Kurzfassung
Darragesh ist ein Reich zwischen Meer, Gebirge und endlosen Wäldern — ein Land, das von mächtigen Flüssen durchzogen wird und dessen Herz im fruchtbaren Delta schlägt. Hier liegt Darragor, die schillernde Hauptstadt voller Reichtum, Intrigen und alter Geheimnisse.
Im Norden wachen Menschen und Zwerge Seite an Seite über die Bergpässe, während sie unablässig gegen Orks, Goblins und die Bedrohung aus Thaskar kämpfen. Im Westen leben die stolzen Elfen in uralten Wäldern, deren Schatten noch immer von den verheerenden Elfenkriegen erzählen. Und weit draußen im Kristallmeer ziehen die geheimnisvollen See‑Elfen ihre Bahnen — ein Volk, das man selten sieht und noch seltener versteht.
Das Reich wird seit über sechshundert Jahren von der Dynastie de la Mere regiert, deren Macht sich auf alte Verträge, magische Insignien und ein weit verzweigtes Netz aus Verwandtschaft gründet. Magie ist allgegenwärtig: Die berühmte Magierschule im Herzogtum de Vega wacht über arkane Gefahren und über jene, die sie zu meistern versuchen.
Darragesh ist ein Land voller Gegensätze: Reichtum im Süden, Krieg im Norden. Handel und Diplomatie im Osten, uralte Wälder im Westen. Menschen, Elfen, Zwerge — und Wesen, die man besser nicht bei Namen nennt.
Über allem steht der Avendesorah, der Lebensbaum der Hohen Verträge. Solange er blüht, soll Frieden herrschen. Doch die Geschichte Darrageshs zeigt: Frieden ist hier immer nur eine Atempause.

Landeswappen
Das Königswappen ist zweigeteilt. Die rechte Seite zeigt einen aufrechten silbernen Drachen auf schwarzem Grund, der linke Teil zwei silberne Flüsse und drei Sterne auf violettem Grund.

Land und Geografie
Darragesh liegt zwischen dem östlichen Trawonien, den Wilden Landen im Westen und dem gewaltigen Barrieregebirge im Norden, hinter dem das Reich Thaskar beginnt. Im Süden schließlich stößt das Land an das Kristallmeer.
In der alten Sprache soll Darragesh „das Land an den zwei Flüssen“ bedeuten. Zwei mächtige Ströme, einer aus dem Norden, einer aus dem Osten, durchqueren das Reich und vereinen sich im Herzen des Landes. Von dort aus fließt ein breiter Strom südwärts und verliert sich in einem weit verzweigten Delta aus Inseln, Kanälen und Wasserarmen – ein Landstrich von großer Fruchtbarkeit und Reichtum.
Auf einer dieser Inseln erhebt sich die Hauptstadt Darragor. Sie gilt als schillerndes Zentrum des Reiches, geprägt von Handel, Intrigen, freizügigen Sitten und einem Reichtum, der kaum Grenzen zu kennen scheint.
Das Delta bildet zugleich das Herzland Darrageshs. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung leben in diesem Geflecht aus Wasserwegen und fruchtbaren Inseln. Durch die Lage am großen Strom ist es nahezu jedem adeligen Haus möglich, ungehindert Handel in alle Himmelsrichtungen zu treiben. So herrscht zumindest in den südlichen Provinzen ein Wohlstand, der seinesgleichen sucht.
Die gesamten östlichen Bereiche bilden eine weitläufige Steppenlandschaft, die Richtung Trawonien wieder etwas fruchtbarer wird. Hier werden die berühmten Pferde der Kavallerie gezüchtet, wenngleich die stehende Armee in Darragesh, die allein dem Königshaus untersteht, meist relativ klein ist.
Die nördlichen und nordwestlichen Provinzen gelten als rau und gefährlich. Dort herrschen Barone und Grafen, die den Titel Ritter mit Recht tragen und ihr Volk mit fester Hand schützen. Als Lohn dafür, dass sie die Handelswege sichern, gewährt ihnen das Königshaus großzügige Unterstützung.
Weiter westlich, hin zu den Wilden Landen, breiten sich endlose Wälder aus. Die Grenzen des Reiches existieren hier kaum mehr als Linien auf alten Karten. Wer tiefer in diese Wälder vordringt, trifft bald auf die Elfen, die seit uralter Zeit dort heimisch sind. Mit ihnen wurde einst ein Abkommen geschlossen, an das sich die ansässigen Edelleute gemäß königlicher Doktrin zu halten haben; es besitzt volle Gesetzeskraft.

