Publikation: Helios-Bote Seite 19 von 34

[Ohne Titel]

So kalt, nur eines kann es sein,
Die Saarkamonde kommen wieder heim,
wir begrüßen sie, unsere Arme weit offen,
In unseren Häusern, fest die Türen verscchlossen.

Während sich draußen die Landschaft neu erfindet,
Drinnen eine Flamme im Kamin sich windet,
Wärme füllt den Raum, Kälte dringt herein,
Ein unendlicher Kampf, bis sie sind ein.

Die Bäume sind schon längst aus Eis,
Zusammengebrochen unter Mengen aus Weiß,
Gras unter einsamen Schritten klirrt,
Der Ton verlassen durch die Kälte klirrt.

Doch wir sind sicher, bei uns ist es warm,
Die Stürme des Winters, nur eine Illusion, die wir sahn,
Die lauert da draußen, dringt nicht zu uns ein.
Nun auf ein frohes Fest, mit viel Bier und Wein.

[Ohne Titel]

Soweit man schaut der Himmel blau,
soweit man sieht die Woken grau,
Teils aus Ruß, teils aus Staub,
Fällt Schnee hinab wie einst noch Laub.

Menschen nun das Draußen meiden
Tiere alleine, unbemerkt leiden,
Jeder hungert, jeder friert,
Alles Froh hat sich verirrt.

Ab und zu ein Licht zu sehen,
Inmitten zahlreicher Schneewehen,
Verspricht Wärme, verspricht Trunk
Bevor es wieder vom Winter umrankt.

Das feste Weiß, von der Kälte genährt,
Alle Türen und Fenster es versperrt,
Scchließt Menschen ein, lösst sie nicht sehn,
Was draußen alles ist geschehn.

Ein Teppich so weich, doch wir können nicht drauf gehen,
Ein Farbenspiel so bunt, doch wir hönnen es nicht sehen,
Eine Ruhe so leis, wir können sie nicht hören,
Eine Welt so friedlich, lass uns sie nicht stören.

Weiß und schwarz

Die Welt ist dick weiß eingedeckt.
Der Schnee knirscht. Ich gehe
dem Waldsaum zu, an dessen Eck
und dann entlang in frischer Helle.

Zwischen Wald und zugeschneitem
Nussbaum in der grellen Helle
des blendenden weißen
Schnees schweift frei der Blick.

Schwarze sitzen im Baum.
Raben aufgeplustert, bewegen sich kaum
nur ihr Kopf folgt mir einsamem Wanderer
bewegt sich ja nichts anderes.

Starr die Augen, unergründlich,
Rabenaugen, was saht ihr?
Aas von Erfrorenem, Verhungertem,
Erschlagenem, Verlorenem?

Herbstkörner, abgefallen bei
der Bauern fröhlicher Ernte?
Tränen und Lachen, Freud und Leid
wie es kommt und geht aus und in die Ferne?

Die Raben, sie denken wohl nichts
weiter und wenn dann heiter
und ganz ohne Bosheit
„Geht er, ist er weg, fällt er um, ist er Speise.“

Winterfreuden

Wenn der Schnee sanft vom Himmel fällt
die Welt von weißer Pracht bedeckt,

Kerzenlicht die Nacht erhellt,
erst spät von Helios geweckt

seh ich die zauberhafte,
winterliche Wunderwelt.

Und wenn Magisters krumm Gestalt
sich dann aus seiner Gruft bewegt

sorg ich dafür, dass dort alsbald
sein grässlich Grinsen ihm vergeht.

Denn wer hat Tadel mir gegeben,
grund- und zudem ehrenlos

muss mit meiner Rache leben
mit gefrorenem Geschoss.

Ich freu mich, wenn es ist so weit
in wunderbarer Winterzeit.

Ein Blick über das Gebirge nach Süd-Nuremburg

Werte Leserschaft, immer wieder lesen wir von Menschen, die aus dem Süden von Nuremburg den Weg über das Gebirge wagen, um Sicherheit und Schutz zu suchen. So ganz genau weiß niemand zu sagen, was in diesem einst so stolzen und stabilen Reich vor sich geht. Ganz offensichtlich aber ist das Land tief in einen grausamen Bürgerkrieg versunken, mit Kriesgsbanden, Resten von Ordnungsmacht und heillosem Durcheinander. Von dort ist auch ein Lied über das Gebirge zu uns gekommen; es erhellt nicht die Details des Bürgerkriegs und seiner Fronten, aber es gibt einen Einblick in den Zustand des Landes und der Seelen der Menschen, mehr als eine gelehrte Abhandlung.

