Die Märkte des Landes waren seit jeher die beliebtesten Plätze, um über die Geschehnisse aus Nah und Fern auf dem Laufenden zu bleiben. Barden und Bänkelsänger geben dort allzu gern ihre Neuigkeiten in Form von Liedern und Geschichten zum Besten.
In den letzten Monden nahm ein Thema in den Dichtungen und Erzählungen einen auffällig großen Raum ein: das Verhältnis zwischen dem Fürstentum Thal und dem südlichste Teil des heligonischen Festlandes, der Grafschaft Sedomee.
Die „Moritat der Gebrüder Schindelgruber“ ist derzeit die beliebteste dieser Geschichten. Sie erzählt von jungen Thaler Holzhändlern, die sich einer Sedomeesischen Karawane anschlossen und auf ihren gemeinsamen Reisen allerlei Abenteuer erlebten.
Doch was steckt hinter dieser kurzweiligen Lyrik? Was ist der Kern dieses neuen Miteinanders? Nahezu der gesamte Thaler Adel bestätigt, in Sedomee einen Freund an seiner Seite zu haben.
Unter den Besuchern der Märkte mischt sich allerdings zunehmend Unbehagen. Droht dem Fürstentum eine Gefahr, die das Volk noch nicht kennt? Warum ist die Freundschaft zu Sedomee plötzlich so wichtig? Vor allem Fürst Bartha ist permanent bemüht, dahingehende Sorgen zu zerstreuen oder sogar wegzuwischen. Konkrete Gefahren für das Land sehe er nicht, ließ er jüngst verlautbaren.
Mögen die Götter unsere Gebete erhören und weiterhin ihren Segen über unser Land ausbreiten.
Publikation: Helios-Bote Seite 20 von 34
Die bekannte Künstlerin Subra Ymeda hat sich für dieses Jahr eine besondere Attraktion einfallen lassen.
„Das tristen Grau dieser Jahreszeit, das kalte Wetter und die langen dunklen Nächte nagen an der Seele der Menschen. Viele verkriechen sich in ihren Häusern und haben kaum Kontakt zu anderen Menschen, als ihrer engsten Familie und Nachbarn. Dem möchte ich mit Licht, Freude und Geselligkeit entgegenwirken“, sagte Ymeda. Sie selbst ist dafür ein leuchtendes Vorbild und trägt über ihren Elchslederstiefeln warme Wollüberzieher in hellem weiß mit eingewebten, roten geometrischen Mustern. Der in verschiedenen Tannen-Grüntönen changierende Rock wird mit dazu passendem Oberteil und Pullover ergänzt, der eingewebte Muster von Schneeflocken, Thaler Elchen und Eiszapfen zeigt. Ein dicker Schal in warmen Orangefarben zog während unseres Gespräches die Blicke der Passanten auf sich.
