Publikation: Helios-Bote Seite 14 von 34

Neues aus Tatzelfels: Baron Leomar hält mit Vögten und Vasallen Hof!

Um den 15.Tag des 2. Helios mag es wohl gewest sein, daß Baron Leomar seine Vögte und Vasallen zur Hofhaltung für drei Tage nach Burg Aarhorst zu sich lud. Der Baron wählte seine Jagdburg, da die Renovierungsarbeiten auf Burg Tatzelfels noch nicht ganz abgeschlossen sind.

Es sollte gar viel gegessen, gezechet und gespaßet werden, aber auch die wichtige Politik sollt an diesen Tagen nit vergessen sein, wie der Baron in seinem Aufruf ermahnend verlauten ließ. Schon nach einem Monat war es so weit; tatsächlich erschienen sie alle, angereist mit Karren und mit Reitgetier, istz doch weithin bekannt, daß der Baron seit seiner Genesung (der H.B. 4 berichtete) wahrlich zu festen weiss. Jedem Ankömmling wurde zum Willkommensgrusse eine Schale mit gewürztem Meth kredenzt und als dann am frühen Abend der letzte Vogt und der letzte Rittersmann eingetroffen war, wies der Baron seinen Gästen den Weg herümber zu einer mit Bändern und Wimpeln bunt geschmückten Lichtung. Dort hielte man einen gemeinsamen Götterdienst ab; gedankt wurde den Göttern für die sichere, zwischenfallslose Anreise  und gebeten wurde um ein gesegnetes Fest. Hernach sammelte man sich im Festsaale der Burg, um zünftig zu bankettieren. Kurz stellten sich vielen die Frage, ob es ein Fehler im Protokoll gewest sein mochte, daß der ceridische Segensspruch nit erteilt wurde – doch dazu später mehr. Denn jetzt ward nach gutem alten Brauch ein jeder Gast mit Namen vorgestellt, dieses Amt tätigte natürlich der Tatzelfelser Herold Saran, der gleich drauf den Zeitplan für die nächsten drei Tage kund gab. Erst dann konnte das Festen beginnen, die Jungen tanzten, die Alten tranken, aßen und besprachen. Doch allzufrüh ward das Bankett beendet; war doch für den nächsten Morgen in der Früh eine Jagd angesetzt. Jedem, dem es möglich war, streifte da den Jagdrock über und wollt sein Waidgeschick beweisen. Und wahrlich groß war die Beute an Rebhuhn und Fasan, aber auch Hirschkuh und Eber mußten vielmalig ihr Leben lassen. Bis zum frühen Abend ward jedes Tier gebraten und gekocht; derweil fanden der Baron und die Vögte Zeit, im verschlossenen und bewachten Saale über politische Dinge in Tatzelfels zu debattieren. Dies muß wohl sehr hitzig zugegangen sein, passierte doch ein wahrlich garstiger Zwischenfall: Offenbar verlor der Vogt Adovar von Distelwiel während des Kolloquiums von einer Minute zur anderen den Verstand. Er wollte, nachdem man sein empörtes Brüllen sogar schon außerhalb des Raumes hatte vernehmen können, den Baron mit dem Dolche angehen. Man muß dem Vogt wohl Mordabsichten unterstellen, die aber durch das beherzte Einschreiten der Wache vereitelt werden konnte. Vogt Adovar wurde sodann abgeführt und inhaftiert.

Doch auch diese harten Stunden vergingen und wurden wahrlich reich belohnt, den fürwahr groß war die Auswahl an Speis und Trank. Manche aßen und zechten wohl bis in die Morgenstunden. Auch jener nächste Tag begann mit dem Götterdienst. Gleich hernach – nur ein kurzes Essen ward vergönnt – traf man sich nochmals hinter verschlossener Tür, diesmal jedoch, Helios sei gepriesen, ohne Zwischenfall, und redete bis zum Mittag. Alsdann wurde wieder aufgetischt. Kaum, daß alle mit tafeln geendet hatten, gab  Herold Saran, die von Baron Leomar und Vogten einhellig beschlossenen Entscheidungen bekannt:

– Die Aussendung von Prospektoren in die Tatzelfelser Gebirge, genauer sei hier der Norden und das Grenzland zu Luchnar genannt.

