist nicht vererbt. Jedes Elfenkind erhält fünf Mentoren, einen aus jeder Kaste. Diese Mentoren entscheiden nach einigen Jahren, in welche Kaste das Elfenkind berufen wird. Erst nach diesem Dekret werden die Elfen ihrer Kaste entsprechend unterrichtet. Zuvor erhält jeder Elf eine allgemeine Ausbildung, welche eine Grundlage für alle Kastenprinzipien bildet.

Selten geschieht es, dass ein Elfenkind mit der Entscheidung der Mentoren nicht einverstanden ist. In diesem Fall darf es das Dekret widerrufen. Das Kind hat nun fünf Jahre Zeit, den Mentoren zu beweisen, dass es für eine andere Kaste berufen ist. Sind die Mentoren jedoch nach Ablauf der fünf Jahre nicht mit der Wahl des Elfenkindes einverstanden, so muss es sich dem Dekret fügen oder es muss das Elfenreich verlassen und wird als „der Schwarzen Kaste“ zugehörig erachtet. Die Verbannung aus dem Reich gilt nur für das Individuum, nicht aber für dessen Nachkommen.

Das Bestreben der Elfen dient nicht der Anhäufung und dem Erwerb von Besitztümern, sondern der Vervollkommnung ihrer Fähigkeiten und das nicht nur für den Einzelnen, vielmehr für die Vollkommenheit der ganzen Kaste.

Die Elfen geben keinerlei Auskünfte, wie man ins Elfenreich gelangen könnte, vielmehr unterstützen sie die Legenden über die Verkürzung des Lebens eines Menschen, der sich ins Elfenreich verirrt, um dort unter sich zu bleiben.

[collapse]
Glaube

Die Elfen glauben an die gleichen Götter wie die heligonischen Menschen auch. Es gibt Helios, Poena, Xurl und Saarka. Allerdings gibt es nicht Geweihte zu den einzelnen Gottheiten, sondern jeder Geweihte ist Diener aller vier Götter, um in Einklang mit der Einheit der Götter zu stehen.
Natürlich ist die Schöpfungsgeschichte nicht die gleiche. Vielmehr stellt sich die Schöpfung der Elfen über die Schöpfung aller übrigen Lebewesen.

Die Schöpfung

Helios und Poëna fanden sich, wie es ihnen bestimmt war. Ihre Liebe ließ die Sterne erstrahlen und den Regenbogen leuchten. So entstanden Xurl und Saarka.

Die Welt war Erde, Wasser, Luft und Wärme, aber kein Leben war in ihr.

Da beschlossen die Götter, gemeinsam das Leben zu schaffen, und begannen mit ihrem Werk. Helios, Xurl und Saarka schlossen die Augen und gaben ihren Wünschen Gestalt.
So entstanden Wesen, die das Wasser bevölkern, Wesen, die durch den Himmel ziehen und Wesen, die über das Land wandern.
Poëna aber ließ die Pflanzen entstehen, die Gräser und Blumen, die Kräuter und Moose, und alle Arten von Bäumen. Der größte von ihnen jedoch, Menéldor, reichte bis hinauf zu Helios und liebkoste sein Antlitz.

Helios, Xurl und Saarka waren verwundert über das Werk Poënas und verwiesen auf den Verstand und die Geschicklichkeit, die ihre eigenen Wesen besaßen. Poëna aber lächelte nur.

Die Götter waren erschöpft von ihrem Werk und legten sich zur Ruhe. Und als Helios sich zu Poëna niederbeugte, sie küsste und sein Haupt in ihren Schoß legte, begann Poëna ihren Geliebten in den Schlaf zu singen. Ihr Lied durchdrang die Welt und erweckte die Elfen. Diese standen und lauschten Tindome, ihrer Melodie, so wie sie es noch immer tun.

Als die Götter erwachten, erblickten sie die Elfen und waren voller Bewunderung für Poënas Schöpfung. Sie lobten Poënas Umsicht, die Welt für die Ankunft ihrer Kinder so liebevoll und sorgsam vorbereitet zu haben, und sie erfreuen sich bis heute an ihrem Anblick.

Die Elfen und die Götter

Elfen sehen die vier Götter als eine vollkommene Einheit. Die Geschwister Xurl und Saarka streiten sich nicht wie im Ogedentum, sondern sind ebenfalls Teil dieser Harmonie. Einheit und Vollkommenheit („Minad a Terad“) sind deshalb die Grundprinzipien des elfischen Daseins und bestimmen Handeln und Denken. Die Elfen sind fest davon überzeugt, dass von den Göttern deshalb kein Unheil kommt, sondern nur Prüfungen, deren Bestehen weiter zur eigenen Vollkommenheit führt.

So gibt es auch nicht Geweihte zu den einzelnen Gottheiten, sondern jeder Geweihte („Istui“) ist Diener aller vier Götter, um in Einklang mit dieser Einheit zu stehen.
Dass die Menschen sich die Götter „aufteilen“, erklären die Elfen ganz einfach mit der Tatsache, dass ihr beschränkter Geist schlicht unfähig ist, die Größe der Götter als Ganzes zu erfassen….

