Das Interesse an Forschung und Wissen mag nicht bei allen groß sein, aber das Haus Rebenhain hat dieses Gebiet nie vernachlässigt und wird es auch nicht vernachlässigen.
So gibt es hier immer großes Interesse an neuen Entdeckungen und Erfindungen aller Art. Auch eine zeitweilige, kürzer oder länger dauernde Anstellung für Gelehrte die an großen Dingen arbeiten ist keine Seltenheit.
Die Gelehrten des Hauses selbst arbeiten immer an interessanten Sachen, und freuen sich jederzeit über neue Informationen und Erkenntnisse.
Besucht uns doch einfach einmal, zu welchem Zwecke auch immer.
Dieser Bekanntmachung fügen wir eine kurze Abhandlung zweier in Rebenhain ansässiger Gelehrter bei, ebenfalls zu Veröffentlichung.
Publikation: Portal Seite 7 von 8
Die Ereignisse, die vor noch nicht all zu langer Zeit auf Burg Fhein in der Baronie Brassach vor sich gingen, wurden bereits im Heliosboten hinlänglich beschrieben. Der geneigte Leser sei also auf den entsprechenden Artikel hingewiesen. An dieser Stelle soll dem arcanen Publikum ein Einblick in den Stand der magischen Ermittlungen gegeben werden.
Ausgangspunkt der Ereignisse war tatsächlich ein Hinweis von unbekannter Stelle, daß Burg Fhein eines der Hauptziele der Ödländer sein soll. Nachdem man zufürderst wenig Glauben in ihn gelegt hatte, wurde beschlossen, dennoch eine Untersuchung einzuleiten. Vor Ort fand man – wie erwartet – zunächst nichts besonderes vor, doch nachdem vor allem das Fundament näher und auch arcan untersucht worden war, wurde offensichtlich, daß tatsächlich irgend etwas unter der Burg verborgen sein mußte. In der Tat stieß man bei Ausgrabungen auf einige höchst interessante Dinge, die in wissenschaftlicher Hinsicht geradezu revolutionär sind. In einigen Metern tiefe unter uralten Mauerbruchstücken versteckt lagen einige Gegenstände begraben, die zum Erstaunen aller aus Ameryll geformt waren. Zur Erinnerung sei noch einmal erwähnt, daß bis zu diesem Zeitpunkt angenommen wurde, daß das mysteriöse Mineral unformbar und unbrauchbar sei. Doch die Fundstücke lehrten die Welt der Gelehrten etwas besseres. In mühsamer Kleinstarbeit suchte man die verschiedenen Teile zusammen und versuchte mit Hilfe der Archive des Nexus Corenae, die Artefakte zu rekonstruieren. In diesem Bericht soll nun auf zwei solcher Gegenstände eingegangen werden.
Das erste, was gefunden wurde, war ein Ring aus Ameryll, der mehrere Meter durchmaß und von einem Zeichen ausgefüllt wurde. Diesem völlig intakten Artefakt ordnete man zwei krallenförmige Säulen zu, die eine Achse tragen konnte, die direkt durch den Ring lief. Der Nutzen dieses Dings blieb lange im Verborgenen, doch durch vorsichtigste und genaueste Untersuchungen konnte auch dies schließlich aufgeklärt werden. Bei diesem Ring handelt es sich offenbar um ein Teil eines noch größeren magischen Komplexes, der in das ursprüngliche, wahrscheinlich sogar präheliotische Fundament der Burg eingelassen ist. Er scheint eine Art Steuer- und Überwachungsmechanismus zu sein, der der Art der arcanen Struktur nach am ehesten mit sehr komplexer Ordo Mechaniscus-Magie verglichen werden kann. Jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze, hinter der der Zauberkomplex sehr seltsam wird und sich unbekannter Vorgänge bedient. Wird er aktiviert, so bildet sich um das Fundament und die über ihm stehende Burg ein Wall, der das Innere vom Äußeren Isoliert, jedoch aber für resonierende Dinge durchlässig ist. Auf diesem Faktum beruht auch die Beobachtung, daß Sehen und Hören durch den Wall hindurch möglich war, da es sich bei Bildern und dem Auge, respektive Tönen und den Ohren um Resonanzpaare handelt. Wir vermuten, daß als die Ödländer die Burg angriffen, die Untersuchungsgruppe das Artefakt in Betrieb nahm, um Docartus und die Angreifer fern zu halten. Jedoch erfolgte das Erwachen des Apparatus nach seinem langen Schlaf nur langsam, so daß der Unhold und seine Schergen dennoch eindringen konnten. Jedoch war der Wall nun aktiviert und das Artefakt gut in einem verschlossenen Raum versteckt worden. Hierbei wurde der Verschluß der Tür dieses Raumes mit dem Wall gekoppelt, so daß es Docartus tatsächlich nicht gelang, diese zu öffnen. Es stellte sich heraus, daß der Wall in aktivierter Form sogar so stark war, daß nicht einmal Gwon hindurch konnte, um die Seelen der Toten ins Jenseits zu bringen. Dies ist der Grund für die Anwesenheit von Geisterwesen auf Burg Fhein. Das Artefakt verbrauchte allerdings eine geradezu gewaltige Menge an arcaner Energie, die es aus den Auren der Umgebung zog und in sich konzentrierte, weswegen Begabte beobachten konnten, daß ihnen das Wirken ihrer Kunst außerhalb des Walles sehr schwer fiel innerhalb aber kinderleicht war und fast von selbst funktionierte. Dieser Energiefluß produzierte einen Sog, der die Seelen derer, die außerhalb in einem gewissen Radius um die Burg gestorben waren nach Innen zog.