„Der Winter hat auch seine schönen Seiten“, erklärt die Künstlerin. „Man muss sie nur suchen. Deswegen haben wir auf dem Jaruner Marktplatz dieses Jahr das Eisfest ganz besonders gestaltet. Es gibt heiße Getränke und Waffeln. Einige Wirtshäuser haben Buden aufgestellt, die von mir individuell gestaltet wurden. Die Thaler Zimmerleute sind unter meiner Anleitung in ihrer Schnitzkunst über sich hinausgewachsen. So sind die Verzierungen in Anlehnung an die Figurensprache der Vjoshavener geschaffen worden. Bunte Tiergestalten wechseln mit Knoten und Verschlingungen in allen Formen ab. Natürlich haben wir sie etwas freundlicher gestaltet, als die Originale. Wir wollen die Menschen ja einladen und nicht verschrecken. Es gibt eine Eisbahn, die um den ganzen Markt führt und so für ausreichend Bewegung und Wärme sorgt. Nach Einbruch der Dunkelheit erleuchten wir den Platz mit Fackeln. Die Menschen sollen sich wohlfühlen und für ein paar Stunden die Härte des Winters vergessenen. Es freut mich besonders, dass es mir gelungen ist, den Prinz selbst als Schirmherrn des Eisfestes zu gewinnen. Die Eröffnungsfeier mit Feuerjonglage und Akrobaten war einzigartig. Ich wünsche allen Besuchern des Jaruner Eisfestes ein unvergessliches Erlebnis und einen baldigen Frühling.“
Tageskurse
| Aurazith | 1 heligonische Unze | 3 Dukaten |
| Brennholz | 1 m3 | 15 Groschen |
| Seidenstoff | 1 m2 | 2 Dukaten |
| gefärbte Schafwolle | 500 g | 7 Groschen |
| gefärbte Alpakawolle | 500 g | 1 Dukaten |
| gefärbte Buraiwolle | 500 g | 1 Kreuzer |
Das Brennholz ist auch dieses Jahr wieder teurer geworden. Importe aus anderen Ländern bleiben schwierig. Der Wert von Seidenstoff schwankt stark, wohingegen der Preis für gefärbte Wolle kaum zu bremsen ist, abgesehen von Buraiwolle – was wohl am beissenden Aroma liegt.
Was sich schickt:
• Hochzeiten im Freundeskreis
• Crelldinorschuppen am Nachthimmel
• Männer in Strumpfhosen
• Reisen ins Ödland Kernland
• Schattentheater aus Dunkelstein
Und was nicht:
• Unterirdische Akademien
• Crelldinorschuppen im Vorgarten
• Brökhelfieber
• Reisen nach Zorkhan
„Unfassbar!“ schallt es über den Kai, kurz nachdem das Admiralsschiff den Hafen von Veitsburg verlassen hatte. Völlig außer sich schritt Kapitän Xurlsen Kielholer an Bord der Brassach auf und ab. „Wie kann er nur?!“
Sein erster Offizier versuchte ihn zu beruhigen. „Frau Marinehauptmann hatte die Lage im Griff. Außerdem war Adminal Hinrich …“
„Es war pures Glück, dass der Admiral rechtzeitig zugegen war!“ fiel ihm der Kapitän ins Wort und wandte sich um. „Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn er nicht geplant hätte, dem Hauptmanöver beizuwohnen, um sich selbst ein Bild von der Schlagkraft unserer Expeditionsflottille zu machen.“ Schimpfend und fluchend setzte er seine Runde an Deck fort, ohne dass deutliche Worte zu vernehmen waren.
Auf dem Anleger begannen Matrosen und Hafenarbeiter zu tuscheln. Niemand wusste genau, was vorgefallen war. Es war lediglich bekannt, dass das Landungsunternehmen der Expeditionsflottille zum Manöver auf den Marinetruppenübungsplatz Veitsburg-Nord in Garstfeld abgerückt war. Dann tauchte ein Leutnant in Begleitung etlicher Amtspersonen auf, um nach einer kurzen Visite an Bord der Brassach nur mit einer Handvoll Begleiter im Schlepptau wieder zu verschwinden. Die Mehrzahl der Amtspersonen verblieb scheinbar auf der Brassach.
Nur wenige Minuten später legte das Admiralsschiff von Hinrich von Harkenberg in Veitsburg an. Man sah den Kommandant der Ostarischen Kolonialflotte eiligen Schrittes an Bord der Brassach gehen, ohne sich Zeit für die sonst üblichen Sitten und Gebräuche beim Betreten eines Schiffes zu nehmen. Am späten Nachmittag sah man den Admiral, ebenso eiligen Schrittes, von Bord gehen, sein Gesicht schwer in Sorge.
Am Abend kehrte der Admiral wieder zurück. Eine Last schien von ihm abgefallen zu sein. Kapitän Kielholer wechselte einige kurze Worte auf dem Anleger mit ihm, bevor Hinrich von Harkenberg sein Schiff bestieg und den Befehl zum Ablegen gab.