– die jährliche Wahl einer Methkönigin, jene soll als Repräsentantin bei Festen im In- und Ausland fungieren.

– Ernennung einiger Auslandsbotschafter in naher Zukunft.

– Abdankung einiger alter und verbrauchter Vögte, namentlich jene zu Schattenau, Distelwiel und Erkenay, (darunter natürlich auch Vogt Adovar!). 

– Ernennung neuer Vögte, welche allesamt zu Baron Leomars Rittersleute gehören: Helior von Luzenstein (nach Schattenau), Falkenur von Schwarzenbing (nach Erkenay) und Jovana von Rabenweil (nach Distelwiel).

– Verbot der prima noctae.

– Absage an das Ceridentum. Die beiden neuen Klöster zu Schattenau und Distelwiel werden geschlossen und als Siechenhäuser eingerichtet. (Der Schattenauer Abt Radloman reist empört ab), da das Volk nit länger gespalten leben soll. Die alten und neuen Vögte wählten bei Abstimmung einstimmig das Ogedentum als einzige Tatzelfelser Religion.

– Eingrenzung der vögtlichen Macht: Einführung der „Tatzelfelser Statuten“.

– Ankündigung von Ritterschlägen bei dem nächsten Götterdienst.

Nach diesen, für alle überraschend kommenden Reformen, stand nun nur noch ein letzter gemeinsamer Götterdienst an, zu dessen Ende die verkündigten Ritterschläge, bzw. Amtsringe verteilt wurden und von allen Beteiligten der Vasallenschwur erneuert oder frisch abgelegt wurde. Gleich hernach lud man, die sich wundernd tuschelnden Gäste zum Abendbankett, wo noch bis zum hellen Morgen gefeiert und über die Neuigkeiten diskutiert wurde. Am nächsten Tage ward der Vasallentag zu Ende, und was blieb war nur noch abzureisen.

Baron Beorric von Wulfenstein gewinnt Welzener Bootswettkämpfe

Die diesjährigen Bootswettkämpfe auf dem Brazach konnten erstmals von einem von Mitglied der Herrscherfamilie gewonnen werden. Souverän siegte Baron Beorric mit zwei Bootslängen Vorsprung. Das Volk feierte seinen Herrscher triumphal.

(Auch die Schreibstube gratuliert dem Sieger!)

Neuigkeiten

Wie die königliche Schreibstube aus gut unterrichteter Quelle erfahren konnte, hat die Gelehrte Seillissia, gebürtig aus der Freigrafschaft Sedomee in Heligonia und frühere Hofalchimistin bei Baron Leomar von Tatzelfels, nun endgültig Heligonia den Rücken gekehrt. Nachdem sich die Verhandlungen mit anderen Herrscherhäusern einige Monde hingezogen haben, wurde nun bekannt, daß Seillissia die Stellung einer Hofgelehrten im Herzogtum Falen inne hat. Voraussichtlich wird sie diese Stelle auch unverzüglich antreten, da sie sich ohnehin bereits in der Mark der Burgund befindet und gleich mit ihrem künftig Lehnsherrn und ihrem Lehrling in das Herzogtum weiterreisen wird.

Der kleine Happen“ oder „Hinein und wieder zurück“

In einer Höhle in der Erde da lebte ein Drache. Aufgrund meiner Unwissenheit gegenüber diesem Faktum stolperte ich nichtsahnend in dessen Rachen (den des Drachens, nicht des Faktums). Für diejenigen, die die Geschichte nicht miterlebt haben, weil sie nicht im Parimawald waren, stelle ich mich erst mal vor:

Bagor Steinbrecher, letzter Zwerg von Khâdak-Kazhûl, Sohn von Dragor, Sohn von Drain, Sohn von Dragin, dem Drachentöter, der den Wyrm Gurauck mit Brazhâck erschlug, Sohn von Drogin, Sohn von Durig I, Hammerhelm, Bergkönig von Khâdak-Kazhûl, zu Euren Diensten.

