„Werte Freifrau von Sefardi, verzeiht bitte die Störung,” sagt die junge Wachfrau mit dem Universitätswappen auf der Brust. „Im Hof steht ein Ziegenhirte, der steif und fest behauptet, der seit Wochen überfällige Shimshiri Binzu Al’Curiosus zu sein. Er besteht darauf mit Euch zu sprechen.”
Behutsam stelle ich meine Tasse köstlichen Minztees neben den nie enden wollenden Papierkram.
„Aurora Sedomee,” seufze ich. „Nun, was will er denn? Ist Al’Curiosus endlich von seiner Expedition zurück? Oder handelt es sich um einen Verwirrten?”
„Äh, ja, Aurora Sedomee,” ergänzt die Wachfrau und tippelt neben der offenen Tür meines Studierzimmers angespannt von einem Fuß auf den anderen. „Einige der hinzugeeilten Studentinnen sind der Ansicht, dass es sich durchaus um Al’Curiosus handeln könnte, aber wenn Ihr vielleicht…“
„Schon gut.“ Ich nehme rasch noch einen Schluck Tee. „Heute ist sowieso ein eigenartiger Tag. Bringt mich zu ihm.“
Als wir den Hof betreten hat sich bereits eine kleine Menschentraube um den Neuankömmling gebildet. Durch die Studentinnen hindurch erkenne ich einen groß gewachsenen Mann mit etwas zu langen, zerzausten schwarzen Haaren und der einfachen Kleidung der Ziegenhirten. „Das soll Binzu sein? Na, auf diese Geschichte bin ich gespannt“, murmle ich, als wir näherkommen.
Als ob er mich gehört hätte, dreht er sich um und ich staune nicht schlecht. Dünner als zuvor, ziemlich ungepflegt, aber unverkennbar steht dort der Ehrenwerte Binzu Al´Curiosus, Shimshiri für valmerische Baukunst.
„Binzu!“ rufe ich erstaunt. „Ihr seid es wirklich! Was ist hier los?“
„Aurora Sedomee, werte Freifrau“, strahlt er mich an. „Danke, dass Ihr gekommen seid. Verzeiht den Aufruhr, aber die vermaledeiten Universitätswachen wollten mich vor die Türe setzen, könnt Ihr Euch das vorstellen? Ich habe eine abenteuerliche Geschichte zu erzählen.” Er rollt die Augen vorsichtig in Richtung der immer noch gaffenden Studentinnen. „Doch darf ich vorschlagen, dass wir dieses Gespräch in Eurem Studierzimmer fortsetzen?” Ich mustere ihn von oben bis unten und rümpfe abschließend die Nase. „Gerne, vorausgesetzt Ihr nehmt zuvor den Umweg über ein Bad inklusive frischer Kleidung.”
Eine Stunde später tritt ein völlig verwandelter Binzu in mein Studierzimmer. „Setzt Euch und erzählt, was Euch so lange draußen in der Wüste beschäftigt hat.”
„Sehr gerne, werte Freifrau“, erwidert er. „Hört gut zu…“
Wie Ihr wisst, wollte ich meine vorlesungsfreie Zeit dazu nutzen, nach Hagiapolis zu reisen, um dort den Ausgrabungen einiger valmerischer Bauwerke beizuwohnen. Auf meinem Weg dorthin wurde ich durch einen heftigen Sandsturm für eine Weile von meiner Karawane getrennt und kam vom Wege ab. Zu allem Elend heftete sich auch noch ein Sandtiger an meine Fersen. Mein Pferd warf mich ab, ich fiel eine Düne herunter und muss mir den Kopf gestoßen haben. Glücklicherweise befand der Sandtiger das Pferd wohl als schmackhafter, denn sonst könnte ich diese Geschichte heute nicht erzählen. Als ich wieder erwachte, lag ich auf einem stark nach Ziege riechenden Lager in einem einfachen Zelt. Der Versuch, mich aufzusetzen, produzierte indes eine starke Schwindelattacke und heftige Schmerzen im Bein. Eine ältere Sedomeesin betrat das Zelt.
„Oh, Ihr seid erwacht, sehr gut! Mein Name ist Selena und ich bin das Oberhaupt dieses Clans. Bleibt noch etwas liegen. Ihr habt eine ziemliche Beule am Kopf und Euer Bein ist mindestens angeknackst. Ich habe es geschient und Heilkräuter aufgelegt, aber Ihr solltet es einige Zeit nicht belasten.“
„Wo bin ich“, stammelte ich, als ich auf das Lager zurücksank.
