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Im 1. Helios, 28 n.A.III
Ausgabe IX
Das Bernsteinzimmer – Versuch einer Gesamtdarstellung

In letzter Zeit wurden einzelne Stücke des sogenannten Bernsteinzimmer gefunden. Das Bernsteinzimmer war, so besagen es Überlieferungen, ein prachtvoll geschmückter Raum, welcher hauptsächlich, daher der Name, mit Bernstein ausgekleidet sein soll. Eine Zeichnung aus damaliger Zeit verdeutlicht die Schönheit dieses Raumes.

Über die Herkunft des Bernsteinzimmers gab es in jüngster Zeit heftige Diskussionen zwischen der Grafschaft Darian und dem Fürstentum Thal. Beide beanspruchen die Besitzrechte für sich. Um dies verständlich zu machen sehen wir uns die Geschichte Heligonias, genauer gesagt der Grafschaft bzw. des Fürstentum an.

Auszug aus der ogedischen Schöpfungsgeschichte:
„Wütend fuhr Saarka zwischen Himmel und Erde umher und entfachte schrecklich Stürme. Xurl wiederum erzürnte der Neid seiner Schwester und er schleuderte ihr mächtige Wasserwogen entgegen. Diese entsandte Blitze und so entbrannte ein furchtbarer Kampf. Dabei wurde der Sonnendrache Crelldinor getötet und fiel in neun gleißenden Feuerstrahlen zur Erde herab.“
An den Gestaden Darians werden immer wieder aurazithgelbe, milchige bis glasige Steine angeschwemmt. Diese Steine sind nach altem ogedischem Wissen aus dem Blut Crelldinors, das in den neun Feuerstrahlen herabfiel, entstanden, als es in Seen und Meeren abkühlte. Die Bezeichnung „Bernstein“ leitet sich aus dem Altheligonischen „bernen“ ab, das heißt „brennen“. Tatsächlich ist der Bernstein der einzige bekannte Stein, der brennt. Alchimisten verfügen über das Wissen wie daraus hochwirksame Pülverchen und Tinkturen gefertigt werden können. Auch für die Herstellung von wunderschönem Schmuck und Mosaiken ist der Bernstein ein wichtiges Grundmaterial. Herzog Antrar III, der Vater von Graf Uttras, ließ sich seinerzeit ein ganzes Zimmer in seinem Palast in Darbor mit Bernsteinmosaiken auskleiden. Diese Wandvertäfelungen verschwanden jedoch in den Wirren des Bürgerkrieges und werden seither von Abenteurern gesucht.

Zu der Zeit, als der Fürstensitz derer zu Thal noch in Betis war, gab es im Schloß der Herrscherfamilie, der Fliehburg auf dem betiser Fluchtberg, einen besonderen Empfangssaal aus Bernstein, das sogenannte Bernsteinzimmer. Entsprechend dem alten Namen von Betis, Bethysan, was soviel bedeutet wir die Schöne, die Große, war dieser Saal sehr pompös und prunkvoll eingerichtet. Die Wandtäfelungen waren reichlich mit Bernstein verziert, die Möbel waren aus Edelhölzern geschnitzt. Kostbare Gemälde von großen Künstlern vervollständigten den Eindruck, den dieser Empfangsaal auf seinen Betrachter ausübte. Man sagte, daß wer einmal in diesem Raum gewesen, ein neues Verständnis von Pracht und Herrlichkeit entwickelt hätte.

Als Fürst Rarl von Thal den Sitz der Fürstenfamilie von Betis nach Hochanthen verlegte, veranlaßte sein Bruder, Prinz Hehnloon von Thal, ein Schöngeist und Künstler, das gesamte Bernsteinzimmer aus der Fliehburg in das neue Schloß in Hochanthen zu transportieren. So wurden die gesamten Gemälde und Möbel sorgfältig verpackt, die Wandtäfelungen vorsichtig von den Wänden abgenommen, und die gesamte teure Fracht auf mehrere Ochsenkarren verladen, um sie auf diese Art und Weise auf ihre lange Reise zu schicken.