Daß nun mutige Abenteurer den Wall durchdringen konnten beruht auf einem zweiten Fundstück, dessen Eigenschaften die erste Expedition nutzte und es außerhalb versteckte. Bei diesem handelt es sich um ein komplexes Gitter, daß aus vielen Einzelteilen besteht. Aktiviert wird es, wie sich herausstellte, durch das eher nicht so einfache Zusammenfügen der Teile zu einem (korrekten) Gesamtkomplex. Hierbei kann auf magische Weise eine bis zu einer Grenze beliebige Wirkung hineingelegt werden, die bei Komplettierung realisiert wird. Lapidar ausgedrückt handelt es sich also de facto um eine Art Wunschbrunnen. Die erste Expedition installierte nun einen Zauber in den Wall, der durch die Kraft des zweiten Apparatus getrieben, eine Lücke öffnen konnte. Dies wurde allerdings gesichert durch die Notwendigkeit von verschiedenen Schlüsselkomponenten, die bei der Öffnung anwesend sein mußten. Um diesen Vorgang auch nicht magiebegabten Personen zu öffnen, wurde ein Weg gewählt, bei dem der installierte Zauberkomplex in anwesende Personen manifestiert wurde, die durch Interaktion den Wall auf die geschilderte Art öffnen konnten. Auf diesem zweiten Apparatus beruht wohl auch die Fähigkeit eines Dorfbewohners, der Gerüchten nach über die Fähigkeit verfügte, an bestimmten Stellen in der Nähe der Burg fast beliebige magische Wirkungen zu verursachen.
Bei den Ausgrabungen wurden weitere Artefakte entdeckt, wie zum Beispiel ein mit unbekannten Zeichen versehener Kreis, um den ebenfalls drei krallenförmige Säulen angeordnet waren. Darüber hinaus gab es Hinweise, daß unter der Burg wohl noch mehr begraben lag. Dies mag die Ursache für die weiteren Geschehnisse auf Fhein gewesen sein. Man erfuhr, daß Docartus schon durch die Hand der Geister den Tod gefunden hatte, wie aber zu erwarten war, trieb er nun sein Unwesen ebenfalls als Geist. In dieser Form gelangte er zu den Apparati in die versiegelte Kammer, denn die Geister hatten dennoch Zutritt zu diesem Raum. Dort aktivierte er vor den Augen der Abenteurer den mit Zeichen verzierten Kreis, womit er wohl einige der noch vergrabenen Dinge ansprach und löste so ein Chaos aus. Während er dies noch tat, wurde er den Beobachtungen nach von Schmerz gepeinigt und brach schließlich zusammen, wie auch die beistehenden Abenteurer, die einige Zeit später wieder erwachten und bemerkten, daß Docartus bis auf seine Kleider verschwunden war.
Untersuchungen des Prior Narramus ergaben im Folgenden einige erschreckende Ergebnisse. Nachdem bei Betreten des Kreises einige Personen ohnmächtig, blind und fast wahnsinnig geworden waren, widmete dieser sich der Ergründung der Ursachen hierfür. Docartus scheint bei dem, was auch immer er vor hatte, gescheitert zu sein. Es ist zu vermuten, daß der Grund wohl in den alten und doch schon beschädigten Artefakten liegt, die die arcanen Ströme nicht mehr richtig zu bündeln vermochten und so unweigerlich die Aufmerksamkeit des Unsichtbaren auf sich zogen. Innerhalb des Kreises konnte eine Art Bruch im Gefüge der Wirklichkeit entdeckt werden, der die beschriebenen Probleme verursachte. Zwar gelang es zufürderst nicht, ihn mittels eines magischen Schutzkreises zu isolieren, doch konnte Prior Narramus durch größten magietechnischen Aufwand und hoher Kunstfertigkeit eine Versiegelung des Risses bewirken. Der Ring aus Ameryll konnte ebenfalls gestoppt und der Wall so deaktiviert werden, doch soll an dieser Stelle auch Erwähnung finden, daß zwei Abenteurer das Artefakt zerstörten, wobei einer der Beiden den Tod fand.