„In der Wüste nahe der Grenze zwischen Apurien und Sebur. Was wolltet Ihr so weitab jeglicher Wege und vor allem warum in der Götter Namen wart Ihr ohne Karawane unterwegs“, fragte sie mich streng.
„Ich hatte es eilig und geriet in einen Sandsturm. Dabei muss ich vom Wege abgekommen sein“, murmelte ich schuldbewusst. „Dann war da noch dieser Sandtiger…“
„Dem Sandtiger habt Ihr es zu verdanken, dass wir Euch überhaupt gefunden haben. Wir haben dieses Vieh schon seit Tagen verfolgt. Er hat einige unserer besten Ziegen gerissen.“
„Ihr seid Ziegenhirten“, stellte ich überflüssigerweise fest und wurde prompt rot.
Sie lachte. „Ja, wir sind ein nomadischer Clan und reisen durch die Wüste im Grenzland. Doch nun solltet Ihr Euch weiter ausruhen. Später ist noch genügend Zeit für Fragen.“
Die nächsten Tage verbrachte ich damit, das Gehen an provisorischen Krücken, die mir jemand aus dem Clan netterweise angefertigt hatte, zu üben. Gar nicht so einfach auf sandigem Boden, stellte ich missmutig fest. Meine Immobilität gab mir reichlich Gelegenheit, das Leben einfacher Ziegennomaden aus nächster Nähe zu beobachten. Alle Clanmitglieder waren überaus freundlich und um mein Wohlergehen besorgt. Abends am Feuer lauschte ich ihren Geschichten und Liedern. Dabei konnte ich meiner beruflichen Neugierde nicht widerstehen und fragte, ob es hier in der Wüste auch valmerische Bauwerke gäbe. Die Antwort darauf war jedoch merkwürdig. Eine junge Sedomeesin setzte zu einer Antwort an, wurde aber dann scharf von einer älteren Sedomeesin zurechtgewiesen. Merkwürdig, dachte ich. Es ist doch nicht schlimm, wenn es hier Gebäude aus valmerischer Zeit gäbe. Sie zu erforschen hilft uns, unsere Vergangenheit besser zu verstehen. Je mehr ich nachfragte, umso karger wurden die Antworten.
Eines Abends saß ich halb gelangweilt, halb dösend am Feuer und bemerkte, wie eine Frau sich neben mich setzte. Ihrem Aussehen und Gebaren nach musste sie zu den Clanältesten gehören. Ich versuchte mich an ihren Namen zu erinnern, kam aber verwundert zu dem Schluss, dass ich sie in meiner Zeit hier noch nicht getroffen hatte.
„Wie ich sehe, geht es Eurem Bein schon bedeutend besser“, krächzte sie. „In eine paar Tagen seid Ihr bereit, Euren Weg raus aus der Wüste anzutreten. Ein Clanmitglied wird Euch bis zur nächsten Straße geleiten.“
Nun gut, dachte ich. Das klingt nach einem höflich formulierten Rauswurf.
„Verzeiht meine ständige Neugierde“, sagte ich. Wie Ihr wisst, bin ich Shimshiri an der Universität zu Marola und interessiere mich sehr für unsere valmerischen Bauwerke. Doch jedes Mal, wenn ich ein Clanmitglied nach valmerischen Gebäuden frage, weichen sie mir aus. Könnt Ihr mir sagen, warum?“
„Hier draußen in der Wüsten leben wir im hier und jetzt. Was einst war, hat für uns wenig Bedeutung. Doch da Ihr einfach keine Ruhe gebt, will ich Euch sagen, was ich weiß. Mitten in der Wüste gibt es ein Tal, das nicht gefunden werden will. In diesem Tal gibt es eine uralte Oase, umringt von weißen Gebäuden. Wie lange dieser Ort schon existiert, wissen wir nicht. Die Geschichten reichen eine lange Zeit zurück. Doch jedes Kind aus unserem Clan lernt schon früh, diesen Ort zu meiden. Es gehen dort seltsame Dinge vor sich. Kommt man der Oase zu nahe, überkommt einem das dringende Bedürfnis wieder nach Hause umzukehren. Selbst unsere Tiere meiden das Tal, obwohl sie das Wasser in der Oase sicherlich wittern. Wir wissen, dass dort unten Menschen leben. Ab und zu sahen wir Reiter in grauen Gewändern durch das Tor kommen und gehen.” Sie lehnte sich näher zu mir und im Feuerschein schimmerten ihre Augen grünlich zwischen ihren tiefen Falten, während ihr Ton noch eindringlicher wurde. „Wenn Ihr meinen Rat haben wollt: Haltet Euch von diesem Ort fern und kehrt wieder nach Hause zurück.“
Mit diesen Worten erhob sie sich und schlurfte langsam in die Dunkelheit in Richtung der Zelte.