Die Route des Bernsteinzimmers, welche Prinz Hehnloon lange geheim gehalten hatte, führte direkt am Brazach entlang, um so eine Verpflegung der Reisegemeinschaft mit dem Schiff zu ermöglichen. So wurde jeden abend eine festgelegten Stelle am Ufer des Brazach angesteuert, wo man vom Schiff aus mit Nahrung versorgt wurde. Als man jedoch nur noch eine Tagesreise von Hochanthen entfernt war, erschien die Gruppe mit dem Bernsteinzimmer nicht an dem vereinbarten Punkt. Eine sofort angelegte große Suchaktion blieb ohne Erfolg. Seither fehlte von ihm jede Spur, so daß es allmählich in Vergessenheit geriet.

In letzter Zeit sind immer wieder Teile des Bernsteinzimmers gefunden worden. Über die Fundorte hat die Thaler Garde, welche die Relikte durch Zufall (?) entdeckte, bisher noch keine Angaben gemacht. Vermutlich würde dies einen weiteren Streitpunkt darstellen. Vor kurzem wurden die Fundstücke von hochrangigen Gelehrten aus Thal sowie Darian an der Universität Escandra untersucht. Leider konnte nur ein künstlerischer, jedoch kein historischer Wert festgestellt werden. Doch war man sich in einem Punkt einig, die Fälschungen, so wurden sie ab sofort bezeichnet, mußten nach einer Vorlage erstellt worden sein. So gibt es zumindest einen Hinweis darauf, daß das echte Bernsteinzimmer, oder Teile davon, noch irgendwo existiert.

Zurbelbert Krombelbach,
Historienforscher aus Escandra

Werte hohe Damen und hohe Herren !

Seyt eyniger Zeyt reyse ich bereyts durch Euer schoenes Land Heligionia, von West nach Ost und von Süd nach Nord. Viel habe ich hier zu Gesichte bekommen und vieles was ich sah, erscheynt mir interessant es genauer zu erforschen, aufzuklären und abzuleythen daraus neues Wissen. Ich mag dazu anmerken, daß eyniges davon, was ich sah, fuer Heligonia von großem Interesse seyn mag, eyniges vielleycht eynmal lebenswichtig seyn wird. Da mir Euer Land gut gefällt und ich mich fuer Studien gerne niederlassen möchte, suche ich eynen Mäzen, der oder die mich bey meynen Forschungen unterstützt und mir Ihro Gastfreundschaft und Unterkunft gewährt. Ihro Hoheiten können mich gerne zwecks weiterer Fragen kontaktieren.

Gez. Quendan Zauberwacht geboren in Varlanth,
freier Magister Arcana Contraria, Arcana Theoretica

Memorandum zum Nachdenken nach dem Conventus zu Tannengrün

An Ihro werte Hochgeboren und Hochwohlgeboren, Damen und Herren, sowie an Ihro s.g. Magister und Magistra. Wie gleichwohl Ihro sehr geehrte Herrschaft involvieret war auf dem Convent, so mag nicht der eigentliche Convent die Aufmerksamkeit erregt haben, sondern die Geschehnisse, welche zu ihm führten, correctur: welche die Thematik bestimmten
Zum eynen gebet es nur wenige in Euerem Lande, welche eyn Wissen in sich tragen, was Euer Seyn anbelanget und zum anderen gibt es ETWAS bei Euch, was jenes Wissen aus Euerer Sphäre reiszt und das sich hinter Eure Gedanken begibt, in Euren Herzen lauert und von nah Euch beobachtet, ob ihr eynen falschen Schritt tut oder Euch nicht angemessen verhaltet.

