Real:
auf Burg Wildenstein, Leibertingen vom 28.02.1997 bis zum 02.03.1997
Heligonisch:
in Ligonii, Tlamana, Niederkamm vom 28. Tag im 3. Saarkamond, 24 n.A.III bis zum 02. Tag im 1. Poënamond, 24 n.A.III

Der Konflikt
Reichtum, Gesundheit und Liebe – mit diesen Worten ließe sich ein Gutteil des Sinns des Lebens beschreiben. Für Carajon, Baronie in Ligonii, würde der Begriff „Reichtum“ zu diesem Zweck völlig ausreichen. Carajon verfügt über reiche Septhonit und Polydianminen, Gesteine, die am Besten mit Diamanten und Rubinen gleichgesetzt werden können. Jedoch fehlt eine Aurazithmine völlig, die die Baronie mit Gold versorgen könnte. Diese liegen fast alle in Tlamana, was die Situation für Carajon noch schwerwiegender werden läßt, existiert doch eine alte und schwere Rivalität zwischen den beiden. An der gemeinsamen Grenze liegt die Mine Edaq mit der zugehörigen Burg Niederkamm. Beide waren schon immer ein Spielball dieser Streitigkeiten. Vor fünf Jahren gelang es Tlamana, einen Nachweis zu erbringen, der Edaq in ihren rechtmäßigen Besitz brachte. Seither sucht Carajon nach Möglichkeiten, die Mine wieder an sich zu bringen. Offene, militärische Bemühungen sind kein Weg, da diese dem König kaum entgehen würden und er solche im Kronland nicht dulden würde.
Doch Carajons Taktik war es noch nie, sich etwas mit offener Gewalt zu nehmen. Vielmehr findet die Diplomatie, die offene und ehrliche, wie auch die geheime und skrupellose, in diesem Fall Anwendung.

Die Mine
Die Mine Edaq liegt eine kurze, aber beschwerliche Reise von der Burg entfernt im Schlangenkamm. Dort findet der Reisende zuerst das zugehörige Minendorf, in dem die Arbeiter leben, die das Aurazith abbauen. Das Dorf ist ein beklemmender Anblick, ist es doch mit hohen Mauern schwer befestigt, um Tiere und Räuber abzuhalten, die keine Mühe scheuen, das edle Metall zu ergattern. Die Bewohner sind wie ihr Dorf: Fremden gegenüber äußerst verschlossen. An der Spitze der Arbeiter steht ein Verwalter, der wie diese schon immer dort seine Arbeit tut, auch als Edaq noch zu Carajon gehört hat. Dies mag daran liegen, daß fast jeder in diesem Dorf eine Fachkraft für sein Gebiet ist, sei dies der Bergbau oder das Verpflegen der Menschen. Vielleicht ist dies auch dem geheimnisumwitterten Verwalter zu verdanken. Niemand hat sein Gesicht jemals erblickt; wenn man ihn sieht, so ist er oft bis ins Gesicht eingehüllt in einen großen Umhang. Der einzige, der es schon erblickt hatte war der damalige Vogt der Burg, der für die Sicherheit Edaqs und der Aurazithtransporte sorgen soll.

Die Statuen
In Tlamana werden Statuen geachtet und als Kunstschätze gesammelt. Man sagt, daß sich unter diesen einige besonders alte Exemplare befinden, die älter sein sollen als Heligonia…
Einige alte Legenden erzählen, dass es Statuen gäbe, die mit Leben erfüllt seien und die sich des Nachts und manchmal gar des Tags bewegen, wenn sie sich ungesehen vermuten. Diese Statuen werden in den Erzählungen „die Vergessenen“ genannt. Über die Wahrheit dieser Geschichten wird heftigst gestritten, doch ob der Vielzahl der in Carajon und Tlamana existierenden Geschichten darüber muß wohl ein wahrer Kern enthalten sein.

