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Im 2. Xurl, 35 n.A.III
Ausgabe XIX
Notatio zu „Experimente zu aktuellen Fragestellungen der Problematistik“ von S.I. Petasites & P.C. Calluna

Wie schon Wutzio & von Nigramsfall unbestritten erkannten, ist die Anordnung von Problemfeldern als Akkumulation globulärer Trianguli in tangentialen Quadranten eine bewiesene Tatsache. Die Formatio extraproblematischer Individuen mithilfe einer exakt definierten Versuchsanordnung und deren Descriptio durch die ehrwürdigen Professores S.I. Petasites & P.C. Calluna, beide Cambrück, ist also durchaus lobenswert und im Sinne der Scientia Problematistica amplifico. Jedoch muss man als aufgeweckter Observator der Materia einige Singularitates des Procedere cum grano salis anmerken.
So läßt die exceptive Verwendung von SLTs (Standard Landmann Thal) die Resultationes doch sehr inaequaliter ausfallen. Auch die vorgeschlagene Erweiterung der Materialia mit EBLs (Exceptionell begabter Lingonier) erscheint mir noch nicht satisfizierend genug, um eine Conclusio generalis aufstellen zu können. Zu diesem Zweck wären quidem noch weitere Experimentales mit mindestens einem OSB (Ostarischer Standardbeamter) und einem PDS (Preiswerter Darianischer Schmuggler) erforderlich. Dass dies von den Professores als „nicht notwendig“ [S. 3, Z.9] erachtet wird, ist adaequaten Magistern schlichtweg incomprehensibilit. Der von beiden Autores sogar zitierte „Kleyne Folianthus der Versuchskunde“ unseres geschätzten Lerchtenbrecht beschreibt derartig obsolete Procedere auf den Seiten 5-79ff. [Ausgabe 72 v.A.III., 17. Auflage].
Weiters tun sich auch im Procedere experimentalis sequens einige Ungereimtheiten auf. So soll sich der Versuchsaufbau in einem Cambrücker Keller der Ebene 10 abgespielt haben. Aufmerksame Leser des Boten wissen aber, dass aufgrund extraordinärer Ereignisse im Jahre 29 n.A.III. die Ebenen 9-11 der universitären Kelleranlagen wegen Einsturzgefahr durch Thaler Regierungsbehörden gesperrt wurden und seitdem nicht mehr betreten werden dürfen. Ebenso obscuriter ist der Einsatz eines durch Wasserkraft betriebenen Spulen-Torquerators in jenem Keller. Jedermann weiß, dass zum Tractieren von 3 SLTs mit Problemationes der Klasse 5 zwar tatsächlich ein Torquerator der Größe von 70 auf 50 auf 20 Ellen notwendig ist, jener jedoch zum Betrieb ein Gewässer mit einer Fließgeschwindigkeit von mindestens der Klasse 7 benötigt. Da aber durch die Ebene 10 weder der Brazach noch ein anderer unterirdischer Fluß ähnlichen Ausmaßes fluktuiert, geschweige denn aus den höheren Ebenen ein Wasserfall descendiert [Baupläne der Universität zu Cambrück, Fürstliche Thaler Hofbibliothek, Regal IV/8b], fragt man sich: Cui bono??
Ceterum censeo: Dass nach 5 Stunden Fixierung auch ohne Tractierung durch Senticeta semi-vivens akkumulierte Problemfelder auftauchen, ist communiter bekannt und bedarf wahrlich keiner neuen Beweisführung. Bedenklich dagegen der causalierte Exitus der SLTs, was die Abgängigkeit verschiedener Materialiae in den letzten 3 Jahren rund um Cambrück expliziert und auf das Verschwinden weiterer Personae nongratae in diversen Kellern ein ganz anderes Lux wirft.
Letztendlich bleibt die Quaestio: Wurde dieses Procedere experimentalis wirklich um der Scientia willen durchgeführt, oder – wie im letzten Absatz frech postuliert – wollte man erhofften Maecenae eine „Sensatio extremadura“ unterbreiten, um weitere finanzielle Mittel ex quibus zu lockern?
In der derzeitigen Cambrücker Lage sicher eine verständliche agio, aus der Sicht der studiosi aber eine exorbitante Profusio von Studiengebühren und öffentlichen Mitteln, welche man pro bono scientiae nicht einreißen lassen sollte!