„Was immer es war,“ meinte ein Hafenarbeiter zu seinem Kollegen, „es schien glimpflich ausgegangen zu sein.“
„Du sagst es.“ antwortete er. „Hoffentlich können wir weiterhin auf unsere Expeditionsflottille zählen. Schließlich mehrt sie durch ihre großen Abenteuer das Wohl und Ansehen unseres Herzogtums. Du kennst ja selbst die Lieder, die in den Tavernen über sie gesungen werden.“
„Da sagst Du etwas. Komm, lass uns ein den ‚Goldenen Anker‘ gehen, und ein Glas zu ihren Ehren trinken.“
On bisch Du ao a daube Sau
An baisa Mo, a wiaschte Frau
Odr no sonscht an Luada
An Mittsommr, da leh mer fei
Ao mol des Bockshorn grode sei:
Heit bisch ao Du an Guada!
Holt euch anspruchsvolle Unterhaltung in die Stube. Von nun an könnt Ihr selbst für die abendliche Zerstreuung sorgen. Das Durchfüttern untalentierter BardInnen, die eh meist ums Gesinde schleichen ist jetzt überflüssig.
Noch heute per Depesche ordern!
Jedes Schattentheater wird individuell und kunstvoll gefertigt. Die Handhabung wird vor Ort fachgerecht vermittelt. Zur Grundausstattung gehört ein Abenteuer des legendären Kapitän Kielholer. Zusätzlich kann das Repertoire mit der ogedischen Mythensaga oder den ceridischen Lebensbilder ergänzt werden. In Arbeit befindet sich das Werk über wahre Verbrechen: „Die glaubhaftesten Lügen vor darianischen Kadis“. Ein Almanach, der für umfassende Unterhaltung während der kalten Saarkamonde sorgt.
Die vielbeachtete Vorführung bei der Novitätenschau zu Lodenburg sorgte für Aufsehen und Anerkennung. Schon bald könnt Ihr stolzer Besitzer dieses einzigartigen Unterhaltungs-Apparatus sein.
Selbstverständlich wurde das Schattentheater vom Herzoglich-Ostarisches Patentamt geprüft und mit der Patentnummer 57A672-ERPO-755 versehen.
Die Zulassung ist dortig bei der Abteilung Patenterteilung, Schustergasse 127c, Zimmer 665 einzusehen. Der Amtsleiter, Amtsdirektor Hilbert von Egelbrech sowie Sachbearbeiter Amtmann Parzifal Schwertfeger-Nadelbinder werden auf Nachfrage Einsicht gewähren.
Vor Nachahmern und minderwertigen Fälschungen wird gewarnt!
Die Admiralität zu Ankur lässt vermelden, dass die 1. Herzöglich-Ostarische Expeditionsflottille weiterhin im Dienste des Ersten Seeherrn, Jareck von Jolberg, steht. Jedoch steht sie fürderhin für die Dauer von zwei Jahren auf Abruf und unter strenger Beobachung. Zu diesem Entschluss kam es nach einer eingehenden Prüfung durch eine Kommission des Amts für Interne und Externe Revision unter der Leitung von Leutnant Damiano von Nigramsfall. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Hilltrud von Forsberg-Nieblschütz von der Zentralabteilung für Personalwesen sowie Gilbert Glitschaal vom Kontrollreferat für Organisatorische und Operative Abläufe.
Die längst überfällige Kontrolle fand ohne vorherige Ankündigung während des laufenden Manövers des Landungsunternehmens am 28. Tag des dritten Poënamond im Jahre 49 n.A.III statt. Die Entscheidung wurde den Offizieren und der Mannschaft noch am selben Tag und im Beisein des Admiral der Ostarischen Kolonialflotte, Hinrich von Harkenberg, verkündet.