Der Tod im Nurem

Der Tod reit´t auf einem kohlschwarzen Rappen
Er hat eine undurchsichtige Kappen
Wenn Landsknecht´ in das Feld marschieren
Läßt er sein Roß daneben galoppieren
Nurem in Not
In Nuremburg reitet der Tod

Der Tod reit´t auf einem lichten Schimmel
So schön wie ein Sternbild vom Himmel
Wenn Mädchen ihren Reigen schreiten
Will er mit ihnen im Tanze gleiten
Nurem in Not
In Nuremburg reitet der Tod

Der Tod kann auch die Trommel rühren
Du kannst den Wirbel im Herzen spüren
Er trommelt lang, er trommelt laut
Er schlägt auf eine Totenhaut
Nurem in Not
In Nuremburg reitet der Tod

Als er den ersten Wirbel geschlagen
Da hat´s das Blut vom Herzen getragen
Als er den zweiten Wirbel schlug
Den Landsknecht man zu Grabe trug
Nurem in Not
In Nuremburg reitet der Tod

Der dritte Wirbel ist so lang gegangen
Bis der Landsknecht vom Einen den Segen empfangen
Der dritte Wirbel ist leis und lind
Als wiegt eine Mutter in Schlaf ihr Kind
Nurem in Not
In Nuremburg reitet der Tod

Der Tod kann Rappen und Schimmel reiten
Der Tod kann lächelnd im Tanze schreiten.
Er trommelt laut, er trommelt fein:
Gestorben, gestorben, gestorben muß sein.
Nurem in Not
In Nuremburg reitet der Tod

 

Liebe Kinder gebt fein Acht,
Willkür hat mir nichts gebracht.
Zauberte an Tieren rum,
manche wurden schrecklich dumm!

Der wahre Grund der Tollerei?
Im Kopf mehr Platz für Denkerei!
Und hatte es dann funktioniert,
ward an mir selbst es ausprobiert.

Doch was geschah liegt auf der Hand,
denn was ich tat ich nicht verstand.
Mein Geist ward wirr,
ich sprach nur irr!

Denkerei im Überfluss
führt am Ende bloß zu Stuss.
Doch Rettung eilte bald herbei
und nicht in Form von Zauberei.

Ein Schüler der arkanen Kunst!
Albrich sieht der Stunde Gunst.
In einem klaren Augenblick
erklärte er mir einen Trick.

Ich stellte mir ein Loch nun vor.
Ja, Albrich war gewiss kein Tor!
Denn meine wirren Gedanken
darin ganz schnell versanken.

Albrich wird ein Held mir bleiben,
dies ohne ihn ich könnt nicht schreiben.

Der Bergleute Klage

Eure Großzügigkeit Graf Dedekien versorgte nicht nur die Hinterbliebenen des Unglücks, sondern ersann ein Klagelied, das fortan von den Barden im Reich vorgetragen wird.

Wir gingen in den tiefen Schacht
Ein in des Todes lichte Nacht
Jetzt ruhen wir im ewigen Schlaf
Still, ohne Schrei und Schrecken.
Wir sind wohl wie ein Haufen, der
beherzt am Feind geblieben.
Nun sorgt der Graf für unsre Lieben!
Wir haben unser Leben lang
mit Stöhnen, Fluchen und Gesang
die Stollen vorgetrieben.
Und wie dem Bauern seine Flur
Dem Schäfer seine Weide,
So lieb war uns der tiefe Schacht
Wer tat uns dies zuleide!
Unser Leben still verrinnt wie Quellenlauf im Sande.
Möge Gwon uns finden!
Seid frischen Muts und frohem Herzen.
Ihr heliosbeschienenes Volk.
Kühn trotzend den Gefahren.
Doch klopft der Kobold tief im Schacht
Dann habe acht!

Heute wird der verehrte Landesherr zu seinen Untertanen sprechen, so wie er es all die Jahre seiner glorreichen Regentschaft getan hat. Schon viel zu lange mussten die Kinder der schönsten Stadt auf die süßen Worte ihres geliebten Grafen warten. Umso größer war ist die Menschenmenge, die sich unter dem Balkon vor dem Palast drängte. Jede Frau und jeder Mann versuchte noch einen Platz zu ergattern, um der gräflichen Rede zu lauschen.
Endlich ist der große Moment gekommen. Just als Helios seine letzten Strahlen über den Horizont ergießt, erscheint Graf Dedekien auf dem Balkon, was augenblicklichen einen Sturm der Begeisterung auslöste. Doch ebenso schnell wie der Jubel ertönte, verstummte er auch wieder. Der ansonsten prächtig bunt gekleidete Herrscher war gänzlich in Schwarz gehüllt – der Graf trägt Trauer!

In das laute Schweigen hinein, sprach er mit gedämpfter Stimme: „Mein geliebtes Volk! Wir haben einen schmerzlichen Verlust zu beklagen.“

Graf Dedekien wandte sich kurz ab, damit ein Diener mit einem Seidentuch eine Träne trocknen konnte, die über die gräfliche Wange floss.