Zurück zur Geschichte. Ich gelangte mit ein paar zufälligen Reisegefährten, namentlich Thorun, die Nordlandbarbarin, Elf Boo-Yah, Fionnbhar Eonnoya und seinem Bruder Thornaik in den angeblich äußert mysteriösen und verzauberten Feenwald. (Ich selbst habe nichts von einer Verzauberung bemerkt – aber mich fragt ja keiner.) Ich versuchte dort nur mit einer Flasche Met bewaffnet das Vertrauen der wilden Eingeborenen zu erlangen, um von ihnen ein wert- und nutzloses Gestein namens Ameryll zu ergattern, das man sehr günstig bei einigen beschränkten Menschlingen verkaufen konnte, die den Verstand von Elstern hatten: alles was glitzert ist wertvoll. Typisch Mensch, keine Ahnung von Mineralogie, Schmiedekunst oder sonst einem ordentlichem Handwerk. Nachdem uns die Wilden erst eingeladen und freundlich behandelt hatten, bestanden sie darauf, daß ich noch bei ihnen bleibe, während meine Reisegefährten das Dorf verließen. Nach einigen äußerst merkwürdigen Ritualen, die ich nur um der Völkerverständigung willen und wegen meinem Durst mitgemacht habe, brachten sie mir endlich etwas zu Saufen. Danach erinnere ich mich an Wenig. Grüne Schleier behinderten meine Sicht und ich kann mich nur noch vage an einen kaputten Stiefel, eine große Nase, einen fehlenden Hammer und an hell loderndes Feuer erinnern, kann aber im Nachhinein keinen Zusammenhang erstellen. Bis ich den Drachen sah! Er war mindestens 10 Schritt lang, graubraun, dreiköpfig und mit glühenden Augen, messerscharfen Zähnen und einem Mundgeruch versehen, der einen ausgewachsenen Steintroll umgehauen hätte. Ein Elementardrache der Erde, bei dessen Anblick meine weitbekannte und gefürchtete Berserkerwut ausgelöst wurde. Gleich meinem Ahnen Dragin stürzte ich mich, nur mit einer Axt bewaffnet (Thor weiß, wo ich sie her hatte), und bar jeder Kontrolle auf das Biest, zerschlug eine seiner Pranken und spaltete einen der drei Schädel.

Das nächste, was ich hörte, war ein saugendes Geräusch, und es wurde schwarz um mich herum. Der verdammte Drache hatte mich verschluckt; und kehrte nun in sein Reich, die Erde, zurück. Nach einiger Zeit übermannten die Schmerzen und der Luftmangel meinen Willen und ich wurde ohnmächtig, nachdem ich dem Wurm schon einige schwere Verletzungen von innen mit einem Dolch beigebracht hatte. Ich muß schon auf der Schwelle des Todes gestanden haben, denn ich fand mich plötzlich vor den hühnenhaften Toren Walhallas wieder, konnte den Duft des Honigweins riechen, und die Gesänge der gefallenen Krieger innerhalb der Burg hören, als eine Gruppe tapferer Kämpfer, eindeutig zum falschen Zeitpunkt, den Lindwurm erschlugen, mich aus seinem Leib schnitten und den letzten Lebensfunken in mir mit seltsamen Kräutern, übelriechenden Tränken und vor allem mit Tatzelfelser Honigmet nährten, bis ich wieder unter ihnen weilte. Bei dieser Gelegenheit wurde Boo Yah auch gleich mit aus dem Drachenschlund befreit, der sich, wie sich später herausstellte, auch zu weit an den Drachen herangewagt hatte.

Nun bin ich wieder der alte Bagor, aber zwei Dinge beschäftigen mich immer noch: erstens wie wohl der Met in Walhalla geschmeckt hätte und zweitens, ob ich mir den Beinamen Drachentöter, Drachenfutter oder einen ganz anderen zulegen soll oder darf.

Das Abenteuer im Parimawald war gefährlich,

der Heimweg wird lang und beschwerlich,

daher ist eines für den Weg unentbehrlich:

 

Tatzelfelser Honigmet,

damit die Reise leichter geht!

Aus dem Tagebuch des Drago van Drakenstein über seine Abenteuer im Parimawald

Erster Tag

Eine Woche wütenden Unwetter und der Himmel schien sich all das von der Seele weinen zu wollen, was die Menschen ihm an Haß und Sinnlosigkeit dar boten.

Obgleich die Sonnenwende wohl schon einen Monat zurücklag und der längste Tag des Jahres eigentlich den Sommer hätte bringen sollen, schienen die Wege zu Ozeanen von Matsch und Schlamm werden zu wollen, wie damals als die Truppen des Sar Errass Mitten im Sommer….nein, ich will nicht abschweifen.