Neuerdings sind einige böswillige Gerüchte aufgekommen, die mich nötigen, persönlich das Wort an die ehrsamen und fleißigen Bewohner der stolzen Stadt Betis zu richten. Es ist in der Tat richtig, dass die vier Pavesen, die üblicherweise bei den Landungsmissionen der Ostarischen Expeditionsflottille mitgeführt werden, traditionell Betiser Vornamen tragen. So fiel den Matrosen vor geraumer Zeit der formschöne Gleichklang zwischen dem Defensivgerät „Pavese“ und dem allseits bekannten Namen „Corvese“ auf. Da sich die Pavesen schon oftmals als Speerspitze der Lagersicherung bewährt haben, war es somit nur eine Frage der Zeit, bis die stete Verteidigungsbereitschaft und Standhaftigkeit der Betiser Bürger hier in Form von klangvollen Vornamen ihren Niederschlag fand. Zum einen dienen die Namen der vier „Fratelli Pavese“ natürlich der Unterscheidbarkeit der einzelnen Defensivwaffen. Zum anderen soll (im Verbund aller vier) der traditionell starke Familienzusammenhalt in der freien Reichsstadt geehrt werden. Die Benennung der Pavesen ist somit auch ein Ausdruck der langjährigen und gewinnbringenden Zusammenarbeit der Ostarischen und der Betiser Flotte. Nur Personen ohne jeden maritimen Hintergrund und in Unkenntnis Ostarischer Traditionen können hierin einen Akt böswilliger Beleidigung erkennen.
Wie befürchtet, gestaltet sich die Orientierung im Ödland schwierig: Obwohl die Gegend nördlich von Härtwigs Hafen noch grün und fruchtbar ist und es an markanten Landschaftspunkten nicht fehlt, ist der Kompass schier nutzlos. Himmelsrichtungen scheinen keine Rolle mehr zu spielen, und die Landschaft, die man eben noch durchwandert hat, verändert sich im Rücken auf subtile Weise. Wir versuchen, mehr oder weniger nördliche Richtung zu halten und erreichen schließlich eine Burgruine. Dort entdecken wir eine Tafel mit den Symbolen der Viere, durchbrochen mit einem ceridischen Kreuz. Im Innenhof kämpfen drei Männer miteinander, augenscheinlich unsere ersten Ödländer. Als wir zu Hilfe eilen, stellt sich heraus, dass es sich nur um ein Kräftemessen handelt, dem sie aber enorme Wichtigkeit beimessen. Stolz erklären sie uns „Mein Gott ist Javare!“ oder „Mein Gott ist Vahrim!“ Während wir noch verblüfft nachfragen, bricht ein Sturm brüllender, Waffen schwingender Ödländer über uns herein. Die drei machen keine Anstalten, uns zu helfen, und kehren uns lachend den Rücken. Nur mit knapper Not können wir uns erwehren, doch kaum einer bleibt ohne Verwundung. So schnell der Angriff über uns kam, so schnell ist er auch wieder vorbei, die Horde zieht weiter, nur eine Eule flattert herum.
Um unsere Verwirrung noch zu vergrößern, verwandelt sie sich in einen Menschen und lädt uns zum Ulsari-Fest in eine Taverne in der Nähe ein. Die Eule, vielmehr der Mensch, behauptet, ein Formwandler zu sein, eine Begabung, die hier wohl öfter vorkommt. Wir erkundigen uns nach dem Sinn des Ulsari-Festes und erfahren, dass es ein großer Tauschtag ist. Besonders begehrt sind magische Fokusse, aber so etwas haben wir natürlich nicht im Gepäck.
Unterwegs erfahren wir noch, dass das Ulsari-Fest für Erneuerung und Fruchtbarkeit steht, eigentlich nicht ungewöhnlich, da heute ja auch das ogedische Laubfest mit ähnlicher Bedeutung ist. Interessant ist auch, dass in letzter Zeit mehr Fremde in der Gegend aufgetaucht sind, darunter auch Heligonier. Letztere retten uns vor einem weiteren Angriff, als wir mehr tot als lebendig in den Hof der Taverne humpeln: Eine Gruppe aus Ankur um Ritter Gerdhelm, die die Leomark über den Landweg erreichen wollte, hängt hier schon seit mehreren Wochen fest. Alle Bemühungen, den Ort zu verlassen, führen immer wieder zum Haus zurück.