Das Bestreben der Elfen dient nicht der Anhäufung und dem Erwerb von Besitztümern, sondern der Vervollkommnung ihrer Fähigkeiten, und das nicht nur für den Einzelnen, vielmehr für die Vollkommenheit des ganzen Volkes. Forschung, Handwerk oder Kunst ist nur auf das Streben nach dieser Vollkommenheit ausgerichtet. So wird ständig geforscht, probiert, verbessert. Eine gewisse Neugier ist also immer vorhanden. Jedoch: Was kann man bei geringeren Wesen denn Interessantes entdecken, was man nicht schon besser hätte…?

Die Elfen und der Tod

Elfen glauben, dass vieles in ihrem Leben vorherbestimmt ist („Manadh“): Besondere Fähigkeiten, die die Kastenzugehörigkeit entscheiden, die Berufung zum Mentor oder als Rat.
Zwei Elfen, die füreinander bestimmt sind, erkennen dies, wenn es an der Zeit ist. Da Poëna hier Einfluss nimmt, ist diese Annäherung immer mit Musik und Gesang verbunden. Die „Ehe“ währt bei Elfen ein Leben lang, denn auch Helios und Poëna fanden sich, und ihre Liebe dauert bis heute an.

Eine besondere Vorahnung besitzen die Elfen für ihren Tod. Auch ein noch so langes Leben geht irgendwann zu Ende, doch Poëna lässt ihren Kindern noch genügend Zeit, ihre Angelegenheiten zu regeln.
Ein Elf, der die Gewissheit hat, dass es Zeit ist zu gehen, gibt ein großes Fest für Familie und Freunde („Teldamerénde“) , verteilt dort das Erbe und verabschiedet sich. Dann macht er sich allein auf den Weg in die Wälder. Sein Ziel ist Menéldor, Poënas großer Baum. Auf seinem Weg wird er immer durchsichtiger und flüchtiger, bis er nur noch ein Gesicht, ein Geräusch ist. Seine Seele nimmt schließlich der Wind auf.

Elfen ahnen auch einen gewaltsamen Tod („Bregol Nur“) voraus (jedoch nie auf den Tag genau). Da aber auch dieses Ende und sein Zeitpunkt von den Göttern vorherbestimmt ist, macht es keinen Sinn, ihm aus dem Weg zu gehen. Sein Schicksal anzunehmen entspricht dem Streben nach Vollkommenheit und bringt der eigenen Kaste Ehre.

Wurde ein Elf getötet, nehmen Freunde seine persönlichen Gegenstände an sich und überbringen sie der Familie bzw. der Kaste. Es wird wie gewohnt ein großes Fest gefeiert, bei dem die Gegenstände einen Ehrenplatz einnehmen. Ein solches Ereignis ist von Trauer geprägt, da es dem Toten nicht vergönnt war, seine Reise zu Menéldor anzutreten.

[collapse]
Die Elfen und der Kampf

Elfen besitzen kein Heer im eigentlichen Sinne, da ihrem geheimnisvollen Reich kaum Gefahr droht. Die Rote Kaste widmet sich wie alle anderen der Vervollkommnung ihrer Fähigkeiten. Ein Elfenkrieger übt sich im Gebrauch der Waffen und generell in der Kunst des Kampfes. Die Aufgabe der Elfenkrieger ist es, ihr Volk zu beschützen, auch wenn es sich dabei zum Beispiel nur um die sichere Überquerung eines Flusses handelt. Da sich der Forschungsposten an der Grenze des elfischen Gebiets befindet, sandte die Rote Kaste einige Krieger, um die Umgebung zu beobachten und das Lager notfalls gegen Gefahren zu verteidigen. Da die Krieger der Elfen am meisten der Gefahr ausgesetzt sind, eines gewaltsamen Todes zu sterben, haben sie als einzige Kaste ein gemeinsames Zeichen ihrer Bestimmung erwählt: Eine Darstellung von Menéldor, dem „großen Baum“.

[collapse]
Die Elfen und die Musik

Durch Poënas Gesang besitzen Elfen eine besondere Beziehung zu Musik, die große Teile ihres Lebens bestimmt. Zum einen wollen sie Poëna selbst damit ehren und ihr gefallen, zum anderen kommt auch hier ihr Streben nach Vollkommenheit zum Ausdruck. So üben sich die Barden ständig in der Nachahmung von Poënas Melodie und versuchen ihren Zauber einzufangen und weiterzugeben. Die Variationen dabei sind unendlich, denn so wie jeder Sonnenuntergang sein eigenes Licht und seine eigene Stimmung hat, so klingt auch Poënas Lied immer wieder anders. Einige Barden widmen sich deshalb nur der Vervollkommnung weniger Melodien, andere bringen allein den Augenblick zum erklingen. Natürlich erfahren auch wichtige Ereignisse oder Geschichten über bewundernswerte Elfen ihren Widerhall in Gesang und Poesie.

[collapse]