So wanderte ich denn die Straßen dieses Landes, von dem ich nur aus Geschichten der Händler und Gelehrten etwas wußte. Nach Tagen der Einsamkeit, kam es zu einer Begegnung, die noch einiges nach sich ziehen sollte, eine Begegnung, mit einem Mann, von der ich nicht weiß, ob ich sie der neuen Narben wegen verfluchen, oder dankbar auf sie zurückblicken soll da die Strapazen wohl leicht durch ein paar Kronen und den einen oder anderen trefflichen Waffengang aufzuwiegen waren. Ich weiß nicht unter welchen Namen er den Fräulein dieser Welt die Jungfräulichkeit des Abends raubte oder wie viele Zuhälter er um ihr Geld geprellt hatte, doch heute nannte er sich Wolf. Dieser stinkende Hurensohn war ein amüsanter Weggefährte und sollte ein guter Freund werden. Wolf hatte von einem seltsamen Metall gehört, daß in einem nahegelegenen Wald gefunden worden war und hunderte, auf der Suche nach Profit und Reichtum in diesen Landstrich lockte. Da mein Schwert nicht durch andere Verträge gebunden war, schloß ich mich ihm an und wir zogen in die Richtung des Abendsternes, um den sagenhaften Parimawald zu finden. Wahrlich, was die Menge der Schatzsucher betraf, so hatte Wolf die Wahrheit gesprochen.

 Bereits einige Meilen vor dem Wald schien alles, was gehen konnte, oder genügend Geld für Träger besaß, den Weg zu Gold und Reichtum zu suchen. Seltsames Volk, vom gottgleichen Gaukler über waffenstarrende Maulhelden bis hin zu wissensdurstigen Alchimisten und Hexer, alles schien sich eingefunden zu haben. Vor allem die letzteren, die ja bekanntlich einen freundlichen Handschlag nur mit einem Feuerball zu beantworten wissen, brachten mich dazu Wolf zu überreden einen anderen Platz für ein Nachtlager zu suchen.  So trennten wir uns denn an der ersten Kreuzung des Waldes vom Troß, nicht jedoch ohne vorher von ein paar Bauern, deren Mistgabeln man gegen Schwert und Speer ausgetauscht hatte, zu erfahren, daß das seltsame neue Metall den Namen Ameryll trüge und nur von einem gewissen Herrn Amer angekauft werden dürfe. Dieser sollte im Auftrag eines Königs handeln.

Wir folgten also dem verwaisten Weg, und plötzlich standen wir einem abscheulichen Wesen gegenüber, menschlich an Form und Gliedmaßen, jedoch mit einem Horn auf der Stirn und ganz und gar in Felle gehüllt. Außer einem unheimlichen Knurren ward kein menschliches Wort seiner Kehle zu entlocken und weil das sinnlose stehen auf Waldwegen nun einmal nicht eine warme Mahlzeit oder gar ein Nachtlager einbringt, ließen wir das Wesen stehen wo irgend ein Gott es wohl hatte fallen lassen und zogen weiter die Straße entlang. Doch alte Erfahrungen, die besagten, wo eins da mehr, schienen nicht ihren Wahrheitsgehalt einbüßen zu wollen und der Geruch von Feuer sowie gedörrtem Fleisch führte uns geradewegs in ein kleines Tal, das wohl ein ganzer Stamm der Gehörnten zu seinem Wohnsitz erkoren hatte. Wild brüllend und in dieser Anzahl durchaus zur Vorsicht mahnend, stürmten an die hundert in Felle gekleidete der Talbewohner auf uns zu die allesamt mit Keulen bewaffnet waren. Unwillkürlich zuckte meine Hand an den Knauf meines Schwertes. Auch Wolf machte den Eindruck, daß er daran dachte seine Schwerter zu ziehen. Die Geschwindigkeit mit der er dies tat, gab zu verstehen, daß er schon oft seine Zunge auf diese Weise vor einem grausam Schicksal retten mußte. Anhand der deutlichen Überzahl entschlossen wir uns jedoch, die Diplomatie unsere Waffe werden zu lassen und es gelang uns eine Art Kommunikation mit Eingeborenen. “Ne” so ihre Vokabel für Eisen, “Lo” war ihr Wort für Holz, ”Dulo” nannten sie den Wein und “Musso” war das Weib. Am wichtigsten mag das Wort für Freund sein: “Terima”. Jedem, den sie als “Naffiki” bezeichnen empfehlen wir sich zügig zu entfernen, es sei denn er ist des Lebens überdrüssig. Endgültig als Terima akzeptiert zu werden, gelang uns dann durch eine Flasche Wein, den wir ihnen zum Geschenk machten. Wissend, nun den Rücken frei zu haben, suchten wir weiter nach einer Schlafgelegenheit….

