Publikation: Helios-Bote Seite 1 von 35

Die königliche Schreibstube präsentiert stolz den

„Tavernenführer – Wegweiser für Reisende“.


Viele Fernwanderer und lokale Kennerinnen haben in unermüdlichem Eifer Beschreibungen von Tavernen, Schenken und Gasthäusern im Königreich und über die Grenzen hinaus gesammelt und zu diesem einzigartigen Werk zusammengestellt. Über viele Jahre hinweg schöpften sie aus mündlichen und schriftlichen Quellen, um daraus einen für die Leserschaft zuverlässigen Wegweiser zu erstellen.
Lernt Land und Leute kennen, vermeidet unangenehme Überraschungen auf euren
Reisen, wenn Ihr einkehren möchtet!
Ergänzend zu den Beschreibungen der Tavernen enthält das Buch Erfahrungen von namhaften Fernwanderern wie Götz Bundschuh oder Schwester Hilaria.
Regionale Speisen, Getränke und Bräuche sind ebenso Bestandteil des Werkes. Gerne gesungene Tavernenlieder werden der geneigten Leserschaft ebenso präsentiert wie volksnahe Spiele und unterhaltsame Geschichten.
Erhältlich als stattliches Druckwerk für das Heim oder als praktisches Beutelbuch für unterwegs. Dieses handliche Format kann griffbereit am Gürtel befestigt werden und so ist der wertvolle Ratgeber sauber und sicher verstaut. Gegen einen Aufpreis kann der Tavernenführer in Leder gebunden und auf Wunsch mit Biernägeln beschlagen geliefert werden.
Ein Exemplar liegt in der Schreibstube aus, hier kann der Tavernenführer kostenlos eingesehen und abgeschrieben werden.

Es ist endlich wieder soweit: der verehrte Landesherr wird auf seinen Balkon treten, um von dort zu seinen geliebten Untertanen zu sprechen. Die Kinder der schönsten Stadt verharren seit Stunden auf dem Platz vor dem gräflichen Palast und erwarten voller Ungeduld die süßen Worte des hochgeschätzten Herrschers.
Schmetternde Fanfaren künden den großen Moment an, als Graf Dedekien erscheint. Augenblicklich dröhnt ein Sturm der Begeisterung über den Platz, der noch weiter anschwillt, als der Graf seine Hände erhebt. Der ansonsten immer sehr prächtig gekleidete Herrscher ist in seinen fabulösen Staatsornat aus aurazitenen Brokat gehüllt. Die Edelsteine auf seinem gewaltigen Turban fangen die Heliosstrahlen ein und werfen sie in einem brillanten Farbspiel in die Menge zurück.
Graf Dedekien macht seinen Untertanen die Freude sich noch etwas an diesen Anblick zu ergötzen, bevor er feierlich die Stimme erhebt:

„Mein geliebtes Volk! Wir haben Großes zu verkünden.“

Der Graf hielt kurz inne. Die Spannung unter der Zuhörerschaft ist so groß, dass man in der Stille das Klingen einer herabfallenden Münze gehört hätte.
Er hob erneut an: „Der Ruf als Friedensstifter und hochrangiger Vermittler eilt Uns voraus. So wurden wir für eine äußerst schwierige diplomatische Aufgabe erwählt, die Wir selbstverständlich mit Bravour gemeistert haben. Auf Unser Betreiben hin haben Wir die seit Generationen verfeindeten Häuser Basonna und Guldenstein zurück an den Verhandlungstisch geholt, damit Friede zwischen ihnen geschlossen werde. In Kürze werden Wir in das Landschloss Valmerana, ein Juwel aus Stein inmitten beschaulicher Wälder gelegen, reisen.“
Bei diesen Worten verfiel die Menge in donnerbrausenden Beifallssturm, der nicht enden wollte. Mehrmals versuchte der Graf seine jubelnden Untertanen zu beruhigen, damit er seine Rede fortsetzen könne. Um seinem Verlangen nach Ruhe Nachdruck zu verleihen, trat Graf Dedekien noch einen Schritt vor und beugte sich über den Balkon. Doch dann nahm das Unglück seinen Lauf. Die Balustrade des Balkons brach ein, der beliebte Herrscher strauchelte – die Menge verstummte augenblicklich und musste mit ansehen, wie Graf Dedekien in die Tiefe stürzte.
Was dann geschah kann nicht tatsachensicher berichtet werden. Eilends herbeigeeilte Leibwächter trugen den Körper des geliebten Landesvater in Windeseile in den Palast, der sofort seine Tore schloss.
Die immer noch traumatisierte Menge zerstreute sich langsam in die zahlreichen Schänken der Stadt.
Es wurde getrunken und geweint bis in die Morgenstunden, so dass die Omus Mühe hatten, die traurigen Worte über das Unglück des mächtigen Herrschers in alle Winkel des Reiches zu rufen.