Klima, Fauna und Flora
Das Klima Darrageshs zeigt sich im Sommer oft drückend warm, während die Winter an den Küsten des Kristallmeers mild bleiben. In den nördlichen Provinzen hingegen herrscht eine deutlich härtere Kälte.
Im Westen breiten sich gewaltige Wälder aus, die nach Süden hin zunehmend subtropische Züge annehmen, ohne jedoch je zu echtem Dschungel zu werden. Der Norden gleicht in Flora, Fauna und Witterung den Ländern des mittleren Nordens, wäre da nicht das mächtige Gebirge, das sich nach Thaskar hin auftürmt und den Himmel zu berühren scheint.
Das Kernland und der Süden werden von weit verzweigten Flussläufen geprägt, deren fruchtbare Ufer dicht besiedelt sind. Ein Großteil des Landes wird hier als Ackerboden genutzt oder in geordnete Forste verwandelt. Die wenigen parkähnlichen Wildflächen und sumpfigen Gebiete sind meist frei von gefährlichen Kreaturen und tragen einen üppigen, beinahe subtropischen Pflanzenreichtum. Das große Delta im Süden schwemmt stetig neue Erde an und steigert so die Fruchtbarkeit der Felder.
Nach Osten hin wird das Land karger. Heiße Winde aus dem Süden trocknen die Böden aus, sodass im Nordosten eine ausgedehnte Steppenwüste entstanden ist. Die umliegenden Steppen sind von sanften Hügeln durchzogen. Die beiden östlichsten Provinzen jedoch sind trotz der harschen Bedingungen für ihren Wein und ihren starken Schnaps berühmt.

Herrschaftsform
Die Herrschaftsform Darrageshs ist die einer absolutistischen Monarchie. Seit über sechshundert Jahren sitzt die Dynastie der de la Mere auf dem Thron. Dies ist möglich, weil nahezu jeder, der ein bedeutendes Amt bekleidet, in irgendeiner Weise mit dem Königshaus verwandt ist. So ist die Thronfolge für viele Generationen im Voraus festgelegt, gestützt auf allgemein anerkannte Reihenfolgen. Zwar zählt vor allem der Blutadel, doch auch Geschick im Umgang mit Geld hat in diesen Kreisen Gewicht.
Lange jedoch herrschte Unruhe unter den möglichen Erben, denn der König hatte weder Gemahlin noch direkte Nachkommen.

Währung
1 Goldflorin entspricht 10 Silberflorini, 1 Silberflorin entspricht 10 Kupferflorini.
1 Silberbatzen hat das Gewicht von 12 Silberstücken und besitzt den Wert einer Münze, das gleiche gilt für Goldbatzen. Das Prägerecht liegt bei der königlichen Familie.
Die Währung ist ungewöhnlich rein, deshalb werden von Tauschern nur ungern andere Währungen angenommen, insbesondere Währungen, die in großer Stückzahl umgehen.