als wir plötzlich wieder im Lager der Schatzsucher standen. Eigentlich  hatten wir es zu umgehen gesucht. Zuerst dachten wir, daß unser Orientierungssinn uns verlassen hatte, doch es war wie verhext, denn auch andere hatten versucht, an einem anderen Platz ihre Zelte aufzuschlagen und waren geradewegs wieder dort gelandet, von wo sie aufgebrochen waren. Außerdem ging das Gerücht um, daß auch eine Expedition und einer alter Mann, beide angeblich schon vor Jahren im Parimawald verschollen, sich an den Feuern der Abenteurer eingefunden hätten. Sowohl die einen als auch der andere behaupteten erst einige Tage im Wald zu sein. Ein Umstand der nach Klärung rief, aber durchaus zu verschieben war, bis ein Zelt aufgeschlagen war und eine kleine Mahlzeit das Knurren unserer Mägen gestillt hatte. Das Zelt teilten wir uns mit einem weiteren Mann, vermutlich ein Priester, dessen kleine feurigen Augen alles aus dem Schatten seiner Kapuze ganz genau zu beobachten schienen. Er selbst nannte sich Joseph. Auch mit einem gewissen Cerobald, seines Zeichens ein Hexenmeister, und seinem Lakaien kamen wir in näheren Kontakt. Es hätte sicherlich ein ruhiger und geselliger Abend werden können, hätten nicht die Fragen über unsere anscheinende  Gefangenschaft im Walde unsere Herzen beschwert. Also unternahmen Wolf, Joseph und ich, kurz bevor die Sonne den fernen Hügeln einen gute Nacht Kuß gab, den Versuch einen Weg aus Misere und Wald zu finden. Da aus dem Lager der Quez-Seletan, so nannten sich die Eingeborenen, Trommeln und furchterregende  Laute tönten, umgingen wir es weiträumig, als mit wir einem Mal zwei Gestalten im Walde begegneten. Eine Elfe, die uns vorher schon erzählt hatte, sie würde einen Großmeister der Magie in dieser Gegend suchen und eine seltsame Gestalt mit der gespenstischen Ausstrahlung eines wandelnden Friedhofs. Beide kreuzten wortlos unseren Weg und entschwanden, ohne den Blick zu heben, in Richtung unseres Zeltplatzes. Als wir ihre Spuren zurückverfolgten, fanden wir den sterbenden Körper eines Eingeboren, dessen durchschnittene Kehle nur noch gurgelnd das Wort “Terima” hervorbrachte, kurz bevor seine Seele sich auf den Weg in die nächste Welt machte. Ein Mord war geschehen und mögen die Götter Gnade für die Schatzsucher walten lassen, wenn die Quez-Seletan den Mord entdeckten….

Von diesen Eindrücken gelenkt begaben wir uns auf den Rückweg zu unserem Lager, wo inzwischen ein gewaltiger Aufruhr herrschte. Wie es schien, war ein Herr Amer aufgetaucht, der das Ameryll für den König ankaufen wollte, doch nicht nur einer, ein zweiter hatte sich eingefunden, der ebenfalls behauptete dem hiesigen Monarchen zu dienen, den anderen jedoch beschuldigte, ihn um Gold und Helios-Brief gebracht zu haben. Als wäre das noch nicht genug hatten sich die Söldner des einen Herrn Amer mit den Dukatenschatulle und den bereits gekauften Ameryll Vorräten aus dem Staube gemacht. Außerdem wurde von ein paar feenhaften Waldgeistern erzählt, die alle Anwesenden am nächsten Mittag zu einem Spiel um ihre Freiheit herausgefordert hatten. Spiele niemals mit Feen, sagt man bei uns, denn im Gegensatz zu dem ihren ist Dein Leben begrenzt. Die gereizte Stimmung im Lager, trieb uns an jenem Abend ein weiteres Mal zu den Gehörnten, die uns, nachdem wir ihnen Eisen, Wein und Tabak brachten, erlaubten, von nun an frei ihr Dorf zu betreten und uns außerdem eine junge Zigeunerin, die sie im Wald gefangen hatten, zum Geschenk machten. Es gibt wenige Momente, wo ich meine Prinzipien in Sachen Sklaverei und Brandschatzen in Zweifel ziehe, doch der Anblick dieses Geschenkes leitete einen eben dieser ein….