Nachdenklich starrte ich in die Flammen. An der Universität lauschte ich doch erst kürzlich einem Disput zweier Kolleginnen. Die eine behauptete, der Ordo Mentalis hätte seine Wirkungsstätte in der Wüste an der Grenze zwischen Apurien und Sebur. Dieser Ort sei schon hunderte von Jahren alt. Die andere behauptete, das sei alles Quatsch. Diesen Orden und überhaupt Magie wäre ein Hirngespinst, dass sie sich wohl bei etwas zu viel Dattelschnaps hat einfallen lassen. Könnte es sich bei diesem Ort um die geheime Wirkungsstätte des Ordo Mentalis handeln?
Allein bei dem Gedanken, diese alten Gebäude zu besichtigen, überkam mich eine Gänsehaut. Mein Entschluss stand schnell fest, ich musste dahin, egal wie!
Nach zähen Verhandlungen mit Clanoberhaupt Selena und Zusagen meinerseits über die ein oder andere materielle Zuwendung – wer braucht schon Sattel und Zaumzeug für ein totes Pferd, stellte mir der Clan Nahrung, Wasser, ein etwas in die Jahre gekommenes Burai und einen Führer zur Verfügung. Sie würden mich jedoch nur in die ungefähre Richtung des Tals bringen. Alles weitere sollte ich dann bitte mit den Göttern aushandeln. Ich hatte mir in der Zwischenzeit mit Hilfe der Clanmitglieder eine grobe Karte der Gegend erstellt und wollte dort den Weg zum Tal einzeichnen. Somit wäre es jederzeit möglich, zurückzukehren, falls etwas Unvorhergesehenes passieren würde. Wie naiv ich doch war! Nach eineinhalb kräftezehrenden Tagesmärschen wies mein Führer mit der Hand zum Horizont und mit den Worten „da lang“ machte er kehrt, um den Weg zurück zu seinem Clan anzutreten. „Nun gut“, sagte ich fröhlich zu meinen Burai. „Dann wollen wir mal sehen, ob sich dieses Tal nicht doch finden lässt.“
Die Götter schienen mir wohlgesonnen, denn bereits nach einem halben Tagesmarsch kam ich in ein Tal, an dessen Ende das Grün einer Oase schimmerte. „Heureka“, rief ich. „Ich glaube, wir haben es gefunden!“
Je näher ich der Oase kam, desto mehr verspürte ich den Wunsch, in mein gemütliches Studierzimmer an der Universität zurückzukehren. Die Sonne stach, der Sand rieb zwischen den Zehen und das Burai musste ich mittlerweile am gestreckten Arm hinter mir herziehen. Doch der Gelehrte in mir wollte sich unbedingt diese Gebäude aus der Nähe ansehen. Als wir noch ungefähr zweihundert Schritt vom Haupttor entfernt waren, verweigerte mein Burai den Dienst und legte sich flach auf die Erde. Weder Bestechungsversuche mit Datteln noch wüste Beschimpfungen konnten es zum Aufstehen bewegen. Plötzlich hörte ich aus Richtung der Oase ein Pferd heran galoppieren. Aha, dachte ich. Jetzt kommt das Empfangskomitee.
Der Reiter zügelte sein Pferd, stieg ab und ging auf mich zu. Es war ein hochgewachsener, asketisch wirkender Mann mit kahlrasiertem Schädel. Auf seinem Kopf waren zwei offene, sich berührende Halbkreise tätowiert. Unter stechend grünen Augen spross ein wilder Bart. Er war in ein einfaches graues Gewand gekleidet.
„Aurora Sedomee“, begann ich. Aber der Gruß blieb mir unter dem Blick des Fremden im Halse stecken. Er sagte kein Wort, sondern sah mir nur unverwandt in die Augen.