Neyn, natürlich nicht kennt Ihr die Absichten oder die Wertanschauung jenes Dinges. Noch nicht eynmal sagen könnt Ihr ob es eyn Ding ist. Nicht eynmal wiszt Ihr, ob Euer unscheynbarer nächster Schritt nicht doch eyner sei, welcher Euch führet in eyn Vergessen, welches gleich ist mit Euerer Nicht-Existenz.
Reist man als Fremder durch das Land, kommt man an viele schöne Orte. Das heisze Darian , die edle Stadt Bethis oder die kleynen ruhigen Orte, in denen das Leben tageyn, tagaus immer gleich wiederkehrt.

Doch das ist nicht alles. Man sieht es nicht, man hört es kaum. Doch man fühlt es. Es gibt eyne Stimmung in allen gröszeren Orten, überall wo mehr Menschen sind, die ich nur als unbestimmt gefährlich beschreiben mag.

Doch Ihr Hohen Herren und Damen solltet Wissen, was ich meyne. Etwas ist unter Euch. Etwas was ihr weder sehen noch riechen könnt, was sich nicht bewegt, doch viele Euerer Schritte begleitet. Etwas, von dem Ihr wiszt, dasz es Euch nicht leiden kann. Etwas was fremd ist dem Leben, Euerem Leben !

Es begab sich in der Baronie Tolens

In einer kleinen, beschaulichen Burg inmitten der Wälder von Grünwalden. Auf dieser Burg Tannengrün sollten in diesem Jahre die fähigsten Gelehrten unseres Königreiches zusammenfinden. Dennoch waren einige ungewöhnliche Gäste, die man vielleicht eher auf dem Adelstage vermuten würde zugegen: höchstrangige Herrschaften aus allen Teilen Heligonias. Dies war kein Zufall, sondern lag vielmehr in der Absicht unseres weisen Herrschers König Aximistilius III, denn er wünschte die weltlichen Stützen seines Reiches nicht im Dunkeln über die Geschehnisse im Lande lassen. Als würdigen Vertreter entsandte unsere Majestät den Prior des Nexus Corenae Atharan. Dieser hatte für die edlen Gäste und interessierten Zuhörer einen Vortrag über die wichtigsten Ereignisse und neusten Erkenntnisse in den Bereichen der präheliotischen Forschung zusammengestellt. Auch andere Gelehrte nahmen diese Zusammenkunft wahr um ihre geschätzten Kollegen und die adeligen Gäste über ihre neuesten Forschungen und Erkenntnisse zu unterrichten. Wie sich jedoch bald herausstellte sollte dies jedoch nicht der einzige Zweck dieser Zusammenkunft bleiben: Am Ort des Zusammentreffens, Burg Tannengrün, hatte der Nexus Corenae eine erst vor kurzem entstandene Aura bisher unbekannter Struktur entdeckt. Diese Entdeckung wurde von Atharan zum Abschluß seines Vortrages den anwesenden Gästen vorgestellt und sollte zum Anlaß dienen sie gemeinschaftlich näher zu erforschen. Speziell zur Erforschung und Analyse von Auren hatte Alfonso, ein vom Nexus auf der Burg mit der Aurenkartographie beauftragter ehemaliger Ordo Mechanicus, einen phantastisch anmutenden Apparatus hergestellt. Vermittels dieses Apparatus war es Alfonso auch gelungen die neuartige Aura zu entdecken. Nachdem jedoch Alfonso, im Anschluß an Atharans Vortrag, zu Wort kommen sollte, um seinen Apparatus und seine Entdeckung vorzustellen, brach dieser vergiftet zusammen, bevor er relevante Begebenheiten seiner Entdeckung oder der Bedienung seines Apparatus berichten konnte. Nunmehr war man also zur Erforschung von Alfonsos Entdeckung auf seinen eher unfähig erscheinenden Lehrling und der Untersuchung von Alfonsos Laboratorium angewiesen. Gleichzeitig drängte Atharan jedoch auch zu einer Aufklärung des Mordes an Alfonso. Und so verging der erste Abend des Gelehrtenkonvents, wobei man allerdings weitere Entdeckungen machte: Aus dem angrenzenden Wald, in dem auch die außergewöhnliche Aura entdeckt wurde, kamen einige sich merkwürdig und wirr, teilweise sogar aggressiv verhaltene Personen, die wie in Trance durch die Burg wandelten und auf keinerlei Zusprache regierten. Auch einige wenige der anwesenden Gäste, deren Begleiter und Bewohner der Burg wurden zeitweise von diesem tranceartigen Zustand befallen. Nach ihrem Erwachen aus dieser Trance konnten sie sich jedoch nicht daran erinnern was mit ihnen geschehen oder wie sie an den Ort gelangten, zu dem sie in ihrer Trance gelaufen sind.