In den frühen Morgenstunden kehrten wir weinselig zu den unseren zurück, doch trotz des vielen Alkohols, quälten wir uns durch die Mauer der vielen Eindrückte, mühsam in das Reich des Schlafes.

Zweiter Tag

Der Morgen begann wie der Abend geendet, mit Verwirrung und Tumult. Die Angst und Unwissenheit der Schatzsucher hatte sich in Zorn gewandelt und richtete sich nun gegen die beiden Herrn Amer. Denn wer auch immer der Richtige war, so hatte er sie doch alle mit dem Versprechen von Gold für Ameryll in den Wald gelockt. Jetzt hatten alle die Taschen voll mit dem seltsamen Metall, doch wollte die Bezahlung sich, der Umstände wegen, nicht einstellen. So wurden zuerst einmal ein paar Magier bestellt um den Wahrheitsgehalt der Aussagen, welche von beiden getroffen wurden zu überprüfen. Magier…die Armen ahnten ja nicht, daß die den Bock von Lüge und Intrige zum Gärtner im Garten den Wahrheit gemacht hatten. Nun, auch wenn es mich jedesmal mit Abscheu erfüllt, wenn Hexer ihr Handwerk ausführen, so muß ich doch zugeben, daß ich mir ein Lachen verkneifen mußte, als die Herren Neunmalklug so manchen kostbaren Augenblick mit Rangeleien über Herkunft, Wissen und Kompetenz verschwendeten. Als dann endlich einer seine Formeln sprach, erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Tatsächlich, einer der beiden Amers wurde als Lügner entlarvt. Nach einer kurzen und verzweifelten Flucht, wurde er gestellt und der selbst ernannten Lagerwache übergeben. Mögen die Krähen sich nicht den Magen an ihm verderben.

Im Auftrag des wahren Königsgesandten stellte ich nun dann eine kleine Gruppe von Haudegen zusammen und führte sie gemeinsam mit Wolf, Cerobald, Joseph sowie einem Beauftragten des Amer auf die Suche nach den untreuen Söldnern und ihrer Beute. Alsbald schloß sich uns eine weitere Truppe von Kämpfern an, die durch ihre Entschlossenheit und ihr Auftreten allein genügt hätten, die Treulosen zur Aufgabe zu bringen. Schnell war das Camp der Abtrünnigen gefunden und wie es vor jeder Schlacht üblich beschimpften und verhöhnten sich beide Seiten ein Weilchen. Dies schienen Cerobald und ein andere Magus genutzt zu haben um den Feind mit ihren unnatürlichen Fähigkeiten zu untersuchen. Felis, ein Freund des Cerobald, erkannte bei ihnen eine seltsame Aura, die auch schon dem falschen Herr Amer angehaftet war. Dies waren Felis´ Worte. Wenn die Zauberei auch nichts ist, mit dem sich ein wahrer und aufrichtiger Mann beschäftigen sollte, es sogar besser den Dämonen und Feen überlassen sollte, so mußte ich  an jenem Tag ein zweites Mal gestehen, daß, wenn die Magie sowieso eine Karte im Spiel ist, ein magischer Trumpf im eigenen Ärmel nie Schaden kann. Nichtsdestotrotz stürmten wir alsbald den Gegner. Ein Sieg, ohne eigene Verluste, mit vielen toten Feinden auf dem Acker des Gefechts ist ein guter Sieg. Einen der diesen errangen wir über die bezauberte Schar, noch bevor die Sonne im Zenit stand. Die wenigen Wunden, welche wir davontrugen heilte Felis auf seine eigene Art. Siegreich zogen wir zurück, um Herrn Amer sein Gold zurückzubringen und um ausgezahlt zu werden. Doch erneut war uns keine Ruhe beschert, denn die Ereignisse hatten sich inzwischen überschlagen: Waldfeen hatten sich zu Wort gemeldet und verlangte von uns, daß wir einen Spieler für ihr Spiel zu wählen hätten, außerdem erreichte uns die Kunde, das wohl ein Drache im Wald leben sollte, der unter den Augen von wohl einem Duzend gut bewaffneter, jedoch feiger “Krieger”,  einen Zwerg zum Frühstück auserkoren hatte. Die Eingeborenen schienen den Drachen als Gott zu verehren. Eine Gruppe Helden war darauf losgezogen, den Drachen zu Strecke zu bringen, eine weitere um eben diesen vor Feuer und Stahl der Ersteren zu schützen… die Feen mußten wohl ihre Köpfe trunken gemacht haben, jedenfalls erschien mir erstmals die Kultur der Wilden als Alternative zu der meinen…