„Geh nach Hause“, sagte er leise. Die Worte, so leise gesprochen, hallten laut in meinem Kopf wider. „Ja, nach Hause gehen, gute Idee“, murmelte ich.
Das Nächste an das ich mich erinnerte war, dass ich neben meinen Burai inmitten einer Karawane hertrottete. Staunend sah ich mich um. „Wie bin ich denn hierhergekommen“, fragte ich laut. Die neben mir reitende Karawanenwache lachte laut auf. „Na na, ist Euch der Dattelschnaps gestern Abend nicht bekommen oder hat Euch die Sonne Euer Gehirn ausgetrocknet? Ihr seid vor zwei Tagen mitten in unser Lager geplatzt und habt gesagt, Ihr müsstet so schnell wie möglich wieder zurück an die Universität zu Marola.“
„Tja,” beendet Binzu seine Geschichte. „So bin ich dann schlussendlich an der Karwanserei Saru Han in Marola angekommen, habe das alte Burai verkauft und bin auf schnellstem Wege zur Palasthalbinsel geeilt, um mit Euch zu sprechen. Aber jetzt kommt das Allerschlimmste liebe Kalenopis… ich habe die Karte verloren! Somit ist mir der Weg zurück auf immer versperrt!“
„Mein lieber Kollege“, antworte ich stirnrunzelnd. „Ich glaube, Ihr habt tatsächlich Bekanntschaft mit einem Mitglied des geheimen Ordo Mentalis gemacht und seid zudem noch in den Genuss einer Kostprobe seiner Kräfte gekommen. Ihr könnt von Glück sagen, dass Euch nur einige Tage Erinnerung fehlen!“
Ich versuche in den folgenden Tagen, Binzu die irrsinnige Idee auszureden, schnellstmöglich wieder zu dem Nomadenclan zurück zu kehren, um sich von dort aus erneut auf die Suche nach dem Tal zu machen. Doch ohne Erfolg.
Bereits eine Woche nach seiner Rückkehr reiste er wieder in die Wüste. Das war vor knapp einem Jahr. Ich befürchte, diesmal wird er nicht zurückkehren.
Vor etwa einem halben Jahr gelang es den Angehörigen der arkanen Universität zu Talwacht den bis dato verschollenen Westflügel der Universität wiederzufinden. Grund genug, um mit einem gelehrten Experten für eben diesen Westflügel zu sprechen.
Portal: Magister Grimmsel, vielen Dank, dass sie sich Zeit nehmen, um uns in die Geheimnisse des Westflügels einzuweihen
Grimmsel: lacht. Ich fürchte, die Geheimnisse des Westflügels sind so unergründlich wie die Gedanken unserer Erzkanzlerin.
Portal: Was genau meinen Sie damit?
Grimmsel: Nun ja, selbst wenn man über einen Götterlauf, Verzeihung, über ein Jahr im Westflügel überlebt, hat man gerade einmal einen kleinen Blick auf all die Schrecken und Wunder darin werfen können.
Portal: Wenn das so ist, warum sind Sie dann aus dem Westflügel wieder herausgekommen?
Grimmsel: Erstens, weil ich nicht lebensmüde bin und zweitens materialisierte sich der Ausgang vor mir.
Portal: Könnten Sie kurz für uns Laien beschreiben, was der Westflügel ist?
Grimmel: Auf den ersten Blick ist er nur ein Gebäudeteil der arkanen Universität zu Talwacht, eben ihr westlicher Flügel.
Portal: Und auf den zweiten?
Grimmsel: Nun ja, wenn man verrückt oder betrunken genug ist, um ihn zu betreten, wird man feststellen, dass er die Verschränkung mehrere Globulen in sich birgt.
Portal: Bitte?
Grimmsel: seufzt. Unsere aktuelle Theorie ist, dass sich mehrere Orte gleichzeitig dort befinden.
Portal: Und warum ist das so?
Grimmsel: Tja, so genau weiß das niemand. Es kann sich auch niemand daran erinnern, den Westflügel gebaut zu haben. Er war irgendwie schon immer da, wahrscheinlich noch vor dem Bau der eigentlichen Universität. Oder eben auch nicht. Das kommt darauf an, ob Sie der Theorie von Magister Brambert Bordstein folgen oder eher der Theorie von Magistra Kunigunde Bürzelfieber anhängen.