Der nächste Tag des Konvents begann dann mit einem Ritual von Jakob dem Wanderer, welcher auf dem Markt von Sarniant spurlos verschwand, von dem seit kurzer Zeit jedoch schon wieder gemunkelt wurde, er sei wieder in Heligonia unterwegs. Dieses Ritual schien von Jakob und einigen der anderen Anwesenden für diesen Konvent schon im Voraus geplant gewesen zu sein, und sollte dazu dienen einer Person, Argast mit Namen, das Verlassen der Insel Yagibur und den Übertritt zu dem Konvent zu ermöglichen, welcher dieser Person ohne fremder Hilfe nicht möglich wäre. Das Ritual an sich wäre nicht sonderlich erwähnenswert gewesen, wären nicht einige besondere Begleitumstände gewesen: Zum Einen wurde dieses Ritual mit einer Form der Magie durchgeführt, welche nicht nur mir bisher unbekannt war: der andratischen Runenmagie. Jedoch schienen die Durchführenden, die Gelehrten Jakob der Wanderer, Belgabor und Rasmus Adastrasus, diese Magieform zu kennen und zu beherrschen. Zum anderen schlug das Ritual fehl, und alle Anwesenden sahen sich unversehends einem Jäger des Unsichtbaren gegenüber. Jakob der Wanderer wurde vom Unsichtbaren um sein Leben gebracht, die anderen jedoch wurden von einer anwesenden Person beschützt, welche dem Jäger in den Weg trat und diesem befahl diese zu verschonen. Daraufhin befragt, wie diese Person es geschafft hat, dem Unsichtbaren Einhalt zu gebieten, behauptete diese, sie wisse es nicht, wie sie es getan hätte, es sei nur eine unmittelbare Reaktion gewesen ohne genauere Überlegung. Diese Erklärung erscheint mir im Nachhinein jedoch etwas zu einfach, und so wird dieses Ereignis eines der Rätsel dieses Konvents bleiben, welche uns zu denken geben sollten. Merkwürdig bleibt auch der Sinn und Zweck des Rituals, denn man fand einen Abschiedsbrief bei Jakob dem Wanderer, in dem geschrieben stand, daß Jakob seinen Tod bei diesem Ritual erwartet hat. Weiterhin schrieb Jakob in diesem Brief, daß er, entgegen seiner Aussagen nicht die Errettung Argasts bezweckt hatte, sondern etwas anderes. Was dieses Ritual nun genau bezwecken sollte, bleibt ein weiteres Rätsel dieses Konvents, denn das Jakob das Unsichtbare mit Vorsatz auf den Konvent rufen wollte, kann ich mir bei weitem nicht glauben. Derweil, während dem Ritual, traf ein Bote auf der Burg ein, welcher um Hilfe für eine Reisetruppe bat, die in der Nähe auf ihrem Wege zum Konvent von Personen überfallen wurde. Der Bote berichtete davon, daß die Angreifer stumm in einer Art absonderlicher Trance kämpften. Nachdem man zur Reisegruppe aufgebrochen war, deren Verletzungen versorgt hatte und man sich auf dem Rückweg befand, wurde diese Gruppe erneut von den seltsamen Angreifern schonungslos und heftig