Tageskurse HB 87

Kühlglaskugeln 1 Stück 14 Groschen
Nesselstoff (fein) 1 Elle 7 Groschen
Schattenhut-Gestelle 1 Stück 5 Groschen
Getrocknete Minzblätter 1 Bündel 3 Groschen

Der Handel floriert trotz der Hitze — oder gerade wegen ihr. Besonders begehrt sind derzeit Minzblätter und feiner Nesselstoff, da beides für die neuen Schattenhüte und Ventafumos Kühlglaskugeln benötigt wird. Einige Händler berichten sogar, dass sich die Nachfrage nach Nesselstoff verdreifacht hat.

Stadtgeschehen HB87

Die Hitze hält Betis fest im Griff. In den engen Gassen staut sich die warme Luft, und die Kanäle riechen stärker als gewöhnlich. Die Stadtwache berichtet, dass in den letzten Tagen vermehrt Beschwerden eingegangen sind: Fische springen angeblich freiwillig aus dem Wasser, um der Wärme zu entkommen, und in manchen Vierteln sollen sogar die Katzen zu faul sein, den Ratten nachzujagen.
Besonders auffällig ist eine neue Mode, die sich unter den jungen Leuten verbreitet: Schattenhüte. Diese übergroßen Kopfbedeckungen bestehen aus dünnem Nesselstoff, der über ein Holzgestell gespannt wird und so groß ist, dass man damit problemlos zwei Personen beschatten kann. Die Stadtwache beklagt jedoch, dass die Hüte in den engen Gassen ständig an Hauswänden hängen bleiben und den Verkehr behindern.
„Wenn die Hitze noch länger anhält, müssen wir vielleicht Hutbreiten regulieren“, so ein genervter Hauptmann der Wache.

Bürger des Monats HB 87

Zum Bürger des Monats wurde diesmal Meister Orellio Ventafumo, seines Zeichens Glasbläser, ernannt. Der Doge lobt seine „unermüdliche Kreativität im Angesicht der unerträglichen Hitze“, denn Ventafumo hat eine neue Erfindung vorgestellt, die in Betis bereits für Aufsehen sorgt: die Kühlglaskugel.
Diese kleinen, hohl geblasenen Kugeln werden mit einem geheimen Sud aus Minzöl, Flusswasser und „einem besonderen Hauch“ gefüllt. Laut Ventafumo genügt es, die Kugel an die Stirn zu halten, um für einige Augenblicke Erfrischung zu verspüren. Ob dies tatsächlich wirkt oder nur ein geschickter Verkaufstrick ist, darüber streiten die Bürger bereits heftig. Die Kugeln verkaufen sich jedoch wie warmes Brot, und Ventafumo plant schon eine größere Werkstatt. Einige Patrizier sollen sogar über eine „Kühlglaskugel in Familienwappenfarben“ nachdenken.