Beim Tauschtag erzählt man uns, dass es in der Nähe Orte mit Ameryllvorkommen gibt. Wir sammeln einiges davon ein, doch die Ulsari verlangen, es weit außerhalb der Taverne zu deponieren. Ulsar könne sie dann nicht mehr sehen und beschützen. Vor den Angreifern? Keine Antwort. Unsere Vermutung, es könnte der Weg aus der Tavernen-Falle sein, bestätigt sich nicht, jedenfalls solange keiner das Reisen durch Ameryll beherrscht. Für Ceriden scheint es ohnehin unmöglich zu sein.
Über unsere Angreifer erfahren wir, dass sie „Unberechenbare“ genannt, von allen Ödländern gefürchtet werden und es kein Mittel gegen sie gibt. Die Katze, ein weiterer Gestaltwandler, erzählt mir, dass die Angriffe der Unberechenbaren in letzter Zeit mehr geworden sind, dass zunehmend alte Tabus gebrochen wurden. Und obwohl die Taverne von Ulsar geschützt wird, kamen die Angreifer ungewöhnlich nahe. Es ist also eine Veränderung im Gange.
Ein Wildschwein-Gestaltwandler erklärt mir bereitwillig die Stämme der Ödländischen Gesellschaft, wobei eher die Bezeichnung Kasten passen würde:
Die Ulsari sind die Zauberer und Formwandler, sie haben verschiedene Begabungen.
Die Wogu sind die Bauern, die den Acker bestellen und für Nahrung sorgen.
Die Gorsan reden mit den Göttern.
Die Bensur arbeiten mit Papier, sie schreiben und forschen.
Die Dechmol sind die Heiler und Schamanen, sie haben Kontakt zur Geisterwelt.
Die Javare sind die Krieger. Innerhalb dieses Stammes gibt es die Garde: Sie sorgt für Recht und treibt Steuern ein.
Zudem gibt es verschiedene Aspekte, die die Stellung innerhalb der Kaste beeinflussen können, aber das erschien mir etwas unklar. Kommt etwa zu einer Berufung zum Javare der Aspekt „Glück“ hinzu, so will er sich ständig beweisen und fordert jeden zum Kampf – er wird zum Unberechenbaren.
Überraschend taucht ein Ritter des Ordens vom Wahren Wort auf, nach dem wir auf der Suche sind. Er scheint öfter anwesend zu sein und lehrt einige Kinder aus einem Buch die ritterlichen Tugenden. Jener Kodex stellt sich als verfasst von „Jorin“ heraus, einer äußerst geheimnisvollen Person in arkanen Kreisen, wenn ich mich recht erinnere. Als Ritter Larion von den acht Artefakten, nach denen wir auf der Suche sind, keinen blassen Schimmer hat, wird er uns verdächtig. Tatsächlich handelt es sich um einen Hochstapler, der die Ausrüstung des toten Larion an sich genommen hat.
Wir machen uns auf die Suche nach den Überresten des echten Larion und finden schließlich seine Gebeine im Wald. Eines der sechs Kinder ist in der Lage, mit Kobolden zu sprechen, diese haben den Ritter vom Felsen stürzen sehen, dabei sei ein großer Vogel weggeflogen.
Ob es sich dabei um Gwon, Rabe oder einen weiteren Formwandler gehandelt hat, muß offenbleiben. Die beiden Heliosgeweihten Metabor und Fernvihn Evertun wollen aber Gwon ausschließen, da der Vogel bereits anwesend war, als der Ritter noch im Fallen, also am Leben war.