Nur knapp entgingen wir dem Schicksal, von unseren eigenen Schwertern, schmerzhaft und sinnlos dezimiert zu werden.

Nachdem alle Köpfe sich abgekühlt, das Feuer in den Augen der Streit suchenden Recken erloschen und ihre Waffen aufgehört hatten nach Blut zu schreien, wandte man sich dem Feenspiel zu. Es wurde uns zur Aufgabe gemacht, Steine eines Puzzles durch das Lösen von Rätseln zu finden, ein medial veranlagter Zigeuner führte uns durch seine Visionen zu den Orten, die als Ausgangspunkte für die jeweiligen Aufgaben der Waldgeister erklärt wurden. So galt es zum Beispiel ein furchterregendes Monster in den Tiefen des Waldes zu finden oder, mehr durch Glück eines Zwergen und Josephs, als durch die zweifelhaften Vermutungen der Gelehrten, Statuen in der richtigen Reihenfolge zu Leben zu erwecken. Auch mußte alles Ameryll den Feen überlassen und durch geschickte Verhandlung mit einem alten Mann, ihm sein Wissen über einen der Puzzlesteine, entlockt werden. All diese Aufgaben waren nichts für jene, deren Nerven sie schon nach Einbruch der Nacht verließen.

Den ganzen Tag und die ganze Nacht, jagten wir einem Rätsel nach dem anderen nach. Auch den Drachen ereilte sein Schicksal, der halb verdaute Zwerg konnte sogar noch von den Klerikern gerettet werden. All die Verwirrung nutzten jedoch die Eingeborenen um im Laufe des Abends, Teile des Lagers zu besetzen. Vor allem die notdürftig improvisierte, doch gemütliche Taverne, schien es ihnen angetan zu haben. Erst als der Schamane der Gehörnten ein paar wütende Worte, die Wolf und ich inzwischen fast alle verstanden, sprach, kehrte der Stamm heim in sein Tal, nicht jedoch ohne den Wirt um seine Vorräte zu erleichtern. Mit all dem Wein und Met verbrachten wir die Nacht im Lager der Eingeborenen, und als plötzlich der Wald seine Schrecken verlor, als die Tiere der Nacht einen Gesang anstimmten, der wohl einer Elfe Konkurrenz machte, wurden wir gewahr, daß wohl auch das letzte der Rätsel eine Lösung gefunden hatte. Später erfuhren wir, daß dazu sogar ein Ausflug ins Feenreich nötig war. So feierten wir noch bis wohl zur 3 Morgenstunde mit dem gastfreundlichen Waldvolk, um dann in der Taverne, mit den letzten geheimen Vorräten des Wirts, das erste Licht des neuen Tages zu erleben. So zogen wir singend und tanzend angespornt von den lustigen Stücken eines Gauklers und im Leid aller Welten durch die Lieder zweier Barden vereint in einen Neuen Tag, wissend und hoffend, daß die Trennung die uns allen widerfahren sollte, nicht endgültig war….