Er hob erneut an: „Die gräflichen Kupferbingen im Schlangenkamm sind Unser ganzer Stolz. Bewegen Wir im Geiste unser Auge von dort nach Utras Dar, dann erblicken Wir das einstmals unbedeutende Minenarbeiterhaus. Nun ist jene Taverne „ Zum Schluckloch“ ein Ort der Begegnung und des blühenden Handels geworden. Doch hat sich diese Heimstatt des friedlichen Austausches zum Schauplatz eines erschütternden Unglücks gewandelt. Dutzende tapferer Frauen und Männer sind dort in den Bingen unter Schutt und Geröll begraben worden.“

Die Menge schluchzte bei diesen Worten wie aus einem Munde. Noch bevor ein lautes Wehklagen einsetzen konnte, erhob der Graf seine Stimme erneut: „ Ihr fragt Euch, wie kann dies geschehen? War es ein Unfall? Der Wille der Götter? Oder gar Sabotage?
Letzteres wollen Wir nun genauer untersuchen. Neid und Missgunst begleiten Uns seit jenen Tagen, da Wir Unser schönes Land wieder zu großem Ruhm verholfen haben. Glauben Unsere Widersacher, dass Wir von Unserem Vorhaben Darian wieder groß zu machen, abzuhalten sind?“ Graf Dedekiens Stimme wurde immer lauter und eindringlicher: „Wo waren die königlichen Schergen, die immerfort den Schlangenkamm durchstreifen, um Unseren braven Kaufleuten das Handwerk zu erschweren? Wie konnten grausame Verbrecher den sonst so wachsamen Augen der königlichen Obrigkeit entgehen? Hat das Alter die Sehkraft des Königs getrübt? Zeigen Wir es dem Greis auf dem Thron in Escandra! Nehmen Wir Unsere Verteidigung selbst in die Hand! Wir haben die Schuldtürme geöffnet, damit die Insassen ihren Dienst im Schlangenkamm verrichten können. Sie werden die Wachen, Soldaten, Büttel und Ordnungshüter dabei unterstützen Unsere wohlschaffenden Händler zu behüten. Jede Frau und jeder Mann, der Teil dieser heldenhaften Aufgabe sein möchte, ist herzlich willkommen.“

Die rasende Menge tobte, der Jubel schwoll zu einem Donnerbrausen an bevor sie sich in die zahlreichen Schänken der Stadt zerstreute. In den Tavernen flossen reichlich Freigetränke
und es wurden tausende Heuerverträge unterschrieben.

Es wurde getrunken und geweint bis in die Morgenstunden, so dass die Omus Mühe hatten, die zornigen Worte des mächtigen Herrschers in alle Winkel des Reiches zu rufen.

“Aogmoltr Scheiß isch älleweil no Scheiß“ – Angemalter Kot ist immer noch Kot.

Nachricht der Kobolde – Wahrheit oder Fantasie

In den Gebieten der Baronie Beraht ist vor allem der Glaube an die Existenz von Kobolden stark vertreten. So sagt eine alte Verhaltensregel: “Klopfe jedes Mal wenn du eine Tür oder ein Fenster öffnest an den Holzrahmen, auf daß kein Geist oder Kobold durch die Öffnung in dein Haus schlüpfen kann.”
Die Menschen erzählen sich, Kobolde hausen in den Tiefen der Dunklen Wälder, vor allem in alten, verlassenen Ruinen. Manche der Kobolde helfen angeblich Saarka beim Verbreiten von Frost und Hagel. Vor allem die harten Saarke-Monde des Jahres 29 n.A.III, die den Anfang des dreijährigen Mantidenkrieges markieren, sahen manche als Beweis an, das Kobolde existieren und die Göttin des Frostes mit ihnen zusammenarbeitet.
Seit Ansgar von Beraht als neuer Baron eingesetzt wurde und er die Weihen der Saarka erhalten hat, ist es ruhiger geworden. Die Winter-Monde sind milde ausgefallen und der alte Glaube an die Kobolde wieder aus dem Alltag der Bevölkerung verschwunden. Einzig an kalten Abenden am Kamin erzählt man sich vielerorts immer noch noch Geschichten über die vermeintlichen Fabelwesen.
Dieser Tage munkelt man allerdings über eine Warnung der Kobolde, die angeblich an den Hof von Fahlberg gerichtet sein soll. Bei einem öffentlichen Auftritt auf dem Marktplatz ebendort versuchte der Baron von Beraht das Gerücht zu zerstreuen, was ihm aber nicht gut gelang. Sollte es tatsächlich wahr sein, dass die als mystische Kinderfantasie abgetanen Alben wirklich existieren? Und sollte es darüber hinaus ebenso wahr sein, dass sie eine Botschaft an die Menschen der Baronie gerichtet haben? Und wenn das alles wahr sein sollte: was hat der Baron von Beraht zu verheimlichen?
Mögen die Götter unsere Gebete erhören und Schaden von unserem Land abwenden.

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