Kurz darauf ist ein Tagebuch Larions in Umlauf, offenbar im Besitz der Kinder, in das ich kurz Einblick nehmen kann: Er wurde zusammen mit weiteren Ordensrittern von seinem „Patron“ ausgesandt, um die Artefakte zu finden. Man müsse sie (wieder?) sammeln und bewahren, weil sie zu große Macht hätten. Das Tagebuch schreibt er, um sich immer wieder daran zu erinnern, wer er ist und welche Aufgabe er hat. (Er schreibt auf, „um nicht vom Weg abzukommen“. Vielleicht auch für uns ein Hinweis im Umgang mit den Phänomenen des Ödlands?) Larion habe den aktuellen Besitzer des Dolches ausgemacht, einen gewissen Arwaatz. Dieser bewahrt ihn in einem Versteck auf. Larion müsse ihn nun jede Nacht beobachten, um es zu finden und hofft, dass er die Macht des Dolches nicht kennt und einsetzt.
Eines der sechs Kinder, die offenbar verschiedene Begabungen haben, spricht über das Gebein mit Larions Geist: Es sei kein Mord gewesen, er geriet mit Arwaatz in Streit und stürzte den Felsen hinab. Arwaatz werde den Dolch nun zu den Hohepriestern ins Zentrum der Ödlande bringen.
Das Ulsari-Fest endet am Abend mit der Verbrennung von alten Dingen und dem Aussprechen von Wünschen für das neue Jahr.
Wir wissen also nun, dass eines der acht Artefakte ein Dolch ist und dieser sich auf dem Weg in das zentrale Heiligtum der Ödlande befindet. Die Kinder, welche sich „Sechskant“ nennen, erklären sich bereit, uns dorthin zu führen. Die Gruppe um Ritter Gerdhelm dagegen wird zum Jolborn und damit zurück nach Heligonia gebracht werden, ihm gebe ich diesen Bericht mit. Wir anderen ziehen nun weiter in die Ödlande hinein.
Bis auf die Angriffe relativ kleiner, offenbar unabhängiger Gruppen von „Unberechenbaren“ habe ich bis jetzt keine kriegerischen Handlungen erkennen können, auch keine Vorbereitungen zu größeren Zurüstungen. Galten die Ödländer im letzten Krieg noch als bunt bemalte, mit Leder und Fellen bekleidete, Speer schwingende Krieger, so sind die Menschen hier völlig normal gekleidet, es gibt keine auffälligen Tracht-Merkmale. Bei den Unberechenbaren sah ich höchstens Lederschutz, aber keine schweren Rüstungsteile. Insgesamt stellt sich die Gesellschaft etwas komplexer dar als in den alten Kriegsberichten beschrieben. Einen Kriegs-Schamanen oder gar zusätzliche Körperteile oder andere Modifikationen aus Ameryll sah ich bis jetzt nicht.
Ebenso versicherten mir die Ulsari, dass bei ihnen niemand Boote oder gar Schiffe besitzt. Sie zeigten sich sehr überrascht vom Angriff auf dem Jolborn. Entweder geht hier etwas vor, von dem auch die „gewöhnlichen“ Ödländer nichts wissen, oder es sind bisher nur die ersten Auswirkungen einer Veränderung spürbar. Wir vermuten allerdings, dass dieser so mächtige Dolch in den falschen Händen die Krieger der Unberechenbaren und Javare vereinen und wieder gegen unser Reich aufstacheln könnte. Wem eine Kriegsfront im Norden nützt, dürfte klar sein. Ebenso klar ist uns, dass wir diese Hohepriester davon überzeugen müssen, uns beziehungsweise dem Orden des Wahren Wortes den Dolch zu sicheren Aufbewahrung zu überlassen. So wird aus unserer Expedition nun tatsächlich eher eine diplomatische Gesandtschaft – wenn wir glücklich in ihrem Heiligtum ankommen, eine Reise, die wohl mehrere Wochen dauern wird. Sofern es möglich ist, werde ich weitere Nachricht schicken.