Schließlich sei noch eine Vermutung gegeben, warum Phiarae anwesend waren. Bei den Vorgängen auf Fhein war nicht nur eine große Menge Ameryll beteiligt, sondern es kam auch zu Störungen der Realität, wie sie im Parimawald nicht selten sind. Dies mag die Phiarae angelockt haben, wenn auch wie immer unklar ist, was ihre Beweggründe und Absichten sind.
Zur näheren Untersuchung der Ereignisse wird Burg Fhein im Namen seiner allerdurchlauchtigsten Majestät, dem König und des Nexus Corenae bis auf weiteres gesperrt.
Nach zwei Monaten Wartezeit haben die beiden neuen Tairngirer Professoren Dr. Scirpus Illuminates Petasites und Dr. Pretius Callidus Calluna, die gemeinsam den Lehrstuhl für Problematistik innehaben, endlich ihre lang erwartete Eröffnungsvorlesung gegeben. In einem furiosen Vortrag stellten die beiden Professores dem interessierten Publikum ihr Fachgebiet vor, indem sie vor allem aus ihren veröffentlichten Werken zitierten. Hier ein Ausschnitt aus einem früheren Werk “ De Problematio Et Vitiositate“ von 4 n.A.III. :
„… Darum stellt sich uns nun die Frage: Ist das crinalis konjugiert oder rezent ? Anders gesagt existiert ein Problem de mente separiert oder ist es mit ihm kongruent ? Als anticipatio führte schon Claudius Criminalis in der Tradition der beridhaner Naturphilosophen die immanente Existenz einer planguncula als obstrusives objectum solertialis auf. Ginistrus, ein Vertreter der soluten Problematisten, explizierte con projecto inhorresco, daß die glabraria sich zur glaucina ventral materialisiert. Nehmen wir also an, daß mit der permutatio glabrariae ad glaucinam ein dificiler Subjektzustand erreicht werden kann, wodurch sich die problematio infinalis ad absurdum führen ließe. Da wir aber von einer fucina fugitans ausgehen, besteht ein solcher Zusammenhang nicht im geringsten. Damit sind wir leider der solvatio problematis in keinster Weise nähergekommen.
Kritiker könnten behaupten, man wolle jene über das pactio osculabundus herbeileiten. Diese übersehen jedoch, daß ein corpus vacans nicht zur Realisierung einer problematio fähig ist. Eben jene Kritiker sollten einmal sine corpore in silvam ambulieren. Wir möchten gerne von jenen wissen, ob sie da noch die possibilitas finden, sich in statu variabilis zu ostentieren.
Der corpus ist definitiv nicht zu einer pernicitas de culo in der Lage. Denn es ist doch ganz offensichtlich, daß der mens erratus nur die problematio, nicht aber die circumcirca problematis zu realisieren imstande ist. Hieraus folgt, daß sich tatsächlich der metocospocus ex mente und nicht ex corpore instituiert. Quod erat demonstrandum.
Kommen wir also zum nächsten Problem: …“
Zum Schluß eröffnete Dr. Calluna dem faszinierten Publikum:“…Und so wird wohl bald möglich sein mit den Ergebnissen unserer Forschungen auch Probleme schwerster Art einzukreisen und zu lösen!“ Unter tosendem Beifall zogen sich die beiden Professores zu ihren Studien zurück während die Tairngirer Studentenschaft auf Vorlesungen mit den Titeln „Problematistik heute“, „Das Problem an sich“, „Geschichte der Problematistik“ und „Homo problematius – Die neue Weltsicht“ gespannt sein darf.
Werte Zauberer, ich möchte mich eigentlich nicht zu eurem erlauchten Kreis rechnen, und ich bin mir sicher, daß dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit beruht. Trotzdem erlaube ich mir, einen Beitrag einzusenden, in der Hauptsache aus einem Gefühl von Dankbarkeit heraus, um einem aus eurem Kreise die Früchte seiner eigenen Magie zukommen zu lassen, ebenso den anderen Anwesenden, in deren Namen ich alle Informationen mit aufzeichnete. Wenn alle anderen Zauberer ebenfalls davon profitieren, dann soll mir das auch Recht sein. Vor nicht allzu langer Zeit kamen im nördlichen Heligonia – ich möchte hier aus verschiedenen Gründen den Ort und die Umstände nicht genau bezeichnen – zahlreiche Angehörige zweier kriegerischer Völker auf unsere Ebene – zumindest versicherten anwesende Zauberer, das magische Tor, durch das sie ankamen, führe in eine Dimension (gibt es einen Unterschied zwischen Ebene und Dimension?).