angegriffen. Jedoch genauso schnell wie die Angreifer erschienen waren verschwanden sie auch wieder, so daß die nunmehr erneut schwer angeschlagene Gruppe den Konvent letztendlich erreichte. Auch fiel mir auf, daß mir eine der Personen aus der Reisegruppe seltsam bekannt vorkam, ich wußte zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht woher. Diese Person verschwand, auf dem Konvent angekommen, auch recht schnell aus unseren Blicken. Nach einer haarsträubenden Umkonfiguration und Umdefinition vom Funktionsmechanismus des Apparatus durch Alfonsos Lehrling und unter Mithilfe diverser Gelehrter, wurde unter Zuhilfenahme des Apparatus nunmehr eine Heilung aller Verletzten vorgenommen. Nach diesem Ereignissen und auch in Bezug auf die Beobachtungen des Vorabends begab man sich nun an die nähere Untersuchung des Waldes und der dort entdeckten neuartigen Aura. Es wurden anhand von notizenhaften Aufzeichnungen Alfonsos die man in seinem Labor gefunden hatte und unter Zuhilfenahme eines beweglichen Teiles von Alfonsos Apparatus bestimmte Orte im Wald aufgesucht und dort eine Probe entnommen. Auch diese Unternehmungen wurden in zunehmendem Maße von den sich merkwürdig verhaltenden Personen aus dem Wald gestört. Bei einer der ersten näheren Untersuchungen der Proben durch den Apparatus kam es dann zu einem Anschlag auf des Leben des Lehrlings: Ein ihm gereichter Schluck Wasser war vergiftet. Nähere Untersuchungen dieses Vorfalls ergaben, daß der Lehrling dem selben Gift zum Opfer fallen sollte wie sein Meister Alfonso. Das rasche Eingreifen der anwesenden Beobachter konnte dieses jedoch verhindern, auch wenn die Hintergründe dieser Tat und auch der Vergiftung von Alfonso weiterhin im unklaren blieben. Auch wurde der Apparatus zwischenzeitlich sabotiert, auch hierbei blieben die Hintergründe und Täter zunächst unklar. Nach und nach stellte sich dann jedoch heraus, daß Alfonso zum Bau seines Apparatus wertvolle Komponenten benötigte, zu deren Kauf er Schulden gemacht hatte. Die Gläubiger verlangten nunmehr die Einlösung der Schulden, und da Alfonso nicht mehr greifbar war wandten sich diese an den Lehrling, worauf dieser die Gläubiger mit den wertvollen Teilen des Apparatus auszahlte. Nachdem man dieses Problem erkannt und Ersatz geschaffen hatte, konnten die Untersuchungen der Proben fortgesetzt werden. Dabei wurden die anwesenden Beobachter jedoch eines überraschenden Verhaltens des Apparatus teilhaftig: Die Probe schien bildlich zu ihnen zu sprechen, ja sie stellte mit ihr im Zusammenhang stehenden Begebenheiten szenisch dar. Sofort wurden weitere Proben gesucht, und auch diese, sofern sie einem der Orte der neuartigen Aura entstammten, ‘erzählten’ Begebenheiten