Der Handelsprophet HB87

Die Händler Betis’ blicken dieser Tage mit gespannter Neugier auf die bevorstehenden Ereignisse im Landschlösschen Valmerana in Thal. Seit bekannt wurde, dass eine Delegation aus dem fernen Darragesh erwartet wird, steigen die Preise für exotische Waren merklich. Gewürze, feine Stoffe und alles, was nach „ausländischem Luxus“ aussieht, wird derzeit zu überhöhten Preisen gehandelt. Die Kanäle der Stadt sind zwar nicht gefroren, doch der Verkehr ruht dennoch: Viele Schiffer haben sich auf den Weg Richtung Jolsee gemacht, in der Hoffnung, die Schiffe aus Darragesh zu erspähen. Die Tavernen hingegen verzeichnen regen Zulauf, denn dort wird bereits eifrig darüber spekuliert, welche Geschenke und Waren die Delegation mitbringen könnte.

Betis trifft… das Hochland

In den Genuss eines ungewöhnlichen musikalischen Leckerbissens kamen am Altjahrsabend die Gäste des Betiser Theaters. Der Absolventenjahrgang der Bardenkademie zu Gaberon hatte sich mit einigen Barden der Akademie zu Flaitney zusammengefunden, um klassische, Betis gewidmete Werke im hochländischen Stil zu interpretieren. Das zunächst erstaunte Publikum war spätestens ab der vierstimmigen a capella-Variante von Luitbert von Bebdorfens „Für Corvese“ gewonnen. Wolfgrimm Aramantus Mordsharts „Eine kleine Machtmusik“ in einer gewagten Adaption für Bassbariton, Fiddle und zwei Sackpfeifen wurde schließlich mit stehenden Ovationen honoriert. Es wird bereits diskutiert, ob dieses Experiment nicht der Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Konzerten mit ähnlichem Konzept sein könnte.

Heligonia, Dein junger Adel

Unter dieser Überschrift wollen wir eucch in den nächsten Boten den jungen Adel Heligonias vorstellen. Wir beginnen mit vier jungen Damen aus Drachenhain.

Aurelia Edana von Jolbenstein-Hautzensteyn
Aurelia Edana von Jolbenstein-Hautzensteyn wurde im Jahr 35 nach A.III als Tochter von Baronin Karelia Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar geboren. Sie lebt die meiste Zeit am Hofe ihrer Mutter in Jolbruck und ist innerhalb Jolbensteins seit Jahren politische aktiv, hat aber auch eigene außerdrachenhainische diplomatische Erfahrungen gesammelt. So knüpfte sie auf dem Hoftag in Nordach Kontakte, als Borngart Heligonia beitrat und hat seither die Borngarter Botschaft für Drachenhain in Jolbruck mit aufgebaut. Dort ist sie seither
insbesondere für die Kontakte innerhalb Jolbensteins die Ansprechpartnerin.

Iruna Faylinn von Jolbenstein-Hautzensteyn
Iruna Faylinn von Jolbenstein-Hautzensteyn wurde im Jahr 39 nach A.III als Tochter von Baronin Karelia Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar geboren. Sie lebt aktuell überwiegend auf der Feste Hautzensteyn ihres Vaters in Luchnar, verbringt aber auch weiterhin Zeit am Hofe ihrer Mutter in Jolbruck. Sie gilt bereits als meinungs- und durchsetzungsstark, aber wenig diplomatisch, was sowohl bei Baronin Karelia als auch im Hochland meist auf Wohlwollen stößt. Manche sehen deshalb das Hochland als ideales Feld späterer Tätigkeit. Welche politische Rolle sie einmal spielen könnte, ist aber noch nicht abzusehen.

Alruna Fiona von Jolbenstein-Hautzensteyn
A. von Jolbenstein-Hautzensteyn wurde im Jahr 45 nach A.III als Tochter von Baronin Karelia Jefferindell von Jolbenstein und Koldewaiht von Hautzensteyn, Baron zu Luchnar geboren. Sie lebt die meiste Zeit am Hofe ihrer Mutter in Jolbruck. In einem primär politischen Rahmen wird sie erstmals im Rahmen des Hoftages im Landschlösschen Valmerana anwesend sein.