Unlängst wurde im Helios-Boten veröffentlicht, daß eine Dunkelsteiner Händlerflotte in der Jolseee verschollen sei. Das einfache Volk mag ja glauben, daß diese von Piraten gekapert wurde, oder ganz einfach irgendwo in einen Sturm geraten ist und auf Grund lief. All diese Spekulationen können auch falsch sein und die Wahrheit ist weitaus geheimnisvoller. So ist es doch Factum, daß die Burg Talwacht spurlos verschwand, weil höchstwahrscheinlich Ameryll gelagert wurde. Auch die der Öffentlichkeit nicht bekannten Ereignisse auf Burg Thardanus lassen immer wieder den Schluß zu, daß das Ameryll und die Phiare in einem engen Zusammenhang stehen. Können wir uns durch das mysteriöse Mineral Zugang zur Feenwelt verschaffen, oder viel schlimmer noch, zieht uns das Ameryll unfreiwillig in deren Welt. Wie kann man diese Kräfte nutzen oder ihnen entgegenwirken? Einige Antworten scheinen die Anhänger der Fliran-Sekte gefunden zu haben. Doch kann man ihren Ausführungen, daß das Ameryll göttliche und heilende Eigenschaften haben soll Glauben schenken? Wie dem auch sei, die rätselhaften Vorgänge werden uns noch eine Weile beschäftigen und unsere Studien in Anspruch nehmen. Wir haben zur Aufklärung der eingangs erwähnten Vorfälle in der Jolsee einige Gelehrte nach Darian entsandt, die untersuchen sollen, ob Spuren des Ameryll zu finden sind, oder ob die Dunkelsteiner Händlerflotte gar Ameryll geladen hatte. Hierbei wäre es hilfreich, wenn auch unabhängige Gelehrte sich den Forschungen widmen würden und die Universität in Escandra bei ihren Bemühungen unterstützen würden.
So man sich in den Parimawald begibt, trifft man auf allerley Merkwürdigkeiten und Abnormitäten. Dinge und Wesenheiten erscheinen aus dem Nichts und Anwesendes verschwindet. Es sind sogar Gerüchte über temporale Streuung im Umlauf, so sei nur eine königliche Expedition genannt, die vor mehr als zwei Jahrzehnten aufgebrochen war, erst im vergangenen Jahr wieder auftauchte und die Beteiligten der Meinung waren, daß nur wenige Tage verstrichen seien. Mit diesem Phänomenen beschäftige ich mich nun seit langen Jahren und bin zu mehreren Schlüssen gekommen, die ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle erläutern will.
Über den Parimawald gibt es sehr viele Geschichten und Legenden und fast alle handeln von Feen oder von Geschehnissen, die auf solche zurückzuführen sind. Viele dieser Erzählungen sind sicherlich nur Schauermärchen der Bauern, jedoch kann eine derartige Anhäufung nicht nur auf bloßem Zufall beruhen. Es liegt also nahe, die Ursache der Phänomene im Feeischen zu suchen.
Arcan-energetisch gesehen, besitzt zumindest der Rand des Parimawaldes eine stabile aber stark fluktuierende Aura feeischer Natur, die in ihrer Irregularität eine Strukturuntersuchung unmöglich macht. Erst ein Ereignis und die folgenden Untersuchungen vor einem Jahr brachte weitreichende Einblicke in die Struktur der Aura und damit in die Architektur des Parimawaldes.
Diese ist sehr ungewöhnlich und von der uns bekannten Umwelt verschieden. Besteht die Primärsphäre sonst aus einem einzigen Strukturkomplex, sprich Realität, so setzt sie sich im Bereich des Parimawaldes aus mehreren Untersphären zusammen, die aber nicht wie Primär- und Astralsphäre vollständig parallel zueinander liegen, sondern sich wie ein unregelmäßiges Mosaik zu einem Komplex ergänzen, der als Sekundärsphäre unvollständig parallel zur auf den Wald begrenzten Primärsphäre liegt. Um diesen Sachverhalt in einfacheren Worten darzulegen, wähle ich den Vergleich mit einer Straße, die die Primärsphäre, also unsere Welt darstellen soll. Sie verläuft gerade und ohne Abzweigungen, gleich wie unsere Welt sich bezüglich auf dieses Problem linear in der Tempus fortentwickelt. Neben ihr sind Wälder und Wiesen zu finden, die die Sekundärsphären, wie examplia gratia die Astralsphäre, darstellen. Im Falle des Parimawaldes gabelt sich diese Straße nun in mehrere Abzweigungen, das heißt es gibt an derselben Location der Welt in Bezug auf Raum und Zeit verschiedene Variationen der Primärsphäre.