der mit ihnen im Zusammenhang stehen Begebenheiten. Schon bald stellte sich heraus das diese Szenen von Menschen handelte, die die Gelehrten zu heutiger Zeit als die Vergessenen kennen. Man konnte in diesen Szenen miterleben, wie diese Vergessenen eine höhergestellte Persönlichkeiten davon überzeugen suchten, von einem bestimmten Vorhaben abzulassen, welches sie fürchteten, jedoch nicht von den Höhergestellten erhört wurden. Die Vergessenen beschlossen daher, sich in eine Zuflucht zurückzuziehen, jedoch schien die Wahl nicht einfach, da der Ort ihrer Zuflucht bestimmte Konstellationen von Sphären und Auren aufweisen mußte, um sie genügend vor dem zu beschützen, was sie fürchteten. Sie schufen sich daher eine arcane Zuflucht an zwei Orten, da nicht mit Bestimmtheit zu sagen war welcher der beiden Orte der sicherere sei, und begaben sich in ihre Zuflucht. Die weiteren Proben zeigten dann grelle und sehr verwirrende Szenen, die einen annehmen lassen, das eine dieser Zufluchten wohl zerstört wurde. Die Aura dieser zerstörten Zuflucht der Vergessenen wurde, wie es scheint, hier am Ort des Konvents entdeckt. Auch die Vorfälle der Vergiftungen klärten sich nunmehr nach und nach auf: Auch die Vergessenen und deren Helfer hatten von der Entdeckung dieser außergewöhnlichen Aura vernommen gehabt, und sehr schnell deren wahre Natur erkannt. Nunmehr wünschten sie sich eine Rettung der Seelen ihrer Brüder und Schwestern, und ihnen war daran gelegen, daß möglichst wenige von diesen Dingen erfuhren. Daher haben sie Alfonso vergiftet und versuchten desgleichen bei seinem Lehrling. Jedoch stellten die Vergessenen fest, daß die Seelen ihrer Brüder und Schwestern zu zerbrochen und zersplittert waren um gerettet zu werden. Daher benötigten sie nunmehr die Mithilfe der anwesenden Gäste des Konvents, um ihren Brüdern und Schwestern die letzte Ruhe zu ermöglichen: Fragmente dieser Seelen bemächtigten sich nunmehr willkürlich von Personen und trieben diese zu den merkwürdig anmutenden und aggressiven Taten, der sich tranceartig verhaltenen Personen. Uns anwesenden Gelehrten war diese Zusammenarbeit zwar zuwider, da jeder Gelehrte seit dem Markttag in Betis von Verbindung zwischen den Vergessenen und dem Unsichtbaren weiß, jedoch konnten auch wir uns, zumindestens dieses Mal, nicht der Zusammenarbeit entziehen, denn auch wir wünschten das Problem der besessenen, teilweise sehr aggressiven Personen gelöst. So ging dann der Gelehrtenkonvent auf Burg Tannengrün seinem Ende zu, indem die zerbrochenen Seelen der zerstörten Zuflucht der Vergessenen dem Unsichtbaren überantwortet wurden. Mir graust es noch jetzt vor der Vorstellung, ob der direkten Nähe des Unsichtbaren zu meiner Person.