Bevölkerung
Die Bevölkerung im Landesinneren und im Flussdelta besteht überwiegend aus Menschen. In den nördlichen Provinzen jedoch wurden die großen Zwergenfestungen in das Reich eingegliedert, ohne dass das Königshaus dort tatsächliche Herrschaft ausübt. Zwerge und Gnome leben in diesen Regionen seit Generationen Seite an Seite, auch wenn immer wieder von erbitterten Kämpfen gegen gewaltige Goblinhorden berichtet wird, die aus den nördlichen Wäldern und Bergen hervorbrechen.
Im Westen, tief in den ausgedehnten Wäldern, leben die Elfen innerhalb der Grenzen Darrageshs. Sie entrichten nur geringe Abgaben. Zwar gelten sie als Teil der Bevölkerung, bleiben jedoch faktisch unabhängig. Die alten Elfengeschlechter, die Hochelfen, pflegen unter ihresgleichen zu bleiben. Die Waldelfen und Talelfen hingegen gehen auch Ehebündnisse mit den Menschen ein. Viele der menschlichen Adeligen aus nordwestlichen Provinzen haben in elfische Familien eingeheiratet. Daher begegnet man in diesen Provinzen zahlreichen Halbelfen und Menschen, in deren Adern ein Anteil elfischen Blutes fließt.

In den nördlichen Wäldern und Gebirgen leben große Orkscharen, die sich glücklicherweise häufig gegenseitig bekriegen und so nur selten geschlossen gegen das Reich ziehen.
Es gibt noch vereinzelt Nachtelfen, der Großteil wurde jedoch in den Zwergenkriegen verdrängt.