In der weiteren Examination stellt sich heraus, daß die Abzweigungen sich in ihrer Größe unterscheiden. So kommt es, daß es einen Hauptstrang gibt, auf den der Wanderer gerät so er sich in den Wald begibt. Zwischen den Einzelsphären, nennen wir sie „Kammern“, existieren weitere, verbindende Wege, die aber nicht ohne Weiteres beschritten werden können. Vielmehr bedarf es zur Betretung der Kammern abseits des Hauptstranges eines Activators einer Art, die bis dato noch unbekannt ist.
Der Verlauf der Kammern und der Wege zwischen ihnen ist ebenfalls unbekannt. Man mag so annehmen, daß, so man auf dem Hauptstrang bleibt, sicher durch den Wald reisen kann. Jedoch scheint selbst dieser Hauptstrang einer Variation zu unterliegen, so daß die Verhältnisse von Raum und Zeit sich jederzeit ändern können. Die Ursache dieser Variation ist unbekannt, es mag aber sein, daß die feeischen Bewohner nicht unschuldig sind.
Dies mag für einen kleinen Einblick genügen, zumal die Forschung noch äußerst jung und im Anfangsstadium befindlich sind.
In letzter Zeit häuften sich die Anfragen bezüglich eines weiteren Konvents in Heligonia. Treibende Kraft seien die zahlreichen Schwarzmagier, die sich zu einem solchen zusammenschließen möchten oder bereits haben. Meist werde ich gefragt, ob dieser Konvent nun verboten ist. Dazu muß ich erst einmal richtig stellen, daß die Gründung dieses Konvents bei der Spielleitung niemals angemeldet wurde. Also können wir auch nicht verbieten, was wir gar nicht kennen. Anderslautende Aussagen die Spielleitung hätte die Gründung dieses Konvents untersagt sind schlichtweg erfunden. Wir sind immer offen für neue Ideen und freuen uns natürlich, wenn sich jemand Gedanken zu anderen Richtungen der Magie macht, als die von uns vorgeschlagenen. Auch haben wir keine Einwände gegen Gelehrte, die ihre Forschungen auf dem Gebiet der Nekromantie betreiben. Die Nekromanten sind für unser Verständnis hervorragende Mediziner, die sich sehr eingehend mit dem menschlichen Körper und dem Tod befassen. Die Literatur gibt uns eine Vielzahl von bekannten Nekromanten; zum Beispiel Doktor Faust oder Frankenstein. Es handelt sich hier also um ein interessantes und weites Feld der Magie, das nur darauf wartet von Euch erforscht und beschrieben zu werden!
Hütet Euch! Mäßigt Euch!
Mir ist in vergangener Zeit vermehrt zu Ohren gekommen, daß sich einige der Unsrigen recht offen in der Allgemeinheit zeigten, und dort ihre Künste praktizierten. Dieses liegt jedoch nicht in unserem Interesse! Haltet Euch an die Ordnungen zur Praktizierung von Magie im Lande Heligonia! Zeigt nicht so offen der Allgemeinheit, daß Ihr zu unserem Stand gehört! Bei einigen der Eurigen, deren Identität selbst mir, der Euch noch nie persönlich begegnet ist, wohl bekannt sind, kann man schon deutlich an der Kleidung erkennen, daß Ihr zu unserem Stand gezählt werden wollt! Solltet Ihr weiter so fortfahren, so müssen wir Anderen, die gerne unerkannt bleiben wollen, und leider von Euch distanzieren! Ihr seid, so wie Ihr Euch momentan gebt, nicht mehr für uns tragbar! Ihr lenkt zu stark, wenn Ihr es nicht schon getan habt, das Interesse des Unsichtbaren auf Euch! Und dann, wenn es Euch gefunden hat, dann mögen die Götter mit Euch Gnade haben! Macht gegebenenfalls auch unsere ausländischen Kollegen darauf aufmerksam, daß wir die offene Praktizierung von Magie in Heligonia nicht gerne sehen! Dieses ist nur zu Ihrem Vorteil!
Seid also gewarnt und mäßigt Euch!
Bei einer meiner Reisen durch Heligonia fand ich mich zum Feste der Poëna auf Burg Niederkamm in der Baronie Tlamana ein. Ein buntes und fröhliches Fest wurde mir geboten und ich lernte viele neue Menschen kennen. Ein Ereignis hatte mich besonders zum Nachdenken angeregt und darüber will ich nun berichten.