Der Beobachter

Wissenschaftliche Expedition von Yagibur zurückgekehrt

Eine von Nexus Corenae ausgesandte Expedition zur Erforschung der vor der südlichen Küste liegenden Insel Yagibur kehrte am gestrigen Tage von der See zurück.
Eine zur Vervollständigung der heligonischen Geschichte ausgesandte Expedition unter der Leitung des Magisters Belgabor und des Rebenhainer Hofgelehrten Rasmus Adastrasus begab sich vor beinahe 2 Monaten auf eine Forschungsreise nach Yagibur. Yagibur liegt südlich der heligonischen Küste und ist bislang nur durch Berichte bekannt, die auf Angaben aus alten und vom Arcanum als unzuverlässig eingestuften Quellen beruhen.
Diesen Anlaß nahm der Nexus zum Grunde, die Kenntnis auf den heutigen Stand zu bringen. Ziel war es, die Entwicklung der Natur und den Zustand der vermuteten Altertümer einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Der Ordo Mechanicus beteiligte sich am Yagibur-Projekt mit der Entsendung einer Aeronautentruppe, welche einen vollkommen neuartigen Apparatus beibrachten.
Mitglieder der 80-köpfigen Expedition waren u.a. der bekannte Naturkundler Vigo und der durch seine Untersuchung „Zur Krümmung der Finger“ bekannt gewordene Medicus Signot.
Nachdem man unter widrigen Umständen mit einem Voraustrupp gelandet war, folgte innerhalb dreier Tage auch der Rest der mit zwei Schiffen angereisten Expedition nach.
Die Landschaft der im Osten felsiger werdenden Insel ist zum größten Teil Dschungelartig bewachsen und beherbergt in Dorfgemeinschaften lebende Einwohner, die meisten mit einer bräunlichen Hautfarbe. Aufgrund der vorgefundenen sprachlichen Gegebenheiten wurde von Ankarius Treublatt, dem Sprachgelehrten der Expedition, die Schiffsbruchthese untermauert, die angeblich zur Besiedelung der Insel geführt hat. Seiner Meinung nach läßt sich dies exemplarisch an dem Ausdruck „pao pao Klabauta“ belegen, bei dem die Begrifflichkeit für jeden Seemann eindeutig ist.
Eine Überraschung dürfte es für diejenigen Leser des Helios-Boten geben, welche an der Gewürzexpedition vor einem Jahr teilnahmen. Der verschollene Forschungsreisende Cyriacus Indelfuß konnte auf Yagibur gefunden werden. Seine Kontakte zu den Inselbewohnern erlaubten uns, die Reise zu den auf der Insel vermuteten Altertümern schneller als uns alleine möglich gewesen wäre, zurückzulegen.
Die Ruinen waren jedoch nicht gänzlich verlassen, sondern wurden von einem Mann namens Argast bewohnt, welcher unseren Expeditionsleitern durchaus bekannt schien. Die vorgefundenen Gebäude selbst waren laut der Untersuchung des Geologen Gernots aus einer Zeit lange vor der Heligonischen Geschichtsschreibung und wiesen auch andere Baumerkmale auf, als sie heute typisch sind. Näheres kann aber erst bei einer zweiten Expedition geklärt werden, bei der dann auch ein Baumeister anwesend sein sollte.
Doch auch ohne ließen sich weitere Dinge in Erfahrung bringen:
In der Mitte des Dorfes befindet sich ein Steinkreis mit einer altertümlichen Rune und außenrum eine Vielzahl von weiteren Runen anderer Machart, die konzentrisch um den Zentralplatz gelegt wurden. Eine klare Deutung hierfür konnte die Expedition noch nicht erbringen. Dies werden erst weitere Forschungen offenbaren.
Eine detaillierte Angabe über das Pflanzen- und Tierreich, sowie über die geographischen und geologischen Bedingungen der Insel kann, nach Freigabe durch die Expeditionsleitung und Einsicht des Nexus Corenae, in der Universität zu Escandra genommen werden. Die Angaben zu den Ruinen unterliegen jedoch bis auf weiteres noch dem Verschluß, bis eine genauere Durchsicht der Akten erfolgt ist. Mit Freigabe dieser Berichte ist frühestens zu Beginn nächsten Jahres zu rechnen.

Addendum
Daß die Untersuchungen nicht ohne Gefahr sind, soll auch noch weitergereicht werden. Denn trotz der umfassenden neuen Kenntnisse, die erlangt werden konnten, gibt es auch eine Vermisstenmeldung abzugeben.
Der Abgesandte des Ordo Mechanicus, Ranarion al Hammed, verschwand unter ungeklärten Umständen aus den Reihen der Expeditionsgruppe. Er konnte bislang nicht wieder aufgefunden werden. Der Schreiber betrauert diesen Verlust.

Schreiber Eskal Sykaldius aus der Provinz Varna

Sehr verehrter Herr Bibliothekar Jeremias!