Glaube
Der Glaube nimmt in Darragesh einen festen Platz im Leben der Menschen ein. Verboten sind alle Kulte, die Todesgötter verehren, rituelle Menschenopfer verlangen oder sich dunklen Mächten wie Chaos und Verderbnis zuwenden. Ebenso wird die Ausübung der Schwarzen Magie unerbittlich verfolgt. Dennoch hält sich unter der Landbevölkerung ein tief verwurzelter Aberglaube, der bisweilen zu spontanen und unbedachten Handlungen führen kann.
Seit etwa hundertzwanzig Jahren hat sich der ogedische Glaube im von Menschen bewohnten Königreich immer weiter verbreitet. Das ursprünglich aus Heligonia stammende Pantheon umfasst vier Gottheiten, die als gleichrangig gelten und gemeinsam das Gleichgewicht der Welt verkörpern.
Helios, der Gott der Sonne, des Rechts und der Ordnung, gilt als Hüter des Gesetzes und als Lichtbringer, der Klarheit in menschliche Angelegenheiten bringt.
Poëna, die Göttin der Erde, des Wachstums und des Lebens, steht für Fruchtbarkeit, Heilung und den Kreislauf der Natur.
Xurl, der Gott des Wassers, der Fischerei und der Seefahrt, wacht über Flüsse, Küsten und all jene, die auf dem Wasser ihr Auskommen finden.
Saarka, die Göttin von Feuer, Eis und Sturm, herrscht über Krieg, Unwetter und die ungezähmten Kräfte der Welt; zugleich ist sie mit Tod und Übergang verbunden.
Die Geweihten dieser vier Gottheiten besitzen keine feste Hierarchie und tragen keine einheitlichen Gewänder. Im Volk gelten sie als Respektspersonen, deren Rat man sucht und deren Urteil man achtet, auch wenn sie keine weltliche Macht ausüben.
Neben dem ogedischen Pantheon existieren in Darragesh zahlreiche weitere Götter und Götterkinder, deren Verehrung je nach Region unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Manche von ihnen gelten als lokale Schutzgeister von Flüssen, Bergen oder Wäldern, andere als Ahnenwesen, die einst selbst unter den Sterblichen wandelten. Ihre Kulte sind meist klein, aber tief verwurzelt, und werden vor allem in abgelegenen Dörfern oder von bestimmten Berufsständen gepflegt.
Hinzu kommen die Schutzpatrone, Menschen, die zu Lebzeiten außergewöhnliche Taten vollbrachten und dadurch die Gunst der Götter erhielten. Nach ihrem Tod spricht man ihnen die Fähigkeit zu, die Lebenden in bestimmten Situationen zu schützen — sei es auf Reisen, bei der Geburt eines Kindes, in der Schlacht oder während der Ernte. Ihre Verehrung ist nicht zentral organisiert, doch im Volk gelten sie als Respektspersonen, und ihre Geschichten werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Magie
Magie ist in Darragesh allgegenwärtig. Sie zeigt sich in kleinen Wundern, in unberechenbaren Zwischenfällen und in Wesen, die man lieber aus sicherer Entfernung betrachtet. Nicht selten wird sie zum Problem, und für solche Fälle gibt es nur eine Instanz, der das ganze Reich vertraut: die hochgerühmte Magierschule.
Ihr Vorsitzender ist — wie könnte es anders sein — ein Magier aus dem königlichen Familienzweig, dessen Mitglieder seit Generationen eine besondere Begabung für die arkanen Künste besitzen. Diese Gabe zeigt sich oft schon in der Kindheit, manchmal in Form harmloser Späße, manchmal in Form von Ereignissen, die man lieber nicht wiederholen möchte. Der Herzog von de Vega, in dessen Herzogtum die Akademie liegt, entstammt demselben Zweig und gilt als einer der mächtigsten Magier des Reiches.
Die Magierschule befindet sich nahe dem geografischen Mittelpunkt Darrageshs und übernimmt alle magischen Probleme, die in den Provinzen nicht mehr zu bewältigen sind. Man verweist gern auf das Staubloch, einen gewaltigen Krater, der als Mahnmal dafür dient, was geschieht, wenn Magie außer Kontrolle gerät.
Jeder Magier, der Lehrlinge ausbilden will, muss sich zuvor an der Akademie qualifizieren und einer der sechs Gilden angehören — denn die Zahl Sechs gilt in Darragesh als die magische Zahl schlechthin. Am Ende ihrer Ausbildung werden die Lehrlinge in der Akademie geprüft, manchmal nur wenige Wochen, manchmal viele Monate lang. Wer besondere Fähigkeiten zeigt, wird ermutigt, weiter an der Akademie zu lernen oder selbst zu lehren. Wer hingegen geistig noch nicht bereit ist, dessen Prüfung kann sich über Jahre hinziehen.
Im Notfall sind alle Magier des Reiches verpflichtet, dem Königshaus zu dienen. Und so kommt es, dass man in Zeiten der Gefahr nicht nur Soldaten und Söldner auf den Straßen sieht, sondern auch Magier in langen Gewändern, deren Stäbe im Licht schimmern und deren bloße Anwesenheit die Menschen beruhigt — oder beunruhigt, je nachdem, welche Geschichten man über sie gehört hat.

Handel
Innerhalb Darrageshs fließen die Waren die zwei Ströme auf und ab, die das Land durchziehen.
Besonders vorteilhaft hat sich der Handel mit den Zwergenfestungen in den nördlichen Provinzen erwiesen, ebenso wie der Austausch mit den Elfen und den See-Elfen entlang der Wasserwege. Auf diesen Routen lassen sich Gewinne erzielen, die jedes gewöhnliche Maß übersteigen. Denn je nach Volk und Weltanschauung werden andere Güter und Werte geschätzt, und genau diese Unterschiede lassen sich in klingende Münze verwandeln.
Auch über die Grenzen hinaus wird reger Handel getrieben, besonders mit Trawonien, Telnaron und Heligonia.