Ich befand mich mit anderen Geweihten der vier Götter im Heilerzimmer, als ein Gelehrter den Raum betrat und um Hilfe bat. Er klagte über entsetzlich Schmerzen im Leib, den er auch merklich krümmte. Sofort machten sich die Heiler daran ihn auf die Ursachen hin zu untersuchen. Doch trotz angestrengter Bemühungen konnte keiner der durchaus fähigen Heiler den Krankheitsherd entdecken. Erst mein Hinweis auf eine starke magische Ausstrahlung, die von den Amuletten des Geplagten ausging, brachte uns auf die richtige Antwort. Die gebannte magische Energie der vielfältigen Amulette wirkten sich negativ auf den Träger aus. Eigentlich ist dies auch kein Wunder, denn berichten uns nicht zahlreiche Legenden und Geschichten von ähnlichen Fällen? Man denke dabei nur an einen berühmten Halbling, der einen Ring besaß, der ihm zwar enorme Macht verlieh, diese ihm aber einen traurigen Tribut abrang. Oder an einen bekannten Magier, der seine Zauberkraft mit seiner Gesundheit bezahlte. Die Reihe solcher Beispiele läßt sich endlos fortsetzen. Denn wer denkt, daß jene übernatürlichen Hilfsmittel, die immer dann helfen sollen, wenn die natürlichen Kräfte zu versagen drohen, nicht auch ihren Preis fordern, der hat weit gefehlt.
Doch zurück zu unserem leidenden Gelehrten. Ob er das Artefakt selbst hergestellt hat oder nicht, habe ich nicht ergründen können. Sollte er tatsächlich über eine Formel verfügen, die magische Kräfte in Gegenstände bannt, dann hat er sicher ein umfangreiches Studium hinter sich. Demnach müßte er aber um die Gefahren wissen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, daß er das Artefakt gefunden oder gekauft hat. Diese Annahme wiederum führt mich zu der Erkenntnis, daß in den letzten Jahren eine wahre Inflation von magischen Gegenständen stattgefunden hat. Mir scheint, daß der Wert jener arcanen Kunstwerke erheblich abgenommen hat, wenn ein jeder Magus, der voller Mühe jene erschafft, sie so einfach von sich gibt und verkauft. Wahrlich ist es dann nicht weiter verwunderlich, wenn sie in Hände geraten, in denen sie zu Schaden gerreichen, so sie doch aber zum benevolenten Zwecke kreiert worden sind. Nicht umsonst ist die Tradition des Arcanums die Verborgenheit, genau um solche Mißgeschicke zu vermeiden. Und wir wollen sicherlich alle verhindern, daß solche Anhäufungen das Gleichgewicht stören und das Unsichtbare anlocken.
I. Aus Nichts kann nichts erschaffen werden.
II. Ein Jedes strebt nach Gleichgewicht.
Dieses sind die zwei Grundsätze, die ein jedes Geschehen bestimmen. Alles in der Welt beruht auf diesen beiden Grundgesetzen: So ist Licht zum Beispiel nur ein anderer Zustand der Dunkelheit; die Ordnung ist nur eine spezielle Anordnung aller Begebenheiten, die man gemeinhin als das Chaos bezeichnet. Ein gleiches gilt auch umgekehrt. Ein weiterer Umstand dieser Grundgesetze ist die Abhängigkeit aller Dinge unterereinander: Zerstört man das ‚Eine‘, so zerstört man auch alle anderen Zustände dieses ‚Einen‘: Ohne das ‚Gute‘ gibt es kein ‚Schlechtes‘, ohne ‚Licht‘ wird es keine ‚Dunkelheit‘ geben. Doch durch die Zerstörung des ‚Einen‘ und aller seiner Zustände wird auch zwangsläufig die Erschaffung eines ‚Anderen‘ bewirkt: Der Zustand des Gleichgewichts, in dem man die Zustände des ‚Einen‘ nicht mehr unterscheiden kann. Zerstört man das Gleichgewicht indem man etwas vermeintlich ‚Neues‘ erschafft, so erschafft man auch ungewollt andere Zustände dieses ‚Neuen‘, welche das gewollt ‚Neue‘ ausgleichen. Daraus ist zu folgern, daß Handlungen wie ‚Zerstörung‘ und ‚Erschaffung‘ nicht existieren, da sie ein und das selbe sind. Nichts kann wirklich zerstört werden, und Nichts kann wirklich erschaffen werden: Alles was geschieht und geschehen kann ist lediglich eine Transformation von gegebenen Begebenheiten in neue Begebenheiten.