Cassandra Adrianna von Katharinenburg
Freifrau Cassandra Adrianna von Katharienburg, geboren im Jahr 34 n.A.III und aus der Baronie Jolbenstein stammend, ist ein aufgewecktes und besonnenes Mitglied des jugendlichen Adels aus Heligonia. Wie auf dem ein oder anderem Adelstag zu bemerken war, widmet Cassandra einen großen Teil ihrer Zeit den musikalischen Künsten sowie ihren Büchern. Sie besitzt einen gewissen Hang zur Pragmatik, den sie, wie auch ihre Nah- und Fernkampfausbildung, einer sorgsamen Erziehung zu verdanken hat. Für Musik und Tanz sowie für das ein oder andere Tournier ist die junge Freifrau sich nie zu schade.

Neuestes aus Escandra

Aus der Reichsstadt Escandra wird vermeldet, dass Seine Allerdurchlauchtigste Majestät Helos Aximistilius Tertius einen besonderen Hoftag einberufen hat, der nicht wie üblich am königlichen Hofe stattfinden soll. Stattdessen wurde das Landschlösschen Valmerana in Tolens, Thal, als Ort der Zusammenkunft bestimmt, was vielerorts Verwunderung wie auch Neugier hervorruft.
Wie aus verlässlichen Quellen zu hören ist, wird eine Delegation aus dem östlich gelegenen Großkönigreich Darragesh erwartet. Seit vielen Jahren waren keine darrageshen Schiffe mehr in den Häfen Heligonias gesichtet worden, weshalb die Nachricht über den bevorstehenden Besuch in den Städten und Dörfern rasch die Runde macht. Mancherorts wird bereits gemutmaßt, welche Bedeutung dieser Besuch haben könnte und ob sich neue Bande zwischen den Reichen knüpfen lassen.

Die Festlichkeiten und Empfänge auf Landschlösschen Valmerana sollen unter der Schirmherrschaft hoher Damen stehen: Ihre Hochgeboren, Gräfin Amira Kalea von Sedomee und Apurien, sowie ihre Tochter, Prinzessin Thalia, wurden von Seiner Majestät mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die Gäste zu empfangen und den Rahmen des Hoftags zu gestalten.

Die Bevölkerung blickt gespannt gen Thal und erwartet mit großem Interesse die Ankunft der Gesandten aus Darragesh. Es wird gemunkelt, dass dieser Hoftag von besonderer Bedeutung sein könnte, doch offizielle Stellen geben sich bislang zurückhaltend. Sicher ist nur: Auf Valmerana werden in den kommenden Tagen hochrangige Gäste und feierliche Zusammenkünfte erwartet.

Das Rebenhainer Kelterlied

Die Knechte treten Trauben in der Kelter,
Knechte treten Trauben in der Kelter,
Knechte treten Trauben in der Kelter,
stehn bis zu den Knien in den Trauben drin.
und das geht
hin, her, und auch auf der Stell,
hin, her, und auch auf der Stell
hin, her, und auch auf der Stell
da macht das Hosentragen überhaupt kein´ Sinn.

Die Mägde treten Trauben in der Kelter
Mägde treten Trauben in der Kelter
Mägde treten Trauben in der Kelter,
stehn bis zu den Knien in den Bott´chen drin.
und das geht
hin, her, und auch auf der Stell,
hin, her, und auch auf der Stell,
hin, her, und auch auf der Stell,
da macht das Röcketragen überhaupt kein´ Sinn.

Knecht´ und Mägde abends in der Kelter,
Knecht´ und Mägde abends in der Kelter,
müssen ja am Morgen sowieso gleich wieder hin,
da macht nach Hause gehen überhaupt kein´ Sinn.
Sie tanzen
hin, her, und auch auf der Stell,
hin, her, und auch auf der Stell,
langsam, und auch mal ganz schnell,
bei dem Gehopse macht so Beinkleid keinen Sinn.

Nächtens in der Kelter Mägd und Knechte,
machen nur das Gute, nie das Schlechte,
treiben nur das Gute, nie das Schlechte,
Da macht zu viel Kleidung einfach keinen Sinn.
Und das geht,
vor, z´rück, vor und auch zurück,
vor, z´rück, vor und auch zurück,
das ist so ein großes Glück
da macht Kleidung tragen überhaupt kein´ Sinn
ja, da macht Kleidung tragen niemals einen Sinn!

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