Militarisierung und Diplomatie
In Zeiten der Verteidigung lässt der König gewöhnlich eine große Söldnerarmee anwerben. Die hohen Verdienste locken immer mehr Söldner aus fremden Ländern an, die nicht nur im Heer, sondern auch in der Handels- und Seeflotte Dienst tun.
Obwohl Darragesh und Thaskar seit nunmehr hundertzwanzig Jahren formell im Kriegszustand stehen, wird dieser Konflikt nur selten offen ausgetragen. Die Bergpässe im Norden werden gemeinsam von Zwergen und Menschen bewacht, und nur in den Sommermonaten kommt es zu größeren Scharmützeln an den gut befestigten Übergängen. Den Rest des Jahres verhindern Schnee, Sturm und die Bestien der hohen Berge jegliche größeren militärischen Unternehmungen.
Mit Trawonien unterhält Darragesh bedeutende diplomatische Vertretungen, deren Wort in beiden Reichen Gewicht besitzt. Auch zu den meisten anderen Ländern bestehen politische Verbindungen, die vor allem darauf abzielen, den Handel zu sichern und den Frieden zu wahren. Der Austausch mit den Elfen und See‑Elfen, ebenso wie der Handel mit den Zwergenfestungen, spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die Innenpolitik des Reiches wirkt bisweilen träge, da viele Adelige versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Doch alle fürchten die Möglichkeit, in der Rangfolge der Thronanwärter herabgestuft zu werden — oder gar in die unwirtlichen Nordprovinzen versetzt zu werden. Während im Süden der Wohlstand gemehrt wird, widmen sich die nördlichen Provinzen dem Kampf gegen Orkhorden, Monster und die stete Bedrohung aus Thaskar.
Gerade diese nördlichen Provinzen gelten als die eigentliche Stütze des Reiches. Ihr Mut und ihre Opferbereitschaft verleihen ihnen ein politisches Gewicht, das weit über ihre Bevölkerungszahl hinausreicht. Aus ihren Reihen werden traditionell die Heerführer des Königs berufen.
In Darragesh trägt das Militär — besonders in den Nordprovinzen — Rüstung als festen Bestandteil der Uniform. Je nach Landesteil reicht die Ausrüstung von traditioneller ritterlicher Bewaffnung bis hin zu Musketen und Arkebusen. Die südlichen Provinzen bevorzugen ein höfisches, beinahe französisch anmutendes Erscheinungsbild: leichte Rüstungen, Degen, breite Überwürfe und Uniformen, die an die berühmten Musketiere fremder Länder erinnern. Die Truppen, die direkt dem König unterstehen, treten diesem Vorbild besonders nahe und gelten als seine persönliche Garde.
Neben den großen Kavallerieverbänden aus den Ostprovinzen setzt das Reich auf schwer gerüstete Fußsoldaten, die in gepanzerten Pferdewagen an die Front gebracht werden, um ihre Beweglichkeit zu erhöhen. Doch trotz dieser militärischen Stärke werden viele Scharmützel durch angeworbene Söldnertruppen ausgetragen — ein Luxus, den sich Darragesh dank seines Reichtums leisten kann. Nicht selten entsendet das Königshaus größere Söldnerkontingente zur Unterstützung verbündeter Länder, etwa nach Ronin.
Die Soldaten des Reiches werden in der Regel von Magiern und Klerikern begleitet, die dem militärischen Stab unterstehen und sowohl im Kampf als auch in der Versorgung eine wichtige Rolle spielen. Mehrere große Festungen und militärische Anlagen sichern strategische Punkte des Landes und überzeugen Reisende wie Feinde gleichermaßen von der Wehrhaftigkeit Darrageshs. In den Häfen liegen regelmäßig zahlreiche Kriegsschiffe modernster Bauart, bereit, die Handelswege zu schützen oder im Ernstfall auszurücken.

Zeitrechnung
Die Zeitrechnung beginnt im Jahre 0 (Avendesorah).