Wie man nun leicht vollziehen kann, fallen die obigen zwei Grundgesetze zu einem einzigen zusammen. Aber auch dieser eine Grundsatz kann nicht aus dem Nichts entstanden sein, dieses verbietet er schon von sich selbst heraus. Auch er besteht somit aus mehreren Zuständen:
I. Aus Nichts kann nichts erschaffen werden.
II. Aus Nichts kann alles erschaffen werden.
III. Aus Allem kann nichts erschaffen werden.
IV. Aus Allem kann alles erschaffen werden.
Womit man wieder einmal mehr bei der in unseren Kreisen vielzitierten Erkenntnis wäre: Alles ist Eines und Eines ist Alles. Da es aber ausreicht einen der vielen Aspekte dieser Erkenntnis anzugeben, dieser Aspekt beinhaltet ja alle anderen, beschränke ich mich in den folgenden Ausführungen auf den Aspekt ‚Aus Nichts kann nichts erschaffen werden‘. Der besseren Verständlichkeit wegen stelle ich diesem Aspekt jedoch noch die Umformulierung ‚Ein Jedes strebt nach Gleichgewicht‘ zur Seite.
Doch nun zum eigentlichen Anliegen des Tractats: Das Anzapfen und Umlenken von magischen Stömen nach dem eigenen Willen sind ein tiefer Eingriff in das Weltgefüge! Es ist daher, aus den obigen zwei Grundsätzen folgend, nur natürlich, daß die Anwendung der arcanen Künste ihren Tribut fordert. Meine Forschungen haben nun ergeben, daß dieser Tribut in direktem Zusammenhang mit den Entzugserscheinungen und physischen Schwächen stehen, welche man zumeist nach der Anwendung von arcanen Machenschaften verspürt. Als Lernender der geheimen Wissenschaften hat wohl ein jeder von uns Mittel und Wege gelehrt bekommen, wie man diese Entzugserscheinungen umgehen kann. Als wichtigste Wege seien hier nur die Konzentration, Meditation und der Wille genannt. Doch diese Wege führen nur zu einem Verdrängen der unangenehmen Begleiterscheinungen aus dem Bewußtsein; die eigentlichen Erscheinungen und Schwächen, welche man für das Umformen des Weltgefüges nach seinem eigenen Willen als Tribut zahlen muß, werden dadurch nicht beseitigt! Würde man nun versuchen diese Tributzahlungen an ihrer Wurzel zu beseitigen, so würde man einen weiteren und noch tieferen Eingriff in das ureigenste Gefüge der Welt tätigen, welcher ebenso wieder seinen Tribut fordert, nur zumeist an einer anderen Stelle und in wesentlich größerem Maße. Nach den anfänglich aufgeführten Grundgesetzen des Weltgeschehens ist es auch gar nicht möglich etwas nach seinem eigenen Willen zu bewirken ohne auch Nachteile dadurch zu erhalten.
Nun ist es aber so, daß sich die Ausübung der arcanen Künste vornehmlich auf die psychische und physische Gesundheit des Eingeweihten der geheimen Wissenschaften auswirken, und zwar proportional zur Tiefe des Eingriffs in das Gewebe der Welt. Nach dem zweiten,anfangs genannten Grundsatz strebt dieser Schaden an der Gesundheit zwar der Heilung entgegen, jedoch nicht so schnell, wie bisher angenommen: Man mag sich nach einer kurzen Phase der Ruhe, zum Beispiel dem Schlafen, zwar besser fühlen, dieses liegt jedoch daran, daß unser Geist, ob der Schulung die arcanen Künste meisten zu können, die Fähigkeit hat, auch unbewußt die fühlbaren Erscheinungen des Entzugs zu verdrängen. Wie weiter oben schon erläutert ist dadurch jedoch das eigentliche Übel nicht beseitigt, sondern bleibt weiter bestehen ohne das wir es wahrnehmen. Aufgund dessen gibt es wohl kaum einen unter uns, dessen Gesundheit nicht angegriffen ist. Dieser unbewußte Prozeß des Verdrängens geht solange weiter, bis unsere Gesundheit soweit zugrunde gerichtet ist, das es selbst unsere Schulung im Umgang mit arcanen Machenschaften nicht mehr vermag die fühlbaren Erscheinungsformen unserer zerrütteten Gesundheit aus dem Bewußtsein zu verdrängen. Doch zu diesem Zeitpunkt an dem unsereins zu der Erkenntnis gelangt, wie zerstört seine Gesundheit ist, ist es für ihn zumeist schon zu spät: Er hat sich ob seiner arcanen Künste selbst gerichtet! Ist es dieses, was das Unsichtbare darstellt und uns alle zur Vorsicht gemahnt? Die Crux an dem unbewußten Verdrängungsmechanismus ist nur, ohne ihn könnten wir keine bedeutenden arcanen Machenschaften mehr bewirken: Wenn wir uns beim Ritus der Bewirkung von Arcanem ständig um die bewußte Verdrängung der körperlichen und geistigen Leiden zu kümmern hätten, hätten wir nur noch in den seltensten Fällen noch genügend Potential an Konzentration und Willen übrig, um jenen geistigen, klaren Zustand zu erlangen, welcher notwendig ist das eigentlich Gewollte zu erreichen.