Intrigen und Macht
Hier nun seien die Verwicklungen und Ereignisse berichtet, die sich Ende des dritten Saarkamondes im Jahre 24 n.A.III ereigneten.
Der damalige Vogt, Deraton von Tlamana, stellte eine Schlüsselposition im Spiel um Edaq dar. Unter dem direkten Schutz Tlamanas stehend, war er nicht direkt angreifbar. Doch der Vogt hatte Familie – eine Schwester namens Sarah und einen jüngeren Bruder namens Joven. Und genau hier lag der wunde Punkt, denn Joven lebte nicht auf der Burg. Vor nunmehr einem halben Jahr wurde er entführt. Seit diesem Zeitpunkt erhielt der Vogt von ihm Briefe und andere Lebenszeichen. Doch immer gab es auch Beweise, daß das Verfassen dieser Dokumente in Gefangenschaft geschehe. Die Botschaften selbst wurden jedesmal im Burghof gefunden, ohne Hinweis, wer sie dort gelassen haben könnte. Jedoch erreichten Deraton auch schon vorher Angebote, daß er doch Carajon in seinen Bemühungen unterstützen solle. Erst als sein Bruder verschwunden war, zog er diesen Schritt in Betracht. Allerdings wollte er sich nicht der Macht der Intrige ergeben.
Als Deraton in den kalten Monaten der Saarka nach Edaq reiste und in die Mine ging, um sich dort mit dem Verwalter zu treffen, wusste niemand, was er vorhatte. Jedenfalls war es eine ungewöhnliche Tat, wie selbst die Bewohner des Minendorfes bezeugten, denn in der kalten Jahreszeit werden die Minen für gewöhnlich geschlossen.
Sarah wußte von seinem Vorhaben, erfuhr jedoch, daß die Mine über Nacht durch einen Steinschlag an vielen Stellen eingestürzt war und daß ihr Bruder nicht zurückkehren würde. Sie beugte sich Carajon und ließ zu, daß einige „spezielle“ Gesandte Carajons sich in der Burg aufhalten und sich im kommenden Jahr um die Aurazithtransporte kümmern würden. Sie selbst sollte dafür ausreichend entschädigt werden. Aus Trauer ließ sie eine Statue ihres Bruders erstellen, die einige Zeit später in der Burg aufgestellt wurde. Ab diesem Zeitpunkt begannen seltsame Vorkommnisse. Einige der „Gesandten“ starben, worauf der Druck von Carajon noch größer wurde, so daß Sarah inzwischen nicht mehr alle „Gesandten“ bekannt waren und die Hälfte des Hofstaates zu Carajon gehörte.
Die Schwester selbst hatte Träume von Statuen und von ihrem Bruder, in denen er sie vor der verfeindeten Baronie und den Vergessenen warnte und ihr helfen wollte. Doch jedesmal war er nur allzu schnell am Ende seiner Kräfte. Die anderen Statuen warnten sie vor Deraton, der, wie sie sagten, Verderben über alle bringe. Nun wußte sie weder, was sie für die Wahrheit halten sollte, noch, was sie träumte und was nicht.

Nachforschungen
Baronin Tamara von Tlamana hatte von den Todesfällen auf der Burg gehört und vermutete, daß sie mit der Mine zu tun haben. Jedoch war die Art des Spiels um Edaq seit je her zu verschwiegen, als daß sie direkte Nachforschungen anstellen könnte. Sie befand sich auf Inspektionsreise und beschloß ihren nächsten Aufenthaltsort auf die Burg zu legen, sowie dort die Feierlichkeiten anläßlich des ersten Poëna abzuhalten und vor dieser Kulisse mit Hilfe einiger Fremder die Wahrheit herauszufinden.
Am Abend des 28. Tages im dritten Saarka wurde ein toter Bediensteter gefunden. Sein Brustkorb war zerdrückt und sein Körper von Blut überströmt. Ein Brief wurde auf ihm gefunden, doch woher er stammte, wollte keiner wissen. Auf diesem stand geschrieben: „ Seid vorsichtig, solange die Baronin anwesend ist, besonders, was „ihn“ angeht, denn er ist entkommen und vermutlich auf dem Weg hierher.“
Nach einiger Zeit kam Sarah für sich zu dem Schluß, nicht länger warten zu können und so gab sie der Baronin zumindest einen Hinweis, was auf Burg Niederkamm gespielt wurde. Sie erzählte von der Entführung ihres jüngeren Bruders und den Erpressungen. Auch von den carajonischen Spionen erzählt sie, und dass der Vogt vor seinem Unfall eine Liste mit Verdächtigen angefertigt hatte, von welcher sie aber nicht wusste, wo diese sich befände.
Aufgrund dieses Geständnisses wurde der Schwester des Vogtes Schutz gewährt und sie wurde nun stets von einigen Männern begleitet – zu Recht, denn des Nachts wurde versucht, in ihre Gemächer einzudringen und sie zu töten. Doch dies konnte glücklicherweise verhindert werden.