Geschichte

Die verlorenen Aufzeichnungen und die Elfenkriege
Die große Bibliothek von Darragor bewahrt unzählige Schriften, doch über die Zeit vor den Elfenkriegen ist nur wenig erhalten. Viele Werke verbrannten in den Wirren jener Epoche, andere wurden von den Elfen selbst vernichtet oder verschwanden spurlos in den Grenzwäldern. Was bleibt, sind Fragmente — genug, um zu ahnen, wie verheerend diese Zeit gewesen sein muss.
Die Elfenkriege begannen, als das Reich versuchte, seinen Einfluss in die westlichen Elfenlande auszudehnen. Was als Grenzstreit begann, wuchs sich zu einem Konflikt aus, der sich über Jahrhunderte hinzog. Es waren keine ununterbrochenen Schlachten, sondern ein Krieg der Schatten, der Wälder und der Geduld.
Im Schutz der uralten Bäume ließen die Elfen ihre todbringenden Pfeile fliegen. Viele Darragesher starben, ohne je den Feind gesehen zu haben. Als die Elfen ihre Angriffe schließlich auf Gebiete ausweiteten, die seit jeher zum Reich gehört hatten, griffen die Menschen zu drastischen Mitteln: In den heißen Sommern brannten sie große Teile der Wälder nieder, um den Elfen ihre Deckung zu nehmen. Doch der Wald wuchs durch Elfenzauberei schneller nach, als selbst die Magier ihn eindämmen konnten.
Der Krieg verschlang Ressourcen, Menschen und Hoffnung. Das Reich begann zu zerfallen. Nur im Süden, im fruchtbaren Delta, blieb ein Teil der alten Kultur erhalten. Dort spricht man mancherorts noch heute die weiterentwickelte alte Sprache, während der Rest des Landes längst die Allgemeinsprache der Mittellande angenommen hat.
Die nördlichen Provinzen lösten sich in dieser Zeit faktisch vom Reich. Sie hatten genug damit zu tun, sich gegen Orkhorden und Monster zu verteidigen, die aus den verlassenen Ebenen hervorbrachen. Die östlichen Landesteile entfernten sich ebenfalls, wurden aber später wieder eingegliedert.
Doch auch die Elfen litten. Ihre Zahl sank, ihre Siedlungen wurden bedroht, und während die Menschen ihre Verluste rasch ausgleichen konnten, war jeder gefallene Elf ein kaum ersetzbarer Verlust.
Schließlich kam es zu einem notwendigen Waffenstillstand, aus dem später die Hohen Verträge hervorgingen — ein Friedenswerk, das die Geschichte der Völker neu ordnete.

Der Avendesorah – Beginn einer neuen Zeitrechnung
Als Zeichen des Friedens überreichten die Elfen einen Avendesorah, einen Sprössling des Lebensbaums. Mit seiner Übergabe begann die neue Zeitrechnung: das Jahr 0 nach Avendesorah.
Der Baum wurde im Herzen der Hauptstadt gepflanzt, im innersten Kreis der Königspaläste. Um ihn herum wuchs im Laufe der Jahrhunderte die gewaltige Schlossanlage, die heute Sitz der Königsfamilie ist.
Der Avendesorah ist einzigartig: Er besitzt einen weißen Stamm, blauweiße Blätter und blaue Früchte, die Äpfeln ähneln und als Früchte der Fruchtbarkeit gelten.
Solange dieser Baum steht, gilt auch der Vertrag. Er soll unsterblich sein, solange niemand ihn fällt. Seine zahlreichen Schösslinge dürfen nicht zu neuen Bäumen heranwachsen; stattdessen werden sie zu klerikalen Stäben der Cosmospriester verarbeitet.
Zu Adelshochzeiten werden traditionell Früchte des Baumes verschenkt und sofort verzehrt — ein Symbol für Fruchtbarkeit, Bündnis und die Bindung an die Hohen Verträge. Diese Tradition führte dazu, dass über die Jahrhunderte praktisch jeder mit jedem verwandt ist, was schließlich die Anerkennung einer festen Thronfolgeliste notwendig machte.