Findabair, Magistra an der Universität zu Marola in Sedomee

Quergedanken

Vor wenigen Monden fand, wie dem geneigten Leser sicherlich bekannt ist, ein Vorturnier zur offenen darianischen Utzganmeisterschaft im Örtchen Zardasia statt. Einige Mitglieder der Academia Rei Preheliotica weilten während dieser Zeit in Darian und wohnten dort dem Turnier bei. Nicht der sportliche Ehrgeiz trieb sie dort hin. Nein, diese Personen waren eigentlich aus purem Zufall vor Ort, kehrten sie doch von einer Reise aus Sedomee zurück an die Academia. Wie es nun der Zufall wollte ereigneten sich – abgesehen von dem Turnier – geradezu bemerkenswerte Dinge. Darianische Geschichten tauchten auf. Es zeigte sich, dass in diesen Geschichten Dschinnen gebunden waren, die nach und nach frei kamen und so eine Wesenheit, die „der Graue Prinz“ genannt wurde, wieder zu seinen Erinnerungen fand.
Es ist nun nicht unser Ansinnen, über die Ereignisse vor Ort zu berichten. Dies sollte Personen überlassen werden, die zugegen waren uns somit aus erster Hand berichten können.
Als uns aber die darianischen Geschichten und die Berichte zu Ohren kamen, drängten sich einige Parallelen zu Geschehnissen in Heligonia auf, die zum Teil schon vor geraumer Zeit stattfanden. Man saß bei einer Kanne Tee zusammen, spekulierte und sinnierte über Zusammenhänge und ließ die Gedanken schweifen. Es mag nun sein, dass es sich hierbei um reine Spekulationen oder Zufälle handelt und so liegt es uns fern, unsere Gedanken als zwingend richtig zu erachten. Ebenso können wir nicht dafür bürgen, dass hier alle Parallelen beschrieben sind, die sich vor Ort zeigten. Trotzdem sahen wir uns veranlasst, hier einige Dinge darzulegen, die uns ins Auge stachen. Möge ein jeder sein eigenes Urteil fällen.