Enthüllungen
Nun machten die Tlamaner und die fremden Gäste des Festes sich auf die Suche nach der Liste der Verdächtigen. Einer der carajonischen „Gesandten“ konnte seine Gier nicht in Zaum halten und so beging er Verrat, indem er die Liste des Vogtes, die sich schon im Besitz der Carajoner befand, den Vasallen der Baronin von Tlamana verkaufte.
Doch noch wusste niemand, wo Joven, der jüngere Bruder des Vogtes, sich befand. Die tlamanische Garde von Baronin Tamara, die einige carajonische Spione aufgedeckt hatte, hatte noch keinerlei Informationen aus diesen herausbekommen. Aus dem Brief, der auf der Leiche eines Bediensteten gefunden worden war, schloß man inzwischen, dass er vielleicht entkommen sei und es waren Späher ausgeschickt worden, welche nach ihm Ausschau halten sollten.
Nur zufällig fand man schließlich den Armen, gefangen in einem Verlies der Burg Niederkamm selbst! Die Carajoner hatten ihn wohl schon Tage zuvor abgefangen und dort unten eingesperrt.
Sarah freute sich über alles, dass Joven wieder bei ihr war. Fortan wollte sie ihn in ihrer Nähe wissen und wünschte sich, dass er von nun an mit auf der Burg wohne. Joven war noch sehr erschöpft, er hatte tagelang kaum etwas gegessen und auf dem harten Boden schlecht geschlafen. Doch dem konnte Abhilfe geschaffen werden. Dafür wurde Joven zuerst einmal ins Bade- und Heilzimmer gebracht.
Seine Schwester hingegen zog es zur Statue ihres Bruders. Wie gerne hätte sie Deratons freudiges Gesicht gesehen, wenn er den jüngeren Joven in die Arme genommen hätte – doch Deraton war ja gestorben – verschüttet in den Minen von Edaq. Begleitet von ein paar Gelehrten trat sie in den großen Saal, um ihrem Bruder so von der Rettung Jovens zu erzählen. Natürlich wusste sie nicht, dass Deraton in der Statue weiterlebte, dennoch war diese nach seinem Ebenbild gestaltet, was Sarah das Gefühl gab, mit ihm sprechen zu können. Und so erzählte sie, was sich seit seinem Tode ereignet hatte.
Da bewegte sich die Statue. Sarah und ihre Begleiter wichen erschrocken zurück. Eine dumpfe, tiefe, kaum zu verstehende Stimme rief: „Sarah“ Verwundert drehte diese sich zur Statue um. Erneut hörten sie die Stimme: „Sarah, ich bin es, Deraton!“ Völlig außer sich, ängstlich und zugleich erfreut über die Stimme, die ihr nun vertraut schien, doch wie aus weiter Ferne kam, lief Sarah auf die Statue zu und umarmte das Ebenbild ihres Bruders. Weinend fragte sie, was geschehen sei und was sie für ihn tun könne. Deraton bat ihre Begleiter darum, seine Schwester zu beschützen und die carajonischen Spione aus der Burg zu vertreiben.

Epilog
Wie die Seele des verstorbenen Vogtes in die Statue kommen konnte, ist immer noch ungeklärt. Es gibt jedoch Vermutungen von Gelehrten, dass Vergessene im Spiel waren, die dem Vogt in die nach seinem Ebenbild geschaffene Statue verholfen haben, damit er den Erpressungen der Carajoner entgehen konnte.