Die Orkkriege
Nach den Elfenkriegen wandte sich das Reich dem Wiederaufbau zu. Handel und Landwirtschaft blühten, doch im Norden kam es immer wieder zu Kämpfen gegen Goblins und Orkhorden.
Zwischen den Jahren 430 und 440 überrannten die Orks beinahe die gesamten Nordprovinzen. Nur durch die vereinte Kraft des Reiches konnten sie zurückgeschlagen werden. Aus dieser Not entstand ein Kooperations- und Waffenvertrag, der die nördlichen Baronien enger an das Reich band. Im Jahr 1104 kehrte der gesamte Norden freiwillig zurück.
Die Kultur der Nordprovinzen hatte sich in der Zwischenzeit stark verändert. Nur die Adligen vermischten sich durch Heiraten mit den Häusern des Südens, um am Reichtum des Deltas teilzuhaben.
Die Orkkriege jedoch dauern bis heute an — und in jüngster Zeit mehren sich die Zeichen, dass die Orks erstmals seit Jahrhunderten unter einer gemeinsamen Führung stehen.

Die Kriege in den östlichen Provinzen
Zwischen 640 und 810 besetzten fremdländische Wüstenkrieger den Osten Darrageshs. Sie brachten ihre eigene Kultur, neue Techniken und ungewohnte Denkweisen mit. Erst in den Kriegen von 1140 bis 1196 wurden sie endgültig vertrieben. Doch ihre Spuren blieben: Die östlichen Provinzen bewahrten viele ihrer Traditionen, was das Königshaus bis heute duldet.

Die Zwergenverträge
Zwischen 508 und 865 schloss Darragesh Verträge mit den Zwergen der Osthöhen, des Grats der Welt und der Nordbarriere. Die oberirdischen Teile ihrer Festungen gehören dem Namen nach zum Reich, doch die unterirdischen Hallen bleiben unangefochtenes Zwergenreich. Beide Seiten sagten sich militärische Unterstützung zu, und ein reger Handel entstand, der bis heute blüht.

Das Geschenk der Zwerge: Die Königsinsignie
Im Winter 710/711 unterstützte Darragesh die Zwergenfestung Tir Dolith gegen einen Angriff der Dunkelelfen. Die Verluste waren hoch, doch der Feind wurde zurückgeschlagen. Aus Dank erhielten die Menschen ein magisches Schwert: das Zepter. Der Sage nach wurde es zu Beginn der Welt geschmiedet. Seine wahre Bedeutung ist unbekannt, doch es wurde zur Krönungsinsignie und zum Symbol der Freundschaft zwischen Zwergen und Menschen.
Im Jahr 964 jedoch geschah etwas, das das Reich bis heute prägt. König Francois, ein jähzorniger Herrscher, erlitt nach zwei militärischen Niederlagen einen Wutanfall. Er erschlug mit dem Zepter mehrere Höflinge — darunter drei Jungfrauen — und schlug das Schwert schließlich gegen den Thron. Es versank bis zum Heft im massiven Stein, als wäre dieser aus Butter.
Eine Welle weißer Magie breitete sich über das gesamte Flussdelta aus. Sie verstärkte alle Formen der Weißmagie, wirkte jedoch wie ein ungeschliffener Katalysator und führte zu unvorhersehbaren Nebeneffekten.
Seit diesem Tag gibt es im Landesinneren des Königreichs keine Untoten mehr.
Die Familie der Grafen de Leomie, die zu dieser Zeit dunkler Machenschaften verdächtig war, verließ überhastet mit dem gesamten eigenen Haushalt das Reich und gründete hoch im Norden später die freie Grafschaft Kirson.

Piraterie
Als Piraten und fremde Kriegsschiffe begannen, die Küsten heimzusuchen, schlossen sich die vorgelagerten Inseln der See-Elfen im Jahr 1233 dem Reich an. Ihre Flotten und ihre Kenntnis der Wasserwege machten sie zu wertvollen Verbündeten — und zu einem Bollwerk gegen die Gefahren des Kristallmeers.