Beginnen möchten wir mit einem Passus aus der Geschichte über den Grauen Prinzen. Er war der Herrscher eines Landes und lebte in einer Stadt aus Silber und Glas? Eine Anspielung auf das Material, das wir heute als Ameryll oder Fliran kennen? Und was bleibt zurück, wenn eine Stadt aus Glas zerbricht, so wie der Geist des Grauen Prinzen? Eine zerbrochene Stadt? Immerhin wird vermutet, dass der Ort, den man als „zerbrochene Stadt“ kennt, zumindest zum Teil in Darian liegt.
Der Graue Prinz wandelte, verzweifelt über den Verlust seiner Geliebten durch seinen Palast und fand hinter einer bis dahin ihm unbekannten Tür einen Brunnen. Als eine Träne von ihm ins Wasser fiel, erschien der Herr der Dschinnen, auf dessen Anraten sich der Prinz in einem See ertränkte, um in Poenas Garten zu gelangen – eine erstaunliche Parallele zu jenen, die man die Reisenden nennt. Auch sie wandeln suchend durch die Welt, ohne genau zu wissen, was genau sie suchen: Ihre Suche ist jedoch von Opfern und Qualen begleitet, bei der sie immer mehr zurücklassen, was sie an diese unsere Welt bindet: Zuerst Freunde und Familie, dann ihre Heimat, immer mehr von ihrem Besitz, bis sie schließlich am Ende ihrer Reise auf Poenas Weltenscheibe ihr Leben verlieren – oder ihrer Seele die Weiterreise ermöglichen, indem sie ihren Körper zurücklassen. Bei der Wunderquelle bei Burg Wachtstein in Tlamana berührten auch sie die Quelle. Selbst wenn ihr Leib tot zurückblieb, was geschah mit ihrem Geist? Eine weitere Parallele könnte bei Bruder Adrian gesehen werden. Er, der von Blindheit geschlagen war führte den Zug von Ceriden an, der das Tor der Unschuld suchte. Gemäß einer ceridischen Prophezeiung erlangte er erst am Tor das Augenlicht wieder. War nicht auch er wie ein Reisender oder der Graue Prinz? Er wanderte durch die Welt, ohne zu sehen was er suchte und erkannte sein Ziel erst, als er es erreicht hatte.
Den ersten beiden Ereignissen ist eine weitere Eigenschaft gemein: Das Wasser. Die Quelle bei Wachtstein war übersäht von Xurl-Referenzen, die Hüterin der Quelle ein nixenhaftes Wesen. Suchen die Reisenden den Übergang in ein anderes Dasein vorzugsweise über das Wasser?
Aber weiter: Es tauchten sieben Geschichten auf, in denen sieben Dschinnen gefangen waren. Ein jeder Trug eine Maske in einer eigenen Farbe: Schwarz, Rot, Grün, Blau, Gelb, Sandfarben und Weiß. Leider können die Farben im Moment noch nicht gedeutet werden. Die weiße Maske jedoch wurde vom letzten Dschinn, dem Grauen Prinzen selbst getragen. Er war in einen weiten grauen Mantel gehüllt und auch wenn dieser keine Schriftzeichen trug, so war die Ähnlichkeit mit den Wesen, die wir als Phiare kennen, erstaunlich. Eben jene Phiare, die Rätselsteller, Schauspieler und Spieler. Jede der Geschichten erwachte während der Tage in Zardasia und ergriff von Anwesenden Besitz, so dass sie die Geschichten nachspielten. Spiele, Rätsel, Zufälle? Erstaunlich ist jedoch, dass die Geschichtenerzähler, die während des Turniers anwesend waren, am Ende zusammen mit dem Grauen Prinzen verschwanden.
Die Erinnerung des Grauen Prinzen wurde gebannt in sieben Geschichten. Sie wurde verteilt, zerschlagen, zersplittert. Es gibt eine Interpretation einiger Passagen aus dem Epos Myardus, die wahrscheinlich nur wenigen bekannt ist. Hier wird der wahnsinnige Geist des Äon als zersplittert und zerschlagen beschrieben – und es sei gut so, denn wäre er Eins, dann würde er erkennen. Was er erkennen würde, das ist uns nicht bekannt und es kann nur vermutet werden. Allerdings sind auch hier gewisse Parallelen kaum zu verschweigen. Am Ende wurde auf jeden Fall der Geist des Prinzen wieder hergestellt und der Prinz verschwand, den Worten seiner Liebsten folgend. Was würde wohl geschehen, wenn der Geist des Äon wieder Eins wäre?
Wollen wir nun einen kleinen Ausflug in die Zahlenmystik wagen. Es tauchten immer wieder Wesenheiten auf, deren natürliche Heimat nicht unsere Sphäre ist. Meist werden diese Kreaturen als Dämonen bezeichnet und ob die Dschinnen von einer ähnlichen Art sind, bleibt zu ergründen. Bei der Beschwörung eben solcher Wesen treten immer wieder zwei Zahlen ins Licht: Sieben und Fünf. Diese mystischen Zahlen werden bei der Gestaltung der Beschwörungssymboliken und Kreise verwandt, aber oft auch in der Zahl der Anrufungen, der Zuordnung von Eigenschaften und ähnlichem. Die Sieben trat nur wieder in Zardasia bei der Zahl der Dschinnen auf. Wollen wir uns also der Fünf zuwenden.
So möchten wir doch auf etwas hinweisen, das vielleicht etwas weit hergeholt ist: nämlich auf einen Kinderreim, der in Sengenberg wohl so manchem Kind bekannt ist. Dieser Kinderreim trat zum ersten mal auf dem Gaerenhof für uns bewusst in Erscheinung. Dort trieben dämonische Wesenheiten ihr übles Spiel und schienen gewisse Ziele zu verfolgen. Besagter Kinderreim wurde des Öfteren von besessenen Dörflern rezitiert und was damit bezweckt werden sollte ist unbekannt. Eine Theorie besagt, dass die fünf Zeilen des Reims die Kreise Verdammnis darstellten, auf denen die Dämonen die Anwesenden in den Abgrund trieben. Und tatsächlich berichteten damals diverse Personen von Visionen, die man im Nachhinein als Verführungsversuche deuten kann. Seit den Geschehnissen in Sengenberg gab es übrigens immer wieder Momente und Ereignisse, die mit eben jenem Kinderreim in Verbindung bebracht werden konnten, wenn auch zum Teil nur sehr rudimentär. Aus diesem Grunde soll aber auch dieser Reim noch einmal dargelegt werden. Er ist doch nur noch Wenigen in Erinnerung und scheint doch mehr Bedeutung zu haben als man denken mag:

Eins – Erst gibst du deine Unschuld.
Zwei – Dann frisst du deinen Hass.
Drei – Dann gibst du deine Liebe her.
Vier – Verlierst der Sünden Spaß.
Fünf – Schließlich dein Gemüt vergeht, verlierest den Verstand.
Dein Betteln kein Gehör mehr findt und flehst um Todes Hand.“

Vielleicht ist die Querverbindung zu diesem Reim nur über die Zahlenmystik weit hergeholt, unserer Meinung nach ist die Verbindung aber nicht völlig abwegig. Als nächste ungerade Zahl folgt die Neun, die sich auch in den Texten findet. Denn stürzte nicht Creldinor in neun flammenden Strahlen zur Erde? Aber damit genug.
Hier noch ein Gedanke, der aber zugegebener Maßen etwas abschweift: auf dem Gaerenhof tauchten Dämonen auf, wohl zwei an der Zahl. Nach gängiger Meinung hätte das Unsichtbare diese Wesen tilgen müssen, was jedoch nicht geschah. Ebenso zwei (wenn auch andersartige) Dämonen traten beim Fund des Tores der Unschuld in Erscheinung. Auch hier zeigte sich die Macht des Unsichtbaren nicht, oder zumindest nicht offensichtlich. Es wurden schon Vermutungen geäußert, dass auch beim Fund des Tores eine Analogie zum Kinderreim hergestellt werden können, wenn dies wohl auch nur sehr theoretisch ist. Sicher ist allerdings, dass dort zumindest ein Teil der Personifikation der vier Temperamente auftrat, viel bewirkten diese dort allerdings nicht, kamen sie doch bald zu Tode. Diese geschah zum ersten Mal auf der heute so genannten Herzogenburg in der Nordmark, wo die Temperamente offen und in großer Zahl auftraten und wohl Teile des zersplitterten Geistes eines alten Magus darstellten. Auf die Analogie zu den oben erwähnten Passagen muss wohl nicht weiter hingewiesen werden. Übrigens trat damals trotz des Übermaßes an Magie das Unsichtbare erst ganz zum Ende hin Erscheinung und nahm dann auch nur den Magus mit sich, der durch das Zusammenfügen seines Geistes wieder zu Erkenntnis kam. Erstaunlich, diese Parallele. Zwei Wesen, die wohl aus Alter Zeit stammen waren verwirrt, ihr Geist war zerbrochen und verteilt. Beiden gelang es, ihren Geist wieder zusammenzusetzen und beide wurde kurz darauf von einer höheren Macht gerufen. Und um die Analogie zu komplettieren: Beide folgten dem Ruf freiwillig! Nun wissen wir vom Magus auf der Herzogenburg, dass der Rufende das Unsichtbare war, wohingegen der Graue Prinz von seiner Geliebten gerufen wurde. Handelt es sich vielleicht um die gleiche Macht?
Man könnte schon beinahe meinen, dass es das Ziel des Unsichtbaren ist, die Erkenntnis zu verhindern. Aber welche Erkenntnis? Das damals gefundene Siegel wird seither jedenfalls sicher verwahrt. Es wurde als Abbild des Geistes des Magus angesehen, steht wohl aber auch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tor der Unschuld. Die genauen Verbindungen sind aber schleierhaft. Man kann sogar darüber debattieren, ob nicht auch eine Form des Unsichtbaren am Tor der Unschuld auftauchte. Ein Reisender erkannte damals sich selbst, sein Ziel und seine Bestimmung und wurde zu etwas, das die Ceriden Amandatus nennen. Das Siegel, das er verwandte, hatte eine nicht zu übersehende Ähnlichkeit zum Symbol des Jägers, welcher ja eine Form des Unsichtbaren ist. Ebenso hatte der Amandatus wohl die Macht, den oder die Dämonen zu zwingen oder sogar zu vernichten.