Das Leben eines Menschen ist kurz, doch das Bewußtsein um diese Tatsache wird uns alle Wege schneller beschreiten lassen, damit Träume nicht Träume, Hoffnungen nicht ohne Zukunft bleiben und die Geschichten unserer Taten die Ewigkeit überdauern…………

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Abgabefreiheit der ceridischen Kirche läuft ab

Der vor 50 Jahren erstellte Helios-Brief, der die ceridische Kirche von Abgaben befreit, läuft am nächsten Neujahrstage ab. Um die Höhe der zukünftigen Abgaben festsetzen zu können, sind Beamte des Reichskämmerers ausgesandt worden. Diese haben die Pflicht sämtliche Abteien und sonstigen ceridischen Besitz zu erfassen. Die ceridischen Kirchenvertreter werden daher gebeten, den Beamten des Reichskämmerers Unterkunft und Verpflegung zu stellen und ihnen außerdem uneingeschränkte Einsicht in alle Aufzeichnungen und Räumlichkeiten zu gewähren.

Neues aus Darragesh

Anläßlich des jährlichen Freudenfestes der Vertreibung der Halbmondkrieger aus dem Reiche veranstaltete der Baron Estrella, Lehnsmann des Königs von Darragesh, am 20. Tage des 2. Helios im Jahre 24 n.A.III in einem Dorf ein großes Warriorball-Turnier. Gleich zu Anfang gaben sich für die Reisenden aus Heligonia einige Unstimmigkeiten mit dem Richter und dem Büttel, aber sie ließen sich zur beiderseitigen Zufriedenheit lösen. Nachdem die Zwistigkeiten unter den Dorfbewohnern endlich beigelegt waren und das Ungeziefer aus der Taverne entfernt, konnte das Turnier schließlich beginnen. Verschiedene Mannschaften hatten sich eingefunden: die Dorfmannschaften der zwei verfeindeten Familien, die „Knochen-brecher“, „ Das Chaos“, „Die Untoten“ und die heligonische Mannschaft, vertreten durch die Niederwerrner Garde mit Giselher und Sir Galavain, Fendioro la Saro aus Darian, Jander Sternenschweif, Konrath Petterson aus Betis, Issej Ibn Dan und Seillissia …und zeitweilig einem Eisengolem. Der Golem mußte unter großen Mühen und Kosten erst repariert werden, damit er bei der heligonischen Mannschaft mitmachen konnte. Moralische Unterstützung (und Wetteinsätze) kam von Magister Orwen aus Auria, dem es auch gelang, unsere Mannschaft vor den Feldschern zu bewahren, die schlimmer waren als alle Gegner. Es lief eine Wette mit dem Söldnerführermeister Arminius, daß die „Heiler“ keinen unserer Mannschaft auf den Behandlungstisch bekämen. Um den Tisch zu vernichten, wurde er mit Säure begossen und der Golem wurde darauf geworfen. Trotzdem wurde die Wette verloren, da es einen Ersatztisch gab, und weil Issej absolut nicht in einem Ameisenhaufen liegen wollte, bekamen sie ihn kurz auf den Tisch. Bevor ihm etwas amputiert werden konnte, stürmte die Mannschaft das Lager der Feldscher: es gab ein kurzes Gemetzel und eine Verwarnung vom Schiedsrichter. Schließlich stand die heligonische Mannschaft mit der des Chaos im Finale und hatte nur knapp verloren. Welch ein Glück – wie sich später herausstellte – da die zweifelhafte Belohnung, wie vermutet, darin bestand, auf einer gefährlichen Mission für Trawonien sein Leben opfern zu dürfen. Als Preis für die zweite Mannschaft gab es eine Urkunde und einen Zinnteller, die fürderhin im Hauptquartier der Niederwerrner Garde ausgestellt sind.
Zum Abschluß gab es ein großes Fest, bei dem man der Völlerei frönen konnte und das auch von dem Angriff einiger Untoter nicht gestört werden konnte.

Neues aus der Abtei Gunara, Baronie Escandra

Voller Stolz blickt Erzprimus Benedict Canesius auf seinen Schützling Edmond de la Cruz. Die ihm anvertraute Aufgabe in der Baronie Arnach erledigte er zur vollen Zufriedenheit. Da der Erzprimus nicht mehr im Besitz seiner vollen gesundheitlichen Kräfte ist und deshalb keine weiten und beschwerlichen Reisen mehr unternehmen kann übertrug er das Amt des Großinquisitors dem Abt von Dunkelstein. Daher wird öffentlich verlautbart, daß mit Wirkung ab dem 1. Tage des 3. Helios im Jahre 24 n.A.III, Edmond de la Cruz zum Großinquisitor ernannt wird.

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