Ich wende mich an Euch mit einer höchst delikaten Bitte. Doch lasst mich Euch zuerst vorstellen, so wie sich das unter gebildeten Leuten geziemt. Mein Name ist Honoratio Hengstsamen, wohnhaft in Beridheim. Sicherlich habt Ihr schon von mir gehört. Habe ich doch die außerordentlichen Schriften über das Studium menschlicher Rassen anhand ihrer Kopfmaße verfasst.
Doch lasst mich nun zu meinem Anliegen kommen. Mein Vetter mütterlicherseits, ein Händler aus Beridheim, der zu dem diesjährigen Methfeste auf Burg Rabenhag weilte, hat mir etwas höchst erstaunliches mitgeteilt. Ein sprechendes Buch sei in Eurer höchst ehrenwerten Bibliothek gefunden worden. Man munkelt sogar, es sei von einem Manne Fürst Arobens geschrieben.
Verzeiht meine Neugier, aber als Gelehrter alter Schriften muss ich dieses Buch einfach zu Gesicht bekommen und seinen Inhalt studieren. Habe ich mich doch schon mein Leben lang mit besonderer Inbrunst der Historie Herzog Arobens gewidmet. So wage ich Euch denn auch zu fragen, ob es wohl gar zu vermessen wäre, wenn Ihr mir das Buch ausleihen oder wohl seinen Inhalt kopieren könntet.
Geld spielt keine Rolle. Nennt eine Summe, ich werde sie Euch bezahlen. Selbstverständlich werde ich den Inhalt nur zu wissenschaftlichen Studien verwenden und an keine Person weitergeben. Ihr könnt Euch meiner Verschwiegenheit absolut sicher sein.
Ich hoffe inniglichst, Ihr werdet meine Bitte in Erwägung ziehen. Gerne käme ich auch selbst vorbei, um mir das Buch in Augenschein zu nehmen oder den Text zu kopieren, wenn es denn nicht anders geht.
In Erwartung Eurer baldigen Zusage!

Mit Ehrerbietung
Honoratio Hengstsamen, Gelehrter

Bericht eines Schamanen

Dieser Bericht wurde der heligonischen Schreibstube zugesandt, doch wurde die Redaktion daraus nicht schlau. Vielleicht mag er einem lesenden Gelehrten Weisheit geben…

Ich, Schamane von land hinter berge bin und führte mich weg hierdurch wo nicht sprechen Meine sprache Derer Viele. Seh ich am wegesRand Große Mensch stehe welche mihr sagen WOLF sind tot und sehen Meine augen doch nicht.
So ich fragen WOLF in nacht Zu der Alle im WaldLanD sind, was los ?
Und WOLF schwach hier. Und WOLF sagen anderes rudel JaGen hier. So WOLF mir nicht viel antwort geben sondern WOLF sagen warnen Andre Tire vor jagd. So WOLF schnell rennen und laut Heulen und WOLFwolf nicht hierbleiben will. Ist nicht zeit zum Jagen und er auch nicht wissen ob Jagen dürfen. Hier menschen Seltsam weil Glauben an holZScheit. Und wolf auch nicht wissen ob er soll
denn revier sehr viel Gefahr.
So ich sagen Mann der wissen wie allen sagen und er versprechen sagen vielen anderen was WOLF gesagt

Krul wo Nacht Dunkel und leckre beute ist

Einladung zum alljährlichen Gelehrtenconvent

Auch dieses Jahr finden sich wieder die Gelehrten, Geweihten und an den Wissenschaften Interessierten zusammen, um allerley geheimnisvolle Phänomene zu erörtern. Die Gastgeberin wird in diesem Jahr Baronin Leabell von Tlamana sein. Der Convent wird vom 6. bis 8. Tage des 2. Xurlmondes abgehalten.
Interessierte mögen bei der Schreibstube um Reservierung ersuchen, da die Anzahl der Unterkünfte auch dieses Jahr wieder knapp bemessen ist.

Aufruf an alle Gelehrte und Erfinder!

Der diesjährige Gastgeber des Adelstages, Markgraf Kalveram von Norrland-Brassach, läßt verlauten, daß jeder Gelehrte, welcher zu diesem Anlasse eine eigene Erfindung vorstellt, mit einem Preise rechnen kann. Derjenige, dessen Erfindung die meißte Anerkennung verdient, wird reichlich mit Ruhm und Dukaten überschüttet.

Ausgabe 9 des Portals im Juni 2000
© 2003 Waldfaun-Verlag, Aalen-Waldhausen
Alle Rechte vorbehalten

Berichte von Axel Baune, Henning Frank, Oliver Friese, Petra Jörns, Thomas Konrads