Um wieder nach Zardasia zurückzukehren: Auch hier trat das Unsichtbare nicht auf, obwohl das Maß der mystischen Ereignisse dieses wohl nicht abwegig hätte erscheinen lassen. Es werfen sich also zwei Fragen auf: Worin liegt die Motivation des Unsichtbaren, das offensichtlich zielstrebig ist und nur dann eingreift, wenn es seinen Zielen nicht dienlich ist? Und worin liegt der Unterschied zwischen einem Dämonen und einem Dschinnen? Letzten Endes sind beide Wesenheiten, deren natürliche Heimat nicht diese Sphäre ist. Sind den Dämonen, Dschinnen, vielleicht sogar die Phiare so grundverschieden, oder liegt ihre Natur enger beisammen, als man gemeinhin denken mag?
Eine weitere Passage aus der Geschichte des Grauen Prinzen erregte unsere Aufmerksamkeit: In seiner Ungeduld lies er von den Dschinnen den Garten Poenas in großer Eile durchsuchen, so daß ein Sturm von solcher Stärke entfacht wurde, daß dieser den Prinzen zurück in die Welt der Menschen warf. Dieser Sturz sorgte für die anschließende Verwirrung, er konnte sich an nichts mehr erinnern. Auf dem Gelehrtenconvent zu Grünwalden fanden sich merkwürdige Sphärenphänomene, welche vermutlich Überreste aus der Zeit der Umwälzung waren, jenem großen Ereignis von vor rund 700 Jahren, das Heligonia seine heutige Form gegeben hat. Überlebende (wenn man sie so nennen will) berichteten hiervon, daß mit einem Mal „oben unten, heißes kalt, blaues süß und grünes laut“ ward – eine totale Verwirrung und Verkehrung der Sinne, wie sie (in schwächerer Form) bei Sphärenübergängen zu beobachten sind (wir gehen davon aus, daß diese Verwirrungen die Reaktion des menschlichen Geistes sind, der nicht in der Lage ist, die neue, fremde Umgebung zu erfassen). Ist dem grauen Prinzen hier ähnliches wiederfahren? Oder ist der Sturm im Garten Poenas möglicherweise sogar eine poetische Beschreibung für die Ereignisse aus der Zeit der Umwälzung?
Nun, wir werden es nicht erfahren, denn die beiden uns bekannten Wesenheiten, die anscheinend massiv von diesem Effekt betroffen waren, wurden kurz nach ihrer Selbsterkenntnis unserem Zugriff entzogen und wir werden wohl nie erfahren, was genau sie wussten und erkannten. Vielleicht wurden sie genau wegen diesen Wissens „entfernt“.
Erstaunlich ist auch die Gestalt des Herrn der Dschinnen. Er scheint wenig Respekt vor den Vieren zu haben, denn sonst würde er nicht so dreist in Poenas Garten eindringen. Er erfüllt zwiespältige Wünsche, denn sonst würde er nicht eine Tote zu den Lebenden zurückbringen wollen. Aber sind diese beiden Eigenschaft – zusammen mit einer gehörigen Portion Macht – nicht auch die Dinge, die den Daimon der Ceriden auszeichnen? Und Verhalten sich nicht auch Personifikationen des Unsichtbaren ähnlich? Hier möchten wir an den Vertreter des Unsichtbaren erinnern, der auf dem Drei-Ulmenhof den Vieren gegenüber stand. Respekt vor Göttern sollte doch anders aussehen, oder nicht?

Es ist und bleibt bemerkenswert, wie sich einige Parallelen zwischen einem Weiler in Sengenberg, einer Burg in der Nordmark, dem Tor der Unschuld und einer Sammlung darianischer Geschichten darstellen. Die Fragen nach der Motivation des Unsichtbaren stellt hier einen Kernaspekt dar, doch unsere Theorien sich so spekulativ, dass wir davon absehen wollen, sie hier auszubreiten. Wie all das zu deuten ist bleibt dem geneigten Leser überlassen.
Letzten Endes ist alles ein großes Rätsel und es bleibt die Frage, die uns seit Jahren vorwärts treibt: „Was aber ist die Welt?“

Mag. Hannes Reichenbach
Mag. Arwed von Lauenburg
Mag. Londae von Sargentis

Ausgabe 19 des Portals im Oktober 2007
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Berichte von Daniela Lochner, Bernhard Gehl, Günther Merk, Stefan Schlott