Eine besondere Vorsicht verdienen die Auswirkungen der obigen Grundsätze bei arcanen Objekten, respektive Gegenständen mit einer dauerhaften oder sehr langanhaltenden arcanen Wirkung: Durch die Herstellung solcherlei Objekte werden die magischen Ströme dauerhaft oder auf lange Zeit aus ihrem natürlichen Gleichgewichtszustand gebracht, was zu bedeutenden Störungen im Gefüge der Welt führt. Aufgund ihrer gewollt, längeren Wirkungszeit ist der Ausgleich dieses Ungleichgewichts im Gewebe der Welt jedoch nicht über einen doch eher kurzfristigen, wieder heilenden Schaden an der psychischen und physischen Gesundheit des Herstellers des arcanen Objektes möglich, sondern es kommt zu einer dauerhaften Schädigung an dem betreffenden Ort an dem sich der Gegenstand befindet: Selbstverständlich hat der Hersteller den Tribut für die arcane Herstellung des Objekts zu tragen, nicht unbedingt jedoch den Tribut für die dauerhafte Wirkung des Objekts, dieser Tribut wird von dem Anwender oder der näheren Umgebung des Objekts eingefordert. Eine natürliche Heilung der verursachten Schäden kann erst dann eintreten, wenn der betreffende Gegenstand seine Wirkung verliert, sich sein Anwender von dem Gegenstand trennt oder der Gegenstand an einen andern Ort verbracht wird. Durch letztere zwei Alternativen hat selbstverständlich der neue Anwender beziehungsweise die Umgebung des neuen Ortes nunmehr die Schädigungen zu ertragen.
Im Zusammenhang mit arcanen Objekten gilt es noch einen weiteren Umstand zu beachten: Durch das dauerhafte Umleiten und Kanalisieren der magischen Stöme besitzen solcherlei Gegenstände eine Ausstrahlung, die man gemeinhin als magische Aura bezeichnet. Ein jeder dieser Gegenstände besitzt jedoch, je nach seiner Wirkung und Art und Weise wie er hergestellt wurde, eine gewissermaßen andere Zusammenstellung welche Arten von magischen Strömen er anzapft und in welcher Intensität und Art und Weise er diese Ströme kanalisiert, wodurch die große Variabilität der bekannten magischen Auren zu erklären wäre. Dadurch kann es aber auch zu Interferenzen unter den verschiedenen magischen Auren kommen: Bestimmte Arten der kanalisierten magischen Ströme können übermäßig verstärkt werden, wohingegen andere Arten abgeschschwächt werden, ja unter Umständen sogar gänzlich ausgelöscht werden. Dieses beeinträchtigt nicht nur die Funktionsweise der einzelnen arcanen Gegenstände – womöglich können die Gegenstände gänzlich ihre Wirkung verlieren, ändern oder ins Gegenteil verkehren, solange eine bestimmte Konstellation bestehen bleibt – sondern kann auch zu einer exponentiellen Steigerung der Störung im Gleichgewicht des Weltgefüges führen! Selbstverständlich fordert aber auch diese Störung, den anfangs in diesem Tractat aufgeführten Grundgesetzen der Welt gehorchend, ihren Tribut.
Wie in diesem Tractat nun aufgeführt beinhaltet die Anwendung arcaner Wissenschaften also eine große Verantwortung, denn sie vermag es die Welt, so wie sie nunmehr heute noch besteht, zu zerstören und in etwas anderes zu transformieren. Doch ob auch wir, die wohl geistig am höchsten stehenden Lebewesen in der bisherigen Welt, in dieser neuen Welt unseren Platz haben werden, ist höchst fraglich. Ebenso fraglich ist, ob es in dieser neuen Welt so etwas wie Magie geben wird, womit wir, die in dieser noch bestehenden Welt in den geheimen Wissenschaften Gebildeten, unsere Existenzgrundlage und auch die unserer Nachfahren aufs Spiel setzen.