Portal: äh…
Grimmsel: Und in unregelmäßigen Abständen verschwindet der Westflügel.
Bisher lagen diese Zeitpunkte immer ein paar Jahre auseinander. Dann wird jedes Mal ein Expeditionscorp aus fähigen Magistern und etlichen Eleven gebildet, um ihn wiederzufinden.
Portal: Und warum ist das so?
Grimmsel: Warum er immer wieder verschwindet? Das ist aktuell noch nicht ganz klar. Einige sagen, dass er arkan überlastet wäre und sich sozusagen eine Auszeit nehmen würde. Ich denke aber eher, dass er auf Schwingungen reagiert und davon angezogen wird. Wie ein dicker Käfer, der um eine Lampe kreist.
Portal: Sie sagten gerade, dass Teile des Westflügels sehr gefährlich sein könnten, warum holen Sie ihn dann wieder zurück?
Grimmsel: Bitte???? Er ist Teil der Universität und deswegen Teil unserer Tradition. Was ist denn das für eine Frage?
Portal: Sie selbst haben über ein Jahr den Westflügel bereist, was haben sie dort erlebt?
Grimmsel: Ha, ha, „Bereist“ ist ein schöner Euphemismus für „verirrt“, den muss ich mir merken. Über meine Erfahrungen habe ich einen Reisebericht geschrieben. Er erscheint im kommenden Frühjahr im Universitätsverlag und trägt den Titel: Hin und wieder zurück – Wie ich den Westflügel überlebte. Eine Geschichte von Magister Grimmsel. Ich kann all meine Erfahrungen hier unmöglich wiedergeben. Dann würde keiner mehr mein Buch kaufen.
Portal: Na gut, aber ein paar kleine Eindrücke können Sie uns vielleicht schildern?
Grimmsel: Natürlich. Nachdem ich den den Dottersümpfen und den Ameisensauriern entkommen war, bereiste ich ein tropisches Inselparadies, wo ich mich hauptsächlich von gelben, gebogenen Früchten ernährte. Ich kann mich noch daran erinnern, wie schön es war, als ich nach drei Wochen feststellte, dass man sie vor dem Verzehr schälen sollte. Also die Früchte, nicht die Ameisen. Letztere schälten sich von allein, um ihre diamantene Haut abzuwerfen.
Portal: Beeindruckend!
Grimmsel: Ja, aber auch ziemlich schwer. Wer will sich schon von einem Stück Diamantpanzer erschlagen lassen, der aus acht Meter Höhe fällt? Ich nicht!
Portal: Ich meinte ihre Erlebnisse.
Grimmsel: Stimmt. Mehr dazu in meinem Buch. Freuen Sie sich auf barbusige Kanibalenschnecken, grüne Matschschweine und die Schmetterlingsstadt der zierlichen Auberginenpflücker. Demnächst bei Ihrem Buchhändler.
Portal: Gut. Hat Sie ihr Aufenthalt im Westflügel in Ihrer Forschung weitergebracht?
Grimmsel: Mich und ganz Helegonia. Magister von Eschenbach gründete auf meinen Beobachtungen seine ausgezeichnete These zur Lokalisierung und Umgehung von Globulenübergängen. Es gelang ihm mithilfe von trainierten Sumpflichtern ein Frühwarnsystem in Flaschenform zu entwickeln. Kein Reisender muss in Heligonia jetzt noch in ein Portal fallen, wenn er eine solche Flasche bei sich trägt. Dieses nützliche Artefakt ist für den Laiengebrauch entwickelt worden und in gut geführten Läden für den magischen Eigenbedarf genehmigungsfrei erhältlich. In der aktuellen Portalkrise sollte jeder ein solches Fläschchen besitzen. Es gibt sie in den Sumpflichtfarben rot, grün, lila und aquamarin. Kommen Sie und kaufen Sie sich noch heute ein TEMPOO© .
Portal: Sie machen ganz schön viel Werbung in diesem Gespräch.
Grimmsel: seufzt. Die Erzkanzlerin hat sich diesen kleinen Hinweis gewünscht. Und die Wünsche der Erzkanzlerin liegen mir und dem ganzen Kollegium sehr am Herzen. Seufzt wieder.
Portal: Herr Grimmsel, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
Grimmsel: Sehr gerne.


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